18 Februar 2018

Als das schöne Geld futsch war

Aus der Serie »Dorfgeschichten«

Meine Mutter nahm mich beiseite. Es war, als wollte sie nicht, dass meine Schwester und mein Vater mitbekamen. Sie wirkte verunsichert, und sie wollte meinen Rat.

»Guck mal«, sagte sie, als wir im Wohnzimmer standen. Sie hielt mir das Schreiben einer Bank entgegen. »Das haben die mir geschrieben.«

Ich betrachtete das Schreiben. Es war eine Information zum Stand irgendeines Fonds, von dem sie Anteile gekauft hatte. Wir schrieben den Sommer 2001, und mir wurde schnell klar, was geschehen was.

Meine Mutter hatte Tränen in den Augen. »Heißt das, mein Geld ist nur noch so wenig wert?«

Ich nickte. »Wieso hast du denn Fonds-Anteile gekauft?«, fragte ich sie vorsichtig. »Das ist doch voller Risiko.«

Sie hatte es nicht gewusst. Irgendwann in den späten 90er-Jahren war ein Sparbrief, den sie jahrelang besessen hatte, ausgelaufen. Ein enger Verwandter, der sich angeblich »gut mit Geld« auskannte, hatte meiner Mutter empfohlen, 10.000 Mark in einen speziellen Fonds anzulegen. Das bringe gutes Geld.

Ich versuchte ihr zu erklären, was ein Fonds eigentlich sei. »Das sind Aktien, und die steigen halt mal, und sie fallen mal. Und derzeit stecken wir in einer Aktienkrise. Sie haben an Wert verloren – damit auch dein Anteil.«

Sie starrte auf den Brief und weinte. »Das schöne Geld.« Sie war echt verzweifelt.

Ihr Fonds hatte deutlich an Wert verloren. Von den 10.000 Mark, die sie sich als Putzfrau, als Hilfsarbeiterin in der Fabrik und noch früher als Waldarbeiterin buchstäblich vom Mund abgespart hatte, damit sie »was im Alter« davon hatte, waren einige Tausender futsch. Sie hatte ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet und eisern gespart.

Niemand in der Bank hatte ihr gesagt, was sie eigentlich kaufte. Jeder hätte merken müssen, dass sie keine Ahnung von Aktien und Fonds hatte. Meine Mutter hatte geglaubt, es sei eine »sichere Anlage«, so etwas wie ein Sparbuch oder ein Sparkassenbrief.

Ich versuchte ihr alles zu erklären, riet ihr dann sogar, das Geld »einfach mal liegen zu lassen«, weil sich die Lage sicher wieder entspannen würde. Ob sie es in ihrer Verzweiflung verstand, war mir nicht sicher. (Der Fonds verlor übrigens weiter an Wert. Mein Rat war also nicht sonderlich gut.)

Ich informierte sie nicht darüber, dass die Bankangestellten für die Nichtberatung eine fette Provision eingestrichen hatten. Meine Mutter, die nie einen Beruf gelernt hatte, die direkt nach dem Krieg – als Mädchen – angefangen hatte, im Wald zu arbeiten, die nie viel Geld besessen hatte, die stets gespart hatte, war schlichtweg betrogen worden. Von seriösen Männern mit Anzug und Krawatte

(Wahrscheinlich hatte sie den Bankangestellten erzählt, sie wollen diesen und jenen Fonds kaufen. Die hatten sie nicht beraten und nicht über die Risiken informiert, sondern ihre 10.000 Mark in den Fonds angelegt. Hätte meine Mutter gewusst, was Fonds und Aktien sind, hätte sie das nicht getan.)

Es dauerte einige Zeit, bis sie sich wieder beruhigte. Später gingen wir zu den anderen, wir taten so, als sei nichts passiert. Aber es gibt Gründe, warum ich Bankberatern grundsätzlich misstraue ...

14 Februar 2018

Ein abgefahrener Roman über die 90er-Jahre

Es gibt immer wieder Bücher, die ich mir kaufe, die dann aber in einem Stapel versacken. So geschah es mit »Zeitgeist«, einem Roman des amerikanischen Schriftstellers Todd Wiggins. Das Buch erschien 1996 in den USA, wurde 1999 in deutscher Sprache veröffentlicht und von mir etwa im Jahr 2000 gekauft.

Seither nahm ich es immer wieder in die Hand, wollte es lesen und legte es wieder weg. Weil ich es aber cool fand, gab ich es nie in eine Büchersammlung, sondern behielt es. Bis ich es dieser Tage dann doch auspackte ...

