25 April 2012

Kurzer, fieser Horror-Roman


Im Atlantis-Verlag erschienen in vergangenen Monaten immer mehr Titel, die ich in dem kleinen Verlag zuvor nicht vermutet hatte: unter anderem Lizenzausgaben amerikanischer Autoren . Von denen besorgte ich mir prompt einige Titel. Zuletzt las ich »Eingesperrt« von Brian Keene, der in Horror-Kreisen längst einen guten Namen hat, von dem ich aber bislang keinen Roman in der Hand hatte.

Die Handlung beginnt in einem kleinen Elektronikladen irgendwo in den USA. Nur eine Handvoll von Angestellten ist anwesend, als ein bewaffneter Mann auftritt und sie alle in den Lagerraum treibt. Dort werden sie in einen Käfig gesperrt, in dem sie die Nacht verbringen müssen. Auf jeden von ihnen wartet ein schreckliches Schicksal, das wird ihnen recht schnell klar – aber sie können nichts tun. In ihrem Käfig müssen sie darauf warten, was der Fremde mit ihnen vorhat ...

Die Sprache in diesem Roman ist klar, fast lakonisch; sie erinnert an Thriller oder klassische Detektivgeschichten. Spannung wird über trockene Dialoge vermittelt, Beschreibungen sind eindeutig und ufern nie aus. Wenn die Personen sprechen, »klingt« das stets sehr lebensnah.

Sehr glaubwürdig vermittelt Keene die Angst seiner Helden: Die Männer zittern vor Angst, sie streiten sich, sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Der Gerucht in der Abstellkammer, die Enge der Situation, die Auswegslosigkeit – der Autor schildert das Geschehen fast ruhig und verzichtet auf überzogene Schock-Effekte.

Die Angst entsteht im Kopf des Lesers, der nie mehr weiß als die jeweilige Hauptperson. »Eingesperrt« ist richtig fies, der Kurzroman entfaltet beim Lesen einen echten Sog. Als ich das Buch zuklappte, war ich erst einmal eine Weile sehr ruhig und ließ einige Szenen nachwirken: stark gemacht!

Kritiker könnten einwenden, dass der Roman kein Meisterwerk sei. Das mag sein – aber er ist spannend, und er lässt einen bei der Lektüre nicht los. Bei gerade mal 80 Seiten ist das auch das Wichtigste.

Der Roman ist als Paperback erschienen und kann über diverse Versender oder direkt über den Atlantis-Verlag bestellt werden. Für E-Book-Fans gib's eine Kindle-Edition, für Sammler wie ich eine Hardcover-Version – die liefert aber nur der Verlag direkt aus.

24 April 2012

Beim Majer-Bäcker


Warum wir in Venedig so lange brauchten, um herauszukriegen, dass es eine Kette namens Panificio Majer gibt, ist mir im Nachhinein schleierhaft. Nachdem wir es aber kapiert hatten, gingen wir mehrmals zum »Majer-Bäcker«, um dort beispielsweise zu frühstücken oder nachmittags eine Kleinigkeit zu uns zu nehmen.

Die Auswahl fand ich ziemlich klasse, wenngleich sie von der Größe der Bäckerei und ihrer Lage abhängig war: War die Örtlichkeit an einem großen Platz, konnte sie naturgemäß andere Dimensionen haben als am Rand einer schmalen Gasse. Aber überall eröffnete sich die Möglichkeit, einen »schnellen Kaffee« – also einen Espresso – für kleines Geld an der Theke zu trinken.

Und es gab überall leckere Backwaren: süße Stückchen, pikantes Gebäck, belegte Brote und so weiter. Sogar als Vegetarier kam ich auf meine Kosten.

Zu vergleichen ist »Majer« nicht gerade mit einer der hochwertigen Konditoreien, von denen es in Venedig selbstverständlich auch mehrere gibt. Und die jüdische Bäckerei im ehemaligen Ghetto bot ihrerseits besondere Spezialitäten an. Aber für ein Standard-Frühstück und ein gelegentliches »Zwischendurch« erwies sich die Bäckerei als hervorragend geeignet.

23 April 2012

Die Frarikirche

Hierzulande sind Kirchen für mich zwar kein Feindbild, aber sie lassen mich gleichgültig. Ich betrete sie nur, wenn ich muss. In den letzten Jahren war das eigentlich nur bei Hochzeiten oder Todesfällen nötig. Im Ausland ist das anders: Da schaue ich mir eine Kirche durchaus mal unter geschichtlich-künstlerischen Gesichtspunkten an.

Am zweiten Tag unseres Venedig-Aufenanthaltes standen wir auf einmal vor einem riesigen Sakralbau. Ein Blick in den Reiseführer belehrte uns, dass es sich um die Frarikirche handelte, genauer gesagt, die Santa Maria Gloriosa dei Frari. Es kostete drei Euro Eintritt, das Gebäude wurde empfohlen – also gingen wir hinein.

Ich war gebührend beeindruckt. Schon die Architektur ist faszinierend: hohe Decken, eine strenge und zugleich verwirrende Gliederung, Altäre und Seitenschiffe. Dazu kommen haufenweise Bilder und Statuen, die allesamt Jahrhunderte alt sind.

Künstler wie Tizian, dessen Name sogar mir etwas sagte, oder Bellini sind vertreten: Die Bilder sind riesengroß, die Statuen geradezu lebensecht – sieht man von den Dimensionen ab. Ich verbrachte viel Zeit damit, mir diese Kunstwerke anzuschauen, und fand das alles ziemlich klasse.

Die Vorstellung, in einem Gebäude zu stehen, dessen Kunst vor Jahrhunderten erschaffen wurde, und so quasi eine Zeitmaschine zu betreten, fand ich faszinierend. Ich kam mir vor wie in einem historischen Roman. Als ich Stunden später wieder an das Sonnenlicht trat, wirkten die Bilder und Statuen geradezu nach.

22 April 2012

Fans und ihr Engagement

Die Begeisterung, die vor allem weibliche Musikfans ihren Lieblings-Bands entgegen bringen, habe ich nie verstanden. Schaue ich mir Aufnahmen aus den 60er-Jahren an, die zeigen, wie sich kreischende Fans um die Beatles drängen, bin ich ebenso irritiert bei vergleichbaren Bildern aus den 90er-Jahren, als Take That und Konsorten auftraten.

Einen Einblick in die Denkweise dieser Hardcore-Fans gibt das Buch »Backstreet Girl« von Jennie Hermann. So richtig aktuell ist das nicht: Es erschien bereits 2009 im Verlag des Archivs der Jugendkulturen; gelesen habe ich es allerdings jetzt erst. Unterhalten habe ich mich dabei bestens.

Der Untertitel stellt klar, worum es geht: »Projektionsfläche Popstar – Wenn der Fan zum Schriftsteller wird«. Was bringt Musik-Fans dazu, sich mit ihrer Lieblingsmusik so stark auseinanderzusetzen, dass sie literarisch tätig werden?

Im Prinzip sind's drei Bücher: Der erste Teil ist das Tagebuch der Autorin, die als begeisterter Fan der Backstreet Boys dieser Band hinterher reiste, in einen der Sänger heftig verliebt war und sich jahrelang nicht davon lösen konnte.

Darüber schrieb sie ein Buch, das hier enthalten ist. Der Text ist teilweise richtig bitter zu lesen, andererseits im Abstand von 15 Jahren auch mit einer gewissen Selbstironie unterlegt – und es gibt lesenswerte Eindrücke in die Denkweise eines hartgesottenen Fans.

Im zweiten Teil schildert die studierte Musikwissenschaftlerin dann das Fantum aus einer wissenschaftlichen Distanz. Sie will herausfinden, warum vor allem Frauen über Stars schreiben – sowohl Tagebücher als auch Romane und Erzählungen. Dieser Teil ist der schwächste des Buches: Man merkt zu deutlich, dass die Auswahl an Texten, auf die sich Jennie Hermann beruft, unterm Strich zu dünn ist.

Der dritte Teil besteht aus Interviews, wobei hier die Partner sehr unterschiedlich sind. Kompetente Musikjournalisten wie Christian Gasser, Kerstin Grether und Frank Schäfer haben naturgemäß einen anderen Zugang zur Musik und zu ihren Texten als beispielsweise eine Frau, die jahrelang dort Urlaub machte, wo der Musiker Peter Maffay wohnt.

Das Buch erschien als sehr schön gestalteter Hardcover-Band mit 219 Seiten Umfang und zahlreichen Abbildungen. Es kostet 28 Euro, die ISBN ist 978-3-940213-50-1 – und wer sich dafür interessiert, kriegt das lesenswerte, unterhaltsame Werk in jeder Buchhandlung oder direkt beim Archiv der Jugendkulturen.

Pop aus Österreich und der Schweiz

Gleich zwei Mini-CDs oder CD-Singles – oder wie immer man das nennen mag – hörte ich mir in den letzten Tagen an. Die eine Band war mir durchaus bekannt; sie stammt aus Österreich. Von der anderen hatte ich vorher noch nie gehört.

Jellybeat gefallen mir auch mit ihrer neuen Single – und das bezieht sich ausdrücklich auf ihre Promo-CD, auf der sich drei Versionen desselben Stücks finden. "Burundi", ein Stück aus den 70er-Jahren, das mir nicht einmal bekannt war, wird von den Österreichern in mitreißender Art modernisiert und aufgefrischt.

Packende Trommelrhytmen, dazu ein wenig Elektro-Mix – das alles vereint sich zu einer Mixtur, die schon beim ersten Anhören in die Beine geht. Ich schwinge mit, ich wackle mit dem Kopf, ich mache im Auto den Sound sofort lauter: Der gelungene Mix elektrisiert und begeistert. Saugute Popmusik!

Kaum zu glauben, aber wahr: Die Band Penta-Tonic stammt aus der Schweiz, singt aber in lupenreinem Hochdeutsch, ohne jeglichen Anflug von Dialekt oder eigener Färbung. Ihre CD »Auf und davon« ist im Prinzip eine Single: zwei Versionen des Titelstücks sowie das gelegentlich krachige »Leuchten«.

Die Musik ist angenehm, im Prinzip moderne Popmusik mit einem Hang zum Pompösen, sauber instrumentiert, mit einigen aufgesetzten Effekten; die Melodien stimmen. Nach dem zweiten und dritten Mal flutschen einem die gehörten Stücke übrigens ins Ohr – gegen solche Musik im Radio hätte ich nichts. Auf Dauer wäre es mir zu schlapp, zu ruhig und zu brav; wer aber gerne poprockige Musik mit deutschen Texten mag, sollte der Band mal eine Chance geben.

Ach ja, die Texte nochmal. Eigentlich ist das Emo. Es geht um Gefühle, es geht um die Zeit, die um einen verstreicht, und um Menschen, die man verloren hat – alles in allem ein wenig pathetisch, aber nicht schlechter als beispielsweise Kettcar.

21 April 2012

Drei Punkrock-Kracher aus der Schweiz

Der Freitag abend, 20. April 2012, stand in Karlsruhe im Zeichen der Schweiz. Zumindest in der »Alten Hackerei«, der »gepflegten Punkrock-Bar«, wo an diesem Abend gleich drei Bands aufspielten.

Um es vorwegzunehmen: Noch einen Tag danach bekam ich das Brummen nicht aus den Ohren heraus; entweder habe ich jetzt einen fiesen Tinnitus, oder die Anlage in der »Hackerei« war ziemlich übersteuert. Vielleicht sollte man sich in meinem Alter auch nicht mehr vorne aufhalten ...

Ich kam ein wenig zu spät, um den Anfang der Seniles noch mitzukriegen. Aber was ich sah und hörte, war ziemlich klasse: knalliger Punkrock, wie man ihn anfangs der 80er-Jahre in England spielte, meinetwegen darf man auch Streetpunk dazu sagen; in die Menge gebrüllt von einem Sänger, der im Lauf der Jahrzehnte ordentlich an Bauch und grauen Haaren zugelegt hat, aber immer noch den Punkrock-Spirit glaubhaft verköperte. Das ganze rumpelte und krachte ordentlich – sehr schön!

