23 September 2014

Generators in den 90er-Jahren

Nachdem ich in diesem Sommer 2014 zum ersten Mal die Generators aus Kalifornien live gesehen habe, bot es sich an, mir die erste Langspielplatte der Band mal wieder zu Gemüte zu führen. Die hatte ich in den späten 90er-Jahren gekauft und zeitweise fast ununterbrochen gehört – der Titel »Welcome To The End« klingt ein bisschen depressiv, passt aber nicht so richtig zum Sound der Band.

Es ist Punkrock mit knalligen Melodie und einem ausdrucksstarken Sänger, sehr gut produziert und mit einer hohen Dichte an Hits. Schon bei dieser Platte fiel mir die Ähnlichkeit zu frühen Stücken von Social Distortion auf, dieses melodische und gleichzeitig dicht gespielte in den Stücken, dieses Einbauen von allerlei Rock-Elementen, ohne dass diese zu viel Raum einnehmen konnten.

Mit »City Of Angels« ist auf der Platte übrigens eine Hymne an die Stadt Los Angeles enthalten, die in L.A. zu einem kleinen Hit geworden ist. Die Platte ist immer noch klasse, sie gehört in einen ordentlichen Punkrock-Haushalt und belegt, warum die Band bis heute zumindest szene-intern eine gewisse Popularität hat.

22 September 2014

Montag als Seminartag

Ich fand das diesjährige Seminar für Science-Fiction- und Fantasy-Romanautoren bis zum letzten Tag ein wenig seltsam. Das lag nicht an den durch die Bank sympathischen Autorinnen und Autoren, sondern schlicht am Termin: Wenn man es gewöhnt ist – so wie ich –, dass das Seminar am Freitag beginnt und am Sonntag endet, wird durch einen Rhythmus von Samstag bis Montag echt verwirrt.

Dafür ging das Seminar in schönster Harmonie zu Ende. Die Schlussrunde am Montag mittag sowie das gemeinsame Mittagessen bewiesen mir, dass ein Haufen an kreativen Köpfen versammelt gewesen war, der sich gegenseitig positiv aufgeschaukelt hatte. So etwas mag ich, so etwas gibt es leider viel zu selten.

21 September 2014

Seminar im September

Wieder einmal bin ich zu einem Autorenseminar in der schönen Stadt Wolfenbüttel; zum ersten Mal findet für mich ein Seminar vom Samstag bis Montag statt. Normalerweise tagen wir freitags bis sonntags, und diese Verschiebung irritiert mich stets aufs Neue: Ständig spreche ich vom Sonntag als dem Abreisetag und meine eigentlich den Montag.

Dem Inhalt des Seminars soll dies keinen Abbruch tun. Es geht um Romane mit phantastischem Charakter, und der Schwerpunkt ist der Weltenbau.

Mit Kathrin Lange, die mittlerweile gut zwanzig Romane in unterschiedlichen Genres veröffentlicht hat, steht mir eine Co-Dozentin zur Seite, die den Autorinnen und Autoren wesentliche Einblicke in ihre Arbeit und viele Tipps geben kann. Ich bin als Redakteur eher derjenige, der über stilistische Details und dergleichen spricht.

Am ersten Seminartag besprachen wir nur einen einzigen Text, diesen allerdings so intensiv und detailliert, dass wir an den folgenden Tagen schneller vorankommen können. Grundsätzliche Dinge zur Art und Weise, wie man eine fremde Welt faszinierend beschreiben kann oder was der Leser unbedingt in einer Szene erfahren sollte, haben wir bereits »erledigt«; jetzt können wir weiteres angehen ...

20 September 2014

Seltsames Tütchen

»Schauen Sie mal«, sagte die Frau, die aus der Toilette kam. Sie ließ die Tür offen stehen und hielt sich am Rahmen fest, als der Zug unverhofft ruckelte. »Das ist doch ein Tütchen mit Kokain, oder?«

Ich stutzte und blickte in die Zugtoilette. Wir rumpelten gerade durch das mittelhessische Bergland, irgendwo zwischen Fulda und Kassel. Koks passte da gar nicht ins Bild, vor allem sah ich keins.

»Und?«, gab ich zurück und grinste die Frau an. »Haben Sie schon probiert?«

»Nein-nein.« Entrüstet winkte sie ab. Dann zeigte sie ein herzliches Lachen. »Aber schauen Sie doch mal, das sieht wirklich so aus.« In verschwörerischem Ton fügte sie hinzu. »Ich habe mir schon überlegt, den Schaffner zu alarmieren.«

Ich versprach ihr, das alles genauer anzugucken. Während ich im Klo pinkelte, inspizierte ich das Tütchen, das neben dem Waschbecken in der Toilette lag. Wie Kokain sah das ganze nicht aus, eher wie ein zusammenkniffenes Stück Papier, das ein wenig verfärbt war. Allerdings hatte ich von Kokain nicht die geringste Ahnung.

Als ich fertig war und wieder zurück zu meinem Platz ging, kam ich an einem offenstehenden Abteil voran. Ich erkannte den dunklen Wuschelhaarkopf der jungen Frau sofort.

Sie strahlte mich an. »Und?«, fragte sie erwartungsvoll.

»Keine Ahnung.« Ich hob die Schultern. »Ich kenne mich da nicht aus; also hab' ich's liegen lassen. Sie können ja den Schaffner rufen.«

Sie sagte etwas Allgemeines, ich verabschiedete mich und ging weiter. Auf welche Ideen die Leute kamen!, ich war immer wieder verblüfft. Aber auf mich wartete jetzt wieder ein Manuskript, in dem Raumschiffe und Außerirdische eine Rolle spielten – so hatte jeder seine seltsame Begegnung bei dieser Zugfahrt.

19 September 2014

Die Nummer hundert feiern

Den meisten Lesern meines Blogs – sooo viele sind's ja dann auch nicht – dürfte die Zeitschrift »Inka« nicht bekannt sein. Sie erscheint in Karlsruhe, versteht sich als »Stadtmagazin für Kunst & Kultur in Karlsruhe, Baden, Pfalz und Nordelsass« und kommt im Prinzip zehn- bis zwölfmal im Jahr heraus: immer von der Mitte des Monats bis zur Mitte des nächsten Monats gültig, im Sommer dann auch mal für zwei Monate auf einmal.

Wie der Titel und der Untertitel schon nahelegen, handelt es sich beim »Inka« um ein Stadtmagazin, allerdings eines der besonderen Art – deshalb lese ich es gern: Es erscheint im Format eines schönen Taschenbuches, das man gut in die Jackentasche stecken kann, und es legt einen Schwerpunkt auf Kultur im weitesten Sinne. Neben den üblichen Terminübersichten gibt es viele Artikel, teilweise gesponsert, teilweise recherchiert und durchaus kritisch.

Wenn eine neue »Inka«-Ausgabe in meiner Stammkneipe liegt, wird sie erst einmal durchgeblättert, bevor ich sie mit nach Hause nehme, um sie dort mehr oder weniger zu lesen; naturgemäß können mich nicht alle Beiträge interessieren. Ich finde aber immer wieder Themen, auf die ich allein nie gestoßen wäre: neue Kneipen, spannend klingende Ausstellungen, witzige Konzerte, ungewöhnliche Menschen.

Das alles macht die »Inka«-Redaktion schon seit bald zehn Jahren. Die Nummer 100 ist dieser Tage erschienen; an diesem Wochenende wird kräftig gefeiert. Da ich nicht mitfeiern kann, gibt's eben jetzt eine öffentliche Gratulation: Liebes INKA – auf die nächsten hundert Jahre, ähm, Ausgaben!

