19 Februar 2008

Seltsame Flyer

Heute lag ein seltsames Flugblatt im Briefkasten. Nicht der übliche Kram zwischen örtlichem Supermarkt, Pizza-Bude und Nagelstudio, nein, eine Schwarzweiß-Kopie, eindeutig mit der Schere zurecht geschnitten. Und die Titelzeile »Landnahme in Deutschland« machte auch gleich richtig neugierig.

Das Flugblatt faselt davon, daß es im Jahr 2100 rund 35 Millionen Türken in Deutschland geben würde. Grund: der »Verrat an der eigenen Bevölkerung durch SPD, CDU, Grüne«. Und davor hat der unbekannte Flugblattschreiber wohl fürchterliche Angst.

Kein Wunder: Er hat Angst davor, dass die Türkengefahr, die anno 1529 vor den Toren Wiens gestoppt werden konnte, auf diese Weise wiederkommt. Als Beleg zitiert er eine Aussage des türkischstämmigen SPD-Europaabgeordneten Vural Öger, in der dieser wohl einen schlechten Witz gemacht hat. Wer den Quatsch nachlesen will, auf den sich mein anonymer Nazi beruft, landet auf vielen rechten Seiten und muß sich letztlich mit dem Hamburger Abendblatt behelfen.

Meinem freundlichen Nachbarn dürfte das egal sein. »Also raus mit dem faulen Ei aus dem Nest!«, fordert er stramm, wir deutschen Kuckucke dürften uns nicht alles gefallen lassen. Und: »Wir werden unser deutsches Heimatland den Barbaren nicht überlassen.«

Man kann gegen die örtlichen Nazis viel sagen: Doof sind sie, rassistisch sowieso. Aber aktiv sind sie, indem sie ihre Meinung tapfer verteilen, wenngleich einem dabei das Kotzen kommen mag.

18 Februar 2008

Zwangsurlaub

Ich habe Urlaub, wenngleich nicht hundertprozentig freiwillig. Eigentlich hatte ich meinen Jahresurlaub 2007 im November 2007 nehmen wollen, wie in früheren Jahren auch. Daraus wurde wenig, weil ich von der Firma aus ein internes Seminar für Mitte des Monats plaziert bekam - dann blieb gerade mal noch Luft für zwei Wochen in Südspanien, über die ich in diesem Blog im November gern gejammert habe.

Mein genialer Plan war dann: Ich feiere meinen Jahresurlaub 2007 im März und April 2008 ab. Damit umgehe ich vor allem die fiese Allergie-Zeit, indem ich einfach einige Wochen an den Strand nach Irgendwo fahre, an einen Ort dieser Welt, wo einfach keine Birken-, Pappel-, Erlen- und sonstwie-Pollen durch die Luft schwirren.

Pustekuchen! Neue Regelungen innerhalb des Unternehmens bringen es mit sich, daß Urlaube wirklich und hundertprozentig bis Ende März abgebummelt werden müssen - sonst verfallen sie tutto completto. Na super!

Deshalb jetzt zwei Wochen Zwangsurlaub, zu einer Zeit, die mir nicht soo gut paßt. Pläne gibt's für die Zeit genug, zu arbeiten bietet die hauseigene Baustelle auch genügend Raum.

Und wenn ich dann noch Zeit habe, schreibe ich Texte. Vielleicht schaffe ich es sogar, an meinem Romanprojekt weiterzumachen ...

17 Februar 2008

Jugend-Beseitigungen

Ab und zu überkommt es mich, irgendwelche Papierberge auszumisten. Und so nahm ich mir aus gegebenem Anlaß einen Stapel an Kinder- und Jugendbüchern aus meinem ehemaligen Kinderzimmer im Schwarzwald mit.

Die Bücher hatte ich buchstäblich seit Jahrzehnten nicht mehr angeschaut, eigentlich seit den Tagen, als ich zu Hause ausgezogen war. Und jetzt saß ich vor dem Packen an Papier und wollte es eigentlich wegwerfen.

So einfach ging das nicht. Okay, an »Mein lieber Onkel Bill« erinnerte ich mich gar nicht. Das Buch sah zudem so wenig zerfleddert aus, daß ich es wahrscheinlich nur einmal gelesen hatte. Ähnliches galt für einige andere Bücher.

Dann hatte ich irgendwann »Die Meuterer der Bounty« in den Händen, ein Buch, an das ich mich noch gut einnerte, weil ich es so oft gelesen hatte, verfaßt von einem gewissen Martin Anger. Wie oft hatte ich von Tahiti geträumt, von den Fahrten der Meuterer, von den grausigen Kämpfen, die die Überlebenden auf Picairn Island gegeneinander ausfochten.

Dann schaute ich mir die Widmung an, die ich mir selbst mit krakeliger Kinderschrift gegeben hatte: »Klaus Frick von Mama u. Opa am 9. 12. 75« stand da, und »Mama u.« hatte ich auch noch gestrichen. Wahrscheinlich war es ein Geschenk des Opas gewesen, der kurz danach verstorben war.

Lange saß ich da, drehte das Buch in meinen Händen hin und her. Konnte ich so etwas wegwerfen, durfte ich es überhaupt? Das ging doch nicht.

Und dann stellte ich es ins Bücherregal, zu den Büchern mit allgemeiner Literatur. Dort steht es zwischen Schalom Asch und James Graham Ballard – eine beeindruckende Nachbarschaft.

Ich gestehe es: Ich bin ein Musterbeispiel für alternde Sentimentalität.

16 Februar 2008

Nicht nur olle Kamellen


Zwar ist die Ausgabe 61 des Fanzines Plastic Bomb schon ausverkauft, wie ich mir habe sagen lassen, trotzdem habe ich es erst heute zu Ende gelesen. (Neid an alle, die immer gleich zu ihrer Lektüre kommen und nicht immer Monate hinterher hinken!)

Immerhin gibt es glatt einen Karlsruhe-Bezug: Tati, derzeit Sängerin bei Apocalipstix und in Bremen wohnhaft, wird interviewt. Sie spricht auch über ihre früheren Bands, über Animal Bondage oder Day By Day, ihre Zeit in der »Steffi« und anderes. Ich würde ja manches anderes formulieren, fand den Rückblick aber trotzdem sehr lesenswert.

Rückblicke gibt's in dem Heft eh zu Hauf: Die frühen 90er Jahre in Wien werden beleuchtet. (Ich habe mir Aus-Rotten im EKH in Wien angeschaut, weil ich zu viel Ärger mit der »Steffi« in Karlsruhe hatte ... so bescheuert waren die 90er Jahre teilweise.) Dazu kommen Bands wie EA80 und die Cockney Rejects zu Wort, deren Musik ich auch schon seit mindestens 25 Jahre kenne, und es geht um die Anfänge des »Tribal Area«-Video-Fanzines, das in den 80er Jahren anfing.

Gottseidank werden auch neuere Bands abgefeiert, gibt es zudem haufenweise Besprechungen neuer Tonträger und Fanzines. Ingo Rohrer war in Westafrika unterwegs und suchte dort verzweifelt nach Punkrock (ist jetzt ironisch gemeint!), und es gibt herrlich zynische Artikel von Chris Scholz und Vasco.

Eine gelungene Ausgabe wieder mal. Möge es das Plastic Bomb noch lange geben!

15 Februar 2008

Werner K. Giesa

Seit ich mich für Science Fiction und artverwandte Gebiete interessiere, ist mir der Name Werner Kurt Giesa ein Begriff: Früher verfasste er Kurzgeschichten und zeichnete eher seltsame Grafiken, seit mehr als 25 Jahren war er ein Autor populärer Heftromane.

Werner Kurt Giesa war ein fleißiger Schriftsteller. Es gibt die Aussage, er habe mehr als 800 Heftromane verfaßt. Daß diese nicht alle hohe Literatur enthalten können, liegt auf der Hand. Aber mit seinen Arbeiten für die Heftromanserie »Professor Zamorra« fesselte er Zigtausende von Lesern über viele Jahre hinweg.

In irgendeinem Urlaub, ich glaube, es war im Senegal, hatte ich einen Packen »Zamorra«-Hefte dabei, die ich mit viel Vergnügen las; einige seiner »Zamorra«-Bücher zeigten darüber hinaus, daß er das Potential zu »größeren Stoffen« hatte.

Wann genau ich ihn persönlich kennenlernte, weiß ich nicht mehr. Es muß irgendwann in den 80er Jahren gewesen sein. Da kannte ich bereits einige seiner Romane, die er unter anderem für »Mythor« und andere Serien geschrieben hatte.

Wir trafen uns im Verlauf der letzten 15 Jahre immer wieder auf der Buchmesse oder bei Veranstaltungen am Rande. Viel geredet wurde nie, die Kontakte waren nie so intensiv: Man kannte sich, man schätzte sich auch beiderseits als Kollegen (denke ich mal), aber zu mehr kamen wir nicht.

Am gestrigen 14. Februar 2008 verstarb der Autor in seiner Wohnung. Er wurde nur 53 Jahre alt. Als ich die Nachricht gestern hörte, war sie wie ein Schock für mich. Mist.

14 Februar 2008

Peter Pank in Ludwixhafen


Ja klar: »Ludwixhafen« ist völlig pubertär. Kein ernsthafter Mensch schreibt die rheinland-pfälzische Metropole so. Ludwigshafen ist Ludwigshafen ist Ludwigshafen. Böse Menschen dürfen auch BASF-Stadt dazu sagen.

In Punkrock-Kreisen und wahrscheinlich auch darüber hinaus war es in den 80er Jahren sehr beliebt, das »gs« durch ein »x« zu ersetzen. Jaja, wir waren alle mal jung und pubertär.

Immerhin spielt Ludwigshafen - jetzt richtig geschrieben - auch eine Rolle in der aktuellen Folge von »Peter Pank - Und: Hardcore!«. Der jugendliche Held ist nämlich in dieser Folge meines Fortsetzungsromans endlich im Haus der Jugend angekommen und trifft auf die ersten Leute; Bekannte ebenso wie Leute, die er noch nicht kennt.

Abgedruckt ist das ganze in der aktuellen Folge des Fanzines OX, genauer in der Nummer 76. Und ja ... natürlich ist ein großer Teil dieses Textes sehr autobiografisch angehaucht.

Was mir im übrigen durchaus Probleme bereitet, weil ich mich an die jeweiligen Personen, die es »real« gab, beim besten Willen nicht mehr erinnern kann. Wie zum Teufel sah denn eigentlich damals Frank Babel aus?

13 Februar 2008

Interview mit Kurz-Antworten

»... deswegen habe ich PR-Chefredakteur Klaus N. Frick mit ein paar Fragen gelöchert ...« Das schreibt Stefan Holzhauer, genannt Holzi. Er schreibt es auf der Homepage des Online-Fanzines Zauberspiegel, wo ein Interview mit mir veröffentlicht wurde.

Das Interview beschäftigt sich vor allem mit PERRY RHODAN-Action, einer neuen Heftromanserie, die ab 4. April 2008 rauskommen soll und an der ich beteiligt bin. Da bis zum Erscheinen der ersten Ausgabe auch noch sechs Wochen vergehen werden, fallen meine Antworten sehr kurz aus.

Amüsante Randbemerkung: Holzi kenne ich von »Follow« her, dem Fantasy-Verein, in dem wir beide Mitglied sind. Bei irgendeinem Fest der Fantasie auf irgendeiner Burg - ich glaube, es war an der tschechischen Grenze - war ich gebührend von ihm beeindruckt: Es war Sonntag , der Planet stach vom Himmel, es war knalleheiß, wir alle hatten Rest-Alkohol im Blut, daß alles zu spät war, und Holzi lag seelenruhig auf einer Mauer, die langen weißen Haare dekorativ um den Kopf, wo er ein lebendes Denkmal für den »Schlaf der Gerechten« zur Schau stellte.

Das fand ich ganz schön cool.

12 Februar 2008

Sechzig Jahre Punk-Ikone

Im Berliner Kurier wird die 61 Jahre Sängerin Patti Smith als »US-Punkrock-Ikone« bezeichnet, die »taz« nennt sie immerhin »die große Punk-Schreckschraube«, während sie der »Stern« schon wieder als »Patin des Punk« darstellt.

Je weiter weg die Mainstream-Medien vom Thema Punkrock sind, desto seltsamer wird ihr Blick auf eine Szene, die im Jahr 2008 noch fremder für sie zu sein scheint als in den 32 Jahren davor.

Schönes Beispiel: Patti Smith, die jetzt auf der Berlinale aufgekreuzt ist, weil man dort einen Musik-Film über sie und ihr Werk zeigt. Aber was zum Teufel ist an der alternden Hippie-Frau denn eigentlich Punk?

Sie schrieb schon 1975 ihre Gedichte, die auf jeden Fall schräg waren. Und 1975 machte sie eine Platte namens »Horses«, die ich auch ziemlich klasse finde, 1978 machte sie »Easter«, die leicht krachig ist, aber nicht Punkrock. Ihr Lied »Because The Night« war in den späten 70er Jahren eines meiner Lieblingslieder; das war aber von dem Punkrock-unverdächtigen Bruce Springsteen komponiert worden.

