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11 August 2026

Mal wieder ein Fest der Fantasie

Ich könnte an dieser Stelle weit ausholen und versuchen, das zu erklären, was Magira, der Fantasy Club e.V., die Vereinigung FOLLOW oder auch nur das Ewige Spiel sind. Aber dann würde ich nicht fertig werden. Deshalb nur so viel und absichtlich unscharf: FOLLOW ist eine Organisation, deren Mitglieder das Leben auf der Fantasy-Welt Magira simulieren. Das tun sie in Geschichten, in Bildern und Liedern – aber eben auch beim alljährlichen Fest der Fantasie.

Mein erstes Fest der Fantasie besuchte ich 1981, das ist also 45 Jahre her. Zuletzt war ich 2004 auf einem Fest; mir war also klar, dass sich seitdem viel verändert hat. Trotzdem reiste ich mit großer Vorfreude nach Bad Kissingen, wo in diesem Jahr das Fest im Heiligenhof – so heißt das Areal am Rand der Kurstadt – veranstaltet wurde.

Das Fest der Fantasie konzentrierte sich früher auf ein Wochenende; heute sind es zwei Wochenenden und die gesamte Woche dazwischen. Das heißt: Viele Programmpunkte laufen unter der Woche. Als ich ankam, war das meiste schon vorüber. Aber das war mir nicht so wichtig; ich reiste ja an, um alte Bekannte zu treffen.

Im Prinzip verbrachte ich das Wochenende damit, auf Stühlen oder Mauern oder sonstwo zu sitzen, etwas zu trinken und zu essen und mit Leuten zu plaudern. Das waren nicht nur Leute, die ich teilweise seit 1981 kannte, sondern ebenso jüngere Menschen – tatsächlich hat FOLLOW mittlerweile einen Stamm von jungen Leuten, die zwischen 15 und 35 Jahren alt sind. Das fand ich sehr erfrischend, und es wächst bereits eine noch neuere und jüngere Generation heran.

So verbrachte ich meine Zeit zwischen Fantasy-Literatur, Fantasy-Klamotten, einem Magiranischen Abend – man stelle sich Theaterstücke, Lesungen und Tänze in lockerer Reihenfolge vor – und einem Zeremonienabend, in dem sich die einzelnen Völker der Fantasy-Welt vorstellten. Im Rahmen dieses Abends wurde auch die Königin von Clanthon vorgestellt und gekrönt, was ich sehr gut fand.

Am Ende blieb ziemlich viel Begeisterung. Ich fühlte mich nicht wie damals, als ich mit 16 Jahren zum ersten Mal in Kontakt mit dieser Fantasy-Welt trat – das wäre auch absurd –, aber ich fühlte mich wie daheim. Und ich fand’s großartig, mit so vielen spinnerten Leuten ein Wochenende zu verbringen!

10 Juni 2026

Moderne Fantasy mit originellem Konzept

Munk wächst auf einer unbedeutenden Insel auf, die nur von wenigen Menschen bewohnt wird. Der Junge gilt als verschlossen und seltsam, Freundschaft schließt er eigentlich nur mit Vögeln. Eines Tages tauchen fremde Soldaten auf, die sogenannten Greifenkrieger, und nehmen ihn mit. Auf ihn wartet eine Bestimmung, so sagen sie, und eine große Zukunft.

Und während er in eine ferne Festung verschleppt wird, wo er bald ein grausiges Geheimnis entdeckt, beschließt seine Schwester Enna, ihm zu folgen und ihn zu retten …

Der Anfang des Fantasy-Romans »Die Kathedrale der Vögel« macht einen sehr klassischen Eindruck. Die phantastische Welt, die Wieland Freund vor seinen Leserinnen und Lesern ausbreitet, erinnert an Mittel- oder Nordeuropa. Die Kultur wirkt mittelalterlich, und nur langsam wird klar, wie sehr sich seine Welt von der unseren unterscheidet.

Der Autor macht das an seiner Hauptfigur fest. Munk ist ein Mensch, der die Vögel gewissermaßen spüren kann. Er versteht sich mit den Raben, er spürt einen Habicht, und so ist es wohl sein Schicksal, ein Falkner zu werden. Die besondere Beziehung, die sich zwischen Munk und den Tieren entwickelt, schildert der Autor in faszinierenden Bildern.

Im Gegensatz dazu steht die Reise der Schwester. Enna ist ein gewöhnliches Mädchen, sie verfügt über keine außergewöhnlichen Gaben, ist aber sehr mutig und in der Lage, rasch Freundschaften zu schließen. Während Munk im Innern eines Berges auf das Geheimnis der Greifenkrieger stößt, das mit Leben und Tod zu tun hat, erfährt Enna von außen immer mehr über die Hintergründe.

Auch wenn die Hauptfiguren sehr jung sind, eben zwei Jugendliche, handelt es sich bei »Die Kathedrale der Vögel« nicht um ein Jugend- oder gar Kinderbuch. Die Handlung ist erwachsen, obwohl der Autor auf Sex-Szenen oder ausufernde Gewalt verzichtet. Sein Augenmerk richtet sich auf die Figuren und ihre Entwicklung sowie die phantastische Welt, die er durch Munks Augen präsentiert.

Das wiederum finde ich sehr originell. Was auf den ersten zehn, zwanzig Seiten fast ein wenig beschaulich wirkt – eine sehr überschaubare Insel, eine kleine Gruppe von Kriegern –, wird schnell phantastischer und eindrucksvoller. Wieland Freund hat eigenständige Ideen, die ich so in der Fantasy-Literatur nicht gelesen habe. Letztlich geht’s in seinem Roman um den Tod und wie ein mögliches Weiterleben aussehen könnte; damit wird er fast philosophisch.

Ich las den Roman sehr gern, wurde von der Sprache wie von der Geschichte gepackt und folgte mit großer Faszination den zwei Hauptfiguren bei ihrer Reise durch die Wälder und Dörfer. Wer Fantasy mag und etwas lesen möchte, das abseits des Mainstreams dieser Literaturgattung liegt, ist bei »Die Kathedrale der Vögel« gut beraten. (Ich empfehle den Blick in die Leseprobe.)

Der Roman erschien als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag bei Klett-Cotta. Er ist 400 Seiten stark und kostet 25,00 Euro – das E-Book gibt’s für 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-608-96629-9 kann man das Buch in jeder Buchhandlung bestellen. 

(Die Rezensiono wurde bereits im März 2026 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier bringe ich sie auch, aber halt aus dokumentarischen Gründen.) 

