22 Dezember 2014

Pegidioten und Politiker

Seit die sogenannte Pegida-Bewegung durch diverse Städte marschiert, fragen sich Politiker, Medienleute und andere Schlauköpfe, was man gegen die »Nazis in Nadelstreifen« oder die »besorgten Bürger« tun wollte. Der »Spiegel« ließ drei junge Politiker befragen, und die machen zumindest mir klar, dass Politiker gegen die Pegidioten echt nicht die beste Waffe sind.

So stellt sich die Grüne Jugend beispielsweise die Neonazis von heute vor, zumindest wenn man dem Bundessprecher Erik Marquardt laut »Spiegel Online« glaubt: Er hat auf den Demos »nicht nur auf den ersten Blick erkennbare Neonazis« wahrgenommen, was für den »Umgang mit Pegida« nicht wichtig sei. »Denn man muss die Teilnehmer nicht nach ihrer Haarlänge beurteilen, sondern nach ihren Forderungen.«

Schließen wir also folgendes daraus: Ende 2014 zeichnet sich für die Grüne Jugend ein Neonazi durch kurze Haare oder eine Glatze aus. Soviel zum Thema politischer Weitblick im Jahr 2014.

Mit viel Intelligenz ist sicher der aktuelle Bundesvorsitzende der Jungen Union gesegnet. Er ist beunruhigt, und er verurteilt die Veranstalter. Aber: Man müsse »auch vor der wachsenden Salafistenszene warnen dürfen – ohne gleich in eine Ecke mit Pegida-Leuten gestellt zu werden.«

Als ob das eine etwas mit dem anderen zu tun hätte: Salafisten findet jeder halbwegs klar denkende Mensch bescheuert, und wenn man so über diese Fanatiker denkt, befindet man sich in einer Mitte der Gesellschaft, zu der sich 99,99 Prozent der Bevölkerung in diesem Land befinden. Wenn ein Jungunionist so tut, als ob man eben nicht vor der Salafistenszene warnen könnte (warum eigentlich nicht? Die Talkshows sind voll damit.), spielt er genau den Pegidioten in die Hände, die doch glauben, man dürfe «in diesem Land nicht alles sagen«.

Wer allerdings glaubt, dass die Jungsozialisten so richtig schlaue Gedanken zur Pegida haben, irrt. So lässt sich die Bundesvorsitzende Johanna Uekermann bei »Spiegel Online« zitieren: Die Politik müsse nur »konsequent« argumentieren, dann könnte sie sich »vorstellen, dass es mit der Zeit weniger Pegida-Demonstranten werden«. Mir wäre übrigens völlig neu, dass diese Demonstranten für irgendwelche Argumente offenstünden.

Immerhin würden, so die Juso-Dame, die Teilnehmer teilweise »durch Abstiegsängste befeuert, die durch die Prekarisierung der Mittelschicht gefördert wurden«. Anders gesagt: Wer Angst hat, darf gern Nazi werden. Oder wie habe ich das zu verstehen?

Ich gestehe: Wenn ich dem hifllosen Geschwafel der Jungpolitiker zuhöre, möchte ich dem Gerede der erwachsenen Politiker erst recht nicht lauschen.

21 Dezember 2014

Der Hobbit zum Dritten

Weil mich der Drei-D-Quatsch beim letzten Mal streckenweise echt genervt hatte, entschlossen wir uns diesmal, den dritten »Hobbit«-Film konsequenterweise im altmodischen Normalformat anzugucken. Um es vorwegzunehmen: Ich bereute diesen Entschluss keine Sekunde lang, allerdings war dafür im Kino der Sound viel zu leise – obwohl ich darum bat, lauter zu machen, wurde nicht »aufgedreht«, als ob man einen dazu zwingen wollte, künftig in den IMAX-Saal des »Filmpalastes« mit seinem donnernden Sound zu gehen.

Über die Story muss ich sicher nicht so viel erzählen. »Die Schlacht der fünf Heere« hat ermüdend viele Kämpfe, die allerdings sehr gut präsentiert werden. Köpfe fliegen, Orks brüllen, ein zugefrorener See wird zum Schauplatz eines Duells, Elfen fechten und sterben verbittert, hatmlose Fischer sind auf einmal in der Lage, sich gegen kampflüsterne Orks durchzusetzen – und so weiter.

Richtig gut war die Verwandlung des Zwergenkönigs, der vom Gold geradezu besessen ist. In solchen Einstellungen hat »Hobbit 3« glatt etwas aktuell-politisches, ansonsten aber herrscht Eskapismus pur vor. Witzig angelegt war der gierige Berater des Bürgermeisters, der auch nur an sich und sein Geld denkt – das hatte etwas von »anderer Seite der Medaille«.

Ansonsten war der Film zu lang. Ich langweilte mich nicht, aber viele Dialoge erschienen mir zu gedehnt; man merkte zu deutlich, wie sehr die dreißig Seiten Original-Buchvorlage auf zweieinhalb Stunden Kino-Unterhaltung gedehnt werden musste.

Am Ende war ich richtig froh, dass alles rum war. Vielleicht schaue ich mir über Weihnachten die drei Teile des »Herrn der Ringe« noch einmal auf DVD an – nach dem dritten »Hobbit«-hatte ich darauf jetzt wieder richtig Lust.

19 Dezember 2014

Wieder die Herrenhandtasche

Nachdem ich am vorigen Wochenende zum ersten Mal seit vielen Jahren die Punkrock-Band Wizo gesehen habe, wollte ich ein Experiment starten: Wie funktioniert eine Platte, die die Band vor gut zwanzig Jahren eingespielt hat? Wobei von damals eh nur der Sänger geblieben ist und heute zwei andere Musiker mit ihm auf der Bühne stehen ...

Ich hörte mir im Auto die CD »Herrénhandtasche« an, die 1995 erschienen ist. Keine Ahnung, wann die sich zum letzten Mal im CD-Player drehte; es ist sicher mehrere Jahre her. Und ich war positiv überrascht von der Musik, den Texten und der Spielfreude der Band – das ist alles andere als Uffta-Uffta-Deutschpunk, sondern sehr abwechslungsreich.

Okay, so richtig normalen Deutschpunk machten Wizo nie; mir gefielen allerdings stets die krachigen Stücke am besten. Die sind auf der »Herrénhandtasche« eher selten; es sind zwei englischsprachige Stücke enthalten, es gibt eine französischsprachige Coverversion, und es gibt viele Texte über Beziehungen, die gescheitert sind oder gerade scheitern. Witzig sind Telefonanrufe auf Schwäbisch, die außerhalb von Baden-Württemberg nur mit Mühe verstanden werden dürften.

Die Platte ist echt abwechslungsreich. Jedes Stück für sich ist eigenständig, und im Stück selbst wechseln Tempo und Ausrichtung. Wenn ich mich recht zurück erinnere, mochte ich das damals gar nicht so sehr – da stand ich auf die »neue Welle« an Irokesenpunkrockbands, und mir war diese Platte zu melodisch und zu speziell.

Heute sage ich: zehn Stücke (eigentlich nur neun ...), die es in sich haben und die man sich jederzeit anhören kann. Respekt!

18 Dezember 2014

Wenn ein Koch zum Ermittler wird

Den Autor Tom Hillenbrand lernte ich als Redakteur kennen: 2011 schrieb er eine Reportage für die Science-Fiction-Serie, für die ich arbeite, die bei »Spiegel Online« veröffentlicht wurde. Er schenkte mir damals seinen ersten Krimi »Teufelsfrucht« – aber wie das oft so ist, landete er in einem der Stapel ungelesener Bücher, die mein Arbeitszimmer zu einer »Papierhöhle« machen.

Im Sommer 2014 las ich sein »Drohnenland«, den meiner Ansicht nach besten deutschsprachigen Science-Fiction-Roman des Jahres, und dann beschloss ich, endlich den ersten Hillenbrand-Krimi zu lesen. So kam ich mit einer Verspätung von drei Jahren zur unterhaltsamen »Teufelsfrucht«-Lektüre.

Über den Inhalt will ich nicht so viel sagen; das lässt sich auf den einschlägigen Online-Seiten gut nachlesen – dort kann man ja meist auch ein wenig in den Roman hineingucken. Die Geschichte des Kochs Xavier Kieffer, der in der schönen Stadt Luxemburg ein kleines Restaurant betreibt und gegen seinen Willen in einen ungewöhnlichen Mordfall verwickelt wird, lässt sich hervorragend lesen.

Kieffer ist kein echter Antiheld; zwar ist er kein Ermittler, aber er verfügt über genügend Geschick und hat vor allem viele Freunde – so ist es einigermaßen glaubhaft, dass er es schafft, irgendwelchen Finsterlingen zu entkommen oder sich mit einer besonderen Art des organisierten Verbrechens anzulegen. Hillenbrand schildert den Helden mit einem gewissen Augenzwinkern, stellt ihn aber nicht bloß: Sein Detektiv ohne große Erfahrung ist kein Trottel, der durch die Geschichte stolpert, sondern ein schlauer Kerl, der immer mehr Erkenntnisse sammelt.

