19 September 2017

Eine Leseprobe mit mehr als vierzig Seiten

Es sind nur noch wenige Wochen, bis mein Roman »Das blutende Land« bei Droemer Knaur erscheinen wird. Es ist sicher nachvollziehbar, dass ich einigermaßen nervös bin: Wie kommt das Buch an? Wie bringt es der Verlag in die Läden? Wird es überhaupt gekauft, und mögen es die Leser überhaupt?

Dass es eine längere Leseprobe zu meinem Buch geben würde, wusste ich. Dass sie uneinheitlich platziert werden würde, wundert mich. Aber man kann sie unter anderem auf der Seite von »buch.de« finden und sich dort dann durchklicken. Bei anderen Online-Shops habe ich sie bislang nicht gefunden.

Insgesamt stehen vierzig Seiten zur Verfügung – okay, man muss das Impressum und dergleichen abziehen. Aber wer mag, kann jetzt den Prolog meines Romans lesen, in dem die Hauptfigur eingeführt wird, ebenso die Kapitel eins und zwei, in denen weitere Hauptfiguren in die Handlung gebracht werden. Es gibt auch einen direkten Link zu dieser Leseprobe ...

Wer sich einlesen will, möge das tun. Es gibt in diesem Roman keine Orks und keine Elfen, keine Riesen und keine Zwerge, nicht einmal Drachen, wenn ich es mir richtig überlege. Die Leseprobe könnte einen ersten Eindruck vermitteln; ansonsten müssen sich die Leser bis Anfang November 2017 gedulden.

18 September 2017

Auf der FLYING HORSE

Der Fernseher war auf Hochtouren aufgedreht, ein Fernsehprediger in viel zu eng sitzendem Anzug schrie auf uns ein. Ich vermutete zumindest, dass es ein Prediger war, denn mein Kisuaheli war auch nach vier Wochen in Tansania noch nicht wirklich gut geworden.

Er war laut, er fuchtelte mit den Händen, und immer wieder glaubte ich, das Wort »God« zu verstehen. Aber vielleicht war es auch ein Politiker. Ich war zu zermatscht, um mir darüber zu viele Gedanken machen zu wollen.

An diesem Abend war mir alles zu laut und zu heiß. Ich saß in der FLYING HORSE, der Fähre zwischen Sansibar und Dar-es-Salaam; meine Rückreise nach Deutschland war nur noch eine Frage von wenigen Tagen. Und eigentlich hätte ich gern geschlafen, aber es war kaum machbar. Das Schiff war voll, der Lärm zu laut.

Anfangs hielt ich mich auf dem Oberdeck auf, an der frischen Luft. Ich sah zu, wie das Schiff den Hafen von Stone Town verließ, wie die Häuser in der Dämmerung zurückblieben und wir auf den Indischen Ozean hinausfuhren.

Mir fiel nach einiger Zeit auf, dass ich der einzige Europäer auf dem Oberdeck war, aber das störte mich nicht. Ich saß mit meinem Seesack auf einem unbequemen Plastikstuhl und überlegte mir, ob ich auf dem Deck schlafen konnte. Viele Einheimische errichteten bereits ihre Lager; sie hatten wohl nicht die romantischen Empfindungen, die ich als Tourist angesichts der warmen Brise und der salzigen Luft hatte.

Dann kam ein Angestellter, erkennbar an seiner Uniform, und scheuchte mich ins Untergeschoss, in die erste Klasse. »Sie sind Europäer, Sie haben einen hohen Preis für die Überfahrt bezahlt«, belehrte er mich. »Für Sie gibt es bessere Plätze.«

Das Untergeschoss war stickig, aber immerhin gab es Matratzen. Ich reservierte mir eine, konnte aber nicht schlafen, weil der Fernseher so laut plärrte. Also ließ ich meinen Seesack zurück, kaufte mir an der Bar ein Bier und schaute eine Zeitlang das Programm an.

Der Prediger war schlimm, die afrikanische Soap-Opera danach noch schlimmer. Die Kulissen waren schlicht, die Kameraführung wirkte dilettantisch, die Schauspieler agierten steif und wenig engagiert – aber die Zuschauer waren fasziniert und starrten auf den Bildschirm. Das kam offenbar an; vielleicht weil die Serie im Gegensatz zu den üblichen Kinofilmen weder indisches noch westliches Leben wiederspiegelte, sondern aus einem afrikanischen Land stammte.

Aber vielleicht sind deutsche Soap-Operas ebenso schrecklich, überlegte ich. Da ich keinen Fernseher besaß, konnte ich das nicht beurteilen. In vier Wochen Tansania hatte ich mehr ferngesehen als in vier Jahren Deutschland, allerdings nicht gerade freiwillig.

Irgendwann hatte ich meine Bierflasche geleert und legte mich auf die Matratze. Ein Action-Film kam, einer von den Streifen mit viel Geballer und Schlägereien, die ich in fast allen Bussen im Land gesehen hatte. Ob er aus Shanghai oder Hongkong, aus Japan oder Korea stammte – es war mir gleichgültig: Die Schauspieler wirkten asiatisch und rückten sich mit allen nur erdenklichen Schlag- und Schusswaffen zu Leibe.

Das Bier zeigte Wirkung, die warme Luft ebenso wie das sanfte Schaukeln der Fähre, die sich mit langsamer Fahrt durch den Ozean bewegte. Das letzte, was ich an diesem Abend an Bord der FLYING HORSE wahrnahm, war eine Schießerei im Video; dann schlief ich ein und verließ in tiefem Schlummer die Gewässer von Sansibar.

17 September 2017

Ein phantastisches Skizzenbuch

Man muss kein Fan des Historiencomics »Murena« sein, um zu erkennen, wie genial das Skizzenbuch dazu ist. Es erschien im Rahmen der Reihe »10 Jahre Splitter« als wunderschöner Prachtband und überzeugt durch herrliche Bilder in Farbe sowie in Schwarzweiß.

Der Comic spielt im »alten Rom«, soviel kann man wissen, ohne wirklich die Geschichten zu kennen. Die Motive sind entsprechend: Es gibt viel Erotik zu bestaunen, halbnackte oder ganz nackte Frauendarstellungen, durchaus auch halbnackte Männer, die viel Muskeln zeigen. Das ist alles lebensecht gezeichnet, in einem Stil, der weniger voyeuristisch als realistisch ist.

Generell finde ich die Art und Weise, wie in diesem Skizzenbuch die Figuren präsentiert werden, sehr beeindruckend. Gesichter wirken ausdrucksstark, Action sieht glaubwürdig aus, jede Faser an einem Körper hat den Anschein, als entstamme sie der Wirklichkeit. Viele Bilder lassen einen Betrachter erstaunen, man guckt sie an und ist verblüfft.

Das »Murena-Skizzenbuch« präsentiert Comic-Zeichnungen auf einem hohen Niveau. Sogar die »Fingerübungen« wirken – obwohl sie mit leichter Hand »hingemalt« wurden – fast schon perfekt. Tolles Buch!

Wobei es einen traurigen Hintergrund hat. Philippe Delaby, der belgische Schöpfer all dieser Zeichnungen, starb im Januar 2014; er wurde gerade einmal 53 Jahre alt. Zusammen mit Jean Dufaux, der die Texte schrieb, war er für den großen Erfolg von »Murana« verantwortlich. Selbst wer die Geschichten zu hart fand, konnte nur wenig am künstlerischen Anspruch der Zeichnungen auszusetzen haben.

So ist das Skizzenbuch ein schöner, wenngleich trauriger Rückblick auf einen Künstler, der ein faszinierendes Werk hinterließ. (Auf der Internet-Seite des Splitter-Verlages kann man sich einige der Seiten anschauen.) Das Buch ist übrigens auf 1111 Exemplare limitiert!

16 September 2017

Lesung im Pfälzer Wald

Da ich nicht tätowiert bin und keine Piercings trage, schaue ich eher selten in Tattoo- und Piercing-Studios vorbei. Am Freitag, 15. September 2017, war das allerdings ganz anders: Ich absolvierte eine Lesung in »Piiix-Tattooart« in Münchweiler.

(Wer den Ort nicht kennt, braucht sich nicht zu grämen – obwohl ich daran im Verlauf der Jahrzehnte oft vorbeigefahren war, hatte ich dort nie angehalten. Er gehört zum Einzugsbereich von Pirmasens und liegt im südlichen Rheinland-Pfalz, rund 75 Kilometer von Karlsruhe entfernt.)

