Ich hatte Abdullah Ibrahim bereits im September 2024 gesehen und war damals sehr von dem Klavierspiel des südafrikanischen Pianisten angetan. Am Ostermontag, 6. April 2026, ergab sich eine zweite Möglichkeit für mich, ihn live zu erleben: Der Mann wird demnächst 92 Jahre alt und ist somit nicht mehr gerade blutjung; da muss man dankbar sein, wenn man ihn noch mal auf der Bühne sehen kann.
Der Saal im Theaterhaus in Stuttgart war brechend voll; wir hatten Plätze, die recht weit hinten lagen. Man sah und hörte trotzdem sehr gut. Im Saal war es auch die meiste Zeit unfassbar leise; sogar das übliche Hüsteln und Kleiderrascheln blieb weitestgehend aus.
Tatsächlich ist die Musik des Pianisten sehr ruhig. Das war sie in seinen jungen Jahren nicht immer, da spielte er durchaus auch mal schnellen Jazz. Die jüngeren Aufnahmen sind aber sehr ruhig und stimmungsvoll, und mit über neunzig Jahren muss man es ja nicht mehr so krachen lassen.
Der alte Mann, der mit dem Rollstuhl auf die Bühne geschoben wurde und dann am Flügel sehr schmächtig wirkte, schien mit seinem Instrument zu verschmelzen. Die Musik war ruhig und intensiv, sein Spielen umkreiste verschiedene Themen, so dass letztlich ein erstes Stück entstand, das mehr als eine halbe Stunde andauerte. Am Ende des vielleicht eine Stunde dauernden Konzerts sang Abdullah Ibrahim noch ein wenig; trotz seiner schon sehr brüchigen Stimme klang das ebenfalls intensiv.
Dieser Abend war weit außerhalb der Krachmusik-Szenerie, in der ich mich sonst sehr oft bewege, aber dennoch sehr bewegend. Diese Art der ruhigen Musik fand einen Zugang zu mir – und ich zu ihr. Sehr intensiv, sehr gut!
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
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07 April 2026
12 Januar 2026
Musikalisch gelungener Szene-Blick
Ich habe vom Lunsentrio bislang nicht viel gehört, habe aber den aktuellen Song »(Es ist) Grau überm Heinrichplatz« in den vergangenen Tagen andauernd im Ohr. Wer mag, kann das Lied als Hymne auf Berlin sehen, vor allem auf das Berlin, das ich in den 80er-Jahren kennengelernt habe – Kreuzberg und Umgebung also.
Besungen werden die Kneipen und Szenen rings um den Heinrichplatz; das Lied erzählt von Menschen und ihrem Alltag, von ihrem Leben, von Demonstrationen, bei denen es um besetzte Häuser geht. Das Ganze wirkt augenzwinkernd, aber irgendwie auch respektvoll.
Und musikalisch? Gitarrenpop der schrammeligen Art, absichtlich einfach instrumentiert, aber mit einer schönen Melodie ausgestattet – manchmal erinnert mich die Band an Quetschenpaua, der in den 90er-Jahren ebenfalls eine fast schon poppige Art hatte, auf Berlin zu blicken.
Sympathisches Stück – von der Band will ich mehr hören!
Besungen werden die Kneipen und Szenen rings um den Heinrichplatz; das Lied erzählt von Menschen und ihrem Alltag, von ihrem Leben, von Demonstrationen, bei denen es um besetzte Häuser geht. Das Ganze wirkt augenzwinkernd, aber irgendwie auch respektvoll.
Und musikalisch? Gitarrenpop der schrammeligen Art, absichtlich einfach instrumentiert, aber mit einer schönen Melodie ausgestattet – manchmal erinnert mich die Band an Quetschenpaua, der in den 90er-Jahren ebenfalls eine fast schon poppige Art hatte, auf Berlin zu blicken.
Sympathisches Stück – von der Band will ich mehr hören!
13 November 2025
Lenin auf einer Platte
Ich sah die Goldenen Zitronen in den 80er-Jahren zweimal: einmal als Vorgruppe der Toten Hosen, einmal als Hauptgruppe, wobei in diesem Fall dann Walter Elf die Vorgruppe machen durfte. Das ist lange her. Nachdem die Band aus ihrer Funpunk-Phase herausgewachsen war, konnte ich nicht mehr viel mit ihr anfangen.
Als ich sie aber vor einigen Jahren im »P8« vor einem frenetisch feiernden Publikum sah, fand ich sie großartig und kaufte mir einige Tonträger nach. Einer davon trägt den schönen Titel »Lenin« und ist typisch für die Musik und die Texte, die die Band in den Nuller-Jahren machte; veröffentlicht wurde die Platte im Jahr 2006.
Hits sind das keine, von Funpunk ist man meilenweit entfernt, und niemand würde diesen Sound ernsthaft als Punkrock betrachten. Und doch sind die Stücke auf »Lenin« auf ihre Art sehr wohl punkig. Wenn man ein wenig um die Ecke denkt und eine Punk-Definition aus den späten 70er-Jahren benutzt, versteht sich …
Die Texte sind sehr politisch, sie erzählen vom aktuellen Wahnsinn in deutschen Städten, sie sind auch extrem sarkastisch. »Schmeißt keine Schäferhunde aus dem Fenster« – auf so einen Satz muss man erst einmal kommen. Hier waren kluge Leute am Werk, die sich schlaue Aussagen ausdachten und in Texte packten. Dank des Textblatts kann man sich die auch noch einmal durchlesen und sich an einer Interpretation versuchen.
Und die Musik? Der Sound ist sperrig, die Texte werden auch mal als Sprechgesang ins Mikro gerotzt. Das ist nicht für den fröhlichen Pogo-Mob gedacht und manchmal eher dafür, dass man ein bisschen innehält und nachdenkt.
Manchmal wird es ein wenig elektronisch, manchmal geht es in Richtung Noise-Rock, dann wieder klingt es wie der Post-Punk der späten 70er-Jahre. Es ist keine Musik, die sich dem Publikum anbiedern möchte (und auf diese Weise wurde natürlich eben auch ein Publikum gefunden …).
Ich werde wohl älter. Vor zwanzig oder dreißig Jahren hätte ich das blöd gefunden. Heute sage ich: gute Platte, durchaus!
Als ich sie aber vor einigen Jahren im »P8« vor einem frenetisch feiernden Publikum sah, fand ich sie großartig und kaufte mir einige Tonträger nach. Einer davon trägt den schönen Titel »Lenin« und ist typisch für die Musik und die Texte, die die Band in den Nuller-Jahren machte; veröffentlicht wurde die Platte im Jahr 2006.
Hits sind das keine, von Funpunk ist man meilenweit entfernt, und niemand würde diesen Sound ernsthaft als Punkrock betrachten. Und doch sind die Stücke auf »Lenin« auf ihre Art sehr wohl punkig. Wenn man ein wenig um die Ecke denkt und eine Punk-Definition aus den späten 70er-Jahren benutzt, versteht sich …
Die Texte sind sehr politisch, sie erzählen vom aktuellen Wahnsinn in deutschen Städten, sie sind auch extrem sarkastisch. »Schmeißt keine Schäferhunde aus dem Fenster« – auf so einen Satz muss man erst einmal kommen. Hier waren kluge Leute am Werk, die sich schlaue Aussagen ausdachten und in Texte packten. Dank des Textblatts kann man sich die auch noch einmal durchlesen und sich an einer Interpretation versuchen.
