Samstag morgen auf dem WorldCon: Die Schlangen sind laenger als an den Vortagen; wie es aussieht, sind jetzt auch viele Tagesgaeste aus der Region da. Das hat zur Folge, dass es eine erhoehte Anzahl von "normal" aussehenden Menschen gibt ... die lokale Presse (Orange County-Zeitungen) stuerzt sich vor allem auf die Masquerade und anderen Bloedsinn.
Die Raeume brummen geradezu, ein unaufhoerliches Brummen von Gespraechen und Gelaechter wabert durch die Flure, ueber die Rolltreppen und an den gigantischen Glasfronten entlang. Es ist auffallend, wie gut sich einige tausend Leute in einem Kongresszentrum dieser Groesse verirren koennen - manche Saele, in denen ich mich aufgehalten habe, waren zu 80 Prozent leer ...
Gestern abend schaute ich mir die Masquerade an, einen der traditionellen Hoehepunkte eines SF-WorldCons. Einige der Auffuehrungen waren sogar witzig, darueber hinaus gab es aber wieder die Vorfuehrungen tanzender Trampeltiere aus dem amerikanischen Mittleren Westen, die irgendwelche Fantasy-Figuren darstellten. Viel zu lachen gab es trotzdem immer mal wieder.
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
26 August 2006
Es leben Menschen hier
Aus Gruenden, die etwas mit Sonneneinstrahlung und kurzzeitiger Verwirrtheit zu tun haben, verliess ich den Bus eine Station zu frueh. Spontan beschloss ich, einfach von hinten an das Kongresszentrum heranzuspazieren.
Dabei kam ich an einer typischen Vorortsiedlung vorbei. Kleine Haeuser mit Gaerten, davor akkurat das Auto geparkt, breite Strassen zogen sich dazwischen hindurch. Ein grauhaariger Mann maehte seinen Rasen, ansonsten sah ich keine Fussgaenger.
Es war nicht einfach, von "hinten" in das Kongresszentrum hereinzukommen. Nach einiger Fragerei schickte man mich in einen Tunnel. Schaetzungsweise einen halben Kilometer lief ich durch einen breiten Gang, der unter dem Gebaeude hindurch fuehrte.
Ein seltsames Gefuehl. Auf dem Teppichboden konnten meine Schritte nicht hallen, das Licht an der Decke war hell. Aber ich war der einzige Mensch, der hier unterwegs vor, und ich kam mir vor wie in der Kulisse eines Horror-Films, bei dem in kuerzester Zeit ein Monster aus einem Seitengang stuerzen wuerde.
Kam natuerlich nicht. Ich kam in der Ausstellung fuer "Heim und Garten" heraus, die lustigerweise parallel zu diesem WorldCon stattfindet. Hat also fast geklappt.
Dabei kam ich an einer typischen Vorortsiedlung vorbei. Kleine Haeuser mit Gaerten, davor akkurat das Auto geparkt, breite Strassen zogen sich dazwischen hindurch. Ein grauhaariger Mann maehte seinen Rasen, ansonsten sah ich keine Fussgaenger.
Es war nicht einfach, von "hinten" in das Kongresszentrum hereinzukommen. Nach einiger Fragerei schickte man mich in einen Tunnel. Schaetzungsweise einen halben Kilometer lief ich durch einen breiten Gang, der unter dem Gebaeude hindurch fuehrte.
Ein seltsames Gefuehl. Auf dem Teppichboden konnten meine Schritte nicht hallen, das Licht an der Decke war hell. Aber ich war der einzige Mensch, der hier unterwegs vor, und ich kam mir vor wie in der Kulisse eines Horror-Films, bei dem in kuerzester Zeit ein Monster aus einem Seitengang stuerzen wuerde.
Kam natuerlich nicht. Ich kam in der Ausstellung fuer "Heim und Garten" heraus, die lustigerweise parallel zu diesem WorldCon stattfindet. Hat also fast geklappt.
Im Bus im Sonnenstaat
Der Busfahrer war ein vierschroetiger Latino mit Glatze und Schnauzbart, eine dunkle Sonnenbrille im Gesicht und ein schwarzweiss gesprenkeltes Hemd ueber der Wampe. Er guckte cool und ernsthaft, aber er nickte, als ich ihn bat, mir zu sagen, an welcher Stelle ich seinen Bus verlassen wollte - ich war an diesem Vormittag mit dem Bus im Orange County unterwegs, was mit Umsteigen und Checken verbunden war.
Tatsaechlich kapierte ich selbst, an welcher Haltestelle ich aussteigen und in einen anderen Bus wechseln musste. Es hat sich schon immer ausgezahlt, ein "Schedule" zu suchen und dort zu lesen und zu blaettern. Kurz vor der Haltestelle, unweit des Veteranenheims zwischen Anaheim und der Kueste, sah ich, wie der Fahrer etwas notierte.
Als der Bus anhielt, ging ich vorne raus. Sicherheitshalber fragte ich noch mal. "Faehrt hier die Linie 50 weiter?"
Er nickte, ohne eine Miene zu verziehen. Dann reichte er mir einen Zettel: Es war ein Day Pass, auf dem er eine Telefonnummer notiert hatte. "Ruf mich doch mal heute abend an", sagte er und schenkte mir die Andeutung eines Laechelns. "Wenn du magst ..."
Danach stand ich verduzt auf der Strasse und blickte auf den Zettel. Ich sollte mir wohl mal langsam Gedanken ueber meine sexuelle Anziehungskraft machen ...
Tatsaechlich kapierte ich selbst, an welcher Haltestelle ich aussteigen und in einen anderen Bus wechseln musste. Es hat sich schon immer ausgezahlt, ein "Schedule" zu suchen und dort zu lesen und zu blaettern. Kurz vor der Haltestelle, unweit des Veteranenheims zwischen Anaheim und der Kueste, sah ich, wie der Fahrer etwas notierte.
