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05 August 2026

Zwischen Salon-Linken und Kaufhausregalen

Die aktuelle Folge meines Fortsetzungsromans »Der gute Geist des Rock’n’Roll« ist erschienen: Die Ausgabe 187 des OX-Fanzines wurde an die Abonnenten verschickt und liegt im Zeitschriftenhandel aus. Ich schreibe mittlerweile seit gut dreißig Jahren für das OX, so genau kann ich das nicht sagen, aber ich bin da selbst ein wenig verblüfft – damals dachte sicher niemand, dass es die Zeitschrift noch so lange geben würde und dass ich so lange durchhalten könnte.

Aber gut: Dreißig Jahre danach sind wir noch am Start. Mit einigen grauen Haaren mehr und dickeren Brillengläsern zwar, aber immerhin … Und ich freue mich nach wie vor, meine Texte beisteuern zu können.

Die Geschichte spielt im Juni 1996, was nun auch schon einige Zeit her ist. Der Ich-Erzähler stolpert durch ein Kaufhaus, in dem eine skurrile »Critical Mass«-Aktion stattfindet, die langsam außer Kontrolle zu geraten scheint. Zumindest glaubt das wohl die Polizei, die mittlerweile anrückt. Wie es weitergeht, das erzählt dann hoffentlich die nächste Folge …

23 Juli 2026

Ein »progressives« Fanzine

Im September 1981 erschien die Ausgabe 17 des Fanzines »SF-Journal«, das sich selbst als »das progressive Science Fiction Magazin« bezeichnete. Das Titelthema passte zur damaligen Zeit: »Militarismus und Antimilitarismus in der Science Fiction«. Dieser Tage sah ich mir das Fanzine mal wieder an; ich hatte es ziemlich vergessen.

Vor allem hatte ich völlig verdrängt, dass ich selbst bei dieser Ausgabe engagiert mitwirkte. Im Impressum bin ich als Ressortleiter für die Storys verzeichnet, es gibt auch eine Anzeige für mein damaliges Fanzine »Sagittarius«. Darüber hinaus bin ich mit zwei Artikeln vertreten: ein Verriss eines Romans von H. Beam Piper, in dem es um ein Sternenkrieg-Szenario ging, und ein etwas längerer Artikel über die »Lensmen«, die ich damals zum zweiten Mal gelesen hatte – daran erinnere ich mich tatsächlich – und mit Begriffen wie »Faschismus« und »Klischeehaftigkeit« bezeichnete.

Der größte Teil des 80 Seiten im A5-Format umfassenden Fanzines wird natürlich nicht von Texten eingenommen, die ich verfasst hatte. Enthalten ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers Joe Haldeman – die sicher nicht ich »eingekauft« hatte –, dazu weitere Artikel, Rezensionen und Geschichten.

Die generelle Haltung aller Texte ist – so würde ich das heute nennen – eher »stramm links«. Man merkt meinen Texten an, dass ich in meiner Haltung nicht sehr gefestigt war, Militär und Nazis aber schon ziemlich bescheuert fand. Andere Artikel waren ideologisch klarer, da merkt man auch heute noch, dass die Autoren studiert hatten oder sich einschlägig einlasen. Natürlich darf ein überkritischer Artikel über PERRY RHODAN von zwei Seiten Länge nicht fehlen ...

Was mir heute auffällt, wenn ich so ein Heft durchblättere und anlese: Es sind nur männliche Schreiberlinge beteiligt; die meisten eher jung. (Ich war 17 Jahre alt.) Keine einzige Frau wirkte mit, kein einziges Mädchen. Die Science Fiction war schon sehr männerlastig in jenen Tagen – aber das war angesichts der Kritik an Faschismus und Militarismus nichts, das irgendwie auffiel.

16 Juli 2026

Ein Drehbuch für »Ren Dhark«

Zu den Science-Fiction-Serien aus Deutschland, die immer ein wenig im Schatten von PERRY RHODAN standen, gehört »Ren Dhark«. Die Serie, die anfangs als Heftroman im Kelter-Verlag veröffentlicht wurde, wird seit Jahren vom HJB-Verlag herausgegeben. In den 90er-Jahren allerdings gab es eine Reihe von eher fannischen Versuchen, die Serie am Leben zu halten, und mit »Dharks World« stand ein lesenswertes Fanzine zum Thema zur Verfügung.

