15 Mai 2023

Die Ruhrstadt im Jahr 2064

Sieht man sich Deutschland im Jahr 2064 an, geht es den Leuten offenbar gut. Man hat die Klimakrise in den Griff bekommen – unter anderem durch massive Programme zur Aufforstung –, die gesellschaftlichen Verhältnisse sind sehr stabil, und dank des Freiheitsgeld können alle Menschen gut leben. Unter dem Freiheitsgeld versteht man das, was in der heutigen Diskussion noch als »Bedingungsloses Grundeinkommen« bezeichnet wird.

In seinem aktuellen Roman spielt Andreas Eschbach den Gedanken durch, was es bedeutet, wenn ein solches Grundeinkommen eingeführt wird. Er zeigt die Situation, die sich im Lauf der Zeit daraus ergeben hat, und erzählt erst sehr viel später in seinem Roman – er trägt den passenden Titel »Freiheitsgeld« –, wie das System umgesetzt worden ist und wo es auffallende Probleme gibt.

Zuvor aber präsentiert er eine breit angelegte Geschichte, die in weiten Teilen wie eine Mischung aus Kriminal- und Gesellschaftsroman anmutet. Er stellt verschiedene Menschen und ihre Schicksale vor, die sich an einigen Stellen treffen, am Ende aber zumeist wieder ihre eigene Wege gehen. Handlungsort ist Nordrhein-Westfalen, wo in dieser Zukunft längst die Ruhrstadt entstanden ist.

Eschbach schildert einen jungen Polizisten, der sich zuerst vor allem um Steuersünder kümmern soll, dann aber zu den Beamten versetzt wird, die um Mordfälle und andere Schwerverbrechen aufklären sollen. Der merkwürdige Selbstmord eines alten Politikers, der Jahrzehnte zuvor das Freiheitsgeld eingeführt hat, bringt ihn auf eine Spur, die viele verwirrende Fragen aufwirft. Was hat der Politiker gewusst, warum hat er sich mit einem Journalisten getroffen, der über lange Zeit hinweg sein persönlicher Feind war?

In einer anderen Handlungsebene geht es um ein junges Paar, das in einer abgeschlossenen Siedlung wohnt. Während der junge Mann den reichen alten Menschen als Physiotherapeut hilft und damit eine sinnvolle Beschäftigung hat, langweilt sich die junge Frau, weil sie trotz Freiheitsgeld keine relevante Aufgabe für sich sieht. Sie stellt allerlei Nachforschungen an und kommt zu ungewöhnlichen Antworten auf Fragen, die sonst offenbar niemand stellt.

Andreas Eschbach ist ein routinierter Autor, der genau weiß, wie er seine Figuren zu führen hat, wie er Dialoge schreibt und wie er Informationen so anbringt, dass sie für Spannung sorgen. Sein Roman liefert eine unterhaltsame und mitreißende Geschichte, die vor allem am Anfang auf tiefgründige Informationen verzichtet. »Freiheitsgeld« ist ein Science-Fiction-Roman, der für die Fans des Genres viele Details bietet, die ihnen Spaß machen, der aber so geschrieben ist, dass er herkömmliche Thriller-Fans ebenso packen dürfte.

Ich las »Freiheitsgeld« praktisch am Stück: sehr gut geschrieben, auf den Punkt gebracht und mit einem ernsthaften Thema, über das man zwischendurch auch mal nachdenken kann. Gut ist zudem, dass der Autor seine eigene Meinung aus dem Geschehen heraushält – als Leser kann man sich selbst entscheiden, wie man an welcher Stelle entschieden hätte.

Empfehlenswert!

Die gedruckte Ausgabe von »Freiheitsgeld« wurde bei Lübbe als Hardcover mit Schutzumschlag veröffentlicht. Das Buch ist 528 Seiten stark und kostet 25,00 Euro.

(Diese Rezension wurde bereits im April auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN veröffentlicht. An dieser Stelle hier wiederhole ich sie aus dokumentarischen Gründen.)

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