Und die Musik? Der Sound ist sperrig, die Texte werden auch mal als Sprechgesang ins Mikro gerotzt. Das ist nicht für den fröhlichen Pogo-Mob gedacht und manchmal eher dafür, dass man ein bisschen innehält und nachdenkt.
Manchmal wird es ein wenig elektronisch, manchmal geht es in Richtung Noise-Rock, dann wieder klingt es wie der Post-Punk der späten 70er-Jahre. Es ist keine Musik, die sich dem Publikum anbiedern möchte (und auf diese Weise wurde natürlich eben auch ein Publikum gefunden …).
Ich werde wohl älter. Vor zwanzig oder dreißig Jahren hätte ich das blöd gefunden. Heute sage ich: gute Platte, durchaus!
26 Juni 2025
Lobgesang aufs Minestrone
Wir saßen auf der großzügigen Terrasse des »Minestrone«; es war ein sonniger Abend, und Karlsruhe präsentierte sich von seiner besten Seite. Vor allem das »Minestrone« gefiel mir gut, in dem es war gelegentlich Konzerte gibt, das ansonsten aber ein kleines Restaurant mit übersichtlicher Speisekarte und guten Getränken ist. Vor allem aber gefiel mir die Umgebung.
Von unten dröhnte ein Schlagzeug, immer wieder hörte man das Publikum, das tobte und schrie und hüpfte. Eine Metal-Band ließ es ordentlich krachen; das »Substage« zu unseren Füßen war ausverkauft.
Blickte ich geradeaus, sah ich auf das Dach des »Aurum«. Weiß gekleidete Leute standen zwischen Stühlen und Tischen herum, einige DJs liefen sich noch warm; irgendwann würde die Afterwork-Party in eine Techno-Party umgehen, die bereits angekündigt worden war und die dann ein anderes Publikum anziehen würde.
Hätte ich mich umgedreht, hätte ich das Gottesauer Schloss gesehen, das sich praktisch hinter mir erhob. In seinen Räumlichkeiten war unter anderem die Musikschule untergebracht; dort wurden professionelle Musiker ausgebildet – in klassischer Musik natürlich.
Und hätte ich versucht, ein bisschen ums Eck zu gucken, hätte ich auf die »Alte Hackerei« hinunterblicken können. Die kleine Punkrock-Bar, in der ich selbst schon viele Konzerte besucht hatte, die an diesem Abend aber kein Konzert anbot.
Ich liebte es, das »Minestrone« zu besuchen und diese Atmosphäre zu genießen. So viel Musik, so viel Vielfältigkeit! Das war einer der Abende, an denen ich bemerkte, wie gern ich in Karlsruhe lebte …
Von unten dröhnte ein Schlagzeug, immer wieder hörte man das Publikum, das tobte und schrie und hüpfte. Eine Metal-Band ließ es ordentlich krachen; das »Substage« zu unseren Füßen war ausverkauft.
Blickte ich geradeaus, sah ich auf das Dach des »Aurum«. Weiß gekleidete Leute standen zwischen Stühlen und Tischen herum, einige DJs liefen sich noch warm; irgendwann würde die Afterwork-Party in eine Techno-Party umgehen, die bereits angekündigt worden war und die dann ein anderes Publikum anziehen würde.
Hätte ich mich umgedreht, hätte ich das Gottesauer Schloss gesehen, das sich praktisch hinter mir erhob. In seinen Räumlichkeiten war unter anderem die Musikschule untergebracht; dort wurden professionelle Musiker ausgebildet – in klassischer Musik natürlich.
Und hätte ich versucht, ein bisschen ums Eck zu gucken, hätte ich auf die »Alte Hackerei« hinunterblicken können. Die kleine Punkrock-Bar, in der ich selbst schon viele Konzerte besucht hatte, die an diesem Abend aber kein Konzert anbot.
Ich liebte es, das »Minestrone« zu besuchen und diese Atmosphäre zu genießen. So viel Musik, so viel Vielfältigkeit! Das war einer der Abende, an denen ich bemerkte, wie gern ich in Karlsruhe lebte …
30 Januar 2025
Unpleasant Surprise kamen aus Berlin
In den 80er-Jahren kaufte ich zahlreiche Tapes von irgendwelchen unbekannten Bands, häufig auch Zusammenstellungen mit Stücken von noch obskureren Kapellen. Das war preiswert und überraschte oft. Einer der Leute, bei denen ich diese Kassetten kaufte, war Matthias Lang aus Kindsbach, einem Ort in der Pfalz.
Wir lernten uns nie kennen, aber sein Label schätzte ich: Bei Irre Records kamen zahlreiche Kassetten zwischen Wave und Industrial, Pop und Kunst heraus, und die Auswahl verblüffte mich immer.
Kurz bevor er Mitte der 90er-Jahre mit Irre Records aufhörte, veröffentlichte Matthias Lang noch eine kleine Platte: limitiert auf 500 Exemplare, liebevoll gestaltet, garantiert nicht kommerziell verwertbar. Die Band hieß The Unpleasant Surprise und kam aus Berlin. Die Platte sieht auch heute noch schön aus: mit Textblatt, schön zum Aufklappen, alles in allem ein Kunstwerk, auf dem sich fünf Stücke finden.
Musikalisch ist es im Prinzip IndiePop, wie man es vor dreißig Jahren eben gespielt hat. Die Aufnahmequalität ist bescheiden, der Ton scheppert. Die Melodien wirken verschliffen, sie sind nicht sofort eingängig. Das ist keine Musik, die auf einen Hit schielt, die stattdessen eigenwillig ist.
Von der Band habe ich nach dieser Platte nie wieder gehört. Keine Ahnung, was aus den Leuten geworden ist. Die Platte »The Fear« ist typisch für den schrammeligen Kassetten-Sound der späten 80er-Jahre, auch wenn er hier auf Vinyl gepresst worden ist. Nett!
Wir lernten uns nie kennen, aber sein Label schätzte ich: Bei Irre Records kamen zahlreiche Kassetten zwischen Wave und Industrial, Pop und Kunst heraus, und die Auswahl verblüffte mich immer.
Kurz bevor er Mitte der 90er-Jahre mit Irre Records aufhörte, veröffentlichte Matthias Lang noch eine kleine Platte: limitiert auf 500 Exemplare, liebevoll gestaltet, garantiert nicht kommerziell verwertbar. Die Band hieß The Unpleasant Surprise und kam aus Berlin. Die Platte sieht auch heute noch schön aus: mit Textblatt, schön zum Aufklappen, alles in allem ein Kunstwerk, auf dem sich fünf Stücke finden.
Musikalisch ist es im Prinzip IndiePop, wie man es vor dreißig Jahren eben gespielt hat. Die Aufnahmequalität ist bescheiden, der Ton scheppert. Die Melodien wirken verschliffen, sie sind nicht sofort eingängig. Das ist keine Musik, die auf einen Hit schielt, die stattdessen eigenwillig ist.
Von der Band habe ich nach dieser Platte nie wieder gehört. Keine Ahnung, was aus den Leuten geworden ist. Die Platte »The Fear« ist typisch für den schrammeligen Kassetten-Sound der späten 80er-Jahre, auch wenn er hier auf Vinyl gepresst worden ist. Nett!
