Posts mit dem Label Comic werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Comic werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

21 Juli 2026

Rabiater Start in einen Western

Der Western ist ein Genre, das mehr mit der Fantasy zu tun hat als mit der wirklichen Historie; deshalb kümmert es mich nur selten, wenn die geschichtliche Seite arg holpert. Wichtig ist, dass die Geschichte stimmt und mich in ihren Bann zieht.

Mit dem neuen Western-Comic »Wyoming, 1863« liegt genau so ein Fall vor. Der erste Teil ist unter dem Titel »Fünf Tage zum Sterben« bereits erschienen, die anderen zwei Teile der Trilogie erwarte ich geradezu sehnsüchtig.

Sie spielt in einer eher abgelegenen Gegend; es gibt die übliche kleine Stadt und abgelegene Farmen, vor allem gibt es eine Bande ultrabrutaler Banditen, die alles terrorisieren, die morden und vergewaltigen. Eine junge Frau ist als Rächerin unterwegs und nimmt den Kampf gegen die Banditen auf – während die Bande stärker wird, kommt ein grausiger Showdown auf einer Ranch immer näher.

Historisch will ich das nicht werten. 1863 war Wyoming doch eher ein Territorium für Dakota und Cheyenne; Winchester-Gewehre waren sicher kein Allgemeingut, und eine richtige Ranch hatte sich in dieser Gegend wohl kaum angesiedelt.

Aber irgendwie stört das nicht angesichts der rabiaten und spannenden Geschichte. Jean-François di Giorgio und Fabrizio des Dorides, die mir beide bislang nicht bekannt waren, setzen auf Action und knallige Dialoge; das erinnert an einen alten Italowestern und ist entsprechend brutal. Humor findet man in diesem Comic keinen, dafür spritzt auch mal das Blut oder gibt es fürchterliche Schießereien.

Wer heftige Western-Comics wie »Durango« mag, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Der erste Teil von »Wyoming, 1863« steigt richtig heftig ein und macht auf die Fortsetzung neugierig.

14 Juli 2026

Spanischer Comic-Klassiker

Irgendwann in den 70er-Jahren fielen mir – wie vielen anderen Jugendlichen im deutschsprachigen Raum – einzelne Ausgaben der Comic-Zeitschrift »primo« in die Hände. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ein Verwandter von uns recht viele Comic-Hefte, und dort saß ich dann stundenlang und las darin. So stieß ich auf die Comic-Serie »El Cid«, die mich durch ihre Bilder faszinierte.

Im Avant-Verlag erschien vor mehreren Jahren eine dickleibige Gesamtausgabe der Serie. Leider ist sie im Verlag bereits vergriffen, man bekommt sie aber noch gut im Secondhand-Bereich. Wer wuchtige Comics mit Bildern mag, die einen nicht so schnell nicht loslassen, sollte einen Blick riskieren.

Der Schöpfer der Serie, die es nur auf vier Bände brachte, aber auf weit mehr angelegt war, war Antonio Hernández Palacios, von dem auch die Serien »Manos Kelly« und »Mac Coy« stammen. Man erkennt seine Geschichten sofort, vor allem aufgrund der extrem stark charakterisierten Figuren und auch wegen der zeitweise grellen Farbgebung. Damit schuf er ein ganz eigenständiges Werk, das über all die Jahrzehnte hinweg im Gedächtnis der Leserinnen und Leser blieb.

Und worum geht’s eigentlich? »El Cid« spielt im elften Jahrhundert im heutigen Spanien. Nachdem islamische Kämpfer aus Nordafrika den größten Teil der iberischen Halbinsel erobert haben, versuchen die christlichen Königreiche nun, die Mauren – wie man sie nennt – Schritt für Schritt zurückzudrängen. Dabei sind sich die christlichen Herrscher selten einig: Bündnisse werden geschlossen und gebrochen, Verwandte treten einander in brutalen Kämpfen gegenüber.

El Cid ist für die spanische Geschichte so etwas wie ein Nationalheld. Der Comic richtet sich also vor allem an ein spanisches Publikum, dem die Städte und Burgen, um die ständig gekämpft wird, eher etwas sagen als einem deutschen Leser. Ich guckte mir ab und zu auf der Landkarte an, wo die Handlung eigentlich spielt … aber das ist natürlich nicht nötig.

Die Geschichten sind abenteuerlich und realistisch, streckenweise ganz schön brutal. Es werden keine expliziten Grausamkeiten gezeigt, aber es wird klar, dass es zu Folter, Mord und Vergewaltigung kommt – Städte, Dörfer und Burgen werden geplündert und niedergebrannt, es herrscht ein ununterbrochener Krieg.

»El Cid« ist nichts für Leute, die vor allem leichte Geschichten bevorzugen. Es ist ein Comic-Werk, das in Spanien großen Einfluss hatte; ich fand’s toll. Aber man muss sich auf diese Art von Geschichten schon einlassen können …

21 Mai 2026

Politische Tierfabel in Comic-Form

Mit »Das Blut des Königs« liegt der vierte und abschließende Band eines Comic-Vierteilers vor, der in seiner politischen Klarheit und in seiner spannenden Handlung absolut empfehlenswert ist. »Schloss der Tiere« wirkt auf den ersten Blick wie eine Tierfabel, ist aber eine, die sich eindeutig nicht an Kinder richtet, sondern an ein erwachsenes Publikum.

Die Handlung spielt im »Hier und Jetzt« und auf einem Landgut in Frankreich. Menschen leben dort keine mehr, die gibt es aber in einem nahegelegenen Dorf. Im Schloss haben sich Tiere angesiedelt: Ein Stier regiert mit eiserner Hand, beschützt von einer Leibgarde aus Hunden. Hühner und Kaninchen, Katzen und Ziegen sowie andere Tiere leben im Schloss, das vordergründig wie eine Demokratie strukturiert ist.

Silvio wohnt zwar in den prächtigen Gemächern des Gutsherrn, wird aber als Präsident bezeichnet. Seine Behauptung: Nur wenn er und die Hunde für die Sicherheit der Tiere sorgen, sind sie in der Lage, sie gegen die Wölfe zu beschützen, die durch die Wälder streunen. Deshalb sind die anderen Tiere dazu verdammt, knallharte Frondienste zu leisten, angetrieben von den Hunden und ausgenutzt von Silvio und seiner Familie.

