17 Februar 2012

 

Der Jochen und sein Glück

Es gibt nur einen Menschen, der auf der Bühne mit lautem Gebrüll seinen Wunsch nach einem guten Wurstbrot zum Ausdruck bringen kann: Das ist Jochen Malmsheimer, der Kabarettist - am Donnerstag abend, 16. Februar, schauten wir uns im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim sein neues Programm an.

Das trägt folgenden hübschen und vor allem langen Titel: »Flieg Fisch, lies und gesunde! Oder: Glück, wo ist dein Stachel?!« Den Glück-Gag klärte er übrigens erst am Ende auf, den Witz fand ich sogar richtig gut. Ich lachte auf jeden Fall viel, obwohl ich völlig übermüdet ins Kabarett ging; ich klatschte auch viel.

Insgesamt war es ein witziger Kabarett-Abend; ich hatte aber in Erinnerung, beim ersten Malmsheimer-Auftritt noch viel mehr gelacht zu haben. Der Mann macht kein politisches Kabarett, sondern eine Mixtur aus allgemeinem Gesellschaftskram und gut gemachten Sprachwitzen.

Kein Wunder, dass die Dichte an studiert wirkenden Menschen im Publikum recht hoch war und wir zu den »jüngeren« Besuchern zählten. Für Malmsheimers Beschreibung einer ausufernden Diskussion mit seinem Bücherregal hilft es allerdings schon, ein gewisses Maß an Bildung und Grundwissen mitzubringen ...

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16 Februar 2012

 

Woche voller Krimis

Auf der PERRY RHODAN-Homepage stelle ich immer wieder Bücher vor; gelegentlich mache ich das dann eine Woche lang. Zuletzt gab es die »Woche der Krimi-Tipps« - hier ein kleiner Rückblick darauf.

Ich begann mit dem Roman eines italienischen Bestseller-Autors. Andrea Camilleri wurde vor allem durch seine Montalbano-Romane bekannt; sein schönes Buch »Der geraubte Himmel« erschien bei Wagenbach. Ich nenne das ganze »Ein Krimi als intellektueller Briefroman«, und das trifft es sehr genau.

Ein »Rasant erzählter Psycho-Thriller« hingegen ist »Vater, Mutter, Tod« von Siegfried Lange, der ursprünglich aus der Science-Fiction-Szene kommt, jetzt aber als Thriller-Autor einen schönen Erfolg erzielen kann. Finde ich gut!

Wer sich so richtig gut mit Krimis auskennt, guckt gern abschätzig auf Autoren wie David Baldacci: Die machen eigentlich Fastfood, die sind nicht so sehr aufs Literarische auf. Ich besprach seinen Roman »Die Jäger« unter dem Titel »Der ›Camel Club‹ gegen die CIA«, und das Ding hatte mir zuvor richtig Spaß gemacht.

Sehr amüsant ist »Nadel Faden Hackebeil« von Tatjana Kruse; der Roman spielt in Schwäbisch Hall und nimmt sich selbst nicht ernst. Meine Rezension erschen unter dem Titel »Kommissar Seifferheld ermittelt erneut«.

Zuletzt gab es »Road Dogs« von Elmore Leonard: sehr cool, sehr abwechslungsreich, sehr undurchsichtig. Mein Titel passt hundertpro: »Gangster und ihre Verstrickungen« ...

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15 Februar 2012

 

Lärm mit Handbremse

Die Band Noise Capital macht Alternative Rock der modernen Art: mit wuchtigen Gitarren und einer fetten Produktion, mit englischsprachigen Texten und einer Mixtur aus rockig-knalligem Sound sowie Emo-Geplänkel. Wer so etwas als Emo-Rock bezeichnen möchte, ist sicher nicht falsch beraten.

Ich hörte ihre CD »Ghost Army« mit den zehn Stücken durchaus gern an, stellte aber nach zweifachem Anhören fest, dass das alles nicht so richtig knallte. Die vier Jungs können mit ihren Instrumenten umgehen, das klingt auch alles nicht schlecht; es ist aber alles so brav, so angenehm, dass es mich nicht mitreißt.

»Kompromisslos arrangiert und gespielt« nennt das die Promo-Information des Labels, und das stimmt wahrscheinlich sogar. Ich nenne es »gut gemachter Hardrock für das Jahr 2012«, hake die Band unter »klingt gut, ist aber langweilig« ab und schenke die CD jemandem weiter, der sich hoffentlich dafür begeistern kann – es dürfte genug Fans dafür geben.

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Comic mit Steampunk- und Tierfantasy-Charme


In einem Comic-Laden in London stachen sie mir buchstäblich ins Auge: zwei Hardcover-Bände mit rotem Umschlag, die Innenseiten sensationell farbig und auf tollem Papier gedruckt – es waren die Comics »Grandville« sowie »Grandville Mon Amour«, beide geschrieben und gezeichnet von Bryan Talbot.

Erstmals aufmerksam geworden war ich auf Bryan Talbot bereits in den neunziger Jahren, als ich die vierbändige Comic-Serie »The Tale of One Bad Rat« gekauft hatte, damals in vier wunderschönen Heften. Das ganze gibt's mittlerweile auch als deutschsprachiges Paperback, und ich finde den Comic um ein Mädchen, das vor seinen Eltern flieht, immer noch beeindruckend. Der Begriff »Graphic Novel« passt hier: Es ging und geht um Kindesmisshandlung und die Macht der Poesie, nicht um irgendwelche Superhelden ...

Dieses »Grandville« ging jetzt in eine ganz andere Richtung – aber ich war nach dem ersten Durchblättern angefixt und kaufte mir kurzerhand beide Bände. Mittlerweile habe ich sie auch gelesen.

Ich bin begeistert, und ich fände es richtig klasse, wenn sich ein deutscher Verlag dazu entscheiden könnte, die zwei Bände in einer deutschsprachigen Ausgabe auf den Markt zu bringen. Es handelt sich dabei um eine phantastische Comic-Welt, in der sprechende Tiere die Hauptrolle spielen, das Dekor aber gleichzeitig eher in die Steampunk-Richtung geht.

Der Hintergrund: Im 19. Jahrhundert haben es die Engländer endlich geschafft, sich von der französischen Tyrannei zu befreien; in diesem Befreiungskrieg gab es haufenweise Greueltaten, und das Verhältnis zwischen Franzosen und Engländern ist seitdem vergiftet.

Detective Inspector LeBrock, ein aufrechtgehender Hund, und sein Begleiter, eine Ratte namens Roderick Ratzi, werden von Scotland Yard für einen ungewöhnlichen Fall nach Grandville geschickt – also direkt nach Paris. Sie verlassen die Sozialistische Republik von Britannien und nehmen ihre Arbeit in der Hauptstadt des Feindes auf.

Die Handlung des Comics selbst ist ein lupenreiner Krimi – in beiden Fällen. Die beiden Polizisten ermitteln im Politik- oder im Prostituierten-Milieu; sie gehen durchaus mit der Faust oder mit der Schusswaffe in den Einsatz, und an Brutalität wird nicht gespart. Schön sind gelegentliche Anspielungen, etwa auf die Comic-Messe in Angouleme.

Beeindruckt hat mich die Optik des Comics: verschnörkeles Messing in den Gebäuden, eine riesige Eisenbahnbrücke über den Ärmelkanal, seltsam altmodisch wirkende Roboter – das ist alles toll gemacht und gibt dem Comic eine großartige Optik. Spitze!

Wer mehr wissen will, geht auf die Seite des Künstlers; dort gibt es einen speziellen »Grandville«-Bereich. In dem kann man sich Youtube-Filmchen angucken und vor allem Bilder in schöner Auflösung betrachten. Das lohnt sich – und jeder wird hoffentlich verstehen, warum ich der Serie eine lange Lebensdauer und auch einen deutschen Verlag wünsche!

