23 März 2017

Jugend-Fantasy aus den frühen 80er-Jahren

Warum ich in den 80er-Jahren irgendwann auf die Autorin Diana Wynne Jones aufmerksam wurde, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich schrieb ich einen Artikel über ihre phantastischen Jugendbücher. Die allerdings vergaß ich im Verlauf der vergangenen dreißig Jahre gründlich. So war es wie eine Neu-Lektüre, als ich mir dieser Tage »Das Geheimnis des siebten Zauberers« vorknöpfte.

Der Roman wurde von der Autorin im Jahr 1984 verfasst und wurde 1986 vom Dressler-Verlag in deutscher Sprache veröffentlicht. Die Geschichte spielt zwar im »Hier und Jetzt« der 80er-Jahre, wirkte aber schon damals ein wenig unmodern: Eine Schreibmaschine spielt eine zentrale Rolle, ebenso ein Schriftsteller, der im Auftrag eines unbekannten Mannes regelmäßig Texte zu liefern hat.

Wie die Texte mit der Familie des Schriftstellers – vor allem seinen widerspenstigen Kindern – zusammenhängen und welche Bedeutung die geheimnisvollen Zauberer haben, die offenbar im Geheimen die Stadt regieren, das löst sich im Verlauf des Buches auf. Auf dem Weg dahin müssen allerdings viele Gefahren überwunden werden.

Vor allem Howard, der jugendliche Sohn des Schriftstellers, findet nacheinander die Geheimnisse der Zauberer heraus, reist dabei in die Vergangenheit und in die Zukunft, stolpert in Fallen und trifft neue Freunde. Dabei ist die Geschichte abwechslungsreich und spannend, streckenweise voller Situationskomik und voller phantastischer Elemente.

Heute würde man so ein Buch unter »Urban Fantasy« veröffentlichen, im Buchhandel stünde es unter »All Age« oder sonstwie einem Label. In der Mitte der 80er-Jahre wusste man mit so einem Buch nicht sonderlich viel anzufangen: Der Verlag vermarktete es praktisch gar nicht unter einem Label, sondern brachte es schlichtweg als Jugendroman in den Handel. Das Marketingwort Fantasy findet sich weder auf dem Titelbild noch auf dem Rückentext ...

Seien wir ehrlich: Der Roman macht durchaus Spaß, aber er hat haufenweise Schwächen. Die Handlungsführung ist manchmal haarsträubend, die Dialoge wechseln in seltsamer Art und Weise. Man merkt, dass sich in punkto Fantasy für Kinder und Jugendliche seit den frühen 80er-Jahren sehr viel getan hat. Spätestens seit dem Erfolg der »Harry Potter«-Serie ist das Niveau deutlich gestiegen.

Heutzutage wirkt »Das Geheimnis des siebten Zauberers« ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Die Geschichte ist nach wie vor gut, aber die Erzählweise wirkt erschreckend antiquiert. Eigentlich schade.

22 März 2017

Das erste Chrysalis-Info

Ich blättere immer wieder gern in den alten Fanzines, die ich zu Tausenden im Haus meiner Eltern lagere. Dieser Tage fiel mir das »Chrysalis-Info 1/1984« in die Hände, ein schon recht verbleichtes Umdruck-Fanzine. Es umfasste sechs Seiten, hatte eine Auflage von rund hundert Exemplaren und wurde von Steffen Meyer in Stuttgart verbreitet.

Er wollte damals die Mitarbeiter informieren, die an seinem Fanzine »Chrysalis« mitwirkten – ich war wohl einer davon, und ich erinnere mich, dass Jens Balzer zur Redaktionsmannschaft gehörte. Ziel war die Vernetzung in einer Zeit, in der man an Dinge wie Facebook nicht einmal in den schlimmsten Träumen dachte.

Darüber hinaus wurde über andere Fans gelästert oder berichtet; der heute bekannte Schriftsteller Dirk van den Boom mit seinen Fanzines wurde ebenfalls erwähnt wie die heutigen Verleger Carsten Scheibe (er macht eine Lokalzeitung) und Michael Haitel (er veröffentlicht im Verlag p.machinery haufenweise deutschsprachige Science Fiction). Allein für das Durchschauen der Namen und Hinweise hat es sich schon gelohnt, das Fanzine aus der Kiste zu fischen.

Ich werde ebenfalls erwähnt, in einem Zusammenhang, an den ich mich nicht mehr entsinne. Der Herausgeber des »Chrysalis-Info 1/1984« spricht von einem »Club oder etwas Adäquates auch für Zineherausgeber« und verweist auf »teilweise recht präzise Pläne«, die ich wohl hatte. Ich erinnere mich nicht mehr an die Details, weiß aber, dass wir viele der angesprochenen Fragen immer wieder diskutierten.

»Was könnte man ganz generell machen, um die Situation der Zineherausgeber zu verbessern?«, schrieb Steffen Meyer in seinem Fanzine. Er hoffte auf »rege Resonanz«. Ob und wie diese eintraf? Das habe ich natürlich auch vergessen. Vielleicht war das hier die gedankliche Geburtsstunde für das, was zehn Jahre später zur PERRY RHODAN-FanZentrale wurde.

Ich sehe schon, ich muss noch mal tiefer in die Kisten tauchen, um solche Fragen zu beantworten. (Nicht, dass es wichtig wäre. Mir macht so was Spaß. Lasst einem alternden Science-Fiction-Fan doch den Rest seines Hobbys ...)

21 März 2017

Mein erster Blurb wurde gedruckt

Die Definition von »Blurb« ist nicht ganz eindeutig. Häufig wird damit ein kompletter Klappentext gemeint; für mich ist ein »Blurb« aber die lobende Aussage eines Kollegen, die auf dem Rücken eines Buches veröffentlicht wird. Ich hoffe, ich habe das jetzt verständlich formuliert. Wenn nicht, bietet ja jeder Computer so tolle Suchfunktionen an ...

Dieser Tage erschien auf jeden Fall ein Roman, auf dem sich mein erster »Blurb« befindet: ein Zitat von mir auf der Rückseite des Buches. Gemeint ist »Feuer der Leere« von Robert Corvus; gestern traf  das Belegexemplar des Verlages bei mir ein. Gelesen habe ich den Roman bislang nicht – das werde ich noch tun.

Was formulierte ich über das Buch? »Robert Corvus schreibt so bildgewaltig, dass man sich unweigerlich fragt, von welchen Welten der Mann kommt – das ist phantastisch im wahrsten Sinne!« Das ist werbend, aber meiner Ansicht nach nicht überzogen; vor allem sage ich damit nichts Falsches über den Roman.

Robert Corvus kenne ich schon lang; es sind mehr als dreißig Jahre. In der vergangenen Zeit haben wir einige Male zusammengearbeitet, ich habe einige seiner Romane gelesen und einige andere veröffentlicht.

Dabei stellte ich fest, dass der Mann echt gut schreiben kann: Er hat viel Phantasie, er schreibt diszipliniert, seine Figuren wirken auf mich stimmig. Deshalb fiel es mir leicht, den »Blurb« über sein Buch zu schreiben. Lesen möchte ich es jetzt auch noch ...

20 März 2017

Ruby Soho knallt immer noch

Mitte der 90er-Jahre war Rancid eine der amerikanischen Bands, die ich buchstäblich tagaus, tagein hörte. Es gab genügend Leute in meinem Umfeld, die den Punkrock von Rancid als »zu kommerziell« geißelten, die nichts mit ihrer Mixtur aus Ska und Punk und geschäftlichem Erfolg anfangen konnten – aber ich hörte die Band gern und oft.

Weil es eine Zeit lang irgendwie modern war, auch CDs zu veröffentlichen, auf denen sich nur wenige Stücke befanden – das Äquivalent zur Seven-Inch –, erhielt ich irgendwann die Platte »Ruby Soho«. Die kam 1996 bei Epitaph heraus, darauf enthalten waren drei Stücke. Und seit einigen Tagen läuft die bei mir im CD-Player meines Autos praktisch ununterbrochen.

Es handelt sich um Stücke, die auch auf der Platte »And Out Come The Wolves« enthalten sind; bei dieser CD handelt es sich also echt um eine Verschwendung von Kunststoff. Trotzdem bilden die drei Stücke eine echte Essenz der sowieso gelungenen Langspielplatte.