12 September 2024
PowerPop von The Resistance
Ich kann mich nicht entsinnen, wann ich die Single »Survival Kit« von The Resistance zum letzten Mal gehört habe – es muss viele Jahre her sein. Das Ding ist überraschend gut, wie ich dieser Tage feststellte. Die Band nahm in den späten 70er-Jahren nur zwei Platten auf, wenn ich das richtig sehe, und ich habe nur die eine Single ausm Jahr 1980. Das ist kein Punkrock, meinetwegen kann man das als Power-Pop bezeichnen, und wer mag, darf XTC oder Ian Dury als Vergleich herziehen.
Die Musik ist typisch für diese Zeit: Zwar klimpert immer wieder das Klavier dazwischen, wenn nicht sogar die Orgel angeschubst wird, ansonsten aber ist die Musik rhythmisch und ein wenig abgehackt; das Schlagzeug wummert, die Gitarre und der Bass tun ihre Arbeit, und darüber kommt der etwas abgehackte Gesang, der manchmal leicht atemlos klingt, fast schon wie Sprechgesang.
Und die Texte? Sie sind gelegentlich schräg, wenn ich es richtig verstehe: »I fought in three world wars / all of which I caused / I’m a trooper superduper« heißt es im Titelstück, und bei »Big Flame« wird eine Revolution zumindest ironisch angedeutet. Das klingt alles richtig gut und gefällt mir immer noch! Eine tolle Single.
Die Musik ist typisch für diese Zeit: Zwar klimpert immer wieder das Klavier dazwischen, wenn nicht sogar die Orgel angeschubst wird, ansonsten aber ist die Musik rhythmisch und ein wenig abgehackt; das Schlagzeug wummert, die Gitarre und der Bass tun ihre Arbeit, und darüber kommt der etwas abgehackte Gesang, der manchmal leicht atemlos klingt, fast schon wie Sprechgesang.
Und die Texte? Sie sind gelegentlich schräg, wenn ich es richtig verstehe: »I fought in three world wars / all of which I caused / I’m a trooper superduper« heißt es im Titelstück, und bei »Big Flame« wird eine Revolution zumindest ironisch angedeutet. Das klingt alles richtig gut und gefällt mir immer noch! Eine tolle Single.
06 Juni 2024
Siouxsie-Vinyl von 1988
Dass ich Platten von Siouxsie and the Banshees besitze, hatte ich schon fast verdrängt. Dazu zählen sogar einige Singles, weil ich die Sängerin und ihre Band in den 80er-Jahren sehr gern hörte. Die Single »The Last Beat Of My Heart« wurde 1988 veröffentlicht – für meine damaligen Ohren ein ziemlicher Kontrapunkt zu dem Hardcore-Geboller, das ich um diese Zeit bevorzugte.
Das Stück steckt voller Melancholie, passt damit zur »gruftigen« Band, als die man sich in den späten 80er-Jahren präsentierte. Die Stimme der Sängerin liegt über einer wuchtigen Instrumentierung, die mit Streichern und dergleichen fast wie klassische Musik anmutet.
Ein schönes Stück, das ich mir allerdings echt nicht jeden Tag anhören kann: Zu aufwendig produziert ist die Musik, zu sehr gedehnt ist die Stimme, zu »elegisch« und traurig wirkt das Ganze. (Das aber passte damals natürlich zu der introvertierten Wave- und Gothic-Szene.)
Tatsächlich gefällt mir die B-Seite der Platte viel besser. »El dia de los muertos« spielt, wie der Titel schon nahelegt, mit spanischen Rhythmen, ist mit vielen Details sehr abwechslungsreich und bietet sogar heftiges Klaviergeklimper. Das ist dann weit entfernt vom Wave-Sound, für den Siouxsie irgendwann einmal berühmt war, sondern geht fast in Richtung Weltmusik. Starkes Stück, echt!
Das Stück steckt voller Melancholie, passt damit zur »gruftigen« Band, als die man sich in den späten 80er-Jahren präsentierte. Die Stimme der Sängerin liegt über einer wuchtigen Instrumentierung, die mit Streichern und dergleichen fast wie klassische Musik anmutet.
Ein schönes Stück, das ich mir allerdings echt nicht jeden Tag anhören kann: Zu aufwendig produziert ist die Musik, zu sehr gedehnt ist die Stimme, zu »elegisch« und traurig wirkt das Ganze. (Das aber passte damals natürlich zu der introvertierten Wave- und Gothic-Szene.)
Tatsächlich gefällt mir die B-Seite der Platte viel besser. »El dia de los muertos« spielt, wie der Titel schon nahelegt, mit spanischen Rhythmen, ist mit vielen Details sehr abwechslungsreich und bietet sogar heftiges Klaviergeklimper. Das ist dann weit entfernt vom Wave-Sound, für den Siouxsie irgendwann einmal berühmt war, sondern geht fast in Richtung Weltmusik. Starkes Stück, echt!
29 Mai 2024
Von halsbrecherisch zu schnarchzapfig
Meine Jazz-Kenntnisse sind sehr bescheiden, ich kenne mich nicht aus. Aber aus unterschiedlichen Gründen höre ich in diesen Tagen im Auto über Spotify ständig irgendwelche Bebop-Klassiker an, was mir sehr gut gefällt. Die Musik ist teilweise rasend schnell und sehr abwechslungsreich; da stört es mich überhaupt nicht, wenn so ein Stück zehn Minuten lang ist oder noch länger.
Tatsächlich sind manche dieser Klassiker – die Namen der Musiker sagten mir teilweise sogar etwas – geradezu halsbrecherisch, was das Tempo angeht. Ich frage mich bei manchen Aufnahmen, wie es der Bass und das Schlagzeug schaffen, hinter den rasenden Bläser überhaupt hinterherzukommen. Oder ist es andersrum?
Ich bin zeitweise völlig baff. Und dann frage ich mich, wie aus dieser treibenden Musik der fünfziger und sechziger Jahre dieses schnarchzapfige Zeugs geworden ist, das einem heute teilweise als Jazz im Radio präsentiert wird. Die Sprecher wirken schon, als ob sie einschlafen würden, man sieht alte Männer in schlecht sitzenden Cordanzügen vor sich. Wie passt das denn zusammen?
Aber gut, ich muss nicht alles verstehen. Es gibt heute sicher ebenfalls großartigen Jazz. Aber mein Bild von Jazz wurde offensichtlich zu sehr von einer sehr braven und bürgerlichen Attitüde geprägt, bei der das Bildungsbürgertum zu sehr den Ton angab. Höre ich die alten Bebop-Klassiker, bin ich positiv überrascht.
Tatsächlich sind manche dieser Klassiker – die Namen der Musiker sagten mir teilweise sogar etwas – geradezu halsbrecherisch, was das Tempo angeht. Ich frage mich bei manchen Aufnahmen, wie es der Bass und das Schlagzeug schaffen, hinter den rasenden Bläser überhaupt hinterherzukommen. Oder ist es andersrum?
Ich bin zeitweise völlig baff. Und dann frage ich mich, wie aus dieser treibenden Musik der fünfziger und sechziger Jahre dieses schnarchzapfige Zeugs geworden ist, das einem heute teilweise als Jazz im Radio präsentiert wird. Die Sprecher wirken schon, als ob sie einschlafen würden, man sieht alte Männer in schlecht sitzenden Cordanzügen vor sich. Wie passt das denn zusammen?
Aber gut, ich muss nicht alles verstehen. Es gibt heute sicher ebenfalls großartigen Jazz. Aber mein Bild von Jazz wurde offensichtlich zu sehr von einer sehr braven und bürgerlichen Attitüde geprägt, bei der das Bildungsbürgertum zu sehr den Ton angab. Höre ich die alten Bebop-Klassiker, bin ich positiv überrascht.