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14 Februar 2012

 

Schritte durch Nagold

Zu den schmeichelhaften Momenten beim OX-Festival am Wochenende gehörte die Begegnung mit der jungen Frau, die sagte, sie lese im OX immer als erstes meine Fortsetzungsgeschichte. Und eine andere Leserin wollte wissen, ob sich Chris und Peter denn »jetzt eigentlich kriegen« würden - als an der Romanheft-Front gestählter Redakteur gab ich hierzu natürlich keine konkrete Antwort.

Selbstverständlich geht es in der aktuellen Ausgabe 100 des OX-Fanzines mit dem Fortsdetzungsroman weiter. »Und: Hardcore!« ist mittlerweile bei Folge 36 angelangt.

Nach wie vor ist der »Held« in Nagold unterwegs, doch er möchte die Kleinstadt im Nordschwarzwald endlich verlassen, um in Stuttgart einige höchst private Angelegenheiten zu regeln. Was genau passiert und wie die Abreise verläuft, das verrät ebendiese Folge ...

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13 Februar 2012

 

Zweimal alter Punk

Am Sonntag abend, 12. Februar 2012, verschlug es mich mal wieder in die »Alte Hackerei«, in die »gepflegte Punkrock-Bar« in Karlsruhe. Das Durchschnittsalter war recht hoch, deutlich über vierzig, würde ich schätzen. Kein Wunder: Es standen alte Männer auf der Bühne.

Von T.V. Smith bekam ich leider nur den Schluss des Auftritts mit. Der Mann, der vor über dreißig Jahren einer der Leute war, die Punkrock überhaupt hochgebracht hatten, tritt seit Jahren allein mit einer Gitarre auf - und ist damit mehr Punk als viele der neueren Bands. Was ich mitbekam, klang auf jeden Fall wieder gut.

Dann aber die U.K. Subs, eine Band, die ihre große Zeit zwischen 1979 und 1981 hatte, die zwischendurch immer mal wieder schwächelte, die mit ihrem rund 67 Jahre alten Sänger Charlie Harper heutzutage aber überzeugender ist als in den 80er-Jahren. Das bemerkte ich auch an diesem Abend wieder.

Alte Hits wie »Warhead« - wo natürlich der Saal mitsang - oder »C.I.D.« wurden mit Energie und Wucht in den Saal geschmettert, die Band gab noch drei Zugaben, bis in der vollgequalmten Hütte eh nichts mehr ging. Super!, ein gelungener Auftritt; ich war richtig glücklich, trank fleißig Bier und bekam an diesem Abend das beseelte Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

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Loaded aus Mannheim

Schön, dass es solche Bands wie Loaded gibt! Ich habe in den letzten Tagen verdammt oft ihre EP »Proper Villains« gehört, die schon mal richtig gestaltet ist: in einem Schwarzweiß-Comic-Stil, der ziemlich cool aussieht. Aber die drei Stücke auf der 2009 aufgenommenen EP sind ebenfalls ziemlich cool.

Der Punkrock der Band ist in den 70er-Jahren ebenso verwurzelt wie im modernen Ami-Punk, wie er in den 90er-Jahren über den Teich herüberschwappte. Die Stücke sind schwungvoll, gehen sofort ins Ohr und in die Beine; knallharter Pogo ist das nicht, eher ein mittelschneller Sound, der Wert auf schöne Melodien legt.

Saugut – da hat Dirty Faces wieder ein hübsches kleines Scheibchen rausgebracht!

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12 Februar 2012

 

Festival zum hundertsten

Am Samstag, 11. Februar 2012, feierte das OX-Fanzine das Erscheinen seiner hundertsten Ausgabe mit einem Festival in Solingen. Da durfte ich natürlich nicht fehlen, und so fuhren wir zu zweit am Samstag mittag los – bei strahlendem Sonnenschein und vielleicht vier Grad minus.

Weil die A3 bei Köln gesperrt war, eierten wir über irgendwelche Landstraßen, schauten uns die Innenstadt von Köln-Mühlheim und von Leverkusen an und kamen erst kurz vor 20 Uhr im »Cobra« in Solingen an. Sniffin' Glue, die ich unbedingt hatte sehen sollen, waren da bereits mit ihrem Auftritt fertig.

Einige hundert Leute waren da, viele grauhaarige Männer darunter – ich war auf jeden Fall nicht der älteste. Dass Punk keine Jugendkultur mehr ist, belegte dieses Festival ganz eindeutig; es waren aber genügend junge Leute anwesend, was ich gut fand.

Als erste Band sahen wir Pascow: teilweise bebrillte Saarländer, die knalligen Deutschpunkt mit guten Texten machen. Ich finde die Band schon auf Platte gut und mochte sie auch live sehr. Das ist Deutschpunk in den Zehner-Jahren, und das ist um Längen besser als der Aufguss alter 80er-Jahre-Kapellen.

Leider erwies sich Jingo de Lunch danach als Enttäuschung. Vielleicht wurde die Band auch schon in den späten 80er-Jahren überschätzt; damals mochte ich sie sehr. An diesem Abend in Solingen wirkte die Band mit ihrem Hardrock-Metal-Mix, als sei sie aus der Zeit gefallen. Nach zwei Stücken und einem langen Gitarrensolo verließen wir die Halle.

Es gab Bier und vegane Würstchen, man konnte sich im Freien bei fallenden Temperaturen auch gut unterhalten, und so verpassten wir glatt den Pepstpapst oder wie immer der Solo-Künstler aus Aachen sich nannte. Soll aber skurril gewesen sein.

Zum Ausgleich überzeugten EA 80. Die alten Herren aus Mönchengladbach, die ich bei ihrem letzten Auftritt in Karlsruhe langweilig gefunden hatte, lieferten ein druckvolles Punkrock-Brett an. Der Sänger hüpfte wie in alten Zeiten in den Pogo-Mob, die Band ließ es ordentlich krachen – das ist nach über dreißig Jahren ohne Pause eine völlig überzeugende Leistung.

Ob es so schlau war, Wire als letzte Band aufs Programm zu hieven, weiß ich nicht. Die alten Engländer brachten viele Stücke aus ihrer Wave-Phase, brachten aber auch ihren Punkrock, der 1977 völlig neu und originell war und heute nach wie vor überzeugend ist: Pogo gibt's da aber keinen, und die Stimmung ist naturgemäß verhalten. Man steht halt rum und guckt sich interessiert die Band an. Toll war's trotzdem.

Nach ein Uhr kamen wir aus dem Gebäude, dann ging's auf die Autobahn. Da ich wegen Übermüdung öfter Pause einlegen musste, waren wir erst gegen fünf Uhr morgens wieder in Karlsruhe. Eine schöne Expedition war's auf jeden Fall!

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10 Februar 2012

 

Larps und ihre Zeiten

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich zum ersten Mal »live« eine Fantasy-Figur spielte. Das war 1980 in Konstanz, ich war ein pickeliger Jugendlicher, und meine Verkleidung bestand aus einem Morgenstern aus Plastik, den ich mit mir herumschleppte.

Mit dabei waren ein Mann im Bastrock, der heute als Teil eines Autorenpaars für sensationelle Historien-Bestseller verantwortlich ist, sowie eine Reihe anderer Leute, von denen ich größtenteils seit Jahren nichts mehr gehört habe. Das ganze nannte sich »Follow-Marsch« und hatte mehr mit einer Art Schnitzeljagd zu tun als mit einem »Live Action Roleplaying Game«.

