17 Mai 2013

 

Bleibende Schäden klingen angenehm

Vieles von dem, was heutzutage unter deutschsprachigem »Pop« angeboten wird, klingt für mich austauschbar oder gar einfach wie moderner Schlager. Gelegentlich bekomme ich entsprechende Bands oder Sänger mit, indem ich durchs Fernsehprogramm zappe oder bei LastFM entsprechend »getaggt« habe.

Die Band Bleibende Schaeden passt nicht ganz ins Schema. Die fünf Musiker machen auf der Zwei-Stücke-CD »Haifischzahn« eine Musik, die irgendwo zwischen lockerem Folk – die Gitarre und das Gedudel stimmen auf jeden Fall – und flotten IndiePop hängt: Beide Stücke gehen gut ins Ohr, können beim zweiten Anhören mitgesummt werden und sind von ihrer Machtart gelungen.

Beide Texte beschäftigen sich mit Alltäglichem, schrecken vor Liebelei-Gesinge nichts zurück, machen das aber originell: »Ich tanze nackt im U-Bahn-Schacht, ich spring für dich vom Hochhausdach« – das klingt locker und lässig und dennoch ernsthaft genug, ohne in Schmalz abzugleiten.

Eine angenehme Band also, die ein Stück weit von dem entfernt ist, was ich sonst höre, die aber gute Laune verbreitet. Und das ist manchmal viel wert ...

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16 Mai 2013

 

Privates Geheimprojekt

Wenn ich in den vergangenen Wochen und Monaten auf mein »privates Schreiben« angesprochen wurde, stahl ich mich immer wieder murmelnd aus der Verantwortung. Ich hätte so viel zu tun, ich müsste mich zu sehr um einen gewissen Weltraumhelden kümmern, und aus diesem Grund käme ich zu rein gar nichts mehr außerhalb des Perryversums.

Das stimmt ja, aber gelegentlich bleibt ein Stündlein übrig. Und in diesem Stündlein kümmere ich mich gern um ein Buchprojekt, an dem ich nur als Bearbeiter tätig bin. Ich will nicht so viel über ungelegte Eier reden, nur so viel: Es ist ein außergewöhnliches Thema, das ich in dieser Form bislang noch nicht im Buchhandel gesehen habe.

Ich helfe einem Freund dabei, sein eigenes Buch zu schreiben. Dieser hat ein ungewöhnliches Vorleben und einen eher ungewöhnlich wirkenden Beruf – und darüber schreibt er. Ich helfe ihm ein wenig bei den Formulierungen, aber die packenden Geschichten stammen allesamt von ihm: direkt aus dem Leben gegriffen.

Der Autor ist gewissermaßen »fertig«, während ich als Bearbeiter erst rund zwanzig Prozent redigiert habe. Wenn ich weiter vorangeschritten bin, möchten wir es auch einem Verlag anbieten; das könnte sogar etwas für ein größeres Haus sein. Aber ... mehr erzähle ich hier nicht, denn dabei handelt es sich ja um ungelegte Eier.

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15 Mai 2013

 

Abgrenzung im Biomarkt

Als ich unlängst mal wieder im »Alnatura« einkaufte, einem von geschätzt zehn Bio-Supermärkten in Karlsruhe, erinnerte ich an meine ersten Versuche, mich vegetarisch zu ernähren. Das war in den 80er-Jahren, ich wohnte nicht mehr daheim, aber immer noch in der kleinen Stadt im Schwarzwald; der Öko-Laden ganz in meiner Nachbarschaft wurde fast zu meiner zweiten Heimat.

Ich fand Produkte, die ich nicht kannte, kaufte Fairtrade-Kaffee und biologisch korrekten Käse, vegane Plätzchen und allerlei Bratlinge auf Soja-Basis. Häufig schmeckte mir das Zeug nicht, aber ich wollte keine toten Tiere mehr futtern und mich gesund ernähren. Also stand ich alles tapfer durch, vor allem dann, wenn ich allein durch den übersichtlichen Laden gehen und meine Produkte »frei Schnauze« auswählen konnte.

Manchmal aber wurde ich in ein Gespräch verwickelt. Häufig geschah es beim Zahlen, manchmal sprachen mich aber auch die Leute »einfach so« an. Vorherrschend waren Spät-Hippies und Ökos über vierzig.

Ich war der einzige »junge Mann«, der in dem Öko-Laden einkaufte, und ich sah mit meinen löcherigen Hosen und dem rasierten Kopf nicht gerade ökobewegt, sondern eher politisch heikel aus. Wer ich denn sei, ob ich mich nicht politisch-gesellschaftlich engagieren wollte und andere kluge Frage bekam ich zu hören.

Irgendwann ging ich nicht mehr hin, weil ich das Gerede nicht mehr ertrug, irgendwann futterte ich wieder mit großer Begeisterung Döner oder Currywurst, Gulaschsuppe oder Bratwurst. Bis ich »richtig« – aber eben nicht religiös – zum Vegetarier werden sollte, dauerte es noch einige Jahre.

Im »Alnatura« fiel mir auf, dass ich längst zum Mainstream dieses Ladens gehöre: Ich fahre mit dem Rad hin, stelle es auf den Fahrradparkplatz, packe meine Stofftasche aus und kaufe dann das Zeugs, das ich will. Ein Einkauf ist da ganz schön hochpreisig, das kann sich nicht jeder leisten.

Immerhin ist der Altersschnitt heutzutage ein wenig gemischter: vom Jungmann mit Hipsterbart über die zottelige Hippie-Dame und den Anzugträger mit Krawatte bis zur feschen Rentnerin mit kurzem Grauhaar ist vieles vertreten, das auf den ersten Blick nicht zusammenpasst. Doch auch heute gibt es eine Übereinstimmung: Geld.

Der bürgerliche Mainstream ist unter sich: War ich in den späten 80er-Jahren mit meinem geringen Einkommen eine Ausnahme, wäre es heute ein Arbeitsloser oder ein sogenannter Geringverdiener – ein solcher Kunde fiele auf wie ich damals. Zum Bio-Einkaufsmarkt gehört offensichtlich das richtige Einkommen ...

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14 Mai 2013

 

Love A sind großartig

Kann es noch eine neue Band geben, die mich so richtig umhaut? Ja – die gibt es. Die Rede ist von Love A: vier junge Männer, die einen flotten, melodiösen Punkrock spielen, den man meinetwegen auch als Emopunk oder gar Indie-Rock bezeichnen könnte, immer knackig präsentiert, immer mit einem Herz für eine gelungene Sequenz.

Ich kenne von der Band schon einige Tonträger; seit einigen Tagen dreht sich die aktuelle Platte »Irgendwie« als CD in meinem Computer – aber da werde ich mir auf jeden Fall noch die Langspielplatte besorgen. Die dreizehn Stücke sind durch die Bank gelungen, von einer lässigen Art, wie man sie aus der deutschsprachigen Punkrock-Szene sonst nur selten zu hören bekommt.

Die Band ist einfallsreich, was die Melodien und die Texte angeht; sie ist eigenständig, und sie hat es drauf, Stücke zu liefern, die locker-leicht und trotzdem komplex klingen. Ich sehe schon, ich kann das nicht vernünftig umschreiben – Love A sind einfach sehr gut!

Und wer das nicht glaubt, schaue sich auf ihrer Internet-Seite einfach einige Videos an oder höre die Stücke. Das lohnt sich!

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Männerfreundschaften und Sittenstrolche

Bei einer längeren Autofahrt nach Leipzig hörte ich den sechsten Fall der Hörspiel-Serie »Sonderberg & Co« an. Die Serie historischer Krimis spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Düsseldorf und stammt von Zaubermond Audio. Als Autor, Regisseur und Produzent in Personalunion ist Dennis Ehrhardt tätig, von dem ich eine Reihe anderer Hörspiele kenne und mag – mit »Sonderberg & Co« kann er sich wahrscheinlich am stärksten selbst verwirklichen.

