20 August 2014

Älter gemacht

Ich habe mich sehr gefreut, als das »Börsenblatt« für seine Ausgabe 32 vom 7. August 2014 ein Interview mit mir geführt hat. Es gab dann prompt auch eine ganze Seite in dem Magazin, das sich schwerpunktmäßig mit Science Fiction und Fantasy beschäftigt.

Die Romanserie, für die ich arbeite, wird schön präsentiert – alles hat geklappt. Ich kann auch gut damit leben, dass die Journalistin ausgerechnet mit der Geschichte anfängt, die ich ihr erzählt habe: wie ich im Alter von 13 Jahre meine ersten Raketenheftchen gelesen habe ...

Aber wie zum Teufel kommt die Dame darauf, dass ich ein »Mittfünfziger« sei? Anhand eines Fotos kann sie nicht darauf gekommen sein, wir haben nur telefoniert. Und in meinem Pass steht ein anderes Alter – das ist jetzt ganz schön frustrierend; so wird man älter gemacht, als man eh schon ist.

Wenn »Dämonos« schon Augen sammelt ...

Dass ich die Gruselromanserie »John Sinclair« zwar grundsätzlich toll finde – weil es sie schon so lange gibt –, rein inhaltlich aber nicht so viel mit ihr anfangen kann, habe ich schon oft genug erzählt. Dass ich gleichzeitig die dazu gehörenden Hörspiele mag, habe ich ebenfalls häufig ausgeplaudert; vor allem seit die Zaubermond-Mannschaft sie im Auftrag von Lübbe-Audio produziert, gefallen sie mir sehr gut.

Das zeigt sich auch bei der Folge 14 der »Classics«-Reihe, die den schönen Titel »Dämonos« trägt. Im Original war das ein Roman in der Serie »Gespenster-Krimi«, der im Sommer 1974 als Heftroman in den Handel kam – also vor ziemlich genau vierzig Jahren. Entsprechend schlicht gestrickt ist die eigentliche Geschichte; so waren Gruselhefte damals ...

Es geht um uralte Hinterlassenschaften aus dem alten Babylon, die im London von heute dazu führen, dass Menschen umgebracht und ihre Augen gestohlen werden. Mörder mit Krummdolchen treiben ihr Unwesen, und John Sinclair ist im Auftrag von Scotland Yard hinter den fiesen Killern her. Ganz nebenbei muss er auch noch versuchen, eine junge Frau zu retten und das mysteriöse Kreuz wiederzubeschaffen, das ihm gehört und um das sich viele Geheimnisse ranken.

Gerade die Rahmengeschichte mit dem Kreuz finde ich gut; sie sorgt dafür, dass die »John Sinclair«-Hörspiele einen zusammenhängenden Charakter erhalten, den es sonst bei der Serie kaum gibt. Die Geschichte selbst ist rustikal, wie schon erwähnt. Man muss als Leser eben schlucken, dass der altbabylonische Gott Baal auch heute noch eine Rolle spielt.

Ansonsten aber wabert der Nebel über einen Friedhof, eine Kirchenuhr schlägt dröhnend, es gibt Zeremonien in einem Mausoleum, es wird geschossen und gebrüllt und gekreischt. Die Effekte und Geräusche sind gut eingesetzt, so dass man als Zuhörer irgendwann vergisst, auf die Feinheiten der eher kruden Geschichte zu achten. Und dann macht »Dämonos« richtig Spaß.

Klar: Ich habe mich nicht ernsthaft gegruselt. Aber die Geschichte funktionierte und unterhielt mich prächtig. Na also!

19 August 2014

Roadmovie mit Streitereien

Dany Boon ist ein französischer Schauspieler, den ich schon in einigen Filmen gesehen haben: Genial waren die »Micmacs«, seine »Sh'tis« fand ich superlustig. Als ich mitbekam, dass er die männliche Hauptrolle in dem Film »Eyjafjallajökull« spielen sollte, war klar, dass ich mir den angucken musste.

Was geboten wird, ist ein franzöisches Roadmovie der besonderen Art: Die Tochter eines völlig zerstrittenen Ehepaars will ausgerechnet in Griechenland heiraten. Und weil der bescheuerte Vulkan mit dem schlimmen Namen auf Island ausbricht, müssen die beiden von München quer über den Balkan bis nach Korfu kommen.

Dabei benutzen sie unterschiedliche Fahrzeuge, ein Flugzeug und ein Schiff, und sie hassen sich derart, dass unterwegs so ziemlich alles zu Bruch geht, was die beiden nur anfassen. Das ist gut in Szene gesetzt, bringt einen immer wieder zum Lachen und macht einfach unglaublichen Spaß.

Dany Boon als streitsüchtiger Ehemann ist ebenso gelungen wie Valérie Bonneton als ebenso gehässige Ex-Frau – beide schenken sich nichts, beide hassen sich bis aufs Blut, und das unterhält hervorragend. Zu den Gags kommen tolle Landschaftsaufnahmen und eine eigentlich sehr schöne Geschichte; die eineinhalb Stunden im Kino rasen wie im Nu vorüber.

Sicher ist »Eyjafjallajökull« kein Film, den man gesehen haben MUSS, aber es ist ein gelungener Film mit vielen Krachern. Wer gut gemachte Unterhaltung zu schätzen weiß, wird daran seinen Spaß haben.

18 August 2014

Clap klappt zur fünfzig

Eigentlich ist die Bezeichnung »People-Magazin« für mich schon ein Grund, ein Heft oder Magazin nicht in die Hand zu nehmen. Zwar habe ich durchaus eine morbide Freude, gelegentlich – einmal im Jahr – eine Ausgabe der »Bunte« durchzublättern, aber meist ertrage ich keine echte Lektüre.

Eine Ausnahme ist tatsächlich »Clap«, von dem dieser Tage die Ausgabe fünfzig erschienen ist. Der Untertitel sagt schon, in welche Richtung das Magazin geht: »Das People-Magazin. Für Neugierige, Eitle und Schadenfrohe«. Ich lese es seit Jahren mit großer Freude, und ich möchte es auch weiterhin lesen.

Das Magazin richtet sich an Menschen in der Kommunikationsbranche, also an Werbetreibende, Öffentlichkeitsarbeiter, Redakteure und andere. Ich bekomme es also aus beruflichen Gründen. Allerdings muss ich immer wieder feststellen, dass ich viele der Menschen, um die es in diesem Magazin geht, nicht kenne – klar, ich habe beispielsweise mit dem Fernsehen wenig zu tun, ebensowenig mit Media-Agenturen.

Lesenswert ist dann aber beispielsweise ein Artikel mit der Chefin der »Bild am Sonntag«, der ein wenig tiefer in die Details geht als der übliche Kram, den man sonst über Journalisten lesen kann. Oder es gibt ein Interview mit dem Mann, der mit Goldstar TV einen Fernsehsender gegründet hat, der sich – Achtung! – mit dem deutschen Schlager beschäftigt ...

Eine schöne Bandbreite, die die Macher vom Clap-Club da regelmäßig präsentieren. Und weil ich mich stets auf die Lektüre freue, gratuliere ich an dieser Stelle ganz artig zum Jubiläum. Weiter so!

Peng Peng aus Freiburg

Zu den vielen neuen Bands, die mich in diesen Tagen begeistern und erfreuen, zählen Peng Peng aus Freiburg. Dabei handelt es sich um zwei junge Männer und zwei junge Frauen, die einen hippeligen Punkrock spielen, der rasch in die Füße geht. Das klingt manchmal bewusst nach 1977, ist aber wesentlich zackiger gespielt und passt eher in die Richtung aktueller Bands.

Die Stimme der Sängerin kiekst und zickt, die Instrumente sind zackig gespielt, die Stücke sind schnell und bieten rotzige Melodien. Ich habe die erste EP der Band gekauft, die im Sommer 2013 aufgenommen wurde – jedes der vier Stücke darauf gefällt mir aufgrund der genannten Mischung gut. Die Band sollte ich wohl mal im Auge behalten ...

15 August 2014

Ist die Welle vorbei?

