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10 November 2025

Nantes bei den Docks

Street Art finde ich fast immer interessant, vor allem dann, wenn sie gut gemacht ist. Graffito sind in Karlsruhe oft sehr dilettantisch, da ist uns Nantes in mancherlei Hinsicht überlegen. Und so stieß ich bei meinem Aufenthalt in der französischen Stadt immer wieder auf Street-Art-Elemente, die künstlerisch waren und sich deutlich über das Niveau der üblichen Graffiti-Kunst hinausbewegten.

In der Nähe des Geländes der Maschinisten – dort geht der mechanische Elefant spazieren – und dort, wo sich früher die alten Docks erstreckten, stehen noch einige alte Lagerhallen. Überall dort haben sich Galerien, Kneipen und kleine Handwerksbetriebe angesiedelt; ein quirliges Leben, das nicht an die alte Zeit der Werften erinnert.

Den Zusammenschnitt der zwei Street-Art-Bilder mit dem alten Anker, der ihnen quasi zu Füßen liegt, fand ich faszinierend. Keine Ahnung, ob die Bilder parallel oder hintereinander entstanden sind – sie unterscheiden sich stilistisch, sehen aber beide gut aus und bilden mit dem rostigen Eisen ein schönes Gesamtkunstwerk. Sehr hübsch!

13 Oktober 2025

Wie viele Erden braucht der Mensch?

Ich hatte von Gloria Friedmann noch nicht gehört, kenne mich aber mit moderner Kunst so gut wie gar nicht aus und weiß vor allem nichts über moderne Bildhauerei. Aber die Ausstellung, die in der HAB Galerie in Nantes gezeigt wurde, klang sehr interessant – also spazierten wir dort hin. Wir schauten uns ohnehin nicht nur einmal auf der faszinierenden Insel der Maschinisten um ...

Überall in Nantes findet man Kunst, ein grünes Band verbindet die Kunstwerke und Ausstellungen, so dass man sich nicht verirren kann. Die HAB-Galerie liegt unweit der Gegend, in der es die eigentliche Halle der Maschinisten gibt und wo der mechanische Elefant herumläuft. Eine Ansammlung von Lagerschuppen wurde dort in Restaurants und Ausstellungsflächen verwandelt.

Die Ausstellung von Werken der Künstlerin Gloria Friedmann fragte »Combien de terres faut-il à l'homme?«, also »wie viele Erden braucht der Mensch?« – in der französischen Sprache ist das mit der »Erde« wie im Deutschen; gemeint ist sowohl der Planet, auf dem wir leben, als auch die Erde, die wir zu Überleben nutzen, als Ackerfläche beispielsweise.

Die Kunstwerke spielten allesamt mit diesem Wortspiel. Die Erde wurde durch riesige Kugeln versinnbildlicht; Kunstwerke bestanden aus Laub und Erde. Meine Mutter hätte gesagt: »De isch ja älles Dreck.« Und damit hätte sie nicht unrecht gehabt.

Ich fand die Vielzahl der Darstellung spannend – und nicht überfrachtet. Nach gut einer Stunde hatten wir alles zu Genüge angesehen und gingen wieder hinaus ins Freie – es gab noch genügend anderes zu sehen.

26 Februar 2025

Endlich mal die ART besucht

eit wie vielen Jahren die Kunstmesse ART in Karlsruhe veranstaltet wird, weiß ich nicht; die genaue Zahl ist für diesen Text nicht wichtig. In all den Jahren hatte ich es nicht für nötig gehalten, diese Messe zu besuchen; in diesem Jahr reizte es mich doch. Weil ich am Wochenende keine Lust auf Wahlkampf und Politik hatte, bot es sich an, einige Stunden durch die Hallen der Messe Karlsruhe zu schlendern. Und es schadet ja nicht, so dachte ich, sich mal Kunst in Massen anzugucken.

Tatsächlich ist die ART eine Messe, in der sich vor allem Galerien präsentieren. Die haben Standflächen, in denen sie die Bilder der Künstlerinnen und Künstler zeigen, die sie vertreten, oder auch Bilder von schon verstorbenen Malern, die sie eben auch verkaufen wollen. Neben diesen Bildergalerien gab es Standflächen, auf denen Plastiken standen, teilweise sehr eindrucksvoll.

Sagen wir so: 29 Euro für die Eintrittskarte fand ich stolz. Man muss sich ja auch ein bisschen verpflegen, wenn man bei so einer Messe ist; da kommt also schnell ein ordentlicher Betrag zusammen. Aber an diesem Tag störte mich das nicht. Tatsächlich bereute ich meine Anwesenheit nicht.

Es gab haufenweise an Klassikern zu bestaunen. Unter anderem waren Originale von Chagall und Drucke von Picasso ausgestellt, auch moderne Maler wie Magritte oder Lichtenstein konnte man bewundern. Aber natürlich gab es haufenweise Kunst von Menschen, die aktuell malten, zeichneten oder sonstwie gestalteten.

Teilweise war ich sehr beeindruckt, weil es sehr viele sehr tolle Bilder zu sehen gab. Bei manchem Kunstwerk war ich allerdings verwirrt, damit konnte ich nichts anfangen. Und natürlich gab es in den insgesamt vier Messehmallen genügend Bilder, die ich abstoßend und hässlich fand. Alles andere hätte mich allerdings überrascht – es kann schließlich niemandem alles gefallen, was bei so einer Ausstellung gezeigt wird.

