23 Juli 2014

Bäcker in Como

Erinnerung an einen Italien-Trip im März 2014

Wir schlenderten durch Como, es war Mitte März 2014, und schauten uns in aller Ruhe die norditalienische Stadt an. Alte Mauern, gepflasterte Straßen und Gassen, eine gemütliche Stimmung und – für die Jahreszeit – sehr angenehme Temperaturen machten den Aufenthalt zum Vergnügen. Wir bummelten zum See, ließen uns treiben und kauften allerlei Krimskrams ein.

Als wir Hunger bekamen, steuerten wir eine kleine Bäckerei an, die an der Piazza Boldoni recht einladend aussah. »Beretta Il Fornaio« stand über der Eingangstür. Es durfte herrlich nach Brot und Süßigkeiten, die Verkäuferin überfiel uns mit einem italienischen Wortschwall, auf den wir kaum eingehen konnten, und nach einiger Zeit verließen wir die Bäckerei wieder.

»Auf der Hand« hatten wir Focaccia und Süßigkeiten, die wir verspeisten, während wir zu unserem Auto zurückgingen. Fast hätten wir uns im Gewirr der kleinen Straßen verlaufen – aber natürlich ging alles gut.

Como ist die nächstgelegene Großstadt, wenn man von Karlsruhe aus nach Italien fährt; wenn es mich erneut in die Innenstadt verschlägt, steuere ich womöglich die kleine Bäckerei ein weiteres Mal an. Wobei es in der Nachbarschaft genügend andere Örtlichkeiten gab, aus denen es verführerisch duftete ...

22 Juli 2014

Conbuch mit Herz

In diesem Jahr schaffte ich es leider nicht, den ColoniaCon in Köln zu besuchen – es ging terminlich nicht. In den 80er-Jahren gehörte es für mich zum »guten Ton«, nach Köln zu fahren oder zu trampen, um dort im Kölner Jugendpark mit anderen Science-Fiction-Fans viel Bier zu trinken und mich über Science Fiction zu unterhalten. Immerhin aber gab's ein schönes Buch zum Con, das ich mittlerweile durchgelesen habe.

Einige Beiträge beschäftigen sich mit meinem Beruf, entsprechend kritisch guckte ich sie mir an. Ansonsten gab es Kurzgeschichten und andere Texte, allerlei Zeichnungen und insgesamt ein Sammelsurium unterschiedlichster Beiträge. Auch wenn das Taschenbuch mit hundert Seiten aufwartet und auch noch gebunden ist, entpuppt es sich durch seine Mischung als Fanzine klassischer Art: Beiträge von Fans, die sich zu einem gemeinsamen Thema summieren, alles in allem nicht gerade professionell, aber mit viel Liebe zum Genre gemacht.

Ich bedauere es ja eigentlich nicht, in diesem Jahr den Con nicht besucht zu haben. Wenn ich das gelungene Conbuch allerdings anschaue, zerdrücke ich dann doch eine Träne im Augenwinkel – vielleicht klappt es beim nächsten Mal wieder ...

21 Juli 2014

Dunkle Höhlen

Gelegentlich hilft es, sich bei anderen Menschen umzugucken und zu schauen, was die so denken und schreiben. Unter dem schönen Titel »In der dunklen Höhle. Zur Zukunft des Buches« verfasste die Autorin Petra von Cronenburg schon Ende 2012 einen klugen Beitrag in der Zeitschrift »Aus Politik und Zeitgeschichte«, den ich all jenen zur Lektüre empfehlen möchte, die sich für Bücher, Literatur und die Zukunft von alledem interessieren.

Teilweise fasst die Autorin nur das zusammen, was Ende 2012 gegolten hat und auch heute noch gilt: Die Buch- und Literaturbranche ist in einem großen Umbruch, weil die Digitalisierung alle bisherigen Geschäftsmodelle durcheinanderwirbelt. Es gibt in einer Reihe von deutschsprachigen Verlagen heutzutage immer noch »Entscheider«, die an dieser Tatsache zweifeln. Allein aus diesem Grund ist eine Zusammenfassung sinnvoll.

Vor allem schildert die Autorin, wie das sogenannte Selfpublishing den Buchmarkt weiter aufwirbeln wird. »Ob wir nicht vor einer neuen Bildungswelle stehen«, fragt sie beispielsweise und vergleicht das Selfpublishing mit der Revolution, die durch Gutenbergs Buchdruck ausgelöst wurde: Wenn künftig jeder seine eigenen Bücher veröffentlichen kann – die Argumente kenne ich von den Fanzines der 80er-Jahre her –, trägt das grundsätzlich zu einer Demokratisierung bei.

Petra von Cronenburg plaudert über den Gegensatz zwischen »networked books«, also um Bücher, die möglicherweise in Echtzeit von einer großen Gruppe gemeinsam geschrieben werden können, und dem »EinBuch«, dem extrem hochwertigen Buchobjekt, das zu einem Kunstgegenstand erhoben wird. Irgendwo in all diesen Spannungsfeldern muss die Zukunft des Buchgeschäfts liegen, irgendwo da müssen sich die Verlags positionieren.

Es bleibt spannend – und ich finde es schön, wenn unaufgeregt und auf positive Art intellektuell über ein solches Thema geschrieben wird. Hiermit empfohlen! (Ihr Blog ist übrigens ebenfalls lesenswert.)

20 Juli 2014

Fack ju im Film

Im Jahr 2013 sahen über fünf Millionen Menschen den deutschsprachigen Kinofilm »Fack ju Göthe«; ich war aus unterschiedlichen Gründen nicht dabei. Mittlerweile habe ich ihn mir ebenfalls angesehen, die DVD kann sehr einfach ausgeliehen werden. Tatsächlich habe ich mich gut unterhalten und würde den Film nicht nur Schülern und Lehrern empfehlen.

Die Handlung ist rasch zusammengefasst: Ein ehemaliger Bankräuber kommt aus dem Gefängnis, will seine vergrabene Beute bergen und stellt fest, dass sich an der Stelle ein Schulgebäude erhebt. Um an die Beute heranzukommen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als in der Schule anzufangen, um sich nachts durch das Erdreich zu graben.

Eigentlich will er Hausmeister werden, dann aber wird er Lehrer – und trifft auf eine spießige Referendarin. Die Lehrer sind zickig, die Schüler sind blöd und stressen. Mit seiner lockeren Art bekommt der Ex-Bankräuber alle auf seine Seite, auch die strenge Rektorin, und am Ende wird alles, aber auch wirklich alles so richtig gut.

Einen Betreuer hat der ehemalige Gefangene nicht, die Polizei scheint sich ebenso wenig für die Beute zu interessieren, die Nutten sind allesamt coole Bräute – über die Sicht des Produzententeams auf real existierende Dinge in Deutschland möchte ich nicht länger nachdenken. Das ist natürlich nicht Sinn des Films, der in erster Linie mit groben Sprüchen und Fäkalhumor unterhalten will.

Das schafft er; ich musste oftmals lachen. Selbstverständlich ist »Fack ju Göthe« ein echtes deutsches Trash-Kino, dessen Erfolg mich nicht überrascht ... zu viele Menschen dürften sich in den Hauptfiguren wiederfinden. Wer sich flach unterhalten lassen möchte, ist hier bestens beraten. Da hat sich im deutschen Humor seit den »Otto«-Filmen der frühen 80er-Jahre nicht so viel getan.

19 Juli 2014

Radeln in die Technologie-Natur

Als ich am Freitag gegen 18.30 Uhr endlich aus dem Büro kam, war ich reichlich erschöpft. Aber ich fühlte mich zappelig, also holte ich daheim mein Rad aus dem Keller, setzte mich in passender Kleidung – kein »Radsportler-Outfit«, bloß nicht! – auf das Stahlross und radelte los: zuerst entlang der Alb, die sich durch Karlsruhe schlängelt, dann durch den Ortsteil Daxlanden, hinaus nach Rappenwörth. Das Thermometer an einer Apotheke zeigte noch 34 Grad Celsius.