Glaubt man dem »Boersenblatt«, der Fachzeitschrift für den deutschen Buchhandel, ist der Marktanteil für phantastische Literatur im Buchhandel zurückgegangen. Laut einer zitierten Berechnung von »GfK Entertainment« hat »unser« Bereich der Literatur im Zeitraum zwischen Juli 2013 und Juni 2014 einen Marktanteil von 6,2 Prozent an der Belletristik erreicht.

Das bedeutet einen Rückgang. Die Einnahmen mit Science Fiction und Fantasy seien, so das »Börsenblatt«, gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 20,5 Prozent gesunken«. Wobei sich der eine oder andere Autor erfolgreich aus der Misere zieht: George R.R. Martin ist mit seiner Fantasy-Saga mit elf Titeln auf der Hit-Liste vertreten. Ein Autor allein rettet aber nicht das Genre ...

Den in sich widersprüchlichen Artikel will ich gar nicht in seiner Gänze wiedergeben. Immerhin erscheinen viele Science-Fiction-Titel nicht unter dem Label Science Fiction, sondern als Thriller oder allgemeine Literatur. Das verzerrt jegliche Statistik, und das sollte ein Artikelschreiber auch wissen.

Dass gleichzeitig viele Leser zu den Werken von Selfpublishern greifen, ist bekannt, dürfte aber nicht ausschlaggebend für den Rückgang der Verkaufszahlen im Buchhandel sein. Ich halte es für verfrüht, von einer Krise zu sprechen und zu schreiben – vielleicht muss man sich nach der Science Fiction jetzt auch bei der Fantasy mit einer Gesundschrumpfung des Marktes abfinden.

Oder mit einer Umschichtung: Immer mehr Menschen holen sich phantastisches Lesefutter außerhalb des »seriösen« Buchhandels. Darüber gibt eine solche Statistik leider ebenfalls keine Auskunft ...

14 August 2014

Zombies, Ghoule und Agenten

Eigentlich liegt es nahe, aus den beiden erfolgreichsten Horror-Serien des deutschsprachigen Raumes irgendwann einmal ein sogenanntes Crossover zu produzieren. Es bietet sich vor allem dann an, wenn die Hörspielfassung der beiden Serien von einer Produktionsfirma übernommen wird: Zaubermond Audio ist sowohl für »John Sinclair« als auch für »Dorian Hunter« verantwortlich. Und nachdem ich den »Sinclair«-Teil des Crossovers bereits im April gehört hatte, war jetzt endlich die »Hunter«-Sicht der Dinge fällig.

In »Herbstwind« wird Dorian Hunter vom Secret Service in ein abgelegenes Dorf an der englischen Küste geschickt. Dort gibt es einen Bestatter, der offensichtlich mit »fremden Zungen« spricht; man vermutet irgendwelche übernatürlichen Umtriebe, und für solche Fälle bietet sich der »Dämonenkiller« geradezu an.

In seiner üblich schnoddrigen Art schafft es Hunter, einen Job bei diesem Bestatter zu ergattern. Er bekommt mit, wie seltsam sich der Mann verhält, und er schafft es, sogar das Vertrauen einer älteren Frau zu gewinnen, die das örtliche Altersheim leitet. Dort scheint die Quelle für alles Übernatürliche zu liegen, und dort ermittelt auch ein schnöseliger Mann namens John Sinclair.

Tatsächlich ist die Konfrontation beider Agenten das Salz in der Grusel-Suppe; wer beide Folgen kennt, amüsiert sich doppelt. Ansonsten aber ist »Herbstwind«, so der Titel der einundzwanzigsten »Dorian Hunter«-Folge wie immer sehr unterhaltsam: tolle Geräusche, eine unterhaltsame Geschichte, ein selten großkotziger Dorian.

Wenn ich Auto fahre, höre ich entweder Krachmusik oder Hörspiele und Hörbücher. Wenn »Dorian Hunter« im CD-Player liegt, vergesse ich buchstäblich den Verkehr ... ob das nun so gesund ist, weiß ich nicht – aber es belegt, wie spannend ich die Serie finde. Cool.

13 August 2014

Schnuppenfenster

Dass im August jedes Jahr die Sternschnuppen besonders schön zu sehen sind, ist mir schon lange bekannt; gewissermaßen ein alter Hut. Nur war's in all den Jahren immer eine zufällige Geschichte: Wenn ich eben mal drandachte und zufällig zum Himmel guckte, freute ich mich über eine eine Sternschnuppe.

In diesem Jahr wollten wir es klüger anstellen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch – also vom 12. auf den 13. August – setzten wir uns auf den Balkon und bereiteten uns auf den Perseidenschwarm vor. Leider hingen zu viele Wolken am Himmel, aber es gab genügend »Fenster« dazwischen, durch die wir schauen konnten.

Und es funktionierte: Durch die Schnuppenfenster sah ich einige richtig schöne Sternschnuppen. Sie zischten gewissermaßen durch das Wolkenloch, das zeitweise das Sternbild des Großen Wagen freiließ.

Dummerweise wurde es dadurch wieder sehr spät. Und der Nacken schmerzte ein wenig – wenn man die ganze Zeit so dasitzt und in den Himmel starrt, ist das gar nicht so schlau.

12 August 2014

Nochmal zu den Amazonen

Die Autorin Carla Berling ist mir nicht bekannt: Ich habe bislang kein Buch von ihr gelesen und habe sie noch nie getroffen. Doch ich habe einen Artikel in ihrem Blog gelesen, den ich interessant finde: »Das böse böse Amazon. Warum ich es nicht mehr hören kann«. Darin äußert sich die Autorin sehr klar und sehr lobend über den Internet-Versandhändler.

Sie gehört zur Gattung der Selfpublisher und macht damit etwas, das in den nächsten Jahren womöglich die Verlagslandschaft noch ganz schön umkrempeln wird. Sie hat Bücher in kleinen und kleinsten Verlagen veröffentlicht, womit sie praktisch nichts verdient hat. Jetzt macht sie ihre Bücher selbst, bezahlt ihr Lektorat selbst und kümmert sich auch um das Titelbild; den Vertrieb wiederum übernimmt Amazon.

Die Autorin ist damit zufrieden, und ich glaube ihr das. Es stellt sich natürlich die Frage, was passiert, wenn Amazon eines Tages die Konditionen für die Selfpublisher massiv verändert – und das kommt garantiert –, aber damit sollte sie sich jetzt noch nicht beschäftigen. Jetzt, also im Jahr 2014, ist das, was die Autorin schreibt, eine durchaus nachvollziehbare Meinung. Lesenswert!

11 August 2014

Der Abend der Knuffigen

»Sie sind einfach die Knuffigsten«, sagte irgendwann ein Bekannter zu mir, als wir zwischen zwei Stücken ein wenig Luft holen konnten. Er meinte die Adolescents, die auf der Bühne der »Alten Hackerei« in Karlsruhe standen, sichtlich Freude an ihrem Auftritt hatten und diese Freude auch ins Publikum zurückgaben.

Es war der Sonntag abend, 10. August 2014. In Karlsruhe herrschte tropisches Wetter, ich kam bereits verschwitzt in der Punkrock-Kneipe an. Bei der ersten Band, den Maladroits aus Südbaden, herrschte noch angenehme Gemütlichkeit im Innern der Kneipe vor. Der rasante Punkrock der Band kam gut an, es wurde fleißig applaudiert, aber es die Stimmung war ein wenig verhalten.

Als die Adolescents auf die Bühne kamen, war alles gleich anders. Die alten Herren – unterstützt von einem absoluten Jungspund an der Gitarre – ließen es gleich mal mit 80er-Jahre-Hits krachen, bevor sie neuere Stücke spielten. Die kannte nicht jeder, trotzdem kam die Stimmung immer mehr in Gang.

Bei schweißtreibenden Temperaturen entwickelte sich ein richtig tolles Konzert; ich hatte das Gefühl, dass ich alle bewegten. Auch ich hüpfte ein wenig auf und ab und schwitzte mein T-Shirt so durch, dass es hinterher triefte. Also wechselte ich es und zog das andere T-Shirt an, das ich vorsorglich bereits mitgenommen hatte.