Sie hing auf jeden Fall mit den Leuten in New York herum, die gewissermaßen den Anfang des Punkrock bildeten. Bilder, Aufnahmen und diverse Texte belegen das. Als Punk dann richtig explodierte, hatte sie damit so viel nicht zu tun. Und danach verschwand sie auch ganz schnell wieder aus dem Dunstkreis der Szene.

Was an Patti Smith denn nun wirklich Punk ist? Die Vermarktung. Heute gilt es anscheinend als »très chic«, zu einer gewissen Zeit mal Punkrock gemocht zu haben. Anders wäre die multimediale Vermarktung, die seit einigen Jahren läuft, nicht erklärbar. Aber man bezieht sich dann immer nur auf den Punk von 1976 bis 1979, als ob es danach nichts gegeben hätte.

Die Deutungshoheit von Leuten, die heute Ende vierzig sind ...

11 Februar 2008

Wissen, was zu tun ist

Ich habe »Deutschland sucht den Superstar« noch nie gesehen und bedauere es mittlerweile. Die öffentliche Zurschaustellung von Deppen und Möchtegerns scheint ja eine gewisse therapeutische Wirkung auf manche Leute auszuüben.

Wobei es Henry M. Broder gleich mal wieder auf die Spitze treiben muß: »Selbstüberschätzung ist eine extrem produktive Haltung, ja letztlich der Motor jedes Fortschritts überhaupt«, argumentiert er. So kann man's auch sehen.

Immerhin äußert er sich auf Spiegel-Online in seinem Artikel »Denn sie wissen, was sie tun« sehr umfangreich und trotzdem pointiert zu dem Thema; die genannten Beispiele machen mich glatt neugierig. Ich zitiere:

»Das Selbstbewusstsein der Kandidaten, die zu Hause offenkundig weder einen Spiegel noch Angehörige haben, denen sie zur Probe vorsingen könnten, ist so überwältigend, dass der Zuschauer kaum dazu kommt, so etwas wie Mitleid mit den Versagern zu entwickeln.«

Vielleicht sollte ich mir die Sendung doch mal anschauen und mich über die Doofheit irgendwelcher tanzenden Friseure amüsieren ...

10 Februar 2008

Mal wieder das Punkrock-Gefühl

Gestern morgen war ich auf der Autobahn zwischen Karlsruhe und Frankfurt unterwegs: Aus den Lautsprechern polterten die Sonic Dolls, durch meine Adern floß noch ein wenig Rest-Alkohol, und ich fuhr meist sehr schnell - und ich hatte das Gefühl, auf einer Woge der Euphorie dahinzuschweben, in einem Zustand zwischen »Yep, mir gehört die Welt« und »was soll eigentlich der ganze Scheiß?«

Ich fuhr, und ich dachte nach, und irgendwann wurde mir bewußt, daß ich das seltsame, das unbeschreibliche Gefühl so schon lange nicht mehr verspürt hatte. Das Nach-Gefühl, das Adrenalin den Adern am Tag nach einer heftigen Aktion, nach einem Pogo-Konzert, nach einer sportlichen Demo oder sonstigen Aktivitäten. Ein Gefühl, das ich nicht beschreiben und das ich auch nicht klar benennen konnte.

Bis es mir irgendwann doch einfiel: Ich hatte nach der Lesung vom Vortag zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl, als Punkrocker unterwegs gewesen zu sein. Klar bin ich kein »echter« Punkrocker, war das wahrscheinlich auch nie in meinem Leben und in den Augen der Szene-Chefs, aber bei der Freitagabend-Lesung im »Kohi« war dieses Gefühl mal wieder in mir hochgeschwappt.

Und es fühlte sich sehr gut an, dieses Punkrock-Gefühl.

Berauschende Lesung

Der »Kulturraum« des kleinen Kulturzentrums Kohi in der Südstadt von Karlsruhe war zum Brechen voll: Schätzungsweise 70 bis 80 Menschen drängten sich auf Stühlen und Bierbänken, manche mussten sogar stehen, einige von diesen hatten sich schlauerweise in die Nähe der Theke begeben. Und ich war saumäßig nervös ...

Lesung am Freitag, 8. Februar 2008: Jan Off war die Haupt-Attraktion, ich war gewissermaßen die »Vorgruppe«, und Veranstalter Tobi hatte gewirbelt wie sonst was. Hier hatte die Werbung funktioniert, und ich war begeistert.

Ich las zwei kurze Texte aus meinem Afrika-Buch »Das Tier von Garoua«, dann noch eine Kurzgeschichte (»Die Revolution beginnt vor dem Hotel Post«), die bisher nur in einem Fanzine veröffentlicht worden ist. Die Dreiviertelstunde, die ich machen sollte, erreichte ich somit exakt. Das Publikum war höflich, klatschte freundlich und lachte gelegentlich.

Danach Jan Off, eine echte Rampensau vor dem Herrn, dem man anmerkte, daß er geschätzte 500 bis 600 Lesungen hinter sich hat. Wie er seine Texte ins Publikum schmetterte (aus den im Ventil-Verlag erschienenen Büchern »Angsterhaltende Maßnahmen« und »Vorkriegsjugend«), das war grandios. Lautes Lachen, Zwischenapplaus und so weiter - die Menge tobte vor Begeisterung.

Er gab noch eine Zugabe, ich gab ebenfalls eine (ein Auszug aus dem Buch »Chaos en France«), das klappte ganz gut, aber selbstverständlich war bei meinen eher ernsthaften Geschichten nicht so viel Spaß in der Bude. Den Leuten schien es trotzdem gefallen zu haben, mit Labern und Biertrinken verbrachten wir die nächsten Stunden in fröhlicher Gemeinsamkeit.

Ein Super-Abend. Grandios.

08 Februar 2008

Werner Holts Vater

Ich bin sicher, daß kaum jemand meiner Blog-Besucher den Namen Dieter Noll kennt. Mir wäre er auch nicht präsent gewesen – aber ich kenne Werner Holt. Am 6. Februar 2008 ist der Schriftsteller Dieter Noll gestorben; seinen Roman »Die Abenteuer des Werner Holt« habe ich bestimmt ein halbes Dutzend mal gelesen, und er hat mich extrem beeindruckt.

»Die Abenteuer des Werner Holt. Roman einer Jugend« gab's in der Dorf-Bücherei in Dietersweiler. Ich schätze, daß ich den Roman mit zwölf Jahren auslieh und zum ersten Mal las. Er packte mich ohne Ende – denn das Thema Zweiter Weltkrieg faszinierte mich, vielleicht auch deshalb, weil meine Eltern so gut wie nie über ihre schrecklichen Kriegserfahrungen sprachen.

Die Geschichte des Luftwaffenhelfers Werner Holt, der mit 16 Jahren den Bombenkrieg miterlebt, dann seinen Reichsarbeitsdienst in der besetzten Slowakei verbringt, um gegen Kriegsende als Panzerfahrer gegen Russen und Amerikaner zu kämpfen, erschütterte und faszinierte mich gleichzeitig; ich las den Roman im Verlauf der nächsten Jahre sicher dreimal.

Später hatte ich Kontakt zu Science-Fiction-Fans in der DDR, wir tauschten Bücher, und ich bekam die zweibändige Ausgabe der Werner-Holt-Abenteuer. So kam ich auch in den Besitz von »Die Abenteuer des Werner Holt. Roman einer Heimkehr«. Darin geht es um die Nachkriegszeit, und der Roman schildert, wie aus dem desillusionierten Wehrmachtssoldaten irgendwann ein begeisterter Kommunist wird – und das ganze war auch noch informativ und unterhaltsam zugleich geschildert.

Wahrscheinlich haben beide Romane viel zu meiner politischen Meinungsbildung beigetragen, auch der Kommunismus-Roman. Zum Kommunisten machte er mich nicht, aber ich bekam mit, daß nicht alle DDR-Bürger davon träumten, in den Westen zu flüchten, wie man uns in der Schule beibrachte. (Interessanterweise ist der erste Band 2002 als Taschenbuch beim Aufbau-Verlag neu aufgelegt worden, während es von der Heimkehr-Geschichte seit Urzeiten keine Neuauflage mehr gibt.)

»Die Abenteuer des Werner Holt« las ich auch als Doppelband zwei-, drei- oder sogar viermal, und irgendwann werde ich es wieder lesen. Ein Buch, das einen packt, das einen reinzieht und das einem in gewisser Weise die Augen öffnet. Wahrscheinlich das beste Jugendbuch, das ich kenne – und eben auch ein Kriegsroman, der spannender ist als jeder Hollywood-Film.

Schade, daß Dieter Noll so sang- und klanglos verstorben ist. So ein Buch wäre was für den Deutsch- und den Geschichts-Unterricht. Daß der Autor wohl auch ein penetranter SED-Anhänger war, ist mir da völlig schnuppe.

07 Februar 2008

Tatsächlich Pionierarbeit


Ich habe Inferno nur einmal gesehen, wenn ich mich recht erinnere: irgendwann in der zweiten Hälfte der 80er in der »Rätschenmühle« in Geislingen an der Steige, zusammen mit Morbid Outburst aus Hannover. Heftiger Hardcore, Slamdance und Pogo, Leute machten von der Empore aus Stagediving in die Menge, und gegen Ende fehlte der Rugby-Ball. Starkes Konzert.

Auf Platte hatte ich mit Inferno damals durchaus meine Probleme, die Band war mir zu »metallisch«. Aber sie gehörte zu den wichtigsten Bands dieser Tage. Und jetzt liegt mit »Pioneering Work« eine starke Doppel-CD vor: 56 Stücke aus den Jahren 80er und frühen 90er Jahren.

Ein Vierteljahrhundert später kommt mir das nicht mehr metallisch vor; heute ist man anderen Sound aus der Punk- und Hardcore-Ecke gewohnt. Die Band aus Augsburg klingt räudig und wütend, die Songs werden unbarmherzig nach vorne geprügelt, und Pausen sind auf das nötigste reduziert. Die Doppel-CD demonstriert klar, wie in den 80er Jahren aus schnellem Hard-Core-Punk (damals noch mit Bindestrich geschrieben) irgendwann der Hardcore wurde.

Seit Tagen laufen die zwei CDs in meinem CD-Player, es knüppelt und rappelt ununterbrochen. Ich bin begeistert - seit Jahren habe ich mir die LPs nicht mehr angehört, und jetzt erkenne ich, daß das echt ein Fehler war. Die Band war in der Tat ein Hammer, sie war wegweisend, und man kann, nein, man muß sie auch heute noch anhören.

Für die Jungen eine Gelegenheit, eine große Band kennenzulernen. Und für die »Alten« die Chance, endlich mal das alte Vinyl zu schonen. Sehr schön!

Tiefer in den Matsch

Donnerstag morgen. Wieder einmal hat sich auf der Autobahn zwischen Karlsruhe und Rastatt ein LKW in den Graben gelegt, ein Räumungstrupp ist bereits im Einsatz, Kranwagen und alles Drum und Dran inklusive, und ein Stau hat sich gebildet. Die klugen Autofahrer weichen auf die Landstraßen aus.

Dummerweise bin ich auch auf der Landstraße unterwegs, auf der B 36 nämlich, die sich zwischen den Dörfern hindurch schlängelt. Kurz vor Rastatt dann das Knäuel aus zusammenlaufenden Straßen, auf denen haufenweise Lastwagen stehen.

Und dann würgt zwei Autolängen vor der Ampel einer sein Auto ab. Nichts geht mehr. Ich verstehe erst nicht, was los ist, bis ich den jungen Mann sehe (lange Haare, Bomberjacke - heute paßt auch gar nix mehr zusammen): Er springt aus seinem Wagen und schiebt diesen zur Seite.

Rechts von der Straße verläuft ein Grünstreifen, danach kommt ein zwei Meter breiter geteerter Weg; dieser ist wohl sein Ziel. Kein schlechter Plan. Was er anscheinend nicht weiß, ist, daß der Grünstreifen recht frisch ist. »Lass das!«, will ich schon rufen, aber es ist zu spät.

Mit voller Wucht setzt der junge Mann seinen Wagen in den völlig vermatschten Grünstreifen. Er schiebt und drückt, und die Vorderräder gehen weiter und weiter in den Matsch hinein. Kopfschüttelnd schaue ich zu; merkt er das nicht?

Zwei Männer springen aus ihren Autos und helfen ihm. Jeder Druck auf den Wagen führt dazu, daß die Vorderräder tiefer in den Matsch gehen. Eine Sekunde lang überlege ich mich, ob ich auch aus dem Wagen springen und vernünftigerweise in die Gegenrichtung drücken soll.

Dann wechselt die Ampel auf Grün. Na endlich! Die Arbeit wartet ...

