21 November 2014

Putzfrauengeschwader reloaded

Wie ich schon gelegentlich angedeutet habe, arbeite ich seit einiger Zeit an einer Sammlung von Kurzgeschichten, die alle im weitesten Sinne etwas mit Punkrock zu tun haben. Teilweise übernehme ich da Texte, die in den 90er- oder Nullerjahren in meinem Fanzine ENPUNKT erschienen sind, baue sie aber so stark um, dass sie als eigenständig Kurzgeschichten funktionieren können.

Dieser Tage beendete ich die Rohfassung an »Das Putzfrauengeschwader«, eine Geschichte, die aus den 90er-Jahren stammt und damals bei den ENPUNKT-Lesern sehr gut ankommt. Meine Neufassung begann ich am 28. März diesen Jahres; ich schrieb im Mai und im Oktober daran weiter. Aber erst am 20. November 2014 war der Rohtext mit 19.160 Anschlägen so weit, dass ich das Wort »Ende« darunter schreiben konnte.

Der Grund für all diese Verzögerungen war allerdings nicht meine Faulheit. Die viele Arbeit machte im Verlauf des Jahres nicht nur einmal einen Strich durch meine Rechnung – und so verzögerte sich allein die Vollendung einer einzigen Kurzgeschichte um einige Monate ... Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz, was weitere Schreibprojekte für mich angeht.

20 November 2014

Gelungener Urlaubstag

Wer Urlaub hat – so wie ich in dieser Woche –, kann sich Dinge erlauben, für die er häufig keine Zeit findet. Man kann ausschlafen, man kann im Bett herumgammeln und dort noch ein gutes Buch lesen (derzeit: »Der Ozean am Ende der Straße« von Neil Gaiman; ein Meisterwerk!), man kann laut Musik hören (heute mal wieder Offspring aus den 90er-Jahren), und man kann sich auch mal einen Tag Zeit nehmen und durch die Gegend fahren.

So am Mittwoch, 19. Oktober. Ich fuhr morgens in aller Gemütsruhe los, hörte unterwegs ein Hörspiel an (eine Folge von »Doktor Sonderberg« aus dem Zaubermond-Verlag) und erreichte fast auf die Minute genau ein Haus in Hochdahl, einem Ortsteil von Erkrath. Dort besuchte ich einen Mann, den ich als Science-Fiction-Experten seit vielen Jahren kenne und schätze; dazu kamen zwei weitere Männer, die ich persönlich und fachlich mag.

Was wir alles besprachen, kann hier nicht zusammengefasst werden. Wir sprangen thematisch wild herum, wechselten auch mal mitten im Satz das Thema: von persönlichen Geschichten zur klassischen Science Fiction, dann zur Zukunft des Verlagswesens und zu aktuellen Tratschgeschichten aus der internationalen Verlagslandschaft. Es ging kunterbunt hin und her, dazu aßen wir Pizza, tranken Kaffee und allerlei anderes Zeugs, und als ich Stunden später wieder ging, war mein Kopf voller neuer Ideen und Eindrücke.

Von Hochdahl fuhr ich nach Ohligs; wer mit diesen Örtlichkeiten nichts anfangen kann, den kann ich verstehen: Bis vor einigen Tagen hätte ich das auch nicht gewusst. Ohligs ist ein Ortsteil von Solingen, dort residiert das OX-Fanzine, dort besuchte ich die Redaktion, für die ich seit vielen Jahren meine »Peter Pank«-Fortsetzungsgeschichte schreibe. Ich lernte ein veganes Café kennen, in dem ich die Atmosphäre sehr positiv fand, und auch hier wurden im Schnelldurchlauf die Themen während des Gesprächs gewechselt, und hier ging ich ebenfalls mit einem Kopf voller neuer Impressionen.

Die Rückfahrt verlief ebenfalls ruhig. Ich hörte ein unglaublich packendes Krimi-Hörbuch (»Blutiges Erwachsen« von Roger Smith, gelesen von dem hervorragenden Schauspieler Matthias Brandt), das so spannend war, dass ich mir fast noch einen Stau gewünscht hätte, um mehr von der mitreißenden Geschichte mitzubekommen. Aber alles ging gut, und als ich kurz nach Mitternacht daheim war – wieder fast auf die Minute genau zur avisierten Zeit –, hatte ich das Gefühl, einen richtig schönen Urlaubstag verbracht zu haben.

19 November 2014

Atomarer Dreck – liegt bei mir ums Eck

Jetzt sind wieder alle ganz verblüfft: Deutschland hat seinen Atommüll überhaupt nicht im Griff. Und im Wald bei Karlsruhe – mit dem Fahrrad ist es von mir aus nicht mal eine Stunde bis dahin – lagern Tausende von Tonnen mit atomaren Abfällen, die in maroden Behältern liegen, die vor sich hinrosten. Das ist mal eine Überraschung!

Seit ich in Karlsruhe bin, spreche ich nicht vom »Forschungszentrum« oder vom »KIT Campus Nord«, wie es die offizielle Sprachregelung ist. Das Ding im Wald ist ein »Kernforschungszentrum«; hier wurde jahrelang an hochgefährlichen Dingen geforscht. Dagegen habe ich nicht das geringste – solche Grundlagenforschung halte ich für sinnvoll und richtig.

Dass dabei Müll anfällt, den man in irgendeiner Art und Weise »aufräumen« muss, war mir dabei stets klar. Offensichtlich muss man ein Schwabe sein, um sich paranoide Gedanken dazu zu machen, wo der Müll denn eigentlich bleibt – weder die Betreiber des Kernforschungszentrum, die den Müll einfach auf dem Gelände lagerten, noch die Politiker scheinen sich in den vergangenen Jahren darum gekümmert zu haben.

Wieder einmal wurde das Publikum erfolgreich getäuscht. Während man uns vorlügt, das Heil der – deutschen – Menschheit läge darin, für möglichst viel Geld möglichst aufwendige Trassen von der Nordsee nach Süddeutschland zu bauen, um den hochsubventionierten Strom zu uns herunterzuleiten, wird ein Fässchen Atomdreck zum anderen gestellt. Und keiner kümmert sich so richtig darum, was damit passiert – ist ja alles so schön bunt hier ...

Ich kann mich darüber schon gar nicht mehr aufregen. Es ist immer dasselbe Spiel: vorneherum die Nebelkerzen der Politiker, die alles schön vernebeln, hintendran der Schmutz und der Dreck. (Mit dem einen Unterschied: Dieser Dreck wird die nächsten Jahrhunderte und Jahrtausende nicht einfach verschwinden, den kann man zudem nicht einfach in die Müllverbrennungsanlage karren und durch den Schornstein entsorgen.) 

18 November 2014

Disco Oslo zum Zweiten

Fragt mich heute jemand, wo der Deutschpunk der frühen 80er-Jahre geblieben ist, eiere ich immer ein wenig herum. Dann sage ich meist, dass die 80er-Jahre schon ganz schön lange vorüber sind. Die Bands von damals mag ich immer noch, aber heute wird Deutschpunk – auch wenn den Begriff so viele hassen – längst von ganz anderen Bands bestimmt.

Ein Beispiel dafür sind Disco/Oslo, von der ich dieser Tage endlich die aktuelle EP gehört habe. Dabei handelt es sich um ein schön gestaltetes Stück Vinyl in ebenso schönen Papp-Umschlag, an dessen Veröffentlichung gleich mehrere kleine Labels beteiligt waren. Und darauf sind vier Stücke, allesamt in deutscher Sprache, alle sehr gut.

Die musikalischen Eckpunkte sind geblieben, die lakonischen Texte ebenfalls, doch jetzt hat die Band einen Schuss Melodie dazu genommen, der die EP gegenüber der Langspielplatte als Fortschritt dastehen lässt. Der Sänger treibt die Stücke voran, die anderen Bandmitglieder bilden immer wieder einen Chor; das Tempo der Stücke ist nicht tierisch hoch, aber schnell genug, dass man dazu theoretisch pogen könnte.

