22 April 2014

Peter mit Nummer 49

Mit den Arbeiten am »Peter Pank«-Mythos habe ich vor gut zwanzig Jahren angefangen – damals noch für das »Zap«-Fanzine, das es schon seit langem nicht mehr gibt. Seit vielen Jahren schreibe ich den Fortsetzungsroman um den manchmal arg planlosen Punkrocker Peter Meißner alias Peter Pank nun für das »Ox«-Fanzine, und in der aktuellen Nummer 113 ist der Fortsetzungsabschnitt Nummer 49 enthalten.

Es ist eine knallige Episode: Knallkörper explodieren im Wald, und der Held kriegt von einer Bande Skinheads unordentlich auf die Fresse. Am Ende steckt Peter Pank in einer aussichtslosen Situation, aus der ich ihn dann in Folge 50 irgendwie herausholen muss – glücklicherweise plane ich ja besser im voraus als mein Held ...

18 April 2014

Putzfrauengeschwader

Manchmal verwischen sich im eigenen Hirn ja die Erlebnisse, die man hatte, mit den Erlebnissen, die man gerne gehabt hätte. Das ist, soweit ich weiß, ganz normal und kein Grund, sich dafür zu schämen. Das erklärt, warum so viele Alt-68er glauben, sie seien mit Rudi Dutschke in der ersten Reihe gelaufen, und das erklärt auch, warum so viele Alt-Punks behaupten, sie hätten die Sex Pistols in London gesehen, zu einem Zeitpunkt wohlgemerkt, an dem die genannten Alt-Punks gerade mal im Kindergartenalter waren.

Bei mir wird's derzeit noch zusätzlich erschwert, weil ich an Kurzgeschichten arbeite, deren Grundlage häufig irgendwelche Texte aus meinem Fanzine ENPUNKT sind. Ganz aktuell: »Das Putzfrauengeschwader«. Lese ich den Text von damals, der ja sowieso nie eine seriöse Berichterstattung enthielt, hat er wenig mit meinen Erinnerungen zu tun.

Das einzige, was ich sinnvollerweise machen kann und auch tue: Ich nehme Bestandteile der Erinnerung und der Geschichte und mache kurzerhand etwas völlig Neues draus. Mit den wahren Begebenheiten hat das dann nichts mehr zu tun. Wenn dabei aber eine unterhaltsame Kurzgeschichte herauskommen sollte, ist mir das völlig recht.

17 April 2014

Brasilianer in der Hackerei

»Du bist der zwölfte«, wurde ich am Eingang der »Alten Hackerei« in Karlsruhe besucht. Am gestrigen Mittwoch, 16. April 2014, schienen sich nur wenige für den Auftritt der brasilianischen Band Statues On Fire zu interessieren. Die zahlenden Gäste und die Freunde des Hauses bildeten einen sehr überschaubaren Mob von maximal zwei Dutzend Leuten.

Das war schade, denn die Brasilianer ließen es ordentlich krachen. Vor allem der Sänger ließ sich nicht von unserer schlappen Stimmung beeindrucken und schmetterte seine Stücke voller Energie in den fast leeren Raum. Musikalisch lässt sich die Band nicht so klar eingrenzen: Manchmal ist es klassischer Punkrock mit Melodie und viel Gebretter, dann wieder machen die Gitarren einen Ausflug in die Metal- und Hardrock-Ecke, und gelegentlich scheint mir bei manchen Stücken eine Emo-Kante durchzubrechen.

Die Ansagen brachte die Band in englischer Sprache, die Texte selbst sind es ja auch. Und immerhin gaben die vier aus Südamerika gegen Ende noch eine Zugabe von drei Stücken – das war ja mehr, als wir an diesem Abend eigentlich verdient hatten. Aber die paar Besucher, die da waren, sahen auf jeden Fall eine richtig gute Band.

Ich bekam nach dem Konzert noch mein Brett weg. Der T-Shirt- und Plattenverkäufer entpuppte sich als alter Bekannter aus Köln, der bei diversen Bands trommelt. Er begrüßte mich mit den freundlichen Worten: »Du bist aber fett geworden.« Ich murmelte etwas von »bin schon alt«, schämte mich ausgiebig und gab mir hinterher auf dem Fahrrad besonders große Mühe, schnell und angestrengt zu strampeln.

16 April 2014

Fahrt nach Musandam

Bei Diba überquerten wir die Grenze zwischen dem Emirat Fujairah und dem nördlichen Teil des Oman; jetzt waren wir in Musandam, dem Gouvernement, das den nördlichsten Teil des Staates Oman bildete, eine Halbsinsel, von der man aus den Zugang zum Persischen Golf sperren könnte, wenn man wollte. Das hatten wir natürlich nicht vor ... in diesem November 2009 wollten wir stattdessen die Küste besichtigen.

Wir hatten die Fahrt ganz offiziell in Fujairah gebucht und mit einem örtlichen Reiseunternehmer angetreten. Mit uns fuhr eine bunte Mischung aus Russen, Engländern und Deutschen; der Fahrer des Minibusses verstand nur wenige Worte Englisch und schien auch sonst wenig gesprächig zu sein. Aber er brachte uns nach Diba, er schaffte uns über die Grenze, und in seiner Obhut erreichten wir auch den Hafen der kleinen Stadt.

Dort wurden wir auf eine Dhau gebeten, ein arabisches Segelschiff also, das allerdings zusätzlich mit einem Motor ausgestattet war – die Segel machten vor allem einen folkloristischen Eindruck. Mit diesem Schiff ging es an der Küste von Musandam entlang in Richtung Norden, vorbei an schroffen Steilküsten und kleinen Buchten.

Vögel schwirrten von ihren Nestern an der Steilküste auf, im kristallklaren Wasser sahen wir die Fische. Später ankerte das Schiff in einer Buch, wir schnorchelten und badeten, und als wir zurückkamen, gab's Falafel und Salat sowie irgendwelche Fruchtsäfte an Bord des Schiffes. Ich aß auch den Salat und hatte keinerlei Probleme, andere waren da ein wenig zimperlich.

Gemütlich ging es wieder zurück, wir dösten an Bord des Schiffes. Vor allem die Russen, die mit uns fuhren, wollten unbedingt fischen und angeln; sie nervten den Kapitän und die Besatzung, die teilweise nicht verstand, was die Reisenden von ihnen wollten.

Wir gammelten unter dem Sonnensegel am Deck, betrachteten träge die Landschaft, die treibenden Wolken am Himmel und das herrliche Wasser. Es war ein gemütlicher, ein sehr erholsamer und richtig schöner Tag in Musandam am Indischen Ozean ...

15 April 2014

Spannender Blick in die 60er-Jahre

»Kandidat Nixon hat das Niveau einer gebückten Kaulquappe. Das wird noch vielen wehtun, falls er nächstes Jahr drankommt.« Sarkastisch, klar und mit bestechender Logik: Carl Weissner war nicht nur Zeit seines Lebens ein hervorragender Übersetzer und Herausgeber, sondern auch ein Autor, der seine Inhalte auf den Punkt brachte.

Ein gelungenes Beispiel dafür ist das Buch »Die Abenteuer von Trashman«: Es wirkt auf den ersten Blick wie ein Roman, präsentiert aber »nur« Tagebuchnotizen Weissners aus den Jahren 1967/68, in denen der Student aus Heidelberg in New York unter Beatniks, Hippies und Musikern lebte. Das Buch erschien als Hardcover-Band im kleinen, aber feinen Milena-Verlag und ist hervorragend!

Weissner zieht durch die Bars von New York, er trifft sich mit Künstlern wie Andy Warhol, Musikern wie Janis Joplin oder Autoren wie William Burroughs, er geht zu einem »aufstrebenden Komiker« namens Al Pacino, der auf einer Bühne in Manhattan aufspielt – und all diese Begegnungen notiert er in kurzen Texten in seinem Tagebuch.

Er liest Zeitung, er geht auf politische Veranstaltungen, er beschreibt den Streik der Müllabfuhr und den politischen Aufruhr, der wegen des Vietnam-Kriegs das gesamte Land befällt – all das wird bei Weissner in kurzen Szenen zu spannender Literatur. Ich las das Buch in kleinen Dosen, immer mal wieder einige Seiten, und ließ mich einfangen von einer Zeit, in der New York wie ein brodelnder Moloch wirkt.