Die Ausgabe 5 fällt dabei besonders auf; sie wurde 1994 von Heinz Mohlberg herausgegeben, der später im Heinz Mohlberg Verlag viele Science-Fiction-Titel im Paperback veröffentlichen sollte. Enthalten ist nämlich das Drehbuch für einen »Ren Dhark«-Film, wobei ich sagen würde, dass es eher ein Konzept war.

Verfasst wurde es von Werner Kurt Giesa, lange Zeit einer der fleißigsten und erfolgreichsten Heftromanautoren im deutschsprachigen Raum. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeit für »Professor Zamorra«, aber er schrieb auch für andere Serien wie MYTHOR oder die PERRY RHODAN-Planetenromane.

Das Konzept war für einen Amateurfilm und trägt den Titel »Planetensperre«. Ob und wie das Abenteuer der POINT OF-Besatzung in die Serie gepasst hätte, kann ich nicht beurteilen; für »Ren Dhark«-Fans war es damals sicher eine spannende Lektüre. Für Fans des Schriftstellers Werner Kurt Giesa gibt's übrigens noch eine längere Geschichte, so dass der Löwenanteil des 40 Seiten umfassenden Fanzines durch Giesa-Material bestimmt wird.

Sieht man von zwei, drei Heften und Büchern ab, kenne ich vom »Ren Dhark«-Universum nicht viel. Solche Fanzines mag ich aber: Sie zeigen und zeigten immer, wie sehr sich Fans für ein fiktives Universum begeistern können und welche Ideen sie davon ableiten. »Dharks World« war ein richtig positives Heft!

12 Juni 2026

Tote Pioniere, alternde Punkrocker

Die aktuelle Ausgabe 186 des OX-Fanzines zeigt die amerikanische Band Dead Pioneers auf dem Titelbild; die gefallen mir derzeit auch sehr gut. Im Inhalt bin ich wieder mit einer neuen Folge meines Fortsetzungsromans »Der gute Geist des Rock’n’Roll« zu finden; es ist bereits die Folge 61.

Im Wesentlichen spielt diese Folge im Innern eines Kaufhauses, wo in den 90erJahren eine sogenannte Critical-Mass-Aktion stattfindet. Ich hoffe, ich habe es geschafft, den turbulenten Charakter einer solchen Veranstaltung glaubhaft und interessant zu vermitteln.

Beim Schreiben hatte ich durchaus meine Probleme, mir das Innere eines solchen Kaufhauses vorzustellen – so oft bin ich nun mal doch nicht im Karstadt, und Kaufhof oder Kaufhalle gibt es schon lange nicht mehr. Aber das ist ja kein historischer Roman, bei dem die Details einer Innenausstattung ebenfalls stimmen sollten …

27 März 2026

Ein Reprint des BWA

Im November 1983 wurde die erste Ausgabe eines Fanzines veröffentlicht, das heute noch erscheint. Ich meine das »Baden-Württemberg Aktuell«, das damals mit dem Untertitel antrat, es sei »das monatliche Infozine des Science-Fiction-Club Baden-Württemberg«, konsequenterweise ohne Genitiv-s geschrieben. Aber mit der Schreibweise des Namens hatte es der neue Club eh nicht so: Mal fehlten die Bindestriche ganz, dann tauchten sie wieder an den unmöglichsten Stellen auf.

Weil der Club, der sich als SFCBW abkürzt, im vergangenen Jahr ein Jubiläum feierte – die Ausgabe 500 von »BWA« kam heraus –, wurde die erste Ausgabe des Club-Fanzines nachgedruckt. Und so las ich sie nach mehr als vierzig Jahren ein zweites Mal.

Den SFCBW fand ich in ersten Jahren richtig interessant. Weil alle Mitglieder aus Baden-Württemberg kommen sollten, kannte ich viele von ihnen. Und weil viele von ihnen sehr kreativ waren, entstand eine Flut lesenswerter Fanzines, die sich nicht nur mit Science Fiction beschäftigten, sondern auch mit Musik oder Filmen allgemeiner Natur.

Davon konnte man in der ersten »BWA«-Ausgabe noch nicht so viel bemerken. Inhaltlich wurde das Heft von Markus H. Reckwerth zusammengestellt, wesentliche Beiträge stammten von Martin Hahn, der später immer wieder auch als »der Große Gründer« bezeichnet wurde. Letztlich wurde auf den acht Seiten die Vision eines Science-Fiction-Clubs skizziert, der sich in erster Linie auf ein Bundesland beschränken sollte.

Eine schöne Erinnerung – ich finde es eh toll, dass es weiterhin Clubs dieser Art gibt, die nach wie vor Fanzines »aus Papier« herstellen und vertreiben. Hoffen wir, dass das noch lange so bleibt!

