11 Juni 2019

Der Professor und das Gasthaus

Eine schöne Idee der Kollegen bei »Professor Zamorra«: Mit dem Band 1175 hat man ein kleines Jubiläum zu feiern, und das nutzt die »langlebigste Horrorserie der Welt« – schöner Untertitel übrigens! – auf ihre Weise aus.

Die Serie ist ja ein Mix aus Grusel, klassischer Phantastik, moderner Fantasy, Science Fiction und allerlei Krimi-Elementen. Sie wird von einem Team sehr unterschiedlicher Autoren geschrieben, und die haben natürlich allesamt ihre eigenen Ideen. Schön, dass die Redaktion das dann auch umsetzt.

Der genannte Band trägt den schönen Titel »Geh zum Teufel, Zamorra!« und stammt von vier Autoren. Sie schrieben vier unterschiedliche Geschichten, die allesamt in der Gaststätte »Zum Teufel« spielen. Das finde ich witzig.

Der Heftroman liegt im Verlag auf meinen Schreibtisch; den nehme ich mir mal für ein Wochenende vor. Mal schauen, wie sich die »Zamorra«-Welt denn heute so anfühlt ...

10 Juni 2019

»Der Krieg der Knirpse« als Sonderheft

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

In Frankreich ist der Erste Weltkrieg – so sagen zumindest die Experten – bis heute wesentlich traumatischer als der Zweite Weltkrieg. Immer wieder erscheinen zu diesem Thema auch neue Comics. Einer der besten in den vergangenen Jahren war und ist »Der Krieg der Knirpse«, der hierzulande seit einigen Jahren von Panini veröffentlicht wird. Zum »Gratis Comic Tag« gab's das erste Album der Serie als schickes Sonderheft – ein Grund für mich, es noch einmal zu lesen.

Die Geschichte beginnt vergleichsweise harmlos. Vier Jungs, die wegen der gleichlautenden Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen nur als »die Lulus« bezeichnet werden, leben in einem Waisenhaus in der Picardie. Der Erste Weltkrieg beginnt, die Front rollt über die Abtei hinweg, in der die Jungs aufgezogen werden. Weil sie aber in ihrem Baumhaus im Wald herumlungern, bekommen sie nicht mit, wie alles evakuiert mit.

Aus der Sicht von Kindern wird der Einmarsch der Reichswehr erzählt. Und was anfangs nach einem Abenteuer aussieht – endlich nicht mehr unter der Fuchtel der Erwachsenen leben! –, wird rasch zu einer prekären Situation: Wie sollen die Jungs in einer Region überleben, die von den Deutschen geplündert worden ist und die vorher von allen Erwachsenen entblößt wurde?

Der Autor Régis Hautière erzählt seine Geschichte stur aus der Sicht der ahnungslosen und unpolitischen Kinder, was hm sehr gut gelingt; auf Nationalismen verzichtet er, die Greuelpropaganda des Ersten Weltkriegs wird aber aufgegriffen. Mit seinen zwischen realistisch und leicht »funny«-mäßig schwankenden Bildern sorgt der Zeichner Hardoc für eine gelungene Illustration, die im ersten Band noch die Schrecken des Krieges weitestgehend ausspart. Ein starker Start in eine sehr gute Serie, die ich an dieser Stelle sehr gern empfehlen möchte.

09 Juni 2019

Zu viel Öko-Kram ...

Im Drogerie-Markt in der Innenstadt: Nachdem ich den üblichen Kram gekauft habe und der Wagen nun voll mit Klopapier, Duschgel, Waschmittel und anderem Kram ist, will ich mir noch etwas Süßes gönnen. Ich rolle meinen Wagen zum Regal mit Esswaren und überlege mir, was ich noch futtern könnte.

Ein junges Paar stellt sich neben mich: sie recht sportlich und schlank, mit Ringel-T-Shirt und Jeans, er mit fusseligem Vollbart und Baseballkappe, beide nicht unsympathisch wirkend. Sie kramt zwischen den Keksen, nimmt mal eine Packung raus, schaut sie sich an, legt sie zurück und holt eine neue.

»Immer nur Bio und Öko«, mault er leise, so dass man es eigentlich kaum verstehen kann. Für so was habe ich aber ein sehr gutes Gehör. »Kann's nicht mal was Normales sein?«

»Ich will halt nicht noch mehr Chemie in mich reinstopfen«, gibt sie recht scharf zurück. Mir scheint, dass diese Diskussion nicht zum ersten Mal geführt wird.

Kurz entschlossen fische ich mir einen Schokoriegel aus dem Regal und gehe weiter. Auch gut, denke ich, im Drogeriemarkt, wo es vor allem Chemikalien gibt, eine Diskussion über Chemie und Öko führen ...

08 Juni 2019

Werbung mit Nerds

Die Definition eines »Nerds« erfülle ich in gewisser Weise schon. Ich interessiere mich für obskure Dinge wie Science-Fiction-Heftromane und Fantasy-Comics, lese Fanzines mit geringsten Auflagen und habe keinerlei Problem, mich auf Veranstaltungen wohlzufühlen, die von älteren Herren mit ebenfalls obskuren Hobbys gern frequentiert werden. (Andererseits fahre ich gern Rad und gehe auf Veranstaltungen, die nicht gerade nerd-affin sind. Egal.)

Deshalb kann ich auch schmunzeln, wenn »Nerds« im Zentrum einer ironischen Werbung stehen. Denn immer wieder gibt es Werbefilmchen, die mich überraschen und verblüffen, die ich auch witzig finde. Die Agentur Interlutions mit Sitz in Köln hat ein Filmchen produzieren lassen, dem sie den schönen Titel »The Power of Nerds« verliehen haben. Verantwortlich dafür: die Berliner Agentur Strobinski und die Filmprdoduktion Deli Creative Collective Berlin.

Der Film ist nur siebzig Sekunden lang, und es lohnt sich meiner Ansicht nach, ihn auch zweimal anzuschauen. Er ist flott, er ist durchaus witzig, er ist vor allem originell gemacht. Und echte Nerds sollten sich darüber freuen.

07 Juni 2019

Wachstumsmarkt Hörbuch?

Zu den Dingen, die ich mir seit vielen Jahren von Leuten anhören kann, die sich angeblich gut »mit dem Markt« auskennen, zählt ja: Der Hörbuch-Markt wachse beständig, mit Hörbüchern könne man Geld verdienen. Ab und zu hilft es ja, sich mit der Realität abzugleichen.

Einem Artikel im »buchreport.express« entnehme ich, dass Audio Media zum 1. Juni dicht gemacht wurde. Konkret: Die Westermann-Gruppe verkaufte zum 1. Juni das Label an den dänischen Verlag Saga, der wiederum zur Egmont-Gruppe gehört. Dorthin wurde bereits 2016 der Hörbuch-Verlag Steinbach sprechende Bücher hn geschoben.

Die Begründungen sind auffallend: »schwierige Markbedingungen« und dergleichen. Meine Übersetzung und Zusammenfassung diverser Aussagen: Streaming verdrängt das »physische Geschäft«, bringt aber nur einen Bruchteil der Einnahmen; ganz einfach. Was für den Kunden eine tolle Entwicklung ist – es wird ja alles billiger –, macht für die Verlage eine Kalkulation viel kniffliger.

Übrigens: Die Geschäftsführerin sowie zehn Mitarbeiter werden vom neuen Verlag nicht übernommen. Was aus ihnen wird – arbeitslos? –, verrät der Artikel in der Fachzeitschrift nicht.

Zu viel Hass im Netz?

Ich kenne Sibel Schick nicht persönlich, lese nur immer wieder ihre Texte in der »tageszeitung« oder bekomme mit, was sie bei Twitter schreibt. Am Dienstag veröffentlichte die »taz« ihren Artikel »Hass unter fast jedem Tweet«, den ich sehr lesenswert und auch sehr traurig finde. Man(n) macht sich da so seine Gedanken über sein eigenes Geschlecht.

Was auffällt: Es sind eigentlich immer Männer, die so beleidigend sind. Es sind stets Männer, die ihre Vergewaltigungs- und Mord-Phantasien im Netz austoben und sich dann auf die Meinungsfreiheit berufen. Häufig tarnen sie sich auch noch einigermaßen bürgerlich.

Was auch auffällt: Ihre Zielrichtung sind meist Frauen, gerne mit »Migrationshintergrund«. Es paart sich eine widerwärtige Mischung aus Frauen- und Ausländerhass. Es schüttelt einen, wenn man das liest. Und ich weiß tatsächlich nicht, was man(n) dagegen tun kann.

06 Juni 2019

Cells At Work ist ein spezieller Manga

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Eine Beziehung zwischen einem roten und einem weißen Blutkörperchen ... auch das kann Thema in einem Comic sein. Zumindest erfuhr ich das bei der Lektüre von »Cells At Work«, von dieser Manga-Serie gab's beim »Gratis Comic Tag 2019« ein Heft, und ich las es mit Verwunderung. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen!