Das wiederum ist die ausgeschriebene Formulierung von »LARP«, und das scheint mittlerweile eine echte Industrie geworden zu sein. Zumindest komme ich zu diesem Gedanken, wenn ich das schön gemachte Magazin »LARP-zeit« betrachte; mir liegt die Nummer 33 vor.

Das 92 A4-Seiten starke Magazin ist richtig gut gemacht: schönes farbiges Layout, viele Fotos, gut geschriebene Artikel. Es gibt Ratschläge, wie man sich entsprechende Masken macht oder Klamotten schneidert, es gibt Beiträge über LARP-Hintergründe, und natürlich gibt es schöne Berichte von den eigentlichen Veranstaltungen.

Beeindruckend, wirklich – das sieht gut aus, das scheint richtig Laune zu machen. Ich habe das Magazin mit großem Interesse geblättert, angeguckt und streckenweise auch richtig gelesen.

Das hat alles nichts mehr mit dem zu tun, was wir im Sommer 1980 in einem Wald am Bodensee »gespielt« haben. Das ist alles wesentlich weiter entwickelt, viel ausgefeilter und auch ... ja! ... besser. Aber für mich wär's nichts mehr.

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09 Februar 2012

 

Die Nächte bei Familie Patel

Rückblick auf meinen Kalifornien-Trip im Jahr 2006

Nach dem Science-Fiction-WorldCon in Anaheim, den ich im Sommer 2006 besucht hatte, fuhr ich mit dem Bus nach Long Beach hinunter. Dort quartierte ich mich im Rodeway Inn ein, einem Motel, das nur einige hundert Meter vom Strand entfernt lag – und einen Aufenthalt am Strand des Pazifischen Ozeans hatte ich mir nach einigen Tagen im Kongresszentrum redlich verdient.

Geführt wurde das Motel von Hitu Patel, es war also im Besitz einer indisch-stämmigen Familie. Die Hilfe der netten Familienangehörigen benötigte ich gleich mehrfach, weil ich vor allem am Anfang nicht in der Lage war, die Tür vernünftig zu öffnen, und eine Weile brauchte, bis ich den dafür nötigen Trick mit der Codekarte kapiert hatte. Ansonsten beschränkten sich meine Kontakte auf »hello«- und »bye«-sagen.

Das Motel lag in einer vergleichsweise ruhigen Nebenstraße; der Hauptverkehr auf der Strandpromenade sowie der Durchgangsverkehr liefen quasi rechts und links ab. Es war ein typisches Motel; ich hatte ein Zimmer im ersten Obergeschoss, und von meiner Tür aus hatte ich einen netten Blick auf die parkenden Autos im Innenhof. Vom Fenster aus sah ich auf einen staubigen Hinterhof, das war weniger prickelnd.

Man ließ mich in Ruhe, das ganze Motel schien eine Oase der Ruhe zu sein. Die Gäste kamen und gingen; einige waren Tagesgäste wie ich, andere wiederum hatten sich wohl für längere Zeit einquartiert. Ich wurde freundlich gegrüßt, wenn ich die Pforte passierte, ansonsten aber überließ man mich meinem geruhsamen Durch-den-Tag-trödeln, das ich in Long Beach betrieb.

Als ich nach einigen Tagen und Nächten das Rodeway Inn räumte, hatte ich nicht gerade das Gefühl, eine Bande von Freunden zu verlassen; ich verabschiedete mich dennoch mit einem Gefühl von Wehmut. Ein bisschen Heimat war das Motel dann doch für mich geworden ...

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08 Februar 2012

 

Aktuelles vom Nazi-Terror

Wer in diesen Tagen das aktuelle »Antifaschistische Info-Blatt« aus Berlin liest, hat eine wenig erheiternde Lektüre vor sich: Die Darstellung des sogenannten Zwickauer Terror-Trios, die derzeit aus den gängigen Medien so gut wie verschwunden ist, nimmt in der vorliegenden Nummer 93 breiten Raum ein. Vor allem aber widmet sich das »Antifa-Info« auch der Art und Weise, wie die Nazis teilweise vom Verfassungsschutz behütet, finanziert und aufgebaut werden.

Wie immer ist das 60 DIN A4-Seiten starke Blatt eine unverzichtbare Lektüre für all diejenigen, die sich für das Thema interessieren oder die aktiv gegen Nazis vorgehen möchten. Wo sonst erfährt man als Leser so viel über Rechtsextremismus, Nazi-Gruppierungen im Ausland (diesmal geht's unter anderem um die Hetze gegen Sinti in Osteuropa) oder eben hiesige Nazi-Terrorgruppen?

Eindrucksvoll finde ich den Artikel über den Boxer Johann Trollmann, der wegen seiner »Zigeuner-Abstammung« in der Nazi-Zeit ausgegrenzt, verfolgt und zuletzt im Konzentrationslager brutal ermordet wurde. Ebenso spannend ist die Darstellung zur aktuellen Lage bei der NPD und anderen Nazi-Gruppierungen.

Wie schon gesagt: eine unverzichtbare Lektüre – das Heft gibt's im örtlichen Infoladen oder selbstverständlich im Abonnement. Lohnt sich!

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07 Februar 2012

 

Winteranfang im Februar 2012

Der Winter ist nun endgültig über Karlsruhe hereingebrochen; das merkte ich, als ich am späten Nachmittag und frühen Abend mit dem Rad in der Innenstadt von Karlsruhe unterwegs war. Es schneite ununterbrochen, und der Schnee blieb auf dem gefrorenen Boden liegen, dazu kam ein eisiger Wind.

Die Räder knirschten bei jedem Pedaltritt, und ich musste langsam fahren, weil ich nie wusste, wie der Untergrund beschaffen war. Herumeiernde Autofahrer erleichterten das Vorankommen nicht unbedingt, ich blieb äußerst vorsichtig.

Trotzdem empfand ich es als nicht so kalt wie am Vortag. Der Schnee dämpfte sogar die Temperatur, die gefühlten selbstverständlich – das fand ich toll.

 

Toxoplasma-Historien

Eine der frühen Deutschpunk-Bands, die ich heute noch gerne höre, ist Toxoplasma. Die Band kam aus Neuwied am Rhein und sorgte mit Stücken wie »1981« oder »Ordinäre Liebe« für echte Pogo-Hits.

Bei Twisted Chords ist eine Langspielplatte erschienen, die Stücke von den ersten zwei Demo-Cassetten zusammenfasst. Alle Klassiker sind enthalten, allesamt ruppig gespielt und nicht unbedingt in erstklassiker Soundqualität.

Aber das ist echt Punkrock: Jedes Stück ist auf den Punkt gebracht, die Texte sitzen, und irgendwelches Metal-Gewixe oder Hardrock-Gedöns gab's damals einfach nicht. Tolle Platte – zumindest für Leute wie mich, die den alten Sound immer noch gern haben!

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06 Februar 2012

 

England hat mal wieder gerult

Auch wenn die erste und die zweite Punk-Welle in England richtig lange her sind – zwischen 30 und 35 Jahre –, gibt es immer wieder richtig gute Punkrock-Bands von der Insel. Davon konnten sich die Hörer im ENPUNKT-Radio überzeugen: Am Sonntag, 5. Februar 2012, bollerte ich ihnen Bands von der Insel um die Ohren, meist Aufnahmen aus den Nuller-Jahren.

Mit den Guitar Gangsters und den Stupids hatte ich Bands im Programm, die es schon in den 80er-Jahren gab und die mit neuen Aufnahmen wieder da sind. Aus den 80er-Jahren stammen auch Citizen Fish und Sensa Yuma, deren Anarcho-Punk mit neuen Platten in den Nuller-Jahren eine schöne Fortsetzung fand.

