07 Februar 2012

Winteranfang im Februar 2012

Der Winter ist nun endgültig über Karlsruhe hereingebrochen; das merkte ich, als ich am späten Nachmittag und frühen Abend mit dem Rad in der Innenstadt von Karlsruhe unterwegs war. Es schneite ununterbrochen, und der Schnee blieb auf dem gefrorenen Boden liegen, dazu kam ein eisiger Wind.

Die Räder knirschten bei jedem Pedaltritt, und ich musste langsam fahren, weil ich nie wusste, wie der Untergrund beschaffen war. Herumeiernde Autofahrer erleichterten das Vorankommen nicht unbedingt, ich blieb äußerst vorsichtig.

Trotzdem empfand ich es als nicht so kalt wie am Vortag. Der Schnee dämpfte sogar die Temperatur, die gefühlten selbstverständlich – das fand ich toll.

Toxoplasma-Historien

Eine der frühen Deutschpunk-Bands, die ich heute noch gerne höre, ist Toxoplasma. Die Band kam aus Neuwied am Rhein und sorgte mit Stücken wie »1981« oder »Ordinäre Liebe« für echte Pogo-Hits.

Bei Twisted Chords ist eine Langspielplatte erschienen, die Stücke von den ersten zwei Demo-Cassetten zusammenfasst. Alle Klassiker sind enthalten, allesamt ruppig gespielt und nicht unbedingt in erstklassiker Soundqualität.

Aber das ist echt Punkrock: Jedes Stück ist auf den Punkt gebracht, die Texte sitzen, und irgendwelches Metal-Gewixe oder Hardrock-Gedöns gab's damals einfach nicht. Tolle Platte – zumindest für Leute wie mich, die den alten Sound immer noch gern haben!

06 Februar 2012

England hat mal wieder gerult

Auch wenn die erste und die zweite Punk-Welle in England richtig lange her sind – zwischen 30 und 35 Jahre –, gibt es immer wieder richtig gute Punkrock-Bands von der Insel. Davon konnten sich die Hörer im ENPUNKT-Radio überzeugen: Am Sonntag, 5. Februar 2012, bollerte ich ihnen Bands von der Insel um die Ohren, meist Aufnahmen aus den Nuller-Jahren.

Mit den Guitar Gangsters und den Stupids hatte ich Bands im Programm, die es schon in den 80er-Jahren gab und die mit neuen Aufnahmen wieder da sind. Aus den 80er-Jahren stammen auch Citizen Fish und Sensa Yuma, deren Anarcho-Punk mit neuen Platten in den Nuller-Jahren eine schöne Fortsetzung fand.

Moderner klangen dann schon der melodische Streetpunk von Deadline oder der sonnige Melodie-Punk von Billy No Mates. Für die Rumpelpunk-Fraktion gab es noch Splodgenessabounds; und wer es gern ein wenig nachdenklich und durchaus unpunkig mag, bekam am Ende schöne Stücke von T.V. Smith aufs Ohr.

Bei der Sendung zappelte ich mir ganz schön einen ab. Ich sah wohl reichlich albern auf: Kopfhörer auf, Hände am Regler – und dazu Pogo im Sitzen. Gottseidank gibt es niemanden, der einem im Radiostudio zuguckt.

05 Februar 2012

Eine Woche Urlaub

Hurra!, ich tanze auf dem Tisch, ich freue mir ein zweites Loch sonstwohin, die Welt ist endlich wieder schön. Ich habe eine Woche Urlaub. Das heißt, dass ich jeden Tag ausschlafen kann, so lange ich will, das heißt auch, dass ich Krachmusik hören kann, ohne Kollegen und Familie zu stören.

Das heißt, dass ich »nebenbei« endlich mal wieder an eigenen Texten arbeiten kann. Das wäre nach dem verheerenden Jahr 2011, in dem ich praktisch nichts eigenes gebacken bekam, dringend nötig. Wenn zwischen den anderen Pflichten, die ich mir auferlegt habe (aufräumen!), dafür Zeit bleibt, versteht sich ...

Denn ganz »nebenbei« werde ich sehr wohl Dinge für die Firma erledigen. Es liegen einige Manuskripte zu Hause herum, und ich habe mir vorgenommen, einige Texte sowie konzeptionelle Gedanken zu tippen.

Eigentlich ganz schön blöd. Aber wenn Urlaub offensichtlich in diesem Jahr heißt, die tägliche Arbeitszeit von zehn bis zwölf auf zwei bis drei Stunden zu reduzieren, will ich mich darüber einfach mal freuen.

04 Februar 2012

Warten am Flughafen

(Rückblick auf die Kamerun-Reise im November 1999)

Mein Reise durch Kamerun gehört nach wie vor zu den absoluten Highlights in all den Reiseerfahrungen der letzten zwanzig Jahre. Das vielseitige Land mit seinen verschiedenen Kulturen zwischen Regenwald im Süden und Sahelzone im Norden, dem englischsprachigen Wesen und dem französischsprachigen Rest hatte es mir wirklich angetan, und die vier Wochen, die ich in Kamerun auf Reisen verbrachte, vergingen unglaublich schnell.

Das einzige, was mich immer wieder ärgerte, war die Bürokratie. In Kamerun hatten sie das bürokratische System auf die Spitze getrieben.

So war ich beispielsweise unglaublich früh am Flughafen, weil ich morgens am Strand aufgewacht und mit dem direkten Bus von Kribi an der Atlantikküste nach Douala, der Hauptstadt, gefahren war. Da der Flughafen quasi an der Straße von Kribi nach Douala lag, hatte ich mich vom Busfahrer an einer Straßenkreuzung herauswerfen lassen und war die letzten eineinhalb Kilometer marschiert. Dummerweise durch eine kochende Mittagshitze, aber so war ich zeitig genug am Flughafen und hatte keine Unsummen für Taxis ausgeben müssen.

Dummerweise ließ man mich nicht in den eigentlich inneren Bereich des Flughafens eintreten. So saß ich stundenlang in der Flughafenhalle herum, immer mein Gepäck in Sichtweite. Nicht einmal auf die Toilette wagte ich mich, ohne meinen Seesack mit mir zu schleppen, weil sich eine Reihe eher seltsamer Gestalten in der Halle herumtrieb, denen ich nicht einmal ein vollgerotztes Taschentuch anvertraut hätte.

Die Abfertigung, die Stunden später endlich begann, erwischte mich schon in einem Stimmungstief; ich hasste sie wirklich alle. An schätzungsweise vier verschiedenen Schaltern musste ich letztlich anstehen, um irgendwelche Formalitäten zu erledigen. Mit der beste war derjenige, an dem ich eine zusätzliche Steuer entrichten musste. Von dieser stand zwar nichts im Reiseführer, aber Einheimische hatten mir von dieser Steuer erzählt.

So war ich in der Lage, die letzten 10.000 EFA, die ich extra noch in der Tasche stecken hatte, auf den Tisch zu legen, meine zwei Briefmarken und einen entsprechenden Stempel zu erhalten, um dann endlich durch das eigentliche Gate gehen zu dürfen. Und dort saß ich dann weitere zweieinhalb Stunden, bis ich endlich den Rückflug von Kamerun über Brüssel nach Deutschland antreten konnte.

Dass ich nach all den Stunden des Wartens und Genervtwerdens nicht mehr gerade nach einem frisch gebadeten Mann roch, überraschte mich selbst am wenigsten. Immerhin ließen mich die Stewardessen ins Flugzeug und setzten mich nicht am erstbesten Zwischenstop an die frische Luft ...

03 Februar 2012

Psychodruck zu »Rocky«

Beim international aufgestellten Autobauer Hyundai gibt's für Arbeitnehmer, die mal ein wenig ratlos sind oder keinen Bock haben, eine besondere Art der Aufmunterung: Man singt ihnen die »Rocky«-Musik vor, solange zumindest, bis sie einknicken. Das scheint die Botschaft eines neuen Hyundai-Werbefilmchens zu sein.

So nett ist das Filmchen, dass es mir ein Schmunzeln ins Gesicht trieb. Nur ... wenn wir das mal ganze ernsthaft angucken: Es gibt bei jedem Arbeitnehmer die Tage, an denen er vielleicht nicht so mag, wie es die Vorgesetzten oder Kollegen gerne hätten. Und dann?

Wenn ich mir das Filmchen unter dem Gesichtspunkt anschaue, wird hier fiesester Psychodruck symbolisiert: alle gegen einen, nicht »all for one«, also »alle für einen«, solange eben, bis derjenige mitzieht. Wer aus der Reihe tanzt und nicht mitsingt, sprich, nicht hundertprozentig mitmacht, der gehört dann eben nicht dazu.

Seltsame, selbstentlarvene Firmenwelt.

02 Februar 2012

Das OX wird hundert


Dieser Tage müsste die Ausgabe 100 des OX-Fanzines in meinem Briefkasten landen. Das ist ein Grund, den Macherinnen und Machern mal zu gratulieren! (Und das hat damit nichts zu tun, dass ich seit Jahren als freier Mitarbeiter für das Fanzine tätig bin.)

Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge des Fanzines: in den allerspätesten 80er-Jahren, auf Zeitungspapier gedruckt und eher in die Hardcore-Ecke schielend. Es war ein interessantes Fanzine, die Macher hatten Ahnung – aber ich hätte damals nie gedacht, dass es dieses Heft einmal so lange geben würde.

Im Lauf der Zeit hat das OX die eine oder andere Wandlung durchgemacht. Das finde ich gut, alles andere wäre unsinnig gewesen. Immer noch kommt mir das Heft wie eine zweimonatlich erscheinende Bibel vor: Es finden sich derart viele Informationen zu Punkrock, Hardcore und artverwandten Gebieten, dass ich die nie alle schaffe und dass auch immer wieder Ausgaben so gut wie ungelesen in die Fanzine-Sammlung wandern.

Auch heute noch sind die Redaktionsmitglieder sachkundig; das merke ich an vielen Interviews, Besprechungen und Artikeln. Manchmal geht mir persönlich die Sachkenntnis zu weit, weil die Texte zu musiklastig und detailhuberisch sind; da wäre mir mehr »Straßenbezug« lieb. Aber das ist Geschmackssache.

Ich finde das Heft einfach gut, und ich bin stolz darauf, dass ich seit über einem Dutzend Jahren mitarbeiten kann. Hundert Ausgaben – das ist ein stolzes Jubiläum! Darauf werde ich heute abend wohl erst mal ein Bierlein trinken.

01 Februar 2012

Zwanzig Jahre danach

»Ich wollte dir nur sagen, dass es jetzt dann zwanzig Jahre sind.« So kryptisch begann mein Telefonat mit Hermann Ritter, einem meiner ältesten Freunde. Ich brauchte eine Weile, bis ich kapierte, was er meinte: Im Frühjahr 1992 hatten wir - zusammen mit anderen Science-Fiction-Fans - in Freudenstadt den EuroCon organisiert.

Gemeint ist damit eine Art europäischer Science-Fiction-Kongress. Aus dem eher harmlosen FreuCon '92 war in dem Jahr aufgrund des Krieges in Jugoslawien auf einmal eine »große Nummer« geworden.

Und es war ein ziemlicher Hammer: Rund 800 Besucher waren da, sie kamen aus zwanzig Nationen. Eine offizielle chinesische Delegation war zugegen, Besucher aus Moldawien und der Ukraine reisten an; ein Reisebus mit 55 Besuchern aus Rumänien stand vor dem Kongresszentrum.

Während des Telefonats schwelgten wir ein wenig in Erinnerungen. Es war eine großartige Veranstaltung, da waren wir uns einig; ich stellte fest, dass wir die negativen Empfindungen längst in den Hintergrund gedrängt hatten.

Wir hatten uns danach vorgenommen, »nie wieder« so etwas zu veranstalten. So richtig daran gehalten haben wir uns allerdings nie: Hermann war seitdem an mehreren »Festen der Fantasie« und anderen Veranstaltungen beteiligt, und ich war zweimal mit der Organistion eines PERRY RHODAN-WeltCons beschäftigt.

Aber so spannend, so abwechslungsreich, so komplett neu und unter politischen Bedingungen völlig überraschend ... das war nur der FreuCon '92. Zwanzig Jahre ist das her. Hammer.

31 Januar 2012

Großes Essen im Gasthof Linde

Unglaubliche zwölf Prozent Mehrwertsteuer waren am 28. März 1978 bei einem Essen in einem Restaurant fällig. Woher ich das weiß? Ich habe die Rechnung des Gasthofs Linde gefunden, in der an diesem Tag meine Konfirmationsfeier veranstaltet wurde.

Das war damals üblich: Nach der Konfirmation lud die Familie des Konfirmanten eine Festgemeinde in ein nahegelegenes Lokal ein und verköstigte sie. In diesem Fall waren es wohl die Tanten und Onkel sowie deren Kinder, und es kam unterm Strich eine Rechnung von 399,40 Mark heraus – für meine Eltern war das damals eine große Summe.

Dafür gab es 23 Mittagessen zum Preis von 13,80 Mark, wahrscheinlich Braten mit Beilagen. Getrunken wurde ordentlich: 17 Glas Bier – also Export – für 1,10 Mark und neun Pils für 2,10 Mark. Dazu kamen Bluna und Spezi sowie vier Asbach und fünf Kirschwasser. Für die Verhältnisse einer schwäbischen Arbeiterfamilie ließ man es also ordentlich krachen.