06 Februar 2008

Im Schwanen von Grötzingen

Wer sich von außen dem Ristorante »Schwanen« nähert, nimmt es vielleicht gar nicht sofort wahr. So ging's mir gestern abend: Es goss in Strömen, es war Nacht, am Ortseingang von Grötzingen gab es eine merkwürdige Baustelle, und einige verunglückt wirkende Narren in Fasnetskleidung stromerten orientierungslos durch die Dunkelheit. Prompt hielt ich das düstere Wohnhaus vor dem »Schwanen« für die Lokalität und wollte schon umkehren.

Natürlich war's besser, das Lokal zu betreten. Im Prinzip sieht das Gasthaus aus, als hätte man es in den 70er Jahren zuletzt renoviert; ich komme mir stets so vor, als sei ich in meinem Heimatdorf im Schwarzwald. Das Publikum wirkt, als stamme es größtenteils aus Grötzingen, einem Teilort von Karlsruhe, und die Bedienungen sind nett. Wer Pech hat, kann es erleben, dass die örtliche Jugendgruppe des Sportvereins mit zwanzig johlenden Teenagern am Nachbartisch sitzt - das ist mir einmal passiert -, meist aber ist alles in Ordnung. So auch gestern abend.

Der Weißwein schmeckte zum Fisch, wie meine Begleiterin lobend vermerkte, und der Fisch war sowieso lecker. Meine Pizza mundete vorzüglich, und als Autofahrer verzichtete ich angesichts fasnetstypischer Polizeikontrollen lieber auf ein alkoholisches Getränk. Alles in Ordnung, und die Bedienungen waren wie immer freundlich - gegen Ende gab's noch Grappa »für umme«. (Nicht für mich, na logo!)

Also alles paletti.

Wäre da nicht die Sirene gewesen: ein immer mal wieder mit schrillem Diskant durch die Gegend redendes Kind. Es klang und klingelte in meinen Ohren, und ich gab mir Mühe, ruhig und freundlich zu bleiben - ich bin ja eigentlich kinderfreundlich. Aber an dem Abend war's echt hart. Wie halten das die Eltern aus?, fragte ich mich nicht nur einmal. Bis mir klarwurde, dass es vielleicht einfach an meinen Ohren liegt und nicht an den Eltern ...

05 Februar 2008

Im digitalen Fernsehen

Falls es jemanden gibt, der »digital guckt«, für den habe ich glatt einen Literaturtipp der eigensinnigen Sorte: Mein Buch »Das Tier von Garoua« wird in der Sendung EinsPlus ARD Digital vorgestellt. Verantwortlich ist dafür laut Auskunft des Senders die Kritikerin Christine Weiner.

Nach Auskunft des Senders kommt die Besprechung in »Service aktuell: Reise« und zwar zu folgenden Zeiten:

Montag, 11.2.: 08:00 – 08:15 Uhr
Dienstag, 12.2.: 12:00 – 12:15 Uhr
Mittwoch, 13.2.: 16:00 – 16:15 Uhr
Freitag, 14.2: 00:00 – 00:15 Uhr
Samstag, 15.2: 04:00 – 04:15 Uhr

04 Februar 2008

Bis zu den »Rändern« bunt gemischt

Wenn ich's mir recht überlege, habe ich in meiner gestrigen Radiosendung im Freien Radio Querfunk in Karlsruhe nur eine einzige »echte« Punkrock-Band gespielt: Die Sonic Dolls zelebrieren seit über einem Dutzend Jahren ihren Turnschuh-Punk und klingen immer noch so, als würden sie sich Ramones-Platten intravenös reinziehen. Aber genau deswegen mag ich die Band.

Ansonsten gab es Ska-Punk von den Greedy Bees aus dem Saarland, Oi!-Punk von Stomper 98 aus Göttingen (und New York, Berlin, Hannover und Potsdam), Hardcore von Woof aus Paderborn oder Melodie-Punk von Yellowcake ausm Ruhrgebiet irgendwo oder Emo-Punk von Hi Tereska, ebenso ausm Ruhrgebiet. (Es fehlt in dieser Subkultur nicht an Dutzenden von Unterteilungen, die für Außenstehende meist nicht nachvollziehbar sind.)

Um die Hörer noch ein bißchen zu verwirren, ging es in der Radiosendung noch schön an die Ränder der Szene: Mondo Guzzi aus Mannheim steuerten so eine Art Hardrock bei, von Autobot aus Tübingen kam so was wie Liedermacher-Punk, und die Cool Jerks aus Bremen erfreuen mich eh seit Jahren mit flottem Beat-Sound.

Da soll noch einer sagen, Punkrock sei immer dieselbe Uffta-Uffta-Matsch-Soße ...

03 Februar 2008

Nach dem Seminar

Drei Tage in Wolfenbüttel, die wie im Flug vergingen: Das dreitägige Seminar zum Science-Fiction-Roman empfand ich als spannend und anstrengend, aber auch als bereichernd. Dem Lob der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das wir am heutigen Sonntag kassieren durften, zu folgen, hat es ihnen auch gefallen.

Interessant war, wie sich der Schwerpunkt diesmal anders gestaltete: Da Kathrin Lange viel Erfahrung damit gesammelt hat, historische Romane und Jugendliteratur zu verfassen, hat sie natürlich einen anderen Blick auf das Schreiben wie - beispielsweise - Andreas Eschbach, der mit Thrillern erfolgreich war, oder Uwe Anton, der sich vorrangig im Science-Fiction-Umfeld bewegt.

Letztlich sind die Grundzüge fast immer dieselben: Um eine Geschichte gut erzählen zu können, müssen Autoren in der Lage sein, Charaktere ausreichend zu beschreiben, ihnen gewissermaßen »Atem einzuhauchen«, und auch Szenen so zu schildern, dass man als Leser immer mit dabei ist. Unterm Strich ist es dann egal, ob Charaktere und Szenen im Science-Fiction-Umfeld spielen, in einer historischen Zeit oder in einer komplett erfundenen Fantasy-Landschaft.

Und jetzt sitz' ich wieder da mit einem Haufen neuer Eindrücke und muß selbst gucken, daß ich die in irgendeiner Form in die eigene Arbeit einfließen lasse ...

02 Februar 2008

Altersveränderungen

Als ich mein erstes Seminar in Wolfenbüttel als ein Dozent bestritt, war ich der jüngste Mensch im Saal. Diese Zeiten sind vorbei: Ich bin doppelt so alt wie Dennis, nein, sogar mehr als doppelt so alt - und meine Co-Dozentin Kathrin sowie Seminarleiter Dr. Olaf Kutzmutz sind ebenfalls jünger als ich.

Kein Grund zum Heulen; das Seminar schreitet stramm voran. Heute morgen hielt Kathrin Lange ein längeres Referat, in dem sie darstellte, wie ihre Karriere verlaufen war, wie sie mit Agenturen und Verlagen zusammenarbeitet und so weiter. Sehr spannend, auch immer wieder für mich, war dann, wenn sie darstellte, wie sie Schreibprobleme überwindet oder eben einen Roman bis ans Ende bringt.

Später stellten wir eine Schreibaufgabe, noch später diskutierten wir darüber. Und nach dem Mittagessen ging es wieder daran, eingereichte Texte durchzusprechen. Da gibt's immer wieder sehr unterschiedliche Einblicke.

Die Hälfte des Seminars ist schon wieder rum. Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergehen kann.

01 Februar 2008

Premiere mit Kathrin

Wieder mal ein Seminar an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel; diesmal geht es um den Science-Fiction-Roman. Das lustige Motto, das sich Literaturchef Dr. Olaf Kutzmutz ausgedacht hat: »Unser tägliches Brot gib uns heute.«

Ich arbeite diesmal mit einer anderen Co-Dozentin zusammen. Nein, anders gesagt: Kathrin Lange ist überhaupt die erste Autorin, die ein Science-Fiction-Seminar in Wolfenbüttel mitleitet. Ich bin sicher, dass die 14 Autorinnen und Autoren, mit denen wir es hier zu tun haben, von ihrer Erfahrung auch profitieren werden.

Und jetzt ist erst mal Pause angesagt: Drei Romantexte wurden besprochen, viel grundsätzliches gesagt, jetzt brauche ich ein Bier. Spät genug ist eh.

31 Januar 2008

Charakterkopf des Heftromans

Heftromane seien »ein originärer Ausdruck deutscher Populärkultur und sollten als solcher auch behandelt werden, nicht als Wirtschaftsgut«. So argumentiert Horst Hermann von Allwörden auf der Zauberspiegel-Homepage.

Auf den Beitrag, der bereits im Juli letzten Jahres geschrieben wurde, stieß ich erst dieser Tage, und er ist ausgesprochen skurril. Horst Hermann argumentiert nämlich gegen sich selbst, schreibt in diesem Fall als »Horst und Hermann« und diskutiert auf zwei Ebenen. Kein Wunder, dass der Artikel unter dem Titel »Zwei Seelen, ach, wohnen in meiner Brust ...« erscheint.

Wer sich für das Genre des Heftromans interessiert, bekommt hier auf jeden Fall eine Reihe lesenswerter Ein- und Ausblicke. Die Meinung des streitbaren Autors muß man dabei nicht teilen. Traurig genug ist ja, daß er einer der wenigen ist, die in diesem Metier noch engagiert und fachlich auf hohem Niveau diskutieren können. Der Rest schweigt - oder er geifert ...

Zudem werde ich ja gelobt, das freut mich immer. Ich zitiere:

»Außerdem gibt es in den Verlagen Redakteure (namentlich insbesondere Michael "MadMike" Schönenbröcher und Klaus N. Frick), die mit hohem persönlichen Einsatz ihre Serien betreuen.«

Das tut gut; ich freue mich auch, mit dem Kollegen Schönenbröcher in einer Reihe genannt zu werden. Der Mann hat im Heftromanbereich in den letzten zehn, zwölf Jahren immer wieder neue Sachen probiert. Daß die häufig nicht klappten, ist eine andere Sache - aber mir ist ja auch nicht immer alles geglückt, um es vorsichtig anzudeuten.

Aber immerhin sind der Kollege und ich laut Horst Hermann ja »die letzten Charakterköpfe in den Redaktionsriegen«. Na also!

30 Januar 2008

Keinohrhasen sind goldig

Es gibt viele Gründe, Filme von Til Schweiger nicht zu mögen: Der Mann ist vielleicht nicht der beste Schauspieler auf der Welt, dafür ist seine Mimik zu eingeschränkt – aber das ist mir egal. Die letzten Schweiger-Filme, die ich gesehen habe, machten mir durchweg Spaß.

Das gilt auch für »Keinohrhase«, sein neuestes Werk, wo er den Hauptdarsteller gibt, aber auch das Drehbuch mitgeschrieben und Regie geführt hat. Grund genug, das Ding schon mal zu loben – das ist ja Independent auf höchstem Niveau.

Er spielt in diesem Streifen einen super-großkotzigen Journalisten, der letztlich durch die Liebe geläutert wird. Na klar, das ist schon ein bißchen weit hergeholt. Und natürlich ist es kein Film, der durch hemmungslose Logik überzeugt.

Aber er ist charmant und unterhaltsam, die Liebesgeschichte ist herzzerreißend, und die Musik Marke Brit-Pop paßt immer gut zu den Szenen. Nora Tschirner, die ich bisher nie wahrgenommen habe, gefällt mir, und der Keinohrhase (den es jetzt auch als Merchandising-Gag zum Kaufen gibt, na also!) ist wirklich süß.

Kein Film, der die Welt rettet. Aber ein Film, der mich eineinhalb Stunden wunderbar unterhalten hat. Was will ich denn eigentlich mehr?

29 Januar 2008

Hessen, du hast es gut

Ich gestehe: In Hessen hätte ich SPD gewählt, wenn ich die Wahl gehabt hätte. Normalerweise bekomme ich Bauchkrämpfe angesichts des Niedergangs der SPD (die Partei, die in den 90er Jahren in vorauseilendem Gehorsam den sogenannten Asylkompromiß mitverabschiedet hat und die in den letzten zehn Jahren die Schmutzarbeit der Konservativen erledigte, um für die Herrschenden bessere Bedingungen und größere Pfründe herauszuschlagen - ungeheuerlich!) oder muß brechen, wenn ich einige der Gestalten der sogenannten Sozialdemokratie in der Glotze sehe.

Schaut man sich allerdings den hessischen Ministerpräsidenten und seine Politik an, weiß man, daß es wirklich schlimmer geht. Mit der guten Frau Ypsilanti gab's zudem glatt eine sympathische Alternative. Die Dame hätte ich auch gewählt, wenn sie nur Blech geredet hätte - alles besser als Koch.

Das Problem für mich: Ich wohne in Baden-Württemberg, in dem Bundesland, das vom unfähigsten Ministerpräsidenten aller Zeiten regiert wird, von einem aalglatten Karrieristen, den die Intrigenspielchen der Jungen Union bis an die Spitze des »Muschderländles« geführt haben.

Aber wen stellt die SPD gegen einen solchen Typen immer wieder auf? Leute, die man erst recht nicht wählen kann ... eine Frau, die im Radio die »Orgasmuslüge« gesteht und ansonsten nur Machtinstinkt vorweisen kann.