Besonders gelungen ist das Buch übrigens dann, wenn es Einblicke in den täglichen Wahnsinn eines Kochs schildert: ob das jetzt der tägliche Kampf in der kleinen Restaurantküche ist oder der Wahnsinn einer Showküche – das wirkt alles sehr glaubhaft. Dazwischen werden Rezepte und Küchendetails eingeflochten, die sich amüsant und interessant gleichermaßen durchschmökern lassen. Man muss allerdings darauf stehen, viele Fachbegriffe zu lesen, die dankenswerterweise in einem Anhang erläutert werden.

»Teufelsfrucht« ist der erste Teil einer Serie, von der es mittlerweile mehrere Romane gibt. Ich werde sicher in weitere Teile hineingucken, und ich werde vor allem mit anderen Augen durch Luxemburg gehen, wenn es mich mal wieder in die schöne Stadt an der Alzette verschlägt.

Mein erster Roman zum Fest

Das erste Buch, das ich veröffentlicht habe, war »Vielen Dank Peter Pank«; das ist schon so lange her, dass ich mich kaum noch an die Details erinnere. Da ich aber möchte, dass sich einige Leute das Buch unter den Weihnachtsbuch legen, erzähle ich an dieser Stelle ein wenig darüber.

Der Anfang war in den frühen 90er-Jahren. Das ZAP, veröffentlicht von einem gewissen Michael »Moses« Arndt, erschien regelmäßig als Magazin für Hardcore und ein wenig Punkrock. Und aus einer Bierlaune heraus kam ich auf die Idee, dort einen regelmäßigen Fortsetzungsroman zu publizieren – schließlich machte ich tagaus, tagein nichts anderes, als Fortsetzungsromane redaktionell zu betreuen.

Zu der Zeit erschien das ZAP alle zwei Wochen, dann wöchentlich. Immer donnerstags kam es in die Briefkästen der Abonnenten, und immer war mein Fortsetzungsroman »Vielen Dank Peter Pank« dabei. Er spielte bewusst im Jahr 1986, weil damals eine gewisse Ablösung in der Punk-Szene begann: weg vom klassischen Punk, hin zum modernen Hardcore. Das thematisierte ich immer wieder innerhalb des Romans.

Er kam gut an. Bei den Leserumfragen wurde er gern auf die vorderen Plätze gewählt, und ging ich auf Konzerte, sprachen mich Leute auf die jeweils aktuelle Fortsetzung an. Manchmal reagierte ich auf Vorschläge, manchmal baute ich zeitaktuelle Bezüge ein.

Zeitweise überlegte ich mir, später daraus auf eigene Faust ein Buch zu machen. Darüber sprach ich mit mehreren Leuten – bis eines Tages ein gewisser Klaus Farin zu mir sagte, er wolle einen Verlag gründen. Da würde es gut hineinpassen.

1998 erschien »Vielen Dank Peter Pank« als Roman, mit einem großartigen Layout von Karl Nagel und in einem eher obskuren Format. Diese Ausgabe ist längst vergriffen. 2004 erfolgte eine zweite Version, diesmal in einem schönen Hardcover. Längst gibt es auch ein E-Book, das alles kann man sich über alle einschlägigen Versender und E-Book-Buchhandlungen besorgen – ich empfehle selbstverständlich den direkten Bezug über das Archiv der Jugendkulturen.

17 Dezember 2014

Hirnkost bei Startnext

Ich gehöre zu den Autoren, die Bücher im Verlag des Archivs der Jugendkulturen veröffentlichen konnten. Das finde ich gut, und deshalb finde ich es noch viel besser, dass der Verlag eine Buchreihe plant, die den schönen Titel »Hirnkost« trägt. Derzeit läuft eine Startnext-Kampagne für die neue Reihe, auf die ich hinweisen möchte.

Die neue Reihe soll vor allem junge Leute präsentieren. Ich zitiere: »Gesucht sind zornige, visionäre, euphorische, engagierte Essays zum Thema Jugend(kulturen) von Menschen unter 30«. Dabei geht es heißt es um Sachbücher oder Literatur: »Egal, ob coole Storys, zornige Raps oder avantgardistische Lyrik – es gibt keine einengenden Vorgaben.«

Derzeit läuft die eingangs erwöhnte Startnext-Kampagne; bis zum 30. Dezember 2014 kann man dort das Projekt unterstützen. Der Erlös soll hauptsächlich den jungen Autoren und Autorinnen der zukünftigen Reihe zugutekommen: »Jede veröffentlichte Arbeit wird mit 500 Euro honoriert«, so heißt es in der Ausschreibung.

Als »Dankeschön« erhalten die jeweiligen Unterstützer dann Buchpakete, Graffiti-Entdeckungstouren und vieles Originelles mehr – darunter auch die Möglichkeit, mit den AutorInnen des Verlages was zu veranstalten. Unter anderem kann man sich auch mich ... ähm ... über Startnext »ersteigern«, ebenso aber den Verlagesleiter Klaus Farin (der sehr unterhaltsam und pointiert erzählen und referieren kann) oder den Autor André Pilz, dessen Romane ich sehr schätze.

Zur Kampagne geht es hier.

16 Dezember 2014

Kommunikative Regeln

Man muss Facebook nicht mögen, um da trotzdem Mitglied zu sein – so geht es mir. Womit ich gut klarkomme, sind die üblichen Arten der Kommunikation auf dieser Plattform; was mich aber nervt, ist die Unart, dass ich ständig irgendwelchen Gruppen hinzugefügt werde.

Manchmal sind das Gruppen, die ich gut finde und bei denen ich mich über das Hinzufügen sehr gefreut habe; oftmals aber wundere ich mich. Und weil ich schätzungsweise einmal pro Woche in einer Gruppe lande – ohne das immer gleich zu merken –, von der ich nichts weiß, dachte ich mir, es sei schlau, auf den Umstand mal hinzuweisen, dass man mich doch auch fragen könne.

Als ich dieser Tage also ungefragt irgendwo eingegliedert wurde, schrieb ich – wie neuerdings oft – eine Begründung, bevor ich austrat. Hier meine Begründung: »Ich finde es nicht korrekt, zu einer Gruppe hinzugefügt zu werden, ohne dass man vorher auch nur gefragt wird. Aus diesem Grund trete ich sofort wieder aus, ohne mich um die INhalte der Gruppe zu kümmen.« Bisher dachte ich, das sei höflich und eindeutig genug.

Ausgerechnet der »Schuldige« schien es am ehesten einzusehen: »Ich wollte der Gruppe mehr Mitglieder anwerben und habe Intressierte gesucht«, schrieb er in einem Kommentar. Ein Thomas sah es eher ironisch: »Bitte? Unfreiwillig beigetreten? Sofort eine Selbsthilfegruppe gründen!«

Ein Peter maßregelte mich (wohlgemerkt: nachdem ich aus der Gruppe wieder raus war): »Man könnte alles viel entspannter sehen, wenn man doch nur wollte.« Und: »Aber gleich so aggressiv reagieren...« Später schrieb er noch: »Wieso also aufrtegen? Wems nicht passt - ein Knopfdruck genügt. Aber gleich ein Drama draus zu machen und rumzugiften, find ich nicht gut.«

Dann sprang ihm ein Gerhard bei: »... ich verstehe den Aufstand nicht und halte es einfach nur für Wichtigtuerei!« In einem späteren Kommentar fügte er hinzu, man sollte skeptisch »gegenüber denen hier ... sein, die jetzt ein Drama aus dem Hinzufügen machen wollen«.

Also habe ich es verstanden: Wenn man ungefragt zu Gruppen hinzugefügt wird, tritt man still und leise wieder aus. Man äußert keine Kritik daran, weil das aggressiv ist. Ich habe verstanden und trete demutsvoll den Gang nach Canossa an. Kommunikation ist Ende 2014 nicht mehr so einfach wie früher.

Sprachlos zu Dresden

Manchmal fehlen mir die Worte, und dann bin ich froh, dass sie ein anderer findet. So geht es mir derzeit bei den sogenannten Pegida-Demonstrationen, bei deren Anblick mir die Spucke wegbleibt. Ich kann und will da nicht argumentieren und diskutieren – übrigens genausowenig, wie die braune Brut in Dresden es will.

Da finde ich es einfach gut, wenn ein Politprofi wie Frank Stauss die klare Argumentation für mich übernimmt. Lest einfach selbst seinen Beitrag »Wutbürger der Aufklärung«; ich kann das alles unterschreiben. Vor allem sein klares Fazit finde ich eindeutig: »Braune Brut von Dresden: Ihr seid die Schande Deutschlands.«

So.