Als der Bus anhielt, ging ich vorne raus. Sicherheitshalber fragte ich noch mal. "Faehrt hier die Linie 50 weiter?"
Er nickte, ohne eine Miene zu verziehen. Dann reichte er mir einen Zettel: Es war ein Day Pass, auf dem er eine Telefonnummer notiert hatte. "Ruf mich doch mal heute abend an", sagte er und schenkte mir die Andeutung eines Laechelns. "Wenn du magst ..."
Danach stand ich verduzt auf der Strasse und blickte auf den Zettel. Ich sollte mir wohl mal langsam Gedanken ueber meine sexuelle Anziehungskraft machen ...
24 August 2006
In der Zombiestadt gelandet
Anaheim ist seltsam. Zumindest fuer mich. Zumindest nach dem ersten halben Tag.
Heute morgen wurde ich gegen halb sechs Uhr Ortszeit wach, was siebeneinhalb Stunden Schlaf entspricht, also voellig in Ordnung geht. Ich troedelte im riesigen Hotelzimmer herum, trank Kaffee und duschte, las im vorzueglichen Leo-Lukas-Manuskript fuer den neuen Taschenbuch-Zyklus POSBIKRIEG (supergutes Manuskript!) und blaetterte die oertlichen Informationen durch.
Um sieben Uhr verliess ich das Hotelzimmer, und bis gegen neun Uhr ging ich durch die Strassen. Strassen ist der falsche Ausdruck - hier ist nichts schmaeler als sechs Spuren. Und ausser gab es anscheinend zeitweise keine Fussgaenger. Na ja, die einzigen Menschen zu Fuss waren dunkelhaeutig, steckten in albernen Uniformen und trugen buschige Schnauzbaerte: Latinos, die den Muell wegraeumten, die Strasse fegten oder die Palmen gossen.
Anaheim besteht aus Hotels und dem riesigen Disneyland-Komplex. Downtown Disney kann man auch ohne Eintritt besuchen. Hier sammeln sich kitschige Restaurants und Cafes, Andenkenlaeden und anderer Kram, dazwischen waren morgens um acht Uhr einige wenige Passanten unterwegs. Um diese Zeit waren die gigantischen Parkplaetze noch leer: kilometergrosse Asphaltwuesten, ueber denen die Sonne schon um diese Zeit flimmerte.
Eine seltsame Stadt. So tot und so leer und trotzdem tost der Verkehr und brodelt der Smog.
Heute morgen wurde ich gegen halb sechs Uhr Ortszeit wach, was siebeneinhalb Stunden Schlaf entspricht, also voellig in Ordnung geht. Ich troedelte im riesigen Hotelzimmer herum, trank Kaffee und duschte, las im vorzueglichen Leo-Lukas-Manuskript fuer den neuen Taschenbuch-Zyklus POSBIKRIEG (supergutes Manuskript!) und blaetterte die oertlichen Informationen durch.
Um sieben Uhr verliess ich das Hotelzimmer, und bis gegen neun Uhr ging ich durch die Strassen. Strassen ist der falsche Ausdruck - hier ist nichts schmaeler als sechs Spuren. Und ausser gab es anscheinend zeitweise keine Fussgaenger. Na ja, die einzigen Menschen zu Fuss waren dunkelhaeutig, steckten in albernen Uniformen und trugen buschige Schnauzbaerte: Latinos, die den Muell wegraeumten, die Strasse fegten oder die Palmen gossen.
Anaheim besteht aus Hotels und dem riesigen Disneyland-Komplex. Downtown Disney kann man auch ohne Eintritt besuchen. Hier sammeln sich kitschige Restaurants und Cafes, Andenkenlaeden und anderer Kram, dazwischen waren morgens um acht Uhr einige wenige Passanten unterwegs. Um diese Zeit waren die gigantischen Parkplaetze noch leer: kilometergrosse Asphaltwuesten, ueber denen die Sonne schon um diese Zeit flimmerte.
Eine seltsame Stadt. So tot und so leer und trotzdem tost der Verkehr und brodelt der Smog.
Mein erster Punk diesmal ...
Als ich in den 80er Jahren damit anfing, das amerikanische Fanzine Maximum Rock'n'Roll zu lesen, begeisterten mich unter anderem die Szeneberichte ueber Kalifornien. San Francisco und die Bay Area, Los Angeles und Orange County. Vor allem Orange County, wo richtig viele Bands herkamen - wenn ich mich recht erinnere, auch die Adolescents oder Bad Religion.
Im Orange County bin ich ja jetzt, Anaheim ist gewissermassen der Anfang dazu. Und gestern sah ich prompt meinen ersten Punkrocker.
Es war ein vielleicht fuenfzehn Jahre alter Japaner mit Stachelkopf. Er trug eine schwarze Lederjacke mit Killernieten, eine schwarze Loecher-Jeans, die in hohen schwarzen Stiefeln steckte. Ein schwarzes Anarchy-Shirt und diverse Aufnaeher vervollstaendigten die stilechte Erscheinung.
Nicht so ganz passten der Rahmen und das Umfeld. Ich traf ihn naemlich, als ich im Hotel in den Fahrstuhl stieg, und er stand zwischen seinen konservativ aussehenden Eltern und seinen zwei Geschwistern - zumindest wirkten seine Begleiter so. Und er sah kein bisschen rebellisch, sondern eher wie ein Ritter von der Traurigen Gestalt.
Punk im Orange County war auch schon mal ein bisschen punkiger ...
Im Orange County bin ich ja jetzt, Anaheim ist gewissermassen der Anfang dazu. Und gestern sah ich prompt meinen ersten Punkrocker.