»Ruby Soho«, das Titelstück, ist eine großartige Skapunk-Hymne, mit schmissiger Melodie und schönen Effekten, die man nach dem ersten Hören schon im Ohr hat; streng genommen ist das Popmusik, die einfach immer wieder sehr gut funktioniert. »That's Entertainment« hingegen ist ein Punkrock-Gewitter reinsten Wassers: schnell und energiegeladen und mit 90 Sekunden keinen Augenblick zu lang.

Beeindruckend finde ich allerdings »Disorder and Disarray«: Der Punkrock wird geschmettert, dass es eine wahre Pracht ist, die Chöre sitzen, und dazwischen plunkert die Band einige Dub-Rhythmen. Das Stück kann ich auch fünfmal hintereinander hören, ohne dass es mir langweilig wird.

Die Platte »Ruby Soho« enthält nur drei Stücke, und sie ist über zwanzig Jahre alt. Aber so schnell wird sie mein Auto und die Nähe des CD-Players echt nicht verlassen ...

19 März 2017

Aktuelles Nachdenken über Projekte

Eine knappe Überschrift für diesen Text könnte »What's next?« lauten, aber ganz so anglizistisch bin ich dann doch nicht unterwegs ... In diesen Tagen beschäftige ich mich oft mit dem Thema, was ich denn als nächstes Thema in Angriff nehmen könnte. Nicht, dass ich mich langweilen würde – aber neben all den Romanen von Autoren, mit denen ich mich beruflich herumschlage, möchte ich dann doch ab und zu an eigenen Texten arbeiten. (Immerhin wollte ich immer Autor werden, das mit dem Redakteur war eher ein Betriebsunfall.)

Schon klar: Zwei Projekte beschäftigen mich dauerhaft. Das eine ist der Fortsetzungsroman »Der gute Geist des Rock'n'Roll«, der im OX-Fanzine erscheint, das andere ist das Geheimprojekt, an dem ich mit einem Freund aus Karlsruhe arbeite. Aber nach meinem Fantasy-Roman, der im Herbst 2017 erscheinen soll, würde ich gern das nächste Projekt vorantreiben.

Es gibt ein Thema, das mich gedanklich intensiv beschäftigt und den Arbeitstitel »Friedrich« trägt – aber ich weiß derzeit nicht, ob das irgendein Verlag irgendwann mal veröffentlichen möchte. Ein anderes Thema ist eine mehr oder weniger klassische Science-Fiction-Idee; in einem solchen Fall müsste ich entweder unter Pseudonym arbeiten oder in meiner Firma eine offizielle Erlaubnis für das Schreiben einholen.

Wahrscheinlich wäre es eh am Schlauesten, etwas zu verfassen, dass sich garantiert verkauft. Eine aktuellen Ratgeber für Sinnsuchende etwa (»Leichter denken ohne Nationalismen«), ein Sachbuch über Musik (»Wie ich lerne, Helene Fischer zu lieben«) oder etwas Stumpf-Politisches (»Warum es gut wäre, wenn die Deutschen in etwa 500 bis 1000 Jahren aussterben würden«). Dann käme ich endlich in die Bestsellerlisten.

18 März 2017

Radfahrer sind manchmal wie Selbstmörder

Ich fahre mit dem Rad durch die Innenstadt, vorsichtig und nicht zu schnell rolle ich auf die Kreuzung zu. Gerade rechtzeitig kann ich anhalten: Ein Auto nimmt mir mit zu hoher Geschwindigkeit die Vorfahrt, der Fahrer achtet nicht einmal auf mich.

Keine zweihundert Meter weiter, in einer Kurve direkt an einer Kreuzung, werde ich von einem Autofahrer geschnitten. Ich packe meine Bremsen, halte noch rechtzeitig an; der Radfahrer hinter mir rammt mich fast. Er beschimpft mich als »Idiot«.

So geht es täglich. Als Radfahrer wird man von manchen Autofahrern als Freiwild betrachtet. Mir ist bewusst, dass es haufenweise Radfahrer gibt, die wie die Irren durch die Innenstadt rasen.

Aber normalerweise geht ein Zusammenstoß zwischen einem Rad- und einem Autofahrer immer zuungunsten des Radfahrers aus. Und es gibt Tage, da hasse ich Autofahrer: dafür, dass sie gedankenlos durch die Straßen eiern.

17 März 2017

Entwicklungen bei den E-Book-Preisen

Manchmal glaube ich, dass es bei den E-Books mehr »Experten« gibt als Kunden; welche Menschen da gelegentlich als Experten präsentiert werden, ist zumindest überraschend. Immerhin gibt es aktuelle Zahlen, an denen man sich orientieren kann – die entsprechenden Schlüsse muss dann jeder ziehen.

(Um es vorwegzunehmen: Solche Zahlen sind meist nicht wirklich exakt. Ich verdiene mein Geld ja indirekt auch mit E-Books – also nicht privat, sondern in der Firma –, und da haben wir teilweise völlig andere Zahlen.)

Glaubt man den Zahlen, die Readbox – ein sehr gut funktionierender E-Book-Dienstleister – präsentiert, ist der Marktanteil von Amazon weiter angewachsen und liegt jetzt bei 55 Prozent. Die Tolino-Plattform kommt auf 23 Prozent; insgesamt machen die beiden Plattformen mehr als drei Viertel des Gesamtmarktes aus. (Die Zahlen habe ich einem Artikel im »buchreport.express« entnommen.)

Auf der anderen Seite werden die Preisstrategien bei E-Books immer stärker diskutiert. Glaubt man dem »Global E-Book-Report«, der am 25. April 2017 fürs Jahr 2017 präsentiert werden soll, zu dem es aber schon erste Informationen gibt, so liegt der mittlere Preis eines »Kindle-Bestsellers« in Deutschland und den anderen großen europäischen Ländern bei 2,99 Euro.

Die Firma Bookwire, mit der »wir« zusammenarbeiten, gab darüber hinaus bekannt, dass im Jahr 2016 rund 57 Prozent aller verkauften E-Books im Preis unter fünf Euro lagen. Noch im Vorjahr lag dieser Anteil bei 53 Prozent. E-Books mit Preisen zwischen fünf und zehn Euro seien rückläufig, was den Umsatz und den Absatz angeht.

Was aus diesen Zahlen zu schließen ist, werden viele kluge Köpfe – Experten gibt ja schließlich einige hundert – in den nächsten Monaten sicher in beeindruckender Weise interpretieren. Ein Schluss, den ich ziehen kann, liegt auf der Hand: Alle Erfahrungen, die unsereins in früheren Jahren mit dem Buchhandel erlangen konnte, können im Digitalgeschäft eben nicht eins zu eins übertragen werden.

Wenn der größte Teil des gesamten »Marktes« von zwei Plattformen beherrscht wird, ist das nicht mit der doch recht demokratischen und kleinteiligen Struktur früherer Jahrzehnte vergleichbar. Wenn es für Preise nur noch gewisse Korridore gibt, schränkt das Experimente von Autoren und Verlagen – wenn es nicht gerade eifrige Kulturzuschüsse gibt – stark ein.

Vielleicht muss stärker über solche Themen diskutiert werden. Überlege ich ... Aber ich bin ja auch kein Experte.

16 März 2017

Allerlei Comics empfohlen

Bekanntlich lese ich nicht nur haufenweise Romane und Comics; ich schreibe auch noch drüber. Die Rezensionen erscheinen meist auf der Website einer gewissen Raketenheftchenserie – wir teilen sie dann auch noch via Facebook, Google+ und Twitter. Hier und heute möchte ich auf einige Comic-Rezensionen der vergangenen Monate zurückblicken.

Im Dezember besprach ich den wunderbaren Funny-Comic »Auf den Spuren des Weißen Gorillas«. Dabei handelt es sich um den Teil 14 der klassischen Serie »Benni Bärenstark«, die damit eine gelungene Fortsetzung in die heutige Zeit erfährt. Ganz nebenbei ist es sogar ein »phantastischer« Comic.

Als »Fantasy-Comic mit epischem Charakter« empfahl ich den dritten Teil der Serie »Wollodrin«. Dieser Band trägt den Titel »Der Schläfer«; dabei handelt es sich um richtig klassische Fantasy mit Fabelwesen, Schwert und Magie.

»Ein Western-Kracher in schöner ›Integral‹-Ausgabe« ist die nächste Rezension übertitelt. Richtig – im Splitter-Verlag kommt jetzt die Western-Serie »Durango« auch in einer coolen Gesamtausgabe heraus, und ich habe den ersten Band abgefeiert.

Die Science-Fiction-Serie »Nebular« habe ich selbst nie gelesen; ich bewundere aber seit Jahren, wie engagiert der Autor und Verleger Thomas Rabenstein seine eigene Serie aufbaut. Es gibt jetzt auch einen Comic dazu, den ich unter dem schlichten Titel »Ein Science-Fiction-Comic aus deutschen Landen« vorgestellt habe.