Moderner klangen dann schon der melodische Streetpunk von Deadline oder der sonnige Melodie-Punk von Billy No Mates. Für die Rumpelpunk-Fraktion gab es noch Splodgenessabounds; und wer es gern ein wenig nachdenklich und durchaus unpunkig mag, bekam am Ende schöne Stücke von T.V. Smith aufs Ohr.

Bei der Sendung zappelte ich mir ganz schön einen ab. Ich sah wohl reichlich albern auf: Kopfhörer auf, Hände am Regler – und dazu Pogo im Sitzen. Gottseidank gibt es niemanden, der einem im Radiostudio zuguckt.

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05 Februar 2012

 

Eine Woche Urlaub

Hurra!, ich tanze auf dem Tisch, ich freue mir ein zweites Loch sonstwohin, die Welt ist endlich wieder schön. Ich habe eine Woche Urlaub. Das heißt, dass ich jeden Tag ausschlafen kann, so lange ich will, das heißt auch, dass ich Krachmusik hören kann, ohne Kollegen und Familie zu stören.

Das heißt, dass ich »nebenbei« endlich mal wieder an eigenen Texten arbeiten kann. Das wäre nach dem verheerenden Jahr 2011, in dem ich praktisch nichts eigenes gebacken bekam, dringend nötig. Wenn zwischen den anderen Pflichten, die ich mir auferlegt habe (aufräumen!), dafür Zeit bleibt, versteht sich ...

Denn ganz »nebenbei« werde ich sehr wohl Dinge für die Firma erledigen. Es liegen einige Manuskripte zu Hause herum, und ich habe mir vorgenommen, einige Texte sowie konzeptionelle Gedanken zu tippen.

Eigentlich ganz schön blöd. Aber wenn Urlaub offensichtlich in diesem Jahr heißt, die tägliche Arbeitszeit von zehn bis zwölf auf zwei bis drei Stunden zu reduzieren, will ich mich darüber einfach mal freuen.

04 Februar 2012

 

Warten am Flughafen

(Rückblick auf die Kamerun-Reise im November 1999)

Mein Reise durch Kamerun gehört nach wie vor zu den absoluten Highlights in all den Reiseerfahrungen der letzten zwanzig Jahre. Das vielseitige Land mit seinen verschiedenen Kulturen zwischen Regenwald im Süden und Sahelzone im Norden, dem englischsprachigen Wesen und dem französischsprachigen Rest hatte es mir wirklich angetan, und die vier Wochen, die ich in Kamerun auf Reisen verbrachte, vergingen unglaublich schnell.

Das einzige, was mich immer wieder ärgerte, war die Bürokratie. In Kamerun hatten sie das bürokratische System auf die Spitze getrieben.

So war ich beispielsweise unglaublich früh am Flughafen, weil ich morgens am Strand aufgewacht und mit dem direkten Bus von Kribi an der Atlantikküste nach Douala, der Hauptstadt, gefahren war. Da der Flughafen quasi an der Straße von Kribi nach Douala lag, hatte ich mich vom Busfahrer an einer Straßenkreuzung herauswerfen lassen und war die letzten eineinhalb Kilometer marschiert. Dummerweise durch eine kochende Mittagshitze, aber so war ich zeitig genug am Flughafen und hatte keine Unsummen für Taxis ausgeben müssen.

Dummerweise ließ man mich nicht in den eigentlich inneren Bereich des Flughafens eintreten. So saß ich stundenlang in der Flughafenhalle herum, immer mein Gepäck in Sichtweite. Nicht einmal auf die Toilette wagte ich mich, ohne meinen Seesack mit mir zu schleppen, weil sich eine Reihe eher seltsamer Gestalten in der Halle herumtrieb, denen ich nicht einmal ein vollgerotztes Taschentuch anvertraut hätte.

Die Abfertigung, die Stunden später endlich begann, erwischte mich schon in einem Stimmungstief; ich hasste sie wirklich alle. An schätzungsweise vier verschiedenen Schaltern musste ich letztlich anstehen, um irgendwelche Formalitäten zu erledigen. Mit der beste war derjenige, an dem ich eine zusätzliche Steuer entrichten musste. Von dieser stand zwar nichts im Reiseführer, aber Einheimische hatten mir von dieser Steuer erzählt.

So war ich in der Lage, die letzten 10.000 EFA, die ich extra noch in der Tasche stecken hatte, auf den Tisch zu legen, meine zwei Briefmarken und einen entsprechenden Stempel zu erhalten, um dann endlich durch das eigentliche Gate gehen zu dürfen. Und dort saß ich dann weitere zweieinhalb Stunden, bis ich endlich den Rückflug von Kamerun über Brüssel nach Deutschland antreten konnte.

Dass ich nach all den Stunden des Wartens und Genervtwerdens nicht mehr gerade nach einem frisch gebadeten Mann roch, überraschte mich selbst am wenigsten. Immerhin ließen mich die Stewardessen ins Flugzeug und setzten mich nicht am erstbesten Zwischenstop an die frische Luft ...

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03 Februar 2012

 

Psychodruck zu »Rocky«

Beim international aufgestellten Autobauer Hyundai gibt's für Arbeitnehmer, die mal ein wenig ratlos sind oder keinen Bock haben, eine besondere Art der Aufmunterung: Man singt ihnen die »Rocky«-Musik vor, solange zumindest, bis sie einknicken. Das scheint die Botschaft eines neuen Hyundai-Werbefilmchens zu sein.

So nett ist das Filmchen, dass es mir ein Schmunzeln ins Gesicht trieb. Nur ... wenn wir das mal ganze ernsthaft angucken: Es gibt bei jedem Arbeitnehmer die Tage, an denen er vielleicht nicht so mag, wie es die Vorgesetzten oder Kollegen gerne hätten. Und dann?

Wenn ich mir das Filmchen unter dem Gesichtspunkt anschaue, wird hier fiesester Psychodruck symbolisiert: alle gegen einen, nicht »all for one«, also »alle für einen«, solange eben, bis derjenige mitzieht. Wer aus der Reihe tanzt und nicht mitsingt, sprich, nicht hundertprozentig mitmacht, der gehört dann eben nicht dazu.

Seltsame, selbstentlarvene Firmenwelt.

02 Februar 2012

 

Das OX wird hundert


Dieser Tage müsste die Ausgabe 100 des OX-Fanzines in meinem Briefkasten landen. Das ist ein Grund, den Macherinnen und Machern mal zu gratulieren! (Und das hat damit nichts zu tun, dass ich seit Jahren als freier Mitarbeiter für das Fanzine tätig bin.)

Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge des Fanzines: in den allerspätesten 80er-Jahren, auf Zeitungspapier gedruckt und eher in die Hardcore-Ecke schielend. Es war ein interessantes Fanzine, die Macher hatten Ahnung – aber ich hätte damals nie gedacht, dass es dieses Heft einmal so lange geben würde.

Im Lauf der Zeit hat das OX die eine oder andere Wandlung durchgemacht. Das finde ich gut, alles andere wäre unsinnig gewesen. Immer noch kommt mir das Heft wie eine zweimonatlich erscheinende Bibel vor: Es finden sich derart viele Informationen zu Punkrock, Hardcore und artverwandten Gebieten, dass ich die nie alle schaffe und dass auch immer wieder Ausgaben so gut wie ungelesen in die Fanzine-Sammlung wandern.

Auch heute noch sind die Redaktionsmitglieder sachkundig; das merke ich an vielen Interviews, Besprechungen und Artikeln. Manchmal geht mir persönlich die Sachkenntnis zu weit, weil die Texte zu musiklastig und detailhuberisch sind; da wäre mir mehr »Straßenbezug« lieb. Aber das ist Geschmackssache.

Ich finde das Heft einfach gut, und ich bin stolz darauf, dass ich seit über einem Dutzend Jahren mitarbeiten kann. Hundert Ausgaben – das ist ein stolzes Jubiläum! Darauf werde ich heute abend wohl erst mal ein Bierlein trinken.