Doch nicht alle Tiere sind mit dem System einverstanden. Eine Katze, ein Kaninchen und eine Ratte bilden eine Gruppe des Widerstands – mit allen friedlichen Mitteln wollen sie gegen Silvio antreten. Sie versuchen es mit Witz und Ungehorsam, sie riskieren Sabotage und fordern demokratische Wahlen. Der Kampf zwischen Solidarität und Tyrannei wird mit allen Mitteln ausgefochten …

In den vier Comic-Bänden exerziert Xavier Dorison allerlei politischen Gegensätze durch. Klar basiert sein »Schloss der Tiere« auf dem Klassiker »Farm der Tiere« von George Orwell, geht für meinen Geschmack aber weiter in die Tiefe. Dorison zeigt die Gründe, warum sich manche Menschen, pardon: Tiere, als feige erweisen und warum manche in der Gefahr über sich hinauswachsen – sehr spannend und sehr eindrucksvoll!

Félix Delep, der mir bisher als Zeichner nie aufgefallen ist, liefert mit diesem Comic-Vierteiler ein starkes Werk ab: Seine Tiere haben ausreichend menschliche Züge, so dass man ihre Emotionen lesen kann, werden von ihm aber dennoch stets als Tiere gezeigt. Er hält bei diesen Darstellungen hervorragend die Waage und schafft es, packende Szenen voller Dynamik zu erzeugen.

Alle vier Bände dieser Comic-Saga sind mitreißend erzählt und toll gestaltet. Sie überzeugen mich auf allen Ebenen – und sie sind auch für solche Menschen interessant, die sonst nicht so viel mit Comics anfangen können. Ich empfehle unbedingt, eine der Leseproben anzuschauen; vielleicht gleich für den vierten Band, den aktuellen also.

Die vier Bücher haben unterschiedliche Umfänge und Preise; sie sind als hochwertige Hardcover-Bände im Splitter-Verlag erschienen. Man kann sie überall im Comicfach- und im Buchhandel bestellen;.

(Diese Rezension wurde bereits im März auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion veröffentlicht; ich teile sie hier aus dokumentarischen Gründen.) 

12 Mai 2026

Eine Geschichte um Fliegen und Lieben

Der Comic-Autor Scott Snyder ist mir allem durch seine Mitarbeit bei amerikanischen Superhelden bekannt; er verantwortete über viele Jahre hinweg die wesentlichen Helden und ihre Serien. Dass er auch ganz andere Stoffe in packende Comics übertragen kann, beweist »Barnstormers«. Der Comic wurde in den USA mit einem Eisner Award ausgezeichnet, einem echt renommierten Preis also, und liegt bei uns als schöner Hardcover-Band im typisch amerikanischen Format vor.

Die Geschichte spielt nach dem Ersten Weltkrieg und in den USA. Bei einem Barnstormer handelt es sich um einen Piloten, der mit seinem Flugzeug zu einem Akrobaten der Lüfte wird. Ein solcher Barnstormer verhilft einer jungen Frau zur Flucht aus einer Ehe, die sie nicht will. In der Folge setzen sich allerlei Leute auf ihre Spur. Die Flüchtigen schlagen sich gemeinsam als Barnstormers durch, während ihre Probleme immer größer werden …

In seiner Story fängt Snyder die Zeit nach dem Krieg ein; seine Figuren sind keine strahlenden Helden, sondern Leute mit Problemen, die sie nicht verarbeitet haben. Die Geschichte erzählt der Autor voller Drama und Emotion: Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte, natürlich wird das Drama immer größer – das ist so filmisch erzählt, dass man bei der Lektüre schon den großen Hollywood-Streifen vor sich sieht.

Von Tula Lotay kannte ich bislang noch nichts; die Bilder sind teilweise wild, die Seitengestaltung ist dynamisch. In den Bildern wird der Rausch des Fliegens eingefangen, ebenso gibt es Action und Hetzjagen sowie große Gefühle. Auch hier gilt: Das schreit nach einem großen Hollywood-Film.

»Barnstormers« ist ein Comic, der zu Recht mit einem Preis bedacht wurde. Packend und mitreißend – toll.

05 Mai 2026

Erotik und Literatur aus dem alten Rom

Zu den literarischen Klassikern, die ich endlich einmal lesen sollte, gehört »Der Goldene Esel«, der daheim im Stapel der ungelesenen Bücher liegt. Verfasst wurde er von einem römischen Schriftsteller namens Apuleius, der in diesem Werk allerlei erotische und sonstwie auffallende Szenen unterbrachte. Mittlerweile gibt es diesen Roman auch in einer Comic-Version, für die Milo Manara zuständig ist, und diese wurde im Splitter-Verlag veröffentlicht.

Man muss klar sagen: Die Geschichte ist schon ziemlich haarsträubend und eigentlich nur vor dem Hintergrund des römischen Reiches so richtig verständlich. Es geht um Sex und Verführung, aber auch um Macht und Geld. Der Mann, der in einen Esel verwandelt und daraufhin ständig gequält wird, ist sicher eine Figur, die einen inhaltlichen Bezug zur römischen Geschichte und Gesellschaft hat und diese quasi spiegelt.

Davon bleibt bei Manaras Comic-Version wenig übrig. Wenig überraschend: Der Autor und Künstler konzentriert sich auf die Erotik, die im Originaltext steckt, und macht streckenweise einen Porno aus der Geschichte. All diese Elemente sind im Original enthalten, keine Frage, werden bei Manara aber deutlicher in den Vordergrund geschoben.

Gut gezeichnet und gestaltet ist das allemal, was auch nicht überrascht. Manara steht als Comic-Künstler außer Frage, und sein Talent, nackte Frauen zu zeichnen, hat er nicht verloren. Die Geschichte wird unterhaltsam präsentiert, und sie ist gut gemacht.

Aber faktisch handelt es sich halt eher um geballte Erotik und weniger um literarisches Nacherzählen – wer das mag, kommt bei dieser Version des »Goldenen Esels« sicher auf seine Kosten.