18 September 2014

Die Helden der Galaxis

Viel wurde über den neuen Science-Fiction-Film »Guardias Of The Galaxy« geschrieben; ich muss an dieser Stelle sicher nichts über den Inhalt erzählen. Immerhin habe ich ihn mir jetzt auch mal angesehen, nachdem ich anfangs sehr skeptisch war: eine weitere Superhelden-Geschichte, dann noch im Science-Fiction-Gewand?

In den vergangenen Wochen und Monaten überschlugen sich die Kritiken vor Begeisterung, nicht nur in der Science-Fiction-Szene, sondern ebenso weit darüber hinaus. Der Film schien es geschafft zu haben, mit einer Mixtur aus knalliger Unterhaltung, einer tüchtigen Portion Herzblut und Ironie sowie vielen tollen Tricks alle zu überzeugen. Das musste ich mir anschauen.

Um es klar zu sagen: Es ist kein schlechter Film – aber ich kann die ungeheure Begeisterung nicht teilen. Klar sind die Tricks toll, und ich habe selten so fantastische Weltraum-Szenen gesehen. Der Blick in die Sternennebel der Galaxis sind spektakulär; Raumschiffe, Städte und Weltraumstationen werden faszinierend präsentiert.

Auch die Aliens sind teilweise klasse: Der kleine Rocket, der einem gewissen Mausbiber aus einer gewissen Weltraumserie aus Deutschland verdammt ähnlich sieht, und der aufrecht gehende Groot – ein Baumwesen – sind toll dargestellt. Andere Aliens hingegen sind einfach Menschen mit einer rosafarbenen oder grünen Haut oder Bösewichte, die sich aus irrationalen Gründen allerlei Farbe ins Gesicht schmieren.

Die Story selbst überrascht mit vielen Wendungen und einigen echten Krachern; sie ist rasant inszeniert und toll umgesetzt. Manche Dialoge sind klasse, andere an der Grenze zum Schmerz (wenn die Bösewichte sprechen, wird's oftmals peinlich).

Über die Physik darf man als Zuschauer nicht nachdenken; kosmische oder auch nur interstellare Dimensionen sind den Regisseuren und Produzenten völlig fremd, und die technischen Details für Antriebstechnik oder Waffen wollen wir jetzt nicht weiter erfragen ... das ist bei heutiger Science Fiction alles Standard und wird vom Kino-Publikum nicht kritisch betrachtet. (Ein seriöser Science-Fiction-Film hätte wahrscheinlich eh keine Chance.)

Alles in allem ein Film, den man als Science-Fiction-Fan wohl anschauen muss. Für »normale« Kinogeher kann ich nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen. Aber wer ihn anschaut, sollte ihn im Kino und in 3-D gucken – im Fernsehen dürften die vielen Effekte kaum zur Geltung kommen.

17 September 2014

Freiheit für Sanaa

Unterhält man sich über die sogenannte Arabellion und ihre Folgen, geht es immer wieder um die Frage, ob »die Araber« denn überhaupt »reif für die Demokratie« seien. Viele von ihnen seien doch ruckzuck in die Arme von Islamisten oder dann eben wieder der Armee gelaufen; sie seien doch offensichtlich eher an ihrer Religion oder an ihren Generälen interessiert.

Dass das eine verkürzte und auch falsche Darstellung ist, weiß selbstverständlich jeder, der seine fünf Sinne zusammen hat. Das traurige Beispiel der Studentin Sanaa Seif zeigt aber, wie durchgeknallt beispielsweise in Ägypten die Situation jetzt ist: nach Rebellion, nach Islamistenherrschaft und Militärputsch – uns reiche Europäer interessiert das alles aber nicht mehr. Aber nach Nordafrika hat man von hier aus sowieso meist nur mit einem Kolonialblick geschaut.

Die Studentin ist zwanzig Jahre alt, und sie sitzt im Gefängnis, weil sie für die Freilassung ihres Bruders demonstriert hat. Der wiederum sitzt im Knast, weil er gegen die Regierung protestiert hat; dafür hat man ihn für 15 Jahre verknackt. Und nur, weil seine Schwester ebenfalls für ihn demonstriert hat, sitzt sie jetzt ebenfalls.

Es ist traurig und krank. Immerhin gibt es jetzt eine »Free Sanaa«-Bewegung, auf die ich hiermit aufmerksam machen möchte. Auch die Menschen in Ägypten (und anderswo) haben das Recht, gegen ihre korrupten Machthaber auf die Straße zu gehen.

Das Buchbuch

Einigermaßen irritiert bekam ich mit, dass es wirklich Menschen gaben, die es faszinierend finden, der Produktpräsentation einer amerikanischen Computerfirma – deren Produkte ich sowohl beruflich als auch privat jeden Tag nutze – live anzuschauen. Als Apple sein neues Produkt vorstellte, brachen die Netzverbindungen zusammen, weil so viele Leute »live« reinguckten.

Da finde ich die Reaktion von Ikea witzig. Das Möbelunternehmen aus Schweden liefert eine gelungene Parodie auf allerlei elektronische Spielzeuge; es nennt sie »Bookbook«. Man muss Ikea nicht mögen, um dieses Filmchen witzig zu finden. (Mich hat vor allem die Akkuleistung des neuen Bookbooks echt begeistert ...)

Hier geht's zum Youtube-Link:  https://www.youtube.com/watch?v=MOXQo7nURs0

16 September 2014

Madame Mallory und der Duft von Curry

Herzzereißend schöne Bilder, eine romantische Liebesgeschichte, viel Bewegung und nette Musik – im Spätsommer 2014 war »Madame Mallory und der Duft von Curry« ein Kinofilm, der mich hervorragend unterhielt und der meiner Ansicht nach im Kino besser funktionieren dürfte als daheim auf dem Fernseher. Die manchmal klischeehafte Handlung sollte niemanden abschrecken; manchmal benötige zumindest ich solche »Feelgood-Movies«, um mich leicht und gut zu unterhalten.

Der Film basiert auf einem Roman, in dem es um das Essen und die Liebe geht; der Film greift diese Themen auf und nimmt die Schauspielerin Helen Mirren als Hauptdarstellerin. Sie gibt dem Film auch ein Gesicht: als anfangs eiskalte und abweisende Chefin eines anspruchsvollen Sterne-Restaurants, die im Verlauf des Films ihr hohes Niveau beibehält, aber Stück um Stück ihre Menschlichkeit entdeckt.

Schuld daran ist die indische Familie, die sich ausgerechnet in dem alten Haus ansiedelt, das gegenüber ihrem Sterne-Restaurant liegt. Und dort eröffnen die Inder ein indisches Restaurant: Mitten im romantischen Südfrankreich kommt es zu einem »Clash of Cultures«, zu einer Auseinandersetzung zwischen französischer und indischer Kultur, zu einem Gegensatz der Küchen und Mentalitäten.

So etwas kann in einem Film fürchterlich schiefgehen, und ich möchte mir gar nicht ausmalen, was gewisse deutsche Regisseure aus diesem Thema gemacht hätten. Lasse Hallström, der mit »Chocolat« vor einigen Jahren im Prinzip dieselbe Geschichte schon einmal auf die Leinwand brachte, meistert die Aufgabe allerdings hervorragend: Sein »Madame Mallory und der Duft von Curry« ist Hollywood-Kino vom feinsten, toll gespielt, aufwendig inszeniert und wunderbar auf die Leinwand gebracht.