Das Studio erwies sich als eine Reihe schöner Räume, neu gestaltet und in einem Wohngebiet von Münchweiler liegend. Ich wurde sehr freundlich empfangen, mit Pizza und Bier versorgt, und weil sich eh schon alle kannten und durcheinander redeten, wurde ich recht schnell in eine Reihe von ständig wechselnder Gespräche verwickelt.

Das hätte man ja eigentlich den ganzen Abend so fortsetzen wollen, aber irgendwann begannen wir doch mit dem Programm. Ein wenig mehr als zwei Dutzend Leute saßen auf Stühlen und Bänken, und die »Vorgruppe« begann: Andreas Cräck las zwei Kurzgeschichten, die er in Fanzines wie dem »Pankerknacker« veröffentlicht hatte.

Danach war ich dran; ich las diverse Texte aus dem Buch »Für immer Punk?«, bekam viel Gelächter an den richtigen Stellen zu hören und erntete Applaus und Gelächter. Die versammelte Runde war sehr lustig, es mangelte weder an Zwischenrufen noch an launigen Bemerkungen. Entsprechend schnell raste die Zeit vorüber.

Als Zugabe las ich noch eine Science-Fiction-Geschichte, weil sich die Veranstalter als SF-Fans herausgestellt hatten; da herrschte dann fast andächtiges Schweigen. Ich verließ Münchweiler in einem absolut positiven Gefühl, geradezu euphorisiert. Nicht einmal der streckenweise fiese Nebel auf den Landstraßen im hügeligen Pfälzer Wald konnte mich da ernüchtern. Ein schöner Abend!

15 September 2017

Unschlüssige Wähler

Glaubt man derzeit den Demoskopen, sind sehr viele Wähler noch völlig unentschlossen, wo sie ihr Kreuz bei der Bundestagswahl machen sollen. Um es klar zu sagen: Es geht mir genauso. Ich würde gern bewusst und mit gutem Willen mein Kreuz bei einer Partei machen, mit der ich wenigstens eine vernünftige Übereinkunft fststellen kann.

Und ich lasse mich dafür ungern öffentlich beschimpfen. Ich kann das Gerede nicht mehr hören, man solle »das kleinere Übel« wählen und man solle durch seine Wahl verhindern, dass Nazis im Parlament sitzen. Klar, Parteien vom rechten Rand sind nicht diskutabel.

Aber ich kann auch beim besten Willen keine CDU wählen. Frau Merkel hat im Spätsommer 2015 mal etwas richtig gemacht – wie ich ja finde –, aber das ist kein Grund, den Rest ihrer Arbeit und ihrer Partei neuerdings gut zu finden. Das gleiche gilt für die FDP, die offenbar wieder ins Parlament kommt: Ich halte Arbeitnehmerrechte und dergleichen für sehr wichtig und finde, dass eine neuerliche Koalition aus diesen beiden Parteien nicht gerade fortschrittlich wäre.

Leider sind die Sozialdemokraten ebensowenig fortschrittlich. Wer fortwährend in die sogenannte Mitte schielt, wie es die SPD tut, darf sich nicht wundern, dass einen das »Prekariat« nicht wählt. Es genügt nicht, von Gerechtigkeit zu faseln; man muss auch etwas dafür tun.

Oder die Grünen? Die wissen nicht einmal, was Gerechtigkeit ist. Ich habe sie bei der letzten Landtagswahl gewählt, ärgere mich täglich über sie und erwarte im nächsten baden-württembergischen Parlament – leider erwartbar – eine fette CDU-Mehrheit. Und im Bundestag? Ach herrje ...

Was bleibt? Die Linkspartei, in der es vor irrlichternden Leuten auch nur so wimmelt. Kann ich eine Partei gut finden, die sich an Regimes in Russland und Venezuela anbiedert? Man würde mein Zähneknirschen sehr weit hören.

Freunde empfehlen mir »Die Partei«, die ich nur mäßig witzig finde. Es ist ein Gestalt gewordener Studenten-Ulk mit eingeschränkter Humorqualität. Angesichts einer maroden Gesellschaft ist »nicht wählen« eine bessere Option als sein Kreuz bei Leuten zu machen, die sich offenbar für superschlau halten.

Falls jetzt jemand den Vergleich mit der APPD bringen sollte: Die Anarchistische Pogo-Partei hatte ein klares Programm. Als ich mich in den 90er-Jahren für diese Partei engagierte, geschah dies nicht nur, weil es amüsant war. Hinter Parolen wie »Arbeit ist scheiße« steckte mehr an Sozialrealität, als die anderen Parteien derzeit erkennen lassen.

Und nun? Ich gehe zur Wahl. Ich setze meine Kreuze. Aber was von all diesen Übeln nun wirklich das kleinste ist, weiß ich bis heute nicht. (Einen Wahl-O-Mat brauche ich nicht. Noch kann ich selbst lesen und denken.)

14 September 2017

Auf den September 2007 geblickt

Wenn ich in meinem eigenen Blog in die Vergangenheit schaue, stelle ich viel zu oft fest, wie sich manche Dinge einfach wiederholen. Und ich merke, dass ich mich an gewisse Ereignisse tatsächlich dann bildhaft erinnere, wenn ich die entsprechenden Blogtexte lese. Vor allem, wenn es sich um solche Texte geht, die eigentlich schon Kürzestgeschichten sind oder die Eindrücke wiedergeben.

Ein schönes Beispiel dafür ist der Text über »Schwäbische Ulknudeln« – solche Leute gibt es immer, und die Damen waren zumindest unterhaltsam und nicht offen rassistisch. In dieselbe Kategorie fällt der Text »Ein Alptraum in Pink« – ich stelle fest, dass ich früher viel öfter Texte schrieb, die von Zügen und Zugfahrten handelten.

Über Essen und Trinken schrieb ich schon immer gern, und das wunderbare Café in Dortmund, das ich in »Im netten Oma-Café« beschrieb, würde ich gern mal wieder besuchen. Zum Ausgleich schreibe ich nach wie vor über Punk-Konzerte; schon vor zehn Jahren brachte ich es aber fertig, erst aufzutauchen, als die Bands schon fertig waren. Siehe in »After Show Trinken« ...

In »Keinerlei Zusammenhänge« behandle ich eher ein gesellschaftlich-politisches Thema, eher locker und absichtlich nicht komplett durchdacht. In »Mein Freund Günther O.« geht es um einen ehemaligen Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg, der sich derzeit im Wahlkampf auf die Marktplätze im Südwesten der Republik stellt. Unglaublich, aber wahr!

Tja ... dann aber »Karlsruhe, ein Fußball-Märchen?« ... was soll ich zu einem Text sagen, der den Fußballfans heute eher ironisch vorkommen dürfte? Der KSC steht derzeit fast auf einem Platz, der zum Abstieg aus der dritten Liga berechtigen könnte; damals war er wieder frisch in der Bundesliga. Da hat sich in zehn Jahren doch einiges getan, nicht unbedingt positiv.

Bleibt noch eine Buchbesprechung: »Was zum Teufel ist denn Juggern?« schrieb ich. Das Schöne daran: Der Autor und ich arbeiten mittlerweile geschäftlich zusammen. Inwiefern sein Lieblingssport und meine Lieblingsraketenheftchenserie kompatibel sein werden, muss sich noch herausstellen ...

13 September 2017

Moskito Spezial lieben offenbar Kung Fu

In den Nuller-Jahren gab es auf einmal eine Welle von Bands aus Deutschland, die sich bewusst an dem schrabbeligen Punkrock der späten 70er-Jahren orientierten. Die bekanntesten dürften wohl die Shocks aus Berlin gewesen sein, in deren Schatten sich Moskito Spezial nur mühsam aus der Deckung pirschen konnten.

Das mag auch an ihrer LP und deren Gestaltung gelegen haben. Wer 2005 eine Platte aufnimmt, die den hübschen Titel »Kung Fu Fighting« trägt und eine entsprechende Gestaltung verpasst bekommt, wird möglicherweise in eine seltsame Schublade gepackt. Für mich war die Band irgendwas mit Funpunk, und ich brauchte einige Zeit, bis mir klar wurde, dass die zwei Männer und eine Frau eigentlich ziemlich cool sind.

Der Sound ist schrabbelig und erinnert insofern ständig an die Shocks, die Texte in deutscher Sprache sind lakonisch und werden in einem schnodderigen Ton in die Welt gespuckt. Weil man sie nicht gut versteht, führt das sicher dazu, dass man sie nicht so ernst nimmt – dabei sind sie ziemlich clever, beschäftigen sich mit alltäglichen Problemen, bringen aber viele Themen auf den Punkt.

Und sind ganz schön sarkastisch: »Lächelnde Menschen am Wegesrand / sind sie glücklich oder sind sie krank?« Eine kluge Frage.