Man muss ein bisschen Ahnung von der beschriebenen Zeit, ihren Politikern und Künstlern haben, weil man sonst keine der Anspielungen versteht. Ich bin sicher, dass ich nicht alles kapiert habe, ich mochte aber den Blick auf die späten 60er-Jahre sehr.

Wie bisher glaubte, das sei vor allem eine Zeit gewesen, in der kiffende Hippies den Ton abgaben, sieht sich nach Lektüre dieses Buches eines besseren belehrt: eine eindrucksvolle Lektüre, spannender als mancher Roman!

14 April 2014

Stadionrock geguckt

Manches Wochenende verläuft geruhsamer als das andere; so richtig hektische Wochenenden mit viel Action habe ich seit einigen Jahren nicht mehr. Und so verbrachte ich auch dieses Wochenende nit mit viel Punkrock und Dosenbier, sondern eher mit gepflegtem Rotwein, leckerem Essen und mehr oder weniger intellektuellen Gesprächen.

Bis ich am Sonntagabend auf der Couch landete, mich kurz vor Mitternacht durchs Fernsehprogramm zappte und ausgerechnet im Öffentlich-Rechtlichen bei den Toten Hosen hängen blieb. Diese Band fand ich in den 80er-Jahren mal super und in den 90er-Jahren noch ganz gut, ich habe sie vor gut dreißig Jahren zum ersten und vor gut zwanzig Jahren zum letzten Mal gesehen.

Seit Jahren verfolge ich die Entwicklung der Band nicht mehr, weil es mich nicht so sehr interessiert und es in Sachen Punkrock seit etwa 1985 einfach bessere und spannendere Bands gibt. Nur muss ich jetzt feststellen: In Sachen Stadionrock sind die Toten Hosen einfach klasse.

Wie die ollen Düsseldorfer es schaffen, ein Publikum von mehreren zehntausend Leuten zu begeistern, das ist schon sensationell. Da muss ich nicht hin, das ist mir klar, aber ich kann jeden verstehen, der hingeht und die Band abfeiert. Mir reichte es an diesem Abend und in dieser Nacht dann doch vollauf, die Toten Hosen im Fernsehen anzugucken – und das wäre früher nie der Fall gewesen ...

13 April 2014

Zu viel Zeit zum Schreiben?

Warum ich denn meine Zeit damit verschwenden würde, Kurzgeschichten zu schreiben, die eh kaum jemand lesen wolle und mit denen ich garantiert kein Geld verdienen würde? Das wurde ich dieser Tage gefragt, als ich so ausplauderte, derzeit an einem Buch zu sitzen, das den hübschen Arbeitstitel »Chaos am Schlossplatz« trägt.

Ich versuchte es mit einem Bedürfnis zu erklären: Während andere Leute gern ins Schwimmbad gehen oder gern wandern, schreibe ich gern. Zwar habe ich dummerweise aus dem »Hobby« des Schreibens einen Beruf gemacht, aber es ändere ja nichts daran, dass ich schreiben und gern Geschichten erzählen würde. Damit habe ich als Kind schon angefangen, und weil ich so ein Kindskopf sei, käme ich davon nicht los.

Aber es sei ja brotlose Kunst, wurde mir entgegengehalten, ich solle doch etwas schreiben, mit dem ich Geld verdienen könne. Ich erzählte dann nicht die ganze Geschichte von meinem tollen Bestseller-Thema, das leider nie fertiggestellt und vor allem nie an einen Verlag verkauft werden konnte, sondern meinte, dass ich ja mein Geld damit verdienen würde, Romane zu veröffentlichen – nur eben nicht meine eigenen. Da sei es doch ein netter Ausgleich, auch mal Texte zu schreiben und zu veröffentlichen, die meine eigenen seien und mit denen meines Brotberufes nichts zu tun hätten.

Komplizierte Welt, ich weiß. Ich ging dann nicht zu sehr in die Details, rechtfertigte mich nur ein ganz kleines bisschen dafür, dass ich die Zeit so verschwenden würde, und wechselte das Thema.

Aber ich bekenne hiermit öffentlich: Mein Hobby ist das Schreiben. So. Das ist zwar kein so ein cooles Hobby wie »Geld-fürs-Tätowieren-Lassen« ausgeben und auch nicht so spießig-locker wie »Schrebergarten-anlegen-und-pflegen« oder so knallig wie »Motorradkaufen-und-damit-rumfahren«, aber immerhin ...

12 April 2014

Lautlose Bombe

Dass ich Hörspiele mag, ist einer Entwicklung der vergangenen Jahre geschuldet. Ich »musste« viele Hörspiele zu der Science-Fiction-Serie anhören, die ich redaktionell betreue, und in der Folge hörte ich mir auch viele an, die mich quasi beruflich interessierten. Dazu zählen die »Mark Brandis«-Hörspiele: eindeutig Science Fiction, eher in der nahen Zukunft angesiedelt, meist sehr gut.

Zuletzt hörte ich den Zweiteiler von »Lautlose Bombe«: Die Welt des Jahres 2131 ist durch eine besondere Art von Terrorismus bedroht – die lautlose Bombe ist im Prinzip ein Virencocktail, durch den Milliarden von Menschen sterben würden. Der Raumfahrer Mark Brandis ist praktisch der einzige, der zwischen dem Verderben und der Rettung steht.

Interessant sind die familiären Verwicklungen bei dieser Story: Brandis' eigene Frau ist kurz davor, an einer schrecklichen Virenerkrankung zu sterben, und der Terrorist ist sein Halbbruder. Zu allem Überfluss hat der Terrorist auch noch halbwegs nachvollziehbare Motive.

Die zwei Hörspiele, die bei Folgenreich erschienen sind, waren wieder einmal sehr spannend gemacht: supergute Dialoge, klasse erzeugte Geräusche. Die Handlung geht rasch voran, die Figuren verhalten sich nachvollziehbar, Spannung und ruhige Sequenzen wechseln sich ab.

Ich bin echt ein »Mark Brandis«-Fan: Früher mochte ich die Bücher, damals in den 70er-Jahren, heute stehe ich auf die Hörspiele. Finde ich gut ...

11 April 2014

M.U.D.D.A. sind Intellektül

Drei junge Männer aus München nennen sich Manu und die Drei Akkorde, kürzen sich mit M.U.D.D.A. ab und machen knackigen Punkrock zwischen Pop-Melodien und rotzigem Sound – ich habe dieser Tage zum ersten Mal die Platte »Intellektül« der Band gehört. Beinharten Punks wird das zu brav sein, der Pop-Generation wahrscheinlich zu krachig.

Die Band steht textlich in der spaßigen Ecke, allerdings nicht auf prollig-doofe Art, sondern eher witzig und augenzwinkernd. Auf der CD sind fünf Stücke enthalten, die schnell ins Ohr und in die Beine gehen. Das ist alles gut gemacht, mit Spaß und Spielfreude, und jetzt bin ich gespannt darauf, wie es weitergeht. Ich drück' mal die Daumen!

Phantastischer Film über eine surreale Welt

Ich habe den Roman »Der Schaum der Tage« nie gelesen. Meine Versuche, mich dem Werk des französischen Schriftstellers Boris Vian zu nähern, sind kläglich gescheitert. In Frankreich gilt der Mann als Kultautor, und »Der Schaum der Tage« gilt als sein Meisterwerk. Im vergangenen Jahr kam eine Neuverfilmung des Romans ins Kino, die ich allerdings verpasste – jetzt habe ich sie mir auf DVD angeschaut.

Verantwortlich für den Film ist Michel Gondry, der schon einen Oscar kassiert hat und dessen Film »Science Of Sleep« ich genial fand. Als Hauptdarsteller hat er Stars wie Romain Duris, Audrey Tatou und Omar Sy verpflichtet, die er durch eine absurde bis surreale Welt schickt – letztlich erzählt er aber eine unglaublich tragische Liebesgeschichte, bei der man am Ende eigentlich weinen möchte.