Hauptperson der originell angelegten Geschichte ist ein rotes Blutkörperchen: nett, aber ein bisschen verwirrt. Sein Job ist, irgendwelche Pakete durch das System zu transportieren. Dabei kommt es immer wieder in die Nähe von Gefahren. Glücklicherweise ist dann ein weißes Blutkörperchen zur Stelle und hilft immer. Die beiden nähern sich einander an ...

Der japanische Zeichner Akane Shimizu ist Urheber der netten Geschichte, die tatsächlich so aussieht wie eine sich langsam anbahnende »Love Story«. Die Zeichnungen sind mangatypisch: knappe Klamotten, überzogene Action, knallende Speedlines. Wer das cool findet, sollte diesen Comic zumindest mal antesten. Was ich witzig fand: Immer wieder gibt es kleine Info-Kästen, die beispielsweise erläutern, was beispielsweise eine Pneumokokken-Bakteriämie ist.

Man kann also tatsächlich etwas bei diesem ungewöhnlichen Heft lernen, das bei MangaCult in deutscher Sprache erschienen ist. Meinen Geschmack konnte der Zeichner damit allerdings nicht treffen ...

Mit Blick auf die Kathedrale

Der Platz war perfekt. Ich saß mit dem Rücken zum Restaurant, in einem Bereich, der im Verhältnis zur Straße leicht abgesenkt war, hatte von hier aus einen idealen Blick auf die Umgebung und vor allem auf die wunderschöne Kathedrale von Metz. Auch wenn ich nicht religiös war, fand ich Kathedralen immer wieder eindrucksvoll – und in Metz hatten mich vor allem die teilweise modernen Kirchenfenster beeindruckt.

Das Restaurant mit dem Namen »Le Pampre« fiel von außen nicht sonderlich auf; die Speisenfolge begeisterte mich allerdings. Ich hatte mich für ein vegetarisches Menü entschieden, trank dazu einen Chardonnay aus Beaune – man gönnt sich ja sonst nichts, also gleich einen Grand Cru –, genoss das warme Wetter und die positive Abendstimmung.

Wie es sich für ein französisches Restaurant gehörte, gab es zuerst ein bisschen Brot mit einem Aufstrich aus Olivenpampe, was sehr lecker schmeckte, und danach ein »Amuse« aus verschieden Kleinigkeiten aus der Küche. Ich mochte alles, blickte immer wieder auf die Kathedrale, die in der Spätnachmittagssonne immer heller zu glühen schien.

Meine eigentliche Vorspeise fand ich originell; ich bekam Erdbeeren auf einem Quark-Joghurt-Gemisch, eine interessante Geschmacksmixtur. Auch beim Hauptgericht wurde ich überrascht: Graupen hatte ich schon lange keine mehr gegessen, sie wurden mit Spargel serviert. Ich ließ mir jeden Bissen auf der Zunge zergehen, während ich vorbeigehenden Passanten nachschaute.

Wie so oft, wunderte ich mich an diesem Abend, wie es manche Frauen schafften, mit ewighohen und unfassbar dünnen Absätzen auf dem Kopfsteinpflaster zu gehen, ohne ständig umzustürzen. Vielleicht musste ich einfach mehr Wein trinken, um das nachvollziehen zu können.

Die Kellnerin brachte mir einen Zwischengang mit Käse. Es sei »veganer Käse« aus Frankreich, wie sie mehrfach betonte, was ich einigermaßen skurril fand: Franzosen und veganes Essen empfand ich schon als kleinen Widerspruch, und dann noch veganen Käse – aber es schmeckte toll.

Währenddessen ging langsam die Sonne unter, sie wurde rot, und unter ihrem Schein verwandelte sich auf die Außenfront der Kathedrale in ein rötliches Schimmern. Mein Nachtisch wurde serviert, eine ausgesprochen delikate Mischung aus Zitrone, Karamell und ein wenig Brot, alles sehr leicht und so lecker, dass ich nur kleinste Bissen zu mir nahm und sie auf der Zunge zergehen ließ.

Ich war anschließend zufrieden und gesättigt. Als es dunkel wurde, hing ich im Stuhl, ein seliges Lächeln im Gesicht und ein richtig tolles Essen im Bauch. Die Kathedrale wurde von außen angestrahlt, durch einige Kirchenfenster schimmerte das Licht von innen.

Irgendwann stand ich auf, um zur Unterkunft zu gehen. Mein Wille stand fest: Das würde nicht mein letzter Besuch in Metz sein, vielleicht auch nicht mein letzter Besuch bei »Le Pampre«.

05 Juni 2019

Das Totengräber-Buch ist da!

Offiziell erscheint »Totengräbers Tagebuch« erst im Verlauf der nächsten Woche, doch der Paketdienst stellte bereits ein ordentliches Paket vor die Wohnungstür. Also mussten Volker Langenbein als Autor und ich als Co-Autor gemeinsam das Paket aufmachen, uns gemeinsam über das schön gestaltete Buch freuen und dann gemeinsam einige Biere trinken.

Das taten wir konsequenterweise im Biergarten des »fünf« in der Nordstadt von Karlsruhe. Dort hatte die Idee, ein Buch über einen Totengräber zu machen, schließlich vor sieben Jahren an der Theke angefangen, nachdem wir einige Biere getrunken hatten. So schließt sich ein Kreis.

Das Buch sieht übrigens wunderbar aus: Der Verlag hat die Seiten zweifarbig angelegt, die Überschriften und Kapitälchen sind also in einem erdigen Rotbraun gehalten. Sogar ein Lesebändchen in derselben Farbe wurde spendiert.

Das Buch sieht in jedem Bücherregal schick aus. (Und inhaltlich ist es eh gut.) Der Autor – rechts im Bild – und der Co-Autor gaben ich beim Fotografieren dann auch redlich Mühe, ebenfalls schick auszusehen ...

04 Juni 2019

Tracht Man – das gibt es auch

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Zu den Heften, die mich beim diesjährigen »Gratis Comic Tag 2019« am meisten verwunderten, zählt »Tracht Man«. Neben »Captain Berlin« und den österreichischen Superhelden von »ASH« handelt es sich um eine weitere Superhelden-Geschichte aus dem deutschsprachigen Raum, skurril gezeichnet und mit allerlei Witzen auf die bayerische Lebensart.

Tracht Man ist ein Held reinsten Wassers: mit Lederhose und Bart, mit dicken Oberarmen und Trachtenhut, ein Bayer, wie man ihn sich vorstellt. Sein Gegenspieler ist der bösartige Wolpertinger, der nichts anderes vorhat, als Bayern zu zerstören. Es kommt zu einem finsteren Duell, das ausgerechnet in einem Comic-Laden seinen Höhepunkt erreicht.

Soweit der Versuch einer Inhaltsangabe. Chris Kloiber und Henning Mehrtens sind die Urheber des Comics, der im Kleinverlag Plemplem Productions erscheint. Auf den 48 Seiten des Gratis-Heftes geschieht sehr viel, es kracht und scheppert die ganze Zeit. Mir waren die Witze dann doch zu flach, und mit dem Zeichenstil konnte ich nicht so viel anfangen – das war nicht ganz meine Tasse Bier.

Aber originell ist der Ansatz der »Tracht Man«-Serie schon, und ich finde es gut, dass solche Comics erscheinen. Es muss mir nicht alles gefallen. Wer Superhelden-Parodien mag, ist hier richtig, und wer Witze mit Bayern-Hintergrund schätzt, wird diesen Comic vielleicht sogar lieben.

03 Juni 2019

Drei Hörspiele und ein Soundtrack

Neu ist das Hörspiel »Die Masken des Dr. Faustus« beim besten Willen nicht. Weil es mir aber gut gefallen hat, erlaube ich mir, es mit deutlicher Verspätung vorzustellen. Es ist Teil 25 der Hörspielserie »Dorian Hunter«, über die ich schon öfter geschrieben habe. Ich bespreche hier die Box, keine Downloads; die Box ist für Leute wie mich einfach attraktiver, die sich gern etwas ins Regal stellen.

(Ich habe mir die teilweise unfassbar niederschmetternden Bewertungen im Internet angeschaut – ich verstehe sie teilweise nicht. Sie wirken auf mich wie eine Kampagne und nicht wie ernsthafte Kritiken. Auch deshalb möchte ich hier meine Meinung veröffentlichen. Als kleines Gegengewicht.)

Ich finde die Serie klasse, weil ich die Art und Weise mag, wie der klassische Horror der 70er-Jahre in die heutige Zeit übertragen wird. (Man merkt übrigens immer wieder, dass die klassischen »Dämonenkiller«-Geschichte mehr Substanz hatten als die ebenso klassischen »John Sinclair«-Romane. Das lässt sich sogar bei den modernen Hörspielen feststellen.)