Der sechste Fall trägt den Titel »Sonderberg & Co. und der Spiegel von Burg Vischering«; die Handlung ist diesmal außerhalb der Großstadt und eher in einer ländlichen Region angesiedelt. Schauplätze sind ein Schloss, ein Sumpf und ein Gasthaus – viel mehr benötigt die Zaubermond-Mannschaft nicht, um ein spannendes und atmosphärisches Hörspiel zu schaffen.

Selbstverständlich geht es wieder um einen Mord, aber darüber hinaus bringt das Hörspiel sowohl witzige als auch tragische Sequenzen, die mehr mit der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts zu tun haben: Es geht um die Liebe oder zumindest die Zuneigung zwischen zwei jungen Männern, die sich immer nachts auf einer Brücke treffen, zugleich um einen sogenannten Sittenstrolch, der im Sumpfgebiet sein Unwesen treibt. Beide Themen sind gewissermaßen der »Subtext« des Hörspieles, machten es aber für mich besonders interessant.

Dass die Figuren toll besetzt sind, müsste ich bei einem »Sonderberg« erst gar nicht sagen: Sowohl Friedrich Sonderberg, der Detektiv, als auch seine unangepasste Assistentin Minnie Cogner sind einfach großartig; die dazu kommenden Figuren werden ebenfalls sehr gut gesprochen. Die Geräuschkulisse im Hörspiel macht Spaß, und dass man auf einen Erzähler verzichtet, mag ich sowieso.

Also ist das wieder einmal eine gelungene »Sonderberg«-Folge. Ich fühlte mich während der Reise bestens unterhalten. Und eines ist nach dieser Fahrt klar: Ich muss mir die noch fehlenden »Sonderberg«-Folgen so schnell wie möglich besorgen; schließlich bin ich mittlerweile ein Fan dieser gelungenen Serie.

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13 Mai 2013

 

Glückwunsch, KSC!

Ich bin eigentlich kein echter Fußballfan, und richtig viel Ahnung habe ich gleich zweimal nicht. Ich gehöre zu den Leuten, wie sich faul auf das Sofa lümmeln oder in der Kneipe mit anderen zusammen irgendwelche »großen Spiele« angucken: Champions League oder Weltmeisterschaft, dann aber vorzugsweise die deutschen oder eben die abschließenden Spiele. Ins Stadion gehe ich praktisch nie.

Aber ich bekomme selbstverständlich mit, wie es dem Karlsruher Sport-Club geht. Der KSC hat in den Jahren, seit ich in Karlsruhe lebe, eine heftige Berg-und-Tal-Fahrt erlebt; in den vergangenen Jahren vor allem ins Tal hinab. Von den Zeiten vor zwanzig Jahren, als man international gegen große Vereine spielte und diese sogar besiegen konnte, träumen die Fans allerdings nach wie vor.

Nach stark dem Alkohol zugeneigten Vorstandsmitgliedern, Spielern mit überzogenen Gehaltsvorstellungen, randalierenden Fans und anderen Problemen in den vergangenen Jahren war es wohl angebracht, dass der Verein in die Dritte Liga abstieg. Zeitweise sah es sogar so aus, als müsste man diese Liga sogar weiter nach unten verlassen; die Diskussion um ein mögliches neues Fußballstadion in Karlsruhe hätte sich dann von selbst erübrigt.

Doch nach einem spannenden Jahr ist der KSC da, wo er hingehört: auf einem Aufstiegsplatz. Es geht zurück in die zweite Bundesliga, und dort wird man auf ganz andere Vereine treffen. Ich gönn's den Fans, die auch bei miesem Wetter ins Stadion pilgern und sich in den vergangenen Jahren manch mieses Spiel anschauen mussten. Ich gönn's den Spielern, die sich tierisch angestrengt haben.

Und ich wünsche mir, dass endlich mal eine vernünftige Saison für diesen Verein kommt: ohne dass man gleich großmäulig und peinlich-übertrieben wird. Vielleicht sieht man mich dann doch mal im Wildparkstadion ...

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12 Mai 2013

 

Knallender Basken-Punk


Zu Beginn des Jahres 2010 spielte die Band Segismundo Toxicomano aus dem Baskenland in der »Alten Hackerei« in Karlsruhe, und ich fand sie – trotz des schlappen Publikums – so gut, dass ich hinterher eine CD der Band erstand. Normalerweise kaufe ich nur Vinyl und keine CD-Veröffentlichungen; Ausnahmen bestätigen die Regel und sind in diesem Fall sogar sehr sinnvoll.

Was die Band live versprochen hat, löst sie auf der Platte auf jeden Fall ein: Es ist ein stets knallender, treibender und nach vorne gehender Punkrock, viel Melodie, aber eben auch tüchtig Dampf unter den Triebwerken. Da wird nicht geheulsust, nicht gelangweilt und vor allem nicht gemetalt; die Band weiß offensichtlich, wie man's richtig macht.

Auf der CD ist alles in spanisch und baskisch, so dass es mir recht schwer schwerfällt, auch nur ansatzweise zu verstehen, um was es in den Stücken geht. Wer über »futbol« und »guerilla« singt, sollte auf jeden Fall zur guten Seite der Macht gehören. Schöne CD, gute Band – ich hoffe auf ein Wiedersehen bei einer möglichen weiteren Tour durch Deutschland.

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11 Mai 2013

 

Dreißig Jahre Profi

Es ist ziemlich genau dreißig Jahre her: Ich war ein Jugendlicher, der auf dem Dorf wohnte, wieder zur Schule ging, sein Geld nebenbei als Jobber in einem Supermarkt und an einer Tankstelle verdiente, der noch bei seinen Eltern wohnte und ansonsten viel mit obskuren Leuten in der gesamten Republik kommunizierte. In dieser Zeit erhielt ich ein Angebot, das mein Leben für immer verändern sollte.

»Magsch nicht ab und zu für die ›Südwest Presse‹ schreiben?«, fragte der schnauzbärtige Lokaljournalist, der viel rauchte, gern lachte und zahllose Artikel verfasste. Wir trafen uns in der Kneipe, die zum Supermarkt gehörte, blickten auf den Parkplatz hinunter und sprachen über meine berufliche Zukunft.

Am Ende des Gesprächs war klar: Ich würde freier Mitarbeiter der Freudenstädter Lokalausgabe der »Neckar-Chronik« werden, die wiederum eine Teilausgabe des »Schwäbischen Tagblatts« war. Und weil der Mantel der Zeitung von der »Südwest Presse« kam, hatte sich in Freudenstadt dieser Begriff eingebürgert.

Ab März 1983 verfasste ich meine ersten Texte über das Jugendzentrum und seine Aktivitäten, über die Literarische Werkstatt und andere »kleine Themen«; ab Mai 1983 wurde ich stärker in die Redakteursrunden eingearbeitet. Recht schnell wurde ich »Pauschalist«, bekam also ein Fest-Honorar als Grundlage, ebenfalls schnell wurde ich komplett für Sonntagsdienste eingeteilt, und irgendwann im Jahr 1983 schrieb ich praktisch die ganze Wochenend-Ausgabe allein.

Der Rest ist Geschichte ...

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10 Mai 2013

 

Besser observiert im Mai

Über die vorherige Ausgabe des stets informativen und lesenswerten Fanzines »Fandom Observer« (kurz: FO) habe ich ein wenig gelästert. Sie sei schwach und nicht besonders relevant ausgefallen. Glücklicherweise präsentiert sich die Ausgabe 287 vom Mai 2013 wieder einmal auf hohem Niveau – mit einem Umfang von zwanzig Seiten und einer schönen Bandbreite an Themen.