28 April 2026

Origineller Phantastik-Comic in drei Bänden

Mit dem Comic »Bitter Root« veröffentlichte der Splitter-Verlag eine Serie, die in den USA – wo sie im Heft erschienen war – allerlei Preise kassierte und die hierzulande nun in Form von drei Hardcover-Bänden vorliegt. Leider lässt die Geschichte ein wenig nach und endet für mich unentschlossen, die Illustrationen finde ich aber immer noch sehr überzeugend.

»Bitter Root« spielt in den zwanziger Jahren, sie beginnt in Harlem, also im »schwarzen Viertel von New York. Erzählt wird von der Familie Sangerye und ihrem Kampf gegen monströse Wesen, die aus einer anderen Dimension kommen. Diese Kämpfe sind hart – und sie sind sehr klar als eine Parabel zu verstehen, als die rassistischen Angriffe auf Schwarze Menschen und deren Versuch, sich dagegen zu wehren.

Vor allem in den ersten Bänden ist das ein zentrales Thema. Der Rassismus wird klar vermittelt, die Gefahren für Schwarze eindeutig gezeichnet. Im weiteren Verlauf der Serie werden die Monster immer wichtiger, und am Ende geht es eigentlich nur noch um fremde Dimensionen und familiäre Szenen – am Ende wird sogar die Ermordung der Juden durch die Nazis thematisiert.

Ich finde immer noch, dass die Serie – sie wurde von David F. Walker und Chuck Brown geschrieben – vor allem am Anfang großartig ist. Ab dem Moment, in dem sich »Bitter Root« in eine ganz normale Phantastik-Geschichte mit allerlei Monstern verwandelt, wurde die Serie für mich schwach. Am Ende springt die Handlung zudem sehr, weshalb ich ihr kaum folgen konnte; schade eigentlich!

Grafisch finde ich den Comic immer noch überzeugend. Sanford Greene liefert knallige Action und eine Figurendarstellung, die fast die Seiten zu sprengen scheint. Das ist außergewöhnlich gemacht und sucht seinesgleichen.

Allerdings kann ich für diesen Comic-Dreiteiler – oder eben die ganze Serie – nur eine einschränkte Empfehlung geben. Wer ungewöhnliche Bilder schätzt, kommt aber auf seine Kosten. (Checkt die Leseprobe!)

17 März 2026

Wenn der Atzeschlumpf kommt …

Zu den wichtigsten Geschichten der Comic-Reihe »Die Schlümpfe« zählt sicher die vom »König der Schlümpfe«, eine für Kinder gemachte Story, in der es aber ganz klar um politische Inhalte geht. Schon als Kind mochte ich sie, und als Erwachsener las ich sie immer wieder.

Bei Toonfish erscheinen »Die Schlümpfe« in einer schönen Hardcover-Ausgabe; mittlerweile wird sie durch Dialekt-Ausgaben ergänzt. Zuletzt las ich »Atzeschlumpf markiert den Harten«. Das ist die klassische Geschichte um den Schlumpf, der sich zum König über die anderen Schlümpfe aufschwingt und eine Diktatur errichtet – nur eben im Berliner Dialekt.

Ich kann kein Berlinerisch, finde den Dialekt aber witzig. Vor allem früher, als man in Berlin viele »echte« Berliner antraf – heute wird in manchen Lokalen nur noch Englisch gesprochen, was ich ein wenig skurril finde –, mochte ich den Dialekt sehr, vor allem deshalb, weil ich als Schwabe meine Schwierigkeiten damit hatte.

Die Sprechblasen in diesem Album musste ich teilweise laut lesen, um sie richtig zu verstehen. Ich nehme an, dass Leute, die so richtig berlinern können, daran auch ihre Freude haben werden. Die klassische Geschichte an sich ist ja gut: Sie ist toll erzählt, sie ist toll gezeichnet, sie ist zeitlos.

Das Ganze aber in einem Dialekt, der schon speziell klingt und auch mit einigen Ausdrücken aufwartet, die man so nicht erwartet – das mit dem dauernden »Atze« etwa –, fand ich sehr amüsant. Wer einen witzigen Comic als Geschenk möchte, ist mit diesem Album sehr gut beraten!

10 März 2026

Catwoman auf Norwegisch

Dass ich die Comic-Figur Catwoman sehr mag, habe ich schon gelegentlich erzählt. Ich lese die aktuellen »Catwoman«-Bände sehr gern, weil sie spannend erzählt und gut gezeichnet sind. Aktuell gibt es eine neue Story, die bislang die Paperbacks drei und vier umfasst und die für sich gut verständlich sind – man braucht keinerlei Serienkenntnisse, um die packende Story gut zu verstehen und Freude daran zu haben.

Selina Kyle, die als Catwoman eigentlich damit beschäftigt ist, andere Leute zu bestehlen, wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Vor gut zehn Jahren war sie in Europa unterwegs und ließ sich damals auf eine gefährliche Familie ein. Als nun eine junge Frau ermordet wird, erkennt Selina Kyle, dass sie etwas tun muss, und reist nach Europa.

Verantwortlich für die neue Handlung, die in Berlin und Tokio, in Budapest und anderen Städten spielt, ist die norwegische Comic-Autorin Torunn Grønbekk. Bei den aktuellen Geschichten kommt sie komplett ohne Superhelden-Gedöns aus: Es gibt keine maskierten Wirrköpfe, keine Monster aus der Unterwelt, keine Außerirdischen. Stattdessen hat es Catwoman mit »ganz normalen« Drogenhändlern, Mördern und monströsen Familiengeschichten zu tun.

Klar sind die Action-Einlagen knallig, Catwoman ist auf ihre Art natürlich eine Superheldin. Aber erzählt wird vor allem eine Geschichte mit relativ normalen Menschen, die sich gegenseitig verfolgen und umbringen wollen. Das macht die Autorin hervorragend das las ich sehr gern.

Künstlerisch sind die aktuellen »Catwoman«-Bände ebenfalls gelungen. Die verschiedenen Zeichner sind sehr gut darin, Action, Landschaften, Gesichter oder auch Gebäude glaubhaft und realitätsnah darzustellen. So entstehen spannende Comic-Geschichten ohne viel Tiefgang – den ich hier auch nicht erwarte –, die sich flott lesen lassen.