Alles in allem eine der vielen Deutschpunk-Platten, die komplett untergegangen sind. Kein Muss, aber ein Tonträger, den man sich zehn Jahre danach noch ohne Fremdschämen anhören kann. (Moskito Spezial haben übrigens 2017 eine neue Platte aufgenommen; die muss ich dann wohl anchecken.)

Zur Vor- und Nachbereitung gut geeignet!

Als Illustrator machte sich Christian Moser in den Nuller-Jahren vor allem einen Namen mit seinen »Monster«-Büchern; sie verkauften sich sehr gut und landeten auf entsprechenden Bestsellerlisten. Dass er 2013 im Alter von nur 47 Jahren plötzlich verstarb, schockierte seine Leser geradezu. Was von ihm blieb, war und ist ein ungewöhnliches Werk.

Zuletzt hatte ich »Monster der Weihnacht« auf dem Nachttisch. Man kann das Buch locker vor Weihnachten lesen, um sich darüber zu amüsieren, oder man kann es nach Weihnachten erneut zur Hand nehmen, um noch mal in Erinnerungen zu schwelgen. Im Hochsommer ist es womöglich keine optimale Lektüre, auch wenn Alltagsmonster wie die »Scheinheiligkeit« in dieser Jahreszeit ebenfalls anzutreffen sind.

Wer mit den »Monstern des Alltags« nichts anfangen kann, dem versuche ich es an dieser Stelle zu erläutern. Moser stellt Eigenheiten des menschlichen Verhaltens in Form von skurrilen Comic-Figuren dar: Die Bilder sind amüsant, und sie treffen erstaunlich gut. Ergänzt werden sie durch Texte pseudowissenschaftlicher Art, die den jeweiligen Monstern beispielsweise lateinische Fachbegriffe verleihen.

Mit seinen »Monstern« war der Künstler vor allem in den Nuller-Jahren so erfolgreich, dass es auch Kalender, T-Shirts, Poster und andere Artikel gab. Die »Monster der Weihnacht« sind gewissermaßen ein Abschlussband seiner Arbeit, sein Vermächtnis.

Wenn ich dieses Buch durchschaue und immer mal wieder eine Seite lese, muss ich einerseits oft lächeln – weil die Figuren so herrlich skurril sind –, und denke andererseits oft daran, dass die Welt durch Christian Mosers frühen Tod einen Künstler verloren hat, von dem man noch viel hätte erwarten können. Aber der Tod ist leider kein witziges »Monster des Alltags«, sondern ein Teil der harten Realität.

Es bleiben die Bilder, es bleiben die Geschichten. Und deshalb werde ich das Buch auch im Vorfeld zur nächsten Weihnacht wieder zur Hand nehmen, darin blättern und einzelne Seiten mit Wehmut und einem Lächeln zugleich lesen ...

12 September 2017

Eine Lesung in der Pfalz

Es wird wirklich Zeit, dass ich mal wieder eine Lesung absolviere, in der es um mein Punkrock-Geschichtenbuch »Für immer Punk?« gehen wird. Aus diesem Grund fahre ich am Freitag dieser Woche in die Pfalz, genauer gesagt, geht es nach Münchweiler an der Rodalb – im Prinzip also in die Gegend von Pirmasens. Die Gegend ist mir aus den späten 80er- und frühen 90er-Jahren durchaus vertraut: Wenn ich nach Homburg an der Saar fuhr, kam ich immer durch die entsprechenden Gemeinden.

Veranstaltet wird die Lesung von »wie-ein-junger-jedi concerts«, was ich für einen sehr schönen Namen halte. Der Ort nennt sich PiiX-Tattooart (Am Herdpfad 9, 66981 Münchweiler Rodalb), und los geht es am Freitag, 15. September 2017, um 20 Uhr. Lesen werde ich allerlei Punkrock-Geschichten, dazu erzähle ich mehr oder weniger intelligente Dinge.

Ich habe eine »Vorgruppe«; das ist der Kollege Andreas Cräck, der ab Ende der 90er-Jahre selbst allerlei Punkrock-Hefte veröffentlicht hat und sich schreibtechnisch durch diverse Fanzine bewegte. Ich kann nur sagen: Ich bin sehr gespannt auf alles und habe keine Ahnung, was mich erwartet. Na dann ...

11 September 2017

Neues vom geheimen Geheimprojekt

Dass ich die Füße nicht stillhalten kann und ständig an neuen Projekten herumbastle, habe ich gelegentlich schon ausgeplaudert. Seit Jahren wird – vor allem in einer ganz bestimmten Kneipe in Karlsruhe – immer wieder darüber geredet, dass »der Volker« zusammen mit »dem Klaus« an einem Buch basteln. Das ist in der Tat wahr, und wenn ich nicht so eine Trantüte wäre und andere Bücher schreiben würde, hätten wir es dieses Jahr sicher schon veröffentlicht.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir bei vielen Bieren über den aktuellen Stand des Geheimprojekts geredet, natürlich auch über andere Dinge. Das Buch steckt in der dritten Phase, wenn man so will: Volker hatte sehr viele Texte geliefert, ich hatte sie bearbeitet, er hatte in meinen Bearbeitungen herumgemalt, und jetzt versuche ich, das alles sinnvoll zusammenzufügen. Danach gehen wir noch einmal intensiv drüber, und dann endlich geht das Manuskript an den Verlag.

Das Bild zeigt, wie hart und intentiv wir an dem Buch arbeiten. Dem Kollegen Volker sind bei der Arbeit schon alle Haare ausgefallen, meine stehen ständig zu Berge. Und wir hoffen beide, dass das streng geheime Geheimprojekt – das nichts mit Science Fiction und nichts mit Punkrock zu tun hat – dann auch seine Käufer finden wird ...

09 September 2017

Ein Abend in Darmstadt

Wenn ich mit Menschen in meinem sozialen Umfeld darüber spreche, dass ich Grundlagenforschung für sehr wichtig halte und die Weltraumfahrt ebenfalls als relevant betrachte, ernte ich oft verwirrte Blicke: »Es gibt doch so viele Probleme auf der Erde, und da interessierst du dich für das All und den Mars und so Zeugs. Zuerst sollte man doch die Probleme hier lösen, bevor man in die Ferne vorstößt.«

Die Ansicht ist nicht falsch – es gibt irrsinnig viele Probleme auf der Erde, die dringend in die Hände genommen werden müssten. Sieht man davon ab, dass dies auch dann nicht schneller ginge, wenn man auf einmal die Weltraumfahrt einstellen würde, halte ich die Denkweise für verkürzt.

Vielleicht liegt es daran, dass ich immer noch der pickelige Science-Fiction-Leser von früher bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich glaube, dass man angesichts der verfahren wirkenden Situation auf der Erde auf jeden Fall wissenschaftliche Erkenntnisse benötigt, um eine mögliche Lösung zu finden.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Menschheit eine Vision fehlt: eine Vision von der Unendlichkeit, von den Möglichkeiten, die »hinter dem Mond« und im Universum auf die Menschheit warten. Angesichts dieser Herausforderungen verblassen die Unterschiede zwischen einzelnen Nationen, Religionen und Hautfarben auf der Erde zu einem absoluten Nichts.

Deshalb fühlte ich mich wohl am Freitagabend so gut aufgehoben, als ich in Darmstadt bei der Veranstaltung zu fünfzig Jahren ESOC teilnehmen konnte. Astronauten und Techniker aus allen europäischen Nationen arbeiten zusammen, hell- und dunkelhäutige Menschen bunt gemischt. Das ist ein Ansatz für die Vision, die ich mir gelegentlich wünsche ...

08 September 2017

Im Märchengarten unterwegs

Als Kind war ich geradezu besessen von Märchen. Ich ließ sie mir von meiner Mutter vorlesen, und kaum konnte ich selbst lesen, schmökerte ich in den Geschichten der Brüder Grimm. Ich hatte sogar Märchen-Schallplatten, und wenn es sich irgendwie machen ließ, fuhren meine Eltern mit mir in einen Märchengarten in der Nähe von Calw. Den gibt es leider nicht mehr.

Aber es gibt einen Märchengarten in Ludwigsburg – er gehört zur Ausstellung »Blühendes Barock« –, und dieser Tage ergab es sich, dass ich dort einmal einen halben Tag verbringen konnte. Um es gleich zu sagen: Zwischen all den Kindern kam ich mir manchmal selbst wie ein Kind vor. Es wimmelte ohnehin von Touristen: Inder und Chinesen, Japaner und Amerikaner, dazwischen Familien, die eher nach Russen oder Polen klangen.