13 Mai 2024
Eine Fahrt hin, eine zurück
Ich fühle mich noch nicht in der Lage, einen seriösen Bericht über den ColoniaCon zu schreiben. Zu viele Eindrücke, zu viele Menschen, zu viele Gespräche – das muss ich alles erst noch in meinem kleinen Kopf sortieren. Deshalb erst mal der Versuch, in alter Tradition über die Fahr zur Veranstaltung zu schreiben. (Früher bestanden Con-Berichte in Fanzines zu gefühlt einem Drittel aus der Beschreibung der Fahrt.)
Zwischen Karlsruhe und Köln liegen drei Stunden Autofahrt, wenn alles glatt geht. Man kann die Strecke schneller schaffen – das geht auch unter Einhaltung aller Regeln, aber nicht, wenn viele Baustellen sind, in denen man halt langsam vorankommt. Ich kalkulierte jeweils drei Stunden Fahrt ein, und das klappte im Großen und Ganzen auch.
Bis Köln hörte ich vor allem Maschinenmusik, anders kann man das nicht nennen. Ich hatte Cassandra Complex am Ohr, die ich in den 80er-Jahren zeitweise sehr gern gehört hatte: eine furiose Mischung aus Wave, Punk und auch ein wenig Industrial, mit einem pochenden Rhythmus, zu dem man gut vorankommt. Zudem klingt das alles immer wieder nach Science Fiction, nicht nur bei der Platte »Cyberpunx«. Und weil mir das nicht genügte, bollerten mir noch die Young Gods ihren düsteren Sound in die Ohren.
Bei der Rückfahrt setzte ich auf schnelle Musik von Männern, die so alt sind wie ich – oder vielleicht ein bisschen jünger – und die letztlich die gleichen Bands mögen wie ich: Es liefen Steakknife und Spermbirds, schön abwechselnd. Da kann man nichts falsch machen, das knallt immer, und man wird garantiert auch dann nicht müde, wenn es dunkel wird.
Und der Con dazwischen? Der fand nicht ohne Musik statt – aber das ist ein anderes Thema.
Zwischen Karlsruhe und Köln liegen drei Stunden Autofahrt, wenn alles glatt geht. Man kann die Strecke schneller schaffen – das geht auch unter Einhaltung aller Regeln, aber nicht, wenn viele Baustellen sind, in denen man halt langsam vorankommt. Ich kalkulierte jeweils drei Stunden Fahrt ein, und das klappte im Großen und Ganzen auch.
Bis Köln hörte ich vor allem Maschinenmusik, anders kann man das nicht nennen. Ich hatte Cassandra Complex am Ohr, die ich in den 80er-Jahren zeitweise sehr gern gehört hatte: eine furiose Mischung aus Wave, Punk und auch ein wenig Industrial, mit einem pochenden Rhythmus, zu dem man gut vorankommt. Zudem klingt das alles immer wieder nach Science Fiction, nicht nur bei der Platte »Cyberpunx«. Und weil mir das nicht genügte, bollerten mir noch die Young Gods ihren düsteren Sound in die Ohren.
Bei der Rückfahrt setzte ich auf schnelle Musik von Männern, die so alt sind wie ich – oder vielleicht ein bisschen jünger – und die letztlich die gleichen Bands mögen wie ich: Es liefen Steakknife und Spermbirds, schön abwechselnd. Da kann man nichts falsch machen, das knallt immer, und man wird garantiert auch dann nicht müde, wenn es dunkel wird.
Und der Con dazwischen? Der fand nicht ohne Musik statt – aber das ist ein anderes Thema.
14 März 2024
Schwelgerischer Pop von Tocotronic
Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge von Tocotronic; die Band war schrammelig, ja, geradezu punkig. Ich sah die Band einmal live, es war im alten »Substage« in Karlsruhe, und ich fand das Konzert gut. Klar, ein studentisches Publikum, bei dem nur gedämpfte Stimmung aufkam, aber eine gut aufgeräumte Band auf der Bühne, die sichtlich Spaß bei ihrem Geschrammel hatte.
Das ist lange her. Das wird einem klar, wenn ich nach einiger Zeit die Platte »Das rote Album« anhöre; na ja, eigentlich hat die Platte keinen Titel, aber sie ist halt rot, und deshalb hat sich dieser Begriff eingebürgert. Sie kam 2015 heraus, und ich kaufte sie mir als Doppel-LP, weil das einfach schöner ausseht und ich das Auflegen einer Platte nach wie vor schätze.
Die vier LP-Seiten sind großzügig bestückt; kein Wunder, bei nur insgesamt zwölf Stücken. Aber das störte mich nicht, für mich ist so eine Klappcover-Geschichte auch ein Gesamtkunstwerk, für das einfach andere Regeln gelten als für gewöhnliche Tonträger.
Musikalisch ist das weit weg vom Schrammel-Sound früherer Jahrzehnte. Die Band schwelgt in einem Pop, der schon fast Breitwandcharakter hat – ohne dass das Ganze aber überinszeniert wirkt. Man bleibt bei den Gitarren, das wird nur selten durch andere Geräusche unterstützt, aber es ist glatt gespielt, es wirkt geradezu schwelgerisch. Die Melodien sind gelungen, der Sänger hat eine klare Stimme, und das lässt einen recht schnell mitschwingen und mitsummen.
Bei den Texten ist man gewohnt verkopft. »Sie lesen jede Zeile / in der Wüste der Langeweile« – auf solche Sätze muss man erst einmal kommen. Die Texte sind eher persönlich, sie gehen nicht auf politische Inhalte ein oder erzählen klare Geschichten. Sie laden eher zu Interpretationen ein, sie sind vielschichtig – das ist dann Popmusik für Menschen, die sich auch mal gern mit den Texten beschäftigen.
Dazu zähle ich ja gar nicht. Für mich ist »Das rote Album« schlicht gute Popmusik mit deutschen Texten. Das kann ich mich immer mal wieder anhören, ich brauche allerdings die Stimmung dazu.
Das ist lange her. Das wird einem klar, wenn ich nach einiger Zeit die Platte »Das rote Album« anhöre; na ja, eigentlich hat die Platte keinen Titel, aber sie ist halt rot, und deshalb hat sich dieser Begriff eingebürgert. Sie kam 2015 heraus, und ich kaufte sie mir als Doppel-LP, weil das einfach schöner ausseht und ich das Auflegen einer Platte nach wie vor schätze.
Die vier LP-Seiten sind großzügig bestückt; kein Wunder, bei nur insgesamt zwölf Stücken. Aber das störte mich nicht, für mich ist so eine Klappcover-Geschichte auch ein Gesamtkunstwerk, für das einfach andere Regeln gelten als für gewöhnliche Tonträger.
Musikalisch ist das weit weg vom Schrammel-Sound früherer Jahrzehnte. Die Band schwelgt in einem Pop, der schon fast Breitwandcharakter hat – ohne dass das Ganze aber überinszeniert wirkt. Man bleibt bei den Gitarren, das wird nur selten durch andere Geräusche unterstützt, aber es ist glatt gespielt, es wirkt geradezu schwelgerisch. Die Melodien sind gelungen, der Sänger hat eine klare Stimme, und das lässt einen recht schnell mitschwingen und mitsummen.