Um es vorwegzunehmen: Sicher muss man »Zeitgeist« nicht gelesen haben. Der Roman spielt mit popkulturellen Themen, zeigt ein breit angelegtes Bild der Vereinigten Staaten und erzählt vor allem eine ziemlich abgefahrene Geschichte, die – streng genommen – eigentlich Science Fiction ist. Die Ereignisse, die in diesem Buch nämlich für Ende 1999 prognostiziert werden, haben so nie stattgefunden, spielen also in einem parallelen Universum mit unterschiedlicher Geschichte.

Die Handlung läuft auf zwei Ebenen ab: Die eine ist die einer ich-erzählenden Edelprostituierten, die eigentlich Schriftstellerin werden wollte – sie erzählt die andere Handlung. In dieser sind vier unterschiedliche Menschen auf dem Weg von New York nach Kalifornien: ein schwarzer Hacker, ein britischer Journalist, eine kampfbegeisterte Lesbe und ein durchgeknallter Pfarrer.

Auf ihrem Weg erleben sie allerlei schräge Dinge, stoßen auf fanatische Christen und werden am Ende von der Polizei gejagt. Dazwischen paaren sich abgefahrene Dialoge, viele Schießereien und der Beginn eines Aufstandes der Afroamerikaner. Und wem das nicht reicht, bekommt noch reichlich abgefahrene Szenen, die man sich in einem »verdrogten« Film gut vorstellen kann.

»Zeitgeist« ist ziemlich cool. Aber es leuchtet ein, dass aus diesem Roman kein Bestseller werden konnte: Streckenweise wirkt er ein wenig wirr, manchmal hätte man ihn kürzen sollen, vor allem bei einigen ausufernden Dialogen, und ob die ausführliche Schilderung einer Vergewaltigung wirklich sein musste, möchte ich bezweifeln. Aber wer sich auf die schrägen Gedankenbilder einlässt, die Todd Wiggins in seinem Roman erzeugt, kommt sicher auf seine Unterhaltung.

Das Problem dürfte sein, diesen Roman irgendwo zu bekommen. Seit 2000 ist eine lange Zeit vergangen, und er dürfte auch »aus zweiter Hand« nur schwer zu finden sein. Wer ihn in die Finger bekommt, sollte zugreifen und einen Blick riskieren.

Er wird mit einem außergewöhnlichen Roman belohnt, der die 90er-Jahre in einem anderen Blick erscheinen lässt. Ich bin mir übrigens noch nicht ganz sicher, ob ich ihn ins Science-Fiction-Regal oder zur Popliteratur stellen soll ...

Fuchtelnder Redakteur

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Die Autorenkonferenz ist für die Schriftsteller, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite, und für mich als Redakteur schon immer eine gute Gelegenheit, Ideen auszutauschen, konstruktiv zu streiten und gemeinsam in die Zukunft zu blicken. Es gehört zur guten Tradition, zu vorgerückter Stunde noch mit dem einen oder anderen Getränk an der Bar zu sitzen. Wobei heutzutage viel weniger Alkohol getrunken wird als früher ...

Das Bild zeigt mich im Gespräch mit drei Autoren; es wurde am späten Dienstagabend aufgenommen. Was genau ich mit meiner Handbewegung sagen möchte, weiß ich leider selbst nicht – es ging sicher nicht um eine Größenangabe. Wahrscheinlich fuchtelte ich einfach in der Gegend herum, im steten Bemühen, meine Geschichten durch wilde Gesten zu unterstreichen.

Auf dem Bild sieht man übrigens die Autoren Uwe Anton (links mit Mütze), Christian Montillon (halb verdeckt) und Kai Hirdt (rechts im Bild). Offensichtlich mache ich mit den Händen etwas, das sie fasziniert; sie schweigen und wirken fast andächtig. Es kann aber auch sein, dass sie kurz vor dem Einschlafen sind, weil ich langweiliges Zeugs erzähle ...

13 Februar 2018

Fasching im Jahr 2018

Seit im Sommer 2017 für uns das »normale« Fernsehen abgeschaltet wurde, haben wir kein Fernsehprogramm mehr. Wir gucken uns DVDs an und streamen ab und zu etwas. Das hat mittlerweile Auswirkungen, auf die wäre ich früher nicht gekommen. In diesen Tagen fällt mir eines ganz besonders auf.

Ich bekomme von Fasching oder Karneval oder Fasnet nichts mit. Früher konnte man dem bunten Treiben nicht entgehen, weil es in den Nachrichten kam oder eine Sondersendung nach der anderen gezeigt wurde. Jetzt erfahre ich davon ein wenig aus der Zeitung, oder ich höre davon, sehe vielleicht mal ein Plakat an der Straße – das war's.