Es war ein vielleicht fuenfzehn Jahre alter Japaner mit Stachelkopf. Er trug eine schwarze Lederjacke mit Killernieten, eine schwarze Loecher-Jeans, die in hohen schwarzen Stiefeln steckte. Ein schwarzes Anarchy-Shirt und diverse Aufnaeher vervollstaendigten die stilechte Erscheinung.
Nicht so ganz passten der Rahmen und das Umfeld. Ich traf ihn naemlich, als ich im Hotel in den Fahrstuhl stieg, und er stand zwischen seinen konservativ aussehenden Eltern und seinen zwei Geschwistern - zumindest wirkten seine Begleiter so. Und er sah kein bisschen rebellisch, sondern eher wie ein Ritter von der Traurigen Gestalt.
Punk im Orange County war auch schon mal ein bisschen punkiger ...
Ich bin jetzt in Anaheim, CA
Reisen ist eigentlich nichts besonderes mehr heutzutage. Trotzdem fuehle ich mich, waehrend ich diese Zeilen schreibe, ganz schoen erschlagen. Ich bin naemlich in Anaheim, Kalifornien, ein besserer Vorort von Los Angeles, wo ich ab morgen den SF-WorldCon besuchen werde - und ich habe hierher echt eine Reise von geschaetzten 21 Stunden hinter mich bringen muessen. Na ja, nicht ganz.
Aufstehen um halb acht Uhr deutscher Zeit, um halb neun an der Strassenbahn, um neun Uhr im Zug nach Frankfurt, um kurz nach zehn Uhr dort, um halb elf im Flughafengebaeude. Bis hierher ging ja alles gut.
Ich troedelte herum, checkte in aller Gemuetsruhe ein, weil ich ja so viel Zeit hatte. Aber ich hatte die neuen Sicherheitsvorschriften nicht einkalkuliert. Die Zeit von zwoelf Uhr bis ein Uhr mittags stand ich in einer ellenlangen Schlange (die vierte Kontrolle!), die gesaeumt wurde von Getraenkeflaschen, Zahnpastatuben, Nasensprays und Handcremes - es wurde alles gruendlichst untersucht, inklusive einer Kontrolle der Fussunterseite.
Um 14 Uhr sollten wir starten, um 15 Uhr hob der Flieger ab. Um 16.30 Uhr Ortszeit war ich in Kalifornien, um 18 Uhr endlich aus dem Flughafen (Fingerabdruecke, Fotos, die ganze Prozedur), um 19.20 Uhr endlich im Hotel - Stau beherrschte den Freeway. Um 20 Uhr Ortszeit war ich im Hotelzimmer, das ist dann fuenf Uhr morgens.
Jetzt noch ein Bier, und dann ins Bett!
Aufstehen um halb acht Uhr deutscher Zeit, um halb neun an der Strassenbahn, um neun Uhr im Zug nach Frankfurt, um kurz nach zehn Uhr dort, um halb elf im Flughafengebaeude. Bis hierher ging ja alles gut.
Ich troedelte herum, checkte in aller Gemuetsruhe ein, weil ich ja so viel Zeit hatte. Aber ich hatte die neuen Sicherheitsvorschriften nicht einkalkuliert. Die Zeit von zwoelf Uhr bis ein Uhr mittags stand ich in einer ellenlangen Schlange (die vierte Kontrolle!), die gesaeumt wurde von Getraenkeflaschen, Zahnpastatuben, Nasensprays und Handcremes - es wurde alles gruendlichst untersucht, inklusive einer Kontrolle der Fussunterseite.
Um 14 Uhr sollten wir starten, um 15 Uhr hob der Flieger ab. Um 16.30 Uhr Ortszeit war ich in Kalifornien, um 18 Uhr endlich aus dem Flughafen (Fingerabdruecke, Fotos, die ganze Prozedur), um 19.20 Uhr endlich im Hotel - Stau beherrschte den Freeway. Um 20 Uhr Ortszeit war ich im Hotelzimmer, das ist dann fuenf Uhr morgens.
Jetzt noch ein Bier, und dann ins Bett!
22 August 2006
Paris Hilton in Karlsruhe
Angeblich gehört die stinkereiche blonde Hotelerbin aus Amiland zu den bekanntesten Persönlichkeiten auf Gottes weiter Welt. Sie steht öfter auf spiegel.de, meiner bevorzugten Tägliche-Nachrichten-Seite, als irgendwelche Minister oder sonst was, öfter als der gesamte Kontinent Afrika, scheint mir manchmal.
Am Wochenende sah ich sie. Kein Witz! Und mir fiel das heute erst wieder ein. Und das kam so ...
Samstag, 19. August – ich war mit dem Rad in der Innenstadt unterwegs. Bilder vom DM-Markt holen, Geld abheben, Überweisungen tätigen. Es kam der übliche Herbstregen, an den ich mich in diesem August schon gewöhnt habe.
Einigermaßen hektisch stellte ich mein Rad bei der Sparkasse ab und schloss es an ein Verkehrsschild an. Als ich mich aus meiner gebückten Körperhaltung erhob, sah ich SIE: Sie war klein und schlank und natürlich blond, trug die Haare genauso gesträhnt, wie ich es von irgendwelchen Paris-Hilton-Bildern her kannte. Die bloßen Füße steckten in fein aussehenden Schühchen, sie trug ein kurzes Röckchen, das in der beginnenden Dämmerung geradezu leuchtete, und unter dem weißen Jäckchen strahlte eine Bluse in hell-pink hervor.
Das beste war aber das Gesicht: Das Mädchen vor mir schaffte es sogar, den Gesichtsausdruck von Paris Hilton zu imitieren. Sie wirkte blasiert und unnahbar, und sie schaute so in die Welt, als stünde sie meilenweit über primitiven Würmern wie mir.