Dort umfuhr ich das Reinstrandbad und kam zum »Waldfenster«, einem schönen Weg durch die Natur. Was man eben so Natur nennt in der sogenannten Technologieregion Karlsruhe: Waldwege und naturbelassene Auenwälder, hinter denen unweigerlich das nächste Industriegebiet kommt. Immerhin sah ich ein Wildschwein, wenngleich nur in einem Gehege.

Über den Rheindamm fuhr ich nach Süden. Rechts und links erstreckte sich der Urwald – zumindest sieht es dort so aus –, die Luft war angenehm kühl. Am Zollhaus radelte ich direkt an den Rhein, dann durch schmale Wege wieder zurück zum Damm; auf den schmalen Wegen war die Luft angereichert von Insekten und beeindruckenden Düften.

Radfahren heißt für mich auch Gucken – also fuhr ich nicht immer schnell, sondern hielt auch mal an, um eine Ente zu beobachten, Rehen beim Äsen zuzuschauen oder ein Schiff auf dem Rhein zu bestaunen. Wahrscheinlich steckt in mir ein fürchterlicher Rhein-Romantiker.

Bei Au am Rhein fuhr ich erneut an den Strom hinunter, der viel Wasser führte. Die Uferstraße war überspült, ich radelte ins Wasser hinein. Meine Räder durchschnitten das Wasser, kleine Fische rechts und links von mir; die Schatten schimmerten auf dem gebleichten Asphalt. Ich wendete, setzte meinen Schuh ins Wasser und fuhr – angefeuchtet – weiter durch die Auenwälder.

Auf der Höhe von Elchesheim verließ ich den Wald; ich hatte Hunger und Durst. Den Rückweg absolvierte ich über Streuobstwiesen und entlang der Schnellstraße – das war vergleichsweise langweilig, ging aber gut doppelt so schnell. Und dann musste ich schnell ein Bier trinken gehen ...


18 Juli 2014

Schockierende Demo-Bilder

Bei einer Demonstration, die am Donnerstag, 17. Juli 2014, mitten in Berlin stattfand, wurden eindeutige Parolen gegrölt – die Bilder und die Aussagen machen mich noch immer traurig, wütend und fassungslos. Bei diesen Demonstranten geht es nicht darum, Kritik an der Besatzungspolitik des Staates Israel zu üben, oder darum, auf das Leid der Zivilisten hinzuweisen, die von Raketen und Bomben getroffen werden – diesen Leuten scheint es darum zu gehen, ihren Hass auf Juden zum Ausdruck zu bringen.

Warum kann so etwas im Jahr 2014 in Deutschland stattfinden? In der Hauptstadt Berlin? Ich will da gar nicht mit der deutschen Vergangenheit anfangen – die ist für die meisten offensichtlich schon sehr lange her. Aber bei solchen Sprüchen läuft es mir heute kalt den Rücken hinunter.

Das Youtube-Video geht keine zwei Minuten, ab etwa Sekunde 59 wird es eindeutig:
https://www.youtube.com/watch?v=qc7o2_uKwyI

Sherlock als Fanzine-Thema

Wie lange der aktuelle Boom um den britischen Detektiv Sherlock Holmes nun anhält, kann ich gar nicht genau sagen: Die neuen Kinofilme mit Robert Downey jr. haben dazu sicher ebenso beigetragen wie die wunderbare Fernsehserie, von der es schon einige Kurz-Staffeln gibt. Dass es im deutschsprachigen Raum gleich mehrere Zeitschriften – oder Fanzines? – gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen, passt ins Bild.

Zuletzt las ich die Ausgabe 19 des »Sherlock Holmes Magazins«, die auch als »Frühlingsausgabe 2014« bezeichnet wird. Die Mixtur ist originell: Alte Titelbilder und Buchausgaben werden ebenso beleuchtet wie »Sherlock Holmes«-Verfilmungen oder aktuelle Neuerscheinungen.

Ein bisschen skurril wird's, wenn ein Autor dem exakten Datum einer speziellen Kurzgeschichte nachforscht – aber das ist einfach eine »echte« Fan-Arbeit. Darüber hinaus geht es um Hörspiele, die Musik in den Geschichten oder um ein Fort, das in einer Geschichte beschrieben wird.

Die Texte sind allesamt gut bis sehr gut lesbar, das Layout und die Fotos sind professionell. Für meine Begriffe handelt es sich bei dem 32 Magazinseiten starken Heft eindeutig um ein Fanzine, das vor allem den Menschen zu empfehlen ist, die mehr über den schräg-klassischen englischen Detektiv erfahren möchte. In diesem Heft finden sie haufenweise »Input«.

17 Juli 2014

Spielerfrauen und Gauchotänzer

Eigentlich bin ich ein schlichtes Gemüt: Kommt ein gutes Fußballspiel, muss ich hingucken. Und häufig ist mir völlig egal, wer spielt. Bin ich in der Stadt unterwegs und irgendein Fernseher an einer Sportkneipe flimmert, schaue ich kurz zu – wenn es machbar ist.

Bei der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft ging es mir ähnlich. Ich habe alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft gesehen und gut ein Dutzend weiterer Spiele komplett, dazu kamen einige, die teilweise geguckt wurden. Das war teilweise richtig spannend, und ich habe mich bestens unterhalten.

Dass die deutsche Mannschaft am Ende den Titel geholt hat, fand ich gut – die Jungs hatten ihn verdient. Wenn Argentinien gewonnen hätte, wäre ich nicht gestorben. Ich kann den antinationalen Reflex allerdings nicht verstehen, immer »gegen die Deutschen« zu sein. Ohne jetzt einen seitenlangen Patriotismus-Text aufzureißen: Ich bin nun mal in diesem Land geboren und aufgewachsen und fühle mich diesem Land eher verbunden als beispielsweise Argentinien.

Erst nach der Weltmeisterschaft bekam ich durch Gespräche in der Kantine mit, dass es offensichtlich eine zweite Meisterschaft gab: die der Spielerfrauen. Das wurde heftig diskutiert, das war anscheinend sehr wichtig – ich bekam davon nichts mit.

Und bis heute schaffte ich es, durchs Internet zu surfen, ohne Details über diese Damen mitzubekommen. Sie ärgern mich nicht, sie betreffen mich nicht – ich wollte Fußball gucken und nicht über Spielerfrauen diskutieren. (Über den sexistischen Hintergrund dieser Diskussionen mache ich mir andermal Gedanken ...)

Ähnliches gilt für die sogenannte Siegesfeier in Berlin. Davon bekam ich über die Nachrichten mit: Junge Fußballer tanzen auf der Bühne, einige hunderttausend »Party People« jubeln frenetisch. Das schaute ich mir nicht an, so etwas interessiert mich nicht. Und was der sogenannte Gaucho-Tanz sein soll, müsste ich mir erst einmal via Internet erklären lassen – es geht mir am Hintern vorbei.

Ich bin ein schlichtes Gemüt: Ich wollte vier Wochen lang Fußball gucken und mitfiebern. Das »Drumherum« war für mich drittrangig (Und bevor jetzt jemand zu kritisieren anfängt: Für die politisch-gesellschaftlichen Zustände in Brasilien kann ich mich ja jetzt wieder interessieren.)

16 Juli 2014

Erinnerung an Wolfgang Altendorf

Am 23. März 2006 wurde der Schriftsteller und Maler Wolfgang Altendorf stolze 85 Jahre alt – ich gratulierte ihm mit einem persönlichen Schreiben. In den frühen 80er-Jahren hatte er mich in gewisser Weise beeinflusst: nicht unbedingt stilistisch, aber durch seine Art: ein Querkopf, der sich schon während des Zweiten Weltkriegs nicht an die Regeln gehalten hatte (womit er ein Weindorf in der Pfalz vor der Vernichtung bewahrte), ein Autor, der seine Gedichte und Texte selbst veröffentlichte, ein Künstler, der einen sehr eigenwilligen Stil hatte.