»Gelernt ist gelernt«, das kann man dazu sagen. Verantwortlicher Chefredakteur für diese Ausgabe ist Günther Freunek, und dieser hat sein »Handwerk« in den 80er-Jahren bei verschiedenen Fanzines und Magazinen gelernt, unter anderem bei »Sagittarius«, das wir einige Jahre gemeinsam produziert haben.

In der aktuellen FO-Ausgabe geht es etwa um das englische Magazin »SFX«, das kritisch beleuchtet wird. Lesenswert finde ich das Interview mit den Verlegern des österreichischen Genre-Verlages Evolver, ebenso lesenswert wie sachkundig sind darüber hinaus die Filmberichte, bei denen beispielsweise Robert Downey jr. und seine Lederhose nicht fehlen dürfen.

Wer es gern amüsant mag, erhält eine Darstellung, wie Radium in den zwanziger Jahren als Wundermittel angepriesen wurde. Dazu kommen Fanzine-Besprechungen und allerlei Informationen.

Alles in allem ein richtig gelungenes Fanzine, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann. Abonnenten der Print-Auflage hätten dafür Geld bezahlt und »nur« einen Schwarzweiß-Ausdruck erhalten; wer es gerne digital mag, erhält das Fanzine kostenlos und in Farbe. Lohnenswert!

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09 Mai 2013

 

Ein Tag im Archiv

Feiertage sind eine gute Gelegenheit, sich auch mal zwischendurch um Dinge zu kümmern, die im sonst so oft so stressigen Alltag auf der Strecke bleiben. In meinem Fall: mein Fanzine-Archiv im Schwarzwald. Klingt komisch, ist aber so ...

Seit vielen Jahren sammle ich Fanzines, und es haben sich im Verlauf von über dreißig Jahren tatsächlich einige zehntausend (!) Exemplare angesammelt. Diese Zahl ist kein Witz, sie stimmt. Wie viele Fanzines ich genau habe, weiß ich allerdings nicht, weil mein System, sie zu archivieren, nicht besonders durchdacht ist.

Es sind Science-Fiction-Fanzines seit den fünfziger Jahren, Punkrock-Hefte seit den siebziger Jahren und Rollenspiel-Hefte seit den achtziger Jahren, um mal einige Beispiele zu nennen. Damit sind auch wesentliche Schwerpunkte genannt; dazu kommen haufenweise Comics-, Fantasy- und Horror-Fanzines, Literaturzeitschriften und irgendwelcher Polit-Kram. Es ist erschütternd, und jeder vernünftige Mensch muss die Sammlung aus guten Gründen für »gaga« halten.

Aber ich habe sie, und sie ist im Keller eines Hauses im Schwarzwald untergebracht, sauber und trocken und in schönen Archivboxen geschützt. Den heutigen Feiertag widmete ich nicht komplett dieser Sammlung, aber einigen Stunden – und ein solcher Tag macht mir dann richtig Spaß.

Ich sortiere Berge von Papier, ich blättere sie durch, ich räume sie mehr oder weniger sinnvoll ein. Mag sein, dass dieses Interesse nur wenige teilen können; aber das ist tatsächlich mein einziges »Hobby«. Gönnt es mir!

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08 Mai 2013

 

Pilgergang ins Käsehaus

Die einen gehen nach Canossa, weil sie eine Absolution für irgendeine Untat wollen. Die anderen gehen auf den Jakobsweg, weil sie sich oder den Sinn des Lebens suchen. Bei mir ist das ganze ein wenig bescheidener: Wann immer ich in Köln bin, führt mich mein Weg in das Käsehaus Wingenfeld. Ich bin mir sicher, dass ich dabei stets reichlich belohnt werde.

Das Ladengeschäft im Erdgeschoss des Eckgebäudes riecht schon beim Betreten sehr verführerisch – selbstverständlich nur für jene Menschen, die den Geruch von etwas stärkerem Käse auch mögen. Verschiedene Aromen hängen in der Luft, die Käsetheke selbst ist gefüllt mit prächtigen Leckereien aus den unterschiedlichsten Ländern.

Neben Käse führt das Geschäft auch Wein und Schinken – für mich weniger interessant – sowie einige andere Leckereien. Ich bin jedesmal völlig begeistert, wenn ich in diesem Käsehaus bin: Das Personal kennt sich aus, und ich fühle mich zudem sehr gut beraten. Das sind keine angelernten Hilfsverkäuferinnen, zumindest wirken sie nicht so; das finde ich gut.

Klasse! Beim nächsten Kölnbesuch gleich wieder ...

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07 Mai 2013

 

Mehr schreiben?

»Warum schreibst du eigentlich nicht mehr?« Diese Frage bekomme ich nicht selten gestellt. Früher hätte ich doch »so lustige Fanzines« gemacht, und überhaupt sei ich doch nicht der schlechteste Schreiber unter Gottes weiter Erde.

Meine Antwort ist unbefriedigend, stimmt aber leider: Es hapert an der Zeit. Das erzähle ich dann auch immer etwaigen Gesprächspartnern. Ich verbringe sehr viel Zeit mit so einer Science-Fiction-Serie, für die ich arbeite, und sitze sehr oft an den Romanen anderer Autoren; da bleibt wenig Zeit für »eigenes Zeugs«.

Ich solle einfach unordentlicher werden. »Mal den Punk beim Perry raushängen lassen« und einfach mal Romane durchwinken. Oder ich solle einfach besser delegieren. Und was der klugen Ratschläge sonst so existieren.

Einen Ratschlag habe ich mir jetzt selbst gegeben: Ich versuche mal, stärker meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Mal schauen, was ich bis Ende Juni 2013 hinbekomme – das ist also mein internes Ziel, und ein inhaltliches Projekt möchte ich in der Zeit ebenfalls verwirklichen. Und dann sehe ich mal weiter.

06 Mai 2013

 

Knalliges aus Berlin

Meine Radiosendung am Sonntag, 5. Mai 2013, die ich wieder über den örtlichen Sender Querfunk ausstrahlen ließ, beschäftigte sich mit Punkrock und Hardcore aus Berlin. Ich blieb eher in der Neuzeit, beschäftigte mich also nicht mit der grauen Vorzeit – Punk begann in Berlin bekanntlich schon in den 70er-Jahren.

Mit den Modern Pets hatte ich zumindest eine Band, die sich bewusst vor den 70er-Jahren verneigt, auch wenn sie ganz neu ist. Sauguten modernen Hardcore serviert dafür dann eben Off The Hook – die Band ist ebenso neu, bedient sich aber bei den späten 80er-Jahren.

Aus den Nuller-Jahren stammten Frontkick mit ihrem sehr guten Streepunk, die Terrorgruppe mit englischsprachigen Versionen ihrer deutschen Punkrock-Stücke oder die Bockwurschtbude, die Deutschpunk mit unterschiedlicher Qualität macht. Dazu noch ein bisschen Team Tyson mit Hardcore und Toxpack mit metallischem Glatzen-Sound, und fertig war eine außergewöhnlich abwechslungsreiche Sendung. Mir hat's Spaß gemacht; ob's dem Publikum gefiel, erfahre ich ja leider nie.

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05 Mai 2013

 

Im Bier-Ozean

Auf dem Höhepunkt des Abends war der Boden der »Alten Hackerei« von einem See aus Bier bedeckt; von der Decke tropften Bier und Kondenswasser, die Wände, die Körper, die Klamotten – alles war durchnässt von Bier und Schweiß. In meinem Gesicht strahlte ein völlig überdrehtes Grinsen, und ich kam mir vor, als sei ich zwei Dutzend Jahre jünger.