Keine Pappnasen mehr zur besten Sendezeit. Keine singenden und schunkelnden Besoffenen. Keine albernen Witze mit »Tärä«-Getröte. Nichts dergleichen.

Und ich stelle fest, dass ich schlagartig tolerant werde. Ich schimpfe nicht mehr über Fasching, ich finde es auf einmal gar nicht mehr schlimm. »Aus den Augen, aus dem Sinn« – zum wiederholten Mal stelle ich fest, wie schön es sein kann, keinen Fernseher zu haben oder zumindest kein aktives Programm.

12 Februar 2018

Drei Kinder auf einem Floß

Aus der Serie »Dorfgeschichten«

Wir waren zu dritt auf dem Floß; langsam bewegten wir uns voran. Ausdauernder Regen hatte dem Tümpel im Gelände der alten Lehmgrube viel Wasser hinzugefügt, so dass ein See entstanden war, der den Kindern unseres Alters als großzügiger Raum für Abenteuer diente. Und so hatten wir die Chance genutzt, dass einmal keine Zehn- oder Elfjährigen unterwegs waren, und hatten uns auf das Floß gestellt.

Vorsichtig stakten wir durch den See. Wir benutzten alte Dachlatten, die jemand in das Gelände geschleppt hatte. Das Floß bestand aus Brettern und Kanthölzern, darunter hatte jemand große Styroporblöcke geklemmt. Es war eine wackelige Angelegenheit, und wenn man nicht aufpasste, kippte man ins schmutzige Wasser – aber man konnte damit fahren.

Wir hörten ein Auto, das sich näherte. Es fuhr an den oberen Rand des Geländes; dort stieß der See an den Rand des Waldes. Das Auto hielt an, jemand stieg aus. Kurz erschraken wir, dann aber beruhigten wir uns. Es war kein Erwachsener, der uns anschreien wollte. Wäre das so gewesen, hätte er sich mit energischen Schritten auf uns zubewegt.

Die Erwachsenen wussten von dem See und dem Floß und den Kämpfen, die wir auf den wackeligen Dingern und am See austrugen. Aber sie schienen solche Ereignisse auszublenden.

Wenn sich Kinder gegenseitig ins Wasser stießen oder die Gesichter mit Lehm einschmierten, war das ihr Problem. Kamen sie schmutzig heim, gab's eine Tracht Prügel, zu Beginn der 70er-Jahre in allen Haushalten, die ich kannte, eine gängige Praxis, über die sich niemand aufregte.

Wir hielten mit dem Floß an der Stelle an, wo der See einen Knick hatte. Vorsichtig spähten wir um die Ecke, hinter der Steilwand aus Lehm und Steinen versteckt. Über uns neigten sich einige Bäume bedenklich in die Tiefe; wenn es bald wieder regnete, würde sicher einer von ihnen nach unten rutschen.

Wir sahen einen Mann in Arbeiterkleidung: Latzhose, Pullover, Stiefel, eine Mütze auf den grauen Haaren. Ich kannte ihn, es war der alte Mattes aus unserer Nachbarschaft. Er trug einen Sack in der Hand. Vorsichtig näherte er sich dem Ufer des Sees. Man merkte, dass er sich nicht gut auskannte – als Erwachsener wusste er nicht, auf welche Steine man zu treten hatte.

Als er das Ufer erreichte, hielt er inne, nahm den Sack am oberen Ende. Etwas schien sich darin zu bewegen.  Er hob ihn hoch über seinen Kopf und schmetterte ihn auf Stein, einmal, zweimal, dreimal. Dann nahm er den Sack am anderen Ende, schüttelte ihn und ließ seinen Inhalt ins Wasser fallen.

Atemlos sahen wir dem Mann zu. Wir blieben hinter der Kante, bis er zu seinem Auto gegangen und weggefahren war. Von unserer Position aus sahen wir das Auto an uns vorbeirollen. Dann stakten wir zu der Stelle hinüber, an der vorher der Mann gestanden war.

Im schlammigen trieben die zerschmetterten Körper von vier kleinen Katzen. Wir starrten darauf, wir sagten kein Wort. Dann stakten wir zurück zu der Stelle, wo das Floß leicht ans Ufer gezogen werden konnte. Niemand sagte etwas.

So begann für mich der Sommer 1972.

09 Februar 2018

Vorlesetexte zum Selbstlesen

Ich habe Volker Strübing noch nie live gesehen. Der Mann ist vor allem auf Lesebühnen und bei irgendwelchen Festivals unterwegs, bei denen er auftritt und seine Texte zum Besten gibt. Mit der Bemerkung »Du liest doch auch mal etwas Witziges« bekam ich sein Buch »Ein Ziegelstein für Dörte« in die Hand gedrückt.