Bei den Texten ist man gewohnt verkopft. »Sie lesen jede Zeile / in der Wüste der Langeweile« – auf solche Sätze muss man erst einmal kommen. Die Texte sind eher persönlich, sie gehen nicht auf politische Inhalte ein oder erzählen klare Geschichten. Sie laden eher zu Interpretationen ein, sie sind vielschichtig – das ist dann Popmusik für Menschen, die sich auch mal gern mit den Texten beschäftigen.
Dazu zähle ich ja gar nicht. Für mich ist »Das rote Album« schlicht gute Popmusik mit deutschen Texten. Das kann ich mich immer mal wieder anhören, ich brauche allerdings die Stimmung dazu.
29 Dezember 2023
Warum ich kein Swiftie werde
Man kann wohl ohne Widerspruch behaupten, dass Taylor Swift derzeit der größte Popstar der Welt ist. Sie veröffentlicht irrsinnig erfolgreiche Platten, sie hat zig Millionen Fans weltweit, und sie ist multimedial auf allen Plattformen unterwegs. Daneben engagiert sie sich auch noch für gesellschaftliche Themen, schreibt ihre Stücke selbst und bringt alte Platten in eigener Regie neu heraus.
Die Frau macht also alles richtig. Und ich kannt bis heute kein einziges Musikstück von ihr. Ich höre nicht die Sender, wo diese Musik gespielt wird, vermute ich ... Aber weil ich das als Bildungslücke empfand, hörte ich mir heute via Spotify über eine Stunde lang Musik von Taylor Swift an, die mir von diesem Streamingdienst als »beliebteste« Stücke vorgeschlagen wurden.
Was soll ich sagen? Die Musik ärgerte mich nicht, sie war nett und angenehm zu hören. Es blieb nur nichts hängen. Ich vergaß die Stücke buchstäblich, während sie liefen. Es kann also durchaus sein, dass ich schon tausendmal Musik von ihr gehört habe, sie aber sofort wieder aus dem Hirn geflutscht ist.
Taylor Swift macht keine Musik, bei der ich brechen muss. Davon gibt es ja viel. Sie macht Musik, die mich langweilt. Ich finde sie uninteressant.
Das ändert nichts daran, dass ich ihren Erfolg und alles, was die Sängerin erreicht hat, sehr respektabel finde. Das muss ja alles erst einmal geschafft werden. Davon bin ich sehr beeindruckt. Aber ich selbst werde wohl nie ein Fan von ihr werden – vielleicht bin ich auch zu alt, ein Swiftie zu werden ...
Die Frau macht also alles richtig. Und ich kannt bis heute kein einziges Musikstück von ihr. Ich höre nicht die Sender, wo diese Musik gespielt wird, vermute ich ... Aber weil ich das als Bildungslücke empfand, hörte ich mir heute via Spotify über eine Stunde lang Musik von Taylor Swift an, die mir von diesem Streamingdienst als »beliebteste« Stücke vorgeschlagen wurden.
Was soll ich sagen? Die Musik ärgerte mich nicht, sie war nett und angenehm zu hören. Es blieb nur nichts hängen. Ich vergaß die Stücke buchstäblich, während sie liefen. Es kann also durchaus sein, dass ich schon tausendmal Musik von ihr gehört habe, sie aber sofort wieder aus dem Hirn geflutscht ist.
Taylor Swift macht keine Musik, bei der ich brechen muss. Davon gibt es ja viel. Sie macht Musik, die mich langweilt. Ich finde sie uninteressant.
Das ändert nichts daran, dass ich ihren Erfolg und alles, was die Sängerin erreicht hat, sehr respektabel finde. Das muss ja alles erst einmal geschafft werden. Davon bin ich sehr beeindruckt. Aber ich selbst werde wohl nie ein Fan von ihr werden – vielleicht bin ich auch zu alt, ein Swiftie zu werden ...
27 Juli 2023
Rote Himmel über dem Paradies
Es gab eine Phase, irgendwann in den frühen 80er-Jahren, in der Fischer Z so richtig berühmt waren. Die Band wurde oft im Radio gespielt, und ein Stück wie »Marliese« galt als ein echter Hit. Den Massengeschmack traf Fischer Z nicht komplett, aber viele junge Leute in meinem sozialen Umfeld feierten die Band richtig ab. Und die Platte »Red Skies over Paradise«, die 1981 veröffentlicht wurde, kann in mancherlei Hinsicht als Zeitdokument bezeichnet werden.
Ich besaß sie selbst nie, aber ich hatte sie auf Kassette, und ich hörte sie gern und oft. Wenn ich mich recht erinnere, sah ich die Band sogar einmal: 1993 trat sie auf dem Festival »das Fest« in Karlsruhe auf, damals vor einer überschaubaren Menge und auf einem Gelände, das nicht umzäunt war und wo man sich frei bewegen konnte. Das ist aber alles lange her, und ich hatte die Band schon fast vergessen.
Dieser Tage wurde »Marlies« im Radio, und ich zog mir die ganze Platte dann doch rein – ich hörte sie digital, was ja heute leicht möglich ist, und ich war mir hinterher sicher, dass ich sie mir nicht auf Vinyl nachkaufen musste. Ich erkenne schon, warum die Platte 1981 so einschlug: Sie war eindeutig von der New Wave beeinflusst und klang damit anders als die übliche Radiomusik; der Sänger hatte eine eher hohe, fast androgyne Stimme, was damals neu und modern war. Gleichzeitig war der Sound nicht abgedreht genug, so dass man sich als normaler Musikhörer gut damit anfreunden konnte.
Und klar: »Berlin« ist ein echter Hit, den ich mir heute noch anhören kann, »Marlies« war sicher eines der populärsten Stücke in diesem Jahr. Aber der Rest? Hierzulande wurde »In England« nie zu einem Hit, das dürfte auf der Insel anders gewesen sein. Aber damit haben wir die drei Stücke auf der Platte, die im Ohr hängen bleiben. Der Rest ist unterm Strich nicht spannend, und manchmal nervt die Stimme des Sängers halt doch.
Um ein Fazit zu ziehen: »Red Skies over Paradise« war vor über vierzig Jahren ein Kracher. Höre ich mir die Platte heute an, enttäuscht sie bei einem wesentlichen Teil der Stücke doch sehr.
Ich besaß sie selbst nie, aber ich hatte sie auf Kassette, und ich hörte sie gern und oft. Wenn ich mich recht erinnere, sah ich die Band sogar einmal: 1993 trat sie auf dem Festival »das Fest« in Karlsruhe auf, damals vor einer überschaubaren Menge und auf einem Gelände, das nicht umzäunt war und wo man sich frei bewegen konnte. Das ist aber alles lange her, und ich hatte die Band schon fast vergessen.
Dieser Tage wurde »Marlies« im Radio, und ich zog mir die ganze Platte dann doch rein – ich hörte sie digital, was ja heute leicht möglich ist, und ich war mir hinterher sicher, dass ich sie mir nicht auf Vinyl nachkaufen musste. Ich erkenne schon, warum die Platte 1981 so einschlug: Sie war eindeutig von der New Wave beeinflusst und klang damit anders als die übliche Radiomusik; der Sänger hatte eine eher hohe, fast androgyne Stimme, was damals neu und modern war. Gleichzeitig war der Sound nicht abgedreht genug, so dass man sich als normaler Musikhörer gut damit anfreunden konnte.
