12 Dezember 2017

Zwei eher kritische Rezensionen

Da ich ja gewissermaßen »Jungautor« bin – zumindest, was die Veröffentlichungen von »großen« Romanen in renommierten Buchverlagen angeht –, freue ich mich über jegliche Rezension. Wenn sie positiv ausfällt, freue ich mich, wenn sie negativ ausfällt, bin ich traurig. Auch als Gelegenheitsautor darf man ja Gefühle haben.

Nein, ernsthaft: Ich schaue sehr intensiv nach Meinungsäußerungen zu meinem Roman »Das blutende Land«. Und es gibt zwei aktuelle Rezensionen, die beide recht kritisch ausfallen. Wenn sich jemand so ausführlich mit meinem Buch beschäftigt, möchte ich das hier schon abbilden.

Bisher ganz unbekannt war mir der Blog »Back Down To Earth«, in dem sich die Bloggerin mit dem Namen »Kittyzer (Sonne)« sehr klar und nachvollziehbar äußert. (Wie sie wirklich heißt, kann man durch einen Blick ins Impressum herausfinden. Ich nenne hier das Pseudonym, weil das über der Rezension steht.)

Sie empfindet den Stil des Romans als »trotz anschaulicher Beschreibungen aber viel zu ausschweifend und langatmig« und findet die Story »so humorlos wie episch«. Sie bemängelt die »langatmige Erzählweise« und stellt als Fazit fest, dass der Funke nicht überspringen konnte.

Den Rezensenten Carsten Kuhr kenne ich schon lange. Auf der Seite »Phantastik-News« wirft er ebenfalls einen kritischen Blick auf meinen Roman. Er kritisiert unter anderem den »etwas verhaltenen Beginn« und bemängelt, dass man sich »durch das erste Drittel« durchkämpfen müsse.

Immerhin ist das Fazit ein wenig positiver: »Es stinkt, Blut fließt und Menschen kommen sehr schmerzhaft vom Leben in den Tod.« Eine Zusammenfassung, die durchaus zutreffend ist ... Der Roman sei »nichts für Leser der romantisch-verklärten Elfen-Fantasy«, und damit habe ich auch kein Problem.

11 Dezember 2017

Mephisto macht viel Freude

Ernsthaft bewerten kann ich Rollenspiel-Publikationen heutzutage nicht mehr. Die Zeiten, in denen ich mit anderen Spielern um einen Tisch saß, um durch einen »Dungeon« zu stromern oder sonstwie Abenteuer zu erleben, die es nur in unserer Fantasie gab, die sind einfach lange her. Trotzdem schaue ich mir das Magazin »Mephisto« immer sehr genau durch, wenn ich es in die Finger bekomme.

Seit den frühen Fanzine-Tagen hat sich Martin Ellermeier, der Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins, weit entwickelt. Gesehen und gesprochen haben wir uns seit Jahrzehnten nicht mehr – aber ich finde es eindrucksvoll, wie sein Magazin gewachsen und gediehen ist.

Das Heft ist 84 Seiten stark, ist professionell und richtig schön gestaltet und verlockt einfach dazu, es gründlich durchzublättern. Und dann lese sogar ich einen Artikel, obwohl keine keine Ahnung von aktuellen Rollenspielen habe.

Mir liegt die Ausgabe 66 vor, in der beispielsweise »Blade Runner« ein großes Thema darstellt. Klar, es geht um den Film und um Philip K. Dick, das Magazin wirft aber auch einen Blick auf Rollenspiele zum Thema. Schön!

Natürlich dürfen Szenarien nicht fehlen, also Beiträge, aus denen man Spielerunden gestalten kann. Man kann durch die »Katakomben der Verdammten« stolpern oder zieht mit einem »Wandernden Warenhaus« durch die Gegend; das wirkt alles sehr spannend und vor allem auch spielbar. Gefällt mir gut!

Darüber hinaus bietet »Mephisto« in der aktuellen Ausgabe 66 haufenweise Berichte und Informationen, ein Interview zum Schreiben von Spielebüchern und Rezensionen über verschiedenste Themen. Wer sich für Spiele in phantastischen Medien interessiert, sollte unbedingt einmal in dieses Magazin blicken. Ich find's cool.

08 Dezember 2017

Nominiert zu einer Autoren-Aktion

Die Kollegin Marlene Klaus hat mich nominiert. Ich solle die ersten sieben Zeilen meines neuen Projektes posten und dann auch Autorinnen und Autoren nominieren.

Hm.

Ich finde solche »Challenges« immer ein wenig anstrengend. Aber ich poste gern die ersten Zeilen eines Projektes, an dem ich zuletzt immer mal wieder herumgeschrieben habe.

Hier:

Die zwei Polizisten hielten direkt neben mir. Bei laufendem Motor ließ der Fahrer seine Scheibe herunter, kühle Luft streifte meine nackten Beine. Die jungen Männer hatten ihre Klimaanlage auf Hochtouren gedreht.

Der Fahrer wies auf die Zigarette in meiner Hand. »Rauchen verboten.« Seine Miene wirkte streng, die Augen waren hinter einer großen Sonnenbrille verborgen.

»Das steht hier nirgends.« Ich wies auf die geteerte Straße, den von der Sonne gebleichten Rasen, den Rheindamm dahinter, die Bäume rechts und links, den Weg zum Containerhafen. »Kein Schild, nix.«

Durchaus positive Rezensionen

Ich bin auf zwei neue Besprechungen meines Romans »Das blutende Land« aufmerksam geworden. Das freut mich, also schreibe ich kurz darüber.

Im Internet-Magazin »Phantastik-News« formuliert Petra Weddehage als Fazit über meinen Roman: »Wer Geschichten mag, die in einer Welt ohne moderne Technik spielen und die von magischen Einflüssen geprägt ist, darf sich auf gemütliche Lesestunden einstellen.«

Der »Heftehaufen«-Blog hat ebenfalls meinen Roman besprochen; hier äußert sich Martin Ingenhoven recht positiv. Mein Buch sei »hart, schonungslos und definitiv nichts für Menschen, die in der Fantasy gern putzige kleine Elfen und Feen haben«.

Sein freundliches Fazit: »Wer aber westeros'sche Bildgewalt haben möchte, ohne gleich zehn muskelermüdende Schinken lesen zu müssen, der ist in Patloren ganz gut aufgehoben.« Ich bedanke mich bei den beiden.

07 Dezember 2017

Die Blätter für Volksliteratur sind interessant

Ich finde den Titel der kleinen Literaturzeitschrift selbst seltsam – aber die »Blätter für Volksliteratur« wurden vor 56 Jahren gegründet, und da war der Begriff »Volksliteratur« noch positiv besetzt. Gemeint war Literatur, die für das Volk geschrieben wurde; heute sagt man auch gern Trivial- oder Unterhaltungsliteratur dazu. Das kleine Heft aus Österreich liefert immer wieder schöne Berichte über Themen, die ich interessant finde und über die man viel zu wenig erfährt.

Die aktuelle Ausgabe vier, die im Oktober erschienen ist, betrachte ich als ein gelungenes Beispiel. Auf gerade mal 24 Seiten gibt’s beispielsweise einen interessanten Artikel über die »Isabella-Kriminalromane«, die von 1949 bis 1951 in Wien erschienen, oder einen Nachruf auf einen Romansammler Werner, der seinen Nachlass erfreulicherweise dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach vermacht hat – was andere Sammler, wie aus dem Artikel hervorgeht, sehr bedauern.

Schön finde ich den Artikel über »Godfried Beuren und das Geheimnis der Sonnenflecken«. Hier geht’s um eine Science-Fiction-Idee und deren Entwicklung über die Jahrzehnte hinweg. Ein Artikel über den Autor Alfred Bester rundet das Fanzine ab – denn um ein solches handelt es sich.

Mehr an »Nerdism« ist ja kaum denkbar, und ich mag so etwas. Klar, man muss sich für Trivialliteratur interessieren, vor allem diejenige, die in Heftromanen und Taschenbüchern veröffentlicht worden ist … aber wer das tut, kann seine Freude an den »Blättern für Volksliteratur« haben.

06 Dezember 2017

WieWasWohin aus Wien

Seit die CD »WieWasWohin« des österreichischen Kabarettisten und Schriftstellers Leo Lukas zum ersten Mal erschienen ist, sind viele Jahre vergangen: 2005 kam die CD bei Know Me Records heraus und erheiterte mich sehr – ich hörte sie dieser Tage einmal wieder an und war sehr erstaunt, wie viele Stücke nach all den Jahren im Ohr geblieben sind.

Stücke wie »My Venus From Venus« haben Hitqualitäten, ihre Melodien gehen rasch ins Ohr und halten sich dort lang. Sarkastische Texte wie »Als der Kasperl Amok lief« haben bei mir denselben Effekt – man hört sie einmal und vergisst sie nicht. Das ist bei Musik mit kaberettistischem Hintergrund nicht unbedingt üblich ...

Generell hat der Autor eine irrwitzige Freude an teilweise sehr schrägen Reimen. Sieht man von der Komik ab, sieht und hört man solche Reime eigentlich nur bei HipHop – und das meine ich hier ernsthaft.