Es war der Samstag, 4. Mai 2013, und die »Alte Hackerei« feierte ihren sechsten Geburtstag. Wie viele Leute gekommen war, erfuhr ich; es waren sicher über 200 Personen, und viele von denen hatte ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Im Prinzip war die Hardcore-Szene der Stadt Karlsruhe aus den 90er-Jahren versammelt, mit dem einen Unterschied, dass die schlacksigen Herren von damals heute offensichtlich alle einen Vollbart sowie einen Wohlstandsbauch spazieren tragen ...

Sei's drum. Als erste Band des Abends spielte Über You aus Zürich: zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug und ein Sänger, der mit einer großen Klappe aufwartete. Musikalisch war das sehr gut gemachter Punkrock der modernen kalifornischen Schule, von der Sorte, wie er seit den Nuller-Jahren aus Metropolen wie Los Angeles kommt, mit rauhem Gesang, wuchtigen Gitarren, Hardcore-Einflüssen und ordentlichen Melodien. Mir gefiel das, dem Publikum ebenfalls, aber außer Arschwackeln war nicht viel drin.

Kein Wunder, unsereins musste sich ja »warm trinken«. Hauptband des Abends waren nämlich Hooka-Hey, die in den 90er-Jahren ein aus Karlsruhe stammendes, sehr amtliches Hardcore-Brett spielten. Die Band gibt es seit vielen Jahren nicht mehr, spielt alle Schaltjahre aber doch mal zum Tanz auf.

Und den gab es an diesem Samstag. Vom ersten Ton an herrschte das Chaos. Bierflaschen zersplitterten im knallig-heftigen Pogo, Unmengen von Bier flogen durch die Luft, der Sänger machte Stagediving – einmal quer durch die Kneipe und wieder zurück. Auch ich hüpfte ein wenig, purzelte im Getümmel dann einmal ziemlich heftig auf den Rücken, wurde aber hochgezogen und wieder in die Meute geschmissen.

»Wie früher« eben, mit allen Begleiterscheinungen. Wer mag, darf das als »retro« bezeichnen. »Oldie-Rock-Show«-Charakter hatte es angesichts der letalen Mengen an Alkohol, die vernichtet wurden, wenig zu tun, und der tobende Mob vor der Bühne wirkte auch nicht gerade bürgerlich-verweichlicht.

Danach gab's noch Punkrock-Disco, weiteres Bier, einige Schnäpse und sich steigernd-intellektuelle Gespräche zwischen allerlei Leuten. Als ich gegen drei Uhr auf mein Rad stieg, um die Stadt zu durchqueren, fühlte ich mich nicht mehr nüchtern, um es vorsichtig zu sagen, dafür aber ziemlich glücklich.

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04 Mai 2013

 

Im Münchhausen-Schloss

Das Schlosshotel Münchhausen liegt unweit von Hameln, also mitten in Deutschland, und es sieht von außen genau so aus, wie man sich ein Schloss vorstellt: Umgeben von einem wunderschönen Park sowie einem Burggraben mit angeschlossenem Teich, erhebt sich ein großes, würdevoll wirkendes Gebäude, das mit seinen Fenstern und Türmen exakt so wirkt, wie man es sich in seinen Träumen schon immer vorgestellt hat.

Der Bau hat seine Geschichte, er ist nicht neu; selbstverständlich wurden im Lauf der vergangenen 500 Jahre viele Änderungen und Umbauten vorgenommen. Auch innendrin präsentiert sich das Gebäude nicht unbedingt als altmodisch, sondern als recht modern: Da haben die Architekten sauber gearbeitet, indem sie einerseits eine Art Rittersaal gelassen haben, andererseits aber ein Hallenbad an den Rand des Burggrabens setzten, ohne dass dies blöd aussieht.

Warum ich in dieser Lokalität übernachtete, ist eine Geschichte, die erst einmal nicht hierhergehört. Nur so viel: Es war nicht unbedingt preiswert, dafür aber traumhaft schön. Das Zimmer in der »Scheune«, also im Nebengebäude, ist sowohl ober- als auch unterhalb des Schlosshofes zu erreichen; es gibt eine Unterführung, durch die man ebenso zur Tiefgarage wie zum Hallenbad gelangt.

Die Zimmer waren – wie nicht anders erwartet – von hohem Niveau: großzügig, sauber, sehr schickes Bad, gleichzeitig aber mit einer Optik, die an das Schloss und seine »Gesindegebäude« erinnerte. Vom Fenster aus gab's einen schönen Blick auf den großzügigen Golfplatz, der sich wie ein Halbkreis um das Schloss legt. Alles in allem »très chic« und gar nicht so protzig, wie man es vielleicht hätte erwarten können.

Normalerweise sagt man ja, wenn es einem irgendwo gefallen hat, man würde gerne wiederkommen. Das kann ich in diesem Fall kaum sagen, weil die Gegend nicht immer auf meiner Reiseroute liegt und das Schloss auch nicht gerade billig war. Aber toll fand ich das ganze Ambiente trotzdem ...

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03 Mai 2013

 

Die tanzbare Revolution

Die »Alte Hackerei« feiert ihren sechsten Geburtstag – ein Grund für die Mannschaft, ein Wochenende lang richtig krachig Party zu machen. Der Start am Donnerstag abend, 2. Mai 2013, war allerdings anfangs verhalten: Knapp hundert Besucher hatten sich versammelt, um ein richtig starkes Konzert zu sehen.

Zuerst spielten die Escalators Haters aus Zürich: sehr ordentlicher Punkrock, der schwer nach 1977 riecht, aber mit den Mitteln von heute abgeschmeckt wird und deshalb nicht muffelt. Anders gesagt: Die drei jungen Männer bollerten sich durch knallige Melodien und schnappende Gitarrenläufe, alles in allem sehr gelungen. Nur das Publikum blieb noch stehen, wenngleich eifrig Beifall geklatscht und gejohlt wurde.

Dann The Movement aus Kopenhagen in Dänemark, die sich an diesen Tagen echt ein hartes Programm gaben: Am Vortag hatten sie bei der Mai-Demo in Berlin gespielt, dann waren sie auf einen Rutsch nach Karlsruhe zu fahren, um dieses Konzert zu spielen. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Berlin, von dort wiederum nach Hause. Großer Einsatz!

Die Band ist großartig! Drei Männer in Anzug und Krawatte, die hochmelodischen und trotzdem krachigen Mod-Sound oder eben 77er-Punkrock spielen; der Schlagzeuger zog irgendwann sein Jackett aus, aber die anderen ließen die Klamotten tapfer an. Die gute Laune auf der Bühne wirkt stets echt, die politischen Aussagen wirken stets authentisch und »echt«, bei dieser Band scheint alles zu stimmen.

Und das sprang auf das Publikum über. Vor der Bühne hüpften die ganze Zeit rund zwei Dutzend Leute herum, meist jüngeren Alters, die Hälfte davon Frauen – alle bestens gelaunt, übers ganze Gesicht grinsen und viel gute Laune verbreitend. Die Band spielte ihre ganzen Hits, verschenkte eifrig Zugaben und wankte gegegen Ende grinsend und glücklich von der Bühne.

Ich bekam mein Grinsen in dieser Nacht ebenfalls nicht aus dem Gesicht. Auch nicht, als ich merkte, dass ich mit meinem angesoffenen Kopf erstens mein Rad und meinen Körper nach Hause schaffen musste und dass ich zweitens am nächsten Tag irgendwie zu arbeiten hatte. Aber so ein Ergebnis passte dann auch zur »Working Class«-Haltung von The Movement ...

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02 Mai 2013

 

Abschluss eines streckenweise verwirrenden Science-Fiction-Zyklus

Jetzt liegt er also vor, der fünfte und abschließende Teil von »Bunker«, einem durchaus faszinierenden Science-Fiction-Comic, der im Splitter-Verlag erschienen ist. Ich habe das komplette Werk gelesen, finde es streckenweise genial und sitze teilweise verwirrt da, weil ich nicht so richtig weiß, wie ich es einordnen soll.