Dass es in dem Film keine echte Überraschung gibt, stört tatsächlich wenig. Dass die schönen Bilder manchmal an der Grenze zum Kitsch landen, macht mir ebensowenig etwas aus. Die Geschichte gefällt, und im Spätsommer 2014, wo man nicht mehr Zeitung lesen und Nachrichten gucken will, ist so ein Film einfach auch mal »was fürs Herz«.

Rebellen der toten Stadt

Ende der 90er-Jahre kam aus Ottawa, der Hauptstadt des kanadischen Bundesstaats Ontario, eine Punkrockband, die sich The Dead City Rebels nannte und mich begeisterte. Die sechs jungen Burschen, die stilistisch eher normal aussahen, nannten ihren eigenen Sound »Centretown Rock'n'Roll« und veröffentlichten einige Tonträger, bevor sie sich in den Nuller-Jahren bereits auflösten.

Ihre Ten-Inch, die den herrlich klischeehaften Titel »Rock'n'Roll Enemy #1« trug, kam hierzulande bei High Society International heraus, einem Teil des Amöbenklang-Labels aus Rostock; die Platte dürfte es im Second-Hand noch zu brauchbaren Preisen geben. Sie ist nämlich echt gut: Die zehn Stücke darauf sind allesamt gelungen, rotziger Punkrock mit dreckigem Rock'n'Roll im Blut, der ohne Pause durchgeknallt wird.

Die Texte sind nicht sonderlich anspruchsvoll; es geht um das Leben und Trinken, um Langeweile und Streit, um Frauen und Bier – offensichtlich das, was junge Männer auch in Ottawa am meisten interessiert und beschäftigt. Alles in allem eine richtig gute Platte, die ich nach einigen Jahren mal wieder auflegte und die hier mehrfach hintereinander lief.

15 September 2014

Moderner Krimi-Comic-Klassiker

Seit die ersten Ausgaben von »Largo Winch« in den 90er-Jahren in Frankreich erschienen, zählt die Serie zu den modernen Krimi-Klassikern – im Comic-Bereich wohlgemerkt. Ich kam jetzt erst dazu, den ersten Sammelband der Comic-Serie zu lesen, der die ersten drei Alben in einer schicken Buchversion zusammenfasst.

Hierzulande ist der Verlag Schreiber & Leser für die Serie zuständig, und die machen ihre Comics richtig schön: Es gibt eine informative Einleitung, die buchbinderische Arbeit ist absolut gelungen, und der Druck sowie das Lettering der Comics lassen keine Wünsche offen. Wenn dann noch die Geschichte passt, bin ich rasch begeistert.

»Largo Winch« ist eine Mixtur aus Action-Comic und Finanzgeschichte. Ein junger Mann namens Largo Winch, der gut aussieht und sich stets für attraktive Frauen interessiert, erbt einen gigantischen Konzern; auf einen Schlag ist er Milliardär. Das zieht sofort Feinder auf den Plan, sowohl Menschen aus dem Vorstand als auch Gegner von außerhalb.

Wie Largo Winch sich gegen diese Gegner durchsetzt, wie er sein Erbe verteidigt und wie er versucht, sich seiner Verantwortung zu stellen, das ist sowohl spannend erzählt als auch gut gezeichnet. Das Szenario stammt von Jean van Hamme, der sich seit den frühen 80er-Jahren als Comic-Autor einen guten Namen verschafft hat, die Zeichnungen steuerte Philippe Francq bei.

Die Geschichte enthält die üblichen Wendungen, die man in packenden Thriller-Romanen liest und in Thriller-Filmen sieht – das ist alles sehr spannend gemacht und lässt zumindest mich die Seiten mit viel Vergnügen lesen. Die Zeichnungen unterstützen die Geschichte; als eigenständige Werke sind sie ordentlich, aber selten spektakulär.

Wer auf grafische Eleganz setzt, wird bei »Largo Winch« nicht vollständig glücklich. Wer aber hervorragend erzählte und auch handwerklich sehr gut in Szene gesetzte Comic-Unterhaltung mach, die einen mehrfach fesseln kann, ist bei dieser Serie und dieser Gesamtausgabe bestens aufgehoben.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die folgenden Bände – diese gibt's schon im Handel, sie stehen aber noch nicht bei mir im Regal!

(Ach ja: 208 Seiten, 29,80 Euro, ISBN 978-3-941239-58-6)

14 September 2014

Echt altmodisch

Ich sei ja »voll altmodisch«, wurde mir dieser Tage vorgehalten, als ich bekannte, kein Smartphone zu besitzen und mein Mobiltelefon – gut zehn Jahre alt – nur selten und dann nur zum Telefonieren zu benutzen. Es gebe doch so viele sinnvolle Dinge, die man mit einem Smartphone tun könne, und in meinem Job propagiere ich doch ständig E-Books und andere digitale Produkte.

Mein Argument war und ist stets dasselbe. »Ich benötige kein Smartphone«, sage ich dann immer. Die paar Telefonate, die ich mobil führe, kann ich locker mit dem altersschwachen »Handy« erledigen; und wenn ich ins Internet gehe, mache ich das von meinem Computer aus; gelegentlich nutze ich dafür ein Tablet, das daheim herumliegt.

Wer den ganzen Tag am Computer sitzt – oder zumindest acht bis zehn Stunden –, hat meiner Ansicht nach sowohl das Recht als auch die Pflicht, sich nach Feierabend bewusst aus dem permantenten Mediendialog auszuklinken. Ich möchte nicht, wenn ich in einer Kneipe sitze, parallel meinen Facebook-Account checken; ich muss es vor allem nicht.

Das ist keine Garantie für die Zukunft, vielleicht änderte ich meine Meinung alsbald. Das Internet als solches fand ich 1997 auch noch reichlich albern und unnötig ...

13 September 2014

Zehn tolle Bücher

In den vergangenen Tagen wurde ich mehrfach über Soziale Netzwerke dazu »nominiert«, doch meine zehn Lieblingsbücher zu nennen. Ich hab's bislang nicht getan – und ich werde es auch unterlassen. Ich kann's nämlich gar nicht.

Was wären denn Lieblingsbücher? Titel aus den vergangen 45 Jahren – so lange kann ich etwa schon lesen –, die mich besonders begeistert und geprägt haben? Oder Titel, die ich heute toll finde? Bücher, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, oder Bücher, die klasse sind, die ich aber sicher nie wieder lesen werde?

Bei Twitter nannte ich irgendwann mal »Der Herr der Ringe«; Tolkiens Fantasy-Epos hat mich sicher geprägt, und ich würde die Trilogie wohl auch heute noch gut finden. Doch was ist mit »Unternehmen Stardust« oder »Aphilie«: Diese zwei PERRY RHODAN-Romane haben letztlich meinen beruflichen Werdegang stärker als alles andere beeinflusst.

Sollte ich »Im Westen nichts Neues« nominieren, weil mich Remarques Erster-Weltkriegs-Buch auch bei dreimaliger Lektüre gefesselt und gepackt hat? Aber müsste ich dann nicht ebenso »Die Blumen des Bösen« nennen, weil mich Beaudelaire und seine Gedichte in einer gewissen Phase meines Lebens nachhaltig beeindruckte?

Und was ist mit »Der Mann mit der Ledertasche« von Bukowski, das mich zu zahlreichen Kurzgeschichten in den frühen 80er-Jahren animierte? Was ist mit »Morgenwelt« von John Brunner, der eindrucksvollen Dystopie, was mit »Neuromancer« von Gibson, der mich in den 80er-Jahren schwer »kickte«? Und was ist mit »Urmel aus dem Eis« oder »Der Löwe ist los«, die ich als Kind sicher zehnmal las?