Am Ende verlor ich fast den Überblick. Ich unterhielt mich mit dem einen oder anderen Galeristen; für den Kauf eines Bildes fehlte mir allerdings das Kleingeld. Wenn mir ein Bild gefiel und es ein entsprechendes Format hatte, lag der Preis schnell bei 8000 oder 10.000 Euro. So viel Geld habe ich dann doch nicht daheim herumliegen.

Aber seien wir ehrlich: Ich war von der ART positiv angetan. Allein schon die Unmenge an skurrilen Gestalten, die mir dort über den Weg lief, empfand ich als lohnenswert. Stoff für einige Geschichten ..

15 Januar 2025

Poes Meisterwerk, künstlerisch umgesetzt

Wer den Namen Edgar Allan Poe kennt und in den Mund nimmt, denkt vor allem an seine großen Geschichten; der Autor gilt unter anderem als Erfinder von Krimi und Horror. Seine Geschichten über unheimliche Mörder machten ihn berühmt, sie werden bis heute publiziert und adaptiert.

Mit »The Raven« schrieb Poe darüber hinaus ein Gedicht, das seit seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1845 unzählige Male interpretiert und neu in den Handel gebracht wurde. Eine künstlerische Annäherung an das Gedicht unternahmen Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer; ihre Graphic Novel – oder muss man da eher »ihren Kunstband« sagen? – publizierte der Splitter-Verlag. Dort gibt man mit der beeindruckenden Graphic Novel »Im Westen nichts Neues« und anderen künstlerischen Bänden das bisherige Werk der beiden Künstler heraus.

Das Gedicht wird sowohl in englischer Sprache als auch in deutscher Übersetzung präsentiert. Pro Seite kommen nur wenige Zeilen von »Der Rabe« zur Geltung; so erhalten die Bilder viel Raum. Die künstlerische Darstellung ist wuchtig und eindrucksvoll; das sollte man gesehen haben. Ich empfehle, unbedingt die Leseprobe zu betrachten.

Mit der künstlerischen Umsetzung von »The Raven« ist ein echtes Gesamtkunstwerk entstanden. Man nimmt es gern zur Hand, man blättert und liest es nicht nur einmal. Stark!

10 September 2024

Kunstdiebstahl mit Ziel

Als ich dieser Tage in einem Café in Karlsruhe pinkelte, fiel mein Blick auf ein Schild, das direkt über dem Pissoir angebracht war. Nachdem ich es zweimal gelesen hatte, weil ich seinen Inhalt kaum glauben wollte, fotografierte ich es. Und viel mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen – es steht ja für sich.

Wie kommt jemand auf die Idee, ein Bild aus einer Toilette zu stehlen? Vor allem, weil dieser Diebstahl ja offenbar geplant war: Der Dieb montierte mit Werkzeug, und er befestigte einen »Ersatz« an der Wand. Das ist mehr als schnöde Kleptomanie.

Vielleicht hingt in diesem Café ein echtes Kunstwerk, und niemand ahnte es? Ich gestehe allerdings, es in früheren Jahren nie wahrgenommen zu haben. Aber ich bin letztlich ein Kunstbanause und würde so etwas nie erkennen ...

18 April 2024

Bei den Schönen Künsten

In Antwerpen gibt es das Königliche Museum für schöne Künste (KMSKA), in dessen Nachbarschaft ich während meiner Anwesenheit in dieser Stadt wohnte. Also bot es sich an, dem Musum einen Besuch abzustatten. In den offiziellen Informationen steht, dass man rund zwei Stunden Zeit dafür benötigt; faktisch hielt ich mich über drei Stunden darin auf.

Das Museum ist in einem klassischen Gebäude untergebracht. In den Innenhof des Gebäudes setzte man einen modernen Kubus, womit sich der Inhalt des Museums quasi verdoppelte. Im klassischen Gebäude ist der Großteil der klassischen Kunst untergebracht, im Kubus die moderne Malerei.

Vor allem im klassischen Teil konnte ich viele Kunstwerke zu bewundern, deren Urheber sogar mir etwas sagten. Die klassisch-flämische Malerei bekam großen Raum, vor allem die riesigen religiösen Gemälde faszinierten mich. Aber auch Landschaftsbilder und Porträts hatten etwas – vor allem, weil man ja sehr nahe an die Bilder herantreten konnte. Und weil nicht viel los war, ließen sich die Details eines Gemäldes sogar aus dreißig Zentimetern genauer betrachten.

Das Musum restauriert auch. Man kann also zusehen, wie an Rubens-Bldern gearbeitet wird: mit Pinseln und feinem Werkzeug. Das fand ich ebenalls interessant, wenngleich ich von all dieser Arbeit nichts verstehe.

Im modernen Teil lassen sich Ausstellungen moderner Künstler betrachten. Teilweise fand ich das toll, teilweise aber auch langweilig. Verblüfft war ich von einem Flur, in dem man gewissermaßen durch die Farbe gehen konnte: ein begehbares Kunstwerk gewissermaßen. (Das Foto zeigt mich in diesem Flur.)