Im Schnee vor dem Gasthaus lieferte ich mir mit einigen anderen eine Schneeballschlacht. Mein »schönes Anzügle« wurde nass, und ich bekam einen Anschiss.

Kaffee und Kuchen wurden nicht mehr im Gasthaus verzehrt, sondern bei uns zu Hause serviert. Meine Mutter hatte gebacken, und sie stellte Kaffee und Kuchen auf den Tisch. Wie das so üblich war ...

Ich erinnere mich noch gut, als ich gegen später meine neue Schallplatte vorspielte. Es war die »Never Say Die« von Black Sabbath. Mein großer Cousin, damals schon über zwanzig Jahre, war gebührend beeindruckt. »Des isch aber progressiv«, sagte er. Es blieb unser einziges Gespräch über Musik.

Schiffbruch im Rahmenprogramm

Ich habe Inner Conflict schon lange nicht mehr gesehen, und wenn ich mir in diesen Tagen die Langspielplatte »Schiffbruch im Rahmenprogramm« anhöre, ist das glatt ein Grund, mich darüber zu ärgern. Die Band aus Köln macht deutschsprachigen Punkrock, für den die Schublade Deutschpunk nicht unbedingt zutreffend ist, der sich durch schlaue Texte, einen starken Gesang und einen saugut geschmierten Sound auszeichnet.

Klar ist es die Stimme der Sängerin Jenny, die zumeist die Stücke trägt; mit am besten gefallen mir aber die Stücke, in denen sich männliche und weibliche Stimme abwechseln. Dazu wummern Bass und Schlagzeug, setzt die Gitarre scharfe Akzente – das alles ist ein Sound, der nicht unbedingt zum Pogo einlädt, sondern eher zum Kopfwackeln und Fußwippen.

Textlich behandelt die Band häufig persönlich-menschliche Themen wie in »immer wieder«. Da heißt es: »gegen die vernunft / gegen den verstand / dem rasen zweier herzen / gegen jede fairness / gegen alle regeln.«

Und wenn es politisch-gesellschaftskritisch wird wie in »en vogue«, verzichtet die Band auf Parolen: »wir sind jetzt die friedensmacht / ein wahlsystem das funktioniert / sieh an, wer hätte das gedacht / und trotzdem hab ichs nicht kapiert.«

Die Platte ist übrigens vom Sommer 2007. Ich kann sie im Winter 2011/12 problemlos anhören und denke mir, dass sie Bestand haben wird. Das gilt auch für andere Tonträger der Band, für die das Label Twisted Chords verantwortlich ist.

30 Januar 2012

Zu wenig Musik im Pack

Das hatte ich mir toll ausgesucht: Für meine Radiosendung am Sonntag abend, 29. Januar 2012, wollte ich einige aktuelle Punkrock- und Hardcore-Platten aus deutschen Landen präsentieren. Zu diesem Zweck wählte ich einige CDs und Vinylscheiben aus, von denen ich klugerweise zwei daheim liegen ließ. Ganz schön blöd, aber eben nicht zu ändern.

Ich machte das beste aus der Situation, und die ENPUNKT-Radiosendung im Querfunk lief doch ganz gut ab. Mit den Berlinern von Zack Zack und der Münsteraner Dean Dirg-Bande gab's gleich zwei Bands, die sich bewusst an der Vergangenheit orientieren: einmal 1977, einmal 1982 - auch gut.

Aktuell klingenden Hardcore servierte ich von Cobretti aus Köln und Conmoto aus Limburg; die Limburger hatte ich letzten Herbst in der »Alten Hackerei« in Karlsruhe auch live bewundert. Braindead aus Hamburg lieferten ebenfalls Hardcore, sauber abgeschmeckt mit einer Prise Ska.

Deutschpunk mit einem Schlag Oi! gab's von Fahrenheit aus Magdeburg, Deutschpunk mit knalligem Hardcore-Sound kam von Abfukk vom Niederrhein. Und mit Düsenjäger und Captain Planet kam sogar die Emopunk-Fraktion auf ihre Kosten.

29 Januar 2012

Ziemlich beste Freunde

Die Geschichte klingt klischeehaft: Ein querschnittsgelähmter reicher Mann mit weißer Hautfarbe und ein Arbeitsloser mit schwarzer Hautfarbe, der ihn betreuen soll, freunden sich miteinander an – und das ganze funktioniert. Damit ist übrigens die komplette Handlung des Films »Ziemlich beste Freunde« sehr schnell zusammengefasst.

Den Film sahen wir uns am Samstag, 28. Januar 2012, in der Spätvorstellung an. Das gab uns die Gelegenheit, vorher an der Bar im Kino den einen oder anderen Cocktail zu trinken. Ein guter Einstieg in einen dann sehr gelungenen Film!

Das scheine ja nicht nur ich so zu empfinden. Der Film war in Frankreich ein riesiger Erfolg, und er scheint auch hierzulande super zu laufen. Kein Wunder: Die Mixtur aus sehr ernsthaftem Thema und richtig viel Witz funktioniert hervorragend.

Ich lachte viel während des Filmes: Die Pointen sitzen, die Situationskomik ist häufig überraschend. Und am Ende war ich ein wenig traurig, dass der Film schon vorüber war. Eine echte Empfehlung, ein schöner Start ins Kino-Jahr 2012!

28 Januar 2012

Rücktritt vom Amt

Normalerweise finde ich Politiker ziemlich blöde. (Härtere Ausdrücke lasse ich sicherheitshalber weg, man weiß ja nie, wer so einen Blog-Text liest ...)

Die meisten Politiker interessieren sich offensichtlich nur für ihre eigenen Interessen oder für die Interessen der Mächtigen, von denen sie gesteuert und geschmiert werden. Mich ekelt der Großteil der Bande an, wenn ich die entsprechenden Fressen im Fernsehen sehe oder ihre Aussagen in der Zeitung oder im Internet lese.

Doch jetzt hat mich mal eine Politikerin positiv überrascht. Eine, die ziemlich genau halb so alt ist wie ich. Ich meine Marina Weisband von der Piratenpartei.

Diese Partei ist mir wegen ihres Verhältnisses zum Urheberrecht herzlich unsympathisch, und über die politischen Ansichten der Dame weiß ich wenig. Ich sah sie einmal in einer Talkshow, wo sie wenig sagte, aber das wenige klang vernünftig.

Jetzt ist sie zurückgetreten. Sie bleibt Mitglied in der Partei, schreibt aber erst einmal ihre Diplomarbeit fertig. Damit reklamiert sie das Recht auf ein normales Leben.

Angesichts einer Parteienlandschaft, wo überall die aalglatten Karrieristen den Ton anzugeben scheinen, ist das mal eine richtig positive Aussage. Respekt!

27 Januar 2012

Meine Nase für die Schule

Die Vorstellung, dass sich eines Tages vielleicht Schüler im Unterricht mit Zeugs beschäftigen müssen, was ich mir ausgedacht habe, hat mich schon immer erheitert. Dieser Tage hat sie neue Nahrung erhalten. Im Schroedel-Verlag, der vor allem durch seine Schulbücher bekannt geworden ist, erschien ein Sachbuch zur Science Fiction.

Unter anderem gibt es Auszüge aus einem Interview, das die Zeitschrift »Mauerschau« vor einigen Jahren mit mir geführt hat. »Über die Grenzen einer Heftserie« ist der Text übertitelt, und in den Textauszügen geht es um meine Aussagen zur Wirtschaftspolitik einer fernen Zukunft.

Seien wir fair: Ansonsten hat das Buch wenig mit unterhaltender Science Fiction zu tun, sondern bringt vor allem Beispiele dafür, wie verkopft und mit wie wenig Spaß man Schüler mit dieser Literatur konfrontieren kann. Immerhin hat man Andreas Eschbach aufgenommen, ansonsten gibt es die üblichen Verdächtigten von H.G. Wells bis Stanislaw Lem.

Vor allem die sogenannten Arbeitsanregungen, die zu den einzelnen Texten gestellt werden, sind dazu angetan, einem Schüler wirklch jeden Spaß auszutreiben. Damit soll eine »Literatur zwischen Spannung, Fantastik und Zukunftsvision« vermittelt werden.

Da hatte ich es in meiner Schulzeit einfacher: Science Fiction war Literatur für Deppen und Eskapisten. Wer das las, machte es bewusst. Heute wird auch Science Fiction in den Kanon der Literaturvermittlung gepresst – kein Wunder, dass immer weniger Leute mit Spaß lesen wollen.

26 Januar 2012

Fantasy für Frauen und ich


Da ab diesem Monat die Abonnements möglich sind und die ersten Bücher offiziell ausgeliefert werden, kann ich auch einige Zeilen hier drüber schreiben: Die »Schattenlord«-Serie geht jetzt los. Dabei handelt es sich um eine neue Fantasy-Serie, für die ich als Redakteur mitverantwortlich bin. Chefautorin ist Uschi Zietsch-Jambor alias Susan Schwartz, die ich seit einem Vierteljahrhundert etwa kenne und mit der ich seit gut zwanzig Jahren zusammenarbeite.

Die »Schattenlord«-Serie ist die direkte Fortsetzung der »Elfenzeit«. Es ist eine Fantasy-Serie, die sich auch in punkto Cover-Gestaltung vor allem an Leserinnen richtet - Männer dürften da aber ebenso ihren Lesespaß dran haben. Es gibt auf jeden Fall genug Mord und Gemeinheiten, dass alle Geschlechter auf ihre Kosten kommen, ebenso gibt es Romantik und Witziges.

Immerhin haben wir zwanzig »Elfenzeit«-Bücher publiziert, und die »Schattenlord«-Geschichte sollte auch erfolgreich werden. Das Interessante daran ist, dass es die Hardcover-Bände nur im Abonnement gibt - entweder über die Homepage von BS Editionen oder über eine von uns eingerichtete Internet-Seite, die wiederum auf BS Editionen verweist.

Ich gestehe, dass ich auf diese Arbeit und ihre Erfolge recht stolz bin. Die »Elfenzeit«-Bücher habe ich selbst gern gelesen, und ich finde den Start von »Schattenlord« bisher sehr gut gelungen.

25 Januar 2012

Blick in das alte Impfbuch

Keine Ahnung, ob man heute noch als Baby ein Impfbuch erhält. Ich erhielt mein Impfbuch im Sommer 1964. Es war auf meine Adresse in Dietersweiler ausgestellt – damals noch eine selbständige Gemeinde –, und es enthält die ganz alte Hausnummer: Zu der Zeit wurden die Häuser im gesamten Dorf durchnumeriert; dass die Hausnummern nach Straßen vergeben wurden, kam erst einige Zeit später.

Am 29. Mai 1964 bekam ich meine erste Pocken-Impfung, und ich wurde in eine Impfliste eingetragen. In den folgenden Jahren kamen Impfungen gegen Diphterie und Tetanus hinzu, vor allem die Tetanus-Impfung war auf dem Land sicher sinnvoll.

Das Impfbuch endet 1977. Danach verwahrte es meine Mutter, ich selbst hatte keinen Zugriff darauf. Ich erinnere mich im Nachhinein weder an die Impfungen selbst noch an das Buch – all das ist komplett aus dem Gedächtnis gestrichen.

Interessant ist übrigens ein Blick auf das Schriftbild. Im Staatlichen Gesundheitsamt in Freudenstadt wurde noch 1975 die Sütterlinschrift benutzt – zumindest hatte der Arzt oder die Ärztin seine/ihre Probleme damit, die neue Handschrift zu nutzen ...

Mit Oliver Twist ins All

Eine Band, die sich The Oliver Twist nennt, kann schon mal nicht schlecht sein. Das dachte ich anfangs der Nuller-Jahre, als ich die zweite Platte der Band kaufte: Das Ding wurde Ende 2000 aufgenommen und erschien unter dem Titel »Automatic Construct Kill«; auf dem Cover sieht man die fünf Bandmitglieder als Comic-Figuren, die in Raumanzügen stecken. So was finde ich als Science-Fiction-Fan ja eh gut.

Dieser Tage hörte ich sie mir nach langen Jahren wieder mal an. Und ich fand sie richtig gut, finde sie immer noch richtig gut. Punkrock ist das, was auf der Platte zu hören ist, beim besten Willen nicht. Zumindest dann nicht, wenn man an Punkrock all die Definitionen anlegt, die in den letzten dreißig Jahren ausgebrütet wurden.

Wäre man großzügig und würde Devo oder Gang Of Four unter die Punk-Definition packen, ja, dann wären The Oliver Twist auch Punkrock. Was die fünf jungen Männer (mittlerweile dürften sie anfangs bis Mitte dreißig sein, aber damals ...) fabrizieren, ist ein teilweise sehr hippeliger, teilweise durchaus sperriger Sound. Die Gitarre ist oft kantig, die Melodien oft abgehackt, darüber ein Gesang, der ein wenig ins »Hohe« rüberrutscht.

Keine Ahnung, wie man so einen Stil nennen soll; Indie-Rock wäre für diese Band wohl eine Beleidigung. Aber eigentlich ist es eh egal: Die Platte ist irgendwie Science-Fiction-Musik für Leute, die keine Lust haben, die ganze Zeit Synthie-Gewaber zu hören ... Auf jeden Fall isses cool!

