Der wichtigste Grund, warum wir am Freitagabend nach Stuttgart fuhren und uns in die Oper begaben, war eigentlich Architektur. Wir wollten die alte Staatsoper, die mitten in der Stadt steht, noch einmal sehen, bevor sie für längere Zeit zu einer Baustelle wird – das altehrwürdige Gebäude muss dringend renoviert werden, was man im Innern auch an vielen Stellen sieht und sogar riecht ... es ist alles ein wenig staubig und muffig.
Aber wir schauten uns tatsächlich eine Oper an. Auf dem Programm stand »Madama Butterfly«, der große Klassiker von Giacomo Puccini, über deren Inhalt ich mich erst einen Tag zuvor ein bisschen vertraut machte. Dabei ist die Geschichte ziemlich wuchtig und auch zeitgemäß.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts sorgen die Amerikaner dafür, dass Japan sein abgeschottetes Kaiserreich gegenüber dem Handel mit den Vereinigten Staaten öffnet. Ein amerikanischer Kapitän lässt sich auf eine »Ehe auf Zeit« – eigentlich ist das nur eine getarnte Prostitution mit Minderjährigen – ein und heiratet eine 15 Jahre alte Japanerin. Weil er sich ihren Namen nicht merken kann, wird sie nur Madama Butterfly genannt. Er schwängert das Mädchen und reist wieder ab. Als er drei Jahre später wiederkommt, wartet sie immer noch sehnsüchtig auf seine Rückkehr, von ihrem Volk verstoßen und fast mittellos ...
Wenn man will, ist das also eine hochpolitische Geschichte. Auch wenn das vom Ensemble der Oper nicht ausgereizt wurde, kapiert das jeder, denke ich. Ich kann die Musik nicht ernsthaft beurteilen, weil ich von Opern keine Ahnung habe, fand sie auf jeden Fall sehr wuchtig. Gesungen wurde sehr eindrucksvoll. Vor allem die Hauptdarstellerin, eine russische Sängerin, brachte eine enorme Leistung auf der Bühne.
Schauspielerisch fand ich das ebenfalls stark: Es gibt in der Oper eine Szene, wo die Frau, ihre Dienerin und das Kind auf die Ankunft des Kapitäns warten. Sie warten die ganze Nacht hindurch, und das ist eine Szene ohne Worte, nur mit Musik – das kann ich kaum beschreiben, aber es war extrem eindrucksvoll.
Alles in allem beeindruckte mich die Oper: ungewöhnlicher Ort, für mich ungewöhnliche Musik, insgesamt eine spannende Inszenierung.

1 Kommentar:
Informationen zu »Madama Butterfly«, zu denen auch »bewegte Bilder« gehören, gibt es auf der Internet-Seite der Staatsoper Stuttgart.
Hier:
https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/a-z/madama-butterfly/
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