Der Panini-Verlag ist in jüngster Zeit in das Geschäft mit großformatigen Comic-Alben eingestiegen; ich besprach »Russen auf dem Mond«. Der Titel »Wenn die Mondlandung anders verlaufen wäre ...« weist auf den Charakter einer Alternativweltengeschichte hin.

Zuletzt noch mal Science Fiction mit einer Prise Erotik. Meine Rezension unter dem Titel »Der zweite ›Moréa‹-Zyklus mit neuem Kreativ-Team« sagt ja schon in der Überschrift, um was es eigentlich geht – auch gut.

15 März 2017

Die Sozen und die hart arbeitenden Menschen

Für welche Inhalte Martin Schulz nun wirklich steht, weiß bislang kein Mensch. Trotzdem hält die Begeisterung über den Heilsbringer aus der westdeutschen Provinz an; die SPD ist echt auf einem Höhenflug. Darüber kann man lästern – ich finde es grundsätzlich gut, dass ein wenig Bewegung in den lahmen Vorwahlkampf gekommen ist und sich die Parteien vielleicht auch über Inhalte streiten.

Wobei ich immer stutze, wenn ich die Standardformulierung des Kandidaten höre. Er lobt die »hart arbeitenden Menschen« und möchte für sie da sein. Wen er damit meint, sagt er leider nicht aus – das macht mich ja glatt ein wenig ratlos.

Wer hart arbeitet und wer nicht, das entscheidet man schließlich nicht selbst. Aus der Sicht eines Bergarbeiters oder eines Landwirts arbeitet jemand wie ich definitiv nicht hart, sondern hat einen gemütlichen Job in einem beheizten Büro. Aus meiner Sicht arbeite ich viel. Aber hart?

Arbeiten Fußballspieler hart, oder haben sie nur ihr Hobby zum Beruf gemacht? Arbeiten Friseurinnen hart, oder sind sie weniger hart arbeitend als Börsenmakler? Nach welchen Kriterien bemisst sich das denn? Nach der Zahl der Arbeitsstunden, nach der Zahl der Burn-Outs, nach der Höhe des Gehalts?

Es bleiben schon ziemlich viel Fragen offen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem unsereins noch nicht einmal andeutungsweise weiß, für welche Inhalte der Kandidat steht. Aber vielleicht ist das nicht einmal wichtig, und es wird schlichtweg zwischen Schulz-Bart und Merkel-Raute entschieden.

14 März 2017

Fantasy-Klassiker aus den 30er-Jahren

Ab und zu sollte man sich Klassiker der Fantasy-Literatur genauer anschauen, um herauszufinden, wie das Genre eigentlich entstanden ist. Also griff ich mir »Das Mitternachtsvolk« des englischen Schriftstellers John Masefield (1878 bis 1963) und stellte fest, dass es wunderbar altmodisch ist und tatsächlich großen Spaß macht. In deutscher Sprache ist das Buch bei Klett-Cotta erschienen und antiquarisch noch gut erhältlich.

Hauptperson der Geschichte ist ein Junge, etwa acht Jahre alt. Kay Harker lebt in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Waise; seine Familie ist wohlhabend, also hat er Diener und vor allem eine Gouvernante. Die Gouvernante ist streng, sie unterrichtet ihn nicht nur, sondern versucht ihm auch Anstand, Moral und gute Sitten beizubringen.

Der Junge träumt dummerweise viel zu oft von Abenteuern und davon, die Welt zu bereisen. Das wird weder von seinem Vormund noch von der Gouvernante gern gesehen. Doch in einer Nacht steht auf einmal Nibsel vor seinem Bett. Die Katze des Hauses erweist sich als sprachbegabt und führt Kay – im Schlafanzug! – durch einen Geheimgang ins Freie.

Dort trifft Kay auf allerlei sprechende Tiere und stellt fest, dass es sogar Hexen gibt. Ganz in der Nähe seines Wohnhauses kann Kay das Mitternachtsvolk beobachten, das sich dort versammelt. Später reitet er auf einem Besen und gerät in Konflikt mit sieben Hexenschwestern. Und irgendwann wird klar, dass es die ganze Zeit um einen uralten Schatz geht, der angeblich mit Kays Vorfahren verbunden ist.

So entwickelt sich die Geschichte; ständig präsentiert der Autor neue phantastische Ideen. Bilder an der Wand verwandeln sich in dreidimensionale Gebilde, durch die man die Vergangenheit beobachten kann. Die Revolutionen in Südamerika zu Beginn des 19. Jahrhunderts werden auf einmal wichtig für die Gegenwart eines Jungen. Und die Suche nach einem Schatz wird auch zur Suche nach der Realität ...

Es fällt schwer, die Handlung zusammenzufassen – es passiert recht viel, und die Geschichte pendelt zwischen der Realität im alten Herrenhaus, der Phantasiewelt und irgendwelchen Träumen. Ritter der Tafelrunde tauchen auf, Piraten spielen eine Rolle, sprechende Tiere sind völlig normal. Seltsame Technologien wie Siebenmeilenstiefel werden eingesetzt, uralte Tagebücher müssen gelesen werden – in solchen Szenen wirkt der Roman dann wie ein ganz gewöhnliches Jugendbuch.

Als der Autor sein Buch im Jahr 1927 verfasste, war Masefield schon ein bekannter Schriftsteller. Mit Gedichten oder Büchern über den Ersten Weltkrieg hatte er sich einen Namen gemacht. Die Welt zwischen den Kriegen war voller Spannungen – »Das Mitternachtsvolk« wirkt in diesem Zusammenhang wie der Versuch, der wirklichen Welt zu entfliehen.

Der Autor selbst hatte ein abenteuerliches Leben hinter sich, als er zu schreiben begann. Jahrelang reiste er an Bord von Schiffen über die Weltmeere und besuchte verschiedene Länder. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann er mit seiner schriftstellerischen Arbeit.

Mit »Das Mitternachtsvolk« schuf der Autor ein phantasievolles Werk, das seinesgleichen sucht. In der Zeit, in der es verfasst wurde, war Phantastik – oder Fantasy – noch so jung, dass man sich keine Mühe gab, den Roman in Genre-Grenzen zu stecken. Er steht für sich, ist voller Abenteuer und phantastischer Ideen.

Ganz ernsthaft: Für Jugendliche dürfte der Phantastik-Klassiker auch heute noch ein Erlebnis sein. Und Erwachsene werden sich bei der Lektüre sicher nicht langweilen. Ich fand den Roman toll, aller Antiquiertheit etwa bei der Darstellung von Frauen zum Trotz.

Stop and Go aus Mexiko

Wofür KLH steht, weiß ich nicht. Es ist der Name einer vierköpfigen Band aus Mexiko-Stadt, die knüppeligen Hardcore-Punk spielte. Im Jahr 2004 wurde die CD »Fuera de mi« veröffentlicht, auf der sich 15 rasende Stücke befinden, keines davon auch nur eine Sekunde länger als nötig. Und viel mehr muss man eigentlich nicht über diese Platte schreiben ...

Sie könnte vom Ende der 80er-Jahre stammen, als der Hardcore noch vom Punk herkam und nicht von zu viel Metal versaut worden war. Es gibt keine Metal-Anleihen bei dieser Platte, die Produktion ist eher ruppig und nicht von höchster technischer Qualität.

Das Schlagzeug ist rasend schnell; ein brüllender Sänger hetzt atemlos durch die Stücke. Und wenn es mal einen Gitarrenlauf gibt, dann ist der hektisch und gewollt geschrubbt. Man hat schon das Gefühl, dass die Band bei ihren Stücken – sie sind in spanischer Sprache – schon weiß, was sie tut, und dass die Musiker mit ihren Instrumenten umgehen können.

Aber sie lassen’s lieber knallen, und das ist sympathisch. Knalliger Hardcore-Punk eben, wie ich ihn immer wieder gern höre!

12 März 2017

Kämpferische Demo durch Karlsruhe

Mich nerven die regelmäßigen Nazi-Aufmärsche in meiner Heimatstadt so, dass ich sie am liebsten ignoriere. Oft nehme ich mir vor, auf eine Demo gegen die Nazis zu gehen, dann bleibe ich aus reiner Faulheit oder aus Zeitdruck doch daheim. Ich will mir von Nazis nicht meine Tage fixieren lassen. Am Samstag, 11. März, ging ich doch auf die Straße und schloss mich der Antifaschistischen Demonstration an.