Musikalisch herrscht die Gitarre vor, begleitet von allerlei Instrumenten. Eigentlich kann man die CD in eine Schublade mit »Liedermacher«-Musik stecken, neudeutsch »Singer-Songwriter«; das Ganze natürlich mit einer ironischen Note auch in den Stücken verstehen. Da darf die Musik eben auch mal bewusst eiern.

In Stücken wie dem »Teenie-Schlitzer« oder dem eingangs erwähnten »Kasperl«-Lied spielt Leo Lukas mit den Klischees des Splatter-Films; »My Venus From Venus« ist eigentliche eine Ballade mit Science-Fiction-Elementen, in der es eben um das Mann-Frau-Verhältnis geht, und im »Wexelbergl Kurtl« wird ein Wiener Original porträtiert.

Die »Radlweg Rhapsody« informiert darüber hinaus über das Radfahren in Wien, während »Männer bei Mango« einiges über einkaufende Männer verrät. Die Themen des Schriftstellers und Kabarettisten sind nicht unbedingt in den Untiefen der Politik zu suchen; er beleuchtet sehr allgemeine Themen – und ist dabei mitunter trotzdem sehr politisch.

Ich bin parteiisch, weil ich mit Leo Lukas seit vielen Jahren zusammenarbeite. Seine CD »WieWasWohin« ist aber wirklich gelungen, und sie gefällt mir immer noch sehr gut.

Thorgal im unterirdischen Reich

Dass ich ein Fan der Fantasy-Serie »Thorgal« bin, habe ich schon oft erzählt und ausgeplaudert. Seit ich zu Beginn der 80er-Jahre die ersten Stories dieses Comic-Epos las, faszinieren mich die spannenden Geschichten des Autors Jean van Hamme sowie die beeindruckenden Bilder von Grzegorz Rosinski.

Im wesentlichen ist es ja Fantasy mit historischem Hintergrund: Der Krieger Thorgal reist durch Europa, trifft auf fahrende Händler und plündernde Wikinger, versucht sich und seine Familie zu schützen und muss sich dabei auch immer wieder mit nordischen Göttern oder monströsen Wesen auseinandersetzen. Die historischen Fakten werden sehr locker eingesetzt, der Fantasy-Aspekt überwiegt.

Eine Ausnahme ist der Band 26, der zwar im phantastischen Serienumfeld anfängt, aber eigentlich als echte Science-Fiction-Geschichte abläuft. »Das Reich unter der Wüste« erzählt von Außerirdischen, die sich zwischen den Erdenmenschen eingenistet haben, die auch Strahlenwaffen besitzen und heimlich an einem Raumschiff bauen. Dagegen setzt Thorgal vor allem seinen Grips – ansonsten hat er nicht so viel zu bieten.

Die Story selbst ist für den Seriencharakter durchaus wichtig: Thorgal scheint von den Sternen zu kommen, ist also offenbar ein Außerirdischer – was sicher seine besondere Beziehung zu Odin und anderen Göttern erklärt. Allerdings wird in »Das Reich unter der Wüste« dann nicht viel mehr an Fakten geliefert; wer sich das verspricht, wird enttäuscht.

Was bleibt, ist eine spannende Geschichte, in der sich Fantasy und Science Fiction vermengen. »Thorgal«-Fans müssen diesen Comic natürlich haben; die Science-Fiction-Freunde, die bisher nicht so viel mit dieser Serie anzufangen wussten, sollten sich unbedingt mal die Leseprobe auf der Internet-Seite des Splitter-Verlages anschauen – vielleicht ist dann zumindest dieser Band etwas für sie ...

05 Dezember 2017

Die letzte Sendung in diesem Jahr

Es hätte eine richtig schöne Radiosendung werden können: Am Sonntag, 3. Dezember 2017, hatte ich meine letzte Sendung im örtlichen Querfunk, dem Freien Radio für Karlsruhe, und ich wollte noch mal einige aktuelle Platten vorstellen. Ich war sogar richtig früh dran, weil ich wegen der verschneiten Straßen früher von daheim aufgebrochen war.

Dann aber fehlten Teile für die Plattenspieler – die Dinger, in die man die Nadeln reinsteckt. Ich durchsuchte die Studios, bis ich sie fand: Sie lagen, sorglos abgeschraubt, auf dem Mischpult im anderen Studio, wo sie kaum zu sehen waren. Durch die Sucherei geriet ich ein wenig in Hektik.

Dabei blieb es nicht. Einer der zwei Plattenspieler gab keinen Ton von sich; die Platten drehten sich, aber es kam kein Geräusch im Verstärker an. Also konnte ich nur mit einem Plattenspieler arbeiten – was ich dann erst im »laufenden Betrieb« merkte.

Bei einem der zwei CD-Player gingen die meisten CDs nicht. So wollte ich die aktuelle Krawehl-Scheibe spielen; aber sie lief nur in einem der beiden Geräte. Bei jeder CD musste ich also erst einmal probieren, wo sie funktionierte.

Das Beste merkte ich erst, als ich zum ersten Mal moderierte. Im Flur zwischen den zwei Studios stand ein Radiogerät, das jemand auf »laut« gestellt hatte. Der Ton kam versetzt über den Äther – sprich, ich hörte mich selbst, aber immer mit drei Sekunden Verzögerung. Das war vielleicht seltsam ...

Meine gute Laune sackte in den Minusbereich, und dort blieb sie. Ich verfluchte das Radio, in dem ich seit 22 Jahren sendete, öffentlich – und wenn mir das jetzt ein Strafplenum einbringen soll, ist mir das auch egal. Ich war frustriert und genervt. So fällt mir der Abschied von meinem geliebten Radio echt leicht ...

04 Dezember 2017

Mittagessen mit Möwen

Eigentlich wollten wir nur etwas trinken, aber weil alle Menschen im Außenbereich der »Auberge Express« ein Essen vor sich stehen hatten, bestellten wir auch etwas. Das Restaurant bot das, was es in der ganzen Normandie an jeder Straßenecke zu essen gab: Crèpes und Galettes – die Crèpes gab es nur als Süßigkeit, weshalb ich eine Portion Galette mit Käse bestellte.

Während wir auf das Essen warteten, ließen wir uns den Kaffee schmecken. In Étretat war bisher nicht die Hochsaison ausgebrochen, dafür hielt sich das Wetter zurück; die Sonne schien, aber die Temperaturen blieben gedämpft.

Trotzdem füllten sich die Straßen von Stunde zu Stunde mehr. Reisebusse hielten am Rand der Innenstadt und spuckten Pulks von Touristen aus.

Wir genossen es, hinter der hölzernen Begrenzung zu sitzen und dem Getümmel auf der Straße zuzuschauen. Der »alte Markt« auf der anderen Straßenseite, längst zu einem Fachgeschäft für allerlei Touristenkram geworden, wurde im Minutentakt von Reisegruppen betreten und wieder verlassen.

Die Möwen hatten ebenfalls ihre Freude an den vielen Touristen. Kreischend und krächzend flogen die Vögel durch die Straßen, teilweise in einer Höhe von vielleicht eineinhalb Metern. Respekt vor Menschen kannten sie offenbar keinen.

Am Nachbartisch standen zwei Gäste auf und gingen, sie hatten kurz zuvor bezahlt. Keine fünf Sekunden vergingen, dann landete schon die erste Möwe auf dem Tisch, pickte im Teller nach Essensresten. Ich stand auf und scheuchte das Tier weg; das brauchte ich wirklich nicht.

Dann kam unser Essen. Die Galette war nicht schlecht, den Käse hatte man allerdings in derart dicken Packungen auf den Teig gelegt, dass ich mir sicher war, hinterher einen kräftigen Verdauungsschnaps zu benötigen. Ich ließ es mir dennoch schmecken, wachte mit Argusaugen über unsere Teller – um im Notfall die Möwen abwehren zu können.

Zwei Tische weiter saßen ebenfalls zwei Leute. Sie hatten offenbar Salate bestellt, ein kleiner Brotkorb aus Filz stand auf ihrem Tisch. Beide saßen relativ locker auf ihren Stühlen, jeder somit gut einen Meter Luftlinie von dem Brotkorb entfernt.

Das genügte einer Möwe. Im Sturzflug schoss sie quer über den Außenbereich des Restaurants hinweg, knapp über die Köpfe anderer Besucher hinweg; dann griff sie mit dem Schnabel zu und schwang sich in die Höhe, den Brotkorb mit komplettem Inhalt mit sich führend. Direkt vor dem »alten Markt« ließ sie ihn fallen, das Brot fiel heraus, und noch während ich – wie alle anderen – verblüfft und fasziniert zugleich diesem Husarenstück zuschaute, tummelten sich auf einmal mehrere Möwen und zerrissen das Brot in mund- und schnabelgerechte Stücke.

Ich grinste noch Stunden später über den Sturzflug der Möwe und die überraschten Gesichter der anderen Gäste. Étretat im Sommer 2017: Wenn man genau hinschaute, hatte man ein kleines Abenteuer direkt vor der Nase.