Und da wundern sich die sogenannten Politikforscher, daß Leute zu Hause bleiben und am Wahltag lieber ausschlafen ,,,

28 Januar 2008

Darjeeling Limited

Film-Ignorant, der ich bin, sagte mir der Name von Wes Andersen bislang nichts. Aber ich ging bereitwillig in den Film »The Darjeeling Limited«; immerhin hatte ich dazu auch mal einen Trailer gesehen, und den fand ich schrill und lustig.

Das war auch der komplette Film. Drei reichlich beknackte Brüder fahren mit einem Zug, eben dem »Darjeeling Limited« durch Indien; sie befinden sich auf einer Art spiritueller Esoterik-Reise zu sich selbst, bei der auch prompt vieles schiefgeht. Großartig!

Ich glaube, daß der Humor gewöhnungsbedürftig ist: eine giftige Schlange im Abteil, hitziger Sex im rollenden Zug, sich prügelnde Brüder und irrwitzige Dialoge. Das mag sicher nicht jeder, ich fand's toll.

Darüber hinaus gibt's aber einen beeindruckenden Einblick ins indische Alltagsleben; man kriegt sowohl vom Dorf- als auch vom Stadt-Leben etwas mit, und der rollende Zug ist sowieso ein Universum für sich. Ich hätte zudem den Abspann noch ewig gucken können – der zeigt im Prinzip ja nur noch, wie der Zug durch eine steinig-faszinierende Landschaft rollt.

Auf der tollen Homepage gibt es ein schickes Intro mit Filmchen, dazu Musik und anderen Kram. Lohnt sich wirklich – und die Seite ist ein Beleg dafür, warum Internet wirklich Spaß machen kann.

25 Januar 2008

Abends im »Milano«

Mal wieder im »Milano« in der Südstadt; schon lange nicht mehr dort gewesen. Die nicht gerade große Kneipe wird »neuerdings« durch eine Glasfront in einen Raucher- und einen Nichtraucherbereich geteilt. Hauptsache ist aber eh, daß die Theke und der Fernseher sowie die KSC-Fahnen an den richtigen Stellen hängen oder stehen.

Eine Frau springt an der Theke auf, als sie mich sieht. »Boah, siehst du normal aus!«, ruft sie, bevor wir uns umarmen. Stimmt, ich trage nicht mehr mein Punkrock-Ornat, wende dann aber nicht speziell ein, daß ihre Frisur und ihr Outfit ebenfalls nicht mehr nach 1995er-Euro-Style aussehen. (Was der 1995er-Euro-Style ist, wissen nur Karlsruher einer bestimmten Schicht, denke ich ...)

Wir tauschen in aller Hektik allerlei Neuigkeiten aus, und sie fragt mich nach »Peter Pank«; was denn der derzeit so mache. Ich erzähle ihr von meiner Lesung zusammen mit Jan Off, und sie freut sich lautstark: »Au ja, da komm' ich auch.«

Ich hoffe dann mal darauf, daß am 8. Februar das »Kohi« richtig voll wird ...

Flyer zur Jan-Off-Lesung


Überall in Karlsruhe hängen die Plakate schon; zumindest in den einschlägigen Kneipen wie dem »Milano« oder sonstwo in der Südstadt, wo ich gestern abend unterwegs war. Sie weisen auf die Lesung von Jan Off hin, bei der ich ja ein bißchen als »Vorgruppe« fungiere.

Ich finde die Plakate hübsch, es gibt sie ebenfalls als Flugblätter, die in Kneipen und bei Konzerten verteilt werden oder eben ausliegen. Und natürlich gibt es das Ding auch im Netz - ich veröffentliche das Motiv gern auch hier.

24 Januar 2008

Dschungelcamp mit bekannten Gesichtern

»Ich kenn' die Lisa Bund so ein bisschen«, erzählte mir die blonde Frau, mit der ich mich an der Theke unterhielt. Ich schaute wohl irritiert, denn sie schob nach. »Kennst du bestimmt, die ist gerade im Dschungelcamp.«

Ich kannte sie nicht. Leider habe ich es bisher versäumt, mir eine Folge des Dschungelcamps anzuschauen oder wie immer diese Sendung jetzt genau heißt. »Hilfe, ich bin ein Star, und lasst mich bitte so lange wie möglich drin, damit ich mein Selbstwertgefühl in der Öffentlichkeit verliere.«

Lese ich die Branchen-Fachpresse, ist die Fernsehsendung ein Riesen-Erfolg; Millionen Menschen gucken zu, wie sich irgendwelche C-Klasse-Promis blamieren. Das gehobene Bürgertum rümpft angeekelt die Nase, während die Einschaltquoten bei jungen Leuten enorm sind.

Und da fiel mir ein, daß ich ja auch eine der Prominenzen kenne, die im Dschungelcamp um Ruhm und Ehre, um Wahnsinn und Unfug kämpfen: Michaela Schaffrath, die ich als Schauspielerin nur aus Filmen des Regisseurs Marcus Rosenmüller kenne. Ihre Filme, die sie unter dem Pseudonym Gina Wild abgedreht hat, habe ich tatsächlich noch nicht gesehen.

Aber ich habe mich auf einer Buchmesse vor einigen Jahren – als wir noch einen eigenen Messestand besaßen – recht angenehm mit der Frau unterhalten und fand sie sehr sympathisch. Aber mal ehrlich: Das Dschungelcamp muß ich mir doch deshalb nicht anschauen, oder?

23 Januar 2008

Acht-drei-acht-null-zwei vorbei

Gestern hielt ich die Telefon-Rechnung in der Hand. Es war die erste, bei der ich ein Minus vor der Summe sah: Man überweist uns also Geld zurück.

Und heute rief ich an. »Kein Anschluß unter dieser Nummer«, verkündet die freundliche Computerstimme, wenn ich 07441/83802 wähle. Diese Telefonnummer gibt es schlicht nicht mehr, sie ist abgestellt.

Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, wann wir zu Hause das Telefon bekamen. Es muß Mitte der 70er Jahre gewesen sein, eher 1977 als 1975. Es war ein Telefon mit Wählscheibe, und es hing im Flur an der Wand, zwischen der Küchen- und der Wohnzimmer-Tür. Wer da telefonierte, mußte davon ausgehen, daß jeder in der Familie im Zweifelsfall jedes Wort verstand ...

Mit Hilfe dieses Telefons tastete ich mich in den frühen 80er Jahren in die Außenwelt vor, hielt ich auch mal Kontakte zu Menschen in weiter entfernten Städten. Das Telefon bedeutete ein Stück weit auch Emanzipation. Wobei ich »heikle Gespräche« zu jener Zeit gern von der Telefonzelle aus führte - dann bekamen es Papa und Mama eben nicht mit.

Ich weiß nicht, wie viele Briefe ich in den 80er Jahren verschickte, auf denen diese Telefonnummer als offizielle Nummer galt. Solange ich zu Hause wohnte und von dort aus Fanzines publizierte, waren es auf jeden Fall sehr viele.

Und das ist jetzt endgültig vorüber. Die Telefonnummer acht-drei-acht-null-zwei ist nach über dreißig Jahren verstummt.

21 Januar 2008

Schwarzwald und Afrika

»Afrika hat für ihn ein wenig von Science Fiction«, so beginnt ein sehr guter Artikel über mich, der heute im »Schwarzwälder Boten« erschienen ist. »Klaus N. Frick denkt eben auch mal quer und legt der Welt eigene Erklärungsmuster zugrunde. Aber Afrika will er, ja, kann er nicht erklären. Jetzt hat er dem Kontinent ein Buch gewidmet.«

Verfaßt wurde der Artikel von Simone Link. Sie ist derzeit die Leiterin der Lokalredaktion Freudenstadt der Regionalzeitung. Vor geschätzten 18 Jahren - als ich noch im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« gelegentlich Platten auflegte oder Konzerte mit-organisierte, gehörte sie zu den »Jüngeren« in meinem Umfeld, zu den Teenies halt. Die Zeiten ändern sich.

Der Artikel schafft es, meine Begeisterung für Afrika sowie meinen Job unter einen Hut zu bringen, ohne daß es peinlich oder gekünstelt wirkt. Ein sehr gelungenes Porträt, wie ich finde - und das im »Schwarzwälder Boten«! Der war in meiner frühen Journalisten-Laufbahn (als ich für die »Südwest-Presse« schrieb), immer das absolute Feindbild. Aber so ändern sich eben auch hier die Zeiten.

20 Januar 2008

Jahresplanung auf rhodanisch

Mir geht es nicht nur einmal so wie Millionen anderen abhängig Beschäftigten in diesem Land: Der Arbeits-Frust packt mich, und ich würde am liebsten alles in die Ecke werfen. Das ist aber normal, und meist geht es wieder vorüber.

Und dann gibt es aber so Tage, an denen mir klar wird, wie froh ich über diesen Job bin: bei der Teamtagung am Freitag, 18. Januar 2008, die diesmal in einem kleinen Gasthaus in Neuweier stattfand, einem Dorf, das zu Baden-Baden gehört und mitten im badischen Rebland liegt.

Dort planten meine Kolleginnen & Kollegen sowie ich das Jahr 2008 bzw. die Arbeit, die wir in diesem Jahr zu bewältigen haben. Es wird wie immer viel, das läßt sich jetzt schon absehen, und wir werden uns wie immer nicht langweilen - aber bei dieser »Truppe« und angesichts der guten Stimmung in der aktuellen Mannschaft kann ja eigentlich nicht viel schief gehen.

Ich bin sehr froh darüber, mit dieser Redaktion- und Marketing-Mannschaft zusammenarbeiten zu können. Das ist klasse!

19 Januar 2008

Gute Stimmung, wenig Leute

Die Buchhandlung Waldkirch ist eine unabhängige Buchhandlung im Mannheimer Ortsteil Feudenheim. Am Donnerstag abend, 17. Januar 2008, hatte ich dort eine Buchpräsentation mit Lesung.

Seien wir ehrlich: Fünf zahlende Gäste, dazu die Buchhändlerinnen, meine Verlegerin und meine Lebensgefährtin - wir brachten es insgesamt gerade mal auf ein Dutzend Personen. Das empfand ich als wenig, obwohl die Vorberichterstattung in der lokalen Presse gut verlaufen war. Mist.

Dafür gefiel mir der Rahmen: Es gab leckeres Essen aus Ghana, frisch zubereitet von einem afrikanischen Restaurant aus der »Nachbarschaft«, danach las ich drei Geschichten aus dem Buch »Das Tier von Garoua« und erzählte zwischendurch allerlei Dinge über meine Afrika-Reisen. Und im Anschluß gab es eine kleine Diskussion sowie diverse Einzelgespräche.

Insofern war's ein gelungener und netter Abend. Die Rückfahrt in fürchterlichem Regen machte deutlich weniger Spaß ... aber natürlich hätte ich mich über mehr Publikum gefreut.

17 Januar 2008

Mein erstes Gedicht entdeckt

Was man nicht so alles findet, wenn man sein Büro mal wieder aufräumt: Ich stieß auf meine ersten Gedichte. Oder eben das, was man mit 15 Jahren für Gedichte hält.

Teilweise echt schlimme Sache. Ich war abwechselnd erschütternd und irritiert. Aber seien wir ehrlich: Ich habe letztlich nur bei bekannten Vorbildern geklaut, und man schrieb eben schon in den späten 70er Jahren ziemlich viel mieses Zeugs.

Meins wurde immerhin gedruckt. Ich schrieb laut Notiz am 19. September 1979 den Text (besserer Begriff!) »Multiversum«, natürlich in konsequenter Kleinschreibung und ohne jegliche Logik bei den Umbrüchen.

Und dieser Text wurde auch noch veröffentlicht. Die jugendlichen Herausgeber des Fanzines »solis orbita«, deren Namen ich hier verschweigen möchte, waren entweder verzweifelt genug, jeden Mist anzunehmen, den sie bekamen, oder aber sie fanden das wirklich gut.

Da ich vor nix zurückschrecke, kommt das Ding jetzt in die Kommentare. Genießt es, liebe Blog-Leser: einer meiner Frühwerke.

Weitere werde ich wohl besser weiterhin in Papierstapeln versteckt halten ...

16 Januar 2008

Zeitmangel und andere Mängel

»Zeitmangel gibt es nicht«, ermahnte mich die Autorenkollegin. »Das ist alles nur eine Frage der Prioritäten.« Das war nicht die wörtliche Formulierung, so habe ich es für mich ins Hirn gebrannt.

Recht hat sie. Wer will, kann alles. Und wer beispielsweise viel Freizeit haben will, muß eben schauen, wie er das mit seinem Beruf auf die Reihe bekommt. Oder wer den großen Weltbestseller schreiben will, muß eben jeden Tag zwei Stunden dran arbeiten oder sechs Wochen am Stück freimachen oder sonst was tun.

Ist eigentlich alles ganz einfach.

Nur für mich nicht. Wahrscheinlich stehe ich mir selbst im Weg, wahrscheinlich macht mir mein Beruf glatt auch noch Spaß. (Soll ja solche Leute geben.) Und vielleicht setze ich die Prioritäten wirklich komplett falsch.