15 Dezember 2014

Wizo mal wieder

In den späten 80er- und frühen 90er-Jahren zählte Wizo zu den Bands, die ich immer wieder sah. Die Jungs aus Sindelfingen spielten sich auf zahlreichen Bühnen den Hintern ab, und bei den Konzerten herrschte meist richtig gute Stimmung.

Als ich am Freitag, 13. Dezember 2014, nach Stuttgart fuhr, um das Abschiedskonzert der Band bei der diesjährigen Tour zu sehen, war ich entsprechend gespannt. Wie würde die Band nach all den Jahren ankommen, welches Publikum würde mich erwarten?

Das Publikum erschien zahlreich; keine Ahnung, wie viele Leute in das »LKA« passen – aber es dürften um die 2000 Besucher gewesen sein. Viele Jugendliche waren da, aber ich sah auch genügend Leute aus der ersten Wizo-Generation; das Durchschnittsalter lag irgendwo um die 25, die Stimmung war von Anfang an positiv.

Ich verpasste die erste Band, weil ich Bekannte und Freunde begrüßen konnte, und bekam dadurch erst Schmutzki mit. Die junge Band aus Stuttgart machte deutschsprachigen Punkrock mit rotzigen Texten und einem Schuss Melodie; sonderlich politisch wirkten die drei nicht, aber auf der Bühne kamen sie überzeugend rüber. Und sie brachten den Mob schon gut zum Toben.

Dann aber Wizo: Vom ersten Ton an wurde eifrig mitgesungen, die Stimmung schwappte von der Bühne ins Publikum und zurück. Die drei Herren auf der Bühne kamen aus dem Grinsen kaum heraus, Sänger Axel sabbelte so viel Unfug wie früher, und im Saal tobte die ganze Zeit ein fröhlicher Pogo-Mob vor sich hin.

Das war alles in allem ein richtig großes Punkrock-Kino, musikalisch fast perfekt serviert und mit einer Rocktheater-Ästhetik: für meinen Geschmack eigentlich zu viel des Guten, an diesem Abend aber passten sogar Stroboskop und sonstige Licht-Elemente. Das Publikum sang bei eher albernen Stücken wie »Bleib tapfer« ebenso mit wie beim hochpolitischen »Kopfschuss« – wobei ich nicht weiß, wer heutzutage noch weiß, was anno dunnemals auf einem Provinzbahnhof in Bad Kleinen geschehen war.

Keine Ahnung, wie viele Zugaben die Band aus Sindelfingen unterm Strich dann spielte. Es dauerte auf jeden Fall lang, bis sie von der Bühne gehen konnte und das Publikum den Saal verließ; die meisten breit grinsend und mit glücklich wirkenden Gesichtern. Ein absolut gelungener Abend!

14 Dezember 2014

Offspring und ihr Ignition

Ist es noch Punk, wenn eine Band von ihrer Platte einige hunderttausend Exemplare verkaufen kann? Vor über zwanzig Jahren wurden solche Fragen in der Szene heiß diskutiert. Bands wie Green Day und Offspring konnten auf einmal irrsinnige Verkaufszahlen erzielen, und mit einem Schlag kam haufenweise schreckliches Volk auf die Punk-Konzerte.

Ich hörte dieser Tage wieder einmal die Platte »Ignition« von Offspring, die 1992 erschienen war; sie war der kommerzielle Durchbruch für die Band, die davor eine eher unbekannte Langspielplatte und eine sehr kleinauflagige Single veröffentlicht hatte. Und ich kann sagen: Die Platte kann man heute noch unbesorgt anhören, sie ist gut, und es ist mir im Nachhinein völlig egal, dass neben mir weitere 650.000 Leute diesen Tonträger erstanden haben.

Die Band hatte einen eigenständigen Stil, der sich bei dieser Platte besonders intensiv herauskristallisierte: schnelle Rhythmen, vorangetrieben durch ein hektisches Schlagzeug, darüber die auffallende Stimme des Sängers, der nicht nur brüllte, sondern auch zu singen verstand. Knallige Hits findet man auf der Platte gar nicht so sehr, da gab's zu der Zeit bessere Bands – aber die Stücke sind einprägsam und gehen ins Ohr.

Auffallend ist eines: Nicht alle Stücke sind »so richtig Punk«; bei manchen hat man das Gefühl, dass die Jungs aus dem Orange County zu der Zeit auch versuchten, die Einflüsse von Grunge in ihren Stücken zu verarbeiten. Manchmal wird echt das Tempo rausgenommen, wird verzweifelt aufgeschrieen, sieht man die langen Haare und karierten Hemden von den damals populären Bands aus Seattle – das war mir 1992 nicht so aufgefallen.

Hin wie her: gute Platte. Sollte man kennen – auch wenn man melodischen Kommerz-Punk made in den USA nicht so mag ...

13 Dezember 2014

Gackerhühner

Da wollten wir relativ spontan an einem Abend in ein »vernünftiges« italienisches Restaurant in Karlsruhe gehen, was sich als gar nicht so einfach erwies: Vor Weihnachten waren die guten Restaurants alle weitestgehend ausgebucht. Aber wir fanden doch noch ein Plätzchen zu dritt, ein wenig eingekeilt zwischen zwei Firmenweihnachtsfeiern.

Und da war was los! Zumindest an dem einen Tisch, eine zusammengeschobene Reihe von Tischen, um es genauer zu sagen. Ein grauhaariger Mann im Anzug, aber ohne Krawatte, dazu fast zwei Dutzend Frauen unterschiedlichen Alters, alle eher schick gekleidet. Sie sprachen alle durcheinander ...

Je länger der Abend dauerte, desto lauter und lustiger wurden die Damen. Es war ein einziges Gegacker, lustig und laut, und mein Problem war nur, dass ich nicht mitbekam, worüber die Damen lachten. Es wirkte nicht einmal unsympathisch, aber ich verstand buchstäblich mein eigenes Wort nicht mehr.

Um es kurz zu machen: Es war anstrengend. Ich belohnte mich nach dem leckeren Essen mit einem Grappa, was nicht reichte. Aber mir wurde wieder klar, dass Weihnachten für viele Menschen eine echt anstrengende Zeit ist und dass die schon Wochen davor anfängt ...

12 Dezember 2014

Kritischer Blick auf die Vermarktung der Jugend

Wenn ein erfahrener Jugendforscher wie der Wiener Bernhard Heinzlmaier einen Blick auf die »Jugend von heute« wirft, kann man davon ausgehen, dass er nicht bei den üblichen Klischees stehen bleiben wird. Sein Buch »Performer Styler Egoisten« ist extrem kritisch, sieht die Jugendlichen in einem System von Marktabhängigkeiten und gibt dem Leser eine Reihe interessanter Einblicke.

Der Untertitel zeigt, dass Heinzlmaier Jugendliche sehr differenziert betrachtet – und vor allem anders als beispielsweise die meisten Journalisten: »Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben«. Heinzlmaier geht durchaus wissenschaftlich vor, zitiert Soziologen und Psychologen, vergleicht Ökonomie und Sozialwissenschaften, schreibt über den Postmaterialismus und andere Dinge – das alles aber stets im Blick darauf, was aktuelle gesamtgesellschaftliche Entwicklungen mit Jugendlichen zu tun haben.

»Die Jugend lebt in einer Selbstdarstellungsgesellschaft, in einer Gesellschaft, in der die Form vor dem Inhalt kommt«, so Heinzlmaier. »Der ästhetische Schein bestimmt das Bewusstsein.« Jugendliche versuchen seit Jahrzehnten, sich über optische Kodes auszudrücken; sie tragen spezielle Kleidung, sie hören möglichst individuelle Musik, sie ordnen sich gleichzeitig freiwillig in Jugendkulturen ein, in der es festgelegte Rituale gibt.

Doch die Freiheit von Jugendlichen wird längst durch die Gesetze des Marktes eingeschränkt. Sie werden in der Schule reglementiert und in der Universität oder Lehre auf ein geregeltes Leben vorbereitet, das eigentlich keine echte Freiheit mehr zulässt. Heinzlmaier spricht von »ängstlichen Kreaturen«, sieht in der »Jugend von heute« eine, die ohne Rebellion und Widerstand auskommt.

Der Jugendforscher argumentiert sehr direkt und durchaus radikal, er verweist auf den Wertewandel in der Gesellschaft und vergleicht dies mit früheren Zeiten. In einer Gesellschaft, die den Regeln des Marktes alles unterordnet, wären eigentlich Jugendproteste zu erwarten, sind diese aber nur jeweils ein kurzes Aufflackern, bevor sie vom »Mainstream« aufgefressen werden.

Heinzlmaiers Aussagen muss man nicht zustimmen, er treibt seine kritische Argumentation oft auf die Spitze, zusätzlich angereichert durch wissenschaftliches Vokabular mit vielen Fremdwörtern. Gleichzeitig bleibt er ironisch, regt damit zum Nachdenken an. Die Lektüre ist nicht immer einfach, man muss dranbleiben und darf sich nicht von mancher komplexen Formulierung abschrecken lassen.