24 Januar 2012

Organbank aus Berlin

Eigentlich war »Organbank« eine der ganz frühen deutschsprachigen Punk-Bands. Aber ich glaube nicht, dass Carsten Scheibe daran dachte, als er 1986 ein Fanzine unter diesem Titel herausbrachte. Die Auflage war gering, laut Impressum zwischen 40 und 50 Exemplaren, und ich hatte heute nach vielen Jahren mal wieder die erste Ausgabe in der Hand.

Es ist ein typisches Egozine jener Zeit: ein wenig großspurig, ein wenig rotzig und voller Diskussionspunkte. Das Heft geht auf andere Fanzines an – darunter natürlich auch welche von mir –, macht Werbung für »Tales«, also das eigene Heft, und erzählt darüber, wie es bei der Studienberatung ist.

Ebenfalls gibt es allgemeines Geplauder über die aktuelle Lebenssituation oder den Besuch von Achim Mehnert – heute SF-Autor, damals SF-Fan – in Berlin. Alles in allem ein Fanzine, das ich nach über 25 Jahren wieder komplett gelesen habe.

Es ist ein Blick in eine andere Welt ... Wir sind seitdem alle ein wenig älter und »reifer« geworden. Aber ich habe das Fanzine gern gelesen, lieber als manches heutige Fanzine und vor allem lieber als manche hektisch geschriebenen Blog- und Facebook-Texte der heutigen Zeit.

Dorks saufen in Bayern

Punk muss nicht originell sein, Deutschpunk gleich zweimal nicht. Die Dorks sind vier recht junge Punks, die irgendwo aus dem tiefsten Oberbayern kommen und Deutschpunk machen. Anscheinend saufen die drei jungen Herren und die junge Dame auch gern mal, und daraus machen sie Lieder.

Warum das Label meint, diese Mischung, würde »die Szene einmal kräftig« aufmischen, ist mir nicht klar – solche Texte gibt's seit den 80er-Jahren. Gemeint ist laut Info diese »mittlerweile so biedere Punkrockszene«, in der jeder hinter den anderen einen Sexisten oder gar Grauzone vermutet. Das Label tut der Band mit solchen Formulierungen keinen Gefallen; man könnte sie automatisch in eine der beiden Schubladen stecken.

Muss man nicht. Die Dorks machen rüpeligen Deutschpunk, der klingt, als habe man ihn 1982 eingespielt. Das ist keine Filigranmusik, da rappelt und rotzt es sehr authentisch vor sich hin. Textlich geht es häufig um Saufen und Ficken, es geht gegen Zivilpolizisten und gegen spießige Urlauber – nichts neues, aber konsequent.

Die Platte »Servus, gruezi & K.O.« ist die zweite der jungen Band; die erste war noch selbstproduziert, die hier kam auf dem Label SN-Punx heraus. Die Dorks sind keine Band, die man kennen muss; wahrscheinlich bin ich dafür jetzt doch zu alt. (Aber hey ... in den frühen 80er-Jahren fand ich die Cotzbrocken ernsthaft gut. Und schlechter als die sind Dorks allemal nicht.) Für Kid-Punks garantiert eine coole Scheibe!

Was ich lustig finde und was die Science-Fiction-Leser meines Blogs interessieren könnte: An der CD beteiligt war ein gewisser Frans Stummer. Der Mann zeichnete in den 80er- und 90er-Jahren haufenweise Bilder für Science-Fiction- und Fantasy-Fanzines und rockte in den späten 80er-Jahren mit seiner Band Sound Of One Hand auch mal das Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt.

23 Januar 2012

Post von der Betrugs-Abteilung

Phishing-Mails werden auch immer alberner: Heute erhielt ich elektronische Post von einer »Visa und Mastercard Online-Betrug Abteilung« (alle Schreibfehler eins zu eins übernommen). Die Mail-Adresse enthielt ein »visa-mastercard«, so dass es der Spamfilter offensichtlich als »seriös« erkannte und durchließ.

Das Schreiben war klar und eindeutig: Meine Karte sei »vorübergehend eingeschränkt durch unsere Betrug Prüfsystem«. Und noch klarer: »Zum Schutz gegen betrügerische Verwendung Ihrer Kreditkarte wir Ihre Karte beschränkt haben. Um Begrenzung zu entfernen und sicher Ihre Kreditkarte laden Sie sich bitte und füllen Sie das beigefügte Formular aus.«

Großartig: Es gab einen Zugang zu einer Internet-Seite, den ich natürlich nicht angeklickt habe. Und ich frage mich in einem solchen Fall nur, welcher Trottel eigentlich auf solche offensichtlichen Fälschungen hereinfällt.

22 Januar 2012

Die Sign-Offs aus Cleveland

Fünf Jungspunde – der Sänger war gerade mal 18 – aus Cleveland in Ohio knallten anfangs der Nullerjahre ihre erste Platte raus: Die Band nannte sich The Sign Offs, und genauso nannte sie ihre Platte. Veröffentlicht wurde das Ding von Disaster Records, und es rockt und knallt ohne Ende durch.

Die Burschen sind und waren stark beeinflusst von den 90er-Jahre-Bands aus Amerika – die wiederum bezogen sich ja auch auf die späten 70er-Jahre. Aber man hört manchmal die Forgotten oder die US-Bombs raus: dynamischer Sound mit viel Schmackes, immer wieder gelungene Melodien und ein rauher Gesang auf einer Linie.

Textlich geht es weniger um vordergründige Polit-Aussagen als um sarkastische Aussagen übers normale Leben von ganz normalen Jungmännern in den Staaten. Starke Platte, die man auch fünfmal hintereinander anhören kann, ohne dass sie eine Sekunde langweilt.

20 Januar 2012

Schlag im Sommer 1980

Es war im Frühsommer 1980; ich war mein erstes und letztes Jahr im neuen Schulzentrum in der Nordstadt, und es gab irgendein Schulfest. Zu vorgerückter Stunde, nachdem ich schon ein wenig Bier getrunken hatte und mir überlegte, bald heimzufahren, stand ich ein wenig ungünstig im Weg herum.

Ein Junge, etwa so alt wie ich, aber deutlich größer, kam in meine Nähe. »Hast du eine Zigarette für mich, du Assi?«, oder so ähnlich sprach er mich an. Er war eher in der Art eines »Normalos« gekleidet, während ich eher zersaust aussah.

Ich verstand nicht sofort, was er meinte, stammelte dann ein »ähm, nein«. Und bevor ich weiter nachdenken konnte, zog er ab: Die Faust traf mich frontal auf den Kiefer, und ich fiel nach hinten um.

Reichlich blöd blieb ich liegen und starrte verdattert zu dem Jungen hoch. Er stand über mir, die Hände geballt, sagte noch etwas, das ich nicht verstehen konnte, und ging weiter.

»Das war der XXX«, sagte mir einer meiner Kumpels, den ich auch in der Kurzgeschichte »In jenem Herbst« verewigt habe. »Der XXX ist der Sohn von dem Unternehmer YYY, und der ist voll bekannt.«

Heute morgen fuhr ich über die Landstraße, und ich sah das Zeichen des Unternehmens YYY auf einem Lieferwagen. Sogar die Adresse stimmte noch. Das Ereignis von damals ist über dreißig Jahre her, aber ich hatte die Bilder wieder in meinem Kopf, ziemlich gut sogar.

Ich überholte den Lieferwagen; am Steuer saß ein Mann, der etwa so alt war wie ich. Ob's der Schläger von damals war oder einer seiner Angestellten, das erfuhr ich selbstverständlich nicht. Aber eine seltsame »Begegnung« war's allemal.

Ungewöhnlicher Stil-Hybrid

Wenn sich ein Label schon mal als »Burg Herzberg« bezeichnet, liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei der Musik um Hippie-Klänge handeln könnte. Schaue ich mir dann noch die Bilder an, die man im Booklet der CD »The Goddess Rules« von Lava 303 findet, liegt die Assoziation zu Hippies noch näher: Eine Frau posiert in unterschiedlichen Outfits, meist mit schrägen Klamotten, häufig mit Gitarre.

Die Frau heißt laut Info Conni Maly, und sie scheint auf dieser CD alles selbst gemacht zu haben: alle Stücke geschrieben, so ziemlich alle Instrumente eingespielt, dazu gesungen und produziert. Respektable Leistung. Dass dabei eine ungewöhnliche Mixtur rausgekommen ist, mit der ich nicht unbedingt etwas anfangen kann, passt ins Bild.

Mal blubbert es elektronisch, dann wieder knallt eine Hardrock-Gitarre dazwischen; meist schwanken die Stücke zwischen flott und schräg, melodisch sind sie allemal. Im weitesten Sinne ist es IndieRock, wenn man unbedingt eine Schublade aufmachen will.

Textlich schwebt die Musikerin ebenfalls ein wenig zwischen den Welten. Mal sind die Texte politisch-naiv (gegen Manager ...), dann wieder sind sie albern, als hätten wir 1981, und die Neue Deutsche Welle würde gerade ins Radio schwappen.

Alles in allem eine ungewöhnliche Mischung: einige Stücke echt gelungen, einige zum Davonlaufen. Fan von Lava 303 werde ich sicher nicht werden, positiv schräg ist das ganze aber!

19 Januar 2012

Die erste Zeitschrift für Phantasten

Wenn es eine Zeitschrift gibt, die ich gerne einmal in den Händen halten würde, ist es »Der Orchideengarten«. In den Jahren 1919 bis 1921, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, war sie das erste Blatt überhaupt, in dem die phantastische Literatur sowie die dazu gehörenden Grafiken veröffentlicht wurden. Das Heft ist eine Legende, über die ich immer wieder gelesen habe, ohne je ein Exemplar wirklich gesehen zu haben.

Im kleinen Verlag Lindenstruth erschien jetzt eine kommentierte Bibliografie dieser Zeitschrift, die Robert N. Bloch – einer der absoluten Fachleute für phantastische Literatur – herausgegeben hat. Auf insgesamt 52 Seiten, die in Form einer gehefteten Broschüre vorliegen, werden alle Texte und Bilder aufgelistet und erläutert.

Was ich wirklich interessant finde, ist die Tatsache, dass die einzelnen Texte kurz beschrieben werden. So kann ich als Leser heutzutage nachvollziehen, welche Ideen die Autoren jener Tage hatte, welche Themen sie interessant fanden und dass es offensichtlich in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg eine Sehnsucht nach Todesphantasien gab.

Das Heft enthält zahlreiche Abbildungen. Darunter sind sogar Farbtafeln, welche die schönsten Titelbilder zeigen. Sie geben einen schönen Einblick in die Optik einer längst in der Vergangenheit versunkenen Zeit.

Ich finde dieses Heft über eine klassische Zeitschrift sehr anschaulich und werde sicher nicht nur einmal darin blättern. Mit zwölf Euro ist es nicht gerade preiswert, dafür handelt es sich aber um ein Standardwerk, das bei Freunden der phantastischen Literatur ins Bücherregal gehört.

18 Januar 2012

Zwei Pop-Singles

Eigentlich ist das Format einer CD-Single – also ein Stück auf einer CD – ein Stück weit Verschwendung. Fürs Radio sind solche Singles allerdings geeignet, und zuletzt hörte ich zwei sehr unterschiedliche Singles.

Bereits im Juni 2011 kam »Trial & Error« von der Wiener Band Jellybeat, die ich bereits vor gut einem Jahr sehr euphorisch besprochen habe. Auch diese Single ist sehr gelungen: melodischer Pop mit einer schönen Elektro-Kante, schwingend und swingend und mit einer tollen Frauenstimme – das ist ein Stück, das gut ins Ohr geht und das mir super gefällt. Wird Zeit, dass ich die Band mal live sehe!

Deutlich ruhiger ist »Moon Over Berlin« des schweizerischen Trios Featherlike: Das ist mir fast zu pompös arrangiert und zusammengebaut, erinnert zeitweise an den New-Romantic-Sound vom Anfang der 80er-Jahre, hat aber immer noch genug an eigener Note. Der Schwulst passt irgendwann tatsächlich, und die Melodie ist auch gelungen. Und vielleicht ist das eine Annäherung an Berlin, die aufs Jahr 2011 ebenso passt wie ruppiger Punk in den 80er-Jahren.

17 Januar 2012

Stieg und die Filme

Die drei Romane der sogenannten Millennium-Trilogie wurden mir nach ihrem Erscheinen von mehreren Leuten ans Herz gelegt. »Das musst du unbedingt lesen«, war der übereinstimmende Tenor – aber irgendwie ließ ich es dann doch sein. Mich reizten die drei dicken Bücher erstaunlicherweise nicht, vielleicht gerade deshalb, weil sie mir so empfohlen wurden.

Auch die Kino-Filme verpasste ich. Bei ihnen geschah dasselbe: Praktisch jeder, der sie im Kino ansah, fand sie gut und empfahl sie mir. Aber nachdem ich den ersten Film im Kino verpasst hatte, brauchte ich die nächsten zwei nicht anzugucken.

Derzeit sind die Medien voll mit Berichten über die Neuverfilmung. Echte Fans schimpfen, weil das schnöde Hollywood wieder mal alles plattmacht; ich fand das, was ich gesehen habe, interessant genug, um einen Kinobesuch nicht auszuschließen. So etwas hängt ja immer von der freien Zeit ab.