Ich nominiere keine zehn Bücher. Nein, das wäre für mich nicht sinnvoll ...

12 September 2014

Kunst und Comics in den 80er-Jahren

Warum es ausgerechnet eine »anerkannte Künstlerin«, wie sie uns vorgestellt wurde, aus der Großstadt in unser Kleintadt-Gymnasium verschlug, erfuhren wir nie – es interessierte mich auch nicht. Sie war Kunstlehrerin, sie war vergleichsweise jung, und sie versprach, einen frischen Wind in die Schule zu bringen; täglich pendelte sie von der Großstadt mit dem Auto den Schwarzwald hoch, um in unser Kaff zu kommen.

Zuerst fanden wir sie recht pfiffig, dann aber merkte ich, dass sie genauso spießig war wie alle anderen Lehrer. Sie fand nämlich Comics doof. Ich versuchte es ihr auszureden, war damals auch von einem unbelehrbaren Reformgeist erfüllt.

Ich las die »Comixene«, die mein Comic-Bild erweiterte, und wusste, dass Comics in Frankreich als »Neunte Kunst« galten, als anerkannt und wichtig – und das versuchte ich ihr zu erklären. Wir schrieben den Anfang des Jahres 1980, und ich glaubte daran, recht zu haben.

Aber sie fand alles, was ich ihr zeigte, richtig doof. »Leutnant Blueberry« war für sie Mist, trotz der tollen Landschaftsaufnahmen; Schwarzweiß-Comics von Hermann fand sie albern und kitschig.

Doch dann kam »Vertrag mit Gott« bei Zweitausendeins heraus: ein beeindruckendes Hardcover mit Comics von Will Eisner, die mich begeisterten und die ich heute noch toll finde. Das sollte doch ihre Meinung ändern, dachte ich und brachte das Buch in die Schule mit.

Sie blätterte es durch, fragte, ob sie es sich übers Wochenende ausleihen könnte. Ich bejahte, und als sie es in der Woche darauf mitbrachte, war ich natürlich neugierig darauf, wie sie es gefunden hatte.

»Das ist echt gut«, sagte sie und gab mir das Buch zurück. »Aber es ist kein Comic.« Sie war Künstlerin und Kunstlehrerin, und wenn ihr ein Comic gefiel, musste es logischerweise mehr sein.

Auf genau diesem Mist ist die Bezeichnung »Graphic Novel« gewachsen. Mit dem einen Unterschied: Heute gilt als »Graphic Novel« heute auch Zeugs, das einfach zu schlecht für einen richtigen Comics ist, das man aber intellektuell so lange auflädt, dass es in jeder Klugscheißerdebatte funktionieren kann. Wenn das Will Eisner wüsste ...

11 September 2014

Der Mann im dunklen Anzug

Es war einer der letzten heißen Tage in diesem August, bevor die Schlechtwetterperiode über Süddeutschland hereinbrach. Wir standen mit unserem Auto vor dem Eingang zur Waschstraße, in einer Schlange mit anderen Autofahrern, die alle am selben Samstag dieselbe Idee gehabt hatten: Man könnte in diesem Sommer doch wenigstens einmal die Karre sauber durch die Gegend chauffieren.

Wir standen müßig in der Sonne oder im Schatten, redeten belangloses Zeugs und lungerten herum. Und während wir so warteten, gingen wir auf und ab, beobachteten die Leute, die gemütlich durch den Park um die Ecke spazierten, oder die hektisch ihre Einkäufe nach Hause schleppten.

Auf einmal kam ein Mann um die Ecke. Wieso sich ein Fußgänger in den Zufahrtsbereich zur Waschstraße verirrte, verstand ich nicht. Er wohl ebensowenig. Er trug eine Dose Bier in der Hand, und sein rotes Gesicht verriet, dass er schon ordentlich alkoholisiert war.

Nichts besonderes in dieser Ecke, wo sich vor allem um die Dämmerung genügend Trunkenbolde am Eingang zum Park einfanden, um Dosenbier von der Tankstelle zu vernichten. Doch jetzt hatten wir hellichten Tag, es war echt heiß, und der Mann wirkte – das wirkte tatsächlich verwirrend – mit seinem schwarzen Anzug, der dunklen Krawatte, dem weißen Hemd und den schwarzen Schuhen durchaus seriös.

Er hätte seriös gewirkt. So aber torkelte er schon ein wenig, brabbelte vor sich hin, trank aus seiner Bierdose und kam so langsam zu den wartenden Autofahrern. Wir hatten Glück, denn uns sprach er nicht an. Aber er näherte sich dem Fahrer eines schicken Cabriolets, beugte sich bei ihm über die Tür und sprach auf ihn ein.

Der Fahrer wandte sein Gesicht zur Seite, in der Mimik den Ausdruck von Ekel. Er schüttelte abweisend den Kopf. Ich verstand kein Wort, weil die Waschstraße direkt neben mir gerade mit der Grundreinigung eines Autos begann. Die beiden Männer gerieten in einen Wortwechsel, der Cabriofahrer schien heftig zu werden.

Irgendwann trollte sich der Mann im Anzug. Er wankte zu einem alten Container, keine fünf Meter von uns entfernt, stellte seine Dose ordentlich ab und pinkelte gegen das rostige Metall. Dann ging er weiter, trinkend, torkelnd und redend.

10 September 2014

Mord zur langweiligen Aussicht

Sogar ich habe schon von der Fernsehserie »Mord mit Aussicht« gehört; sie ist erfolgreich und beliebt, und sie hat sich schon bei den ersten zwei Staffeln größter Beliebtheit erfreut. Da am Dienstag, 9. September 2014, die dritte Staffel anfing, wollte ich mir das Schauspiel nicht entgehen lassen – und guckte mir den ersten Film dieser Staffel an.

Wer die Serie nicht kennt, dem erspare ich jetzt eine Inhaltsangabe – diejenigen, die sie kennen, wissen eh Bescheid. Nur so viel: Während ihrer Hochzeit stellt die Kommissarin im Eifeldorf Hengasch fest, dass die Standesbeamtin in Wirklichkeit eine maskierte Juwelendiebin ist. Und so endet die Hochzeit mit einer Verfolgungsjagd, und die Hochzeitsnacht verbringt die Polizistin in einem geliehenen Auto bei einer Observation.

Das ist anscheinend witzig, das ganze gilt als »Schmunzelserie«. Angeblich schauten sich 6,97 Millionen Zuschauer das sterbenslangweilige, kreuzdoof erzählte und kaum einmal auch nur ansatzweise lustige »Krimi«-Schauspiel an. Angeblich waren 1,52 Millionen davon zwischen 14 und 49 Jahren alt, gehörten also zur »werberelevanten Zielgruppe« – diese habe ich mittlerweile verlassen.

Ich saß fassungslos vor der Glotze. Mir war klar, dass das Grimassieren der Schauspieler witzig sein sollte. Ich kapierte durchaus, dass eine Verfolgungsjagd auf Stöckelschuhen ein Schenkelklopfer sein sollte. Und mir ist klar, dass die Grundkonzeption der Serie – Großstadt-Bullette muss in einem Dorf in der Eifel inmitten lauter Bauern und verdrehter Querköpfe ermitteln – allein schon zu schallendem Gelächter anregen sollte.

Nur klappte das nicht bei mir. Und seit dem gestrigen Abend wird mir zumindest andeutungsweise klar, warum das nicht so richtig klappt mit den erfolgreichen und modernen Fernsehserien »made in Germany«: Wenn so ein Mist erfolgreich ist, warum sollte man sich dann für Qualität anstrengen?