Ein lohnender Besuch!

29 August 2023

Die Schlosslichtspiele 2023

Im vergangenen Jahr schaute ich mir die Schlosslichtspiele in Karlsruhe nicht an; wegen der Pandemielage hatte ich immer noch keine Lust darauf, mich unter zu viele Menschen zu begeben. In diesem Jahr war das anders – ich hatte bereits Corona hinter mich gebracht, also juckte mich die Pandemie nicht mehr so sehr.

Seit es die Schlosslichtspiele gibt, liebe ich diese Veranstaltung. 2015 startete sie, weil der Stadtgeburtstag zu feiern war, und seither wurden sie immer wiederholt – während der Pandemiezeiten auch mal digital. In diesem Jahr ging ich bereitwillig wieder hin.

Es war einer der warmen Tage der vergangenen Woche. Die Stadt brodelte wieder einmal, überall waren Menschen unterwegs. Vor dem Schloss hatten sich Tausende versammelt, manche durchaus professionell mit Klappstühlen und Decken, andere – so wie wir – einfach so und ohne Hilfsmittel. Überall saßen, lagen und standen Leute.

Welche Präsentation genau lief, war mir fast schon egal. Ich fand es auch in diesem Jahr wieder spannend, wie Videokünstler es schaffen, die Fassade des Schlosses aufzugreifen und in bewegte Bilder zu versetzen. Die Fassade wird zerknäult und zersplittert, sie wird zur Leinwand und scheint sich zu bewegen – ein faszinierender Anblick.

Szenen-Applaus gab es, als bei einer Präsentation ein riesiges Schwarzweißbild von Peter Weibel eingeblendet wurde, dem langjährigen Leiter des ZKM in Karlsruhe, der letztlich die Schlosslichtspiele ins Leben gerufen hatte. Und nach jeder Präsentation gab es zusätzlichen Applaus, das fand ich schön.

Nicht alles gefiel mir gleichermaßen – die Faszination für die Vermengung von Schloss, Licht und Musik fand ich aber in diesem Jahr wieder großartig.

28 August 2023

Künstlerisches Basislager

Die derzeit spannendste Ausstellung, die man sich im ZKM in Karlsruhe anschauen kann, spricht vor allem mich als Science-Fiction-Fan an. Sie trägt den Titel »Renaissance 3.0«, hat einige sehr beeindruckende Elemente und überzeugte mich: Ich war buchstäblich stundenlang damit beschäftigt, mich mit all den gebotenen Kunstwerken zu beschäftigen.

Zu einem »Zentrum für Kunst und Medien« passt eine solche Ausstellung, die den Untertitel »Ein Basislager für neue Allianzen von Kunst und Wissenschaft im 21. Jahrhundert« trägt, tatsächlich sehr gut. Was mir, der ich von moderner Kunst ja keinerlei Ahnung habe, besonders entgegen kam: Fast alles war irgendwie verständlich; man konnte sich die Sachen anschauen, man konnte aber auch mit ihnen arbeiten.

So ist »fluidum Z« eine Art riesiger Videoschirm, auf dem sich Farbenspiele abwechseln. Ich stellte mich vor dieses riesige Ding und sorgte mit meinen Bewegungen dafür, dass sich Wellen bildeten, dass ich quasi durch die Installation schwamm. Klar ist das eine Spielerei; dabei entstanden aber faszinierende Farben und Bilder.

Das »Metabolica Camp« zeigte Versuche, mit künstlerischen Mitteln neues Leben herzustellen oder neue Werkstoffe zu erzeugen. Der Raum kam mir vor wie die Kulisse eines klassischen Science-Fiction-Films: brodelnde Glasbehälter, seltsame Dinge an der Wand, merkwürdige Geräusche und Gerüche ...

Eindrucksvoll fand ich auch »Algo-r(h)i(y)thmus«, was sich als eine Art riesiges Zelt entpuppte, in dessen Innerem lauter Fäden gespannt waren. An diesen konnte man zupfen, was eine Art Musik erzeugte. Und wenn man sich Mühe gab, konnte man zwar nicht gerade eine Melodie erschaffen, aber einen immer schneller werdenden Sound, der entfernt an Techno erinnerte.

Und so geht es weiter. Die Infomationsseite des ZKM liefert zumindest einige Bilder, die einen Einblick in die Ausstellung geben. Ich fand's klasse!

24 August 2023

Performance und Videokunst

Das ZKM in Karlsruhe ist ein Museum mit einem Ruf, der weit über die Grenzen von Deutschland hinaus reicht. Viele Ausstellungen sind international angelegt, und die Besucher kommen aus vielen Ländern. Ich wohne keine zwei Kilometer von diesem Zentrum für Kunst und Medien entfernt, besuche es viel zu wenig und nutzte einen der schwülen Tage dieses Sommers, in den gekühlten Räumen des Museums einige Stunden zu verbringen.

Eine der zwei Ausstellungen, die ich mir anschaute, hieß »Ulrike Rosenbach. heute ist morgen« – das hörte sich ein wenig nach Science Fiction an, und das finde ich ja immer spannend. Wie ich aus den Informationen entnahm, ist sie eine sogenannte Medienkünstlerin und wurde unlängst 80 Jahre alt; ich hatte es also mit einer Werkschau zu tun.