Dankenswerterweise gibt es eine Fernsehfassung der Stieg-Larsson-Filme, die an drei Montagen gezeigt wurde. Soweit ich weiß, ist diese Version immer ein wenig gekürzt, was vor allem für einige der derben Action- und Vergewaltigungs-Szenen gelten dürfte.

Ich fand die drei Filme ziemlich klasse: spannend gemacht, gute Schauspieler, schnelle Handlung. Im Stieg-Larsson-Fieber bin ich immer noch nicht – aber ich kann jetzt endlich nachvollziehen, warum so viele Leute die Millennium-Trilogie mochten und immer noch mögen.

Vielleicht sollte ich sie mir jetzt doch mal besorgen ... und sei es nur als Anschauungsmaterial für das eigene Schreiben.

16 Januar 2012

Gelungenes Handbuch für Autoren

Ich schätze Titus Müller seit Jahren als sehr sympathischen Menschen, als unterhaltsam schreibenden Autor und als guten Referenten – ein Sachbuch habe ich in allerdings bisher nicht von ihm gelesen. Umso interessanter fand ich wohl deshalb die Lektüre des Buches »Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben«.

Das kleinformatige Buch erschien im Verlag der Text-Manufaktur, und enthält auf 144 Seiten (von denen allerdings rund 40 Seiten nur als weiße Notizblätter zu benutzen sind) allerlei Einblicke des Schriftstellers in seine Arbeit sowie Anmerkungen zum Schreiben an sich. Es ist kein schulmeisterliches Buch, keines von denen, die man als angehender Schriftsteller unbedingt gelesen haben sollte, aber eines, das vielleicht mehr über das Thema verrät als der x-te konventionelle Ratgeber.

Titus Müller doziert nicht, er erzählt. Zwar vermittelt er, wie er in seinen Romanen dafür sorgt, dass die Szenen spannend sind, oder er zeigt, wie wichtig ihm das Überarbeiten ist – aber er stellt sich nicht hin und gibt seine Aussagen als allgemeingültige Wahrheit aus. Das macht die Lektüre des Buches sowohl leicht als auch informativ.

Schön finde ich, dass der Autor auch bekannte Kollegen interviewt: Andreas Eschbach, Rebecca Gablé und Kai Meyer haben es in ihren Genres zu großer Bekanntheit gebracht, und sie geben einen anderen Blick auf ihre Schreibarbeit. Lesenwert!

Das Sachbuch ist eine empfehlenswerte Lektüre – nicht nur für Schreibanfänger, sondern auch für solche Autoren, die schon länger an Texten arbeiten. Mithilfe der ISBN 978-3-942247-00-9 gibt's das Buch im Handel, es kostet 14,90 Euro.

15 Januar 2012

Nachts in der Pfalz

Die Teamtagung war vorüber, zumindest der wichtigste Tag; während die Kollegen bereits ins Bett gegangen waren, folgte ich meinem Bewegungsdrang. Ich spazierte durch St. Martin, das Dorf in der südlichen Pfalz, in dem wir uns für diese eine Nacht einquartiert hatten.

Außer mir war niemand unterwegs, meine Schritte hallten von den schönen Fachwerkhäusern entgegen. Ich bummelte durch die beleuchteten Straßen, kam irgendwann an den Rand des Dorfes und ging einige Dutzend Meter einen Weg entlang, der in die Weinberge führte.

Dort blieb ich stehen und schaute auf das Dorf hinunter. Im Hintergrund leuchtete das Hambacher Schloss, unter mir glommen einige Lichter, am Himmel sah ich die Sterne in einer Klarheit, die ich in Karlsruhe gelegentlich vermisste. Dann ging ich weiter. Allein wie bisher.

Später traf ich ein Paar, beide um die dreißig. Der Mann und die Frau führten ihren Hund aus; sie blieben abwartend stehen, als ich näher kam, und gingen dann rasch in eine Seitenstraße, als ob sie mir ausweichen wollten.

Erst am nächsten Tag wurde mir klar, was ich eigentlich veranstaltet: Ich ging allein durch ein stilles, dunkles Dorf, mitten auf der Straße und mit schwarzen Klamotten am Leib, eine dunkle Mütze auf dem Kopf und die Hände wegen der Kälte in die Jackentasche gestopft. Wahrscheinlich hatte ich auf die Leute gewirkt, als sei ich ein Triebtäter oder sonst ein Verbrecher, der gerade aus einem Horror-Film entsprungen war ...

14 Januar 2012

The Jam mit Sound Affects

Auch wenn The Jam eigentlich nie eine »echte« Punk-Band waren, gehören sie in den Zusammenhang. Vor allem die ersten Stücke der Band knallten ordentlich – danach wurden die Briten aber schnell sanfter und poppiger. Ich habe in London ihre Platte »Sound Affects« gekauft, die ich bislang gar nicht kannte, und die finde ich richtig klasse.

Es war die fünfte Platte der Band, und die elf Stücke darauf sind tatsächlich Brit-Pop, der allerdings nicht so viel mit dem zu tun hat, was man in den 90er-Jahren unter diesem Label verkaufte. Das bekannteste Stück von der Platte ist »That's Entertainment«, die wunderbare Beschreibung von Lebenswirklichkeiten, eine Ansammlung szenischer Kurzgeschreibungen über das Aufwachen am frühen Morgen, das Zerschmeißen von Glas in der Nacht und das Küssen von Liebenden.

Aber auch die anderen Stücke sind einfach wunderbare Pop-Musik, wie sie vielleicht nur in dieser von Punk beeinflussten Zeit gelingen konnte: ungestüm und eben nicht in der schmierigen Soße verkommen, zu der Pop anfangs der 80er-Jahre unweigerlich wurde.

Die Platte war 1980 sehr kommerziell, allerdings nur in England. Hierzulande ging sie unter, und die meisten Leute im deutschen Sprachraum kennen die Band sowieso nicht. Die sorgsam instrumentierten Stücke, der immer lockere Gesang, die schlauen Texte und das alles haben einen kommerziellen Erfolg nicht verhindert – was wieder mal beweist, dass das eine mit dem anderen nicht unbedingt etwas zu tun hat.

»Sound Affects« ist super, und die Platte werde ich sicher noch einige Male hören. Mit Punkrock hat sie nichts mehr zu tun. Aber damit kann ich wohl leben ...

13 Januar 2012

Strategische Aufgaben und so

In meiner Funktion als Redakteur werde ich öfter zu Seminaren »eingeladen«. Nicht als Referent, sondern als zahlender Kunde; man geht davon aus, dass mein Arbeitgeber das schon alles bezahlen wird. Und so erhielt ich dieser Tage ein schönes Prospekt zu einer Fachtagung zum Thema »Community Management & PR«.

Das Ding soll im Februar in Berlin stattfinden und kostet knapp unter tausend Euro. Mit der Anfahrt und dem Hotel müsste mein Arbeitgeber rund 1500 Euro für alles blechen, wenn ich teilnehmen würde. Da mich solche Bildungsangebote stets interessieren, schaute ich mir alles gründlich an.

Die Tagung sollte Kommunikationsverantwortliche ansprechen. »Best Cases, Diskussionen und Interviews bieten Einblick in den state of the art«, so hieß es. Beeindruckt schaute ich mir das Vorwort weiter an.

Und anderem gehören »Speednetworking« und ein »Conference Pitch« zum Angebot. Damit könne ich mein »persönliches Netzwerk unkompliziert und on the job« erweitern. Und das »abendliche Get-Together mit Sascha Lobos Key Speech« wurde ebenfalls gelobt.

Ich gestehe, dass mich die Neugierde dazu trieb, das ganze Heft durchzublättern. Aber die Aussicht, mit Sascha Lobo – das ist der Unsympath mit Schnauzer und rotem Iro, der ständig in der Glotze zusehen ist – ein »Get-Together« zu erleben, schreckte mich ebenso ab wie das schreckliche Denglisch der Ankündigung.

So werde ich wohl auf die angepriesenen »Herausforderungen und Chancen« dieser »Social Media-Tagung« (nur echt mit fehlendem Bindestrich!) verzichten müssen und meinen »Social Media«-Kram (hier richtig mit fehlendem Bindestrich) weiterhin »auf gut Glück« versuchen ...

12 Januar 2012

Alfonz kommt 2012


Nachdem bereits im Sommer 2011 mit dem »Comic Report« eine neue Publikation für die deutschsprachige Comic-Gemeinde erschienen ist, kommt jetzt aus dem gleichen Haus ein neues Fachmagazin. Der Titel: »Alfonz«. Der Untertitel: »Der Comicreporter«.

Die erste von zwei Nullnummern gibt's zum kostenlosen Download auf der entsprechenden Internet-Seite, und ich lud mir das Ding natürlich gleich herunter. Verantwortlich für das neue Heft sind nämlich zwei Leute, die ich seit Jahrzehnten kenne. Volker Hamann publiziert mit der »Reddition« seit langer Zeit ein anspruchsvolles Comic-Magazin, und Matthias Hofmann ist seit den 80er-Jahren in der Science-Fiction-Szene aktiv, machte in den 90er-Jahren einen eigenen Comic-Vertrieb und ist seit einiger Zeit »wieder da«.

Die Ausgabe 0a hat mir schon mal gut gefallen. Berichte zu Comics, kurze Interviews, dazu Besprechungen – das liest sich alles kompetent und gut, und das macht auf jeden Fall neugierig. Ob »der Markt« ein zusätzliches Comic-Magazin abnimmt, muss sich zeigen; der Anfang ist schon mal gelegt und macht zumindest mich neugierig.

11 Januar 2012

Am Rand von Punk

Mit seinen musikalischen Projekten vollzog Karl Nagel in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre den Wechsel von Punk zu Hardcore nach: zuerst die Alten Kameraden und Preußens Gloria, dann Morbid Outburst und zuletzt Militant Mothers. Jede dieser Bands war auf ihre Art gut, am besten gefiel mir Morbid Outburst – und die Militant Mothers waren am Rand dessen angesiedelt, was man als »normal« im Punk- und Hardcore-Sinn ansehen könnte.

Das belegt sehr schön die Langspielplatte »Dream Trash Live«, die ich dieser Tage mal wieder anhörte. Sie kam 1991 raus, wurde live in der »Glocksee« in Hannover aufgenommen und enthält unter anderem intensive Live-Versionen von »The Acid Of Life«, dem Titelstück dieser gleichnamigen Platte.

Karl Nagels mal hektischer, mal abgedrehter Gesang trägt die Aufnahmen; dazu kommen eine verzerrte Gitarre, ein häufig verschleppter Schlagzeug-Rhythmus und generell Melodien, die im Punk eher untypisch sind. Anfangs der 90er-Jahre war der sogenannte JazzCore nicht gerade eine Welle, aber es gab eine Reihe von Bands, die sich an den Grenzen von Punk und Hardcore aufhielten – die Militant Mothers gehörten dazu.

Live war die Band ein Kracher, da gibt es nichts. Auf Platte ist es durchaus anstrengend, aber beim zweiten und dritten Anhören entdecke ich wieder, wie ungewöhnlich und irgendwann mitreißend sie ist. Weit entfernt vom Uffta-Uffta-Punk, aber eben noch lange kein »Alternative-Rock« oder anderer 90er-Jahre-Schmodder.

Von der Attitude her ist das immer noch Punk, aber eben kein »normaler«. Im Rückblick eine gute Platte – sie gibt die Energie der Band gut wieder.

Übrigens wurde die »Dream Trash Live« richtig toll gestaltet: Meine Version steckt in einer Hülle aus dünnem Blech, die besprüht wurde und deren Farbe bei unsachgemäßer Behandlung abbröckelt. Für echte Plattensammler ist das eine Herausforderung – aber die hören die Musik eh nicht an, sondern lassen das ganze als Kunstwerk im Schrank stehen.

10 Januar 2012

Softdrinks mit Blick aufs Meer

Rückblick auf den Zypern-Trip im Herbst 2010

In der Touristengemeinde Ayia Napa war an diesem Tag nicht viel los. Zwar schien die Sonne, doch es ging bereits ein frischer Wind; wer konnte, ging in der Sonne und suchte nicht – wie im Sommer sicher üblich – die Schatten der Vordächer. Nach einem langen Spaziergang, den wir entlang der Strandpromenade und durch die kleinen Straßen unternommen hatten, wollten wir auf jeden Fall ein wenig ausruhen.

Wir steuerten das »Aragma Café« an; zumindest nannte sich das Lokal so. Es war eine Art überdachte Veranda, deren Obergeschoss in dieser Nachsaison bereits nicht mehr zugänglich war. Das Holz knarrte unter unseren Füßen, und von unserem Platz aus hatten wir einen schönen Blick auf den Hafen, hinaus aufs Meer und auf die menschenleere Straße, die in Richtung Hauptstraße führte.

Der Kaffee selbst war stark und machte wach, das Schweppes war eiskalt und löschte den Durst. Viel zu reden und zu tun gab es nicht. Wir saßen da, hörten der Dudelmusik zu, die hinter einem Verschlag hervordrang, schauten auf das Meer und ließen die Gedanken treiben.

So muss Urlaub sein, dachte ich in diesen Momenten garantiert. Ich brauchte nicht einmal ein Buch, um mich abzulenken und mich auf andere Gedanken zu bringen. Die Luft, das Meer und der strahlend blaue Himmel genügten, um mich abdriften zu lassen.