20 Mai 2026

Zombies, Gruftis und andere Pädagogen

Mit ist der Autor Boris Koch seit vielen Jahren bekannt: Er veröffentlicht seine Romane und Kurzgeschichten, die im weitesten Sinn zur phantastischen Literatur gehören, in verschiedenen Verlagen, und ich lese sie gern. Die Handlung ist meist augenzwinkernd: Amüsante Drachen gehen auf Reisen, oder Kinder veranstalten spannende Rennen mit Kaninchen, wenn sie nicht gerade losziehen und einen Schatz suchen.

Mit »Schule des Schreckens« hat Boris Koch nun eine Reihe von Kinderbüchern gestartet. Der erste Band erschien bereits im Sommer 2025, der zweite folgt im Frühjahr 2026. Ich las das erste Buch mittlerweile und mochte es sehr.

Wer einmal Schüler war und sein Herz für kindliche Streiche bewahrt hat, könnte ebenfalls so empfinden: »Schule des Schreckens« spielt in einem Internat, das phantastische Elemente aufweist. Kein Vergleich übrigens zu »Harry Potter«, auch wenn der sich wegen des Internats anbieten würde: Boris Kochs Roman-Universum ist wesentlich witziger, es geht nicht um Zauberlehrlinge, und bei ihm nehmen Untote eine wichtige Rolle ein. Seine Hauptfigur ist ein Junge namens Kilian, der sich mit nervigen Schülern und verwirrenden Lehrern herumschlagen muss.

Die Geschichte spielt im Internat Buchenschlag, das im Teufelsforst liegt – Kilians Eltern hätten bei diesen Namen misstrauisch werden können, als sie mit ihm dorthin ziehen. Während sie dort arbeiten, geht er mit den Kindern reicher Eltern auf die Schule. Schnell merkt Kilian, dass einiges nicht so ist wie sonstwo: Direkt neben dem Internat liegt ein Friedhof, auf dem sich sowohl tagsüber als auch nachts allerlei seltsame Personen herumtreiben.

Tatsächlich hat man in der Schule eine Möglichkeit gefunden, dem Lehrermangel entgegenzutreten: Zombies werden als Pädagogen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Lehrerinnen und Lehrer, die teilweise vor Jahrhunderten unterrichtet haben und sich im Tod langweilen; sie sind froh darüber, aus dem Friedhof ins Klassenzimmer zu spazieren und dort eine neue Aufgabe zu erhalten. Das sorgt natürlich für skurrile Situationen. Diese Zombies stehen übrigens nicht auf Menschenfleisch, sondern haben andere Interessen …

Boris Koch weiß einfach, wie man eine gute Geschichte erzählt, sodass sie glaubhaft wirkt – trotz aller phantastischen Punkte. Warum die Toten aus ihren Gräbern kommen und bereitwillig die Schüler von heute unterrichten, verrät der Autor noch nicht – das können ja spätere Romane der Serie erzählen. Der Autor stellt seine Figuren vor, präsentiert die Hintergründe zur Schule und sorgt dafür, dass die unterschiedlichsten Charaktere aufeinanderprallen.

Natürlich gibt es die üblichen Internats-Querelen, die man aus zahlreichen Romanen, Filmen und Fernsehserien kennt. Dazu kommen aber die Konflikte mit der neugierigen Presse, aber eben auch mit Untoten, die teilweise ihre sehr eigenen Vorstellungen haben. Das schildert Koch mit viel Sinn für Humor und schräge Situationen. Da seine Zielgruppe vor allem Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren sein dürften, ist manche Szene für einen Erwachsenen vielleicht zu albern – aber es ist sicher ein Roman, den man Kindern im entsprechenden Alter vorlesen kann.

Bei der Gestaltung hat sich der Verlag einiges einfallen lassen. Der Roman ist reichhaltig und gut illustriert, die Schrift wird immer mal wieder durch größere Buchstaben unterbrochen. Wichtige Aussagen von Figuren sind gerne auch mal fett gedruckt, womit jede Seite deutlich abwechslungsreicher aussieht als eine »Nur-Text-Seite«, wie das sonst in Büchern üblich ist. Das finde ich gut – Zielgruppe sind schließlich Kinder, die heute bekanntlich ein anderes Medienumfeld haben als Kinder der 80er- oder 90er-Jahre.

Der Auftaktband der neuen Serie trägt den Titel »Die Gruftis sind los« und umfasst 288 Seiten. Das Buch wurde vom Verlag WooW Books in einer schönen Hardcover-Ausgabe veröffentlich. Es kostet 15,00 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-03967-052-9 überall im Buchhandel bestellt werden. Versender wie der PERRY RHODAN-OnlineShop liefern es ebenfalls.

(Die Rezension stand bereits im Februar auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Ich komme leider heute erst dazu, sie auch an dieser Stelle abzubilden ...)

18 Mai 2026

Die dritte Staffel ist ein Film

Ich habe leider den Roman »Good Omens« von Terry Pratchett und Neil Gaiman nie gelesen. Die Fernsehserie, die auf Basis dieses Romans entstanden ist, fand ich aber großartig; man kann sie bei Prime anschauen, vielleicht auch auf anderen Streamingkanälen.

Weil diese Serie – die dann zur ersten Staffel wurde – so erfolgreich war, drehte man bald eine zweite Staffel. Die basiert dann nicht mehr auf dem Roman, die Grundzüge und das Drehbuch stammten trotzdem von Neil Gaiman. Der sarkastische Humor und die Anspielungen auf christliche Grundlagen blieben also.

Dann wurde eine dritte Staffel angekündigt, die dieser Tage anfing. Wie es sich herausstellte, gibt es diese dritte Staffel nicht: Wegen der Konflikte um Neil Gaiman – konkret: die Vorwürfe wegen sexuellem »Fehlverhalten«, um es zurückhaltend zu formulieren – entschloss man sich dazu, diese Staffel zu einem eineinhalbstündigen Film umzubauen und so die Serie abzuschließen.

Mein Eindruck ist: Das ist teilweise gelungen, teilweise nicht.

Immerhin taucht in der dritten Staffel Jesus auf, der zur Erde gelangt, sich in London mit einem Kleinkriminellen anfreundet und damit anfängt, Pizza an die Menschen zu verteilen. Wie das mit Jesus weitergeht, wäre sicher interessant zu sehen gewesen – dieser Handlungsstrang fällt leider völlig flach.

Immerhin wird die Geschichte um den Dämon und den Engel, die eigentlichen Hauptfiguren der Serie, zu einem konsequenten Ende gebracht. Satan und Gott spielen eine wichtige Rolle, und am Ende wird ein Buchladen in London zu dem Ort, an dem sich das Schicksal des Universums erfüllt.