Mit »Performer Styler Egoisten« legt der Autor ein Sachbuch vor, das ich vor allem jenen Leuten empfehlen möchte, die entweder beruflich – als Lehrer oder Sozialarbeiter – oder durch die Familie – als Eltern beispielsweise – mit Jugendlichen zu tun haben. Möglicherweise erlaubt die Lektüre einen kritischen Blick auf das Verhalten der anderen, aber auch auf das eigene Verhalten ...

Erschienen ist das Buch als schickes Hardcover, das man gern in die Hand nimmt. Es umfasst 196 Seiten und kostet 18 Euro; mithilfe der ISBN 978-3-94377443-6 kann man es in jeder Buchhandlung bestellen. Das Buch ist selbstverständlich auch als E-Book erhältlich, in dieser Version kostet es 9,99 Euro. Wer mag, kann es direkt über den Shop des Archivs der Jugendkulturen bestellen.

Hinweis auf das Garoua-Tier

Es gibt Autoren und Gelegenheitsschriftsteller, die verbringen viel Zeit damit, Eigenwerbung für ihre eigenen Bücher zu machen. Da möchte ich nicht zurückschrecken und endlich mal wieder Werbung für eines meiner Bücher zu machen. Das ist zwar schon einige Jahre im Handel – aber irgendwie wurde es nie ein Bestseller. Okay, das könnte vielleicht am sperrigen Thema liegen, aber ich versuche zumindest mal wieder, an dieser Stelle darauf hinzuweisen.

Es handelt sich um »Das Tier von Garoua«, eine Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen, die sich allesamt mit Afrika beschäftigen. Das Buch erschien in der Reihe »Abenteuer Alltag« des Dryas-Verlages, und es war eines der ersten Titel des mittlerweile größer gewordenen Verlages. Der Verlag hat es sowohl in gedruckter Form als auch in Form eines E-Books veröffentlicht.

Ein Auszug aus der Information:

In Garoua, der Stadt im nördlichen Kamerun, ist die Hitze so mörderisch, dass jeder vernünftige Einheimische – und auch jeder der schätzungsweise vier Touristen im Umkreis von hundert Kilometern – im Schatten bleibt. Nur der von der Hitze benebelte Reisende zieht gleich morgens los, um das mysteriöse »Tier von Garoua« zu sehen …

Erzählungen und Kurzgeschichten lassen verschiedene Länder Afrikas lebendig werden, die der Autor seit den späten 80er Jahren besucht hat. »Das Tier von Garoua« ist kein Reiseführer, sondern eine Einladung, einen Blick in den von den Medien häufig ignorierten Kontinent Afrika zu werfen.

Über Jahre hinweg bereiste der Autor immer wieder Afrika: Er bewegte sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, per Anhalter oder mit dem Rad durch unterschiedliche Regionen des Kontinents – und begegnete den Menschen so »auf Augenhöhe« und nicht aus der abgeschiedenen Sicherheit eines klimatisierten Reisebusses oder eines Strandhotels. Ein faszinierendes Lesevergnügen, eine Reise in einen Alltag, der weit entfernt ist vom täglichen Leben in Mitteleuropa!

Soviel zum Inhalt. Wer das Buch kaufen kann, bekommt es in jeder Buchhandlung; ich nenne sicherheitshalber den Amazon-Link für das Taschenbuch sowie das E-Book. Wer lieber Independent einkaufen möchte, dem empfehle ich Beam.

11 Dezember 2014

Die Klasse von 1994 ist fertig

Die Kurzgeschichte »Die Klasse von 1994« ist wieder einmal ein Beleg dafür, wie lange ich manchmal an Texten arbeite. Ausgangspunkt für die Geschichte, die im Punk-Milieu von Karlsruhe spielt, war eine Notiz, die ich bereits 2013 in meinem Blog machte. Und schon damals überlegte ich mir, dass ich auf Basis dieser Notiz auch eine Geschichte für mein geplantes Buch mit Punk-Geschichten machen könnte.

Es sollte bis zum 25. Februar 2014 dauern, bis ich mit der eigentlichen Geschichte beginnen konnte. Dann lag sie wieder eine Weile unberührt auf meiner Festplatte herum, bis ich am 8. April wieder an den Text ging; meine Notizen verzeichnen, dass ich an diesem Tag auf einen Gesamtumfang von 18.628 Anschlägen kam.

In der Rohfassung fertig wurde sie dann am 25. Mai; ich ließ sie liegen und arbeitete erst wieder am 4. und 5. Dezember an dem Text. Nach der mehr oder weniger gründlichen Bearbeitung umfasste die Geschichte dann 21.636 Anschläge.

Dann war sie in meinen Augen soweit fertig, dass ich sie für das geplante Buch verwenden konnte. Wobei mir klar war, dass vor dem eigentlichen Arbeiten an dem Buch sowieso noch ein »richtiges« Lektorat über all meine Texte gehen muss ...

10 Dezember 2014

Das junge Gesicht der Revolution

Auch wenn ich die Romane zu »Die Tribute von Panem« nicht gelesen habe, fand ich die Verfilmungen bisher ganz gut. Das lag sicher an der Schauspielerin Jennifer Lawrence, die in ihrer Mischung aus zerbrechlicher Jugendlicher und rotziger Heldin überzeugte, die keine langweilige Hollywood-Schönheit ist, sondern ein wenig den Charme von »Girl Next Door« ausstrahlt.

Entsprechend neugierig ging ich in den vierten Teil der Serie, de als »Mockingjay Teil 1« derzeit in den Kinos läuft. Die Unart, den dritten Teil einer Trilogie in zwei Teile zu gliedern, um den Fans noch mehr Geld aus den Taschen zu ziehen, finde ich ein wenig dreist – aber gut, man ist heutzutage ja schon einiges gewöhnt.

Auf die Handlung will ich nicht in epischer Breite eingehen; dazu gibt es im Internet genügend Inhaltsangaben. Ich fand den grundsätzlich-emotionalen Konflikt spannend: Da ist ein Mädchen, das wegen seiner früheren Leistungen von den Rebellen als Ikone für anstehenden Volksaufstand eingesetzt werden soll, das aber eigentlich nur den Geliebten wiederhaben möchte, der als Gefangener vom Feind in die Propagandaschlacht geführt wird.

In der Zukunft der »Hunger Games« gibt es Propaganda an allen Fronten. Die junge Heldin wird vor Trümmern gefilmt, sie singt dann ein Lied, das zum Schlachtruf für die Rebellion wird. Zu Hunderten fallen angreifende, waffenlose Rebellen unter den Schüssen von Soldaten, während sie das Lied ihrer Heldin singen – das ist eine ziemlich gruselige Vorstellung ...

Wenig kritisiert der Film den Fanatismus, der auch auf Seiten der Rebellen herrscht. Gut und Böse sind klar getrennt, sogar im Krieg der Propaganda-Maschine ist klar, wer wirklich finster ist. Aber vielleicht erwartete ich da zuviel.

»Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1« ist tatsächlich spannende Kino-Unterhaltung, die erstaunlich schlau gemacht ist. Problematisch ist höchstens, dass man – um diesen Film zu verstehen – mindestens einen der vorherigen zwei Filme gesehen haben muss. Aber die echten Fans haben das ja eh getan ...

09 Dezember 2014

Deutschpunk in den Neunzigern

Wenn man sich so überlegt, wen man als relevante Deutschpunk-Kapelle bezeichnen möchte, landet man ruckzuck bei den Bands der frühen 80er-Jahre. In dieser Zeit hatte dieser Stil seine erste Blütezeit; Geld verdienen konnten die Bands mit Punk aber erst in den 90er-Jahren, und in dieser Zeit gab es genug gute Musik.

Aus diesem Grund widmete ich meine Radiosendung am Sonntag, 7. Dezember 2014, im örtlichen Radiosender Querfunk (Freies Radio Karlsruhe) eben dem Deutschpunk der 90er-Jahre. Dabei hatte ich mit Wizo und der Terrorgruppe die wohl populärsten Bands dieser Epoche.

Aber wenn wir schon dabei sind, schrecken wir vor schlimmem Funpunk wie den Schröders ebenso wenig zurück wie vor den – damals schon – alten Herren von Daily Terror. Als echte Perle hatte ich Sexton & The Frusties an Bord, aus denen später Muff Potter hervorgehen sollten; das war echt ein Kracher.

Eher intellektuell waren dann Best Before oder Wishmopper, die schon einen leichten Emo-Einschlag hatten. Plumper dagegen wirkte der Radaupunk von Popperklopper. Alles in allem ein hübscher Deutschpunk-Querschnitt, wie ich finde ...