09 Januar 2012

Warum ich nie Punk wurde

1978 gab es bei uns in der Kleinstadt einen Plattenladen, der besser war als die üblichen seriösen Musikgeschäfte; da trieben sich unter anderem die älteren Jungs aus unserer Schule herum. Gelegentlich ließ ich mich dort blicken, vor allem deshalb, weil der Plattenladen keine fünfzig Meter vom Jugendzentrum entfernt war.

Eines Tages hatten mich die Ramones, die ich bislang vor allem aus dem Deutschlandfunk, dem Radio Beromünster und aus der »Bravo« kannte, ausreichend angefixt, und ich ging in den Plattenladen. Ganz neu war zu diesem Zeitpunkt nämlich die Platte »Rocket To Russia« auf dem Markt, die ich aus der »Bravo« kannte.

Der Plattenladen führte diese Langspielplatte nicht. Die herumlungendern Jungs, die teilweise schon 17 oder 18 Jahre alt waren, veräppelten mich, weil ich so »doofe Krachmusik« hören wollte. Und da ich auf jeden Fall eine Platte kaufen wollte, hörte ich mir fleißig andere Musik an.

Das End' vom Lied war, dass ich mit der »Never Say Die« von Black Sabbath abzog. Diese Platte war in jenem Sommer absolut brandneu, und wer zu den »harten Jungs« gehören wollte, musste diese Art von Hardrock hören.

So wurde nix aus meiner Karriere als erster Punkrocker in Freudenstadt. Zum »harten Jungen« wurde ich ebensowenig, obwohl ich mir im Laufe der Zeit noch einige Black Sabbath-Platten besorgte. Die habe ich seit dem letzten Umzug nicht mehr in die Hand genommen, während ich die Ramones immer noch anhören kann ...

08 Januar 2012

Regen in Rüdesheim

Zwischen den Feiertagen brachen wir zu einer ungewöhnlichen Expedition auf: Wir fuhren ins Rheingau, das ist die Gegend am Rhein, die zwischen Wiesbaden und der Loreley liegt – zumindest habe ich das jetzt so kapiert. Weltmarken wie »Asbach Uralt« kommen von dort, was mir vorher nicht bekannt war.

Wir steuerten unter anderem Rüdesheim an, was ich bislang nur vom Hörensagen kannte. Die Drosselgasse ist im Sommer das Hauptverkehrszentrum des kleinen Städtchens, in dem sich die Touristen nur so drängeln. Entsprechende Fotos betrachtete ich staunend.

Denn als wir da waren, fühlten wir uns zeitweise recht einsam. Das lag sicher am Wetter. Ein strammer Wind blies Regen über den Rhein, der in die Gassen und Straßen der Stadt prasselte, feucht und fies und ziemlich kühl.

Tagsüber waren wir nicht völlig allein. Es gab Menschen auf der Straße, die – der Sprache nach zu urteilen – in Rüdesheim wohnten und arbeiteten. Und es waren einige wenige Touristen unterwegs, die Andenkenläden und Restaurants besuchten und durchstöberten.

Abends herrschte fast Totenstille. Unsere Schritte klapperten die menschenleere Drosselgasse hinauf und hinunter, kein Restaurant hatte offen, und selbstverständlich waren die Andenkenläden bereits geschlossen.

Wir landeten in einem sehr bürgerlichen Restaurant, das an diesem Abend vor allem von Einheimischen – sowie einer japanisch wirkenden Familie – frequentiert wurde. Dort gab es leicht sauren Wein aus der Region sowie ein sehr vernünftiges Abendessen. Aber das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte ...

07 Januar 2012

Wenn Pinocchio flüchtet

Meine Autofahrer-CD in den letzten Wochen war übrigens häufig eine Band namens Pinocchio auf der Flucht. Das ist ein sehr normal aussehendes Trio aus der Gegend um Regensburg, wenn ich es richtig verstanden habe, und ich habe ihre CD »Wo dein Herz schlägt« fürs OX durchaus zwiespältig besprochen: kein Verriss, aber auch kein Jubeln.

Mittlerweile finde ich das fies und nicht mehr zutreffend. Mein alter Spruch, man könnte Plattenbesprechungen erst nach einem Jahr verfassen, ist nicht ganz falsch. Die CD geht mir immer besser ins Ohr, der treibende Punkrock mit deutschen Texten gefällt mir immer besser.

Vergleiche sind schwer, irgendwelche Bands möchte ich als Anhaltspunkt nicht aus der Schublade ziehen. Das ist meinetwegen Emo, aber dann bitte ohne Gejammer, und geht auch nach einigem Anhören gut ins Ohr. Mit ihrer dritten CD hat's die Band auf jeden Fall geschafft: Die Jungs vergesse ich so schnell nicht.

Rotziges Punkrock-Trio aus Berlin

Wer Stücke schreibt, auf denen Textzeilen wie »My Baby Is An Anarchist« vorkommen, kann kein schlechter Mensch sein. Ich höre seit Tagen immer wieder die EP »We Vibrate!« des aus Berlin stammenden Trios Erotic Devices.

Das sind zwei junge Männer und eine junge Frau aus Berlin, die laut Info erst seit 2010 ihren 77er-Punk spielen. Das ganze machen sie aber so frisch und rotzig, dass man meinen könnte, es handle sich um etwas ganz neues, nicht um ein Genre, das schon soooo einen Buckel hat.

Die vier Stücke sind flott und melodisch, sie sind auf den Punkt gebracht und haben eine knackige Melodie; die englischsprachigen Texte passen wie die Faust aufs Auge. Schade, dass die Band bei ihrer Tour zwar mutmaßlich an Karlsruhe vorbeigefahren ist (bei der Rückfahrt aus der Schweiz nach Berlin), dort aber nicht angehalten hat. Dieses gepfefferte Punkrock-Gebräu würde ich mir gern live anschauen!

Erschienen ist die EP bei Incognito Records. Die Gestaltung orientiert sich mit dem Comic-Cover prompt auch an der Frühzeit des Punkrock – passt alles!

06 Januar 2012

Die Iden des März

Schon der Titel ist ganz schön schlaumeierisch: »The Ides Of March« ... da muss man zumindest eine Sekunde lang das Hirn anstrengen, um zu erkennen, um was es sich handeln könnte. Guckt man sich aber den Film mit George Clooney an, was ich am Donnerstag, 5. Januar 2012, getan habe, wird recht schnell klar: Das ist ein richtig toller Film, politisch und spannend und auf hohem Niveau faszinierend.

Clooney, der in dem Streifen eine der Hauptpersonen spielt und zugleich die Regie führt, lässt dem jungen Schauspieler Ryan Gosling in gewisser Weise den Vortritt: Gosling ist der Held des Streifens, ein kluger Wahlkampfstratete, der dem von Clooney gespielten Gouverneur zum Sieg bei den Vorwahlen und zum Einzug ins Weiße Haus verhelfen soll.

Ich will jetzt nicht den Inhalt des Films zusammenfassen – das lässt sich leicht googeln -, sondern ihn schlicht loben: Selten hat man Politik in so schönen Bildern so schmutzig dargestellt gesehen.

Ganz nebenbei bekommt man als Zuschauer auch noch vermittelt, wie die Vorwahlkämpfe in den USA ablaufen. Staatsbürgerkunde gewissermaßen ... und das auch noch spannend und sehr unterhaltsam. Den Film kann ich nur empfehlen!

05 Januar 2012

Eine Träne für den Keller

Man kann nicht behaupten, dass ich ein großer Fan des »Substage« in Karlsruhe war. Der Musik-Club, der in einer alten Unterführung lag und deshalb zuvor den Namen »Subway« trug, sprach mich nicht immer mit seinem Programm an.

Wenn ich jetzt aber am alten Standort vorbeikomme, wird mir geradezu wehmütig ums Herz. In den letzten Wochen und Tagen verwandelte sich das Gelände in eine riesige Baustelle, um die der Verkehr fast täglich anders herumgelotst wurde. Zuletzt ragte nur noch der obere, blau angestrichene Mauer-Rest zur Treppe und zum Eingang aus den Trümmern hervor.

Das »Substage« muss dem Größenwahn weichen; gemeint ist die Untertunnelung der Innenstadt mit dem sogenannten U-Strab-Projekt. Karlsruhe bekommt eine U-Bahn, und dafür muss eben die Jugendkultur raus aus der City und in die Oststadt. Da stört sie nicht so ...

Es bleibt die Erinnerung an eine Reihe sehr gelungener Konzerte. Die Ärzte in heimeliger Club-Atmosphäre, die Terrorgruppe oder Across The Border, Steakknife oder Team Dresch, No Means No oder Hot Water Music – es waren richtig viele Bands, wenn ich es mir genau überlege. Und im Nachhinein werden die niedrige Decke, die hohen Bierpreise und andere kritisch zu sehende Elemente glatt noch verklärt.

Altes »Substage« - ich zerdrück' 'ne Träne für Dich!

04 Januar 2012

Ziemlich dunkle Stunde

Eigentlich wollten wir am Dienstag, 3. Januar 2012, endlich mal wieder ins Kino. Zur Auswahl standen der neue »Sherlock Holmes« oder der aktuelle Polit-Film von George Clooney. Was wir nicht bedachten: Es sind Ferien, und es war Kinotag.

Im gerammelt vollen »Filmpalast« entschieden wir uns spontan für »Darkest Hour«, einen Science-Fiction-Film. Immerhin begann ich das Jahr 2012 also mit einem echten Genre-Film, der zudem in Moskau spielt – und ich wurde zumindest gut unterhalten, vor allem dann, wenn ich den Kopf ausschaltete und die teilweise erbärmlichen Dialoge ignorierte.

Zwei junge Amerikaner, ein doofer Schwede (mit dem sie im Konflikt liegen) und zwei junge Amerikanerinnen werden in Moskau von einer Invasion bösartiger Aliens überrascht. Im Gegensatz zu Millionen anderen Menschen überleben sie den Angriff, weil sie sich in einem Keller verkriechen.

Nach einigen Tagen kommen sie ans Tageslicht, die Frauen erstaunlicherweise immer noch sauber geschminkt und mit Dauerwellen, und schlagen sich durch menschenleere Straßen zur amerikanischen Botschaft durch. Die Aliens, die sich nur in Gestalt von schillernden Energiewellen zeigen, sind nach wie vor eine tödliche Gefahr – doch unsere jungen Helden treffen auf tapfere Rrrrrussen, die längst den Kampf gegen die Invasion aufgenommen haben.

Das klingt jetzt nicht nur albern und klischeehaft, das ist es auch. Wer eine originelle Science-Fiction-Geschichte wollte, ist hier fehl am Platz. Ich erwartete das erst gar nicht und wurde mit ordentlicher Unterhaltung belohnt.

Wie die fünf jungen Leute sich durchschlagen, das ist spannend geschildert. Vor allem auch deshalb, weil eben nicht alle überleben.

Die Trick-Effekte sind gut eingesetzt, die Action geht dadurch rasant ab. Der Film ist als 3D-Streifen angelegt, und das ist hier durchaus sinnvoll: Wenn es kracht und scheppert und einem die Einzelteile quasi um die Ohren fliegen, fühlt man sich als Zuschauer »so richtig mittendrin«.

Seien wir fair: Der Film ist Action pur, er nimmt sich nicht komplett ernst, und er ist unterhaltsam. Viel mehr kann man offensichtlich nicht erwarten ...

03 Januar 2012

Zwischen Con und Zukunft

Ein kleines Interview mit mir findet sich in der aktuellen Ausgabe des Online-Fanzines »Corona«. Jennifer Michels stellte die Fragen, ich versuchte sinnvolle Antworten zu geben. Dabei ging es wieder einmal um meinen Job, nicht um mein schrecklich spannendes Dasein als Gelegenheitsautor oder Spätpubertierender.

Alles Gejammer dazu nutzt nichts - ich habe mich über das Interview trotzdem gefreut. Und wer es nachlesen mag, muss einfach auf die »Corona«-Seite geben. Die lohnt sich übrigens sowieso.

02 Januar 2012

Radiostart gelungen

Eigentlich hatte ich nichts vorbereitet, trotzdem wurde die Radiosendung am Sonntag, 1. Januar 2012, ganz ordentlich. Zumindest nach meinem Geschmack, denn die Mischung machte es wohl aus.

Ich fischte, weil ich kein Konzept für eine Sendung hatte, eine halbe Stunde lang in meinen CD-Kisten herum. Dann radelte ich ins Querfunk-Studio und konzentrierte mich während der Sendung vor allem auf Bands aus Deutschland, die in den 90er-Jahren aktiv waren.

So kamen unter anderem Wizo und die Terrorgruppe aus den Lautsprechern. Während die beiden Bands mit ihrem melodischen Punk gut zusammenpassten, war es bei Beat Down (Prügel-Hardcore) und Across The Border (Folk-Punk) aus dem Raum Karlsruhe nicht leicht, eine gemeinsame Linie zu finden.

Zur allgemeinen Verwirrung trug ich womöglich bei, in dem ich Bands wie Recharge aus Hannover (knüppelnder Hardcore-Punk) und Bullocks (quietschender Melodie-Punk) aus Düsseldorf brachte; dazu die Toten Hosen (okay, Stücke aus den 80er-Jahren) oder Steakknife (knalliger Punkrock) aus Saarbrücken und so.

Zumindest mir machte meine Radiosendung Spaß. Ob und wie es anderen Leuten beim Anhören gefiel, weiß ich nicht.