Es gab Videos zu sehen, auf denen Performances der Künstlerin aus verschiedenen Jahrzehnten gezeigt wurden. Dazu kamen Installationen, die einen weiteren Einblick in ihre Arbeit gaben. Manchmal wurden Videos mit Bildern und einem Ausstellungskasten ergänzt. Dabei drehen sich die Arbeiten häufig um die Rolle von Frauen in der Gesellschaft oder um Feminismus im Allgemeinen; sie arbeitet sich an Männlichkeitsbildern ab oder dekonstruiert die Darstellung der Venus.

Ich gestehe: Vieles verstand ich nicht. Ich guckte mir alles an, ging aber auch oft kopfschüttelnd weiter. Diese Performance-Aufführungen sahen für mich manchmal chaotisch aus, willkürlich geradezu, und ich erkannte nicht ihren künstlerischen Wert. Nachvollziehbarer war für mich etwa das Amazonen-Motiv: Die Künstlerin schießt mit Pfeilen auf eine Amazonen-Darstellung – und natürlich war auch die Waffe ausgestellt.

Wer genau wissen will, um was es bei dieser Ausstellung geht, darf nicht mich fragen. Ich konnte damit nicht viel anfangen. Auf der Internet-Seite des ZKM gibt es weitere und tiefergehende Informationen. Interessant war es allemal – wir diskutierten nicht nur einmal über die Ausstellung und die verschiedenen Eindrücke, die wir gewonnen hatten ... Aber es muss ja auch nicht jedem alles gefallen.

29 September 2021

Die Verbindung aus Kunst, Science Fiction und dem Mond

Mit ihrer Ausstellung »Ticket To The Moon« stellte die Kunsthalle Krems im Jahr 2019 etwas auf die Beine, das nicht nur Kunstfreunde interessierte. Gezeigt wurden künstlerische Kommentare zur Mondladung, die sich im Sommer 2019 zum fünfzigsten Mal jährte; teilweise waren darunter auch Titelbilder von Science-Fiction-Romanen. So entstand eine bunte Sammlung, die ich leider nicht besuchte.

Aber ich nutzte die Gelegenheit, mir den im Verlag für Moderne Kunst veröffentlichten Katalog anzusehen, der von Andreas Hoffer zusammengestellt wurde. Der Katalog besteht aus zahlreichen Bildern sowie erklärenden Texten, die in deutscher und englischer Sprache abgedruckt worden sind; kein Wunder bei dem internationalen Aufgebot an Künstlern, das »Ticket To The Moon« versammelte.

Veröffentlicht wurde diese Kunstübersicht in einem schönen Format, eher quadratisch als das übliche rechteckige Hochformat. Die Bilder sind allesamt in Schwarzweiß, die Erklärungen sind recht kurz, so dass man sich als Betrachter selbst sein Urteil bilden kann. So entstand ein attraktives Buch, das zum Blättern einlädt.

Preiswert ist das Ganze nicht, die Auflage dürfte auch nicht sonderlich groß sein. Wer an einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Science Fiction seine Freude hat, sollte aber einen Blick wagen.

10 Juni 2020

Ein besonderer Blick auf Street Art

Seit über zehn Jahren ist Street Art ein Thema, das nicht mehr nur von eher obskuren Randgruppen als wichtig erkannt wird. Es schlägt sich in vielen Büchern nieder und wird immer stärker auch von der Kunst-Szene erkannt.

Nach wie vor finde ich Kunst, die einem mitten in einer Straße vor die Augen geknallt wird, nicht langweilig; meist spricht sie mich an oder bringt mich dazu, innezuhalten und mir etwas genauer anzuschauen. Spannend ist dann aber, wenn es ein Buch schafft, ungewöhnliche Sichtweisen zu erschließen.

Ein Beispiel dafür ist »Liebe«, ein Buch von Claudia Herrmann. Der Untertitel »Street Art in Berlin« macht klar, aus welcher Stadt die Aufnahmen sind. Die Autorin ist – trotz des Namens – gebürtige Mexikanerin und wohnt in Berlin; sie hat aufgrund ihrer Herkunft sicher einen anderen Blick auf die Kunstwerke ihrer aktuellen Heimatstadt.

Das zeigt sich auch in dem Buch, das schon vor einigen Jahren im Hirnkost-Verlag erschienen ist, das man aber immer noch mit Genuss durchblättern kann: als Hardcover im kleinen Querformat, was die Bilder aber schön zur Geltung bringt. Die Texte sind in englischer und deutscher Sprache, sie geben Hinweise zu den Örtlichkeiten, schildern auch ein wenig die Hintergründe zu Künstlern, Bauwerken und Straßen.

Dann aber lassen sie eh die Bilder für sich sprechen. Sie zeigen ungewöhnliche Szenen, mal schnell hingeworfene Elemente, dann wieder große Kunstwerke. Manche Fotos wirken an sich schon künstlerisch, andere wiederum, als hätte die Fotografin aus dem Handgelenk abgedrückt. Damit entsteht zugleich ein Porträt von Berlin, wie man es nicht so oft erhält.