Dabei ist diese Hörspielfolge etwas Besonderes: In einer schönen Box – das kann ein Download leider nicht ersetzen – befinden sich drei CDs mit den jeweiligen Hörspielfolgen; dazu kommt eine CD, auf der man den Soundtrack zur Serie unter dem Titel »Hunteresque« präsentiert. Inklusive des aufwendig gestalteten Booklets entstand so eine umfangreiche Hörspiel-Box, die nicht nur für Sammler ansprechend sein dürfte.

Um was geht's dabei? Dorian Hunter kämpft gegen die Schwarze Familie und die Dämonen. Diese haben längst die Welt unterwandert. Dämonen und ihre Diener wirken überall, Werwölfe treiben ebenso ihr Unwesen wie Voodoo-Zauberer und schreckliche Wesen aus der Hölle. Eine eigene Abteilung des britischen Geheimdienstes tritt ebenfalls gegen die Schwarze Familie an, ihre Agenten unterstützen Dorian Hunter.

Dabei stellt sich heraus, dass Hunter bereits in verschiedenen Inkarnationen auf der Erde unterwegs war und immer gegen die Schwarze Familie kämpfen musste. Immer wieder blendet die Handlung deshalb in die Vergangenheit. Diesmal geht's in den Beginn der Neuzeit, zu einer Zeit also, in der Dr. Faust unterwegs war.

Die Handlung des Hörspieles springt hin und her. Es gibt Szenen, die in der Gegenwart spielen, andere reichen tief in die Vergangenheit. Als Hörer muss man aufmerksam bleiben, um alles zu verstehen; das ist durchaus anspruchsvoll gemacht. Aber man kommt gut mit, wenn man sich ein wenig konzentriert.

Selbstverständlich sind auch diesmal die Geräusche beeindruckend. Musik wird oft in dröhnender Lautstärke eingesetzt; die Szenen klingen glaubhaft, die Stimmen sind durch die Band gut zu verstehen. Insofern passt die »Dr. Faustus«-Box wunderbar in die bisherige Serie hinein, sie ergänzt alle bisherigen »Dorian Hunter«-Folgen in gelungener Weise.

Klar: Das ist vor allem etwas für die Fans. Aber offenbar bin ich mittlerweile einer. Ich fand's cool.

Creepy Past überraschten mich

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Ich hatte von »Creepy Past« noch nie gehört und brauchte einige Zeit, bis ich mich mit dem Zeichenstil vertraut machen konnte. (Wahrscheinlich merkt man mir in solchen Fällen an, dass ich aus einer anderen Comic-Generation stamme.) Bei der Serie, die hierzulande von Dani Books veröffentlicht wird, handelt es sich um eine sechsteilige Mystery-Serie aus Italien, recht neu und frisch, vor allem auf ein eher jugendliches Publikum abgestimmt.

Es geht um ein Institut, das sich mit Schlafstörungen beschäftigt, das sogenannte REM-Institut. Dort sind vor allem junge Leute untergebracht, die allesamt ihre Probleme haben. Zu ihnen zählen die geheimnisvolle Ester, die vor allem irgendwelche Verschwörungsgeschichten im Internet veröffentlicht und bei der die Wahrheit nicht gerade zu den Stärken gehört, und der verschlossene Quiro, der – wie sich bald herausstellt – offenbar Beziehungen zu einer anderen Dimension hat.

Was die beiden Jugendlichen erleben, erzählt ein Sonderheft, das ich beim »Gratis Comic Tag 2019« erhalten habe. Es enthält die erste der sechs Geschichten in kompletter Form, eine rasante Geschichte mit schnellen Dialogen von Bruno Enna und Giovanni Di Gregorio. Als Zeichner sorgt Giovanni Rigano für sehr dynamische Bilder, bei denen ich manchmal zwei- und dreimal hinschauen musste, um zu erkennen, was er mir eigentlich zeigen wollte.

Das ist alles sehr modern gemacht, erinnert manchmal an die modernen »Donald Duck«-Geschichten aus Italien, ist aber nicht kindlich, sondern jugendlich-frech. Um es klar zu sagen: »Creepy Past« richtet sich an Jugendliche, und wer als Erwachsener hier zugreifen will, sollte sich den jugendlichen Blick bewahrt haben ...

02 Juni 2019

Schick in die Schule

»Du repräsentierst den Verlag«, blieb der Chefredakteur ziemlich stur, »also ziehst du einen Anzug an.«

»Aber ich fahre in eine Schule«, argumentierte ich, »dort stelle ich PERRY RHODAN vor. Und wenn ich da mit Anzug und Krawatte auftauche, nimmt mich kein Mensch ernst.«

Wieder einmal waren Dr. Florian F. Marzin und ich nicht einer Meinung. Das kam häufig vor, und weil er der Chef war, konnte er seinen Willen meist durchsetzen.

Wir schrieben den Sommer 1994, und ich war seit eineinhalb Jahren als Redakteur in einer Science-Fiction-Serie angestellt. Redakteure trugen Hemden und Jacketts, Chefredakteure hatten stets eine Krawatte um den Hals. Ich lief mit Converse-Turnschuhen, ausgeleierten Jeans und T-Shirts herum; meine jeweils aktuellen Frisuren wurden höchst kritisch diskutiert.

Wenn ich einen öffentlichen Termin hatte, so die Meinung des Chefredakteurs, hatte ich seriös auszusehen. Wie ich im Büro aussah, war ihm egal; ging ich auf die Straße, sollte ich seriös sein. Das sah ich ein, wenn es um eine Buchmesse ging – da zog ich sogar einen Anzug an. Aber in einer Schule?

Nach einigem Hin und Her einigten wir uns auf einen Kompromiss, den ich eher peinlich fand: Ich zog eine beigefarbene Bundfaltenhose an, wie sie zu der Zeit modern waren, dazu Halbschuhe und ein Polohemd, das ich ordnungsgemäß in die Hose steckte. So fand mich mein Chefredakteur ordentlich genug, und ich konnte meinen Termin wahrnehmen.

Es ging in ein Gymnasium in Ettlingen, einer Kleinstadt zwischen Karlsruhe und Rastatt. Ein Lehrer hatte mich eingeladen, und er wollte, dass ich seinen Deutschschülern etwas über Science Fiction erzählte. Das ging auch gut: Ich stand in Bundfaltenhose, Halbschuhen und Polohemd vor der Klasse und versuchte den Schülerinnen und Schülern meinen Kenntnisse zu vermitteln. Sie hörten zu, sie waren interessiert.

Als ich sie bat, Fragen zu stellen, meldete sich ein unauffällig aussehender Jugendlicher aus der letzten Reihe. Seine Frage war einfach: »Sind Sie der Klaus N. Frick, der auch für das ›Zap‹ schreibt?«

Ich fiel fast in Ohnmacht. Im »Zap« schrieb ich über Demonstrationen und Punk-Konzerte, ich hatte meinen Fortsetzungsroman »Vielen Dank Peter Pank«, und ich verherrlichte ein Leben mit Krachmusik und Dosenbier. Und jetzt stand ich in den modischen Klamotten eines Mannes vor der Klasse, der gerade erst dreißig Jahre alt geworden war. Ich fühlte mich uralt und superspießig.

Weil ich schlecht lügen konnte, eierte ich nicht herum, sondern gab es zu, machte dann aber mit den Science-Fiction-Fragen weiter. Nach Ende meines Vortrags sowie der Fragerunde war die Unterrichtsstunde vorüber, alle Schüler verließen das Klassenzimmer.

Noch Jahre danach fragte ich mich, was der Jugendliche wohl von mir gehalten hatte. Und was wohl aus ihm geworden war. Hatte er sich zu einem Punk entwickelt, war er dem Vorbild des »Zap«-Magazins gefolgt, oder hatte er sich an dem bürgerlichen Karrieremodell orientiert, das ich ihm im Klassenzimmer präsentierte? Nie werde ich es erfahren …

29 Mai 2019

Totengräbers Tagebuch kommt bald

»Im Juni erscheint eines der ungewöhnlichsten Bücher unserer bisherigen Verlagsgeschichte.« Das schreibt Klaus Farin in seinem Rundschreiben »Farins Hirnkost«, das heute bei mir eingetroffen ist. Die Aussage gilt dem Buch »Totengräbers Tagebuch« von Volker Langenbein, an dem ich sehr intensiv mitgearbeitet habe.

Im Juni ist das Buch endlich in den Läden, es kann nur noch wenige Tage dauern. Dann kann es jeder Mensch in der Buchhandlung seines Vertrauens bestellen. Ich bin schon sehr auf die Reaktionen gespannt.

Noch mal ein Zitat von Klaus Farin: »Volker Langenbeins Erzählungen aus dem Alltag eines Totengräbers begegnen der Schwere des Themas Tod mit einem außergewöhnlich lebendigen Blick und konsequenter Bodenhaftung.« Mehr ist hierzu erst einmal nicht hinzuzufügen.