Die Unsterblichen redigieren

Da ich heute Geburtstag habe – und das ist jetzt kein besonderer Hinweis darauf, mir haufenweise Gratulationen zu schicken –, erlaube ich mir, auf ein Buch hinzuweisen, das im vergangenen Jahr zu meinem fünfzigsten Geburtstag erschienen ist. Zusammengestellt wurde es von Frank G. Gerigk, verlegt wurde es von Michael Haitel in seinem Verlag p.machinery; der Titel des Werkes lautet »Der die Unsterblichen redigiert: Klaus N. Frick zum Fünfzigsten«.

Zu meinem Geburtstag gab es damals haufenweise an Texten: einige Artikel, durchaus mit kritischem Unterton, einige Kurzgeschichten, einige Illustrationen, alles in allem eine sehr schöne Mischung, die mir schmeichelte. Ich war bei der Lektüre des Buches echt gerührt – und mein Geschenk an mich ist am heutigen Tag, auf dieses Buch hinzuweisen und seine Lektüre zu empfehlen.

Zu bestellen ist es direkt über die Internet-Seite des Verlages oder über die Seite von diversen Versendern, etwa Amazon.

08 Dezember 2014

Ein Gefühl wie 1966

Dass ich »Batman«-Comics mag, erzähle ich bei jeder Gelegenheit. Und weil ich so ein Fan bin, kaufe ich mir nicht nur die deutschen Übersetzungen, die in Form der Hefte erscheinen, sondern auch einen großen Teil der Sonderproduktionen. Zu diesen zählte die Ausgabe 88 der Reihe »DC Premium«, in der jetzt der erste Band von »Batman '66« erschien.

Der Titel klingt nicht nur seltsam, der Inhalt ist es auch: Der Comic-Autor Jeff Parker schnappte sich einen Haufen von Zeichnern und ging mit diesen bewusst auf eine Zeitreise ins Jahr 1966. Damals erschienen in den USA die 120 Teile umfassende »Batman«-Fernsehserie sowie ein erster Kinofilm mit dem »Dunklen Ritter« in der Hauptrolle. An diese Zeit erinnern die Geschichten in »Batman '66«.

Man muss fairerweise sagen, dass die Absicht des Kreativ-Teams geglückt umgesetzt worden ist: Die Geschichten um Batman und Robin, um Batgirl und den Commissioner Gordon, die gegen allerlei Feinde in Gotham City antreten, aber auch mal nach London reisen – in Verkleidung mit einem Linienflugzeug ... –, sind allesamt herrlich nostalgisch.

Zeichnerisch sind sie teilweise quietschebunt, weit entfernt von dem Pseudo-Realismus, der heute auch bei amerikanischen Superhelden-Comics vorherrscht. Weit aufgerissene Münder, wilde Action-Szenen, völlig überdrehte Perspektiven: Der Blick in die 60er-Jahre ist zeichnerisch ebenso geglückt wie inhaltlich. Die Geschichten sind nämlich alle sehr kurz und knapp, nach wenigen Seiten ist jeweils der Gegenspieler besiegt.

Andererseits macht das die Lektüre der Geschichten zeitweise ein wenig anstrengend. Wer wie ich die heutigen »Batman«-Geschichten mag, hat womöglich seine Probleme mit dem grellbunten Stil der frühen Jahre, den dieses Paperback beschwört. Ich brauchte echt lange, um die 180 Seiten zu lesen – dieser alte Kram ist dann doch nicht so ganz mein Geschmack.

Wobei er eine gewisse Coolness hat, die ich nicht beschreiben kann. Ach, möge sich doch jede/r selbst eine Meinung bilden. Dankenswerterweise hat Panini auf seine Internet-Seite auch eine kostenlose Leseprobe zu bieten ..

07 Dezember 2014

Ein Plus für die SF

Ob die Science Fiction am Ende sei ... diese Frage wird immer mal wieder diskutiert. Das Genre scheint auserzählt, die Verkaufszahlen wirken nicht mehr so groß zu sein wie früher, und in den Buchhandlungen findet man nur eine überschaubare Menge an Science-Fiction-Titeln. Gejammert wird derzeit viel.

Die Diskussion über das angeblich tote Genre führt aber meiner Ansicht nach in eine falsche Richtung. Es sieht eigentlich alles viel besser aus.

Die Science Fiction funktioniert im Kino und im Fernsehen. Zeitkritische Serien wie »Person Of Interest«, die ununterbrochen Beliebtheit für »Star Trek« und beeindruckende Kino-Epen wie »Interstellar« beweisen das. Meiner Ansicht nach ist das Genre sehr lebendig; die bewegten Bilder beweisen das.

Im gedruckten Medium funktioniert die Science Fiction ebenfalls. »The Circle« von Dave Eggers landete auf den Bestsellerlisten, und »Drohnenland« vom Tom Hillenbrand erwies sich als ein hellsichtiger und spannender Zukunfts-Thriller. Und dass eine gewisse Romanheftserie mit ihren Ablegern, für die ich redaktionell verantwortlich bin, immer noch existiert, spricht nicht dafür, dass das Genre Science Fiction am Ende ist ...

Schaue ich mir die E-Books an, wird es noch spannender. Der Markt ist voller Science Fiction – nicht nur im Selfpublishing, sondern auch darüber hinaus. Es gibt neue SF-Serien, die nur als E-Book erscheinen und qualitativ nicht schlechter sind als professionelle Heftromanserien. Im englischsprachigen Raum sind E-Books sowieso ein wichtiger Ideentreiber in punkto Science Fiction, und das werden wir bald hierzulande ebenfalls haben.

Die Science Fiction ist nicht tot. Die Kritik an der Science Fiction ist es, die dafür sorgt, dass das Genre oft altmodisch und rückwärtsgewandt wirkt. Die Science Fiction ist eine Literaturgattung, an der wir auch in zehn Jahren noch viel Freude haben werden.

06 Dezember 2014

Politische Erdbeben

Die Medien im deutschsprachigen Raum überschlagen sich wegen der Tatsache, dass in Thüringen künftig ein Mitglied der Linkspartei als Ministerpräsident amtieren wird. Manche wittern schlimme Gefahren, einige panische Menschen sehen die Rückkehr der SED und ihrer Machenschaften. Ein politisches Erdbeben ersten Ranges also ...

Viel intensiver ist aber das politische Erdbeben im Südwesten. In der sozialistischen, ähm, ehemals christdemokratischen Einheitspartei für Baden, Württemberg und das bisschen Hohenzollern – aus diesen Teilen besteht bekanntlich Baden-Württemberg – gab es zum ersten Mal seit gut fünfzig Jahren so etwas wie demokratische Wahlen.

Die Mitglieder konnten darüber entscheiden, wer bei der nächsten Landtagswahl als Spitzenkandidat gegen den derzeitigen Ministerpräsidenten Kretschmann antritt. Dessen Sieg vor zwei Jahren galt ebenfalls als politisches Erdbeben – zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wurde ein Grüner zum Ministerpräsidenten gewählt. Zudem einer, der in seiner Jugend als Maoist aufgefallen war, sich aber ansonsten als schwäbischer Superchrist präsentierte.

Das nächste Erdbeben markierte danach die Tatsache, dass die meisten Badener und Schwaben, Franken und Alemannen, Kurpfälzer und Hohenzollern mit dem guten Kretschmann ganz gut leben können. Die Zustimmung zu ihm ist extrem hoch – dabei wähnten die Christdemokraten noch bei seiner Wahl, der Satan persönlich ziehe ein in die Staatskanzlei.

Und jetzt? Die CDU wählt demokratisch. Erstmals wird ein Spitzenkandidat nicht ausgekungelt, sondern demokratisch an die Spitze gestellt. Wenn das kein Erdbeben ist ... da verblasst ein aus dem Westen gekommener, nun in einem »Ostland« regierender Linker doch völlig.

05 Dezember 2014

Ernst Wurdack als »Großer Player«

Der »BuchMarkt« zählt seit gut zwanzig Jahren zu meiner monatlichen Pflichtlektüre; in der aktuellen Ausgabe vom Dezember 2014 gibt's ein »Special« zu den Themen »Krimi, Thriller, Fantasy«. Es spricht für die Sachkenntnis der »BuchMarkt«-Redaktion sowie den Stellenwert, den die phantastischen Genres derzeit haben, dass die Science Fiction der Einfachheit halber zur Fantasy gezählt wird ...

Aber immerhin findet sich auf Seite 89 ein schönes Porträt des Verlegers Ernst Wurdack und seines Wurdack-Verlages. Unter dem Titel »Von der Space Opera zum Eifel-Krimi« wird der umtriebige Verleger präsentiert; unter anderem kommen die »Mark Brandis«-Romane zu Wort, die im Artikel als »die neben Perry Rhodan erfolgreichste Science Fiction-Buchreihe« bezeichnet wird. (30 Bände »Mark Brandis« gegen fast 900 ATLAN-Heftromane, einige Dutzend Taschenbücher sowie 45 Hardcover-Bände ... hm.)