03 Dezember 2017

Goodreads und das blutende Land

In der Diskussionsgruppe bei »Goodreads« kommt mein Roman »Das blutende Land« leider nicht so gut weg, wie ich es erhofft habe. Teilweise erhielt ich die Kritikpunkte ja auch live in Stuttgart um die Ohren gehauen, mittlerweile las ich sie selbst nach. Trotz aller Kritik finde ich es gut, dass hier Leserinnen und Leser so intensiv über meinen Roman diskutierten.

Kritisiert wird auf »Goodreads« beispielsweise, dass man mit den Figuren nicht so richtig warmwerden könne – es seien doch »alles Unsympathen erster Ordnung«. Ebenfalls kritisiert wurden deutschtechnische Schwächen; so was ärgert mich natürlich sehr (weil es mir nicht aufgefallen ist): »So viele und so extreme wird mir nie ein Lektor durchgehen lassen«, wird zu den Wortwiederholungen angemerkt. 

Jemand vergleicht das Buch mit »Popcornkino«, immerhin hat jemand anderem der Roman »gut gefallen«; das hat mich ein wenig getröstet. Aber gut – da waren einige Leser mit meinem Werk nicht einverstanden. Damit muss ich klarkommen. Sie haben's klar begründet, daraus kann ich auch lernen.

02 Dezember 2017

Eine Lesung und eine Diskussion in Feuerbach

Der »Föhrich« ist ein Gasthaus mit dem Charme einer Sportheim-Gaststätte; direkt zwischen einem Sportgelände und einer Hochhaussiedlung in Stuttgart-Feuerbach gelegen. Dort trifft sich regelmäßig der Science-Fiction-Stammtisch Stuttgart, und dort war ich am Freitag, 1. Dezember 2017, als Gast eingeladen.

Rund dreißig Personen waren anwesend, einige davon hatte ich seit zwei Dutzend Jahren nicht mehr gesehen, andere nehme ich ab und zu auf Cons wahr. Die Stimmung war sehr freundlich, ich wurde warmherzig empfangen – anders kann man es nicht nennen.

Zuerst genehmigte ich mir ein Bier und eine Portion Käsespätzle; beides sehr schwäbisch und gut. Danach musste ich, weil ich mit dem Auto angereist war, mit Apfelschorle weitermachen; das war aber nicht weiter schlimm.

Wir begannen mit einem Blick in die Vergangenheit, auf die frühen Jahre der Science-Fiction-Freunde Stuttgart, zu denen ich 1980/81 auch gehört hatte. Nach dem Austausch von mehr oder weniger lustigen Erinnerungen – »wie war das damals mit Dennis Scheck?« – wechselten wir zum ernsthaften Programm.

Ich las den Prolog aus meinem Fantasy-Roman »Das blutige Land«. Danach wurde diskutiert; die meisten Anwesenden hatten das Buch gelesen. Sie hatten Lob und Kritik zu äußern; mir wurden einige Fehler vorgehalten, die ich übersehen hatte. Aber alles lief in einem Rahmen ab, den ich mir als Gelegenheitsautor wünsche: sehr höflich und sehr klar, ohne blöde Untertöne.

In der Pause signierte ich eifrig Bücher, danach ging es mit PERRY RHODAN weiter. Ich musste über meinen Job allerlei Auskünfte geben; auch hier waren die Teilnehmer sehr freundlich. Bei einigen Fragen geriet ich ins Schwitzen, was nicht nur an den hohen Temperaturen innerhalb des Gastraumes lag.

Ich reiste um 18.30 Uhr an, und ich verließ die Veranstaltung um 23.30 Uhr. Ich hätte wohl auch noch weiter Fragen beantworten und diskutieren können; mit einigen alten Bekannten tauschte ich Erinnerungen aus den 80er-Jahren aus. Alles in allem eine wunderbare Veranstaltung!

01 Dezember 2017

Die schwarze Bibliothek verblüfft mich immer

Es gibt ja Leute, die halten mich für einen Science-Fiction-Experten. Das schmeichelt mir – aber es ist nicht so ganz richtig. Das merke ich immer dann, wenn ich auf Themen stoße, die eindeutig etwas mit meinem Fachgebiet zu tun haben, von denen ich aber nichts verstehe.

So ging es mir gestern, als ich den Katalog der »Black Library« durchblätterte. Dabei handelt es sich um den Buchverlag zur Games Workshop, dem Hersteller von Fantasy-Miniaturen. Mit diesen Miniaturen und den dazu gehörigen Bausätzen werden gigantische Schlachten geschlagen und Turniere ausgetragen – es liegt nahe, dass es dazu haufenweise Romane gibt.

Ich weiß, dass es das gibt, habe aber keine Ahnung davon. »Warhammer« oder »The Hours Heresy« sagen mir etwas. Irgendwie ist das aber so wie mit irgendwelchen Metal-Bands, von denen ich den Namen kenne, aber kein Stück jemals bewusst wahrgenommen habe.

Unzählige Welten, zahllose Kriege, Monster und Raumschiffe, Magie und Technik, Orks und Drachen. Chaosmächte und Weltraumsoldaten: Das Universum scheint riesig zu sein.

Und so sitze ich da, blättere in diesem Katalog wie ein Kind, das mit großen Augen feststellt, dass die Welt hinter dem heimischen Gartenzaun weitergeht. Das ist spannend und interessant, wenngleich ich dann doch keine gesteigerte Lust darauf hatte, einen der Romane zu lesen. Ein Universum neben dem meinen halt ...

Die »Klappe Auf!« und »Das blutende Land«

Die »Klappe auf!« ist das Stadtmagazin für Karlsruhe; ich lese es, seit ich in der Stadt wohne. Die Mischung aus Artikeln, Informationen und Terminübersichten ist auch im Internet-Zeitalter unschlagbar. Ich lese die Zeitschrift nie komplett, das macht sicher niemand – aber sie ist im Monat der Veröffentlichung immer wieder in Gebrauch.

Umso mehr freut es mich, dass in der aktuellen Dezember-Ausgabe eine schöne Rezension zu meinem Roman »Das blutende Land« erschienen ist. Das Titelbild wurde abgedruckt, dazu kommt ein Text, der eine Inhaltsbeschreibung und ein Lob umfasst.

»Dank seiner bildhaften, aber niemals wild ausufernden Sprache können die Lesenden komplett eintauchen in Fricks Fantasy-Welt«, lobt der Rezensent. Es gibt dazu einen Vergleich mit »Game Of Thrones« – auch recht. Der Autor dankt artig!

30 November 2017

Tanja Kinkel und Grimms Morde

Damit ich mal mitbekomme, wie das »die echten Profis« bei ihren Lesungen machen, war ich am Mittwoch, 29. November 2017, im Regierungspräsidium in Karlsruhe. Im Rahmen der Bücherschau stellte die Autorin Tanja Kinkel ihren Roman »Grimms Morde« vor. Wir kennen uns seit einigen Jahren, wir haben auch schon zusammengearbeitet, und ihr neues Buch klingt sehr interessant.

Nach Angaben der Veranstalter waren rund 70 Personen im Buch-Café anwesend. Die Autorin wurde kurz vorgestellt, dann trug sie ein Gedicht vor, das auf die Märchenwelt der Brüder Grimm einstimmte. Danach begann sie mit der eigentlichen Lesung – diese bestand aus drei Szenen aus ihrem Roman.

In der ersten Szene schilderte sie die Konfrontation eines der beiden Grimms mit der örtlichen Polizei. Die zweite Szene führte das Geschwisterpaar Jenny und Annette von Droste-Hülshoff in die Handlung ein. Die dritte Szene fügte weitere Figuren hinzu. Die Szenen waren spannend, teilweise auch witzig.

Wie Tanja Kinkel erläuterte, hatte sie für das Buch eineinhalb Jahre lang recherchiert – das macht sie aber immer – und ein halbes Jahr lang geschrieben. Viele Elemente der Handlung entstammten der Wirklichkeit, aber natürlich hatte sie vieles erfunden; es ist ja auch ein Roman. Sie verwies auf die drückende politische Stimmung im Jahr 1821, in der in Kassel der Obrigkeitsstaat zu voller Blüte erwachte.

Nach der Lesung beantwortete die Autorin noch einige Fragen aus dem Publikum, bevor die Signierstunde anfing. Dabei ergaben sich weitere kleine Gespräche mit den Besuchern der Lesung, die allesamt einen zufriedenen Eindruck machten. Auch ich ging mit dem festen Willen, dieses Buch unbedingt lesen zu wollen.

Ich lese in Stuttgart aus meinem Roman

Die Science-Fiction-Freunde Stuttgart sind eine schon ehrwürdige Vereinigung von Science-Fiction-Fans; der Stammtisch der Gruppe trifft sich regelmäßig. Am Freitag, 1. Dezember 2017 – also morgen!!! – bin ich dort zu Gast. Man hat mich sowohl als Redakteur wie auch als Autor eingeladen.