Treffpunkt war auf dem Kronenplatz, im östlichen Teil der Innenstadt also. Auf dem Weg dahin radelte ich an starken Polizeikräften vorbei. Vor allem im Schlossgarten und dessen näherer Umgebung schienen sich Hunderte von Polizisten aufzuhalten. (Bei der vorherigen Demo gegen einen Nazi-Aufmarsch hatten Polizisten hoch zu Ross völlig überzogen die Demonstration angegriffen.)

Am Kronenplatz versammelten sich die Menschen; einige hundert waren es. Schon klar: kein Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren, aber doch genug, um aufzufallen. Die Demo formierte sich: vorne weg die Antifa mit Front-Transparent und klaren Seiten-Transparenten. Die wenigen Normalbürger – etwa ein Drittel der Demo –, zu denen auch ich gehörte, reihten sich weiter hinten ein.

Dann ging es los: mit guten Sprechchören, durchaus kämpferisch und entschlossen und als starker Pulk – so zog die Demonstration durch die Fußgängerzone. Ich bin schlecht im Zählen, aber ich hätte geschätzt, dass wir rund 300 Leute waren.

Am Marktplatz gab es eine Zwischenkundgebung. Ein verwirrter Mann grölte von der Seite irgendwas von »frei-sozial-national«, wurde körperlich rasch zurechtgewiesen, dann kam es zu einem Polizeieinsatz und einigem Gerenne; die Demo blieb stehen, teilweise zerstreuten sich die Leute – eine sehr unklare Situation auf einmal.

Der Rest des Marsches verlief gut: viele Sprechchöre, einige Zwischenkundgebungen, alles in allem doch recht eindrucksvoll, obwohl einige hundert Leute mehr nicht geschadet hätten. Am Stephansplatz waren die Nazis noch nicht eingetroffen, dafür sammelten sich immer mehr Riot-Cops.

Ein mobiler Café-Stand wartete auf uns, ein Imbisswagen stand bereit, am Querfunk-Stand gab es laute Musik und Kekse. Die Demo wurde zu einem gemütlichen Herumsitzen und Warten. Ich redete mit Leuten, stromerte durch die Gegend und sah den Nazis zu, die langsam eintrafen und ihre Kundgebung aufbauten.

Irgendwann fingen die Nazis an: Wie immer dürften es an die dreißig, vierzig Leute gewesen sein, blickdicht abgeschirmt durch Polizeifahrzeuge, abgeriegelt durch Sperrgitter und Polizisten. Und überall ringsum standen Leute und brüllten die Nazis an; es kamen auch ständig neue Demonstranten hinzu. Es waren diesmal wenige »Bürger«, vor allem protestierten junge Leute gegen die Nazis. Den Normalbürgern in Karlsruhe scheint es völlig egal zu sein, dass ihre Stadt zum Aufmarschgebiet für Rechtsextreme geworden ist.

Als es dunkel wurde, fuhr ich mit meinem Rad nach Hause. Schließlich wollte ich mir von irgendwelchen Nazis nicht den ganzen Tag diktieren lassen ...

11 März 2017

Liebe Türkinnen, liebe Türken ...

... ich weiß, dass so ein Posting in einem Blog kein »wirklich offener Brief« ist, aber ich bin ein wenig beunruhigt von der Entwicklung in Ihrem Land, und ich möchte kurz mitteilen, was das mit mir macht. Denn ... eigentlich bin ich ein großer Freund der Türkei und hätte mir gewünscht, das Land öfter und gründlicher zu bereisen.

Ich war nur zweimal in der Türkei, einmal in der Nähe von Bodrum, einmal in der Nähe von Antalya. Beides Mal waren es touristische Reisen, mit einem Hotel am Strand und was dazu gehört. Beides Mal nutzte ich aber die Gelegenheit, mir die Gegend anzuschauen: Ich fuhr mit dem öffentlichen Bus oder mit dem Fahrrad durch die Gegend, schaute mir die Dörfer und Städte nicht nur aus der reinen Touristensicht an.

Und ich nahm mir immer vor: »Hier mache ich mal so richtig Urlaub.« Eine Woche beispielsweise in einer Ferienwohnung mitten in Istanbul, einer der aufregendsten Städte der Welt. Oder einige Wochen durch die Gegend reisen und mehr über Land und Leute erfahren. Ich glaube, das wäre sehr spannend und interessant gewesen.

Aber ... Sie wissen ja selbst, was in Ihrem Land los ist. Die PKK und der IS bomben, das Militär führt einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung, die Meinungsfreiheit wird ausgeschaltet, Zigtausende von Beamten und Angestellten – ohne ernsthaft Anklage oder Verurteilung – werden aus ihren Berufen entfernt oder gleich verhaftet.

Das ist nicht das Land, in dem ich Urlaub machen möchte. Da möchte ich derzeit beim besten Willen nicht hin. Ich weiß, dass es in vielen anderen Ländern dieser Welt auch politisch-gesellschaftliche Schwierigkeiten gibt – aber Sie waren mit Ihrem Land auf einem guten Kurs, und den haben Sie schon vor dem Putschversuch komplett verlassen.

Ich nehme an, Sie verstehen, dass ich die Türkei deshalb so schnell nicht bereisen möchte. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

10 März 2017

Wir ritten mit Sartana

Ich bin kein Experte für Italo-Western, halte aber einige Filme dieses Genres für richtig klasse. Vielleicht war ich deshalb durchaus skeptisch, als ich von »Sartana« hörte und darüber las, es sei ein »Hörspiel in Concert«. Was sollte das sein?

Ausgerechnet Bela B. steckte dahinter, den ich nicht nur als Bandmitglied der Ärzte »kannte«, sondern von dem ich wusste, dass er schon immer ein Faible für Comics und Trash-Filme hatte. Er nannte den Italo-Western den »Punk unter den Kinofilmen«, was ich immerhin witzig finde.

Nun gut: Am Dienstagabend, 7. März 2017, nahmen wir unsere Plätze im großen Saal des Theaterhauses Stuttgart ein. Der Saal war vollbesetzt, ich schätze, dass sich weit über tausend Leute  in die Stuhlreihen quetschten. Neben jugendlichen Ärzte-Fans und alternden Punkrockern gab es auch Leute mit »Johnny-Cash«-Jacken oder typische Theatergänger mit ergrautem Haar zu sehen – eine höchst interessante Mischung.

Auf der Bühne präsentierte sich auf der einen Seite die Band Smokestack Lighnin' aus Nürnberg, die eine Art Cowboy-Country-Sound spielten; auf der anderen Seite machte sich der Geräuschemacher Stefan Kaminski breit, in der Mitte hing eine Leinwand von der Decke, und vor dieser saßen Bela B. und die Sängerin Peta Devlin als Erzähler.

Und recht schnell wurde mir klar, warum der Untertitel von »Sartana« so bescheuert klang: »noch warm und schon Sand drauf«. Der Italo-Western war damals reichlich schräg synchronisiert worden, und diese Synchronisation wurde zur Basis des Theatrstückes.

Die Story wurde von Bela B. und Peta Devlin vorgelesen; immer wieder durch alberne Bemerkungen unterbrochen. Ergänzt wurde das Ganze durch die Geräusche von Stefan Kaminski, die unglaublich waren; ebenso lieferte er zahlreiche weitere Stimmen.

Im Hintergrund liefen dazu Comic-Bilder, immer wieder spielte die Band einige Melodien an. Und gelegentlich sangen Bela B. und Peta Devlin auf der Bühne. (Es gibt einen netten Youtube-Trailer zu alledem.)

Das klingt – ich weiß – immer noch nach einer sehr kruden Mischung. Aber ich amüsierte mich königlich, lachte viel und verließ nach gut drei Stunden mit einem breiten Grinsen das Theaterhaus. So lasse ich mir die »Hochkultur« echt gefallen.

09 März 2017

Der coolste aller Western-Comics

Als in den 80er-Jahren der erste Band des Western-Comics »Durango« erschien, waren Comic-Fans wie ich fassungslos. Es handelte sich um einen typischen Spät-Western, der an der Grenze vom 19. zum 20. Jahrhundert spielt – der Held benutzt eine moderne, ungewöhnliche Schusswaffe –, der Zeichner orientierte sich eindeutig an den härtesten Filmen der Italo-Western, und deshalb gab es auch unglaublich viele Tote.