Wie immer bei dieser Serie: Man kann sie auf zwei Wegen anschauen. Wer mag, kann sich auf die pointierten Dialoge und den Humor konzentrieren, und kommt damit auf seine Kosten. Wer mag, kann sich aber auch über philosophische Diskussionen über den freien Willen und dergleichen freuen – das ist in diesem Film gewissermaßen die Quintessenz.

Sagen wir so: Wer die ersten zwei Staffeln von »Good Omens« nicht gesehen hat, kann mit diesem Film wohl nicht viel anfangen. Ich fand ihn gelungen – ein schöner Abschluss, wenngleich nicht genial. Aber das kann man bei diesen Umständen ja auch nicht erwarten.

23 Februar 2026

In der »SERAPH«-Jury

Es ist schon einige Jahre her, seit ich das letzte Mal in einer Jury teilnehmen durfte. Vor einigen Jahren bereits war ich in der Jury für den »SERAPH« für den besten Debüt-Roman des Jahres; 2009 war ich in der Jury für »Magische Bestseller« beim Heyne-Verlag, was damals als richtig viel Arbeit erwies.

Und nun haben wir 2026, und ich lese mich durch einen dicken Stapel an Büchern. Ich bin in der Jury für den »SERAPH«, in diesem Fall für das beste Buch 2026. Das klingt verwirrend. Gemeint ist eigentlich: das beste Buch aus Science Fiction, Fantasy und Horror, das 2025 im deutschen Sprachraum erschienen ist.

Als Juror erhielt ich einen Packen an Dateien; weil ich nicht gern digital lese, forderte ich einige Rezensionsexemplare bei Verlagen an, kaufte mir aber zudem kurzerhand einen Stapel Bücher. Ich habe die Bücher gern in der Hand und lasse mich von den Romanen dann richtig einfangen.

Bis Ende der Woche muss ich mein Ergebnis liefern. Ich bin noch unentschlossen, auch wenn ich mir bereits einen sehr guten Eindruck verschaffen konnte. Es ist eine Reihe richtig guter Romane in der Auswahlliste; ich stellte verblüfft fest, dass ich auch einen Titel aus der Rubrik Romantasy klasse fand. Ein Beleg dafür, dass gute Autorinnen und Autoren in jedem Genre gute und schlechte Werke abliefern können.

Ich werde einige der Romane erst zu Ende lesen, nachdem ich mein Votum abgegeben habe. Und ich werde sicher eine Reihe von Rezensionen dazu verfassen. 2025 war ein gutes Jahr für die phantastische Literatur, finde ich!

10 Februar 2026

Märchenhafte Fantasy in zwei Bänden

Ein Mädchen kommt im Wald zu sich, es ist nackt und hilflos. In seinen Erinnerungen lodern Flammen, seine Zukunft ist ihm unklar. Doch dann trifft es auf die Angehörigen des Kleinen Volkes, die es bei sich aufnehmen. Dabei stellt sich allerdings eine Frage: Ist das wirklich so klug? Ist das Mädchen nicht vielmehr eine Gefahr?

Mit dem Comic-Zweiteiler »Brindilla« präsentiert der Splitter-Verlag eine Fantasy-Geschichte, die märchenhafte Züge aufweist, aber nicht für Kinder gedacht ist und auf Kitsch völlig verzichtet. Es tauchen allerlei Fabelwesen auf, gleichzeitig aber gibt es eine finstere Horde, die dem Mädchen folgt und nichts als Tod und Vernichtung im Sinn hat.

Das Szenario für den Comic stammt von Frédéric Brrémaud, dem es gelingt, mit wenigen Dialogen eine wunderbare Fantasy-Welt zu erschaffen. Die Figuren sind schön geschildert, es gibt immer wieder eine Prise Humor, die phantastische Welt funktioniert – sehr gelungen!

Wobei die Geschichte vor allem durch die wunderbaren Illustrationen von Federico Bertolucci überzeugt. Sie zeigen einen verwunschenen Wald mit zahlreichen Details, sie setzen die junge Hauptperson ebensogut in Szene wie die phantastischen Lebewesen, auf die Brindilla trifft. Viele der Seiten sind so, dass man sie nach erfolgter Lektüre auch gern ein zweites und drittes Mal betrachtet.

Ein starker Doppelband, der eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt!

09 Februar 2026

KI, Autoren und ein Podcast

Wie ist das mit dem Schreiben von Romanen und dem Nutzen der sogenannten Künstlichen Intelligenz? Das Thema beschäftigt derzeit viele Menschen, und da finde ich es interessant, wenn es in einer Podcast-Folge näher beleuchtet wird. In diesem Fall ist es eine Folge von »Lesart«, einem Angebot des Deutschlandfunks.

Vorgestellt werden ein Autor und eine Autorin, die im Podcast davon erzählen, wie sie Künstliche Intelligenz einsetzen. Mit dabei ist Juri Pavlovic, die als Autorin im phantastischen Umfeld unterwegs ist und im Amrun-Verlag veröffentlicht. Ein sehr empfehlenswerter Podcast mit faszinierenden Einblicken in die Arbeit der beiden – als Zuhörer konnte ich mir da schön eine eigene Meinung bilden …

19 Januar 2026

Den Meister und die Margarita gesehen

Für meine Begriffe ist Bulgakows »Der Meister und Margarita« einer der besten Romane der phantastischen Literatur. Deshalb war ich gespannt auf die Verfilmung; im Kino hatte ich sie 2025 völlig verpasst, und ich sah sie mir dieser Tage endlich in einem Streaming-Kanal an. Es handelt sich um eine russische Verfilmung, auch wenn ein deutscher Schauspieler eine der zentralen Rollen übernommen hat.

Ich verzichte an dieser Stelle absichtlich auf eine Inhaltsangabe; das ist wohl beim Roman als auch beim Film echt knifflig. Die Geschichte spielt in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts; in Moskau herrscht der Stalinismus.

Eine mysteriöse Person ist in der Stadt unterwegs, bei der man irgendwann sicher ist, dass sie schlichtweg der Teufel ist. Und eine der zentralen Fragen, die sich durch die Geschichte ziehen, ist dann: Wenn in einem atheistischen Land der Teufel durch die Straßen spaziert, heißt das doch, dass es auch Gott geben muss?

Man muss klar sagen: Wer den Roman nicht kennt, wird den Film kaum verstehen. Aber auch wenn man ihn gelesen hat, bleibt vieles unklar. Manchmal nimmt er alle Anzeichen einer Groteske an, dann wieder wirkt er wie ein Fantasy-Film. Häufig aber wirkt er wie eine bissige Satire auf die Sowjetunion und ihre Geschichte – ich bin sowieso sicher, dass ich viele Anspielungen auf aktuelle und vergangene Politik nicht verstehen konnte.