Ich finde die Band super, ich freue mich sehr, dass so etwas aus Oldenburg kommt, und bin gespannt darauf, wie sich das alles weiter entwickeln wird. (Wer mehr über die Band wissen will, schaue auf ihre Internet-Seite. Da gibt es auch Musik zum Anhören.)

17 November 2014

Der Horror der ewigen Schreie

Menschen, die sich selbst die Schlinge um den Hals legen und erhängen ... Leichen, die danach schreien, obwohl sie schon tot sind ... Was für ein finsteres Szenario! Man kann sich über den Horror, den die alten »John Sinclair«-Geschichten verbreiten, ja immer mal lustig machen; wenn das ganze als Hörspiel serviert wird, kann die Geschichte trotzdem völlig finster und gruselig sein.

Vom Anhören des Hörspiels »Ewige Schreie« – der Folge 84 der Gruselhörspiel-Serie – habe ich keinen Horror fürs Leben bekommen. Keine Sorge, so sensibel bin ich jetzt doch wieder nicht. Aber gepackt hat mich das Hörspiel trotzdem, und das sicher nicht wegen der vergleichsweise schlichten Handlung, sondern wegen der Machart des Hörspiels und der sorgsam aufgebauten Spannung.

Zur Handlung nur so viel: Vor einigen hundert Jahren wurde der Henker und Totengräber eines englischen Dorfes erhängt, nachdem man seine Frau und seine Kinder ermordet aufgefunden hatte. Man beschuldigte ihn, der Mörder zu sein, obwohl er völlig unschuldig war, und er schwor dem Dorf und seinen Bewohnern danach finstere Rache.

Jetzt scheint der Geist des Ermordeten wieder gekommen zu sein. Ein monströses Wesen treibt sein Unwesen und zwingt die Menschen dazu, sich selbst zu töten, um dann als Untote die ewigen Schreie auszustoßen. Als der Scotland-Yard-Inspektor John Sinclair wegen einer Familienfeier eher zufällig in der Gegend unterwegs ist, wird er gegen seinen Willen in diesen unheimlichen Fall hineingezogen.

Klingt schlicht? Ist schlicht. Psychologische Finessen sucht man vergeblich in diesem Stoff. Das macht dann aber gar nichts, weil die Hörspiel-Umsetzung mit ihren Geräuschen, der wuchtigen Musik, der sehr gut eingesetzten Sprecher und der knalligen Schock-Effekte einfach überzeugt.

Zum wiederholten Mal: Respekt an die Macher bei Zaubermond-Audio, die den Original-Stoff so hervorragend in die Neuzeit übersetzt haben!

16 November 2014

Von Polizeiknüppeln und Schnöseln

Freitag abend, 14. November: Der Kabarettist Sebastian Pufpaff trat in Karlsruhe auf, im »Tollhaus«, und wir waren dabei. Am Anfang hatte ich nicht so viel erwartet, weil ich den Mann ja vor allem vom Namen her kannte – aber live überzeugte er mich sofort.

Er schaffte es, in seinem gut zwei Stunden umfassenden Programm die Waage zu halten. Sein Programm war mal politisch – wenn er sich lauthals über Ungerechtigkeiten empörte –, dann aber wieder bei irgendwelchen Wortspielereien schlichtweg blöd. Manchmal hampelte er auf der Bühne herum, dann wieder wirkte er seriös und klar; das Programm hatte eine Reihe von Biegungen und Wendungen, was ich sehr beeindruckend fand.

Zu lachen gab es genug, und im Verlauf des Programms steigerte sich Pufpaff. So erfuhr man beispielsweise, wie die Polizei an ihren Knüppeln ausgebildet wurde, lernte eine neue Geste für »eine Idee haben« oder wurde dazu aufgefordert, sich Gedanken darüber zu machen, wie es ist, hundert Jahre alt zu werden. Bei solchen Sequenzen wurde es kurzzeitig still im Saal; da war der Humor dann sehr bitter – aber genau solche Dinge machen für mich ein gutes Kabarett-Programm aus.

Pufpaff, über den es bei Youtube viele Videos zu gucken gibt, überzeugte voll und ganz. Der lange Applaus bestätigte, dass ich nicht der einzige war, der den Abend klasse fand. Gerne mal wieder ...

14 November 2014

Klaus-Bashing

Dass deutsche Nazis meist sehr schlicht reimen, dürfte allgemein bekannt sein. Also stellte ich mich darauf ein, mit breitem Grinsen einen Artikel über »Rechtsextremes Liedgut« zu lesen, der auf der Internet-Seite der Bundeszentrale für politische Bildung bereit gestellt wird. Schließlich will ich wissen, welches Liedgut die Kameraden von der anderen Feldpostnummer in diesen Zeiten an die Öffentlichkeit grölen.

Irritierenderweise gibt es – oder gab es – eine Band namens Selbstdarsteller, über die ich nicht sehr viel weiß. Die Band hat ein Lied, das den hübschen Titel »Klaus von der Antifa« trägt. Dabei handelt es sich um ein »Kommischwein«, das bei den Chaostagen dabei ist und irgendwie aus dem Wald zu kommen scheint.

»... ich werfe gerne Steine auch auf unschuldige Passanten«, wird hier rumpelgereimt, »und brauch ich Geld für Drogen, beklau ich meine Verwandten«; und so werden haufenweise Vorurteile gegen Punks und sogenannte Linke in einen Sack geworfen. Wie man das halt kennt.

Ich bin jetzt nicht so vermessen und glaube, dass mich irgendein Nazi-Rocker heutzutage mit der Antifa oder irgendwelchen Chaostage-Aktivitäten in eine Schublade steckt. Trotzdem guckt man da schon mal irritiert, wenn man so einen Liedtext liest ...

13 November 2014

Ein bisschen Fröhlichkeit

Der Januar 1984 war ein ereignisreicher Tag: Ich schrieb in diesen Tagen mein Abitur, musste also vormittags zur Schule. Nachmittags arbeitete ich meist im Supermarkt, abends ging ich für die örtliche »Südwest-Presse« auf Veranstaltungen, und die Berichte dazu schrieb ich oftmals nachts in der Redaktion.

Oft ging ich ins Jugendzentrum »Murgtäler Hof«, zu dessen Berichterstatter ich im Verlauf der Monate zuvor geworden war. Ich schrieb über Jazz-Konzerte und politische Diskussionen, über Jugendgruppen und Jugendszenen – und so kam ich im Januar 1984 auch auf ein Konzert von Monika Pampuch.

Sie war als Liedermacherin unterwegs; nie zuvor oder danach hatte ich von ihr gehört. Ich litt einigermaßen unter ihrem Konzert und konnte wenig damit anfangen. Hinterher schrieb ich einen Artikel darüber, den ich unter den Titel »Ein bisschen Fröhlichkeit« stellte.

Ich bemühte mich nicht, die Liedermacherin bewusst in die Pfanne zu hauen. Aber es wurde sehr schnell ein Verriss der besonderen Art: ein wenig gemein, ein wenig süffisant, mit einer Reihe vergifteter Komplimente. Schön fand ich ihn trotzdem, und ich wurde danach von mehreren Leuten darauf angesprochen.

(Der Artikel steht im Kommentar zu desem Text; die Zeilen sind eins zu eins übernommen; es wurde nichts nachträglich redigiert oder geändert. Geändert wurde allerdings die Rechtschreibung – hier passte ich an die heutige Zeit an.)

12 November 2014

Fremdwörter im Lexikon

Einer der vielen Leitsprüche, mit denen mein Leben gepflastert zu sein scheint, ist dieser: »Man muss sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten trennen.« Gern wird er kombiniert mit: »Du häufst zu viele Dinge an.« Also fing ich damit an ein wenig Ballast aus meinen Büchrregalen und aus meinem Leben zu kippen, und stellte erstaunt fest, wie viele Bücher ich besaß, von deren Existenz ich nichts gewusst hatte ...