Trotzdem finde ich das gut: Ernst Wurdacks Verlag hat sich im Verlauf der vergangenen Jahre schön entwickelt. Und dass der »BuchMarkt« das würdigt, freut mich. Gratulation an den Kollegen!

04 Dezember 2014

Bundesakademie im Jahr 2015

Es ist schon wieder einige Tage her, seit ich das Jahresprogramm 2015 der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel erhalten habe – wie das aber oft so ist, lag es einige Tage bei mir herum, bis ich endlich dazu kam, es genauer zu lesen. Wie immer bin ich sehr davon angetan.

Nicht nur deshalb, weil ich bei zwei Seminaren als Co-Dozent an Bord bin. Im Mai erzähle ich was zur »phantastischen Kurzgeschichte«, der Titel ist »Klassische Ideen neu interpretieren«. Im November dann geht es zu »In der Meisterklasse«; da werden Kathrin Lange und ich einiges über den phantastischen Roman an den Mann oder an die Frau bringen.

Das ist nicht alles, das Literatur-Programm steckt mit vielen weiteren spannenden Themen bis an den Rand voll. Es gibt beispielsweise eine »Werkstatt Liebesgeschichte«, was mich tatsächlich interessieren würde – schreibe ich selbst, habe ich große Probleme, in meine Texte die »großen Gefühle« zu schildern.

Oder es gibt eine »Werkstatt journalistisches Schreiben« – damit habe ich vor dreißig Jahren angefangen, aber eine Auffrischung bisheriger Erkenntnisse würde nicht schaden. Darüber hinaus werden Seifenopern thematisiert, man lernt einiges über sogenannte Pageturner, oder die Literaturkritik selbst steht im Zentrum eines eigenen Seminars.

Eigentlich könnte ich in jedem Monat einmal nach Wolfenbüttel fahren, so viele interesante Seminare werden angeboten. Wie in jedem Jahr nehme ich mir vor, wenigstens einen zusätzlichen Besuch in der Stadt abzustatten; für 2015 steht es auf jeden Fall fest auf meinem Wunschkalender. Über das Thema »gute Vorsätze« möchte ich dann andermal lästern ...

03 Dezember 2014

Unter dem Baldachin

Die Kurzgeschichte »Unter dem durchsichtigen Baldachin« schrieb ich am 5. Oktober 1981; zumindest steht dieses Datum über dem Text. Veröffentlicht wurde die Geschichte nie, wenn ich mich recht erinnere – was bislang auch besser war. Der Text liest sich nämlich streckenweise echt anstrengend.

Der Ich-Erzähler, mit dem die Geschichte beginnt, ist selbstverständlich nicht mit dem Autor identisch, und es wird erst im letzten Drittel klar, dass er seine Geschichte einem jungen Mann erzählt, der im Krankenhaus liegt. Die erzählerische Klammer schließt sich erst am Ende.

Was vielleicht ein wenig künstlerisch wirkt, war damals aber reiner Zufall. Ich verband den realen Motorradunfall eines Schulfreundes, der sich nie so abgespielt hatte wie in der Geschichte beschrieben, mit erfundenen Begegnungen und Abenteuern, um am Ende doch eine eigenständige Geschichte zu haben.

Gedacht war der Text für die Kurzgeschichtensammlung »Wolf im Schafsstall«, die ich 1981/82 zusammenstellte. Sie erschien nie, und gut die Hälfte der Texte ist verschollen. Bei manchen bin ich traurig, bei den meisten ist es egal.

»Unter dem durchsichtigen Baldachin« fiel mir dieser Tage wieder in die Hände, als ich nach alten Texten von mir fahndete. Wegwerfen werde ich den Text auf keinen Fall; vielleicht ist er etwas für die »Sammlung unveröffentlichter Frick-Texte«, einen Literaturpreis werde ich damit aber ebensowenig gewinnen ...

02 Dezember 2014

Hinein ins Okkulte und Magische!

Die Hörspielserie »Detektei Sonderberg & Co.« spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Düsseldorf; dabei berücksichtigt Dennis Ehrhardt als Autor und Hörspielmacher stets die wissenschaftlichen und sozialen Gegebenheiten dieser Zeit. Der Spiritismus darf dabei nicht fehlen – dieser blühte vor allem in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in verschiedenen europäischen Ländern.

Im fünften Fall der Serie, der den schönen Titel »Detektei Sonderberg & Co. – und das psychomagnetische Experiment« trägt, bekommen es Dr. Friedrich Sonderberg und seine Assistentin Minnie Cogner mit dem mysteriösen Professor Terrano zu tun. Dieser bezeichnet sich als Magnetiseur und behauptet, mithilfe seiner wissenschaftlichen Methoden einen direkten Kontakt zum Jenseits herstellen zu können.

Die Séancen, bei denen der angebliche Professor unter anderem mit Galileo Galilei direkt zu konferieren pflegt, verlaufen für einige der Beteiligten höchst erfolgreich: Die Damen können mit ihren verstorbenen Männern sprechen oder zumindest eine Botschaft von ihnen erhalten. Dass am Ende der Sitzung immer wertvoller Schmuck fehlt, gehört dazu; anscheinend benötigt man irgendwelche teuren Gegenstände, um den Kontakt zum Jenseits herzustellen ...

Wie immer ist die Handlung der aktuellen »Sonderberg«-Folge höchst unterhaltsam gestaltet. Da die Zaubermond-Mannschaft immer wieder neue Wege geht, wird die Handlung diesmal ein wenig verschachtelt erzählt – mit allerlei Rückblicken, die aber für die Zuhörer gut verständlich sind. Und wenn der Zuhörer dann mitraten kann und vor allem seine Spürnase vor den Hauptfiguren hat, macht das doppelt Spaß.

Die Sprecher machen ihre Arbeit hervorragend, die Geräusche sind stimmig, und die Art und Weise, wie Sonderberg auch diesen Fall löst, ist sehr unterhaltsam. Ganz nebenbei gibt es wieder einen Einblick in das Leben in einer Großstadt am Ende des 19. Jahrhunderts: Da gibt es verwitwete Gräfinnen, die ihr Dasein in einer kleinen Wohnung fristen müssen, da herrschen Standesdünkel und klare Klassenunterschiede vor.

Alles in allem überzeugt mich auch dieser »Sonderberg«-Teil. Schade ist, dass Zaubermond nicht mehr dieser gelungenen Hörspiele produzieren kann – dann muss ich wohl einfach noch mal alle Teile von Anfang an und in der »richtigen Reihenfolge« hören ...

01 Dezember 2014

Interstellares Gucken

Wie es sich für einen Science-Fiction-Fan gehört, war ich nun endlich in dem großen Kinofilm »Interstellar«. Und wieder einmal habe ich feststellen müssen, wie nervig es sein kann, wenn man zuvor zu viel über einen solchen Film gelesen hat: Den größten Teil der sogenannten Kritik an diesem Film empfand ich als unnötig und überzogen – mein Spaß wäre sicher größer gewesen, wenn ich das alles vorher nicht gewusst hätte.

Die Handlung ist sicher allgemein bekannt und muss hier nicht lange wiedergegeben werden. Wer nicht genau Bescheid weiß, möge bei der Wikipedia oder auch bei einer seriösen Quelle nachschauen; mir fiele auf Anhieb keine wirklich seriöse Quelle ein. Die Geschichte eines Astronauten, der mittlerweile Farmer ist, dann den geheimen Stützpunkt der NASA findet und schließlich mit einem NASA-Raumschiff in eine andere »Galaxie« – oder eher einen anderen Sektor unserer Galaxis? – vorstößt, ist spannend erzählt und richtig toll bebildert.

Über manche physikalische Details möchte ich mir gar keinen Kopf zerbrechen. Für meinen Geschmack wurden bekannte Theorien zu oft »gebogen«, als dass mich die Produzenten an diesen Stellen überzeugt hätten. Sie überzeugten mich stattdessen durch tolle Bilder und durch eine Geschichte, die emotionale Höhepunkte hatte und die Weltraumfahrt so realitätsnah wie möglich darstellte.

Das Ende von »Interstellar« deutet eine mögliche Fortsetzung an. Ich hoffe, dass es keine gibt – denn so könnte der Film als ein richtig starker Einzelfilm stehen bleiben, als ein Film, der zeigt, wie man im Jahr 2014 die Science Fiction präsentieren kann: erwachsen und intelligent, ohne alberne Monster und witzige »Sidekicks«. 

28 November 2014

Zwischen Kabarett und Theater

Ich kannte Christine Prayon bisher nur von ihren Auftritten in der »heute show« her. Entsprechend gespannt war ich auf ihren Auftritt, den sie am Donnerstag abend, 27. November 2014, im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim absolvierte. Übrigens in einem vergleichsweise kleinen Saal – ich schätze, dass rund 120 Personen anwesend waren.