Kult-Geschichten als Sonderheft

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Das Programm des kleine Verlages Kult-Comics ging bisher an mir vorbei. Die frühen 90er-Jahre, in denen man locker die gesamte deutschsprachige Comic-Produktion mitbekommen konnte, sind nun mal vorüber ... Aber es gab im Rahmen des »Gratis Comic Tages« ein Sonderheft mit zwei längeren Geschichten und zwei Einseitern aus dem Programm des Verlages, allesamt von Zeichnern aus deutschen Landen. Ich las alles mit großem Interesse.

»Das Kamäleon« ist der Auftakt zu einer Superheldengeschichte, die in Köln spielt, während »Der letzte Kobold« in einer Welt spielt, in der sich offenbar ein Kobold in Begleitung eines sprechenden Raben in unserer heutigen Zeit aufhält. Sowohl die längere »Kobold«-Geschichte als auch die zwei Einseiter sind witzig gemacht. Mit dem »Kamäleon« konnte ich nicht so viel anfangen; ich fand es zeichnerisch wie inhaltlich unbefriedigend.

Trotzdem ist das Heft mit dem schönen Titel »Kult-Geschichten« für mich eine tolle Gelegenheit, einen neuen Verlag kennenzulernen. Neben den großen Häusern ist im Verlauf der vergangenen Jahre ein Netzwerk von kleinen Verlagen entstanden, die Comics aller Art veröffentlichen. Das ist nicht nur sympathisch und unterstützenswert, sondern häufig auch richtig gut.

28 Mai 2019

Schlosslichtspiele auch im Sommer 2019

Ich bin mit manchen Ausgaben, die meine Heimatstadt für die sogenannte Kultur budgetiert, nicht immer ganz glücklich oder verstehe sie nicht. Aber Kultur ist ein Standortfaktor, und deshalb werde ich sicher nicht meckern, wenn man irrsinniges Geld ins Opernhaus investieren sollte – so eine Oper gehört eben zu einer Stadt, deren Bewohner gleichzeitig darunter leiden, dass der örtliche Fußballverein mit Müh' und Not in die zweite Bundesliga aufgestiegen ist.

Nach wie vor finde ich es gut, dass man Geld für die Schlosslichtspiele ausgibt. Auch 2019 laufen wieder die Veranstaltungen vor dem Schloss in Karlsruhe: Die Fassade des altehrwürdigen Gebäudes (das in Wirklichkeit gar nicht so alt ist, aber egal) verwandelt sich in eine Leinwand; künstlerische Computergrafiken bewegen sich in faszinierenden Mustern über die Fassade, greifen Elemente auf und verwandeln sie. Dazu wummert elektronische Musik aus riesigen Boxen.

In den vergangenen Jahren haben wir manchen Abend vor dem Schloss verbracht. Wir saßen auf den Steinen oder standen herum, wir hielten uns mal nur eine halbe Stunde vor dem Schloss auf, manchmal auch zwei Stunden; je nach Programm oder Lust und Laune.

Dieses Jahr wird es offenbar sogar politisch. »In einer Welt, die zunehmend von Hass und Populismus gesteuert zu sein scheint, gilt es, sich auf die Ursprünge zu besinnen«, heißt es von Seiten der Veranstalter, dem ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) Karlsruhe. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die neuen Shows und auch auf Wiederholungen einiger »Klassiker«!

Heroes In Crisis als Sonderheft

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Mit manchen aktuellen Entwicklungen im erzählerischen Kosmos des amerikanischen Comic-Verlages DC komme ich nicht klar; ich verstehe die verwickelten Geschichten mit wechselnden Univesen kaum. Das hat auch meine Freude an den »Batman«-Comics, die ich seit Jahrzehnten lese, ein wenig getrübt. Beim »Gratis Comic Tag 2019« gab es mit »Heroes In Crisis« aber ein schönes Sonderheft, das mir großen Spaß bereitet hat.

Die Titelgeschichte ist nur ein »Teaser«, sie macht auf den neuen Abschnitt im Gesamtkosmos der DC-Serien aufmerksam. Das ist gut gezeichnet und erzählt – irgendein Killer bringt offenbar Superhelden um –, und macht durchaus neugierig. Ob ich aber Lust darauf habe, mir diese neue, völlig verzweigte Geschichte ans Bein zu binden, weiß ich nicht.

Dafür fand ich die abgeschlossene »Batman«-Geschichte großartig. Es geht um Batman und sein Verhältnis zur Öffentlichkeit, ebenso um den Jokeer – wieder einmal also ein Duell zwischen den alten Widersachern. Aber die Geschichte ist in sich abgeschlossen und auf den Punkt gebracht, mit einer ergänzenden moralischen Ebene, die mir sehr gut gefiel.

»Heroes in Crisis« ist ein gelungenes Sonderheft, weil es das tut, was diese Hefte machen sollen: Es macht auf aktuelle Entwicklungen im Comic-Sektor aufmerksam und sorgt dafür, dass in mir die Kaufanreize erwachen ...

27 Mai 2019

Emopunk aus Hamburg

Bereits im Frühjahr 2017 erschien die erste Platte der Band Keele aus Hamburg, die den schönen Titel »gut und dir« trägt. Ich hörte sie einige Male an, dann flog sie wieder aus dem CD-Player, um sich dann wieder darin zu drehen.

Geboten wird deutschsprachige Musik, die man irgendwo zwischen IndieRock und Emopunk einordnen kann; wer mag, kann sogar die Schublade für Hamburger Schule öffnen und die Band da reinsortieren. Es wird ordentlich gerockt, die Stücke sind mal sperrig, mal melodiös, die Texte häufig kryptisch.

Die fünf Bandmitglieder, die auf dieser Platte elf Stücke präsentieren, haben in ihrer Jugend offenbar gerne Bands wie die Duesenjaeger gehört, sicher auch Muff Potter oder amerikanischen Emo. Das klingt beispielsweise beim Gitarrenspiel immer wieder durch: Mal lodert die Gitarrerichtiggehend, klingt hell und melodisch, dann wieder wird punkrockig geschrubbt.

In den Texten wird nicht zu sehr auf Besinnlichkeit und Innerlichkeit geachtet; da geht's auch mal um den Schnaps mit einem Unbekannten in einer Kneipe. Aber klar, behandelt wird nicht Politik, es geht um Menschen, um Beziehungen und Gefühle. Das wird alles aber nicht weinerlich präsentiert.

Insgesamt finde ich die Platte nicht gerade neu und originell; viel zu oft habe ich diesen Sound in den vergangenen Jahren gehört. Die Band ist gut, die Platte ist definitiv nicht schlecht, zu einem »boah ey« hat es bei mir bisher nicht gereicht. Ich fürchte, ich muss Keele dann einfach mal live sehen ...

»Endzeit« als kostenloses Heft

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

 Zombies in Thüringen, ausgerechnet! Wegen des »Gratis Comic Tages 2019« kam ich in den Besitz des Sonderheftes von »Endzeit«. Auch wenn es nicht so aussieht, erzählt die Geschichte doch von der Zombie-Apokalypse, spielt in einer relativ nahen Zukunft und verbindet einen zeitweise harmlos wirkenden Stil mit blutigen Bildern.

Verantwortlich für den Comic ist Olivia Vieweg; die Künstlerin hatte ihr Werk zuerst nur als Diplomarbeit angelegt. Bei Carlsen liegt es jetzt als umfangreiches Werk vor; eine Verfilmung ist in Arbeit. Sie erzählt von zwei jungen Frauen, die in Thüringen unterwegs sind. Überall lauern Zombies; die beiden Frauen müssen ständig ums Überleben kämpfen und wollen ihre Menschlichkeit bewahren.

Die Zeichnungen der Künstlerin sind mal »niedlich«, mal blutspritzend, der Stil ist insgesamt sehr ungewöhnlich und lässt sich kaum in eine Schublade stecken. Für den »normalen« Zombie-Fan dürfte das zu »brav« aussehen, könnte ich mir vorstellen.

Ich hatte durchaus meine Probleme mit der Geschichte, fand aber die Mixtur aus der Geschichte, den emotionalen Dialogen und der zurückhaltenden Grafik interessant. Ohne den »Gratis Comic Tag« hätte ich »Endzeit« nie in den Händen gehalten.

26 Mai 2019

Geschenkte Rente

Ich sitze am Bahnhof und warte auf den Anschlusszug; neben mir sitzt eine ältere Frau, geschätzte 75 und recht gut gekleidet. Ich lese, sie guckt, wir ignorieren uns; wie man das eben so macht. Ein Bettler kommt, spricht uns an; bevor ich reagieren kann, sagt sie deutlich »Nä!«, und er geht weiter, wobei er sich mehrfach entschuldigt.

»Das ist schlimm heute«, beginnt die alte Frau, ohne mich anzusehen, meint aber eindeutig mich. »All diese Bettler. Und es sind alles junge Leute. Die könnten doch arbeiten gehen, dann müssten sie nicht betteln.«

Ich sage nichts, konzentriere mich lieber auf mein Manuskript, weil ich das bis zum Ende der Reise gelesen haben möchte. Aber ich kann sie nicht ausblenden.