Die Bände drei und vier der aktuellen »Catwoman«-Serie kann ich also nur empfehlen. Ein Blick auf die Internet-Seite bei Panini lohnt sich bestimmt; dort stehen Leseproben zur Verfügung.

04 März 2026

Fassdenklettern und andere Probleme

Der Splitter-Verlag ist vor allem durch seine hervorragenden Comics in den Bereichen Science Fiction und Fantasy bekannt geworden. Seit einigen Jahren zählt aber auch die Serie »Die vier von der Baker Street« zu seinem Programm. Ich las dieser Tage den aktuellen Band, die Folge zehn, die den Titel »Das Schwarze Museum« trägt.

Die Handlung spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Während England zur weltweiten Großmacht aufgestiegen ist, leben viele Menschen in London immer noch im Elend. Straßenkinder müssen sich mit allem durchschlagen, was sie an Witz, Intelligenz und Härte aufzubringen haben. Da ist es schon gut, wenn man ab und zu für den berühmten Sherlock Holmes arbeiten und sich damit einige Münzen verdienen kann.

Erzählt wird von drei Jugendlichen und einem Kater – sie sind die vier aus der Baker Street –, die immer mal wieder Sherlock Holmes zur Hilfe eilen, ansonsten aber ihre eigenen Fälle lösen. Da sie aber in einem Milieu verkehren, in dem Kriminalität normal ist, werden sie häufig in Konflikte hineingezogen. Davon erzählt »Das Schwarze Museum«.

Ohne ins Detail zu gehen: Die Jugendlichen schlagen sich mit einer Straßenbande herum, es kommt zu Entführungen und Morden, es gibt einen Einbruch bei Scotland Yard, und Sherlock Holmes sowie Doc Watson müssen sich ebenfalls engagieren. Die Handlung ist turbulent, die Szenen wirken sehr realistisch.

Auch wenn die Helden eigentlich Jugendliche sind, ist das ein Comic, der sich an Erwachsene richtet. Da fließt schon mal Blut, da gibt es hässliche Kämpfe. Das aber wird so mitreißend erzählt und gezeichnet, dass es mich immer wieder aufs Neue begeistert. »Die vier von der Baker Street« ist eine Comic-Serie, die ein größeres Publikum verdient hätte!

24 Februar 2026

Comic-Dreiteiler über eine Insekten-Zukunft

Irgendwann in einer Zeit, die sehr weit von der unsrigen entfernt ist: Die Menschheit scheint ausgestorben, doch ihre Hinterlassenschaften bedecken immer noch das Land, vor allem der Kunststoff ist geblieben, allgemein nur als »Plastok« bezeichnet. In dieser Zeit sind die Insekten irgendwie intelligent geworden, haben Staaten gegründet und leben mehr schlecht als recht zusammen – Ameisen und Käfer, Wespen und Schmetterlinge. Die Menschen werden als Götter verehrt oder als »die Großen« bezeichnet. Blattläuse werden in dem Staatswesen, das die Insekten aufgebaut haben, als geringwertig angesehen.

Doch dann wird die Hohepriesterin, die sich mit den verschwundenen Göttern beschäftigt hat, bei einem Attentat getötet. Der Einzige, der als Mörder in Frage kommt, ist ausgerechnet eine Blattlaus. Sie ist unschuldig, was sie auch beteuert, was ihr aber niemand glaubt. Doch dann wird die Laus aus dem Gefängnis befreit, und sie stolpert geradezu durch die Welt, trifft auf Insekten, die ihr helfen, und ebenso Insekten, die sie bekämpfen. Und ganz nebenbei findet die Blattlaus die Ursache für den Götterglauben …

So lässt sich die Handlung der skurrilen Trilogie »Plastok« zusammenfassen, die als ein gelungener Comic-Dreiteiler erschienen ist. Ob man das nun als Science Fiction bezeichnet, weil die Handlung in ferner Zukunft spielt, oder als Fantasy, weil die Insekten sich sehr menschenähnlich verhalten und miteinander sprechen können, ist dabei wohl gleichgültig. Entstanden ist ein ungewöhnliches Abenteuer, das prächtig unterhält und künstlerisch sehr eigenständig wirkt.

Für die Geschichte verantwortlich zeichnen Maud Michel und Nicolas Signarbieux; anfangs schrieb Maud Michel allein die Texte, später wurde Signarbieux immer wichtiger. Die Geschichte nimmt ihr Thema ernst, was ich gut finde: Zwar gibt es immer wieder einen grimmigen Humor, aber es gleitet nie ins Alberne ab. Für Kinder ist der Comic-Dreiteiler eher nichts, auch wenn allerlei Insekten durch die Handlung krabbeln – es kommt zu durchaus heftigen Kämpfen, bei denen Köpfe fliegen oder die Gegner aufgefressen werden.

Die Geschichte wird spannend erzählt, die Handlung verläuft recht geradlinig. Schön fand ich, dass die Insekten in ihren Sitten und Gebräuchen durchaus unterschiedlich dargestellt werden – auch wenn sie natürlich ein eher menschliches Verhalten aufweisen. Wer mag, kann diesen Comic sowieso als eine politische Darstellung lesen, bei der die Insekten eben die Rolle menschlicher Vorbilder einnehmen.

Rein künstlerisch ist Nicolas Signarbieux weit entfernt vom klassischen Funny-Stil, wobei es ohnehin albern gewesen wäre, Wespen oder Marienkäfer mit Knollennasen darzustellen. Realismus weist sein Comic ebensowenig auf, es ist schon eher ein humoristischer Stil, aber eben sehr eigenständig. Die Linien sind klar, die Farben zurückhaltend. Ich empfehle, die Leseprobe zu betrachten, die sich auf der Internet-Seite des Splitter-Verlags findet.

Alles in allem ist »Plastok« eine sehr gelungene und sehr kurzweilige Trilogie: Die Handlung steigert sich kontinuierlich, es gibt die eine oder andere Überraschung, und am Ende verblüfft ein hübscher Knalleffekt. Empfehlenswert!

(Die Rezension erschien bereits im Dezember auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Da sie von mir stammt, kann ich sie ja auch gut an dieser Stelle wiederholen ...)

