Bei »Maigret macht Ferien«, dem Band 28 der bei Diogenes erscheinenden Reihe, fällt das besonders auf. Der Autor verfasste ihn 1947 in Tuscon, Arizona, weit entfernt von Frankreich und seinen beschaulichen Gemeinden. Und doch siedelte er genau dort seinen Roman an: in der Kleinstadt Les Sables d'Olonne an der Atlantikküste.

Der Roman ist streckenweise amüsant: Maigret gilt als Berühmtheit, er kann nicht einfach durch eine Kleinstadt gehen, ohne dass ihn die Leute erkennen. Seine Gespräche mit örtlichen Polizisten oder gar Krimi-Fans haben etwas Eigen-Satirisches.
Ansonsten ist der Fall eher deprimierend. Zum wiederholten Mal muss Maigret feststellen, wie zementiert die gesellschaftlichen Verhältnisse in kleinen Städten sind, wie sehr Oberschicht und Arbeiterklasse voneinander entfernt leben. Der Autor zeichnet in klaren Bildern die Unterschiede der Lebenswelten, ohne in peinliche Arbeiterklasse-Romantik zu verfallen.
Dabei entwickelt sich der Roman spannend. Maigret als Ermittler ohne Auftrag hat seine komischen Elemente, ist zugleich aber sehr traurig – sein Schnüffeln trägt schließlich dazu bei, dass es einen Mord gibt. Das Stochern in Beziehungen, die vielen Gespräche mit örtlichen Wirten und Händlern oder Menschen der Oberklasse zeigen viel von der Wirklichkeit einer Kleinstadt.
Ich habe die Lektüre dieses Romans wieder einmal sehr genossen, nachdem ich lange Zeit eine »Maigret-Pause« eingelegt hatte. Jetzt freue ich mich schon darauf, bald einen weiteren Roman aus dieser Reihe lesen zu können.
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