Die Bilder, die der Regisseur mit seinem Team findet, sind beeindruckend: Wenn getanzt wird, verlängern sich die Beine der Tanzenden in grotesker Weise. Die Türklingel ist ein herumkrabbelndes Insekt, das – nachdem man es erbost zerstört hat – in zahlreiche kleinere Insekten zerfällt, zur Tür zurückflitzt und sich dort wieder zusammensetzt.

Das Liebespaar lässt sich von einer Wolke über die Dächer von Paris tragen, während ein Kranführer dazu Musik von einer alten Schallplatte laufen lässt. Bei einem Picknick im Freien wird die Welt in zwei Hälften geteilt, exakt an einer Trennlinie: Auf der einen Seite scheint die Sonne, auf der anderen Seite regnet es in Strömen.

Als Zuschauer blieb mir nicht nur einmal der Mund vor Staunen offen stehen, ich war fasziniert von den Bildern und begeistert von der überschäumenden Phantasie der Filmproduzenten. Das ist Fantasy ohne jegliches Fantasy-Klischee, wie man sie bisher noch nie gesehen hat.

Allerdings hat der Film aber einfach seine Längen. Letztlich handelt es sich um eine tragische Liebesgeschichte, die in bizarren Szenen beginnt, über längere Strecken hinweg amüsant bleibt und dann immer düsterer wird. Während die junge Frau krank und kränker wird, während der junge Held die dümmsten Arbeiten annehmen muss, damit beide weiter durchhalten können, verändern sich die Bilder: Großzügige Wohnungen werden zu Müllhalden, der Film ist am Ende nur noch schwarzweiß.

Man muss den Film wohl nicht gesehen haben, die Längen nerven sicher den einen oder anderen auch – unterm Strich ist es aber ein beeindruckendes Werk mit vielen tollen Sequenzen. (Vielleicht sollte ich die Kinoversion mit eineinhalb Stunden empfehlen; ich schaute mir die komplette Zwei-Stunden-Version an ...) Aber Freunde des phantastischen Films sollten diesen Streifen mal auf die Liste der noch anzuguckenden Filme setzen und stattdessen lieber mal eine aktuelle Superhelden-Geschichte auslassen ...

10 April 2014

Zebra zum achtzehnten

Seit dreißig Jahren gibt es nun »Zebra«, das – laut Untertitel – »anspruchsvolle deutsche Comic-Magazin«. In den drei Jahrzehnten haben es die Macher auf gerade mal 18 Ausgaben gebracht, ich dürfte alle besitzen, und ich freue mich stets, wenn eine neue Überraschungssendung aus Köln bei mir eintrudelt.

In der aktuellen Ausgabe gibt es wieder genau das, was ich am »Zebra« mag: schlichte, aber stets gut gemachte Comics im klassischen Stil, professionell gezeichnet und getextet. Klar – die Macher haben sich ihren fannischen Geist bewahrt, sind aber längst als Profis in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv.

Wer so wunderbar schräge Comics wie »Der Mann mit den zwei Köpfen« oder eine herrliche Science-Fiction-Geschichte wie »Alle Systeme okay« zeichnet und verlegt, der ist auf jeden Fall auf der guten Seite der Menschheit. Und möge da bitteschön auch bleiben.

Das Fanzine, das erfreulicherweise ohne jegliche Anzeige auskommt und damit wirklich unabhängig ist, gibt's bei guten Comic-Versendern und kann sicher in einem guten Comic-Fachgeschäft bestellt werden. (Die 52 Seiten im A4-Format kosten sechs Euro.) Wer im Fratzenbuch unterwegs ist, kann sich auch mithilfe des Begriffs »Zebra-Comics« zur richtigen Fanpage bewegen.

09 April 2014

Divakollektiv und ihr Futter

Dieser Tage kommt die erste Platte der Berliner Band Divakollektiv unter die Leute; ich bekam erfreulicherweise die CD schon einmal im voraus. Und je öfter ich sie anhörte, desto besser fand ich sie. Was die vier Punketten machen, ist rotziger und witziger Punkrock, nicht schreiend originell, aber stets gut gemacht und auf den Punkt gebracht.

Musikalisch klingt es manchmal wie der Punk der frühesten 80er-Jahre, dann gibt es Anleihen an die erste Platte von Wir sind Helden – was die Band jetzt sicher nicht so gern hören wird –, insgesamt ist ds ganze aber knallig und eigenständig genug. Auf Metal-Quatsch wird verzichtet, was ich super finde.

Textlich geht's um Saufen um den »chronischen Sozialterror«, um das Leben über dreißig und langjährige Beziehungen. Das Thema Gentrifizierung wird im rotzigen »Jetzt reicht's« auf den Punkt gebracht, mit »Delikat« hat die Band eine Hymne an kleine Punk-Konzerte geschrieben.

Kurzum: klasse gemacht – ich will mehr von der Band!

Ein Leben unter Toten

Wie man eine eigentlich völlig trashige Gruselheftserie so vertonen kann, dass die Hörspiele richtig Spaß machen, beweist das Team von Zaubermond Audio. Dennis Ehrhardt nimmt sich »John Sinclair«-Romane aus der Feder von Jason Dark vor, möbelt sie entsprechend auf und macht packende Hörspiele daraus.

Das merkte ich zuletzt bei »Ein Leben unter Toten«, in dem ein furchterregendes Altersheim der Schauplatz des Geschehens ist. Lady Sarah ist offenbar eine Figur, die in der Serie öfter auftritt – sie reist nach Schottland und quartiert sich in eine seltsame Altersresidenz ein. Alte Tonbänder laufen in den Zimmern, direkt neben dem Heim ist ein Friedhof, auf dem seltsame Vorbereitungen getroffen werden, alles ist höchst seltsam.

Glücklicherweise reist John Sinclair von Scotland Yard mit. Er bewahrt nicht nur Lady Sarah vor einem schrecklichen Ende, sondern löst auch den gruseligen Fall. Das Ganze ist gut gemacht, wird mit allerlei Geräuschen sehr packend umgesetzt und lässt selbst jemanden wie mich, der »John Sinclair« noch nie sonderlich mochte, nicht kalt.

Besonders witzig wird diese Folge 83 der Hörspielserie dadurch, dass es ein Crossover ist. Dorian Hunter aus der gleichnamigen Gruselserie taucht ebenfalls auf, und natürlich kommt es – wie in einem Comic-Crossover – zu einem Kampf des Dämonenkillers mit dem Geisterjäger.

Der Gag ist vor allem für Insider bestimmt, die sowohl »Dorian Hunter« als auch »John Sinclair« kennen und vor allem wissen, dass Zaubermond Audio beide Serien zu Hörspielen umsetzt. Ich fand's witzig, unter anderem deshalb, weil wieder einmal klar wurde, wie unsympathisch eigentlich Hunter ist – der Kerl ist Hauptfigur einer eigenen Serie und führt sich schon in dieser auf wie Mr. Großkotz persönlich.

»Ein Leben unter Toten« hat auf jeden Fall viel Spaß bereitet; die Umsetzung der trashigen Romanheftserie ist gelungen. Mehr davon ...

08 April 2014

Verlagsmethoden

Manchmal wundert man sich schon, dass sich anscheinend alles wiederholt. In der heutigen Ausgabe von »Spiegel Online« geht's um unseriöse Verlage; als Beispiel dient eine Frau, die offensichtlich betrogen worden ist. Dabei bleibt der Artikel recht seriös und klar, was man weder von »Spiegel Online« noch vom »Spiegel« selbst behaupten kann.

Ich erinnere mich an die 80er-Jahre, als das Thema immer wieder diskutiert wurde. In dem von einigen Freunden und mir publizierten Fanzine »Sagittarius« ging es schon früh um die Machenschaften der sogenannten Druckkostenzuschussverlage. Das ist jetzt dreißig Jahre her – es hat sich weder etwas an den Verlagen noch an den Kunden geändert. Schon seltsam ...

Knallige Sounds aus der Schweiz

In meiner Radiosendung am Sonntag, 6. April 2014, hatte ich nach langer Zeit mal wieder die Schweiz im Fokus. Auch wenn man es außerhalb des Landes kaum wahrnehmen möchte, hat die Alpenrepublik eine quirlige Musikszene, in der Punkrock und artverwandte Klänge schon seit den späten 70er-Jahren einen ordentlichen Stellenwert haben.

