
Die Geschichte spielt in der Jugend des Milliardärs Bruce Wayne, also in der Zeit, in der er noch kein Dunkler Ritter ist und im Kostüm einer Fledermaus den Kampf gegen das Verbrechen führt. Der junge Mann ist im nördlichen Alaska unterwegs, verliert seine Ausrüstung und kann nur überleben, weil ihm ein indianischer Schamane hilft. Später wird er wieder mit dieser Vergangenheit konfrontiert: In seiner Funktion als Batman stößt er auf einen indianischen Kult, dem in Gotham City mehrere Menschen zu Opfer fallen.
Bei »Der Schamane« handelt es sich um eine Geschichte, die zwischen die Zeiten fällt: Es ist keine der altmodischen »Batman«-Geschichten mehr, die eigentlich sehr banal und albern waren, und es ist noch keine der ernsthaften »Batman«-Interpretationen, die um diese Zeit aufkamen. Mit Frank Millers beeindruckendem Comic »Year One« beispielsweise lässt sich diese Geschichte nicht vergleichen.
Das schadet nicht. Als Comic-Autor weiß Dennis O'Neill, wie man eine Geschichte spannend aufzieht. Er bringt düstere Effekte in die Handlung ein, verbindet sie mit indianischen Mythen und macht trotzdem den einen oder anderen Spaß in den Dialogen zwischen Bruce Wayne und seinem Butler. Das ist gut gemacht und unterhält gut.
Die künstlerische Darstellung fällt tatsächlich ein wenig ab. Ed Hannigan ist ein ordentlicher Zeichner, aber eben im Durchschnitt der amerikanischen Superhelden-Einheitskost anzutreffen. Er illustriert die Geschichte ansprechend, hat aber manchmal bei den Gesichtern seine Probleme; sie wirken gelegentlich verzerrt oder erinnern an alte Comic-Klischees.
Unterm Strich bleibt, dass »Der Schamane« eine starke Geschichte aus dem »Batman«-Universum erzählt, die vor allem die Fans der Figur hervorragend unterhalten wird. Für Neulinge empfehlen sich bessere Geschichten. (Ich gehöre zu denen, die sich sogar die Hardcover-Version gekauft haben. Aber da bin ich auch ein bisschen seltsam.)
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