30 Januar 2026

Punkrock-Kontinuität

Als die erste Ausgabe des Fanzines »Plastic Bomb« erschien, kannte ich die drei Herausgeber von irgendwelchen Treffen her und war selbst noch sehr gut in der Punkrock- und Hardcore-Szene verwurzelt. Das ist nun über dreißig Jahre her, und es hat sich einiges geändert. Für den Inhalt des Heftes ist seit langem ein ganz neues Team verantwortlich, das für andere Impulse sorgt, als es die Herausgeber von damals heute machen würden, und ich kennen die »neuen Leute« nicht mehr persönlich.

Ich lese das Heft selten komplett, auch wenn ich es seit Jahrzehnten im Abonnement beziehe, und überblättere viele Seiten einfach. Die Ausgabe 133, die Ende 2025 erschien, las ich allerdings komplett durch. Ich finde die Lektüre immer noch lohnenswert und mag vor allem die Themen, die eher am Rand liegen.

So mochte ich beispielsweise das Interview mit der Blackmetal-Band Sadistic Goatmessiah. Mit der Musikrichtung kann ich nichts anfangen, und ich werde sicher nie auf ein Konzert der Band gehen, las aber mit Interesse, wie sich die Musiker selbst verorten und was sie von diversen Themen halten.

Schließlich sind mir Bands wie Wizo oder die Kaput Krauts, die im Heft ebenfalls befragt werden, schon seit langem bekannt. Da erfahre ich nicht mehr so viel Neues. Ich freute mich aber, mal wieder von V-Mann Joe zu hören, die ich vor über dreißig Jahren mal live gesehen hatte, oder von – für mich – neuen Bands wie Cat Bite Back zu lesen. Das macht nun einmal den Reiz eines solchen Heftes aus: dass man etwas von alten Bekannten erfährt, aber eben auch über neue Themen stolpert.

Das »Plastic Bomb« ist ein Heft im A4-Format, das immer noch seinen Punkrock-Charakter behalten hat, wenngleich es für mich nicht mehr die Relevanz hat, die es vielleicht vor dreißig Jahren gehabt hatte. Ich las die 48 Seiten der aktuellen Ausgabe sehr gern und freue mich schon aufs nächste Heft – das ist dann halt Kontinuität in Sachen Punkrock und Drumherum ...

16 Januar 2026

Holmes im Ersten Weltkrieg

Seit vielen Jahren lese ich immer wieder aktuelle Ausgaben des »Sherlock Holmes Magazins«, das im Verlag Elms & Oaks erscheint und sich – wie der Name schon klarmacht – auf den berühmten Detektiv und seine Fälle konzentriert. Dabei beleuchtet die Redaktion um Jens Arne Klingsöhr stets auch allerlei Randbereiche, wie die Ausgabe 66 schön beweist.

Ein Schwerpunkt des Heftes sind Artikel, die sich mit Details aus den klassischen Geschichten beschäftigen. So greift ein großer Artikel die religiösen Aspekte des Holmes-Kanons auf. Das geht teilweise sehr ins Detail und ist mir dann auch zu hoch, weil ich mich mit Sherlock Holmes nicht gut genug auskenne – für echte Fans ist das sicher ein Leckerbissen.

Ich mochte am ehesten die Geschichte »Weihnachtsfrieden« von Sarah Lutter. Sie versetzt Holmes und Watson im Jahr 1914 an die deutsch-englische Front während des Ersten Weltkriegs. Die beiden werden zu Zeugen und Mitwirkenden des sogenannten Weihnachtsfriedens, als die Soldaten beider Seiten für einige Stunden oder teilweise sogar einen Tag nicht aufeinander schossen, sondern sich gegenseitig beschenkten oder Weihnachtslieder miteinander sangen.

Darüber hinaus bietet das Magazin umfangreiche Rezensionen zu aktuellen Hörspielen und Romanen sowie einen schönen Artikel über einen mir unbekannten »Sherlock Holmes«-Film aus dem Jahr 1992. Das alles ist gut geschrieben und wird in einem sehr ordentlichen Layout präsentiert; das Magazin ist 36 Seiten stark und wurde auf recht dickem Papier gedruckt.

Aber klar: Das »Sherlock Holmes Magazin« ist ein Fanzine, was ich hier positiv meine, wenngleich eines, das professionell wirkt Es ist ein Heft für Fans des berühmten Detektivs, und die Ausgabe 66 erweise sich wieder einmal als sehr gelungen. Ich finde: Es ist einen Blick wert!