Streng genommen ist es kein Buch: Es ist eine Sammlung mit Kurzgeschichten, dazu gibt es eine CD, die allerlei Hörbeispiele enthält. Und ich stelle fest: Der Mann ist auf der Bühne sicher eine Wucht; hat man die CD gehört, lesen sich die Kurzgeschichten ganz anders.

Strübing macht das, was viele Kabarettisten machen: Er erzählt aus seinem angeblichen Leben, nimmt also Dinge aus der Wirklichkeit und verfremdet sie. Das ist zum Schreien komisch, wenn er beispielsweise von einer Bahnfahrt berichtet, die er durch allerlei Skurrilitäten bereichert, oder wenn er von seiner Vorliebe für »Fleischsalat« erzählt.

Nicht alle Witze funktionieren, manche sind vor allem nur live wirklich gut. Zum Selbstlesen taugen seine Vorlesetexte auch: Ich las das Buch nicht am Stück, sondern nahm mir immer mal wieder eine seiner Kurzgeschichten vor.

Fast schon Phantastik-Charakter hat dabei der Text-Zyklus »Ein deutsches Leben«, der mit »Treibgut auf dem Meer der Einsamkeit (1971 – 84)« beginnt und sich bis in die aktuelle Zeit erstreckt. Immerhin war seine Kindheit sehr traurig und bestand »aus feuchten Wänden und trocken Brot«. Entsprechend abstrus lesen sich die weiteren Texte aus seinem fiktiven Leben.

Der Humor ist schwarz, manchmal ein wenig daneben, nicht immer politisch korrekt, meist aber mit einem gelungenen Blick auf allzumenschliche Probleme. Ich habe das Buch sehr gern gelesen, glaube aber, dass der Autor vor allem live überzeugt.

(Wer einen Vergleich sucht: Die »Känguru«-Bücher von Mark-Uwe Kling sind vor allem dann klasse, wenn man den Autor einmal live gesehen hat, funktionieren aber darüber hinaus ebenfalls sehr gut. Die Strübing-Texte sind nicht so gut, machen aber ebenfalls Spaß.)

Deutschsprachiger Humor also, mehr Comedy als Kabarett, nicht unbedingt tagespolitisch, sondern eher »alltagskulturell« – Volker Strübing werde ich mir merken. (Das Buch »Ein Ziegelstein für Dörte« erschien als Taschenbuch plus CD im Verlag Voland & Quist.)

Little Eye machen Hüpfmusik

Die Band Little Eye stammt aus Schottland, existiert seit 2008 und ist auf der Insel schon ziemlich bekannt. Man spielt IndieRock, wie er seit zehn Jahren immer wieder aus Großbritannien kommt, und das scheint ganz erfolgreich zu sein: Die Band spielt auf diversen Festivals und ist auch genau für dieses Publikum ausgelegt.

Ich habe die CD »Dreamers« gehört, die zum Jahreswechsel 2016/2017 erschienen ist und fünf schmissige Stücke enthält. Wer gemein sein möchte, bezeichnet die Musik der Band als »Disco-Rock«; es ist die Art von Rockmusik, die in den 80er-Jahren ganz regulär in Diskotheken lief und von Bands wie Foreigner und Toto kam. Heute läuft das unter IndieRock.

Seien wir nicht zu streng: Die schlimmsten Rock-Klischees werden vermieden. Die Melodien sind schmissig, sie dürften ein Konzert- oder Festival-Publikum rasch in Bewegung versetzen. Gelegentlich wummert der Bass, meist aber sind die Melodien geschliffen und der Ausdruck bleibt sehr pop-rockig. Aufregend ist das nicht gerade.

Wer Rockmusik mag, wie man sie zu Beginn der 80er-Jahre gern gehört hat, der ist bei der Band auf jeden Fall gut aufgehoben. Und wer eine coole Hüpfmusik für die Festival- und Party-Saison des Jahres 2018 sucht, sollte sich Little Eye auf jeden Fall mal anhören. Massentauglich ist die Band allemal, was ich hier ausnahmsweise nicht negativ meine.

08 Februar 2018

Eine Geschichte aus Bekassan

Ende 1979 kam ich in Kontakt zum sogenannten Fandom, der Szene von Science-Fiction- und Fantasy-Fans. Ich bestellte die ersten Fan-Zeitschriften, lernte einige Fan-Vereinigungen kennen und publizierte Texte. Innerhalb von wenigen Monaten wurde ich ein aktiver Fan, der sich an vielen Publikationen beteiligte.