Ich war zwei-, dreimal zu Besuch in seinem Haus, das in einem Nachbardorf stand. Damals fuhr ich mit dem Rad hin, ein Jugendlicher, der seine ersten Gehversuche als Amateurautor und Fanzine-Herausgeber wagte. Altendorf behandelte mich nicht als Jugendlichen, sondern sehr korrekt und gleichberechtigt, er war großzügig (die Weine ...) und stellte mir viele Leute vor.

Seine Antwort auf meinen Geburtstagsgruß bestand aus einem doppelseitig kopierten Blatt: Auf der einen Seite befanden sich zwei Sonette, auf der anderen Seite eine Grafik. Dazu kamen zwei handschriftliche Sätze und eine Unterschrift. Ich freute mich sehr darüber.

Ein halbes Jahr später starb der Künstler und Autor bereits. Das doppelseitige Blatt und die zwei Sätze sind seitdem eine meiner letzten Erinnerungen an ihn – ich fand sie dieser Tage, und ich werde sie in Ehren halten.

15 Juli 2014

Fragment von 1986

»Das nervtötende Klingeln des Telefons riß mich aus dem Schlaf.« So beginnt ein Manuskript von mir, das ich dieser Tage aus einem alten Ordner fischte. Sieht man davon ab, dass es eher flach ist, eine Geschichte damit beginnen zu lassen, dass der Ich-Erzähler aufwacht, gefällt mir der Text erstaunlich gut.

Den Helden schildere ich ziemlich klar, persönliche Erinnerungen kommen da eindeutig zum Tragen: »Mühsam drehte ich mich zur Seite, verklebte Augen, verschwitzter Körper, klebrige Haare; mein Blick richtete sich auf den Wecker auf dem Nachttisch. Halb zehn. Schon wieder verschlafen, schon wieder das verdammte Ding überhört. Ich stöhnte und machte die Augen wieder zu, drehte mich zur Seite.«

Der Text stammt aus dem Frühjahr 1986, ist also über 28 Jahre alt. Es sind wenige Skizzen dazu überliefert, eher eine Zweitversion – gehe ich davon aus, plante ich zu der Zeit, einen Krimi zu schreiben. Ich war von den »Hard-Boiled«-Romanen und ihren coolen Ermittlern begeistert und wollte einen ähnlichen Text verfassen.

»Zwecklos. Wer da anrief, mußte ein besonderes Exemplar deutscher Sturheit sein. Das Telefon klingelte weiter, ein Schrillen nach dem anderen.«

Zumindest die lakonische Sprache solcher Krimis hatte ich damals gut drauf. Der Text ist schon in der unredigierten Version ganz brauchbar – wie ich heute mit dem Blick aus einer anderen Warte beurteilen kann.

Das Fragment allerdings wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in einem Ordner verschwinden: aufbewahrt für eine sowieso nicht existente Ewigkeit, Resonanzraum für eventuelle spätere Geschichten, Notizen für den großen, nach wie vor ungeschriebenen Roman.

14 Juli 2014

Finale ohne Hupen

Ich wollte den Endspielabend mit einiger Gemütlichkeit angehen: Mit Freunden gingen wir gemütlich essen, schauten uns bei einer Pizza an, wie der Regen auf Karlsruhe herunterprasselte, und hatten großes Mitleid mit den Leuten, die das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft im Wildparkstadion angucken wollten. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn nahm ich aber meinen Stehplatz an der Theke des »fünf« ein, hatte ein Bier in der Hand und bewunderte den rammelvollen Innenraum der Kneipe.

Das Spiel begann, die Stimmung stieg, es war superspannend – die Deutschen und die Argentinier kämpften erbittert. Streckenweise entwickelte sich das Spiel zu einer heftigen Holzerei, einige Fouls hätten die Schiedsrichter härter ahnden müssen. Aber für die Zuschauer war's natürlich mitreißend.

Der Höhepunkt in der zweiten Halbzeit der Verlängerung bedeutete auch eine Erlösung; ich war danach fix und fertig, mein Herz pochte, als hätte ich selbst Sport getrieben. Die deutsche Mannschaft hatte am Ende zwar mehr Glück, hatte meiner Ansicht nach aber auch den Sieg verdient. Dass mir Messi am Ende leid tat, liegt einfach daran, weil der Mann einfach ein verdammt guter Spieler ist.

Danach war in Karlsruhe die Hölle los. Autokorso, Feuerwerk, Hupen und Schreien – ich beteiligte mich nicht daran, sondern schaute mir lieber im Fernsehen noch die Interviews mit den Spielern an. So bekam ich nicht mehr mit, dass einige Idioten offensichtlich bei uns in der Nachbarschaft bei einigen Autos die Spiegel zertraten ...

13 Juli 2014

Im XVA-Hotel

Wer den Medienberichten glaubt, denkt sicher, dass Dubai aus ganz viel Wüste besteht, an deren Rand eine gigantische Stadt aus Hochhäusern erbaut worden ist. Ich war zweimal in Dubai – dieser erste Eindruck stimmt auf jeden Fall. Begibt man sich jedoch in die Teile der nicht sehr alten Altstadt, stellt man fest, dass sich Dubai nicht sonderlich von anderen arabischen Städten unterscheidet.

Inmitten der kleinen Straßen der Altstadt ist das XVA-Hotel, das ein wenig wie eine alte Karawanserei anmutet: flaches Gebäude, helle Mauern, schöner Innenhof. Es gibt Tee zum Trinken, es ist vergleichsweise kühl, und die Zimmer machen einen richtig schönen Eindruck.

Was mir am besten während meines Aufenthalts gefiel: Das XVA-Hotel bietet auch Kunst. Es zeigt Kunstwerke von lokalen und von internationalen Künstlern, nicht nur Gemälde, sondern auch originellere Dinge, die aussehen wie eine Mischung aus Gemälde und Plastik. Die Gastfreundschaft des Personals und der Besitzer, das vergleichsweise schlicht und normale wirkende Publikum, die Bilder an den Wänden – das alles trug dazu bei, dass es mir im XVA-Hotel sehr gut gefiel.

Falls ich jemals für einige Tage nach Dubai reisen sollte, werde ich versuchen, in diesem Hotel – oder in einem der kleinen Hotels in der Nähe – ein Zimmer zu bekommen. Dort und in der Nachbarschaft gibt es auf jeden Fall noch richtige Menschen, nicht nur wohlhabende Touristen und jene, die unsereins bedienen müssen ...

12 Juli 2014

Munich Round Up 179

Zu den großen Fanzines, die es seit vielen Jahrzehnten gibt, zählt ohne Zweifel das »Munich Round Up« aus München. In meiner Sammlung finden sich Ausgaben aus den späten fünfziger Jahren – 1958 starteten Science-Fiction-Fans dieses ungewöhnliche Heft. Seit Anfang an dabei ist Waldemar Kumming, dessen Konterfei auch das Titelbild des Fanzines ziert.

Nach über fünfzig Jahren gibt Waldemar jetzt die Arbeit an seinem Fanzine auf; die aktuelle Nummer 179 ist die letzte Ausgabe des Traditionsblattes unter seiner Regie, das früher stets sarkastisch und ironisch war. Leider blickt Waldemar nur auf zwei Seiten zurück auf die vergangene Zeit – ich hoffe, dass irgend jemand die Geschichte einmal schön zusammenfasst und veröffentlicht. Eigentlich wäre das ein Thema für ein Buch.

Auf den 42 A4-Seiten der aktuellen Ausgabe bleibt man ein wenig schwach. Neben dem Vorwort und dem Rückblick gibt es nur einen ellenlangen Artikel von Jesco von Puttkamer.

Der Autor gehörte zu den Gründern von »MRU«, wie das Fanzine abgekürzt wurde, machte später eine Karriere als Autor und noch später bei der amerikanischen Raumfahrt-Agentur NASA; er starb Ende 2012. Der Artikel fasst aktuelle technisch-wissenschaftliche Entwicklungen rings um den Mars-Flug noch einmal zusammen – informativ, aber nicht weltbewegend.

