09 Dezember 2016

Die Halbzeit von Punk

Weil ich eine Radiosendung über Lookout Records machte, hörte ich mir einige Male bewusst den Sampler »Heide Sez« an. Keine Ahnung, wann ich das zuletzt getan hatte – wahrscheinlich war es 15 Jahre her, und seither gammelte die CD in einer Kiste vor sich hin. Erschienen war der Sampler im Jahr 1996, in gewisser Weise bildete dieses Jahr die »Halbzeit des Punkrock«.

Zumindest von heute aus gesehen ... Punkrock begann irgendwann im Sommer 1976, die Gelehrten mögen sich gern über das exakte Datum streiten. Mittlerweile schreiben wir 2016 – da bildet 1996 tatsächlich die Halbzeit. Damals konnte es unsereins nicht fassen, dass es Punk schon zwanzig Jahre gab und immer noch neue Leute in diese Szene stießen, sie bereicherten und auch wieder verließen. Heute ist Punk für einige Leute endgültig museal geworden, andere leben ihn nach wie vor.

Diese Halbzeit-Phase spiegelt sich im Sampler wieder. Die Hardcore-Welle hatte ab Mitte der 80er-Jahre die amerikanische Szene komplett umgekrempelt, in der Mitte der 90er-Jahre gab es eine Gegenbewegung mit Bands, die sich auf den alten Sound beriefen. Nicht alles konnte dabei so richtig gut sein.

Aber so versammelten sich auf dem Sampler eben Bands wie The Crumbs, die rotzigen Punkrock spielten, der sich von den alten Säcken beeinflussen ließ, aber nicht altmodisch klang. Ebenso hörte man aber bewusst altmodisch klingenden 77er-Punk von Bands wie den Smugglers. Dazu kamen Pansy Division, die mit ihrer extreme poppigen Attitüde und Texten über schwules Lebensgefühl überraschten.

The Queers rotzten wie immer, Mr T Experience sowieso, Citizen Fish bildeten die Alte-Männer-Truppe, und Avail waren damals noch eine knackige junge Punkrock-Band. Und so weiter; insgesamt bot der Sampler eine hervorragende Mischung.

Das beste daran ist, dass man den auch zwanzig Jahre danach noch gut hören kann – das geht nicht mit allen Platten aus dem Jahr 1996 ...

08 Dezember 2016

Der Krieg und die Disruption

Sieht man von manchen martialischen Formulierungen ab, finde ich das Interview echt lesenswert, das die Redaktion von »Wired« mit dem Investor Frank Thelen führte. Man muss das jetzt sicher nicht alles glauben – was er über die mangelnde Digitalisierung deutscher Unternehmen sagt, ist zumindest bedenkenswert.

Für Science-Fiction-Fans sind manche Fragen durchaus spannend, weil man so etwas ja auch schon in der Literatur gelesen hat. Thelen sieht Zuwächse bei der Mobilität, spricht von E-Motoren und dem Self-Driving Car. Interessant: »Künstliche Intelligenz wird in fast alle Wirtschaftsbereiche eingreifen, nicht nur in der Kundenberatung.«

Weniger glaubhaft finde ich stets den Alarmismus. Wenn er vom Krieg fabuliert, finde ich Thelen bedenklich: »Die haben alle den Krieg noch nicht gesehen. Aber der Krieg kommt. Und zwar in jeder einzelnen Industrie.« Andererseits passt das zur Theorie der großen Disruption, die man neuerdings öfter zu lesen kriegt.

Langer Rede kurzer Sinn: lesenswertes Interview, bedenkenswerte Überlegungen, kritische Ansätze zu Hauf. Viele Bundespolitiker sollten sich das anschauen, nicht nur Firmenbosse.

Die erste Lesung im Jahr 2016

Mein Kurzgeschichtenband »Für immer Punk?« erschien bereits vor der Buchmesse in diesem Jahr. Es dauerte zwei Monate, bis ich es schaffte, eine erste Lesung abzuhalten; veranstaltet wurde sie am Mittwoch, 7. Dezember 2016, in den Räumen der »Alten Hackerei« in Karlsruhe. In dieser gepflegten Punkrock-Kneipe bin ich gelegentlich eh anzutreffen, wenn ich mir irgendwelche Bands anschaue – diesmal saß ich auf der Bühne, hatte eine schicke Lampe vor der Nase und las aus meinem Buch vor.

37 zahlende Gäste hatten sich eingefunden, was dazu führte, dass der ordentlich bestuhlte Konzertraum auch ordentlich gefüllt wirkte. Weil ich sehr nervös war, musste ich erst einmal ein Bier trinken, bevor ich mit der Lesung anfing. Und dann war’s so, dass ich anfangs viele Fehler beim Vorlesen machte, dann aber langsam fitter wurde; gegen Ende war ich halbwegs professionell.

Ich begann mit einer Geschichte, die in Freudenstadt spielte und mit der »Revolution vor dem Hotel Post« zu tun hat, wechselte dann mit einer etwas knalligeren Geschichte ins beschauliche Rastatt, um mit »Der Super-Diver« eine kurze Punkrock-Geschichte einzuschieben. Für einiges Gelächter sorgte die in Karlsruhe spielende Geschichte vom »Putzfrauen-Geschwader«.

Es schloss sich eine eher depressive Geschichte aus Freudenstadt an, gefolgt von einer amüsanten Geschichte, ebenfalls aus Freudenstadt. Ich hatte mich bewusst für Geschichte entschieden, die nicht unbedingt in Karlsruhe spielten – es waren immerhin Personen anwesend, die in den Geschichten »verarbeitet« worden waren.

Danach verkaufte ich eifrig Bücher und tauschte mit schreibenden Kollegen, redete mit Besucherinnen und Besuchern der Lesung und kam so erst gegen Mitternacht aus der »Alten Hackerei« heraus. Für mich war’s ein toller Abend; den meisten Besuchern hatte es wohl auch Spaß gemacht.

07 Dezember 2016

Mitten im modernen Bodenkrieg

Wie knallig und auch aggressiv die neuen Hörspiele der Serie »Mark Brandis – Raumkadett« sind, belegt die Folge sieben, die ich zuletzt gehört habe. Das Hörspiel trägt den Titel »Laurin« und spielt im heutigen Aserbeidschan.

In der nahen Zukunft des 22. Jahrhunderts ist die Stadt zwischen den Truppen der Union und der Republiken umkämpft. Der junge Mark Brandis und einige seiner Kameradinnen und Kameraden von der Akademie werden in die heftigen Gefechte verwickelt. Das ist ein ziemlich knalliger Einschnitt in der bisherigen Serie ...

Die eigentliche »Mark Brandis«-Serie spielt vor allem zwischen den Monden und Planeten des Sonnensystems, die Jugendabenteuer des Raumfahrers Mark Brandis sind zumeist auf der Erde der nahen Zukunft angesiedelt. Auf dieser geht es leider nicht sehr friedfertig zu. Das rundet die ursprünglichen Romane gut ab – für die Fans der Serie sind die Hörspiele auf jeden Fall von großem Interesse.

Bei »Laurin« kommt zudem eine Science-Fiction-Idee zum Tragen, die in Richtung Cyberpunk geht. Brandis und seine Freunde werden in riesige Roboter verfrachtet, die in den Bodenkämpfen eingesetzt werden; ihre Gedanken werden gekoppelt, sie interagieren mit Computern und Raketen. Das ist originell geschrieben und wird durch die Geräusche sehr gut umgesetzt.

Alles in allem entsteht so eine spannende Geschichte, die knallharte militärische Aktionen schildert. Tod und Vernichtung werden nicht direkt thematisiert, es wird stets klargemacht, dass bei den Gefechten viele Menschen sterben. Die harte Action passt dann allerdings nicht ganz zu den früheren »Brandis«-Geschichten.

Mir hat das gefallen, ich fand die Geschichte hervorragend umgesetzt und inszeniert. Balthasar von Weymarn und sein Team von Interplanar Produktion schaffen es auch bei »Laurin«, packende Science-Fiction-Unterhaltung zu liefern, die sich zwar an eine jüngere Zielgruppe richtet, bei der ein erwachsener Science-Fiction-Fan wie ich aber ebenfalls auf seine Kosten kommt ...