Das Highlight des Abends waren Wicked: Die Ansagen waren in Züridütsch, die Musik knalliger Punkrock, der schwer nach 1977 roch, aber komplett überzeugte. Die Stücke waren zackig und schnell, sie knallten, und sie waren voller Melodie und Schmackes. Obwohl ich eigentlich nur faul herumstehen wollte, kam ich nicht umhin, meinen faulen Hintern ein wenig auf- und ab zu bewegen. Super-Band!

Zwischendrin kam auf einmal eine junge Frau in Motorrad-Klamotten auf die Bühne, die sie dann – Überraschung! – auszog. So wurde ich endlich einmal Zeuge einer Burlesque-Show, oder wie immer man das jetzt nennt, und war hinterher nicht viel schlauer: Was zum Teufel hat das jetzt mit Punkrock zu tun?

Den Abschluss bildeten Transporter: zwei Schweizer und ein Schlagzeuger aus Karlsruhe, dem im wirklichen Leben auch die »Hackerei« gehört. Der Sound war knallig, eher Marke '82 aus den USA, dazu ein Gesang in Schwyzerdütsch – die Band brachte erneut gute Bewegung in den mittlerweile sehr anständig gefüllten Saal.

Ein sehr gelungener Abend!

20 April 2012

Blaues Glas und Haare

Gestern abend habe ich endlich die Sammlung »Ihr Haar zersprang wie blaues Glas« zu Ende gelesen. Ich habe für das 52 Seiten umfassende Heft richtig lange gebraucht, was mir ja ein wenig peinlich ist – aber wenn ich immer mal wieder einen Text lese, dann wieder eine Pause einlege, dann wieder lese, dauert das einfach seine Zeit.

Wer sich über den seltsamen Titel wundert: Für ein Symposium an der Phantastischen Bibliothek Wetzlar sollten ungewöhnliche Texte verfasst werden. Sie sollten zweierlei gemeinsam haben: eine vorgegebene Länge – oder eher Kürze – sowie einen Satz. Dieser Satz wurde dann zum Titel der Geschichtensammlung.

Entstanden ist eine ungewöhnliche Mischung aus Science Fiction und Fantasy, allgemeiner Phantastik und »normaler« Literatur, zwischen richtig guten Texten und eher durchschnittlichem Material. Bei einer Sammlung von 22 Geschichten kann auch nichts anderes herauskommen; letztlich hat eh jeder Leser seinen eigenen Geschmack.

Herausgegeben wurde das Heft, das wie ein Fanzine daherkommt, was ich positiv meine, von Thomas Le Blanc und Falko Löffler. Von Falko Löffler stammt auch einer der Texte; andere wurden von bekannten Autorinnen wie Monika Niehaus und Karla Weigand oder Autoren wie Carsten Steenbergen und Jörg Weigand verfasst, die allesamt schon verschiedene Texte veröffentlicht haben. Kein Text ist länger als zwei Druckseiten.

Die gelungene Sammlung hat eine Auflage von nur 300 Exemplaren und kann für zwei Euro bezogen werden – direkt bei der Phantastischen Bibliothek. Bisher fand sie in der Science-Fiction- und Fantasy-Szene nur eine höchst bescheidene Resonanz, was ich bedauerlich finde. Kürzestgeschichten scheinen es noch schwerer zu haben als »nur« Kurzgeschichten.

19 April 2012

Partymeile Rialto

Wer sich in Venedig aufhält, wer schon mal von der Stadt gehört hat oder wer gerne die einschlägigen Filme guckt oder die bekannten Bücher liest, der kennt die Rialtobrücke: ein steinernes Gebilde, das sich in einem faszinierenden Bogen über den Canale Grande erstreckt. Tagsüber ist es ein Hauptverbindungsstück zwischen zwei Stadtteilen, und im Sommer drücken sich die Touristen auf den Steinen der Brücke fast platt.

Als wir in der ersten Nacht in Venedig durch das Gassengewirr in Richtung der Brücke spazierten, regnete es leicht. Unsere Schritte hallten von den Wänden der schmalen Gassen wieder, und wir bemühten uns, den größten Pfützen auszuweichen.

Während wir uns dem Kanal näherten, hörten wir auf einmal die Musik. Bässe wummerten durch die Nacht, es klang, als hätten Jugendliche einen Ghetto-Blaster aufgestellt. Tatsächlich: Ein Platz, keine hundert Meter von der legendären Brücke entfernt, erwies sich als Treffpunkt für die ortsansässige Jugend.

Unter den Arkaden der umliegenden Häuser, die tagsüber von Andenkenläden belegt waren, schützten sich die Jugendlichen gegen den Nieselregen. Sie standen in Gruppen zusammen, sie redeten lautstark, telefonierten mit ihren Handys, rannten auch mal über den Platz, hörten Musik oder standen vor offenen Bars, wo sie Getränke holten, die sie im Freien tranken.

Es herrschte eine friedliche, geradezu gelassene Stimmung. Man ignorierte uns, als ob es uns nicht gäbe, was ich angesichts der Touristenmassen in der Stadt gut verstand, und schien sich bestens zu amüsieren. Und über alledem wummerte die Musik – es war wie in einer Open-Air-Disko.

Auch an den späteren Abenden – wir kamen ständig an diesem Platz vorbei – herrschte dort dasselbe Treiben. Bei schönem Wetter standen die Jugendlichen auf dem Platz herum; regnete es, suchten sie unter den Arkaden Schutz. Und es war stets eine touristenfreie Zone – wenn wir uns dort bewegten, wurde rings um uns stets nur italienisch gesprochen.

Detonatori aus Serbien

Dass aus Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten richtig guter Punkrock kommt, ist eigentlich seit den späten 70er-Jahren bekannt, geriet aber wegen des dauernden politischen Hickhacks und diverser Kriege in den 90er-Jahren ein wenig in Vergessenheit.

Im Rahmen einer »Collector Series« veröffentlichte das Label Bandworm Records eine Platte mit fünf Stücken einer serbischen Band – und die ist richtig gut. Detonatori stammen aus Novi Sad, also aus Nord-Serbien; es sind drei Männer und eine Frau. Die singt aber nicht, wie das häufig üblich ist, sondern die spielt den großartigen Bass. Die seit 2008 bestehende Band hängt irgendwo zwischen den Stühlen Psychobilly und Punkrock, das macht sie ziemlich gut.

Die Stücke sind schmissig und machen Laune, der ruppige Kontrabass gibt das Tempo vor, darüber knallt die rauhe Stimme des Sängers; zudem gibt's noch gelungene Melodien, die einen unweigerlich dazu bringen, mit dem Kopf zu wackeln und mit den Füßen zu wippen. Textlich ist man auf der sicheren Seite: keine Politik, stattdessen Stücke über schmutzige Herzen, Freunde und verlorene Träume – alles in serbischer Sprache.

Saugut.

18 April 2012

Beim ollen Fridolin

Die junge Frau, die uns in Venedig den Weg in die gemietete Wohnung zeigte, war sehr hilfsbereit: »Wenn Sie heute abend noch etwas essen möchten, gehen Sie die Gasse entlang und dann links – dort ist eine ausgezeichnete und preiswerte Pizzeria.« Es klang gut, und wir wollten uns daran halten.

Aber an der Stelle, wo wir links abbiegen wollten, blieben wir stehen und blickten durch die Fenster in ein schön ausehendes Restaurant auf der rechten Seite der Gasse. Es handelte sich um die Osteria Vecio Fritolin, die wir im Verlauf des Abends nur noch als den »alten Fridolin« bezeichneten. (Deutsche Touristen und ihre Unart, sich das Italienische ordentlich beizubringen!)

Das Restaurant war schön eingerichtet: ein wenig auf alt getrimmt, mit korrektem Ober und superfreundlicher Chefin, mit einem aufmerksamen Service und hübscher Dekoration ... Fast kamen wir uns bei unserem Besuch vor, als säßen wir im Klischee eines venezianischen Restaurants.

Dafür stimmten die Weine – wir nahmen sehr leckere aus der Region – und das Essen. Für Vegetarier gab's nur eine höchst eingeschränkte Auswahl, für die Fischfreunde war das Restaurant das Paradies auf Erden. Alle Beteiligten schwärmten in den höchsten Tönen. Das Huhn schien allerdings ein wenig trocken zu sein ...

Venedig ist nicht preiswert, dieses Restaurant zählt aber preislich zum Durchschnitt. Pro Person landet man mit Wein und zwei Gängen bei 40 bis 50 Euro, wird allerdings mit sehr gutem Essen belohnt.

Während des Essens wunderten wir uns über die zwei Tische mit deutschen Touristen, die außer uns in dem Lokal waren. Hinterher erst stellten wir fest, dass »Vecio Fritolin« so ziemlich in jedem deutschsprachigen Reiseführer empfohlen wird. Eine solche Empfehlung muss nicht falsch sein, wie sich zum wiederholten Mal erwies.

Die Pizzeria, die gerade mal zwei Häuser weiter war – eine Gasse nach links –, war übrigens deutlich preiswerter und sah von außen nett aus, hatte zudem einen hübschen kleinen »Biergarten«. Wir schafften es aber nie, dort auch einmal essen zu gehen. Ein andermal ...

17 April 2012

Werbung zum Umfallen

In den letzten Jahren wurden sogenannte Virals ziemlich populär: Der singende Paul Potts wurde dank der Telekom und ihrem Flashmob-Filmchen noch berühmter, in Belgien wird eine Schießerei auf der Straße ausgetragen, in irgendwelchen Bahnhöfen tanzen die Menschen.

Das Ziel ist klar: Man möchte die Leute dazu bringen, sich die coolen Filme anzuschauen und ganz nebenbei die Werbebotschaft mitzukriegen. Virales Marketing eben, eine Botschaft soll sich wie eine Seuche verbreiten. In Punkrock-Kreisen der 80er-Jahre sagte man »spread the disease«.

Da spricht nichts dagegen. Ich mag gut gemachte Virals und gucke mir solche Filmchen gern an. Aber ich guck' ja auch gerne Kinowerbung, ärgere mich bei diesen Gelegenheiten höchstens über schlechte Vorfilme. Wenn eine Firma sich Mühe gibt, mich als Kunden zu gewinnen, finde ich das sogar sympathisch.

Absolut gelungen ist der neue Film, den die Agentur Ogilvy & Mather in Frankreich für die Marke »Tic Tac« veröffentlicht hat. Das Ding wurde schon millionenfach angeklickt, und ich weise ebenfalls auf die Youtube-Version hin.

Mag ja sein, dass da Gefühle verletzt werden oder dass der Schockeffekt zu groß ist. Aber mal ernsthaft: Alle, die in dem Film auftreten, wissen genau, was sie tun. Auch die »Passanten« sind meiner Ansicht nach Schauspieler und tun nur, als ob sie überrascht wären.

Und ... Hey, das ist doch eine gelungene Umsetzung von Endzeit-Romanen in der Tradition von Stephen Kings »The Stand« - haben wir uns das nicht immer genau so vorgestellt? Schöner Kurzfilm!

16 April 2012

Miniaturen zu Venedig

Für die Reise nach Venedig wollte ich unbedingt ein Buch einpacken, das von einem Menschen stammt, der in der Stadt geboren worden ist und einen großen Teil seines Lebens dort verbracht hat. Gemeint ist der italienische Schriftsteller Tiziano Scarpa, von dem hierzulande einige Bände mit Kurzgeschichten erschienen sind.

In insgesamt zehn Texten, jeweils eingeleitet durch eine Schwarzweiß-Fotografie, führt der Autor durch seine Heimatstadt: Er beschreibt »Füße« und »Gesicht«, »Ohren« und »Herz«, um einige der Überschriften zu nennen. Dabei handelt es sich um literarische Miniaturen, gewissermaßen Spaziergänge durch eine phantastische Stadt.