Die Verfilmung ist nicht schlecht, empfehlen kann ich sie aber auch nicht. Wer ein Fan des schon klassischen Romans ist, sollte sich den Film anschauen; wer den Roman nicht kennt, sollte ihn eh auf seine »dringend zu lesen«-Liste setzen. Ansonsten ist die Verfilmung zeitweise sehr bildgewaltig, insgesamt aber nicht sonderlich überzeugend.

05 Januar 2026

Erfolgreichste Fantasy im Jahr 2025

Zum Jahreswechsel veröffentlicht das »Börsenblatt« seine »Jahrescharts«; damit sind aktuelle Verkaufslisten gemeint. Ich schaue mir besonders gern das an, was als »Fantasy & Science-Fiction« vermarktet wird. Um es vorsichtig anzudeuten: Auf den 25 Plätzen dieser Liste war nur ein einziger Roman, den ich kannte – es ist die Neuauflage von »1984«, dem großen Klassiker von George Orwell. Den größten Teil der Liste nehmen Romane ein, die eher der Romantasy zuzurechnen sind.

Auf Platz eins hievte sich »Alchemised« von SenLinYu. Der Roman war im Herbst 2025 mit einem riesigen Werbeaufwand in den Handel gebracht wurden; hier hatte sich der Verlag sehr engagiert. Veröffentlicht wurde der Roman bei Forever, einem Imprint des Ullstein-Verlags.

Man hatte laut Verlagsangaben 200.000 Exemplare gedruckt, was ich schon sehr imposant finde, und landete gleich auf Platz eins der Bestsellerliste. Der Erfolg gab dem Verlag recht, denn es musste bald nachgedruckt werden, und zum Jahresende hatte man bereits 235.000 Exemplare verkauft. Kein Wunder, dass der Titel nun die »Verkaufscharts« im phantastischen Bereich anführt.

Schlau fand ich, dass der Verlag auch gleich eine englischsprachige Ausgabe veröffentlichte, die im deutschsprachigen Raum ausgeliefert wurde. Glaubt man den Verlagsangaben, die ich nicht anzweifeln möchte, hat man »alles in allem« – also deutsch- und englischsprachige Print-Ausgaben sowie E-Books – rund 300.000 Exemplare von »Alchemised« verkauft.

Vielleicht muss ich doch in das Buch reinschauen. Nicht, weil es mich privat sonderlich interessiert – aber wer sich als Redakteur mit der phantastischen Literatur beschäftigt, muss gelegentlich mal außerhalb seiner Komfortzone gucken, was die Leute so mögen …

31 Oktober 2025

Hornsignale 377 gelesen

Das Fanzine »Hornsignale« gehört zu den Heften, die ich immer gleich lese, wenn ich sie erhalte. Das liegt unter anderem daran, dass der Umfang immer so ist, dass man die Lektüre auch in einem überschaubaren Zeitraum schaffen kann. Okay, der wirkliche Grund ist: Herausgeber der »Hornsignale« ist der Einhorn-Clan, der zum Fantasy-Club FOLLOW gehört – das ist eine extrem verkürzte Darstellung, ich weiß – und in dem ich seit Jahrzehnten ein stilles Mitglied bin, das sich nur sehr selten zu Wort meldet.

Die aktuelle Ausgabe 377 wurde von Zilly Heywood zusammengestellt. Das Fanzine umfasst 32 Seiten im A5-Format, enthält mehrere farbige Fotos und präsentiert sich in einem sehr schönen Layout. Sein inhaltlicher Schwerpunkt ist das Fest der Fantasie, das in diesem August veranstaltet wurde. Wer das nicht versteht, möge sich nicht grämen: Beim Fest der Fantasie treffen sich die Angehörigen des Fantasy-Vereins, um gemeinsam zu feiern, zu diskutieren, viel zu trinken und zu reden und auch das Ewige Spiel weiter zu betreiben.

Den größten Anteil des Heftes nimmt ein Festbericht ein, den Hermann Ritter verfasst hat. Der Titel »Nicht alle Begegnungen sind Leben« wirkt auf Außenstehende sicher kryptisch; wer nicht vor Ort war – so wie ich – wird natürlich nicht alle Anmerkungen und Andeutungen verstehen können.

Als Leser erhalte ich einen schönen Einblick in die Veranstaltung und ihren Ablauf. Das hat mich sehr gefreut; ich bekam fast das Gefühl, selbst wieder bei so einem Fest dabei gewesen zu sein. Gelungenes Fanzine!

06 Oktober 2025

Vorfreude auf den BuchmesseCon

Ich habe mir heute mal angesehen, was auf der Internet-Seite des BuchmesseCons schno alles über die geplante Veranstaltung in diesem Jahr zu lesen ist. Da Programm kann man sich anschauen, aber ich habe es bislang nur überflogen; mir ist ja im Voraus schon klar, dass ich nur sehr wenige Lesungen oder Präsentationen besuchen kann.

Der BuchmesseCon findet seit vielen Jahren in Dreieich statt, und eigentlich müsste er mittlerweile umgetauft werden. Längst ist es keine Veranstaltung mehr, die irgendwie parallel zur Buchmesse in Frankfurt verläuft. Es handelt sich dabei um eine eigenständige Veranstaltung, die sich an Leute aus der Science-Fiction- und Fantasy-Szene richtet, die sich für Literatur interessieren und denen die Messehallen in Frankfurt gar nicht mehr so viel geben.

In Dreieich präsentieren sich viele der kleineren Verlage im weiten Feld der Phantastik; wer mag, kann den Con als eine Messe der Phantastik-Verlage betrachten. Dazu kommen Autorinnen und Autoren, die als Selfpublisher ihre eigenen Stände haben, und einige Vereine; das alles summierte sich zu einem wunderbaren Durcheinander aus Büchern, die höchst unterschiedliche Genres in ebenso unterschiedlichen Niveaustufen bedienen.

Jedes Jahr nehme ich mir vor, in Dreieich mehr zu machen, als nur »meinen« Programmpunkt zu besuchen. Meist klappt es nicht. Ich werde auch 2025 viele Gespräche führen, die meisten hoffentlich positiv, und freue mich schon sehr darauf! 

08 Juli 2025

Originelle Fantasy aus dem magischen Kairo

Der amerikanische Schriftsteller P. Djèlí Clark wurde in den vergangenen Jahren für so ziemlich jeden Preis in den Genres Science Fiction und Fantasy nominiert. Erfreulicherweise sind schon drei seiner Bücher in deutscher Sprache erschienen; ich las zuletzt »Der Spuk im Luftbahnwagen 015«. Dabei handelt es sich nicht um einen Roman, sondern um ein Buch mit zwei Erzählungen – diese spielen aber am selben Schauplatz, und eine Figur taucht in beiden Geschichten auf.