Und klar: »Berlin« ist ein echter Hit, den ich mir heute noch anhören kann, »Marlies« war sicher eines der populärsten Stücke in diesem Jahr. Aber der Rest? Hierzulande wurde »In England« nie zu einem Hit, das dürfte auf der Insel anders gewesen sein. Aber damit haben wir die drei Stücke auf der Platte, die im Ohr hängen bleiben. Der Rest ist unterm Strich nicht spannend, und manchmal nervt die Stimme des Sängers halt doch.
Um ein Fazit zu ziehen: »Red Skies over Paradise« war vor über vierzig Jahren ein Kracher. Höre ich mir die Platte heute an, enttäuscht sie bei einem wesentlichen Teil der Stücke doch sehr.
20 Juli 2023
Einige Sätze zu Jane Birkin
Als ich zum ersten Mal von Jane Birkin hörte, war ich ein sehr junger Teenager. Der Name der Sängerin war meinen Schulfreunden und mir nicht wichtig, entscheidend war das Lied. Es hieß »Je t'aime«, und ich erfuhr schnell, worum es ging: Es sei ein Liebeslied, und man höre dabei eine Frau, die sich zum Orgasmus stöhne. Für einen Jungen vom Dorf, der von Sex nur sehr wenig wusste, war das alles revolutionär und neu.
Der Sänger und Komponist hieß Serge Gainsbourg, aber das wurde mir überhaupt nicht vermittelt. Die Sängerin war Jane Birkin, und viel mehr erfuhr ich auch nicht über sie. Das Lied lief bei vielen Veranstaltungen in den späten 70er-Jahren. Bei diesem Lied konnte man Steh-Blues tanzen, und auch unerfahrene bis schlechte Tänzer wie ich hatten dann die Illusion, sie seien ein Frauenheld.
Es ist bedauerlich, dass ich sonst nichts von Jane Birkin mitbekam. Bis heute eigentlich nicht. Irgendwann war klar, dass sie viele Lieder aufgenommen hatte, aber die hörte ich nie – meine musikalischen Interessen waren nun mal anders gelagert. Das bekannte Stück geriet nie in Vergessenheit, auch wenn ich es selbst jahrzehntelang nicht mehr hörte; im Radio wurde es nicht gespielt, auf Platte hatte ich es nicht.
Diese Woche ist Jane Birkin gestorben, ich las einen Nachruf auf sie, und aus diesem erfuhr ich mehr über sie als in all den Jahrzehnten, seit mich ihr großer Hit begeistert hatte. Man kann sich bei diversen Seiten im Netz mehr von ihr anhören, das mache ich in den nächsten Tagen …
Der Sänger und Komponist hieß Serge Gainsbourg, aber das wurde mir überhaupt nicht vermittelt. Die Sängerin war Jane Birkin, und viel mehr erfuhr ich auch nicht über sie. Das Lied lief bei vielen Veranstaltungen in den späten 70er-Jahren. Bei diesem Lied konnte man Steh-Blues tanzen, und auch unerfahrene bis schlechte Tänzer wie ich hatten dann die Illusion, sie seien ein Frauenheld.
Es ist bedauerlich, dass ich sonst nichts von Jane Birkin mitbekam. Bis heute eigentlich nicht. Irgendwann war klar, dass sie viele Lieder aufgenommen hatte, aber die hörte ich nie – meine musikalischen Interessen waren nun mal anders gelagert. Das bekannte Stück geriet nie in Vergessenheit, auch wenn ich es selbst jahrzehntelang nicht mehr hörte; im Radio wurde es nicht gespielt, auf Platte hatte ich es nicht.
Diese Woche ist Jane Birkin gestorben, ich las einen Nachruf auf sie, und aus diesem erfuhr ich mehr über sie als in all den Jahrzehnten, seit mich ihr großer Hit begeistert hatte. Man kann sich bei diversen Seiten im Netz mehr von ihr anhören, das mache ich in den nächsten Tagen …
13 Juli 2023
Dreiklangsdimensionen
Warum und wann ich mir die Single »Dreiklangs-Dimensionen« – auf dem Cover echt mit Bindestrich geschrieben – der Band Rheingold kaufte, weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich fischte ich sie aus einer Plattenkiste in der »Lerche« in Stuttgart, wo sie für den schmalen Geldbeutel für kleines Geld zu finden war. Als sie herauskam, also 1980, hätte ich sie mir noch nicht gekauft, damals verplemperte ich mein Geld vor allem für Science-Fiction-Romanhefte.
Das Stück lief in den frühen 80er-Jahren auch im Radio, die Band wurde zur Neuen Deutschen Welle gezählt. Für mich klang sie wie ein Abklatsch von Kraftwerk, nur eben etwas poppiger und weniger künstlich. Tatsächlich kann man sich das Titelstück der Single immer noch gut anhören.
Die Melodie ist flott, sie wirkt locker, die Synthie-Elemente sind gut eingesetzt, und der Text ist bewusst so gehalten, dass er auch von Kraftwerk stammen könnte: «Klänge, für Millionen / überwinden die Distanzen.« Man erkennt das Stück nach dem ersten Hören sofort wieder und kann es theoretisch gleich mitsingen und mitpfeifen – das ist für Popmusik schon mal ein guter Anfang.
Auf der B-Seite findet sich noch das Stück »Rendezvous«, das einen amüsanten Sprachmischmasch aus deutsch und französisch bietet. Musikalisch ist die Band da ruhiger unterwegs, es wird viel mit einer Orgel getrötet.
Sagen wir so mit dem Abstand vieler Jahrzehnte: In punkto Elektropop müsste man Rheingold heute zu den Pionieren zählen. Ich habe das Stück tatsächlich noch gern im Ohr.
Das Stück lief in den frühen 80er-Jahren auch im Radio, die Band wurde zur Neuen Deutschen Welle gezählt. Für mich klang sie wie ein Abklatsch von Kraftwerk, nur eben etwas poppiger und weniger künstlich. Tatsächlich kann man sich das Titelstück der Single immer noch gut anhören.
Die Melodie ist flott, sie wirkt locker, die Synthie-Elemente sind gut eingesetzt, und der Text ist bewusst so gehalten, dass er auch von Kraftwerk stammen könnte: «Klänge, für Millionen / überwinden die Distanzen.« Man erkennt das Stück nach dem ersten Hören sofort wieder und kann es theoretisch gleich mitsingen und mitpfeifen – das ist für Popmusik schon mal ein guter Anfang.
Auf der B-Seite findet sich noch das Stück »Rendezvous«, das einen amüsanten Sprachmischmasch aus deutsch und französisch bietet. Musikalisch ist die Band da ruhiger unterwegs, es wird viel mit einer Orgel getrötet.
Sagen wir so mit dem Abstand vieler Jahrzehnte: In punkto Elektropop müsste man Rheingold heute zu den Pionieren zählen. Ich habe das Stück tatsächlich noch gern im Ohr.
22 Juni 2023
Mouse Blasters zwischen Grunge und Hardcore
Anfangs bis Mitte der 90er-Jahre wurde allerlei Musik als Punk oder Hardcore vermarktet, die man eigentlich nur mit Mühe in die jeweiligen Schubladen stecken konnte. Kein Wunder: Krachige Klänge waren eine gewisse Zeit lang so modern, dass sie viele Leute ansprachen; nicht nur Nirvana hatten für viele andere Bands die Türen geöffnet.
Deshalb verwundert es mich kaum, dass eine Band namens Mouse Blasters in der Hardcore-Schublade steckten. Was die fünf langhaarigen Männer aus dem Großraum Turin machten, konnte man eher als eine Mixtur aus Grunge und Indie-Rock betrachten, meinetwegen noch mit einem Schuss Hardcore; vom Hardcore-Punk italienischer Prägung waren sie allerdings recht weit entfernt.
