15 September 2019

Das Sommerfest im P 8

Das diesjährige Sommerfest im P 8, dem subkulturellen Zentrum in der Nordstadt von Karlsruhe, begann am Samstag, 14. September 2019, schon am Nachmittag. Ich verpasste aber die ersten Bands, weil ich erst gegen 21 Uhr auf dem Gelände eintraf. Die Veranstalter hatten einen schmucklosen und langweilig wirkenden Parkplatz in ein Open-Air-Gelände verwandelt, auf dem sich rund 500 Leute versammelt hatten.

Als ankam, standen Mal Élevé auf der Bühne: ein HipHopper, dessen Musik auch Einflüsse von Reggae und Ska hat, der bei manchen Stücken von einer Sängerin unterstützt wurde und der in drei Sprachen sang, nicht nur in deutsch, sondern auch in französisch und einer Sprache, die ich nicht zuordnen konnte. (Bekannt war er durch Irie Revoltés geworden, bei denen er früher gesungen hatte.)

Musikalisch ist das nicht unbedingt mein Ding, die Stimmung war aber klasse. Die Leute tanzten begeistert, das Publikum skandierte die politischen Aussagen mit, in denen es gegen Nazis, für Seenotrettung und generell um mehr Menschlichkeit ging. Politische Musik also, die aber vor allem zum Tanzen anregte – auch gut.

Später ging es im Inneren des Gebäues weiter. (Kurz nach 22 Uhr war eh schon die Polizei vor dem Gelände gestanden.) Es standen die drei Männer von The Incredible Herrengedeck aus Berlin auf der Bühne – siehe auch das Foto –, die eine spaßige Musik mit Wandergitarren und Bass machten, die sie selbst als Chansonpunk bezeichneten. Textlich mit viel Ironie, aber durchaus auch mit ernsthaften Themen: zum Weltuntergang oder zu Konflikten mit der Staatsgewalt.

Den bollernden Abschluss bildete War With The Newts aus Berlin: drei langhaarige Männer, die eine räudig-derbe Hardcore-Mischung spielten, die schwer nach den späten 80er-Jahren klang, die mit viel Energie auf der Bühne präsentiert wurde und deren Texte nicht hundertprozentig ernstzunehmen waren. (Nannte man so etwas früher FunCore? Ich hab's vergessen.)

Als der Disco-Betrieb einsetzte, verpasste ich den Absprung. So stand ich noch stundenlang an der Theke oder saß im Außenbereich herum, trank Bier und redete mit Leuten. Entsprechend spät wurde es – nach einem gelungenen Sommerfest!

14 September 2019

»Der Sonntag« und der Totengräber

Die »Badischen Neuesten Nachrichten« sind eine Tageszeitung, die in Karlsruhe erscheint und überregionale Bedeutung hat. Ich lese das Blatt nur sehr unregelmäßig, weil ich eine überregionale Tageszeitung abonniert habe, die mir mehr »Input« gibt.

Mit »Der Sonntag« veröffentlichen die »BNN«, so die Kurzform dieser Tageszeitung, eine wöchentliche Gratiszeitung, die journalistisch sehr gut gemacht ist und die ich als Informationsquelle zu meinem Wohnort sehr schätze. Und vergangenen Sonntag stand »Totengräbers Tagebuch« im Zentrum der Seite drei – an diesem Buch habe ich ja tatkräftig mitgewirkt, weshalb ich ganz besonders stolz auf diese Veröffentlichung war.

Mittlerweile kann man die betreffende Seite auch kostenfrei und online nachlesen, was ich gut finde. Wolfgang Weber, der Autor des Artikels, dem ich dafür sicher noch einen Wein ausgeben muss, hat mir aber zudem erlaubt, den betreffenden Beitrag in meinem Blog zu veröffentlichen (und darüber hinaus). Hier ist er nun zu finden.

Der Artikel ist meiner Ansicht nach sehr gut geschrieben, gibt in ausgesprochen gelungener Weise wieder, um was es in dem Buch gibt, und lässt sowohl Volker als auch mich schön zu Wort kommen. Hoffen wir, dass es dem Verkauf des Werkes nicht schadet, sondern nutzt ...