Der Park schaffte es irgendwie, ein Deutschland zu vermitteln, dass es so nie gab: kleine Fachwerkhäuser, beschauliche Wohnzimmer darin, die man von außen angucken konnte. Figuren, die sich bewegten, Schilder, auf denen alles erklärt wurde, die altertümliche Sprache, die benutzt wird – die Märchen schufen ein Deutschlandbild, das auf Touristen aus fernen Ländern möglicherweise seltsam wirkt.

Für mich als Besucher war es wie eine Reise in meine eigene Kindheit, zurück zu den Märchen, die ich als Junge so geliebt hatte. Ich schaute mir die Streiche von Max und Moritz an – auf mehrere Häuser verteilt –, ich erfreute mich am kleinen Zug, der durch das Gelände fuhr, und an den Booten, die sogar durch Tunnel gondelten. Da fuhr ich zwar nicht mit, aber ich sah die Begeisterung der Kinder und ihre strahlenden und staunenden Gesichter.

Keine Ahnung, wie pädagogisch das Ganze war. Keine Ahnung, ob Märchen wirklich so toll sind, die ein fiktives Deutschland des 19. Jahrhunderts in die heutige Zeit transportieren. An diesem Tag fand ich es toll. Und: Wer sich für Phantastik und Fantasy interessiert, darf um die Märchen sowieso keinen Bogen machen – die sind bekanntlich der Anfang von alledem ...

07 September 2017

Capricorn Journal 1 von 1991

Ich habe mal wieder in einem alten Fanzine geblättert, in einem allerdings, in dem ich selbst als Mitarbeiter vertreten bin. Die Rede ist von der Nummer eins des »Capricorn Journal«; wenn ich mich recht erinnere, gab es nie eine Ausgabe zwei. Herausgegeben wurde das Fanzine im November 1991 von Hans und Monika Herrmann sowie Robert Goetzke.

Die drei kannte ich zu jener Zeit schon lange. Mit Robert und einigen anderen hatte ich 1980 versucht, das sogenannte Club-Kontakt-Netz zu gründen – eine typisch törichte Entscheidung, wie sie junge Science-Fiction-Fans zu allen Zeiten in die Wege leiteten. Hans und Monika hatte ich auf dem PERRY RHODAN-WeltCon 1980 in Mannheim kennengelernt. Das Fanzine »Capricorn«, das diese Redaktion in den 80er-Jahren veröffentlichte, zählte zu den Heften, die ich stets gern las und in denen ich auch veröffentlichte.

Mit dem »Journal« wollte das »Capricorn«-Team andere Wege gehen. Ziel war, weg von den Kurzgeschichten zu gehen und sich stärker auf Artikel zu verlegen. In einer Zeit, in der professionelle Science-Fiction-Magazine im deutschsprachigen Raum als echte Mangelware galten und es noch kein Internet mit allen Informationen gab, war das ein spannendes Ziel.

Amüsanterweise kam das Fanzine auf seinen insgesamt 64 Seiten nicht ohne Kurzgeschichten aus – es wurden zwei veröffentlicht. Der Großteil bestand allerdings aus Artikeln, einer davon stammte von mir. Ich plauderte auf neun Seiten über die Geschichte meines Fanzines »Sagittarius« sowie dessen Höhen und Tiefen.

Weitere Texte beschäftigten sich mit einer gewisse Raketenheftchenserie — »PR auf den Spuren des Flowerpower« – und berichteten vom WeltCon im Sommer 1991. Eher philosophisch war ein Artikel über »Evolution oder Schöpfung«, als pragmatisch erwiesen sich redaktionelle Vor- und Nachworte.

Alles in allem eine Ausgabe, die man auch ein Vierteljahrhundert danach noch gut durchblättern kann; das Heft zeigt in gewisser Weise den Stand der Fan-Szene jener Jahre auf: Man war »erwachsen« geworden, blickte mit einer gewissen Eigenkritik auf bisherige Ereignisse zurück, war aber noch nicht völlig abgeklärt und im privaten Bereich verschwunden.

06 September 2017

Eine Lesung in Dreieich im Plan

Mein Fantasy-Roman »Das blutende Land« wird, wenn nichts grundlegend Schlimmes passiert, im November 2017 im Droemer-Knaur-Verlag erscheinen. Das Lektorat ist abgeschlossen, die Satzfahne sah schon mal sehr ordentlich aus, und vom Titelbild bin ich nach wie vor begeistert. Derzeit wird sogar ein Hörbuch vorbereitet, worauf ich mich besonders freue.

Die erste Lesung werde ich wohl mithilfe der Satzfahne bestreiten. Sie findet auf dem BuchmesseCon in Dreieich statt, der Fan-Veranstaltung, die parallel zur Buchmesse ausgetragen wird. Welchen Raum ich dort füllen soll, weiß ich noch nicht; ich bin gewissermaßen ein Debütant und muss schauen, wohin man mich stecken wird.

Nach bisherigem Stand der Dinge ist meine Lesung am Samstag, 14. Oktober 2017, ab 18 Uhr. Auf der Internet-Seite der Veranstalter füllt sich der Programmplan langsam und beständig; dort wird man hoffentlich bald alles ein wenig genauer nachlesen können.

Ich gestehe, dass ich sehr gespannt bin. Seit vielen Jahren bin ich ein mehr oder weniger regelmäßiger Gast auf dem BuchmesseCon, ich habe auch oft am Programm teilgenommen: meist in meiner Funktion als Redakteur einer Raketenheftchenserie, einmal als Co-Moderator des Deutschen Phantastik-Preises (als dieser noch nicht so professionell wie heute war). Zum ersten Mal trete ich als Autor mit eigenem Werk in Erscheinung ...

05 September 2017

Die Nummer 123 der »Comixene«

In den frühen 80er-Jahren war ich ein Abonnent der Zeitschrift »Comixene«; das Heft war damals eine unverzichtbare Informationsquelle für jeden, der sich im damals recht übersichtlichen und trotzdem ständig wandelnden Comicmarkt informieren wollte. Sowohl internationale als auch deutschsprachige Comics wurden präsentiert, man guckte immer mal wieder in die Geschichte oder stellte spannende neue Themen vor.

Das ist heute nicht anders. Der »Boah ey«-Effekt der frühen 80er-Jahre stellt sich bei mir nicht mehr ein – das liegt aber an mir. Das Heft ist heute nämlich viel journalistischer als früher, es gibt Reportagen und umfangreiche Interviews, wenig Fastfood-Journalismus, mehr Texte, die in die Tiefe gehen. Die Qualität stimmt also.

Das merkt man auch an der Ausgabe 123, die schon im Frühsommer erschienen ist, die ich aber erst am Vorabend zu Ende gelesen habe. Sie ist mit ihren 104 farbigen Seiten sehr umfangreich und steckt voller interessanter Texte – das braucht dann bei mir einfach seine Zeit.

Das Cover wird vielleicht der eine oder andere Mensch als »sexistisch« brandmarken. Aber ... es ist ein Auszug aus einem Comic von Uli Oesterle, der im vorliegenden Heft porträtiert wird – da passt das. Wem der Name nichts sagt: Von Oesterle stammt der coole »Hector Umbra«, die Hauptfigur eines Comics, den man als Urban Fantasy einstufen könnte.

Und sonst? Das »MAD-Magazin« wird abgefeiert, es gibt einen Bericht über den diesjährigen »D.O.N.A.L.D.«-Kongress, der Comic-Held Andy Morgan wird ebenso abgefeiert wie der Comic-Künstler André Franquin, und natürlich dürfen haufenweise Informationen und Rezensionen nicht fehlen. Die Mixtur ist altmodisch im positiven Sinn: Die Redaktion stellt verschiedene Themen zusammen und serviert sie mir als Leser, und ich wähle aus, was mich interessiert.

Ein gelungenes Heft! Wer sich für Comics interessiert, macht mit einem Abonnement der »Comixene« sicher nichts falsch. Auch im Jahr 2017 nicht ...

04 September 2017

Anders auf dem Turmberg

Aus gutem Grund sollte man Werbeaussagen aller Art misstrauen. Doch in einem hat »Anders auf dem Turmberg« immer recht: Das Restaurant ist – wie es auf seiner Internet-Seite offenbart – »einer der schönsten Plätze, um den herrlichen Ausblick auf unsere Stadt und Region zu genießen«.

Als wir dieser Tage nach längerer Zeit endlich einmal wieder in diesem Restaurant zu Abend aßen, hatte ich einen Platz, von dem aus ich tatsächlich einen wunderbaren Ausblick auf die Ränder des Schwarzwalds und hatte, mit einem Fernblick bis nach Baden-Baden in der einen und zum Pfälzerwald in der anderen Richtung (also quasi ums Eck). Das Lokal findet man auf dem Turmberg in Durlach, und das ist in der Tat eine wunderbare »Location«, um in Neusprech zu schreiben.