Dieser Tage hielt ich einen Hardcover-Band in den Händen, der einen roten Einband trug und schon sehr abgegriffen wirkte. Es war »Das neue Fremdwörter-Lexikon«; im Impressum stand leider kein Hinweis darauf, aus welchem Jahr es stammte. Ich erinnerte mich düster daran, dass meine Eltern es mir schenkten, als ich zwölf Jahre alt war – plusminus eins – und dass es deshalb bald vierzig Jahre auf dem Buckel haben musste.

Noch einmal blätterte ich das dickleibige Buch durch. Es roch nach altem Papier, es war ein wenig angebgilbt, und ich hatte meinen Namen in einer krakeligen Handschrift auf die Seite drei gepinselt. Wieder hatte ich das Gefühl, das ich als Junge gehabt hatte: Ich schaute mir einzelne Seiten an, ich stolperte über Begriffe, die ich nicht kannte, und las die kurze Erläuterung dazu durch. Das hatte mich damals unglaublich fasziniert.

Heutzutage brauche ich so ein Buch nicht mehr; ich habe es seit dem letzten Umzug nicht mehr angefasst. Es ist nicht unnötig geworden, weil ich alles wüsste, sondern deshalb, weil die Lexika, die online angeboten werden, viel umfassender sind. Will ich die Bedeutung eines Wortes wissen, schaue ich bei der »Wikipedia« nach, google ein wenig herum und habe innerhalb kürzester Zeit eine Antwort.

Nur aus rein romantischen Gründen, aus Gründen der Erinnerung oder dergleichen wollte ich das Buch allerdings nicht aufbewahren. Es wanderte in die Papiertonne – womit ich erfolgreich wieder einen Teil meiner Jugend-Erinnerungen entsorgt hatte ...

11 November 2014

Leib und Seele und die Literatur

Wie lange ich schon die Literaturzeitschrift »Am Erker« kenne, weiß ich nicht mehr genau. Irgendwann zu Beginn der 80er-Jahre hatte ich sie schon einmal abonniert, dann verlor ich sie aus den Augen; seit mehreren Jahren habe ich sie wieder im Abonnement. Mittlerweile erscheint das Magazin im »buchigen« Paperback-Format und wird von einem Verein namens »Fiktiver Alltag« herausgegeben; immerhin stammt sie immer noch aus Münster.

Die aktuelle Ausgabe 67 ist schon wieder einige Monate als, sie stand unter dem Titel »Leib und Seele«. Erstaunlich oft wird dabei das Thema der Nachkriegszeit variiert, als hierzulande zum letzten Mal eine Hungersnot herrschte; andere Kurzgeschichten und Gedichte streifen das Thema nur am Rande oder ignorieren es.

Das macht nichts: Auf den 136 Seitenvon »Am Erker« geht es nicht nur um das zentrale Thema; es gibt ganz normale Texte, und es gibt Artikel sowie Buchbesprechungen. Das alles wird sparsam illustriert, das Layout ist ebenfalls sparsam, weil eher »buchig« zu betrachten.

Die Mixtur ist interessant, nicht alles gefällt mir – und das gilt ebenso für die sekundären Texte: Manchmal driften die Rezensenten in intellektuelle Bereiche ab, die sich mir nicht erschließen, dann aber wieder gibt es handfeste Besprechungen zu Themen, die ich interessant finde und auf die ich ohne eine solche Zeitschrift nicht gekommen wäre.

Wie immer habe ich mich durch »Am Erker« gut unterhalten gefühlt, wenngleich ich nicht alles gelesen habe. Bei manchen Texten genügen mir die ersten paar Sätze, um zu erkennen, dass sie nichts für mich sind. Aber eine solche Zeitschrift ist stets wie eine Wundertüte.

Ich kann sie jederzeit und immerzu empfehlen. Die aktuelle Ausgabe gibt's für neun Euro; idealerweise bezieht man sie direkt bei dem Redaktionsverein. Der eine oder andere Literaturladen könnte sie auch führen – die Qualität einer Buchhandlung erkennt man eh daran, dass sie sogar Literaturzeitschriften im Programm hat.

10 November 2014

Keegan zelebrieren melodische Rockmusik

Die Band Keegan aus Köln macht einen richtig multinationalen Eindruck: Der Schlagzeuger kommt aus Österreich, der Basser aus Holland, der Gitarrist ist Ire, und der Sänger ist Brite – das finde ich schon mal witzig. Die Musik der Band ist zudem international in dem Sinne, dass die vier Musiker eben »klassische Rockmusik« machen, die keinerlei nationalen Grenzen folgt.

Ich habe die aktuelle Platte »Underdogs Are Go« angehört; mehrfach hintereinander übrigens. Es ist die dritte Platte der Band bereits, und man merkt ihr an, dass die Musiker wissen, was sie tun – und das seit Jahren.

Die Texte sind englischsprachig, die Instrumentierung könnte aus den 60er-Jahren stammen, und viele Melodien hätten gut in die 70er- und 80er-Jahre gepasst. Mancher Leser meines Blogs knirscht jetzt vielleicht mit den Zähnen, aber: Manchmal klingt die Band nach dem Bubblegum-Pop, der in der Mitte der 70er-Jahre viele junge Leute begeisterte, manchmal aber klingt sie, als wollte man Toto, Billy Joel und Peter Frampton aus der Gruft holen.

Meist wird der Sänger nach vorne gemischt, die anderen Musiker bilden einen Hintergrund-Chor; die Melodien sind schmissig und gefällig. Die Produktion kommt mir recht aufwendig vor, das ist gut gemacht und sollte auch breite Massen ansprechen. Recht schnell gehen die Melodien in die Ohren, wenngleich ich den Über-Hit für mich nicht rausgehört habe.

Ich gestehe: Mir ist Keegan dann zu oft zu gut produziert, zu glatt. Für mich fehlt das Rotzige und Dreckige, das Punkrock oder Rockmusik im Allgemeinen auszeichnet. Die Band kann man supergut anhören; begeistert hat sie mich nicht. Wer aber melodische Rockmusik mag, die einen starken Pop-Einschlag hat, für den ist diese Band bestens geeignet.

09 November 2014

Im Pub zu Karlsruhe

Als ich vor gut zwanzig Jahren nach Karlsruhe zog, erfuhr ich recht früh, dass es das »Café Wien« gibt. Nicht nur einmal fuhr ich mit dem Rad an der Kneipe vorbei und bekam mit, dass eine Veranstaltung drin stattfand – in all den Jahren war ich allerdings auch nie drin. Kein Wunder: Das Café galt als Studentenkneipe, und ein Student war ich schließlich nie.

Mittlerweile ist in den Räumlichkeiten das »Oxford Pub« drin, und dieser Tage verschlug es mich in Gesellschaft einiger Freunde und mit einer ordentlichen Menge Alkohol im Kopf in diese Kneipe. Es war laut, es waren haufenweise Leute anwesend, die Bedienungen waren ordentlich im Stress, und wir kippten uns alle fleißig Alkohol in den Kopf.

Es wurde ein gelungener Abend, und ich stellte ganz nebenbei fest, dass ich den Seniorenpreis in der Kneipe kassieren würde, wenn es einen an diesem Abend gäbe: Nicht unbedingt studentisch wirkte das Publikum, aber es sah deutlich jünger aus als ich.

Unsympathisch fand ich das nicht. Wer Lust auf einen lauten bierseligen Abend hat, ist im »Oxford Pub« sicher nicht schlecht verortet. Es gibt verschiedene Biere, dazu kommt eine reichhaltige Auswahl an Schnäpsen, Whiskys, Gin und Wodka – den geschmacklichen Erkundungen bei einem ordentlichen Alkohol-Abend steht also nichts im Wege.

Ich bezweifle trotzdem, dass es mich so schnell wieder ins »Oxford Pub« verschlagen wird. Letztlich muss ich auf den Preis für einen ordentlichen Abend schließlich noch die Kosten für ein Taxi schlagen – allein hätte ich es sicher nicht so einfach und komfortabel nach Hause geschafft.

