Die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts: Der Klimawandel nimmt einen immer stärkeren Einfluss auf das Leben der Menschen. Eine Katastrophe jagt die andere, dazu kommen Krankheiten und Not. Doch es gibt Menschen, die trotz allem versuchen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren und eine neue Zukunft aufzubauen …
Das ist, wenn man es genau nimmt, der Inhalt des wunderbaren Science-Fiction-Buches »Arborealität« der kanadischen Autorin Rebecca Campbell. Es ist kein Roman; streng genommen handelt es sich um sechs Erzählungen, die jede für sich allein stehen kann. Es gibt aber Figuren und Schauplätze, die immer wieder auftauchen oder erwähnt werden. Und so entsteht das Porträt einer Welt, die sich verändert, eine Geschichte bis zum Anfang des 22. Jahrhunderts, ein faszinierendes Mosaik aus Figuren und Ideen.
Die Autorin versucht nicht, die gesamte Welt darzustellen. Sie konzentriert sich auf Vancouver Island in British Columbia, an der Pazifikküste Kanadas gelegen. Dabei gelingen ihr stimmungsvolle Porträts und ein mitreißendes Panorama einer neuen Zeit. Man erfährt wenig darüber, was auf anderen Kontinenten passiert, nicht einmal die Vereinigten Staaten scheinen mehr ein Thema zu sein. Die menschlichen Gemeinschaften schrumpfen, sie verlieren den Kontakt zu den großen Nationen, und sie versuchen eben, sich selbst am Leben zu erhalten.
Was mir bei der Lektüre des Buches, das in einem sehr angenehmen Stil geschrieben und entsprechend übersetzt worden ist, besonders gefallen hat: Es werden keine kriegerischen Auseinandersetzungen geschildert, keine erbarmungslosen Kämpfe um die letzten Ressourcen – die Menschen, die in den sechs Geschichten porträtiert werden, setzen sich friedlich und mit viel Energie für ihre Gesellschaft und für eine positive Zukunft ein.
Die Autorin findet dafür schöne Bilder, die nachwirken. Beispielsweise erzählt sie eine Geschichte vom Bau einer Kathedrale; diese wird aber nicht aus Steinen errichtet, sondern aus Bäumen, die über viele Jahrzehnte hinweg wachsen und deren Äste entsprechend verflochten werden. Eine andere Geschichte zeigt einen Geigenbauer, der ein neues Instrument schaffen will, die speziell für eine begabte Musikerin gedacht ist. Dabei wirft die Geschichte auch einen Blick in die Vergangenheit, und ganz nebenbei bekommt man bei der Lektüre viel Wissenswertes über Geigen vermittelt …
»Arborealität« ist ein gelungenes Werk; die sechs Erzählungen haben mir allesamt gefallen. Von Rebecca Campbell, die schon mehrere Preise gewonnen hat, würde ich gern mehr lesen. Die Autorin wirft einen spannenden Blick auf die nahe Zukunft, der nicht von Pessimismus geprägt ist, auch wenn sie die Klimakrise und ihre Folgen klar benennt. Sehr empfehlenswert!
Erschienen ist »Arborealität« als kleinformatiger Hardcover-Band im Carcosa-Verlag. Die Ausgabe ist keine 200 Seiten dick, kostet 18,00 Euro und kann mithilfe der ISBN 978–3‑910914-30‑8 überall im Buchhandel bestellt werden. Das E-Book gibt’s für 12,99 Euro. Beide Versionen gibt es auch bei Versandhändlern wie dem PERRY RHODAN-OnlineShop.
(Die Rezensiono erschienk im Oktober auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Ich kopiere sie hier zur Dokumentation ein.)

1 Kommentar:
Weitere Informationen sowie eine Leseprobe zu »Arborealität« gibt es auf der Internet-Seite des Carcosa-Verlags.
Hier:
https://carcosa-verlag.de/unsere-buecher/arborealitaet/
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