Wir gönnten uns ein Vier-Gang-Menü, allerdings ohne eine komplette Weinbegleitung – ich musste fahren. Also hielten wir uns an viel Wasser – was ich bei Preisen von 7,50 Euro für eine Flasche Schwarzwaldwasser, die so auch im Supermarkt gibt, schon hart finde – und tranken nur sehr wenig Wein. Bei einem Restaurant, das »auf Sterne-Niveau« kocht, darf man sich über preisliche Auswüchse beim Wasser sowieso nicht wundern.

Das Essen war toll. Ich hatte ein vegetarisches Menü, das durch die Bank wunderbar schmeckte. Man bekam zum eigentlichen Menü noch Zwischengänge und dergleichen, zum Abschluss gab's für mich ein schokoladiges Dessert. Zu meckern hatte ich nichts, die Gerichte waren sehr verfeinert und geschmackvoll. Toll!

Die Servicekräfte waren freundlich, das Drumherum stimmte. Dass der erste Wein verkehrt geliefert wurde (ich hatte ein 0,1-Glas Chardonnay bestellt, meine Begleitung ein 0,2-Glas Riesling; sie bekam ein 0,1-Glas Chardonnay und ich ein 0,1-Glas Riesling), fand ich schon wieder lustig. Immerhin hatte ich so viel rudimentäre Ahnung von Wein, um Riesling und Chardonnay auseinanderhalten zu können.

Preiswert ist und war anders; teuer ist so ein Menü angesichts der gebotenen Qualität allerdings auch nicht. Wie beim letzten Mal auch, empfanden wir den Besuch beim »Anders« als einen kulinarischen Höhepunkt. Das gönne ich mir eben alle zwei Jahre oder so – und dann passt das auch.

02 September 2017

Die Tante und der Küchentisch

Die späten 70er-Jahre, ein Kaffeekränzchen bei meiner Mutter: Am Tisch saßen meine Tante, meine Mutter und ich; mein Vater war unterwegs, meine Schwester bei Freundinnen. Es gab selbstgebackenen Kuchen, der mir immer sehr gut schmeckte, mit viel Schlagsahne und Kaffee, den ich zu der Zeit erst so richtig für mich entdeckte.

Wie meine Tante und meine Mutter auf das Thema Ausländer kamen, wusste ich nicht. Auf einmal war es am Tisch. Meine Tante mochte keine Ausländer. Die seien so dunkel und so heimtückisch, sie seien schmutzig und hätten schlechte Gedanken; sie seien faul und lägen dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche, sie würden zudem den Arbeitern die Arbeitsplätze wegnehmen.

»Aber das stimmt doch nicht«, wandte ich vorsichtig ein. »Wenn sie faul sind, nehmen sie niemandem die Arbeit weg. Und andersrum.«

Mit Fakten kam ich nicht weiter, das merkte ich schnell. Das Gespräch entgleiste in Sekunden. Die Tante wurde laut. Was denn ein »jonger Soicher« wie ich am Tisch zu melden hätte, wenn sich die Erwachsenen unterhielten? Wie ich dazu käme, ihr Vorhaltungen zu machen? »I schwätz wie ich denk.«

Ich wurde auch laut. »Nicht an einem Tisch, an dem ich sitze«, forderte ich. »Kein Nazigeschwätz in meiner Nähe.« Ich schwitzte vor Wut und Ärger.

Meine Mutter, die der Eskalation sprachlos zugeschaut hatte, maßregelte mich. Ich könnte ihrer Schwester nicht den Platz am Tisch verbieten, das ginge nicht. Familienzusammengehörigkeit, blablabla ...

Ich hörte mir die Predigt an, stand auf und ging. Einer musste den Tisch verlassen, in diesem Fall war ich es. Ich ging in mein Zimmer, las einen Science-Fiction-Heftroman, in dem alle Menschen die gleichen Rechte hatten und unter Leitung eines weisen Großadministrators in fremde Galaxien vorstießen. Das war mir dann doch lieber.

Die 70er-Jahre waren schon seltsam. Ausländer galten flächendeckend als minderwertig. Das wird gern verdrängt.

01 September 2017

PowerPop aus Schweden

Als ich anfing, mich bewusst für Musik zu interessieren, war der Begriff PowerPop schon nicht genau definiert; darunter fielen im Prinzip alle möglichen Bands, die druckvolle Musik spielten, die man nicht unbedingt zum Punk schieben konnte, die aber auch keine Rock-Klischees verarbeiteten. Heute ist das noch schwieriger – ich will an dieser Stelle erst gar nicht versuchen, irgendwelche Schubladen zu definieren.

Die schwedische Band The Sigourney Weavers wird auf jeden Fall ständig in die Schublade des PowerPop geschoben. Das ist nicht falsch und auch nicht richtig. Tatsache ist – und das höre ich halt auf ihrer Langspielplatte »Blockbuster« sehr gut –, dass die fünfköpfige Band ein Händchen für schmissige Melodien hat, die sich dann einer klaren Kategorisierung entziehen.

Für normale Popmusik ist das zu knallig, Punkrock ist es auch nicht, und so richtig normale Rockmusik klingt einfach anders. Die zwölf Stücke auf der Platte, die im Herbst 2014 veröffentlicht wurde, sind auf jeden Fall gelungen, mal mehr, mal weniger. Meist gehen sie beim ersten Hören nicht gut rein, man muss sie zwei- und dreimal laufen lassen, dann packen sie einen.

Klar erfindet auch diese Band weder die Rockmusik noch den PowerPop irgendwie neu, aber das erwartet letztlich keiner. »Blockbuster« ist die erste »große« Platte der Band, von der man sicher noch mehr hören wird. Freut mich!

Wenn viele Comics verwurstet werden

Ich bin ein großer Fan des Splitter-Verlages und seiner Comics; ob diese nun bei Splitter oder im hauseigenen Tochterunternehmen Toonfish veröffentlicht werden, ist mir dabei egal. Selbstverständlich kann mir nicht alles gefallen, was die Kollegen veröffentlichen. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Band »Die Parodie«, der zwar viele Gags enthält, bei mir aber nicht im Geringsten zünden kann.

Doch erst einmal der Reihe nach ... »Die Parodie« ist genau das, was der Name auch schon aussagt. Es werden andere Comics auf die Schippe genommen und durch den Kakao gezogen, sprich, sie werden parodiert. Vor allem sind die Comics »Thorgal« und »XIII« in der Schusslinie.

Und damit habe ich schon das Problem dieses Comics genannt. Wenn man die genannten Geschichten nicht gut genug kennt, kann man nicht bemerken, worin der Gag liegt, wenn Wikinger einen Säugling am Strand finden. Aus dem Säugling wird ein junger Mann namens Thorax, der dann allerlei Abenteuer erlebt. Die wirken, als seien sie aus einem Geheimdienst-Abenteuer geklaut – und das sind dann eben die Anspielungen auf »XIII«.

Humor ist Geschmackssache, keine Frage. Aber in diesem Comic ist er für meinen Geschmack zu platt, zu albern und zu überzogen. Michel Rodrigue ist ein guter Zeichner, und seine Figuren »funktionieren« – aber sein Witz kommt bei mir einfach nicht an.

Das ist nicht weiter schlimm; sicher wird es Comic-Fans geben, die das mögen. Wer die genannten Serien kennt, könnte auf jeden Fall auf seine Kosten kommen; alle anderen verstehen höchstens ein Viertel der Anspielungen.

(Wer sich für die Optik des Parodie-Albums interessiert, gehe auf die Internet-Seite des Verlages. Dort können zehn Seiten als Leseprobe angeschaut werden.)

31 August 2017

Schmeichelhaftes Porträt ausm Jahr 2003

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Für das kleine Heft »Ein Editruser wird 40«, das im Dezember 2003 veröffentlicht wurde, gestaltete Swen Papenbrock das Bild für die Rückseite. Weil es mir auch nach all den Jahren so gut gefällt, stelle ich es an dieser Stelle der Öffentlichkeit vor.

Es ist ein sehr schmeichelhaftes Porträt – immerhin hatte ich damals schon viel zu viele Falten im Gesicht –, aber es ist trotzdem sehr cool. Vor allem zeigt es letztlich die zwei Herzen, die seit vielen Jahren in meiner Brust schlagen: Ich mag halt Science Fiction und Punkrock, und das seit so langer Zeit, dass ich das kaum noch vermitteln kann ...