Scarpas Buch ist kein Reiseführer, und es will einen solchen auch nicht ersetzen. Der Autor setzt auf den Zufall, er möchte die Leser dazu verleiten, sich intuitiv den Gassen der Stadt anzuvertrauen. Und wer sich darauf einlässt, bekommt Einblicke in dunkle Gassen und abgeschirmte Höfe, die er mithilfe eines Reiseführers nie gehabt hätte.

Der Autor beschreibt skurrile Menschen, er notiert Spiele der venezianischen Kinder oder erzählt Schauderhaftes aus der Vergangenheit der Stadt. Man erfährt einiges über die Unterschiede zwischen italienisch und venezianisch, hört von den Feinheiten der Gondeln und bekommt vermittelt, wie fragil die Schönheit der Stadt ist.

»Venedig ist ein Fisch« erweist sich als dünnes Buch mit eindrucksvollem Inhalt: Auf gerade 116 Seiten gibt es Einblicke zu Venedig, die ich in dieser Form sonst nirgends gelesen und gesehen habe. Wer schon mal in der Stadt war, für den ist es eine empfehlenswerte Lektüre. Und wer sich überlegt, nach Venedig zu reisen, sollte es in den Koffer packen – ich empfehle es reinen Gewissens.

15 April 2012

Stuttgart anfangs 1987

Die aktuelle Ausgabe 101 des OX-Fanzines liegt vor, und sie enthält die Folge 37 meines Fortsetzungsromans »Und: Hardcore!«, der in den ersten Wochen des Jahres 1987 spielt. Wieder einmal ist Peter Meißner alias Peter Pank die Hauptperson, und es zeichnet sich ab, dass er sich in neue Schwierigkeiten manövriert.

Mit Chris, einer jungen Frau aus der Hardcore-Szene, ist er unterwegs nach Stuttgart. Genauer gesagt: In dieser Folge erreicht er die baden-württembergische Landeshauptstadt. Dort trifft er auf besoffene Punks und später auch auf unliebsame Mitbürger ...

Hier konnte ich mir übrigens einige sarkastische Kommentare zur laufenden Diskussion um den Bahnhof nicht verkneifen, die ich den Hauptpersonen in den Mund legte. In den 80er-Jahren fand ich den Bahnhof potthässlich, und die meisten Leute, die ihre Meinung dazu äußerten, waren weit davon entfernt, dem Ding irgendwelche Sentimentalitäten anzudichten. (Dass ich Stuttgart 21 dennoch für Humbug halte, steht auf einem anderen Blatt.)

14 April 2012

Mit dem Vaporetto

Hat man sich einmal daran gewöhnt, macht es richtig Spaß: die Fahrt mit dem Vaporetto, also dem Wasserbus, der durch den Canale Grande von Venedig, zu den umliegenden Inseln in der Lagune und rings um die eigentliche Stadt fährt. Eine einzelne Fahrt ist recht hochpreisig, weshalb sich Tages- oder Mehrtages- oder gar Wochen-Tickets sehr schnell lohnen.

Die Boote sind vergleichsweise groß; zumindest in der Innenstadt passen recht viele Menschen hinein. Sowohl in der Kabine, die gut vor Wind und Wetter schützt, als auch im Außenbereich kann man sich aufhalten; im Außenbereich ist es im April allerdings häufig sehr kühl, so dass ich nicht nur einmal durchgefroren von Bord ging.

Aber es macht einfach Spaß: Man geht zur nächstgelegenen Vaporetto-Haltestelle, wartet einige Minuten und besteigt dann das Boot in die richtige Richtung. Beim Aussteigen geht es auch recht formlos zu, die meisten Einheimischen sind mit dem System sowieso blindlings vertraut, und die Touristen gewöhnen sich meist schnell daran.

Ich liebe Vaporetto-Fahrten! Allein aus diesem Grund sollte ich wieder einmal nach Venedig reisen.

13 April 2012

Wohnung im Zentrum

Die junge Frau mit den langen schwarzen Locken holte uns an der Wasserbus-Station ab; es war schon Nacht, und es nieselte leicht. In schnellem Schritt führte sie uns über eine schmale Brücke, dann entlang eines Kanals, dann links durch eine Gasse, die nicht viel breiter war als vielleicht ein Meter. Es war mein erster Abend in Venedig, und ich wusste schon nach zwei Minuten nicht mehr, wo ich genau war.

Wieder ging es an einem schmalen Kanal entlang, wieder eine Brücke, wieder eine Gasse, eine Brücke, eine Gasse und dann links. Von dieser Gasse aus ging es durch einen schmalen Gang zur Seite, dann kam noch eine Gasse, an deren Eingang tatsächlich ein Einbahnstraßenschild stand – und wir waren vor dem Haus, in dem wir die nächsten Tage wohnen sollten.

Es ging zwei Treppen nach oben, steif und ungleich waren die Stufen. Die Wohnung selbst empfing uns mit einem riesigen Wohnzimmer, beherrscht von einer Sofagarnitur, gefolgt von einem Esszimmer, ausgerichtet für acht Besucher, an das sich eine offene Küche anschloss. Auf demselben Stock gab es noch ein Schlafzimmer sowie ein Bad.

Die Treppe hoch, dann kamen bereits Dachbalken. Unter der Dachschräge wartete das Zimmer, in dessen Bett ich die nächsten Nächte schlafen sollte; dazu kamen ein weiteres großes Zimmer unter einer Dachschräge sowie ein Bad. Von meinem Schlafzimmer aus blickte ich auf einen Kanal hinunter, vom Bad aus blickte ich über die Dächer der umliegenden Häuser.

Ich war in Venedig angekommen, und ich freute mich bereits. Laut Stadtplan waren die legendären Rialtobrücke ebenso nahe wie irgendwelche Plätze mit großen Kirchen – von hier aus sollte also nichts mehr schiefgehen.

12 April 2012

Eine Woche Venedig

Wieder einmal hat es mich nach Italien verschlagen, einen ganze Woche lang: Über Ostern waren wir in Venedig, der Stadt an, nein, in der Adria. Ich war vor Jahren schon einmal auf der Insel, damals nur für einen Tagesausflug, und diesmal nutzte ich die Zeit, eine Woche zu bleiben.

Bereut habe ich es keine Sekunde lang. Die Insel ist vielseitig und spannend, abwechslungsreich und voller Überraschungen. Da wir auch über Nacht waren und die Tagestouristen ab 18 Uhr die Insel verlassen, blieben wir oftmals von den schlimmsten Menschenmengen verschont - zudem war es noch deutlich vor der Saison.

Ich genoss es, durch die engen Gassen zu stromern. Ich liebte es, mit dem Vaporetto über den Kanal und zu den anderen Inseln zu schippern. Ich erfreute mich an Besuchen im Museum und in beeindruckenden Kirchen, ohne auch nur eine Sekunde lang religiöse Gefühle zu empfinden.

Wir tranken Wein, wir gingen essen, wir saßen eisessend am Kanal, wir froren im feuchten Wind auf der Friedhofsinsel, wir staunten über den nassen Markusplatz - es war eine vielseitige und abwechslungsreiche Woche. Gerne fahre ich mal wieder nach Venedig; nach diesem Aufenthalt habe ich ein anderes, ein frischeres Bild von dieser Insel.

03 April 2012

Leipzig-Bericht 2012


In der Ausgabe 274 des sowieso immer wieder empfehlenswerten »Fandom Observer« geht es unter anderem um die Buchmesse in Leipzig, die vor wenigen Wochen erst gefeiert wurde - anders kann man es kaum nennen. Es gibt Messeberichte von Jürgen Eglseer und mir; beide schlagen wir sehr unterschiedliche Blickwinkel ein.

Wer sich für das Fanzine interessiert, kann es auf der Internet-Seite downloaden; kostenlos natürlich. Der Besuch des Blogs lohnt sich übrigens ebenfalls ...

Im Best Exotic Marigold Hotel

Dass wir am Montag abend, 2. April 2012, in den Film »Best Exotic Marigold Hotel« gingen, lag an mir – und das trotz meiner schlechten Erinnerung. Ich hatte nämlich die Vorschau gesehen und für toll befunden, dann aber konsequenterweise alles vergessen. Glücklicherweise habe ich Freunde, die mitdenken und mich dennoch in den Film schleppten.

Ich bereute es nicht: »Best Exotic Marigold Hotel« ist ein sogenanntes Feelgood-Movie, an dem ein halbes Dutzend englischer Schauspieler beteiligt ist, deren Gesichter man kennt; vorneweg Judi Dench. Die indischen Schauspieler, deren Namen mir durch die Bank nicht sagten, brauchen sich dahinter nicht zu verstecken.

Der Film ist eine amüsante und zu Herzen gehende Darstellung eines Zusammenpralls unterschiedlicher Kulturen und Wertvorstellungen: Sieben alte Engländer beschließen, ihren Lebensabend in einer Seniorenresidenz in Indien zu verbringen, und landen in einem Hotel, dessen beste Zeiten schon Jahrzehnte zurückliegen. Der junge Hotelmanager hat einen Traum, an dem er zu scheitern droht, und für manche der Engländer zerbricht auch jeglicher Traum.

Es ist ein Film über gescheiterte und sich erfüllende Lebenshoffnungen, über das Leben an sich – und es ist ein ungeheurer Werbefilm für Indien. Das Land wird mit einer Farbenpracht und Lebensfreude präsentiert, dass es einem fast den Atem raubt. Sensationell! Ein gelungener Streifen, ein schöner Kino-Abend!

02 April 2012

Frankreich im Fokus

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hatte ich massive technische Probleme bei meiner ENPUNKT-Radiosendung im Freien Radio Querfunk in Karlsruhe. Irgendwelche Leute hatten irgendwelche Knöpfe verstellt, was dazu führte, dass ich den einen Plattenspieler zwar gut im Kopfhörer vernehmen konnte, aber kein Ton aus dem Studio ging. Als ob mich jemand zwingen wollte, künftig das gute Vinyl daheim zu lassen.

Dann aber ging es doch gut zur Sache: Punkrock, ein wenig Hardcore und Ska aus Frankreich brachte ich zu Gehör. Unser Nachbarland hat hier viel zu bieten, erstaunlicherweise ist im deutschsprachigen Raum so viel nicht davon bekannt.

Mit Skarface und Ya Basta! hatte ich klar antifaschistische Skinheads aus Paris, die Ska und Streepunk spielten; mit Legitime Defonce eine schon fast klassische Anarchopunk-Band aus Toulouse. Klassischer Irokesen-Punkrock kam von Le Partisans aus Lyon, die nach mir sendende Jazz-Kollegin machte sich über den schlichten Rhythmus lustig.

Neurotic Explosion aus Rennes machten zu Beginn der Nuller-Jahre so eine Hardcore-Oi!-Mischung, Banane Mekanik aus derselben Stadt spielen stattdessen so was wie modernen »Dance Punk«. Dann noch ein wenig Steroids aus Bescancon, und fertig war die Sendung, die mir musikalisch sehr gut gefiel.

01 April 2012

Ein Leben im Punkrock-Zirkus


Ich weiß nicht, wie oft ich die kanadische Punkrock-Band D.O.A. gesehen habe: sicher mehr als ein halbes Dutzend mal. Keines der Konzerte war schlecht, die Band brachte immer enormen Dampf auf die Bühne. Deshalb war das Buch »Ich, Shithead« vom Sänger Joey Keithley geradezu eine Pflichtlektüre für mich – es dauerte nur seine Zeit, bis ich es endlich lesen konnte.

In lockerem Plauderton erzählt Shithead, wie er mit einigen Kumpels bereits Mitte der 70er-Jahre anfing, Musik zu machen, wie dann der Punkrock nach Vancouver kam und wie aus einer Bande von Kumpels D.O.A. entstand. Aus einfachsten Anfängen in den 70er-Jahren kämpfte sich die Band auf die großen Bühnen der 80er-Jahre: immer »do it yourself«, nie kommerziell erfolgreich, immer politisch und immer klar gegen die üblichen Regeln der Gesellschaft.