Ich spielte vor allem Platten, die in den Nuller-Jahren aufgenommen worden waren. Mit Überyou und Fondükotze hatte ich allerdings zwei Bands dabei, deren Tonträger ganz neu waren und die ich erst vor wenigen Monaten live gesehen hatte – das macht dann Spaß, so etwas zu spielen.

Ansonsten bollerte der melodische und zugleich kommerziell klingende Punk der Nuller-Jahre aus den Boxen. In jener Zeit waren Superspy mit ihrer Mixtur aus Punk und Ska und Glamrock oder A.F. mit ihrem Melodie-Sound oder auch Poison Ivy mit ihrer Punk- und Rock-Mischung recht erfolgreich. Ich stellte fest, dass ich die Bands echt mochte, trotz aller kommerzieller Attitüde; angehört hatte ich mir die Platten seit Jahren nicht mehr.

Ein wenig in die »Indie«-Richtung gingen zudem Keadaar, eine recht neue Band, und die guten alte Lombego Surfers, die es seit den 80er-Jahren gibt und die unverdrossen ihr Ding durchziehen. Ach ja, und es gab sogar Deutschpunk: Notausgang klingen, als seien sie aus den 80er-Jahren und Norddeutschland herübergeholt worden, spielten in Wirklichkeit aber in der Schweiz und in den 90er-Jahren.

Eine bunte Mischung also, die zumindest mir Spaß machte. Fragt sich nur, wie lange noch. Vielleicht mache ich bei meiner Radiosendung auch bald den Lanz ...

07 April 2014

Der FO mit 298

In seiner letzten Ausgabe, die er für das Fanzine »Fandom Observer« gestaltet hat, lässt es Florian Breitsameter als verantwortlicher Redakteur noch einmal krachen – er holt »alte« Mitarbeiter aus der Versenkung. Da darf Kurt S. Denkena als alter Fanzine-Rezensent ein letztes Mal über Fanzines schreiben und die PERRY RHODAN-Serie angreifen; Günther Freunek informiert über das Auto der Zukunft.

Der wichtigste Beitrag allerdings ist von Dirk van den Boom und trägt den schönen Titel »Mit Science Fiction reich und berühmt werden«. Der Autor erläutert, wie viel Fleiß man zum Erfolg benötigt, und erteilt der Kurzgeschichte eine kommerziell begründete Absage. »Zur Ökonomie eines Kleinverlagschriftstellers« ist sein Beitrag nicht ohne Ironie untertitelt – unterm Strich ein wichtiger und lesenswerter Artikel, der sich mit einem Thema beschäftigt, das viele Fans der phantastischen Literatur beschäftigen dürfte.

Wie immer bedauere ich es sehr, dass diese Ausgabe 298 eine der letzten überhaupt sein wird, die vom »Fandom Observer« erscheinen werden. Nach Nummer 300 ist Schluss – was ich verstehen kann, stimmt mich dennoch traurig. Deshalb empfehle ich: Ladet euch das Ding kostenfrei von der entsprechenden Internet-Seite herunter und feiert es noch ein wenig ab.

Wetten dass es langweilt

Es gibt allen Ernstes Leute, die erschüttert sind, weil jetzt die Schlussrunde für »Wetten, dass ...?« angekündigt wurde. Man spricht vom »Unterhaltungsdampfer«, beschwört noch einmal das »gemeinsame Lagerfeuer«, jammert über die früheren Erfolge oder beklagt, dass eine Sendung eingestellt wird, die noch über zwanzig Prozent Marktanteil erreicht.

Ich habe in meinem ganzen Leben nur ein einziges Mal versucht, eine »Wetten, dass ...«-Sendung anzuschauen. Das ist so lange her, dass noch Thomas Gottschalk als Moderator wirkte: irgendwann in den späten 90er- oder frühen Nuller-Jahren, als die Sendung von Karlsruhe aus produziert und ausgestrahlt wurde. Ich fand es doof und langweilig, nach einer halben Stunde oder knapp drüber gab ich auf.

Selbstverständlich fanden viele Leute die Sendung gut, zuletzt wurde sie immer noch von Millionen angeguckt. Aber offensichtlich sinkt das Interesse stückweise ins Bodenlose – also ist es okay, den Laden dichtzumachen. Alles stirbt irgendwann mal: wir Menschen sowieso, Atome zerbröseln irgendwann, also auch Fernsehsendungen.

Das »Gedöns« drumherum ist eher irritierend. Anscheinend ist diese Fernsehsendung über Jahre hinweg so wichtig geworden, dass man sich an ihr reibt, dass man über ihren Niedergang jahrelang schreiben und debattieren kann. Dabei bot »Wetten, dass ...« doch stets spießbürgerliche Unterhaltung, wenn ich's richtig kapiert habe, ein wenig gemütlich, ein wenig langweilig, selten aufregend und doch so gehalten, dass es Millionen mochten. Da gibt's echt schlimmeres ...

06 April 2014

Kotzreiz und Jungpunks

Punkrock wird seit etwa 1979 immer wieder aufs Neue für tot erklärt. Wenn man bedenkt, wie lange das her ist, hält sich die stinkende Leiche seit damals erstaunlich gut. Und dass all das Gerede vom toten Punk sowieso nur Geschwätz ist, davon konnte ich mich Freitag abend, 4. April 2014, in der »Alten Hackerei« überzeugen.

Als ich dort eintraf, fühlte ich mich wie in der Vergangenheit. Vor der Tür saßen Dutzende von Punks, viele davon sehr jung, die mitgebrachtes Bier leerten und Musik hörte, die aus irgendwelchen Rekordern dröhnte. Im Konzertraum selbst sah ich ebenfalls viele Punks, Nietenlederjacken und Irokesenfrisuren inklusive – wie in den frühen 80er-Jahren also.

Da ich spät gekommen war und viel Zeit mit Labern vor der Tür verbracht hatte, kam ich erst zur eigentlichen Hauptgruppe in die Punkrock-Kneipe hinein. Auf der Bühne standen Kotzreiz aus Berlin, drei junge Männer, die es ordentlich krachen ließen.

Geboten wurde Deutschpunk mit lustigen bis schlichten Texten: Arbeit ist doof, Saufen ist klasse, Pogo ist noch besser – so in etwa ließ sich die Botschaft der Band zusammenfassen. Und mit einem Stück wie »Arbeit bleibt Scheiße, Punk bleibt Punk« trifft man auf jeden Fall den Nagel auf dem Kopf.

Das Publikum ging enthusiastisch mit: Es wurde eifrig gepogt, die Punks sangen die Stücke sehr textsicher mit – okay, das war angesichts manch sehr griffiger Texte nicht sooo schwierig. Bier spritzte, gelegentlich ging etwas zu Bruch, aber der Pogo blieb sehr friedlich und bei aller Knalligkeit sehr fair.

Insgesamt herrschte eine großartige Stimmung, die sich ruckzuck auf mich übertrug. Ich bekam ein fröhliches Grinsen nicht aus dem Gesicht und amüsierte mich bis lange nach Mitternacht königlich. Bei solchen Bands und bei einem solchen Publikum mache ich mir über die Zukunft von Punkrock erst mal keine Sorgen.

05 April 2014

Kurt zum zwanzigsten

Heute vor zwanzig Jahren starb Kurt Cobain, der Sänger der Grunge-Rock-Band Nirvana. Es gibt Leute, die sind darüber fürchterlich betroffen, und in der Tat ist es stets traurig, wenn sich jemand in so jungen Jahren selbst tötet. Mich trifft es nicht sonderlich, aber ... im Nachhinein muss selbst ich anerkennen, dass Nirvana eine gute Band war.

Anfangs erkannte ich das nicht. Als man mir zum ersten Mal Musik dieser Band vorspielte – im Musik-Café im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt, wie es sich gehört, von einer Kassette –, fand ich das nicht ansprechend. Für mich war das eher Hardrock, und das fand ich langweilig.

Grunge war anfangs vor allem von Musik-Fanzines propagiert worden, die ich auch las. Im »Trust«, damals noch aus Augsburg, heute aus Bremen, wurden oft Grunge-Bands abgefeiert; im Prinzip las sich das so, als hätten sich Hardcore-Leute die Haare wachsen lassen und sich Gitarrensoli angewöhnt. Für mich war das nichts. Als der musikalische Durchbruch kam, nervte es mich eher.