Ein Editruser wird 40

Es war eines der schönsten Geburtstagsgeschenke für mich: Zu meinem vierzigsten Geburtstag – der auch schon wieder einige Jahre zurück liegt – bastelten meine Kolleginnen und Kollegen einen echten Heftroman für mich. »Ein Editruser wird 40« kam am 9. Dezember 2003 heraus, die Auflage war sehr überschaubar, aber der Inhalt hatte es in sich.

Alte Freunde wie Hermann Ritter und Günther Freunek lieferten amüsante Artikel, in denen sie mich auf die Schippe nahmen; Autorenkollegen ergänzten diese Betrachtungen durch ihre augenzwinkernden Texte. Und die Zeichner machten sich durchaus lustig über meine Bemühungen, einige Reste von Punkrock mit meinem bürgerlichen Alltag als Redakteur auf eine Linie zu bringen.

Das Fanzine war 40 Seiten stark und enthielt viele Bilder und Texte. Ich war gerührt, als ich es erhielt, und ich las es nicht nur einmal. Dann versackte es im Regal – wie so vieles –, woraus ich es dieser Tage wieder fischte. Und ich war erneut gerührt, als ich es durchlesen konnte.

(Das Titelbild, das ich hier präsentiere, stammt von Ralph Voltz. Man kann sich ja darüber streiten, inwiefern es mir überhaupt ähnlich sah. Heute wäre die Optik sowieso eine andere ...)

30 August 2017

Mein Zweitleben als Zivilpolizist?

Dass mich junge Punks gelegentlich seltsam anschauten, wenn ich auf entsprechende Veranstaltungen kam, passierte mir in den 90er-Jahren nicht nur einmal. Ich sah zu »unpunkig« aus für sie, und ich war zu alt. Wer schon die dreißig überschritten hatte und eine Stino-Frisur auf dem Kopf hatte, musste entweder ein Spießer sein – oder noch viel schlimmer, ein Zivilpolizist.

Insofern ist die Szenerie, wie ich sie in der aktuellen Folge von »Der gute Geist des Rock'n'Roll« schilderte, nicht ganz aus der Luft gegriffen. Erfunden ist der achte Teil meines Fortsetzungsromans im OX-Fanzine allerdings komplett. Es gab zwar Treffen von Jung-Punks im Schlossgarten von Karlsruhe, die regelmäßig von der Polizei aufgelöst wurden – warum auch immer –, aber die ganze Szenerie entspringt nicht meiner Erinnerung, sondern meiner Phantasie.

Was mir an meinem Fortsetzungsroman so gut gefällt – auch und gerade am aktuellen Teil, der in der Ausgabe 133 des Magazins erschienen ist –, ist halt die Tatsache, dass ich versuchen kann, einen Teil meiner Biografie in Romanform umzusetzen. Das ist selbstverständlich ein Roman, kein Tatsachenbericht ... aber es gibt genügend Leser, denen das Spaß macht.

Und während ich mich darüber freue, dass der aktuelle Text erschienen ist, habe ich längst mit den Arbeiten an der nächsten Fortsetzung begonnen. Man soll mir schließlich nicht nachsagen, dass ich die Termine völlig überziehe ...

29 August 2017

Sauna auf der Straße

Der Sonntag versprach schönes Fahrradwetter: Es war nicht zu heiß, und die Wolken am Himmel deuteten darauf hin, dass die Sonne nicht zu sehr knallen würde. Also konnte ich eine kleine Radtour einplanen; nichts großes, aber halt ein wenig durch die Gegend nordöstlich von Karlsruhe. Auch der Wetterbericht – via Internet – versprach ernsthaft, dass es trocken bleiben würde.

Es ging in aller Ruhe durch die Oststadt von Karlsruhe, durch Durlach und über die Streuobstwiesen dahinter bis Grötzingen, von dort aus in den Bergwald. Auf der Höhe des Gutes Werrabronn begann ein sanfter Nieselregen, der anfangs nicht störte, mich aber bis nach Weingarten hinunter begleitete.

Ich schaffte es bis zum beeindruckend hässlichen Rathausplatz der Gemeinde, wo ich mir im Eiscafé Cortina ein Eis holte, mich unter ein Segeldach setzte und dem dann einsetzenden Dauerregen zuschaute. Das ging gut eine halbe Stunde lang, bis der Regen aufhörte, zuerst in ein sanftes Nieseln überging und sich dann irgendwie auflöste.

Der Rückweg verlief ohne Probleme. Fuhr ich auf einer geteerten Straße oder einem Gehweg, rollte ich unaufhörlich durch den Dampf, der vom Asphalt aufstieg. Die Temperatur betrug sicher um die 26 oder 28 Grad, und das Wasser, das vorher gefallen war, dampfte in einer einzigen Wolke über die Straßen und Plätze.

Im Wald hingen die frischen Nebelschwaden feucht und klamm zwischen den Bäumen. Der Waldweg zwischen Weingarten, Büchig und Hagsfeld war eine kühle Sauna, die Straßen danach einen hitzige Sauna. An diesem Nachmittag wurde ich mehrfach klatschnass und trocknete dann wieder, wenn die Sonne herauskam.

Das hatte dann auch wieder was ...

23 August 2017

Ihn riefen die Sterne

Als der Autor Hanns Kneifel im März 2012 starb, war ich ebenso schockiert wie viele andere; damit hatte ich nicht gerechnet. Ich schrieb damals einen Nachruf, ich war auch bei der Beerdigung, aber so richtig fassen konnte ich es nicht. In diesen Tagen ist ein Buch erschienen, das an den verstorbenen Autor erinnert.

Es trägt den Titel »Ihn riefen die Sterne«, wurde von Rainer Schorm und Jörg Weigand zusammengestellt und enthält viele Beiträge. Darunter ist einer von mir – ich schrieb »Erinnerungen an Hans Kneifel«. Zugegeben: Das ist kein origineller Titel, aber darum ging es mir nicht. Ich wollte tatsächlich meine Erinnerungen an einen Autor niederschreiben, der mich vor allem in meiner Jugend sehr geprägt hat.

Das Buch sieht gut aus, und ich bin stolz darauf, als Mitarbeiter darin vertreten zu sein. Gelesen habe ich es noch nicht – aber das werde ich bei nächster Gelegenheit nachholen!

22 August 2017

Reluctant Famulus, die Nummer 112

Ich lade mir immer mal wieder ein »E-Zine« herunter, also ein Science-Fiction-Fanzine, das man kostenlos auf elektronischem Weg beziehen kann. Es dauert dann immer seine Zeit, bis ich es lesen kann. Aus dem Grund habe ich erst dieser Tage die Ausgabe 112 von »The Reluctant Famulus« gelesen – das 48 Seiten starke Fanzine wurde bereits im Sommer 2016 veröffentlicht, vor ziemlich genau einem Jahr.

Herausgeber ist Thomas D. Sadler, von dem ich vorher nichts gehört hatte – angesichts der Tatsache, dass er schon 112 Ausgaben seines Fanzines publiziert hat, belegt das sehr deutlich, wie wenig Ahnung ich von der amerikanischen Fan-Szene habe. Er wohnt in Owenton, Kentucky, nicht gerade eine der zentralen amerikanischen Gegenden, und sein Fanzine hat einiges an skurrilen Inhalten zu bieten.

Die Mixtur aus Science Fiction, obskuren Dinosaurier-Geschichten, UFO-Berichten, Leserbriefen und persönlichen Einblicken in das Leben in Kentucky fand ich amüsant und verwirrend zugleich. Irgendwie hatte alles einen starken Egozine-Charakter, obwohl verschiedene Mitarbeiter an dem Blatt mitwirkten.

Ich las es nicht komplett, überflog manchen Artikel und manchen Leserbrief nur. Kein Wunder: Schließlich verstand ich einen großen Teil der Inhalte einfach nicht so richtig. Am Ende blieb bei mir hängen: »The Reluctant Famulus« ist definitiv originell – ob ich davon weitere Ausgaben brauche, weiß ich allerdings noch nicht.

21 August 2017

Auf belgisch in den Westen

Ich hatte zwar schon einen Führerschein, aber noch kein Auto, vor allem hatte ich kein Geld. Also reiste ich per Anhalter, im Sommer 1984 völlig normal. Um von Berlin zurück in den Westen zu kommen, stellte ich mich in aller Frühe am Grenzübergang Dreilinden auf.

Es war gegen sieben Uhr, ich war einer der ersten. Ich wollte weg sein, bevor der Grenzübergang von Heerscharen von Anhaltern bevölkert wurde, die über die Transitstrecke nach Westdeutschland wollten. Das hielt ich für eine gute Idee.