13 September 2019

Mal wieder Triberg

Es gibt ein Bild von meiner Schwester und mir, das ich sehr gut im Gedächtnis habe: Wir stehen nebeneinander, ich vielleicht sechs, sie vielleicht vier Jahre alt, kleine Schwarzwaldkinder halt. Hinter uns sieht man einen Wasserfall, wir stehen auf Steinen und sehen uns an. Das Bild ist zugleich meine älteste Erinnerung an die Triberger Wasserfälle. Ob wir als Kinder oft dort waren, weiß ich nicht mehr; sie zählen aber zu meinen Kindheitserinnerungen.

Dieser Tage war ich wieder einmal in Triberg, mehr als vierzig Jahre danach. Und ich muss gestehen: Die Wasserfälle sind immer noch eindrucksvoll, und ich stand immer wieder da, ließ das Bild auf mich wirken, das brausende Wasser, die steilen Felsen, die Bäume und das Moos, die Eichhörnchen und Eichelhäher. Die Verantwortlichen vor Ort hatten viele Wege modernisiert, die Treppengeländer wirkten stabil, und man hatte für schöne Möglichkeiten gesorgt, sich hinzusetzen und das Naturschauspiel zu bewundern.

Wir waren immerhin unter der Woche vor Ort, das war gut so. Der Ansturm der Besucher hielt sich in Grenzen. Offenbar war ein Bus mit italienischen Touristen vor Ort, dazu kamen Inder, Amerikaner und Franzosen – natürlich ebenso viele Menschen aus Deutschland. Handys klickten, Kameras waren überall im Einsatz – bei manchen Leuten hatte ich das Gefühl, dass sie das Naturschauspiel nur durch die Kamera betrachteten. Das fand ich ein wenig traurig.

Ich genoss den Aufenthalt an den Wasserfällen sehr. Die Luft war gut, die Bewegung machte Spaß, und die Schwarzwald-Atmosphäre holte mich gewissermaßen in meine Kindheit zurück. Das war dann doch ein richtig schöner Ausflug!

12 September 2019

Erinnerungen an Walter A.

Ich hatte lange nicht mehr an Hans-Walter Arweiler gedacht. Erst auf einen Facebook-Hinweis hin, den Frank G. Gerigk gegeben hatte, wurde ich wieder auf ihn aufmerksam und bekam so mit, dass er bereits 2009 gestorben war. Das schockierte mich dann doch: In den 80er-Jahren hatten wir vergleichsweise intensive Briefkontakte unterhalten – und dann bekam ich seinen Tod einfach nicht mit.

Seit ich die Todesanzeige in der Saarbrücker Zeitung gelesen hatte, kamen mir zahlreiche Begegnungen in Erinnerung; seither ringe ich mit mir, ob ich einen nachträglichen Nachruf schreiben soll. Das erscheint mir dann auch nicht angemessen. Dinge ändern sich, Menschen ändern sich, die Beziehungen zwischen ihnen sowieso.

Ich lernte Walter – das »Hans« hatte ich nie auf dem Schirm – in den frühen 80er-Jahren kenne. Er war Science-Fiction-Fan und saß im Gefängnis. Wir schrieben uns seitenlange Briefe, in denen er auch über seine Erfahrungen im Gefängnis und davor als Verbrecher – daraus machte er keinen Hehl – erzählte. Er wollte sich aus dem Gefängnis heraus eine neue bürgerliche Existenz aufbauen und setzte viel Energie in ein geplantes Science-Fiction-Magazin.

Das Magazin sollte »Space Travel« heißen. Walter schrieb Briefe, er sammelte Kontakte, er baute eine Redaktion auf. Als ich im Saarland war, besuchte ich ihn einmal im Gefängnis, was ich damals sehr einschüchternd fand. Aus seinem eigenen Magazin wurde leider nie das, was er sich erhoffte.

Dafür stieg er bei »meinem« SAGITTARIUS ein, als das Fanzine immer größer und »magaziniger« wurde. Nachdem er aus dem Gefängnis gekommen war, stürzte er sich mit großer Energie auf SAGITTARIUS, er nahm an Redaktionsbesprechungen teil und besuchte mich in Dietersweiler. Zeitweise verstanden wir uns sehr gut – aber dann traten unsere unterschiedlichen Ansichten deutlicher zum Vorschein. Als ich 1988 beschloss, das Heft einzustellen, empfand er das offenbar als persönliche Kränkung.