Anfangs spielt der Comic auf einem fremden Planeten, der offensichtlich von Menschen besiedelt worden ist; die Technik, die diese benutzen, entspricht der Technik unserer Zeit. Nach fünf Bänden aber sind mindestes eine übergeordnete Dimension sowie eine Reihe von Menschen mit Wunderkräften dazu gekommen – das alles macht die Geschichte ein wenig unübersichtlich.

Toll gezeichnet ist das Ganze. Nicole Genzianella hat einen unglaublich realistischen Stil, der ihm hilft, Menschen und Technik, Natur und Außerirdische sehr glaubhaft darzustellen; die Farbgebung durch Marie-Paule Alluard ergänzt dies sehr schön. Die fast schon fotorealistischen Seiten sind streckenweise echt beeindruckend.

Die Handlung springt zwischen dem Leben einfacher Soldaten, die einen fürchterlichen Krieg führen, den Intrigen in den Führungsetagen und den Plänen in höheren Dimensionen hin und her. Das wirkt zwar alles spannend und interessant, als Leser kommt man aber nicht unbedingt leicht mit. Wahrscheinlich müsste ich, um den fünften Band richtig zu verstehen, die ersten vier Bände noch einmal komplett durchlesen.

So bleibt der Eindruck einer faszinierenden Welt, die in »Bunker« streckenweise sehr gut angerissen wird, bei der man aber nicht unbedingt jedes Detail versteht. In gewisser Weise ist das dann aber auch schon wieder realitätsnah: Unsereins versteht ja nicht mal alles von der eigenen Welt ...

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01 Mai 2013

 

Mary's Kids bolzen

Eigentlich empfinde ich es immer als egal, wer früher bei welcher Band gespielt hat – entscheidend ist die Gegenwart. Ein schönes Beispiel ist die Band Mary's Kids, die ich mal in Schweden verorte. Als Sängerin ist eine Frau namens Marianne tätig, die früher bei der halbkommerziellen Punk-Band Mensen mitmischte. Das verrät mir das Band-Info. Aber ist das wirklich von Belang?

Nein, ist es nicht. Die Frau hat eine gnadenlose Stimme, sie brüllt ihre Lieder geradezu heraus, und die Band lässt es an knallendem Sound keine Sekunde lang mangeln. 14 Stücke sind auf der Platte »Say No!« enthalten, und jedes davon ist auf den Punkt gebracht.

Der Punkrock ist sehr gut produziert, wirkt aber nicht glatt; die Stimme der Sängerin klingt oftmals hektisch und atemlos. Bei manchen Stücken fühlte ich mich an frühe Aufnahmen der Avengers erinnert, und die Verbeugung vor den Punkrock-Anfängen ist sicher beabsichtigt: keine Pause, kein Zögern, immer feste drauf.

Wie Mary's Kids auf der Bühne sind, muss ich noch herausfinden. Mit ihrer Platte hat mich die Band auf jeden Fall mal sehr neugierig gemacht.

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Ich erstieg den Lauterberg

Warum es mich an diesem Ersten Mai in den Karlsruher Zoo verschlug, ist eigentlich zweitrangig. Tatsache ist, dass nebst mir rund fünfzigtausend Kinder mit ihren Eltern anwesend waren, um sich an Elefanten und Eisbären, Pinguinen und Giraffen zu begeistern. Ebenso anwesend war der Deutsche Gewerkschaftsbund, der den Tag der Arbeit ausgerechnet im Stadtarten und damit praktisch auf dem Gelände des Zoos zu Ende bringen wollte.

Ich bestieg immerhin den Lauterberg. Wer den nicht kennt, hat nichts verpasst. Es dürfte die höchste Erhebung in der Innenstadt von Karlsruhe sein, wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Errichtet wurde der Berg über einem Wasserbassin, das der Trinkwasserversorgung der Stadt dient; alles wurde im 19. Jahrhundert angelegt und ist entsprechend alt.

Der Lauterberg ist fast schon eine natürliche Erhebung, denn nach über hundert Jahren wachsen auf dem Hügel haufenweise Pflanzen, die ihn wie einen kleinen Urwald mit zahllosen Singvögeln wirken lassen. Und wenn man diesen Hügel ersteigt, gerät man tatsächlich ins Schwitzen.

Meine Mai-Wanderung fand also im Karlsruher Zoo statt, und sie endete auf einer Aussichtsplattform aus Metall. Von dort aus konnte ich dann immerhin in den diesigen Himmel und auf die grau wirkende Stadt blicken. Ob das nun mehr Glanz hatte als die Abschlussveranstaltung der Gewerkschaft, fand ich allerdings nicht heraus ...

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30 April 2013

 

Dorfpunks verfolgen mich

Ich kannte sie »von früher« her, als wir beide im besetzten Haus in der Stephanienstraße zu lautem Punkrock unser Bier tranken. Als wir uns trafen, plauderten wir das übliche oberflächliche Zeugs, das man nach langer Zeit eben so redet. Bis sie irgendwann mit einem Kompliment herausrückte: »Dein Buch ist in den offiziellen Schulempfehlungen für die Lektüre.«

Ich benötigte eine Weile, bis ich kapierte, dass irgendwelche Schulbehörden offensichtlich einen Roman von mir auf eine Empfehlungsliste gesetzt hatten, und fragte nach. »Na klar«, sagte sie, »Du hast doch ›Dorfpunks‹ geschrieben.«

Es war einer der Momente, an denen ich am liebsten heulend zusammengebrochen wäre. Okay, nicht ganz so schlimm, aber ... Meine ganze Freude war natürlich futsch. »Das Buch ist von Rocko Schamoni, nicht von mir«, erläuterte ich, »mein Buch heißt ›Vielen Dank Peter Pank‹, und das kam einige Jahre davor raus.«

»Aber es steht nicht auf der Empfehlungsliste«, konterte sie. Und damit hatte sie natürlich recht; ich brauchte es nicht einmal nachzuprüfen. Wieder hatten mich die »Dorfpunks« geschlagen ...

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Pogo auf dem Dancefloor

Ya-Ha! stammen aus München, und mir war die Band – oder das Projekt – bislang nicht bekannt; das liegt sicher daran, dass ich keine einschlägigen Musikzeitschriften lese. Es handelt sich im Prinzip um einen Mann und eine Frau, die sich bei Auftritten und so mit Leuten an den Instrumenten verstärken; er verdient sein Geld bei der Band Blumentopf, die kommerziell ja durchaus erfolgreich ist.


Mit Ya-Ha! machen die beiden eine Mischung aus dem Electroclash der Nullerjahre und der rotzig-elektronischen Neuen Deutschen Welle zu Beginn der 80er-Jahre; der Sound wechselt zwischen rotzig und melodisch, immer mal wieder wird ein Schuss Punk in die Mixtur geschmissen, und darüber knallt der stets ein wenig hektische und atemlose Gesang der deutsch-amerikanischen Sängerin.

Ich habe die Platte »Überdosis du« der Band erhalten, die bereits 2010 aufgenommen wurde. Die Texte sind teilweise sehr clever; es geht oft um die Einsamkeit und das Ausgehverhalten von Großstädtern, in »fake coco chanel« wird das Sich-Aneignen von falschen Statussymbolen thematisiert. Der Synthesizer blubbert und bollert, die Gitarre sägt, der Drumcomputer poltert im Hintergrund – das ergibt eine gelungene Mixtur.

Interessant.


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29 April 2013

 

15mal wider den Weihnachtsmythos

Warum ich ausgerechnet im Frühjahr 2013 ein Buch mit Weihnachtsgeschichten las, das bereits 2010 erschienen ist, lässt sich kaum erklären. Höchstens damit, dass ich eben vorher nicht dazu kam – und bei Kurzgeschichtenbänden sowieso immer einige Zeit vergeht, bis ich alle Texte komplett gelesen habe. Das Buch, das ich meine, trägt den hübschen Titel »Weihnachten im StirnhirnhinterZimmer« und erschien in der kleinen, aber feinen Edition Medusenblut.