Der Fahrer, der hielt, war ein Belgier. Normalerweise hätte ich bei ihm und seiner Sportkarre nicht einmal den Daumen rausgehalten; solchen Fahrer nahmen einen nie mit. Er kurbelte die Scheibe herunter und fragte in sehr gutem Deutsch: »Hast du einen Führerschein, kannst du fahren?«

Ich bejahte, sagte aber nicht, dass ich so gut wie keine Fahrpraxis hatte. Es hätte ihn kaum interessiert. Nicht einmal meinen Führerschein wollte er sehen. Der Typ sah aus, als hätte er die Nacht durchgemacht, stank nach Alkohol und Rauch und Schweiß. Ich platzierte mich auf dem Fahrersitz, er krabbelte auf die Seite, dann lehnte er den Kopf zurück und pennte ein.

Problemlos kam ich durch die Zollkontrollen, langsam schaukelte ich durch die DDR. Am Grenzübergang bei Braunschweig wurden wir nur nachlässig kontrolliert. Der Belgier wurde kurz wach, schlief dann sofort weiter.

Wohin ich genau wollte, interessierte ihn nicht. Das Ruhrgebiet, wo ich Punks besuchen wollte, lag für ihn eben auf der Strecke. Als Fahranfänger hielt ich mich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, zudem fühlte ich mich mit dem Sportwagen sehr unsicher.

Irgendwann wurde er wach, schaute auf die Uhr und ärgerte sich. Ich fuhr ihm zu langsam. »So komme ich ja nicht pünktlich nach Hause«, zeterte er lautstark. Wir wechselten die Sitze, und er fuhr weiter.

Mit Restalkohol, den ich nicht schätzen konnte, und mit ständig überhöhter Geschwindigkeit rasten wir durch Niedersachsen. Der Belgier hörte laute Musik, saß verkrampft am Steuer, starrte durch die Windschutzscheibe und brabbelte zornig vor sich hin.

Bei Hamm ließ er mich aussteigen. Wahrscheinlich konnte er mich nicht mehr sehen. Ich war nicht einmal traurig darüber und kaufte mir an der Tankstelle erst einmal ein Bier, um meine Nerven zu beruhigen.

Das waren die 80er-Jahre. Manchmal denke ich, dass ich froh sein kann, sie überlebt zu haben.

18 August 2017

Der Höhepunkt der »Valerian«-Saga

Ich gehöre zu den Science-Fiction-Fans, die sich auf die Kinoversion von »Valerian« gefreut haben – und bislang habe ich den Film verpasst ... Aber weil ich das Original in Comic-Form so mag, holte ich mir kürzlich den vierten Teil der Gesamtausgabe von »Valerian und Veronique«.

Ich bin ziemlich begeistert – und das, obwohl ich die Original-Alben im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte mehrfach gelesen habe. Die Alben, die in diesem vierten Band enthalten sind, dürften der Höhepunkt der Serie sein: nicht sofort-sogleich verständlich, aber künstlerisch wie erzählerisch auf einem sehr hohen Niveau.

Als der Zeichner Jean-Claude Mézières und der Autor Pierre Christin ihre Serie in den 60er Jahren begannen, war sie noch reichlich naiv; das Science-Fiction-Abenteuer war knallbunt und wirkte noch oberflächlich, war aber schon damals um Längen besser als die Konkurrenz. Die Alben, die in diesem vierten Band enthalten sind, entstanden in den frühen 80er-Jahren – in dieser Zeit war die Comic-Szene wesentlich erwachsener, da konnten sich die Künstler größere Freiheiten erlauben.

Der vierte Band enthält die ursprünglichen Alben »Das Monster in der Metro«, »Endstation Brooklyn«, »Die Geister von Inverloch« und »Die Blitze von Hypsis«. Das Besondere dabei: Sie spielen zu einem großen Teil auf der Erde – und zwar während des zwanzigsten Jahrhunderts. Paris und New York, aber auch Schottland zählen zu den Schauplätzen der Handlung.

Das nutzen der Autor und der Zeichner zu vielen witzigen Ideen. So wird es zum Running Gag, dass der sauber geschnittene Kunstrasen vor einem schottischen Schloss von Außerirdischen ebenso verwüstet wird wie von einem landenden Raumschiff – und die Schlossherren bleiben »very british« und sehr cool.

Darüber hinaus sind die Geschichten voller kosmischer Verwicklungen, esoterischer Anwandlungen – die vier Elemente spielen eine Rolle – und emotionaler Schwierigkeiten. Valerian und seine Veronique haben es nicht einfach; sie benötigen die Hilfe von allerlei anderen »Helden«, die allesamt skurril sind.

Ich wiederhole mich gern: Die Serie zählt zur absoluten Pflichtlektüre für jeden Science-Fiction-Fan. Und der vierte Band ist sicher der Höhepunkt der Serie – leider nur richtig verständlich, wenn man die vorigen Bücher auch gelesen hat.

17 August 2017

Zum dritten Mal das Gästebuch

Ich verspreche: Das ist das – vorerst – letzte Mal, dass ich aus dem FreuCon-Gästebuch von 1985 zitiere. Viele Einträge von damals sind mir übrigens im Jahr 2017 nicht mehr erklärbar, viele Gags von damals lassen sich nur durch die Situation vor Ort begründen, und viele Sprüche waren wohl auch 1985 schon doof.

Die Illustration, die ich hier zeige, ist ein Beispiel für die schnelle Kreativität, wie sie beispielsweise Anton Atzenhofer an den Tag legte. Da kam der arme Kerl an, bekam das Gästebuch vor die Nase gehalten und musste gleich einen Eintrag zaubern.

Er hätte ja auch nur seinen Namen reinschreiben können – aber er lieferte lieber gleich eine Zeichnung. Der Aufwand dafür dürfte keine Minute gedauert haben.

Und allein für solche Zeichnungen und Sätze werde ich diese Gästebücher wohl noch weitere Jahrzehnte aufbewahren. Vielleicht gebe ich sie dann irgendwann in ein Fandom-Museum ... was es ja leider nie geben wird ...

Nochmal das Gästebuch von 1985

Nachdem ich am gestrigen Mittwoch ein Bild aus dem FreuCon-Gästebuch von 1985 gezeigt habe, wiederhole ich das. Mir macht das Stöbern in alten Büchern sehr viel Freude – aber man muss die alten Gags wirklich erklären ...

Dieser Gag stammt von Willmar Plewka, in den 80er-Jahren ein unglaublich aktiver Science-Fiction-Fan, der viele Fanzines publizierte und auch international vernetzt war. Sein Gag spielt auf die Tatsache an, dass Christian »Krischan« Holl in jener Zeit vor allem durch seine Zeichnungen bekannt war, in denen er vor allem Drachen darstellte.

Und Wilmars Drachen spielt auf Krischans Drachen an. Das fanden wir damals sehr lustig. Ist so ein Witz heute noch verständlich?

16 August 2017

Blick in ein Gästebuch von 1985

Da ich dieser Tage in meiner Rubrik »Der Redakteur erinnert sich« über das Jahr 1985 geschrieben habe, fischte ich endlich einmal eines meiner alten Gästebücher aus dem Schrank. Solche Bücher benutzte ich in den 80er-Jahren, wenn ich einen Con veranstaltete, also ein Treffen von Science-Fiction-Fans.

Allerlei Leute verewigten sich in diesem Gästebuch. Nicht alle Einträge waren genial, manche bestanden nur aus einer krakeligen Unterschrift. Viele Dinge waren aber unglaublich komisch – zumindest damals. Heutzutage fällt es schwer, manchen Witz zu kommentieren und zu erläutern.

Ich präsentiere eine Seite, auf der sich die Zeichner Anton Atzenhofer – genannt Atze – und Christian Holl, den alle nur Krischan nannten, ein wenig duellieren. Zuerst verewigte sich der eine in Schwarz auf der Seite, dann folgte der andere in Blau, stets als Drache, dann kam die finale Reaktion des Kollegen Atzenhofer.

Mag sein, dass das albern war. Damals zählte das zum Programm eines Cons, der offenbar kein echtes Programm hatte. Und wenn ich es heute anschaue, muss ich zumindest grinsen.

15 August 2017

Simenon-Gesamtwerk offiziell

Dass ich die Diogenes-Ausgabe der Romane von Georges Simenon mag, habe ich in diesem Blog oft genug zum Ausdruck gebracht. Seit einiger Zeit gibt es keine neuen Romane mehr, die bisher veröffentlichten sind nicht mehr lieferbar. Es war klar, dass die Verträge ausgelaufen sind – Details dazu wurden aber nicht verlautbart.