Den ersten Teil ihres Programms bestritt die Schauspielerin und Komikerin damit, dass sie aus »unveröffentlichten Werken« vorlas. Dazu zählten Briefe einer jungen Frau ebenso wie Einblicke ins Geschäft mit der Pornografie; mal haarsträubend absurd, dann wieder schräg und schenkelklopfer-witzig. Das war kein reines Kabarett-Programm, das mutete streckenweise eher wie einen Lesung der besonderen Art an.

In der zweiten Hälfte des Programms zog sich Christine Prayon auf der Bühne mal mehr oder weniger um und aus, natürlich nicht komplett. Sie wechselte zwischen schnellen Sketch-Nummern und einer Gedichte-Lesung zurück zu einer Carla-Bruni-Veräppelung und zu einem intellektuellen Seiltanz über das Thema Feminismus.

Der Beifall war reichlich, die Verblüffung im Publikum immer wieder auffällig. Auch ich saß bei mancher Kabarett- oder Schauspiel-Nummer da und überlegte mir, ob ich jetzt schallend lachen oder irritiert den Kopf schütteln sollte. Der Humor war schnell, oftmals von der subtilen Sorte, dann aber auch wieder schreiend blöd.

Selten habe ich ein so abwechslungsreiches und verblüffendes Programm auf der Bühne gesehen. Streng genommen präsentierte Christine Prayon ein Ein-Frau-Stück mit Lesung und kabarettistischen Einlagen – und das war absolut originell.

27 November 2014

Ich bin stolz auf mich

Die Autobahn zwischen Karlsruhe und Pforzheim; gefühlte zwanzig Kilometer Baustelle mit einer ständigen Gefahr von Unfällen und Staus. Die Fahrspuren sind verengt, die Geschwindigkeit ist auf 80 Stundenkilometer begrenzt. Dafür gibt es gute Gründe.

Weil auf der rechten Seite ein Lastwagen nach dem anderen kommt, fahre ich immer wieder auf die linke Spur, um zu überholen: rechts von mir jeweils ein LKW, links von mir die Absperrung aus Beton. Und weil ich überhole, habe ich im Schnitt Tempo hundert drauf.

Bis auf einmal ein weißer Porsche Cayenne hinter mir auftaucht. Ich bin ihm zu langsam. Er fährt so dicht auf, dass ich seine Scheinwerfer nicht mehr sehen kann. Ich fahre Tempo hundert, direkt vor mir kommen weitere Autos, die überholen, während rechts von mir ein LKW rollt.

Der Porschefahrer fährt noch dichter auf, gibt mir Fernlicht. Ich verkneife mir den Impuls, ihm den Finger zu zeigen, und fahre weiter. Tempo 100 in der Tempo-80-Schneise. Er gibt mir wieder Fernlicht.

Es nervt. Ich habe keine Lust auf einen albernen Krieg auf den Straßen. Bei der nächsten Gelegenheit fahre ich nach rechts, lasse ihn links vorbei. Er hupt wie ein Blöder, fuchtelt zu mir herüber. Dann ist er weiter.

Da vorne schon wieder ein LKW kommt, setze ich den Blinker und wechsle auf die linke Spur, überhole erneut. Mit Tempo hundert in der Tempo-80-Zone. Den Porsche Cayenne sehe ich vor mir; er gibt einem weiteren Fahrer das Fernlicht in den Rückspiegel.

Ich bin tatsächlich stolz auf mich, dass ich ruhig geblieben bin. Das ist wahrscheinlich eines der vielen untrüglichen Zeichen dafür, dass ich älter geworden bin ...

26 November 2014

Zombies im Weltraum


Eigentlich ist es naheliegend: Um das Science-Fiction-Genre ein wenig aufzumotzen, vermengt man es mit einem anderen Genre, das zumindest ein wenig Erfolg verspricht. Heraus kommt dann so etwas wie »Cryozone«, ein dynamischer Science-Fiction-Comic, in dem letztlich Zombies in einem Raumschiff unterwegs sind und versuchen, die Menschen an Bord zu fressen.

Doch erst einmal der Reihe nach ... Bei »Cryozone« handelt es sich um ein Frühwerk von Danis Bajram, der mittlerweile mit seiner Serie »Universal War One« einen echten Science-Fiction-Knaller in die Comic-Szene geschossen hat. Als Zeichner setzte er ein Konzept des Autoren Thierry Cailleteau um, der bereits zuvor einen guten Namen hatte.

Das gemeinsame Werk kam 1995 in Frankreich heraus: zwei Comic-Alben voller Science Fiction und Horror. 2005 erfolgte eine Neuauflage, und diese liegt seit 2011 als Gesamtausgabe bei Finix Comics auch in deutscher Sprache vor. Trotz einiger zeichnerischen Schwächen und trotz einer Handlung, die eher schlichten Abläufen folgt, ist es ein Comic, den sich Science-Fiction-Fans zumindest mal anschauen sollten.

Worum geht's? Ein Raumschiff ist von der Erde aus unterwegs zu einem fernen Planeten, und weil der Flug so lange dauert, reisen die Passagiere im Tiefschlaf. Dann geht aber etwas schief, und die Passagiere erwachen. Dummerweise hat man sie vor Beginn des Fluges falsch »imprägniert« – was sich jetzt von den Tiefschlafliegen erhebt, ist eine Meute von Zombies, die Jagd auf die »normalen« Besatzungsmitglieder machen.

Eine junge Ärztin und ein seltsamer Mann nehmen den Kampf gegen die Zombies auf. Sie sind nicht allein, denn die überlebenden Besatzungsmitglieder kämpfen ebenfalls – aber das unfreiwillige Duo hält den Schlüssel für eine gemeinsame Zukunft in den Händen ...

Krachige Action, knallige Bilder, nicht unbedingt viel Hirn und zum Abschluss noch schöne redaktionelle Ergänzungen: Wer Science Fiction mag und auch mal auf schlichtes Abenteuer setzen möchte, ist hier gut bedient. Mir hast »Cryzone« viel Spaß bereitet, das kann ich echt empfehlen!

25 November 2014

Sogenannte Autoren

Es gibt Anschreiben, bei denen kann ich nur den Kopf schütteln. Gelegentlich melden sich sogenannte Autoren bei mir, die für uns arbeiten wollen. Die meisten bereiten sich vernünftig vor, informieren sich im voraus und schicken dann klar formulierte Anschreiben an mich – damit kann man gut arbeiten.

Dieser Tage kam eine Mail, bei der nach einer unpersönlichen Standard-Anrede mit »sehr geehrte Damen und Herren« gleich ein starker Satz kam: »Mit großem Interesse«, so der Autor, verfolge er unser »Angebot«, um dann gleich zur Sache zu kommen.

»Haben Sie evtl. auch Interesse an Manuskripteinsendungen?«, fragte er. Er bot mir einen »Seine Fiction Roman« an, der immerhin in einem eigenständigen Universum spielte. Und dann endete die Mail mit einem freundlichen »Höre gerne von Ihnen«; ansonsten ohne Gruß oder dergleichen.

Wenn ich solche Mails erhalte, bin ich immer fassungslos. Was erwartet dieser sogenannte Autor denn jetzt? Dass ich ihn aufgeregt anrufe, um zu fragen, was er mir denn anzubieten hat? Dass ich ihm am liebsten gleich einen Vertrag zusende?

Ganz ernsthaft: Wenn jemand nicht mal in der Lage ist, Science Fiction richtig zu schreiben oder sich unser Veröffentlichungsprogramm genauer zu betrachten, brauche ich eigentlich gar nicht in sein Werk hineinzuschauen. Genau für solche Menschen wurden die sogenannten Formschreiben erfunden; in der heutigen Zeit erhält der sogenannte Autor dann eben eine Form-E-Mail.

24 November 2014

»Leben« von 1981

Am 8. März 1981 schrieb ich ein »Gedicht«, das ich direkt in die Schreibmaschine tippte: mit grünem Farbband auf ein Ringbuchblatt, darunter mein blauer Stempel, den ich mir damals extra anfertigen hatte lassen. Ich wollte experimentiell sein, und die Schriftfarbe gehörte ebenso dazu wie die Tatsache, dass ich alles konsequent in kleinen Buchstaben schrieb.

Schaue ich mir den Text heute an, wirkt er wie eine Blaupause für die Betroffenheit, die in den frühen 80er-Jahren vorherrschte, vor diesem »No Future«-Gedanken, den ich sicher nicht allein in mir verspürte. »sterne weinen in der morgendämmerung / manchmal« leitet den Text ein, und da spüre ich noch meine Science-Fiction-Begeisterung.