Und so hatte ich stets mit Nirvana meine Probleme. Ich kaufte einige Singles der Band, die ich seitdem wohl kaum noch angehört habe – das sollte ich ändern –, aber die großen und wichtigen Platten besitze ich nicht. Dabei schrieb Cobain mit »Smells Like Teen Spirit« ein Stück, das für viele Leute vor zwanzig Jahren wohl ähnlich wichtig war wie für mich irgendwann mal »No Future« von den Sex Pistols.

Das ist jetzt alles zwanzig Jahre her, und Nirvana sind Geschichte. Kurt Cobain ist zu früh gestorben, und es wäre spannend, sich vorzustellen, wie es mit ihm und der Band weitergegangen wäre. Ich kann diejenigen verstehen, die heute um einen charismatischen und für seine Zeit sehr wichtigen Musiker trauern.

04 April 2014

Weinkontor an neuem Ort

In den vergangenen Jahren war das »Weinkontor« immer wieder eine hervorragende Adresse für uns: Man fuhr auf die andere Rheinseite, steuerte die kleine Landgemeinde Mörzheim an, die zu der Kreisstadt Landau gehört, um dort in einem alten Gewölbekeller sehr lecker zu essen und zu trinken. Für den Autofahrer – meist war ich das – nicht unbedingt immer optimal war die schöne Wein-Auswahl; auch angesichts der kurvenreichen Straßen heißt es da ja, nüchtern zu bleiben.

Jetzt aber ist das Restaurant umgezogen: raus aus dem Dorf, rein in die Stadt. Im Süden von Landau wird derzeit ein riesiges Kasernenareal umgebaut. Ehemalige Panzerhallen, ehemalige Güterbahnhofsgebäude und riesige Offiziershäuser werden in Wohnungen und dergleichen ungestaltet, dazu wird ein Teil des Geländes für eine Landesgartenschau genutzt. In diesem Areal hat sich jetzt das »Weinkontor« angesiedelt, und wir waren kürzlich da.

Das Gebäude, in dem das Restaurant untergebracht ist, nennt »Null 41« und ist derzeit noch eine Baustelle; wenn das alles mal fertig ist, wird es super aussehen. Das Restaurant selbst wurde stark ins Moderne aufgehübscht: kein Keller mehr, sondern alles licht und hell und modern. Von der Glasfront zur schicken Bar, vom Holzboden zu den Lampen – das passt alles gut zusammen.

Glücklicherweise hat die Qualität des Essens nicht gelitten. Nicht immer sind Modernisierungen erfolgreich, hier aber scheint man es wirklich hingekriegt zu haben, die guten Dinge zu erhalten und die neuen Dinge erfolgreich zu integrieren. Unsere Essen schmeckten gut, und wir waren uns sicher, bald wieder nach Landau zu fahren.

Dann übrigens vielleicht mal mit der Bahn – dem Autofahrer zuliebe. Der Bahnhof ist keinen Kilometer entfernt ...

03 April 2014

Sexistische Werbung?

Ich weiß: Sexistische Werbung ist uncool, und welchen Charakter jetzt Sexismus annimmt, ist diskussionswürdig. Aber die aktuelle Werbung der Unterwäschemarke Hoodies, den die Agentur Awesome aus Tel Aviv für den israelischen Fernsehmarkt gedreht hat, ist echt cool.

Die blonde Dame in dem Strip ist Bar Refaeli, eine gebürtige Israelin, der Schnauzbartträger trägt den hübschen Namen Red Orbach und hat selbst eine eigene Fernsehshow. Und zumindest ist diese Werbung, die in Israel übrigen erst nach 22 Uhr gezeigt werden darf, auch noch höchst amüsant und ironisch. Na also.

Mystery Press im März

Ob man bei der »MysteryPress« noch von einem Fanzine sprechen kann, bezweifle ich ja – aber ich finde das »exklusive Magazin für Zaubermond-Fans« echt gut und lese es meist komplett durch. Dabei bin ich nicht gerade ein Fan von Serien wie »Tony Ballard« – aber diese olle Gruselserie wird jetzt auch in der Hardcover-Form  eingestellt (und dann bedauere ich es doch).

Die aktuelle »MysteryPress«-Ausgabe vom März 2014 ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Ausgabe.Auf zwölf Seiten im A4-Format, schön illustriert und farbig gedruckt, gibt's allerlei News, aber vor allem lesenswerte Berichte. So finde ich die Hintergründe zu den Sprecheraufnahmen der von mir geliebten »Dorian Hunter«-Hörspiele höchst interessant, dazu kommen Interviews mit dem Fantasy-Autor Kai Meyer und den Machern des aktuellen Edgar-Wallace-Theaterhörspiels.

Ich liebe es, das Magazin in gedruckter Form zu lesen, finde aber sehr gut, dass man es auch kostenlos herunterladen kann. Die PDF-Version gibt's auf der Internet-Seite des Zaubermond-Verlages ... und den Besuch empfehle ich denjenigen, die phantastische Literatur und Hörspiele mögen.

02 April 2014

Zwischen Größenwahn und Selbstmordsucht

DBC Pierre gilt seit einigen Jahren als neuer und interessanter Autor der englischsprachigen Literaturszene – das machte mich neugierig. Zuletzt las ich seinen Roman »Das Buch Gabriel«, nach dessen Lektüre ich mir vornahm, mir auch die anderen Bücher des Schriftstellers zu besorgen. Der Mann kann verdammt gut schreiben, er hat eine ziemlich kranke Phantasie, und sein Roman frisst sich einem wirklich ins Hirn.

Held des Romans ist ein gewisser Gabriel Brockwell – deshalb auch der seltsam klingende Titel der deutschen Ausgabe. Gabriel möchte eigentlich Selbstmord begehen, doch auf dem Weg zu dieser Tat muss er eine Reihe von bizarren Aufgaben erledigen, die ihn am Ende zum stillgelegten Fluggelände von Berlin-Tempelhof bringen.

Eigentlich will sich Gabriel bereits in Tokio umbringen, doch dummerweise vergiftet sein Freund Smut einen japanischen Gangster und steckt nun in massiven Nöten. Gabriel bricht zu einer wahnwitzigen Reise nach Berlin auf, in deren Verlauf er versucht, die perfekte Orgie zu organisieren – ausgerechnet in den uralten Hallen von Tempelhof.

Was sich nach einem klar definierten Plot anhört, wird in »Das Buch Gabriel« zu einer Abfolge von irrwitzigen Szenen und unglaublichen Abschweifungen. Die Handlung springt hin und her, mal in die Vergangenheit, dann in die Theorie der Ausschweifung, dann in eine mögliche Zukunft.

Ganz nebenbei entsteht ein ziemlich geniales Berlin-Porträt, das mich überrascht: Offensichtlich muss man in Australien geboren und in Mexiko aufgewachsen sein, um Deutschlands einzige Metropole vernünftig – also recht schräg – zu charakterisieren.

Ich habe DBC Pierre noch nie im Original gelesen, werde es wohl auch nie tun. Nach Lektüre von »Das Buch Gabriel« habe ich größtmöglichen Respekt vor der Übersetzerin, die den komplexen Stil mit all seinen Nebensätzen und schwierigen Satzkaskaden in ein krasses Deutsch übertragen hat.

Der Roman ist cool, er dürfte nicht jedermanns Geschmack sein, und ich las ihn nicht gerade im Hauruck-Tempo durch. Mal wirkt er wie eine Krimi-Klamotte, dann wieder wie ein hochliterarisches Experiment – immer aber ist er an der Grenze zwischen genial und durchgedreht.

Völlig bescheuert an diesem Buch ist allerdings die Tatsache, dass die Hardcover-Ausgabe, die ich gelesen habe und die man noch gut im Secondhand-Geschäft finden kann, eigentlich verlagsvergriffen ist – klar, Eichborn ist pleitegegangen und wurde an Lübbe verkauft –, es keine Taschenbuchversion gibt und das E-Book derart teuer ist, dass es einem die Sprache verschlägt.