Heute melden die Internet-Seiten der Fachblätter »Börsenblatt« und »Buchreport« einige weitere Details. Nach diesen Berichten hat der Sohn des Schriftstellers die Lizenz mit dem Verlag nicht verlängert. Gründe wurden hierfür nicht gennant.

Dieses Vorgehen ist nicht nur für den Verlag unverständlich, sondern auch für mich als Leser: Seit vierzig Jahren betreut Diogenes den Autor, zuletzt wurde die wunderbare Edition mit allen Maigret-Romanen publiziert. (Von den 75 Bänden habe ich 25 gekauft, die restlichen wollte ich ebenfalls kaufen und lesen.)

Alles Jammern nutzt nichts. Ich werde schauen, dass ich fehlende Bände im Second-Hand-Geschäft bekomme, sehe aber nicht ein, irrsinnige Sammlerpreise zu bezahlen. Ein möglicher neuer Verlag wird's bei mir da nicht so einfach haben. Da bin ich halt auch wieder Spießer. Menno.

14 August 2017

Ich sah endlich Jupiter Ascending

Als Science-Fiction-Fan, der ab und zu auch mal ins Kino gehen möchte, habe ich es seit vielen Jahren echt schwer. So wollte niemand mit mir ins Kino gehen – allein finde ich es doof –, als vor zwei Jahren »Jupiter Ascending« gezeigt wurde.

Dabei zeichneten doch Andy und Lana Wachowski für den Streifen verantwortlich, und deren »Matrix« halte ich immer noch für großartig. Ich mochte auch die Vorschau für »Jupiter Ascending« – aber mehr ging nicht. Also schaute ich ihn mir dieser Tage endlich auf DVD an.

Um es kurz zu machen: Ich wand mich streckenweise vor Grausen. Vielleicht war die Story im Kino beeindruckend, weil da einfach die optischen Effekte funktionieren. Auf DVD empfand ich das Ganze als eine Ansammlung von unglaublich peinlichen Dialogen und effekthascherischem Geballer.

Dabei hätte die Geschichte ja auch gut laufen können, und wer 150 Millionen Euro zur Verfügung hat, sollte doch ein wenig Geld in eine vernünftige Story investieren können. Den Anfang mochte ich: Jupiter Jones, gespielt von Mila Kunis, putzt Toiletten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ist in Wirklichkeit aber die Erbin eines – wie auch immer gearteteten – Weltraum-Imperiums.

Die Begrifflichkeiten gehen da übrigens früh durcheinander. Die Macher des Films oder die Übersetzer wussten wohl nicht, was eine Galaxis oder ein Universum ist. Aber das wissen gelegentlich ja nicht einmal die Leute, die hierzulande Science Fiction veröffentlichen. Ähnliche Peinlichkeiten stören aber nur spießige Leute wie mich, scheint mir.

Der Rest der Geschichte kann überall nachgelesen werden. Das umfangreiche Geballer nervte mich irgendwann, die Blicke in das All und auf die Weltraumstationen fand ich ansprechend. Aber der Weltentwurf war dünn bis zum Gehtnichtmehr – unter dem Niveau der 60er-Jahre-Heftromane –, und die Schauspieler konnte ich nie ernstnehmen.

Alles in allem ist »Jupiter Ascending« ein Beispiel dafür, warum Science Fiction von manchen Leuten nicht ernstgenommen wird. Wer diesen Film sieht und als »gut« angepriesen bekommt, wird nur kopfschüttelnd davorsitzen und sich wundern. Schade um das viele Geld, das in diesem Film verbrannt worden ist.

(Ich gehöre nicht zur Mehrheit; viele Leute mochten den Film. Kritiken sprechen von »bahnbrechenden Ideen« und loben sogar die Dialoge. Geschmäcker sind halt verschieden.)

12 August 2017

Abstürzende Brieftauben nach dreißig Jahren

Wann genau ich mir die Platte »Das kriegen wir schon hin« gekauft habe, lässt sich mit dem Abstand von so vielen Jahren kaum noch nachvollziehen. Aufgenommen und veröffentlicht wurde sie 1986; also kaufte ich sie mit hoher Sicherheit im Jahr darauf. Die Abstürzenden Brieftauben – ein Punkrock-Duo aus Hannover – war zu jener Zeit schwerstens angesagt, man kam an den beiden nicht voran.

Schon damals war die Musik irgendwie ein Anachronismus. Die neue Welle im Punkrock war der Hardcore, der in allen europäischen Länden hochschwappte. Aus Italien und Dänemark, aus England und aus Norwegen kamen Bands, die rasend schnell spielten und einen Sound lieferten, den man zuvor nicht gekannt hatte.

Die Tauben aus Hannover hingegen klangen stark nach den englischen Toy Dolls, vermengten schnellen Punkrock mit schunkeligen Rhythmen und deutschen Texten, brachten alberne Texte oder interpretierten klassische deutsche Schlager, indem sie diese einfach in drei- bis vierfacher Geschwindigkeit spielten.

Höre ich mir das alles nach dreißig Jahren an, verstehe ich, warum ich die Platte recht schnell als uninteressant betrachtete und im Regal stehen ließ. Vielleicht lag's daran, dass ich kein Teenager mehr war ... Der Sound war dumpf, die Musik eher schlicht, die Texte viel zu albern. Hardcore-Punk war damals die stärkere Richtung, und auch im Deutschpunk gab es genug zu hören, das mir besser gefiel.

So kann ich die Platte »Das kriegen wir schon hin« heute vor allem als ein Zeitdokument sehen: Da war Punk noch mal kurz davor, so richtig kommerziell zu werden; die Band schmückte sogar die »Bravo« und wurde in dieser immer wieder abgefeiert. Heute kommt einem das seltsam vor, 1986 bis 1989 fanden das viele Leute richtig klasse.

Ich stelle die Platte wieder ins Regal. Schauen wir mal, wie sie in zehn Jahren auf mich wirkt ...

 

11 August 2017

Ideenhändler als künftiger Beruf?

»Mir fällt es schwer, Ideen zu entwickeln«, sagte mir einmal jemand, der gerne Science-Fiction-Kurzgeschichten schrieb. »Ich sitze dann immer da, und mir fällt nichts ein.« Das ist eine Empfindung, die ich tatsächlich nicht nachvollziehen kann. Mein Problem ist eher, dass ich zu viel Ideen habe und diese nicht kanalisieren kann.

Kanalisieren heißt: Die ganze Zeit wird der Kopf mit irgendwelchen Geschichten geflutet – es geht jetzt nicht mal darum, ob die gut oder brauchbar oder sonstwie relevant sind. Die Geschichten sind da, und sie plagen mich, wenn sie nicht aus dem Kopf kommen.

Ich radle mit dem Rad durch den Wald, und ich denke über eine Fortsetzung von »Das blutende Land« nach. Welche Figuren könnten auftauchen, welche Geschichte will ich erzählen?

Ich sitze im Training an irgendeiner Maschine, und mir fallen Szenen aus Afrika ein, aus denen ich Geschichten machen könnte: Militärkontrolle in Burkina-Faso, Geldeintreiber in Kamerun, Tuareg in Algerien, Kiffen in Marokko, Radfahren in Senegal, Geldwechseln in Togo, Elefanten in Sambia ... und so weiter.

Dazu kommen Punkrock-Geschichten, also auch biografisches Zeugs, Fantasy-Geschichten, Ideen für meine liebste Raketenheftchenserie, Konzepte für neue Heftromanserien und so weiter. Es ist eine Flut, die nicht immer genial ist – wirklich nicht –, aber nicht aufhören mag.

Das Hirn ist voll mit Dingen, die sich immer wieder zu neuen Bildern formen. Und wenn ich die nicht aus dem Kopf bekomme, tun sie weh. Weil ich aber dummerweise nicht tagaus, tagein schreiben kann – die meisten Dinge interessieren ja niemanden, wie der bescheidene Erfolg meines Afrika-Buches zeigt –, sondern Geld verdienen muss, frustriert der Ideenstau.

Also bin ich immer mit einem Block und einem Stift unterwegs. Ich notiere mir Ideen, ich schreibe Szenen auf, ich kritzle Dialoge auf Zettel und in Blocks. Dann verschwinden sie vielleicht recht schnell wieder, und zwei Jahre später weiß ich nicht einmal mehr, was die Notizen zu bedeuten haben – aber sie sind aus dem Kopf.

Die Empfindung aber, keine eigenen Ideen zu haben, kann ich nicht teilen. Vielleicht sollte ich doch mal mit einem schwungvollen Ideenhandel anfangen ...