Die Band tourte ständig; mit altersschwachen Bussen und Transportern durchquerte man Nordamerika, später auch Europa. Selbstverständlich ging vieles schief, es wurde gesoffen und geprügelt, gelacht und gestritten.

In zahllosen Episoden plaudert Shithead über diese Zeit, und man merkt als Leser, dass hinter den Geschichten noch unzählige weiterer Geschichten lauern. Bei vielen Episoden hätte ich mir gewünscht, sie seien ausführlicher – aber dann hätte das Buch gut und gern 1500 Seiten haben müssen.

Seien wir ehrlich: Manches Mal holpert die Übersetzung ganz schön. Wer damit seine Probleme hat, muss zur englischen Originalausgabe greifen; mich störte es nicht so sehr. Viele Abbildungen und eine sehr ordentliche Gestaltung entschädigen für gelegentliche Schwächen der Übersetzung.

Mit 224 Seiten im Paperback-Format handelt sich um eine volle Ladung an Punk-Historie. Für 18,90 Euro sollte das Buch bei allen einschlägigen Punkrock- und Hardcore-Vertrieben zu haben sein; mithilfe der ISBN 978-3-931624-32-3 kann es zudem in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei den üblichen Kommerz-Versendern wie amazon.

Super-unterhaltsame Lektüre über eine Band, die Punkrock seit über dreißig Jahren betreibt – und das, ohne jemals peinlich zu werden. Das ist super-respektabel!

30 März 2012

Punks in der Romanheft-Zukunft


In den 80er-Jahren waren Punks gerne die »bösen Buben«, vor allem wenn es um ihre Darstellung in der Populärkultur ging. Wir erinnern uns an die lustigen Punks in »American Werewolf«, an die Deppen in »Star Trek« - bei dieser Zeitreisegeschichte -, an den debilen Straßenräuber in »Crocodile Dundee« sowie an zahlreiche weitere Ausfälle.

Seit Punk für die meisten Menschen mittlerweile so tot ist, dass man ihn nicht mal mehr totsagen muss, sind solche Begleiterscheinungen eher selten geworden. Aber der gute alte Heftroman, der gibt noch nicht auf. Und so freue ich mich ganz besonders über den Roman »Paris - verbotene Stadt«, den die Kollegen von »Maddrax« als Nummer 319 veröffentlicht haben.

Auf dem Cover sind drei wunderbar gestylte Irokesen zu sehen. Der Mann mit dem roten Iro hat ein Ramones-T-Shirt an, trägt einen Misfits- sowie einen Exploited-Aufnäher, was alles nicht so richtig zusammenpasst. Der im Hintergrund stehende Herr mit dem blauen Iro trägt ziemlich verwaschene Aufnäher, die alle nach Anarcho- oder Crustpunk aussehen.

Im Text tragen die französischen Punks dann - ich zitiere - »rote und grellblaue Haarkämme, rot und blau bemalte Fingernägel, Stiefel, Sonnenbrillen und Waffenkolben«. Ein junger Mann, der mit »hartem deutschen Akzent« spricht, hat »gelb-schwarzes Haar«. Irgendwie finde ich das sehr-sehr witzig.

29 März 2012

Auf der Sonne

In einer meiner »lyrischen Phasen«, die ich offensichtlich in den frühen 80er-Jahren immer wieder hatte, schrieb ich auch Gedichte, die einen leichten Science-Fiction-Bezug haben. Ein Beispiel dafür ist »Auf der Sonne«, das ich mit Datum vom 5. Januar 1983 abtippte – mit meiner damals schon alten Kofferschreibmaschine mit dem unregelmäßigen Schriftbild.

Mit dem Abstand von bald dreißig Jahren ist mir selbst nicht mehr klar, auf was sich der Text wirklich bezieht. Vordergründig sind Science-Fiction-Elemente enthalten – wahrscheinlich geht es wieder darum, dass ich unglücklich verliebt war; wieder einmal und bei Teenagern auch einfach normal.

Veröffentlicht wurde das Gedicht nie. Zwar hatte ich zu jener Zeit auch vor, einen eigenen Gedichtsband zu veröffentlichen – ich kannte bereits den einen oder anderen Lyriker, der das geschafft hatte –, aber so weit kam es nie ...

(Hier ist der Text jetzt auch mal dokumentiert; allerdings in einer »zusammengeschobenen« Version.)

Auf der Sonne

Damals, / als wir auf der / Oberfläche der Sonne / strandeten und / uns an ihren Strahlen / wärmten und erfreuten, / bis wir es / nicht mehr aushielten, / versuchte ich, / nach den anderen / Sternen zu greifen, / die entfernt von uns / im Dämmergrund funkelten.

Doch ich war / bereits gefesselt, / und es war mir unmöglich, / auch nur einen Stern / zu ergreifen. / Und du fragtest: / »Siehst du nun, / was besser ist?«

28 März 2012

Blick in den Schnee

Wenn ich in diesen Tagen aus dem Fenster schaue, scheint die Sonne. Selten kam mir ein März so sonnig und schön vor wie in diesem Frühjahr 2012. Umso besser ist es dann, ein altes Foto in die Hände zu nehmen.

Im März 1988 kam ich aus Westafrika zurück und landete in einem echten Schnee-Chaos. Es schneite ununterbrochen auf das Dorf im Nordschwarzwald herunter, in dem das Haus meiner Eltern steht und in dem ich damals wohnte. Man wusste irgendwann nicht mehr, wohin man den Schnee schaufeln sollte.

Das belegt ein Bild, das meine Mutter in diesem März 1988 aufnahm. Sie schoss es aus dem Fenster im Obergeschoss, aus genau dem Zimmer heraus, das ewig lang mein Kinderzimmer gewesen war und in dem ich zu der Zeit wieder wohnte.

Man sieht das Haus schräg gegenüber und die Garage daneben, beides versinkt im Schnee. Der Weg ist weiß, der Himmel ist weiß, die Bäume weiter unten begrenzen buchstäblich die Welt. Alles dahinter verschwimmt in einer Flut von Flocken, die dicht an dicht vom Himmel fallen.

Es war ein harter Winter, und er zog sich weit ins Frühjahr hinein. Einen großen Teil dieses Winters hatte ich in Niger, Burkina Faso und Togo verbracht, vor allem in Togo – und es war mein letzter Winter im Haus meiner Eltern.

27 März 2012

Eine Absage aus Augsburg

Nach einer Reihe von Veröffentlichungen in Fanzines, semiprofessionellen Zeitschriften und sogar in Anthologien fühlte ich mich anfangs der 80er-Jahre reif für ein »richtiges Buch«. Ich war noch nicht einmal zwanzig Jahre alt, hatte zu der Zeit aber haufenweise Texte zusammengestellt und beschloss, diese als Textsammlung verschiedenen Verlagen anzubieten.

Einer dieser Verlage war der Maro-Verlag in Augsburg, zu der Zeit einer meiner Lieblingsverlage. Kurzgeschichten und Gedichte von Autoren wie Charles Bukowski und anderen, die man heute nicht mehr kennt, wurden hier veröffentlicht – und mein Traum war, zwischen all diesen Autoren mit meinen Texten aufzutauchen.

Am 14. August 1983 kam die offizielle Absage, verfasst von Benno Käsmayr persönlich, dem Chef des Verlages. Er habe meine Texte »mit Interesse gelesen«, was einer Standard-Auskunft gleichkam. Stolz machte mich dieser Satz: »Die Stories sind inhaltlich voll Leben.«

Er bemängelte aber »sprachliche Wendungen, die dem Erzählverlauf widersprechen«, kritisierte »insbesondere Satzanfänge«, die die »Dynamik der erzählten Geschichten« stoppten. Eine klare Aussage, der ich nach all der Zeit nichts entgegenzusetzen habe.

Er könne sich aber vorstellen, dass ich »nach entsprechender Überarbeitung keine Probleme« hätte, einen Verlag zu finden, »u.U. sogar den MaroVerlag«. Das war ein versöhnlicher Schluss für eine Absage, der mich sehr stolz zurück ließ.

Zu einem Buch von mir im Maro-Verlag kam es nie. Im Sommer 1983 fuhr ich für einige Wochen nach Marokko, und als ich zurückkam, verdiente ich mein Geld als freier Schreiber für lokale Zeitungen – irgendwie vergaß oder verdrängte ich mein großes Ziel, bei Maro ein Buch zu veröffentlichen.

26 März 2012

Eine Prise Mitleid

Das hier ist ausnahmsweise ein sehr ernst gemeinter Text: Es geht um die F.D.P. - genau, ich meine die Partei, die in den letzten Monaten einen erschütternden Niedergang hingelegt hat. Nach der verheerenden Wahlniederlage im Saarland macht sich jetzt jeder Depp über die Partei lustig. Zu Recht, denn im Saarland und in der Bundespolitik hat die Partei alles vergeigt, was man vergeigen kann.

Nur: Es gibt haufenweise vernünftigte Freidemokraten. Kein Scheiß - ich habe davon immer wieder welche kennengelernt. Häufig sind es Künstler oder Handwerker oder Rechtsanwälte, also das, was man früher als den »bürgerlichen Mittelstand« bezeichnet hat. Diese Leute sind in den Kommunalparlamenten aktiv, schlagen sich als Stadt-, Gemeinde- oder Kreisräte mit dem Straßenbau, den maroden Schulen und haufenweise anderem Kleinkram herum.

Natürlich kommt viel Murks dabei heraus. Da muss ich mir nur Karlsruhe anschauen ... Aber dieser Murks liegt nicht an der F.D.P. und ihren kommunalen Würdeträgern allein; der liegt quasi schon im System.

Aber vor Ort - da gibt es immer noch fleißige Kommunalpolitiker, die sich dem Rest der liberalen Ideen verpflichtet fühlen, die unter »weniger Staat« halt vor allem verstehen, dass man die Eigeninitiative der Bürger unterstützt oder sich für gemeinnützige Aufgaben einsetzt. Man muss die örtlichen Freidemokraten nicht mögen - aber man darf sie auch nicht in den Topf werfen mit den Leuten, die diese Partei auf Bundes- und Landesebene repräsentieren.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals etwas positives über die F.D.P. schreibe. Aber als jemand, der zeit seines Lebens im »liberalen Kernland« Baden-Württemberg gelebt hat, weiß ich einfach, dass es sogar in dieser Partei Leute gibt, mit denen ich zwar auch kein Bier trinken wollte, die aber auf ihre Art vernünftig und handfest sind.

25 März 2012

Lethargische Stimmung in Cannes

Im Sommer 2010 waren wir für eine Woche in Cannes, der schönen, aber übertrieben schicken Stadt am Mittelmeer. Auffallend viele weißgekleidete Menschen waren zu sehen, gerne führten ältere Damen auch mal kleine Hunde an der Croisette entlang, und die gesamte Stimmung der Stadt an der Küste war in gewisser Weise lethargisch und snobistisch zugleich.

Kein Wunder, dass mich der Roman »Maigret in der Liberty Bar« einfing. Es war Band 17 der Maigret-Reihe, den ich las, und wieder einmal packte Georges Simenon mit der Geschichte, die zwar mit einem Mord beginnt, aber recht wenig mit einem konventionellen Kriminalroman zu tun hat.

Kommissar Maigret, der aus Paris ans Mittelmeer geschickt wird, soll den Mord an einem wohlhabenden Engländer in Antibes aufklären; allerdings soll er dabei keinerlei Aufsehen erregen. Der Kommissar, der in der Urlaubsstimmung der Côte d'Azur keine rechte Lust entwickelt, sich um familiäre Verwicklungen zu kümmern, stöbert lustlos herum, kommt irgendwann nach Cannes und stößt dort auf ein Kellerlokal, das »Liberty Bar« genannt wird.