Wie es aussieht, werde ich zuerst aus meinem Fantasy-Roman »Das blutende Land« vorlesen. Danach wird es wohl ein fröhliches Fragen-und-Antworten-Spiel geben, das sich unter anderem um meinen Beruf als Redakteur einer Raketenheftchenserie drehen wird.

Die Veranstaltung ist in Feuerbach, einem Ortsteil der schwäbischen Metropole, der ein wenig außerhalb liegt. Das Gasthaus mit dem verlockenden Namen »Der Föhrich« ist mir völlig unbekannt – das trägt alles dazu bei, dass ich tatsächlich ein wenig nervös sind. Schauen wir mal, wie das wird ...

29 November 2017

Verlagsarbeit mit Fantasiebuch

»Du arbeitest doch in einem Verlag.« So beginnen viele Gespräche, die dann schnell unangenehm werden. »Ich habe einen Gedichtsband geschrieben«, geht's in solchen Fällen gern weiter, »und den könntet ihr doch herausbringen.« Mein bescheidener Hinweis, wir würden in meinem Bereich vor allem buntbedruckte Raketenheftchen veröffentlichen, hilft leider selten.

Schön ist aber, wenn einen Menschen auf vergleichbare Themen ansprechen, von denen man glaubt, sie seien »vom Fach«. Dann wird man eben gefragt, so im aktuellen Fall, ob man dem »Sohn eines Freundes« weiterhelfen könne. Dieser sei nämlich jetzt unter die »ernstzunehmenden Fantasie-Autoren« gegangen – und genauso wurde das geschrieben – und suche einen Verlag.

Der ernstzunehmende Autor suchte nicht irgendeinen Verlag, sondern einen, der »epische und mit Tiefgang angelegte Fantasieliteratur« veröffentlichen wolle. Ich sei doch bestimmt in der Lage, hier entsprechende Kontakte herzustellen. »Nach all den Jahren kennst du sicher viele Leute.«

Ich war nach diesem Vorschlag eine Weile lang zutiefst beeindruckt, dann eierte ich herum. Wir könnten so etwas nicht selbst veröffentlichen, und ich hätte derzeit auch keinen Liste mit Verlagen und Ansprechpartnern zur Hand; diese müsste ich zuerst zusammenstellen, und dazu hätte ich keine Zeit.

Der junge Mann möge doch einfach in eine Buchhandlung seines Vertrauens gehen, dort mal schauen, was es an Fantasy gebe, dann die entsprechenden Verlage herausschreiben und auf eigene Faust weitersuchen. So garstig war ich zu dem Menschen, der mich angesprochen hatte.

Falls ich also jetzt den nächsten »Harry Potter« von der Bettkante geschubst oder aus dem Büro geworfen habe, tut's mir schrecklich leid. Aber einer von den vielen Fantasiebuchverlegern, die ich kenne, wird womöglich bald freundliche Post bekommen. Soll er oder sie doch einfach alle Bestseller-Ehrungen selbst einstecken, wenn ich zu doof dafür bin!

28 November 2017

Krawehl kommen echt aus Bielefeld

Aus Bielefeld stammt die Band Krawehl, die sich offenbar nach einem schon klassischen Loriot-Begriff benannt hat. Ob man damit Bildungsbürgertum signalisieren will, ist mir nicht klar – aber bei so einem Begriff ordnet man so eine Band doch gleich in die Kiste mit »Intelligenz-Punk« ein. (Bekanntlich hatte das Demo-Tape von ... but alive vor gut zwanzig Jahren den Titel »Krawehl, krawehl« ...)

Egal. Die Band ist gut. Die vier Herren spielen seit 2009 zusammen, brachten schon zwei Tonträger heraus und legten im Mai 2017 eine erste »große« Platte vor, die einfach nur »Krawehl« heißt. Wer die dann in die Schublade mit Emopunk einlegt, tut der Band sicher nicht unrecht. Die Gitarren klingen emomäßig, die Texte sowieso.

Aber der Gesang – der ist definitiv anders. Der Sänger brüllt geradezu, trotzdem klingt das alles sehr melodisch. Vor allem bei Textzeilen wie »ihr kotzt mich an« wirkt das wütend und deutschpunkig, nicht gerade intellektuell-emomäßig, und das finde ich dann echt sympathisch.

Hört man genauer hin, werden die Texte eh besser. Sie behandeln in oftmals sarkastischer Weise allgemeine Themen, greifen bei »Déjà vu« auch mal die Interna der Punkrock- und Independent-Szene an und zeugen insgesamt von eigenen Köpfen.

Zum Brüllgesang bollern das Schlagzeug, die im Hintergrund singenden Musiker sorgen für eine gute Untermalung, der Sound ist schnell und intensiv. Das gefällt mir sehr gut, das ist Emo mit Druck und Emotion, kein Geheule – stark!

Die wahren Monster sind Menschen

Belford ist eine typische amerikanische Kleinstadt. Die Menschen gehen ihrer Arbeit nach, die Jugendlichen stromern auf der Straße herum, es herrschen Sauberkeit und Ordnung. In dieser Welt wohnen der 14 Jahre alte Toby und sein Freund Frankie, die mitten in der schlimmsten Pubertät stecken: Sie reden in coolen Sprüchen über Mädchen und Musik, trinken erstmals Alkohol und träumen davon, endlich erwachsen zu werden.

So harmlos beginnt der Roman »Der Schmerz des Erwachens«, den der kanadische Schriftsteller Brett McBean verfasst hat. Veröffentlicht hat ihn der Festa-Verlag, seit bald drei Jahrzehnten ein Garant für Phantastik-Literatur aller Art. Zuletzt brachte der Verlag viele Romane heraus, die »extrem hart« waren, sprich, sehr gewalttätig – dieser Roman erinnert eher an die frühen Werke von Stephen King, in denen der Horror sehr langsam in eine Kleinstadt zieht und die schlimmsten Monster eigentlich die Menschen sind.

Das muss auch der Held der Geschichte lernen. Toby ist sich über seine Gefühle unsicher, er macht ungern bei den groben Späßen seiner Kumpels mit. Er findet den dunkelhäutigen Nachbarn zwar irgendwie seltsam, möchte aber nicht den rassistischen Hass übernehmen, den viele junge Leute in der Kleinstadt auf den geheimnisvollen Mann richten. Gleichzeitig ist Toby heillos in ein hübsches Mädchen aus der Schule verliebt, ohne »ernsthafte Schritte« in die richtige Richtung zu unternehmen.

Der Autor schafft es, aus dieser Teenager-Geschichte einen phantastischen Roman zu entwickeln. Langsam taucht der Horror auf, es gibt Verbindungen zu Haiti und zu alten Voodoo-Geheimnissen, und Toby muss bald erkennen, wie viele Dinge zusammenhängen. Er wird von Unbekannten brutal verprügelt, es kommt zu hasserfüllten Schmierereien an Hauswänden – in solchen Sequenzen erinnert die Beschreibung der amerikanischen Kleinstadt übrigens durchaus an die Entwicklung in manchen bundesdeutschen Städten der vergangenen Jahre ...

Brett McBean hat einen spannenden Roman geschrieben, der tatsächlich auch politische Inhalte transportiert. Es geht immer wieder um Rassismus und Menschenhass, gegen die der Autor die Menschlichkeit und die Freundschaft setzt. All das wird von ihm allerdings sehr zurückhaltend präsentiert, auf einen erhobenen Zeigefinger verzichtet er.

»Der Schmerz des Erwachens« wird geradlinig erzählt, die Perspektive ist immer eindeutig. Man fühlt als Leser mit Toby, man wird mit ihm erwachsen. Auf brutale Szenen verzichtet der Autor, das finde ich angenehm (manche Titel aus dem Festa-Verlag sind mir zu effekthascherisch und blutig); der Grusel wird in einer ruhigen Art vermittelt.

Ich las das Buch mit wachsender Spannung, nachdem es mich vom Anfang an in seinen Bann gezogen hatte. Einige Schlampereien in der Übersetzung störten am Anfang, die ich aber bald ignorieren konnte. Wer auf Horror-Romane steht, wie sie Stephen King etwa in den 80er-Jahre veröffentlichte, sollte »Der Schmerz des Erwachens« zumindest mal antesten.

Das Buch ist als Sammlerausgabe erschienen, limitiert auf 666 Exemplare, die auch nummeriert sind – ich habe die Nummer 145. Autogramme des Autors sowie des Illustrators Fabian Fröhlich zieren es zudem. Entsprechend hochpreisig ist das Buch, und man kann es nur direkt beim Verlag kaufen. Ich fand aber, dass es das Geld wert ist; es ist im Bücherregal auf jeden Fall ein Schmuckstück.

Erschienen ist der Roman im Herbst 2015, er umfasst 576 Seiten und kostet 39,99 Euro. Weitere Informationen sowie eine Leseprobe gibt's auf der Internet-Seite des Festa-Verlages.

27 November 2017

Was war im November 2007?

Schaue ich zehn Jahre zurück, wird mir wieder klar, wie widersprüchlich mir der November 2007 vorkommt. Ich flog für eine Woche nach Spanien; ich wollte Sonne tanken und an meinem Thriller weiterschreiben. Dann kam leider einiges ganz anders ... Ich versuche den Rückblick anhand meines Blogs.