Aber nach einem Tag im Büro ist es meiner Ansicht nach viel sinnvoller, sich »L'auberge espagnole« auf DVD anzugucken und sich dabei zu amüsieren, als sich an den Computer zu setzen und zwei Seiten an einem Romanprojekt zu schreiben.

Wenn's dann so mit dem Lebenswerk nichts wird, ist mir das im Augenblick egal.

15 Januar 2008

Keine Atempause ...

»Keine Atempause ... Geschichte wird gemacht!« So sangen Fehlfarben vor gefühlten hundert Jahren. (Okay, war 1980, aber egal.) Und manchmal komme ich mir so vor, als sei das Lied die optimale Beschreibung meines Lebens.

»Oh, schon wieder der halbe Monat rum«, sagte heute jemand zu mir. Ich schaute irritiert, denke ich, denn der andere Mensch lachte und meinte, so schnell vergehe eben die Zeit.

Stimmt. Manchmal meine ich, der Jahreswechsel sei erst zwei Tage oder so vorüber. (Dabei machen wir jetzt schon wie die Blöden Termine für die Leipziger Buchmesse im März.) Vor lauter Hektik und Trminen kommt man kaum zum Luftholen.

Das irritiert gelegentlich ganz schön ...

14 Januar 2008

Lesung mit Jan Off

Im Februar steht eine Lesung mit mir an – die bestreite ich aber nicht allein. Ich bin gewissermaßen die »Vorgruppe« für Jan Off. Der Mann hat schon mehrere Bücher veröffentlicht, gilt bei Lesungen als echte »Rampensau« und hat saukomische Texte; das wird für mich sicher nicht einfach.

Egal: Gibt's halt zuerst »Das Tier von Garoua« mit eher weniger komischen Texten, bevor Jan Off dann abräumt. Ich freue mich trotzdem, auch mal in Karlsruhe lesen zu können.

Da ist die Veranstaltung nämlich: im Kohi am Werderplatz, und der wiederum liegt in der Südstadt von Karlsruhe. Termin ist der Freitag, 8. Februar 2008, und es soll um 20 Uhr losgehen.

Veranstalter sind das Label Twisted Chords und der Infoladen Karlsruhe. Sobald ich einen Flyer habe, werde ich den auch hier veröffentlichen.

13 Januar 2008

Ein Blick ins Menschliche

Gelegentlich, wenn mich die Genre-Literatur insgesamt ein wenig langweilt, ich also aus diversen Gründen mal für einige Zeit keinerlei Lust auf Science Fiction, Fantasy, Krimis, historische Romane oder Popliteratur habe, dann greife ich zu Klassikern. Als zielsicher hat sich in all den Jahren der Griff zu Romanen von John Steinbeck bewährt.

Und in den letzten Tagen las ich »Von Mäusen und Menschen«, ein Buch, das mich – kein Scheiß! – fast zu Tränen rührte. Es behandelt die Geschichte von zwei kalifornischen Landarbeitern, irgendwann in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts.

Der große und bärenstarke, aber leider sehr beschränkte Lennie und der kleine, ziemlich gewitzte George sind gemeinsam auf Wanderung. George muß immer wieder auf Lennie aufpassen, der nie so recht versteht, was man von ihm will, und der mit seinen immensen Kräften immer wieder »Dinge« kaputt macht. Kaum haben die beiden auf einer Farm angeheuert, müssen sie auch schon wieder verschwinden, weil Lennie etwas zerstört hat.

Und so kommen sie eben irgendwann auf eine Farm, wo sich ihr Schicksal entscheidet ... Es kann ja nicht gut gehen mit den beiden, und wenn dann noch eine aufreizend gekleidete junge Frau und ein prügelsüchtiger Farm-Erbe ins Spiel kommen, eskaliert die Sache.

Ich bewundere Steinbeck für die Art und Weise, eine eigentlich ganz schlichte Geschichte so toll in Szene zu setzen, daß man als Leser gerührt ist. Dabei kommt er mit einfachen Worten, mit übersichtlichen Sätzen und vor allem mit wenigen Seiten aus – ich brauchte für das Buch nicht sehr lang und saß hinterher echt eine Weile da, um den Eindruck nachklingen zu lassen.

Nur mal so als Literatur-Tip zwischendurch ...

11 Januar 2008

Plop in Gefahr


Das Comic-Fanzine Plop ist eines der ältesten in der Szene; es erscheint seit den frühen 80er Jahren. Zeichner wie Walter Moers veröffentlichten ihre ersten Comics und Cartoons in dem Blatt, das damals von Heike Anacker aus Mönchengladbach herausgegeben wurde. (Ich bin seit Urzeiten einer der Abonnenten; soweit ich weiß, habe ich seit Nummer eins auch alle Hefte gekauft.)

Dieser Tage erschien die Ausgabe 79 - kein Jubiläum und auch kein Grund zum Jubeln. Andreas Alt, der das Heft seit über einem Dutzend Jahren publiziert, ist krank geworden und muß das Plop einstellen.

Die Mischung der vorliegenden Ausgabe ist ja wieder einmal gelungen: viele Comics, die meisten aus dem Funny-Bereich, alles von Amateuren und weit entfernt von aalglatter Mainstream-Kunst (die ich ja durchaus mag). Dazu Comic-Besprechungen und so weiter - das ganze auf 64 A5-Seiten und für drei Euro. Wer sich dafür interessiert, sollte Andreas einfach direkt anmailen: andreas_alt#at#t-online.de.

Und ich hoffe solange zweierlei: daß sich sein Gesundheitszustand so weit wie möglich stabilisiert und daß sich ein neuer Plop-Herausgeber findet.

10 Januar 2008

Bei den Kaffeekumpels

Im Münchener Hauptbahnhof gibt es jetzt auch ein »Starbuck's«-Café. Fast wäre ich hineingegangen, als ich gestern mal eine halbe Stunde Freizeit zwischen zwei Terminen hatte, um dort einen Kaffee zu trinken. Und wäre es nur deshalb, um mir mal wieder das ganz spezielle »Starbuck's«-Publikum anzuschauen. Aber ich ließ es sein - so was kann ich ja auch in Karlsruhe haben.

Also ging ich die Treppe hoch, vor dem »Burger King« drehte ich nach links, und dort steuerte ich die »coffee fellows« an, auch so eine Kette, wo ich laut Kassenzettel von »Jenny G.« bedient wurde. Fand ich dann schon wieder lustig, ebenso die Uniformierung der jungen Leute, die englisch klingende Statusbezeichnungen wie »Barista« oder so haben.

Der Cappuccino (ich nahm Tasse und nicht Papp-Becher, ein bißchen Stil muß ja auch bei einer Kette sein) schmeckte ordentlich, wie ich hinterher feststellte. Und die Sahne, die von einer anderen jungen Frau draufgelöffelt worden war, paßte.

Und so daß ich dann auf dem »erhöhten« Stockwerk des Hauptbahnhofs der bayerischen Metropole, trank Cappuccino, las ein PERRY RHODAN-Exposé und blickte auf die Passanten hinunter. Das hatte war: Stimmenlärm plätscherte um mich herum, Lautsprecherstimmen schepperten durch die weite Halle, das Getränk schmeckte, und das Exposé war klasse.

Für eine halbe Stunde kam ich mir vor, als sei ich im Urlaub und warte auf den Anschlußzug nach Irgendwo.

08 Januar 2008

Der Redakteur erinnert sich ...

Wie schon gelegentlich in diesem Blog erwähnt, habe ich eine Reihe gestartet, die sich »Der Redakteur erinnert sich« nennt und die auf der PERRY RHODAN-Homepage publiziert wird. Meist handelt es sich um sehr anekdotische Erinnerungsstücke - ich meine damit, daß ich mich nicht an Dialoge erinnere, die ich etwa 1994 oder 1981 geführt habe, daß ich aber versuche, diese Dinge so gut wie möglich wiederzugeben.

In letzter Zeit sind wieder zwei Texte der Reihe »Der Redakteur erinnert sich« erschienen, auf die ich kurz hinweisen möchte:

»Die Geschichte von Captain Bluecat« spielt im Jahr 1994, zumindest ergab das meine Rekonstruktion, und schildert eine Exposé-Konferenz, eine Besprechung also, bei der sich Autoren und Redaktion einige Gedanken über den weiteren Verlauf der PERRY RHODAN-Handlung machen.

In »Spannender Herbst 1979« geht es unter anderem um den Anfang meiner »Fan-Karriere«, aber eben auch um die Umstände, in der unsereins damals lebte und Musik hörte. Also werden in diesem Text gelegentlich Punk- und Wave-Bands erwähnt, paßt ja auch.

07 Januar 2008

2008 mit Radio-Start


Die erste Radio-Sendung im neuen Jahr - und es gab kein Bier im Querfunk-Büro. Das war vielleicht grausig: ENPUNKT-Radio macht nämlich nur dann Spaß, wenn ich dabei auch Bier trinken kann. Aber der Kühlschrank gab nichts her, der Automat zeigte nur gähnende Leere.

Tapfer quälte ich durch die Sendung, die erneut durch einen Gemischtwarenladen glänzte: Ich spielte, was mir zu Hause in die Finger gefallen war. Also gab's eine bunte Mischung aus Jingo de Lunch und She-Male Trouble, aus The Bottrops und den Blood Brothers, aus Antigen und Knuger Faller - kein durchgehendes Thema also, aber hoffentlich trotzdem unterhaltsam und informativ.

Und irgendwann zwischendurch jammerte ich darüber, kein Bier in der Sendung zu haben und wie schrecklich dies alles sei.

Keine fünf Minuten später wurde mein Flehen erhöht: In der Tür stand ein über das ganze Gesicht grinsender Jürgen Leppert (in Karlsruhe auch bekannt als »der kreisende Derwisch«) und kredenzte mir eine Flasche Hoefner Festtagsbier. Das schmeckte gut gekühlt sehr lecker - ich war gerettet.

Danach war der Abend endgültig im positiven und ich brachte die Sendung gut zu Ende. Also ist jetzt auch das ENPUNKT-Radio erfolgreich im Jahr 2008 angekommen.

06 Januar 2008

Feuchtes Wetter ...


In der aktuellen Ausgabe des famosen Fanzines PANKERKNACKER - die Nummer 17, boah! - bin ich mal wieder mit einer Kurzgeschichte vertreten. Sehr schön.

Das Heft, das ich bisher nur durchgeblättert habe, von dem ich aber finde, daß es schon mal bockstark aussieht, bietet viele Kurzgeschichten und Artikel und ist insgesamt ziemlich klasse zu lesen. Auf einer speziellen Homepage gibt es ganz viele Leseproben, die entsprechend auf den Inhalt neugierig machen.

Von mir stammt die Kurzgeschichte »Feuchtes Wetter ...« (der Titel ist eigentlich ein bisschen länger). Es handelt sich um eine Reisegeschichte, sie spielt in Vietnam, genauer in der Küstenstadt Na Thrang.

05 Januar 2008

Kurze Rede zu »früher«

Hört man sich in diesen Tagen das Gerede an, das die uns regierende Bande in die Öffentlichkeit plärrt, kann man sich kaum noch retten vor lauter »Reformen«, die es anzupacken gilt.

Der Bundespräsident mahnt dringend Reformen an, womit er meint, daß die Regierung doch bitteschön den Kampf gegen die unteren Schichten härter führen und die oberen Schichten stärker entlasten soll. Und die Bundeskanzlerin jammert etwas von einer Reform des Jugendstrafsrechts, weil das ja derzeit Wasser auf die Mühlen des wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten ist.

Eine widerliche Ansammlung von Plattitüden, ein Geschwätz, bei dem man täglich brechen müßte.

Es hilft tatsächlich, sich frühere Politiker-Reden anzuschauen und zu gucken, was man damals unter »Reform« verstand. Man schlage nach bei Willy Brandt; der Mann hat genug Fehler begangen, aber unter einer Reform stellte der sich nicht den Kampf gegen die Schwächeren vor, sondern eine Gleichstellung.

Reformen, die Brandt forderte, sollten eine Teilhabe der Bevölkerung an den Entscheidungen der Mächtigen zur Folge haben. Reformen, die heute gefordert werden, erfüllen nur die Machtinteressen der herrschenden Clique.

Das ist der Unterschied.

Manchmal war »früher« manches doch besser als heute, scheint mir.

04 Januar 2008

Seltsame Freudenstadt-Zeitreise

In den 70er Jahren war das Kaufhaus Nestle in Freudenstadt ein wichtiger Ort zum Einkaufen: Meine Eltern fuhren mit uns Kindern vom Dorf in die »große Stadt«, wir stellten unseren VW-Käfer auf den stets völlig zugeparkten Parkplatz, und dann bummelten wir über die drei Stockwerke des Kaufhauses.

Später hieß das Gebäude dann Kaufhaus Peters, in den 80er Jahren absolvierte meine Schwester darin ihre Lehre zur Einzelhandelskauffrau, und irgendwann zog das Kaufhaus Peters aus, um ein eigenes Gebäude zu erstellen. Seither scheint es mit dem großen Kaufhausbau abwärts gegangen sein.