Die lethargische Stimmung in der »Liberty Bar«, die in einem seltsamen Gegensatz zu den weißen Häusern und den weiß gekleideten Menschen von Cannes und Antibes steht – das alles schildert Simenon derart eindrucksvoll, dass man meint, die Geschichte spiele in der heutigen Zeit und nicht in den 30er-Jahren. Lustlos ermittelt der Kommissar, widerlich sind manche Umstände, die ans Licht kommen, und mit einer gewissen Lethargie kommt am Ende heraus, wer eigentlich welche Tat begangen hat. Aber irgendwie ist das dann auch nicht mehr wichtig.

Nicht zum ersten Mal lässt mich Simenon bei einem Roman sprachlos zurück. Die rund 160 Seiten lesen sich wie im Flug, trotz der lahm-lethargischen Stimmung, die der Autor vermittelt. Das macht er so meisterhaft und zugleich so spannend, dass ich nur fassungslos zuschauen kann. Genial!

24 März 2012

Ich aufm Kindle

Zu Weihnachten bekam ich einen E-Book-Reader geschenkt, ein Gerät von Weltbild. Ich gestehe, dass ich es in den letzten drei Monaten nicht einmal aus der Packung geholt habe – meine private Begeisterung für die modernen Lesegeräte ist also recht überschaubar.

Aus beruflichen Gründen finde ich E-Books super. Ich sehe ständig Leute, die mit Lesegeräten unterwegs sind und damit offensichtlich besser zurecht kommen als ich selbst. Umso besser finde ich es, dass es jetzt meine eigenen Romane ebenfalls als E-Books gibt.

Meinen Erstlingsroman »Vielen Dank Peter Pank« gibt's für 9,99 Euro bei Amazon für den Kindle. Das ist ein guter Preis für Leute, die das Buch einfach nur lesen und hinterher eh nicht in den Schrank stellen wollen. Wer's im Schrank haben will, muss zum Hardcover für 14 Euro greifen.

Gespannt bin ich jetzt einfach mal darauf, ob diese E-Book-Variante meinem Roman wirklich zusätzliche Käufer bringt. Deshalb verlinke ich ausnahmsweise mal auf Amazon – dann sehen wir das ja ...

23 März 2012

Neuer Arbeitsethos

In den letzten 15 Monaten hat sich bei mir ein Arbeitsrhythmus eingependelt, der mir selbst auf den Nerv geht: Meist stehe ich um sieben Uhr auf, setze einen Kaffee auf und beginne mit der Arbeit – nachdem ich mich in einen zivilisierten Menschen verwandelt habe, versteht sich.

Zu Hause setze ich mich normalerweise in aller Frühe an den Computer, weil ich da in aller Ruhe arbeiten kann, oder ich lese Manuskripte. Gegen neun Uhr oder manchmal auch später verlasse ich die Wohnung und fahre zur Arbeit.

Dort entfleuche ich meist gegen 19 Uhr fahre nach Hause; dort essen wir meist zu Abend, und später setze ich mich hin und lese Manuskripte. Zum Schreiben eigener Texte oder einem halbwegs vernünftigen Privatleben komme ich kaum noch.

Zumindest das mit den Texten will ich in den Griff bekommen: Morgens wird jetzt an privaten Texten geschrieben, da möchte ich so wenig wie möglich für die Redaktion machen. Aus diesem Grund bleibt auch das Webmail aus; ich bekomme von den Sorgen und Nöten »meiner« Autoren also nichts mit, sondern muss mich um meinen eigenen Kram kümmern.

Schauen wir mal, wie das funktioniert. Diese Woche fing ich damit an – es läuft bislang ganz okay.

Drink To Me – cooler Name für eine Band

Eine sehr künstlerisch gestaltete CD-Hülle, eine schräge Mischung zwischen IndiePop, einem Schuss Elektronik und einer tüchtigen Portion Krach, kryptische Texte und teilweise richtig gute Melodien: Das ist die Band Drink To Me aus der Nähe von Turin.

Ihre CD »Brazil« ist richtig klasse – ich bekam sie irgendwann im Jahr 2010 in die Finger, hörte sie aber erst in den letzten Tagen so richtig genau an. Seither finde ich sie klasse; sie läuft hier immer wieder. Von Punk ist das meilenweit entfernt, die Mischung gefällt mir vielleicht gerade deshalb so gut.

22 März 2012

Campus Invasion mit mir

Im Mai lese ich mal wieder in Mainz, genauer gesagt auf dem Uni-Campus. Meine Lesung ist im Rahmen einer Veranstaltung der »Kritischen Linken«, die sich »Campus Invasion - Space Invaders against Rechts-AStA« nennt. Das ist schon mal ein witziger Titel, und da passe ich irgendwie ja auch rein.

Meine Lesung ist am Freitag, 11. Mai 2012 - nach einem Tag, an dem es Vorträge über Gender Studies, Burschenschaften und Marxismus gegeben hat. Ich bin ab 19 Uhr eingeplant, zwischen dem Abendessen und dem Punk-Konzert.

Beim Konzert spielen dann unter anderem Überdosis Grau und Zosch! auf, alles in allem eher deutschpunkrockig. Das hört sich insgesamt nach einer Mischung an, bei der ich sehr gespannt darauf bin, welche Menschen sich da einfinden werden.

Weitere Informationen gibt es auf der Internet-Seite der »Kritischen Linken«. Was welches Programm kostet oder ob der Eintritt frei ist, weiß ich leider noch nicht.

Wichtig gucken in Leipzig


Wer schon immer einmal wissen wollte, wie so ein Messestand aussieht und was man als Redakteur so in Leipzig auf einer Buchmesse zu tun hat, beachte bitte dieses Foto. Es wurde am vergangenen Samstag aufgenommen: Vor der Tür schien die Sonne, und in der Halle bekam man davon nichts mit.

Ich hielt eine kleine Ansprache, es hatte sich sogar Publikum eingefunden, und dann verliehen wir einige Preise. Das kam sogar richtig gut an, wie mir schien. Und ich bin mir sicher, dass es nicht das letzte Gewinnspiel war, das wir auf einer Messe veranstalteten.

21 März 2012

Toller Krimi, miese Grafik

Zu den vielen Autorinnen und Autoren, von denen ich weiß, dass sie gut sind, von denen ich aber nie eine Zeile gelesen habe, gehört die Französin Fred Vargas. Ihre Romane um den seltsamen Kommissar Adamsberg machten sie zum Star, sie gilt seit Jahren als eine der besten Krimi-Autoren Europas.

Das will ich gern glauben, denn ich habe »Das Zeichen des Widders« gelesen – allerdings in Form einer Graphic Novel, die im Aufbau-Verlag als Hardcover erschienen ist. Die Story ist klasse, die Zeichnungen zumindest gewöhnungsbedürftig.

Erst einmal der Reihe nach: Grégoire Brabant und Vincent Ogier sind zwei Kleinkriminelle im Paris der Nuller-Jahre. Sie beklauen Leute, brechen auch mal in ein Haus ein, sind unterm Strich aber harmlos. Als sie einem alten Mann eine Tasche stehlen, lassen sie sich auf einen Gegner ein, mit dem nicht zu rechnen war.

Kurz darauf wird nämlich Vincent brutal ermordet, und Grégoire bekommt es mit der Angst zu tun. Die Polizei soll diesen Mord aufklären, und Kommissar Adamsberg tritt auf den Plan. Er sieht den Zuammenhang zwischen der Bluttat und einer unheimlichen Serie, bei der ein »Widder« genannter Killer seine Opfer brutal verstümmelt.

Ein spannender Krimi beginnt, in dem es um Ritualmorde, eine seltsame Familie, eine Reise nach Südfrankreich und viele andere Themen geht. Das alles las ich mit großem Vergnügen – wenn ich mich nicht über die Zeichnungen ärgerte.

Mit einem zeitweise besenstieldicken Stift zeichnete Edmond Baudoin die Grafiken; manchmal besteht die Geschichte aus zwei Seiten, auf denen nur Dialoge vorkommen. Das ganze stinkt meilenweit nach »Kunst« und ist meiner Ansicht nach wieder mal ein Beleg dafür, warum mir Graphic Novels so oft nicht gefallen.

»Das Zeichen des Widders« ist ein packender Schwarzweiß-Comic, der spannend erzählt ist und der mich neugierig auf weitere Romane von Fred Vargas macht. Weitere Werke von Baudoin werde ich nach diesem Band wohl eher meiden; ich fürchte, ich bin ein Kunstbanause ...

20 März 2012

Frühlingsanfang

Es war ein wunderbarer »freier Tag«, und ich merkte es, als ich mit dem Rad unterwegs war. In der Innenstadt von Karlsruhe bummelten die ersten Menschen bereits im T-Shirt oder sonstwie mit leichter Bekleidung; die Straßencafés füllten sich langsam mit Leuten, und die gute Laune schien geradezu in der Luft zu liegen.

Im Schatten fand ich es dennoch ein wenig kühl, weshalb ich die dicke Jacke beim Radfahren anließ. Aber als ich mich später in die Sonne und auf den eigenen Balkon setzte, einen »Maigret«-Roman in der Hand und eine Tasse Kaffee vor der Nase, brauchte ich die dicke Jacke nicht.

Das war offensichtlich der erste Frühlingstag in diesem Jahr. Meinetwegen darf es so weitergehen ...

Neues von Civil Victim

Vom Bodensee kommt die Band Civil Victim, von der ich bislang eine EP und eine Split-EP habe. Mit »... no false hope« liegt jetzt die erste Langspielplatte der Band vor, veröffentlicht unter anderem beim Label Rinderherz Records.

Schon die eindrucksvolle Gestaltung mit Trümmern auf dem Titelbild und entsprechender Textgestaltung macht klar, in welche Richtung es geht: wuchtiger Hardcore-Punk, der in der alten englischen Discharge-Tradition steht. »Full of Hate Full Of Spite«, wie es in dem Titelstück heißt, bolzt sich die Band durch die zwölf Stücke der LP.

Das ist nicht schreiend originell, aber richtig klasse gemacht: kein Metal, kein Emo-Gejammer, sondern unverfälschter, radikaler Hardcore-Punk, der mit der Wucht eines Granathagels aus den Boxen bollert. Da möchte ich doch glatt die alte Lederjacke aus dem Schrank holen und zum Stiefelpogo aufbrechen!

19 März 2012

Düsseldorf als Schauplatz für ein Krimi-Hörspiel

Hammer!, ich werde zum Fan von Dennis Ehrhardt – was der Mann in letzter Zeit an Hörspielen rausgehauen hat, begeistert mich immer mehr. Seine »Dorian Hunter«-Hörspiele finde ich schon seit langem super, ich habe sie in diesem Blog hier ebenso besprochen wie auf der PERRY RHODAN-Homepage. Mit seinen »Sonderberg«-Hörspielen fesselt er mich geradezu.

Zuletzt hörte ich »Sonderberg & Co. und der Tote im Rhein«, die zweite Folge dieser wunderbaren Mischung aus Krimi, historischem Roman und witzigen Dialogen. Das Hörspiel erschien wieder bei Zaubermond-Audio; es handelt sich erneut um eine Doppel-CD, die in einem schönen Digipack steckt.

Autor Dennis Ehrhardt ist in diesem Fall sowohl der Regisseur des Hörspiels als auch der Verleger – da bleibt alles in einer Hand. Da der Mann bei seinen eigenen Romanen sowieso auf Qualität achtet, kann also nicht viel schiefgehen.

Die Geschichte spielt im Jahr 1886 in Düsseldorf, mitten in der sogenannten Gründerzeit. Dr. Sonderberg, der Detektiv, und seine Assistentin Minnie Cogner ermitteln in einem Mordfall, der von der Polizei gar nicht als solcher angesehen wird. Und der ursprüngliche Auftraggeber, ein Mann aus »höheren Kreisen«, will alsbald seinen Auftrag zurückziehen.