Das StirnhinterZimmer ist eine Autorengruppe, die aus Christian von Aster, Markolf Hoffmann und Boris Koch besteht. Die drei Berliner, die in den vergangenen Jahren zahlreiche phantastische Romane bei den unterschiedlichsten Verlagen veröffentlicht haben, präsentieren sich hier als Trio, das bei skurrilen Lesungen gemeinsam auftritt oder eben – wie im vorliegenden Fall – mal ein Buch gemeinsam schreibt.

In diesem Fall ist es »Weihnachten im StirnhirnhinterZimmer«, eine Sammlung von 15 Geschichten über ein gemeinsames Thema. Jeder der drei Autoren legt es allerdings völlig unterschiedlich aus.

Ein finsteres Weihnachtsmärchen oder eine Story über Bankräuber, die sich als Weihnachtsmänner verkleiden, eine gehässige Satire über angeblich grönländische Wintersitten oder eine fiese Geschichte über das gemeine Kündigen von Arbeitnehmern: Es ist eine bunte Ansammlung von schwarzhumorigen, garstigen und soweiso bitterbösen Geschichten.

Das beste daran: Die Lektüre macht durchgehend Spaß.

Selbstverständlich ist nicht jede der 15 Stories in diesem Buch brillant, aber es ist auch keine einzige davon mies. Ich habe mich bei der Lektüre, die sich über mehrere Wochen hinwegzog – immer mal wieder ein Text –, großartig unterhalten gefühlt.

»Dieses Buch wurde mit der Rute geschrieben!«, verspricht die Werbung des kleinen Verlages, und dies sollte man beherzigen. Ein Buch für Freunde der Phantastik und des groben Humors, eine gelungene Anthologie und einfach eine schöne Sammlung. Die 150 Seiten gibt's für 'nen Zehner bei der Edition Medusenblut.

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28 April 2013

 

Lucy K und ich


Meine Bemühungen, als Autor von Gedichten anerkannt zu werden, gipfelten darin, dass ich zu Beginn des Jahres 1985 einen Gedichtsband zusammenstellte; offensichtlich hatte ich während meiner Bundeswehrzeit genügend Kapazität übrig. Grafiken von Anton Atzenhofer ergänzten das Manuskript, dem ich den Titel »Zerbrochene Gläser« verpasste.

Ich reichte es am 16. Februar 1985 beim Lucy Körner Verlag in Fellbach ein, der zu dieser Zeit mit den Gedichtsbänden von Kristiane Allert-Wybranietz sehr erfolgreich war. Am 25. März 1985 kam bereits die Absage.

Ich hatte Rückporto beigelegt, wie sich das gehörte, wofür sich die Verlagsleute bedankten: »Leider ist diese faire Geste durchaus nicht üblich.« Wie unüblich es war und ist, bei Einsendungen an kleine Verlage ein Rückporto beizulegen, hatte ich in jenen Jahren selbst oft gemerkt, als angehende Autoren ihre Manuskripte bei meiner Zeitschrift SAGITTARIUS einreichten.

Meine »faire Geste« nutzte bei Lucy Körner nicht so viel. »Ich bin jedoch der festen Ansicht, daß Sie mit Ihrem Manuskript, das mir persönlich recht gut gefallen hat«, so das im Brief enthaltene Lob, »bei einem speziellen Lyrik-Verlag oder bei einem Verlag, der ein breiteres Lyrikprogramm führt, sehr gut unterkommen werden.«

Dieses Lob machte mich sehr stolz, obwohl es ein bisschen so klang, als würde das der Verlagslektor und -herausgeber bei jedem Manuskript schreiben, das er unverlangt erhielt und dann ablehnte. Ich fühlte mich auf jeden Fall ermuntert und schrieb weitere Gedichte.

Mein Manuskript »Zerbrochene Gläser« reichte ich später bei einem anderen Verlag ein. Bei diesem versackte es, und ich erhielt weder das Manuskript noch die Grafiken zurück. Trotz Rückporto ... so viel zum Thema »faire Gester« ...

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27 April 2013

 

Sonntagssommerradler

Kaum ist das Wetter schön, sind sie wieder unterwegs: das Äquivalent zum Sonntagsfahrer mit vier Räder, in diesem Fall die Sommerradler auf zwei Rädern. Sie trödeln mit blitzeblanksauber geputzten Fahrrädern auf den Radwegen herum, verstopfen sie, indem sie schön gemütlich nebeneinander fahren, oder sie eiern auf den Hauptstraßen herum und nerven damit nicht nur Autofahrer, sondern auch diejenigen, die mit dem Rad mal zackig irgendwohin müssen oder wollen – also Leute wie mich.

Damit meine ich nicht einmal die beleibten Herren in bunten Trikots, deren Klamotten, Helme und Räder zusammen ein durchschnittliches Monatseinkommen verschlingen: Die fahren erst im Hochsommer, und die sind dann mit ihren teuren Rennmaschinen auf den schnellen Wegen außerhalb der Stadt unterwegs. Denen kann man leicht entgehen, indem man in den Schwarzwald fährt, wo spätestens an der Hedwigsquelle und dem danach kommenden Anstieg viele aufgeben.

Am schlimmsten ist die Mixtur aus bekifften Studenten, tratschenden Hausfrauen, irre bemühten Beamten und todgelangweilten Rentnern, die Karlsruhe sowieso im Übermaß bevölkert. Kommt diese Mixtur auf zwei Rädern in die Stadt, droht der Verkehrsinfarkt – oder mir zumindest der Herzinfarkt, weil ich einen Wutanfall nach dem anderen habe.

Oder ich warte auf gelegentliche Regentage zwischendurch. Wie am Freitag: Es regnete in Strömen. Ich zog meinen Kapuzenpullover über, hüpfte auf mein Rad und fegte durch die Innenstadt, als gäbe es sonst niemanden. So kam ich entsprechend gut gelaunt ins Training und hinterher ebenso gut gelaunt nach Hause – zwar nass vom Regen, aber dafür ohne griesgrämigen Gesichtsausdruck.

Regenwetter hat einfach seine positiven Seiten.

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26 April 2013

 

Journal für Literatur und Graphik

In den frühen 80er-Jahren kam aus Bonn die Zeitschrift »Dichtungsring«, die – wenn mich meine Erinnerung nicht trügt – über einige Science-Fiction-Fans mit der »normalen« Fanzine-Szene in Verbindung stand. Ich war »Dichtungsring«-Abonnent und mochte das lyriklastige Heft schon wegen seiner schönen Gestaltung, aber ebenso wegen der geglückten Textauswahl.

Das ist lange her, und mit »500 gramm« kommt aus der ehemaligen Bundeshauptstadt ein gelungenes neues Heft, das sich im Untertitel als »Journal für Literatur und Graphik« bezeichnet. Das Format ist ungewöhnlich: Zwischen A5 und A4 gelegen, orientiert es sich in punkto Größe am Comicheft-Format. Gedruckt ist es allerdings in schwarzweiß ...

Die 40 schön gestalteten Seiten haben einen starken Lyrik-Schwerpunkt; dazu kommen einige erzählende Texte. Die Gedichte treffen nicht immer meinen Geschmack, manche sind einfach banal: »dieser tage fiel mir wieder ein / was ich wohl gerade mache« ist ein schönes Beispiel für Facebook-Lyrik, für Textzeilen, die sich lesen, als habe man sie aus einer »Timeline« kopiert.