09 September 2014

Die Terrorgruppe ist wieder da

Als ich die Terrorgruppe in den frühen 90er-Jahren zum ersten Mal sah – bei einer Party in Berlin, wenn ich mich recht erinnere –, begeisterte mich die Band gleich: rotziger Punkrock, der sich anhörte, als würde er von einem Haufen Teenager-Burschen gespielt, dazu freche Texte, die auf der spannenden Linie zwischen intelligentem Sarkasmus und zynischer Blödelei hüpften.

Die Band gehörte für mich zu den wichtigsten Punk-Bands der 90er-Jahre, verlor zu Beginn der Nuller-Jahre irgendwann ein wenig ihren Charme und löste sich nach vielen Umbesetzungen auf. Die einzelnen Musiker machten ihre eigenen Projekte – doch jetzt ist die Band wieder da.

Die vier Stücke auf »Inzest im Familiengrab« gibt's als Ten-Inch und als CD; wie es sich gehört, sind alle Texte in Form von kurzen Comics im Beiheft abgebildet. Textlich gilt dasselbe wie für die frühen Stücke der Band: Während das Titelstück einerseits albern ist und andererseits die Familienwerte verhöhnt, ist ein Stück wie »Na endlich« so ganz nebenbei ein Statement zu Leute wie Thilo Sarrazin.

Musikalisch erinnert das ganze ebenfalls an die »gute alte Zeit«: Der Punkrock ist flott, das Gespür für gute Melodien hat die Jungs auf gar keinen Fall verlassen, und dass das ganze auch noch schlau inszeniert wurde, passt gut dazu. Ich finde die neue Platte super und freue mich darauf, die Band mal wieder live sehen zu können.

08 September 2014

Deutschpunk-Klassiker fürs Radio

Seit langem habe ich im Enpunkt-Radio, das ich im Freien Radio Querfunk in Karlsruhe produziere, nicht mehr auf den klassischen Deutschpunk zurückgegriffen – dabei hat mich diese Musik anfangs der 80er-Jahre doch stärker geprägt, als ich das damals selbst bemerkt habe. Deshalb lag's nahe, am Sonntag, 7. September 2014, mal wieder so richtig tief in die Zeitmaschine zu greifen und auf die 80er-Jahre zurückzublicken.

Dabei durften die klassischen Bands aus Hamburg nicht fehlen: Ich spielte Slime (»Linke Spießer« ist immer noch super!) und Razzia (von der Platte »Ausflug mit Franziska«), wie es sich für eine solche Sendung gehört. Für die intellektuelle Abrundung sorgten dann noch die Neurotic Arseholes (»Du Russe«, yep!) aus Minden, die ich in den 80er-Jahren geradezu liebte.

Damit die Sendung nicht so anspruchsvoll wurde, gab's die Marionetz (diesmal »Deutsches Lied«) aus München und – was für ein Gegensatz! – die Fasaga (ja!, »Pogo in der Straßenbahn«) aus Köln und Umgebung. Schlichten Deutschpunk servierten früher stets Daily Terror (das immer noch tolle »Countdown«) aus Braunschweig; zum Abschluss gab's dann Politpunk/Reggae von Wut (»Südafrika« ist ja mehr Reggae als sonst was) aus Köln.

Ach ja, und die Toten Hosen (»Liebesspieler« ist einfach ein gutes Stück!) fehlten ebensowenig. Die Band aus Düsseldorf ist heute zwar eine kommerzielle Rock-Band, 1982 gehörte sie aber serh wohl dazu. Ich fand die Mixtur echt gelungen; keine Ahnung, wie das den Hörerinnen und Hörern gefiel.

07 September 2014

Kommentarfunktion

Es gibt zwei Menschen, die mich offensichtlich aus irgendwelchen Gründen nicht leiden können – ich gehe davon aus, dass es davon viel mehr gibt, aber diese zwei sind diejenigen, die ständig Nachrichten in meinem Enpunkt-Blog hinterlassen. Die meisten davon lösche ich sofort und schalte sie nicht frei; ich muss nicht unbedingt Beleidigungen gegen mich in meinem eigenen Blog veröffentlichen.

Bei einem der beiden weiß ich sehr genau, wer er ist; der andere verbirgt sich hinter einem Kunstnamen. Beide sind offenbar nicht in der Lage, ihre Kritik an mir offen zu formulieren, sondern schmieren sie »hintenrum« in meinen Blog. Und dort wird sie nie veröffentlicht.

Was treibt einen Menschem um, so etwas zu tun? Welche Energie wird hier verschwendet, die man doch auch sinnvoll nutzen könnte? Warum gehen solche Leute nicht in einen Sportverein oder kümmern sich um benachteiligte Menschen? Auch die Pflege öffentlicher Grünanlagen wäre eine wichtige Aufgabe, um die sie sich kümmern könnten ...

Ich versteh's nicht. Und ich werde weiterhin »zensieren« und den Mist löschen, den irgendwelche anonymen Feiglinge in diesem Blog zu verbreiten versuchen ...

06 September 2014

Ein Mann sucht Comics

Das Gespräch begann mit einem Unterton von Vertraulichkeit, als wollte mir der Mann – den ich seit einigen Jahren kenne – harte Drogen verkaufen oder irgendwelche Geheimnisse entlocken. Ich sei doch jemand, der sich mit Comics auskenne, fragte er in meiner Stammkneipe.

Es war recht laut um uns herum, viele Leute redeten durcheinander, aber er sprach halblaut und so, als ob es um sehr diskrete Dinge ginge. Ich bejahte.

»Ich will mal wieder einen Comic lesen«, sagte er, »so was Phantastisches, und es darf auch erotisch sein; da gab's früher ja viele. Aber keine Pornografie!« Abwehrend streckte er mir die Hände entgegen.

»Na ja, da gibt es viel«, eierte ich herum und verwies auf Serpieri und andere »Meister« des Erotik-Faches.

»Keine Pornografie«, wiederholte er. »Die Mädels dürfen schon nackig sein, aber kein so derbes Zeugs.«

Nach langem Hin und Her fiel es mir ein: »Ich bring dir den aktuellen Katalog des Splitter-Verlages mit. Da ist alles drin, was du magst.« Es ist manchmal so einfach, Menschen glücklich zu machen ...

05 September 2014

In der Lichtkammer

Fährt man nach Köln, kann man etwas erleben: Auf dem Roncalliplatz steht nämlich eine riesige Camera Obscura, eine sogenannte Lochkamera, die der Künstler Martin Streit aufbauen lassen hat. Und da ich mich von den Eins-A-Medien-Kollegen gerne in die Lochkamera hineinzerren ließ, besichtigte ich das begehbare Kunstwerk.

Von außen ist es ein riesiger Kasten: schwarz und klobig. Ist man drin, tastet man sich eine Treppe hoch, bevor man in einem stockfinsteren Raum steht. An der Wand dahinter flimmert der Kölner Dom – allerdings auf dem Kopf stehend.

Als Besucher betritt man also ein dreidimensionales Kunstwerk, und das ist interessant. Die Lichtkammer eröffnet einen neuen Blick auf den Dom. Deshalb muss kein Mensch extra nach Köln reisen. Wer aber in der Stadt am Rhein ist – oder gar wohnt –, sollte mal einen Blick riskieren.

04 September 2014

Ein Dialog per Fanzine

Eines der vielen Mini-Fanzines, die ich in den 80er-Jahren publizierte, nannte sich schlicht »Dialog«. Es umfaste vier Seiten und wurde von mir an einem Abend geschrieben – am 19. Juni 1986. Und wenn man den Notizen glaubt, die in diesen vier Seiten zu finden sind, trank ich während des Schreibens drei Flaschen Alpirsbacher Klosterbräu.