In der Ferne ging es mit uns stark auseinander. Wir waren vorher keine Freunde gewesen, wir wurden aber auch keine Feinde. Wir verhielten uns, wenn wir uns trafen, eher distanziert. Nach 1990 verlor ich ihn komplett aus den Augen. Offenbar gründete er eine Familie; ich hoffe, dass er ein glückliches und schönes Leben führte.

Für mich ist tatsächlich unbegreiflich, wie sehr ich einen Kontakt, den ich jahrelang als positiv und bereichernd empfunden hatte, auf einmal hatte verschwinden lassen können. Ich hatte Walter buchstäblich vergessen; das finde ich noch heute hart.

11 September 2019

Die Experimenta lohnt sich

Schon seit Jahren wollte ich die »Experimenta« in Heilbronn besuchen. Mich interessiert dieses sogenannte Science Center, und ich konnte mir das Ganze nicht so richtig vorstellen. Weil es sich dieser Tage anbot, fuhren wir nach Heilbronn – was von Karlsruhe aus gut zu erreichen ist, sogar mit der Straßenbahn – und begaben uns zum Eingang.

Eine freundliche Frau erklärte uns die Örtlichkeiten. »Der vierte Stock ist für Sie wohl kaum interessant«, meinte sie, »der ist vor allem für Kinder von vier bis zehn Jahren gedacht.«

Sie irrte sich grundsätzlich: Der vierte Stock war der, der mir am meisten Freunde machte. Dutzende von Kindern tummelten sich dort, experimentierten mit Luft und Strom, mit Wasser und der Schwerkraft; es herrschte viel Lärm und Durcheinander, Jungen und Mädchen waren gleichermaßen an den technischen Geräten oder Mikroskopen zugange.

Auch die anderen Stockwerke fand ich spannend. Überall gab es Dinge zu entdecken, wissenschaftliche Experimente zu wagen oder einfach nur interessante Schautafeln anzuschauen. Ich hätte mich locker einen ganzen Tag in der »Experimenta« aufhalten können und war sehr von der Anlage angetan.

Wer Kinder oder Jugendliche für Wissenschaft und Forschung begeistern will, ist in Heilbronn sicher richtig. Und wer selbst Lust hat, augenzwinkernd einige neue Erkenntnisse zu sammeln, dem schadet ein Besuch in der »Experimenta« sicher nicht.

10 September 2019

Hexen, Folter, Zeitmagie

Eigentlich ist es ein klassisches Gruselheft-Szenario: In einem Dorf in England haben sich Hexen versammelt, um ein Dorf anzugreifen. In diesem Dorf wütete vor Jahrhunderten der sogenannte Hexenwürger, der viele unschuldige Frauen folterte und anschließend im Moor versenkte.

Diese alte Geschichte kommt in neuer Zeit zum Vorschein. Nur John Sinclair kann die paar Menschen im Dorf von einem fürchterlichen Ende bewahren ...

Das ist im Prinzip der Hintergrund für »Wikkas Rache«, das Hörspiel mit der Nummer 102 aus der Reihe der »John Sinclair«-Hörspiele. Der zugrunde liegende Roman wurde bereits 1983 als Heft veröffentlicht – die moderne Aufmachung als Hörspiel ist sehr gut gemacht.

Allerdings sind mir die modernen Aspekte zu realitätsnah; das wirkt mir zu sadistisch und brutal. Das Foltern und Quälen einer jungen Frau, die für Scotland Yard tätig ist und John Sinclair kennt, zieht sich durch das halbe Hörspiel; ihr Schreien und Wimmern sind nur schwer auszuhalten. In solchen Fällen frage ich mich schon, ob das in der Ausführlichkeit wirklich nötig ist und ob »der Markt« so etwas tatsächlich verlangt.

Dabei ist die Geschichte bei aller Trivialität sogar spannend. Mit der sogenannten Zeitmagie, deren Hintergrund natürlich nicht erklärt wird, können die Hexen und auch das weibliche Opfer zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart wechseln; es gibt Moorleichen und Zaubersprüche – akustisch wird einiges geboten.