06 Dezember 2016

Mein Buch in den »BNN«

Im »Sonntag«, der kostenlosen Sonntagszeitung der »Badischen Neuesten Nachrichten«, erschien bereits Ende November ein schöner Artikel über mein Buch »Für immer Punk?«, den ich an dieser Stelle gern präsentiere. (Mit freundlicher Genehmigung der  »Sonntag / BNN«-Redaktion.)

Schön finde ich diesen Satz: »Man taucht ein in die spießige Sonntagnach-mittagswelt einer Kleinstadt, man leidet mit bei der Abi-Feier und man nimmt lebhaft teil am Erwachsenwerden eines jungen Mannes, der irgendwie anders ist als die meisten seiner Mitschüler.« Besser hätte ich es nicht ausdrücken können!

Meine erste Lesung aus dem aktuellen Buch

Der Mittwoch, 7. Dezember 2016, hat es in sich. Zumindest für sich, soviel kann ich schon jetzt sagen. Ich werde in der »Alten Hackerei« in Karlsruhe zum ersten Mal nicht im Publikum stehen, sondern irgendwo sitzen und selbst vor einem Publikum auftreten. Keine Ahnung, wie viele Menschen das interessieren wird – allein schon deshalb bin ich ein wenig sehr nervös.

Der andere Grund, nervös zu sein, ist hoffentlich gut zu verstehen: Es ist die erste Lesung aus meinem neuen Buch, der Kurzgeschichtensammlung »Für immer Punk?«. Texte aus dem Buch habe ich in früheren Jahren immer wieder vorgetragen; im Buch sind sie aber so stark bearbeitet und verändert geworden, dass sie eigentlich allesamt neu sind und so betrachtet werden sollten. Und leider hat es bislang nicht geklappt, die Lesung im voraus so richtig zu proben.

Hin wie her, jetzt der Werbeblock: Die Lesung beginnt offiziell um 20 Uhr; und wir wollen nicht zu spät anfangen. Ich nehme an, dass es Bier an der Theke gibt – wen also mein Lesen und Erzählen stört, kann sich ja an seinem/ihrem Bier festhalten. Das gibt bekanntlich den entscheidenden Halt im Leben ...


05 Dezember 2016

Punk aus Europa gespielt

Manchmal kann es ja ganz gut sein, wenn man aus der Not eine Tugend macht. So bei mir und dem Querfunk: Weil ich nach wie vor nicht mit dem bescheuerten Notsystem arbeiten kann, spiele ich keinen Vinylscheiben ab. Also muss ich mit solchen CDs meine Radiosendung machen, die ich eben zur Verfügung habe und die noch nicht gelaufen sind.

Entsprechend grob verlief die Planung für die Radiosendung am Sonntag, 4. Dezember 2016. Recht spontan erklärte ich »Punk aus Europa« zum Motto, was erstaunlich gut funktionierte. Zumindest meine Musikauswahl fand ich nach der Sendung richtig gut.

Unter anderem spielte ich die irische Band OnOff, deren knackiger MelodiePunk echt gut kommt. Aus Italien brachte ich mal wieder NH3 mit ihrem Skapunk und Los Fastidios mit ihrem immer überzeugenden Streetpunk.

Aus Großbritannien stellte ich die göttliche Punkrock-Band HDQ vor, die ich seit vielen Jahren liebe, und die neuere Band Baddies, die so eine Art Wave-Punk spielen und ziemlich klasse klingen. Sad But True stammen aus Luxemburg und machen Deutschpunk, allerdings in Luxemburger Sprache.

Den Schluss bildeten Psychoterror aus Estland und Distemper aus Russland. Schon rein geografisch hatte ich damit eine schöne Europa-Mixtur hingelegt.

04 Dezember 2016

Phantastische Tierwesen

Es dürfte in diesen Tagen nur wenige Filme geben, über deren Inhalt man weniger erzählen muss, über die eigentlich schon jeder Bescheid weiß: Ich war in »Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind«, habe mir die IMAX-Version gegönnt und war sehr begeistert. Was hätte man bei diesem Film und bei diesem Thema alles kaputt machen können ... Mit welchen Gefühlen habe ich die Ankündigung damals wahrgenommen ...

Der Film spielt bekanntlich im selben Universum wie die »Harry Potter«-Geschichten, die als Film wie als Buch unglaublich erfolgreich waren. Diesmal geht es aber um den Autor Newt Scamander, der in den zwanziger Jahren nach New York reist, mit einem kleinen Handkoffer als einzigem Gepäck. Er stößt in New York auf andere Zauberer, lernt einen sympathischen Bäcker kennen und muss sich mit allerlei Monstern herumschlagen.

Ich fand den Film großartig! Er ist der Beweis dafür, dass Autorinnen nicht unbedingt schlechte Drehbuchschreiber/innen sein müssen. Er ist der Beleg dafür, dass man auch ein vorhandenes Universum weiter »ausschlachten« kann, ohne dass es doof ist. Und er zeigt zudem, dass man Aliens und Wunderwesen lebensnah, humorvoll und warmherzig zeigen kann.

Bei diesem Streifen freue ich mich schon auf die Fortsetzung. Gern auch mit denselben Schauspielern, die ich allesamt sehr sympathisch fand ...

02 Dezember 2016

Ein deprimierender Kriminalfall

Dass sich Georges Simenon bei seiner legendären »Maigret«-Krimis nicht gerade um die kontinuierliche Entwicklung seiner Hauptfigur kümmerte, störte mich noch nie. Irgendwann werde ich sicher nachlesen, warum er welchen Roman zu welcher Zeit verfasste – Literatur über den bekannten Autor und seinen Detektiv gibt es schließlich genug.

Bei »Maigret macht Ferien«, dem Band 28 der bei Diogenes erscheinenden Reihe, fällt das besonders auf. Der Autor verfasste ihn 1947 in Tuscon, Arizona, weit entfernt von Frankreich und seinen beschaulichen Gemeinden. Und doch siedelte er genau dort seinen Roman an: in der Kleinstadt Les Sables d'Olonne an der Atlantikküste.

Maigret und seine Frau machen dort Urlaub. Wie es der Zufall will, erkrankt Madame Maigret und muss ins örtliche Krankenhaus. Der Kommissar langweilt sich ziemlich und verbringt die Tage damit, durch die Kleinstadt zu schlendern, in die Restaurants und Bars zu gehen und viel zu viel Weißwein zu trinken. Als er auf die Spur eines unklaren Todesfalles gebracht wird, darf er zwar nicht offiziell ermitteln, steckt aber seine Nase in allerlei Familienverhältnisse.

Der Roman ist streckenweise amüsant: Maigret gilt als Berühmtheit, er kann nicht einfach durch eine Kleinstadt gehen, ohne dass ihn die Leute erkennen. Seine Gespräche mit örtlichen Polizisten oder gar Krimi-Fans haben etwas Eigen-Satirisches.

Ansonsten ist der Fall eher deprimierend. Zum wiederholten Mal muss Maigret feststellen, wie zementiert die gesellschaftlichen Verhältnisse in kleinen Städten sind, wie sehr Oberschicht und Arbeiterklasse voneinander entfernt leben. Der Autor zeichnet in klaren Bildern die Unterschiede der Lebenswelten, ohne in peinliche Arbeiterklasse-Romantik zu verfallen.

Dabei entwickelt sich der Roman spannend. Maigret als Ermittler ohne Auftrag hat seine komischen Elemente, ist zugleich aber sehr traurig – sein Schnüffeln trägt schließlich dazu bei, dass es einen Mord gibt. Das Stochern in Beziehungen, die vielen Gespräche mit örtlichen Wirten und Händlern oder Menschen der Oberklasse zeigen viel von der Wirklichkeit einer Kleinstadt.

Ich habe die Lektüre dieses Romans wieder einmal sehr genossen, nachdem ich lange Zeit eine »Maigret-Pause« eingelegt hatte. Jetzt freue ich mich schon darauf, bald einen weiteren Roman aus dieser Reihe lesen zu können.