Am 18. November schrieb ich unter »Im Urlaubergebiet« – immer in dem kleinen Internet-Café um die Ecke sitzend – einen allgemeinen Bericht über die Gegend, in die es mich verschlagen hatte. Ich hatte mir ein Hotel ausgesucht, das zwischen anderen Hotels und entsprechenden Restaurants stand; alles sehr touristisch.

»Ein bisschen Alltagsrassismus« fiel mir am 19. November auf. Ich bin sicher, dass man in dieser Gegend heute dieselben Beobachtungen machen kann.

Ich bummelte viel durch die Gegend, schrieb dann nicht so viel, wie ich wollte. Das Hotelzimmer war auch nicht dazu geeignet. Ein wenig jammerig schrieb ich am 20. November dann »Zwischen zwei Städten«.

Unter »Nicht unfleißig« brachte ich am 21. November einige Gedanken zu meiner Schreiberei zu Papier. Na ja, ich tippte sie natürlich in den Computer – aber das mit dem Papier klingt halt einfach besser.

In einer Urlauberhochburg gibt es auch Diskotheken und anderer Kram. Ich ignorierte das alles, bekam aber genug  »Wildes Nachtleben« mit und schrieb darüber.

Was es über »Englische Sitten und Gebräuche« zu sagen gibt, hätte ich vor meinem Aufenthalt in Spanien auch kaum sagen können. Am 23. November schrieb ich – hoffentlich augenzwinkernd genug – von einer seltsamen Begegnung in der Nacht.

Und dann sah ich Produkte des Verlages, für den ich arbeite! Das erschütterte mich so, dass ich den kurzen Text »Ein Gefühl von Heimat« darüber verfasste. Kurz darauf war auch schon der einwöchige Urlaub vorüber ...

26 November 2017

Ein verwirrender Arbeitstag

Wo zum Teufel war denn eigentlich mein Büro? Ich stand im Eingang des Verlagsgebäude und fühlte mich völlig orientierungslos. Autos hielten auf dem Parkplatz, Leute eilten an mir vorüber. Einige kannte ich, die meisten hatte ich noch nie gesehen. Dabei wollte ich nach dem langen Wochenende doch nur wieder an meine Arbeit gehen.

Im Eingangsbereich sprach ich jemanden an. Ob er denn wisse, wohin ich denn müsse? Er schaute mich verwirrt an, dann sagte er: »Du bist doch jetzt auch im Großraumbüro.« Er wies zur Druckerei. »Dort hinten, im neuen Gebäude natürlich.«

Schemenhaft erkannte ich ein großes Gebäude, viel Glas, viel Metall, das ich nicht wahrgenommen hatte. Ich nickte. Jetzt fiel mir alles wieder ein. Ich bedankte mich hektisch und eilte los.

Als ich an der Druckerei vorbeikam, erkannte ich wieder niemanden. Einige Männer in dunklen Anzügen standen mit zwei Druckern zusammen, die ihre roten Latzhosen anhatten. Was wollten die Männer im Anzug denn hier? Einer von ihnen nickte mir zu, als ich vorüberging, aber ich reagierte nicht darauf. Was machten sie hier?

Das Großraumbüro erkannte ich sofort. Dutzende von Schreibtischen in einem riesigen Saal, überall Leute, die durcheinander liefen, die telefonierten oder auf ihren Computern herumtippten. Smartphones und Tablets lagen bereit, Regale gab es keine mehr. Ich stand im Eingangsbereich und wusste nicht, wohin ich sollte.

Mühsam frage ich mich zu meinem Arbeitsplatz durch: ein nackter Schreibtisch, keine Unterlagen, nur ein Computer, der immerhin angeschlossen war, keine Kollegen in der Nähe, die ich etwas fragen konnte. Ich saß da, schwitzte, fühlte mich völlig verunsichert. Als ich in diesem Augenblick aufwachte, kam es mir wie eine Erlösung vor.

25 November 2017

Eine Stunde in der Schreibnacht

Bis vor wenigen Wochen wusste ich nicht, was die Schreibnacht ist. Ich hatte den Begriff zwar via Twitter schon wahrgenommen, hatte ihn aber für mich nicht einordnen können. Seit dem Freitagabend, 24. November, weiß ich mehr darüber; ich war nämlich ein »Special Guest«.

Bei der Schreibnacht handelt es sich – grob gesprochen – um ein Online-Forum für Menschen, die gerne Geschichten und Romane verfassen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Alters- und Berufsgruppen. Die 16 Jahre alte Schülerin ist ebenso dabei wie die erfahrene Lektorin. Diskutiert wird im Forum, man gibt sich Ratschläge oder tauscht sich über Ideen aus.

In regelmäßigen Abständen gibt es dann die wirkliche Schreibnacht. Zu einem bestimmten Termin versuchen die Autorinnen und Autoren, dann in dieser Nacht zu schreiben. Damit sie das nicht allein machen müssen, vernetzen sie sich im Forum – dort tauschen sie aufmunternde Sätze aus, posten Fotos oder schreiben auch darüber, welche Probleme sie akut haben.

Solche Online-Schreibgruppen halte ich für sinnvoll, vor allem dann, wenn die Leute darin gut zusammenwirken. Ich war von 20 bis 21 Uhr dabei, vom heimischen Schreibtisch in Karlsruhe aus. Als »Special Guest« sollte ich Fragen zu meiner Arbeit und zu meinem aktuellen Roman beantworten.

Anfangs war es ruhig, dann kam Frage auf Frage. Kaum hatte ich eine beantwortet, gab es gelegentlich eine Rückfrage oder einen weitergehenden Hinweis. Das machte mir großen Spaß, wenngleich es ein wenig anstrengend war. Nach einer Stunde hatte ich zwanzig Fragen beantwortet.

Was das jetzt gebracht hat? Ich hoffe, für die Schreibnacht-Interessierten, die ja auch heute und an den folgenden Tagen diese Fragen und Antworten anschauen können, gab es gute Einblicke in das Berufsleben eines Redakteurs. Und für mich? Ich lernte eine aktive Schreibgruppe kennen – so etwas hätte ich vor vielen Jahren sicher auch brauchen können. Schön!

24 November 2017

Eine Therme wie ein Raumschiff

Bad Aibling kannte ich bislang nur aus uralten Berichten: Hier wohnte in 60er-Jahren einer der Autoren, die für die Heftromanserie Pate standen, an der ich heute noch arbeite. Hier trafen sich Science-Fiction-Fans, hier wurden Grundlagen für die spätere Fan-Szene gelegt, von denen ich in den 80er-Jahren lernen konnte.

Und in Bad Aibling gibt es eine Therme. Sie ist schön, wenngleich nicht besonders groß – und eigentlich müsste man nicht unbedingt von Karlsruhe aus bis ins bayerische Alpenvorland fahren. Doch die Therme weist eine Besonderheit auf: Sie wird von großen Kuppeln beherrscht, die dem ganzen Ensemble tatsächlich den Charakter eines Raumschiffes geben.

Im Innern ist die Therme sauber und gepflegt; es gibt einen schönen Saunabereich, bei dem sich einige Einrichtungen auf »der anderen Seite« des Saunagartens befinden. Als ich mich dort aufhielt, herrschte teilweise ein kaltes Regenwetter vor.

Wenn ich dann vom Hauptgebäude aus in eine der außerhalb gelegenen Saunen gehen musste, nieselte es kühl auf mich herunter. Beim Gang zur Sauna fand ich das immer unangenehm. Ging ich dann zurück, aufgehitzt durch den Aufenthalt in neunzig Grad, war mir das Wetter völlig egal.

Aber ich genoss den Aufenthalt dort sehr. Ich las in aller Gemütsruhe einen Krimi, der im feuchtkalten England des 19. Jahrhunderts spielte – das gab eine schöne Übereinstimmung. Ich ließ mich durch das warme Wasser der Therme treiben, ich schwitzte in den unterschiedlichen Saunen und pennte bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit ein.

In den Science-Fiction-Kuppeln von Bad Aibling entspannte ich schön. Und das ist das wohl wichtigste, was ich dann heute über diese Stadt sagen kann ...

23 November 2017

Wir müssen in die Politik

Es war eines dieser Gespräche, die ich in jüngster Zeit öfter führte. Wir sprachen über Politiker und Parteien, ärgerten uns lautstark über die FDP und ihre Führung, steigerten uns in eine Wut auf die CSU und ihre Machenschaften hinein, gingen über zur CDU und ihrer wachsweichen Vorsitzenden, die sich aber wundersamerweise immer wieder durchsetzen kann, wehklagten über die SPD, die nicht sozialdemokratisch ist, und so weiter ...

Und dann sah sie mich an und sagte: »Leute wie wir müssen in die Politik. Wir ärgern uns nur, wir stänkern nur herum, aber wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir in eine Partei eintreten.« Nur dann könnten wir etwas ändern, alles andere sei doch verschwendete Zeit.