20 November 2025

Getippt mit der Kofferschreibmaschine

Die letzte Ausgabe von SAGITTARIUS, die ich ganz allein zusammenstellte, kam im Juni 1983 heraus. Sieht man von dem professionellen Titelbild ab, war das ganze Heft ansonsten von mir selbst abgetipppt worden: mit meiner alten Kofferschreibmaschine, die mir meine Eltern im Jahr 1980 geschenkt hatten und mit der ich wie ein Wilder meine Texte verfasste.

Sogar das Inhaltsverzeichnis schrieb ich schlicht mit der Schreibmaschine, deren Farbband irgendwann ausgeleiert war und deren Typen nicht mehr sauber saßen. Anton Atzenhofer hatte ein schönes Bild gezeichnet, das ich sehr ansprechend fand – um dieses Bild herum schrieb ich meinen Text so, dass ich hinterher alles zusammenkleben konnte.

Das Heft selbst war übrigens ganz gut. Wenn ich es mir heute anschaue, gruselt es mich bei dem Layout zwar teilweise, aber ich finde die Inhalte immer noch gut. Die Grafiken waren auf ordentlichem Niveau, die Kurzgeschichten sowieso, dazu gab es Artikel und sogar Gedichte.

Eine gelungene Mischung – wenn man bedenkt, dass ich damals gerade mal 19 Jahre alt war, muss ich mich heute dafür nicht schämen.

31 Oktober 2025

Hornsignale 377 gelesen

Das Fanzine »Hornsignale« gehört zu den Heften, die ich immer gleich lese, wenn ich sie erhalte. Das liegt unter anderem daran, dass der Umfang immer so ist, dass man die Lektüre auch in einem überschaubaren Zeitraum schaffen kann. Okay, der wirkliche Grund ist: Herausgeber der »Hornsignale« ist der Einhorn-Clan, der zum Fantasy-Club FOLLOW gehört – das ist eine extrem verkürzte Darstellung, ich weiß – und in dem ich seit Jahrzehnten ein stilles Mitglied bin, das sich nur sehr selten zu Wort meldet.

Die aktuelle Ausgabe 377 wurde von Zilly Heywood zusammengestellt. Das Fanzine umfasst 32 Seiten im A5-Format, enthält mehrere farbige Fotos und präsentiert sich in einem sehr schönen Layout. Sein inhaltlicher Schwerpunkt ist das Fest der Fantasie, das in diesem August veranstaltet wurde. Wer das nicht versteht, möge sich nicht grämen: Beim Fest der Fantasie treffen sich die Angehörigen des Fantasy-Vereins, um gemeinsam zu feiern, zu diskutieren, viel zu trinken und zu reden und auch das Ewige Spiel weiter zu betreiben.

Den größten Anteil des Heftes nimmt ein Festbericht ein, den Hermann Ritter verfasst hat. Der Titel »Nicht alle Begegnungen sind Leben« wirkt auf Außenstehende sicher kryptisch; wer nicht vor Ort war – so wie ich – wird natürlich nicht alle Anmerkungen und Andeutungen verstehen können.

Als Leser erhalte ich einen schönen Einblick in die Veranstaltung und ihren Ablauf. Das hat mich sehr gefreut; ich bekam fast das Gefühl, selbst wieder bei so einem Fest dabei gewesen zu sein. Gelungenes Fanzine!

26 September 2025

Ein Zineklatsch in Memoriam

Ich habe nie einen Zineklatsch besucht; im Nachhinein ist das sehr schade. Veranstaltet wurde das Treffen für Leute, die sich für Fanzines aller Art begeistern können, über Jahre hinweg von Christian Schmidt. An diesem Wochenende findet der Zineklatsch zum fünfundzwanzigsten Mal statt, und ich kann auch nicht dabei sein – Berlin ist halt doch ein Stückchen weg von Karlsruhe.

Diesmal wird der Zineklatsch »in Memoriam« organisiert. Man erinnert an Christian Schmidt, der im August des vergangenen Jahres gestorben ist. Ich kannte ihn seit den 90er-Jahren, wir hatten in jenem Jahrzehnt unsere Fanzines getauscht und uns immer mal wieder bei Veranstaltungen gesehen. In den Nullerjahren war er sogar mit einer Ausstellung über Fanzines auf Tour, was ich höchst interessant war.