Unglaublich!
Am Wochenende sah ich sie. Kein Witz! Und mir fiel das heute erst wieder ein. Und das kam so ...
Samstag, 19. August – ich war mit dem Rad in der Innenstadt unterwegs. Bilder vom DM-Markt holen, Geld abheben, Überweisungen tätigen. Es kam der übliche Herbstregen, an den ich mich in diesem August schon gewöhnt habe.
Einigermaßen hektisch stellte ich mein Rad bei der Sparkasse ab und schloss es an ein Verkehrsschild an. Als ich mich aus meiner gebückten Körperhaltung erhob, sah ich SIE: Sie war klein und schlank und natürlich blond, trug die Haare genauso gesträhnt, wie ich es von irgendwelchen Paris-Hilton-Bildern her kannte. Die bloßen Füße steckten in fein aussehenden Schühchen, sie trug ein kurzes Röckchen, das in der beginnenden Dämmerung geradezu leuchtete, und unter dem weißen Jäckchen strahlte eine Bluse in hell-pink hervor.
Das beste war aber das Gesicht: Das Mädchen vor mir schaffte es sogar, den Gesichtsausdruck von Paris Hilton zu imitieren. Sie wirkte blasiert und unnahbar, und sie schaute so in die Welt, als stünde sie meilenweit über primitiven Würmern wie mir.
Unglaublich!
21 August 2006
»Chaos en France« besprochen

Auch die Besprechung eines meiner Bücher durch das OX ist möglicherweise nicht hundertprozentig objektiv, um es vorsichtig zu formulieren. Trotzdem freue ich mich natürlich, wenn mein Buch »Chaos en France« positiv rezensiert wird. Deshalb kriegen auch alle Blog-Leser die Rezension hier zu Gesicht – erschienen in der aktuellen OX-Ausgabe.
Bisher ist die Resonanz in der Fanzine-Presse auf das Buch noch gar nicht so stark, was mich einigermaßen verwundert. Soweit ich weiß, wurden viele Fanzines vom Archiv der Jugendkulturen angeschrieben und auch beliefert.
Sind die Autoren der einschlägigen Bücher etwa überfordert mit so vielen Buchstaben? Oder brauchen sie einen Promo-Wisch, wie ihn die Plattenfirmen verschicken, damit sie wissen, was sie zu schreiben haben? Fragen über Fragen ...
20 August 2006
»Hey, Fischfresse!« Oder: »Ich hab' 'n Glas voll Dre-heck!«
Samstag abend und Nieselregen: Was bietet sich hier eher an, als ins Kino zu gehen und einen Film anzuschauen, der in der Karibik spielt? Sonne, Strand und Meer ... wuchernder Urwald über sanften Hügeln, ewig lange Sandstrände, glasklares Wasser ... genauso wie ich es gesehen habe, als ich vor einigen Jahren Trinidad, Tobago, Barbados und Antigua besucht habe.
Diesmal war's aber ein Film: »Fluch der Karibik« Teil zwei oder »Pirates of the Caribbean«, wie der Film neuerdings auch im deutschen Kino heißt. Kritiker haben ihn verrissen, und wer nach Handlungslogik schaute, kam bei diesem Film nicht unbedingt auf seine Kosten.
Dafür Leute wie wir, die sich einfach nur großartig amüsieren wollten. Ich kam zeitweise nicht aus dem Kichern heraus, schlug mir mehrfach mit der flachen Hand gegen die Stirn, weil ich den Schwachsinn auf der Leinwand nicht mehr aushielt (ist hier positiv gemeint).
Wunderbar gestaltete Monster-Piraten bevölkern den Film; Keira Knightley sieht wieder umwerfend aus und spielt eine tolle Rolle; Johnny Depp alias Jack Sparrow ist der Kracher schlechthin; der Fechtkampf auf dem rollenden Müllrad ist an Absurdität nicht zu überbieten; der Angriff des Monster-Krakens auf das Piratenschiff ist dynamisch in Szene gesetzt ... und so weiter.
Die wohl beste Szene des Films ist die, als Johnny Depp über die Planken seines Schiffs tanzt und »ich hab' `n Glas voll Dre-heck« singt. Ich dachte, ich platze vor Lachen.
Nur der Schluß ist scheiße. Das kommt davon, wenn die Produzenten Teil zwei und Teil drei gleich hintereinander abdrehen. Na ja, ich stell' mich jetzt schon mal in die Schlange für den dritten Teil von »Fluch der Karibik«.
Diesmal war's aber ein Film: »Fluch der Karibik« Teil zwei oder »Pirates of the Caribbean«, wie der Film neuerdings auch im deutschen Kino heißt. Kritiker haben ihn verrissen, und wer nach Handlungslogik schaute, kam bei diesem Film nicht unbedingt auf seine Kosten.
Dafür Leute wie wir, die sich einfach nur großartig amüsieren wollten. Ich kam zeitweise nicht aus dem Kichern heraus, schlug mir mehrfach mit der flachen Hand gegen die Stirn, weil ich den Schwachsinn auf der Leinwand nicht mehr aushielt (ist hier positiv gemeint).
Wunderbar gestaltete Monster-Piraten bevölkern den Film; Keira Knightley sieht wieder umwerfend aus und spielt eine tolle Rolle; Johnny Depp alias Jack Sparrow ist der Kracher schlechthin; der Fechtkampf auf dem rollenden Müllrad ist an Absurdität nicht zu überbieten; der Angriff des Monster-Krakens auf das Piratenschiff ist dynamisch in Szene gesetzt ... und so weiter.
Die wohl beste Szene des Films ist die, als Johnny Depp über die Planken seines Schiffs tanzt und »ich hab' `n Glas voll Dre-heck« singt. Ich dachte, ich platze vor Lachen.
