11 Februar 2026

Ein SF-Klassiker, das schon …

Ich kannte »Tuzub 37« schon lange vom Titel her, gelesen hatte ich den Roman nie. Er gilt als einer der großen Klassiker der deutschsprachigen Science Fiction, auch wenn dieser Begriff damals nicht auf ihn gemünzt wurde. Seit einiger Zeit liegt er als schöne Hardcover-Ausgabe im Hirnkost-Verlag vor, und deshalb las ich ihn endlich.

Sagen wir so: Wer ausschließlich Science Fiction mag, die unterhaltsam ist und die eine spannende Vision der Zukunft entwirft, ist hier falsch. Der Roman trägt den Untertitel »Mythos von der grauen Menschheit oder von der Zahl 1« und ist von einer depressiven Grundstimmung erfüllt. Wie der Autor Paul Gurk es schaffte, so ein Werk im Jahr 1935 zu veröffentlichen – also in den Anfängen der Nazi-Zeit –, ist mir wirklich schleierhaft.

Bei dem Roman handelt es sich um eine düstere Dystopie einer Zukunft, die nicht mit einer Jahreszahl gekennzeichnet ist. Längst wird die Erde in dieser Zeit von den Grauen bewohnt, den Maschinenmenschen, also den Nachkommen der heutigen Menschen. Eigenständiges Denken und Handeln ist unerwünscht, es gilt, effizient zu arbeiten – und das idealerweise rund um die Uhr. Störende Elemente wie Berge werden planiert, Tiere und Pflanzen ausgerottet, Zeugnisse menschlicher Kultur ausgelöscht.

Was bleibt, ist eine Gesellschaft, die von grauen Menschenmassen beherrscht wird, die stumpf und kalt ihre Aufgaben erfüllen. Wenn es zu Unglücken kommt und die Grauen daran sterben, wird das als Fehler betrachtet – aber niemand trauert, denn die Maschinen müssen schließlich weiter an ihren großen Projekten arbeiten.

Der Stil ist kalt und nüchtern, meist sehr distanziert. Es gibt keine Figur, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird. Trotzdem erzeugt der Autor immer wieder phantastische Bilder: wenn die Grauen marschieren, wenn die Berge niedergewalzt oder die Meere ausgetrocknet werden. Das ist interessant zu lesen, das entfaltet seinen eigenen Reiz.

Spannend ist der Roman nicht. Ich halte ihn für wichtig und finde es gut, dass es eine Neuauflage mit entsprechenden Begleittexten gibt. Wer sich für die Anfänge der Science Fiction interessiert, sollte »Tuzub 37« auf seine Leseliste setzen, kann aber nicht auf eine freudiges Lektüre hoffen.

1 Kommentar:

Enpunkt hat gesagt…

Wer mehr über »Tuzub 37« wissen möchte, kann ich auf der Internet-Seite des Hirnkost-Verlags informieren. Hier:
https://www.shop-hirnkost.de/produkt/tuzub-37/