Einer der Vereine, dem ich beitrat, war der Erste Deutsche Fantasy Club e.V. (EDFC). Wie genau er mit der phantastischen Welt Magira und der Gruppierung FOLLOW zusammenhing, muss ich mal an anderer Stelle erläutern. Kurz gesagt: Mithilfe von FOLLOW simuliert der Verein seit den späten 60er-Jahren die phantastische Welt namens Magira. Und jedes FOLLOW-Mitglied – ein sogenannter Follower – ist zugleich ein Bewohner von Magira.

Warum ich ausgerechnet zu einem Schwarzafrikaner wurde – dem ersten in der langen Geschichte des Vereins –, ist heutzutage schwer nachvollziehbar. Mein Kunstname war Ghazir en Dnormest, ich schloss mich dem Volk der Esraner an. Es wurde eine nordafrikanische Kultur simuliert, deren religiöse Züge entfernte Ähnlichkeit mit dem Islam hatten.

Um die lange Geschichte abzukürzen: Wie es sich gehörte, schrieb ich eine Geschichte, in der ich meinen FOLLOW-Charakter vorstellte. Ghazir en Dnormest wurde von mir als »Sheik« eines kleinen Wüstenstammes eingeführt, der sein Geld eigentlich damit verdient, dass er irgendwelche Salzbergwerke unterhält und mit dem Salz fleißigen Handel treibt.

Meine Geschichte trug den Titel »In den Salzstöcken von Bekassan«; ein typisches Sword-and-Sorcery-Abenteuer, das sogar einige humoristische Züge aufwies. Ansonsten schilderte ich eine Begegnung mit dem Unbekannten, es gab einige Kämpfe und am Ende natürlich ein relativ gutes Ende.

Veröffentlicht wurde die Geschichte irgendwann im Spätsommer 1980 in einem Fanzine namens »Wüstenkurier«, das in West-Berlin produziert wurde. Ich war sehr stolz auf die Geschichte und bekam von einigen Leuten auch einiges Lob dazu.

Wie ich darauf komme? In diesen Tagen kramte ich die Story endlich einmal heraus, um sie für mein geplantes Buchprojekt mit alten Fantasy-Geschichten anzuschauen. Sie wird – wenn es ein solches Buch jemals geben wird – sicher neu veröffentlicht werden. Damit würde ich die Wüste von Bekassan nach bald vierzig Jahren wieder in Erscheinung treten lassen!

07 Februar 2018

Dan Brown trifft Manga-Stil

Warum sollte das im Comic nicht auch gut funktionieren: Die Jagd nach dem Heiligen Gral fasziniert die Leser von Verschwörungs-Thrillern à la Dan Brown, sie hat im Kino für große Erfolge gesorgt. Dazu kommt das Judas-Geheimnis, es gibt halbwegs bekannte Schauplätze wie den Irak oder den Vatikanstaat, und es treten diverse religiöse Orden auf – fertig ist ein Gebräu, das bei entsprechender Dosierung einfach funktionieren muss. Und es funktioniert selbstverständlich auch im Comic ...

Bereits sechs Bände sind von der Comic-Serie »Cross Fire« erschienen; Grund genug, zumindest mal einen Blick darauf zu werfen. Hauptfiguren sind ein junger Killer der Mafia sowie eine junge, sehr attraktive Frau, die als Geheimagentin für einen Kardinal arbeitet. Beide müssen zusammen arbeiten, beide kümmern sich künftig um Geheimnisse der Kirche, die teilweise seit 2000 Jahren bestehen und die eifersüchtig gehütet werden.

Dabei wird viel geballert und gebombt, ständig herrscht Action. Als ernsthafter Krimi funktioniert das Ganze ebensowenig wie als ernsthafte Science Fiction. Das war sicher auch nicht die Absicht des Kreativduos Jean-Luc Sala als Autor und Pierre-Mony Chan und Zeichner. Die beiden wollten offenbar vor allem eine rasante Geschichte erzählen, die bewusst mit Elementen von Dan Brown spielt, aber die Verwandtschaft mit Indiana Jones und Lara Croft nicht verneinen kann.

Die Frauen in diesem Comic sind alle extrem langbeinig, großbrüstig und schmalhüftig; dazu kommen riesengroße Augen. Vor allem hier zeigt sich deutlich der Manga-Einfluss, ebenso bei den Speedlines, die alle Action-Szenen mit übertriebener Dynamik illustrieren. Wer damit ein Problem hat – und das wäre durchaus nachvollziehbar –, muss die Finger von »Cross Fire« lassen.

Wer auf Verschwörungstheorien steht, rein fiktional natürlich, sollte einen Blick wagen. Auf der Internet-Seite des Splitter-Verlages stehen ja haufenweise Leseproben zur Verfügung; das gibt einen guten Einblick. Und wer Lust darauf hat, eine schnell erzählte Comic-Geschichte kennenzulernen, die sich schon sehr stark von den klassischen frankobelgischen Geschichten unterscheidet, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren.