10 Februar 2026

Märchenhafte Fantasy in zwei Bänden

Ein Mädchen kommt im Wald zu sich, es ist nackt und hilflos. In seinen Erinnerungen lodern Flammen, seine Zukunft ist ihm unklar. Doch dann trifft es auf die Angehörigen des Kleinen Volkes, die es bei sich aufnehmen. Dabei stellt sich allerdings eine Frage: Ist das wirklich so klug? Ist das Mädchen nicht vielmehr eine Gefahr?

Mit dem Comic-Zweiteiler »Brindilla« präsentiert der Splitter-Verlag eine Fantasy-Geschichte, die märchenhafte Züge aufweist, aber nicht für Kinder gedacht ist und auf Kitsch völlig verzichtet. Es tauchen allerlei Fabelwesen auf, gleichzeitig aber gibt es eine finstere Horde, die dem Mädchen folgt und nichts als Tod und Vernichtung im Sinn hat.

Das Szenario für den Comic stammt von Frédéric Brrémaud, dem es gelingt, mit wenigen Dialogen eine wunderbare Fantasy-Welt zu erschaffen. Die Figuren sind schön geschildert, es gibt immer wieder eine Prise Humor, die phantastische Welt funktioniert – sehr gelungen!

Wobei die Geschichte vor allem durch die wunderbaren Illustrationen von Federico Bertolucci überzeugt. Sie zeigen einen verwunschenen Wald mit zahlreichen Details, sie setzen die junge Hauptperson ebensogut in Szene wie die phantastischen Lebewesen, auf die Brindilla trifft. Viele der Seiten sind so, dass man sie nach erfolgter Lektüre auch gern ein zweites und drittes Mal betrachtet.

Ein starker Doppelband, der eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt!

03 Februar 2026

Französisch-spanischer Western-Klassiker zum dritten

Die 80er-Jahren des sogenannten Wilden Westens: Städte und Eisenbahnen entstehen, die Indianer sind längst in Reservate zurückgedrängt, die sogenannte Zivilisation breitet sich immer mehr aus. In dieser Zeit spielen die vier Geschichten, die im dritten Band der »Mac Coy«-Gesamtausgabe zusammengefasst werden.

Bei »MacCoy« handelt es sich um eine Comic-Serie, die immer im Schatten von »Blueberry« oder »Comanche« stand; die genannten Serien sind auch erzählerisch wie künstlerisch besser. Trotzdem mag ich »MacCoy«: Sowohl die Art des Erzählens als auch die Bildgestaltung sind originell und haben mich beim wiederholten Lesen erneut gepackt. Die schön gestaltete Gesamtausgabe, die der Avant-Verlag seit einiger Zeit anbietet, bietet sich hierfür echt an.

Der dritte Band dürfte so ziemlich der beste sein: Der Autor Jean-Pierre Gourmelen wusste zu der Zeit besser, wie man Comic-Texte spannend gestaltet, und Antonio Hernandez Palacios lieferte beeindruckende Bilder in einer teilweise extremen Farbgebung. Das war nicht unbedingt hyperrealistisch, sondern häufig eher knallig, fasziniert aber immer noch. Zumindest mich.

Die Geschichten sind klassisch: Mac Coy und seine Kumpels schlagen sich mit einem Medizinmann herum, der die Apachen aufwiegelt, nehmen an einem bewaffneten Konflikt in Mexiko teil, erinnern sich in einem Album an eine historische Schlacht während der französischen Kaiserzeit in Mexiko und jagen am Ende einen Banditen durch den halben Westen. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, weisen also nicht den Zyklencharakter auf, den beispielsweise »Blueberry« hatte, erzählen auf diese Weise aber einfach spannende Western-Geschichten, in denen viel geschossen, gekämpft und gestorben wird.

Farblich und zeichnerisch ist »Mac Coy« oft grell. Die Figuren sind stark dargestellt, die Landschaft des amerikanischen Südwestens wirkt eindrucksvoll und gefährlich zugleich. Bei manchen Seiten hat man als Leser schon fast den Eindruck, der Künstler habe bei seiner Arbeit unter irgendwelchen Drogen gestanden.

Das ist nicht unbedingt jedermanns Geschmack, und jeden Tag kann ich mir das auch nicht ansehen – insgesamt jedoch finde ich das stark.

Auch der dritte Band der »Mac Coy«-Gesamtausgabe hat mir wieder gefallen. Wer gut gemachte Western-Comics mag, sollte sich diese Serie ansehen!

02 Februar 2026

Zwanzig Jahre Splitter

Als der Splitter-Verlag vor zwanzig Jahren damit anfing, neu durchzustarten – es hatte ja früher schon einmal einen Splitter-Verlag gegeben –, diesmal mit ganz neuen Leuten in der Verantwortung, war ich gespannt, ob und wie das funktionieren würde. Gab es einen Markt für hochwertig gemachte Comic-Bände, für schön gemachte Hardcover, die letztlich ja auch ihren Preis kosten würden?

Es scheint tatsächlich diesen Markt für hochwertige Comics zu geben. Der Verlag kann in diesem Jahr sein Jubiläum feiern, es gibt Splitter nun schon seit zwanzig Jahren. Das ist ein Erfolg, der nicht genug zu loben ist.

Anfangs veröffentlichte der Verlag vor allem Comics aus den Bereichen Science Fiction und Fantasy. Stück für Stück erweiterte man das Programm und hat nun alle möglichen Genres im Angebot: eher literarische Graphic Novels, Western, Horror, Erotik und Krimi. Neuerdings gibt es sogar eine interessante Manga-Sparte, wobei ich davon nichts verstehe.

Mir gefällt die breite Ausrichtung des Programms sehr gut. Ich finde Klassiker wie »Rick Master« und »Comanche«, »Die Schlümpfe« oder »Thorgal«, aber auch zahlreiche neue Themen wie die großartigen »Alten Knacker«, was ja eine Polit-Satire ist, oder »Lady Mechanica« mit ihrer Steampunk-Optik. Es ist für »fast) jeden Geschmack etwas dabei.