Ich starrte vor mich hin. Klar, sie hatte recht. Theoretisch funktioniert Demokratie ja so: Engagierte Bürger gehen in die Parteien, bringen sich ein und sorgen dafür, dass ihre Themen auf die Agenda kommen. So entstanden beispielsweise die Grünen – in der erstarrten Drei-Parteien-Republik der späten 70er-Jahre musste sich jemand finden, der sich für die Umwelt engagierte.

Aber jetzt? »Ich war schon einmal politisch aktiv«, sagte ich und verschwieg in diesem Fall meine Mitarbeit in der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands. »Ich war Juso, ich war bei der SPD, ich war in verschiedenen politischen Gruppen. Und es hat mich von Sitzung zu Sitzung mehr angeekelt.«

»Aber wenn das alle machen, gehen halt nur die Leute in die Politik, die auf solche Gremien und Diskussionen ernsthaft Lust haben.« Sie blieb stur. »Wenn man engagiert sein will, muss man sich auch engagieren, so einfach ist das.«

Unsere Diskussion endete bald, wir gingen nicht zu sehr ins Detail. Letztlich blieb es bei Konjunktivsätzen mit vielen »wir müssen« und »man sollte«. Ich sehe mich tatsächlich nicht in einer Partei; allein die Vorstellung lässt mich vor Grauen erzittern.

Aber das kann’s ja auch nicht sein …

22 November 2017

Ein »ordentlicher Roman«

Als »einen ordentlichen Roman im klassischen Gewand, allerdings ohne großartige Innovationen« bezeichnet die Seite »buchkritik.at« meinen Roman »Das blutende Land«. Die Rezension verfasste Alfred Ohswald, den ich nicht kenne; sie fällt recht zwiespältig aus, wobei der Rezensent allerdings die verschiedenen Seiten berücksichtigt.

Mit manchem Lob muss ich mich allerdings noch anfreunden. Bei »Erzähltechnisch gibt es auch wirklich kaum etwas auszusetzen« freue ich mich sehr.

Aber dann geht's mit den Einschüben los: Ich beherrsche das »durchaus« – also nicht so richtig – und mit »einem gewissen handwerklichen Können«, was ja ebenfalls nicht so richtig begeistert klingt.

Es ist also kein Verriss geworden, aber auch keine Lobeshymne. Ich glaube, damit kann ich dann doch ganz gut leben ...

21 November 2017

Schöne Aktion von Suhrkamp

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das mutig finden soll oder einfach nur »cool«: Der Suhrkamp-Verlag hat die Aktion »wiederentdeckt« gestartet. Was damit gemeint ist? Man bietet auf einen Schlag über 1500 Bücher neu an, die seit längerer Zeit verlagsvergriffen waren. Die sogenannte Backlist wird somit stark aufgewertet.

Warum ich das mutig finde? Es ist sehr aufwendig, eine sogenannte Backlist zu pflegen. Schließlich muss man ein Buch, das schon länger existiert, dafür mit einer gewissen Auflage drucken, legt es irgendwohin, wo es hoffentlich nicht kaputtgeht, und hofft dann, die gedruckte Auflage in einer vernünftigen Zeit verkaufen zu können.

Die Verkäufe sind meist eher gering, und so dauert es echt seine Zeit, bis so ein Backlist-Titel in den schwarzen Zahlen ist. Auf der anderen Seite bindet ein Verlag auf diese Weise viel Kapital: Die Bücher werden gedruckt, auch das Lager kostet Geld, und der Verkauf ist eher schleppend. Bis man also sagen kann, dass sich so ein »altes Buch« richtig lohnt, vergeht einfach einige Zeit.

Es gibt also ein Risiko bei den Verlagen. In jüngster Zeit betrachteten die meisten Verlagsleute und wohl auch Leser die E-Books als Ausweg aus der Misere – für diese muss man nicht für teures Geld drucken. Dass Suhrkamp jetzt bewusst sagt, dass sie kleine Auflagen drucken und sogar auf Print On Demand zurückgreifen, finde ich gut.

E-Books sind eine tolle Sache. Für Menschen, die aber gern ein schönes Buch in der Hand halten, ist diese Aktion ein positives Signal: Print lebt also doch!

20 November 2017

The Guilt und ihr grandioser Lazerpunk

Es gibt immer wieder Bands, die mich verblüffen und umhauen: The Guilt aus Schweden zählen dazu. Die Band schafft es tatsächlich, ihr gnadenloses Gebratze so zu servieren, dass ich durch die Wohnung oder durchs Auto springen möchte. Dabei sind es nur zwei Leute: die Sängerin Emma und der Gitarrist Tobias, die seit Dezember 2012 zusammenspielen.

Laut eigener Angabe wollten die beiden einfach laute und schnelle Musik fabrizieren, das nennen sie dann selber Aerobic-Lazerpunk, und so klingt es. Nach einer EP kam die erste längere Platte im Sommer 2017 raus; sie heißt schlicht »The Guilt« und enthält zehn Knaller zwischen Elektro und Punk, die mich echt begeistern.

Das ist ziemlich krachig und ziemlich großartig. Das Schlagzeug wummert – klar, es ist ein Drumcomputer – , die knallige Sängerin hat ein großes Stimmvolumen, der Gitarrist lässt sein Instrument mal kreischen, dann klingt es wieder punkrockig, dann kommen fast schon ruhige Töne, oder die Gitarre klingt wie ein Bass. Gelassen und abgeklärt ist da nichts.

Man muss sich vorstellen, dass der Disco-Sound der späten 70er-Jahre mit ein wenig Digital-Hardcore der 90er-Jahre und rabiatem Punkrock gekreuzt wird. Das Ergebnis ist wandlungsfähig und energiegeladen; ein extrem tanzbarer Sound zwischen Pogo und Disco-Gehüpfe. Großartig!

Eindrucksvoller Krimi-Blick nach Saudi-Arabien

Ich war nie in Saudi-Arabien. Meine Besuche in den Vereinten Arabischen Emiraten oder in Ägypten waren stets touristischer Natur – meine Informationen über arabische Sitten, Gebräuche und Staaten beziehe ich also aus den Medien, wie die meisten anderen Menschen auch. Deshalb fand ich den Roman »Totenverse« so spannend, den die amerikanische Autorin Zoe Ferraris verfasst hat.

Es ist der zweite Teil einer kleinen Krimi-Serie, die in Saudi-Arabien spielt. Ich kam aber gut in die Handlung rein; man muss nicht wissen, was im ersten Band passiert ist. Das liegt schlichtweg an den guten Figuren, die von der Autorin glaubhaft ausgestaltet und durch die Handlung geführt werden.

Der Roman beginnt damit, dass eine junge Frau am Strand von Dschidda gefunden wird. Als bekannt wird, dass sie eine Filmemacherin ist, liegt die Schlussfolgerung nahe: Sie wurde umgebracht, weil sie an einem zu westlich orientierten Filmprojekt mitwirkte. Das geht in einem streng muslimischen Land wie Saudi-Arabien offenbar nicht.

Die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen, was sich als schwierig heraussstellt: Ein Polizist kann eine Ausländerin nicht einfach verhören, er darf nicht einmal in das Haus einer unverheirateten Frau gehen. Für die junge Pathologin, die neben einem jungen Touristenführer die Hauptperson des Romans ist, sind all diese Zwänge allgegenwärtig und selbstverständlich.

Wie einengend die muslimischen Regeln sind, wird in dem Roman klar und eindeutig geschildert. Die Autorin wohnte einige Jahre in Saudi-Arabien, kennt sich also wirklich aus. Ich halte ihre Schilderungen eines Lebens zwischen Moderne und Altertum für glaubhaft und spannend, fast schon für spannender als den Kriminalfall und seine Auflösung.

Im eigentlichen Fall geht es um Moral und um den Koran, er behandelt muslimische Verse, die es eigentlich nicht geben dürfte und die viele Menschen verwirren. Das ist packend erzählt, klingt streckenweise wie ein großer, breit angelegter Gesellschaftsroman, bleibt aber immer klar in seiner Erzählweise.

»Totenverse« ist ein eindeutiger Krimi: Es gibt einen Fall, es gibt Detektivarbeit, und es gibt eine Lösung. Und es ist kein antiislamisches Werk; die Autorin zeigt die Schattenseiten des radikalen Islam und schildert das Leben mit den strengen Regeln, die in dieser Weltgegend üblich sind.

Die Einblicke in die arabische Kultur wirkten auf mich überzeugend. Wer einen ungewöhnlichen Krimi lesen möchte oder mehr über Arabien wissen will, ist hier an der richtigen Adresse. (Das Taschenbuch und das E-Book des Romans sind nach wie vor im Handel erhältlich.)

19 November 2017

Schneeflocken und Blähungen

Nachdem Kathrin Lange am zweiten Tag sehr eloquent und sehr klar ihre Arbeitsmethode »Plotten für Chaoten« vorgestellt hatte, mit der sich sicher ein Roman skizzieren und auch schreiben lässt, war ich am Sonntag mit einem Referat dran. Ich wollte darstellen, dass man mit der sogenannten Schneeflocken-Methode ebenfalls gut planen und schreiben kann – wobei diese Methode bei mir immer als Blähmethode bezeichnet wird.