Ich finde »Cross Fire« cool – ein Comic, der aktuell und modern ist, ohne sich zu sehr an den Zeitgeschmack anzubiedern.

06 Februar 2018

Gefährliche Expedition in die Pfalz

Die aktuelle Ausgabe des OX-Fanzines ist erschienen. Es handelt sich um die Nummer 163; auf dem Cover sind die Damen und Herren von The Baboon Show in lasziver Pose zu sehen. Und ich bin als Autor mit der aktuellen Folge meines Fortsetzungsromans vertreten.

»Der gute Geist des Rock'n'Roll« ist damit schon in die elfte Runde eingetreten. Ich bin selbst immer baff, wenn ich feststelle, wie schnell so eine Veröffentlichung durchrattern kann. Sieht man davon ab, dass ich mir stets selbst einen Zeitdruck verschaffe, macht mir das Schreiben der Serie nach wie vor großen Spaß.

Diesmal ist der Held meines Romans auf einer gefährlichen Expedition unterwegs. Man hat die beschauliche Stadt verlassen, in der Peter Meißner sonst wohnt, ist über den Rhein gefahren und versucht in der Pfalz nun, irgendwelchen Nazis einige pädagogische Schläge auf den Hinterkopf zu verpassen. Und natürlich geht nie alles so aus, wie es sich der Held des Romans so vorstellt ...

Zufälligerweise ist Peter Meißner so alt wie ich. Aber dann hören die Ähnlichkeiten auch fast auf. 1996 arbeitete ich nicht als Grafiker in einem Anzeigenblatt, sondern als Redakteut in einem Zeitschriftenverlag.

Ansonsten gibt es doch die eine oder andere Überschneidung. Aber diese Details sollen meinetwegen in hundert Jahren irgendwelche Germanistik-Studenten herausfinden.

05 Februar 2018

Immerhin auf der Longlist

Zwar glaube ich nicht daran, dass ich eine ernsthafte Chance habe – die Konkurrenz an richtig guten Romanen ist einfach sehr groß –, aber ich habe mich sehr darüber gefreut, zumindest bei der »Longlist« zu landen. Gemeint ist die Liste im Bereich »bestes Buch« der phantastischen Literatur, die für die weitere Wahl des Seraph-Jury ausgewählt wurde. Ich empfinde das als schöne Auszeichnung für meinen Roman »Das blutende Land«.

Dass mir die Jury den »N.« – sprich »Enpunkt« – bei meinem Namen geklaut hat, werde ich wohl überleben. Aber das Buch wäre ja auch fast ohne dieses Mittel-Initial gedruckt worden; bei Droemer-Knaur mochte man den »N.« wohl nicht so gern. Die Phantastische Akademie ordnet sich hier also ins Gesamtbild ein ...

Ich werde in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse sein. Wie ich mein Glück kenne, bekomme ich die Preisverleihung dann wieder aus der Ferne mit. Aber den Gewinnerinnen und Gewinnern möchte ich dennoch gratulieren!


Rezensionen mit unterschiedlicher Gewichtung

Ich erlaube mir, an dieser Stelle auf zwei neue Rezensionen zu meinem Fantasy-Roman »Das blutende Land« hinzuweisen. Sie sind nicht euphorisch ausgefallen – aber das macht nichts. Jede Rezensentin und jeder Rezensent haben sich schließlich intensiv mit meinem Roman beschäftigt, und das finde ich gut.

Im Internet-Portal »Literatopia« betrachtet Nicole Troelenberg durchaus kritisch über meinen Roman. Sie schreibt etwas, das ich mittlerweile sehr oft gehört habe: »... da die drei erwähnten Charaktere alles andere als sympathisch gestaltet sind.« Die Hauptfiguren seie alle um ihr »eigenes Wohlergehen, um ihren Aufstieg und ihre Befehle besorgt und scheren sich nicht um das Leid anderer«.

Ihr Fazit ist dann nicht so positiv: »Erst in der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte Fahrt auf und nimmt den Leser mit in eine schroffe Welt voll uralter Magie, selbstsüchtigen Herrschern und eilfertigen Söldnern, deren Mangel an Vernunft das Land in den Untergang zu stürzen droht.« Mein Werk sei sicher »kein schlechter Roman«, habe »aber nur einen Platz im Mittelfeld«.

Eine vom Stil und vom Inhalt her spannende Rezension fand ich auf der Seite »Der weiße Drache«. Der Rezensent hat eine ungewöhnliche Art, über das Buch zu schreiben; sie erinnert mich an die subjektive Art von Rezensionen, die ich vor allem von Punkrock-Fanzines her kenne. Das ist außergewöhnlich und macht Spaß.