01 Dezember 2016

Ein paar Sätze zur Rente

In diesen Tagen wird viel über die Rente geredet, auch und gerade in meinem sozialen Umfeld. Klar – viele in meinem Alter haben bereits die Rente im Blick und rechnen sich aus, wie viel oder wie wenig Geld sie in absehbarer Zeit erhalten werden. Die Politik diskutiert wachsweich herum, die Versicherungskonzerne verbreiten die übliche Panik, und niemand weiß so richtig Bescheid.

Ich auch nicht.

Aber ich weiß eines – und das, seit ich zum ersten Mal in die Rentenversicherung eingezahlt habe: Es ist keine »Versicherung«, da wird nichts angespart, und nichts von dem, was unsereins heute in irgendwelche Kassen legt, wird noch da sein, wenn unsereins irgendwann vielleicht die Rente erreicht.

Das kapierte ich schon 1980, als ich meine Lehre antrat und zum ersten Mal irgendwelche Unterlagen der Bundesversicherungsanstalt erhielt. In den vergangenen Jahren wurde das immer klarer, und man braucht keinen politisch-wirtschaftlichen Sachverstand dafür, um es zu kapieren: Was ich heute »einzahle«, fließt direkt an die Rentner von heute.

Das heißt logischerweise: Wenn ich in 15 Jahren oder so Rentner sein sollte, brauche ich genügend Leute, die dann in der Lage sind, für mich zu arbeiten. Letztlich läuft es ja stets darauf raus, dass Leute für andere Leute arbeiten – von dieser Arbeit und dem daraus resultierenden Gehalt werden die Sozialbeiträge und alles andere bezahlt.

Insofern sind alle Diskussionen, die heute geführt werden, ganz schnell völlig albern. Niemand weiß, was in der Zukunft passiert, und jeder, der ein wenig nachdenkt, muss feststellen, dass das jetzige System nicht so weiterlaufen kann. Anders gesagt: Ich mache mir über meine Rente derzeit keine Gedanken – das muss ich dann wohl machen, wenn es so weit ist.

Aber warum dann diese Diskussionen? Warum versucht man derzeit, die Gruppen von Rentnern gegeneinander auszuspielen? Die Beamtenpensionäre gegen die Angestelltenrentner, die derzeitigen Selbständigen gegen die abhängig Beschäftigten und so weiter?

Wollen die »Mächtigen« in diesem Land davon ablenken, dass das System grundsätzlich wackelt und auf die Dauer nicht mehr funktionieren kann? Wollen sie einfach noch so lange absahnen, wie es geht, und denken sich »um den Scheiß kümmere ich mich nicht mehr«?

Ich weiß es nicht, und ich werde es nie erfahren. Aber ich mache mich halt auch nicht wegen irgendwelcher Rentengelder in naher Zukunft verrückt. Vielleicht entdecke ich dann mit 65 noch einmal den Slogan »No Future« – nur dann völlig anders ...

30 November 2016

Die Disco-Punx

Wann genau wir mit den »Disco-Punx Karlsruhe« anfingen, verliert sich ein wenig im Dunkel der Geschichte. Es dürfte bald zwanzig Jahre her sein, irgendwann um 1996/97 herum. Und schuld daran sind die internen Streitereien in der ohnehin sehr überschaubaren Szene in Karlsruhe.

Eigentlich ist »Disco-Punk« ein Schimpfwort. Aber weil wir weder zu den »Autonomen-Punks« gehörten noch was mit den »Penner-Punks« zu tun haben wollten, hingen wir oft in der »Katakombe« herum, der »Indie-Disco« im Westen von Karlsruhe. Und irgendwann meinte Lars: »Eigentlich sind wir doch Disco-Punx.«

Er kannte jemanden, bei dem wir die tollen Aufnäher in Auftrag geben konnten. Ich kannte jemanden, der toll zeichnen konnte: Frans Stummer übernahm die Gestaltung des Logos, das sich bewusst an John Travoltas Disco-Posen anlehnt.

Wir ließen genau zwanzig Aufnäher machen. Nur »Auserwählte« sollten einen erhalten. Und so vergingen nur wenige Tage, bis einige Leute mit »Disco-Punx Karlsruhe«-Aufnähern in der Stadt zu sehen waren.

Ich fand das immer witzig, aber manche Leute meinten ernsthaft, wir wollten als »Gang« auftreten. Ernsthaft: Bei diesem Logo? Aber Missverständnisse blieben da nicht aus.

Die Jacke, auf die ich es genäht hatte, entsorgte ich unlängst; sie war zerschlissen und gefiel mir nicht mehr. (Es war eine Bundeswehr-Jacke, die ich für zehn Deutschmark gekauft hatte ...) Den Aufnäher entfernte ich sorgfältig, und er kommt in meine höchst private Punkrock-Sammlung.

Was bleibt, sind viele Erinnerungen zu den »Disco-Punx Karlsruhe«. Das gäbe glatt Stoff für noch ein Buch. Aber man sollte es nicht übertreiben!

29 November 2016

Rezensionen zum Storyband

Zwei neue Rezensionen sind zu meinem aktuellen Kurzgeschichtenband »Für immer Punk?« erschienen. Wie es sich gehört, bin ich stolz darauf und verweise an dieser Stelle kurz darauf.

Die »Klappe auf« ist in Karlsruhe ein durchaus relevantes Stadtmagazin, das ich seit einem Vierteljahrhundert gern lese. Mein Buch beschreibt die Redaktion als eine »Zusammenstellung von Begebenheiten, Erfahrungen und Empfindungen aus den wilden 80er und 90er-Jahren mit einem hohen Wiedererkennungswert für alle, die auch mal jung und wild waren«. Selbstverständlich vergisst man nicht, darauf hinzuweisen, dass der Autor »gar nicht wie ein Punk aussieht« ...

Im »Pressure Magazine«, das ich bislang nicht kannte, wird mein Buch recht positiv gewertet. Die Stärke liege daran, so der Rezensent, dass ich als Autor ein Bild zeichne, »das eben nicht dem einer Schablone entspricht und tausendfach kopiert werden kann«. Die Rezension geht teilweise schön auf die Details ein, lobt unterm Strich aber sehr. Darauf bin ich dann doch sehr stolz!

Goodreads und mein Kurzroman

Wer Julia Lizoyfane ist und wie sie wirklich heißt, weiß ich nicht; es ist aber auch nicht so wichtig. Wie ich feststellte, hat sie nämlich etwas über meinen Fantasy-Kurzroman »Der Schatten des Friedens« geschrieben, der im vergangenen Jahr als E-Book sowie als Hörbuch erschienen ist.

»Mein Rezensentenschwert ist dunkelfleckig von Rost und dem Blut alten Hasses«, schreibt sie gegen Ende ihrer Rezension auf Goodreads, aus der hervorgeht, dass sie mit meinem Text nicht viel anfangen konnte. »3 blasse Sterne liegen verweht unter dem Sand der Steppen.«

Damit muss ich wohl leben. Immerhin: Es sei die »düsterste Fantasy-Novelle«, die sie »je gelesen habe« ... Ich bin jetzt mal ganz selbstbewusst und betrachte diesen Satz als Kompliment.

28 November 2016

Melodien von Los Pepes

Melodischen Punkrock höre ich immer gern – auch und gern, wenn er ein wenig in die PowerPop-Richtung geht und für die beinharten Punks »kein echter Punk« mehr ist. Das ist so seit den 70er-Jahren, als ich die ersten Punkrock-Stücke hörte. Und bei den Buzzcocks und anderen Bands der frühen Jahre freue ich mich immer noch.

Deshalb kann mich auch eine Band wie Los Pepes begeistern – die spielt nämlich melodischen Punk mit ordentlichem Schwung. Die aktuelle Platte der Band trägt den schönen Titel »All over now« und spielt rein optisch mit Horror-Klischees. Inhaltlich bleibt sie allerdings vor allem den Melodien treu und verzichtet auf Horror-Klischees in den Texten.

Die Band stammt trotz des Namens aus London, ist allerdings international. Bei der Musik orientiert man sich in der Tat an der »guten alten Zeit«, frischt den klassischen 77er-Sound aber immer wieder gut auf. Die Band kopiert also nicht ideenlos, sie interpretiert frühere Ideen, vermengt sie mit dem Chorgesang der Beat-Ära und liefert so einen Hit nach dem anderen.