Seither sind einige Jahrzehnte vergangen, die Serie ist in vergangener Zeit bei verschiedenen Verlagen publiziert worden und findet jetzt bei Splitter eine neue verlegerische Heimat. Als erstes erschien Band 17, mittlerweile startete auch eine Gesamtausgabe. Band 17 trägt den Titel »Jessie«; von Yves Swolfes stammen die Texte, während die Grafik von Iko (Giuseppe Ricciardi) beigesteuert wird.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Irgendwo im Süden der USA erholt sich Durango von den Folgen einer Schießerei. Weil ein Freund, der zugleich als Sheriff tätig ist, von Gangstern zusammengeschossen wird, kümmert er sich um einen Fall. Dabei spielt unter anderem eine junge Frau namens Jessie eine wichtige Rolle. Wie nicht anders zu erwarten, gibt es haufenweise Schießereien, und am Ende liegt eine Reihe von Leuten tot im Dreck.

Das klingt nicht nur nach einem Italo-Western, sondern wird auch genauso erzählt. Der Bösewicht heißt nicht nur »Frank«, sondern sieht ziemlich genau so aus wie der Bösewicht aus »Das Lied vom Tod«; wer mag, kann weitere Filme aus den späten 60er-Jahren in Zitaten wiederfinden.

Durango, der schweigsame Held, der so gut schießen kann, erinnert selbstverständlich an Django. Das passt alles wunderbar zusammen, auch die Illustration fügt sich gut ins Bild. Wer Western-Comics mag, muss diese Serie lieben.

Ich freue mich sehr, dass »Durango« bei Splitter eine neue verlegerische Heimat gefunden hat. Mit »Jessie« zeigt der Schöpfer der Serie, dass ihm die Geschichten nicht ausgehen – ich kann mich also auch schon auf Fortsetzungen freuen.

08 März 2017

Mein popliterarisches Werk

Ich traf mich mit meinen zwei Verlegern an ihrem Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Der Stand war nicht groß, und er war sehr minimalistisch eingerichtet. Die geometrisch wirkenden Titelbilder der Bücher an den Wänden machten den Eindruck einer kunstvoll eingerichteter Dekoration, die beiden Herren trugen legere Anzüge und sehr ordentliche Bärte.

Unser Gespräch war locker, wir lachten viel. Die beiden, jeder von ihnen deutlich jünger als ich, informierten mich über die »unterdurchschnittlichen« Verkaufszahlen meines Buches. Dass die Druckausgabe schlecht lief, überraschte weniger – das gedruckte Buch betrachteten sie eh als Liebhaberausgabe –, ärgerlich war eher die E-Book-Ausgabe.

»Vielleicht liegt es daran, dass Popliteratur im Digitalgeschäft einfach nicht läuft?«, mutmaßte ich und wies auf das Cover. »Toll aussehen kann das Buch ja auch im E-Book-Shop.«

»Es liegt am Inhalt«, entgegnete einer meiner Verleger. Er griff nach meinem Buch, das neben ihm auf dem Tisch lag. »Schau dir mal den letzten Satz an. ›Ich ließ mein Glas auf dem Tisch stehen und ging; es war noch halb voll.‹ Das will doch keiner lesen.« Er lachte schallend.

»Stimmt«, sagte ich, »das ist kein schwäbisches Verhalten.« Ich schaute die beiden an. »Wer hat das denn eigentlich redigiert?«

Der andere Verleger barg den Kopf in den Händen. »Frag nicht!«, jammerte er kunstvoll. »Bitte frag einfach nicht danach.«

Das Gespräch ging sehr lustig weiter. Mich freute, dass die beiden Verleger trotz allem eine weitere Novelle von mir haben wollten. »Auch wenn sie keiner kauft, wir mögen das ja«, sagte der Mann mit dem braunen Anzug und dem dunkelblonden Vollbart.

Als ich aufwachte, brauchte ich gut eine Minute, um zu kapieren, dass ich alles nur geträumt hatte. So lange überlegte ich krampfhaft, bei welchem Verlag ich eigentlich wann eine Novelle im Genre der Popliteratur veröffentlicht haben könnte ...

07 März 2017

Zum ersten Mal Radio im Jahr 2017

Am Sonntag, 5. März 2017, machte ich meine erste Querfunk-Radiosendung im Jahr 2017. Der Grund leuchtet hoffentlich ein: Am ersten Sonntag im Januar war ich unterwegs und meldete mich offiziell ab, am ersten Sonntag im Februar war ich krank. Aber am ersten Märzsonntag wollte ich es mal wieder krachen lassen und legte meinen Schwerpunkt auf Punkrock, Hardcore und artverwandte Musikrichtungen aus deutschen Landen.

Manu & die drei Akkorde, kurz M.U.D.D.A., aus München boten dafür einen guten Anfang; die Band macht knalligen Deutschpunk mit Melodie, Schmackes und durchaus schlauen Texten. Ebenfalls aus München kam die Band Ya-Ha!, die eher in die »Indie«-Richtung gehört, die mir aber auch gut gefällt. Wesentlich klarer und eindeutiger bollerten da die Dorks aus den Boxen – die Band kommt aus dem bayerischen Flachland und liebt ihren Deutschpunk sehr ruppig.

Eher hardockig klangen dann Black Sheriff aus Köln, wobei deren Musik trotzdem gut ist. Zwischen Punk und »Indie« pendelte das Stück von Granada 74, ebenfalls aus Köln, die ich anschließend spielte.

Immer wieder gut sind die Razorblades aus der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden; die Mixtur aus Punk und Surfsound gefällt mir! Die Band Rotzenplotz aus dem mittelhessischen Fulda mochte es dann eher grobschlächtig; ich hatte aber viel Spaß dabei, dreimal ihren rotzigen Deutschpunk auf die Hörer loszulassen.

Und dann noch Panzerfisch Rhodan: Dass ich eine Band mit diesem Namen mag, leuchtet hoffentlich allen ein ... die Herren sind oder waren aus Trier, und ich spielte zwei Stücke ihres Emopunk-Sounds. Den Abschluss bildete der rüpelig-konsequente Deutschpunk von Fuckt aus Hannover. Eine gelungene Sendung!

06 März 2017

Ein kleines Bukowski-Fanzine

Nachdem ich beschlossen hatte, mal wieder herauszufinden, ob mir die Geschichten von Charles Bukowski noch etwas zu sagen hatten, kaufte ich das Mini-Buch »Wie man sich bettet, so lügt man«. Streng genommen ist es nur ein Heft: 32 Seiten stark, im A5-Format, aber auf dickem Papier und in einem sehr »stylischen« Layout.

Den Inhalt bilden zwei Kurzgeschichten, einige Originalbriefe von Charles Bukowski an seinen deutschen Verleger (als Faksimile abgedruckt) sowie Fotos. Die Gestaltung ist ausgesprochen gut, auch wenn ich nicht kapiert habe, warum der Verlag ausgerechnet die Dialoge – die eh in An- und Abführungszeichen stehen – ins Kursive gesetzt hat.

»Die schönste Frau in der ganzen Stadt« ist eine echte Geschichte, die sich langsam steigert, die sehr trocken erzählt wird und mit einem Knaller endet. »Die Bettdecke« beginnt wie ein Essay, wird erst langsam zu einer Geschichte und endet ebenfalls sehr ungewöhnlich.

Wer mag, kann beide Geschichten sogar in die Phantastik-Ecke stecken, weil bis zum Ende nicht so richtig klar ist, wie man sie als Leser einzuordnen hat. Glasklar ist der Stil, trocken die Übersetzung: »Es war nicht das Sterben, was mich beunruhigte, es war die Traurigkeit, die Verwunderung.«

Es gibt natürlich Leute, denen sind fünf Euro für so ein Heft zu viel Geld. Ich finde es angemessen: Man bekommt für den Gegenwert von einem großen und einem kleinen Bier – und das ist dann schon preiswert –, die man sich in einer Kneipe in den Hals schüttet, ein schönes Heft, das einen sehr exklusiven Charakter besitzt. Ich stelle es ins Bücherregal, zwischen allerlei Hardcover-Bände, und ich werde es sicher mal wieder hervorziehen.

Eine schöne und sehr übersichtliche Storysammlung!

05 März 2017

Was Sachsen so alles machen

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich weiß natürlich, dass das Heft »Sachsen machen« eine Publikation ist, die vom Freistaat Sachsen stark unterstützt worden ist. Aber ich habe es trotzdem gern gelesen und möchte es in Sachen Volksaufklärung an dieser Stelle ausdrücklich loben. Ernsthaft!

