08 Februar 2008

Werner Holts Vater

Ich bin sicher, daß kaum jemand meiner Blog-Besucher den Namen Dieter Noll kennt. Mir wäre er auch nicht präsent gewesen – aber ich kenne Werner Holt. Am 6. Februar 2008 ist der Schriftsteller Dieter Noll gestorben; seinen Roman »Die Abenteuer des Werner Holt« habe ich bestimmt ein halbes Dutzend mal gelesen, und er hat mich extrem beeindruckt.

»Die Abenteuer des Werner Holt. Roman einer Jugend« gab's in der Dorf-Bücherei in Dietersweiler. Ich schätze, daß ich den Roman mit zwölf Jahren auslieh und zum ersten Mal las. Er packte mich ohne Ende – denn das Thema Zweiter Weltkrieg faszinierte mich, vielleicht auch deshalb, weil meine Eltern so gut wie nie über ihre schrecklichen Kriegserfahrungen sprachen.

Die Geschichte des Luftwaffenhelfers Werner Holt, der mit 16 Jahren den Bombenkrieg miterlebt, dann seinen Reichsarbeitsdienst in der besetzten Slowakei verbringt, um gegen Kriegsende als Panzerfahrer gegen Russen und Amerikaner zu kämpfen, erschütterte und faszinierte mich gleichzeitig; ich las den Roman im Verlauf der nächsten Jahre sicher dreimal.

Später hatte ich Kontakt zu Science-Fiction-Fans in der DDR, wir tauschten Bücher, und ich bekam die zweibändige Ausgabe der Werner-Holt-Abenteuer. So kam ich auch in den Besitz von »Die Abenteuer des Werner Holt. Roman einer Heimkehr«. Darin geht es um die Nachkriegszeit, und der Roman schildert, wie aus dem desillusionierten Wehrmachtssoldaten irgendwann ein begeisterter Kommunist wird – und das ganze war auch noch informativ und unterhaltsam zugleich geschildert.

Wahrscheinlich haben beide Romane viel zu meiner politischen Meinungsbildung beigetragen, auch der Kommunismus-Roman. Zum Kommunisten machte er mich nicht, aber ich bekam mit, daß nicht alle DDR-Bürger davon träumten, in den Westen zu flüchten, wie man uns in der Schule beibrachte. (Interessanterweise ist der erste Band 2002 als Taschenbuch beim Aufbau-Verlag neu aufgelegt worden, während es von der Heimkehr-Geschichte seit Urzeiten keine Neuauflage mehr gibt.)

»Die Abenteuer des Werner Holt« las ich auch als Doppelband zwei-, drei- oder sogar viermal, und irgendwann werde ich es wieder lesen. Ein Buch, das einen packt, das einen reinzieht und das einem in gewisser Weise die Augen öffnet. Wahrscheinlich das beste Jugendbuch, das ich kenne – und eben auch ein Kriegsroman, der spannender ist als jeder Hollywood-Film.

Schade, daß Dieter Noll so sang- und klanglos verstorben ist. So ein Buch wäre was für den Deutsch- und den Geschichts-Unterricht. Daß der Autor wohl auch ein penetranter SED-Anhänger war, ist mir da völlig schnuppe.

Kommentare:

Franka hat gesagt…

Hallo,

das Buch war in der DDR in manchen Schulen "Pflichtlektüre" im Deutschunterricht und dürfte deshalb eventuell doch dem einen oder anderen Leser bekannt sein; ich habe es allerdings (noch) nicht gelesen. Bei uns war das Buch "Nackt unter Wölfen" von Bruno Apitz Gegenstand des Unterrichts.

Viele Grüße aus Berlin!

klangverhältnisse hat gesagt…

jep, zu ddr-zeiten war der "Werner Holt" ein viel gelesenes und gern gemochtes buch. fragst du hier leute, die vor 1980 geboren sind (und damit alt genug sind/waren, in der ddr über die grundschule hinaus gekommen zu sein), wirst du auf wissende gesprächspartner und oft enthusiasmus teilende menschen stoßen...

guter stoff, das buch! eh klar...