01 April 2014

Rubbermaids glamten aus Hamburg

1990/91 war von der neuen Deutschpunk-Welle noch wenig zu sehen, in den Jugendzentren und besetzten Häusern Westdeutschlands herrschte vor allem Hardcore-Punk vor. In dieser Zeit kamen die Rubbermaids aus Hamburg und lieferten einen hochmelodischen Punkrock, der mir manchmal ein wenig zuviel Rock-Anteile enthielt. Live überzeugte die Band; mir ist vor allem ein Konzert in Herrenberg in sehr guter Erinnerung.

Ihre Platte »Twisted Chords« kam 1991 heraus, klang überhaupt nicht nach Hardcore und anderen angesagten Stilrichtungen, sondern lieferte Melodien, die man heute in die Glampunk-Richtung stecken würde, ausuferndes Gitarrenspiel, gelegentlich kurze Pogo-Kracher, aber ansonsten eher gemütlichen Sound im mittleren Tempo.

Mit »Rubberskin« und »Rosie's Bar« – eine Ode an die Stammkneipe der Band – lieferten die Rubbermaids auf dieser Platte ihre zwei Hits ab, die sie bei allen Konzerten gern spielten und die sich auch bei weiteren Aufnahmen der Band finden lassen. Schau ich heute auf die Band und die Platte zurück, bleiben eigentlich auch nur diese zwei Stücke hängen; es ist weder eine Band noch eine Platte, die man kennen muss.

31 März 2014

Ich war beim Hundertjährigen

Zeitweise hatte ich im vergangenen Jahr den Eindruck, der einzige Mensch in Deutschland zu sein, der sich über den Roman »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« nicht köstlich amüsiert hatte. Das Buch, mit dem Jonas Jonasson einen echten Bestseller landen konnte, ging komplett an mir vorüber – und je mehr Menschen mir sagten, das müsse ich unbedingt lesen, desto weniger interessierte es mich.

Doch jetzt kam der Film ins Kino, die Vorschau war amüsant, und so schaute ich ihn mir an. Der Kinosaal, nur zur Hälfte besetzt, zeigte ein seltsames Sammelsurium aus alt und jung, männlich und weiblich, in dem Menschen die Mehrheit zu bilden schienen, die sonst nie ins Kino gehen.

»Wenn man das Buch nicht kennt, ist es echt schwer, der Handlung zu folgen«, sagte eine Frau nach dem Film zu einer anderen. Schräg hinter mir saßen zudem Leute, die sich gegenseitig die arg komplizierten Geschichten und Entwicklungen erklärten – das war streckenweise echt witziger als der Film selbst.

Die Gangstergeschichte, die übrigens nicht komplizierter als ein durchschnittlicher Stallone-Streifen war, erwies sich als unterhaltsam und witzig. Keine Schenkelklopfer-Komik, aber immer wieder für einen Lacher gut: Wenn der alte Mann, der an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altersheim verschwindet, durch sein Verhalten eine kleine Katastrophe nach dem anderen auslöst, ist das wirklich sehr komisch.

Seine Rückblicke auf sein abwechslungsreiches Leben waren ebenfalls komisch, wenngleich nicht ohne Tragik: als Jugendlicher »entmannt«, als Erwachsener im Gulag, zwischendurch sowie danach am Bau der Atombombe ebenso beteiligt wie an der Doppelspionage der 70er- und dem Mauerfall der 80er-Jahre.

Seien wir fair und ehrlich: Niemand muss diesen Film im Kino angucken; es reicht, die Fernsehausstrahlung abzuwarten, mit der ja bald zu rechnen ist. Wer sich aber gut amüsieren mag, auch über ein borniertes »Literaturpublikum« (unfassbar, diese Arroganz mancher Leute über Triviales ...), der kann diesen Film getrost und mit Genuss angucken.

29 März 2014

Unter dem durchsichtigen Baldachin

Die Kurzgeschichte »Unter dem durchsichtigen Baldachin« schrieb ich am 5. Oktober 1981, zumindest steht dieses Datum über dem Text. Veröffentlicht wurde die Geschichte nie, wenn ich mich recht erinnere – was bislang auch besser war. Der Text liest sich nämlich streckenweise echt anstrengend.

Der Ich-Erzähler, mit dem die Geschichte beginnt, ist selbstverständlich nicht mit dem Autor identisch, und es wird erst im letzten Drittel klar, dass er seine Geschichte einem Mann erzählt, der im Krankenhaus liegt. Die erzählerische Klammer schließt sich erst am Ende.

Was vielleicht ein wenig künstlerisch wirkt, war damals aber reiner Zufall. Ich verband den realen Motorradunfall eines Schulfreundes, der sich so wie in der Geschichte beschrieben, nie abgespielt hatte, mit erfundenen Begegnungen und Abenteuern, um am Ende doch eine eigenständige Geschichte zu haben.

Gedacht war der Text für die Kurzgeschichtensammlung »Wolf im Schafsstall«, die ich 1981/82 zusammenstellte. Sie erschien nie, und gut die Hälfte der Texte ist verschollen. Bei manchen bin ich traurig, bei den meisten ist es egal.

»Unter dem durchsichtigen Baldachin« fiel mir dieser Tage wieder in die Hände, als ich nach alten Texten von mir fahndete. Wegwerfen werde ich den Text auf keinen Fall, einen Literaturpreis werde ich damit aber ebensowenig gewinnen ...

28 März 2014

Vernissage von Inge Jungberg

Von Kunst verstehe ich nicht viel, und ich gehe vergleichsweise selten in Ausstellungen. Die Einladung zur Vernissage »Bildbearbeitung« der Künstlerin Inge Jungberg nahm ich aber gern an – und so fuhr ich am Abend des Donnerstags, 27. März 2014, quer durch Karlsruhe. Im Technologiepark befindet sich die Firma CAS Software AG, in deren großzügigen Räumlichkeiten die Bilder zu sehen sind.

Die CAS ist eine von vielen erfolgreichen Firmen in Karlsruhe, die ich bislang nicht kannte; allein deshalb fand ich meinen Besuch dort schon einmal spannend. Ich traf einige Bekannte, ich trank ein Bier und aß Butterbrezeln; dann ging es los.

Martin Hubschneider, der Vorstandsvorsitzende der Firma, sprach einleitende Worte. Die Software-Firma veranstaltet drei- bis viermal solche Ausstellungen; das weite Treppenhaus und die hellen Wände in den Fluren und Besprechungsräumen bieten dafür ein schönes Ambiente.

Die Laudatio auf die Künstlerin und ihre Werke hielt Eckhard Schwettmann, ihr Ehemann. Der Laudator ist mir seit Mitte der 90er-Jahre bekannt, wir arbeiteten bei PERRY RHODAN zusammen und sind seither immer wieder bei Projekten »zusammengestoßen«. Er erläuterte die Art und Weise, wie die Künstlerin technische Elemente mit ihrer gegenstandslosen Kunst verbindet, wie sie aus Granulat, Sand, Computerchips und Farbe originelle Bilder schafft.

Danach schaute ich mir die Ausstellung an, die übrigens noch bis zum 4. Juli angeguckt werden kann. Dutzende von Bildern in unterschiedlichen Größen waren zu sehen, wobei ich die großen Bilder besonders eindrucksvoll fand: Sie waren teilweise echt wuchtig, wirkten dynamisch und luden sogar mich zu Assoziationen ein.

Die Verbindung von technischen Elementen, die so aussahen, als hätte man sie aus einem Computer herausgebrochen, allerlei Sand und Granulat sowie viel Farbe ergab spannende Bilder, die ich mir gern betrachtete. Fürs Wohnzimmer daheim wären sie nichts, weil sie meiner Ansicht nach nur in lichten Räumlichkeiten wirkten – aber sie sind definitiv einen zweiten Blick wert. Und das gilt auch für die empfehlenswerte Ausstellung.

27 März 2014

Adolescents im Jahr 2011

Bei vielen Bands, die früher einmal so richtig gut waren, wäre es besser gewesen, sie hätten sich nie wieder zu einer Tour zusammengetan oder eine neue Platte aufgenommen. Eine der wichtigen Ausnahmen von dieser Regel sind die Adolescents; die Band gründete sich tatsächlich schon 1980; die Burschen aus dem Orange Country waren damals gerade 14 bis 16 Jahre alt.