Es geht um den geplanten Bau einer Brücke über den Rhein sowie um die Möglichkeit, dies mit einem Kanalbau zu umgehen. Sonderberg ermittelt im Rotlichtmilieu, trifft in der »Roten Laterne« auf eine alte Bekannte und macht unfreiwillig Bekanntschaft mit den eisigen Fluten des Stromes. Aber natürlich schafft es der Detektiv am Ende, auch diesen Fall zu lösen.

Wie der erste Teil, den ich schon kannte, ist auch dieses Hörspiel super gemacht: flotte Dialoge sowie viele Geräusche, die eine abwechslungsreiche Kulisse ergeben. Auf einen Erzähler, der durch das Geschehen führt, verzichtet man; damit entsteht ein echtes »Kopf-Kino«, bei dem die Geräusche und Dialoge die Szenen sehr lebendig erscheinen lassen.

Mit »Sonderbergs Notizen« gibt's auf der Doppel-CD zudem eine Art Ergänzung zum eigentlichen Kriminalfall, das die Figuren weiter charakterisiert. Das gefällt mir dann ebenso gut wie das komplette Hörspiel, das ich mit großem Vergnügen angehört habe. Wunderbar!

Kleine Themen für einen kleinen Autor

Die Leipziger Buchmesse war auch für mich als Gelegenheitsschriftsteller nicht uninteressant. Bei manchem Gespräch, das ich aus professionellen Gründen führte, kamen meine privaten Themen dann doch auf den Tisch. Das fand ich spannend, jetzt muss ich nur schauen, ob ich das irgendwie umsetze.

So wird es demnächst meine Punkrock-Romane »Vielen Dank Peter Pank« und »Chaos en France« als E-Books bei allen einschlägigen Portalen geben. Das heißt, dass man die Dinger dann auch auf dem Kindle und anderen Lesegeräten durchschmökern kann – finde ich natürlich stark.

Darüber hinaus sprach ich darüber, wie andere Texte von mir als E-Book herauskommen könnten. Beispielsweise ging es dabei um meine Fantasy-Novellen und andere Texte, die in kleinen Verlagen erschienen sind und die man praktisch nicht mehr bekommen kann.

Da ich mein Zeugs gerne gedruckt sehen möchte, ging es bei manchem Gespräch aber auch darum, »richtige« Bücher von mir zu machen. Unter anderem unterhielt ich mich angeregt über ein mögliches Romanprojekt und eine schneller zu verwirklichende Sammlung von Kurzgeschichten.

Aber schauen wir mal: Auf einer Buchmesse wird immer viel geredet, und nie werden alle Themen verwirklicht. Aber das Jahr 2012 ist noch jung, und vielleicht entsteht im Verlauf der nächsten Monate die eine oder andere Perspektive ...

18 März 2012

Geruhsam aus Florenz

The Vickers ist eine Band aus Florenz, die eine wunderschöne Mixtur aus alten Beatles und neueren Indie-Bands spielen: englische Texte, dezentes Gitarrengeklimper, schöne Melodien. Das ist nicht gerade spektakulär, das kann man sich aber immer wieder anhören.

Ich erhielt die CD »Keep Clear« der Band als Besprechungsexemplar. Die CD riss mich nicht vom Hocker, aber ich hörte sie während eines Abends, an dem ich einen Roman zu redigieren hatte, gut vier oder fünf Mal hintereinander an. Es blieben nicht gerade die tollen Stücke hängen, aber ich ärgerte mich auch keine Sekunde lang.

Eine ruhige Band also, die man sich anhören kann. Viel mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

17 März 2012

Dicke Luft, schwacher Kopf

Traditionell ist der dritte Tag auf einer Buchmesse der schwerste, zumindest für mich, zumindest in Leipzig. Der dritte Tag ist nämlich üblicherweise ein Samstag, und am Vorabend treibe ich mich mit Kollegen in der Moritzbastei herum. Das hat immer Folgen.

Das uralte Gemäuer in Leipzig, in dem am Freitag abend die Party der Buchhändler stattfindet, ist verwinkelt, sieht cool aus und fasst haufenweise Leute. Einige von denen kenne ich, und so trinke ich an einem solchen Abend gerne das eine oder andere Bier zu viel.

So war es auch an diesem Freitag. Kein Wunder, dass ich reichlich zermatscht auf der Messe auflief. Vier Stunden Schlaf und davor einige Bier - das stecke ich einfach nicht mehr so gut weg. Dennoch brachte ich den Tag gut herum: meist einfach nur am Messestand, meist sehr ruhig, doch immer wieder redend.

Und das bei steigendem Lärm- und Kommunikationspegel ... Hunderte von verkleideten Manga-Jugendlichen turnten um uns herum; es war laut und schwitzig. Und mit meinem zermatschten Kopf fiel es mir immer wieder schwer, bei einem seriösen Fachgespräch die fünf Sinne einigermaßen vernünftig zusammenzuhalten.

16 März 2012

Standnachbarn

Gelegentlich verwischen sich auf der Leipziger Buchmesse meine Identitäten. Jeder Mensch hat bekanntlich mehrere: Je nach dem, wo man sich aufhält und mit wem man spricht, ist man ein anderer Mensch. Mal Sohn und Familienmitglied, mal Angestellter und Firmenangehöriger, mal Privatmensch und guter Freund.

Bei mir ist es so, dass ich an einem Stand auf der Leipziger Buchmesse sitze und über Bücher rede, die nicht von mir geschrieben worden sind, sondern von fleißigen und kreativen Autoren. Eine dünne Wand trennt mich in solchen Fällen von meiner anderen Identität: Direkt nebenan ist das Archiv der Jugendkulturen, in dem die Kurzgeschichtensammlung »Zwei Whisky mit Neumann« und meine zwei Romane um »Peter Pank« erschienen sind.

In früheren Jahren kam es immer wieder vor, dass junge Punks eines meiner Bücher kauften und dann zu unserem Stand geschickt wurden. »Da sitzt der Autor, der gibt euch ein Autogramm.« Dann standen jugendliche Irokesenträger, die dreißig Jahre jünger waren als ich, vor mir und hielten mir eines meiner Bücher vor die Nase, sichtlich ein wenig eingeschüchtert von meinem Anzug.

Im Jahr 2012 blieb das bisher aus. Aber ich genieße es, einige Meter nach links oder rechts zu gehen: Beim Archiv der Jugendkulturen rede ich über Szene und Punkrock, beim Golkonda-Verlag spreche ich privat über Science Fiction und dergleichen. Die Buchmesse ist dann viel privater ...

15 März 2012

Kein schöner Hall'

Irgendwie gibt es kein perfektes Wetter für eine Buchmesse: Bei meinen Aufenthalten in Leipzig goss es schon einmal in Strömen, standen wir einmal knöcheltief im Neuschnee, durch den wir mit unseren tollen Halbschuhen stapften, knallte aber auch schon einmal die Sonne vom Himmel. So auch dieses Mal. Der erste Messetag bei dieser Buchmesse empfing mich mit einem wunderbaren Wetter, mit einem Sonnenschein, der fast klischeehaft war und der einem eigentlich eine gute Laune einbringen sollte.

Das tat es auch: Auf der Autobahn ließ ich es ordentlich knallen, und im beginnenden Getümmel einer Buchmesse behielt ich die gute Laune recht lange bei. Aber irgendwie ist es dann doch bescheuert: Vom schönen Wetter hatte ich so gut wie nichts, und als ich endlich aus der Halle herauskam, war es schon wieder fast dunkel.

Irgendwie gibt es kein perfektes Wetter: In der Halle ist es immer gleich temperiert, vom Wetter außerhalb bekomme ich nichts. Ich komme mir vor wie in einem riesigen Raumschiff, das durch eine Umgebung gleitet, von der ich nichts mitkriege.
Planet Leipzig, ich bin nur auf Deiner Außenstation!

14 März 2012

In der Münchener Mittagsonne

Eigentlich hatte die Autorenkollegin das gut gemeint und ebenso gut geplant: Sie holt mich und den Kollegen am Bahnhof ab, wir gehen dann in ein »typisch bayerisches Brauhaus«, essen dort eine Kleinigkeit und gehen dann zur Beerdigung. Ein guter Plan, aber mit Hindernissen.

Das Brauhaus war eine Baustelle, aber so richtig komplett. Also wichen wir auf die andere Straßenseite aus und nahmen eine »echte Brotzeit« zu uns, das einzige, was schnell ging: Käsebrote oder eben sogar ein Schmalzbrot für den Kollegen aus Bonn.

Das war sogar alles recht lecker. Das beste allerdings: Wir saßen in der Sonne, als ob es schon Sommer sei, und genossen den warmen Tag.

Da vergaß ich glatt den traurigen Anlass, weswegen ich überhaupt in München weilte. Ich bin aber sicher, dass der Verstorbene das nicht ungern gesehen hätte ...

13 März 2012

Das Haus und die Familie

Das älteste Bild von dem Haus, in dem ich großgeworden bin, ist leider undatiert. Es dürfte um 1930 aufgenommen worden sein, wenn man nach der Familie geht, die sich stolz vor dem Haus gruppiert hat.

Der kräftige Mann mit Schnauzbart und in Zimmermannskluft müsste mein Großvater sein, den ich nie kennengelernt habe, und der kleine blonde Junge, der vor ihm steht, müsste mein Vater sein. Daneben stehen zwei Frauen, eine davon mutmaßlich meine Großmutter, sowie zwei Mädchen, eines davon wohl meine Tante. Wer die jeweils andere Frau und das andere Mädchen sind, geht aus dem Bild leider nicht hervor.

Das Haus sieht extrem einfach aus. Teilweise erkennt man das Fachwerk und die dazwischen gemauerten Steine, an den Stellen nämlich, wo die Bretter fehlen, die schlicht darüber genagelt worden sind. Die Lage der Fenster und der Aufbau des Daches waren damals schon so, wie sie heute noch sind, und auch die wuchtigen Sandsteine, auf denen das Haus steht, sind dieselben geblieben.

Aus der Küche führt ein Rohr in einen Holzzuber, der vor dem Haus steht; eine primitive Stromleitung führt an der Stelle ins Haus, wo vierzig Jahre später mein Kinderzimmer war. Und die Hausnummer 150 – damals wurden die Häuser im Dorf schlicht durchnumeriert, und niemand dachte daran, die Häuser in den Straßen zu numerieren – ist auf einem Holzschild angebracht.

Schaue ich mir das Bild an, wird mir wieder einmal klar, warum eine meiner frühesten Erinnerungen an das Haus ist, dass darin gearbeitet wurde. Meine Großeltern und meine Eltern haben ununterbrochen geschuftet, um aus der »Bretterbude« ein Wohnhaus zu machen; auch ich habe unzählige Arbeitsstunden hineingesteckt. So etwas gibt man nicht leichtherzig her.

Außenseitertum, selbstgewählt

Es steckt natürlich ein Stückweit Pathos und Attitude dahinter, wenn sich eine Band selbst in ihrem Plattentitel als »Outsider By Choice« bezeichnet. Aber dass es die finnische Band Wasted wieder gibt, freut mich, und die neue Platte knallt richtig gut.

Live fand ich die Band immer überzeugend; ich sah sie zwei- oder gar dreimal im Keller der »Ex-Steffi«, des besetzten Hauses hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof, und dort wirkten sie in dem Schmuddel-Umfeld mit ihren ordentlichen Haaren, sauberen Tätowierungen und Hemden manchmal wie ein Fremdkörper. Musikalisch gefiel mir die druckvolle Mixtur aus Streetpunk und Hardcore immer sehr gut.

Das ist bei der aktuellen Platte auch der Falle; man könnte meinen, die Band sei nie weggewesen oder die Musiker hätten sich nie auf irgendwelchen Indie-Rock-Wegen befunden. Die Platte ist kompakt: Jedes Stück ist knallig und auf den Punkt gebracht, die englischen Texte überzeugen, und die Melodien sind wuchtig wie eh und je. Saugut!