08 November 2014

Eier aus Stahl

Wenn man über einen Mann sagt, dass er sich hinter sein Thema stellt und engagiert für seine Inhalte streitet, sagt man oftmals »der hat aber Eier«. Wenn einer wankelmütig ist und nichts auf die Reihe bekommt, sagt man auch gern über ihn, er habe »keine Eier«. Das mag sexistisch sein, aber die Ausdrücke gibt es nun einmal.

Wenn es gerade einen Mann mit Eiern aus Stahl ist, kann das nur Claus Weselsky sein. Man kann zu den aktuellen Streiks der Lokführer stehen, wie man will – der Mann hat eiserne Nerven, hält alle möglichen Anfeindungen aus, und allein dafür gebührt ihm Respekt.

Kein Schmarrn: Ob der Streik berechtigt oder nicht, hat damit nichts zu tun. Es geht um sein Durchhaltevermögen, auf seine Teflonpfannen-Attitüde; das muss man erst einmal hinkriegen, und das finde ich komplett respektabel. Da ziehe ich echt den Hut!

07 November 2014

Adolescents können's immer noch

Eigentlich ist stets ein gesundes Misstrauen angebracht, wenn eine der »klassischen« Bands der frühen Punkrock-Tage wieder auftaucht. Zu oft erlebte ich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mein blaues Wunder, wenn alternde Rocker auf der Bühne standen und einen fürchterlich langweilten.

Glücklicherweise zählten die Adolescents nie dazu. Das war eine der ganz alten kalifornischen Bands, die ihre ersten Aufnahmen in den Jahren 1980 bis 1983 auf Platten presste; eigentlich begründeten sie diesen typischen Kalifornien-Sound, mit dem ab den 90er-Jahren richtig Geld zu verdienen war.

Aber das ist heute egal. Wenn ich die Adolescents in den vergangenen Jahren gesehen habe, waren das stets überzeugende Live-Konzerte: schweißtreibend und amüsant zugleich. Und ihre Platte »Presumed Insolent«, die 2013 aufgenommen worden ist, schlägt genau in die Kerbe: Die Band macht einfach das, was sie schon anfangs der 80er-Jahre machte.

Auf der Platte gibt's treibenden Hardcore-Punk der alten Schule mit viel Melodie und Schmackes, ohne jegliches Metal-Gewichsel oder irgendwelches Emo-Gewimmer. Es sind nicht die Hits der frühen 80er-Jahre, die einfach durch die Jahrzehnte hindurch reifen konnten, aber es sind richtig gute Punkrock-Stücke, die mir richtig gut gefallen. Sehr gelungen, echt empfehlenswert!

06 November 2014

1989 wird wach

In diesen Tagen wird landauf, landab an den November 1989 erinnert. Ein Grund für mich, auch an diese Tage zurückzudenken, an die Ereignisse, die ich ab dem Sommer 1989 mit wachsendem Interesse beobachtete.

Ich hatte keinen Fernseher, ich las nur den »Spiegel« und meine Tageszeitung, und doch hatte ich das Gefühl, richtig »live« dabei zu sein. Wenn es ging, schaute ich bei Freunden und Bekannten die Nachrichten, weil ich die Bilder so aufregend fand: die Demonstrationen, die Botschaftsflüchtlinge in Prag und all die anderen Ereignisse in diesem Sommer und Herbst 1989.

Als die Mauer an diesem 9. November praktisch geöffnet wurde, bekam ich das recht schnell in Form von zwei Ereignissen mit: Sogar unsere Kleinstadt wurde von einer Welle von DDR-Bürgern überrollt. Über Nacht kamen über 200 Menschen an, die in einer Turnhalle untergebracht werden mussten. Ich schrieb dazu eine Reportage, weil mich das Thema so packte.

An diesem Wochenende hatten wir ein Punkrock-Konzert in unserem Jugendzentrum. Wenn ich mich recht erinnere, spielten Wizo aus Sindelfingen und Memento Mori aus Ludwigshafen. DDR-Bürger kamen, hielten ihre Ausweise hoch und baten darum, das Konzert anschauen zu dürfen. Wir ließen sie kostenlos rein, das war selbstverständlich.

Im Dezember kletterte ich dann über die Berliner Mauer, zerriss mir die Hose dabei, blieb auf der Mauer vor dem Brandenburger Tor stehen und genoss das Panorama. In meinem Reisepass hatte ich so einen Einreisestempel für die DDR mehr als einen Stempel für die Ausreise ... aber das ist eine andere Geschichte.

Ob das jetzt alles gut und richtig war, was 1989 und 1990 ablief, ist eine andere Frage. Mich bewegten die Ereignisse sehr, und ich schaue mit großem Interesse in diesen Tagen im Fernsehen – ich hab mittlerweile einen – die Dokumentationen an.

05 November 2014

Wie ein Drill-Sergeant

Pfiffe gellten durch die Schwimmhalle. »Schneller!«, schrie die Frau am Beckenrand und beugte sich zu den Jugendlichen hinunter, die vor ihr ihre Bahnen zogen. »Ihr müsst euch mehr anstrengen.«

Sie kam mir vor wie ein Drill-Sergeant aus einem amerikanischen Spielfilm; der Ton der Frau war militärisch und streng, sie pfiff und schrie. Die Jugendlichen im Wasser folgten ihren Anweisungen, sie schwammen und schienen dabei um jeden Meter zu kämpfen.

Für mich wäre das nichts gewesen. Nicht nur wegen des Tons, sondern auch wegen der Tatsache, dass ich ein richtig schlechter Schwimmer war und bin. Bis vor einem Dutzend Jahren hätte ich mich als »Fast-Nichtschwimmer« bezeichnet, weil ich nie richtig gelernt hatte, mich im Wasser zu bewegen; mittlerweile schaffe ich immerhin einige Bahnen, ohne kläglich abzusaufen.

Die stramme Trainerin allerdings, die die jungen Leute zu mehr Leistung anspornte, war mir unheimlich. Darauf hätte ich als Jugendlicher keine Lust gehabt, als Erwachsener erst recht nicht. Mit wachsender Verachtung nahm ich die Szene wahr, während ich mit quälender Langsamkeit meine Bahnen zog.

Bis mir irgendwann eines klar wurde: Hätte mich in meiner Jugend auch so eine stramme Trainerin unter ihre Fittiche genommen, wäre aus mir vielleicht ein passabler Schwimmer geworden, kein lahmer Durchdaswasserpaddler. Aber jetzt war's einfach zu spät ...

04 November 2014

Die Federwelt als Sommerheft

Während in mitteleuropäischen Breitengraden der fiese Regenherbst hereingebrochen ist, zeigt die Zeitschrift »Federwelt« auf dem Titelbild ihrer Ausgabe 107 immer noch eine sommerliche Impression: diverse Sonnenschirme, ein Badesee und diverse Menschen in sehr leichter Bekleidung. Manchmal ist es schon blöd, dass ich Zeitschriften nicht gleich lese, sondern erst peu à peu dazu komme – da krieg' ich dann schon vom Angucken des Titelbildes ein schlechtes Gefühl.

Glücklicherweise ist der von Anke Gasch zusammengestellte Inhalt von positiver Natur. Wie immer gibt die »Zeitschrift für Autorinnen und Autoren« allerlei wichtige Hinweise für das tägliche Schreiben von Texten sowie die eigene Vermarktung. Wobei ich Text über »Schreibspaziergänge«, die sich auf den Satz »Autoren, geht auch mal vor die Tür!« reduzieren ließen, vernachlässigbar finde.

Spannender sind eher Texte, in denen eine Autorin beispielsweise über die richtige Erzählperspektive schreibt: »Ich oder Sie? Er oder Ich?« Ebenso sinnvoll finde ich Artikel, in denen Tipps fürs Selbstlektorieren gegeben werden, oder die »Textküche«, in er diesmal gezeigt wird, wie man »richtig« mit Adjektiven und Adverbien »würzt«.