Der Hardcover-Band ist 160 Seiten stark und meiner Ansicht nach immer noch empfehlenswert. Nicht nur für Kunstfreunde, sondern auch für Menschen, die einen ungewöhnlichen Blick auf eine längst bekannte Stadt schätzen.

12 Dezember 2019

Ein Bildband präsentiert den »Storm«-Meister

Im Frühjahr 2016 erschien ein Buch, das auf 1111 Exemplare limitiert wurde und deshalb beim Verlag bereits als vergriffen gemeldet worden ist. Dass ich heute erst dazu komme, etwas dazu zu schreiben, wollen wir an dieser Stelle lieber nicht diskutieren ...

Die Rede ist von »Storm – das Vermächtnis«, einem dickleibigen Band, der Werke von Don Lawrence präsentiert. Veröffentlicht wurde es im Splitter-Verlag, bei dem »Storm« bekanntlich eine neue Heimat gefunden hat.

Ganz klar: Das ist kein Buch, das man liest, wenngleich es ergänzende Texte gibt. Das ist ein Buch, das man zur Seite legt, das man immer mal wieder durchblättert, in dem man vorne und hinten guckt und das man irgendwann mit einem Gesichtsausdruck der Zufriedenheit ins Regal stellt. Ein Prachtband eben, und er ist einem der größten Comic-Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts durchaus angemessen.

Don Lawrence wurde mit den Serien »Trigan« und »Storm« berühmt, vor allem deshalb, weil er einen unglaublich realitätsnahen Stil pflegte. Seine Menschen waren zwar manchmal eine Spur zu »teutonisch-heldisch«, wurden von ihm aber immer beeindruckend dargestellt. Manchmal wirkten die Hintergründe, die Gebäude oder die Landschaften wie Fotos – wenn ich mir diese Comics anschaute, waren mir die Geschichten oftmals egal.

Das Buch zeigt auf gut 250 Seiten eine Sammlung von Farb- und Schwarzweiß-Zeichnungen des Künstlers. Teilweise stammen sie aus dem Nachlass, einige Bilder wurden auch schon veröffentlicht. Manche Skizzen sind nichts anderes als Fingerübungen, oftmals gibt es erotische Darstellungen zu sehen, vieles bleibt dabei nur flüchtig. Die wenigen Farbbilder haben sogar eine ironisch-satirische Note.

Wie es sich für ein Buch aus dem Splitter-Verlag gehört, ist auch »Storm – das Vermächtnis« ein echter Prachtband. Der Umschlag ist aufwendig gestaltet, die einzelnen Seiten sind hervorragend gedruckt; es handelt sich bei diesem Bildband um ein Buch, das man gern in die Hand nimmt und auch nach Jahren mit großem Interesse betrachten wird.

Der stolze Preis für das Buch ist angesichts der Aufmachung und der geringen Auflage berechtigt. (Und wer sich dafür interessiert, muss ein wenig suchen. Es gibt noch Internet-Shops, die das Buch als »lieferbar« auflisten.)

04 November 2019

Loving Vincent

Ich bin alles andere als ein Experte für Vincent Van Gogh und das Werk des Künstlers. Mir geht es wahrscheinlich so wie den meisten: Man kennt einige Bilder, man weiß einige Details, vor allem kennt man die gruseligen Dinge. Abgeschnittene Ohren, der Aufenthalt in einer Anstalt, der seltsame Selbstmord und dergleichen … aber als Normalsterblicher weiß ich einfach nicht Bescheid.

Ein wenig skeptisch trat ich also an den Film »Loving Vincent« heran. Dieser kam 2017 heraus und wird hierzulande nur von Sendern wie Arte gezeigt. Wir haben uns die DVD gekauft, und ich bin sicher, dass wir sie noch öfter ansehen werden.

Der Grund: Der Film ist künstlerisch und trotzdem sehr unterhaltsam. Man muss sich darauf einlassen, dass die Machart dieses Films sehr ungewöhnlich ist – dann fasziniert der Streifen aber sehr.

Es ist eine polnische Produktion, an der mehrere Dutzend Künstler beteiligt waren. Der Grund: Man nahm Originalgemälde von Vincent van Gogh, und daraus entstanden bewegte Bilder. Die Schauspieler wurden ebenfalls animiert – aber eben nicht im Zeichentrick-Stil, sondern im Stil eines van-Gogh-Gemäldes. Das klingt seltsam, erklärt sich aber von selbst, wenn man sich den Trailer ansieht. Zahllose Bilder mussten für den Film gemalt werden.

Tatsächlich wird eine spannende Geschichte erzählt. Ein junger Mann stellt Nachforschungen zum Tod des Künstlers an, befragt Bekannte und Freunde des Toten. Dabei kommt er auf eine Reihe von Fragen, die bisher keiner zu stellen wagte: Hat sich van Gogh wirklich umgebracht? War jemand anders für seinen Tod verantwortlich? Und so entsteht aus einem harmlosen Brief eine packende Krimi-Handlung.

»Loving Vincent« ist ein ungewöhnlicher Streifen, der mit vielen Sehgewohnheiten bricht, letztlich aber doch recht konventionell erzählt. Damit kommen auch Durchschnittsfilmegucker wie ich auf ihre Kosten. Lohnt sich!