Clark hat ein eigenes Phantastik-Universum erschaffen, das eine Parallelwelt-Historie mit phantastischen Einflüssen verbindet. Schauplatz der Erzählungen ist Kairo zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts: ohne europäische Kolonialmächte, dafür aber mit dem Einfluss von Zauberei und allerlei magischen Wesen.

Wer möchte, kann die beiden Erzählungen auch als phantastische Kriminalerzählungen betrachten. Beides Mal geht es um Beamte, die unheimliche Fälle aufklären müssen.

Die allerdings haben es in sich: In der Titelgeschichte geht es um einen Spuk, der einen Straßenbahnwagen angegriffen hat und diesen nun »bewohnt«. Beamte aus dem Ministerium für Alchemie, Zauberei und übernatürliche Wesen müssen sich darum kümmern. Während sie versuchen, erst einmal herauszufinden, um was es sich bei diesem Spuk eigentlich handelt, bewegen sie sich durch das quirlige Kairo des Jahres 1912, verhandeln mit Geheimagenten und treffen Lebewesen aus Blech … vor dem Leser entfaltet sich so das Panorama eines wunderbaren und originellen Universums.

Auch die Kurzgeschichte »Ein toter Dschinn« hat Polizisten des genannten Ministeriums als Hauptfiguren. In einer Welt, in der Dschinns zum Alltag gehören, ist es besonders knifflig, einen Mord an einem dieser Wesen aufzuklären. Vor allem, wenn auch noch mörderische Ghule und der Durchgang in ein anderes Universum eine wesentliche Rolle spielen … 

Beide Erzählungen sind sehr gelungen. Als Leser taucht man in eine magische Welt ein, die einem als selbstverständlich präsentiert wird. Für europäische Leser ist der islamische Hintergrund zudem spannend; das ist eine andere Art von Fantasy als der »Mainstream« dieser Literaturgattung, der sich vorrangig aus der keltischen und germanischen Sagenwelt speist. 

Clark schildert seine Figuren ebenso glaubhaft wie die Welt, durch die sie sich bewegen. Er präsentiert Kairo als eine Stadt, in der es längst moderne Technik gibt – die Luftbahnwagen gehören ebenso dazu wie die Metallwesen, also Roboter, die immer wieder auftauchen –, die aber von magischen Einflüssen durchzogen ist. Daneben zeigt er Frauen, die ihre Rechte einfordern, und Beamte, die sich mit der Bürokratie herumschlagen – es ist also keine Fantasy, die in der Vergangenheit schwelgt, sondern eine, die ein fiktives Universum erfindet. 

Beide Erzählungen sind absolut lesenswert und machen auf das weitere Werk des Schriftstellers neugierig. Wer ungewöhnliche Fantasy mag, sollte zugreifen! 

Das mit 176 Seiten schmale, aber schön gestaltete Taschenbuch gibt’s für 14,00 Euro überall im Buchhandel und bei allen Versendern, etwa dem PERRY RHODAN-OnlineShop. Die ISBN 978-3-98666-443-5 kann dabei behilflich sein. Wer das E-Book bevorzugt, wird ebenfalls bei allen relevanten Shops fündig – es kostet 9,99 Euro.

(Diese Rezension veröffentlichte ich im Juni auf der PERRY RHODAN-Seite. Hier teile ich sie der Vollständigkeit halber.)

05 Juni 2025

Der zweite Fall für Skarabäus Lampe

Oft ist es so, dass der erste Band einer Serie oder einer Trilogie besonders gut ist, der zweite aber abfällt: Bei »Tod im Museum« ist das völlig anders. Dabei handelt es sich um den zweiten Band einer kleinen Fantasy-Serie, bei der Skarabäus Lampe als Detektiv ermittelt … und ich finde diesen Band noch besser als den ersten, der mir schon sehr gefallen hatte. (Und deshalb ist hoffentlich verzeihlich, dass »Tod im Museum« bereits seit eineinhalb Jahren auf dem Markt ist und diese Rezension recht verspätet erscheint.)

Meike Stoverock hat eine phantastische Welt erschaffen, in der Tiere wie Menschen agieren: Hasen und Löwen spazieren in Anzügen oder Abendkleidern herum, Vögel tragen Uniform, und sogar Fische sind in dieser Welt daheim, müssen aber ihre Sauerstoffversorgung anders regeln. Die Autorin folgt damit einer alten Tradition der Phantastik, die Tiere vermenschlicht, und sie macht das sehr originell und sehr gut.

Worum geht es in diesem Fall für Skarabäus Lampe? Der Vater des berühmten Detektivs stirbt; er war ein bekannter Archäologe, der auf der ganzen Welt forschte und Ausgrabungen leitete. Doch ausgerechnet bei der Trauerfeier gibt es einen Mord, und Skarabäus wird klar: Der Tod seines Vaters war kein Zufall, sondern ebenfalls ein Mord. In einer unruhigen Zeit, in der die Stadt von Demonstrationen und Polizeigewalt erschüttert wird, muss der Detektiv in der bürgerlichen Gesellschaft ermitteln …

Was sich in der Zusammenfassung anhört wie ein ganz klassischer Krimi, ist es im Roman auch. Alle Verdächtigen sind quasi in einem Raum – in diesem Fall in einem Museum –, während die Polizei das Gebäude abriegelt und außerhalb ein Bürgerkrieg droht. Der Detektiv muss ermitteln, ihm stehen aber nur wenige Möglichkeiten zur Verfügung, und die Polizei behandelt ihn mit Misstrauen. Zu allem Überfluss scheinen ihm alle Personen, die er verhört, eine neue, sehr kritische Sicht auf seinen Vater zu vermitteln.

Dieser Krimi wird von der Autorin durch die vielen phantastischen Ideen quasi überhöht. Die Tiere, die miteinander verkehren, die ungewöhnlichen Dialoge – das alles wirkt lebendig und so glaubhaft, wie man es sich eben vorstellen kann. Meike Stoverock bietet eine Fülle origineller Figuren auf, die der Romanhandlung immer ordentlich Tempo geben. Das machte mir bei der Lektüre richtig Spaß – man muss sich allerdings auf die doch etwas schräge phantastische Welt einlassen.

»Tod im Museum« ist gelungenes Lesefutter, eine tolle Mischung aus Krimi und Fantasy im weitesten Sinne. Wer sich nicht so richtig rantraut, möge sich die Leseprobe auf der Internet-Seite des Verlags anschauen – veröffentlicht wurde der Roman bei Klett-Cotta.

Man muss übrigens nicht den ersten Band mit Skarabäus Lampe kennen, um »Tod im Museum« verstehen zu können; beide Bände sind sehr unabhängig voneinander.