Diese Woche war ich in Freudenstadt; aus weniger angenehmen Gründen ging ich durch den Hof des ehemaligen Kaufhauses, vorbei an mehreren fetten Hakenkreuz-Schmierereien und ausländerfeindlichen Beschimpfungen, vorbei an einigen wenigen geparkten Autos.

Im Untergeschoß des ehemaligen Kaufhauses hatte sich ein eher schmuddelig wirkender Supermarkt breit gemacht; mitten durch die ehemalige Verkaufsetage waren häßliche Wände gezogen worden. Die Geschosse darüber sahen leer aus, ich schaute von außen auf die grauen Fenster.

Das war geblieben: ein Haus in Agonie. Ich hatte nie geglaubt, daß ich einmal Trauer beim Anblick eines Kaufhauses empfinden konnte.

Und auf dem Mund hatte ich noch einmal den Geschmack des Apfelkuchens, für den das Restaurant im Kaufhaus Nestle immer berühmt gewesen war und den mir meine Mutter immer so gern geschenkt hatte ...

03 Januar 2008

Was war noch mal 1968?

Das Jahr 2008 hat noch nicht mal richtig begonnen, und schon schlägt alles Alarm: Na klar, 1968 wird jetzt 40 Jahre alt. Die 68er-Diskussion brandet auf, alte Säcke streiten sich erneut um die Erfahrung von anno dunnemals, und vorauseilende Autoren wie Kai Diekmann (BILD-Chefredakteur) schrieben bereits im Vorfeld ihre Streitschriften zum Jubiläum.

1968 wurde ich fünf Jahre alt. Sonderlich viel Erinnerungen habe ich nicht mehr an diese Zeiten. Ich war nicht alt genug für den Kindergarten, und soweit ich mich erinnere, habe ich in dem Alter noch nicht lesen können, sondern die Etiketten von Weinflaschen abgemalt.

Was von 1968 aber blieb, war größtenteils positiv - sieht man von fusselbärtigen Hippies ab, die unsereins in den 70er und 80er Jahre noch ganz schön nervten, heute aber größtenteils ausgestorben oder verbürgerlicht sind.

Vor dem Aufbruch dieser Zeit herrschten stramme Frisuren, Krawattenpflicht und Frauenunterdrückung in Deutschland, Rock-Musik galt als »Negermusik« oder wurde anderweitig gehaßt. (Okay, das war in den 70er Jahren auf dem Dorf nicht anders, aber ab 1976 gab es immerhin den Südwestfunk, der in seinem dritten Programm abends Rock-Musik spielte.)

Also hatte die Revolution oder die Revolte oder der Aufruhr sehr viel für sich; Auswirkungen wie irgendwelche K-Parteien oder gar die RAF möchte ich in diesem Zusammenhang erstmal ignorieren. Wer allen Ernstes die Zeit zurückdrehen möchte (wie es Eva Hermann und andere seltsame Menschen fordern), hat in meinen Augen ein Realitätsproblem.

Mir graust vor der Diskussion, die in diesem Jahr unweigerlich zum Thema 1968 über mich hereinbrechen wird. Ich will nicht in dieses Jahr zurück, weder körperlich (wieder vier oder fünf Jahre alt sein?) noch geistig - und intellektuell gleich gar nicht.

Hey, wir schreiben 2008!

02 Januar 2008

Schwerpunkt Militarismus


Mit der Nummer 77 hat das Antifaschistische Informationsblatt aus Berlin (kurz auch »AIB« genannt) ein gewissermaßen punkiges Jubiläum erreicht; ich bin allerdings sicher, daß das der Redaktion ziemlich egal ist. Den Schwerpunkt des Heftes, das wie immer sachkundig informiert, bildet diesmal eher Militarismus.

Interessant ist der Artikel zur Traditionspflege der Bundeswehr (man trifft sich immer noch gern mit alten Nazis), ärgerlich der Artikel über die »Landser«-Heftromane (die zitierten Informationen stammen aus den 70er Jahren; nicht einmal der Chefredakteur wird richtig genannt), beeindruckend dann aber wieder die Artikel über Personen der extremen Rechten.

Auch wenn ich mit den Inhalten des Heftes nicht immer übereinstimme, lese ich es doch meist von vorne bis hinten und komplett; die Informationsdichte ist nach all den Jahren immer noch sehr hoch. Pflichtlektüre eigentlich für jeden, der sich gegen Nazis und anderes Gesocks engagiert.

Die 60 Seiten im A4-Format kosten unschlagbare 3,10 Euro; ein Abonnement ist zu empfehlen, wenn man's nicht im örtlichen Infoladen kaufen will. Auf der Homepage gibt es manche Artikel ja schon zu lesen; hier hilft das Stöbern auf jeden Fall weiter.

Gut rübergerutscht

Was ist die ideale Möglichkeit, ins Neue Jahr hineinzufeiern? Freunde, Alkohol, Essen, Tanzen? Klingt gut. Hatte ich diesmal auch.

Getreu meinem Motto und einzig echtem Vorsatz »2008 muß besser als 2007 werden« hielt ich mich an genau diesen Ablaufplan. War diesmal ganz einfach: ohne große Fahrerei und sehr gemütlich.

Mit der Straßenbahn eierte ich in die Nordstadt, setzte mich ins »Fünf«, wo ich ein extrem leckeres Vier-Gang-Menü im Kreis von Freunden genoss. Zu jedem Gang wurde Wein gereicht, so daß ich schon vor Mitternacht gut Schlagseite hatte.

Neujahr wurde auf der Straße angeschossen, mitten in der Mika, der ehemaligen amerikanischen Kaserne also. Nach einer Viertelstunde konnte man vor lauter Rauch und Nebel schon kaum mehr etwas sehen; mit zielsicherem Griff fand ich aber immer wieder den Weg an den Sektstand und ließ mir nachfüllen.

Nach eineinhalb weiteren Bieren an der Theke des »Fünf« war endlich Abmarsch angesagt, und gegen halb drei Uhr nachts purzelten wir in die »Alte Hackerei« im Karlsruher Schlachthof-Gelände. Rammelvoll war's, und knallevoll waren um diese Zeit die meisten Besucher.

Der DC gab sich redlich Mühe, das Publikum mit einer ausgewählten Mischung aus Disco, Metal und Punkrock zu unterhalten; angesichts der Mischung blieb mir nur übrig, breit zu grinsen, viel zu trinken und gelegentlich meinen Körper zwischen anderen tanzenden Menschen hindurchzuschunkeln.

Großartige Stimmung, eine Super-Party. Das Gedränge ließ ab fünf Uhr morgens etwas nach, gegen halb sechs verließen wir dann die »Hackerei«; ich war immerhin noch gehfähig.

Über den Verlauf des Neujahr-Tages reden wir dann lieber nicht ...

31 Dezember 2007

Punkrock zum Jahresende

Die letzte ENPUNKT-Radiosendung im freien Radio Querfunk in Karlsruhe - an diesem Sonntag, 30. Dezember, war mir ein wenig melancholisch zumute: Das Jahr war ja nicht gerade mein persönliches Highlight.

Ich spielte konsequenterweise Emopunk, in diesem Fall von Bitume und Turbostaat, aber auch Streetpunk, um die Gegensätze zu betonen, in diesem Fall unter anderem von Strongbow, Evil Conduct oder The Kleins. Das krachte schön und gab eine gute Mischung.

Zwischendurch allerlei anderes Zeugs, wie etwa Lost Lyrics oder Rantanplan, Pascow oder Chefdenker - sehr viel deutschsprachiges Zeugs mit Schmackes also. Damit der Jazz nach meiner Sendung besonders gut klingt, mache ich immer entsprechenden Sound: In diesem Fall verabschiedete ich meine Hörerinnen und Hörer mit kratzigem No-Wave-Punk von Les Savy Fav ins Neue Jahr.

30 Dezember 2007

Terrorgruppe Reloaded

In den 90er Jahren gehörte die Terrorgruppe aus Berlin zu den erfreulichsten Erscheinungen in der deutschsprachigen Punkrock-Landschaft: sarkastische, manchmal zynische Texte, stets auf den Punkt gebracht, dazu flotter Punkrock mit viel Melodie und auch ziemlichem Schmackes.

Die Burschen versuchten nie, den Punkrock neu zu erfinden, sondern spielten einfach ihr Ding. Das zogen sie dann auch auf Konzerten ziemlich konsequent durch. Nie werde ich vergessen, wie Archie sich in Karlsruhe unter dem Motto »Verhindert deutsches Leben« ein Kondom durch die Nasenlöcher zog ... und andere Schoten noch mehr.

Die Terrorgruppe-CDs der 90er Jahre kommen jetzt wieder neu raus; dieser Tage höre ich ständig »Melodien für Milliarden«. Im Beiheft kommen »alte« Weggefährten der Band zu Wort. Auch ich habe ein bißchen was über die gemeinsame Geschichte geschrieben; freut mich, daß das gedruckt wurde.

Zur Dokumentation schiebe ich den entsprechenden Text in die Kommentarspalte dieses Textleins – dort bitte weiterlesen! Und selbst fleißig Terrorgruppe hören!

29 Dezember 2007

Mein Fugazi-Desaster

Für feinsinnige Gespräche und dezentes Turteln bei Kerzenschein ist das »Déjà Vu« in Herrenberg definitiv nicht geeignet: Die Musik ist dafür schlicht zu laut. Aber letztlich kommt kein Mensch in diese Kneipe, um sich über anspruchsvolle Themen zu unterhalten - man will Bier trinken, sich unterhalten und vielleicht auch rauchen.

Ja, rauchen: Es gibt einen »Nebenraum«, in dem geraucht werden kann und der durch eine Glasscheibe abgetrennt wurde. Die Tatsache, daß dieser Raucherbereich größer ist als die eigentliche Kneipe (der Raum um die Theke herum), spricht natürlich Bände.

Ich war an diesem Samstag abend der einzige, der nicht trinken konnte, weil ich nach Hause fahren mußte. Also war ich auch der einzig nüchterne - und das war doch ein bißchen anstrengend. Laut dröhnten Hardrock-Klassiker und andere Musik der 80er Jahre, die Stücke könnte theoretisch jeder mitsingen; man mußte dagegen anschreien, was meinen angesoffenen Mitreisenden und Kumpanen ja leichter fiel als mir als einzig Nüchternem ...

Auf einmal kam ein Stück, das ich kannte: Der Bass-Lauf war absolut charakteristisch. In den späten 80er Jahren und auch anfangs der 90er Jahre hatte ich zu diesem Stück mit großer Begeisterung getanzt. »Das ist Fugazi!« rief ich und freute mich. Der »Waiting Room« hatte angefangen, und ich wackelte vor Begeisterung mit dem Kopf.

Aber da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt und seinen CD-Player gemacht. Der Bass-Lauf ging weiter wie bisher, aber es kam nicht die berühmte Pause nach den ersten 25 Sekunden, sondern irgendwann setzte Frauengesang ein, dazu irgendwelches Computerschlagzeug und anderer Kram. Ich war entsetzt.

Irgendwelche Disco-Produzenten haben anscheinend den Fugazi-Basslauf genommen und als Basis für irgendeinen Dancefloor-Schmodder genommen. Der Abend war gelaufen ... und zu allem Überfluß konnte ich ja nichts trinken, weil ich als einziger nüchtern bleiben mußte.

Mann ...

28 Dezember 2007

1982 - ein Bild und seine Geschichte


Da dieses Foto im Jahr 2007 tatsächlich zweimal »zitiert« worden ist, möchte ich es in diesem Blog auch einmal vorstellen: Es stammt aus dem Jahr 1982, genauer aus dem heißen Sommer dieses Jahres, und es wurde in Mönchengladbach aufgenommen. Zu sehen sind Achim Mehnert aus Köln (links im Bild) und ich aus Freudenstadt (rechts im Bild, mit langen Haaren).

Wir beide lernten uns damals am Rand eines Science-Fiction-Treffens kennen, des sogenannten EuroCons, der in diesem Jahr in Mönchengladbach veranstaltet wurde. Achim und ich spielten Fußball - das Spiel war eigentlich als »Profis gegen Fans« angekündigt worden, da aber nicht genügend Profis spielen wollten, wurde das Spiel kurzerhand in »Kölner gegen Terraner« oder so umgemünzt. Lustig war's, wer verloren oder gewonnen hat, weiß ich nicht mehr, aber danach kannte ich einen Haufen lustig-versoffener Kölner, darunter eben jenen Achim Mehnert.

Später wurden rituell Fanzines verbrannt, also Fan-Zeitschriften. Und wie es sich gehört, packten wir unsere eigenen Hefte in die Flammen: Achim warf »Ubik« ins Feuer, ich »Der Freak« - also nix mit Bücher- oder Romanheft-Verbrennung, was spätere »Generationen« sich aus dem Finger saugten.

Heute ist Achim Mehnert Science-Fiction-Autor, wohnt immer noch in Köln, trinkt immer noch Kölsch und hört immer noch dieselben Bands. Ich bin Science-Fiction-Redakteur, wohne in Karlsruhe, trinke immer noch allerlei Bier und höre immer noch laute Musik - und demnächst werden wir wieder einmal bei einem Projekt zusammenarbeiten.