01 Januar 2012

Ballern bei Bismarck

Zum ersten Mal in all den Jahren feierte ich das Neue Jahr in Ettlingen; das ist eine kleine, sehr hübsche Stadt zwischen Karlsruhe und Rastatt, am Rand des Schwarzwaldes gelegen. Das Regenwetter hörte pünktlich auf, wir gingen hoch zum sogenannten Panoramaweg, passierten eine Bismarck-Statue und standen dann unterhalt des Bismarck-Turmes.

Von diesem Punkt aus hatten wir einen schönen Blick auf die Straßen von Ettlingen, auf die umliegenden Gemeinden und sogar auf den Rand von Karlsruhe. Als das Feuerwerk zum Jahreswechsel startete, gab das ein eindrucksvolles Bild: Hinter uns wurde vom Bismarck-Turm ins Tal geballert, aus den Kleingärten zu unseren Füßen wurde zurückgeschossen; wir hielten mit einigen Raketen eher zaghaft dagegen und beschränkten uns vor allem auf das Sekttrinken und Zugucken.

Alles in allem ein sehr gelungener Jahreswechsel. Nach dem katastrophalen Jahr 2011, das für mich außer Arbeit-Arbeit-Arbeit wenig bereitzuhalten hatte, kann es 2012 ja auch nur besser werden ...

31 Dezember 2011

Starker Abschied

Ein Jahr lang wirbelte Manfred Müller aus Köln durch die Redaktion des »Fandom Observer«; das hat dem Fanzine richtig gut getan. Mit der Nummer 270, die er im Dezember 2011 veröffentlichte, hat er seinen endgültigen Abschied erklärt. Wenn man bedenkt, dass er 1992 seine erste Ausgabe dieses Fanzines gestaltete, ist das in Ordnung.

Vor allem, wenn man bedenkt, welche interessante Ausgabe er zuletzt publiziert hat. Natürlich kann nicht jeder Beitrag gelungen sein, aber die Vielfalt überzeugt. Neben den üblichen Bestandteilen des Heftes – die vielen Rezensionen von Fanzines und Büchern sowie die Vorstellungen von Filmen – gibt es schließlich haufenweise Reportagen, Artikel und Interviews.

Man kann als kritischer Leser zwar darüber schmunzeln, dass die Dame, die den Autor Tommy Krappweis interviewte, so richtig gar keine Ahnung von Fantasy zu haben scheint, wird dafür aber mit einem gelungenen Interview mit der Autorin Gesa Schwartz belohnt. Es gibt Nachrufe auf H.G. Francis und Viktor Farkas sowie einen Bericht vom MuCon in München – und ruckzuck ist eine sehr gelungene Ausgabe gelesen.

Es ist sehr schade, dass Manfred Müller als Redakteur des »Fandom Observer« aufhört. Man kann es verstehen. Dummerweise hat er die Messlatte für seine Kollegen in den nächsten Monaten sehr hoch gelegt ...

23 Dezember 2011

Ich bin blau


Wenn es ein Bild gibt, das für das Jahr 2011 und die andauernde Anspannung in den letzten zwölf Monaten steht, dann ist es eines, das auf dem PERRY RHODAN-WeltCon aufgenommen wurde: Ich stehe auf der Bühne, das Scheinwerferlicht lässt mich blau erscheinen, und schaue sehr ernst ins Publikum.

Ein gleichermaßen schönes wie passendes Bild. Finde zumindest ich.

22 Dezember 2011

Allerlei Romane rezensiert

Seit dem PERRY RHODAN-WeltCon 2011 habe ich es tatsächlich geschafft, wieder einige Romane zu lesen und auch zu rezensieren. Diese Besprechungen erschienen auf der PERRY RHODAN-Homepage, und ich verweise gerne auf einige der aktuelleren.

So kam im Dezember unter dem Titel »Ein Blick in das französische Herz der Finsternis« die Besprechung eines Simenon-Romans. »Tropenkoller« fand ich stark, vielleicht weil er auch in Afrika spielt, aber ich bin mir sicher, dass ich hier keine Mehrheitsmeinung vertrete.

Als »SF-Krimi mit phantasievoller Prämisse« bezeichnete ich den Roman »Die Stadt und die Stadt« des britischen Schriftstellers China Miéville; den lernte ich übrigens mal bei einem WeltCon in Chicago ein wenig kennen, wenn ich mich düster erinnere. Sein Roman ist sehr phantasievoll und nicht unbedingt etwas für die Puristen.

Stark fand ich die dritte Ausgabe von »Omen«, die von Frank Festa herausgegeben und verlegt wurde. Das Phantastik-Journal kommt als schön aufgemachtes Paperback in den Handel - ich bezeichnete es als »Pflichtlektüre für Fans von Horror und Dunkler Phantastik«.

Ein komplett »Lesenswertes Sachbuch für Science-Fiction-Fans« ist ein Sachbuch, das den hübschen Titel »Abschied von Weltraumopern« trägt und Beiträge von Rainer Eisfeld aus dem vergangenen Vierteljahrhundert zusammenfasst. Wer sich für Hintergründe der Science Fiction interessiert, ist hier bestens beraten.

Hab' ich in meinem Blog eigentlich schon auf »Eine Jugend im ollen Westberlin« hingewiesen? Falls ja, ist das nicht schlimm - auf diesen Roman weise ich gerne zweimal hin. Falls nein, ist das unverzeihlich. Unter dem Titel »Bloß weg hier« veröffentlichte Frank Böhmert einen richtig gut zu lesenden Roman, dem ich viele Leser wünsche.

21 Dezember 2011

Tiefster Wald

Im Dezember 2011 besprach ich für den Fandom Observer den Roman »Die Alchemie der Unsterblichkeit« der Autorin Kerstin Pflieger. Die Besprechung fiel sehr kritisch aus; das liegt sicher daran, weil die Autorin sowohl meine aktuelle Heimat Karlsruhe als auch meine ehemalige Heimat, den Schwarzwald, in einem historisch-phantastischen Roman verwurstet hat.

Jetzt kündigt der Fantasy-Newsletter des Goldmann-Verlags das neue Werk der Autorin an. Ich zitiere: »... entführt Kerstin Pflieger ihre Leser erneut ins tiefste Schwarzwald des 18. Jahrhunderts«. Aha. Ganz ernsthaft: Da muss man doch nicht mehr wissen.

Schwarzenbacher Talsperre

Schaue ich mir Bilder aus der Vergangenheit meiner Eltern an, fällt es mir schwer, diese Bilder mit meinen Erinnerungen in Einklang zu bringen. Ein schönes Beispiel ist eine kleinformatige Fotografie, die laut handschriftlicher Notiz meiner Mutter den 3. Mai 1951 dokumentiert; das war ein Donnerstag.

Sie war damals 21 Jahre alt, hat lange Haare und trägt eine Jacke, die offensichtlich gegen schlechtes Wetter schützen soll; dazu einen langen Rock. Mein Vater, damals gerade 26 Jahre alt geworden und seit nicht einmal drei Jahren aus der Kriegsgefangenschaft zurück, fällt vor allem durch eine Mütze auf, die wie eine Baseballkappe aussieht, deren Schirm man nach hinten gedreht hat.

Laut Notiz war es ein Ausflug an die Schwarzenbacher Talsperre, einige Dutzend Kilometer von unserem Dorf entfernt und im Nordschwarzwald gelegen. Im Hintergrund sieht man die Sperranlagen; alles sieht eher grau und kühl aus. Die beiden, die dicht beieinander stehen, machen den Eindruck, als hätten sie mit dem kleinen Motorrad meines Vaters einen Ausflug unternommen.

Sie wirken glücklich: arme Leute, die sich einen gemeinsamen Ausflug leisten konnten. Fast auf den Tag genau heirateten sie drei Jahre später.

20 Dezember 2011

Frau Doktor mit der Abschiedsplatte

Die zehnköpfige Band Frau Doktor sah ich im Lauf der Jahre zwei-, dreimal und fand die Mischung aus Ska und ein wenig Punk und anderen Klängen stets sehr gut. Mit der CD »Grenzen der Gemütlichkeit«, die im September 2010 erschienen ist, liegt gewissermaßen das Abschiedswerk der Band aus Wiesbaden vor, die mehr als ein Dutzend Jahre durch die Lande tourte.

Wie es sich für das Label gehört, ist die CD schön gestaltet, und die 19 Stücke sind auch durchweg gelungen. Sie enthält 15 Stücke, die man von anderen Platten her kennt, ebenso aber einige neue.

Manche davon sind ein wenig sehr dudelig oder pendeln mir zu sehr in den Reggae hinüber. Dafür krachen einige andere um so mehr. Und nachdem ich mir die ruhigeren Stücke mehrfach angehört hatte, gefielen mir diese ebenfalls.

Schade, dass sich die Band aufgelöst hat. Mit der CD hinterlässt sie zumindest ein gelungenes Denkmal.

19 Dezember 2011

Menü der Elemente

Für die Nachwelt muss ich das einfach aufschreiben, wenngleich es schon einige Tage her ist: Am Sonntag, 11. Dezember 2011, waren wir zum »Menü der Elemente« im Restaurant »fünf« in der Nordstadt von Karlsruhe. Dort sind wir öfter, und wenn es spezielle Themen-Menüs gibt, freut es mich.

Ganz klar: Ich nahm die vegetarische Variante des Menüs. Wer Fleisch mochte, bekam irgendwelches Wild. Das gebotene Element war »Erde« - kein Wunder, dass es viele Wurzelgemüse-Sachen gab.

Als Vorspeise - oder Amuse bouche - gab es Kartoffelbrot im Blumentopf mit Gelbwurz-Saté-Sauce. Es war eine winzige Portion, aber eine völlige Köstlichkeit.

Dann kam die Suppe: eine Schwarzwurzel-Schaumsuppe mit Rote-Beete-Chips. Dazu erhielt ich einen trockenen Grauburgunder aus der Pfalz. Eine wunderbare Kombination.

Der Höhepunkt und das Hauptgericht: getrüffelter Topinamburflan mit Pilz-Kastanienragout im Wurzelgemüse-Körbchen. Das Ragout war unglaublich lecker, und dazu gab es einen Corvina Garda aus der Cantina di Custoza - in der hatte ich selbst schon einmal Wein gekauft.

Auf der Zunge schmelzen ließ ich mir den Nachtisch: Ingwerparfait mit Erdmandelkaramell und Saatenflorentiner. Ich genehmigte mir noch einen Espresso sowie als krönenden Abschluss einen Grappa.

Das mag zwar alles ein wenig dekadent klingen - aber ich fand alles total klasse und lecker. Zudem mag ich das Restaurant und die Leute, die dort arbeiten; da passt dann alles zusammen.

18 Dezember 2011

Letztes Seminar für 2011

Nach drei Tagen in Wolfenbüttel ist die Erschöpfung jedesmal groß. Das liegt nicht nur daran, dass es durchaus anstrengend sein kann, sich mit den Texten anderer Autoren zu beschäftigen, intensiv mit den Autoren zu diskutieren und vor allem auch immer einigermaßen schlaue Sachen zu sagen. Es liegt unter anderem daran, dass es nachts sehr spät wird und ich auf im Schnitt vier bis fünf Stunden Schlaf komme.

Es wäre selbstverständlich klüger, als Dozent in einem solchen Seminar bereits um elf Uhr abends ins Bett zu gehen und morgens um sieben Uhr dann sportlich-fit aufzustehen. Das schaffte ich leider in all den Jahren nie, allen guten Vorsätzen zum Trotz. Es wird stets drei Uhr, und es bleibt stets eben nicht bei nur einem Bier.

Dafür machte es dann doch sehr viel Spaß: engagierte Teilnehmer, lebhafte Diskussionen, viele Verbesserungen bei den Kurzgeschichten - mir gefiel, was ich sah, und mir gefiel, was sich veränderte. Die Feedback-Runde mit den Teilnehmern machte mir klar, dass es den misten ebenfalls gefallen hatte - das Seminar schien gut angekommen zu sein.

Spannend ist jetzt vor allem folgendes: Von welchen Autoren wird man in nächster Zeit mehr hören? Aus früheren Seminaren haben es längst einige geschafft - sicher nicht wegen der Seminare allein. Aber sie haben Bücher in renommierten Verlagen veröffentlicht, und die waren stets gut lesbar.

17 Dezember 2011

Kurzgeschichten-Seminar

Wieder einmal bin ich in Wolfenbüttel an der Bundesakademie für kulturelle Bildung, diesmal zusammen mit Uwe Anton als Co-Dozent. Die Teilnehmer sind kritisch und agil, die Gespräche sind auch in den Pausen anstrengend und ergiebig zugleich. Das Thema ist die SF-Kurzgeschichte, wobei wir die Genre-Grenzen nicht zu eng fassen wollen.

Los ging es am Freitag abend, 16. Dezember; der Samstag ist traditionell der anspruchsvollste Tag. Die Teilnehmer bekommen Textaufgaben; es wird intensiv an bereits erarbeiteten Texten gearbeitet, und es gibt ständig Rückmeldungen.

Unter anderem ging es uns darum, den Teilnehmern zu zeigen, wie man Texte nötigenfalls wie am Reißbrett erstellen kann: Wie kann ich eine Figur anlegen, wie mache ich einen Handlungsschauplatz nachvollziehbar?