»Wir haben früher auch gearbeitet, dann können die doch heute ebenfalls arbeiten.« Sie mault und zetert weiter. »Wir kriegen unsere Rente doch auch nicht geschenkt.«

Kurz sehe ich auf und murre ein »na ja«, überlege mir eine ausführliche Replik und lasse es. Natürlich kriegen die Rentner von heute die Rente »geschenkt«. Die Rente von heute wird von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bezahlt; was die Rentner von heute irgendwann »einbezahlt« haben, ist längst verbraucht. Und wenn ich mal Rentner sein sollte, hoffe ich darauf, dass mir jemand meine Rente »schenkt«.

Aber ich erspare mir diese Antwort, ich will keine Diskussion, mein Manuskript ist mir wichtig. Und gleichzeitig fühle ich mich ignorant. Manche Diskussionen will ich aber einfach nicht mehr führen.

25 Mai 2019

»Lazarus« als Gratisheft

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Im Programm des Splitter-Verlags zählt die amerikanische Science-Fiction-Serie »Lazarus« zu den aktuell besten Comics. Da passt es gut, dass es das erste Heft der Serie – die deutschsprachige Hardcover-Ausgabe fasst normalerweise mehrere Hefte zusammen – in einer kostenlosen Ausgabe erschienen ist. Wobei ich die gesamte Serie sowieso jedem empfehlen kann, der sich für Science Fiction und Comics interessiert.

»Lazarus« spielt in einer vergleichsweise nahen Zukunft. Die Welt wird von mächtigen Familien regiert, die die Kontinente unter sich aufgeteilt haben. Wer nicht zu einer Familie gehört, ist rechtlos oder lebt im Elend. Mit den Lazarus-Kämpfern verfügen die Familien über Einsatzkräfte, die praktisch nicht zu töten sind.

Konzipiert wurde die Serie von Greg Rucka, einem der erfolgreichsten Comic-Autoren der vergangenen Jahre. Die Geschichte, die er in diesem Comic erzählt, ist hart und streckenweise echt brutal, zugleich aber auch erschreckend realistisch. Umgesetzt wird sie von Michael Lark setzt dazu Bilder, die einen geradezu umhauen in ihrer realistischen Anmutung. Ein gnadenlos guter Comic – auch in der Form eines »Gratis Comic Tag«-Heftes.

24 Mai 2019

Kick It! rotzen

Bei Kick It! – nur echt mit Ausrufezeichen! – handelt es sich um eine vergleichsweise neue Hardcore-Band, die schon einige Tonträger herausgebracht hat. Woher die Band kommt, die sich 2010 gegründet hat, ist gar nicht so einfach festzustellen: Die Musiker verteilen sich irgendwie auf die Gegend zwischen Frankfurt, Gießen und Limburg, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber so wichtig ist das ja gar nicht.

Von der Band besitze ich bisher nur eine Platte, die gleichnamige EP ausm Jahr 2013. Sie ist streng limitiert, auf 300 Exemplare, und ich habe die Nummer 284 abbekommen. Enthalten sind acht Stücke, die schnellen und schrammeligen Hardcore-Punk bieten, garantiert ohne Metal-Anleihen oder Emo-Gejammer. Auf übermäßiges Gebrüll und derben Staubsauger-Sound verzichtet die Band ebenso.

Die Stücke sind kurz und knapp, nie länger als zwei Minuten, und bringen die Aussagen auf den Punkt. Sarkastische Texte gehören dazu, politische Aussagen werden nur in Kürzestform getätigt. Alles in allem eine konsequente Scheibe mit Hardcore-Punk, die nach den 80er-Jahren klingt, aber dennoch eigenständig genug ist. Gut!

23 Mai 2019

Kapituliert vor Dragon Balls SD

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Manchmal muss ich einfach einsehen, dass manche Dinge nicht funktionieren. Zumindest für mich selbst nicht. So ging es mir bei dem Comic »Dragon Balls SD«, den ich im Rahmen des »Gratis Comic Tages 209« erhalten hatte.

In der Geschichte geht es um irgendwelche Kinder, die offenbar Superkräfte haben und Dragon Balls sammeln müssen. Sie haben Gegenspieler, die auch mit Raumschiffen durch die Gegend fliegen. Es handelt sich also um eine Science-Fiction-Geschichte, was mir dann eigentlich gefallen müsste.

Tut es nicht. Die Zeichnungen sind extrem kindlich, die Story ist es auch. Es wird viel geschrien und gehüpft, die Bilder sind sehr einfach gehalten. Hier bin ich eindeutig nicht die Zielgruppe und tu' mich extrem schwer mit der Optik sowie der Geschichte. Und ich muss einsehen, dass »Dragon Balls SD« für mich einfach nicht funktioniert.

22 Mai 2019

»Ghost Money« ist der Gratis-Comic-Kracher

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Irgendwie ist der neue Science-Fiction-Knaller aus dem Programm von Schreiber & Leser bisher an mir vorüber gegangen. Deshalb fand ich das Heft von »Ghost Money«, das es beim diesjährigen »Gratis Comic Tag« gab, wohl auch so eindrucksvoll und stark. Was für eine großartige Mixtur aus Science Fiction und Thriller, mit einer tüchtigen Prise Realpolitik und Verschwörungen!

Die Handlung spielt in einer nahen Zukunft, sie wird vor allem aus der Sicht einer jungen Studentin erzählt. Diese lernt eine geheimnisvolle steinreiche Frau kennen, die beiden freunden sich an, und an der Seite der reichen Frau taucht die Studentin in eine märchenhafte Welt des Reichtums ein. Dass diese Welt auch etwas mit islamistischen Terroristen zu tun haben könnten, ahnt sie nicht. Wohl aber die Geheimienste, die sich auf ihre Spur setzen ..

Geschrieben wurde die Geschichte von dem Szenaristen Thierry Smolderen, der schon mehrere erfolgreiche Comics getextet hat. Er treibt die Handlung mit schnellen Szenen und spannenden Dialogen voran, das ist alles klasse gemacht. Dominique Bertail steuert die Grafik bei: extrem realitätsnah, sehr filmisch, sehr direkt.

Das ist alles so großartig, dass ich so bald wie möglich die »richtigen« Comic-Bände dazu brauche! (Erschienen ist die Serie bei Schreiber & Leser.)

Reise ins Paradies

Aus der Serie »Phantastische Kürzestgeschichten«

Es regnete seit Tagen. Die Tropfen fielen ununterbrochen aus einem eisgrauen Himmel. Weil kein Wind ging und die Temperaturen niedrig blieben, kam es mir vor, als stünde ich vor einer Wand aus Wasser, die mich in allen Richtungen umgab, wie feine Stangen, die meine Freiheit einschränkten.

Wenn ich etwas an meiner Situation ändern wollte, musste ich es schaffen, die Zone des Regens zu durchqueren. Doch wohin sollte ich gehen? Sah ich in die eine Richtung, erblickte ich Regen, der auf eine Straße fiel und diese in einen matt schimmernden See verwandelte. Sah ich in die andere Richtung, erblickte ich Regen, der Wald und Wiesen einnässte und aus ihnen einen Sumpf machte, in dem Menschen verloren gehen konnten.

Es war alles grau, nass und kühl. Ich zog meinen Poncho enger um mich und rückte den breitkrempigen Hut zurecht. Das Prasseln auf meinem Kopf wurde lauter und intensiver, zumindest fühlte es sich so an. In Strömen lief das Wasser aus der Krempe hinunter auf den Poncho, troff von dort auf den Boden.

Was wollte ich eigentlich auf dieser Welt? Urlaub hatten sie mir versprochen. Urlaub hatte ich bekommen. Das interstellare Reisebüro hatte von »Erlebnissen jenseits aller Erwartung« geredet, die Werbung hatte mir einen fremden Planeten mit »exotischer Vegetation« versprochen.

Gelogen hatten sie nicht. Die Bäume waren verkrüppelte Kugeln aus einem Material, das entfernt an Holz erinnerte und aus dem allerlei Früchte wuchsen. Gras sah aus wie der Kot, den Katzen hinterließen, und es roch zu allem Überfluss auch so. Tiere hatten sich auf diesem Planeten noch nicht entwickelt. Sie hätten eine wasserfeste Oberfläche gebraucht, überlegte ich, während ich griesgrämig um mich blickte. Immerhin war die Luft atembar, wenngleich ich durch das Wasser hindurch einen fauligen Geruch wahrnahm.

Es regnete ununterbrochen, seit wir aus dem Raumschiff gestiegen waren. Sie hatten mich nicht angelogen. »Genießen Sie das erfrischende Nass«, hatte das digitale Reisebüro versprochen, die freundliche Avatar-Frau hatte besonders intensiv gelächelt. »Lassen Sie sich von einer kühlen Brise zu neuen Gedanken bringen.«

Ich brachte keine Gedanken mehr auf, die über Frust und Wut hinaus gingen. Ich war wütend auf das Wetter und auf mich selbst. Und wütend auf die drahtige Reiseleiterin, die vor unserer Gruppe stand und einen gelben Regenschirm in der Hand hielt.