Na ja, die Brutalität muss ich wohl akzeptieren; vielleicht bin ich zu weicheierig geworden ...

Ein Monkeeman mit viel Irland

Die Band Monkeeman gibt es seit schon seit Beginn der Nuller-Jahre. Mit wechselnden Musikern hat der aus Wilhelmshaven stammende Ralf Lübke diverse Tonträger aufgenommen – ich habe zuletzt die Platte mit dem schönen Titel »Lo-Fi Against Low Lifes« angehört. Diese enthält zwölf gelungene Stücke mit viel Gitarren-Pop und ganz winzigen Punkrock-Spuren, die allesamt gut ins Ohr gehen und eine große musikalische Bandbreite abdecken.

Was ich spannend dabei finde: Drei der Musiker stammen aus Irland – es handelt sich also um eine Band, die über Ländergrenzen hinausreicht. Das macht die Musik letztlich auch. Man schöpft aus dem reichen Feld des Gitarren-Pop, lässt es gelegentlich ein wenig krachen, setzt aber ansonsten auf gelungene Melodien.

Da kann auch mal ein funkiger Bläsersatz schräg ins Stück pusten, meist tragen die klare Stimme des Sängers und die angenehmen Gitarren die Stücke. Firlefanz gibt es hier keinen, überproduziert ist nichts, bewusst »oldschool« bleibt man aber auch nicht. Das ist alles sehr gelungen, lässt sich schön anhören und passt meist zu den ruhigeren Momenten im Leben.

Ich kannte den Monkeeman vorher tatsächlich nur vom Namen her, hatte bislang keine Platten von ihm und seiner Band gehört. Wahrscheinlich sollte ich das ändern ...

09 September 2019

Der Deutsche SF-Preis wird vergeben

Ich gestehe, dass ich von vielen Buch- und Literaturpreisen nicht viel halte. Häufig habe ich das Gefühl, dass bei den Preisträgern gerne die Leute ausgesucht werden, die zu einer »In-Group« gehören. Die Science Fiction und Fantasy bieten da keinen relevanten Unterschied. Beim Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) habe ich allerdings das Gefühl, dass die Jury ihre Arbeit sehr ernsthaft ausübt.

Für den DSFP 2018 wurden jetzt die Preisträger bekannt gegeben. Relevant für den Preis, so die Jury, sind »alle im Original in deutscher Sprache im Jahr 2017 erstmals in gedruckter Form erschienenen Texte des Literaturgenres Science-Fiction«. Ich bin sicher, dass ich hier an der einen oder anderen Stelle meinen Einwand erheben würde, wenn ich unbedingt wollte, möchte aber diesmal nicht meckern. Der Preis, der zudem mit 1000 Euro je Kategorie dotiert ist, wird von mir als relevant empfunden.

Wobei ich mich zur Kategorie »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte« kaum äußern kann. Hier lese ich selbst zu wenig, um ernsthaft mitreden zu können. Gewonnen hat die Geschichte »Confinement« von Thorsten Küper, erschienen in »Nova 26« – bei diesem Magazin lief mein Abonnement schon vor Jahren aus, weil ich mit der Lektüre nicht hinterherkam.

Der Autor ist mir bekannt, seine Texte sind meist ideenreich und gut geschrieben. Ich gehe also davon aus, dass die Jury den Preis nach klarer Diskussion vergeben hat.

Beim Preis für den besten Roman kann ich mitreden. Es gewann »Hologrammatica« von Tom Hillenbrand, den ich selbst gelesen hatte und sehr schätzte. Auf dem zweiten Platz landete »NSA« von Andreas Eschbach, bei dem ich sicher war, dass man ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Jury auszutragen hatte.

Interessant finde ich, dass der dritte Platz von einem untypischen Roman eingenommen wird. »Die Hochhausspringerin« von Julia von Loucadou war mir bislang völlig unbekannt.

Insgesamt lohnt es sich, die Liste der Preisträger_innen anzusehen. Sie ist interessant genug für eine längere Betrachtung und macht mich auf den einen oder anderen Titel neugierig. Den Preisträgern möchte ich an dieser Stelle gratulieren!