Alles in allem ist die Band auf dem richtigen Weg. An die Genialität der frühen Buzzcocks reicht sie noch nicht heran – aber wer würde das auch sonst schaffen? Wer aber Musik ebendieser Art mag, sollte mal reinhören. (Bei YouTube gibt’s haufenweise Stücke von denen, die von der Band legal eingestellt wurden.)

27 November 2016

Arcana zum dreiundzwanzigsten

Als »Magazin für klassische und moderne Phantastik« ist das Fanzine »Arcana« ein Heft, dessen Lektüre ich all jenen ans Herz legen möchte, die sich für phantastische Literatur interessieren, die sich nicht in die Grenzen von Fantasy und Science Fiction pressen lässt. Ich lese das Heft seit vielen Jahren, und die Ausgabe 23 habe ich mir diesmal wieder intensiv vorgenommen. (Manchmal klappt das aus Zeitgründen nicht ganz so gut.)

Zentrales Thema ist der Autor August Justus Mordtmann, der von 1839 bis 1912 lebte und zahlreiche phantastische Geschichten verfasste. Die aktuelle »Arcana«-Ausgabe präsentiert die Geschichte »Der Untergang des Carnatic« (eine Gespenstergeschichte, die auf hoher See spielt) und liefert darüber hinaus zahlreiche Anmerkungen zum Leben des Autors und seinem Werk.

Eine weitere klassische Geschichte ist »Die Augen des Hieronymus«, die ebenfalls einen unheimlichen Charakter aufweise. Als Autorin wird L. Andro genannt; dabei handelt es sich um das Pseudonym der Wiener Schriftstellerin Therese Rie, die von 1879 bis 1934 lebte. Ihre Geschichte weist kriminalistische Aspekte auf.

Allein diese Texte lohnen sich; ich mag die Verbindungen zur alten Phantastik, die »Arcana« herstellt. Mit den Autoren Horst-Dieter Radke und Jörg Petersen sind darüber hinaus auch moderne Texte enthalten. Es gibt zudem ein Nachruf auf den verstorbenen Schriftsteller Malte S. Sembten sowie einige Rezensionen.

Alles in allem bleibt sich »Arcana« mit seiner Nummer 23 treu. Das Heft ist unaufgeregt: Weder erstickt es in literaturtheoretischem Brimborium, noch verfällt es in moderne Flachheit. Die Autoren und ihre Werke werden sorgsam präsentiert, das Layout ist zurückhaltend und schlicht.

Eine lohnenswerte Lektüre ist so ein Magazin allerdings nur für Menschen, die Lust an der klassischen Phantastik haben. Für die birgt es genügend Interessantes. Die aktuelle Ausgabe umfasst 72 Seiten und kostet fünf Euro; zu beziehen ist sie beim Verlag Lindenstruth.

26 November 2016

Mal wieder wieder so ein Freitag ...

Der Freitag, 25. November 2016, hatte es in sich. Unter anderem war wieder einmal der regelmäßig stattfindende Nazi-Aufmarsch in der Innenstadt, dazu kamen Punkrock- und Hardcore-Bands, die auf den örtlichen Bühnen stehen würden. Ich musste mich also entscheiden, wohin ich ging.

Ich schaute mir zuerst ein wenig die Nazis an. Als ich auf dem Stephansplatz ankam, hielten sie bereits ihre Schlusskundgebung ab: höchstens zwei Dutzend Leute mit allerlei Fahnen, die einem Schreihals zuhörten. Einige gelangweilt wirkende Polizisten schirmten die Kundgebung ab, rund 120 bis 150 Antifas protestierten lautstark.

Irgendwie schien an diesem Abend die Luft rauszusein, auf beiden Seiten. Ich fürchte, wenn man diese Nazi-Aufmärsche aus der Stadt haben will, muss mehr passieren – aber solange es den meisten Bürgern offenbar egal ist, was da alle zwei Wochen durch die Innenstadt krakeelt, wird sich nicht viel ändern.

Ein wenig später radelte ich in die Oststadt, wo ich im AKK – nette Kneipe auf dem Uni-Gelände – die erste Band bereits verpasst hatte. Als ich eintraf, standen die Kawenzmänner auf der Bühne, stilecht in Unterwäsche gekleidet. Der bizarre Mix aus krachigem Punkrock, gröligem Gesang, schrägen Texten und noch schrägeren Ansagen brachte den gut gefüllten Laden zum Kochen. Das Publikum sang mit, es wurde gehüpft und geschwitzt. Großartig!

Danach enterten Telemark die Bühne; die Band aus Duisburg kannte ich bislang nur von ihren Platten her. Live hauten die fünf Männer mich komplett um: ein knalliger Sänger, eine kompetente Band, ein ratternder Rhythmus, kompakt und schnell, dazu Texte, die ich leider kaum verstand, die ich aber von den Platten her schon mag.

Wer unbedingt einen Vergleich sucht, nehme No Means No, kreuze das mit den alten Fehlfarben und lege eine große Schippe NoiseRock und Punk drauf. Ich fand's großartig und hüpfte sogar ein wenig herum. Die Leute, die noch da waren, feierten die Band ab; viele waren allerdings schon gegangen.

Danach spielte The Legendary Flower Punk, glaube ich zumindest. Die russische Band klang eher experimentiell: ein Gitarrist, ein Schlagzeuger, ein Basser, kein Gesang, aber intensive Musik.

Das passte für mich überhaupt nicht, auch wenn die Band eigentlich gut war – also ging ich hinaus in die Kälte, wo es am Bierstand noch Glühwein, weiteres Bier und viele witzige Gespräche bis sehr spät in die Nacht gab.

25 November 2016

25 Jahre mit der Wahrheit

Wann ich zum ersten Mal die »tageszeitung« aus Berlin gelesen habe, weiß ich nicht mehr. Es muss Ende der 70er-Jahre gewesen sein; das Blatt lag in unserem örtlichen Jugendzentrum aus, und weil ich mich politisch informieren wollte, zählte die »taz« zu den ersten Zeitungen, die ich so richtig durchschmökerte.

Irgendwann in den 80er-Jahren abonnierte ich die Zeitung sogar, seither bin ich ihr als Abonnent erhalten geblieben. Das war nicht immer einfach: Manche Texte trieben mich zur Weißglut, manche brachten mich allerdings zum Jubeln. Politische und gesellschaftliche Irritationen schlugen sich auch in der Zeitung nieder, ebenso bei mir – das konnte nicht immer zu einem hundertprozentigen Einklang führen.

Seit 25 Jahren hat die »taz« eine tägliche Satireseite, die den schönen Namen »die Wahrheit« trägt. Meist zählt sie zu den ersten Seiten, die ich mir genauer anschaue. Ich lese immer den täglichen Cartoon und die Kolumne, liebe den Wetterbericht und finde gelegentlich den »Haupttext« auf der Seite so richtig doof. Aber missen möchte ich die Seite nicht.

Heute wird in Berlin das Jubiläum gefeiert. Ich bin nicht dabei, weil ich in Karlsruhe genug zu tun habe. Aber ich wäre gern dabei und würde mich gern kreischend und sabbernd als Fan der »Wahrheit« outen.

Weil ich das nicht live und in Farbe machen kann, tu' ich es hier in diesem Blog: Ich bin ein Fan der »Wahrheit«, halte sie für eine wichtige Konstante in der »taz« und – jawollja! – in meinem Leben und wünsche heute eine rauschende Party sowie in Zukunft weitere Jahrzehnte erfolgreichen Satire-Journalismus.

24 November 2016

Ratten und Punks in einem Comic

Das Jahr 1977 in Düsseldorf: Der Ratinger Hof ist der Treffpunkt der aufkeimenden Punk-Szene, die ersten Bands treten auf, eine Szene bildet sich aus. Doch direkt unter dem Hof, in der Kanalisation der Stadt, liegt der Rattinger Hoff, ein Szene-Treffpunkt für die Ratten, die in den Kanälen unter der Stadt längst eine eigene Szene begründet haben.