Schön finde ich, dass die »MRU«-Geschichte noch nicht ganz zu Ende ist. Thomas Recktenwald führt das Fanzine fort – ich wünsche ihm dabei viel Glück! 

11 Juli 2014

Bernhard Schnur mit einprägsamer Stimme

Man kann mir mit originellen Sängern kommen, und ich mag das gelegentlich auch – bei der von mir bevorzugten Musik ist zwar vor allem entscheidend, ob die Band einen entsprechenden Druck auf der Bühne und auf den Tonträgern ausübt. Wenn der Sänger oder die Sängerin auch noch gut singt oder schreit, gefällt es mir doppelt.

Punkrock und Hardcore macht Bernhard Schnur überhaupt nicht – wenn ich für ihn eine Schublade finden wollte, müsste ich bei IndiePop oder »Liedermacher plus Band« fündig werden. Der Österreicher ist schon seit langem aktiv, hatte in den 90er-Jahren auch eine halbwegs bekannte Band und ist seit Ende der Nullerjahre solo unterwegs. Mit »Yol« hörte ich mir dieser Tage seine erste CD an, die im April diesen Jahres erschienen ist.

Und da ist die Stimme schon extrem eindrucksvoll. Mal nölt und knödelt der Mann herum, dass es eine wahre Freude ist, dann wieder singt er hoch und für meine Begriffe ganz schön anstrengend, fast quiekend. Das ist zwar sehr individuell, trifft meinen Geschmack aber überhaupt nicht.

Musikalisch ist Bernhard Schnur mit seinen Begleitmusikern extrem vielseitig. Mal kracht es durchaus rockig, dann wieder gibt es sehr ruhige Nummern. Immer wieder tönt eine Orgel durch die Gegend, zwischendurch setzen Bläser ein, dann wieder gibt es gutes Gitarrenspiel – das ist alles sehr gut gemacht, unterm Strich dann aber doch nicht meine Tasse Bier.

Für mich war's eine CD, die ich mehrmals im Auto angehört habe; viele Stücke empfand ich als gute Begleitmusik beim Autofahren (Popmusik eben, die besser ist als der Radioscheiß), einige nervten mich, andere fand ich cool. Ich bin sicher, dass die CD bei Leuten, die auf eigenständige »Indie-Mucke« stehen, gut ankommen wird.

Antesten! Reinhören in die Musik des Österreichers kann man übrigens auf seiner Bandcamp-Seite ...

10 Juli 2014

Erinnerungen der vergangenen Monate

Auf der PERRY RHODAN-Seite erzähle ich seit einigen Jahren in der Reihe »Der Redakteur erinnert sich« immer wieder von vergangenen Dingen: Mal geht es um Ereignisse aus meiner fannischen Vergangenheit, mal geht es um Planungen in den 90er-Jahren oder um Erlebnisse meines Redakteurslebens. Alles hat einen Bezug zu meiner heutigen Arbeit, allerdings ist alles auch ein wenig im »Egozine-Stil« verfasst. Heute mal wieder eine kleine Übersicht zu einigen Texten der jüngsten Zeit.

Unter dem Titel »Stapel von Heftromanen« geht es beispielsweise ins Jahr 1977, in eine Zeit also, in der ich deutlich weniger wog als heute und alles noch sehr neu war: Ich erzähle von meinen ersten Erfahrungen mit der PERRY RHODAN-Serie und deren Lektüre.

Bei »Wir blicken auf Band 1700« plaudere ich über das Jahr 1993 und erzähle von einer Exposébesprechung. Mit dabei war unter anderem der PERRY RHODAN-Autor Ernst Vlcek, der leider schon verstorben ist und an den ich oft zurückdenke. (Unsere skurrilen Abenteuer in Chotebor und Wien werde ich auch einmal beschreiben ...)

Nach Mannheim und ins Jahr 2011 führt der Text »Letzte Fahrt zum Rosengarten« – gemeint ist damit das gleichnamige Kongresszentrum in der Stadt, in dem 1980 und 2011 jeweils ein PERRY RHODAN-WeltCon veranstaltet wurde. Im Oktober 2011 hatte ich eine ungewöhnliche Mission zu bewältigen.

Ein heikles Thema berührt »Streit um Prozente«; es gibt Leute, die sagen, ich sollte solche Themen nicht erzählen. Gemeint ist ein kleiner Konflikt zwischen dem Buchverlag und der Redaktion, der sich im Jahr 2005 abspielte.

1995 hingegen entwickelte sich alles noch ganz anders; viele Dinge im Verlag waren für mich neu, und ich beschränkte mich als Redakteur ausschließlich und allein auf Redaktionsarbeiten. »Der Schwarm-Zyklus in der Planung« bezieht sich deshalb auf die Planung von neuen Büchern ...

09 Juli 2014

Halbfinale-Wahnwitz

Das Spiel der deutschen gegen die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft schaute ich mir an diesem Dienstag, 8. Juli 2014, im »fünf« an. Weil ich zu lange in der Romanfabrik werkelte, kam ich erst nach 19 Uhr aus dem Büro, was mit dem Abendessen fast ein wenig knapp war – aber pünktlich vor dem Anpfiff hatte ich einen guten Platz an einem Stehtisch, mit angenehmer Gesellschaft und kühlem Bier. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich an diesem Abend das »WM-Studio« füllte – man merkte, dass das Regenwetter manchen Fan vom »Public Viewing« im Freien in die Kneipen trieb –, war das sinnvoll.

Das Spiel selbst brauche ich an dieser Stelle nicht zu kommentieren. Nach einer halben Stunde waren alle um mich herum im Freudentaumel. Ich rief mindestens zwanzig mal ein »Unfassbar!« in die Runde, andere äußerten sich drastischer oder ähnlich.

In der zweiten Halbzeit machte sich massives Mitleid mit den Brasilianern breit. »Die sollen auch einmal ein Tor schießen«, war ein Kommentar. »Fünf zu vier für Deutschland wäre auch ein spannendes Ergebnis«, lautete ein anderer. »Lasst doch noch den Neuer eins reinschießen«, kam als trockene Replik.

Am Ende kippte die Stimmung geradezu. Die meisten fieberten für Brasilien – man hält in meinem sozialen Umfeld dann doch gern zum »Underdog«. Und als in der neunzigsten Minute das einzige brasilianische Tor fiel, wurde sogar applaudiert. »Gott sei Dank«, sagte an der Theke jemand mit tiefer Inbrunst.

Was wir aus dem Ergebnis zu lernen haben, kann bitteschön jeder für sich selbst entscheiden. Nur so viel schließe ich daraus: Die deutsche Mannschaft kann tatsächlich Weltmeister werden – aber im Endspiel wird es nicht so einfach werden wie gegen die auseinander fallende Mannschaft aus Brasilien.

08 Juli 2014

Coole Jugendbuch-Fantasy

Seit vielen Jahren ist mir Boris Koch persönlich bekannt, als Autor ebenfalls. In all den Jahren las ich von ihm vor allem Kurzgeschichten, die er in Anthologien oder seinem eigenen Kleinverlag, der Edition Medusenblut, veröffentlicht hat. Jetzt endlich kam ich dazu, sein Fantasy-Jugendbuch »Der Drachenflüsterer« zu lesen – ich wurde sehr angenehm unterhalten.

Seine Hauptfigur ist Ben, der in der kleinen Stadt Trollfurt wohnt. Sein Lebensziel ist, einer der geheimnisvollen Drachenritter zu werden, für die er seit Jahren schwärmt. Doch sein aktuelles Leben ist eher trist: Er ist Waise, er schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten und Gaunereien durch, und er hat – wie man heute sagen würde – keine günstige Sozialprognose.

Doch dann kommen neue Mitbürger nach Trollfürt, die angeblich einen Drachen besitzen; es besucht sogar ein Drachenritter die Stadt, und Ben schöpft neue Hoffnung. Leider geht alles schief, und ehe er sich umschaut, wird er des Mordes beschuldigt und muss aus Trollfurt flüchten.