16 Dezember 2011

Zuglautsprecher

Wieder einmal war ich mit der Bahn unterwegs, und alles klappte. Der Wagen war ordentlich beheizt, der Sturm außerhalb des Zuges interessierte mich nicht, und die Verspätung am Ende der vier Stunden betrug keine halbe Minute. Das finde ich super!

Schräg hinter mir im Großraumwagen, vielleicht vier oder fünf Reihen, saß ein Mann mit eindeutigem schwäbischem Akzent. Wie ich später saß, unterhielt er sich mit einer älteren Dame.

Wobei unterhalten das falsche Wort ist. Er redete ununterbrochen, von Karlsruhe bis Fulda, und die ältere Dame sagte ab und zu mal ein Wort. Und er sprach laut genug, dass es jeder mitbekommen konnte.

Was er für einen stressigen Job habe. Wie sehr er sich als Anwalt mit den Ansprüchen von Hartz-IV-Empfängern herumschlagen müsse. Wie nervig das mit den Mietnomaden sei und welche Schwierigkeiten es da gäbe. Und so weiter und so fort.

Zeitweise musste ich ihm zuhören, zeitweise konnte ich mich gut auf mein Manuskript konzentrieren. Gut ging es, als ich einpennte; wahrscheinlich lullte mich das ununterbrochen heruntergelaberte neoliberale Geschwätz gut ein. Zugfahren kann auf unterschiedliche Weise zum Abenteuer werden.

15 Dezember 2011

Glam-Achtziger

Die Klamottenmarke »Takko Fashion« ist mir insofern bekannt, dass ich einen Laden von außen kenne: Kaufe ich abends in einem der großen Supermärkte ein, komme ich unweigerlich an einem »Takko« vorbei. Ohne jemals ein Produkt der Firma gekauft zu haben, gelange ich zu dem Eindruck, dass es nicht unbedingt die höchstwertigen Dinge sind, die dort angeboten werden.

Schön ist aber der neue Prospekt der Marke, den ich aus dem heimischem Briefkasten fischte. Unter dem Motto »Get The New Look 2012«, das wieder mal die Vorliebe für schlechte Angliszismen in der deutschen Werbung beweist, werden haufenweise Klamotten präsentiert.

Als »Der wichtigste Trend zum Jahreswechsel« wird ausgewiesen: »Die 80ies sind sieder da!« Über das verschrobene Englisch stolpere ich hinweg, denn dann kommt der nächste Satz: »Und damit jede Menge Glam Rock.«

Aha. Die 80er-Jahre. Der Glam-Rock. Und »die Zeit der großen Party«, denn »ohne Glamour geht nichts«. Der Werbetexter von heute kennt sich eindeutig nicht in der Popkultur aus (Glam-Rock war in den 70ern, ihr Banausen!), kann weder deutsch noch englisch und stolpert stilsicher durch alle Sprachklischees.

Im Prospekt selbst sieht man unter anderem eine junge Dame, die aussieht wie Madonna in der Mitte der 80er-Jahre. Das kann man gut oder schlecht finden - mit Glam hat das nichts zu tun. Aber ich muss das ja auch nicht verstehen.

14 Dezember 2011

Schnarch-Metal

Wie sehr man mit wuchtiger Musik ganz schön langweilen kann, das beweist die Band Everblame. Die drei jungen Männer stammen aus Ludwigshafen, werden laut »Intro« als »Hochdruck-Schwergewichts-Alternative« bezeichnet und machen im Prinzip Numetal. Ich habe ihre CD »Frantic« gehört, und ich bin nach dem Anhören einigermaßen ratlos.

Die Herren können spielen, das ist völlig klar. Sie lassen's gelegentlich rummsen, gammeln ansonsten aber in den Stücken herum, als hätten sie die Handbremse bis zum Anschlag angezogen. Das ist so wie mit irgendwelchen Eckenstehern, die gerne fürchterlich hart tun, bei der geringsten Androhung körperlicher Gewalt aber den Schwanz einziehen.

Empfehlenswert ist ein Besuch der Band-Homepage. Es gibt eine Reihe von Texten, bei denen ich mir ein Grinsen nicht verkneifen kann: »Auch live sind sie eigentlich immer unterwegs, denn auf der Bühne liegt das Herzblut von Everblame und dort gehören sie auch hin!«

Was an der Platte »roh, dreckig und voll auf die Zwölf« sein soll, wie das Band-Info behauptet, weiß ich übrigens nicht. Vielleicht bin ich einfach schon zu alt für so langweilige Musik - oder habe einfach zu viel Hardcore in meinem Leben gehört. (Ich werde die CD weiter verschenken; gibt ja genügend Leute, die solche Musik mögen.)

13 Dezember 2011

Im Weihnachtstrubel


Dieses Bild wollte ich euch nicht vorenthalten: Es wurde letzte Woche aufgenommen, genauer gesagt am 7. Dezember 2011, in einer Kneipe in Karlsruhe. Mit einem Handy ... und wir waren alle nicht mehr hundertprozentig nüchtern bei der abteilungsinternen Weihnachtsfeier ...

Sich geehrt fühlen

Mit Michael Nagula stehe ich seit 1980 in indirektem Kontakt. Indirekt deshalb, weil wir uns damals nicht kannten, er aber dafür sorgte, dass eine Kurzgeschichte von mir veröffentlicht wurde - und ich mein erstes Honorar als »freier Schriftsteller« erhielt. Im Lauf der Jahrzehnte wurde unser Kontakt ein wenig direkter, und wir arbeiten seit Jahren immer wieder zusammen.

Mit dem zweiten Teil der »PERRY RHODAN-Chronik« hat er nun den Job gehabt, die Jahre 1975 bis 1980 der Science-Fiction-Serie zu beschreiben. Dabei werde ich unversehens zu einem seiner »Protagonisten«; zwar nur als Randgestalt, aber immerhin.

Das Buch selbst habe ich noch gar nicht gelesen, es ist quasi druckfrisch. Aber als jemand, der nicht vor dem »Ego-Googeln« zurückschreckt, schaute ich erst mal, was Michael Nagula über mich schreibt. Nichts schlimmes auf jeden Fall - schauen wir mal, wie sich das in weiteren Teilen der Chronik verhalten wird ...

12 Dezember 2011

Von Rechts wegen - zitiert

»Kontext: Wochenzeitung« ist eine Internet-Zeitung aus Stuttgart, der man nicht zu nahe tritt, wenn man sagt, sie habe sich aus dem Widerstand gegen Stuttgart 21 entwickelt. Einmal pro Woche liegt die Zeitung in Auszügen als vierseitige Beilage der »taz« bei, und ich lese sie immer wieder gern.

Der Aufmacher-Artikel in der Ausgabe vom 11. Dezember 2011 trägt den Titel »Von Rechts wegen« und ist von besonderem Interesse. Mit einer sauberen Recherche wird dargestellt, wie die sogenannte Terrorzelle aus Jena und Zwickau anscheinend mit »unserer« Region zusammenhängt.

Unter anderem gebe es - so der Artikel - Beziehungen zu Rechtsanwälten in Stuttgart und Rastatt (wo ich ja auch arbeite); ebenso gebe es Verbindungen zu der Skinhead-Band Noie Werte aus Stuttgart. Mit deren Umfeld kam ich in den 90er-Jahren gelegentlich in Berührung - im wahrsten Sinne des Wortes.

Wer immer noch glaubt, dass dieser Nazi-Terror nur aus dem Osten kommt, sollte diesen Artikel auf der Internet-Seite der Zeitung lesen. Es ist keine unbedingt spaßige Lektüre, aber es lohnt sich.

11 Dezember 2011

Phantastische Ermittler

Heute haben Fanzines weniger Auflage als in den 80er-Jahren, kommen dafür aber mit einer ISBN und einer professionellen Gestaltung um die Ecke, nennen sich im Untertitel »Das Magazin für Phantastik« und tun so, als seien sie professionell. Mit dem Inhalt hat das nichts zu tun, doch ich freue mich ernsthaft, wenn hinter der ganzen Optik auch was vernünftiges zu finden ist.

In diesem Fall geht es um das Fanzine »Phase X«, dessen Ausgabe 8 ich zuletzt gelesen habe – und zwar richtig gern. Es erscheint im kleinen Atlantis-Verlag, der sich in den letzten Jahren richtig gemausert hat, ist als schickes Paperback gebunden und hat 124 Seiten Umfang. Der Preis von 6,90 Euro ist völlig angemessen, da gibt es nichts zu meckern.

Das Fanzine wird von Interviews und Artikeln zum Thema »Phantastische Ermittler« geprägt. Klassiker wie der Science-Fiction-Detektiv Dominic Flandry werden ebenso beleuchtet wie der Geisterjäger John Sinclair. Die Interviews sind sachkundig und meist auch unterhaltsam; ich habe sie gern gelesen. Eine bunte Mischung wird serviert, die Science Fiction ebenso umfasst wie Horror oder Fantasy.

Ausgesprochen gelungen ist die Kurzgeschichte »Angelus« der englischen Autorin Nina Allan, die mit den Erwartungen des Lesers spielt. Wenn kleine Magazine – oder Fanzines – wie »Phase X« solche Texte ausgraben und dem Leser hierzulande präsentieren, freue ich mich.

Alles in allem eine gelungene Ausgabe, der Schwerpunkt wurde gut gewählt und vor allem gut getroffen. Lesenswertes Fanzine – und es darf sich meinetwegen weiterhin als Magazin bezeichnen ...

10 Dezember 2011

Was für ein Punkrock!-Kracher

Ich bin völlig baff: Die Ausgabe 14 des Fanzines Punkrock! aus Mannheim und Umgebung ist eine echte Granate – wer sich auch nur ansatzweise für diese Szene und die Musik und all das Drumherum interessiert, sollte das Heft kaufen.

Schon im A5-Format fand ich das Fanzine gut, die Nummer 14 kommt im A4-Format und hat ein prächtiges Layout, das auch die gelungenen Fotos bestens zur Geltung bringt. Beim Inhalt hat die Truppe ebenfalls deutlich zugelegt: Ich habe alles gelesen und mich bestens unterhalten.

Mit Bands wie den Streetpunkern Rejected Youth, den amerikanischen Glatzen Harrington Saints, den Jungpunks von Libery Madness und Hysterese ist schon einmal ein bunter Reigen an Interviews vorhanden – und das sind nur einige der gelisteten Das meiste liest sich sehr gut und sachkundig, häufig auch unterhaltsam.

Selbstverständlich enthält das Heft haufenweise Platten-, Fanzine- und Buchbesprechungen; das kennt man schon, wenngleich sie hier sachkundig und lesenswert sind. Schön finde ich, dass auch Tapes rezensiert werden. Und so kommt in dem Heft ein guter Beitrag zu anderen – sehr schön!

Das hammerharte 100 Seiten umfassende Fanzine kostet nur drei Euro – es enthält keine CD, aber das empfinde ich ja mittlerweile glatt als einen Pluspunkt. Zu bestellen ist es beim Plattenhändler eures Vertrauens oder eben direkt auf der Homepage des Fanzines.

09 Dezember 2011

Drei Sekunden Gegenwart

Am Donnerstag, 8. Dezember 2011, stand seit langem wieder mal ein Kabarett-Abend an. Wir gingen in die »Orgelfabrik« in Karlsruhe-Durlach, die sich für solche Veranstaltungen wegen ihrer tollen Räumlichkeiten absolut anbietet. Sonderlich voll war es nicht; ich schätze, dass nicht mehr als fünfzig, sechzig Leute anwesend waren.

Ich kannte den Kabarettisten nicht, er wurde mir aber wärmstens empfohlen. Claus von Wagner stammt aus Bayern, sein Programm nennt sich »Drei Sekunden Gegenwart«, und man kann es als eine Mischung aus Politik und Persönlichem zusammenfassen.

Logischerweise durften Angriffe auf die gängige Politik und eine Verarschung der Bundeskanzlerin sowie des bayerischen Ministerpräsidenten nicht fehlen. Beide bieten sich für solche Themen geradezu an - Claus von Wagner bekam die unterschiedlichen Verarschungen auch gut hin.

Schön fand ich allerdings den Rahmen des gesamten Programms: Er spielte einen jungen Vater, der in einem Konflikt mit seiner Ex-Freundin steht - die beiden haben sich getrennt, und sie hat die gemeinsame Tochter »behalten«. Er legt sich mit dem Jugendamt und dem Gericht an, er forscht in seiner eigenen Vergangenheit, und er stellt sich bei alledem recht blöd an.

Gleichzeitig ist es oftmals bitter - der junge Vater liebt seine Tochter, ist seiner Ex in jeglicher Hinsicht unterlegen und ärgert sich zu allem Überfluss über haufenweise anderen Kram. Das Kabarett-Programm schwankt deshalb zwischen flachen, aber gut gebrachten Witzen, beinharter Polit-Satire und eher ernsthaften Gedanken über Moral, Familie und Beziehungskram.

Vor allem in der zweiten Hälfte, nachdem uns der Kabarettist »warmgespielt« hatte, kamen wir zeitweise aus dem Lachen nicht mehr heraus. Es gab viel zu Klatschen, und es gab sogar eine kleine Zugabe. Ein gelungener Abend mit einem Kabarettisten, den ich mir echt merken sollte!