Also erläuterte ich erst einmal, wie ich versucht hatte, meinen Fantasy-Roman »Das blutende Land« zu planen. Dabei stellte ich fest, wie schwierig es war, solche Abläufe – ich nicht verschriftlicht habe – den Außenstehenden zu erklären. Entsprechend zahlreiche waren die Zwischenfragen, auch deshalb, weil ich mich teilweise wohl unverständlich ausgedrückt hatte. Ich war hinterher ziemlich verschwitzt ...

Was ich an dieser Methode spannend finde, ist die Tatsache, dass man sehr früh mit dem Schreiben anfangen kann und nicht alles durchplanen muss. Der Roman wird grob skizziert, man kann dann auch an den unterschiedlichsten Stellen zu schreiben anfangen und ist beispielsweise auch recht frei darin, einzelne Handlungsblöcke zu formulieren – problematisch könnte aber schon sein, dass man viel nachplanen muss.

Wir verbrachten den Sonntag noch einmal mit intensiver Arbeit an den Romanen. Sowohl meine Mitdozentin Kathrin Lange als auch ich führten viele Einzelgespräche, die hoffentlich den jeweiligen Autorinnen und Autoren (es waren zwölf Frauen und vier Männer) weiterhelfen würden. Und als wir um 12.30 Uhr dann Feierabend hatten, fühlte ich mich gebührend geschlaucht ...

18 November 2017

Das Plotten stand im Zentrum

Der zweite Seminartag in Wolfenbüttel ist üblicherweise derjenige, der am längsten dauert und das anstrengendste Programm aufzuweisen hat. Das liegt schlichtweg daran, dass wir mehr Stunden zur Verfügung haben, in denen wir die Autorinnen und Autoren mit Theorie und Praxis vollstopfen können. Der heutige Samstag, 18. November, war hierfür wieder ein gutes Beispiel.

Nachdem wir gestern vor allem eingereichte Texte besprochen und ein Redaktionsgespräch geführt hatten, setzten wir morgens zuerst die Arbeit an den Texten fort. Die Teilnehmer hatten eine Szene aus ihrem jeweiligen Romanprojekt vorgelegt, dazu eine Handlungsübersicht sowie eine Liste mit Fragen und kritischen Punkten. Das konnten wir in den Gesprächen teilweise sehr gut diskutieren.

Kathrin Lange stellte nach dem Mittagessen ihre Methode vor, der sie den schönen Titel »Plotten für Chaoten« gegeben hat. Mit dieser Methode kann man in der Tat die Handlung eines Romans sehr gut entwerfen – man muss sich allerdings darauf einlassen. Nach einem Vortrag und einer Diskussionsrunde ging es an die eigentlichen Arbeiten.

Vor allem der Abend bestand für die Autorinnen und Autoren darin, mithilfe von Zetteln und Kartons, Pinnwänden und dicken Filzstiften das aufzuschreiben, was sie in ihrem Roman verwenden wollten. Kathrin und ich versuchten zu helfen, wo das möglich war; natürlich diskutierten die Teilnehmer auch untereinander.

Es herrschte eine sehr kreative Stimmung, die ich mochte und die mir viel Vergnügen bereitete. Ich bin sicher, dass die meisten Teilnehmer diese gute Stimmung nach Hause mitnehmen werden. Und vielleicht wird aus dem einen oder anderen Romanprojekt tatsächlich ein fertiger Roman, der veröffentlicht wird – das würde mich freuen.

17 November 2017

Der Fischer, das Kind und die Bahn

In der Straßenbahn konzentriere ich mich meist auf meine Zeitung und blende die Geräusche um mich aus. An diesem Morgen ist es anders, und ich brauche einige Zeit, um zu verstehen, was eigentlich abgeht.

Links von mir sitzen eine Frau und ein Mädchen, beide haben einen dunklen Teint und sehen aus, als ob sie aus Südostasien kämen. Zuerst haben sie sich in einer Sprache unterhalten, die ich gut ausblenden kamm, weil ich keine einzige Silbe verstehe. Doch jetzt benutzt das Mädchen immer mehr deutsche Wörter.

Da erkenne ich sie. »Fischer Fritz frische Fische« sagt das Kind in einem recht ordentlichen Deutsch. Die Frau sagt etwas in ihrer Sprache, das Kind lacht und wiederholt leise, aber so, dass ich es noch verstehe: »Fischer Fritz frische Fische.«

Einen Augenblick lang zuckt der urdeutsche Instinkt in mir hoch, das Kind zu verbessern, mich zu ihm hinüberzubeugen und ganz ruhig den alten Zungenbrecher »Fischer Fritz fischt frische Fische« herunterzurappen. Aber ich lasse es. Nicht nur deshalb, weil ich nicht als Besserwisser dastehen möchte, sondern auch deshalb, weil ich mich garantiert versprechen würde. Und blamieren will ich mich nun mal nicht.

Ich stecke den Kopf wieder in meine Zeitung und lese Artikel über das aktuelle Weltgeschehen mit all seinem Wahnwitz. Und rechts von mir übt das Kind weiter, »Fischer Fritz frische Fische«, immer wieder unterbrochen von leisen Bemerkungen der Frau.

16 November 2017

Als Vorlesepate in einer Grundschule

24 Augenpaare schauten mich erwartungsvoll an, gelächelt wurde kaum, eher schlug mir ein wenig Skepsis entgegen: Ich hatte meine erste Lesung in einer ersten Klasse. Selbstverständlich brachte ich kein Buch mit, das ich selbst geschrieben hatte, das wäre für die sechsjährigen Kinder sicher nicht ideal gewesen – ich hatte ein Buch von Astrid Lindgren unterm Arm.

Die Lehrerin stellte mich vor, ich erzählte ein wenig von mir und meiner Arbeit. Um zu zeigen, was ich beruflich mache, zeigte ich ihnen Silberbände. Die Kinder waren hin und weg; Raumschiffe und Aliens, dazu Wackelbilder und Silberumschlag – es war danach echt schwierig, sie auf das Vorlesen zu konzentrieren.

Ich las den Anfang von »Michel aus Lönneberga«, konkret, die Geschichte mit Michel und dem Suppentopf. (Wer die nicht kennen sollte, möge sie sich dringend besorgen und ebenso dringend den Text lesen.) Dabei stellte ich fest, dass die Geschichte für heutige Kinder schon fremdartig wirken kann: Wissen die wirklich, was ein Pferdefuhrwerk ist und dass man auf einem Hof durchaus auch Knechte und Mägde beschäftigt?

Die Aufmerksamkeit der Kinder war durchaus wechselhaft. Manche waren völllig fasziniert und hörten konzentriert zu, andere konnten keinen fünf Sekunden lang still sitzen. (Übrigens egal, ob es »biodeutsche« Kinder oder Migrantenkinder waren.) Ich las deshalb auch nicht am Stück vor, sondern zeigte Bilder oder stellte – zusammen mit der Lehrerin – mal eine Zwischenfrage.

Ich brachte die Unterrichtsstunde ganz gut rum, denke ich. Hinterher bedankten sich die Kinder alle einzeln, so nach dem Motto, »das war toll, dass du uns vorgelesen hast«. Dann stürmten sie in den Pausenhof hinaus; das war doch spannender als so ein alter Mann und seine Bücher.

Um es klar zu sagen: Ich war abschließend verschwitzt, ich fand das anstrengend. Mein Respekt vor Lehrerinnen und Lehrern in der Grundschule, der sowieso schon groß ist, war weiter gewachsen.

15 November 2017

Die angeblich älteste Kneipe der Welt

Das »Café Vlissinghe« behauptet von sich, »probably the oldest pub« der Welt zu sein. Seit 1515 wird angeblich in den Mauern des ehrwürdigen Gebäudes ausgeschenkt, Bier und allerlei andere Getränke – und natürlich musste ich dort selbst ein Bier trinken.

Sagen wir so: Wer durch Brügge spaziert, glaubt alles, was an den Häusern steht. Die sehen nicht nur so aus, als stünden sie seit dem Mittelalter, die riechen häufig auch so.

Wobei ich im »Vlissinghe« kein schlechtes Gefühl hatte. Das Café ist in einer eher bescheidenen Seitenstraße zu finden, am Rand der turbulenten Altstadt von Brügge, in einer Ecke, in der die Busladungen von Touristen nicht ganz so oft hinfinden.

Es wird tatsächlich flämisch gesprochen, und die meisten Gäste sahen aus, als seien sie aus der Stadt. Touristen wie ich wurden allerdings als selbstverständlich wahrgenommen, mit meinem schlechten Englisch kam ich gut durch.

Von außen sieht die Kneipe ganz gewöhnlich aus, auch innendrin haut sie einen nicht um: Tische und Stühle auf einem Holzboden, eine Theke, einfach eine Kneipe, die gemütlich wirkt und sicher nicht den Charakter eines Sterne-Restaurants ausstrahlt, das ja auch nicht sein möchte. Es riecht nach Bier und Essen, ganz normales Gaststubenessen, und es läuft Musik, die einen nicht aufregt.