Die Adolescents schaffen es jedes Jahr aufs neue, die »Hackerei« zum Kochen zu bringen. Das finde ich klasse, und ich werde mir die Band sicher auch wieder anschauen.

Bei den Dickies, die ich seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, stiegen die Stimmung und die Temperaturen noch weiter. Die Punkrock-Kneipe brodelte vor guter Laune; der Raum war proppevoll. Vorne wurde getanzt und gehüpft, mitgesungen und gegrölt – es war großartig.

Selbst wer sich nicht bewegte, schwitzte angesichts des tropischen Klimas. Und da ich zumindest ein wenig hüpfte, hatte ich hinterher das zweite T-Shirt durchnässt. Immerhin hatte ich noch einen Pullover dabei, der als Schutz gegen den tropischen Regen vor der Tür gedacht war ...

Ich kam aus der »Hackerei« heraus, mit mir die anderen Konzertbesucher; alle schienen ein breites Grinsen im Gesicht zu haben. Was für ein grandioser Punkrock-Abend!

09 August 2014

Gegen die Amazonen

Neuerdings breitet sich in der Buch-Branche etwas aus, das man auf neudeutsch – und hier auch berechtigt – nur als »Amazon-Bashing« bezeichnen kann. Autoren schreiben Brandbriefe gegen den Versandhändler, große Verlage empören sich öffentlich über die neuen Konditionen des Händlers (die für die kleinen Verlage teilweise schon ewig gelten ...), allesamt stellt man plötzlich fest, dass Amazon seine Mitarbeiter schlecht bezahlt und seine Steuern nicht korrekt entrichtet. Oooooops: Da haben jetzt aber alle schlagartig etwas gelernt.

Das ganze Gedöns ist einerseits berechtigt, andererseits peinlich. Amazon ist nicht deshalb der größte Versandhändler geworden, weil man dort böse ist. Amazon ist erfolgreich, weil er die gültigen Schlupflöcher im Steuerrecht ausnutzt, weil er sich beim Lohn an die kapitalistischen Grundregeln hält und Subventionen dort abgreift, wo der Staat sie bereitwillig hinlegt.

Und Amazon ist erfolgreich, weil der Konzern für die Kunden ein sehr gutes Produkt bereitstellt: einen nahezu perfekten Versandhandel für allerlei Produkte, von Büchern über Kondome bis hin zu Musik und Kaffeekannen. Solange man das als Kritiker nicht einsieht, sollte man die Klappe halten. Die Kunden kaufen nicht deshalb bei Amazon, weil sie es toll finden, dass die Mitarbeiter schlecht bezahlt werden – man kauft bei Amazon, weil es dort alles zu vernünftigen Preisen und schnell gibt.

Auch für die Verlage ist Amazon kein Gegner, wenngleich sie neuerdings so tun, als sei dies so. Mancher Verlag erwirtschaftet mit Amazon die Hälfte seines Umsatzes, viele Backlist-Titel wären ohne Amazon nicht mehr im Handel erhältlich – und so weiter.

Ich mag große Konzerne auch nicht, habe aber unlängst wieder etwas bei Amazon bestellt. (Mein Auto ist übrigens ebenfalls von einem großen Konzern, und der Computer, auf dem ich schreibe, sowieso ...) Das habe ich getan, weil es so praktisch ist und weil ich das betreffende Produkt sonst nirgends so rasch erhalten hätte.

Es ist sinnvoll, über Amazon zu diskutieren. Es ist auch sinnvoll, den Konzern zu kritisieren. Es ist aber albern, so zu tun, als sei er das Böse schlechthin.

08 August 2014

Peterle zum einundfünfzigsten

Dieser Tage traf die aktuelle Ausgabe des OX-Fanzines bei mir ein; es ist auch schon die Nummer 115. (Und ... nein, damit hätte damals niemand gerechnet, als die erste OX-Ausgabe damals noch in einer Art Zeitungsformat auf die Hardcore-Punk-Szene hereinprasselte.) Ich freue mich immer über die aktuelle Ausgabe, auch wenn ich es seit Jahren nicht mehr schaffe, das Heft so richtig komplett zu lesen.

In dieser Ausgabe ist erneut eine aktuelle Folge meines Fortsetzungsromans »Und: Hardcore!« enthalten, sprich, es geht weiter mit den Erlebnissen des Punkrockers Peter Meißner alias Peter Pank. Nachdem er in der Folge zuvor ordentlich Prügel von den örtlichen Dorftrottelnazis erhalten hat, geht es ihm jetzt ein wenig besser, und gemeinsam mit seinen aktuellen Kumpanen beschließt er, weiter gegen die Nazis vorzugehen.

Erwähnt habe ich es schon einmal: Die Fortsetzungsgeschichte ist in der Zielgeraden. Keine Ahnung, ob es noch zwei oder vier Folgen sind, bis der Roman abgeschlossen sein wird. Rein inhaltlich müssen aber noch einige »Pflöcke« eingeschlagen werden – da ich den Roman zwar mit Konzept schreibe, mich aber trotzdem von Folge zu Folge hangle, muss ich schauen, dass ich alle Fäden vernünftig zu Ende führe.

07 August 2014

Düsterer Blick auf eine depressive Familie

Bei meiner Reise durch das Universum des Kommissar Maigret erreichte ich dieser Tage den Band 26. Der kurze Roman »Maigret regt sich auf« war der erste, den Georges Simenon in den Tagen nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb – er zeigt einen Kommissar, der im Ruhestand lebt, aus diesem Ruhestand aber abberufen und in einen privaten Fall hineingezogen wird.

Eine alte Dame engagiert den Pensionär, der in eine kleine Gemeinde am Ufer der Seine fährt. Dort stellt er fest, dass es ausgerechnet dort ein früherer Schulkamerad zu Reichtum gebracht hat, indem er in die Familie der alten Dame einheiraten konnte. Ein 17 Jahre altes Mädchen ist ertrunken, und die Großmutter glaubt nun, es handle sich um Mord.

Wie immer ermittelt Maigret, indem er herumschnüffelt, mit den Menschen spricht, ihnen unangenehme Fragen stellt und letztlich alle Details zu ihnen herausfindet. Dabei schafft es der Autor, die Familie, um die es geht, sehr klar und deutlich darzustellen – hinterher findet man einige Figuren richtig widerwärtig.

Der Roman ist durchaus komisch – was für die »Maigrets« eher selten ist. Die Vorstellung, dass der Kommissar als gemütlicher Rentner in der Provinz an seinen Rosen herumschnippelt, ist durchaus witzig. Auch Art und Weise, wie er mit seinem ehemaligen Schulkameraden kommuniziert, hat einen gewissen Humor.

Aber eigentlich ist das Buch reichlich depressiv: wohlhabende Menschen, die ihren Reichtum auf Betrug aufgebaut haben und mit dem Wohlstand nicht klar kommen; düstere Familienverhältnisse, die sich nur Stück um Stück entblättern; Menschen, die sich jahrzehntelang in gegenseitiger Abneigung verbunden sind. Wie immer beleuchtet Georges Simenon in diesem Roman das Elend der bürgerlichen Familie – das macht er meisterhaft, aber die Lektüre empfand ich nicht immer als einfach.

Geschmäcker sind verschieden, und dieser Roman führte mich durch ein Wechselbad der Gefühler: Anfangs fand ich ihn witzig, streckenweise zog sich die Ermittlung ein wenig dahin, am Ende ekelt man sich geradezu vor der Familie und ihrem Umfeld, in dem der Kommissar ermittelt.

06 August 2014

Steampunk trifft Computerkram

Zu den Trendthemen innerhalb der Science-Fiction- und Fantasy-Szene zählt seit einigen Jahren der sogenannte Steampunk. Das hat mit Punkrock wenig zu tun, höchstens in der Vorgeschichte der Szene – man leitete den Steampunk in den 80er-Jahren vom Cyberpunk ab. Während der Cyber in die Zukunft wies, beschäftigte sich der Steam mit der Vergangenheit, und beides wurde mit popkulturellen Themen aufgeladen. Punk wurde als aggressiv und irgendwie trotzdem cool betrachtet.