Okay, ich bin bekennender Fan der Zeitschrift »Brand Eins«, die ich seit vielen Jahren regelmäßig lese. Wenn dann dem Abonnement eine Sonderpublikation beiliegt, wird die von mir zumindest angeschaut. In diesem Fall handelt es sich um ein Magazin, das – ich zitiere – »von Wirtschaft, Wissenschaft und den Menschen in Sachsen erzählt«.

Das macht es richtig gut. Von den 132 Druckseiten habe ich den größten Teil gelesen; auch Artikel, die mich vielleicht nicht so interessiert hätten, fand ich auf einmal spannend. In einer Reportage wurde mir Chemnitz – wo ich 1983 mal einen Besuch absolvierte – nahegebracht, in anderen Reportagen ging es um Biotechnik und Kultur.

Das Dorf Nebelschütz wurde mir richtig sympathisch, Leipzig und Dresden zeigten mir in diesem Heft einige Seiten, von denen ich bislang nichts ahnte. Oder Torgau und Görlitz? Spannende Seiten für eine Gegend Deutschlands, die ich nicht kenne.

Man muss sich klarmachen: Paris ist nicht viel weiter von Karlsruhe entfernt als Dresden. Ich war in meinem Leben noch nie in Dresden, aber mehrfach in Paris. Ähnliches gilt für andere Städte in Norditalien oder Frankreich. Ich bin in Westeuropa aufgewachsen, das prägt einfach. In meinen »jungen Jahren« war Frankreich einfach spannender als Ostdeutschland – und der grassierende Ausländerhass in Sachsen hat daran leider nicht viel geändert.

Vielleicht hat das Magazin etwas daran geändert. Es ist sehr gut geschrieben, die Reportagen sind lesenswert und allesamt positiv; klar, das muss so sein. Das Beste daran ist übrigens: Man kann einzelne Artikel daraus oder auch das gesamte Heft kostenfrei downloaden. Meine Empfehlung für heute!

04 März 2017

Arroganz oder Selbstschutz?

Wenn ich in Wolfenbüttel ein Seminar halte, erzähle ich immer gern eine Geschichte. Sie handelt von einem Mansukript, das ich wirklich einmal erhalten habe. Der erste Satz begann mit »Der Wind bließ«.

Dann schaue ich stets die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars an und frage sie: »Wenn jemand blasen nicht richtig schreiben kann, warum soll ich dann der Person zutrauen, sie könnte Charaktere und Handlungsabläufe richtig in Szene setzen?«

Gelegentlich wird mir da ein arrogantes Verhalten vorgeworfen, vorsichtig formuliert zwar, aber immerhin. Das ist auch nicht ganz falsch. Von einem Tippfehler kann schließlich niemand auf die Güte eines ganzen Manuskriptes schließen.

Die Geschichte geht sowieso weiter: Ich hörte mit der Lektüre nicht auf, las die erste Seite komplett zu Ende und überblätterte einige der folgenden Seiten. Danach war klar, dass das Manuskript nicht so war, wie ich es mir vorstellte.

Möglicherweise verpasste ich damals die Chance, einen hervorragenden Autor an unser Team zu binden. Vielleicht handelte ich aus Selbstschutz richtig und korrekt. Ich werde es nie herausfinden – nach all den Jahren habe ich sowieso vergessen, von wem dieser Text kam.

Damit wir uns klar verstehen: Tippfehler machen alle, ich selbst bin da ein ziemlicher Meister. (Gern geschehen dann sogar Dinge wie »stehts« statt »stets« und ähnliches.) Aber eine gewisse Sorgfalt sollte man schon walten lassen, bevor man sein Manuskript an einen Verlag schickt ...

03 März 2017

Christine Prayon zum zweiten

Die Kabarettistin und Schauspielerin Christine Prayon sah ich 2014 bereits einmal in einer Show; am Donnerstag, 2. März 2017, schaute ich sie mir zum zweiten Mal an. Diesmal fuhren wir nach Stuttgart, das Theaterhaus dort schätze ich sehr für sein Programm.

Wie immer finde ich es witzig, mir das Publikum anzuschauen. Wer ins Kabarett geht, ist zumeist weiß- oder grauhaarig. Bei Christine Prayon waren immerhin auch einige Menschen im Publikum, die so aussahen, als seien sie jünger als dreißig.

Dafür saßen neben mir ein weißbärtiger Herr und seine ebenfalls weißhaarige Dame; die beiden klatschten am Ende nicht mit, und man sah ihnen an, dass sie mit dem Programm streckenweise so richtig gar nichts anfangen konnten. Kein Wunder: Als »Diplom-Animatöse« präsentiert Prayon zeitweise auch schräge Kost.

Den Anfang gestaltete sie wie in einer Lesung: Sie saß zumeist da, las etwas, brachte skurrile Geschichten zum Vortrag. Das war sehr witzig, es wurde viel gelacht. Vor allem die Lebensgeschichte einer jungen Frau namens Scarlett brachte sie in mehreren Kurzkapiteln wunderbar auf die Bühne.

Nach der Pause wurde es anstrengender. Sie präsentierte sich als multiple Persönlichkeit, wechselte im Minutenrhythmus die Erzähl- und Schauspiel-Perspektive, zog sich auf der Bühne aus (nicht komplett!) und um, spielte mit Geschlechterklischees und wurde auch explizit politisch. Das war großartig! Wer so schnell und gleichzeitig akkurat spielen kann, hat echt was drauf. Respekt!

01 März 2017

An der Wirklichkeit gescheitert

Wie alle Gelegenheitsautoren, so neige auch ich dazu, immer wieder neue Projekte anzufangen. Dann aber kommt etwas dazwischen, das Projekt bleibt liegen, und es gerät in Vergessenheit. Seien wir ehrlich: Bei den meisten meiner Projekte aus den vergangenen Jahrzehnten ist es auch besser, dass ich selbst sie vergessen habe und sie nie fertiggestellt und veröffentlicht wurden.

Aber irgendwann möchte ich meinen Finanz-Thriller zu Ende schreiben. Für den recherchierte ich 2006 recht viel, ich schrieb 2007 recht viel daran, ich war sogar unter anderem deshalb in Singapur und Bintan, um Schauplätze zu recherchieren, damit die möglichst klar und stimmungsvoll präsentiert werden konnten.

»Leider« kam mein Afrika-Buch dazwischen, und ich veröffentlichte lieber »Das Tier von Garoua« im Dryas-Verlag. Auch wenn sich das Buch wirklich nicht gut verkaufte, habe ich es trotzdem sehr gern und finde es selbst gut.

Aber als ich 2008 mit dem Schreiben meines Finanz-Thrillers weitermachte, holte mich die Wirklichkeit ein. Ich stand bei rund 600.000 Zeichen und kam langsam in den Bereich, in dem die drei Handlungsbögen zusammenliefen – da brach die Finanzkrise aus. Als ich die Angestellten bei den amerikanischen Banken im Fernsehen sah, die ihre Unterlagen aus den Büros trugen, wusste ich, dass meine famose Idee dummerweise von der Wirklichkeit gekapert worden war.

So ist das mit manchen Projekten: Bevor sie das Licht der Öffentlichkeit – oder auch nur die Stube eines Lektorats – erblicken, gehen sie kläglich unter. Aber irgendwann werde ich den Roman umstrukturieren und zu Ende schreiben, da bin ich mir sicher.

Denn eins ist ebenfalls sicher: Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt. Dann passt mein monumentales Werk vielleicht doch in gedruckter Form ...

28 Februar 2017

Am Ende einer Testfahrt

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Im Frühsommer 1989 nahm ich an einer Tagung teil, die für junge Redakteure ausgeschrieben war. Zu der Zeit arbeitete ich als alleiniger Redakteur für ein wöchentlich erscheinendes Anzeigenblatt im Raum Freudenstadt.

Die Tagung wurde in Wiesbaden und Umgebung veranstaltet; ein Besuch im Spielcasino gehörte ebenso dazu wie Fahrten auf einem nahe gelegenen Opel-Testgelände. Immerhin durfte ich – obwohl mich Autos damals ebenso wenig interessierten wie heute – neue Opel-Modelle testen, unter anderem meinen Hintern in einen Opel Corsa oder Opel Vectra schieben.

Als Souvenir nahmen die Teilnehmer von dieser Veranstaltung eine Reihe von Fotos mit. Dieses Beispiel zeigt mich selbst: im damals modischen Polohemd, in damals modischer heller Hose, mit unglaublich dämlichen – aber damals beliebten – Schuhen und einer 0815-Frisur, wie ich sie heute nach wie vor durch die Gegend trage.