Der Rezensent meint, »das blutende Land« sei auch unser Land. »Fantasy-Literatur ist immer ein Spiegel unserer Zeit und Klaus hat das, messerscharf, umgesetzt.« Ich hätte »richtig gute Arbeit geleistet« und mich dafür empfohlen, »dass man sein Buch auch inhaliert«. Nun denn ...

04 Februar 2018

Das Leben ist ein Fest – im Film

Der neue Spielfilm aus Frankreich heißt »Das Leben ist ein Fest«, und ich habe ihn gestern abend im Kino gesehen. Um es vorwegzunehmen: Es ist kein Film, den man gesehen haben muss, aber wenn man für eineinhalb Stunden einen Film sehen möchte, der einen rundherum gut unterhält, der nebenbei ein schönes Bild unserer Zeit vermittelt und richtig gut gemacht ist – dann ist dieser Streifen echt gut geeignet.

Die Hauptperson ist Max, ein Mann, der Hochzeiten plant und organisiert. Es geht um eine einzige Party, die in einem alten Schloss abzulaufen hat.

Doch nichts klappt so richtig: Seine Stellvertreterin verträgt sich nicht mit den Musikern, es gibt Probleme mit dem Essen, und einige der Hilfskräfte haben keine Ahnung von dem, was sie tun sollen. Darüber hinaus hat Max sowohl Probleme mit seiner Ehefrau als auch mit seiner Geliebten, und der Bräutigam stellt sich als ein eingebildeter Kotzbrocken heraus.

Die Macher, die auch für »Ziemlich beste Freunde« verantwortlich waren, packen verdammt viel Stoff in ihren Streifen. Neben der Geschichte von Max erzählen sie noch gut ein Dutzend weiterer Geschichten, die alle parallel laufen, die alle miteinander zusammenhängen und die alle in diesem Schloss zu einem gewissen Abschluss kamen. Als Zuschauer lacht man oder man freut sich mit den Leuten, man ist entsetzt, wenn etwas schiefgeht, und man freut sich, wenn dann doch das Gute siegt.

Klar, es gibt sicher gute Gründe, so einen Film doof zu finden. Kann man ernsthaft über flache Gags lachen, wenn die Wirklichkeit so traurig und ernsthaft ist? Ja, man sollte das sogar.

Zudem ist »Das Leben ist ein Fest« ein Film, der verdammt viel über unsere Wirklichkeit aussagt, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken: Ganz nebenbei geht es um illegale Beschäftigung, die Tricks bei Veranstaltungen, den Snobismus der Oberklasse und die vielen kleinen Lügen, die offenbar jeder mit sich und seiner Umwelt ausmacht.

»Das Leben ist ein Fest«, der mich richtig gut unterhalten hat. Ob man ihn jetzt im Kino sehen muss, weiß ich nicht. Aber manche Bilder sind auch in diesem Streifen so, dass sie auf der großen Leinwand einfach toll sind, während sie auf dem Bildschirm halt einfach nur lahm sein dürften. Meine Empfehlung: reingehen!

03 Februar 2018

Ein Schwerpunkt zum Thema Plagiate

Die Zeitschrift »Federwelt« erscheint alle zwei Monate. Man könnte meinen, das reicht, um sie regelmäßig zu lesen. Doch Fehlanzeige!, ich hinke ständig hinterher. So schaffte ich es erst dieser Tage, die Ausgabe 127 zu Ende zu lesen – und diese flatterte mir im Dezember 2017 ins Haus.

Wie so oft, gab es auch in dieser Ausgabe viele Dinge, die mich interessierten. Die »Zeitschrift für Autorinnen und Autoren« liefert immer wieder Themen, die ich als Redakteur spannend finde, ebenso als Gelegenheitsautor. Und wenn es nur Anregungen sind, über die ich nachdenken und mit denen ich Ideen weiterspinnen kann ...

Auf den 68 Seiten der Dezember-Ausgabe bilden Plagiate ein echtes Schwerpunkt-Thema. Offenbar hat vor allem unter Selfpublishern die Tendenz zugenommen, gnadenlos voneinander abzuschreiben. Entsprechende Beispiele liefern die Beiträge im Magazin, ebenso gibt es rechtliche Informationen – unter anderem gibt ein Rechtsanwalt einige Auskünfte.

Darüber hinaus beschäftigt sich das Heft mit Stipendien oder über die Möglichkeiten, im Lokalbereich für sich als Autor oder Autorin aufmerksam zu machen. Es gibt Textkritik – diesmal die »literarische Kurzgeschichte« und Überlegungen zur heutigen Lyrik.