Soweit das Szenario für den kurzen und gelungenen Comic »Rattinger Hoff«, den der Grafiker und Comiczeichner Ralf Zeigermann bereits 2014 im Gonzo-Verlag veröffentlicht hat. Zeigermann, der vor einigen Jahren ein verdienstvolles Sachbuch über den »echten« Ratinger Hoff publizieren konnte, liefert damit einen augenzwinkernden Kommentar zum Jahr 1977, in dem es von Anspielungen nur so wimmelt.

Da schwimmt ein toter Paul durch den Rhein, da wird ein Klumpen mit Fett zu »Kunz« verarbeitet, da sitzen »Rote Anarchie Zecken« in der Kneipe herum – vor allem Leute, die sich mit den späten 70er-Jahren einigermaßen auskennen, werden hier viele wieder erkennen. Die Geschichte selbst ist kurz und knapp, der eigentliche Comic gerade mal 16 Seiten lang.

Zeichnerisch ist Zeigermanns Stil ebenfalls sehr knapp. Die Ratten sind menschenähnlich genug, um eine Comicgeschichte über Punks erzählen zu können; der satirische Charakter wird immer klar, und die Farbgebung ist passend und zurückhaltend zugleich. Sehr gelungen – der kleine Comic sei hiermit vor allem jenen empfohlen, die mit Punk etwas anfangen können.

Immerhin hat der Gonzo-Verlag dem Werk auch eine ISBN spendiert. Mithilfe der 978-3-344-564-07-4 kann man den Comic im Buchhandel bestellen, das im Querformat gedruckte Heft ist mit fünf Euro sehr preisgünstig.

Selbstverständlich kann man es auch beim Gonzo-Verlag selbst bekommen, der in seinem Programm eine Reihe von weiteren Titeln hat, die sich im weitesten Sinne mit Punk beschäftigen. Es lohnt sich durchaus, sich durch die Internet-Seite des Verlages zu klicken.

23 November 2016

Zwei »Sardev«-Rezensionen

Ich bekenne mich schuldig: Tatsächlich zähle ich zu jenen Menschen, die gelegentlich das Ego-Googeln betreiben, sprich, danach schauen, was im Netz über sie geschrieben wird. In meinem Fall interessierte mich sehr, ob und wie es schon neue Stimmen zu meiner Kurzgeschichtensammlung »Für immer Punk?« gibt.

Wie ich überrascht feststellte, sind meiner Aufmerksamkeit zwei Besprechungen meines Kurzromans »Der Schatten des Friedens« durchgerutscht. Auf diese weise ich heute gern hin. Der Roman erschien in gedruckter Version vor einigen Jahren im Basilisk-Verlag, bei dem es noch Restexemplare gibt, und liegt seit vergangenem Sommer als E-Book vor. Besprochen wurde die gedruckte Version.

Der Blog »Favolas de Mezzanotte« richtet sich nicht unbedingt an die Zielgruppe für diese Art von Literatur, was schon der Untertitel »Böse Märchen für süße Träume« belegt. Trotzdem kommt »Moni« in ihrer Rezension zu einem positiven Schluss (auch wenn es nicht ihr Lieblingsroman werden wird ...): »Wenn ihr Eure Fantasy hart, unglorifiziert und actionreich mit 80ies Flair mögt habt ihr hier das perfekte, nur leider etwas kurze Lesevergnügen geboten.«

Der »Legimus«-Blog gibt dem Roman immerhin dreieinhalb von fünf Punkten, was mir gut gefällt. Der Schluss ist unterm Strich ebenfalls positiv: »Klaus N. Frick hat einen kurzweiligen Roman spannender Unterhaltung geschrieben, der den Leser mit in ein Abenteuer staubiger Landschaften, ausgetrockneter Flussbetten und wüster Kämpfe nimmt.«

22 November 2016

Dr. Strange überrascht positiv

Mein Verhältnis zu Superhelden-Verfilmungen ist sehr zwiespältig. Meist finde ich die Effekthascherei nervig und die Dialoge blöd. Entsprechend kritisch war ich also schon im Vorfeld des Kinoabends, an dem wir uns »Dr. Strange« anschauten. Ich wurde positiv überrascht: Der Film war absolut unterhaltsam, er war witzig und spannend, er brachte die eine oder andere bedenkenswerte Dialogzeile zu Themen wie Verantwortung oder Realität, und er überzeugte vor allem in punkto Kameratechnik und Tricks.

Zur Handlung muss ich sicher nicht so viel sagen. Der gute Dr. Strange ist anfangs ein arroganter Chirurg, der erst im Verlauf des Filmes zum Superhelden wird. Er lernt die Gesetze der Magie kennen, erfährt gewissermaßen, aus was der Kit besteht, der das Universum zusammenhält. Am Ende muss er für die Magier kämpfen, wobei er ganz nebenbei in ein anderes Universum wechselt und dort die Erde im Alleingang verteidigt.

Klingt bescheuert? Ist auch teilweise bescheuert. Selbst ein Science-Fiction-Fan wie ich schaute da manchmal irritiert durch die Drei-D-Brille. Aber weil alles so gut gemacht war, störte mich mancher Klopper in der Handlung nicht.

Zur hohen Qualität des Filmes trugen die schauspielerischen Leistungen bei. Benedict Cumberbatch, den ich durch die »Sherlock«-Verfilmungen schätze, spielt den arroganten Dr. Strange mit viel Begeisterung und Herzblut; er wirkt wie eine Mixtur aus Tony Stark alias Ironman und Sherlock Holmes selbst. Gleichrangig ist allerdings Tilda Swinton, die als mächtige Magierin die zweite wichtige Figur des Filmes ist. Mit sparsamen Gestern und einer sehr reduzierten Mimik zeigt die Frau, wie gut sie schauspielern kann. Toll!

Okay, und dann die Tricktechnik. Dreidimensionale Effekte, die einen wirklich staunen lassen, wirbeln buchstäblich die Welt durcheinander. Gebäude verdrehen sich, die Welt wird gekippt und gestaucht. Was mich vor fünf Jahren bei »Inception« in Staunen versetzt hat, wird in diesem Film noch einmal getoppt. Allein schon die Schauwerte lohnen sich, den Film anzuschauen – das ist sensationell!

Übrigens ist »Dr. Strange« in der Drei-D-Version ein Beispiel dafür, warum sich ein Kinobesuch immer noch lohnen kann. Das Staunen, das ich bei diesem Film erlebte, werde ich beim Anschauen einer DVD am heimischen Fernseher einfach nicht verspüren.

Ich empfehle nicht nur Science-Fiction- und Superhelden-Fans, sich diesen Film anzuschauen. Er macht Spaß, vor allem dann allerdings, wenn man es schafft, einige übertrieben wirkende Superhelden-Dinge zu ignorieren ...

21 November 2016

Zehntausend Tweets

Man darf sich das gar nicht so genau vorstellen: Glaube ich den heutigen Aussagen von Twitter, habe ich im Verlauf der Jahre exakt 10.000 (zehntausend!) Tweets abgesondert. Wohlgemerkt ... in meinem privaten Bereich, also auf dem Enpunkt-Account, nicht »nebenan« auf dem Account der Science-Fiction-Serie, für die ich arbeite und für die ich gelegentlich auch mal einen Tweets schreibe.

Als ich im Mai 2007 meinen Twitter-Account eröffnete, war ich recht früh dran. Zu dieser gab es den »Microblogging«-Dienst, wie manche die Plattform nennen, gerade mal seit einem Jahr und zwei Monaten. Die meisten Nutzer kamen aus dem englischsprachigen Raum, was dazu führte, dass ich meine ersten Tweets in einem eher schlichten Englisch in die Welt pustete.

Mittlerweile bestehen meine Twitter-Aktivitäten daraus, Sachen zu verbreiten, die ich anderswo eh schon geschrieben habe: aus meinem Blog etwa, aber auch aus meiner Lieblingsheftromanserie. Darüber hinaus schreibe ich immer mal wieder einen Tweet, wenn ich denke, das könnte jemanden außerhalb meines Hirns interessieren.