Das wirklich Witzige an dem Foto – für mich – ist die Tatsache, dass ich es wenige Monate später als Bewerbungsfoto benutzte. Ich bewarb mich bei der Agentur, die die Tagung ausgereichtet hatte, um einen Job in der Öffentlichkeitsarbeit, legte dieses Bild bei, schrieb dazu, »Sie erinnern sich hoffentlich noch an mich«, verzichtete auf zu viel Blabla und bekam den Job.

(Wo genau das Foto angefertigt wurde, weiß ich nicht mehr. Auch wenn es nicht so aussieht, müsste es der Parkplatz eines Hotels gewesen sein, wo nach der jeweiligen Testfahrt die Autos gewechselt wurde.)

27 Februar 2017

Mann kackt sich in die Hose

Okay, dieser Bandname ist eine Ansage: Wer sich ernsthaft Mann kackt sich in die Hose nennt und aus Dortmund kommt, hat entweder einen an der Waffel oder einen speziellen Humor. Ich tippe bei der vierköpfigen Band mal auf letzteres. Die Burschen haben viel Deutschpunk und Crust-Sound gehört, bedienen sich aus dem schrubbigen Punk der letzten dreißig Jahre und machen daraus etwas eigenes.

Ich habe die Platte »Nowosibirsk« aus dem Jahr 2015 jetzt mehrfach angehört. Sie ist kurz und knapp, die vier Stücke sind ruckzuck herum, und es bleibt nicht viel hängen. Der Sound ist konsequent, die Texte extrem reduziert.

Relevant ist das nicht, aber die Platte hat was: Sie zeigt, dass Punk häufiger darin besteht, sich an den Vorbildern abzuarbeiten, als man sich in all den Jahren vielleicht selbst eingestanden hat.

25 Februar 2017

Batman und Robin waren nicht mehr spannend

Als die amerikanischen Comic-Produzenten damit anfingen, ihre DC-Serien neu zu starten, war ich anfangs skeptisch. Dann aber packte mich die Begeisterung. »Batman Eternal« war grandios gezeichnet und anfangs auch unglaublich spannend erzählt; ich freute mich auf jeden einzelnen Band und las mit großer Faszination diesen Neustart eines Comic-Universums.

Ich kaufte und las auch »Batman & Robin Eternal«, gewissermaßen die Zweitserie. Auch hier legten die Kreativen in den USA mit viel Elan los. Die Geschichten waren toll gezeichnet und spannend erzählt. Dann aber blieben sie liegen.

Dieser Tage erst las ich die Bände drei und vier, damit den Abschluss der Serie. Es gibt mit diversen »Robin«-Unterserien längst Fortsetzungen, die ich mir nicht kaufte und auch nicht kaufen werde. Es hat sich nämlich eine große Ernüchterung eingestellt. Und wenn ich mir so recht überlege, woran das liegt, stelle ich fest, dass es eine Ermüdung ist.

Geschichten, in denen vier Robins – das muss jetzt einem Nicht-Comic-Fan auch nicht erklärt werden – gemeinsam die Welt retten, sind mir eine Nummer zu groß. Wenn ein »Fall« gleichzeitig in Toronto, Tokio, Gotham City und sonstwo in der Welt gelöst werden muss, ist mir das ebenfalls eine Nummer zu groß. Das glaube ich nicht mehr.

Superhelden-Comics sind per Definition nicht glaubhaft. Deshalb mag ich sie eigentlich auch nicht. Das »Batman«-Universum mag ich seit den 80er-Jahren, weil es in sich schlüssig erscheint und mir die Geschichten trotz aller absurden Gegner glaubhaft vorkam. Diesen Bereich hat »Batman & Robin Eternal« und alles, was um die aktuellen Entwicklungen gruppiert worden ist, für mich längst verlassen.

Es reicht nicht, dass die Geschichten gut gezeichnet sind. Sie müssen fesseln. Und das gelang mit dem vierten Band von »Batman & Robin Eternal« einfach nicht mehr. Wahrscheinlich muss ich den nächsten Neustart des »Batman«-Univerums wieder versuchen; vielleicht packen sie mich erneut ...

24 Februar 2017

Vorbereitungen für Leipzig

Die Leipziger Buchmesse öffnet in wenigen Wochen ihre Pforten, und ich bin schon jetzt dabei, sehr vieles dafür zu planen. Das Problem ist in diesem Jahr tatsächlich, dass ich aufpassen muss, in welcher Funktion ich dort auftrete: Meist bin ich ja als Verlagsangestellter am Messestand, immer öfter aber wechsle ich dann in die Funktion des Gelegenheitsautors, der eben gelegentlich ein Buch veröffentlicht.

Schon in früheren Jahren war es so, dass Punks an unseren Stand kamen und sich von mir ein Punkrockbuch signieren ließen. Die waren dann gelegentlich irritiert, weil ich einen Anzug trug und nicht Nietenlederjacke – hatte ich eh nie eine – und Irokesenhaarschnitt hinterm Tresen stand. Und wenn im März 2017 ein Mensch kommt, um sich eine Unterschrift in meine Storysammlung »Für immer Punk?« malen zu lassen, werde ich sicher nicht widersprechen.

Darüber hinaus kann es sein, dass ich das eine oder andere Gespräch führen muss, in dem es um meinen Roman geht. Dieser soll im Herbst 2017 erscheinen; das Titelbild steht ja schon, und ich könnte mir vorstellen, dass man dazu in Leipzig mehr verraten wird. Versprechen kann ich allerdings noch nichts; da warte ich die Bekanntgaben des Verlages ab, der mein Manuskript drucken möchte.

Aus diesen Gründen bin ich ein wenig nervös, was Leizpig angeht. Es dürfte eine andere Messe sein als sonst – und nicht deshalb, weil der Stand von WerkZeugs als zentraler Treffpunkt in unserer Nähe wegfallen wird. Vielleicht sollte ich mir unterschiedliche Namensschilder zulegen: Perry-Klaus, Punkrock-Klaus und Fantasy-Klaus ...

(Das Bild zeigt mich am Messestand im Frühjahr 2013. Die Frisur dürfte ähnlich sein, dafür sind mehr Falten im Gesicht und mehr Grau in den Haaren.)

23 Februar 2017

Bierdosenöffentlichkeit

Über einen Pressedienst bekam ich einen Artikel verlinkt, der heute in der »Mitteldeutschen Zeitung« erschienen ist. Unter der wunderbaren Überschrift »Dschungelheld mit Bierdose«, die mich sehr schnell hellhörig machte, las ich, dass ein gewisser Marc Terenzi – ich musste googeln, wer das ist, und hatte den Namen bewusst noch nie wahrgenommen – wieder offen mit seiner »Alkoholsucht« kämpfe.

Der Grund: Eine Boulevardzeitung habe ihn – ich zitiere – »am helllichten Tage mit einer Bierdose in der Hand gesichtet«. Ob die Dose geöffnet war oder der »Dschungelheld« sie gerade im Supermarkt aus dem Regal gehoben und in seinen Einkaufskorbe gehievt hat, ging aus dem Ausschnitt nicht hervor. Das wäre ja die spannende Zusatz-Information gewesen.

Aber das sind die Momente, in denen ich froh bin, weder ein C- noch ein D-Promi zu sein, sondern einfach ein durchschnittlicher Bürger, der nicht auffällt, wenn er mit einer Dose Bier in der Hand irgendwohin geht. Wobei sich mir trotzdem die Frage stellt: Ist es wirklich Journalismus, wenn über so etwas berichtet wird?

Aber gut: Bierdosentrinken in der Öffentlichkeit gilt anscheinend als uncool. Was ist dann mit den jungen Vollbartträgern, die neuerdings auch in Karlsruhe nachts ihr Laufbier mit sich führen? Ob sie die Mode von Berlin eingeschleppt haben, weiß ich nicht – aber hätten sie eine Alkoholsucht, wen sie Dosen hätten?

Fragen über Fragen. Sage keiner, die »Mitteldeutsche Zeitung« hätte keine relevanten Themen. Zumindest können sie titeln – damit haben sie mich gekriegt.

22 Februar 2017

Privilegiert und weiß

»Man kann es mit all dem Gerede über Rassismus und so ja auch übertreiben«, sagt mein Gegenüber. Die Person würde sich garantiert nicht als »rechts« verorten und wählt wahrscheinlich seit vielen Jahren SPD oder sonst eine demokratische Partei.