Nach 25 Jahren ist das keine schlechte Bilanz, finde ich. Und da ist so ein albernes Foto sogar eine richtig gute Erinnerung.

27 Dezember 2007

Das OX übers Garoua-Tier


»Mit Punkrock hat das nichts zu tun, ein Reiseführer ist das Buch auch nicht, aber trotzdem lesenswert und unterhaltsam und es macht auf jeden Fall neugierig auf Reiseziele abseits des gängigen Pauschaltourismus« - das schreibt Joachim Hiller in der aktuellen Ausgabe des OX-Fanzines.

Die Ausgabe 75 gibt's mit schickem Ärzte-Cover am Kiosk oder per Internet zu bestellen. Wer nur die Besprechung meines Buches lesen mag, muß auf den entsprechenden Link klicken.

Schadet beides nix, finde ich.

Konzert vor Weihnachten

Ein wenig spät, dieser Bericht, aber egal. Sonntag, der 23. Dezember, ist ja sooo lange auch nicht her.

Kalt war's an diesem Abend. Immerhin rochen die Fleischabfälle, die in den offenen Containern vor der Schlachterei lagen, diesmal nicht so intensiv. Vielleicht waren sie gefroren, vielleicht war ich auch schon erkältet.

In der Alten Hackerei in Karlsruhe war es auf jeden Fall warm, kein Wunder angesichts der vielen Leute, die sich in den Räumlichkeiten der gepflegten Punkrock-Bar drängten. Im Schätzen war ich schon immer schlecht, an die 120 bis 150 Besucher waren es aber sicher.

Gegen die Kälte setzten Blitztrumpf aus Karlsruhe ein entsprechendes Bühnen-Outfit: schicke Kurzhaar-Scheitel-Frisuren, schicke Hawaii-Hemden, kurze Hosen. Ich fand, dass das einen guten Kontrast zu Kapuzenpullovern, Wollmützen und Lederjacken gab.

Die Band war auf jeden Fall gut, sie gefällt mir immer besser - da merkt man, dass Punkrock-erfahrene Herren auf der Bühne stehen und nicht nur irgendeine Punkrock-Einheitssoße spielen. Und spätestens wenn Blitztrumpf dann Agent Orange nachspielen, wird klar, woran mich ihr Sound erinnert: an die rockigen Teile des frühen Kalifornien-Punks. Sehr schön!

Den Höhepunkt des Abends bildeten trotzdem Trend. Die durchgeknallten Burschen aus der Pfalz zeigten, daß deutscher Punkrock mit ziemlich anders klingenden Texten auch auf der Bühne super funktioniert. Bei Liedern wie »Ich bin bereit - zum Selbstmordattentat« oder »Willi, was soll das mit dem Blut« kam richtig Bewegung ins dann schon reichlich angesoffene und fröhliche Publikum.

Ins Bild paßte, daß mir später ein Pfälzer gegen das Bein pinkelte. Tatsächlich: Anständige Männer, die wir waren, gingen die meisten Stehpisser raus an den Schlachthof und nicht auf das Klo, und der schwerst angetrunkene Mann, der unartikuliert Pfälzisch radebrechte, der neben mir stand, pinkelte und torkelte, verriß einmal seinen Strahl so, daß ich einen Schwapp gegen die Wade bekam.

Na super! Ich nahm an, daß mehr Bier als sonst in dem Urin war, nahm's als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, stritt nicht herum und wechselte an der Theke der Alten Hackerei auf Bionade.

Ein gelungener Abend also ...

23 Dezember 2007

Rezension in der »Klappe«

Die »Klappe auf« ist wohl nach wie vor das beliebteste und am weitesten verbreitete Stadtmagazin für den Raum Karlsruhe. Die Januar-Ausgabe 2008 liegt bereits jetzt vor - klar, die Feiertage stehen vor der Tür.

In dieser Ausgabe wird mein Buch »Das Tier von Garoua« besprochen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Erfreulicherweise ist die Besprechung auch auf der Homepage zu finden, weshalb ich den Link hier reinstelle. (Man muß ein bißchen nach unten scrollen, es ist erst die dritte Rezension.)

Hat mich sehr gefreut. Eine schöne Weihnachtsüberraschung!

Zu kalt fast zum Lesen

Die bittere Kälte, die am Freitag abend, 21. Dezember 2007, ganz Süddeutschland umfangen hielt, hatte auch Heidelberg im Griff. Und inmitten von Heidelberg dann eben auch den Weihnachtsmarkt (wo ich einen tollen Parkplatz direkt in der Tiefgarage unter dem Markt fand) sowie das Café Gegendruck, wo der tapfere Ofen vergeblich gegen die Kälte ankämpfte.

Zwischen 15 und 20 Leute waren zu meiner Lesung gekommen; angesichts des saukalten Wetters völlig in Ordnung, wie ich finde. Lustig: Allein vier Leute entpuppten sich als Exil-Freudenstädter, Menschen also, die ursprünglich aus Lombach und Loßburg, Freudenstadt und sonstwoher stammten. Die Welt ist klein ...

Ich las vor allem aus »Das Tier von Garoua«, aber auch die Geschichte »Mein erster Kuß hieß Monika«, die bisher nur in einem ENPUNKT-Fanzine veröffentlicht worden ist. Leider verlas und versprach ich mich öfter als üblich; schieben wir das mal auf die Kälte (ich fror echt an den Füßen) und auf die funzelige Beleuchtung.

Den Leuten schien es trotzdem gefallen zu haben, denn hinterher konnte ich recht viele Bücher und Fanzines verkaufen. Sehr schön!

21 Dezember 2007

Glitzerwelt

Die Felder und Wiesen rings um Karlsruhe und Rastatt sehen aus, als hätte jemand einige Tonnen Puderzucker fein verstreut. Heute morgen fuhr ich über die B 36, und rings um mich herrschte weiße Stille. Beeindruckend. Darüber hing ein neblig-grauer Himmel, der alles zu verschlucken schien.

Klingt kitschig, ich weiß, aber mich beeindruckt das immer. Ich komme mir vor, als sei ich ein kleines Kind, das staunend auf die große, weite Welt blickt.

Das Universum ist eine Zuckerbäckerlandschaft.

20 Dezember 2007

Gute Vorweihnachtsnachricht

Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass die dreiteilige Verfilmung des »Herrn der Ringe« großartig war. Erbsenzähler, die Fehler gefunden haben oder sich darüber ärgerten, dass die Handlung nicht eins zu eins den Büchern folgte, sind mir egal. Diese Verfilmung hat zu Recht Maßstäbe gesetzt.

Und wenn ich jetzt höre, daß auch »Der kleine Hobbit« verfilmt wird, freue ich mich richtig. Vor allem, wenn wieder Peter Jackson beteiligt ist. Damit dürfte auch diese Tolkien-Vorlage – der Vorläufer des »Herrn der Ringe« - zu einem großen Erfolg werden. Eine Meldung, die marketingtechnisch geschickt in die Vorweihnachtszeit plaziert wurde.

Kann ja sein, daß sich Jackson dann wieder auf seine Vergangenheit als Underground-Filmer konzentriert: Die knuffigen Deppen, die in »Bad Taste« durch die Handlung stolpern, sehen zumindest teilweise aus wie die doofen Orks, die Bilbo Beutlin austrickst.

Und üben kann er schon vorher: Allen Ernstes soll der gute Herr Jackson in diesem Jahr ja den Comic-Klassiker »Tim und Struppi« verfilmen. Von Zwergen, Elfen und Hobbits zu Detektiven in seltsamen Hosen und kläffenden weißen Kötern – und dann wieder zurück zu Hobbits und anderem Fantasy-Zeugs.

Ich freue mich schon jetzt. Ganz der Fantasy-Fan ...

19 Dezember 2007

Spiegel und Chaostage

Mannomann, ist das schon sooo lang her? Die Chaostage in Hannover ... herrje, da könnte ich ja auch noch Bücher mit füllen. (Kommt sicher irgendwann.)

Heute auf Spiegel-Online: Karl Nagels Erinnerungen an die Chaostage. Super-Text, klasse Bilder, amüsantes Video.

Unbedingt lesen!

Kumpel Günther

Politiker, die ich richtig verabscheue, gibt es viele. Ich vermute, das liegt an dem Beruf, den sie gewählt haben, und an den Sprechblasen, die sie permanent in die Luft pusten müssen. Und meine Abneigung ist eine Mischung aus Neid (»Boah, so viel Geld verdienen.«) und Erleichterung (»Gottseidank muß ich nicht zu jedem Anlass meine Klappe aufreißen.«), wenn ich das mal so durchdenke.

Und es gibt natürlich Politiker, die ich seit Jahren geistig-moralisch begleite und bei deren Aussagen mir regelmäßig schlecht wird. Dazu zählt Günther Oettinger, den ich noch aus meiner frühen Politaktivisten-Zeit kenne. Nicht persönlich, aber der Mann war in den 80er Jahren Vorsitzender der baden-württembergischen Jungen Union und von daher mitverantwortlich für den Quatsch, den meine Altersgenossen zeitweise verbreiteten.

Im Jahr 2007 blamierte sich Oettinger, der es dank jahrelanger Vetternwirtschaft und geschickter Intrigen bis in das Amt des Ministerpräsidenten im »Muschderländle« geschafft hat, gründlichst, indem er den Alt-Nazi Hans Filbinger im Nachhinein als Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich darstellen wollte. Das war dann sogar den konservativen Christdemokraten ein bißchen zuviel ...

Und jetzt? Jetzt ist der arme Kerl permanent wegen irgendwelcher Beziehungsgeschichten in der Presse. Seine Noch-Ehefrau läßt sich irgendwie von ihm scheiden und macht mit einem Porsche-Manager rum - so berichten die Klatschblätter und das Internet. Die Personalie scheint also wichtig zu sein.

Oettingers Beziehungsleben ist seine Sache, das geht mich nichts an, und so spannend finde ich ihn dann doch nicht. Aber auch hier bin ich in meiner Sichtweise gespalten: Einerseits gönne ich es ihm von Herzen, daß er öffentlich durch den Kakao gezogen wird, andererseits hat das nun mal nichts mit seiner Politik zu tun. Die sollte doch bitteschön kritisiert werden.

Aber es ist nun mal einfacher, über gescheiterte Ehen und schief sitzende Frisuren zu diskutieren. Und manchmal auch einfach lustiger ...

18 Dezember 2007

15 Jahre dabei

Manchmal kann ich es selbst nicht glauben, heute wurde ich dafür geehrt: Ich arbeite sehr 15 Jahren in derselben Firma. Im Rahmen der Betriebsversammlung gab's dafür heute einen Geschenkkorb: viel Alkoholika, ein bißchen Süßes noch dazu. Sehr freundlich.

Daß ich einmal 15 Jahre lang für PERRY RHODAN und Konsorten verantwortlich sein sollte, hätte ich mir nie träumen lassen. Dafür sind in diesen Jahren zu viel Sachen passiert, die gottseidank außerhalb unserer Büroräume niemand mitbekommen hat.

Immerhin gibt es die Serie noch, obwohl damals einige Leute geunkt hätten, sie würde Band 2000 nicht erreichen oder ohnehin bald eingestellt werden. »Pass auf, dass du nicht der Totengräber von PERRY RHODAN wirst«, sagte damals Achim Sturm.

Bislang bin ich's nicht geworden. Ich habe auch nicht vor, es zu sein. Ob ich allerdings noch mal 15 Jahre auf den Buckel packen möchte, bezweifle ich mal ...

17 Dezember 2007

Lesung in Mannheim

Für den Januar hat »mein« Verlag jetzt eine Lesung in Mannheim vereinbart, also am Verlagssitz gewissermaßen. Da werde ich in erster Linie mein Buch »Das Tier von Garoua« vorstellen.

Die Lesung findet am Donnerstag, 17. Januar 2008, statt, sie beginnt um 19.30 Uhr. Ort ist die Buchhandlung Waldkirch, Hauptstraße 71, 68259 Mannheim-Feudenheim. Es wird übrigens sogar ein kleines Angebot an afrikanischem Fingerfood (aus Ghana) geben.

16 Dezember 2007

Trip in die Hansestadt

Fuhr ich früher nach Hamburg, hing ich entweder in den besetzten Häusern am Hafenrand oder in den Wohnungen von Bekannten ab, besuchte Punk-Konzerte oder lief mit dem pogoanarchistischen Pöbel und mit viel »Saufen Saufen!«-Gebrüll durch die Innenstadt.

Wie sehr sich das ganze verändert hat, belegt wunderbar mein Hamburg-Aufenthalt in der letzten Woche: rein geschäftlich und mit einem derart engen Zeitplan, daß für Privatkram praktisch keine Zeit blieb.