Schade finde ich, dass offenbar die Texte von Autorinnen und Autoren fehlen. Früher enthielt die Zeitschrift gelegentlich kurze Geschichten und Gedichte – das gefiel mir nie komplett, war aber stets interessant. Aber die neue Richtung der »Federwelt« gefällt mir trotzdem, und ich kann das 68 Seiten umfassende und reichhaltig illustrierte Heft jedem empfehlen.

(Mittlerweile ist die Nummer 108 auch schon erschienen; die Lektüre habe ich allerdings bisher nicht begonnen. So lange sollte sich jeder Mensch, der gerne schreibt, zumindest mal Gedanken über ein »Federwelt«-Abonnement machen. Weitere Informationen dazu gibt's auf der Internet-Seite.)

03 November 2014

Spencer aus der Schweiz

Dass die Schweiz eine lebendig-lebhafte Musik-Szene hat, weiß unsereins im »Großen Kanton« eh viel zu selten. Und dann kann ich eine Band mit einem für mich ungewöhnlichen Sound wie Spencer »entdecken«, weil ich ihre aktuelle Platte erhalten habe. Die dreiköpfige Band stammt aus Zürich und macht etwas, das man vielleicht als Mischung aus Britpop der 90er-Jahre und den Wave-Sound der 80er-Jahre bezeichnen könnte.

Die Musik ist rockig, ganz klar, sie bleibt in einer mittleren Geschwindigkeit und bringt einen als Hörer ohne Stress durch die gefällig instrumentierten Stücke. Was sich hier so negativ anhört, ist gar nicht so gemeint: Die Musiker wissen, was sie tun, sie können mit ihren Instrumenten umgehen und schaffen es, richtig gute Melodien zu schreiben, die sie sehr gut präsentieren. Dass das wenig von der Rasanz einer Hardcore-Band hat, liegt auf der Hand.

Bei den englischsprachigen Texten bleibt die Band auf der sicheren Seite: keine politischen Parolen, was nicht überrascht, aber auch keine sülzig-süßlichen Texte, eher nachdenkliche Aussagen und an die Wave der 80er-Jahre erinnernde Zeilen. Wer von den »Shadows Through The Curtains« singt, hat in seiner Jugend sicher viel The Cure und Nick Cave gehört.

Die Band ist trotz aller Vergleiche eigenständig genug, die Platte bietet einiges an Hitqualität. Warum läuft eigentlich so was nicht im Radio?

Bunt gemischte Radiosendung

Wieder einmal musste ich meine Radiosendung für den örtlichen Sender Querfunk mit heißer Nadel stricken. Ich hatte für den Sonntag, 2. November, ein vergleichsweise schlichtes Thema geplant: Punk/HC aus deutschen Landen, sehr bunt gemischt – so sollte es sein, und so wurde es auch. Aber dass ich die Sendung sehr kurzfristig zusammenstellte, bereitete mir in der Vorbereitung einigen Stress.

Musikalisch ging es dann eine Stunde lang ebenso quer durchs Gelände wie geografisch: Bands aus Norddeutschland herrschten allerdings vor, der Süden war unterrepräsentiert. Immerhin gab's mit Light Your Anchor starken Hardcore-Punk aus Hamburg und Escapado sehr guten Emocore aus Flensburg.

Für die Melodie-Freunde schickte ich Kick Joneses aus Kaiserslautern, Köln und anderswo auf den Plattenteller. Wer eher Deutschpunk mag, dem bescherte ich Rasta Knast aus Hannover und Hamburg sowie Pascow aus dem Saarland.

Sogar Oi! sowie Streetpunk gab's auf die Ohren: eine tüchtige Dosis Riot Company aus Hildesheim und die rotzigen Detectors aus Neumünster. Ganz zu Schluss ließ ich Bonehouse mit ihrem metallischen Sound aus den Boxen rotzen – danach klang die Jazz-Sendung umso melodischer und feinsinniger.

Eine schöne Mischung war's unterm Strich doch: vielleicht nicht konzeptionell und technisch auf der Höhe der Zeit, aber mir machte es Spaß. Hoffentlich dann auch den Hörerinnen und Hörern.

02 November 2014

Ruhe versus Unruhe

Gelegentlich packt mich in diesen Tagen die Empfindung, dass mein Leben ganz schön brav und langweilig geworden ist – man könnte auch sagen, es sei bürgerlich geworden: Ich gehe zur Arbeit, ich kümmere mich abends meist auch um arbeitstechnische Dinge und verbringe viele Wochenenden damit, Manuskripte und andere Texte zu lesen oder sie zu bearbeiten. Sonderlich »punkig« ist das nun wirklich nicht.

Schaue ich zwanzig Jahre in die Vergangenheit, erkenne ich, wie sich vieles verändert hat. Bei vielen Wochenenden wusste ich nicht, wo ich am Sonntag morgen aufwachen würde – vielleicht in einer Polizeizelle oder in einer Absturz-WG? –, und die gelegentlichen körperlichen Auseinandersetzungen in Verbindung mit viel zu viel Alkohol brachten es mit sich, dass ich wenig Hirn für teures Essen und schönen Rotwein aufbringen konnte.

Schöner Nebeneffekt: Vor zwanzig Jahren futterte ich wie ein Scheunendrescher und nahm nicht zu ... Der schöne Nebeneffekt heute: Ich schleppe mich montags nicht mit Beulen auf dem Hinterkopf oder grüngetretenen Schienbeinen zur Arbeit. Und ich muss nicht dienstags anrufen und mir für mein Fehlen am Vortag eine schlaue Entschuldigung ausdenken.

Wahrscheinlich ist das normal: Wer älter wird, bekommt eine gewisse Ruhe, der Bauch scheint unweigerlich zu wachsen. Dass ich nicht so richtig zufrieden bin, ist da doch geradezu beruhigend ...

31 Oktober 2014

Hungerfield

»Aus diesem Grunde / Will ich wieder Verse schmieden, um die Erinnerung / Für einen Augenblick in Schlaf zu legen ...« Das ist ein Auszug aus dem langen Gedicht »Hungerfield« des amerikanischen Schriftstellers Robinson Jeffers, von dem ich bis vor etwa zwei Jahren nicht einmal den Namen kannte.

Dann aber erfuhr ich, dass der in Karlsruhe lebende Science-Fiction-Autor Matthias Falke »ganz nebenbei« die Gedichtsbände des bereits 1962 verstorbenen Lyrikers als Privatdrucke übersetzt und veröffentlicht. Seither lese ich immer wieder darin, und dieser Tage beendete ich die Lektüre von »Hungerfield und andere Gedichte«.

Das Büchlein ist gerade einmal fünfzig Seiten stark und enthält neben dem langen Erzählgedicht, das dem Buch seinen Titel verliehen hat, einige andere Texte. Diese haben mir besser gefallen: Bei »Hungerfield«, dem traurigen Text über Tod und Sterbende, benötigte ich zahlreiche Anläufe, um üerhaupt auch nur in das Gedicht hineinzukommen.

Die kürzeren Texte beschäftigen sich ebenfalls mit dem Tod, wenngleich in kürzerer und damit nachvollziehbarer Form. Der Korea-Krieg, der zu dem Zeitpunkt tobte, als Jeffers diese Texte verfasste, spielt immer wieder eine Rolle; darüber hinaus thematisiert er oftmals den Tod seiner Frau.

Ich bin kein Experte für Übersetzungen, hatte bei der Lektüre aber stets das Gefühl, dass Matthias Falke sehr sauber und exakt gearbeitet hat. Die rhythmische Sprache des amerikanischen Originals kommt gut rüber, die literarischen Vergleiche wirken stimmig – eine eindrucksvolle, wenngleich nicht gerade einfache Lektüre also.