Spannend ist, was mit den Tweets passiert. Da ich nicht unbedingt der »lustige Twitterer« bin, habe ich nicht sooo viele Follower. Trotzdem gibt es immer wieder Tweets, die geteilt oder diskutiert werden. Darüber freue ich mich dann.

Zehntausend Tweets – das ist viel. Nicht alle davon waren relevant, nein-nein. Aber die meisten habe ich gern geschrieben. Schauen wir mal, wie viele es noch werden ...

20 November 2016

Criminal Minds stammen aus Peking

Eigentlich heißt die Band Fan Zui Xiang Fa – weil die Musiker aus Beijing selbst wussten, dass sich das kein Westler merken kann, nannten sie sich für ihr Demo gleich mal Criminal Minds. Unter dem Namen findet man die Band in den einschlägigen Listen ... ich konnte mir den richtigen Namen der Band übrigens auch nie merken.

Das Demo wurde im Juni 2006 aufgenommen, es enthält zehn Stücke, von denen kein einziges länger ist als neunzig Sekunden. Die Texte sind in chinesischer Sprache, ab und zu auch in schlechtem Englisch. Sofern kapierbar ist, worum es geht, handeln die Stücke von Zerstören und Kaputtschlagen, durchaus staatskritisch (»we destroy the red dream«).

Musikalisch liefert die Band einen absolut knalligen Hardcore-Punk, der sich schwer an den frühen Hardcore-Bands in den USA orientiert. Die Stücke sind schnell, der Sänger brüllt wütend, die Energie wirkt glaubhaft.

Das kann man als »Exotenpunk« betrachten, man kann aber auch einsehen und akzeptieren, dass die Band kompromisslos und wütend klingt – das wiederum hat für einen authentischen Klang. Nach dem, was man als Mitteleuropäer von China mitbekommt, hat eine Band mit solcher Musik sicher kein richtig einfaches Leben. Respekt!

19 November 2016

Nazitreff in Kehl

Seien wir fair: Nicht jeder, der die AfD wählt, ist ein Nazi. Es sind sicher Protestwähler dabei, sicher verunsicherte Leute, die nicht damit klarkommen, dass »in diesem unserem Lande« so viel gemauschelt wird, dass auf einmal »so viele Ausländer« da sind, die einfach Angst haben. Aber wer sich in Kehl zum Landesparteitag der sogenannten Alternative für Deutschland trifft, ist in meinen Augen nicht mehr ein besorgter Bürger, den man irgendwie ernst nehmen und anhören muss, sondern schlichtweg ein Rechtsradikaler.
 
Da nützen bürgerlich-liberal auftretende Menschen wie Jörg Meuthen nichts, der die AfD in Baden-Württemberg führt und irgendwo in der gleichen Stadt wohnt wie ich selbst. Der Mann, von dem man anfangs denken konnte, er sei »nicht so schlimm« wie viele andere in seiner Partei, hat sich durch Reden über ein »links-rot-grün verseuchtes 68-er-Deutschland« selbst in die rechte Ecke gestellt. Während seine Gefolgsleute primitiven Hass verbreiten, schafft er es, in den seriösen Medien immer noch irgendwie und irgendwo ernstgenommen zu werden. 
 
Dass die AfD in Kehl die Presse offiziell ausgeladen hat, spricht dafür, wie man sie einzuschätzen hat: als eine Bande, die das Licht der Öffentlichkeit scheut. Anders gesagt: Rechtsradikale mit Ansichten, die ich hundertprozentig ablehne. Ob man sie nun als Faschisten oder Nazis einstufen soll, darüber mögen sich Politikwissenschaftler den Kopf zerbrechen.

18 November 2016

Die Phantastika als Thema für 2017?

Wer sich im deutschsprachigen Raum mit Science Fiction und Fantasy beschäftigt, hat es womöglich schon mitbekommen. Mike Hillenbrand, Chef des Verlags in Farbe und Bunt und auch sonst umtriebiger Science-Fiction-Macher, hat mit einigen Menschen zusammen eine Veranstaltung in Planung, die im September 2017 das Licht der Welt erblicken wird. Konkret wird am 2. und 3. September 2017 in Oberhausen die Phantastika veranstaltet.

Die Veranstalter versprechen viel, das muss ich an dieser Stelle nicht alles wiedergeben. Wer mehr wissen möchte, checke bitte selbständig die Website der Veranstalter.

Man möchte ein »Festival für die ganze Familie« sein, aber auch Fans aller Art ansprechen. Man möchte Hörspiele und Hörbücher, Fantasy und Steampunk, Wissenschaft und Literatur unter einen Hut bringen. Das klingt ambitioniert, könnte aber funktionieren.

Ich sehe der Angelegenheit sehr interessiert entgegen und begrüße das Konzept. 1992 versuchten einige Freunde und ich etwas sehr ähnliches in Freudenstadt. Was damals im Schwarzwald funktionierte, müsste auch in einer Metropolregion wie dem Ruhrgebiet klappen. Selbstverständlich werden nicht alle Pläne umzusetzen sein – aber das ist normal. Im Vorfeld einer solchen Veranstaltung, die sich ausdrücklich nicht als Con versteht, müssen erst einmal einige hohe Ziele gesetzt werden.

Wenn es irgendwie machbar ist, werde ich die Veranstaltung besuchen. Ob ich das in meiner Funktion als Redakteur mache, in meiner Funktion als Gelegenheitsschriftsteller oder in meiner Funktion als Fan – das entscheide ich bis dahin noch. Oder ich werde vor Ort endgültig schizophren ...

Ernsthaft: Ich finde es gut, dass im deutschsprachigen Raum ein erneuter Versuch unternommen wird, die unterschiedlichsten Fan-Kreise zu bündeln. Das sollte man in dieser Phase nicht kleinreden, sondern unterstützen.

17 November 2016

Vegetarische Künstler und innovative Kongresse

Ab und zu empfiehlt es sich, in alten Unterlagen nachzuschauen, wie man selbst zu einer gewissen Zeit gedacht und gehandelt hat. Das mache ich gelegentlich in diesem Blog – immerhin gibt es ihn seit über zehn Jahren, und beim Nachschauen finde ich immer wieder Dinge, die ich völlig verdrängt glaubte. So geht es mir, wenn ich nachschaue, über welche Themen ich vor genau zehn Jahren geschrieben habe.

Unter der Überschrift »Punkrock mit Frauenbonus«, die ich so nicht mehr verwenden würde, schrieb ich am 12. November 2006 über ein Konzert in Frankfurt. Schlimm daran ist übrigens vor allem, dass ich seitdem nicht mehr ein Konzert im Keller der »Au« besuchte.

»Emocore und Lesung in Tübingen«: Das ist eine Überschrift, die eigentlich auch als Inhaltsangabe durchgehen könnte. Am 13. November schrieb ich über eine Lesung, die ich in der Studentenstadt am Neckar gehalten hatte – auch diesen Veranstaltungsort besuchte ich seitdem nicht mehr.

Am 14. November betrieb ich wohl ein bisschen Ego-Googeln, landete auf der Internet-Seite des Schriftstellers Oliver Uschmann, der mittlerweile richtig bekannt ist, und freute mich öffentlich darüber. Titel meines Textes: »Großartiger Vergleich« – stimmt immer noch.

»Fast ein Desaster« ist der Bericht übertitelt, den ich am 15. November in den Blog stellte. Es geht um eine Lesung in Mainz, die ich in der Universität abhielt. Dabei musste ich im Prinzip durch den Raum brüllen – eine interessante Erfahrung, die ich ungern wiederholen möchte ...

In »Neuer Titel für den Herrn« geht es noch mal um die Lesung in Mainz. Allerdings betrachte ich da die Begegnung mit einer freundlichen Servicekraft, für die ich »der vegetarische Künstler« war. Cooler Titel.

Dann »Berichte zur anstehenden Lesung« ... man merkt, wie sich manche Themen in diesem Blog echt wiederholen. In diesem Text geht es um eine Lesung, die vor zehn Jahren sehr ordentlich in den örtlichen Medien angekündigt wurde.