Ihre EP »Strange Reaction«, die auf einem eher unbekannten deutschen Label namens Unique Records veröffentlicht wurde, ist dafür sehr typisch: Die Stücke sind eher lang und ein wenig zäh, die englischsprachigen Texte wirken kryptisch, und unterm Strich ist es eine Platte, die höchstens noch als Zeitdokument etwas taugt.
Deshalb verwundert es mich kaum, dass eine Band namens Mouse Blasters in der Hardcore-Schublade steckten. Was die fünf langhaarigen Männer aus dem Großraum Turin machten, konnte man eher als eine Mixtur aus Grunge und Indie-Rock betrachten, meinetwegen noch mit einem Schuss Hardcore; vom Hardcore-Punk italienischer Prägung waren sie allerdings recht weit entfernt.
Ihre EP »Strange Reaction«, die auf einem eher unbekannten deutschen Label namens Unique Records veröffentlicht wurde, ist dafür sehr typisch: Die Stücke sind eher lang und ein wenig zäh, die englischsprachigen Texte wirken kryptisch, und unterm Strich ist es eine Platte, die höchstens noch als Zeitdokument etwas taugt.
20 April 2023
Hüpfen mit The Regents
Warum ich mir die Single von The Regents kaufte, weiß ich nach all den Jahrzehnten nicht mehr. Sicher lag es an dem Cover, und ebenso sicher kaufte ich mir die Platte aus einer Kiste für wenig Geld. Als sie im Juni 1980 nämlich herauskam, konnte ich mir nur ganz wenige Platten leisten und kaufte daher lieber Vinyl von halbwegs populären Punk-, Wave- und NdW-Bands.
Wobei The Regents nicht so unbekannt waren. Die vier Briten schafften es 1979 auf Platz elf der englischen Single-Charts. Die Platte, die ich kaufte, hieß »See You Later«, und dieses Stück kam auf Platz 55. Das war aber nicht der Grund für mein Kaufen – von diesen Platzierungen wusste ich nichts –, mir ging es sicher nur um die Optik.
Das Titelstück ist übrigens richtig gut. Zwei Typen und zwei Frauen, allesamt recht jung, liefern ein schmissiges Stück und hüpfen gewissermaßen mit frohem Enthusiasmus durch die rotzige Melodie. Das ist noch ein wenig punkig, wenngleich es nicht mehr dem Punk des Jahres 1980 entspricht (im selben Jahr brachten Exploited ihre erste EP heraus, um das Gegenbeispiel zu nennen), und macht auch heute noch gute Laune. Eigentlich will ich dazu durchs Wohnzimmer hüpfen.
Im Prinzip wäre es korrekt, das Stück als New Wave im ursprünglichen Sinn zu bezeichnen. Egal – es gefällt mir heute noch. (Die B-Seite ist übrigens lahm.) Cooles Ding!
Wobei The Regents nicht so unbekannt waren. Die vier Briten schafften es 1979 auf Platz elf der englischen Single-Charts. Die Platte, die ich kaufte, hieß »See You Later«, und dieses Stück kam auf Platz 55. Das war aber nicht der Grund für mein Kaufen – von diesen Platzierungen wusste ich nichts –, mir ging es sicher nur um die Optik.
Das Titelstück ist übrigens richtig gut. Zwei Typen und zwei Frauen, allesamt recht jung, liefern ein schmissiges Stück und hüpfen gewissermaßen mit frohem Enthusiasmus durch die rotzige Melodie. Das ist noch ein wenig punkig, wenngleich es nicht mehr dem Punk des Jahres 1980 entspricht (im selben Jahr brachten Exploited ihre erste EP heraus, um das Gegenbeispiel zu nennen), und macht auch heute noch gute Laune. Eigentlich will ich dazu durchs Wohnzimmer hüpfen.
Im Prinzip wäre es korrekt, das Stück als New Wave im ursprünglichen Sinn zu bezeichnen. Egal – es gefällt mir heute noch. (Die B-Seite ist übrigens lahm.) Cooles Ding!
31 März 2023
Kraftwerk in Karlsruhe
Die Nachricht überraschte mich: Die schon sehr betagte Band Kraftwerk sollte im August 2023 in Karlsruhe auftreten. Von »spielen« kann bei den alten Herren allerdings keine Rede sein: Sie sollten auf dem Balkon des Schlosses stehen, während eine Lichter-Show über die Außenfront des Schlosses flackern und die Musik über den Platz wummern sollte.
Ich überlegte mir, ob ich mir das ansehen sollte. Von meiner Wohnung zum Schloss sind es keine zwei Kilometer zu Fuß oder mit dem Rad. Der Eintrittspreis von 55 Euro kam mir ein wenig hoch vor; die Schlosslichtspiele am Schloss waren bisher kostenlos, und ich wusste nicht so recht, wo der Unterschied zu den üblichen Lichtspielen sein würde.
Noch während ich überlegte, war das Konzert ausverkauft. Kein Platz mehr frei; es war rasend schnell gegangen. Auch recht, dachte ich.
Immerhin hatte ich Kraftwerk einmal gesehen und hatte das ziemlich gut gefunden: 1997 in Barcelona. Aber warum war das damals so klasse gewesen? Weil die meisten Kids in der Halle nicht wussten, welchen Nimbus die Band hatte und einfach tanzten, als gäbe es kein Morgen. Eine so überschäumende Stimmung würde es in Karlsruhe im August wohl kaum geben ...
Ich überlegte mir, ob ich mir das ansehen sollte. Von meiner Wohnung zum Schloss sind es keine zwei Kilometer zu Fuß oder mit dem Rad. Der Eintrittspreis von 55 Euro kam mir ein wenig hoch vor; die Schlosslichtspiele am Schloss waren bisher kostenlos, und ich wusste nicht so recht, wo der Unterschied zu den üblichen Lichtspielen sein würde.
Noch während ich überlegte, war das Konzert ausverkauft. Kein Platz mehr frei; es war rasend schnell gegangen. Auch recht, dachte ich.
Immerhin hatte ich Kraftwerk einmal gesehen und hatte das ziemlich gut gefunden: 1997 in Barcelona. Aber warum war das damals so klasse gewesen? Weil die meisten Kids in der Halle nicht wussten, welchen Nimbus die Band hatte und einfach tanzten, als gäbe es kein Morgen. Eine so überschäumende Stimmung würde es in Karlsruhe im August wohl kaum geben ...
09 Februar 2023
Neunschwänzige Katze aus Augsburg
Augsburg war in den späten 80er-Jahren eine Szene-Hochburg; aus der Stadt und ihrer Umgebung kamen diverse Hardcore-Bands. Eine davon waren die Cat-O-Nine-Tails, die streng genommen aus Schrobenhausen stammten. Die vier langhaarigen Männer spielten Ende der 80er Jahre bis Anfang der 90er-Jahre ihren HC-Punk; dieser Tage hörte ich mir ihre Langspielplatte »Survive« aus dem Jahr 1991 mal wieder an.
Den elf Stücken merkt man auch heute noch an, wie stark die Band von aktuellen Bands aus den USA beeinflusst war; in manche Stücke mischt sich darüber hinaus eine Metal-Kante, die ich damals nicht mochte. Damit meine ich das immer wieder aufflackernde vertrackte Gitarrenspiel sowie die Breaks in den Stücken. Heutzutage fällt das kaum noch auf ...