Den Kolleginnen und Kollegen bei Splitter, von denen ich einige auch kenne, kann ich für die kommenden Jahre nur weiterhin so viel Durchhaltevermögen und Erfolg wünschen. Alles Gute zum Jubiläum! Auf die nächsten Jahrzehnte!

27 Januar 2026

Eine Kämpferin und ihre Mutter

Geschichten im Kosmos des Dunklen Ritters mag ich, und ich mag sie vor allem, wenn sie auf Hokuspokus und Wesen aus höheren Dimensionen verzichten. Mit »Batgirl« liegt seit einigen Wochen der Neustart für eine Figur vor, die seit langem zum »Batman«-Kosmos gehört und hier gut in Szene gesetzt wird. Der Titel des deutschsprachigen Paperbacks lautet »Mutter«, und damit ist die Handlung schon gut umschrieben.

Cassandra Cain alias Batgirl erhält Besuch von ihrer Mutter, der mysteriösen Attentäterin Lady Shiva. Diese will sie vor Angreifern warnen und mit ihr fliehen. Doch es ist zu spät: Eine Bande von Killern taucht auf, die es auf Lady Shiva und Batgirl abgesehen haben. Und so beginnt eine Reihe von Kämpfen, die sich durch das gesamte Paperback ziehen.

Als Autor setzt Tate Brombal auf viel Action: Mutter und Tochter prügeln sich auf zahlreichen Seiten mit allerlei Feinden herum; zwischendurch bekämpfen sie sich selbst, helfen sich dann aber auch wieder gegenseitig. Bei den Dialogen gibt der Autor durchaus Einblicke ins Innere seiner Figuren, wobei er das schwierige Verhältnis der Tochter – die ja zu den »Guten« gehört – zu ihrer extrem gefährlichen Mutter durchleuchtet. Aber klar: Die Prügeleien überwiegen.

Die wiederum werden von Takeshi Miyazawa sehr gut in Szene gesetzt. Es kracht und scheppert ständig. Die beiden Frauen kämpfen in einem fahrenden Zug, im Untergrund der Stadt, auf den Straßen oder auf den Dächern. Mir war's irgendwann zu viel, vor allem deshalb, weil es sich letztlich doch wiederholt. Aber sein Handwerk versteht der Künstler auf jeden Fall.

Das Paperback fasst die ersten sechs amerikanischen Hefte der »Batgirl«-Neuauflage auf 144 Seiten zusammen. Cassandra Cain als Figur mochte ich schon immer, hier wird sie toll in Szene gesetzt. Es ist ein Comic-Band, der auf Action setzt – wer das mag, für den ist dieses Paperback sicher interessant.

20 Januar 2026

Abschluss eines Western-Vierteilers

Berühmt wurde Yves Swolfs in den 80er-Jahren, als er die Western-Serie »Durango« schrieb und zeichnete. Die Comics waren spannend erzählt, strotzten vor Gewalt und starken Bildern – sie sorgten für eine Belebung des Western-Genres und erweiterte die Zeit des klassischen Western in den Anfang des 19. Jahrhunderts.

Mit dem Vierteiler »Lonesome« zeigt Yves Swolfs, dass er sein Handwerk nicht verlernt hat. Der Vierteiler ist seit einigen Monaten vollständig, alle vier Bände liegen als schöne Hardcover-Ausgaben im Splitter-Verlag vor. Und wer Western mag, dem lege ich sie ans Herz.

Sie spielen in einer Zeit, die – streng genommen – kurz vor der eigentlichen Wildwest-Ära liegt: noch vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Und Teile der Handlung spielen in den Neuengland-Staaten, was nun mal auch nicht zum Wilden Westen gehört. Das ändert alles nichts an der Qualität der Story.

Die Handlung erzählt von einem einsamen Revolverhelden und einer Pinkerton-Agentin, die – ohne es zu wollen – zusammenarbeiten müssen und gemeinsam auf die Spur eines mächtigen Mannes kommen. Im vierten und abschließenden Teil kommt eine Spur Satanismus ins Spiel, nachdem es zuvor in erster Linie um wirtschaftliche Einflüsse und Geld gegangen ist.

Auf Details möchte ich an dieser Stelle verzichten. Wie bei dem Comic-Künstler zu erwarten ist, entwickelt die Geschichte vom ersten Band an eine starke Dynamik. Die Handlung steckt voller Action, die obligatorischen Schießereien und Verfolgungsjagden gehören dazu. Das ist stets spannend erzählt.

Swolfs ist als Illustrator nach wie vor großartig. Ob Szenen in den Wäldern oder in der Wüsten, ob Blicke auf die Natur oder eine Stadt, Action oder Dialoge – er kann einfach alles gleichermaßen glaubhaft und gut darstellen. »Lonesome« ist ein filmisch erzählter Western-Comic, der alle begeistern dürfte, die den Wilden Wesen in bebilderten Geschichten mögen.

13 Januar 2026

Eine Legende als moderner Comic

Zu den großen popkulturellen Figuren des zwanzigsten Jahrhunderts gehört die Figur des Zorro: ein Kämpfer für die Unterdrückten und gegen die Bösen dieser Welt. Über Zorro wurden Romane geschrieben und Lieder gedichtet, Filme gedreht und Comics gezeichnet. Ich bin sicher, dass man mit Zorro-Variationen ganze Bibliotheken füllen könnte.

Und natürlich gibt es auch eine moderne Comic-Version der Legende. Diese stammt von Sean Murphy, der mir unter anderem durch seinen coolen Phantastik-Comic »Plot Holes« bekannt geworden ist. Nachdem er schon für »Batman« gearbeitet hatte, bot es sich für ihn wohl an, eine weitere Figur der Populärkultur zu modernisieren. Sein »Zorro – die Legende lebt« kann sich wirklich sehen lassen.

Murphy setzt seine Geschichte im »Hier und Jetzt« an: Schauplatz ist eine mexikanische Stadt, die im Griff der Drogenkartelle steckt. Ohne ihre Erlaubnis ist kaum etwas zu machen; bezahlte Schläger und Mörder tyrannisieren die Bevölkerung. Doch dann beschließt ein junger Mann, dass er dagegen etwas tun muss: Er zieht die »Zorro«-Verkleidung an, die eigentlich einem Schauspieler gehörte, und beginnt in dieser Kleidung seinen Kampf gegen das Kartell.

