01 Juli 2026

Der beste deutschsprachige SF-Roman 2025

Derzeit ist Nils Westerboer wohl der deutschsprachige Science-Fiction-Autor, der am stärksten abgefeiert wird. Schon sein Roman »Athos 2843« erhielt Genre-Preise und wurde bereits verfilmt. Mit »Lyneham«, seinem aktuellen Werk, bekam er auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse den »Seraph« für den besten deutschsprachigen Phantastik-Roman des Jahres 2025.

Ich finde: Diesen Preis erhielt er zu Recht, und »Lyneham« sollte jeder Science-Fiction-Leser kennen.

Die Handlung läuft auf zwei Handlungsebenen ab, die durch Jahrtausende voneinander getrennt sind und doch in enger Beziehung zueinander stehen. Beide spielen auf Perm, einem Mond, der einen Planeten in einem fernen Sonnensystem umkreist. Dorthin flüchten Menschen, die auf der zerstörten Erde keine Zukunft mehr für sich sehen. Es handelt sich also um eine Kolonistengeschichte, wie wir sie in der Science Fiction schon sehr oft lesen konnten.

Der Autor greift das Thema aber in ungewöhnlicher Weise auf. Seine Hauptfigur ist ein zwölf Jahre alter Junge, der das eine oder andere Problem hat. Mit seinen Geschwistern und seinem Vater strandet er auf dem Mond; sie schaffen es nur mit viel Mühe in eine Überlebenskuppel. Dort müssen sie sich eine neue Existenz aufbauen. Während die Erwachsenen neue gesellschaftliche Strukturen entwickeln, versuchen die Kinder, sich auf ihre Weise einzurichten. Dabei erkennen sie, dass es Geheimnisse auf diesem Mond gibt, die man sorgsam vor ihnen verbirgt …

»Lyneham« gefällt mir auf verschiedenen Ebenen. Der Autor hat sich offensichtlich gut mit den biologischen und chemischen Grundlagen für Leben auf einer fremden Welt beschäftigt. Er schildert die seltsamen Lebewesen, auf die seine Figuren stoßen, mit viel Liebe zum Detail; sie wirken trotz aller Fremdartigkeit glaubhaft. Die Umwelt, in der sich die Kinder bewegen, ist teilweise sehr lebensfeindlich, und das macht Westerboer immer wieder deutlich.

Nicht nur die wissenschaftlich fundierte Ebene seines Romans überzeugt. Seine Figuren handeln stets nachvollziehbar, auch wenn man als Leser nicht alles gut finden kann, was sie denken, sagen und tun. Sie streiten miteinander, sie raufen sich zusammen, sie suchen nach den besten Wegen, sich in der Fremde zu behaupten. Dabei gelingt ihm die Perspektive seiner jungen Hauptfiguren ebenso wie die der Erwachsenen, die er ebenfalls zeigt.

Das Ganze ist zudem richtig spannend. Der Autor schildert, wie sich kritische Situationen entwickeln und wie sich seine Figuren in ihnen behaupten müssen. Auf beiden Handlungsebenen folgt man da mit großer Faszination; mich ließ das Schicksal der Figuren bei der Lektüre nicht kalt. Und je länger beide Handlungsebenen parallel laufen, desto klarer wird, wie sehr sie miteinander in einer Beziehung stehen.

Klasse!

Erschienen ist der Roman bei Klett-Cotta: ein schönes Paperback mit Klappumschlag. Auf der Internet-Seite des Verlags steht eine Leseprobe zur Verfügung.

(Diese Rezension platzierte ich im Mai 2026 auf die Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie. Hier wiederhole ich sie unter anderem aus dokumentarischen Gründen.)