Mehr mit meiner Arbeit und den damit einhergehenden Begegnungen hat der Text »Ein Kongress für ›mehr Innovation‹« zu tun. Mit einer Kollegin war ich auf einem Kongress in Freiburg; damals waren Dinge wie »Web 2.0« noch ganz neu, von Facebook und Twitter redete niemand, und mit meinem Blog war ich damals voll der Trendsetter.

16 November 2016

»Schwarzwalddörflich sozialisiert«

»Er ist einer der bekanntesten literarischen Chronisten der Punk-Bewegung.« Das schreibt das »Inka-Magazin« über mich, das »Stadtmagazin für Kunst und Kultur« im Großraum Karlsruhe. In einer kurzen Besprechung stellen die Kollegen dort mein Buch »Für immer Punk?« vor und machen darüber hinaus ein wenig Werbung für meine Lesung, die im Dezember in der »Alten Hackerei« stattfinden wird.

In der knappen Rezension werde ich als der »schwarzwalddörflich sozialisierte Enpunkt« bezeichnet, was ich witzig finde. Meine Texte werden als »mal mehr krawallig und mal eher nachdenklich (aber immer schön schräg!)« charakterisiert. Damit kann ich sehr gut leben ...

15 November 2016

An der Hakenkreuzhaltestelle

Conil de la Frontera hatte sich als wenig ansprechend erwiesen. Wir hatten uns die kleine Hafenstadt in Andalusien zwar mit Interesse angeschaut, der fiese Wind hatte allerdings dazu beigetragen, dass wir keine Lust gehabt hatten, am Strand zu bleiben. Also waren wir durch die Straßen geschlendert, hatten irgendwann in einem Supermarkt frische Getränke gekauft und beschlossen, mit dem Bus noch nach Cadiz zu fahren.

Die nächste Bushhaltestelle für uns lag nicht in der Innenstadt, an der wir schon vorbei gegangen waren, sondern ein wenig weiter außerhalb. Spontan beschlossen wir, in diese Richtung zu gehen. Die Temperaturen waren schweißtreibend, aber der starke Wind sorgte dafür, dass man sich fühlte, als stünde man ständig vor einem starken Ventilator, der einem die Feuchtigkeit aus den Haaren und den Klamotten pustete.

Wir ließen uns auf den Sitzgelegenheiten der überdachten Bushaltestelle nieder. Unmengen von Autos fuhren vorüber, und ich überlegte mir schon, ob wir nicht per Anhalter reisen sollten. Angesichts meiner Spanischkenntnisse war das zwecklos; ich hätte nicht einmal sagen können, wohin ich genau wollte.

Es dauerte. Und dauerte.

Ich hatte das spanische Bussystem bisher als sehr gut wahrgenommen, alle zwanzig Minuten kam ein Bus. Doch jetzt hatte ich das Gefühl, in einem toten Eck zu stehen. Vorbeigehende Passanten, die vom Supermarkt kamen oder eine Bar an der Ecke ansteuerten, schauten uns mit einem Blick an, den ich als kritisch identifizierte.

Ich ging einmal um das Häuschen herum, in dem wir saßen. Kein Fahrplan hing aus, das kannte ich auch besser.

Dafür erkannte ich jetzt, was diese Bushaltestelle wirklich auszeichnete: Völlig dilettantische Hakenkreuze waren gegen die Scheiben gesprüht worden, hässlich und grotesk überzeichnet, aber groß genug, dass man sie wahrnahm, wenn man mit dem Auto vorbeifuhr oder daran entlangging.

»Na super!«, murrte ich. »Welche Haltestelle sucht sich ein Deutscher im Ausland aus? Die mit den Hakenkreuzen.«

Ich war froh, dass dann endlich der Bus kam und wir bis nach San Fernando kamen. Das aber ist schon wieder eine andere Geschichte.

14 November 2016

Schlangen, Tongs und Meuchelmörder

Wieder einmal habe ich zwei Hörspiele aus der Gruselserie »John Sinclair« angehört, wieder einmal wurde ich angenehm überrascht, wie unterhaltsam sie sind. Bei dem Zweiteiler geht es um mörderische Inder, gewissenlose Gangster und intrigante Dämonenfreunde – und natürlich muss John Sinclair als »Geisterjäger« alles unternehmen, um den Bösewichten das Handwerk zu legen.

Das erste Hörspiel – die Nummer 85 – trägt den Titel »Kalis Schlangengrube«. Dass diese Grube im ganzen Hörspiel keinerlei Rolle spielt, macht erstaunlicherweise nichts aus; es geht trotzdem ordentlich zur Sache. Indische Diener der Göttin Kali sind in London aktiv; sie ermorden Menschen und entführen einen Mann, der eigentlich John Sinclair besuchen möchte.

Im Hafen der Metropole findet die Polizei eine Leiche ohne Kopf, ein fieser Unterweltler spielt irgendwie auch eine Rolle – kein Wunder, dass die Spezialabteilung von Scotland Yard eingeschaltet wird, zu der John Sinclair gehört. Der Beamte ermittelt, die Bösewichte spinnen ihr Netz ... das alles ist spannend aufgebaut, und gemeinerweise endet das Hörspiel mit einem fiesen Cliffhanger.

Die Fortsetzung trägt nicht nur den knalligen Titel »Terror der Tongs«, sie treibt die Geschichte auch ähnlich knallig voran. Mithilfe ihrer Diener will die indische Göttin Kali jetzt in London ihr Unwesen treiben. Dazu mischen allerlei Bösewichte mit, die »Sinclair«-Experten sicher aus der Serie kennen. Und natürlich wird wieder ordentlich geschossen und gekämpft.

In dieser Folge wird klar, wie die einzelnen Handlungsfäden zusammenhängen. Die Logik wird ziemlich gedehnt, und man muss eben akzeptieren, dass im »Sinclair«-Universum an jeder Straßenecke irgendwelche magischen Wesen herumstehen – aber lässt man sich darauf ein, macht das viel Spaß.

Okay, schon klar ... das liegt nicht unbedingt an der Story, sondern vor allem an der Art der Präsentation. Die Kollegen bei Lübbe Audio schaffen es, aus den eher schlichten Storys spannende Hörspiele zu machen. Schnelle Schnitte und rasante Dialoge lassen einen durch das Geschehen eilen; auf die Details der Logik achtet man da unweigerlich nicht sooo sehr.

Das hat echt was. Respekt!

13 November 2016

Kick Joneses sind immer noch super

Keine Ahnung, wie oft ich in den vergangenen zwei Dutzend Jahren die Band Kick Joneses gesehen habe. Am Freitag, 11. November 2016, erwies sich wieder einmal für mich, warum ich die Herren aus der Pfalz so mag: Die Band spielte in der Alten Hackerei in Karlsruhe, die angenehm gefüllt war.

Vom ersten Ton an herrschte knallige Spielfreude auf der Bühne, die vom Publikum mit fröhlichem Grinsen und – nach einiger Zeit – einer gewissen Tanzfreude zurückgegeben wurde. Kick Joneses machen keinen Pogo-Punk, sondern haben aus ihrer Freude an poppigen Melodien nie einen Hehl gemacht. Wer mag, kann auch jederzeit behaupten, die Band mache Pop – die Melodien sitzen, die Bläsersätze und das Orgelquieken passen, die Melodien kommen stets auf den Punkt.

Wenn die Band auf der Bühne aus dem Grinsen nicht mehr rauskommt und die gute Stimmung im Publikum aus den Gesichtern springt, kann nichts mehr schief gehen. Und wenn eine Band ihr Konzert mit »12XU« und »Safety Dance« beendet, belegt das, wie gut sie sich in den Klassikern auskennt und aus welchen Ecken sie sich bedient.

Das mag jetzt schwärmerisch klingen, trifft aber meine Meinung. Kick Joneses haben an diesem Abend geglänzt, sie haben die furiose Mixtur aus Punk und Pop auf die Bühne gezaubert, die sie schon immer zelebrieren – was will ich da mehr?

11 November 2016

Am Starnberger See

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Am 20. und 21. September 2016 weilte ich in Tutzing; dort hielt ich in der Akademie für politische Bildung einen Vortrag und ließ mich von verschiedenen Leuten über meinen Beruf ausquetschen. Das war manchmal anstrengend, aber unterm Strich machte es auch Spaß.