Ein junger Mann wird also zum Rächer und zum Nachfolger der Legende, er wird gewissermaßen zum neuen Zorro. Ihm zur Seite steht eine junge Frau, die sich auf Waffen und Autos versteht und das Kartell ebenfalls hasst. Doch während sie einen kühlen Kopf bewahrt, beginnt der junge Mann immer stärker damit, sich für den echten Zorro zu halten. Phantasie und Realität scheinen sich in seinem Kopf zu vermischen …

Sean Murphys Interpretation der klassischen Geschichte ist rasant, sowohl von der Erzählweise als auch von den Bildern her. Die Szenen folgen temporeich aufeinander; die Bösen sind richtig böse und gemein, während die Guten durchaus ihre Schattenseiten haben. Natürlich darf im Reigen der Figuren ein hilfreicher Gottesmann nicht fehlen, während auf eine große Liebesgeschichte verzichtet wird. Murphy setzt auf den Zorro-Mythos und viel Action, und das macht er gut.

Mir gefiel an diesem Comic, wie geschickt der Comic-Künstler die klassischen Vorbilder nimmt und sie neu in Szene setzt. Das hatte bereits in den amerikanischen Comic-Heften funktioniert, und das überzeugt ebenso im deutschen Hardcover-Großformat. Ich empfehle einen Blick in die Leseprobe – dort kann man sich von der rasanten Action überzeugen.

»Zorro – die Legende lebt« ist als schöner Comic-Band erschienen und umfasst 128 Seiten. Mithilfe der ISBN 978-3-68950-051-1 kann man das Buch überall im Buch- und Comicfachhandel bestellen; es kostet 25,00 Euro. 

(Die Rezension erschien ursprünglich auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie und wird hier aus dokumentarischn Gründen wiederholt.) 

02 Dezember 2025

Zwei Gallier in Portugal

Im Oktober 2025 wurde ein Comic-Band veröffentlicht, auf den sich die Buchhändler im deutschsprachigen Raum schon seit Monaten freuten. »Asterix in Lusitanien« verkaufte sich auch prompt in einem ungeheuren Ausmaß; es war also ein berechenbarer Erfolg. Ich gehörte zu den Leuten, die sich das Buch ebenfalls kauften, und ich mochte es sehr.

Es ist ein typischer »Asterix«-Band: Die beiden gallischen Helden – also Asterix und Obelix sowie der kleine Hund Idefix – müssen wieder einmal in die Ferne reisen, um Leuten zu helfen, die von den Römern unterdrückt werden. Entsprechende Reisen zu Belgiern, Spaniern und Briten gab es in der Vergangenheit. Nun also geht’s nach Lusitanien, ins heutige Portugal.

Die Geschichte selbst ist nicht weiter erwähnenswert; viele Gags fand ich erwartbar. Durchaus witzig fand ich, dass man die portugiesische Aussprache von Wörtern in den Text integriert hat, was anfangs ein bisschen kompliziert anmutet, sich dann aber gut lesen lässt. Und witzig fand ich die Anspielungen auf portugiesische Kultur-Klischees, etwa auf den Fado.

Es gibt darüber hinaus Anspielungen auf die französische Politik; so wird das Thema Renten kurz angerissen. Insgesamt hält sich Fabcaro, der nun für den zweiten »Asterix« die Texte geschrieben hat, aber mit den Polit-Details zurück – oder sie fielen mir nicht zu sehr auf.

Didier Conrad als Zeichner hat sich bei den »Asterix«-Geschichten nach einigen Jahren etabliert. Seine Figuren sehen sehr gut aus, die Dekors sind stimmig, die Action passt – er soll ja auch keine Neuerungen bringen, sondern die klassischen Abenteuer fortsetzen.

Das ist gelungen: »Asterix in Lusitanien« ist sicher kein Meisterwerk und zählt nicht zu den besten Geschichten der Reihe – aber er bietet solide Unterhaltung, und man kann sich selbst bei nochmaliger Lektüre gut amüsieren. Was will ich mehr?

04 November 2025

Der zweite Original-Einsatz für James Bond

Ich habe nie einen der Originalromane von Ian Fleming gelesen, die dieser über seinen Agenten James Bond verfasst hat. Ich kenne auch nicht alle Filme. Man kann schließlich nicht alles kennen, und ich bin kein »James Bond«-Fan. Die Comic-Version von »Leben und sterben lassen« wollte ich mir aber nicht entgehen lassen – und die ist ziemlich gut geworden.

Es handelt sich um eine Adaption des zweiten »James Bond«-Romans. Die Handlung ist in der fiesen Zeit des Kalten Krieges angesiedelt. In den USA herrscht eine paranoide Furcht vor russischen Angriffen, die Geheimdienste aus Ost und West bekämpfen sich mit brutalen Mitteln. Bonds Gegenspieler ist diesmal ein Amerikaner, der sich Mr. Big nennt und der in Harlem residiert.

Mit Mr. Big wird ein Gegenspieler etabliert, der schwarz und böse ist. Er ist gemein und intelligent zugleich, am Ende erhält er natürlich seine verdiente Strafe. Da dürfte der Comic sehr klar und eindeutig seiner literarischen Vorlage folgen.

Van Jensen erzählt die Comic-Version sehr spannend; die Szenen folgen rasch aufeinander und vermitteln ein Stimmungsbild der späten fünfziger Jahre, das ich für realistisch halte. Dass die Handlung manchmal ziemlich brutal ist, liegt nicht an den Comic-Texten, sondern sicher am Original-Roman.

Mit seiner Grafik konnte mich Kewbe5 Baal meist überzeugen. Die Dekors sind stimmig, vor allem Autos, Gebäude und Kleidung wirken realistisch und sehen aus, als seien sie sauber recherchiert worden. Action schafft der Illustrator auch; das sieht nicht immer elegant aus, dafür aber knallig. Er schwächelt bei den Gesichtern, das muss man akzeptieren.

»Leben und sterben lassen« ist eine spannende Comic-Adaption eines klassischen »James Bond«-Romans. Wer die Figur kennt und mag, sollte sich auf jeden Fall die Leseprobe anschauen – packend ist das allemal!