Nur der Schluß ist scheiße. Das kommt davon, wenn die Produzenten Teil zwei und Teil drei gleich hintereinander abdrehen. Na ja, ich stell' mich jetzt schon mal in die Schlange für den dritten Teil von »Fluch der Karibik«.
19 August 2006
»Als der Verderber kam«: Kurzgeschichte in MAGIRA
Das neue MAGIRA kam heute mit der Post, und ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind: Das Jahrbuch zur Fantasy 2006 kann sich wirklich sehen lassen, sieht absolut professionell aus und wird von mir in den nächsten Wochen extrem genau gelesen werden. Cover von Swen Papenbrock, viele interessante Artikel, Kurzgeschichten und Buchbesprechungen – das macht alles einen hervorragenden Eindruck.
Von mir sind einige Rezensionen enthalten, unter anderem zu Anthony O'Neills eindrucksvollem Roman »Der Hüter der Finsternis« (gibt's jetzt auch als Taschenbuch). Bingo.
Stolz bin ich aber darauf, dass meine Kurzgeschichte »Als der Verderber kam« veröffentlicht wurde. Die Geschichte der blinden alten Frau namens Jolani, die in der Wasserstadt lebt und eine unheimliche Begegnung hat, gefiel mir tatsächlich in gedruckter Form immer noch.
Na also! Es schmeichelt mich natürlich sehr, in einem so schönen Buch veröffentlicht zu werden.
Von mir sind einige Rezensionen enthalten, unter anderem zu Anthony O'Neills eindrucksvollem Roman »Der Hüter der Finsternis« (gibt's jetzt auch als Taschenbuch). Bingo.
Stolz bin ich aber darauf, dass meine Kurzgeschichte »Als der Verderber kam« veröffentlicht wurde. Die Geschichte der blinden alten Frau namens Jolani, die in der Wasserstadt lebt und eine unheimliche Begegnung hat, gefiel mir tatsächlich in gedruckter Form immer noch.
Na also! Es schmeichelt mich natürlich sehr, in einem so schönen Buch veröffentlicht zu werden.
18 August 2006
Zeitfresser OX?

Kann ja sein, daß das OX ein bißchen parteiisch ist, weil ich ja für das Fanzine gelegentlich Plattenbesprechungen verfasse und vor allem mein Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!« dort erscheint – trotzdem habe ich mich sehr gefreut, als der Chef persönlich mein Fanzine ENPUNKT 43 sehr positiv besprach.
Es liegt allerdings nicht an meinen Plattenbesprechungen für das OX, das ich nicht mehr dazu komme, meinen ENPUNKT regelmäßig rauszubringen. Das ganze Drumherum in der Arbeit kostet brutal viel Zeit, und abends möchte ich manchmal doch einen auf gemütlich machen.
Ich weiß, das paßt nicht zu meinen eigenen Aussagen von vor zwanzig oder vor zehn Jahren, aber so ist das: Manchmal knalle ich mich einfach gerne mit meiner Freundin auf die Couch und guck mir eine DVD an. Oder ich verfasse »richtige Geschichten«, was zur Folge hat, das ich nicht mehr so viel ENPUNKT schreiben kann.
Am OX liegt es sicher nicht.
17 August 2006
Krimi aus dem Osten Berlins
Robina Bernhardt ist Kriminalbeamtin, sie ermittelt bei der Mordkommission in Berlin, ist manchmal zickig und lebt häufig in schweren Gefühlswallungen. In diesen Situationen hört sie eine Band namens »Ollys«, die aus drei Sängerinnen besteht und ihr passende englischsprachige Stücke ins Ohr trällert. Das klingt ein wenig wie die Heldin der amerikanischen Fernsehserie »Ally McBeal«, bei der ebenfalls die Musik eine große Bedeutung erlangte.
Erfunden wurde Robina Bernhardt von Petra A. Bauer. Es ist ihr erster Krimi, deshalb sind einige Schwächen zu entschuldigen; überzeugend ist vor allem die Heldin mit all ihren Problemen und Gedanken.
Der Roman erschien im Frühjahr 2006 in der Reihe »TatortOst« des Mitteldeutschen Verlages. Im Internet kann man zur Autorin übrigens einiges nachlesen – vor allem sind drei Seiten durchaus interessant.
In ihrem Blog berichtet die Autorin aus ihrem täglichen Leben, was in diesem Fall heißt, dass der Leser auch etwas darüber erfährt, wo sie mit ihrer Familie im Urlaub war oder welches neue Bett gekauft wurde – ein sehr persönliches Internet-Tagebuch also.
Auf der eigentlichen Homepage geht es um ihre Arbeit als Schriftstellerin. Sie informiert über bereits erschienene Bücher oder auch anlaufende Projekte, gibt Nachwuchsautoren interessante Tipps oder verlinkt zu Artikeln, die über sie erschienen sind.
Es gibt sogar eine Homepage zu dem Roman, die wirklich neugierig auf das Thema macht. Unter anderem kann man sich eine Leseprobe zu Gemüte führen – sehr schön, sehr informativ.
Erfunden wurde Robina Bernhardt von Petra A. Bauer. Es ist ihr erster Krimi, deshalb sind einige Schwächen zu entschuldigen; überzeugend ist vor allem die Heldin mit all ihren Problemen und Gedanken.
Der Roman erschien im Frühjahr 2006 in der Reihe »TatortOst« des Mitteldeutschen Verlages. Im Internet kann man zur Autorin übrigens einiges nachlesen – vor allem sind drei Seiten durchaus interessant.