Das ist lange her, und der »Punk« im heuten Steampunk ist nur noch ein vierbuchstabiges Anhängsel. Heute ist Steampunk eine kleine, aber feine Szene, in der man sich mit Klamotten und obskuren Gerätschaften beschäftigt. Es gibt Bücher und Comics zum Thema, und es werden regelmäßig Treffen veranstaltet.

Und es gibt Magazine, die berichten darüber. Im aktuellen Fall ist es das »c't Hacks«, das sich im Untertitel als »Kreativ mit Technik« versteht. Neben einem allgemeinen Artikel, der die Szene vorstellt, wird in der Ausgabe 1/2014 vor allem erklärt, wie man beispielsweise einen USB-Stick mit einem Steampunk-Design veredelt. Oder wie man ein »Smartphone-Horn« oder einen »Steampunk-Tablet-PC« bastelt. Klingt seltsam, ist aber so.

Schön ist ein Interview mit Alex Jahnke, der ein bisschen über die Steampunk-Hintergründe erzählt. So bereitet mir dann tatsächlich auch ein Computermagazin mal einen gewissen Lesespaß.

05 August 2014

Kanada im Blick

Eigentlich wollte ich in meiner Radiosendung am Sonntag, 3. August 2014, mein Augenmerk auf neue deutsche Punkrock- und Hardcore-Platten richten. Doch dann sah ich D.O.A. in der »Alten Hackerei« und beschloss spontan, die Enpunkt-Radiosendung im Querfunk auf Musik aus Kanada zu fokussieren. Das gelang mir ganz gut, wie ich finde.

Selbstverständlich gab es eine ordentliche Ladung D.O.A. auf die Ohren, von den alten Herren aus Vancouver spielte ich Stücke aus dem Jahr 1981. Ähnlich alt waren die Forgotten Rebels, deren Stücke aus den späten 70er-Jahren ebenfalls schon lange nicht mehr gespielt wurden.

Und wenn wir schon bei alten Herren sind: Sowohl NoMeansNo als auch ihr Pendant von den Hanson Brothers schmückten meine Radiosendung. Ein wenig neuer waren dann eher Bands wie die Dead City Rebels oder die Smugglers; mit dem glorreichen Emopunkern von den Sainte Catherines war ich ebenfalls in den Nuller-Jahren angekommen.

Nach meiner Sendung geht es normalerweise mit »Jazz zur Nacht« weiter. Den Jazz-Hörern gab ich zum Abschied noch Victim's Family mit. Die galten in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren ja immerhin als JazzCore ...

04 August 2014

Smartphone-Generation

Mit einigen sehr knalligen Sätzen hat Oliver Samwer im Juni bei einer Konferenz von Managern seine Kollegen aufgeschreckt. Unter anderem knallte er den wenigen Damen und vielen Herren vor den Latz: »Sie verstehen das nicht, weil Sie zu alt sind.« Zumindest zitiert ihn so das »Handelsblatt«.

Wer nicht gleich weiß, wovon die Rede ist: Samwer hat unter anderem Jamba gegründet, den Anbieter von Klingeltönen, mit denen man seit Beginn der Nullerjahre ja ernsthaft Geld verdienen kann. Der Mann ist noch keine vierzig, was nicht mehr so richtig jugendlich ist, damit aber auf jeden Fall jünger als viele der üblichen Manager.

Sein Credo: Wer wissen wolle, wie die Zukunft funktioniere, müsse schauen, was Jugendliche im Alter von 15 Jahren so tun. Für sei bestimme das Smartphone nicht nur das Medienverhalten, sondern auch die Einkäufe, das soziale Umfeld und im Prinzip das komplette Leben.

Der Medienjournalist Kai Wels unterstreicht dies in einem lesenswerten Beitrag für den Buchreport-Blog. Sein Fazit: Die nachfolgenden Generationen werden »Content« anders definieren. Man müsse ihre »veränderten Anforderungen« ernstnehmen – sonst müsste man sie unweigerlich verlieren.

Im Gegensatz zum alarmistischen Gejammer anderer Journalisten und Manager zeichnen sich beide Aussagen durch eine gewisse Ruhe aus. Manches Gejammer erinnert mich sehr an das Schimpfen meiner Eltern und Tanten, als ich fünfzehn war – sie verstanden mich nicht. Das ist normal: Erwachsene und Jugendliche sprechen unterschiedliche Sprachen.

Heute ist das noch mal einen Ticken anders: Wer heute 15 bis 20 Jahre alt ist, hat nicht mehr erlebt, wie das Internet entstanden ist. Für ihn ist das Internet einfach da, für ihn ist ein Smartphone nichts besonderes. Die Welt verändert sich – und mit meinen nunmehr fünfzig Jahren kann ich darüber jammern, die Änderungen akzeptieren oder sie ignorieren. Das hängt von mir ab.

Wobei die ganze Diskussion einer gewissen Scheinheiligkeit nicht entbehrt. Wenn wir von der Smartphone-Generation sprechen, meinen »wir« die Kinder der wohlhabenden Mitteleuropäer, Amerikaner und Japaner. Hunderte von Millionen Menschen auf dieser Erde haben ganz andere Probleme – sie müssen erst mal schauen, dass sie überleben.

Vielleicht sollte man sich diesen Standpunkt gelegentlich in Erinnerung rufen ...

03 August 2014

Stapelarbeiter

Ab und zu packt mich der Rappel, wie man bei uns im Schwäbisch-Badischen sagt: Ich beschließe, endlich mal aufzuräumen. Seit Monaten starre ich auf Papierstapel in meinem Arbeitszimmer, von denen ich nicht einmal weiß, was in ihnen so vor sich hingammelt. Am heutigen Sonntag war der Tag der Tage: Ich nahm mir die Stapel vor.

Es war erschütternd. Ich fand Briefe von 2007, die ich nie beantwortet hatte. Ich fand Notizen für angefangene Kurzgeschichten sowie Ideen und Konzepte für meine Arbeit, die ich nie weiter verfolgt hatte. Angelesene Fanzines waren ebenso darin wie unaufgefordert eingeschickte Manuskripte von Autorinnen und Autoren, teilweise mit handschriftlichen Notizen. Dazu kamen Flyers für Konzerte, die schon 2010 gelaufen waren, und andere Hinterlassenschaften der vergangenen sieben Jahre.

Manchmal konnte ich über meine Dusseligkeit den Kopf schütteln, meist warf ich nur weg. Und weil ich schon dabei war, packte ich noch einige Bücher und Comics aus meinen Regalen und entfernte sie daraus; die werde ich eben bei Gelegenheit verschenken.

Mit der großen Aufräumaktion bin ich noch lange nicht fertig, aber es war an diesem Tag ein wichtiger Anfang. Wieviel Ballast sich innnerhalb einiger Jahre ansammelt, wurde mir an diesem Sonntag zum wiederholten Mal bewusst ...

02 August 2014

1000mal gesurft

In den 90er-Jahren hörte ich die Surfpunk-Band Man Or Astroman? richtig gern; ich sah sie auch einmal live, als sie in Karlsruhe auftraten. Die Verbindung aus durchaus schrägen Science-Fiction-Texten, quäkenden und heulenden Gitarren sowie gelegentlichen Akustik-Experimenten gefiel mir richtig gut.

Seit einiger Zeit hatte ich die Band nicht mehr aufgelegt – deshalb freute ich mich ganz besonders, mit »1000 X« eine Platte aus dem Jahr 1997 neu zu hören. Das ist manchmal richtig rockig, fast punkig, bleibt aber meist in einem Tempo und überrascht durch immer wieder neue Sound-Effekte.

Auf der Platte, die es als Ten-Inch sowie als CD gab, überzeugt die Band auf jeden Fall. Alle sieben Stücke sind gut, und wer Stücke wie »Like A Giant Microwave« schreibt, ist sowieso auf der richtigen Seite der Macht.

Endlich wieder Deutschpunk?