Ich gucke verwundert. »Na ja, wir können das vielleicht nicht immer beurteilen«, überlege ich laut, »wir sind ja schließlich sehr weiß und sehr privilegiert, uns trifft das nicht.«

»Wieso bin ich privilegiert? Ich muss doch genauso arbeiten wie alle anderen auch, ich arbeite schon mein ganzes Leben, und ich schufte echt viel. Wo sind da meine Privilegien?«

»Ja, schau mal, das ist so.« Ich ertappe mich dabei, dass ich so einen Predigerton anschlage, bekomme mich aber nicht eingebremst. »Du bist von Geburt ja weiß, damit wirst du hier im Land normalerweise schon mal nicht blöd angeguckt. Zudem bist du in Deutschland geboren und aufgewachsen, in einem schönen Landstrich ohne Naturkatastrophen, du hattest auch das Glück, in einer Gegend zu leben, in der praktisch Vollbeschäftigung herrscht. Das gilt bei mir auch – wir sind also privilegiert.«

»Muss ich mich jetzt schon dafür entschuldigen, dass ich deutsch bin?«

»Natürlich nicht. Darum geht's doch nicht.«

»Wenn ich im Ausland bin, werde ich auch mal blöd angeguckt. Ist das dann auch Rassismus?«

»Müsste man im Einzelfall angucken. Aber auf Mallorca oder Teneriffa bist du als Deutscher nicht gerade rassistisch diskriminiert, also ...«

»Aber es gibt sicher auch Rassismus gegen Deutsche, und ich finde ...«

Danach sprachen wir über Fußball. Das Thema ist super. Steigt der KSC in die dritte Liga ab? Werden die Bayern wieder Meister? Ist RB Leipzig jetzt schlimm odr bewundernswert? Herrliche Themen ...

21 Februar 2017

»Brazil« nach dreißig Jahren

Als ich den Spielfilm »Brazil« in den 80er-Jahren im Kino sah, fand ich ihn toll. Dieser Tage schaute ich ihn auf DVD erneut an – und ich fand ihn erneut beeindruckend. Man merkt dem Streifen an, wieviel Zeit vergangen ist, aber die bedrückende Atmosphäre und die schräge Science-Fiction-Welt überzeugen immer noch!

Der Film kam 1985 heraus, verantwortlich dafür war Terry Gilliam, der vorher bei den »Monty Python's« mitgemischt hatte und danach noch viele weitere Filme veröffentlichte. »Brazil« ist ein Science-Fiction-Film, der ziemlich abgefahren und grotesk ist, dessen Handlung sich auch nicht komplett erschließt.

Die geschilderte Welt wird von Wolkenkratzern beherrscht, in denen die Menschen anonym hausen. Eine Reihe von Ministerien hat mit ihrer Bürokratie und ihren Formularen die Welt buchstäblich überwuchert, als einzelner Mensch geht man in diesen Strukturen unter. Der Hauptfigur passiert genau das – und dabei ist er ein kleiner Angestellter.

Doch Sam, so der Name der Hauptfigur, träumt von einer anderen Welt. Er träumt vom Fliegen, er träumt von der Liebe – während sein Leben so trist wirkt und von Zwängen beherrscht wird. Seine Mutter möchte ihn zudem protegieren, was er ziemlich abschreckend findet. Dann aber wird er in eine Reihe von Ereignissen verwickelt, die seinem Leben eine schlimme Entwicklung verleihen und ihn in die Folterkammern des Regimes bringen.

»Brazil« spart nicht an drastischen Bildern und absurden Situationen. Die Häuser- und Straßenszenen sind düster, die grelle Mode der Oberschicht sticht dagegen ab. Die Bürokratie erscheint als Moloch, die Folterkammer ist eine riesige Halle – jedes Bild und jede Einstellung in diesem Streifen wirken durchdacht und geplant.

In mancherlei Hinsicht wirkt »Brazil« wie eine Vorlage für Streifen der 90er- und Nullerjahre, die eine eigenständige Ästhetik kultivierten; ich nenne hier stellvertretend die französische Tragikomödie »Micmacs«. Gleichzeitig erinnern die riesigen Hochhäuser, die monströsen Skulpturen und manche Action-Szene an den Science-Fiction-Klassiker »Metropolis«.

Ein beeindruckender Film, wirklich. Ich habe ihn sicher nicht zum letzten Mal gesehen. Und es werden sicher nicht noch mal dreißig Jahre vergehen, bis ich ihn mir wieder anschauen werde.

20 Februar 2017

Meine erste Kundenzeitschrift

Dass ich in den 80er-Jahren schon einmal in dem Verlag tätig war, für den ich heute als Redakteur arbeite, vergesse ich gelegentlich selbst fast. Aber doch ist es so: Vom Frühjahr 1986 bis zum Herbst 1987 war ich Public-Relations-Assistent im Moewig-Verlag. Mein hauptsächlicher Tätigkeitsbereich bestand darin, Werbe-, Presse- und Marketing-Texte für das umfangreiche Buchprogramm des Verlages zu verfassen.

Unter anderem schrieb ich haufenweise Texte, die in der Zeitschrift »Aufgeschlagene Zeiten« veröffentlicht wurden. Diese richtete sich ausschließlich an Journalisten und andere Multiplikatoren, kam im Schnitt drei- bis viermal im Jahr heraus und enthielt Artikel zu den aktuellen Büchern.

Die Ausgabe April-Juni 86 war die erste, für die ich Texte lieferte, anfangs als freier Mitarbeiter, später als Angestellter. Ich schrieb über den Krimi-Schriftsteller William X. Kienzle – seine Romane spielten im katholischen Milieu von Detroit – und aktuelle Science-Ficction-Titel wie »Kanonenboot Panik« von Daniel Walther.

Sachbücher über den Zweiten Weltkrieg wie »Tantiemen für den Führer«, aber auch alberne Witzbücher wie »Ich glaub’, mein Hamster bohnert« wurden von mir mit Texten versorgt; dazu kamen Liebesromane, vorsichtige Erotik oder Esoterik. Eine bizarre Mischung, die damals aber im Verlag entsprechend gepflegt wurde.

Manche meiner damaligen Texte finde ich heute noch gut, die meisten würde ich stark redigieren. Sie waren letztlich mein Einstieg in das weite Feld der Öffentlichkeitsarbeit, das ich später von Tübingen aus beackern sollte ...

19 Februar 2017

Busua war ein Traum

Ich wohnte in Dixcove, einige Tage lang genoss ich die Ruhe dieser winzigen Stadt, die nicht weit von der Grenze zur Elfenbeinküste lag. Ich wohnte als einziger Gast in einem winzigen Hotel, das keinen elektrischen Strom und nur gelegentlich fließendes Wasser hatte; ich spazierte zum Hafen und sah dort den Leuten zu, und ich bummelte durch das Dorf.

Immer wieder überquerte ich den Hügel, der das Dorf und seinen Hafen vom Busua Beach trennte. Dort ging ich baden. Ich baute mir ein kleines »Lager« unter einem Baum, wo ich auch meinen Geldbeutel und meine Papiere unter einem Busch versteckte – ein wenig Sicherheit musste sein.

Der Grund dafür: Ich war der einzige Tourist an diesem Strand.

Rechts und links von mir waren, wenn ich ins Wasser ging, nur Palmen, Sand und blaues Wasser. Ab und zu kamen Schulkinder vorbei, die mit dem Bus bis Dixcove gefahren waren und von dort aus zu ihren Dörfern heim gingen; auch Marktfrauen passierten meinen Lagerplatz, ebenso einzelne Arbeiter und Händler. Man ließ mich größtenteils in Ruhe, ab und zu grüßte jemand.

Ich war allein. Ich hatte meine Ruhe. Mein persönlicher Strand war gut drei Kilometer lang. Davon hatte ich mein Leben lang geträumt.

Abends erzählte mir ein Einheimischer, dass man an diesem Strand ein Urlaubsparadies erbauen wolle. Ein riesiges Hotel mit allem Drum und Dran. Das würde den Fischern die Arbeit erschweren – aber so richtig vorstellen konnte sich das keiner.

Als ich unlängst recherchierte, stellte ich fest: Das Urlaubsparadies steht schon. Das Busua Beach Resort steht genau an der Stelle, wo ich vor fast einem Vierteljahrhundert mein kleines »Lager« errichtet hatte. Es lädt mit weißen Schirmen und hellem Strand dazu ein, direkt am westafrikanischen Strand einen schönen Urlaub zu verbringen.

Aber ich glaube, es würde mich zu sehr schmerzen, im Jahr 2017 oder danach noch einmal nach Dixcove oder an den Busua Beach zu reisen ...