28 Mai 2019

Schlosslichtspiele auch im Sommer 2019

Ich bin mit manchen Ausgaben, die meine Heimatstadt für die sogenannte Kultur budgetiert, nicht immer ganz glücklich oder verstehe sie nicht. Aber Kultur ist ein Standortfaktor, und deshalb werde ich sicher nicht meckern, wenn man irrsinniges Geld ins Opernhaus investieren sollte – so eine Oper gehört eben zu einer Stadt, deren Bewohner gleichzeitig darunter leiden, dass der örtliche Fußballverein mit Müh' und Not in die zweite Bundesliga aufgestiegen ist.

Nach wie vor finde ich es gut, dass man Geld für die Schlosslichtspiele ausgibt. Auch 2019 laufen wieder die Veranstaltungen vor dem Schloss in Karlsruhe: Die Fassade des altehrwürdigen Gebäudes (das in Wirklichkeit gar nicht so alt ist, aber egal) verwandelt sich in eine Leinwand; künstlerische Computergrafiken bewegen sich in faszinierenden Mustern über die Fassade, greifen Elemente auf und verwandeln sie. Dazu wummert elektronische Musik aus riesigen Boxen.

In den vergangenen Jahren haben wir manchen Abend vor dem Schloss verbracht. Wir saßen auf den Steinen oder standen herum, wir hielten uns mal nur eine halbe Stunde vor dem Schloss auf, manchmal auch zwei Stunden; je nach Programm oder Lust und Laune.

Dieses Jahr wird es offenbar sogar politisch. »In einer Welt, die zunehmend von Hass und Populismus gesteuert zu sein scheint, gilt es, sich auf die Ursprünge zu besinnen«, heißt es von Seiten der Veranstalter, dem ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) Karlsruhe. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die neuen Shows und auch auf Wiederholungen einiger »Klassiker«!

19 Dezember 2018

Kunst am ZKM

Man muss nicht alles verstehen, was als Kunst im öffentlichen Raum herumsteht. Ich bin manchmal zufrieden damit, wenn es Dinge gibt, die ich gern anschaue und die mir irgendwie imponieren. Wenn ich mich mit dem Rad durch Karlsruhe bewege, sehe ich schließlich genug, das mir seltsam vorkommt. Immer wieder ein Erlebnis ist hier beispielsweise das ZKM, das Zentrum für Kunst und Medien.

Dort steht neuerdings ein Gebilde – das Fahrrad davor ist nicht meines ... –, das aussieht, als sei es das gestrandete Raumschiff irgendwelcher Außerirdischer aus der Eastside der Galaxis oder als habe man eine besonders faszinierende Ausgrabung unbedingt öffentlich zeigen sollen. Ich finde, das Gebilde wirkt sehr phantastisch, als stamme es von einem Fantasy- oder Science-Fiction-Künstler oder sei die Dekoration aus einem entsprechenden Film.

Es lässt sich betasten, es fühlt sich interessant an: feine Drähte, irgendein Fiberglas oder dergleichen, schwerelos wirkend auf der einen Seite und stabil aussehend auf der anderen Seite. Für mich als Science-Fiction-Fan ist das immer wieder ein Objekt, zu dem ich hinfahre, um es genauer zu betrachten oder anzufassen. Schön, dass es so etwas gibt!

10 August 2018

Schlosslichtspiele 2018

Warum ich es lange Zeit nicht geschafft hatte, die diesjährigen Schlosslichtspiele zu besuchen, kann ich nicht sagen. Am Mittwochabend, 8. August 2018, war es endlich soweit: Wir radelten durch das nächtliche Karlsruhe in Richtung Schloss. Überall waren Leute unterwegs, allesamt sommerlich gekleidet, zu Fuß und zu Fahrrad. Vom Schloss her strömten uns viele entgegen, die offenbar schon die Show gesehen hatten; andere strebten mit uns zum Schloss.

Dort hatten sich schon wieder Tausende von Menschen versammelt. Sie saßen auf Treppenstufen und auf der Wiese, manche hatten Decken und Stühle mitgebracht. Zigaretten glommen in der Dunkelheit, Smartphones flimmerten, es roch nach Getränken und Essen, und überall wurde in zahlreichen Dialekten und Sprachen gesprochen.

Schon in den Jahren 2015, 2016 und 2017 liebte ich die friedliche und gelöste Stimmung bei den Schlosslichtspielen, und diesmal würde es wohl ähnlich sein. Wir suchten uns einen Platz in der ersten Reihe, wo wir uns auf den warmen Steinboden vor dem Schloss setzten.

Zuerst sahen wir Teile der brandneuen Show »Memories«, die der ungarische Künstler László Zsolt Bordos entwickelt hat; als wir eintrafen, lief sie schon. Hektische Bilder verwandelten die Front des Schlosses in eine wabernde Masse, gigantische Elemente wanderten über die Fassade, als seien es riesige Tiere. Das war phantastisch, vor allem auch, weil die Musik so stark dazu passte.

Als Wiederholung kam die Show »Reverb«, die Bordos schon 2015 entwickelt hatte; sie hatte mir damals schon gefallen. Strenge Linien verwandeln die Fassade zuerst in ein Gitter, dann aber bewegen sich die Linien, zerknäueln sich, werden in hektische Bewegungen versetzt. Die elektronische Musik, die dazu aus den Bässen wummert, ist wuchtig und unterstützt die abstrakten Bilder.