Während sein einziger Freund in Trollfurt sogar Probleme bekommt, weil er immer noch zu Ben hält, bleibt dem Jungen nichts anderes übrig, als sich durch die Wildnis zu schlagen. Dabei trifft er tatsächlich auf einen Drachen – und sein Leben verändert sich in einer Weise, mit der er nicht rechnen konnte.

Soweit eine kurze Inhaltsangabe für »Der Drachenflüsterer«; mittlerweile sind dem Buch zwei Fortsetzungen gefolgt, und wer mag, kann alle drei Bände in Form einer schicken Gesamtausgabe kaufen. Das lohnt sich – ich habe mich bei der Lektüre bestens unterhalten.

Selbstverständlich handelt es sich hier um ein Jugendbuch, Boris Koch erfindet die Fantasy nicht neu und fügt dem Genre keine frischen Aspekte hinzu. Seine Hauptfigur Ben und die kleine Stadt Trollfurt schildert der Autor aber mit viel Liebe und mit viel Freude an den Details, so dass man der Geschichte auch als Erwachsener mit wachsender Begeisterung folgen kann.

Ganz ehrlich: »Der Drachenflüsterer« ist vor allem als Geschenk für jugendliche Leser zu betrachten. Wer also schon immer mal einen zwölf Jahre alten Jungen zur Fantasy bekehren wollte, tut mit dem Buch keinen Fehlgriff. Und wer sich selbst mal gut unterhalten möchte, kann sich ebenfalls über eine sehr gelungene Lektüre freuen

07 Juli 2014

Zahlenspiele für Selbermacher

Dass ich den Begriff »Selfpublisher« doof finde, habe ich schon gelegentlich gesagt; außer »Selbstveröffentlicher« habe ich aber bislang nichts gefunden, das passt – und das klingt nun mal alles andere als cool. Also bleiben wir beim englischsprachigen Begriff und machen uns anderweitig Gedanken darüber, warum Autoren, die in der deutschen Sprache schreiben, für ihre Tätigkeit keinen deutschsprachigen Begriff finden.

Rund 800 Selfpublisher wurden im Frühjahr 2014 von der Online-Seite Selfpublisherbibel befragt; die Zahlen, die dabei herausgekommen sind, finde ich interessant. 60 Prozent derjenigen, die an der Umfrage teilnahmen, sind weiblich, und im Schnitt ist man 45 Jahre alt. Gut die Hälfte hat ein Studium abgeschlossen.

Schauen wir uns an, was hauptsächlich publiziert wird, fällt zumindest in der Gruppe der Autorinnen und Autoren auf, die auf die Umfrage geantwortet haben: Fantasy landet bei 32 Prozent, die sogenannte Gegenwartsliteratur – also alles, was den Hauch hat, anspruchsvoll zu sein? – wird von immerhin 28 Prozent bevorzugt, dann kommen bereits Kinder- und Jugendbücher mit 23 Prozent sowie Krimis mit 20 und Thriller mit 20 Prozent.

Wer daraus schließt, dass Fantasy das erfolgreichste Selfpublishing-Genre ist, kann nicht richtig rechnen. Bei den meisten Lesern und Autoren sind Krimis und Thriller doch so gut wie deckungsgleich, also liegt das Genre der Spannungsliteratur mit 40 Prozent am weitesten vorne ...

Interessanter finde ich eh die Aussagen über die Einkünfte: Im Schnitt nehmen die befragten Selfpublisher 494 Euro pro Monat ein; nur drei Prozent kommen allerdings über 5000 Euro und können vom Schreiben leben. Das sind dann wahrscheinlich auch diejenigen, die Geld in ein professionelles Lektorat oder Korrektorat stecken.

Wenngleich diese freiwilligen Angaben mit Vorsicht zu genießen sind – sie wurden allesamt nicht überprüft –, zeigen sie doch zweierlei: Mit Selfpublishern ist weiterhin zu rechnen, und ihr Selbstbewusstsein steigt.

Punkiges Brasilien

Ordentlich ließ ich es krachen am gestrigen Sonntag, 6. Juli 2014: Es ging in meiner Radiosendung im Querfunk – passend zur Fußball-Weltmeisterschaft – diesmal um Punkrock und Hardcore aus Brasilien. Und da die Brasilianer, wie wir jetzt aus dem Viertelfinalspiel gegen Kolumbien auch wissen, gerne mal zur härteren Gangart neigen, ließ ich praktisch nur Geboller aus den Boxen dröhnen.

Mit Ratos de Porao und den Desordeiros ließ ich zwei krachige Klassiker aus den 80er-Jahren laufen, die heute noch einen ordentlichen Wumms machen. Mit B.U.S.H. gab's knalligen Hardcore aus den Nuller-Jahren, der eher nach New York als nach Sao Paolo klingt.

Einen Spritzer Streetpunk und Oi! versprühten die Flicts, einen Schuss Skapunk gab es bei Randal Grave, klassischen Punkrock wie aus den späten 70er-Jahren lieferten die Blind Pigs. Abgerundet wurde das ganze durch Statues On Fire, die ich erst kürzlich in Karlsruhe auf der Bühne gesehen habe, und Agrotoxico, die es auch schon seit einigen Jahren gibt.

Sanfte Töne gab es nicht, Filigranmusik ebensowenig; eigentlich ließ ich es die ganze Zeit bollern und krachen. Aber das muss ja auch mal sein ...

06 Juli 2014

Granada 74 und kein Fußball

Wie eine Band aus Köln ausgerechnt auf den Namen Granada 74 kommt, würde mich auch mal interessieren. Aber gut, schauen wir uns lieber die Musik an, die die Band auf ihrer selbstgemachten CD »Kontrollverlust« bringt. Das ist unterm Strich nämlich eine gut gemachte Mixtur aus IndieRock und einem Schuss Punk; recht gefällig präsentiert und auf der Bühne sicher gut anzugucken und anzuhören.

Für die benharte Punk-Fraktion ist das nicht, dafür ist die Musik zu poppig. Was die Band macht, ist musikalisch abwechslungsreich; die Jungs können mit ihren Instrumenten umgehen und spielen teilweise mit unterschiedlichen Stilrichtungen. Der Gesang des Sängers ist mir mamchmal zu nölig, dann aber klingt es wie Wir Sind Helden, nur eben mit männlichem Gesang.

Die deutschsprachigen Texte sind teilweise sehr originell, manchmal witzig, gelegentlich auch ganz schön banal. Politisch wird die Band nie, ganz flach allerdings auch nicht; auch hier gilt, dass man sich das jederzeit anhören kann. Alles in allem ist »Kontrollverlust« eine CD, die gut durchläuft, die man sich auch mehrfach anhören kann, bei der aber der große »Whow«-Effekt allerdings ausbleibt. (Wer deutschsprachige Rockmusik mag, sollte mal reinhören.)

05 Juli 2014

Viertelfinale 2014

Am Freitag, 4. Juli 2014, wollte ich mir endlich auch ein wenig »Sommermärchen«-Stimmung gönnen; also vertschüsste ich mich zu halbwegs vernünftigen Zeiten aus dem Verlag – der um diese Zeit gähnend leer war – und düste nach Hause, zog mich radfahrertechnisch und und düste ins »fünf«. Dort erzielte ich einen hervorragenden Platz an der Theke, mit direktem Blick auf die Leinwand und direktem Zugriff aufs Bier, und schaute mir das spannende und unterm Strich erfolgreiche Spiel der deutschen gegen die französische Fußballnationalmannschaft an. Das machte richtig Laune.

Im späteren Verlauf des Abends kam ich auch ohne Manuskripte, Computer und Exposés aus, konzentierte mich dann später auf das Spiel zwischen Brasilien und Kolumbien. Die Brasilianer überzeugten nicht völlig, gewannen aber verdient. Schön fand ich, dass am Ende der hervorragende Spieler James aus Kolumbien von den Torschützen aus Brasilien getröstet wurde – nach einem Spiel mit vielen Fouls war das doch ein gelungenes Ende.