Conmoto lassen's krachen

Die Band Conmoto ging aus der Asche von Bubonix hervor; ich sah die drei Männer und eine Frau im Herbst 2011 auf der Bühne der »Alten Hackerei« in Karlsruhe. Da zelebrierten die ein anständiges Brett aus Hardcore-Punk und Melodie, und ich kaufte mir prompt ihre Langspielplatte.

Die heißt »Cut Cut Cut«, und die ist richtig saugut! Und zwar so richtig! Zwischen wütendem Gebrüll und sauberem Gesinge pendelt die Stimme der Sängerin, dazu wird musikalisch mal drauflos geknüpppelt, aber eben auch mal mit Breaks und wuchtigen Melodien gebastelt. Das ist meist schnell, aber immer abwechslungsreich – und einige Stücke fressen sich erst nach dem dritten Anhören ins Ohr.

Conmoto haben mich jetzt zweimal überzeugt: einmal live, einmal auf Platte. Das ist ein sauguter Schnitt, und da bin ich mal gespannt, wie das weitergeht ...

08 Dezember 2011

Mich gibt es bei Apple

Mein Buch »Das Tier von Garoua« ist seit 2007 im Buchhandel erhältlich. Wie es sich für ein kleines Buch in einem eher kleinen Verlag gehört, verkauft es sich eher schleppend. Afrika-Geschichten sind nichts, womit man viel Geld verdienen kann.

Was ich aber gut finde: Das Buch ist jetzt auch über iTunes zu kaufen. Wie heißt es so schön? »Dieses Buch ist auf Ihrem iPhone, iPad oder iPod touch mit iBooks und auf Ihrem Computer mit iTunes zum Download verfügbar.«

Ich selbst verfüge über keines dieser Geräte und bin derzeit noch nicht so weit, dass ich mir eines davon zulegen werde. Aber irgendwie finde ich es ja trotzdem »très chic«, bei so einem modernen Zeugs mit so was altmodischem wie einem Buch vertreten zu sein ...

07 Dezember 2011

Glatzenheft aus Österreich

Endlich habe ich mal wieder eine Ausgabe von Oi! The Print gelesen, so richtig von vorne bis hinten. Es war die Nummer 33 des österreichischen Skinhead-Fanzines, das sich aus politischem Hickhack komplett raushält und dafür gelegentlich kritisiert wird. Ich lese das Heft gerne, stolpere allerdings gelegentlich über Bands, bei deren Aussagen ich mich doch sehr wundere.

In der Nummer 33 fand ich den Rückblick »War früher alles besser?« interssant. Musiker von den Ami-Bands Generators und Turbo ACs plauderten aus ihrer Jugend. So was lese ich stets lieber als irgendwelche Interviews.

Wobei ich die in diesem Heft ebenfalls meist lesenswert finde. Die alten Herren von Major Accident oder die auch nicht mehr taufrischen Herren von Supernichts kommen ebenso zu Wort wie die Schweden von Agent Bulldog oder Perkele.

Ein Fanzine, das über Skinheads in Sao Paolo, also in Braslien, ebenso berichtet wie über Falco oder Wolfgang Amadeus und Mozart – das finde ich von der Zusammenstellung her schon mal gut. Dazu kommt ein ansprechendes Layout, durchgehend lesbare Texte sowie ein hervorragender Druck.

Ach ja, eine CD ist ebenfalls dabei, die ich peinlicherweise noch nicht mal angehört habe. Mache ich noch. Mittlerweile ist eh schon die nächste Ausgabe da ... puha. Bestellen kann man die Hefte über die Homepage oder über diverse Versender.

06 Dezember 2011

Hassliebe zu McDoof

Meine ersten Hamburger aß ich im Café Achteck in Freudenstadt. Dabei handelte es sich um einen ehemaligen Kiosk, der in den 70er-Jahren von einem »Ausländer« geführt wurde, mutmaßlich einem Jugoslawen, und in dem wir Jungs nach der Schule gerne mal einen Hamburger oder Pommes futterten oder von ihm auch mal ein Bier kaufen durften. Das Wort Hamburger sprachen wir selbstverständlich deutsch aus und wunderten uns, was die Stadt Hamburg mit dem Fleischklops zu tun hatte.

McDonald's kannten wir damals noch nicht. Dabei ist diese Kette seit 1971 in Deutschland vertreten. Das erste Mal futterte ich 1981 bei McDonald's; es war in der Filiale in Stuttgart, die mitten in der Fußgängerzone lag, und für mich, der ich aus einem Dorf im Schwarzwald kam, war das fast ein Paradies.

Später wurde es schick, McDonald's scheiße zu finden. Ein Buch von Günther Wallraff, in dem er die Arbeitsbedingungen unter anderem bei dieser Kette schilderte, trug dazu bei; zudem gehörte die Firma zur amerikanischen Massenkultur, und die hatte man in den 80er-Jahren zu hassen.

Wenn ich McDonald's aufsuchte, geschah das zu der Zeit aus einem einzigen Grund: Die Toiletten waren sauber. So war es vom Kaiserplatz in Bonn, damals Treffpunkt der Punk-Szene, ein Leichtes, sich beim »McDoof« aufs Klo zu setzen. Und bei Auslandsreisen bot die Firma stets ordentliche Klos – als ich anno 1983 in Avignon mit fürchterlichem Durchfall strandete, war McDonald's richtig wichtig.

Seit den frühen 90er-Jahren bin ich Vegetarier, dennoch besuchte ich immer wieder McDonald's. Ich bin nicht religiös, und mir ist der moralische Gehalt der Kette zumeist egal.

Nicht nur bei meinen Aufenthalten im Ausland – Frühstück in Chicago zum Sound von »Chattanooga Choochoo« –, sondern auch bei Reisen durch Deutschland war ich »drin«. Teilweise musste ich, weil die Reisebegleiter einen Anfall von »ich mag jetzt einen Burger« hatten, teilweise, weil ich nachts um zwei Uhr auf der Autobahn noch Lust auf Pommes mit Mayo bekam.

Langer Rede kurzer Sinn: Vierzig Jahre gibt's jetzt McDonald's in Deutschland. Dazu muss ich nicht gratulieren, aber ich nehme es ohne Groll zur Kenntnis.

05 Dezember 2011

Deutschpunk-Klassiker

Es war nicht unbedingt eine Radiosendung der künstlerisch hochwertigen Töne: Am gestrigen Sonntag abend, 4. Dezember 2011, standen bei mir Deutschpunk-Klassiker auf dem Programm im Freien Radio Querfunk. Wobei ich den Begriff Deutschpunk sehr großzügig auslegte – die Bands mussten nicht unbedingt in deutscher Sprache singen.

Mit den Neurotic Arseholes und Rotzkotz spielte ich immerhin zwei Bands, die ich schon vor über 25 Jahren gut fand. Den Ausgleich liefern dann Der Fluch, die ich 1982 schon doof fand, die aber einfach dazu gehören.

Bildstörung aus Frankfurt finde und fand ich gut, wenngleich Puristen einwenden dürften, das sei »kein echter Punk«. Das gilt erst recht für Xao Seffcheque: Am Tag davor schrieb ich noch, ich wüsste nicht, ob ich das dem Publikum zumuten kann – und jetzt brachte ich das Stück »Happy New Wave« dann doch.

Abgerundet wurde die Sendung durch Aheads, Daily Terror und Normahl. Und Normahl fand ich in den 80er-Jahren richtig klasse; dieses Gefühl ging dann aber schnell verloren. In so einer Sendung sind die Jungs aus Winnenden auf jeden Fall bestens vertreten.

04 Dezember 2011

Happy New Wave und der Punk-Supermarkt

Vor dreißig Jahren kam die Single »Happy New Wave« raus, heute habe ich sie mir endlich mal wieder angehört. Ich überlegte mir, sie im Radio zu spielen, entweder die eine oder die andere Seite – aber das ist völliger Unfug: Niemand versteht heutzutage mehr die zahlreichen Witze auf dieser Single.

Eingespielt wurde sie von Xao Seffcheque, der damals auf vielen Platten zugange war. Unter anderem brachte er auf dem Label Zick Zack den Sampler »Sehr gut kommt sehr gut« heraus, auf dem er allerlei Bands präsentierte – diese Bands gab's in der Form aber nicht. Und als Beilage gab's die Single, die als »Zwick Zwack 01« erschien.

»Happy New Wave« ist eine Verarsche der damals üblichen Sampler von K-Tel und anderen Labels. Der Plan, Palais Schaumburg, ZK, Kosmonautentraum oder Östro 430 sind zu hören; das alles unter »der Knüller von K-Tel«. Schön sind veränderte Textzeilen wie »Wir sind die Hippies von morgen«.

Der »Punk-Supermarkt« auf der B-Seite stellt eine Szene nach, in der sich ein Kunde im Plattenladen über neue Punk- und Neue-Deutsche-Welle-Platten beraten lässt. Eine Mischung aus Hörspiel und eingebauten Song-Stücken. Besonders schön ist dann der letzte Satz, der sich mehrfach wiederholt: »Wieviel Platten wollt ihr denn noch kaufen?«

Die Single gefällt mir heute noch; ich fand es witzig, sie nach so langer Zeit wieder anzuhören, und ich erinnerte mich an viele Elemente daraus. Aber wollte ich das im Radio spielen, müsste ich unglaublich viel erläutern ... obwohl ... ich denke darüber nach.

03 Dezember 2011

Peter immer noch in Nagold

Das hundertste OX rückt mit riesigen Schritten näher – dieser Tage flatterte mir die Ausgabe 99 des Punkrock-/Hardcore-Fanzines ins Haus. Wieder ist mein Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!« mit einer aktuellen Folge enthalten, diesmal wieder mit der Standardlänge und nicht unter den Problemen beruflicher Überlastung leidend.

Nach wie vor geht es um die Abenteuer des mehr oder weniger verpeilten Helden namens Peter Pank. In der aktuellen Folge 35 ist er immer noch in Nagold, der kleinen Stadt im Nordschwarzwald, die 1987 so etwas wie eine Hardcore-Metropole war.

Es geht allerdings weniger um Hardcore. Stattdessen reden Peter Pank und eine junge Punkette namens Chris viel, und es kommt – um es schön verbrämt zu sagen – zu einem Austausch von Zärtlichkeiten. Wer mehr wissen will, muss wohl das OX lesen oder eben auf das irgendwann hoffentlich fertige Buch warten.

02 Dezember 2011

Ausflug in den Schmetterling-Park

Erinnerung an Malaysia im Jahr 1999

In Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysia, fühlte ich mich in diesem Januar 1999 richtig wohl. Ich unternahm mit Bahn und Bus viele Ausflüge, war auch zu Fuß unterwegs: In der Chinatown wohnte ich verkehrs- und preisgünstig.

So beschloss ich, mir auch mal Taman Rama Rama anzuschauen, den Kuala Lumpur Butterfly Park. Man sagte mir, ich sollte früh dort sein, weil man ab acht Uhr die Tiere am besten beobachten könnte; zudem sei dann noch nicht so viel los.

Ich schaffte es tatsächlich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln pünktlich dort zu sein. Es war ein Zoo, aber einer, in dem es praktisch nur Schmetterlinge und schöne Pflanzen zu gucken gab. Für zwei, drei Stunden war das ein richtig tolles Programm, bei dem ich mich wunderbar unterhielt. Es gab wunderbare Schmetterlinge zu sehen, viele mit grellen Farben, manche richtig groß.

Außer mir tummelten sich viele Malaysier in dem Zoo: Chinesen und Inder. Ein junger Mann trug ein T-Shirt mit einem riesigen Hakenkreuz auf dem Bauch – aber das hat in Malaysia bekanntlich eine andere Bedeutung als in Deutschland.

Ab elf Uhr kamen die Busse mit den europäischen und amerikanischen Reisegruppen, und der Zoo fühlte sich mit dem Kreischen von Kindern, dem hektischen Auftreten von Schritten und dem rasenden Klicken unzähliger Kameras. Ich machte, das ich wegkam – den Schmetterling-Park behielt ich aber in guter Erinnerung.

01 Dezember 2011

Im Rimelin zu Durlach

Manchmal hilft es, den spontanen Vorschlägen von Freunden zu folgen: »Es gibt da ein neues Restaurant in Durlach; wir waren da kürzlich, ohne vorher davon gehört zu haben. Wollt ihr heute abend nicht mitkommen?« Und so fuhren wir zu fünft nach Durlach, wo wir das »Rimelin« ansteuerten, das sich als »Restaurant Mediterran« bezeichnet. (Es gibt übrigens reichlich Parkplätze im Innenhof, und im Sommer lockt eine Dachterrasse!)

Der Innenraum des Restaurants war groß und - an diesem Abend - recht leer. Die Bedienung war freundlich und wirkte kompetent, der Service stimmte. Den Weintrinkern schmeckte der Wein, ich blieb bei einem Bier und stieg danach auf Antialkoholisches um (einer muss ja fahren ...).

Wir nahmen gemeinsam eine Vorspeisenplatte, die für fünf Leute ausreichend an Häppchen bereithält; für zwei Personen könnte das übrigens schon einen volle Mahlzeit sein. Danach gab's Hauptgerichte von Maronengnocchi über Schweinefilet bis hin zur Dorade; alles schmeckte lecker, und die Preise waren absolut im Rahmen.

Mit vollen Mägen und in bester Laune schieden wir. Das »Rimelin« kommt auf die Liste der Restaurants, die wir sicher wieder ansteuern werden. Ein echter Tipp!