Nach unglaublichen Konzerten und großartigen Hits löste man sich irgendwann auf, seit den Nullerjahren ist die Band wieder da. Ich sah sie seitdem zweimal, fand sie jedes Mal gut, beim ersten Mal sogar phantastisch. Und jetzt hörte ich mir endlich die Langspielplatte »The Fastest Kid Alive« an, die im Sommer 2011 herauskam.

Was soll ich sagen? Die Platte erinnert an die alten Zeiten, das aber positiv: ein treibender Sound, haufenweise Melodien zwischen Punkrock und Surfsound, zu denen man manchmal nur mit dem Kopf wackeln kann, ansonsten aber gerne hüpfen würde. Textlich ist die Band auf der richtigen Seite, kritisiert die amerikanische Politik und beschwört den Frieden – das ganze klingt ein wenig erwachsen, aber nicht langweilig.

Machen wir uns nichts vor: Die großen Hits schrieb die Band anfangs der 80er-Jahre, und wer von den Kaliforniern noch nichts kennt, sollte erst einmal alle Scheiben aus den Jahren 1981 bis 1983 holen. Klasse ist »The Fastest Kid Alive« trotzdem!

26 März 2014

Ein Vortrag zur Jugend

Den Titel der Veranstaltung fand ich schon einmal gut: »Über die Jugend und andere Krankheiten«. Klaus Farin war am Dienstag, 25. März 2014, zu Gast im »Jubez« in Karlsruhe, und da ich meinen Namensvetter jetzt schon über ein Vierteljahrhundert lang kenne, war es selbstverständlich, dass ich dort auftauchte.

Schätzungsweise dreißig Besucher hatten sich eingefunden, das Café des »Jubez« war damit nur zur Hälfte gefüllt. Die Veranstaltung lief im Rahmen der »Karlsruher Wochen gegen Rassismus«, womit Farin einen Teil seines Vortrags gleich selbst festlegen konnte.

Der Journalist, Buchautor und Jugendforscher sprach ohne Manuskript, komplett frei, also auch ohne Notizen, stand locker am Mikrofon und ließ sich selbst durch penetrante Frage nicht aus der Ruhe bringen. Zuerst stellte er das von ihm gegründete Archiv der Jugendkulturen vor, dann erläuterte er seine Sicht auf rechtsextreme Jugendliche.

Nach Farins Darstellung sind rechtsextreme Einstellungen bei der »Jugend von heute« nur eine »minoritäre Erscheinung«; es sei eher uncool, Nazi zu sein, vor allem im Vergleich zu den 90er-Jahren, als ganze Schulklassen in Thüringen und Sachsen es toll fanden, kleine Nazis zu sein. Er verwies auf das Bild von Jugendkulturen, das vor allem von Medien geprägt werde; es sei für diese nun einmal spannender, kritische Berichte über Komasaufen zu bringen, als zu schreiben, wie harmlos die meisten Jugendlichen seien.

Der Vortrag, der anfangs auf eine Stunde angelegt war, dauerte mit allen Fragen über zwei Stunden und war während dieser Zeit kein einziges Mal langweilig. Da ich selbst Mitglied im Archiv der Jugendkulturen bin, waren mir viele seiner Aussagen bekannt – in seiner ruhigen Art brachte Klaus Farin aber zahlreicheh Informationen unter, die auch mir neu waren.

25 März 2014

Menschenrechte für Muslime

In Ägypten verhängt ein offensichtlich größenwahnsinniger Richter mal eben über 500 Todesurteile wegen Terrorismus und anderen Dingen. Die Urteile werden über sogenannte Muslimbrüder gefällt, sie betreffen also mehr oder weniger fanatische Islamisten. Diese Leute sind mir im Allgemeinen herzlich unsympathisch, und ich mag weder sie noch ihre politisch-gesellschaftlichen Ansichten.

Nur: Ein solches Massen-Urteil geht nicht, das ist nicht diskutabel. Nachdem im vergangenen Jahr die – im übrigen demokratisch gewählte! – Regierung in Ägypten weggeputscht wurde, hielt sich die Kritik des ach so demokratischen Westens sehr in Grenzen. Offensichtlich ist es für »uns« in Ordnung, Regierungen mithilfe des Militärs von der Macht zu verdrängen, wenn sie einem nicht passen.

Es gab immerhin die Hoffnung, dass nach dem Ende der Muslimbrüder-Regierung vielleicht doch so etwas wie eine Demokratie kommen würde, dass die Leute, deren friedlichen Proteste im Rahmen der »Arabellion« die Mubarak-Regierung von der Macht gedrängt hatten, wieder mehr an Einfluss gewinnen und das Militär in seine Schranken weisen würden. Offensichtlich war die Hoffnung umsonst, hat sich letztlich die alte Mubarak-Elite durchgesetzt.

Zu erwarten ist leider, dass das rabiate Vorgehen von Militär und Justiz gegen die Muslimbrüder hierzulande auf große Begeisterung oder zumindest klammheimliche Unterstützung stoßen wird, nicht aber auf starke Kritik. Wenn's gegen Muslime geht, sind »wir« immer schnell dabei, allerlei Regeln außer Kraft zu setzen. Und dann wundern wir uns, wenn diese Leute glauben, der »Westen« bekämpfe sie mit allen Mitteln.

Menschenrechte gelten auch für Muslime, da kann man ihre Ansichten noch so bescheuert finden. Man darf nicht mit zweierlei Maß messen. Wenn »wir« fordern, dass die Rechte der christlichen Minderheit in Ägypten geschützt werden, schließt das ein, dass auch die muslimische Mehrheit ihre demokratischen Rechte hat. Dazu zählen auch Prozesse ohne Folter, ohne Todesurteile und vor allem ohne Ausschluss der Öffentlichkeit oder jeglicher vernünftiger Verteidigung.

Ganz ehrlich: Wie sehr unsere Politik und unsere Medien mit unterschiedlichen Blicken die Welt ins Auge fassen, das macht mich in diesen Tagen echt fassungslos. Ob das nun die Ukraine ist oder – heute ganz aktuell – die Justiz in Ägypten ...

24 März 2014

Noch ein Fanzine?

Man kann sich ja darüber streiten, wo die Grenzen für ein Fanzine anfangen und wo sie enden. Nach all meinen Definitionen sind die »Hornsignale« aber ein Fanzine: Fantasy-Fans schreiben über die Fantasy-Welt Magira und dort vor allem über das phantastische Land Clanthon, zeichnen Figuren, erfinden Geschichten, machen also lauter Dinge, die in der »normalen Welt« nicht gerade kapiert werden.

Schaue ich mir die Ausgabe 310 der »Hornsignale« an, die dieser Tage erschienen ist, wird das Schräge einer Fanzine-Produktion auf die Spitze getrieben. Das Heft umfasst 60 Seiten, die etwa das Format eines Vokabelheftes haben, aber quer geheftet sind. Es enthält Lieder – der Untertitel lautet auch konsequenterweise »Liederbuch zu Helborn«.

Tatsächlich: Lieder!

Wer sich das nicht vorstellen kann, der möge sich klarmachen, dass es hier um eine Fantasy-Welt geht. Und in einer solchen Welt wird logischerweise auch gesungen. In diesem Fall handelt es sich um das Land Clanthon, dessen Kultur im Prinzip der des frühen Mittelalters entspricht, also die heute deutschen Ländereien um das Jahr 1000 herum.

Also gibt es Sauflieder wie »Roter Wein im Becher« oder die pathetische »Clanthonische Hymne«, staatstragendes wie »Einhorn auf der Brust« oder »Nackt und gefesselt«, das man kaum erklären kann ... Es handelt sich um eine bunte Mischung, die ich zumindest witzig finde.

Das Beste an dem Fanzine ist aber der Umschlag: Das Ding ist echt in Leder gebunden, dickes Leder sogar, und eingeprägt ist das Wappen des Einhorns. Ich habe noch nie in den vergangenen Jahrzehnten ein Fanzine gesehen, das dieser »Hornsignale«-Ausgabe in punkto Optik nahekam: meine respektvolle Gratulation an die Macher dieses ungewöhnlichen Fanzines!