Alles in allem eine unglaublich bunte Mischung! Anke Gasch als Chefredakteurin setzt die gute Arbeit ihrer Vorgängerinnen und Vorgänge fort; ich mag das Heft sehr, auch wenn ich es selten schaffe, eine Ausgabe komplett zu lesen. (Checkt die Internet-Seite!)

02 Februar 2018

Harter Kampf beim Bäcker

Ich wohne in Karlsruhe, wo ich theoretisch eine große Auswahl an Bäckereien habe. In der Innenstadt wimmelt es von den großen Bäckerei-Ketten wie etwa der »Badischen Backstube« oder sogenannten Back-Shops (wenn man das englisch ausspricht, klingt es gleich viel lustiger). Diese Läden meide ich, wenn möglich, und ich kaufe normalerweise auch nicht in den Bäckereien ein, die den Supermärkten angegliedert sind. Ich finde die gebotenen Backwaren qualitativ nicht gut.

Also steuere ich eine der Bäckereien an, die inhabergeführt sind und von denen es in direkter Nähe zu unserer Wohnung gleich mehrere gibt. Und dann hängt es einfach davon ab, wie gut oder wie schlecht meine Stimmung ist. Als beste Bäckereien in unserer Gegend gelten – zu Recht – die Bäckereien Lörz und Meier. Beide haben gleich mehrere Filialen.

Will ich es gemütlich haben, steuere ich die Bäckerei Meier an. Dort ist zwar viel los, aber die Schlange ist nicht lang. Oder ich setze mich aufs Rad, fahre einen Kilometer weiter und in den Ortsteil Mühlburg – dort ist in den Lörz-Filialen auch ein vergleichsweise normaler Betrieb.

Will ich aber so richtig aufgeweckt werden, will ich das pralle Leben spüren, dann steuere ich die Lörz-Filiale an, die uns am nächsten liegt. Dort stehen die Kunden echt Schlange, man kommt sich vor wie in der alten DDR. Die Schlange geht auf die Straße hinaus, bei Wind und bei Wetter steht immer gut ein Dutzend Menschen außerhalb des Ladens und wartet darauf, dass es hineingeht.

Dabei stehen hinter dem Tresen im Schnitt drei bis vier Personen, die den Verkauf abwickeln. Die Damen sind schnell, und sie sind energisch. Wer zu lang überlegt oder erst einmal eine Frage stellen möchte, hat echt verschissen.

Entsprechend hektisch geht es zu, die Rufe gellen kreuz und quer durch die überfüllte Filiale: »Was wellet Sie« oder »Sonsch no was?« sind Standardfragen. Als Kunde gibt man schnell und hektisch Antwort, Rückfragen werden ebenfalls quer durch die Filiale gebrüllt. Dann zahlt man flott, eilt hinaus ins Freie – damit der nächste Kunde seinen Platz in der Schlange verlassen und in die Filiale gehen kann.

Action, Spaß und Spannung: Andere Leute bezahlen viel Geld dafür, ich gehe einfach in die nächstgelegene Bäckerei.

01 Februar 2018

Tagen zwischen Reben

Nicht zum ersten Mal veranstalteten meine Kolleginnen und Kollegen zusammen mit mir eine Teamtagung – die fand dieses Jahr wieder im beschaulichen Örtchen Neuweier statt. Wer das nicht kennt, muss sich nicht grämen; es ist ein Dorf, das zwischen den Weinbergen liegt und in dem es eine Reihe von guten Restaurants gibt.

Wir tagten im »Rebenhof«, der wirklich optimal für solche Zwecke ist: Der Besprechungsraum ist für eine Gruppe unserer Größe optimal, es gibt ausreichend Parkplätze, und wer an die frische Luft will, hat zwischen Weinbergen und Schwarzwaldrand genügend Auslauffläche. Letztlich geht's darum, intensiv zu arbeiten, ohne von Termindruck-Telefonaten gestoppt zu werden.

Das Essen war typisch badisch: Es gibt halt viel mit Soßen, es gibt Spätzle und Maultäschle – aber wer auf eine gutbürgerliche Küche steht, ist hier bestens beraten. Als Vegetarier fristete ich kein Schattendasein, sondern bekam vernünftiges Essen auf den Tisch. Und weil wir in der Weinregion des Reblandes saßen, schmeckte auch der lokale Riesling echt gut.

Für einen besonderen Charme sorgen seit all den Jahren die Gänse, die offenbar als ein Ersatz für Hunde dienen müssen: Wer den Tieren zu nahe kommt, wird durchaus aggressiv angegangen. Deshalb riskierte ich es nicht, sie zu intensiv zu mustern, sondern schoss mein Romantik-Foto aus der Ferne ...