Die Fußball-Weltmeisterschaft neigt sich langsam dem Ende zu. Wie jedesmal, so habe ich auch diesmal nicht alle Spiele angeschaut, aber einige packende Begegnungen im Fernsehen erlebt. Wer Weltmeister wird, vermag ich nicht zu sagen – nach dem Spiel gegen Frankreich halte ich die deutsche Mannschaft auf einmal wieder für sehr gut.

04 Juli 2014

Weltmeisterschafts-Radio

Zum ersten Mal seit langer Zeit kündige ich auch mal wieder eine Radiosendung an: Am Sonntag, 6. Juli 2014, kommt vom 22 bis 23 Uhr im Querfunk, dem freien Radio in Karlsruhe, eine Sendung, in der ich mich mit Brasilien beschäftige. Allerdings geht es weniger um Politik – von den Zuständen in Brasilien weiß ich nicht mehr als das, was in den Medien steht – oder um Fußball, wovon ich auch nicht sonderlich viel verstehe, sondern um Punkrock und artverwandte Klänge.

Unter anderem spiele ich einige aktuelle brasilianische Punk-Bands, aber ich greife ebenso in die Klassiker-Kiste. Sagen wir's so: Wer sich richtig gut mit Punk auskennt, wird keine Hör-Überraschungen erleben – wohl aber diejenigen, die Brasilien vor allem mit Samba und anderem Kram assoziieren ...

03 Juli 2014

Gedanken zum Juli 1914

Ich wuchs mit Geschichten über den Zweiten Weltkrieg auf. Die Generation meiner Eltern war durch den Krieg geprägt, die Männer von ihren Fronterfahrungen, die Frauen von Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung. Wenn die »Alten« zusammensaßen, kam oft das Gespräch auf »die Nacht, in der Pforzheim brannte und man das Feuer bis Freudenstadt sah« oder »als die Franzosen in Freudenstadt eingefallen sind« oder »wie mein Mann in der Gefangenschaft verhungert ist«. Es waren meist Geschichten von Menschen, die sich als Opfer fühlten.

Der Erste Weltkrieg war erstaunlicherweise nie ein Thema. Dabei war die Generation davor bei diesem Gemetzel dabei gewesen. Mein Großvater war an der Westfront; er musste in Frankreich kämpfen, als Angehöriger eines württembergischen Regiments. Ich habe ihn nie kennengelernt, er starb vor meiner Geburt.

Obwohl der Erste Weltkrieg in den siebziger Jahren noch nicht so lange zurück lag wie der Zweite Weltkrieg heute, war er damals kaum ein Thema. Damals wunderte ich mich nicht, heute kommt es mir seltsam vor. Man sprach über die Inflationszeit, über »die schlechte Zeit«, mit der man irritierenderweise die Zeit vor den Nazis meinte oder auch die Zeit nach dem Krieg, aber den Ersten Weltkrieg gab es nicht.

Egal, wie man es rechnet: Vor hundert Jahren ging es los. Im Juli mobilisierten die europäischen Mächte ihre Truppen, im Juli 1914 erfolgten die wechselseitigen Kriegserklärungen, und dann massakrierten sich Millionen von Menschen auf den Schlachtfeldern in Flandern und Frankreich, in Norditalien und Galizien, in Ostpreußen und im Nahen Osten, auf dem offenen Meer oder in den Steppengebieten Ostafrikas.

Heute legte der Bundestag dafür eine Gedenkstunde ein. Es ist Geschichte, es ist alles lange her – aber schaut man sich die aktuelle Politik an, kommt einem manches so vertraut vor ...

02 Juli 2014

Statues On Fire wie ein Phönix

Als die brasilianische Band Statues On Fire im April 2014 auch in Karlsruhe spielte, war der Saal fast leer. Das hatte die Band nicht verdient, denn die treibende Mixtur aus klassischem Punkrock, melodischem Hardcore und einem kleinen Spritzer kam zumindest bei den wenigen Leuten sehr gut an.

Ich habe endlich die Platte »Phoenix« gehört, die im März 2014 erschienen ist. Die Platte kam recht früh heraus, die Band hatte sich erst 2013 gegründet, aber das macht in diesem Fall nichts; man hatte jahrelang Gelegenheit, sich in anderen Bands zu betätigen und haufenweise Erfahrungen zu sammeln.

Die Platte wirkt, als sei sie aus einem Guss: sauber aufgenommen, gut abgemischt, musikalisch sehr ordentlicher Hardcore-Punk mit viel Melodie und Schmackes. Es fehlt der Hit, der einem hilft, sich die Band so richtig ins Ohr zu saugen – aber es ist eine Platte, die man sich sehr oft und sehr gern anhören kann. Die englischen Texte machen einen guten Eindruck, das passt alles.

Wer melodischen Punkrock mag, ist hier schon mal gut bedient. Das ist alles nicht unglaublich originell, aber einfach gut gemacht – und ein Beispiel dafür, wie international sich die Punkrock-Szene mittlerweile präsentiert.

Fußball-Gestresse

Wie ich wieder einmal versuchte, zwischen Romanen, allerlei Texten und Fußball mein Leben zu organisieren – diesmal ging's am Dienstag, 1. Juli, abends doch ziemlich rund, weil ich gespannt darauf war, die Spiele zu sehen. Dummerweise hatte ich ebenso einen Berg von Papier, den ich an diesem Abend unbedingt lesen musste.

Fußballgucken und unbezahlte Überstunden müssen in diesen Tagen in Einklang mit einem halbwegs vernünftigen Privatleben gebracht werden. An diesem Abend hieß das: nicht pünktlich nach Hause kommen, dann Abendessen, während Argentinien und die Schweiz spielten – ich drückte den Schweizern den Daumen und bedauerte es sehr, dass sie gegen Ende leider aus dem Turnier flogen.

Beim Spiel zwischen den USA und Belgien saß ich auf der Couch, das eine oder andere Manuskript in der Hand. Ich linste zwischen dem Anfang eines »Silberbandes« und dem Spiel hin und her, machte Notizen im Manuskript, guckte auf den Bildschirm und notierte wieder etwas. Zwischendurch balancierte ich den Laptop auf den Knien, um kurz eine Mail zu schreiben.

Es folgte eine STELLARIS-Kurzgeschichte, in der ich ebenfalls meine Anmerkungen hinterließ. Das funktionierte erstaunlich gut.

Und als das Spiel in die Verlängerung ging, verlagerten wir unseren Aufenthaltsort ins »fünf«; weitere Manuskripte ließ ich daheim. Ich verpasste nichts wesentliches: Mit einem Bier in der Hand sah ich dann die entscheidenden Szenen eines packenden Fußballspiels.

Im Gegensatz zu dem zwar spannenden, aber streckenweise nicht schön anzuschauenden Spieles zwischen Deutschland und Algerien waren die Amerikaner und die Belgier bis zum letzten Angriff kampfstark und aggressiv. Da hätte ich beiden Mannschaften gegönnt, dass sie in die nächste Runde kommen ...

01 Juli 2014

Bäcker, Dolche, Straßenkinder

Wieder einmal habe ich ein Hörspiel aus der Serie »Detektei Sonderberg & Co.« gehört; es war die vierte Folge. Mittlerweile ist die Serie bei Nummer sieben angelangt. Und wie bei allen anderen Folgen zuvor fühlte ich mich hervorragend unterhalten – ein wenig öffentliches Lob will ich dennoch loswerden.

Die Geschichte spielt im Düsseldorf des Jahres 1889. Fahrräder sind eine neue Erfindung, und dass Frauen damit auf den Straßen unterwegs sind, verwirrt so ziemlich jeden. Die Polizei ermittelt mies oder gar nicht, und Fingerabdrücke werden als »modernes Zeugs« abgetan. In dieser Zeit wird Dr. Sonderberg, der Detektiv, in einen Fall verwickelt, bei dem ein ermordeter Bäcker, einige Straßenkinder und einige Erpressungen zusammengehören.