Lese ich heute das Fanzine durch, fällt mir eine gewisse Großkotzigkeit auf, die sich durchzieht. Teilweise dürfte die damals ironisch gemeint gewesen sein, teilweise nervt sie mich allerdings heute. Offensichtlich bin ich seit damals doch ein wenig älter geworden ...

Rein inhaltlich war das Fanzine tatsächlich ein »Dialog mit einigen Leuten«, vor allem Menschen aus der Science-Fiction-Szene, aber auch darüber hinaus. Ich ging auf Briefe ein, die mir einige Menschen zu früheren Fanzines – darunter »Ein bißchen Exhibitionismus« – geschrieben hatten, und ich schrieb über Fanzines, die diese Menschen gemacht hatten.

Damals hatte ich einen gewissen Hang zum literarischen Seelen-Striptease und schrieb über meine Probleme auch in Fanzines; die wurden allerdings nur an Menschen geschickt, die ich kannte und von denen ich mir eine Reaktion erhoffte. Andere machten das ebenso – im Prinzip eine Art Selbsthilfegruppe ohne psychologischen Beistand also.

Einige Worte beschäftigen sich mit Science Fiction, meist ging es um persönliche Themen. Viele der Menschen, die ich in diesem Egozine erwähnte, habe ich seit Jahren und Jahrzehnten nicht mehr gesehen; bei manchen kann ich mich an kein Gesicht mehr erinnern.

Mit anderen habe ich heute noch Kontakt, und das finde ich schön. Von Hermann Ritter druckte ich sogar ein Gedicht ab – na also!

03 September 2014

Lucy, Scarlett und Luc

Ich mag Filme von Luc Besson; ich habe die meisten Streifen des Regisseurs gesehen und finde die Bildgewalt, die er erzeugt, immer wieder faszinierend. Das lässt mich inhaltliche Schwächen gern ignorieren. Das kann ich auf jeden Fall über den Film »Lucy« sagen, den ich endlich angeschaut habe – ich finde, dass man ihn als Science-Fiction- und Actionfilm-Fan gesehen haben muss, trotz aller offenkundigen Schwächen.

Die Schwächen haben vor allem etwas mit dem letzten Viertel des Films zu tun, wenn die Geschichte zu sehr abdriftet und die Handlung ein wenig zu sehr im Nirvana versackt. Allerdings ist der Film sogar bei solchen Stellen sehenswert – das liegt an der Hauptdarstellerin ebenso wie an den unglaublichen Bildern.

Scarlett Johansson spielt sensationell: Man nimmt der Weltklasse-Schauspielerin vor allem am Anfang die Rolle hundertprozentig ab; das ist nicht mehr das junge Mädel aus »Das Mädchen mit dem Perlenohrring« oder »Lost In Translation«.

Mit abgeblättertem Nagellack, verschmierter Schminke und stumpfem Blondhaar sieht sie alles andere als »schön« aus, wirkt ausgesprochen derangiert und trotzdem cool. Die Art und Weise, wie sie in das finstere Geschehen hineingezogen und als Drogenkurierin missbraucht wird, bringt sie absolut stark rüber.

Danach entwickelt sich der Film zu einer knalligen Action-Geschichte, in die sich immer mehr Science-Fiction-Elemente mischen. Die Heldin verwandelt sich in eine Art Über-Frau, die nicht nur auf hundert Prozent ihres Gehirns zugreifen kann, sondern vor allem in der Lage ist, Materie zu beeinflussen oder beispielsweise Funkwellen zu lesen.

Irgendwann wirkt die Geschichte nur noch übertrieben; man kann als Zuschauer kaum der Logik folgen, und ich bin sicher, dass es die Macher des Films selbst nicht mehr taten. Morgan Freeman als intellektueller Professor überzeugt ebenso wie der französische Kommissar – aber dann überzeugen sowieso nur noch die Bilder.

»Lucy« ist ein Film, der die Meinungen spaltet. Man sollte ihn gesehen haben, allerdings im Kino, weil dort die Bilder wirken und man nicht zu sehr auf die Handlung achtet ...

02 September 2014

Die Ramonesierung der Gesellschaft

Mitten im Marktgetümmel sah ich die auffällig geschminkte Dame vor mir. Sie war um die 25 Jahre alt und trug eine unförmige Handtasche in Rot-Orange, auf der das riesige »Ramones«-Logo prangt. Die alte Punkrock-Band also, die ich 1977 zum ersten Mal gehört und deren Poster ich mir 1978 aus der »Bravo« genommen und in meinem Zimmer an die Wand gepinnt habe, als reines Accessoire auf einer großen Handtasche ... ich war beeindruckt.

An diesem Tag geschah mir das mehrfach. Auf dem Flohmarkt, quasi gleich um die Ecke, sah ich einen Mann mit grauen Haaren, der ein verwaschenes »Ramones«-T-Shirt trug. Bei diesem war ich weniger überrascht: Wenn er die Band in den späten 70er-Jahren schon gut fand, passte das zu grauen Haaren und dem verwaschenen Charme des Kleidungsstückes.

Aber seit ich darauf achte, wo ich den »Ramones«-Schriftzug sehe, fällt mir auf, wie oft er irgendwo abgebildet und verwendet ist. Das Logo wird offensichtlich als Kult-Gegenstand geschätzt, der weit über die Grenzen der Punkrock- oder auch nur der Rock'n'Roll-Szene hinausgeht. Nicht jeder, der den Schriftzug spazieren trägt, hat wahrscheinlich eine Ahnung von der Musik und der Szene, die sich damit einmal verbunden hat.

Vielleicht ist das so, wenn »Gegenkultur« oder »Jugendkultur« immer mehr in die Jahre kommen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Musiker der Band nacheinander das Zeitliche gesegnet haben. Vielleicht ist das »Ramones«-Logo ebenso wie die ausgestreckte Zunge der Rolling Stones einfach ein Symbol, das man trägt, weil es cool oder schick ist.

Vielleicht sollte ich mir über solche Dinge einfach gar keine Gedanken machen. Und mich lieber auf Raumfahrer und andere erfundene Dinge konzentrieren ...

01 September 2014

Zu Gast bei der Queen

Weil wir wieder einmal die wunderbare Therme in Erding besuchen wollten, quartierten wir uns in einem Hotel in der eher Stadt Erding ein. Erding ist ein eher gesichtsloser Ort, der im wesentlichen aus zwei, drei Straßen in der Innenstadt besteht, die ganz reizvoll sind, umgeben von vielen Wohnvierteln, die so auch in zahlreichen anderen Städten stehen könnten. Uns reizte aber die Therme, die wir schon kannten, und so wählten wir ein Hotel, das uns von der Beschreibung und von den Preisen her ansprach.

Wie nahmen das Hotel Henry, das sich in Fußnähe zur Innenstadt und in höchstens drei Kilometern Entfernung zur Therme befindet. Das Hotel ist nett eingerichtet – witzig fand ich, dass jedes Zimmer einem bestimmten Thema gewidmet ist.

Unser großzügiger Raum nannte sich  »Windsor«, und er richtete sich nach dem englischen Königshaus. Dazu zählte ein Bild der Königin, das an der Wand hing, ebenso wie ein Bettbezug mit Fuchsjagd-Motiven und einer sehr klassischen Ausstattung. Das war nicht besonders modern, dafür aber bequem und sauber.

