04 September 2026

Der Ragtime und die Beatles

In meinem Auto lief der von mir abonnierte Streamingdienst. Warum auch immer ich die Musik gestartet hatte: Aus den Boxen kam das Stakkato-Klavierspiel, das sich Scott Joplin vor gut hundert Jahren ausgedacht hatte. Ich finde Ragtime tatsächlich sehr cool und mag das immer wieder: Die Musik hat Tempo, sie wirkt hektisch und ein wenig überdreht, aber sie macht gute Laune, und eigentlich möchte man dazu herumhüpfen.

Im Gespräch kam die Frage auf: »Das ist eine rasante Musik, viel schneller als das, was in den fünfziger und sechziger Jahren als Rock’n’Roll verkauft wurde. Warum hat man sich darüber nicht aufgeregt? Wieso dieser Zorn und dieser lautstarke Hass gegen die Beat- und Rockmusik?«

Meine ernsthafte Überlegung; keine Ahnung, ob das realistisch ist: Ragtime wurde von Schwarzen Musikern gespielt und lief oft in »anrüchigen« Bars, in Speakeasys und halblegalen Restaurants. Und weil damals von vielen weißen Menschen den Schwarzen eh ein »animalisches Verhalten« angedichtet wurde, verzieh man ihnen gewissermaßen diese schnelle und zeitweise abgedrehte Musik. Das passte für sie irgendwie.

Bei den Beatles oder auch bei Elvis Presley handelte es sich um »weiße Jungs«. Und die machten auf einmal auch so eine wilde Musik. Das war dann auf andere Weise schlimm und brachte die Leute auf. So meine Theorie, die ich nicht blöd finde.

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