Einen sehr programmatischen Titel hat sich die Band Paddelnohnekanu für ihre Platte ausgesucht: Sie heißt »endlich wieder deutschpunk« und zeigt auf dem Cover – ganz nach einem populären Motto der 90er-Jahre – einen Punk, der mit Wucht eine Mülltonne durch eine Schaufensterscheibe wirft.

Das wirkt wuchtig, das sieht energiegeladen aus, und das riecht vor allem nach einer Zeit, als sich Punk noch als aggressive Antwort auf die Zumutungen der bürgerlichen Gesellschaft verstand. Mir gefällt so etwas von der Attitude her gleich mal gut, und dass die Aufnahmequalität der Platte dann nicht »High End«, sondern eher schlicht ist, passt dazu.

Musikalisch lösen die vier jungen und nicht mehr ganz so jungen Männer aus Baden-Baden ihr Versprechen ein: Ihre Musik wummert, die Gitarren schrammeln, der Sänger schreit mehr, als dass er versucht, sauber zu singen; die Stücke sind mal ungestüm, mal nachdenklich, werden aber immer mit ordentlich viel Energie nach vorne gedroschen. Das ist nicht originell, das ist aber konsequent durchgesetzt.

Von den Texten her ist das eher Deutschpunkt von der nachdenklichen Sorte, wie man ihn immer mal wieder gehört hat. Die Band macht sich offensichtlich Gedanken über die Welt um sich herum, über die Szene und den allgegenwärtigen Kommerzialismus. Raum für fröhlichen Pogo bleibt da kaum, das ist eher kritisch und nachdenklich.

Es ist keine Hit-Platte, auch nach dem dritten Mal blieb kein Stück bei mir im Ohr hängen. Das meine ich nicht kritisch oder negativ – ich vermute, es war eben nicht die Absicht der Band, den Pogo-Hit der Zehner-Jahre zu schreiben. Es sind klare Statements, die sich sowohl musikalisch als auch textlich artikulieren.

Und manchmal wird's eben klar und eindeutig und gefühlig zugleich: »Zum Frühstück gibt es Gedanken / du bist es, der hier fehlt / Teller schreien, halt die Fresse / du hast genug für heut erzählt«. So was finde ich stark. Respektable Platte!

Ach ja: Die Band unterhält übrigens einen eigenen Blog, in dem immer mal wieder – nicht so regelmäßig wie bei mir – neue Einträge veröffentlicht werden. Wer sich einhören möchte, kann sich auch auf der Bandcamp-Seite der Band informieren.

01 August 2014

Ein Monsieur und vier Töchter

Eigentlich bin ich misstrauisch, wenn ein neuer Film einhellig abgefeiert wird. Die Handlung von »Monsieur Claude und seine Töchter« klang aber schon so originell, dass ich mit großem Interesse ins Kino ging. Um es vorwegzunehmen: Ich habe den Besuch nicht bereut, ich fand den französischen Film super und empfehle ihn gern weiter.

Der genannte Claude ist ein älterer Herr, der in der französischen Provinz in einem sehr feudalen Haus wohnt. Zusammen mit seiner Ehefrau hat er vier attraktive Töchter »großgezogen«, die sich nacheinander verheiraten. Nacheinander ehelichen drei der Töchter einen Muslim, einen Juden und einen Chinesen.

Bei aller Toleranz – da hat auch ein bürgerlicher Franzose seine Probleme. Immerhin kündigt die vierte Tochter an, einen echten Katholiken zum Mann zu nehmen. So weit so gut ... bis die Eltern erkennen, dass der junge Mann pechschwarz ist und in der Elfenbeinküste geboren wurde. Zu allem Überfluss kann der Vater des künftigen Bräutigams keine Weißen ausstehen und unterstellt allen Franzosen allerlei Bösartigkeiten.

Soweit die Handlung des Films: Es ist eine Komödie, die einen ernsthaften Hintergrund hat. Der Film thematisiert Rassismus, Nationalismus und Chauvinismus auf eine sehr lustige Art und Weise, spart nicht an gelegentlich groben Witzen und hat unterm Strich eine positive Botschaft: Rassismus ist doof, und was zählt, sind ein guter Charakter und eine positive Einstellung.

In Frankreich war »Monsieur Claude und seine Töchter« ein großer Erfolg, hierzulande wäre es dem Streifen auch zu wünschen. Der »Clash of Cultures« wurde selten zuvor so klarsichtig und amüsant zugleich in einem Film präsentiert – das ist echt großes Kino.

31 Juli 2014

Alte Punks mit vollem Dampf

Zu den Konstanten in der internationalen Punkrock- und Hardcore-Szene zählt die kanadische Band D.O.A.; seit 1978 gibt es sie, wobei innerhalb der Band ja eigentlich auch nur der Sänger als Konstante über all die Jahre geblieben ist. Vor allem die Platten in den frühen 80er-Jahren sind Klassiker, mit ihrem bollernden Sound setzte die Band damals Maßstäbe.

Als ich am Mittwoch abend, 30. Juli 2014, in der »Alten Hackerei« ankam, hatte ich es zeitlich gut erwischt. Kaum hatte ich mein Bier in der Hand und stand am Bühnenrand, legte die Band los. Anfangs verhielt sich das Publikum in der angenehm gefüllten Kneipe ein wenig zurückhaltend, ab der Hälfte kam Bewegung in den Saal.

Die Band schaffte es tatsächlich, dass der Funke übersprang. Das lag sicher daran, dass sie irgendwann eine Reihe von 80er-Jahre-Klassikern abfeuerte; bei Stücken wie »World War III« fange ich automatisch zu hüpfen an.

Die drei Männer auf der Bühne, von denen der Sänger mit 58 Jahren mit Abstand der älteste war, zeigten keinerlei Müdigkeit, knallten einen Hit nach dem anderen raus. Es war absolute Klasse, und der ganze Auftritt hatte keine Sekunde lang den Charakter einer Oldie-Show. Die Ansagen von der Bühne herunter waren meist trocken, und wenn sie politisch waren, wirkten sie nie aufgesetzt, sondern glaubhaft.

Irgendwann herrschte ein ausgelassener Hüpfpogo in den ersten Reihen vor; niemand kümmerte sich mehr darum, am nächsten Tag zur Arbeit gehen zu müssen. Auch ich hüpfte ein wenig, altersgerecht am Rand, aber immerhin – am Ende war mein T-Shirt durchgeschwitzt, und ich musste mir von der Band prompt ein neues Kleidungsstück kaufen.

Der Abend endete angenehm: Mit alten Freunden und Bekannten stand ich noch gut eineinhalb Stunden lang in der lauen Sommernacht, bis ich endlich mein Fahrrad in Richtung Heimat lenkte.

30 Juli 2014

Driver und Gewalt

Als der Film »Drive« im Jahr 2012 in die deutschsprachigen Kinos kam, verpasste ich ihn. Mittlerweile habe ich ihn auf einer DVD angeguckt und war völlig begeistert – hier nur einige Impressionen dazu.

Hauptperson des amerikanischen Thrillers ist Ryan Gosling, der sich in jüngster Zeit zu einem der neuen Stars des internationalen Kinos entwickelt hat. »Drive« selbst wurde von einem dänischen Filmemacher umgesetzt und ist tatsächlich eine Literaturverfilmung. In seiner unterkühlten Art, in der Gewalt geradezu explodiert, wirkt der Film auch sehr künstlerisch, und das meine ich hier positiv.

Es geht um einen Fahrer – also einen Driver –, der in Los Angeles sein Geld als Stuntman und Automechaniker verdient. Der schweigsame junge Mann, der absolut harmlos wirkt, hat ein »zweites Leben«: Nachts bietet er seine Dienst als Fluchtfahrer an, ist also bei Einbrüchen und Überfällen dabei und sorgt dafür, dass die Täter nie geschnappt werden.

Dann aber lässt er sich mit den falschen Leuten ein, gleichzeitig verliebt er sich in die Frau eines inhaftierten Gangsters. Es entwickelt sich eine Abfolge von weiterführenden Problemen – am Ende sind eine Reihe von Leuten tot. Das klingt jetzt oberflächlich, wird aber in diesem Film richtig klasse präsentiert.