In ihrem Blog berichtet die Autorin aus ihrem täglichen Leben, was in diesem Fall heißt, dass der Leser auch etwas darüber erfährt, wo sie mit ihrer Familie im Urlaub war oder welches neue Bett gekauft wurde – ein sehr persönliches Internet-Tagebuch also.
Auf der eigentlichen Homepage geht es um ihre Arbeit als Schriftstellerin. Sie informiert über bereits erschienene Bücher oder auch anlaufende Projekte, gibt Nachwuchsautoren interessante Tipps oder verlinkt zu Artikeln, die über sie erschienen sind.
Es gibt sogar eine Homepage zu dem Roman, die wirklich neugierig auf das Thema macht. Unter anderem kann man sich eine Leseprobe zu Gemüte führen – sehr schön, sehr informativ.
16 August 2006
Der gestohlene Jesus
Samstags auf dem Vrijdag Markt in Gent: Der Himmel über der flämischen Stadt ist grau, und immer wieder fällt ein grieseliger feiner Regen auf das Kopfsteinpflaster herunter. Kein August-Wetter, beim besten Willen nicht, und wir können uns nicht vorstellen, vor wenigen Wochen noch über das kochend heiße Wetter gestöhnt zu haben. So ändern sich die Zeiten.
Wir lassen uns in ein Antiquariatsgeschäft hineintreiben, eine wackelige Treppe hindurch und durch eine Garageneinfahrt. Alte Möbel modern vor sich hin, Schallplatten in verstaubten Hüllen beugen sich unter der Last der Jahrzehnte. Es riecht alt und verbraucht, ein Staub, der mich zum Husten reizt.
Im Eingangsbereich steht ein Tisch, auf dem allerlei Heiligenfiguren aufgereiht sind, alle um die vierzig Zentimeter groß. Kitschig wirken sie, die Farben sind verblaßt und blättern an manchen Stellen ab.
Ein pummeliger Mann in verwaschener Jeans und dunkelbrauner Regenjacke, eine Mütze auf dem Kopf, beugt sich über die Figuren, schaut sie interessiert und kritisch gleichzeitig an. Dann blickt er auf und richtet seinen Blick auf den graubärtigen schlanken Verkäufer, der schräg vor ihm steht.
»Where is your Jesus?«, fragt er in dem Englisch, das man im flämischen Belgien spricht: ein bißchen unsauber, aber gut verständlich.
Der Verkäufer sieht verunsichert aus und beugt sich über den Tisch. Sein suchender Blick scheint die Figuren abzutasten. Dann richtet er sich auf und schaut den pummeligen Mann an.
»Jesus must have been stolen«, sagt er in völlig ernsthaftem Tonfall. »Jesus ist wohl gestohlen worden.«
Und ich falle vor Lachen fast von der schmalen Holzleiter, über die ich gerade aus dem Laden heraus balanciere ...
Wir lassen uns in ein Antiquariatsgeschäft hineintreiben, eine wackelige Treppe hindurch und durch eine Garageneinfahrt. Alte Möbel modern vor sich hin, Schallplatten in verstaubten Hüllen beugen sich unter der Last der Jahrzehnte. Es riecht alt und verbraucht, ein Staub, der mich zum Husten reizt.
Im Eingangsbereich steht ein Tisch, auf dem allerlei Heiligenfiguren aufgereiht sind, alle um die vierzig Zentimeter groß. Kitschig wirken sie, die Farben sind verblaßt und blättern an manchen Stellen ab.
Ein pummeliger Mann in verwaschener Jeans und dunkelbrauner Regenjacke, eine Mütze auf dem Kopf, beugt sich über die Figuren, schaut sie interessiert und kritisch gleichzeitig an. Dann blickt er auf und richtet seinen Blick auf den graubärtigen schlanken Verkäufer, der schräg vor ihm steht.
»Where is your Jesus?«, fragt er in dem Englisch, das man im flämischen Belgien spricht: ein bißchen unsauber, aber gut verständlich.
Der Verkäufer sieht verunsichert aus und beugt sich über den Tisch. Sein suchender Blick scheint die Figuren abzutasten. Dann richtet er sich auf und schaut den pummeligen Mann an.
»Jesus must have been stolen«, sagt er in völlig ernsthaftem Tonfall. »Jesus ist wohl gestohlen worden.«
Und ich falle vor Lachen fast von der schmalen Holzleiter, über die ich gerade aus dem Laden heraus balanciere ...
15 August 2006
Das TRUST und mein ENPUNKT

1986 begann das Fanzine TRUST seine beispiellose Karriere: Endlich gab es ein Magazin für Punkrock und Hardcore, das regelmäßig erschien, in dem es unter anderem endlich kompetente Berichte und vor allem Konzertinformationen gab. Ich liebte es, ich abonnierte es, und es begleitete mich über Jahrzehnte hinweg.
1986 kam auch die erste Ausgabe meines eigenen Fanzines ENPUNKT heraus, damals noch gar nicht so punkig wie später, sondern eben ein typisches Egozine, vielleicht das, was man heute als Blog ins Netz zu stellen pflegt.
Zwei Hefte, die jeweils zwanzig Jahre alt werden – das finde ich schon bemerkenswert. Umso besser, daß es in der aktuellen Ausgabe des TRUST, der Nummer 119, eine schöne ENPUNKT-Besprechung gab. Zwar nur zu der letzten Ausgabe, aber immerhin.
Hier habe ich sie veröffentlicht. Schönen Dank an die TRUST-Redaktion.
10 August 2006
Neues vom Deppenapostroph

Der sogenannte Deppenapostroph ist mir seit Jahren eine Freude: Schön, daß der Duden jetzt ja auch »Lisa's Lädle« oder »Tom's Tattoos« den Segen erteilt. Damit ist ein Teil der Leute, die nicht wissen, wofür ein Apostroph in der deutschen Sprache gut ist – aus Zeichen dafür, daß ein Buchstaben ausgelassen wurde –, endlich rehabilitiert.