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01 Februar 2012

 

Zwanzig Jahre danach

»Ich wollte dir nur sagen, dass es jetzt dann zwanzig Jahre sind.« So kryptisch begann mein Telefonat mit Hermann Ritter, einem meiner ältesten Freunde. Ich brauchte eine Weile, bis ich kapierte, was er meinte: Im Frühjahr 1992 hatten wir - zusammen mit anderen Science-Fiction-Fans - in Freudenstadt den EuroCon organisiert.

Gemeint ist damit eine Art europäischer Science-Fiction-Kongress. Aus dem eher harmlosen FreuCon '92 war in dem Jahr aufgrund des Krieges in Jugoslawien auf einmal eine »große Nummer« geworden.

Und es war ein ziemlicher Hammer: Rund 800 Besucher waren da, sie kamen aus zwanzig Nationen. Eine offizielle chinesische Delegation war zugegen, Besucher aus Moldawien und der Ukraine reisten an; ein Reisebus mit 55 Besuchern aus Rumänien stand vor dem Kongresszentrum.

Während des Telefonats schwelgten wir ein wenig in Erinnerungen. Es war eine großartige Veranstaltung, da waren wir uns einig; ich stellte fest, dass wir die negativen Empfindungen längst in den Hintergrund gedrängt hatten.

Wir hatten uns danach vorgenommen, »nie wieder« so etwas zu veranstalten. So richtig daran gehalten haben wir uns allerdings nie: Hermann war seitdem an mehreren »Festen der Fantasie« und anderen Veranstaltungen beteiligt, und ich war zweimal mit der Organistion eines PERRY RHODAN-WeltCons beschäftigt.

Aber so spannend, so abwechslungsreich, so komplett neu und unter politischen Bedingungen völlig überraschend ... das war nur der FreuCon '92. Zwanzig Jahre ist das her. Hammer.

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31 Januar 2012

 

Großes Essen im Gasthof Linde

Unglaubliche zwölf Prozent Mehrwertsteuer waren am 28. März 1978 bei einem Essen in einem Restaurant fällig. Woher ich das weiß? Ich habe die Rechnung des Gasthofs Linde gefunden, in der an diesem Tag meine Konfirmationsfeier veranstaltet wurde.

Das war damals üblich: Nach der Konfirmation lud die Familie des Konfirmanten eine Festgemeinde in ein nahegelegenes Lokal ein und verköstigte sie. In diesem Fall waren es wohl die Tanten und Onkel sowie deren Kinder, und es kam unterm Strich eine Rechnung von 399,40 Mark heraus – für meine Eltern war das damals eine große Summe.

Dafür gab es 23 Mittagessen zum Preis von 13,80 Mark, wahrscheinlich Braten mit Beilagen. Getrunken wurde ordentlich: 17 Glas Bier – also Export – für 1,10 Mark und neun Pils für 2,10 Mark. Dazu kamen Bluna und Spezi sowie vier Asbach und fünf Kirschwasser. Für die Verhältnisse einer schwäbischen Arbeiterfamilie ließ man es also ordentlich krachen.

Im Schnee vor dem Gasthaus lieferte ich mir mit einigen anderen eine Schneeballschlacht. Mein »schönes Anzügle« wurde nass, und ich bekam einen Anschiss.

Kaffee und Kuchen wurden nicht mehr im Gasthaus verzehrt, sondern bei uns zu Hause serviert. Meine Mutter hatte gebacken, und sie stellte Kaffee und Kuchen auf den Tisch. Wie das so üblich war ...

Ich erinnere mich noch gut, als ich gegen später meine neue Schallplatte vorspielte. Es war die »Never Say Die« von Black Sabbath. Mein großer Cousin, damals schon über zwanzig Jahre, war gebührend beeindruckt. »Des isch aber progressiv«, sagte er. Es blieb unser einziges Gespräch über Musik.

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Schiffbruch im Rahmenprogramm

Ich habe Inner Conflict schon lange nicht mehr gesehen, und wenn ich mir in diesen Tagen die Langspielplatte »Schiffbruch im Rahmenprogramm« anhöre, ist das glatt ein Grund, mich darüber zu ärgern. Die Band aus Köln macht deutschsprachigen Punkrock, für den die Schublade Deutschpunk nicht unbedingt zutreffend ist, der sich durch schlaue Texte, einen starken Gesang und einen saugut geschmierten Sound auszeichnet.

Klar ist es die Stimme der Sängerin Jenny, die zumeist die Stücke trägt; mit am besten gefallen mir aber die Stücke, in denen sich männliche und weibliche Stimme abwechseln. Dazu wummern Bass und Schlagzeug, setzt die Gitarre scharfe Akzente – das alles ist ein Sound, der nicht unbedingt zum Pogo einlädt, sondern eher zum Kopfwackeln und Fußwippen.

Textlich behandelt die Band häufig persönlich-menschliche Themen wie in »immer wieder«. Da heißt es: »gegen die vernunft / gegen den verstand / dem rasen zweier herzen / gegen jede fairness / gegen alle regeln.«

Und wenn es politisch-gesellschaftskritisch wird wie in »en vogue«, verzichtet die Band auf Parolen: »wir sind jetzt die friedensmacht / ein wahlsystem das funktioniert / sieh an, wer hätte das gedacht / und trotzdem hab ichs nicht kapiert.«

Die Platte ist übrigens vom Sommer 2007. Ich kann sie im Winter 2011/12 problemlos anhören und denke mir, dass sie Bestand haben wird. Das gilt auch für andere Tonträger der Band, für die das Label Twisted Chords verantwortlich ist.

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30 Januar 2012

 

Zu wenig Musik im Pack

Das hatte ich mir toll ausgesucht: Für meine Radiosendung am Sonntag abend, 29. Januar 2012, wollte ich einige aktuelle Punkrock- und Hardcore-Platten aus deutschen Landen präsentieren. Zu diesem Zweck wählte ich einige CDs und Vinylscheiben aus, von denen ich klugerweise zwei daheim liegen ließ. Ganz schön blöd, aber eben nicht zu ändern.

Ich machte das beste aus der Situation, und die ENPUNKT-Radiosendung im Querfunk lief doch ganz gut ab. Mit den Berlinern von Zack Zack und der Münsteraner Dean Dirg-Bande gab's gleich zwei Bands, die sich bewusst an der Vergangenheit orientieren: einmal 1977, einmal 1982 - auch gut.

Aktuell klingenden Hardcore servierte ich von Cobretti aus Köln und Conmoto aus Limburg; die Limburger hatte ich letzten Herbst in der »Alten Hackerei« in Karlsruhe auch live bewundert. Braindead aus Hamburg lieferten ebenfalls Hardcore, sauber abgeschmeckt mit einer Prise Ska.

Deutschpunk mit einem Schlag Oi! gab's von Fahrenheit aus Magdeburg, Deutschpunk mit knalligem Hardcore-Sound kam von Abfukk vom Niederrhein. Und mit Düsenjäger und Captain Planet kam sogar die Emopunk-Fraktion auf ihre Kosten.

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29 Januar 2012

 

Ziemlich beste Freunde

Die Geschichte klingt klischeehaft: Ein querschnittsgelähmter reicher Mann mit weißer Hautfarbe und ein Arbeitsloser mit schwarzer Hautfarbe, der ihn betreuen soll, freunden sich miteinander an – und das ganze funktioniert. Damit ist übrigens die komplette Handlung des Films »Ziemlich beste Freunde« sehr schnell zusammengefasst.