Der Höhepunkt an diesem Abend war für mich die Show des Künstlerkollektivs »Global Illumination«; woher die Leute sind, weiß ich gar nicht. Im Prinzip zeigte die Show die Entwicklung der Technik von den Anfängen bis heute.

Zuerst rattern Ketten über das Bild, rollen Zahnräder über die Fassade des Schlosses, dann sieht man Lochkarten und später riesenhafte Motherboards, wie man sie seit den 90er-Jahren in den Computern verbaute. Dazu kommen Anleihen bei Computerspielen und dergleichen – eine rasante und auch sehr vielseitige Show, die ich eindrucksvoll fand.

Mir ist klar, dass ich noch einige Male zum Schloss in Karlsruhe pilgern werde. Es gibt verschiedene Shows, die neu sind und die ich unbedingt sehen möchte. Und es gibt Shows, die wiederholt werden und auf die ich mich bereits freue. Die Schlosslichtspiele sind eröffnet, und ich freue mich darauf, sie mehrfach anzuschauen.

10 Mai 2018

Die Schlosslichtspiele kommen wieder

Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn in diesem Sommer 2018 die Schlosslichtspiele Karlsruhe wieder starten. Diesmal steht ein Science-Fiction-Motto über der Veranstaltungsreihe, die 2015 zum Stadtjubiläum erstmals ins Leben gerufen worden ist: »Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic«, schrieb Arthur C. Clarke einst, und er hat damit völlig recht. Ist eine Technik mal weit genug vorangeschritten, kann man sie nicht mehr von Magie unterscheiden.

Ich bin gespannt darauf, ob 2018 die Magie wieder funktioniert: Vom 28. Juli bis zum 9. September 2018 werden unterschiedliche Künstler die Front des Schlosses in einem neuen Licht erstrahlen lassen. Schon jetzt ist klar, dass ich mehrfach in dieser Zeit zum Schloss pilgern werde.

Mit dabei sind wieder »die Ungarn«, wie unsereins die ungarische Künstlergruppe Maxin10sity nennt – ich kann mir diesen Namen nie merken. in den vergangenen Jahren fand ich die Arbeit dieses Kollektivs immer am eindrucksvollsten. Diesmal wollen sie mit »I'mmortal« auch einen Zirkusartisten in das Projekt integrieren – bisher kann ich mir das nicht einmal vorstellen.

Spannend klingt auch das, was von dem Künstlerkollektiv Global Illumination geplant ist. In seiner Show soll die Evolution der Technologie gezeigt werden. Ich zitiere aus der Information: »Die Show beginnt mit der Ära der analogen Maschinen über Lochkarten zu 8-Bit-Prozessoren und PCs bis hin zu künstlichen neuronalen Netzen. Erzählt wird die Geschichte von Apparaten, Maschinen und Codes, die den digitalen Wandel eingeleitet haben und Raum für die kreative Vorstellungskraft des Menschen öffnen.«

Ich freue mich schon wie ein kleines Kind. Der Sommer kann kommen, nur das Wetter sollte halt auch passen.

05 August 2017

Mal wieder ins ZKM gehen?

Da wohne ich in einer Stadt, die ein ZKM hat – und besuche es so gut wie nie. Das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ist eine Einrichtung, wie es sie weltweit nur sehr selten gibt; man kann zurecht stolz darauf sein. Ich gehöre dummerweise zu den Leuten, die mit vielen Aspekten dieses Museums nicht viel anfangen können und die sich mit Museen generell schwertun; aber ich glaube, ich muss in den nächsten Monaten öfter hingehen.

Man möchte sich im kommenden Halbjahr unter anderem mit dem »rasanten technologischen und sozialen Wandel zu Beginn des digitalen 21. Jahrhunderts« beschäftigen. Wie haben sich Kunst und Wissenschaft beeinflusst, wie hängen die digitale Zeit und die Kunst zusammen? Das klingt wieder schrecklich verkopft, was mich möglicherweise von einem Besuch des Museums abhalten kann, könnte aber doch besuchenswert sein.

Ansprechend klingt beispielsweise »Open Codes. Leben in digitalen Welten« ... »Mit der Ausstellung versucht das ZKM, durch Dokumente, Artefakte und Kunstwerke die Entwicklungslinien der Physik und Mathematik der letzten 300 Jahre aufzuzeigen«, heißt es in der Ankündigung. Und: »Es werden der heutige Stand der innovativsten zeitgenössischen Digitaltechnologien, von Robotik bis künstliche Intelligenz, von Sensorentechnologie bis Bio-Design, sowie deren soziale, politische und gesellschaftliche Folgen vorgestellt.« Könnte dann doch spannend sein, oder?

Ähnlich interessant klingt für mich »Radical Software«; diese Ausstellung läuft sogar so. Dabei präsentiert man »amerikanische KünstlerInnen und Wissenschaftler vor, die in den 1970er-Jahren bereits erste Visionen einer vernetzten Welt formulierten«. Das klingt nach Science Fiction, das erinnert mich an die Anfänge von Cyberpunk – ich denke, das sollte ich mir an einem Schlechtwettertag in diesem Jahr unbedingt mal anschauen.