Leider schafften wir es nicht, im Hotel zu Abend zu essen, auch wenn die Speisekarte gut aussah; dafür nahmen wir zweimal das Frühstück und waren jedes Mal sehr zufrieden: reichhaltig und preiswert. Das und der freundliche Service hinterließen bei uns einen richtig guten Eindruck.

Wenn es uns mal wieder nach Erding verschlägt – und die Therme sowie das nahe gelegene München sind an verregneten Wochen oftmals eine Alternative –, werden wir da gerne wieder vorbeischauen. Vielleicht wählen wir dann ein etwas exotischeres Zimmer ...

20 August 2014

Älter gemacht

Ich habe mich sehr gefreut, als das »Börsenblatt« für seine Ausgabe 32 vom 7. August 2014 ein Interview mit mir geführt hat. Es gab dann prompt auch eine ganze Seite in dem Magazin, das sich schwerpunktmäßig mit Science Fiction und Fantasy beschäftigt.

Die Romanserie, für die ich arbeite, wird schön präsentiert – alles hat geklappt. Ich kann auch gut damit leben, dass die Journalistin ausgerechnet mit der Geschichte anfängt, die ich ihr erzählt habe: wie ich im Alter von 13 Jahre meine ersten Raketenheftchen gelesen habe ...

Aber wie zum Teufel kommt die Dame darauf, dass ich ein »Mittfünfziger« sei? Anhand eines Fotos kann sie nicht darauf gekommen sein, wir haben nur telefoniert. Und in meinem Pass steht ein anderes Alter – das ist jetzt ganz schön frustrierend; so wird man älter gemacht, als man eh schon ist.

Wenn »Dämonos« schon Augen sammelt ...

Dass ich die Gruselromanserie »John Sinclair« zwar grundsätzlich toll finde – weil es sie schon so lange gibt –, rein inhaltlich aber nicht so viel mit ihr anfangen kann, habe ich schon oft genug erzählt. Dass ich gleichzeitig die dazu gehörenden Hörspiele mag, habe ich ebenfalls häufig ausgeplaudert; vor allem seit die Zaubermond-Mannschaft sie im Auftrag von Lübbe-Audio produziert, gefallen sie mir sehr gut.

Das zeigt sich auch bei der Folge 14 der »Classics«-Reihe, die den schönen Titel »Dämonos« trägt. Im Original war das ein Roman in der Serie »Gespenster-Krimi«, der im Sommer 1974 als Heftroman in den Handel kam – also vor ziemlich genau vierzig Jahren. Entsprechend schlicht gestrickt ist die eigentliche Geschichte; so waren Gruselhefte damals ...

Es geht um uralte Hinterlassenschaften aus dem alten Babylon, die im London von heute dazu führen, dass Menschen umgebracht und ihre Augen gestohlen werden. Mörder mit Krummdolchen treiben ihr Unwesen, und John Sinclair ist im Auftrag von Scotland Yard hinter den fiesen Killern her. Ganz nebenbei muss er auch noch versuchen, eine junge Frau zu retten und das mysteriöse Kreuz wiederzubeschaffen, das ihm gehört und um das sich viele Geheimnisse ranken.

Gerade die Rahmengeschichte mit dem Kreuz finde ich gut; sie sorgt dafür, dass die »John Sinclair«-Hörspiele einen zusammenhängenden Charakter erhalten, den es sonst bei der Serie kaum gibt. Die Geschichte selbst ist rustikal, wie schon erwähnt. Man muss als Leser eben schlucken, dass der altbabylonische Gott Baal auch heute noch eine Rolle spielt.

Ansonsten aber wabert der Nebel über einen Friedhof, eine Kirchenuhr schlägt dröhnend, es gibt Zeremonien in einem Mausoleum, es wird geschossen und gebrüllt und gekreischt. Die Effekte und Geräusche sind gut eingesetzt, so dass man als Zuhörer irgendwann vergisst, auf die Feinheiten der eher kruden Geschichte zu achten. Und dann macht »Dämonos« richtig Spaß.

Klar: Ich habe mich nicht ernsthaft gegruselt. Aber die Geschichte funktionierte und unterhielt mich prächtig. Na also!

19 August 2014

Roadmovie mit Streitereien

Dany Boon ist ein französischer Schauspieler, den ich schon in einigen Filmen gesehen haben: Genial waren die »Micmacs«, seine »Sh'tis« fand ich superlustig. Als ich mitbekam, dass er die männliche Hauptrolle in dem Film »Eyjafjallajökull« spielen sollte, war klar, dass ich mir den angucken musste.

Was geboten wird, ist ein franzöisches Roadmovie der besonderen Art: Die Tochter eines völlig zerstrittenen Ehepaars will ausgerechnet in Griechenland heiraten. Und weil der bescheuerte Vulkan mit dem schlimmen Namen auf Island ausbricht, müssen die beiden von München quer über den Balkan bis nach Korfu kommen.

Dabei benutzen sie unterschiedliche Fahrzeuge, ein Flugzeug und ein Schiff, und sie hassen sich derart, dass unterwegs so ziemlich alles zu Bruch geht, was die beiden nur anfassen. Das ist gut in Szene gesetzt, bringt einen immer wieder zum Lachen und macht einfach unglaublichen Spaß.

Dany Boon als streitsüchtiger Ehemann ist ebenso gelungen wie Valérie Bonneton als ebenso gehässige Ex-Frau – beide schenken sich nichts, beide hassen sich bis aufs Blut, und das unterhält hervorragend. Zu den Gags kommen tolle Landschaftsaufnahmen und eine eigentlich sehr schöne Geschichte; die eineinhalb Stunden im Kino rasen wie im Nu vorüber.

Sicher ist »Eyjafjallajökull« kein Film, den man gesehen haben MUSS, aber es ist ein gelungener Film mit vielen Krachern. Wer gut gemachte Unterhaltung zu schätzen weiß, wird daran seinen Spaß haben.

18 August 2014

Clap klappt zur fünfzig

Eigentlich ist die Bezeichnung »People-Magazin« für mich schon ein Grund, ein Heft oder Magazin nicht in die Hand zu nehmen. Zwar habe ich durchaus eine morbide Freude, gelegentlich – einmal im Jahr – eine Ausgabe der »Bunte« durchzublättern, aber meist ertrage ich keine echte Lektüre.

Eine Ausnahme ist tatsächlich »Clap«, von dem dieser Tage die Ausgabe fünfzig erschienen ist. Der Untertitel sagt schon, in welche Richtung das Magazin geht: »Das People-Magazin. Für Neugierige, Eitle und Schadenfrohe«. Ich lese es seit Jahren mit großer Freude, und ich möchte es auch weiterhin lesen.

Das Magazin richtet sich an Menschen in der Kommunikationsbranche, also an Werbetreibende, Öffentlichkeitsarbeiter, Redakteure und andere. Ich bekomme es also aus beruflichen Gründen. Allerdings muss ich immer wieder feststellen, dass ich viele der Menschen, um die es in diesem Magazin geht, nicht kenne – klar, ich habe beispielsweise mit dem Fernsehen wenig zu tun, ebensowenig mit Media-Agenturen.

Lesenswert ist dann aber beispielsweise ein Artikel mit der Chefin der »Bild am Sonntag«, der ein wenig tiefer in die Details geht als der übliche Kram, den man sonst über Journalisten lesen kann. Oder es gibt ein Interview mit dem Mann, der mit Goldstar TV einen Fernsehsender gegründet hat, der sich – Achtung! – mit dem deutschen Schlager beschäftigt ...

Eine schöne Bandbreite, die die Macher vom Clap-Club da regelmäßig präsentieren. Und weil ich mich stets auf die Lektüre freue, gratuliere ich an dieser Stelle ganz artig zum Jubiläum. Weiter so!