Sie strahlte vor Begeisterung, zumindest vermittelte sie den Eindruck. Kunststück: Sie war ein Hologramm, und der Regen ging durch ihren Schirm ebenso hindurch wie durch ihre Jacke und ihren gesamten Körper.

»Kommen Sie!«, rief die Reiseleiterin und wies auf die Straße. »Nur noch einige hundert Meter, und wir erreichen den Strand. Dort wird Ihr Traumurlaub dann endgültig beginnen.«

Hinter dem Wasser sollte also der Strand kommen. Vielleicht sollte ich eine Zeitschrift starten, wenn ich wieder auf der Erde war: Wasserstrand, ein neues E-Zine für alle Urlaubsfremde. Versonnen lächelte ich, während ich durch den Regen stapfte.

21 Mai 2019

»Lucky Luke« als Gratisheft

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Ich mag die »Lucky Luke«-Comics seit vielen Jahren und kaufte mir auch die Parodie »Jolly Jumper antwortet nicht« vor einiger Zeit im Format eines schönen Comic-Albums. Dass es dieses Album beim »Gratis Comic Tag 2019« auch als kostenloses Heft gab, ärgert mich nicht – so kommen hoffentlich noch mehr Leute in den Genuss der unglaublich witzigen Parodie.

Der Autor und Illustrator Guillaume Bouzard greift allerlei Elemente aus den normalen »Lucky Luke«-Geschichten aus und verfremdet sie. Die Daltons spielen eine große Rolle, das treue Pferd will nicht mehr so, wie er es möchte, und eigentlich geht es die ganze Zeit um die Beziehung zwischen dem Cowboy und seinem Pferd.

Zeichnerisch geht Bouzard eigene Wege: Er nimmt den klassischen Morris-Stil und verfremdet ihn. So erkennt man immer noch die Originale, nimmt aber seine originelle Grafik jederzeit wahr. Und erzählerisch schafft er es, eine Parodie zu parodieren, so dass ich als Leser immer wieder grinsen muss. Das muss man erst einmal hinbekommen.

Um es klar zu sagen: Wer dieses Gratis-Heft nicht erhalten hat, als es beim »Gratis Comic Tag 2019« auslag, der ist dazu verdammt, das Album zu kaufen. Dessen Lektüre lohnt sich für alle, die jemals einen »Lucky Luke«-Band gelesen haben!

Die Bahn zeigt Haltung

Wer sich nicht ständig in den Untiefen des Netzes bewegt, hat die Debatte um den Politiker Boris Palmer – er ist Mitglied bei den Grünen und Oberbürgermeister von Tübingen – und die Deutsche Bahn vielleicht nicht einmal mitbekommen. Palmer äußerte sich kritisch dazu, dass die Bahn in ihrer Werbung Menschen abbildet, die nicht »typisch deutsch« aussehen, was immer das sein mag.

Bei dieser Diskussion hat sich die Bahn meiner Ansicht nach sehr gut positioniert. Man hat klar gesagt, dass es der Bahn egal ist, wie jemand aussieht und aus welchem Land man kommt. Man hat sich positiv zur Vielfalt bekannt.

Seit einiger Zeit legt die Bahn eine Schippe drauf. Zusammen mit dem Fußballverein Hertha BSC hat man einen kleinen Videofilm produziert, der unter dem Titel »Woher kommst du?« steht und das Thema Rassismus auf diese Weise anspricht. Fünf Mitarbeiter der Bahn und fünf Hertha-Spieler äußern sich in klarer und auch sympathischer Weise.

Schöne Aktion! Klar ist das Werbung. Aber die Bahn belegt, dass man sogar mit Werbung für eine gute Sache stehen kann. (Es lohnt sich übrigens, mal die Kommentare unter dem YouTube-Video anzugucken: Von widerwärtig bis positiv ist echt alles dabei …)

20 Mai 2019

Ein zum Heulen schöner Jugendroman

Immer wieder habe ich Romane im Lesestapel, die lasse ich erst eine Weile liegen, dann nehme ich sie doch zur Hand, denke noch einige Male, »ach, das ist nichts für mich« – und am Ende packen sie mich so, dass ich nicht mit der Lektüre aufhören kann und sie hinterher zur Seite lege, mit einem Gefühl von Trauer, weil das Buch schon vorüber ist.

Das passierte mir mit »All die verdammten Tage«, einem Jugendroman, der im Limes-Verlag erschienen ist. Die Autorin Jennifer Niven zeigt zwei junge Leute, die zwar altersmäßig weit von mir entfernt sind, mit denen ich mich aber sehr gut identifizieren kann.

Hauptperson ist ein Mädchen namens Violet. Sie ist traurig, sie ist frustriert, sie will nach dem Tod ihrer Schwester nicht mehr weiterleben und sich eigentlich umbringen. Also geht sie auf den Glockenturm der Schule, will sich in die Tiefe stürzen.

Auf einmal steht Finch neben ihr, der »Ausgestoßene« der Schule, ein Junge, den alle nur als Freak wahrnehmen. Er will sich eigentlich auch umbringen, sie retten sich praktisch gegenseitig – und hinterher wird Violet als Retterin gefeiert.

Das ist der Ausgangspunkt für eine ungewöhnliche Beziehung, in der sich zwei Jugendliche immer mehr einander nähern. Sie sehen sich beide als seltsam an, sie stecken beide voller Ängste und Depressionen, und nur langsam kommen sie miteinander klar. Und bei beiden hat man als Leser ständig Angst, dass sich einer von beiden umbringt.

Jennifer Niven schafft es, aus diesem ungewöhnlichen Thema ein Jugendbuch zu machen, das ich als sehr »erwachsen« empfunden habe. »All die verdammten Tage« ist ein Buch voller Hoffnung und Optimismus, dann wieder sitzt man da und findet es tieftraurig. Klar wird manchmal ein wenig zu stark auf die Tränendrüse gedrückt – aber die Autorin macht das so gut, dass ich mich nicht ärgern kann.

»All die verdammten Tage« ist ein moderner Jugendroman, den man als Erwachsener aber gut lesen kann. Ich fühlte mich an meine eigene Jugend erinnert, an meine Empfindungen, die damals ähnlich seltsam waren wie die der beiden Hauptfiguren. Das Buch erzählt vom Kampf gegen den eigenen Untergang, den die beiden jugendlichen Helden ständig empfinden, zeigt aber auch Hoffnungsschimmer und positive Energie.

Ich kann's nicht nur jungen Leuten empfehlen – die kennen es sicher teilweise schon –, sondern ebenso Leuten in meiner Altersklasse. Der Roman entfaltet einen starken Sog, der zumindest mich über die gesamte Lektüre hinweg gepackt hat. Ziemlich klasse!

Endlich die Austrian Superheroes

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Dass es die Serie »ASH« gibt und dass diese Abkürzung für »Austrian Superheroes« steht, wusste ich schon lange. Aber wie das so ist: Gelesen hatte ich noch nie einen der Comics – es geht einfach nicht alles, was einen interessiert. Aber im Rahmen des »Gratis Comic Tages 2019« gab es ein kostenloses »ASH«-Heft, das ich mittlerweile mit viel Vergnügen gelesen habe.

Wer es nicht kennt: Im Prinzip ist es ein Superhelden-Comic, der aber witzig gemacht ist und eben in Wien und Umgebung spielt Wenn Superheldinnen dann Namen wie Donauweibchen oder Lady Heumarkt tragen, finde ich das zwar ein wenig grobschlächtig, aber durchaus witzig – würde man manch amerikanischen Superhelden-Namen ins Deutsche übertragen, klänge das nicht intelligenter.

In dem Gratis-Heft werden drei Geschichten veröffentlicht, wovon die erste richtig umfangreich ist. Der Kampf gegen Strotter, einen besonders fiesen Bösewichtig, wird mit allen Superhelden-Gags erzählt, dynamisch und schnell, mit Diskussionen innerhalb des Teams und einem finalen Kampf im Fußballstadion. Die Zeichnung sind cool, da kann man nicht meckern, die Geschichten sind jeweils flott erzählt. Die »ASH«-Macher haben mit ihrem kostenlosen Heft sehr effektvoll auf ihre Serie aufmerksam gemacht.

19 Mai 2019

Kämpferische Demonstration

Als ich am Samstagmittag, 18. Mai 2019, in die Innenstadt von Karlsruhe radelte, hatte ich sicherheitshalber eine Jacke an. Es war nicht sicher, wie das Wetter ausfallen würde. Doch ich zog sie rasch aus, trug sie die ganze Zeit mit mir herum und schwitzte auch »nur mit T-Shirt« ganz schön.

Die Sonne brannte auf die Innenstadt herab, es war ein schöner Frühsommertag. Auf dem Kirchplatz bei der Stephanskirche versammelten sich viele Leute, um gegen Nazis zu demonstrieren. Wie viele es waren, bekam ich nicht mit; es war eine ordentliche Menge, vielleicht um die tausend Personen.