Gottseidank gibt es eine famose Homepage, die sich nur damit beschäftigt. Ein Blick darauf lohnt sich immer wieder. Manchmal hilft mir der Blick in Informationszettel, die überall in Kneipen ausliegen, also auch in Karlsruhe.
Mein neuestes Highlight: Ingo Kemper und seine Tanzschule. Daß er diese »Ingo's Tanzschule« nennt, ist durch die neue doofe Rechtschreibung ja abgedeckt, insofern hält sich mein Geläster in Grenzen.
Die Abkürzung aber ist super: »It's«. Sieht also logo eigentlich super aus, wirft aber Fragen auf. Wie spricht sich das jetzt aus? »Ingo Tanzschule's« oder wie?
Fragen über Fragen.
09 August 2006
Der SPIEGEL und Straight Edge
Was passiert, wenn sich ein Medium wie der SPIEGEL um eine Jugendkultur kümmert, ist mal ein Trauerspiel, mal zum Schreien komisch. Ich bin noch nicht sicher, wie ich den aktuellen Artikel auf spiegel.de einschätzen soll.
Unter dem Titel »Die härtesten Weicheier der Welt« geht es diesmal um Straight Edge, also jene Weltanschauung, die ich anno dunnemals in den 80er Jahren auch mitgekriegt, als »interessant« eingestuft und dann für mich als nicht spannend genug betrachtet habe: Hardcore-Punks à la Youth Of Today oder die uralten Minor Threat, die eben nicht saufen als Lebenszweck betrachten, sondern mit ihrem Antialkoholismus geradezu missionieren.
Zeitweise war es ganz schön anstrengend mit den Straight-Edgern, die einen manchmal blöd anschauten, wenn man Bier trank oder mit der Lederjacke und Springerstiefeln auf ein Punk-Konzert ging. Gottseidank ist das heute anders, wenn man dem SPIEGEL-Beitrag glauben kann ...
Es ist in Wirklichkeit wohl eher so, daß sich der Großteil der Straight-Edge-Szene schon Anfang bis Mitte der 90er Jahre soweit von der Punk-Szene abgespalten hat, daß es kaum noch Berührungspunkte gibt. Und wer als Punkrocker nicht säuft, hängt sich einfach nicht mehr ein eigentlich albernes Label wie »Straight Edge« um den Hals, sondern läßt die Sauferei einfach.
»In Deutschland wird die Zahl der Straight Edger auf fünfstellig geschätzt, viele sind jünger als 20«, vermeldet der Beitrag, der zudem davon ausgeht, daß die jungen Straight Edger ein fürchterlich langweiliges Leben zwischen Gesundheitsküche und alkoholfreien Parteis feiern. Glauben wir das auch noch ...
Immerhin verortet der Artikel die Stadt Balingen als »Städtchen nahe Stuttgart« (sind nur 87 Kilometer). Und wir freuen uns über Sätze wie diese: »Straight Edge gehört eigentlich in die achtziger Jahre, als Punk groß und wichtig war, Jugendliche "No Future"-Slogans grölten und Staat und Gesellschaft ablehnten.«
Unter dem Titel »Die härtesten Weicheier der Welt« geht es diesmal um Straight Edge, also jene Weltanschauung, die ich anno dunnemals in den 80er Jahren auch mitgekriegt, als »interessant« eingestuft und dann für mich als nicht spannend genug betrachtet habe: Hardcore-Punks à la Youth Of Today oder die uralten Minor Threat, die eben nicht saufen als Lebenszweck betrachten, sondern mit ihrem Antialkoholismus geradezu missionieren.
Zeitweise war es ganz schön anstrengend mit den Straight-Edgern, die einen manchmal blöd anschauten, wenn man Bier trank oder mit der Lederjacke und Springerstiefeln auf ein Punk-Konzert ging. Gottseidank ist das heute anders, wenn man dem SPIEGEL-Beitrag glauben kann ...
Es ist in Wirklichkeit wohl eher so, daß sich der Großteil der Straight-Edge-Szene schon Anfang bis Mitte der 90er Jahre soweit von der Punk-Szene abgespalten hat, daß es kaum noch Berührungspunkte gibt. Und wer als Punkrocker nicht säuft, hängt sich einfach nicht mehr ein eigentlich albernes Label wie »Straight Edge« um den Hals, sondern läßt die Sauferei einfach.
»In Deutschland wird die Zahl der Straight Edger auf fünfstellig geschätzt, viele sind jünger als 20«, vermeldet der Beitrag, der zudem davon ausgeht, daß die jungen Straight Edger ein fürchterlich langweiliges Leben zwischen Gesundheitsküche und alkoholfreien Parteis feiern. Glauben wir das auch noch ...
Immerhin verortet der Artikel die Stadt Balingen als »Städtchen nahe Stuttgart« (sind nur 87 Kilometer). Und wir freuen uns über Sätze wie diese: »Straight Edge gehört eigentlich in die achtziger Jahre, als Punk groß und wichtig war, Jugendliche "No Future"-Slogans grölten und Staat und Gesellschaft ablehnten.«
08 August 2006
Meine lieben unpolitischen Leser

Manchmal bin ich auf »meine« PERRY RHODAN-Fans so richtig stolz, manchmal halte ich sie für komplett gaga. Selten liegt das so nahe zusammen wie bei einem Buch, das im Sommer 2006 erschien: Gemeint ist das PERRY RHODAN-Jahrbuch 2006, das der SF-Club Universum publizierte.