21 Oktober 2025

Berlin im Jahr 2099

Autos gibt es keine mehr, die Menschen gehen zu Fuß, und die Meilen, die man dabei zurücklegt, gelten als eine Art Währungseinheit: So sieht Berlin im Jahr 2099 aus, zumindest in dem französisch-deutschen Comic-Projekt »Metropolia«. Der erste Band ist vor wenigen Monaten erschienen und macht schon auf die Fortsetzung neugierig.

Für die Texte ist Fred Duval verantwortlich, der hierzulande bereits durch mehrere Comics bekannt geworden ist. Er schrieb Western und Krimis, aber auch Phantastik – da passt eine coole Science-Fiction-Geschichte gut hinein. Die Grafik stammt von Ingo Römling, der sich seit vielen Jahren in der Comic-Szene tummelt, der »Star Wars« ebenso zeichnete wie die Erfolgsserie »Malcolm Max«.

Hauptfigur des Comics ist Sasha, der im Berlin der Zukunft als eine Art Privatdetektiv arbeitet. Er träumt davon, so viel Geld zu verdienen, um die Reise nach Amerika antreten zu können. Dort lebt seine Freundin, mit der er nur digitalen Sex haben kann – aber ob er jemals so viel Geld haben wird, ist zweifelhaft. Deshalb nimmt Sasha auch Aufträge an, die heikel sind.

Um eine Mörderin zu finden, schleust er sich als Mieter in ein Hochhaus ein. Er gibt sich als Architekt aus und beginnt seine Nachforschungen, lernt andere Mieter kennen und legt sich mit der Künstlichen Intelligenz des Wohnhauses an. Zwischen Cyberspace-Szenen und hektischen Verfolgungsjagden entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Sasha und einer attraktiven und frech auftretenden Kurierfahrerin …

Die Geschichte ist rasant erzählt und spielt mit einigen Versatzstücken der Science Fiction und des Krimis. Der coole Ermittler, einige seltsame Morde, eine mysteriöse Killerin – das sind Elemente, die bekannt vorkommen. Sie mischen sich bei diesem Comic aber mit modernen Themen wie einer Künstlichen Intelligenz und einem Blick auf eine Zukunft, die nicht unrealistisch erscheint.

In seiner Geschichte greift Duval somit eine Reihe von schönen Science-Fiction-Ideen auf. Wenn Gehen von der Gesellschaft quasi bezahlt wird und es eine Währung namens »Miles« gibt, ist es nachvollziehbar, dass Manipulationen an diesem System vorkommen. Und wenn man ein Haus von einer KI regulieren lässt, ist diese nicht vor Attacken sicher.

Das alles setzt Ingo Römling in eine faszinierende Grafik um. Sein Berlin der Zukunft unterscheidet sich stark von der heutigen deutschen Hauptstadt, aber es gibt zahlreiche Dinge, an denen man die bisherige Stadt erkennen kann. Moderne Gebäude überragen die alten Stadthäuser, die Straßen sind nicht mehr dieselben, und es leben viel mehr Menschen in Berlin – trotzdem handelt es sich um dieselbe Stadt. Vor allem Leserinnen und Leser, die Berlin kennen oder gar dort wohnen, haben sicher einigen Spaß daran, Unterschiede und Parallelen festzustellen.

Unterm Strich bleibt der Einstieg in ein neues Comic-Universum, das vor allem von seinen ungewöhnlichen Figuren lebt, denen man gerne folgt. »Metropolia« ist ein internationales Science-Fiction-Projekt, dessen Start mir sehr gut gefallen hat.

Erschienen ist der erste Band von »Metropolia« als schöne Hardcover-Ausgabe im Splitter-Verlag. Die »normale« Ausgabe ist 56 Seiten stark und kostet 18,00 Euro. Es gibt zudem eine limitierte Vorzugsausgabe, die 96 Seiten stark ist und 35,00 Euro kostet. Sie enthält Bonusmaterial – beispielsweise Skizzen der wichtigsten Figuren und Designstudien – sowie einen signierten Kunstdruck von Ingo Römling. Ich empfehle auf jeden Fall einen Blick in die Leseprobe – die Optik von »Metropolia« überzeugt in beiden Varianten.

(Diese Rezension erschien bereits im September auf der PERRY RHODAN-Seite. Hier wiederhole ich sie aus dokumentariscen Gründen.)

10 Oktober 2025

Die Digedags auf dem Titel

Wenn ich eine neue Ausgabe des Comic-Magazins »Alfonz« erhalte, lese ich es nicht gleich, sondern blättere es erst einmal interessiert durch. Die eigentliche Lektüre kommt oft Wochen und Monate später; meist beschränke ich mich auf einzelne Artikel oder lese die Rezensionen – das Heft ist immer so umfangreich, dass einfach nicht alles zu schaffen ist. Die Ausgabe 53, die bereits im Sommer erschienen ist, bildet eine Ausnahme: Ich las sie fast komplett – aber das dauerte dann doch seine Zeit.

Klar, das Magazin ist umfangreich: 100 farbige Seiten im A4-Format, das dauert halt eine Weile. Dabei lohnt es sich immer. Man kann es durchblättern, man kann einen Text lesen und einen anderen nur überblättern – oder man liest einfach alles.

Ich fand den Artikel über die den Zeichner Hannes Hegen besonders interessant. »Mosaik« lese ich immer noch, seine »Digedags« kenne ich allerdings nur vom Hörensagen. Er war einer der wichtigsten Comic-Künstler im deutschen Sprachraum, vor allem für die Leser in der DDR war er extrem wichtig.

Die vielen anderen Artikel fand ich ebenfalls lesenswert. Dabei schreckt »Alfonz« vor keinem Thema zurück. Superhelden-Comics werden ebenso vorgestellt wie neue Adaptionen der Lovecraft-Horror-Geschichten oder der Zeichner Ralf König. Ergänzt wird das alles durch unzählige Rezensionen, die einem einen sehr guten Einblick in das aktuelle Comic-Geschehen geben.

Wie immer ein lohnens- und lesenswertes Heft! (Und die neue Ausgabe kam diese Woche ins Haus … Wann ich die lese, weiß ich allerdings noch nicht.)