31 Juli 2006

Sechs Absätze zum Libanon-»Konflikt«

Nein, ich bin kein unpolitischer Oi!-Affe, der nichts gebacken bekommt. Aber ich bin auch nicht der große Polit-Theoretiker, der in der Lage ist, umfangreiche Vorträge zu allen möglichen Themen zu halten. Deshalb lasse ich das in meinem Blog sowie in meinem Fanzine. Normalerweise ...

Die aktuelle Krise im Nahen Osten geht mir aber derart auf den Sack, daß ich doch einige Sätze schreiben muß. Ich will da nicht grundsätzlich rumdiskutieren, keine Panik – aber das angebliche Massakker von Kana (oder Qana) ärgert mich komplett.

Seit fast drei Wochen werden und wurden aus diesem Dorf Hunderte von Raketen auf Israel abgefeuert. Die Raketenstellungen sind zwischen und auch in den Häusern untergebracht. Dabei wurden nach israelischen Angaben 18 Zivilisten getötet und einige hundert verletzt. Das interessiert die Weltpresse größtenteils nicht.

Nachdem die israelische Armee wochenlang die Bevölkerung des Dorfes gewarnt hat, kam es jetzt zu dem verheerenden Bombenangriff. Die hohe Zahl der Opfer schockiert die Weltöffentlichkeit. (Die sich keinen Millimeter rührt, wenn im Ostkongo tausend Zivilisten in einer Nacht zu Tode gehackt oder im West-Sudan einige Millionen Leute vertrieben werden. Hier sind die Täter aber Israelis, und dann ist es gleich ein Massakker.)

Nicht zu unrecht, dieses Töten von Zivilisten ist verabscheuungswürdig. Und ebenso unnötig wie die Bombardierung irgendwelcher Fabriken, in denen Milchprodukte hergestellt werden. (Das verstehe ich nicht.) Allerdings ist es vielleicht auch nicht sehr »klug« von den Milizen, Flüchtlinge in der Nähe ihrer Raketenstellungen übernachten zu lassen.

Es macht mich krank, wenn ich mitbekomme, wie einseitig berichtet wird. Aber ich schaffe es nicht, die Glotze auszulassen oder die Zeitungen ungelesen in den Müll zu werfen. Da lese ich lieber die Stellungnahme der israelischen Regierung oder den sehr guten Rungholt-Blog.

Kommentare:

Jonas hat gesagt…

Vollste ganzinhaltliche Zustimmung meinerseits! Wenn ich sehe das die Libanesen lieber die UNO-Zentrale plattmachen, als mal gegen ihre eigene Hisbolla vorzugehen dann versteh ich diese Leute einfach nicht.

Andi (Sänger) hat gesagt…

Ja, auch meine Zustimmung!

@Jonas: Ich befürchte, die Leute dort haben nicht so eine "objektive" Sichtweise der Lage. Das liegt auch an den Informationen die man dort bekommt. Damit meine ich nicht mal Zensur: gestern im heute journal hat die Ansagerin erklärt, dass entsetzliche Bilder von enstellten Kinderleichen reingekommen wären, die allerdings nicht bei uns gezeigt würden. Auf Al Jasira wurden sie sehrwohl gezeigt.

Was ich durchaus kritisieren kann ist die Haltung von Politikern, von Medien etc. Ich kann da durchaus ein gewisses Maß an Verständnis für die einfache Bevölkerung aufbringen (ohne es gut zu heißen!!!)

Enpunkt hat gesagt…

Aus der beschaulichen mitteleuropäischen Existenz, in der wir alle bequem sitzen, haben wir's natürlich immer einfach, über diesen Konflikt zu urteilen. Deshalb tu' ich mich seit Jahren immer schwer damit, objektiv zu sein.

Es nervt mich aber, von einem »Massakker« zu hören, wo es sich doch »nur« um eine möglicherweise überzogene Militäraktion handelt. Und es nervt mich, dass sich die Presse hier bei einem Fehlverhalten der Israelis fürchterlich aufregt (UNO-Stützpunkte bombardieren ist in der Tat nicht sehr hilfreich), aber völlig ignoriert, dass in den Fernseh- und Radiostationen der umliegenden Nachbarstaaten ein ununterbrochener Rassenhass gegen Israel gepredigt wird ... übrigens finanziert durch EU-Steuergelder ...

Reinhold hat gesagt…

ENDLICH spricht mir mal einer aus der Seele !
Du hast meine vollste Zustimmung, die ganze Sache geht mir inzwischen auch auf die Nerven, die Leute sind so einseitig und werden für dumm verkauft, aber was soll man machen, wenn man in einer Bevölkerung lebt, die sich lieber in irgendwelche Verschwörungstheorien flüchtet, als einmal zu versuchen, sich eine eigene, objektive Meinung zu bilden ?

Andi (Sänger) hat gesagt…

Auch immmer wieder lesenswert sind die Kommentare von Ulrich W. Sahm auf N-TV.de:

http://n-tv.de/695028.html

Enpunkt hat gesagt…

Eine Mail von Chris Scholz (ich@chrisscholz.net):

Hallo, ich habe keine Lust, "fehlende Plugins" zu installieren, nur um in Deinem Blog einen Kommentar zu hinterlassen, deswegen so (kannst es ja meinetwegen rüberkopieren):


Das Problem an dem sog. Konflikt da unten ist schlicht und ergreifend: er nervt. Als gäbe es nichts Wichtigeres als den Nahen Osten. Alleine, wenn man mal die Opferzahlen dort mit denen in so manchem "Konflikt" in Afrika vergleicht, ist das Ganze doch eher lachhaft.

Und wenn man sich doch noch mal darauf einlässt, sich mit dem Scheiß in Naost zu beschäftigen, fällt mir dazu auch nur ein: Kindergarten. Und zwar alle Seiten.

Jonas hat gesagt…

Also dass der Konflikt nervt finde ich nicht, er sollte uns schon angehen. Allerdings nimmt ab und an die Berichterstattung übrhand, ich denke aber, dass dies am politischen "Sommerloch" lieg. Wenn die Kanzlerin wieder da ist wirds wieder andere Themen geben. Aber zur Berichterstattung, wenn man ihr diese Tage noch folg, so sieht man, finde ich zumindest, eine gewisse Liberalisierung der Berichte. Es wird mittlerweile hinterfragt warum die Israelis alles bombardieren und es wird auch mal gezeigt dass die Hisbolah nicht die Guten sind, sondern Untergrundkämpfer denen scheinbar alles Egal und nichts heilig ist. Das ist IMHO schon ein Fortschritt der bei den Medien zu erkennen ist.

Rainer Mauch hat gesagt…

Hallo Klaus,

der Libanon-Konflikt ist nur der Anfang:

Der Libanon-Krieg ist nicht nur ein direkter Präventivkrieg gegen die Bedrohung durch die Hisbollah; er ist vor allem ein indirekter Präventivkrieg gegen eine aus israelischer Sicht sehr viel größere Bedrohung: nämlich gegen die durch den Iran. Eine einzige iranische A-Bombe auf Tel Aviv – und der Staat Israel ist Vergangenheit. Der anti-israelische Iran ist dabei, sich die Voraussetzungen für den Bau einer solchen Bombe zu verschaffen. Also … Für Israel ist die Entwicklung von Nuklearwaffen durch den Iran ein casus belli.
Und somit ist das klare Ziel dieses Krieges die "Vernichtung" aller Krakenarme des Irans und dann der Iran selbst.
Wir können uns also auf was gefasst machen...