Dahinter kommt ein schöner Biergarten. Als ich dort saß und ein schönes belgisches Bier trank, kam immer wieder die Sonne heraus; das tat richtig gut. Ansonsten hatte ich einen eher kühlen Tag erwischt. Der Biergarten ist wirklich ein Garten – es gibt Rasen und Büsche, einige Tische stehen herum, und das Personal muss über eine Treppe hinaus ins Freie.

Das ist gemütlich, ein schöner Ort, um bei einem Bier den Nachmittag zu vertrödeln. Das machte ich in Brügge jetzt einmal – ich bin sicher, dass ich mal wieder im Biergarten des »Vlissinghe« sitzen werde. Ich muss schließlich auch noch die anderen Biersorten ausprobieren!

14 November 2017

Atomic und ihr angenehmer Gitarrensound

Wer aus dem Bayerischen Wald kommt und sich Atomic nennt, hat schon einmal gesundes Selbstbewusstsein als Band. Die Band wurde 1997 gegründet, der Name bezog sich aber anscheinend auf das »Atomic Café« in München.

Diverse Tonträger wurden seit 2006 veröffentlicht, die Band hatte viele Auftritte und gewann einige Preise. Ich kenne nur die zweite Platte, die »Coming From The Streets« heißt, 2008 herauskam und ausgesprochen netten IndieRock oder auch meinetwegen IndiePop bietet. Sicher wird es jemanden geben, der die Band auch in eine Emo-Ecke stecken wird.

Was die Burschen machen, ist klassisch anmutende Gitarrenmusik, die unsereins immer noch sehr gern hören mag, die mal an die Beatles erinnert, ohne peinlich zu sein, die aber auch mal moderne Anklänge an Oasis und Co. nimmt. Manchmal geht's ordentlich voran, dann wieder gibt es nachdenkliche Stücke, deren Melodien gut ins Ohr gehen.

Textlich servieren die Jungs eher Liebeslieder und persönliche Songs; vielleicht ist das ein Grund, warum der schicken Langspielplatte kein Textblatt beiliegt. Insgesamt ist das tolle Musik zum Anhören; eine Band, die ich spät entdeckt habe, die mir aber gut gefällt.

Eine Dystopie als Parabel auf unsere Zeit

Der Roman »Die Stadt der Wahrheit« wurde in den USA bereits 1990 veröffentlicht, erhielt später den Nebula Award und wurde 1993 als Taschenbuch in deutscher Sprache publiziert. Warum ich ihn erst dieser Tage las, kann ich so genau nicht sagen – aber der schmale Roman von James Morrow passt tatsächlich gut in die aktuelle Zeit.

Der Autor, der mir vor allem durch seinen brillanten Roman »Das Gottesmahl« in hervorragender Erinnerung ist, stellt eine Welt vor, in der es keine Lügen mehr gibt. Lügen sind ausgerottet, alle Menschen sprechen die Wahrheit.

Die sogenannte Brutalotruppe – also die Polizei – sorgt dafür, dass die Regeln durchgesetzt werden, Rock-Bands nennen sich »Redlichkeit« und machen entsprechende Musik. Und damit auch wirklich alle die Wahrheit sprechen, werden Kinder im Alter von zehn Jahren mithilfe einer derben Gehirnwäsche dazu gebracht, künftig Schmerzen bei Unwahrheiten zu empfinden.

Das klingt wie eine Parabel auf unsere heutige Zeit, auf sogenannte Fake News und Alternative Fakten. Tatsächlich ist die Welt, die James Morrow entwirft, nicht bis ins letzte Detail durchdacht. Der Autor wollte keine komplette Gesellschaft entwickeln, sondern eine menschliche Geschichte erzählen, in der es eben um Wahrheit und Lüge geht.

Spätestens dann, als der Sohn des Helden an einer unheilbaren Krankheit leidet, wird die bisher skurrile Geschichte immer emotionaler und trauriger. Der Held stellt fest, dass es unter der Stadt Veritas eine Stadt der Lügen gibt, zu der er Zugang findet. Er wird zum Schwindler, zu einer Person also, die bewusst die Unwahrheit sagen kann. Das alles tut er nur, damit sein Sohn in seinen letzten Lebensmonaten nicht zu sehr leidet.

Auch die Stadt der Lüge wird zu einer Art Diktatur. Gleichzeitig entwickelt sich die Geschichte zu einer moralischen Parabel über Liebe und Zuneigung, sie endet zuletzt traurig und hoffnungsvoll zugleich.

Es gibt durchaus Gründe, warum »Die Stadt der Wahrheit« so in Vergessenheit geraten ist – das Werk taucht ja nie auf einer »Bestenliste« auf –, und einer der Gründe ist sicher die eher dünne Handlung. Der Roman wirft Fragen auf, er stellt seine Hauptfigur vor zentrale Entscheidungen, und er ist sehr emotional.

Damit ist der Roman ein gutes Beispiel für moderne Science Fiction, die komplett ohne Raumschiffe und Supertechnik auskommt, stattdessen gesellschaftliche Themen aufgreift. Lesenswert – leider nur sehr schwierig zu bekommen.

13 November 2017

Ein Blick auf den Säbtämbä

Es ist immer wieder schön, in alten Fanzines zu blättern. Heute machte ich das in einer Ausgabe des »Fandom Observer«. Die Macher hielten es damals offenbar für einen Luxus, eine Bandnummer aufzudrucken oder diese im Impressum zu nennen – das Heft erschien im September 1990, der auf dem Cover als »säbtämbä« bezeichnet wird. (Man kann dann leicht errechnen, dass es die Ausgabe 15 gewesen sein muss.)

Mancher Humor früherer Zeiten ist nach Jahrzehnten nicht mehr nachvollziehbar, auch manche Auseinandersetzungen dieser Jahre sind völlig unverständlich. So gibt es eine Rubrik, in der Hermann Ritter unter dem Titel »Zum Scheiß der Zeit« eine aktuelle Fan-Diskussion weiter befeuert; darüber hinaus wimmelt es mehr oder weniger witzigen Angriffen auf andere Science-Fiction-Fans.

Immerhin wird über den FreuCon berichtet, den ich mitveranstaltete; ebenso gab es eine Rezension meines Fanzines »Enpunkt«. Darüber hinaus werden Berichte über Veranstaltungen wie den Comic-Salon in Erlangen oder die Science-Fiction-Tage NRW veröffentlicht; der aktuelle Kinofilm jener Tage war »Total Recall«.

Alles in allem war der »Fandom Observer« damals ein sehr fannisches Fanzine, dem Quatsch eher zugeneigt als einer wie auch immer gearteten kritisch-seriösen Berichterstattung. Man machte sich sowieso lieber über die seriösen Fans lustig – das änderte sich später bekanntlich.

Als Zeitdokument vor allem der 90er-Jahre ist meine »FO«-Sammlung ein Schmuckstück in der Fanzine-Bibliothek. Ich habe nicht zum letzten Mal darin geblättert ...

12 November 2017

Italienische Skanimateure

»Das sind ganz schlimme Animateure«. Das war einer der Kommentare während des Konzerts am Samstagabend, 11. November 2017, in der »Alten Hackerei«. Auf der Bühne stand die Band NH3 aus Italien, und der Kommentar war völlig berechtigt. Die sieben Männer boten eine mitreißende Show, schienen aber irgendwie den kleinen Punkrock-Club mit der großen Bühne eines Festivals zu verwechseln, vor der sich Tausende von partyhungrigen Jugendlichen tummeln.

Auf der Bühne wurde in die Hände geklatscht, dann wurde das Publikum dazu aufgefordert, eifrig mitzuklatschen. Man schrie eifrig »Jump jump jump« und wollte, dass wir mitspringen. Dann wurde zum Mitgrölen ebenso animiert wie zu anderen gemeinsamen Bewegungsabläufen. Ich fand das eher lustig, machte aber – logisch ... – bei keinem einzigen Animationsprogramm mit.

Dabei hätte die Band das nicht nötig gehabt. Die Musik war knallig, eine rasante Mischung aus Punkrock der modernen Sorte mit Ska. Super gespielte Bläsersätze, ein hervorragender Sänger, der keine Sekunde lang stillstand, eine insgesamt mit viel Spielfreude aufwartende Band – das war alles sehr gut.

Aber was sollten die Versuche, jemanden zu animieren? Im Raum waren höchstens hundert Leute, durchaus gemischt, und die meisten bewegten sich auch. Wenn man von der Bühne allerdings mit »are you tired?« zum hektischen Mitmachen angeregt wird, führt das nicht zum erwünschten Effekt. Na ja, und am Ende wurde das Publikum mit »you are fucking amazing« dann doch gelobt.

Irgendwie passte das für mich nicht zusammen. Die Band, die mit »No Border No Nation« einen echten Hit hat und auch sonst musikalisch zu überzeugen wusste, verspielte bei mir mit diesem ganzen Theater echt viel Kredit. Bei aller Freude über das Konzert und die eigentlich gelungene Show – für meinen Geschmack war das echt zu viel Animation.