Christian war immer einer der Leute, die – wie ich – Fanzines als ein Kulturgut verstanden. Er nahm's wissenschaftlicher und ernster als ich, wir hatten nicht immer die gleichen Ansichten. Fanzines, die er mochte, waren mir oft zu künstlerisch; dafür konnte er wohl nicht so viel mit meiner Faszination für alte Science-Fiction-Hefte anfangen.

Ich find's traurig, dass Christian Schmidt schon gestorben ist. Wenn am Sonntagmittag der Zineklatsch stattfindet, werde ich – quasi in Gedanken – mein Glas in Erinnerung an ihn erheben.

25 September 2025

Werbung für Eawy

Eines der Fanzines, die anfangs der 80er-Jahre mit frischen Inhalten in die Science-Fiction-Szene starteten, war »Eawy«, das der umtriebige Udo Popp aus Obertheres veröffentlichte. Ich lernte ihn im Herbst 1980 kennen, als wir beide im gleichen Zimmer der Jugendherberge übernachteten, wo man uns während des WeltCons in Mannheim einquartiert hatte. Wir freundeten uns ein wenig an, und er besuchte mich in der Folge auch in Dietersweiler.

Im Juni 1981 brachte Udo Popp schon die fünfte Ausgabe seines Fanzines heraus. Dafür machte er fleißig Werbung, die er unter anderem auf Cons unter die Leute brachte: Es war ein rotes Blatt Papier, das im Format DIN A 5 gedruckt wurde. Wie es sich für die damalige Zeit »gehörte«, warb man mit den Namen von Mitarbeitern, die schon in anderen Fanzines vertreten waren.

Einige der Leute von »damals« sind heute noch aktiv. Mit Rainer Nagel arbeite ich immer mal wieder bei redaktionellen Themen zusammen. Und Mychael Wallensteyn war damals das Pseudonym eines Fans, der heute unter dem Namen Michael Haitel den interessanten Kleinverlag p. machinery betreibt.

Udo Popp wirbelte in den Jahren 1981 und 1982 weiter und veröffentlichte mehrere Fanzines. Unter anderem engagierte er sich für Lyrik. Anfang 1983 schied er viel zu früh aus dem Leben.

14 August 2025

Dilettantische Werbung

Es gibt wirklich Gründe, warum sich irgendwann Günther Freunek bei mir meldete und vorschlug, er könnte mir beim Layout meines Fanzines SAGITTARIUS helfen. Er war sehr diplomatisch und höflich, aber im Nachhinein ist mir klar, wie entsetzt er von der Optik mancher Seiten war, die ich im jugendlichen Ehrgeiz gestaltet hatte.

Besonders schön zeigt das die Werbung, die ich für die Ausgabe drei meines Fanzines produzierte und die in verschiedenen Fanzines veröffentlicht wurde. Aus Gründen, die mir heute nicht mehr einleuchten, glaubte ich offenbar, besonders viele Informationen in dicht gedrängter Schreibweise auf eine Seite packen zu müssen, das wiederum garnierte ich mit einem schlecht reingeklebten Bild und einer Schreibmaschine, die kein brillantes Schriftbild erzeugen konnte.

Der Werbespruch an sich war gut: »SAGITTARIUS setzt neue Maßstäbe« – vielleicht hätte man es bei den rein werblichen Aussagen lassen sollen. Aber ich brauche mich nicht zu sehr zu grämen: Schaue ich mir andere Anzeigen an, die in meiner fannischen Vergangenheit produziert worden sind, sehen die ebenfalls nicht gerade aus, als hätten die jeweiligen Fanzinemacher viel Ahnung von grafischer Gestaltung gehabt …

01 August 2025

Jubiläum mit Nummer acht

Mangelndes Selbstbewusstsein hatten die Fans der Science Fiction Gruppe Achim & Lüneburg – so nannte man sich damals – wirklich nicht. Sie nannten ihr Fanzine, in dem sie über aktuelle Entwicklungen in der Science Fiction und der Fan-Szene informierten, schlichtweg »Fanzine«. Warum die Ausgabe 8, die im Juni 1973 veröffentlicht wurde, aber als »Jubiläumsnummer« gewertet wurde, verstand ich nie.

Das acht Seiten umfassende Fanzine wurde im Umdruck-Verfahren hergestellt und im Zweispaltensatz getippt. Gedruckt wurden 150 Exemplare; viel mehr konnte man aus den Matrizen auch nicht herausholen.