Die Gewalt ist realitätsnah und derb zugleich; Menschen werden erstochen und erschossen. Oftmals aber werden die gewalttätigen Auseinandersetzungen künstlerisch gebrochen; eine Messerstecherei wird also nicht direkt gezeigt, sondern nur über die Schatten der Kämpfenden.

Beleuchtung, Musik und andere Effekte sind in dem Streifen kein Selbstzweck, sondern haben stets ihre Bedeutung und werden sinnvoll eingesetzt. Wenn der »Held« allein in seinem Wagen sitzt und durch die Nacht fährt, wirkt das sehr stilisiert – als ob es darum ginge, den endlosen Straßen von Los Angeles ein Denkmal zu setzen.

(Viele Szenen spielen übrigens beim Echo Park um die Ecke. Dort war ich sogar mal auf einem Punk-Konzert. Aber ich erkannte natürlich nichts wieder ...)

29 Juli 2014

Nur eine Sonnenblume

Wer sie gepflanzt hatte, erfuhr ich nie – aber auf einmal wuchs eine einsame Sonnenblume auf dem Grünstreifen unweit von unserer Wohnung. Sie wuchs und gedieht, und nichts geschah ihr. Kein Wind fegte sie um, kein Fußball von einem spielenden Kind traf sie; ab und zu schien sie sogar jemand zu gießen.

Wann ich mit dem Rad vorbeifuhr, freute ich mich über ihren Anblick. Im »öffentlichen Raum« einer kleinen Großstadt war sie ein echt »heller Fleck«.

Ab und zu hielten Menschen vor ihr an, sie ließen sich mit der einsamen Sonnenblume fotografieren. Mit den alten Gebäuden im Hintergrund sah das bestimmt schick aus.

Bis zu diesem Wochenende: Jemand schnitt sie ab. Es war ein sauberer Schnitt, etwa auf der Höhe des Stiels. Kein Vandalismus, kein Besoffener also, der die Blume im Verstolpern knickte. Es war jemand, der mit Sorgfalt ans Werk ging: Mit einer Schere oder einem scharfen Messer wurde die Blume sauber abgetrennt.

Ich war echt fassungslos.

28 Juli 2014

Atemloser Schlager

»Er ist so sexy wie eine Bahnhofsdurchsage, dass ein Regionalzugabteil auf einem geänderten Gleisabschnitt hält.« Das schreibt die Journalistin Johanna Adorján auf der Internet-Seite der Frankfurter Allgemeinen über das Lied »Atemlos durch die Nacht« der deutschen Schlagersängerin Helene Fischer. Es ist ein brillanter Artikel über ein Phänomen, das man sich kaum selbst erklären kann.

Bis vor einem halben Jahr kannte ich von Helene Fischer nur den Namen. Ich wusste, dass sie Schlager singt und viele Platten verkauft. Das ist völlig in Ordnung; weder muss ich mich mit Schlagersängern auskennen, noch muss ich wissen, wer an welcher Oper die Starsängerin ist. Andere Leute wissen ebensowenig, welche Band »Waiting Room« gespielt hat.

Eines Abends musste ich Geld abheben und stand mit meiner Plastikkarte in einer der örtlichen Sparkassen-Filialen. Einige junge Leute kamen herein – »jung« bedeutet aus meiner Warte, dass sie irgendwie um die 25 Jahre alt zu sein schienen. Ein junger Mann mit blondgefärbten Haaren rief die ganze Zeit »Atemlos«, worauf die anderen ein »in die Nacht« hinzufügten. Das fand ich seltsam, dachte mir aber nichts dabei.

Später erfuhr ich, dass es sich bei dem, was hier gerufen wurde, um den großen Hit der Sängerin Helene Fischer handelte. Zum ersten Mal hörte ich ihn im Sommer 2014 – übrigens noch vor der Fußballmeisterschaft. Ich stand in der Dusche, das Radio plärrte vor sich hin, und irgendwann kam so ein Stück, das aus Synthie-Gestampf, einer dünnen Stimme und deutschen Texte bestand.

Das war »Atemlos durch die Nacht«, ich hörte es mir zum ersten und seitdem zum letzten Mal an und war irritiert. Dieses Lied begeistert die Leute? Das finden junge Leute gut? Ich stellte fest, dass ich »Ein Bett im Kornfeld« von Jürgen Drews auf einmal als subversiv und musikalisch gut gemacht empfand – das aber kann auch meinem Alter geschuldet sein.

Und bis heute wusste ich nicht, wie ich meine Irritation über Helene Fischer zum Ausdruck bringen konnte. Bis heute ... bis ich den famosen Artikel auf der FAZ-Seite las.

26 Juli 2014

Sauna bei den Generatoren

Als ich am Freitagabend, 25. Juli 2014, in der »Alten Hackerei« ankam, spielte die Band bereits – und zwar nicht erst seit zehn Minuten. Ich hatte, weil ich so lange gelabert hatte, gut die Hälfte des Konzerts verpasst. Trotzdem drängelte ich mich nach vorne, um mir die Generators aus Kalifornien aus der Nähe anzugucken.

Die Band kenne ich schon lange, ich hatte sie noch nie zuvor gesehen. An diesem Abend spielten sie sehr druckvoll und »punkig«, weg vom Glam der früheren Jahre, eher in die Richtung, mit der in den 90er-Jahren beispielsweise Social Distortion ihr Comeback eingeläutet hatten. Die Stücke saßen, der Sänger machte witzige Ansagen, in denen er immer wieder sein Kalifornien bejubelte, und das Publikum jubelte eifrig zurück.

Im Saal selbst herrschten saunaähnliche Temperaturen, es war unglaublich schwül. Ich trank recht viel Bier, die meisten anderen machten das ebenso – so ließ es sich aushalten. Trotz der Hitze tanzten viele Leute, und die Band bewegte sich ebenfalls. Erst nach mehreren Zugaben verschwanden die Kalifornier von der Bühne; ein richtig tolles Punk-Konzert war vorüber.

Danach saß ich mit alten Kumpanen noch lange im Biergarten, wo wir eifrig weiter Bier tranken und Unfug laberten. Als ich gegen drei Uhr nachts mit dem Rad durch die Innenstadt nach Hause düste, achtete ich dann auch prompt darauf, alle nur erdenklichen »Promillesträßchen« zu benutzen.

25 Juli 2014

Skurril und britisch

Der britische Schriftsteller Alan Bennett hat sich in den vergangenen Jahren auch hierzulande einen Fan-Kreis »erschrieben«. Vor allem »Die souveräne Leserin« trug zu seinem Erfolg bei. Und als mir vor einiger Zeit sein Buch »Schweinkram« in die Hände fiel, musste ich es einfach kaufen und lesen. Mit so einem Titel kann mich ein Verlag einfach »kriegen«.

Das 144 Seiten starke Buch enthält »zwei unziemliche Geschichten«, so ist es auch untertitelt; es ist also kein Roman, und die beiden Texte haben nicht direkt miteinander zu tun. Höchstens indirekt, denn es geht um nichts anderes als Sex – aber in der »guten Gesellschaft«. Wobei ich alle braven Menschen ebenso beruhigen kann wie diejenigen, die Pornos mögen: Geschlechtsverkehr wird nicht beschrieben, und darum geht es auch gar nicht.

»Mrs. Donaldson erblüht« ist die Geschichte einer älteren Dame, die sich ihre Pension damit aufbessert, dass sie in einer Klinik schauspielert – damit die Studenten lernen, richtig zu diagnostizieren, muss sie ihnen Krankheiten vorspielen. Ebenso bessert sie ihre Pension damit auf, dass sie Zimmer an Studenten vermietet. Und als diese auf die Idee kommen, sie bei ihrem Sex zuschauen zu lassen, um durch das »Eintrittsgeld« die Mietkosten zu verringern, wird die Geschichte so richtig skurril.