SO 36 und die Terrorbuben

Keine Ahnung, wann ich zum ersten Mal die Terrorgruppe gesehen habe; es war in den 90er-Jahren, und sie hatten damals nur eine Kassette, die ich von Zündi in die Finger gedrückt bekam. Ich habe auch keine Ahnung mehr, wann ich zum ersten Mal im SO 36 in Berlin-Kreuzberg auf einem Konzert war; das muss logischerweise irgendwann in den 80er-Jahren gewesen sein. Nach all den Jahren verwischen sich dann doch sehr viele Erinnerungen.

Weil das SO 36 in diesem Jahr ein schönes Jubiläum zu feiern hatte – zweimal volljährig nämlich –, gsab die Terrorgruppe ein mehr oder weniger spontanes Konzert vor dem Eingang des Musik-Clubs. Gespielt wurde das sowieso ziemlich coole Stück »Na endlich!«, das ganze kann man sich mittlerweile auch auf Youtube angucken. Finde ich alles gut!

30 Oktober 2014

Hipster mal wieder

Heute im Zug: Der junge Mann trug einen Hipsterbart und eine coole Mütze; also das, was man heute wohl für cool hält. Er machte einen netten Eindruck, wir schauten, dass wir uns gegenseitig nicht auf die Füße traten; mehr muss man nicht miteinander kommunizieren.

Als mir allerdings seine Jacke auffiel, hätte ich fast etwas gesagt. Er trug eine Bundeswehrjacke, was grundsätzlich völlig in Ordnung ist, weil die Dinger erstens bequem und zweitens stabil sind. Aber er hatte noch die Deutschlandfahne am Ärmel.

Das passt doch nicht. Das ist doch nicht modisch und nicht cool. Da passen doch nicht der Fusselbart und die Mütze dazu. Muss ich jetzt etwa anfangen, jungen Hipstern irgendwelche Modetipps zu geben? Ich bin echt verwirrt.

29 Oktober 2014

Scheisse Minnelli zum vierten Mal

Wer auf den mittlerweile schon klassischen Hardcore-Punk steht, wie er ab der Mitte der 80er-Jahre aus den USA nach Europa herüberschwappte, für den ist die Band Scheisse Minnelli sicher keine Überraschung mehr. Die Band mit ihrem amerikanischen Sänger steht für ruppigen Sound mit ebendieser Musik, und sie spielt sich seit vielen Jahren den Arsch ab – mit »Sorry State Of Affairs« liegt jetzt die vierte Platte der Band vor.

Seien wir ehrlich: Wer musikalischen Fortschritt erwartet hat, der ist schief gewickelt. Der Sänger drückt mit seiner Stimme die Stücke durch, die Band rotzt rasant dazu ihre schnellen Riffs; das ganze ist durchaus melodisch, wenngleich die Melodien eher von der angepissten Sorte sind.

Der Sound ist knallig und auf den Punkt gemacht, das macht Laune. Er geht nicht so gut ins Ohr; auch wenn die Stücke überzeugen, fehlt der »Hit«, der den speziellen Charakter bestimmen würde. Ausgerechnet die Cover-Version von »In The Ghetto« hat so etwas zumindest ansatzweise zu bieten.

Hin wie her: Die Band ist krachig und gut, vor allem live überzeugt sie. Dass die Platte keine weiteren Überraschungen zu bieten hat, kann man ja durchaus auch als positiv bewerten ...

Deppen in Köln

Da marschieren am Wochenende also einige tausend Nazi-Schläger, Hooligans und »unpolitische« Fußballfans durch Köln, legen sich mit der Polizei ein, werfen unter anderem ein Fahrzeug um und werden dann von Wasserwerfern auseinander getrieben. Jetzt ist die Betroffenheit groß. Völllig irritiert stellen die Medien fest, dass es Nazis gibt und dass diese auch noch – huch! – gewaltbereit sind.

Was ich nicht so richtig verstehe, ist bei aller Aufgeregtheit wieder einmal die Polizei. Man weiß doch eigentlich, dass Hooligans – auch diejenigen, die »echt unpolitisch« sind und nicht nur tun – schon ganz gern prügeln, und man könnte als Polizist doch aus der Schule wissen, dass Nazis generell zu Gewalt neigen.

Das sind Dinge, die weiß man. Dazu braucht man kein Studium, keinen Geheimdienst und kein  Wikipedia. Und dann stellt man einem Mob von viereinhalbtausend gewaltbereiten Typen eine Truppe von 1300 Polizisten entgegen.

Ich erinnere mich an Demos in den 90er-Jahren, da standen – Rastatt im Spätjahr 1993 – gerade mal 800 Autonomen und Punks rund 1500 Polizisten gegenüber. Ich erinnere mich an die Chaostage in Hannover, als 1995 und 1996 rund 5000 Polizisten in die niedersächsische Metropole kommandiert wurden, um einige tausend Punks zu »bekämpfen«. (Das sah dann gern mal so aus, dass drei Polizisten einen Jugendlichen zusammendroschen.)

Und jetzt? Im Jahr 2014 kann ein gewalt- und meiner Ansicht auch mordbereiter Mob durch Köln marschieren. Seine Teilnehmer reisen ungehindert an und ab; die Gegendemonstration fällt kaum auf, die Polizei glänzt durch Hilflosigkeit und feiert hinterher ihre angeblich so erfolgreiche Strategie.

Wie so oft frage ich mich nur eines: Können die Cops jetzt nicht mehr rechnen, oder wollen die nicht mehr? Wer hat hier – Vorsichtig,Verschwörungstheorie! – wieder einmal im Hintergrund an welchen Fäden gezogen und warum?

28 Oktober 2014

Equalizer

Denzel Washington ist einer der amerikanischen Schauspieler, die irgendwie alles spielen können: ein wandernder Mann in einem zerfallenden Amerika der Zukunft (»Book of Eli«), einen saufenden Flugkapitän (»Flight«), einen fiesen Polizisten (»Training Day«) und jetzt eben einen harmlos wirkenden Mann mit grauen Haaren, der auf einmal zu einer Killermaschine wird. Die Rede ist vom neuen Action-Film aus Hollywood, den ich dieser Tafge gesehen habe – »The Equalizer«.

Um es vorwegzunehmen: Der Film ist nichts für Leute, die Gewalt im Kino verabscheuen. Er ist aber auch nichts für die Leute, die Tarantino-Filme mögen, weil in denen Gewalt »so witzig« dargestellt wird. »The Equalizer« ist gewalttätig, zeitweise sehr extrem, aber die Gewalt wird nicht als fröhlicher Selbstzweck geschildert.

Dazu besteht sowieso kein Grund. Denzel Washington spielt einen Mann, der ein sehr gemütliches Dasein als Baumarkt-Angestellter fristet. Nebenbei hilft er einem Kollegen dabei, sich auf eine Prüfung als Wachmann vorzubereiten, und nachts sitzt er in einer Eckkneipe, trinkt Tee und liest klassische Literatur.

Dort lernt er eine jugendliche Prostituierte kennen; er bekommt mit, wie sie von russischen Gangstern misshandelt wird, und er beschließt, ihr zu helfen. Und ganz schnell wird aus der Hilfe ein gnadenloser Kampf, in dem es haufenweise Tote gibt. (Als Zuschauer lernt man übrigens, welche Mordwaffen man so in einem Baumarkt finden kann ...)

Der Film ist vor allem in der ersten Hälfte unglaublich spannend. Man kann sich als Zuschauer kaum vorstellen, wie der Held aus seiner Miserie herauskommen kann. In der zweiten Hälfte wird einiges klarer – dann ist es immer noch ein gnadenloser Action-Film, aber ich fand ihn nicht mehr ganz so spannend.

Klasse gemacht ist er trotzdem. Regisseur Antoine Fuqua setzt seinen Hauptdarsteller ebenso gut in Szene wie seinen russischen Gegenspieler. Wuchtige Effekte und Geräusche sowie eine modern-passende Musik sorgen dafür, dass einem beim Zuschauen zeitweise der Atem wegbleibt. Ich fand den Film stark – eine Fortsetzung ist bereits angekündigt, aber die braucht es eigentlich nicht.