Ich reiste in Anzug und Krawatte (es ging teilweise in »feindliches Gebiet«, da empfiehlt es sich eh, den Kampfanzug zu tragen ...), ich kam mit dem Flugzeug, und ich bewegte mich ausschließlich auf bürgerlichem Terrain. Das feine Hotel Intercontinental, in dem ich zu Mittag aß, die Mönckebergstraße, durch die ich zweimal ging, das Alsterufer, in dessen Nähe ich zu Abend futterte, die hochfeudale Warburgstraße und deren Umfeld, wo ich mit einem Rechtsanwalt redete, das Elbufer mit einem Büro-Glaskasten und so weiter ...

Nix mit Wohnungen in Ottensen und in St. Pauli, nix mit Punk-Konzert in der Lohbusch, nix mit Plattenläden aufm Schulterblatt, nix mit Dönerbude an der Ecke.

Boah, bin ich alt geworden.

15 Dezember 2007

Schwanz-Rock is back

20.000 Leute pilgerten laut Presseberichten zum Konzert von Led Zeppelin, angeblich haben sich 20 Millionen Leute um Eintrittskarten beworben. Die Uralt-Rocker sind zurück, und die Presse überschlägt sich vor Begeisterung.

Mir kommt fast das Kotzen.

Led Zeppelin, das ist die Band, die »früher« die »Großen« in der Schule hörten, die langhaarigen Revoluzzer (also die heutigen Rechtsanwälte und Lehrer) der späten siebziger Jahre, zumindest in der Schwarzwälder Provinz. Man hatte die Band gutzufinden, basta. Sie stand für rebellisches Verhalten und wilde Partys.

Na ja. Mag sein. In den Texten geht es praktisch immer ums Ficken, man hat eine großkotzige Männer-Attitüde, die - für die Zeit typisch - in komplexen Texten versteckt wird. Und wer mag, kann sich auch auf lange Gitarrenläufe einen runterholen.

Ich sah damals den Film »The Songs Remain The Same« oder so, zu jener Zeit mußte man den gesehen haben. Und danach war für mich klar, daß ich mit Led Zeppelin nie etwas anfangen kann. (Wahrscheinlich war ich zu dumm.)

Jetzt sind sie wieder da, die Rock-Opas. In einer Zeit, in der die Rolling Stones einmal alle zwei Jahre eine Abschiedstour veranstalten, paßt das ja. Aber muß man sich darüber tatsächlich freuen?

14 Dezember 2007

Geile neue Bands

Hölle und Teufel! Man verliert irgendwann den Anschluß an die Szene, das ist mir klar. Aber daß es derart viele gute neue und aktuelle Hardcore- und Punk-Bands gibt, war mir nicht bewußt. In den letzten Monaten hörte ich einige neue Singles und EPs, die mich total begeisterten.

Dazu zählen unter anderem Cloak/Dagger. Die stammen aus dem gleichen Loch, aus dem Avail und Strike Anywhere gekrabbelt sind, also aus Richmond, Virginia, und genau so klingt ihre erste EP (bei Grave Mistake Records): absolut schmissiger Hardcore, der mich komplett überzeugt. Super!

Vom selben Label kommt auch die Band The Frontline, die aus einem Kaff in Virginia kommt, mit brüllendem Gesang und treibendem Sound aufwartet und so klingt, als schriebe man 1989, und das meine ich positiv. Da fange ich glatt an, durch die Bude zu slammen, zu schreien und vom Sofa zu stagediven.

Oder Annotation, eine junge deutsche Band aus Ibbenbüren, was irgendwo in NRW liegt und woher die Donots stammen. Die bolzen sich auf ihrer ersten EP durch gefühlte zehn Stücke, von denen keines langweilig. Saugeil. Und das Label nennt sich auch noch Playtodestroy, da kann nix schiefgehen.

11 Dezember 2007

Das geht auf keine Bockshaut

Es war kein Vergnügen, am Samstag abend über den Weihnachtsmarkt in Darmstadt zu stolpern. Es regnete in dünnen Bindfäden, ein feuchter Wind machte uns zudem zu schaffen, und auf Glühwein hatten wir keinen Lust. Zudem trieb uns der Hunger in die Wärme - und so stolperten wir nach einigem Suchen in das Restaurant »Bockshaut«.

Als Nichtraucher, der die neuen Nichtraucherschutzgesetze manchmal selbst sehr übertrieben findet, folgte ich meinen Begleitern bereitwillig in das Raucherzimmer, das genügend Platz bot und deutlich weniger verraucht war als durchschnittliche Kneipen vor dem Nichtraucherschutzgesetz. Zumindest bekam ich stetig frische Luft, oder ich hatte nach dem feuchten Wetter in Darmstadts eher betonarchitektonischen Innenstadt kein Problem mit einem Restaurant-Nebenraum.

Die für diesen Tag auf eine Seite reduzierte Speisekarte war für die Fleisch-Fraktion ein reines Vergnügen, für Vegetarier fand sich nichts. Dafür war der Kellner superfreundlich, offerierte mündlich gleich mehrere Variationen, und der Vegetarier am Tisch wurde glücklich. Kein Schmarrn: Das gut bürgerliche Essen (Rumpsteak für die einen, Zanderfilet für die anderen, Gemüsezeugs für mich) schmeckte durchgehend, das lokale Bier vom Fass passte sehr schön, die Suppe wärmte gut durch - und leider gab es auch Nachtisch.

»Leider« ist in diesem Fall ironisch zu verstehen. Aber ... ich meine ... wie kann man an einem so feuchten Tag glasierte Maronen anbieten? Und das Leuten, die schon von der Vorspeise und vom Hauptgericht mehr als satt sind? Kurzum: Jeder nahm noch einen Nachtisch, die Nicht-Autofahrerfraktion freute sich über eins bis drei Schnäpse, und alle waren glücklich und zufrieden.

Das »Bockshaut« ist ein gutbürgerliches Restaurant. Viele Menschen halten »gutbürgerlich« längst für eine Beschimpfung. Dieses Darmstädter Restaurant, das schon zur Tradition der Stadt gehört, beweist, dass dem nicht so sein muss ...

10 Dezember 2007

Lesung im »Gegendruck«


Wie schon erwähnt, lese ich im Dezember noch in Heidelberg, genauer im Café Gegendruck in der Altstadt. Darauf freue ich mich schon, vor allem auch deshalb, weil mir das im letzten Jahr schon sehr gefallen hat.

Die Aktivisten in Heidelberg haben jetzt auch einen sehr schönen Flyer gebastelt, den ich in diesem Blog natürlich gern präsentiere. Wirkt ja richtig seriös ...

Immer wieder lustige Spams

Heute in meinem Postfach in der Firma (ich wundere mich über nicht mehr sehr viel) eine sehr lustige Spam-Mail:

Guten Tag,

Sie als Inhaber der E-Mail-Adresse (ZENSIERT) werden hiermit zur Fahrprüfung vorgeladen. Nutzen Sie folgenden Link zur Teilnahme:

http://www.Fahrschul-Pruefer.com/

Sie werden gebeten, die Prüfung sofort durchzuführen und abzuschließen. Bitte benutzen Sie folgenden Link:

http://www.Fahrschul-Pruefer.com/


Mit freundlichen Grüßen
Ihre Führerscheinstelle
von www.Fahrschul-Pruefer.com



Ich meine ... wer reagiert ernsthaft auf so einen Quatsch? Aber lustig ist es ja trotzdem.

07 Dezember 2007

Die neuen Netz-Idioten

Manchmal lohnt es sich, die Süddeutsche Zeitung zu lesen, um sich über manche Artikel zu lesen. Dies gilt ebenfalls für die Lektüre ihrer Internet-Ausgabe. So heute.

Unter der Überschrift »Die neuen Idiotae – Web 0.0« schreibt Bernd Graff über seine Sicht auf das Internet, vor allem auf das demokratische Bloggen, Foren-Befüllen und sonstwie Im-Netz-Aktiv sein.

In seinen Augen handelt es sich um das, was dabei entsteht, um einen »Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten«. Er führt eine Reihe von Beispielen auf, die eigentlich auch alle in Ordnung sind – schließlich steht in Foren oftmals viel Mist.

Na ja, der Artikel ist teilweise ein Ärgernis, teilweise ist er durchaus lesbar. In einem hat Graff eh recht. Wer sich für richtig gute Inhalte interessiert, sollte weiterhin gedruckte Inhalte lesen ...

05 Dezember 2007

Eine Fahrt nach Malaga

Eigentlich lag ich an diesem frühen Nachmittag am Pool, bemüht, mich so zu verhalten, wie es sich für einen echten Touristen ziemte: ein Buch in der Hand und die Sonne auf dem Bauch. Und alle nur erdenklichen Wolken, die über den Strand trieben, beabsichtigte ich zu ignorieren. Sollten sie einfach über dem Meer abregnen!

Doch dann nieselte es, nicht schlimm, aber nervig, und ich änderte meine Pläne.
Und fuhr mit der Bahn nach Malaga. Nicht, weil das eine besonders schöne Großstadt war – das wusste ich, seit ich anno 1987 dort durchgefahren war, auf dem Weg nach Westafrika. Ich wollte nach Malaga, weil das die nächste Großstadt war und ich die Hoffnung hatte, dort auf echte Menschen zu treffen, nicht nur auf Touristen und servile Hilfsgeister, die um sie herumscharwenzelten.

Doch der einsetztende Regen zog mir einen Strich durch die Rechnung. In unaufhörlichem Gepladder knallte Wasser auf die Straßen der Stadt herunter. Ich mit dünner Hose und ebenso dünnem Hemd hatte keine sonderlich guten Karten an diesem Tag.

Ziemlich befeuchtet zog ich mich in ein Café zurück. Die schnöselige Bedienung, ein blonder Zwerg von vielleicht eineinhalb Metern, behandelte mich wie ein Stück Dreck. Kein Wunder, ihr war bewusst, dass ich nicht ihrer hübschen blauen Augen hier war oder ihres gastronomischen Angebots wegen – drei Stück Kuchen, die wohl seit der Franco-Ära auf Kunden warteten -, sondern schlicht wegen der Tatsache, dass dieser Laden Trockenheit versprach.

Kurze Zeit später verließ ich das Café, weil es nicht mehr regnete, glücklich, dem eisigen Blick der Blondine entronnen zu sein, und ging durch eine Nebenstraße. Ich guckte in die Luft und nicht auf die Straße, und ich pitschpatschte mit meinen Converse-Schuhen durch eine schätzungsweise knöcheltiefe Pfütze.

Das hatte ich davon. Klatschnasse Socken, triefnasse Schuhe, feuchtes Hemd und feuchte Hose, und dann noch gut zwanzig Kilometer von der Klamottenwechselstelle in meinem Hotelzimmer entfernt. Ich beschloss, meine künftigen Reisen wieder in harmlose Ziele zu verlegen, Westafrika, Südostasien oder Nordamerika.

Spanien, das war nichts; da regnete es andauernd.

04 Dezember 2007

Kein Horror-Roman, schlimmer


Das Recht auf Kacken ist ein elementares. In Mitteleuropa betrachtet man es als so elementar, daß es als unschicklich gilt, das Thema außerhalb von Beschimpfungen anzusprechen. Ganz anders in vielen Slums der Dritten Welt: Da es buchstäblich keine Toiletten und definitiv kein Abwassersystem gibt, wird Stuhlgang für die zig Millionen Bewohner dieser alptraumhaften Unterkünfte zu einem echten Problem. Wohin mit der Scheiße?

Das mag sich jetzt lustig anhören, ist es aber nicht. Und das Buch »Planet der Slums« von Mike Davis, das ich gelesen habe, macht auch klar, warum das Thema ein so ernsthaftes ist: Es hat letztlich auch etwas mit Menschenwürde zu tun, die unsereins als Mitglied des kapitalistisch-reichen Europa den Armen der Dritten Welt schlichtweg vorenthält.

Das hier ist kein einfaches Sachbuch, sondern ein dramatisches. »Planet der Slums« spart nicht an drastischen Details, listet aber auch Zahlen auf: Schätzungsweise eine Milliarde Menschen kämpfen weltweit in Slums ums Überleben, unter Bedingungen, die hierzulande unvorstellbar sind und die noch nicht einmal ein Afrika-Reisender wie ich zu Gesicht bekommt. Und es besteht so gut wie keine Hoffnung.

Das empfinde ich als den grausigsten Aspekt dieses Buches, das schlimmer als jeder Horror-Schmöker daher kommt: dass die sogenannten Helfer aus der Ersten Welt, seien es die Weltbank und ihre Büttel oder irgendwelche Nichtregierungsorganisationen, am Los der Ärmsten der Armen nichts ändern wollen oder können. Alle Strukturanpassungen der letzten Jahre haben die Situation nämlich nur weiter verschärft.

Das Verdienst von Mike Davis ist, in diesem Sachbuch einem kritischen Leser zumindest die Augen zu öffnen. Die eigenen Schlüsse daraus muss dann jeder selbst ziehen.

Mike Davis: Planet der Slums
Deutsche Erstausgabe
Übersetzung: Ingrid Scherf
Verlag Assoziation A, Berlin / ISBN 978-3-935936-56-9
Paperback, 248 Seiten