Ums Fremdgehen in allen möglichen Variationen geht es in der zweiten Geschichte: »Mrs. Forbes wird behütet« klingt ganz brav, geht aber in die Vollen. Nur ein Detail: Eine junge Frau betrügt ihren schwulen Ehemann mit ihrem Schwiegervater ... Das klingt merkwürdig, wird im Roman sehr amüsant geschildert und macht dabei richtig Spaß.

»Schweinkram« ist herrlich! Es ist keine Schenkelklopfer-Lektüre, keines der Bücher, bei dessen Lektüre man sich wegwirft. Bennetts Humor ist dezent, vor allem in den Formulierungen bleibt er ganz der britische Gentleman. Das wiederum macht die Sache zusätzlich spannend.

Ich bin mir sicher, dass »Schweinkram« nicht das letzte Buch war, das ich von diesem Autor gelesen habe. Mal schauen, ob und wie ich mal an einen Roman mache ... erschienen ist alles im kleinen, aber feinen Wagenbach-Verlag.

24 Juli 2014

Säbelgerassel

Noch vor einem Jahr hätte ich lauthals behauptet, in Europa werde es so schnell keinen großen Krieg mehr geben. Spätestens nach den Jugoslawienkriegen sollte die Europäische Union in der Lage sein, größere Auseinandersetzungen auf dem Halbkontinent zu verhindern. Derzeit bin ich nicht mehr so optimistisch.

Was in der gesamten Ukraine vor sich geht, vor allem in der sogenannten Ostukraine – und auch da nicht überall –, ist beängstigend. Noch beängstigender allerdings ist das Verhalten mancher Politiker und vor allem auch das durchaus heikle Vorgehen der Medien.

Ein Beispiel: die Tragödie des abgeschossenen Flugzeugs. Es ist nach wie vor nicht sicher, was genau passiert ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit waren es die sogenannten Separatisten, die nach allem, was man so hört, in erster Linie als eine Bande von Freischärlern und Gangstern agiert. Aber man weiß es nicht genau – ebensogut könnten irgendwelche Verbrecher in den Uniformen der ukrainischen Armee dahinterstecken.

Für die westlichen Medien und Politiker ist die Sache aber klar. Der böse Putin war's. Und während die einen noch mit Sanktionen drohen, rufen die anderen gleich nach dem Militär – und die russische Regierung warnt lauthals die Nato davor, ihre Truppen an ihre Grenzen zu schicken. Und schon haben wir eine Situation, die man vor einem Vierteljahrhundert noch als Kalten Krieg bezeichnet hätte.

Das Problem: Den Separatisten traue ich so ziemlich jedes Verbrechen zu, nach allem, was man sich aus den gefilterten und ungefilterten Nachrichten als Weltbild zusammensetzen kann. Der ukrainischen Regierung, in deren Reihen sich sehr wohl Rechtsradikale befinden, glaube ich allerdings auch keinen Millimeter weit. Dass die russische und amerikanische Regierung ihre eigenen Spielchen betreiben, leuchtet ebenfalls ein.

Es sind noch so viele Fragen offen, die mit dem »Regierungswechsel« in Kiew zusammenhängen. Wer hat die hundert Menschen auf dem Maidan erschossen? Wer ist für das grausige Feuer mit zahlreichen Toten in Odessa verantwortlich? Das scheint derzeit niemanden mehr zu interessieren.

Und so sitze ich da, gucke und lese Nachrichten und bekomme mit, wie ein ganzes Land in einen fiesen Bürgerkrieg steuert, während die Nachbarn nicht unbedingt verhandeln, sondern eher mit dem Säbel rasseln. Da ist mir die – wie immer – sehr zögerliche und zurückhaltende Kanzlerin ausnahmsweise sehr recht ...

23 Juli 2014

Bäcker in Como

Erinnerung an einen Italien-Trip im März 2014

Wir schlenderten durch Como, es war Mitte März 2014, und schauten uns in aller Ruhe die norditalienische Stadt an. Alte Mauern, gepflasterte Straßen und Gassen, eine gemütliche Stimmung und – für die Jahreszeit – sehr angenehme Temperaturen machten den Aufenthalt zum Vergnügen. Wir bummelten zum See, ließen uns treiben und kauften allerlei Krimskrams ein.

Als wir Hunger bekamen, steuerten wir eine kleine Bäckerei an, die an der Piazza Boldoni recht einladend aussah. »Beretta Il Fornaio« stand über der Eingangstür. Es durfte herrlich nach Brot und Süßigkeiten, die Verkäuferin überfiel uns mit einem italienischen Wortschwall, auf den wir kaum eingehen konnten, und nach einiger Zeit verließen wir die Bäckerei wieder.

»Auf der Hand« hatten wir Focaccia und Süßigkeiten, die wir verspeisten, während wir zu unserem Auto zurückgingen. Fast hätten wir uns im Gewirr der kleinen Straßen verlaufen – aber natürlich ging alles gut.

Como ist die nächstgelegene Großstadt, wenn man von Karlsruhe aus nach Italien fährt; wenn es mich erneut in die Innenstadt verschlägt, steuere ich womöglich die kleine Bäckerei ein weiteres Mal an. Wobei es in der Nachbarschaft genügend andere Örtlichkeiten gab, aus denen es verführerisch duftete ...

22 Juli 2014

Conbuch mit Herz

In diesem Jahr schaffte ich es leider nicht, den ColoniaCon in Köln zu besuchen – es ging terminlich nicht. In den 80er-Jahren gehörte es für mich zum »guten Ton«, nach Köln zu fahren oder zu trampen, um dort im Kölner Jugendpark mit anderen Science-Fiction-Fans viel Bier zu trinken und mich über Science Fiction zu unterhalten. Immerhin aber gab's ein schönes Buch zum Con, das ich mittlerweile durchgelesen habe.

Einige Beiträge beschäftigen sich mit meinem Beruf, entsprechend kritisch guckte ich sie mir an. Ansonsten gab es Kurzgeschichten und andere Texte, allerlei Zeichnungen und insgesamt ein Sammelsurium unterschiedlichster Beiträge. Auch wenn das Taschenbuch mit hundert Seiten aufwartet und auch noch gebunden ist, entpuppt es sich durch seine Mischung als Fanzine klassischer Art: Beiträge von Fans, die sich zu einem gemeinsamen Thema summieren, alles in allem nicht gerade professionell, aber mit viel Liebe zum Genre gemacht.

Ich bedauere es ja eigentlich nicht, in diesem Jahr den Con nicht besucht zu haben. Wenn ich das gelungene Conbuch allerdings anschaue, zerdrücke ich dann doch eine Träne im Augenwinkel – vielleicht klappt es beim nächsten Mal wieder ...

21 Juli 2014

Dunkle Höhlen

Gelegentlich hilft es, sich bei anderen Menschen umzugucken und zu schauen, was die so denken und schreiben. Unter dem schönen Titel »In der dunklen Höhle. Zur Zukunft des Buches« verfasste die Autorin Petra von Cronenburg schon Ende 2012 einen klugen Beitrag in der Zeitschrift »Aus Politik und Zeitgeschichte«, den ich all jenen zur Lektüre empfehlen möchte, die sich für Bücher, Literatur und die Zukunft von alledem interessieren.

Teilweise fasst die Autorin nur das zusammen, was Ende 2012 gegolten hat und auch heute noch gilt: Die Buch- und Literaturbranche ist in einem großen Umbruch, weil die Digitalisierung alle bisherigen Geschäftsmodelle durcheinanderwirbelt. Es gibt in einer Reihe von deutschsprachigen Verlagen heutzutage immer noch »Entscheider«, die an dieser Tatsache zweifeln. Allein aus diesem Grund ist eine Zusammenfassung sinnvoll.

Vor allem schildert die Autorin, wie das sogenannte Selfpublishing den Buchmarkt weiter aufwirbeln wird. »Ob wir nicht vor einer neuen Bildungswelle stehen«, fragt sie beispielsweise und vergleicht das Selfpublishing mit der Revolution, die durch Gutenbergs Buchdruck ausgelöst wurde: Wenn künftig jeder seine eigenen Bücher veröffentlichen kann – die Argumente kenne ich von den Fanzines der 80er-Jahre her –, trägt das grundsätzlich zu einer Demokratisierung bei.