Mir war es vor allem dann unmöglich, die Menge zu schätzen, als die Demo losging. Ich hielt mich im »Widerstandsblock« auf, sprich, bei der Antifa. Allein das waren mehrere hundert Leute, sehr viele sehr jung übrigens, die sehr kämpferisch unterwegs waren: Seitentransparente zur Absicherung, laute Sprechchöre, Fahnen und Schilder.

Die Demonstration zog durch die Kaiserstraße; auf dem Kronenplatz gab es eine Zwischenkundgebung. Dabei gab es eine gewisse Unruhe, weil die Polizei mit willkürlichen Kontrollen provozierte. Viele Antifa-Leute sammelten sich, behelmte Polzisten zogen auf – aber einige Gewerkschafter schafften es, die Situation rasch zu bereinigen.

Ich fand die Reden okay, es ging gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft und die anstehenden Wahlen. Ob man unbedingt den Vertreter der SPD ausbuhen musste, weiß ich nicht; auch die Unruhe bei einer Sprecherin der Grünen fand ich unpassend. (Da hätte ich lieber die Leute von der MLPD in der Demo geschmissen, wenn man mich gefragt hätte ...)

Die Demo zog weiter und erreichte lautstark den Friedrichsplatz. Mittlerweile zog sich die Polizei total zurück. Die Beamten waren sicher auch durch das Drittligaspiel und die Aufstiegsfeier des Karlsruher Sport-Clubs ordentlich beschäftigt ...

Zum Abschluss spielten zwei Bands. Zuerst trat Kantine auf, eine Band aus Karlsruhe und Mannheim, die so »IndiePunk« mit deutschen Texten spielt, ein wenig lahm, aber nicht schlecht, durchaus radiotauglich und für die meisten Anwesenden noch gut verträglich. Währenddessen zogen sich die Wolken über der Innenstadt zusammen, es donnerte und blitzte bereits in der Ferne.

Bei Terrorfett und ihrem rasanten Hardcore-Punk – inklusive klarer deutschsprachiger Texte – begann es zu nieseln. Zuletzt waren eigentlich eh nur noch Punks und Autonome um die Band versammelt. Als eine Gruppe von jungen Frauen vorbeikam, die offenbar Junggesellinnenabschied feierten, blieben sie verwundert stehen, schossen einige Fotos mit ihren Smartphones und eilten rasch weiter.

Die letzten Terrorfett-Stücke erlebten wir in einem beginnenden Regen. Als ich zu meinem Rad spazierte, wurde er stärker und entwickelte sich zu einem starken Platzregen; es schüttete geradezu. Nun war ich doch froh, eine Jacke dabei zu haben. Bis ich daheim war, hatte ich allerdings keinen trockenen Fetzen Stoff mehr am Leib ...

18 Mai 2019

Ein Lied für Europa, mal wieder

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann ich zum letzten Mal den »Eurovision Song Contest« angeschaut habe Ich weiß aber, dass ich ziemlich betrunken war. Nüchtern ertrage ich nämlich weder die Musik noch die Klamotten der Darsteller oder die Moderation.

Heute läuft die aktuelle Show dieser alljährlichen Veranstaltung. Ich werde es nicht anschauen, und ich bin mir schon jetzt sicher, dass mir das Stück, das gewinnen wird, nicht gefallen wird. Aber darum geht es ja auch nicht; mein Geschmack gehört da nicht hin.

Es handelt sich bei diesem Wettbewerb um eine Veranstaltung, die Menschen in ganz Europa und darüber hinaus begeistert. Allein schon deshalb finde ich sie gut und freue mich darüber, dass es sie gibt. Wenn Menschen unterschiedlichster Nationen und Religionen gemeinsam feiern, ist das ein positives Zeichen.

Dass ganz nebenbei ein Zeichen gegen Homophobie gegeben wird und gegen allerlei rassistische Umtriebe, erfreut mich noch mehr. Glaubt mir: Ich bin ein Fan des »Eurovision Song Contest«, auch wenn ich die Musik doof finde.

Black Torch als kostenloser Comic

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Von Mangas lasse ich normalerweise die Finger; ich kann nach all den Jahrzehnten nicht so viel mit dem japanischen Stil anfangen und stelle mich unbeholfen an, wenn ich einen Comic in der japanischen Laufrichtung zu lesen habe. Aber weil es »Black Torch« im Rahmen des »Gratis Comic Tages« gab, ließ ich mich gern auf das Heft ein.

Tsuyoshi Takaki ist der Autor und Zeichner dieses Comics; mit »Black Torch« liefert er auch gleich sein Erstlingswerk ab. Dafür ist er zeichnerisch schon sehr ausgereift – wenn ich das als Manga-ungeübter Leser so sagen darf. Die schwarzweißen Zeichnungen sind dymanisch; die männliche Hauptfigur wirkt auf mich klar definiert, und auch die anderen Figuren sind überzeugend. Vor allem die Action-Darstellungen sind schwungvoll und lassen einen nicht an einen Anfänger denken.

Die Geschichte klingt auf jeden Fall interessant: Jiro ist ein junger Mann, der mit Tieren sprechen kann und sich zu einem Einzelkämpfer ausbilden lässt. Er rettet eine schwarze Katze, die schwer verletzt ist; sie entpuppt sich als ein monströses Wesen, das offenbar auch noch gefährliche Gegner hat. Und dann nimmt eben eine unheimliche Geschichte ihren Anfang ...

Alles in allem ist »Black Torch« eine gut gemachte Phantastik-Geschichte, die sich an jüngere Leser richtet. Erzählerisch fand ich das nicht unbedingt originell, aber auch nicht schlecht. Und mit dem Zeichenstil kam ich gut klar. Ich bin sicher, dass das für Manga- und Phantastik-Fans eine interessante Serie sein könnte.

17 Mai 2019

Ein Heft zu Jimmy Liao

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Eines der ungewöhnlichsten Hefte beim »Gratis Comic Tag 2019« hatte den Titel »Reiche der Phantasie« und den sperrigen Untertitel »Ein Querschnitt durch die Werke von Jimmy Liao«. Tatsächlich handelt es sich bei Jimmy Liao um einen chinesischen Künstler, der erst im Alter von vierzig Jahren damit anfing, Bilder anzufertigen. Man kann ihn beim besten Willen nicht als Comic-Künstler bezeichnen; was der Mann macht, sind Kinderbücher, die grafisch wie inhaltlich einen eigenen Stil aufweisen.

Das Sonderheft, das von Chinabooks herausgegeben wurde, präsentiert die Anfänge von vier verschiedenen Kinderbüchern. Sie erzählen eigentlich immer von Kindern, die mit ihrem Leben nicht klarkommen, die Dinge sehen, die von Erwachsenen nicht wahrgenommen werden, deren Phantasie mit der Realität kollidiert. Das ist grafisch durchaus ansprechend – bei manchem Buch überlege ich mir sogar, es mir zu kaufen. (Weil ich Phantastik in den verschiedensten Ausprägungen schätze.)

Auf Jimmy Liao wäre ich nicht aufmerksam geworden; der »Gratis Comic Tag 2019« hat das geschafft. Im Juni 2019 ist der Künstler auf Deutschlandreise und wird auch beim Comic-Festival in München auftreten. Das ist sicher sehr spannend und interessant!

Englisches Punkrock-Kabarett

Keine Ahnung, wie man den Stil der englischen Band Wonk Unit wirklich bezeichnen sollte. Es ist schon irgendwie Punkrock, lebt aber auch den Ansagen des Sängers. Vielleicht trifft der Begriff »Punkrock-Kabarett« wirklich? Auf jeden Fall amüsierte ich mich beim Konzert der Band am Donnerstabend, 16. Mai 2019, sehr gut.

Die »Alte Hackerei« bot ein nicht gerade großes, dafür ziemlich enthusiastisches Publikum auf. Auffallend viele Frauen waren anwesend, die kommunikative Stimmung war sehr gut. Ich trank gleich mal zwei, drei Biere, um mich auf die Band einzustellen.

Man muss es klar sagen: Der Sänger ist ein absoluter Alleinunterhalter. Wenn er auf der Bühne herumspaziert und in gut verständlichem Englisch – auch für Banausen wie mich – von seiner Ex-Freundin erzählt, sich über schlechte Zähne amüsiert oder Geschichten über seine Bandkollegen zum Besten gibt, ist das ausgesprochen amüsant. Im Prinzip ist der Mann ein echter Stand-Up-Comedian, dessen Sprüche mich oft zum Lachen brachten.

Musikalisch bot die Band einen ordentlichen Sound. Zur klassischen Punkrock-Besetzung kam noch ein Mann an der Orgel. Selten wurden die Stücke nach vorne gebolzt, meist liefert die Band einen lustigen Sound im mittleren Tempo, den man vor dreißig Jahren vielleicht als Fun- oder Drunk-Punk bezeichnet hätte.