Wie es sich gehört, gehen alle Ermittlungen anfangs in eine falsche Richtung. Sonderberg stöbert allerlei unruhige Geister auf und legt sich mit den Straßenkindern an. Seine Assistentin und sein Neffe helfen ihm auf ihre manchmal widerspenstige Art, die Polizei behindert ihn mehr – aber letztlich wird der Übeltäter gefunden und verhaftet.

»Detektei Sonderberg« ist eine Hörspielserie von Zaubermond Audio. Dennis Ehrhardt, der Verlagsgründer, ist hier Autor und Produzent in einer Person. Wo ich normalerweise eine solche Doppelposition als heikel empfinden würde, klappt hier alles: Die Dialoge sind pointiert, oftmals witzig, der Fall entwickelt sich folgerichtig, und alle Geräusche – inklusive eines unmusikalischen Polizeichors – passen hervorragend zur Geschichte.

Das ist große Hörspiel-Unterhaltung, die zu Recht gelobt wird. Kein intellektueller Krimi, aber eine muntere Geschichte mit vielen Wendungen und absolut nachvollziehbaren Hauptfiguren. Wer Hörspiele mag, sollte hier unbedingt reinhören! Auf der Zaubermond-Seite gibt es genügend Hörbeispiele.

30 Juni 2014

Die Amis in den Neunzigern

Recht spontan entschloss ich mich, meine Radiosendungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft abzustimmen. Und so war am gestrigen Sonntag, 29. Juni 2014, das Thema des Deutschlandspiels dieser Woche dran: Es war bekanntlich gegen die USA gegangen, und das griff ich auf – als Thema servierte ich »Ami-Punk in den 90er-Jahren«, was den Vorteil hatte, dass ich da auf viele bekannte Sachen zurückgreifen konnte.

Damit meine Hörerinnen und Hörer im örtlichen Freien Radio Querfunk auch Musik zu Gehör bekamen, die sie auch garantiert kannten, spielte ich populäre Bands wie Offspring und Green Day. Ebenfalls recht populär waren Anti-Flag – wobei deren erste Platte echt ein schönes Geschrubbe war – und die Generators, die demnächst in Karlsruhe zum Tanz aufspielen.

Redemption 87 und Total Chaos standen für Hardcore-Punk aus den 90er-Jahren, wobei die zweite Band sicher die bekanntere wurde. Unvergessen ihre »Tour around the Chaosdays« im Sommer 1995 ... Die Wynona Riders und Mr. T Experience standen für den fröhlichen Turnschuh-Punk der 90er-Jahre, den ich mir derzeit wieder sehr gut anhören kann.

Wie immer war es so: In der Vorbereitung hatte ich nicht die geringste Lust aufs Radiomachen. Als ich dann im Studio saß, machte es wieder richtig Spaß, allen Problemen zum Trotz, die ich mir bei der Live-Sendung selbst einbrockte. Mache ich doch noch meine zwanzig Jahre voll?

29 Juni 2014

Science Fiction und die 80er

Manche Dinge dauern länger – und so brauchte ich bis zu diesem Wochenende, um die finale Ausgabe des »Fandom Observers« auszulesen. Dass die Nummer 300 die letzte Ausgabe des Info-Fanzines war, habe ich in diesem Blog oft genug geschrieben; dass 25 Jahre in gewisser Weise genug sind, kann ich auch gut verstehen.

Auffällig war für mich die Wehmut, die viele Beiträge durchzieht. Der »FO« begann in den 80er-Jahren, als vieles noch sehr anders war – im Klagen über vergangene Zeiten unterscheiden sich übrigens die Science-Fiction- und die Punkrock-Szene nicht sonderlich voneinander. In den 80er-Jahren entwickelte sich eben viel, was heute so nicht mehr existiert.

Das hat etwas mit den technischen Aspekten zu tun, immerhin gab's damals noch kein Internet mit all seinen Möglichkeiten, aber schlichtweg auch etwas mit dem Altern. Wer heute zwischen 45 und 55 Jahren alt ist, zählte in den 80er-Jahren zu den Jugendlichen oder Heranwachsenden – es waren die geburtenstarken Jahrgänge, die auch genügend Zeit und Geld für die Pflege von Freizeitinteressen hatten.

Kein Wunder, dass haufenweise Fanzines entstanden: Man hatte die Zeit und das Mitteilungsbedürfnis und auch die technischen Möglichkeiten. Wer heute die Zeit und das Mitteilungsbedürfnis hat, nutzt einfach andere Möglichkeiten. Und zack!, rum ist es mit dem gedruckten Fanzine, da ist die Facebook-Notiz.

Die 80er-Jahre sind vorbei, und das ziemlich gründlich. Das ist so, und das muss man einsehen. Ein bisschen traurig sein dürfen »wir« aus »unserer Generation« aber auch darüber ...

27 Juni 2014

Heresy in Geislingen

Manchmal wundert es mich schon, wer in den 80er-Jahren offensichtlich wo mit seiner Video-Kamera herumstand. Aber dann freue ich mich doch, wenn ich bei YouTube die alten Aufnahmen von irgendwelchen Krachkonzerten finde – die kann man kaum ansehen, so schlecht ist die Bildqualität, aber sie bringen amüsante Erinnerungen zurück.

Heute stolperte ich über eine Aufnahme aus dem Frühjahr 1987. Die englische Hardcore-Band Heresy spielte in dem winzigen Jugendhaus in Geislingen, einer Kleinstadt auf der Schwäbischen Alb, die ab der Mitte der 80er-Jahre erstaunlicherweise zu einem Zentrum für Hardcore-Punk wurde. Und die Aufnahmen, so schlecht sie heute auch anmuten mögen, geben akustisch wie optisch wieder, wie es damals abging.

Eine Band, die auf der Bühne tobt. Ein ruppiger Sound im »Stop-and-Go«-Tempo. Ein schwäbisch dazwischen grölendes Publikum. Wildes Herumspringen in dem winzigen Saal (ich erinnere mich an haufenweise blaue Flecken, weil direkt vor der Bühne zwei Holzsäulen standen). Eine unglaubliche Energie.

Lyvten knallen

Dieser Tage erscheint die erste Platte der neuen Band Lyvten – wer denkt sich denn eigentlich solche Namen aus? Ich bin schon ziemlich gespannt darauf, denn Tobi von Twisted Chords, bei dem die Scheibe erscheint, hat bislang ein gutes Händchen für gute Musik beweisen. Diese Seveninch werde ich mir auf jeden Fall holen.

Eine schöne Ankündigung zu der Platte gibt es im Netz, bei YouTube natürlich. Wenn ich mir schon angucke, was die Band aus der Schweiz hier so produziert, klingt das nach einem guten Mix aus Punkrock und Emo – nennt es, wie ihr wollt. Im November spielt die Band dann sogar in Rastatt, zusammen mit den göttlichen Conmoto; schauen wir mal, ob ich das auf die Reihe bekomme.

26 Juni 2014

Der Mann aus Stahl neu entdeckt

»Superman ist eine Ikone, seine Geschichte eine moderne Heldensage« – normalerweise finde ich solche werblichen Aussagen, die auf den Rücken eines Buches gedruckt werden, eher nervend, aber diesmal stimmt es. Die Geschichte des Superman, der als Kind von einem fremden Planeten auf die Erde kommt, dort als ganz normaler Junge in Smallville aufwächst, in Metropolis später als Reporter arbeitet und in seiner Verkleidung dann ständig die Welt rettet, gehört tatsächlich zu den großen Erzählungen des zwanzigsten Jahrhunderts.

Und immer wieder wird die Geschichte neu erzählt. Ich habe jetzt endlich den ersten Band von »Superman: Erde Eins« gelesen, der bereits Ende 2012 in deutscher Sprache erschienen ist. Die Geschichte ist von den Grundzügen her bekannt, sieht man davon ab, dass das letzte Drittel des Comic-Bandes aus einer Invasion bösartiger Außerirdischer besteht, die von Superman persönlich abgewehrt wird.