Den Film sahen wir uns am Samstag, 28. Januar 2012, in der Spätvorstellung an. Das gab uns die Gelegenheit, vorher an der Bar im Kino den einen oder anderen Cocktail zu trinken. Ein guter Einstieg in einen dann sehr gelungenen Film!

Das scheine ja nicht nur ich so zu empfinden. Der Film war in Frankreich ein riesiger Erfolg, und er scheint auch hierzulande super zu laufen. Kein Wunder: Die Mixtur aus sehr ernsthaftem Thema und richtig viel Witz funktioniert hervorragend.

Ich lachte viel während des Filmes: Die Pointen sitzen, die Situationskomik ist häufig überraschend. Und am Ende war ich ein wenig traurig, dass der Film schon vorüber war. Eine echte Empfehlung, ein schöner Start ins Kino-Jahr 2012!

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28 Januar 2012

 

Rücktritt vom Amt

Normalerweise finde ich Politiker ziemlich blöde. (Härtere Ausdrücke lasse ich sicherheitshalber weg, man weiß ja nie, wer so einen Blog-Text liest ...)

Die meisten Politiker interessieren sich offensichtlich nur für ihre eigenen Interessen oder für die Interessen der Mächtigen, von denen sie gesteuert und geschmiert werden. Mich ekelt der Großteil der Bande an, wenn ich die entsprechenden Fressen im Fernsehen sehe oder ihre Aussagen in der Zeitung oder im Internet lese.

Doch jetzt hat mich mal eine Politikerin positiv überrascht. Eine, die ziemlich genau halb so alt ist wie ich. Ich meine Marina Weisband von der Piratenpartei.

Diese Partei ist mir wegen ihres Verhältnisses zum Urheberrecht herzlich unsympathisch, und über die politischen Ansichten der Dame weiß ich wenig. Ich sah sie einmal in einer Talkshow, wo sie wenig sagte, aber das wenige klang vernünftig.

Jetzt ist sie zurückgetreten. Sie bleibt Mitglied in der Partei, schreibt aber erst einmal ihre Diplomarbeit fertig. Damit reklamiert sie das Recht auf ein normales Leben.

Angesichts einer Parteienlandschaft, wo überall die aalglatten Karrieristen den Ton anzugeben scheinen, ist das mal eine richtig positive Aussage. Respekt!

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27 Januar 2012

 

Meine Nase für die Schule

Die Vorstellung, dass sich eines Tages vielleicht Schüler im Unterricht mit Zeugs beschäftigen müssen, was ich mir ausgedacht habe, hat mich schon immer erheitert. Dieser Tage hat sie neue Nahrung erhalten. Im Schroedel-Verlag, der vor allem durch seine Schulbücher bekannt geworden ist, erschien ein Sachbuch zur Science Fiction.

Unter anderem gibt es Auszüge aus einem Interview, das die Zeitschrift »Mauerschau« vor einigen Jahren mit mir geführt hat. »Über die Grenzen einer Heftserie« ist der Text übertitelt, und in den Textauszügen geht es um meine Aussagen zur Wirtschaftspolitik einer fernen Zukunft.

Seien wir fair: Ansonsten hat das Buch wenig mit unterhaltender Science Fiction zu tun, sondern bringt vor allem Beispiele dafür, wie verkopft und mit wie wenig Spaß man Schüler mit dieser Literatur konfrontieren kann. Immerhin hat man Andreas Eschbach aufgenommen, ansonsten gibt es die üblichen Verdächtigten von H.G. Wells bis Stanislaw Lem.

Vor allem die sogenannten Arbeitsanregungen, die zu den einzelnen Texten gestellt werden, sind dazu angetan, einem Schüler wirklch jeden Spaß auszutreiben. Damit soll eine »Literatur zwischen Spannung, Fantastik und Zukunftsvision« vermittelt werden.

Da hatte ich es in meiner Schulzeit einfacher: Science Fiction war Literatur für Deppen und Eskapisten. Wer das las, machte es bewusst. Heute wird auch Science Fiction in den Kanon der Literaturvermittlung gepresst – kein Wunder, dass immer weniger Leute mit Spaß lesen wollen.

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26 Januar 2012

 

Fantasy für Frauen und ich


Da ab diesem Monat die Abonnements möglich sind und die ersten Bücher offiziell ausgeliefert werden, kann ich auch einige Zeilen hier drüber schreiben: Die »Schattenlord«-Serie geht jetzt los. Dabei handelt es sich um eine neue Fantasy-Serie, für die ich als Redakteur mitverantwortlich bin. Chefautorin ist Uschi Zietsch-Jambor alias Susan Schwartz, die ich seit einem Vierteljahrhundert etwa kenne und mit der ich seit gut zwanzig Jahren zusammenarbeite.

Die »Schattenlord«-Serie ist die direkte Fortsetzung der »Elfenzeit«. Es ist eine Fantasy-Serie, die sich auch in punkto Cover-Gestaltung vor allem an Leserinnen richtet - Männer dürften da aber ebenso ihren Lesespaß dran haben. Es gibt auf jeden Fall genug Mord und Gemeinheiten, dass alle Geschlechter auf ihre Kosten kommen, ebenso gibt es Romantik und Witziges.

Immerhin haben wir zwanzig »Elfenzeit«-Bücher publiziert, und die »Schattenlord«-Geschichte sollte auch erfolgreich werden. Das Interessante daran ist, dass es die Hardcover-Bände nur im Abonnement gibt - entweder über die Homepage von BS Editionen oder über eine von uns eingerichtete Internet-Seite, die wiederum auf BS Editionen verweist.

Ich gestehe, dass ich auf diese Arbeit und ihre Erfolge recht stolz bin. Die »Elfenzeit«-Bücher habe ich selbst gern gelesen, und ich finde den Start von »Schattenlord« bisher sehr gut gelungen.

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25 Januar 2012

 

Blick in das alte Impfbuch

Keine Ahnung, ob man heute noch als Baby ein Impfbuch erhält. Ich erhielt mein Impfbuch im Sommer 1964. Es war auf meine Adresse in Dietersweiler ausgestellt – damals noch eine selbständige Gemeinde –, und es enthält die ganz alte Hausnummer: Zu der Zeit wurden die Häuser im gesamten Dorf durchnumeriert; dass die Hausnummern nach Straßen vergeben wurden, kam erst einige Zeit später.

Am 29. Mai 1964 bekam ich meine erste Pocken-Impfung, und ich wurde in eine Impfliste eingetragen. In den folgenden Jahren kamen Impfungen gegen Diphterie und Tetanus hinzu, vor allem die Tetanus-Impfung war auf dem Land sicher sinnvoll.

Das Impfbuch endet 1977. Danach verwahrte es meine Mutter, ich selbst hatte keinen Zugriff darauf. Ich erinnere mich im Nachhinein weder an die Impfungen selbst noch an das Buch – all das ist komplett aus dem Gedächtnis gestrichen.

Interessant ist übrigens ein Blick auf das Schriftbild. Im Staatlichen Gesundheitsamt in Freudenstadt wurde noch 1975 die Sütterlinschrift benutzt – zumindest hatte der Arzt oder die Ärztin seine/ihre Probleme damit, die neue Handschrift zu nutzen ...

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Mit Oliver Twist ins All

Eine Band, die sich The Oliver Twist nennt, kann schon mal nicht schlecht sein. Das dachte ich anfangs der Nuller-Jahre, als ich die zweite Platte der Band kaufte: Das Ding wurde Ende 2000 aufgenommen und erschien unter dem Titel »Automatic Construct Kill«; auf dem Cover sieht man die fünf Bandmitglieder als Comic-Figuren, die in Raumanzügen stecken. So was finde ich als Science-Fiction-Fan ja eh gut.