Ein gelungener Abend – und das mitten in der Woche! Klasse! Ich saß noch eine Weile an der Theke herum, unterhielt mich mit Leuten. Als ich mit dem Rad nach Hause fuhr, fühlte ich mich richtig gut und euphorisiert: gute Laune, Bier und laute Musik … was will ich mehr?

16 Mai 2019

»Das Goldene Zeitalter« als Gratis-Heft

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Im Rahmen des »Gratis Comic Tages« finde ich es immer toll, auch Comics zu lesen, die ich aus unterschiedlichen Gründen nie beachtet hätte. Dazu zählt »Das Goldene Zeitalter«, eine historisch-phantastische Geschichte, die bei Reprodukt erschienen ist.

Ich gestehe, dass ich auch nach Lektüre des Gratis-Heftes nicht so richtig viel damit anfangen konnte. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich in meinem Comic-Konsum doch sehr »klassisch« bin: Die Geschichten müssen sauber erzählt und gezeichnet sein, und da bin ich nun mal von den 70er-Jahren geprägt worden.

Geschrieben wurde die Geschichte von Roxanne Moreil; sie spielt im Reich eines Königs, das von Unruhen und Hungersnot heimgesucht wird. Den einfachen Leuten geht es schlecht, der Adel prasst. Als die Tochter des Königs daran etwas ändern möchte, soll sie verbannt werden. Das klingt nach einer Mixtur aus historischem Roman und Fantasy, wird aber durch recht moderne Dialoge aufgefrischt. Von der Erzählweise hört sich die Sprache manchmal an wie in einem Poproman – damit habe ich dann meine Probleme.

Die habe ich auch mit dem Stil. Cyril Pedrosa ist sicher originell. Seine Bilder machen den Eindruck, als habe man Gobelins oder Miniaturen aus dem Mittelalter leicht verfremdet. Das ist anspruchsvoll, das ist künstlerisch, und ich erkenne auch, dass es gut gemacht ist – es entspricht leider nicht meinem Geschmack.

Ich bin sicher, dass es für »Das Goldene Zeitalter« ein interessiertes Publikum gibt. Wer originelle Geschichten und Bilder mag, sollte vielleicht mal reinschauen. Mein Fall ist dieser Comic leider nicht.

Es sind Gedichte über Liebe und Hass, Sex und Gewalt

Es schadet nicht, ab und zu mal Gedichte zu lesen. Und so bestellte ich mir den Band »Rote Sonne über Echo Park« der Schriftstellerin La Loca im Maroverlag. Ich fand die Ankündigung interessant, und mich sprach an, dass die Texte von Carl Weissner sowie Pociao übersetzt worden waren.

Man muss sich allerdings klar machen, dass das echt keine Literatur für irgendwelche breiten Massen ist. Die Ausgabe des Buches, die ich gekauft habe, wurde 1993 als zweite Auflage veröffentlicht; die Erstauflage kam 1991 heraus. Gedruckt wurden laut Impressum nur 200 Exemplare. Dass man davon heute noch Reste kaufen kann, ist eigentlich schockierend.

Dabei sind die Texte echt stark. La Loca erzählt in einem lakonischen Ton – typisch amerikanische »Underground«-Lyrik, könnte man sagen – vom Leben auf den Straßen von Kalifornien, von Sex und Rassismus, von Liebe und Schmerz. Das ist teilweise ziemlich knallig, klingt ehrlicher als jeder alberne Gangster-Rap und hat teilweise eine sprachliche Kraft, die man gut lesen kann.

Zitat: »Morgens vor dem ersten Kuss / sind alle Mädchenklos der Welt / erfüllt vom beißenden Geruch / nach Haarspray und Salems / und unglaublichen Geschichten.« Das Zitat macht klar, wie die Texte von La Loca sind: meist klar, oft auf den Punkt gebracht, manchmal aber auch träumerisch, fast tanzend und hüpfend.

Einige Gedichte sind kurz, gerade mal eine Seite lang, aber es gibt einige Langgedichte, die sich über mehrere Seiten ziehen. Ich las sie mir teilweise selbst vor, um den Rhythmus gewissermaßen zu erspüren. Das funktionierte sehr gut.

Ich bin sicher, dass dieses Buch in meinem Schrank nicht vergammeln wird. Solche Texte kann ich auch zu einem anderen Zeitpunkt mal wieder lesen.

Der lesenswerte Paperback-Band ist 100 Seiten stark und kostet 9,00 Euro. Ich finde ihn lesenswert. Wer Gedichte mag oder eben Texte, die ein wenig ungewöhnlich sind, der sollte eh mal auf der Seite des Maroverlages vorbeischauen – »Rote Sonne über Echo Park« ist ja nur einer der coolen Titel auf dieser Seite.

15 Mai 2019

Next Frontiers in Stuttgart

Ganz ehrlich: Hätte ich keine terminlichen Probleme, wäre die Veranstaltung mit dem etwas hochtrabend klingenden Namen Next Frontiers für mich durchaus interessant gewesen. Sie ist Ende Juni in Stuttgart, und die Ankündigung macht auf mich einen spannenden Eindruck: »Der Next Frontiers Kongress bringt Wissenschaftler und Experten aus der Wirtschaft mit Science-Fiction-Autoren ins Gespräch.«

Mit den Autoren Andreas Eschbach und Andreas Brandhorst sind Leute dabei, die ich seit vielen Jahren kenne und mit denen ich auch schon zusammengearbeitet habe. Sie haben ein wissenschaftliches Interesse, sie kennen sich in vielen Bereichen aus, sie dürften einen solchen Kongress auf jeden Fall bereichern.

Immerhin sind die Ziele echt groß angesetzt: »Im Mittelpunkt steht das große realitätsverändernde Potential von Literatur, Film und anderen Künsten – die Transferleistung zwischen fiktionalen Welten und realen Entwicklungslabors, die in der Technikgeschichte oft genutzt wird.« Ich könnte mir vorstellen, dass die Diskussionen spannend genug sind.

Mit dem Science-Fiction-Autor Dr. Karlheinz Steinmüller ist noch ein echter Zukunftsforscher anwesend; finde ich gut. Weitere Autoren, von denen ich schon Texte gelesen habe, sind Marcus Hammerschmitt und Jens Lubbadeh – das ist eine interessante Mischung.

Schade, dass ich es nicht schaffe, an diesem Wochenende nach Stuttgart zu fahren. Vielleicht ermuntert dieser Hinweis jemanden, genau das zu tun. Und vielleicht gibt's danach entsprechende Berichte im Netz …

Es war einmal … der Mensch

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Erfolgreiche Zeichentrickserien, die sich an Kinder richten, werden gerne für andere Medien adaptiert. »Es war einmal …« ist ein schönes Beispiel dafür – wobei ich die Serie selbst gar nicht kenne. Die daraus abgeleiteten Comics finde ich aber hübsch, sie sind absolut kindgerecht gemacht und vermitteln auf unterhaltsame Weise sehr viel Wissen.

Beim »Gratis Comic Tag 2019« gab's den ersten Band von »Es war einmal … der Mensch« als Heft. Das Hardcover-Album ist bei Toonfish erschienen.

Erzählt wird von einer Gruppe von Kindern, denen ein weiser Mann alles mögliche aus der Vergangenheit der Erde berichtet. Im Prinzip wird die Geschichte der Evolution in einem Zeitraffer vermittelt, von der Entstehung der Planeten bis hin zur Steinzeit und den ersten Stammeskulturen; die Geschichte bettet alles in die Gespräche zwischen den Kindern und dem weisen Mann einblendet gewissermaßen zwischen den beiden Handlungsebenen hin und her.

Der Zeichenstil ist ein wenig kindlich und für erwachsene Comic-Fans sicher zu anspruchslos; Kinder dürften daran aber ihre Freude haben. Die Witze sind auch nicht gerade am Geschmack von Erwachsenen ausgerichtet, und der belehrende Zeigefinger ist offensichtlich. Sieht man den Comic als reinen Comic, überzeugt er nicht. Betrachtet man ihn aber als ein Mittel, Wissen und Informationen für eine junge Zielgruppe zu übermitteln, ist er hervorragend dafür geeignet.

14 Mai 2019

Zurück zum Sessel

Ich kam von der Toilette zurück und ging im vollbesetzten Saal nach vorne. Überall saßen Leute in bequemen Sesseln, die auch in der Dunkelheit des Saals weiß schimmerten. Vorne lief noch ein Schwarzweißfilm, auf der Leinwand flimmerte es ein wenig.

Kaum hatte ich meinen Platz in der ersten Reihe gefunden und mich in den Sessel gepflanzt, wurde das Flimmern stärker – der Film war offenbar aus. Ich saß da, der Abstand lief in zitterndem Schwarzweiß vor meinen Augen herunter, und war grenzenlos enttäuscht. Anscheinend hatte ich das Ende des Films verpasst, weil ich zulange auf der Toilette gewesen war.

Rings um mich standen die Leute auf. Ich zuckte mit den Achseln und wollte mich auch erheben. Da wachte ich auf – weil der Wecker am Bett schrillte.