23 März 2014

Positive Punk Power

Die Spaltung in Punk und Hardcore hat der Szene hierzulande in den späten 80er-Jahren geschadet – auch wenn es damals nachvollziehbar war. Ab den 90er-Jahren veränderte sich das: Bands, die musikalisch eindeutig Hardcore spielten, wurden eher im Punk-Kontext verortet und andersrum.

Eine Hardcore-Band, die eindeutig zu ihren Punk-Wurzeln stand, kam aus Langenfeld und anderen Kleinstädten in Nordrhein-Westfalen. Die vier normal aussehenden Typen gründeten 1997 die Band Landscape, die schnellen Hardcore spielten. Auf eine Bekenner-Attitüde verzichteten sie, obwohl sie im wirklichen Leben als Veganer unterwegs waren.

Die Texte waren in englischer und deutscher Sprache, sprachen durchaus politische Themen an, verzichteten aber auf Parolen. Wer es genauer haben wollte, bekam in der Langspielplatte »Positive Punk Power« – die 2000 aufgenommen und dann bei Scene Police in Bonn veröffentlicht wurde – ein Textheft in englischer und deutscher Sprache, das über Anarchismus, Medien und andere Themen informierte, vor allem über die Sicht der Bandmitglieder.

Und musikalisch? Große Klasse: Die Band lieferte knalligen Hardcore-Punk, immer auf den Punkt gebracht, energisch und mit einem tüchtigen Schuss Melodie. Zehn Jahre zuvor hätte man das wahrscheinlich als »youth crew sound« bezeichnet; ich fand's klasse. Das kann man auch locker zehn oder zwanzig Jahre danach noch anhören – ein zeitloser Sound!

22 März 2014

Die Schneiderin live

Ich hatte von der Kabarettistin – oder auch Clownin – Gardi Hutter noch nie zuvor gehört. Das ist wahrscheinlich eine echte Bildungslücke, weil die Frau seit vielen Jahren »im Geschäft« ist, aber ich bin kein Experte für Theater und andere Bühnendarstellungen. Am Sonntag, 16. März 2014, trat sie mit dem Stück »Die Schneiderin« im Theaterhaus in Stuttgart auf, und ich habe es gesehen.

Schon die Bühne ist ungewöhnlich eingerichtet: ein Podest, auf dem die Schneiderin sitzt, darunter allerlei Stoffbahnen, über ihr ein drehbares Gestell, an dem diverse Kleidungsstücke hängen, mit denen sie arbeitet; rechts von ihr ein großer Spiegel, links von ihr eine Art Schrank, in dem sie allerlei Utenslien hat, die sie Stück für Stück hervorholt, in ihren Auftritt einbaut und wieder verschwinden lässt.

Das Stück kommt ohne Worte aus. Die in altmodisch aussehende Kleider gehüllte Frau sitzt im Prinzip nur herum, agiert mit »Ui« und »Oho«, macht viel mit dem Gesicht und der Gestik und schafft es so, nicht nur ihre Geschichte zu erzählen – die einer Frau, nach der bereits der Tod greift –, sondern auch die Liebesgeschichte zwischen zwei Fadenrollen und andere sehr skurrile Dinge.

Stark wird das Stück dann, wenn der Dialog mit dem Spiegel beginnt. In diesem taucht eine andere Version der Schneiderin auf – von der Regie gut gelöst: Filme werden eingeblendet –, auf die die Frau auf der Bühne reagiert. Die Frau im Spiegel und die Frau auf der Bühne agieren miteinander, sie führen gewissermaßen ein Duell auf.

Letztlich geht es um den Tod, der die Schneiderin holen möchte. Und wenn man das als Zuschauer kapiert hat, ist das vorher so witzige Stück auf einmal gar nicht mehr so lustig. Ich fand's toll, die eineinhalb Stunden gingen ruckzuck herunter, und wir hatten hinterher beim Essen noch viel Stoff zum Diskutieren, Rätseln und Lachen.

21 März 2014

Seminar im April

Kaum ist die Buchmesse vorüber, plane ich schon wieder eine Auswärtsreise – das geht echt immer so flott, dass es mir fast die Sprache verschlägt. In diesem Fall geht es wieder einmal nach Wolfenbüttel, genauer gesagt an die dortige Bundesakademie für kulturelle Bildung. Diese Einrichtung finde ich seit vielen Jahren super, und seit ebensovielen Jahren mache ich dort als Dozent an den Seminaren für angehende Science-Fiction- und Fantasy-Autoren mit.

Vom 25. bis 27. April 2014 bin ich dort mit Uwe Anton zugange; mit dem Autor und Übersetzer mache ich seit vielen Jahren gemeinsam die Seminare, stets unterstützt von Dr. Olaf Kutzmutz, dem literarischen Leiter der Bundesakademie. Der Titel des Seminars spricht Bände: »Zugespitzt. Kurzformen in Science Fiction, Horror und Fantasy«.

Noch kann man sich anmelden, die Anmeldefrist ist in den nächsten Tagen aber vorüber, wenn ich es richtig auf dem Schirm habe. Ich finde ja immer noch, dass die Seminare sensationell preiswert sind – ob und wie sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiterbringen, ist dann wieder Ansichtssache. Mir persönlich bringen sie auf jeden Fall auch immer etwas.

Urban Rejects aus Aachen

Die vier kurzhaarigen Herren von den Urban Rejects stammten aus Aachen und spielten ab Mitte der Nullerjahre ihren kraftvollen Oi!-Punk. Auf den Fotos wirkten sie sehr korrekt, machten eher den Eindruck, »smarte Skinheads« zu sein. Man bezog sich auf das Jahr 1969, also auf die klassischen Skinhead-Wurzeln, klang musikalisch aber eher nach den frühesten 80er-Jahren.

2007 kam die erste LP heraus, die den schönen Titel »Welcome To Reality«. Ich fand die Platte von der Gestaltung her schon gelungen: ein echtes echte Album-Cover, das man aufklappen konnte, das ganze mit Schwarzweiß-Layout sehr hübsch gemacht.

Der Sound der Platte ist ziemlich rockig und zugleich melodisch Sound, das geht schnell ins Ohr. Dazu die rauhe Stimme des Sängers – das ist echt klasse. Textlich steckt die Band voller Wut, singt über die Gesetze der Herrschenden oder die Gewalt auf der Straße; politische Ausfälle und Peinlichkeiten liefert diese Oi!-Band nicht – sehr gut!

20 März 2014

La Locanda als Rettung

Ich war nach der Krawattenträger- und Damenkostüm-Veranstaltung, auf der ich zwei Stunden verbracht und gut fünf Minuten auf der Bühne herumgeturnt hatte, ein wenig erschöpft. Ich hatte keine Lust auf das Essen gehabt, das sowieso aussah, als sei alles irgendwelcher Fisch- und Fleischkram, und hatte die erste Chance genutzt, mich zu vertschüssen.

Im »Motel One«, über dessen tristen Charme aus »Schnell wieder weg« und »Wir sparen schlimmer als die ärgsten Alb-Schwaben« ich eine ganze Kurzgeschichte schreiben könnte, zog ich mir vernünftige Klamotten an und stromerte durch die Nebenstraßen. Hunger hatte ich ja, Durst sowieso, und so ließ ich mich auf der Wexstraße von einem Italiener ins Innere locken, auf dessen Schild mir »La Locanda« versprochen wurde.

Zwei Dutzend Menschen saßen an einem langen Tisch, den man zusammengestellt hatte; ein anderes Dutzend Menschen hatte einen anderen Tisch belegt. Wenig Platz war für kleine Tische direkt vor der Theke, es herrschte eine laute, fröhliche Stimmung vor, und das Lokal wirkte richtig nett. In den Regalen standen Dutzende von Weinflaschen, die Einrichtung war schlicht, und die Bediener sprachen untereinander deutsch mit unterschiedlichen Akzenten.

Die Suppe, die ich als ersten Gang nahm, schmeckte aber ebenso wie das Risotto, dazu ließ ich mir einen ordentlichen Hauswein schmecken und fühlte mich hinterher fast glücklich. Nach einem solchen Abend benötige ich offensichtlich nur ein anständiges, völlig unprätentiöses Essen, einen trockenen Wein und eine Ruhe, die mein Inneres erfüllt, während rings um mich herum gelacht und gescherzt wird – und mir geht es besser. Schön!