Dieser Tage hörte ich sie mir nach langen Jahren wieder mal an. Und ich fand sie richtig gut, finde sie immer noch richtig gut. Punkrock ist das, was auf der Platte zu hören ist, beim besten Willen nicht. Zumindest dann nicht, wenn man an Punkrock all die Definitionen anlegt, die in den letzten dreißig Jahren ausgebrütet wurden.

Wäre man großzügig und würde Devo oder Gang Of Four unter die Punk-Definition packen, ja, dann wären The Oliver Twist auch Punkrock. Was die fünf jungen Männer (mittlerweile dürften sie anfangs bis Mitte dreißig sein, aber damals ...) fabrizieren, ist ein teilweise sehr hippeliger, teilweise durchaus sperriger Sound. Die Gitarre ist oft kantig, die Melodien oft abgehackt, darüber ein Gesang, der ein wenig ins »Hohe« rüberrutscht.

Keine Ahnung, wie man so einen Stil nennen soll; Indie-Rock wäre für diese Band wohl eine Beleidigung. Aber eigentlich ist es eh egal: Die Platte ist irgendwie Science-Fiction-Musik für Leute, die keine Lust haben, die ganze Zeit Synthie-Gewaber zu hören ... Auf jeden Fall isses cool!

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24 Januar 2012

 

Organbank aus Berlin

Eigentlich war »Organbank« eine der ganz frühen deutschsprachigen Punk-Bands. Aber ich glaube nicht, dass Carsten Scheibe daran dachte, als er 1986 ein Fanzine unter diesem Titel herausbrachte. Die Auflage war gering, laut Impressum zwischen 40 und 50 Exemplaren, und ich hatte heute nach vielen Jahren mal wieder die erste Ausgabe in der Hand.

Es ist ein typisches Egozine jener Zeit: ein wenig großspurig, ein wenig rotzig und voller Diskussionspunkte. Das Heft geht auf andere Fanzines an – darunter natürlich auch welche von mir –, macht Werbung für »Tales«, also das eigene Heft, und erzählt darüber, wie es bei der Studienberatung ist.

Ebenfalls gibt es allgemeines Geplauder über die aktuelle Lebenssituation oder den Besuch von Achim Mehnert – heute SF-Autor, damals SF-Fan – in Berlin. Alles in allem ein Fanzine, das ich nach über 25 Jahren wieder komplett gelesen habe.

Es ist ein Blick in eine andere Welt ... Wir sind seitdem alle ein wenig älter und »reifer« geworden. Aber ich habe das Fanzine gern gelesen, lieber als manches heutige Fanzine und vor allem lieber als manche hektisch geschriebenen Blog- und Facebook-Texte der heutigen Zeit.

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Dorks saufen in Bayern

Punk muss nicht originell sein, Deutschpunk gleich zweimal nicht. Die Dorks sind vier recht junge Punks, die irgendwo aus dem tiefsten Oberbayern kommen und Deutschpunk machen. Anscheinend saufen die drei jungen Herren und die junge Dame auch gern mal, und daraus machen sie Lieder.

Warum das Label meint, diese Mischung, würde »die Szene einmal kräftig« aufmischen, ist mir nicht klar – solche Texte gibt's seit den 80er-Jahren. Gemeint ist laut Info diese »mittlerweile so biedere Punkrockszene«, in der jeder hinter den anderen einen Sexisten oder gar Grauzone vermutet. Das Label tut der Band mit solchen Formulierungen keinen Gefallen; man könnte sie automatisch in eine der beiden Schubladen stecken.

Muss man nicht. Die Dorks machen rüpeligen Deutschpunk, der klingt, als habe man ihn 1982 eingespielt. Das ist keine Filigranmusik, da rappelt und rotzt es sehr authentisch vor sich hin. Textlich geht es häufig um Saufen und Ficken, es geht gegen Zivilpolizisten und gegen spießige Urlauber – nichts neues, aber konsequent.

Die Platte »Servus, gruezi & K.O.« ist die zweite der jungen Band; die erste war noch selbstproduziert, die hier kam auf dem Label SN-Punx heraus. Die Dorks sind keine Band, die man kennen muss; wahrscheinlich bin ich dafür jetzt doch zu alt. (Aber hey ... in den frühen 80er-Jahren fand ich die Cotzbrocken ernsthaft gut. Und schlechter als die sind Dorks allemal nicht.) Für Kid-Punks garantiert eine coole Scheibe!

Was ich lustig finde und was die Science-Fiction-Leser meines Blogs interessieren könnte: An der CD beteiligt war ein gewisser Frans Stummer. Der Mann zeichnete in den 80er- und 90er-Jahren haufenweise Bilder für Science-Fiction- und Fantasy-Fanzines und rockte in den späten 80er-Jahren mit seiner Band Sound Of One Hand auch mal das Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt.

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23 Januar 2012

 

Post von der Betrugs-Abteilung

Phishing-Mails werden auch immer alberner: Heute erhielt ich elektronische Post von einer »Visa und Mastercard Online-Betrug Abteilung« (alle Schreibfehler eins zu eins übernommen). Die Mail-Adresse enthielt ein »visa-mastercard«, so dass es der Spamfilter offensichtlich als »seriös« erkannte und durchließ.

Das Schreiben war klar und eindeutig: Meine Karte sei »vorübergehend eingeschränkt durch unsere Betrug Prüfsystem«. Und noch klarer: »Zum Schutz gegen betrügerische Verwendung Ihrer Kreditkarte wir Ihre Karte beschränkt haben. Um Begrenzung zu entfernen und sicher Ihre Kreditkarte laden Sie sich bitte und füllen Sie das beigefügte Formular aus.«

Großartig: Es gab einen Zugang zu einer Internet-Seite, den ich natürlich nicht angeklickt habe. Und ich frage mich in einem solchen Fall nur, welcher Trottel eigentlich auf solche offensichtlichen Fälschungen hereinfällt.

22 Januar 2012

 

Die Sign-Offs aus Cleveland

Fünf Jungspunde – der Sänger war gerade mal 18 – aus Cleveland in Ohio knallten anfangs der Nullerjahre ihre erste Platte raus: Die Band nannte sich The Sign Offs, und genauso nannte sie ihre Platte. Veröffentlicht wurde das Ding von Disaster Records, und es rockt und knallt ohne Ende durch.

Die Burschen sind und waren stark beeinflusst von den 90er-Jahre-Bands aus Amerika – die wiederum bezogen sich ja auch auf die späten 70er-Jahre. Aber man hört manchmal die Forgotten oder die US-Bombs raus: dynamischer Sound mit viel Schmackes, immer wieder gelungene Melodien und ein rauher Gesang auf einer Linie.

Textlich geht es weniger um vordergründige Polit-Aussagen als um sarkastische Aussagen übers normale Leben von ganz normalen Jungmännern in den Staaten. Starke Platte, die man auch fünfmal hintereinander anhören kann, ohne dass sie eine Sekunde langweilt.

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20 Januar 2012

 

Schlag im Sommer 1980

Es war im Frühsommer 1980; ich war mein erstes und letztes Jahr im neuen Schulzentrum in der Nordstadt, und es gab irgendein Schulfest. Zu vorgerückter Stunde, nachdem ich schon ein wenig Bier getrunken hatte und mir überlegte, bald heimzufahren, stand ich ein wenig ungünstig im Weg herum.

Ein Junge, etwa so alt wie ich, aber deutlich größer, kam in meine Nähe. »Hast du eine Zigarette für mich, du Assi?«, oder so ähnlich sprach er mich an. Er war eher in der Art eines »Normalos« gekleidet, während ich eher zersaust aussah.

Ich verstand nicht sofort, was er meinte, stammelte dann ein »ähm, nein«. Und bevor ich weiter nachdenken konnte, zog er ab: Die Faust traf mich frontal auf den Kiefer, und ich fiel nach hinten um.