Wahrscheinlich kommt meine Abneigung gegen mancherlei Museen daher, dass die Ankündigungen so unnötig kompliziert formuliert werden. Da macht das ZKM leider keine Ausnahme. Dabei halte ich mich für einen vielseitig interessierten Menschen ... der dann doch lieber viel zu oft bei den bekannten Comics, SF-Romanen und Punk-Bands landet ...

14 Februar 2017

Schlosslichtspiele gibt's auch 2017

Karlsruhe ist ziemlich pleite; die Zuschüsse für Kultur werden eingekürzt, und die Schulen dürften auch aussehen, als seien sie seit Jahren nicht mehr geputzt worden. Aber man leistet sich eine Untertunnelung der Innenstadt oder ein neues Fußballstadion. Ich könnte also gern und viel über die Politik der Stadt lästern, Geld auszugeben, das man augenscheinlich nicht hat.

Bei einem Punkt bin ich allerdings schon der Ansicht der Stadt: Für ein Image-Projekt wie die Schlosslichtspiele dürfen die Verantwortlichen gern Kohle verblasen. Das ist was für »das Volk«, vor allem auch für jüngere Leute, und kostet keinen Eintritt. Und so freue ich mich schon sehr darauf, im Sommer 2017 wieder zum Schloss zu pilgern und mir die verschiedenen Aufführungen der Schlosslichtspiele anzuschauen.

2015 lockten mich die Schlosslichtspiele zum ersten Mal, ich war völlig begeistert. Auch 2016 war ich mehrfach vor dem Schloss und schaute mir die phantastischen Bilder und Animationen an. Das wird im Sommer 2017 ebenso sein.

Vom 3. August bis 10. September 2017 will man einen »Schwerpunkt auf neuen Formen der Architektur« legen, heißt es in der Presse-Information des ZKM (Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe), das für die künstlerische Ausgestaltung verantwortlich ist. Entsprechend schwurbelig lesen sich die Pressetexte: »Mit den Shows wird eine visionäre Architektur geschaffen, die in der Verbindung zwischen Licht und Stein neue Räume gestaltet und atmosphärisch erlebbar macht.«

Ganz ehrlich: Würde man mir nur die Texte zeigen, wäre ich sicher, dass die Veranstaltung grausig würden. Man müsste mir ein Honorar bezahlen, um vors Schloss zu ziehen. Aber hinter dem ganzen Medien- und Anspruchs-Geschwurbel verbergen sich eben phantastische Licht- und Musik-Präsentationen, die auch einen mehrfachen Besuch lohnen.

Darauf freue ich mich schon jetzt. Dafür darf die Stadt meinetwegen auch gern Geld verblasen, das sie nicht hat. Und das Presse-Gelaber muss ich halt ein wenig ignorieren ...

24 August 2016

Die Schlosslichtspiele 2016 begeistern

Im vergangenen Jahr zählten die Schlosslichtspiele in Karlsruhe zu den Höhepunkten des Sommers: An mehreren Abenden saßen wir vor dem Schloss, schauten uns die beeindruckenden Bilder an, die auf die Fassade des Gebäudes projiziert wurden. Ich lud Freunde und Bekannte dazu ein – und wirklich jeder war davon begeistert.

Auch wenn Karlsruhe faktisch pleite ist, gibt es in diesem Sommer eine Fortsetzung. Das finde ich klasse, und deshalb schauten wir uns an einem schönen Abend die diesjährigen Schlosslichtspiele an: künstlerisch überzeugten sie mich zum wiederholten Mal.

»Paperlife« ist eine Videokunst-oder-wie-immer-man-das-nennen-mag-Installation des Designbüros Hauslaib. In dieser Show wird die Schlossfassade in eine Welt verwandelt, durch die Wesen aus Papier spazieren; teilweise sehr fremdartig, manchmal echt mit einem Hauch von Fantasy. Toll gemacht!

Die stärkste Show des Abends, an dem ich vor dem Schloss saß, kam wieder von dem ungarischen Kunstkollektiv (keine Ahnung, wie man das genau bezeichnet), das den schönen Namen »Maxin10sity« trägt. Das Programm hieß »Legacy« und spielte am stärksten mit der Fassade des Schlosses – wie auch das letztjährige Programm.

Die Ungarn spielten mit der Fassade: Wie sähe das Schloss aus, wäre es ein griechischer Tempel oder eine Moschee, ein mittelalterliches Kloster oder eine ägyptische Anlage? Starke Bilder, das Schloss verwandelte sich vor unseren Augen in dreidimensional erscheinenden Bildern.

Künstlerisch ist wahrscheinlich die Show »Defilee« am anspruchsvollsten: Im Prinzip wird die Fassade des Schlosses benutzt, um hundert Jahre Avantgarde-Kunst zu präsentieren. Picasso und Dali, Matisse und andere Künstler, dazu Filmschnipsel und Fotografien – sie werden zerlegt, zerteilt, wieder neu zusammengesetzt, sie tanzen über Fenster und Türmchen.

Eine wunderbare Veranstaltung, die ich sicher noch einige Male besuchen werde. Jeden Abend pilgern jetzt wieder Tausende von Menschen zum Schloss – ein einer friedlichen Atmosphäre, in der man zahlreiche unterschiedliche Sprachen hören kann.