12 März 2012

Wiedergeburt in einer Krimi-Geschichte


Ich bin seit vielen Jahren ein Fan der neuen »Daredevil«-Geschichten: Wie der blinde Superheld ohne Angst in der düsteren Comic-Welt von New York mit seinen Sorgen und Nöten klarkommt, wie er trotz aller inneren Dämonen immer wieder den Kampf gegen das Böse in der Welt aufnimmt – das war und ist streckenweise sagenhaft gut erzählt und illustriert.

Zuletzt gefielen mir die Storys nicht mehr so gut: Mit dem sogenannten Shadowland näherte sich die Serie zu sehr an den üblichen Superhelden-Kosmos an, was dazu führte, dass mich das kaum noch interessierte. Jetzt aber liegt das elfte »Daredevil«-Paperback vor, die deutschsprachige Zusammenfassung der vier amerikanischen Hefte von »Daredevil Reborn«, und das ist richtig klasse gemacht.

Auf seiner Flucht vor der eigenen Vergangenheit erreicht Matt Murdock – ohne seine Ausrüstung als Daredevil – ein unbekanntes und unbedeutendes Kaff in der Nähe der mexikanischen Grenze. Er spricht mit einem Jungen, der ebenfalls blind ist, und noch während er sich mit dem Jungen unterhält, stöbern ihn einige Schlägertypen aus dem Kleinstadt auf.

Murdock lässt sich von den Typen vertreiben, weil er keinerlei Interesse daran hat, einen Krieg vom Zaum zu brechen. Er will weiterziehen und sich nie wieder in die Probleme anderer Leute einmischen. Doch dann stößt er auf eine offene Grube, in der sich die Überreste von Ermordeten befindet – und ihm ist klar, dass er nicht ewig weglaufen kann.

Er stellt sich dem Herrscher über die Kleinstadt, und dann beginnt ein gnadenloser Kampf ... Das klingt jetzt ein wenig klischeehaft, wie eine Mischung aus einem Western und dem üblichen Superhelden-Kram, doch was der britische Comic-Autor Andy Diggle und der italienische Künstler Davide Gianfelice daraus machen, finde ich klasse: Natürlich sind die Kämpfe zeichnerisch toll choreografiert, mit allen Effekten, die man von modernen amerikanischen Comics erwarten kann; das ganze funktioniert aber nur dank der knalligen Handlung, die mit knappen Dialogen vorangetrieben wird.

Das beste daran: Man benötigt keinerlei Vorkenntnisse, um die Geschichte zu verstehen. Dieser »Daredevil«-Band ist ein Einstieg in den Kosmos dieses Superhelden, der mit einer Stunde Null beginnt: ein Mann allein in einer fremden Stadt. Das ist packend erzählt und toll gezeichnet – so etwas mag ich!

11 März 2012

Apachen, Sioux und ein Leutnant

Am Wochenende ging die Nachricht durchs Netz: Der Comic-Zeichner Jean Giraud ist gestorben. Der Mann war Jahrgang 1938, zuletzt war er lange krank, und jetzt tat er mit 73 Jahren seinen letzten Atemzug.

Ich nahm mir noch einmal einige seiner »Blueberry«-Comics vor, die in einer schönen Gesamtausgabe bei Ehapa erscheinen oder – genauer gesagt – erschienen sind. Als Nullnummer der »Blueberry-Chroniken« gibt es den Band »Apachen«, und den las ich dann komplett durch. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, sind das die letzten Zeichnungen, die Giraud zu seinem Western-Erfolg veröffentlicht hat – und sie sind inhaltlich vor den ersten Zeichnungen angesiedelt, die es zu »Blueberry« gibt.

Der stets zum Alkohol und groben Streichen neigende Leutnant der US-Kavallerie war die erste Giraud-Figur, die ich kennenlernte. Das war in den 70er-Jahren, als ich – wie viele Jugendliche auch – die »Zack«-Hefte las. In den 80er-Jahren kaufte ich mir die »Blueberry«-Alben, die in unterschiedlichen Verlagen erschienen, und las sie mehrfach.

Die teilweise zerfledderten Dinger tauschte ich in den Nuller-Jahren gegen die schön gestalteten »Blueberry-Chroniken« im Hardcover-Format aus. Und in diesen blätterte ich heute wieder herum: Mit Faszination und immer noch demselben Interesse wie früher las ich die Geschichten – toll!

Mit seinen Science-Fiction-Comics, die Giraud unter seinem Pseudonym Moebius zeichnete, konnte ich teilweise weniger anfangen. Die Stories sind teilweise total schräg, zeichnerisch gefallen sie mir teilweise auch – aber den Western fand ich stets cooler und überzeugender. Sogar »John Difool«, der jetzt in einer wunderbaren Neuauflage bei Splitter veröffentlicht wird, war für mich nicht so toll.

Jetzt ist das französische Comic-Genie tot. Schade, ich hätte mir von ihm noch eine Reihe weiterer »Blueberry«-Geschichten gewünscht. Mal schauen, was andere Zeichner und Autoren aus diesem Mythos machen können.

10 März 2012

UK Subs – alt und live

Nachdem ich im Februar 1982 den englischen Punkrock-Klassiker schlechthin – die U.K. Subs – mal wieder gesehen hatte, hörte ich mir gleich eine weitere alte Platte von denen an. Gemeint ist die LP »Live Kicks«, die tatsächlich 1977 im Roxy Theatre in London aufgenommen wurde. Dort spielte die Band ab dem Sommer 1977 regelmäßig zum Pogo auf.

Unter anderem wurden Aufnahmen dieser Auftritte auf der legendären Platte namens »Farewell To The Roxy« veröffentlicht. Die habe ich nicht; ich habe die weniger legendäre Platte »Live Kicks«, die etwa 1980 als deutsche Pressung herauskam und meiner Erinnerung nach die erste Platte der Band war, die ich mir überhaupt kaufte.

Da sind alle Klassiker drauf, von »C.I.D.« bis hin zu »Stranglehold«: knackig gespielt, mit einem durchaus ruppigen und vor allem recht schnellen Sound, ein wenig abgehackt und ohne jegliche Metal-Anleihen (die zehn Jahre später leider normal waren) und ohne Rhythm'n'Blues-Vergangenheitsbewältigung des Sängers. Kein Stück auf der Platte ist übrigens länger als zwei Minuten, die meisten sind richtig kurz.

Die »Live Kicks«, die man heutzutage immer wieder angeboten bekommt und die es als CD-Nachpressung und dergleichen gibt, lohnt sich echt. Und sei es nur als Vergleich: In den späten 70er-Jahren war die Band live besser als auf den regulären Platten – und daran hat sich irgendwie nichts geändert ...

09 März 2012

Fremdgeschämt

In meinem Leben habe ich viele Dinge getan, die mir im Nachhinein unglaublich peinlich sind. Ich hoffe immer, dass die anderen Menschen, die daran beteiligt waren, sie größtenteils vergessen haben - leider ist es nicht automatisch so, dass die anderen meine Peinlichkeiten aus dem Hirn schlagen ...

Am gestrigen Donnerstag, 8. März 2012, schaute ich mit einer Mischung aus Grusel, Mitleid und Entsetzen einer Peinlichkeit ersten Ranges zu: die Verabschiedung des scheidenden Bundespräsidenten, dessen Namen ich schon nicht mehr schreiben kann, mit einem Großen Zapfenstreich. Das pompöse Schauspiel, die maskenhaften Gesichter der Beteiligten und im Hintergrund die »Schande Schande!«-Sprechchöre und das ununterbrochene Tröten, Pfeifen und Trillern: Es war unglaublich.

Anstelle des geehrten Ex-Presis wäre ich vor Scham im Erdboden verschwunden. Ich hätte mich in den letzten Wochen an seiner Stelle sowieso die ganze Zeit geschämt. Und während mir bei meinen Peinlichkeiten maximal ein Dutzend Leute zuschaute, haben in den letzten drei Monaten ja Millionen von Leuten mitbekommen, wie der Mann sich blamierte.

Unglaublich! Ich schämte mich für ihn mit. Ich konnte das Drama nicht mehr länger anschauen. Anderseits: Der Mann ist vier Jahre älter als ich, kassiert jetzt eine »Rente«, die ein Mehrfaches meines Jahresgehaltes entspricht ... da darf er sich auch ein wenig auspfeifen lassen und sich gerne öffentlich blamieren. Das ist dann die Ehrenschuld.

(Ich gestehe im übrigen, dass ich ein großer Fan von Gernot Hassknecht bin. In klar formulierten Worten bringt dieser bedeutende Mann seine Meinung zur Bundespräsidentensuche und den üblichen Kalamitäten zum Ausdruck. Dem ist wenig hinzuzufügen. Youtube hält hier schönes Material bereit.)

08 März 2012

Zum Frauentag

Der 8. März ist bekanntlich der »Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden«, kurz »Internationaler Frauentag«. Es war zu erwarten, dass es an diesem Tag von dämlichen Witzen im Internet nur so wimmelt. So finden sich bei Twitter eine Reihe von lustig gemeinten Aussagen zum Thema - beispielsweise möchte eine Twitterin allen Frauen »ein High Five mit meinen Brüsten geben«.

Die BILD gibt ihren weiblichen Kollegen frei, die Financial Times stellt fest, dass Frauen gut mit Geld umgehen können, und tarnt ihren Artikel mit dem witzig gemeinten Satz, die Frauen bräuchten »ganz dringend Kreditkarten mit pinkfarbenen Stilettos«. Und selbstverständlich fehlt es nicht an Frauen, die der Ansicht sind, alles sei okay, wie es nun mal sei, und an Männern, die glauben, dass sie von Frauen unterdrückt werden.

Wie gehabt. Wie immer. Von Gleichtberechtigung ist unsere Gesellschaft auf jeden Fall weit entfernt; das weiß jede und jeder, die und der ihre und seine fünf Sinne zusammen hat.

Wie man's ändern kann, weiß ich nicht. Ein erster Schritt bis dahin wäre sicher, auf die dämlichen Witze zu verzichten. Und der nächste, Frauen in Führungspositionen einfach mal als normal zu betrachten. Und so weiter ...

07 März 2012

Comixene mit Micky Maus


In den frühen 80er-Jahren, als ich mich intensiv für Comics interessierte, war ich ein Abonnent der Fachzeitschrift »Comixene«; damals las ich jedes Blatt von vorne bis hinten durch. Viele Besprechungen wurden von mir zu Kaufempfehlungen umfunktioniert, die »Comixene« erweiterte mein Bild von Comics. »Corto Maltese« und Will Eisner, die Klassiker der frankobelgischen Geschichte und die modernen Graphic Novels der 80er-Jahre – das alles lernte ich durch die »Comixene« kennen.

Das Heft verstarb irgendwann, seit einigen Jahren erscheint es wieder. Ich las zuletzt die Nummer 111 vom Dezember 2011. Als Covergeschichte wurde »Micky Maus – 60 Jahre Spaß« gewählt, und das ist ein gutes Thema.

Selbstverständlich gibt es einen umfangreichen Rückblick auf die Geschichte des »Micky Maus«-Magazins (wo mit Joachim Stahl ein alter Bekannter aus den fannischen 80er-Jahren eine wichtige Rolle spielt); dazu kommen Beiträge zu Erika Fuchs, die jahrelang die Disney-Comics eindeutschte, und zur Arbeit der Donaldisten. Das ganze ist unterhaltsam geschrieben und stets mit einem Augenzwinkern unterlegt.

Darüber hinaus liefert die »Comixene« allerlei Hintergrund-Artikel, Nachrufe auf Comic-Künstler, umfangreiche Rezensionen und anderes. Der eigentliche Comic-Anteil bleibt eher gering: »Die Stadt der Träumenden Bücher« von Walter Moers wird auf einigen Comic-Seiten angedeutet. Das eher textlastige Magazin wirkt somit eher journalistisch-seriös, was ich aber gut finde.