Die »Survive« ist teilweise schön melodisch, die Platte kann man sich nach wie vor anhören; manchmal sind die Stücke sehr hibbelig, dann wieder strahlen sie eine gewisse Lässigkeit aus. Es ist die zweite und meines Wissens letzte Langspielplatte, die die Band veröffenlichte, dazu kam eine Split-EP mit Human Error, die ebenfalls aus der Region Augsburg kamen.
Für die damalige Zeit war das sehr typisch, und offenbar ist diese Art von Hardcore-Punk ausgestorben. Irgendwie schade.
Den elf Stücken merkt man auch heute noch an, wie stark die Band von aktuellen Bands aus den USA beeinflusst war; in manche Stücke mischt sich darüber hinaus eine Metal-Kante, die ich damals nicht mochte. Damit meine ich das immer wieder aufflackernde vertrackte Gitarrenspiel sowie die Breaks in den Stücken. Heutzutage fällt das kaum noch auf ...
Die »Survive« ist teilweise schön melodisch, die Platte kann man sich nach wie vor anhören; manchmal sind die Stücke sehr hibbelig, dann wieder strahlen sie eine gewisse Lässigkeit aus. Es ist die zweite und meines Wissens letzte Langspielplatte, die die Band veröffenlichte, dazu kam eine Split-EP mit Human Error, die ebenfalls aus der Region Augsburg kamen.
Für die damalige Zeit war das sehr typisch, und offenbar ist diese Art von Hardcore-Punk ausgestorben. Irgendwie schade.
02 Februar 2023
Ein Meisterwerk von Gossip
Als die amerikanische Band Gossip im Jahr 2006 ihre Platte »Standing In The Way Of Control« veröffentlichte, war sie schon recht bekannt. Sogar ich hatte von der Band gehört, die sich im Grenzbereich zwischen Punkrock und »Indie« bewegte und die eine Musik machte, die man gelegentlich sogar als Dance-Punk bezeichnete, weil niemand so richtig wusste, wie man das nennen sollte.
Höre ich mir die Langspielplatte heute an, nach all diesen Jahren, und betrachte ich sie mit ihrer wirklich schicken Gestaltung, kann ich immer noch nachvollziehen, dass die Band nach diesem Tonträger richtig populär wurde, auch außerhalb einer kleinen Szene von Musikbegeisterten.
Die zehn Stücke auf dieser Platte sind allesamt abwechslungsreich. Es ist ein teilweise sehr wuchtiger Beat, der sie nach vorne treibt, die Stimme der Sängerin ist in allen Variationen stets sensationell, und die Stücke haben teilweise echte Hitqualitäten. Da möchte man durch das Arbeitszimmer tanzen und hüpfen – und wüsste doch, dass man es nicht mit der Energie hinbekäme, die die Sängerin bei den verschiedenen Videos zeigte.
Bei den Texten und bei der Gestaltung der Platte (ich habe mir die Vinylversion gekauft, der ein Poster mit Textblatt beiliegt) kann man die Punkrock-Anklänge der Band gut nachvollziehen. Das ist rotzig und nicht angepasst, und bei manchen Stücken – wenn der Bass wummert und die Stimme der Sängerin geradezu explodiert – kann ich so etwas wie einen »Punk-Spirit« nachvollziehen.
Immer noch eine großartige Platte! Nicht nur wegen des starken Titelstücks …
Höre ich mir die Langspielplatte heute an, nach all diesen Jahren, und betrachte ich sie mit ihrer wirklich schicken Gestaltung, kann ich immer noch nachvollziehen, dass die Band nach diesem Tonträger richtig populär wurde, auch außerhalb einer kleinen Szene von Musikbegeisterten.
Die zehn Stücke auf dieser Platte sind allesamt abwechslungsreich. Es ist ein teilweise sehr wuchtiger Beat, der sie nach vorne treibt, die Stimme der Sängerin ist in allen Variationen stets sensationell, und die Stücke haben teilweise echte Hitqualitäten. Da möchte man durch das Arbeitszimmer tanzen und hüpfen – und wüsste doch, dass man es nicht mit der Energie hinbekäme, die die Sängerin bei den verschiedenen Videos zeigte.
Bei den Texten und bei der Gestaltung der Platte (ich habe mir die Vinylversion gekauft, der ein Poster mit Textblatt beiliegt) kann man die Punkrock-Anklänge der Band gut nachvollziehen. Das ist rotzig und nicht angepasst, und bei manchen Stücken – wenn der Bass wummert und die Stimme der Sängerin geradezu explodiert – kann ich so etwas wie einen »Punk-Spirit« nachvollziehen.
Immer noch eine großartige Platte! Nicht nur wegen des starken Titelstücks …
29 Dezember 2022
Messer Banzani von 1991
Als anfangs der 90er-Jahre immer mehr Ska-Bands aus dem Boden sprossen, fand ich das anfangs ziemlich klasse, vor allem, wenn die Bands den Ska-Sound mit viel Punk und Hardcore anreicherten. Wenn die Bands aber eher nach Studentenmucke klangen, hatte ich damit meine Probleme. Irritierenderweise galt das damals auch für Messer Banzani – obwohl die Band eine echte Punk-Vergangenheit hatte. Dieser Tage hörte ich mir ihre LP mal wieder an.
Die Musiker spielten teilweise in den 80er-Jahren in Punk-Bands – und das war in der DDR nicht ohne Probleme möglich. Die Band selbst gründete sich zu einer Zeit, als es in der DDR brodelte, und spielte ab dem Sommer 1989 regelmäßig.
Und die Langspielplatte? Sie wurde Ende 1990 aufgenommen und kam anfangs 1991 auf einem Label aus Lübeck heraus. Musikalisch wird lockerer Ska geboten, den ich mir heute wieder gut anhören kann, angenehme Sommermusik ohne jeglichen Punkrock-Bezug, die schön vor sich hinplätschert und von der leider wenig im Ohr hängen bleibt.
Das kann man sich anhören, das muss man aber nicht. Es gibt gute Gründe, warum die Band verschwunden ist, ohne viele Spuren zu hinterlassen. Wobei ... nach dem, was ich damals von Messer Banzani hörte, war das eine ziemlich angesagte Live-Band. Manchmal ist Musik von der Bühne herunter einfach besser als aus dem Lautsprecher der heimischen Anlage.
Die Musiker spielten teilweise in den 80er-Jahren in Punk-Bands – und das war in der DDR nicht ohne Probleme möglich. Die Band selbst gründete sich zu einer Zeit, als es in der DDR brodelte, und spielte ab dem Sommer 1989 regelmäßig.
Und die Langspielplatte? Sie wurde Ende 1990 aufgenommen und kam anfangs 1991 auf einem Label aus Lübeck heraus. Musikalisch wird lockerer Ska geboten, den ich mir heute wieder gut anhören kann, angenehme Sommermusik ohne jeglichen Punkrock-Bezug, die schön vor sich hinplätschert und von der leider wenig im Ohr hängen bleibt.
Das kann man sich anhören, das muss man aber nicht. Es gibt gute Gründe, warum die Band verschwunden ist, ohne viele Spuren zu hinterlassen. Wobei ... nach dem, was ich damals von Messer Banzani hörte, war das eine ziemlich angesagte Live-Band. Manchmal ist Musik von der Bühne herunter einfach besser als aus dem Lautsprecher der heimischen Anlage.
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