Das Fanzine enthält extrem viele kleinteilige Meldungen: Wer trifft sich mit wem, wer hat mit wem Kontakt, wer hat wo welchen Text veröffentlicht? Es geht um Fanzines, Clubs und Einzelpersonen; eine Fülle von Namen und Adressen wird genannt. Wenn man das heute liest, kommt man sich wie ein Archäologe vor: Bei vielen Details kann man nur ahnen, was damals eigentlich wirklich gemeint war.

Die Herausgeber verschwanden übrigens bald aus der Fan-Szene. Als ich ab 1979 damit anfing, mich für Fanzines zu interessieren, waren die allesamt weg. Einige der Personen, die genannt werden – etwa Uwe Anton oder Hans-Joachim Alpers – wurden später zu professionellen Autoren, Herausgebern und Übersetzern. Andere wie Kurt S. Denkena blieben der Szene erhalten und publizieren auch heute noch Fanzines.

15 April 2025

Ein altes Fanzine in neuem Gewand

Walter Jost und Heinz J. Baldowé sind mir seit meinen frühesten Tagen in der Fan-Szene bekannt. Die beiden mischten schon in den 70er-Jahren in der Science Fiction mit, sorgten mit frechen Sprüchen aus der linken Ecke für Furore und veröffentlichten Fanzines. Nachdem es in den vergangenen Jahrzehnten ein wenig ruhiger um sie geworden ist, sind sie wieder aktiv – vor allem Walter Jost tritt häufiger in Erscheinung.

Zu den neuen Themen, die aber auf uralten Wurzeln aufbauen, gehört tatsächlich, dass ein Fanzine-Thema neu belebt wird: Die »Science-Fiction-Nachrichten«, die es bereits in den 70er-Jahren gab, sind wieder da – im Jahr 2024 erschienen zwei Ausgaben, und ich las zuletzt die zweite Nummer.

Wie es sich für moderne Zeiten wie die unsere gehört, erscheint das Fanzine nicht mehr in gedruckter Form, sondern wird als PDF und kostenlos im Internet angeboten. Dort habe ich mir die Ausgabe zwei mit ihren 32 lesenswerten A4-Seiten auch heruntergeladen.

Die Mischung finde ich interessant. Der Altfan Dieter Braeg schreibt über alte Zeiten; es gibt kurze Vorstellungen aktueller Romane und Rezensionen; Filme und kleine Messen werden ebenso vorgestellt wie aktuelle Werbung mit Science-Fiction-Motiven und sogenannte Space Fashion. Das ist mal amüsant, mal informativ, unterm Strich bekommt man einen schönen Streifzug durch das Genre!

Mir gefällt die Mixtur sehr, und ich hoffe, dass Walter Jost bald weitermacht und eine Ausgabe drei erscheinen kann. Man kann das Heft auf der entsprechenden Website einfach herunterladen – ich empfehle es hiermit ausdrücklich!

21 Februar 2025

Vierzig Jahre ACD

Es gibt Jubiläen, die habe ich nicht auf dem Schirm. Würde man mich nicht beständig an manche Termine und Jubelfeste erinnern, würde ich sie vergessen. Mir wäre nicht einmal mein eigener Geburtstag präsent.

So war mir nicht bewusst, dass der ATLAN-Club Deutschland in diesem Jahr vierzig Jahre alt wird. Ich selbst bin in diesem Verein Mitglied, und es ist einer der wenigen Science-Fiction-Vereinigungen, in denen ich immer noch mitmische: zwar nicht sonderlich aktiv, aber immerhin gelegentlich. Wenn ich bedenke, wie aktiv ich in den 80er-Jahren war, ist das heute nur noch beschauliches Feuer – aber besser als nichts.

Dem ATLAN-Club trat ich recht früh bei. Wenn ich mich düster erinnere, spendierte man mir das erste Jahr der Mitgliedschaft sogar, und danach blieb ich daheim. Das muss um 1986 oder 1987 gewesen sein; so genau weiß ich das nicht mehr, und es ist letztlich egal.

Der Club ist eines der letzten Bindeglieder an die blühende Science-Fiction-Landschaft der 70er- und 80er-Jahre. Damals konkurrierten viele Clubs und Fanzines miteinander, und überall waren aktive junge Leute am Start, die Geschichten schrieben, Bilder zeichneten, Bücher und Filme rezensierten und sich teilweise untereinander fürchterlich stritten.

Diese Zeit vermisse ich oft, auch wenn mir klar ist, dass ich – würde man mich heute in die 80er-Jahre versetzen – einen großen Teil der damaligen Konflikte mit Unverständnis quittieren würde. Ein bisschen reifer und älter bin ich offenbar geworden; auf der anderen Seite kann man jüngeren Menschen den Unsinn auch nicht mehr erklären, den unsereins damals betrieben hat.