(Die Rezension hatte ich bereits im März auf der PERRY RHODAN-Seite; heute komme ich endlich dazu, sie auch an dieser Stelle unterzubringen ...)

28 Mai 2025

Zwei phantastische Comics für Kinder

Unter dem Label Toonfish veröffentlicht der Splitter-Verlag seit mehreren Jahren phantastische Comics, die sich vor allem an Kinder und Jugendliche richten. Heute will ich euch zwei aktuelle Bände vorstellen, die jeweils den Auftakt zu einer größeren Geschichte bilden.

Aucha / Isabelle Lemaux-Piedfert: Die vergessenen Welten

Im Jahr 1920: Amy ist ein aufgeschlossenes Mädchen, das gerne forscht und von unstillbarer Neugierde erfüllt ist. Sie schafft es, ihren Vater, einen bekannten Forschungsreisenden, dazu zu bringen, sie nach Mittelamerika mitzunehmen. Dort hilft sie ihm bei den Ausgrabungen alter Maya-Tempel, geht aber bald ihre eigenen Wege.

So beginnt der erste Band von »Die vergessenen Welten«. Vordergründig geht es um uralte Kristallschädel und eine Jagd nach Atlantis, daneben wird aber auch erzählt, wie ein Mädchen gegen die Regeln seines Standes aufgebehrt und versucht, eigene Wege einzuschlagen. Die Geschichte ist turbulent, sie hat einen phantastischen Charakter, erinnert mit ihrem abenteuerlichen Grundton aber eher an »Indiana Jones« oder »Tomb Raider«.

Der Comic-Autorin Aucha gelingt es hervorragend, die Figur eines 13 Jahre alten Mädchens so zu beschreiben, dass man ihm gern durch das Abenteuer folgt. Andeutungen erster Liebe gibt es ebenso wie das Aufbegehren einer Generation – schön gemacht!

Die Bilder von Isabelle Lemaux-Piedfert ergänzen das sehr gut; sie sind schwungvoll, entsprechen dem aktuellen Stil und dürften der angepeilten Zielgruppe gefallen. Auch als erwachsener Leser macht die Lektüre Spaß.

Das erste Hardcover-Album der neuen Reihe trägt den Titel »Der Schädel von Lubaantun«, umfasst 80 Seiten und kostet 17,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-98721-722-7 kann man es überall im Comicfach- und Buchhandel bestellen.

Audrey Alwett / Nora Moretti: Der Garten der Feen

Mitte des 19. Jahrhunderts in der Normandie: Lucie ist ein aufgewecktes Mädchen, ein junger Teenager also, und hat wenig Lust darauf, aus dem mondänen Paris in ein Schloss auf dem Land zu ziehen. Doch schnell erkennt sie, dass dort nicht nur eine seltsame Familie auf sie wartet, mit der sie ihre Probleme hat, sondern auch ein geheimnisvoller Garten, in dem es tatsächlich Feen gibt.

Außer Lucie kann diese anscheinend niemand sehen, selbst der Garten ist vor den Augen anderer Menschen verborgen. Kein Wunder, dass das Mädchen alles versucht, um hinter dessen Geheimnis zu kommen – wobei Lucie bald feststellt, dass die Mysterien der Feen mit der Geschichte ihrer Familie verknüpft sind …

Die Comic-Autorin Audrey Alwett hat sich bei dieser gelungenen Phantastik-Serie, die sich vor allem an Mädchen richtet, vom Kinderbuch-Klassiker »Der geheime Garten« beeinflussen lassen, entwickelt auf dessen Basis aber eine eigenständige Geschichte, die sich flott lesen lest. Gelungen sind zudem die Bilder der Künstlerin Nora Moretti; die Figuren und die Hintergründe haben manchmal einen leichten Manga-Anflug, entsprechen stets dem Standard jener aktueller Comics, die sich an Jugendliche richten.

Mit »Die Feenhirtin« ist ein schöner Start in eine moderne Fantasy-Serie gelungen. Der erste Band ist als Hardcover erschienen; er umfasst 72 Seiten und kostet 17,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-98721-365-6 kann man das Buch überall im Comicfach- und Buchhandel bestellen.

(Diese Doppel-Rezension erschien bereits im März auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie; hier teile ich sie aus Gründen der Dokumentation auch endlich ...)

19 Februar 2025

Zamonische Ideen und Enttäuschungen

Ich weiß nicht, ob ich mich als Fan des Autors Walter Moers bezeichnen könnte. Sicher bin ich ein Fan des phantastischen Kontinents Zamonien, den er erschaffen hat und zu dem es schon einige Romane gibt. Die Phantasie des Schriftstellers überzeugt mich immer noch – trotz einiger echt schwachen Bücher in den vergangenen Jahren –, und das gilt auch für »Die Insel der tausend Leuchttürme«.

Der Roman ist nicht brandneu, aber ich beendete die Lektüre daran erst dieser Tage. Der Grund für die Verzögerung: Das Buch kann und muss man nicht am Stück lesen, es macht nichts, wenn man es einige Wochen liegen lässt. Auf einen Spannungsbogen verzichtet der Autor komplett, die Handlung plätschert gut 600 Seiten vor sich hin, um sich am Ende geradezu zu überschlagen. Das fand ich zeitweise enttäuschend.

Aber klar: Die phantastischen Ideen tragen einen Teil der Faszination, und so ärgert man sich bei der Lektüre nicht. Moers schickt wieder einmal seine Figur Hildegunst von Mythenmetz auf eine große Reise: Er muss zur Insel Eydernorn, wo er einen Kuraufenthalt gebucht hat; von dort as schreibt er ausführliche Briefe, in denen er die Insel beschreibt und von den Begegnungen mit den Einheimischen berichtet.

Das macht Moers wieder einmal toll: Die Insel mit ihren seltsamen Bewohnern wird mit viel Liebe und Phantasie beschrieben. Man erfährt einiges über die Leuchttürme der Insel, viel über den Sport und einiges über die merkwürdigen Tiere. Das liest sich unterhaltsam und ist immer faszinierend.

Spannung kommt halt wirklich keine auf. Beim Lesen gewann ich den Eindruck, dass der Autor drauflosgeschrieben hatte und sich erst am Ende darauf besann, was er eigentlich machen wollte. Dann wird es auch sehr heftig – aber das ist dann irgendwie okay.