Peng Peng aus Freiburg

Zu den vielen neuen Bands, die mich in diesen Tagen begeistern und erfreuen, zählen Peng Peng aus Freiburg. Dabei handelt es sich um zwei junge Männer und zwei junge Frauen, die einen hippeligen Punkrock spielen, der rasch in die Füße geht. Das klingt manchmal bewusst nach 1977, ist aber wesentlich zackiger gespielt und passt eher in die Richtung aktueller Bands.

Die Stimme der Sängerin kiekst und zickt, die Instrumente sind zackig gespielt, die Stücke sind schnell und bieten rotzige Melodien. Ich habe die erste EP der Band gekauft, die im Sommer 2013 aufgenommen wurde – jedes der vier Stücke darauf gefällt mir aufgrund der genannten Mischung gut. Die Band sollte ich wohl mal im Auge behalten ...

15 August 2014

Ist die Welle vorbei?

Glaubt man dem »Boersenblatt«, der Fachzeitschrift für den deutschen Buchhandel, ist der Marktanteil für phantastische Literatur im Buchhandel zurückgegangen. Laut einer zitierten Berechnung von »GfK Entertainment« hat »unser« Bereich der Literatur im Zeitraum zwischen Juli 2013 und Juni 2014 einen Marktanteil von 6,2 Prozent an der Belletristik erreicht.

Das bedeutet einen Rückgang. Die Einnahmen mit Science Fiction und Fantasy seien, so das »Börsenblatt«, gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 20,5 Prozent gesunken«. Wobei sich der eine oder andere Autor erfolgreich aus der Misere zieht: George R.R. Martin ist mit seiner Fantasy-Saga mit elf Titeln auf der Hit-Liste vertreten. Ein Autor allein rettet aber nicht das Genre ...

Den in sich widersprüchlichen Artikel will ich gar nicht in seiner Gänze wiedergeben. Immerhin erscheinen viele Science-Fiction-Titel nicht unter dem Label Science Fiction, sondern als Thriller oder allgemeine Literatur. Das verzerrt jegliche Statistik, und das sollte ein Artikelschreiber auch wissen.

Dass gleichzeitig viele Leser zu den Werken von Selfpublishern greifen, ist bekannt, dürfte aber nicht ausschlaggebend für den Rückgang der Verkaufszahlen im Buchhandel sein. Ich halte es für verfrüht, von einer Krise zu sprechen und zu schreiben – vielleicht muss man sich nach der Science Fiction jetzt auch bei der Fantasy mit einer Gesundschrumpfung des Marktes abfinden.

Oder mit einer Umschichtung: Immer mehr Menschen holen sich phantastisches Lesefutter außerhalb des »seriösen« Buchhandels. Darüber gibt eine solche Statistik leider ebenfalls keine Auskunft ...

14 August 2014

Zombies, Ghoule und Agenten

Eigentlich liegt es nahe, aus den beiden erfolgreichsten Horror-Serien des deutschsprachigen Raumes irgendwann einmal ein sogenanntes Crossover zu produzieren. Es bietet sich vor allem dann an, wenn die Hörspielfassung der beiden Serien von einer Produktionsfirma übernommen wird: Zaubermond Audio ist sowohl für »John Sinclair« als auch für »Dorian Hunter« verantwortlich. Und nachdem ich den »Sinclair«-Teil des Crossovers bereits im April gehört hatte, war jetzt endlich die »Hunter«-Sicht der Dinge fällig.

In »Herbstwind« wird Dorian Hunter vom Secret Service in ein abgelegenes Dorf an der englischen Küste geschickt. Dort gibt es einen Bestatter, der offensichtlich mit »fremden Zungen« spricht; man vermutet irgendwelche übernatürlichen Umtriebe, und für solche Fälle bietet sich der »Dämonenkiller« geradezu an.

In seiner üblich schnoddrigen Art schafft es Hunter, einen Job bei diesem Bestatter zu ergattern. Er bekommt mit, wie seltsam sich der Mann verhält, und er schafft es, sogar das Vertrauen einer älteren Frau zu gewinnen, die das örtliche Altersheim leitet. Dort scheint die Quelle für alles Übernatürliche zu liegen, und dort ermittelt auch ein schnöseliger Mann namens John Sinclair.

Tatsächlich ist die Konfrontation beider Agenten das Salz in der Grusel-Suppe; wer beide Folgen kennt, amüsiert sich doppelt. Ansonsten aber ist »Herbstwind«, so der Titel der einundzwanzigsten »Dorian Hunter«-Folge wie immer sehr unterhaltsam: tolle Geräusche, eine unterhaltsame Geschichte, ein selten großkotziger Dorian.

Wenn ich Auto fahre, höre ich entweder Krachmusik oder Hörspiele und Hörbücher. Wenn »Dorian Hunter« im CD-Player liegt, vergesse ich buchstäblich den Verkehr ... ob das nun so gesund ist, weiß ich nicht – aber es belegt, wie spannend ich die Serie finde. Cool.

13 August 2014

Schnuppenfenster

Dass im August jedes Jahr die Sternschnuppen besonders schön zu sehen sind, ist mir schon lange bekannt; gewissermaßen ein alter Hut. Nur war's in all den Jahren immer eine zufällige Geschichte: Wenn ich eben mal drandachte und zufällig zum Himmel guckte, freute ich mich über eine eine Sternschnuppe.

In diesem Jahr wollten wir es klüger anstellen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch – also vom 12. auf den 13. August – setzten wir uns auf den Balkon und bereiteten uns auf den Perseidenschwarm vor. Leider hingen zu viele Wolken am Himmel, aber es gab genügend »Fenster« dazwischen, durch die wir schauen konnten.

Und es funktionierte: Durch die Schnuppenfenster sah ich einige richtig schöne Sternschnuppen. Sie zischten gewissermaßen durch das Wolkenloch, das zeitweise das Sternbild des Großen Wagen freiließ.

Dummerweise wurde es dadurch wieder sehr spät. Und der Nacken schmerzte ein wenig – wenn man die ganze Zeit so dasitzt und in den Himmel starrt, ist das gar nicht so schlau.

12 August 2014

Nochmal zu den Amazonen

Die Autorin Carla Berling ist mir nicht bekannt: Ich habe bislang kein Buch von ihr gelesen und habe sie noch nie getroffen. Doch ich habe einen Artikel in ihrem Blog gelesen, den ich interessant finde: »Das böse böse Amazon. Warum ich es nicht mehr hören kann«. Darin äußert sich die Autorin sehr klar und sehr lobend über den Internet-Versandhändler.

Sie gehört zur Gattung der Selfpublisher und macht damit etwas, das in den nächsten Jahren womöglich die Verlagslandschaft noch ganz schön umkrempeln wird. Sie hat Bücher in kleinen und kleinsten Verlagen veröffentlicht, womit sie praktisch nichts verdient hat. Jetzt macht sie ihre Bücher selbst, bezahlt ihr Lektorat selbst und kümmert sich auch um das Titelbild; den Vertrieb wiederum übernimmt Amazon.

Die Autorin ist damit zufrieden, und ich glaube ihr das. Es stellt sich natürlich die Frage, was passiert, wenn Amazon eines Tages die Konditionen für die Selfpublisher massiv verändert – und das kommt garantiert –, aber damit sollte sie sich jetzt noch nicht beschäftigen. Jetzt, also im Jahr 2014, ist das, was die Autorin schreibt, eine durchaus nachvollziehbare Meinung. Lesenswert!