Hin wie her: vierzig Jahre ATLAN-Club Deutschland. Ich bin schon ein bisschen beeindruckt. Sehr toll!

20 Februar 2025

Schickes Layout fürs Rollenspiel

In der Mitte der 80er-Jahre veränderte sich die Rollenspiel-Szene: Neue Spiele wurden mit vergleichsweise viel Marketing in den Markt eingeführt, und neue Zeitschriften entstanden, während sich bisherige Hefte professionalisierten. Die Zeitschrift »Simufant« mit ihrer sechsten Ausgabe ist ein schönes Beispiel dafür: Das Heft war zwar – immer noch – mit einem schwarzweiß gedruckten Innenteil ausgestattet und zeigte nur auf dem Titelbild ein wenig Farbe, wies aber bereits ein für damalige Zeiten professionelles Layout auf.

»Der Informator für die Neue Spielkultur« nannte sich das aus Hamburg stammende Heft stolz auf seiner Titelseite. Das klang ein wenig überzogen, aber die vierzig Seiten konnten sich durchaus sehen lassen und machen auch nach heutigen Gesichtspunkten einen guten Eindruck.

Es gibt Artikel zum Aufbau von Rollenspielen, neue Spiele werden vorgestellt, und es gibt eine detaillierte Beschreibung eines Spiels; wer sich in diesen Jahren auf Rollenspiele aller Art konzentrierte, war froh über zusätzliches Material, das er sich bei den großen Verlagen kaufen, in den Fanzines anschauen oder komplett selbst ausdenken musste.

Die »Simufant«-Ausgabe sechs, die im Frühjahr 1985 veröffentlicht wurde, liefert genügend Material für die Fans jener Zeit. Schaue ich mir das heute an, erinnere ich mich mit positiven Gefühlen an meine frühen Rollenspiele und die Begeisterung, die ich empfand, wenn ich die Rolle eines Kriegers, einer Elfe oder eines Monsters übernahm. Der »Simufant« passt wunderbar in diese Zeit!

06 Februar 2025

Der BuchmesseCon 1989 im Blick

Spricht man heute mit Menschen, die sich für Science Fiction oder Fantasy interessieren, über den BuchmesseCon, ist die Resonanz meist sehr positiv: Die Veranstaltung im Bürgerhaus in Dreieich wird zu Recht als eine der wichtigsten Treffpunkte für die Szene genannt; hier kommen viele Menschen zusammen, die sich für das Genre und seine Nebengebiete interessieren, hier präsentieren sich vor allem die kleinen Verlage.

Schaut man in die Vergangenheit, sieht man, dass der Con anfangs ganz anders ausgelegt war. Das belegt die Werbung für den vierten BuchmesseConvent, wie man das damals noch nannte.

Der Con wurde damals in einem katholischen Gemeindehaus veranstaltet, und er richtete sich vor allem an die Fans von Romanheften. Veranstaltet wurde er von Menschen, die vor allem aus dem »Grusel-Fandom« kamen; der Begriff »Gruselromane« wurde nicht abschätzig benutzt.

Für die Grafik, die man 1989 als Werbebild verwendete, zeichnete Werner Kurt Giesa verantwortlich. Der Autor war zu jener Zeit in der Szene sehr beliebt, hatte seine fannischen Wurzeln aber nie vergessen. Bei solchen Veranstaltungen war er stets sehr gern zu Gast, und so war er auch bereit, eine Illustration zu liefern.

Um es klar zu sagen: Ein Treffpunkt der Phantastik-Szene war der BuchmesseCon damals schon. Er war kleiner, er war »intimer«, und er war heftromaniger. In den späten 80er-Jahren wurde der Grundstein für eine Veranstaltungsreihe gelegt, die auch heute ihren fannischen Charakter – was ich hier positiv meine – nie verloren hat.

12 Dezember 2024

Ein Interview in den »AN«

Die »Andromeda Nachrichten« sind eines der dienstältesten Fanzines im deutschsprachigen Raum. Ich lese es seit den frühesten 80er-Jahren, wenngleich nicht lückenlos. Vor allem die Entwicklung in den vergangenen Jahren gefällt mir sehr gut, das Heft hat sich zu einer relevanten Zeitschrift entwickelt.

Umso mehr schmeichelt es mir, wenn ich in der aktuellen Ausgabe in einem Interview zu Wort komme. In der Ausgabe 287, die dieser Tage an die Abonnenten verschickt worden ist, werde ich von Volly Tanner befragt. Es gibt die üblichen Fragen zu meiner Arbeit und wie das bei unserer Serie eigentlich so ist.