Um es klar zu sagen: Wer den Kontinent Zamonien und die phantastischen Welten des Walter Moers schon kennt und schätzt, wird sich mit »Die Insel der tausend Leuchttürme« anfreunden können. Aber es ist eigentlich ein Buch, das niemand braucht …

18 Februar 2025

Phantastischer Comic zwischen Traum und Literatur

Peter Pan ist der Junge, der nicht erwachsen werden will. Seit er zum ersten Mal von James Matthew Barrie zu literarischem Leben erweckt worden ist, gehört er zu den bekanntesten Figuren der Kinder- und Jugendliteratur. Zahlreiche Adaptionen von Barries Werk gibt es: Filme und Bücher. Comics und Spiele. Mit »Peter Pan in Kensington Gardens« liegt ein phantastischer Comic vor, der zwar von Kindern erzählt, aber nicht unbedingt für Kinder gedacht ist.

Verantwortlich dafür zeichnet José Luis Munuera, der hierzulande schon durch verschiedene Comics bekannt geworden ist. Er versteht sich auf Funnys mit Knollennasenfiguren – etwa bei »Spirou & Fantasio« – ebenso wie auf eher realistische Zeichnungen. Das merkt man diesem aktuellen Comic an, der seine witzigen Szenen aufweist, tatsächlich aber eine traurig anmutende Geschichte erzählt.

Sie spielt in einer nicht genau definierten Zeit, irgendwann zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Ein kleines Mädchen verläuft sich im Park, der nachts abgeschlossen wird. Doch wenn die Dunkelheit hereinbricht, verwandelt sich der Park – er ist ein magischer Ort, der zwei Gesichter aufweist.

Bäume werden lebendig, sprechen miteinander und wollen Kinder fressen. Dunkle Gestalten, die wie verzerrte Männer aussehen, stromern durch den Park und suchen nach Beute. Und die Elfenkönigin mit ihrem Hof kommt aus ihrem Schloss, um durch den Park zu flanieren.

So löst die eine Welt die andere ab: Aus Tag wird Nacht, und die Schatten der Sonne sind anders als die Schatten des Mondes. Nur einer ist immer der gleiche: Peter Pan, der sich zwischen Raben und Elfen bewegt, der fliegen kann und sich ein wenig mit dem kleinen Mädchen anfreundet. Er möchte es zum Bleiben überreden, doch das Kind möchte heim zu seinen Eltern. Um das zu schaffen, muss erst ein magisches Rätsel gelöst werden …

»Peter Pan in Kensington Gardens« ist im Original eine Erzählung, die zu Recht kaum bekannt geworden ist. Sie stammt von James Matthew Barrie, hat aber wenig mit dem eigentlichen Mythos um Peter Pan zu tun. Das Nimmerland wird erwähnt, auch Captain Hook taucht als Name sowie als Bild auf; die Geschichte selbst spielt aber vollständig in London. Es empfiehlt sich in diesem Fall, nicht auf die Lektüre des Vor- und des Nachwortes zu verzichten, wenn man die Hintergründe kennen möchte.

Allerdings braucht man diese nicht unbedingt, will man nur der eigentlichen Story folgen. Diese funktioniert wunderbar für sich. In stimmungsvollen Bildern, die teilweise die ganze Seite einnehmen, zeigt Munuera die Begegnungen im nächtlichen Park. Sowohl Peter Pan als auch das Mädchen sind Kinder, aber sie verhalten sich unterschiedlich: Peter Pan ist auf seine Art völlig weltfremd und gleichzeitig unerschrocken, das Mädchen hingegen hat Angst.

Es wimmelt von schönen Details in diesem Comic. Treten zwei Figuren auf, kann man davon ausgehen, dass sich auch im Hintergrund etwas abspielt oder zwei Tiere auf einem Ast sitzen und der Szenerie zuschauen. Immer passiert etwas, immer zeigen die Bilder eine Bewegung. Der Autor und Künstler erschafft in diesem Comic eine zauberhafte phantastische Welt, die mich bei der Lektüre sehr in ihren Bann gezogen hat. (Unbedingt die Leseprobe betrachten!)

Man liest die 96 Seiten dieses gelungenen Comics – oder dieser Graphic Novel – nicht nur, man bewundert sie und kann sich in ihnen verlieren. Wer Phantastik mag, sollte dieses schön gestaltete Buch unbedingt antesten!

(Diese Rezension habe ich auch schon auf der PERRY RHODAN-Seite veröffetlicht. Hier wird sie wegen der Dokumentation wiederholt.)

05 Dezember 2024

Armageddon als Fanzine-Thema

Im Dezember 1968 erschien ein Fanzine, das für die weitere Entwicklung der Fantasy- und Science-Fiction-Szene in Deutschland nicht unwichtig war: Es war die sechste Ausgabe von »FOLLOW«, zusammengestellt von Hubert Strassl und Eduard Lukaschandl. Enthalten waren vor allem die Spielregeln von »Armageddon«, dem ersten großen Fantasy-Brettspiel überhaupt.

Ich schaute mir in diesen Tagen nicht das Original-Fanzine an, sondern den Reprint, der im Spätjahr 1979 veröffentlicht wurde. Der »Follow-Sonderdruck« mit der Nummer vier ist nichts anderes als die »FOLLOW«-Ausgabe 6. Wer das nicht gleich versteht, möge sich nicht grämen; mir war das 1979 ebenfalls nicht gleich bewusst, als ich versuchte, in die Strukturen des Ersten Deutschen Fantasy-Clubs einzusteigen.

Das vorliegende Fanzine enthält auf über fünfzig Seiten im A5-Format die Regeln für ein Spiel, das im Verlauf späterer Jahre immer größer wurde, zahlreiche andere Spiele beeinflusste und heute noch gespielt wird. Das Regelwerk zu »Armageddon« war damals bereits komplex und sollte im Verlauf der Zeit noch komplexer werden.

Auch hier gilt: Ich war sehr verwirrt, als ich mir zu Beginn des Jahres 1980 in jugendlichem Leichtsinn die Spielregeln kaufte ...

Das Regelwerk im vorliegenden Fanzine beschreibt die Möglichkeiten, einen Krieg in einer Fantasy-Welt zu führen. Truppen werden bewegt, Schiffe sind auf den Meeren unterwegs, Fabeltiere kommen zum Einsatz. Länder wie Esran und Clanthon wurden damals definiert, ohne dass man sie mit »Leben« gefüllt hätte, also mit Geschichten oder Romanen. Aber es wird klar, dass aus diesem Regelwerk etwas Größeres entstehen könnte.

Ob sich Lukschandl und Strassl damals ausmalten, dass ihre Schöpfung auch Jahrzehnte danach Bestand haben würde, weiß ich nicht. Mit dem kleinen Heft legten sie damals einen wichtigen Grundstock für viele Fantasy-Fans, Rollen- und Brettspieler.