Die 72 Seiten im A4-Format lassen sich gut lesen: farbig gedruckt, professionell gestaltet. Der Ladenpreis beträgt 5,90 Euro, zu kaufen ist das Heft überall im Fachhandel oder direkt über den eigenen Internet-Auftritt.

06 März 2012

Brüllen mit dem Lärm

Mir ist nicht ganz klar, woher die Begeisterung vieler Leute für die sogenannten Irish Pubs kommt. Sie haben sich wie Geschwüre überall verbreitet, und überall hört man dieselbe Dudelmusik und erhält das gleiche dunkle Bier auf den Tisch gestellt, gern noch garniert mit ein bisschen schlechter Laune des Personals.

Der Irish Pub in der Innenstadt von Karlsruhe ist ganz nett – sieht man davon ab, dass ich da nie freiwillig hineingehen würde. Es darf geraucht werden, und das merkt man: Der Laden schwimmt in einer Wolke aus Rauch und Gestank, und zu manchen Zeiten ist das Lokal derart voll, dass man sich sehr kuschelig zusammensetzen muss.

Und weil es so voll ist und einige Gäste recht schnell auch sehr voll sind, steigt die Lautstärke im Viertelstundentakt an. Anders gesagt: Wer sich unterhalten will, muss ebenfalls laut sprechen. So steigert sich das ganze, weil alle immer lauter werden – und irgendwann schreit man sich an.

Tolle Kneipe, doch. Ich musste da im vergangenen Jahr gelegentlich aufschlagen, weil ich mit Rauchern unterwegs war. Damit diese in der Wärme rauchen können, nehmen die im Winter das bitterste Los auf sich.

Ich auch. Und so sitze ich als Nichtraucher in einer vollgequalmten Kneipe, trinke Pils – weil ich Guiness und dergleichen nicht so mag –, schreie andere Leute an und lasse mich wiederum von diesen anschreien. Was macht man nicht alles, um abends mal ein Bier trinken zu gehen ...

05 März 2012

Australien im Querfunk

Seit 1995 mache ich Radio im Querfunk, und in all den Jahren gab ich mir redlich Mühe, meine Sendung so »musikjournalistisch« wie möglich zu gestalten: Die ausgewählten Musikstücke und die Moderation sollen zusammenpassen, es muss inhaltliche Überschneidungen geben, und natürlich sollten die Überleitungen so gut wie möglich sein.

Am Sonntag, 4. März 2012, war das leider nicht möglich: Irgendein Idiot hatte vor meiner Sendung an den Plattenspielern herumgebastelt. Einer der zwei Plattenspieler gab keinen Mucks von sich, der andere hatte einen Wackler – zumindest in meinen Kopfhörern klang alles komplett bescheuert.

Mir blieb nichts anderes übrig, als die Sendung komplett umzuwerfen und mehr auf irgendwelche CDs zurückzugreifen, die ich sicherheitshalber immer dabei habe. Dem OX-Fanzine und seinen Samplern sei in diesem Fall echt mal Dank! Keine Ahnung, wie sich meine schlechte Laune wirklich auf die Radiosendung auswirkte – unterm Strich fand ich sie nicht gut.

Mit Exploding White Mice, den Hard-Ons und den Trilobites gab's klassischen Sound aus dem Australien der 80er-Jahre. Mit Digger & The Pussycats oder The Corps, den Puta Madre Brothers oder The Kill Devil Hills griff ich in die Neuzeit. Immerhin.

Nach dem Konzert die olle Platte

Nachdem ich im Februar 2012 mal wieder die guten alten U.K. Subs gesehen hatte, wollte ich mir mal wieder ihre Platten anhören. Das ging erstaunlich gut, das hatte ich seit mehreren Jahren nicht mehr getan. Und wenn man sich mal – wieder – daran gewöhnt hat, dass die Aufnahmetechnik 1980 eben noch nicht so weit entwickelt war wie heute, zünden die alten Stücke auch wieder.

Die »Brand New Age« von 1980 enthält beispielsweise den Überhammer »Warhead«, der hier aber recht langsam daherkommt und nichts von der wuchtigen Hymne erkennen lässt, zu der das Stück im Lauf der Zeit geworden ist. Darüber hinaus sind eine Reihe weiterer Stücke enthalten, die nach wie vor bei den U.K.-Subs-Konzerten gespielt werden; zu Recht, denn sie funktionieren immer noch.

Manchmal merkt man der Band an, dass zumindest der Sänger davor ganz normalen Rhythm'n'Blues gemacht hat: Das ist nicht gerade schnell, sondern rumpelt in schönem Durchschnittstempo vor sich hin. Gut sind die Stücke trotzdem: Die Chöre sitzen, die einzelnen Textzeilen werden vom Sänger mit viel Energie gebrüllt.

1980 war diese Platte sicher der Kracher; ich kaufte sie mir erst Jahre später auf einem Flohmarkt in Tübingen, und der »unverschämte Verkäufer« wollte damals unglaubliche zwölf Mark für »das alte Ding«. Heutzutage gibt es sie zum legalen Download im Internet oder auf CD, die alte Vinylscheibe werde ich weiterhin achten ...

04 März 2012

Plop goes Lyrik

Seit den gaaaanz frühen 80er-Jahren lese ich das Comic-Fanzine Plop; seit jeher hat sich das Heft darauf konzentriert, den unbekannten Comic-Künstlern eine Chance zu geben. Dieser Tage flatterte mir die aktuelle Ausgabe 87 ins Haus: 40 Seiten stark, für drei Euro beim Herausgeber zu beziehen.

Das ist derzeit Bernhard Bollen, der schon in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren das Fanzine verlegte. Er geht neue Wege, in dem er den Untertitel ändert: »Comics Kunst Poetry« steht auf dem Cover, und inhaltlich hält das Heft, was es verspricht.

Es gibt viele kurze Comics, manchmal nur einseitige Cartoons, meist witzig und gut gemacht – das ist eine kunterbunte Lektüre, die mir gefallen hat. Dazu kommt die »Poetry-Ecke«, bei der mir »Darth Vaders geheimes Tagebuch« sehr gut gefallen hat, während ich mit den Gedichten nichts anzufangen wusste.

Grundsätzlich ist es gut, wenn ein alteingesessenes Blatt ein wenig an seiner inhaltlichen Richtung herumspielt. Mir muss auch nicht alles gefallen ... die Hauptsache ist, dass Plop weiterhin gelungene Amateur-Comics publiziert!

03 März 2012

Schon 1986 in Erdkunde gelernt

Am Freitag, 2. März 2012, ging es wieder einmal zu einem Kabarett-Abend: Wir schauten uns Hagen Rether in Pforzheim an. Seit ich den Kabarettisten vor einigen Jahren im »Tollhaus« in Karlsruhe gesehen habe, bin ich Fan.

Auch in Pforzheim lieferte der Mann eine überragende Show ab. Sie heißt immer noch »Liebe«, aber es sind maximal drei Prozent von »damals« noch identisch – ansonsten ist er sehr aktuell und bringt stets neue Themen. Aus der Tagespolitik hält er sich raus, stattdessen wird in sehr ruhigem Ton über allgemeine Themen doziert.

Klingt sehr wissenschaftlich, ist es fast auch: Rether sitzt allein auf der Bühne am Klavier. Selten spielt er darauf, meist putzt er es oder isst Bananen, spricht dabei über Politik und Gesellschaft, die Verantwortung jedes einzelnen für das Überleben der Menschheit und andere Themen.

Das ist oftmals witzig, häufig aber sehr bitter: Ich habe an diesem Abend zum ersten Mal in einem Kabarett-Programm erlebt, dass nach einer »Pointe« eisiges Schweigen im Saal herrschte. Da konnte niemand lachen, da guckten alle entsetzt vor sich hin – und das gut dreißig Sekunden lang. Ich war fassungslos.

Das Programm dauerte über drei Stunden: Wir waren um acht Uhr im Saal, zwischendurch gab es selbstverständlich eine Pause, und um viertel vor zwölf kamen wir wieder raus – der Hammer! Wie der Mann das schafft, über diese lange Zeit eine derartige Live-Präsenz auf der Bühne aufrechtzuerhalten, das ist sensationell.

(Und was der Titel dieses Blog-Textest mit Hagen Rether zu tun hat? Einfach mal selbst hingehen ... oder mal fleißig googeln. Gibt ja einige Youtube-Filmchen mit Kabarett-Aufnahmen Rethers.)

02 März 2012

Super-Pulp ist cool


Wenn sich ein Heft schon »Super-Pulp« nennt, ist klar, dass es sich selbst nicht richtig ernstnimmt. Die Unterzeile unterstreicht das noch: »Das Fachblatt für Pulp-Thriller, Horror und Science Fiction«. Auf 40 Seiten gibt's drei knallige Geschichten, dazu kommt ein farbiges Titelbild – das sieht alles sehr professionell aus.

Verantwortlich dafür ist der kleine, aber feine Verlag Evolver Books aus Wien, der auch die Netzzeitschrift Evolver herausgibt und im letzten Jahr mit einigen Büchern auf sich aufmerksam machte. »Super-Pulp« ist ein Heft, das man für wenig Geld direkt beim Verlag oder auch bei Amazon erhalten kann.

Bei »Zwischenfall im Interstellar Express« dient ein skurriles Science-Fiction-Thema als Hintergrund (viel Geballer à la »Pulp Fiction« und das ganze an Bord eines Raumschiffes), während »Das Schamanenerbe« im Prinzip eine Horror-Endzeit-Geschichte ist. Bleibt noch »Rollercoaster of Hate«, wo die Frauenhaftanstalt Beirut zum Schauplatz einer derben Story wird.

Literarisch hochwertig ist hier nichts, unterhaltsam sind die drei Texte allesamt. Dazu kommt noch ein kurzer Artikel über »Schmutz und Schund«, und fertig ist ein gelungenes Heft, das sich mit den Mythen des Heftromans sowie der gröberen Phantastik beschäftigt. Das hat mir alles sehr gut gefallen!

01 März 2012

World of Cosmos gelesen


In den 80er-Jahren war es normal, dass ich jede Woche mehrere Fanzines bekam: auf Papier gedruckt, üblicherweise vom A4- aufs A5-Format verkleinert und in der Mitte zusammengetackert. Die Auflagen bewegten sich zwischen 50 und 500 Stück, und meist wurden sie im Offsetdruck hergestellt.

Das ist lange her, und solche Fanzines gibt's kaum noch. Deshalb freue ich mich, wenn ich ein Heft wie das »World Of Cosmos« in den Händen halte. Die Ausgabe 70 zeigt den leider im letzten Jahr verstorbenen Schriftsteller H.G. Francis auf dem Cover, und im Innenteil gibt es die geballte Ladung an Science Fiction.

Auf den 104 A5-Seiten, die sich kaum noch tackern lassen, geht es natürlich auch um meinen Job, aber diesmal gibt's glatt einen Manga-Schwerpunkt: Das Thema ist »Anime-Evolution«, wovon ich nichts verstehe, wozu es hier aber einige Kurzgeschichten gibt.

Dazu kommen Leserbriefe und Buchbesprechungen, ein Blick auf Fernsehserien und eine gewisse Heftromanserie mit ihren Ablegetrn – ein kunterbuntes Paket an Meinungen und Informationen, das ich stets mit großer Begeisterung blättere und anlese. Zum kompletten Durchschmökern reicht es ja leider viel zu selten.

Und viel zu selten gibt es heute noch solche Fanzines. Klar – online liest sich vieles leichter und schöner. Aber das Durchblättern und Schmökern, das finde ich nur in einem Fanzine. Deshalb wünsche ich Blättern wie dem »World Of Cosmos« eifrigst weitere Leser. Guckt euch mal die Homepage an, bestellt das Ding!