Ins Detail muss ich sicher nicht gehen, die Grund-Story ist bekannt. Nur so viel: J. Michael Straczynski, der den Comic-Band textete, ist als Autor für Comics und Fernsehserien wie »Babylon 5« bekannt geworden – er weiß also, wie man Geschichten erzählt. Er holt die psychologische Seite zum Vorschein, zeigt Clark Kent als Menschen mit Fehlern und Schwächen, mit Problemen und einer tief greifenden Moral, die er von seinen Zieheltern gelernt hat.

Das Ganze kommt nicht ohne eine gewisse amerikanisch-patriotische Note aus, der Zeigefinger wird aber nicht zu sehr erhoben. Zudem wird ganz nebenbei erklärt, warum Superman sich nicht um den Hunger auf der Erde oder den Weltfrieden kümmert: Er ist unpolitisch, möchte sich nicht zum Diener von irgendwelchen Regierungen machen und schützt deshalb lieber die einfachen Leute gegen die Gangster.

(Dass die schlimmsten Gangster heutzutage in Anzug und Krawatte herumlaufen, mit Milliarden jonglieren und die Regierungen der Erde quasi in Geiselhaft halten, kann in so einem Superhelden-Comic auch kaum thematisiert werden.)

Das klingt einigermaßen platt, ist aber packend und vielschichtig erzählt. Herausragend wird der Comic durch die beeindruckenden Grafiken von Shane Davis. Seine Action zeichnet der Mann brillant und knallig, aber auch Erzählszenen wirken glaubhaft. Am stärksten gelingen Davis vor allem die ruhigen Bilder: Superman, der in der Luft schwebt und nachdenkt, beispielsweise ...

Alles in allem ein packender Superhelden-Comic. Wer bisher glaubte, von Superman schon alles zu kennen oder die Figur an sich doof zu finden, schaue sich zumindest mal die kostenlose Leseprobe auf mycomics.de an.

25 Juni 2014

Absurdes Atom-Theater

Wenn ich es auf die Reihe bekomme, fahre ich mit meinem Rad gern mal nach Philippsburg. Nicht weil die kleine Stadt zwischen Karlsruhe und Mannheim so schön wäre oder weil ich das Atomkraftwerk so dufte fände, sondern weil die Strecke durch die Rheinauen und recht nette Dörfer angenehm zu fahren ist und man auch was von der Gegend sieht.

Demnächst fahre ich auf einen Lagerplatz für Atommüll zu. Die grün-rote Regierung von Baden-Württemberg hat sich dazu bereit erklärt, fünf Castor-Behälter aus dem dem französischen Atomlager La Hague auf dem Gelände von Philippsburg zwischenzulagern. Der Dreck stamme aus Baden-Württemberg, und wenn ihn die Franzosen zurückschicken, müsste man ihn ja wohl auch »bei uns« lagern.

So weit so schlecht. Absurd wird das Theater jetzt, wenn man sich anguckt, mit welchen Konstellationen die Parteien das Thema diskutieren.

Ausgerechnet der Philippsburger Bürgermeister Stefan Martus von der CDU und der CDU-Landtagsfraktionschef Peter Hauk wehren sich massiv gegen die Einlagerung, argumentieren mit »Sicherheitsgefährdung« und so weiter. Und die Grünen sindn dafür, den Atommüll zu deponieren.

Habe ich in den vergangenen Jahren zu viel Bier gesoffen, bringe ich jetzt alles durcheinander? Die Grünen in Baden-Württemberg sind für, die Christdemokraten sind gegen Atommüll?

Nein. Die Wahrheit ist einfacher: Die CDU in Baden-Württemberg ist noch kaltschnäuziger, als ich es jemals geglaubt habe.

Ausgerechnet die Partei, die sich noch vor Jahren von der Atomlobby bezahlen ließ und die Grünen als Chaoten abqualifizierte, stellt sich jetzt als Umweltschützer- und Atomgegner-Organisation hin. Ausgerechnet die Partei, deren Protagonisten noch in den 80er-Jahren davon faselten, dass ohne neue Atomkraftwerke im Südwesten bald das Licht ausgehe, stellt sich an die Spitze der Atomkraftkritiker – vorneweg dann noch der Bürgermeister einer kleinen Stadt, die stets hervorragend mit dem Atomkraftwerk und seinen Besitzern klargekommen ist. Man fand in Philippsburg nie einen Atomkraftgegner ...

Ganz ehrlich: Atommüll ist Mist. Aber irgendwohin muss er wohl. Und da »wir« nicht davon ausgehen können, dass andere unseren strahlenden Dreck aufbewahren, müssen wir uns selbst drum kümmern. Auch wenn das heißt, dass ich demnächst nicht nur zum ehemaligen Kernforschungszentrum radeln kann, sondern auch zum atomaren Zwischenlager ...

24 Juni 2014

Eva Cassidy fasziniert

Manchmal gibt es Musik, die berührt einen, auch wenn sie außerhalb der üblichen Genres spielt. Ein schönes Beispiel dafür ist die Sängerin Eva Cassidy, von der ich immer wieder die unglaublich schöne CD »Live At Blues Alley« spiele. Aufgenommen wurde die CD im Januar 1996 – eine beeindruckende Live-Aufnahme. Wenige Monate später war die Sängerin tot; sie wurde 43 Jahre alt.

Die Stimme ist unglaublich: Einfühlsam bringt die Sängerin allerlei Klassiker der Rock- und Pop-Musik, des Blues und des Jazz auf die Bühne, fast flüsternd bei »Bridge Over Troubled Water«, durchaus rockig bei »Take Me To The River«, nie heulig, nie gebrüllt, sondern immer mit einer starken Stimme, die mich zumindest packt und mitreißt.

Von Punkrock ist das meilenweit entfernt, schon klar, aber glücklicherweise ebenso meilenweit von dem üblichen Frauengesinge, mit dem mich die Radiosender sonst nerven. Eva Cassidy hatte den Blues in sich, sie hatte eine echte Blues-Stimme, und in den von ihr interpretierten Stücken kam unglaublich viel Stimmung und Gefühl rüber, ohne dass das auch nur ansatzweise peinlich oder irritierend gewesen wäre.

Wenn ich heute »Live At The Blues Alley« höre, eine CD, die seit gut zwölf Jahren bei uns daheim immer wieder eingelegt wird, stelle ich mir immer die Szenerie vor: eine blonde Frau auf der Bühne eines verräucherten Clubs, eine gute Band im Hintergrund, ein begeistertes Publikum im Saal. Schade, dass diese Sängerin schon so früh sterben musste. 

23 Juni 2014

Fußballstress

Wir trafen uns zu einem schnellen Bier zwischendurch, es war am Sonntag abend, und wir beide mussten am nächsten Tag früh raus. »Ich muss um sechs Uhr aufstehen«, erläuterte er mir, »aber das Spiel zwischen Ghana und den Amis muss ich unbedingt anschauen.«

Ich schaute auf die Uhr. »Das wird eine kurze Nacht«, meinte ich.

»Keine Sorge.« Er winkte ab. »Ich hab das im Griff. Ich trink mein Bier aus, dann geh ich heim und leg mich ins Bett. Den Wecker stelle ich auf fünf vor zwölf. Das reicht, um aufzustehen, zu pissen, ein frisches Bier zu holen und mich vor die Glotze zu setzen. Dann guck ich das Spiel und leg mich hinterher ins Bett.«

»Und das klappt?«

»Na klar. Das mache ich jetzt seit Tagen so. Anders könnte ich Arbeit, Privatleben und WM nicht unter einen Hut bringen.«

Als er dann davoneilte und ich mit meinem Bier in der Hand zurückblieb, war ich in gewisser Weise sehr beeindruckt. Das ist wahre Begeisterung!, dachte ich.