28 November 2024

Phantastik-Roman vor kalifornischer Kulisse

An der Küste von Kalifornien erstreckt sich ein Landstrich, der im Allgemeinen als Big Sur bezeichnet wird und in weiten Teilen aus unberührter Natur besteht. Dort spielt der Roman »Der Wächter der Winde« des Schriftstellers Oliver Plaschka, der als Taschenbuch erschienen ist und den ich endlich gelesen habe.

Plaschka ist vor allem als Übersetzer aktiv, veröffentlicht aber immer wieder Romane, die im weitesten Sinne »phantastisch« sind. Er verfasste darüber hinaus historische Romane sowie Science Fiction; unter anderem schrieb er für die Serie PERRY RHODAN NEO, zu der er eine Reihe von Auftaktbänden beisteuerte.

»Der Wächter der Winde« ist eigenständig und entzieht sich den klassischen Genre-Begriffen: Für mich ist er Fantasy im weitesten Sinne. Wer darunter aber Geschichten über Orks und Trolle, Elfen und Zwerge versteht, wird sehr überrascht sein. Immerhin gibt’s Magie …

Die Helden des Romans sind allesamt Menschen. Sie kommen aus unterschiedlichen Zeiten undtreffen in einer magischen Welt aufeinander, die sich zwar in Big Sur befindet, mit der Realität unserer Zeit aber nicht viel zu tun hat. Zwei »kleine Gangster« aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, fünf Menschen aus unserer Zeit und ein Reiter aus dem sogenannten Wilden Westen verschlägt es in diese Welt, die sehr überschaubar erscheint, aus der man aber nicht entkommen kann.

Wie das zusammenhängt und welche Rolle die Winde spielen, das erzählt der Autor in seinem abwechslungsreichen und toll geschriebenen Buch. Tatsächlich hat Windenergie etwas mit dem Geschehen zu tun, ebenso aber die Träume eines Mannes und – wenn man möchte – die alte Magie der Ureinwohner Kaliforniens. Eine hundertprozentige Erklärung gibt es nicht, aber das ist bei einem phantastischen Roman dieser Art auch nicht nötig.

Die Charaktere sind glaubhaft; man erfährt viel über ihre Vorgeschichte und erlebt mit ihnen, wie sie sich in der für sie völlig fremden Umgebung behaupten. Die Zusammenhänge werden von Kapitel zu Kapitel klarer, und am Ende gibt es für alle Figuren einen »sauberen« Abschluss. Ob man das in jedem Fall als ein »Happy End« bezeichnen kann, müssen die Leserinnen und Leser für sich selbst entscheiden.

»Der Wächter der Winde« ist ein Roman, der ohne überzogene Action auskommt, der aber über genügend Dramatik verfügt, um über längere Zeit hinweg zu fesseln. Magie bildet die Grundlage für das Geschehen, wichtiger sind sowieso die Figuren und ihr Verhalten.

Oliver Plaschka schafft es, ein phantastisches Geschehen so zu schildern, dass es stets nachvollziehbar bleibt. Wer Fantasy – oder meinetwegen Phantastik! – ohne die üblichen sprachlichen und inhaltlichen Klischees lesen möchte, sollte diesen Roman zumindest anschauen. Er bietet eine ungewöhnliche und spannende Lektüre.

Das Taschenbuch ist bei Droemer-Knaur erschienen, umfasst 368 Seiten und kostet in dieser Form 11,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-4265-2876-1 kann man es überall im Buchhandel bestellen.

(Die Rezension erschien ursprünglich auf der PERRY RHODAN-Seite. Ich wiederhole sie hier aus dokumentarischen Gründen.)

07 November 2024

Wenn die Bubble wuchert ...

Ich finde es spannend, wie das Thema Romantasy – das ja in den 90er-Jahren erstmals aufflammte, wenn ich mich düster erinnere – derzeit die Verlagsbranche ein bisschen umwälzt. Selfpublisherinnen werden mit dieser Gattung der phantastischen Literatur zu Bestsellerautorinnen, Verlags-Imprints wie Lyx stehen auf einmal auf den vorderen Plätzen der Bestsellerliste. Und in den großen Buchhandlungen werden Angebotstische freigeräumt, in denen es nur um Romantasy geht.

Spannend finde ich, wer sich neuerdings in diesen Markt drängt. Gräfe und Unzer beispielsweise ist ein Verlag, der sich seit Jahrzehnten auf Ratgeber und Sachbücher spezialisiert hat. Seit diesem Herbst bietet der Verlag nun eine Reihe an, in der Romance-Romane mit »Mental-Health-Themen« verknüpft werden. Auf der Buchmesse in Frankfurt wurde das auch entsprechend gefeiert.

Das entsprechende Interview in der Fachzeitschrift »Börsenblatt« las ich mit großem Interesse. Die Bücher seien »waschechte New-Adult-Romane«, die halt »eine psychologische Komponente« aufweisen. Damit will man 2025 weitermachen. Ich finde das durchaus interessant.

Gespannt bin ich vor allem, wie sich das 2025 wirklich entwickelt. Wird man dann auch »Romantay-Romane mit Kochbuch-Anleihen« veröffentlichen? Gibt es »Romantasy meets Yoga«? Stellen sich die Verlage auf originelle Themen wie »Anders Reisen mit Romantasy« ein? Es kommen wunderbare Zeiten für die Fans der phantastischen Literatur – und ich freue mich schon sehr auf die Auswüchse.

22 Oktober 2024

Phantastische Comic-Adaption

Wenn eine Netflix-Serie erfolgreich ist, gibt es schnell einen Ableger. Das gilt umso mehr, wenn es sich um Zeichentrick handelt. Und so wurde aus der Serie »Der Prinz der Drachen« auch ein Comic für Kinder. Zum Gratis-Kids-Comics-Tag 2024 gab’s ein Sonderheft, und das habe ich endlich gelesen.

Für den Text zeichnet Peter Wartman verantwortlich, für die Bilder Xanthe Bouma. Richtig eigenständig kann die Geschichte allerdings nicht sein, weil sie ja auf der Zeichentrickserie beruht – ich kann das also nicht unbedingt kritisieren. Aber ich konnte weder mit den Bildern noch mit dem Text viel anfangen.

Drei jugendliche Helden erleben in einem Fantasy-Königreich allerlei Abenteuer. Es gibt seltsame Wesen und Magie, alle tragen merkwürdige Fantasy-Klamotten. Das alles finde ich relativ spannungsarm; ich bin aber nicht die Zielgruppe und kann nicht beurteilen, wie die Geschichte auf Kinder wirkt, die vor allem ja bereits die Netflix-Serie kennen.

Und die Zeichnungen? Die sind sehr flächig, orientieren sich in der Optik sichtlich an der Zeichentrickserie. Das ist sicher zielgruppengerecht; meinen Geschmack trifft es gar nicht. Aber mir muss ja nicht alles gefallen …