Reichlich blöd blieb ich liegen und starrte verdattert zu dem Jungen hoch. Er stand über mir, die Hände geballt, sagte noch etwas, das ich nicht verstehen konnte, und ging weiter.

»Das war der XXX«, sagte mir einer meiner Kumpels, den ich auch in der Kurzgeschichte »In jenem Herbst« verewigt habe. »Der XXX ist der Sohn von dem Unternehmer YYY, und der ist voll bekannt.«

Heute morgen fuhr ich über die Landstraße, und ich sah das Zeichen des Unternehmens YYY auf einem Lieferwagen. Sogar die Adresse stimmte noch. Das Ereignis von damals ist über dreißig Jahre her, aber ich hatte die Bilder wieder in meinem Kopf, ziemlich gut sogar.

Ich überholte den Lieferwagen; am Steuer saß ein Mann, der etwa so alt war wie ich. Ob's der Schläger von damals war oder einer seiner Angestellten, das erfuhr ich selbstverständlich nicht. Aber eine seltsame »Begegnung« war's allemal.

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Ungewöhnlicher Stil-Hybrid

Wenn sich ein Label schon mal als »Burg Herzberg« bezeichnet, liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei der Musik um Hippie-Klänge handeln könnte. Schaue ich mir dann noch die Bilder an, die man im Booklet der CD »The Goddess Rules« von Lava 303 findet, liegt die Assoziation zu Hippies noch näher: Eine Frau posiert in unterschiedlichen Outfits, meist mit schrägen Klamotten, häufig mit Gitarre.

Die Frau heißt laut Info Conni Maly, und sie scheint auf dieser CD alles selbst gemacht zu haben: alle Stücke geschrieben, so ziemlich alle Instrumente eingespielt, dazu gesungen und produziert. Respektable Leistung. Dass dabei eine ungewöhnliche Mixtur rausgekommen ist, mit der ich nicht unbedingt etwas anfangen kann, passt ins Bild.

Mal blubbert es elektronisch, dann wieder knallt eine Hardrock-Gitarre dazwischen; meist schwanken die Stücke zwischen flott und schräg, melodisch sind sie allemal. Im weitesten Sinne ist es IndieRock, wenn man unbedingt eine Schublade aufmachen will.

Textlich schwebt die Musikerin ebenfalls ein wenig zwischen den Welten. Mal sind die Texte politisch-naiv (gegen Manager ...), dann wieder sind sie albern, als hätten wir 1981, und die Neue Deutsche Welle würde gerade ins Radio schwappen.

Alles in allem eine ungewöhnliche Mischung: einige Stücke echt gelungen, einige zum Davonlaufen. Fan von Lava 303 werde ich sicher nicht werden, positiv schräg ist das ganze aber!

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19 Januar 2012

 

Die erste Zeitschrift für Phantasten

Wenn es eine Zeitschrift gibt, die ich gerne einmal in den Händen halten würde, ist es »Der Orchideengarten«. In den Jahren 1919 bis 1921, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, war sie das erste Blatt überhaupt, in dem die phantastische Literatur sowie die dazu gehörenden Grafiken veröffentlicht wurden. Das Heft ist eine Legende, über die ich immer wieder gelesen habe, ohne je ein Exemplar wirklich gesehen zu haben.

Im kleinen Verlag Lindenstruth erschien jetzt eine kommentierte Bibliografie dieser Zeitschrift, die Robert N. Bloch – einer der absoluten Fachleute für phantastische Literatur – herausgegeben hat. Auf insgesamt 52 Seiten, die in Form einer gehefteten Broschüre vorliegen, werden alle Texte und Bilder aufgelistet und erläutert.

Was ich wirklich interessant finde, ist die Tatsache, dass die einzelnen Texte kurz beschrieben werden. So kann ich als Leser heutzutage nachvollziehen, welche Ideen die Autoren jener Tage hatte, welche Themen sie interessant fanden und dass es offensichtlich in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg eine Sehnsucht nach Todesphantasien gab.

Das Heft enthält zahlreiche Abbildungen. Darunter sind sogar Farbtafeln, welche die schönsten Titelbilder zeigen. Sie geben einen schönen Einblick in die Optik einer längst in der Vergangenheit versunkenen Zeit.

Ich finde dieses Heft über eine klassische Zeitschrift sehr anschaulich und werde sicher nicht nur einmal darin blättern. Mit zwölf Euro ist es nicht gerade preiswert, dafür handelt es sich aber um ein Standardwerk, das bei Freunden der phantastischen Literatur ins Bücherregal gehört.

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18 Januar 2012

 

Zwei Pop-Singles

Eigentlich ist das Format einer CD-Single – also ein Stück auf einer CD – ein Stück weit Verschwendung. Fürs Radio sind solche Singles allerdings geeignet, und zuletzt hörte ich zwei sehr unterschiedliche Singles.

Bereits im Juni 2011 kam »Trial & Error« von der Wiener Band Jellybeat, die ich bereits vor gut einem Jahr sehr euphorisch besprochen habe. Auch diese Single ist sehr gelungen: melodischer Pop mit einer schönen Elektro-Kante, schwingend und swingend und mit einer tollen Frauenstimme – das ist ein Stück, das gut ins Ohr geht und das mir super gefällt. Wird Zeit, dass ich die Band mal live sehe!

Deutlich ruhiger ist »Moon Over Berlin« des schweizerischen Trios Featherlike: Das ist mir fast zu pompös arrangiert und zusammengebaut, erinnert zeitweise an den New-Romantic-Sound vom Anfang der 80er-Jahre, hat aber immer noch genug an eigener Note. Der Schwulst passt irgendwann tatsächlich, und die Melodie ist auch gelungen. Und vielleicht ist das eine Annäherung an Berlin, die aufs Jahr 2011 ebenso passt wie ruppiger Punk in den 80er-Jahren.

17 Januar 2012

 

Stieg und die Filme

Die drei Romane der sogenannten Millennium-Trilogie wurden mir nach ihrem Erscheinen von mehreren Leuten ans Herz gelegt. »Das musst du unbedingt lesen«, war der übereinstimmende Tenor – aber irgendwie ließ ich es dann doch sein. Mich reizten die drei dicken Bücher erstaunlicherweise nicht, vielleicht gerade deshalb, weil sie mir so empfohlen wurden.

Auch die Kino-Filme verpasste ich. Bei ihnen geschah dasselbe: Praktisch jeder, der sie im Kino ansah, fand sie gut und empfahl sie mir. Aber nachdem ich den ersten Film im Kino verpasst hatte, brauchte ich die nächsten zwei nicht anzugucken.

Derzeit sind die Medien voll mit Berichten über die Neuverfilmung. Echte Fans schimpfen, weil das schnöde Hollywood wieder mal alles plattmacht; ich fand das, was ich gesehen habe, interessant genug, um einen Kinobesuch nicht auszuschließen. So etwas hängt ja immer von der freien Zeit ab.

Dankenswerterweise gibt es eine Fernsehfassung der Stieg-Larsson-Filme, die an drei Montagen gezeigt wurde. Soweit ich weiß, ist diese Version immer ein wenig gekürzt, was vor allem für einige der derben Action- und Vergewaltigungs-Szenen gelten dürfte.

Ich fand die drei Filme ziemlich klasse: spannend gemacht, gute Schauspieler, schnelle Handlung. Im Stieg-Larsson-Fieber bin ich immer noch nicht – aber ich kann jetzt endlich nachvollziehen, warum so viele Leute die Millennium-Trilogie mochten und immer noch mögen.

Vielleicht sollte ich sie mir jetzt doch mal besorgen ... und sei es nur als Anschauungsmaterial für das eigene Schreiben.

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