Dann aber kommt der übliche zeitkritische Geist, der sich mit Umweltzerstörung und einer »kalten Umwelt« beschäftigte; damals war das Stück »Eisbär« der Schweizer Band Grauzone nicht zufällig recht populär: »pflanzen zertrampelt unter / harten stiefeln« schrieb ich, und: »zerbrochener stein unter harter gewalt / wasserumspült umschäumt / glitzerndes eis in der sonne über / schneebegrabenen städten / leben / leben und leben lassen«.

Über den Sinn und Unsinn mancher Zeilenfall-Regeln möchte ich mir heute keinen Kopf mehr machen. Das war damals eindeutig von bekannteren Lyrikern abgeguckt, hatte keinen großen Sinn und fiele heute auch nicht auf.

21 November 2014

Putzfrauengeschwader reloaded

Wie ich schon gelegentlich angedeutet habe, arbeite ich seit einiger Zeit an einer Sammlung von Kurzgeschichten, die alle im weitesten Sinne etwas mit Punkrock zu tun haben. Teilweise übernehme ich da Texte, die in den 90er- oder Nullerjahren in meinem Fanzine ENPUNKT erschienen sind, baue sie aber so stark um, dass sie als eigenständig Kurzgeschichten funktionieren können.

Dieser Tage beendete ich die Rohfassung an »Das Putzfrauengeschwader«, eine Geschichte, die aus den 90er-Jahren stammt und damals bei den ENPUNKT-Lesern sehr gut ankommt. Meine Neufassung begann ich am 28. März diesen Jahres; ich schrieb im Mai und im Oktober daran weiter. Aber erst am 20. November 2014 war der Rohtext mit 19.160 Anschlägen so weit, dass ich das Wort »Ende« darunter schreiben konnte.

Der Grund für all diese Verzögerungen war allerdings nicht meine Faulheit. Die viele Arbeit machte im Verlauf des Jahres nicht nur einmal einen Strich durch meine Rechnung – und so verzögerte sich allein die Vollendung einer einzigen Kurzgeschichte um einige Monate ... Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz, was weitere Schreibprojekte für mich angeht.

20 November 2014

Gelungener Urlaubstag

Wer Urlaub hat – so wie ich in dieser Woche –, kann sich Dinge erlauben, für die er häufig keine Zeit findet. Man kann ausschlafen, man kann im Bett herumgammeln und dort noch ein gutes Buch lesen (derzeit: »Der Ozean am Ende der Straße« von Neil Gaiman; ein Meisterwerk!), man kann laut Musik hören (heute mal wieder Offspring aus den 90er-Jahren), und man kann sich auch mal einen Tag Zeit nehmen und durch die Gegend fahren.

So am Mittwoch, 19. Oktober. Ich fuhr morgens in aller Gemütsruhe los, hörte unterwegs ein Hörspiel an (eine Folge von »Doktor Sonderberg« aus dem Zaubermond-Verlag) und erreichte fast auf die Minute genau ein Haus in Hochdahl, einem Ortsteil von Erkrath. Dort besuchte ich einen Mann, den ich als Science-Fiction-Experten seit vielen Jahren kenne und schätze; dazu kamen zwei weitere Männer, die ich persönlich und fachlich mag.

Was wir alles besprachen, kann hier nicht zusammengefasst werden. Wir sprangen thematisch wild herum, wechselten auch mal mitten im Satz das Thema: von persönlichen Geschichten zur klassischen Science Fiction, dann zur Zukunft des Verlagswesens und zu aktuellen Tratschgeschichten aus der internationalen Verlagslandschaft. Es ging kunterbunt hin und her, dazu aßen wir Pizza, tranken Kaffee und allerlei anderes Zeugs, und als ich Stunden später wieder ging, war mein Kopf voller neuer Ideen und Eindrücke.

Von Hochdahl fuhr ich nach Ohligs; wer mit diesen Örtlichkeiten nichts anfangen kann, den kann ich verstehen: Bis vor einigen Tagen hätte ich das auch nicht gewusst. Ohligs ist ein Ortsteil von Solingen, dort residiert das OX-Fanzine, dort besuchte ich die Redaktion, für die ich seit vielen Jahren meine »Peter Pank«-Fortsetzungsgeschichte schreibe. Ich lernte ein veganes Café kennen, in dem ich die Atmosphäre sehr positiv fand, und auch hier wurden im Schnelldurchlauf die Themen während des Gesprächs gewechselt, und hier ging ich ebenfalls mit einem Kopf voller neuer Impressionen.

Die Rückfahrt verlief ebenfalls ruhig. Ich hörte ein unglaublich packendes Krimi-Hörbuch (»Blutiges Erwachsen« von Roger Smith, gelesen von dem hervorragenden Schauspieler Matthias Brandt), das so spannend war, dass ich mir fast noch einen Stau gewünscht hätte, um mehr von der mitreißenden Geschichte mitzubekommen. Aber alles ging gut, und als ich kurz nach Mitternacht daheim war – wieder fast auf die Minute genau zur avisierten Zeit –, hatte ich das Gefühl, einen richtig schönen Urlaubstag verbracht zu haben.

19 November 2014

Atomarer Dreck – liegt bei mir ums Eck

Jetzt sind wieder alle ganz verblüfft: Deutschland hat seinen Atommüll überhaupt nicht im Griff. Und im Wald bei Karlsruhe – mit dem Fahrrad ist es von mir aus nicht mal eine Stunde bis dahin – lagern Tausende von Tonnen mit atomaren Abfällen, die in maroden Behältern liegen, die vor sich hinrosten. Das ist mal eine Überraschung!

Seit ich in Karlsruhe bin, spreche ich nicht vom »Forschungszentrum« oder vom »KIT Campus Nord«, wie es die offizielle Sprachregelung ist. Das Ding im Wald ist ein »Kernforschungszentrum«; hier wurde jahrelang an hochgefährlichen Dingen geforscht. Dagegen habe ich nicht das geringste – solche Grundlagenforschung halte ich für sinnvoll und richtig.

Dass dabei Müll anfällt, den man in irgendeiner Art und Weise »aufräumen« muss, war mir dabei stets klar. Offensichtlich muss man ein Schwabe sein, um sich paranoide Gedanken dazu zu machen, wo der Müll denn eigentlich bleibt – weder die Betreiber des Kernforschungszentrum, die den Müll einfach auf dem Gelände lagerten, noch die Politiker scheinen sich in den vergangenen Jahren darum gekümmert zu haben.

Wieder einmal wurde das Publikum erfolgreich getäuscht. Während man uns vorlügt, das Heil der – deutschen – Menschheit läge darin, für möglichst viel Geld möglichst aufwendige Trassen von der Nordsee nach Süddeutschland zu bauen, um den hochsubventionierten Strom zu uns herunterzuleiten, wird ein Fässchen Atomdreck zum anderen gestellt. Und keiner kümmert sich so richtig darum, was damit passiert – ist ja alles so schön bunt hier ...

Ich kann mich darüber schon gar nicht mehr aufregen. Es ist immer dasselbe Spiel: vorneherum die Nebelkerzen der Politiker, die alles schön vernebeln, hintendran der Schmutz und der Dreck. (Mit dem einen Unterschied: Dieser Dreck wird die nächsten Jahrhunderte und Jahrtausende nicht einfach verschwinden, den kann man zudem nicht einfach in die Müllverbrennungsanlage karren und durch den Schornstein entsorgen.) 

18 November 2014

Disco Oslo zum Zweiten

Fragt mich heute jemand, wo der Deutschpunk der frühen 80er-Jahre geblieben ist, eiere ich immer ein wenig herum. Dann sage ich meist, dass die 80er-Jahre schon ganz schön lange vorüber sind. Die Bands von damals mag ich immer noch, aber heute wird Deutschpunk – auch wenn den Begriff so viele hassen – längst von ganz anderen Bands bestimmt.

Ein Beispiel dafür sind Disco/Oslo, von der ich dieser Tage endlich die aktuelle EP gehört habe. Dabei handelt es sich um ein schön gestaltetes Stück Vinyl in ebenso schönen Papp-Umschlag, an dessen Veröffentlichung gleich mehrere kleine Labels beteiligt waren. Und darauf sind vier Stücke, allesamt in deutscher Sprache, alle sehr gut.

Die musikalischen Eckpunkte sind geblieben, die lakonischen Texte ebenfalls, doch jetzt hat die Band einen Schuss Melodie dazu genommen, der die EP gegenüber der Langspielplatte als Fortschritt dastehen lässt. Der Sänger treibt die Stücke voran, die anderen Bandmitglieder bilden immer wieder einen Chor; das Tempo der Stücke ist nicht tierisch hoch, aber schnell genug, dass man dazu theoretisch pogen könnte.

Ich finde die Band super, ich freue mich sehr, dass so etwas aus Oldenburg kommt, und bin gespannt darauf, wie sich das alles weiter entwickeln wird. (Wer mehr über die Band wissen will, schaue auf ihre Internet-Seite. Da gibt es auch Musik zum Anhören.)