Darüber hinaus stellt Volly allerdings Fragen, die der »normale« Science-Fiction-Fan nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Unter anderem spricht er mich auf Social Beat, meine Reisen nach Afrika oder allgemein-politische Themen an. Das fand ich gut, auch wenn ich nicht so ausführlich darauf antworten konnte.

05 Dezember 2024

Armageddon als Fanzine-Thema

Im Dezember 1968 erschien ein Fanzine, das für die weitere Entwicklung der Fantasy- und Science-Fiction-Szene in Deutschland nicht unwichtig war: Es war die sechste Ausgabe von »FOLLOW«, zusammengestellt von Hubert Strassl und Eduard Lukaschandl. Enthalten waren vor allem die Spielregeln von »Armageddon«, dem ersten großen Fantasy-Brettspiel überhaupt.

Ich schaute mir in diesen Tagen nicht das Original-Fanzine an, sondern den Reprint, der im Spätjahr 1979 veröffentlicht wurde. Der »Follow-Sonderdruck« mit der Nummer vier ist nichts anderes als die »FOLLOW«-Ausgabe 6. Wer das nicht gleich versteht, möge sich nicht grämen; mir war das 1979 ebenfalls nicht gleich bewusst, als ich versuchte, in die Strukturen des Ersten Deutschen Fantasy-Clubs einzusteigen.

Das vorliegende Fanzine enthält auf über fünfzig Seiten im A5-Format die Regeln für ein Spiel, das im Verlauf späterer Jahre immer größer wurde, zahlreiche andere Spiele beeinflusste und heute noch gespielt wird. Das Regelwerk zu »Armageddon« war damals bereits komplex und sollte im Verlauf der Zeit noch komplexer werden.

Auch hier gilt: Ich war sehr verwirrt, als ich mir zu Beginn des Jahres 1980 in jugendlichem Leichtsinn die Spielregeln kaufte ...

Das Regelwerk im vorliegenden Fanzine beschreibt die Möglichkeiten, einen Krieg in einer Fantasy-Welt zu führen. Truppen werden bewegt, Schiffe sind auf den Meeren unterwegs, Fabeltiere kommen zum Einsatz. Länder wie Esran und Clanthon wurden damals definiert, ohne dass man sie mit »Leben« gefüllt hätte, also mit Geschichten oder Romanen. Aber es wird klar, dass aus diesem Regelwerk etwas Größeres entstehen könnte.

Ob sich Lukschandl und Strassl damals ausmalten, dass ihre Schöpfung auch Jahrzehnte danach Bestand haben würde, weiß ich nicht. Mit dem kleinen Heft legten sie damals einen wichtigen Grundstock für viele Fantasy-Fans, Rollen- und Brettspieler.

28 November 2024

Werbung für Anzeigen

In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre hatte sich mein ehemaliges Fanzine SAGITTARIUS in ein semiprofessionelles Magazin verwandelt. Günther Freunek sorgte für ein modernes Layout, Armin Reichrath kümmerte sich um Anzeigen, und Walter Arweiler war mit Verlags- und Vertriebskontakten beschäftigt. Meine Schwester hatte die Buchführung übernommen, und ich werkelte in der Redaktion. Wir versuchten, an allen Stellen unsere Arbeit – es war immer noch ein Hobby, aber es fraß Zeit – deutlicher zu professionalisieren.

Dazu zählte auch, dass wir potenzielle Anzeigenkunden anschrieben. Wir wollten bezahlte Anzeigen in unserm Heft haben. Also entwickelten Günther und Armin eine Anzeigenpreisliste, die mit einem entsprechenden Anschreiben an Verlage, Filmverleihe und dergleichen verschickt wurde. Genannt wurden klare Preise, es wurden die Formate vermittelt, und es fehlte nicht an werbenden Aussagen für uns selbst.

Der Erfolg gab uns recht: Wir bekamen mehr Anzeigen, die uns halfen, unser Heft mit noch mehr Farbe aufzupäppeln. Dass die Anzeigenpartner bisweilen in die Inhalte hineinreden wollten, machte die Arbeit allerdings nicht immer einfach …

Das Bild gibt einen Ausschnitt aus der Anzeigenpreisliste wider, die Anfang 1987 verabschiedet wurde. Für die damalige Zeit wirkte das alles sehr professionell; heute würde man das natürlich anders machen.