Mit mir war Uwe Anton zugegen. Mit dem Autor arbeite ich seit Mitte der 90er-Jahre zusammen, persönlich kennen wir uns seit den 80er-Jahren. Wir haben schon Seminare in Wolfenbüttel gegeben, waren gemeinsam bei lustigen Veranstaltungen und traurigen Beerdigungen.

Für eine Foto-Session im Garten der Akademie mussten wir einige Zeit seriös wirken. Aber kaum mussten wir das nicht mehr sein, wurde auch ein wenig geblödelt. Dieses Foto hier, das Dominik Kühl geschossen hat, finde ich dabei richtig schön.

Das Polytox und ich

Früher machte man Fanzines, heute wird die Punkrock-Szene mithilfe von Blogs und Online-Magazinen durchleuchtet. Das ist der Fortschritt unserer Zeit, das kann man jetzt gut oder schlecht finden – es ist halt so. 
 
Ganz neu ist das Online-Fanzine »polytox.org«, das von einer Reihe von Leuten gemacht wird, die ich teilweise seit zehn bis zwanzig Jahren kenne. Man versteht sich als »ein Zine von Bekannten und Freunden«, will sich mit »Musik, Gesellschaft, Kunst, Politik oder Punk, Hiphop, Dadaismus, Comics« beschäftigen und strebt ein Zine an, »das auf den ersten Blick vielleicht keinen roten Faden hat«. 
 
Das klingt nach einer guten Mischung, und ich wünsche der neuen Online-Publikation einen langen Atem. Besonders erfreut bin ich natürlich darüber, dass ich recht früh schon auf »polytox.org« auftauche. 
 
Unter dem Titel »Klaus N. Frick – Für immer Punk?« gibt es nicht nur eine Besprechung zu meinem Kurzgeschichtenband, sondern auch ein ausführliches Interview mit mir. Ich plaudere da ein wenig über das Buch – logisch! –, aber ebenso darüber, wie es ist, in einem Verlag zu arbeiten und trotzdem auf Krachkonzerte zu gehen.

10 November 2016

Von Krimi bis zur Fantasy

Dass ich auf der Internet-Seite der Science-Fiction-Serie, für die ich vor allem arbeite, immer wieder Bücher bespreche, habe ich an dieser Stelle gelegentlich ausgeplaudert. Heute will ich auf einige dieser Besprechungen zurückblicken – es sind im Jahr 2016 bisher nicht so viele gewesen.

»Ein irrwitziges Abenteuer voller Überraschungen« habe ich die Rezension des Romans »Der Kaffeedieb« übertitelt. Dabei handelt es sich vordergründig um einen historischen Roman, doch Tom Hillenbrand würzt ihn mit zahlreichen Verweisen, die auf die heutige Zeit hindeuten: Geheimniskrämerei auf höchstem Niveau – ein richtig süffiger Roman ist das.

»Ungewöhnliche Fantasy mit Anspruch« steht über meiner Rezension von Jo Waltons Werk »In einer anderen Welt«. Ich halte das für einen richtig guten Phantastik-Roman, bin mir aber sicher, dass viele Genre-Leser damit nicht viel anfangen können. Hoffentlich verkauft sich das Ding trotzdem einigermaßen gut!

»Phantasmen« von Kai Meyer stand, als es als Hardcover veröffentlicht wurde, ein wenig zwischen den Stühlen. Der Roman ist halt kein echtes Jugendbuch, es ist eher eine Mixtur aus Science Fiction, Thriller und Horror – das ist für die Verlage schwer zu vermarkten. Meine Rezension trägt deshalb auch den Titel »Rasanter Endzeit-Thriller«.

Klar und eindeutig ist »Das Schiff« von Andreas Brandhorst zu vermarkten: Der Roman spielt in der Zukunft, es kommen Raumschiffe und Außerirdische vor – lupenreine Science Fiction also, die man allerdings mit viel Ruhe auf sich wirken lassen muss. »Eindrucksvoller Science-Fiction-Weltentwurf« lautet der Titel meiner Rezension.

»Beeindruckender Endzeit-Roman« ... mir fällt auf, dass in meinen Buchbesprechungen gewisse Wörter häufiger auftauchen. Das muss ich ändern – aber es ist ja auch nicht schlimm, schließlich erscheinen die Rezensionen nicht im Abstand einiger Stunden. Hin wie her: Unter dem genannten Titel erschien meine Besprechung zu Adrian J. Walkers »Am Ende aller Zeiten«.

09 November 2016

Wilsbergs erster Fall

Im Jahr 1990 begann der Siegeszug einer Reihe von Kriminalromanen, die den Autor Jürgen Kehrer bekannt machten. Ich kam erst dieser Tage dazu, den einleitenden Band dieser Serie zu lesen: »Und die Toten lässt man ruhen« ist der erste Wilsberg-Roman. Er hat mich so gut unterhalten, dass ich weitere lesen möchte – die erfolgreichen Fernsehverfilmungen kenne ich übrigens gar nicht.

Jürgen Kehrer hat es geschafft, mittlerweile 19 Romane über den skurrilen Privatdetektiv aus Münster zu veröffentlichen; auf Basis dieser Romane entstanden rund fünfzig Fernsehfilme. Das finde ich respektabel, das musste ich lesen.

Zum Inhalt: Georg Wilsberg ist ein ehemaliger Rechtsanwalt, der seine Lizenz verloren hat. Er verdient ein wenig Geld mit Briefmarken und Münzen, ist aber in allem erfolglos. Damit kann man in Münster offensichtlich trotzdem seine Existenz fristen. Doch dann verbeißt er sich in einen Mordfall, der gut zwanzig Jahre zuvor geschehen ist, und stolpert von einem Problem in das nächste.

Wilsberg gibt nicht auf, er beißt sich durch, und auf einmal erwacht der Ehrgeiz in ihm. Wie er letztlich den Fall löst, ist fast schon wieder zweitrangig – auf dem Weg dahin kann man sich als Leser über knappe Dialoge und treffende Beschreibungen freuen. In diesem Krimi wird nicht geschwafelt, sondern gehandelt, und mit den Dialogen werden die Figuren sehr treffend beschrieben.

Jürgen Kehrer hat es mit »Und die Toten lässt man ruhen« geschafft, dass ich angefixt wurde. Und das liegt nicht daran, dass ich Münster irgendwie eng verbunden wäre – dieser Krimi funktioniert ohne jeglichen Lokalbezug.

Ich glaube, ich werde mir bei Gelegenheit den zweiten Band holen. Die neue Gestaltung der Reihe, die im Grafit-Verlag veröffentlicht wird, macht da richtiggehend an ...

08 November 2016

Die USA mal im Blick

Ich wollte in meiner Radiosendung am Sonntag, 6. November 2016, keinerlei Anmerkung zur aktuellen politischen Situation in den Vereinigten Staaten von mir geben. Das Thema hatte sich mehr aus Zufall ergeben, und dann bot es sich an, mal wieder knalligen Sounds aus Amland zu bringen. Musikalisch gefiel mir die Mixtur dann doch sehr gut.

Wie immer überzeugen Bands wie Let It Burn aus New Jersey mit ihrem knalligen Hardcore-Punk oder die Boss Martians aus Seattle, bei denen man nie so genau weiß, ob sie jetzt Punk machen oder in die Indie-Schublade schlüpfen wollen. Schön ist es dann doch, wenn man bei Screeching Weasel aus Chicago immer weiß, dass die halt ihren Turnschuh-Punk spielen.

Immer wieder bieten sich die Epoxies aus Portland und die Soviettes aus Minneapolis mit ihrem rotzigen Wave-Punk an; beide Bands sind sich sehr ähnlich. Auch The Adored aus Los Angeles mit ihrem wunderbaren Pop-Punk passen gut in die Ecke.

Mit ihrem Surfpunk gefallen mir Man Or Astroman schon immer, und Rancid dürfen trotz aller kommerziellen Allüren jederzeit in meine Sendung. Den Abschluss bildeten Against Me!, deren starke Auftritte in der Ex-Steffi mich in den Nullerjahren echt begeisterten. (Oder war’s nur einer?) Gute Sendung also – und diesmal ohne technische Pannen ...