Mein Lieblingstext ist »Revolution
Dankgebet«, der in der original-arabischen Fassung und in einer deutschen Übersetzung abgedruckt worden ist: eine Kaskade von Sätzen und Fragmenten, die klingt, als sei sie atemlos in die Welt geschrien worden, zugleich ein beeindruckendes Porträt der Ereignisse auf dem Tahirplatz in Kairo.

Insgesamt ist »500 gramm« eine Wundertüte, bei der mir nicht alles gefallen kann: Brillante Texte stehen neben lahmen Sätzen – das ist aber Geschmackssache. Als Einblick in die deutschsprachige Lyrik-Szene finde ich es gelungen. Und jetzt muss ich mir nur überlegen, ob ich nach den zwei Probeheften, die ich gekauft habe, wieder einmal ein Abonnement für eine Literaturzeitschrift aus Bonn abschließe ...

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25 April 2013

 

Begegnungen mit Giacometti


Ich verstehe nicht sonderlich viel von Kunst. Schaue ich mir Bilder oder Plastiken an, stehe ich oft ratlos davor. Gelegentlich aber sage ich »whow«, die Kinnlade fällt mir herunter, und ich bin fasziniert. Deshalb lasse ich mich ab und zu in eine Ausstellung mitschleppen.

Beim letzten Trip nach Hamburg kam ich so in die Ausstellung »Alberto Giacometti – Begegnungen«. Es war eine von zwei Ausstellungen in der Hansestadt, die sich dem Leben und Werk des großen Künstlers aus der italienischsprachigen Schweiz widmeten, die kleinere zudem. Das war mir recht, denn auch so war ich gut zwei Stunden damit beschäftigt, im Bucerius Kunstforum die Plastiken und Skizzen anzugucken.

Man kennt von dem Mann normalerweise diese schlanken Statuen, die immer so zerbrechlich und zugleich zerklüftet wirken; mehr wusste ich nicht über ihn. Die Ausstellung widmete sich seinen Porträts; sie zeigte beispielsweise, wie er Familienangehörige porträtierte und wie sich im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte seine Kunst veränderte.

Die Gesichter wurden teilweise immer abstrahierter, die Figuren immer länglicher, gleichzeitig wuchsen die »Füße«, auf denen die Statuen standen. Das fand sogar ich, der ich ja keinerlei Ahnung habe, sehr interessant. Den Besuch der Ausstellung bereute ich keine Sekunde lang.

(Übrigens: Zu sehen ist das ganze noch bis zum 20. Mai 2013. Also ... falls sich jemand dafür interessiert. Der Eintrittspreis ist nicht sonderlich hoch.)

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Beyond Pink rotzen unglaublich


Was ist das denn? Da stehen und sitzen fünf junge Frauen vor einer Holzbude, wirken entspannt und locker, und erst auf den zweiten Blick sieht man, dass sie einen Punkrock- und Subkltur-Hintergrund haben. Die Rede ist von der Band Beyond Pink und ihrer Platte »The New Black«, die ich in den vergangenen Tagen oft angehört habe.

Die jungen Frauen sehen so harmlos und nett aus, machen aber wütenden HC-Punk mit knalligem Sound und heftigen Geschrei. Das ist schon auf Platte super, das stelle ich mir live zudem noch dynamischer und rotziger vor. Die zehn Stücke in schwedischer und englischer Sprache sind energiegeladen, halten so gut wie nie an, ha
ben trotzdem einen Melodie-Charakter und verzichten auf jegliche Metal-Einflüsse: So was ist einfach klasse, so was kann ich mir immer anhören.

Die Platte wurde übrigens 2010 aufgenommen und kam auf einem polnischen Label heraus. Und es gibt eigentlich nur eine Sache, die mich an »The New Black« stört: Das Ding ist so schnell herum, und wenn ich im Jahr 2013 vor Begeisterung durch die Wohnung hüpfe, wirkt das wie Gerontokraten-Pogo.

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24 April 2013

 

Die Chronik und ich

Wahrscheinlich muss ich damit leben, dass ich aus rein beruflichen Gründen so langsam zum Bestandteil einer gewissen »Geschichtsschreibung« werde. Schaue ich mir Band drei von »PERRY RHODAN – Die Chronik« an, kommt es mir zumindest so vor. Das Buch ist offiziell noch nicht erschienen, ich habe aber mein Belegexemplar schon erhalten: ein 650 Seiten dickes Hardcover, das die Jahre 1981 bis 1995 der größten Science-Fiction-Serie der Welt zusammenfasst.

Geschrieben wurde das Buch von Hermann Urbanek, den ich seit vielen Jahren kenne; herausgegeben hat es Eckhard Schwettmann, mit dem ich in den 90er-Jahren im Verlag zusammengearbeitet habe. Gelesen habe ich es angesichts des Umfangs noch nicht, aber bereits interessiert geblättert. Neugierig, wie ich bin, schaute ich vor allem nach den Seiten, auf denen ich erwähnt werde.

Hermann Urbanek lässt mich gut wegkommen. Meine Entscheidungen werden nicht kritisiert – wobei ich in den Jahren bis 1995 auch nicht so viel falschmachen konnte. Dazu hatte ich in den Jahren danach wesentlich mehr Gelegenheit ...

Ich gestehe es ein: Ich fühle mich geschmeichelt. Das Buch stellt die Serie und ihre Mitwirkenden schön dar, und das freut mich einfach; schließlich habe ich im Verlauf der langen Zeit genügend Hirn und Herzblut in die Arbeit gelegt.

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23 April 2013

 

Polnischer Vertrag

Dass meine Erzählung »Im Käfig« in Polen erscheinen wird, habe ich an dieser Stelle schon verkündet. Seit einem Tag weiß ich es auch so richtig offiziell: Die polnischen Partner haben mir die entsprechend Zeitschrift zugeschickt. Jetzt weiß ich nicht nur, wie die Übersetzung aussieht, sondern ich kenne auch die durchaus passenden Illustrationen.

Schön ist auch der zugeschickte Vertrag. Ich bekomme tatsächlich ein Honorar. Glücklicherweise ist der Vertrag in englischer Sprache – mein polnisch ist ja nicht besonders gut, um es vorsichtig zu formulieren. Reich werde ich damit nicht, aber der eigene Stolz hat massiv zugelegt ...

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22 April 2013

 

Gelungene Fantasy-Kurzgeschichten

Wer sich mit Comics und mit Fantasy beschäftigt, der kam in den vergangenen dreißig Jahren kaum um »Thorgal« herum, die phantastische Comic-Serie des polnischen Zeichners Grzegorz Rosinski. Die ersten Bände erschienen 1980, seit einiger Zeit gibt es eine wunderbare Gesamtausgabe im Splitter-Verlag.

Ich fand den aktuellen vierzehnten Band der Serie richtig schön: Er trägt den Titel »Aaricia« und erzählt Geschichten aus der Jugend Thorgals und seiner späteren Frau Aaricia. Dabei handelt es sich um Kurzgeschichten, in denen sich Wikinger-Abenteuer mit der nordischen Mythologie und einer lange währenden Liebesgeschichte verbinden.

Götter greifen in das Leben der Menschen ein, Kinder schließen einen Einzelhänger aus, ein junges Mädchen entschließt sich zur Liebe seines Lebens: Das Album versammelt ungewöhnliche Geschichten, die allesamt von Roszinski brillant gezeichnet und von dem Belgier Jean van Hamme unterhaltsam erzählt sind.

»Thorgal« zählt zu Recht zu den modernen Fantasy-Klassikern und darf eigentlich im Regal eines Comic-Freundes nicht fehlen. Wer die Serie bislang nicht kannte oder vor ihrem Umfang zurückschreckte, sollte diesen Band einfach mal ausprobieren. Mich bezauberte er auf jeden Fall.