Petra von Cronenburg plaudert über den Gegensatz zwischen »networked books«, also um Bücher, die möglicherweise in Echtzeit von einer großen Gruppe gemeinsam geschrieben werden können, und dem »EinBuch«, dem extrem hochwertigen Buchobjekt, das zu einem Kunstgegenstand erhoben wird. Irgendwo in all diesen Spannungsfeldern muss die Zukunft des Buchgeschäfts liegen, irgendwo da müssen sich die Verlags positionieren.

Es bleibt spannend – und ich finde es schön, wenn unaufgeregt und auf positive Art intellektuell über ein solches Thema geschrieben wird. Hiermit empfohlen! (Ihr Blog ist übrigens ebenfalls lesenswert.)

20 Juli 2014

Fack ju im Film

Im Jahr 2013 sahen über fünf Millionen Menschen den deutschsprachigen Kinofilm »Fack ju Göthe«; ich war aus unterschiedlichen Gründen nicht dabei. Mittlerweile habe ich ihn mir ebenfalls angesehen, die DVD kann sehr einfach ausgeliehen werden. Tatsächlich habe ich mich gut unterhalten und würde den Film nicht nur Schülern und Lehrern empfehlen.

Die Handlung ist rasch zusammengefasst: Ein ehemaliger Bankräuber kommt aus dem Gefängnis, will seine vergrabene Beute bergen und stellt fest, dass sich an der Stelle ein Schulgebäude erhebt. Um an die Beute heranzukommen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als in der Schule anzufangen, um sich nachts durch das Erdreich zu graben.

Eigentlich will er Hausmeister werden, dann aber wird er Lehrer – und trifft auf eine spießige Referendarin. Die Lehrer sind zickig, die Schüler sind blöd und stressen. Mit seiner lockeren Art bekommt der Ex-Bankräuber alle auf seine Seite, auch die strenge Rektorin, und am Ende wird alles, aber auch wirklich alles so richtig gut.

Einen Betreuer hat der ehemalige Gefangene nicht, die Polizei scheint sich ebenso wenig für die Beute zu interessieren, die Nutten sind allesamt coole Bräute – über die Sicht des Produzententeams auf real existierende Dinge in Deutschland möchte ich nicht länger nachdenken. Das ist natürlich nicht Sinn des Films, der in erster Linie mit groben Sprüchen und Fäkalhumor unterhalten will.

Das schafft er; ich musste oftmals lachen. Selbstverständlich ist »Fack ju Göthe« ein echtes deutsches Trash-Kino, dessen Erfolg mich nicht überrascht ... zu viele Menschen dürften sich in den Hauptfiguren wiederfinden. Wer sich flach unterhalten lassen möchte, ist hier bestens beraten. Da hat sich im deutschen Humor seit den »Otto«-Filmen der frühen 80er-Jahre nicht so viel getan.

19 Juli 2014

Radeln in die Technologie-Natur

Als ich am Freitag gegen 18.30 Uhr endlich aus dem Büro kam, war ich reichlich erschöpft. Aber ich fühlte mich zappelig, also holte ich daheim mein Rad aus dem Keller, setzte mich in passender Kleidung – kein »Radsportler-Outfit«, bloß nicht! – auf das Stahlross und radelte los: zuerst entlang der Alb, die sich durch Karlsruhe schlängelt, dann durch den Ortsteil Daxlanden, hinaus nach Rappenwörth. Das Thermometer an einer Apotheke zeigte noch 34 Grad Celsius.

Dort umfuhr ich das Reinstrandbad und kam zum »Waldfenster«, einem schönen Weg durch die Natur. Was man eben so Natur nennt in der sogenannten Technologieregion Karlsruhe: Waldwege und naturbelassene Auenwälder, hinter denen unweigerlich das nächste Industriegebiet kommt. Immerhin sah ich ein Wildschwein, wenngleich nur in einem Gehege.

Über den Rheindamm fuhr ich nach Süden. Rechts und links erstreckte sich der Urwald – zumindest sieht es dort so aus –, die Luft war angenehm kühl. Am Zollhaus radelte ich direkt an den Rhein, dann durch schmale Wege wieder zurück zum Damm; auf den schmalen Wegen war die Luft angereichert von Insekten und beeindruckenden Düften.

Radfahren heißt für mich auch Gucken – also fuhr ich nicht immer schnell, sondern hielt auch mal an, um eine Ente zu beobachten, Rehen beim Äsen zuzuschauen oder ein Schiff auf dem Rhein zu bestaunen. Wahrscheinlich steckt in mir ein fürchterlicher Rhein-Romantiker.

Bei Au am Rhein fuhr ich erneut an den Strom hinunter, der viel Wasser führte. Die Uferstraße war überspült, ich radelte ins Wasser hinein. Meine Räder durchschnitten das Wasser, kleine Fische rechts und links von mir; die Schatten schimmerten auf dem gebleichten Asphalt. Ich wendete, setzte meinen Schuh ins Wasser und fuhr – angefeuchtet – weiter durch die Auenwälder.

Auf der Höhe von Elchesheim verließ ich den Wald; ich hatte Hunger und Durst. Den Rückweg absolvierte ich über Streuobstwiesen und entlang der Schnellstraße – das war vergleichsweise langweilig, ging aber gut doppelt so schnell. Und dann musste ich schnell ein Bier trinken gehen ...


18 Juli 2014

Schockierende Demo-Bilder

Bei einer Demonstration, die am Donnerstag, 17. Juli 2014, mitten in Berlin stattfand, wurden eindeutige Parolen gegrölt – die Bilder und die Aussagen machen mich noch immer traurig, wütend und fassungslos. Bei diesen Demonstranten geht es nicht darum, Kritik an der Besatzungspolitik des Staates Israel zu üben, oder darum, auf das Leid der Zivilisten hinzuweisen, die von Raketen und Bomben getroffen werden – diesen Leuten scheint es darum zu gehen, ihren Hass auf Juden zum Ausdruck zu bringen.

Warum kann so etwas im Jahr 2014 in Deutschland stattfinden? In der Hauptstadt Berlin? Ich will da gar nicht mit der deutschen Vergangenheit anfangen – die ist für die meisten offensichtlich schon sehr lange her. Aber bei solchen Sprüchen läuft es mir heute kalt den Rücken hinunter.

Das Youtube-Video geht keine zwei Minuten, ab etwa Sekunde 59 wird es eindeutig:
https://www.youtube.com/watch?v=qc7o2_uKwyI

Sherlock als Fanzine-Thema

Wie lange der aktuelle Boom um den britischen Detektiv Sherlock Holmes nun anhält, kann ich gar nicht genau sagen: Die neuen Kinofilme mit Robert Downey jr. haben dazu sicher ebenso beigetragen wie die wunderbare Fernsehserie, von der es schon einige Kurz-Staffeln gibt. Dass es im deutschsprachigen Raum gleich mehrere Zeitschriften – oder Fanzines? – gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen, passt ins Bild.

Zuletzt las ich die Ausgabe 19 des »Sherlock Holmes Magazins«, die auch als »Frühlingsausgabe 2014« bezeichnet wird. Die Mixtur ist originell: Alte Titelbilder und Buchausgaben werden ebenso beleuchtet wie »Sherlock Holmes«-Verfilmungen oder aktuelle Neuerscheinungen.

Ein bisschen skurril wird's, wenn ein Autor dem exakten Datum einer speziellen Kurzgeschichte nachforscht – aber das ist einfach eine »echte« Fan-Arbeit. Darüber hinaus geht es um Hörspiele, die Musik in den Geschichten oder um ein Fort, das in einer Geschichte beschrieben wird.

Die Texte sind allesamt gut bis sehr gut lesbar, das Layout und die Fotos sind professionell. Für meine Begriffe handelt es sich bei dem 32 Magazinseiten starken Heft eindeutig um ein Fanzine, das vor allem den Menschen zu empfehlen ist, die mehr über den schräg-klassischen englischen Detektiv erfahren möchte. In diesem Heft finden sie haufenweise »Input«.