25 Oktober 2014

Schreibziele 2014

Der Sommer 2014 war für mich aufgrund der Arbeitsbelastung eine echte Tortur: Ich kaum dazu, Sport zu treiben, mit dem Fahrrad durch die Gegend zu düsen oder groß auf Krachkonzerte zu gehen. Noch weniger Zeit bestand in den vergangenen Monaten dazu, eigene Texte zu schreiben; ich verbrachte einen großen Teil der freien Zeit damit, Manuskripte für die Firma zu lesen und Texte für die Firma zu schreiben. Das soll hier kein Gejammer sein, das ist eine Beschreibung der Tatsachen.

Immerhin versprechen die nächsten Monate ein wenig Erholung: Eine der Serien, die ich betreut habe, wird nach zwölf Ausgaben zum vereinbarten Ende gebracht; das schafft ein wenig mehr freie Zeit. Das führt hoffentlich dazu, dass ich wieder einige Texte schreiben kann.

Denn das ist ja eigentlich das, was ich machen möchte: eigene Geschichten erzählen. Es geht mir dabei gar nicht darum, hohe Auflagen und Verkäufe zu erzielen; es geht mir um das Schreiben und das Erzählen und meinetwegen auch das Veröffentlichen. Schauen wir mal, dass 2014 nicht ganz so katastrophal wird, wie es sich zeitweise anfühlte ...

24 Oktober 2014

Eine Zukunft für Peter?

Auch wenn in der Folge 52 meines Fortsetzungsromans »Peter Pank und: Hardcore!« so viel gar nicht passiert, was erwähnenswert wäre, ist sie doch wichtig für die innere Entwicklung des Helden: Meine Hauptfigur, die in zwei Büchern und einem derzeit im OX laufenden Fortsetzungsroman immer wieder von den Ereignissen angestoßen und in eine bestimmte Richtung bewegt worden ist, muss für sich wohl endlich eine neue Zukunft finden ...

Auf jeden Fall geht es in der Ausgabe 116 des OX-Fanzines – damit rechnete vor einem Vierteljahrhundert ja auch niemand ... – erst einmal weiter mit dem Ausspionieren örtlicher Nazi-Strukturen. Peter Pank, der erst zwei Folgen vorher zusammengeschlagen worden ist, schnüffelt mit seinen Begleitern hinter einer rechtsradikalen Parteiveranstaltung her und begibt sich auf Erkundungsmission in den Wald.

Seien wir ehrlich: Der Fortsetzungsroman neigt sich langsam seinem Ende, mehr als drei Folgen dürften es kaum noch werden. Und ich mache mir in diesen Tagen natürlich intensive Gedanken dazu, wie es danach weitergeht: mit mir, dem Peter Pank und dem OX-Fanzine ...

23 Oktober 2014

Die Kennedy-Geschichte mal anders

Seit ich die »Watchmen«-Comics in den späten 80er-Jahren zum ersten Mal gelesen habe, fasziniert mich diese Serie: Alan Moore und Dave Gibbon schufen damit einen Comic, der den Zeitgeist der 80er-Jahre einfängt und mit allerlei Superhelden-Mythen verbindet. Das Werk kann meiner Ansicht nach nicht ohne den Hintergrund dieses Jahrzehnts gelesen und verstanden werde.

Weil ich Fan bin, habe ich mir die einzelnen Miniserien um »Before Watchmen«, die im Jahr 2013 erschienen sind, allesamt als Paperbacks gekauft. Weil ich aber die verheerenden Kritiken kenne, habe ich lange Zeit die Finger davon gelassen. Bis ich dieser Tage endlich mal »Comedian« in der Hand hielt ...

Die Figur des psychopathisch wirkenden Comedian, der eigentlich keine Superhelden-Fähigkeiten hat und sich eher als dauergrinsender Soldat präsentiert, dient im eigentlichen »Watchmen« als Auslöser der ganzen Geschichte. Im Sechsteiler, den Brian Azzarello geschrieben und J. G. Jones geschrieben hat, wird nun die Vorgeschichte erzählt.

Das ist nicht so schlecht, wie viele Kritiker es sagen. Der Comedian ist ein fieser Kerl, ein Killer mit schweren Waffen. Im Vietnamkrieg schlachtet er Zivilisten ab, an der Heimatfront ist er mit der Familie Kennedy befreundet und bekommt mit, was hinter den Kulissen der Macht alles geschieht.

Azzarellos Geschichte ist finster und gemein; sie lässt weder ein gutes Haar an der Figur des Comedian noch an der amerikanischen Politik. Damit passt die »Comedian«-Miniserie hervorragend ins »Watchmen«-Universum und ergänzt es durch eine spannende Vorgeschichte; dass die nicht immer glasklar erzählt wird und man zeitaktuelle Vorkenntnisse benötigt, um alles zu verstehen, ist dabei wenig geschickt.

J. G. Jones liefert lllustrationen, die das Sterben in Vietnam und das Lieben in Washington in knalligen Bildern zeigen; dabei entsteht eine Geschichte, die sehr wohl ihren eigenen Sog erzeugt. Ich habe mich sehr gut unterhalten und verstehe einen Teil der Abneigung überhaupt nicht.

Natürlich sind die eigentlichen »Watchmen« um Längen besser, und selbstverständlich braucht niemand das Paperback mit den sechs Comic-Bänden zum »Comedian«. Wer sich aber darauf einlässt, weil er das Universum mag, das Moore und Gibbons erschaffen haben, dem dürfte die Geschichte dennoch gut gefallen.

(Wer reingucken mag: Auf der Seite des deutschsprachigen Verlage steht eine kostenlose Leseprobe bereit.)

22 Oktober 2014

Rat Ciy Riot aus San Diego

Ich gestehe, dass mir Rat City Riot aus der kalifornischen Metropole San Diego bis vor wenigen Wochen noch unbekannt war. Dann bekam ich aus Quellen, die ich vergessen habe, eine CD der Band – wahrscheinlich war es eine Beilage zu einem Punkrock-Heft. Auf der CD befinden sich Aufnahmen eines offenbar großartigen Konzerts, das die Band im August 2012 im »Wild At Heart« in Berlin gegeben hat.

Was die fünf Burschen aus Südkalifornien bieten, ist rotziger Streetpunk der aktuellen amerikanischen Schule. Die Stücke kommen ohne unnötige Soli aus und verzichten auf das Geschunkel, das viele der sogenannten Streetpunk-Bands immer wieder gern einbauen. Stattdessen wird kompetent nach vorne gebolzt, der Sänger brüllt ordentlich ins Mikrofon, und dazwischen gibt es kurze Ansagen.

Die Band wirkt bestens aufgelegt, das Publikum macht einen gut gelaunten Eindruck; in dem Club in Berlin scheint die Stimmung echt klasse gewesen zu sein. Alles in allem ist diese Live-CD ein Beleg für modernen Punkrock, der sehr wohl die alten Vorbilder kennt, ihnen aber nicht nachtrauert.

Mag sein, dass die Band nicht schreiend neu und superoriginell klingt – aber es ist großartiger Punkrock mit viel Melodie und Schmackes, zu dem man eigentlich ordentlich Pogo tanzen müsste. Ich höre die CD dauernd im Auto und muss mich eher beherrschen, damit ich nicht zu schnell fahre ...

Fanzine in Farbe und bunt

Einen entspannten und fröhlichen Eindruck hinterlassen die Mitglieder des Atlan-Clubs Deutschland, die in diesem Sommer ihren ACD-Jahrescon feierten. Das zumindest belegt die Ausgabe 230 des Fanzines »Intravenös«, die bereits im September erschienen ist, die ich aber erst dieser Tage gelesen habe.

Insgesamt 16 farbige Fotoseiten liefern einen Rückblick auf einen echt fannischen Con, der mit schönem Wetter und amüsierten Gesichtern glänzte. Da bekomme ich glatt mal wieder Lust, auf einen ACD-Con zu fahren; ich erinnere mich schon nicht mehr daran, wann ich das zum letzten Mal getan habe.