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21 April 2013

 

Tom Cruise als Techniker


Am Samstag abend schauten wir uns »Oblivion« an, den neuen Science-Fiction-Film mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Im Vorfeld zu dem Kinobesuch las ich eine Reihe von schlechten Kritiken zu dem Film; meine Erwartungen waren also nicht sonderlich groß. Aber ich wurde gut unterhalten.

Die Erde ist in diesem Film irgendwann von Außerirdischen überfallen worden. Die Menschheit siegte, aber die Erde wurde komplett verwüstet. Tom Cruise ist ein Techniker, der im Auftrat der auf dem Titan siedelnden Menschen auf der Erde tätig ist und die Drohnen repariert, die Jagd auf die Außerirdischen machen. Diese verbergen sich auf der Erde und sorgen immer wieder für Unruhe.

Das klingt seltsam, und als Zuschauer wird recht schnell klar, dass in der Welt des Technikers einiges nicht stimmen kann. Er hat seltsame Träume, seine Partnerin möchte nie auf die Erdoberfläche, und der Kontakt zur Leitzentrale ist nur über Funk möglich. Irgendwas stimmt da nicht ... und es kommt richtig Begegnung in die Geschichte, als ein Raumschiff abstürzt.

Der Film benötigt seine Zeit, um alles zu erzählen. Zwar gibt es viel Action, und es wird häufig geballert, trotzdem ist der Film eher langsam, kein moderner Action-Kracher. Die eine oder andere Szene war mir sogar zu lang, aber ich fand den Film unterm Strich unterhaltsam.

»Oblivion« hat tolle Bilder, die mich faszinierten: eine total verwüstete Erde, faszinierend gezeigte Technik, düstere Überreste der »alten Welt«. Allerdings hat »Oblivion« auch gedehnte Dialoge, die man sich kürzer und knapper gewünscht hätte. Anders gesagt: Kein Film, dem man gesehen haben muss, aber sicher ein Science-Fiction-Streifen, der wegen seiner Bildqualität im Kino gesehen werden sollte.

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20 April 2013

 

Geburtstagserscheinungen

In den frühen 90er-Jahren, kurz nachdem ich in Karlsruhe wohnhaft geworden war, erwies sich der 20. April als durchaus sportlicher Tag. Örtliche Kameradschaftsdeppen wagten sich in die Innenstadt und bekamen gelegentlich einen körperlichen Verweis dafür, dass sie den Geburtstag des »Gröfaz« feiern wollten; im besetzten Haus herrschte ein gewisser Belagerungszustand – teilweise sicher aus Hysterie genährt.

Heutzutage weiß schon niemand mehr, was der zwanzigste April für ein Tag ist. Junge Leute denken bei diesem Tag nicht mehr unbedingt an das Dritte Reich; eine eigentlich sehr gute Reaktion.

Ich half an diesem Samstag bei einem Umzug. Eigentlich wurde den Umzugshelfer jeweils ein Nazi-Bärtchen versprochen, weil diese sich bestimmt gut im Straßenverkehr gemacht hätten. Aber nach einem Vormittag im Nieselregen waren wir alle recht froh, dass die Bärtchen vergessen worden waren ...

Und ganz ehrlich: Wahrscheinlich hätte davon niemand Notiz genommen, und so gut wie niemand hätte die passende Assoziation gehabt.

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19 April 2013

 

Haarscharf zwischen Thriller und Science Fiction

Warum bei mir manche Romane über Jahre hinweg in Stapeln vergammeln, weiß ich manchmal selbst nicht. Und so stellte ich dieser Tage fest, dass ich den Roman »Der letzte seiner Art« von Andreas Eschbach seit sage und schreibe zehn Jahren besitze, ohne auch nur einmal reingeguckt zu haben.

Also nahm ich ihn mir vor, um ihn erstens an einem Wochenende durchzuschmökern, und mich zweitens zu fragen, weshalb ich diesen packenden Science-Fiction-Thriller so lange nicht beachtet hatte. Aber gute Bücher werden ja bekanntlich nicht schlecht.

Um was geht's in dem Roman? Eigentlich um einen ehemaligen amerikanischen Soldaten. Sein Name: Duane Fitzgerald. Sein Wohnort: ein Kaff in Irland. Dorthin hat er sich zurückgezogen, seit er aus dem Dienst geschieden ist.

Das Besondere an ihm: Fitzgerald ist ein Cyborg, ein Mensch also, der mit allerlei technischen Gimmicks komplett aufgerüstet wurde. Er hätte ein Supersoldat sein sollen, kam aber nie in den Einsatz, und nachdem er ausgemustert wurde, zog er sich nach Irland zurück. Dort muss er – weil man ihm auch den Magen umgestellt hat – eine ganz spezielle Nahrung zu sich nehmen, steht unter ärztlicher Aufsicht und weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll.

Dann taucht ein Anwalt in dem Ort auf, der nach ihm sucht, und alles verändert sich. Der Anwalt wird ermordet, die Geheimdienste treten auf den Plan, und Fitzgerald kapiert, dass er jetzt doch in einen Kampf ziehen muss.

»Der letzte seiner Art« ist ein »echter Eschbach«: spannend und durchdacht konzipiert, haarscharf an der Grenze zwischen allgemeinverständlichem Thriller und nachvollziehbarer Science Fiction, sauber recherchiert und bis zum Ende extrem unterhaltsam. Der Autor schildert die Sichtweise des ehemaligen Supersoldaten sehr glaubhaft; in fast jedem Kapitel vermittelt er weitere Erkenntnisse.

Wissenschaftliche Themen fließen gelegentlich ein, der Roman wirkt aber nicht kaputt-recherchiert, sondern schlicht kompetent. Und obwohl er zehn Jahre alt ist, wirkt er vor allem nicht veraltet, sondern immer noch sehr aktuell. Lesenswert, sehr sogar! (Gibt's in verschiedenen Versionen zu kaufen, einfach mal googeln!)

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18 April 2013

 

Der Buzzcocks-Klassiker

Es gibt Musik, die verändert sich für mich im Verlauf von Jahren: Platten, die ich vor zehn Jahren noch toll fand, entlocken mir heutzutage nur noch ein Gähnen, während Platten, die vor zwanzig Jahren achtlos ins Regal gestellt wurde, von mir heute mit Begeisterung gehört werden. Geschmäcker ändern sich einfach – mal so, mal so. Aber es gibt Platten, die finde ich seit über dreißig Jahren klasse, und dazu zählt »Singles Going Steady« von den Buzzcocks.

Ich habe selbstverständlich keine Originalpressung, sondern »nur« eine x-beliebige englische Version, die von der EMI im Jahr 1979 veröffentlicht wurde. Mit »Orgasm Addict« oder »Ever Fallen In Love« sind Stücke enthalten, die ich seitdem mag und immer wieder gern höre: schwungvoller Melodie-Punk mit einem abgedreht klingenden Sänger, mal ruppig, mal melodisch, aber immer irgendwie nett.

»Harmony In My Head« und andere Stücke klingen heute schon gar nicht mehr nach Punkrock, sie könnten angesichts geänderter Hörgewohnheiten längst im öffentlich-rechtlichen Radio laufen und stören keine Großmutter mehr. Damals mochte ich sie, und wenn ich heute die Platte auflege, freue ich mich richtig darauf, die Klassiker erneut zu hören.

Ja, die Platte! Es gehört für mich zum Charme dieser Aufnahmen dazu, dass ich die von einer Billig-Plastikhülle vom Drogeriemarkt-Müller umhüllte Kartonverpackung nehme, das alte Vinyl heraushole und auf den Plattenteller lege. Manchmal knistert es, an einer Stelle hüpft die Platte sogar ein wenig – aber das gehört dazu, denn ich weiß, wie viele Erinnerungen sich damit verbinden, bei wie vielen Veranstaltungen ich die Platte aufgelegt habe.

Nennt mich meinetwegen nostalgisch ... bei den Buzzcocks bin ich das gern!

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