Darüber hinaus liefert das 40 Seiten umfassende Club-Fanzine augenzwinkernde und durchaus herzerfrischende Einblicke in einen nach wie vor aktiven Science-Fiction-Verein, den es seit den 80er-Jahren gibt. Die meisten Mitglieder nehmen das Club-Leben nicht sonderlich ernst, weil sie ein »richtiges Leben« führen; das merkt man, denn das macht die Sache gleich viel entspannter.

Ein schönes Fanzine, das ich gern gelesen habe. Ach ja, von mir ist auch ein Text enthalten: »Genannt: Katze« ist ein Textfragment aus dem Jahr 1986, das ich hier präsentiere und mit einigen Kommentaren aus der heutigen Zeit versehe. Mal schauen, wie das die anderen »Intra«-Leser so finden ...

21 Oktober 2014

Gut lesbares, gut recherchiertes Sachbuch

Dass ich Bücher nicht unbedingt immer gleich zum Erscheinen lese, das ist keine neue Erscheinung; manchmal liegen sie jahrelang in einem Stapel und warten darauf, dass ich sie herausfische. Das geschah im Spätsommer 2014 mit einem Sachbuch, das bereits acht Jahre zuvor erschienen war und zu dem ich sogar ein Vorwort beigesteuert hatte. Die Rede ist von »Star Trek 40 Jahre«, das von dem Autorenduo Thomas Höhl und Mike Hillenbrand verfasst worden ist.

Ich bin weder ein »Star Trek«-Fan noch auch nur andeutungsweise ein Experte für diese Science-Fiction-Serie mit all ihrem Umfeld. Ich stehe ihr mit großer Sympathie gegenüber, wenngleich ich wahrscheinlich nicht mehr als drei Dutzend Episoden gesehen habe: seit den 70er-Jahren wohlgemerkt und verteilt über diverse Serien.

Das macht aber nichts: Das Buch ist weder ein dröger »Episoden-Guide«, in dem haarklein irgendwelche Folgen nacherzählt werden, noch kann man es als bierernste Auseinandersetzung mit »Star Trek« betrachten. Stattdessen beleuchten die beiden Autoren mit viel Sachverstand, einer tüchtigen Prise Ironie und absolut gelungenem Sprachstil die »Star Trek«-Phänomene der vergangenen Jahrzehnte.

Sie spüren den Mythen der Serie nach, sie präsentieren besonders ausgefallene Peinlichkeiten der Synchronisation, sie lassen die Fans zu Wort kommen und stellen die Schauspieler und wichtigen Leute der Serie in Interviews dar. Das ganze wird gefällig präsentiert, ist einfach richtig gut geschrieben und hinterlässt bei mir zudem den Eindruck, es sei hervorragend recherchiert.

Mir scheint, es handelt sich hierbei um ein astreines Sachbuch, wie ich es lerne: Fast spielerisch werden Informationen vermittelt, die dem Hardcore-Fan wahrscheinlich zu einem großen Teil bekannt sind, mir aber wirklich neue Hintergründe zeigen. So etwas mag ich, so etwas gibt es viel zu wenig.

Umso unverständlicher, dass es von dem Buch seit 2006 offensichtlich weder eine Neuauflage noch eine E-Book-Version gegeben hat. Das würde dann aber bitteschön Zeit – bevor »Star Trek« so ganz klammheimlich seine fünfzig Jahre erreicht ...

20 Oktober 2014

Die Pralinen-Überraschung

Als ich vor bald zehn Jahren zum ersten Mal in Belgien weilte, wurde ich ein großer Fan der belgischen Pralinen. In jeder Stadt musste ich die Leckereien aus Schokolade probieren, und meist war ich sehr davon angetan. Über Kalorien, Joule, Zuckergehalt und anderen Kram machte ich mir keine großen Gedanken – warum auch? Wichtig war mir, dass es schmeckte.

In diesem Frühherbst kaufte ich wieder Pralinen. In einem Fachgeschäft, das allgemein empfohlen worden ist und vor dem die Leute echt Schlange standen, kaufte ich ordentlich ein. Und daheim verspeiste ich die Pralinen, um eine Überraschung nach der anderen zu erhalten.

Die Dinger waren gar nicht mehr so lecker wie vor zehn Jahren, die waren gar nicht so toll wie in meiner Erinnerung! Wie das?

Seither rätsle ich, ob sich mein Geschmack in all den Jahren so verändert hat oder ob mich damals einfach die Urlaubslaune überwältigte. Oder ob es daran liegt, dass es in Karlsruhe eine Reihe von Konditoreien gibt, die selbstgemachte Pralinen von hoher Qualität anbieten. Die schmecken dann möglicherweise einfach besser als die hochgelobten Produkte aus Belgien.

Fakt ist, dass ich Pralinen »vom Endle« oder aus dem Kaffeehaus Schmidt, von »Mary Poppins« oder vom »Ludwig's« nach wie vor schätze. Wenn ich diese Läden sehe, mache ich idealerweise einen großen Bogen um sie – damit ich kein Geld dort liegen lasse. Aber mein Geschmack sagt mir, dass sie mir besser munden als hochgelobte Pralinen aus Belgien.

Grundsätzlich hat sich mein Geschmack übrigens nicht geändert. Leckeres Trappisten- oder Blond-Bier, das ich in Belgien gekauft habe, ist auch in Süddeutschlandn noch lecker. Ich muss mir also keine grundsätzlichen Sorgen um mich machen ...

19 Oktober 2014

Harper, Cora und die Zukunft

Zu den Themen, die auf der diesjährigen Buchmesse durchaus aufgeregt diskutiert wurden, zählte der direkte Einstieg von HarperCollins in den deutschsprachigen Buchmarkt. Das wird schließlich nicht ohne Auswirkungen auf Agenten und Autoren, auf Verlage und Kunden haben – und ist im Zuge der allgemeinen Globalisierung nicht uninteressant.

Um es kurz zu erläutern: HarperCollins, weltweit einer der ganz großen Literaturverlage, hat hierzulande bisher seine Rechte an die einschlägigen Verlage verkauft, an die Randomhouse-Gruppe ebenso wie an die anderen Gruppen oder an eigenständige Häuser. Jetzt aber will man direkt in den jeweiligen Ländern aktiv werden, darunter in Deutschland.

Davor hat man schlauerweise die kanadische Verlagsgruppe Harlequin übernommen und ist damit hierzulande mit einem Fuß in der Tür. Harlequin ist im deutschsprachigen Markt nämlich mit den Taschenheften von Cora und den Taschenbüchern von Mira aktiv – mit einem Schlag steht HarperCollins also in Hamburg am Valentinskamp, verfügt über einen existierenden Vertrieb im Buch- und Zeitschriftenhandel und vor allem über ein hervorragendes Standbein im E-Book-Sektor.

Von Hamburg aus soll HarperCollins Germany dann mal fünfzig Titel pro Jahr in den Handel schieben – vorerst nur in der Belletristik. Los soll es im Herbst 2015 gehen, und als erster Titel kommt ein Roman von Daniel Silva. Der Autor wurde bisher von Piper und dessen Imprint Pendo gepflegt; das dürfte in der Georgenstraße in München nicht gerade für Vergnügen gesorgt haben.

Wie es weitergeht, weiß noch keiner; spannend ist das allemal. Warum sollen sich Verlage in den heutigen Zeiten die Erfolge mit Partnern teilen, wenn sie selbst das Lektorat, den Vertrieb und das Marketing steuern können? Vor allem, wenn sie auch noch indirekt bereits auf dem hiesigen Markt aktiv sind?

Aus der Sicht von HarperCollins ist das alles folgerichtig und korrekt. Die deutschsprachigen Verlage müssen sich allerdings jetzt überlegen, wie es für sie weitergeht. Und die anderen amerikanischen Verlage werden sich genau anschauen, wie das für HarperCollins weitergeht: Warum sollten sie dem Beispiel nicht folgen, wenn es gut funktionieren sollte?