Auf fast 350 Seiten gibt es in sehr anständigem Layout haufenweise Texte über die Früchte meiner täglichen Arbeit. Natürlich bekommen meine Mitstreiter und ich fleißig Kritik ab, aber unterm Strich freut es mich extrem, wenn ein kleiner Verein so eine tolle Aktion betreibt und so ein schickes Buch zusammenbastelt. Super!
Wenn es nicht zwischendurch einen Beitrag gäbe, der mir die Schuhe auszieht, wäre ich ja echt glücklich. Der Autor des Beitrags, der tatsächlich einen Doktor-Titel im Namen führt, bekommt es fertig, folgenden Satz in seinem Artikel unterzubringen, in dem er sich ganz pauschal auf »die Terraner« bezieht: »Es gibt eine direkte Verbindung von Auschwitz nach Guantanamo, von Dachau nach Abu Ghreib, und diese Verbindung liegt in der Natur des Menschen begründet.«
Angesichts eines solch grassierenden Schwachsinns möchte man eigentlich stundenlang »Scheiße!« brüllen. Weia ...
07 August 2006
Wieder etwas, das nicht mehr funktioniert
Der Mythos von Peter Pan steckt in meinem Kopf, die Geschichte vom Jungen, der nicht erwachsen werden will und deshalb lieber unendlich viele Abenteuer erlebt. Der Junge, der fliegen kann, und der Junge, der kräht, wenn er Erfolg hat.
Es gibt Filme und Comics und ein Musical, wenn ich mich nicht irre. Und es gibt das Kinderbuch von James Matthew Barrie, das ich in der Version des Arena-Verlages gelesen habe – das ist eine Romanversion.
In der Tat sind die Grundelemente der Geschichte dieselben: Rothäute und Piraten, das Krokodil mit der tickenden Uhr im Bauch, der böse Captain Hook, die Kinder um Wendy und natürlich Peter Pan selbst.
Doch Peter Pan ist ein dummer, selbstgefälliger Knirps, völlig eingebildet und doof. Wendy ist eine blöde Kuh, die am liebsten Hausarbeiten erledigt und sich für die Kinder als deren Mutter aufopfert. Die Jungen blicken zu Peter auf, der ständig alles vergißt und der sich immer mehr als Tyrann herausstellt. Ein Tyrann, dem alle alles verzeihen. Er ist auch der einzige, der nicht komplett bürgerlich wird.
Unglaublich! Mir blieb bei der Lektüre fast die Spucke weg. Ein Menschenbild, das nur mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg erklärt werden kann. Aber heute lesen sollte das möglicherweise niemand mehr.
Es gibt Filme und Comics und ein Musical, wenn ich mich nicht irre. Und es gibt das Kinderbuch von James Matthew Barrie, das ich in der Version des Arena-Verlages gelesen habe – das ist eine Romanversion.
In der Tat sind die Grundelemente der Geschichte dieselben: Rothäute und Piraten, das Krokodil mit der tickenden Uhr im Bauch, der böse Captain Hook, die Kinder um Wendy und natürlich Peter Pan selbst.
Doch Peter Pan ist ein dummer, selbstgefälliger Knirps, völlig eingebildet und doof. Wendy ist eine blöde Kuh, die am liebsten Hausarbeiten erledigt und sich für die Kinder als deren Mutter aufopfert. Die Jungen blicken zu Peter auf, der ständig alles vergißt und der sich immer mehr als Tyrann herausstellt. Ein Tyrann, dem alle alles verzeihen. Er ist auch der einzige, der nicht komplett bürgerlich wird.
Unglaublich! Mir blieb bei der Lektüre fast die Spucke weg. Ein Menschenbild, das nur mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg erklärt werden kann. Aber heute lesen sollte das möglicherweise niemand mehr.
06 August 2006
Locker machen für die Mädels
Den »Nerv der jugendlichen Zielgruppe« trifft die Werbung der Marke Axe – so sagen es Branchen-Fachblätter wie »Horizont«. Aha. Da schaue ich ein bißchen nervös und stelle fest, daß ich kein Jugendlicher mehr bin. Und zur jugendlichen Zielgruppe gehöre ich auch nicht.
Wer Axe benutzt, dem laufen die Weiber nach – auf diesen proletig kurzen Spruch läßt sich die Werbung zusammenfassen. Diesmal haben’s die Werber dann besonders toll gemacht: Es gibt jetzt Sex-Darstellungen auf der Werbung, die unter dem Motto »Mach dich locker für die Ladies« steht.
Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich jemanden anspricht, ob da tatsächlich irgendein Spät-Jugendlicher glaubt, mit dem Duftspray von Axe wirklich irgendwelche Mädels ins Bett zerren zu können, um mit ihnen dann »Bambusspalter« oder »Schlangenknoten« zu machen, ganz zu schweigen von »Tigergrass Oil« oder »Bali Seasalt«.
Tatsache ist, daß auf den Anzeigen jetzt irgendwelche »nackten« Puppen irgendwelche ach so lustigen Verrenkungen zeigen, die man im weitesten Sinne mit Sex assoziieren kann. Ich find’s albern, andere finden’s sicher sexistisch. Wahrscheinlich ist es einfach nur doof – und jeder Jungmann, der künftig Axe-Deo benutzt oder in meiner Nähe mit einem Axe-Duschgel angetroffen wird, kann künftig mit meinem Mitleid rechnen.
(Moment ... Ich glaub’, ich muß erst mal bei mir im Bad nachgucken.)
Wer Axe benutzt, dem laufen die Weiber nach – auf diesen proletig kurzen Spruch läßt sich die Werbung zusammenfassen. Diesmal haben’s die Werber dann besonders toll gemacht: Es gibt jetzt Sex-Darstellungen auf der Werbung, die unter dem Motto »Mach dich locker für die Ladies« steht.
Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich jemanden anspricht, ob da tatsächlich irgendein Spät-Jugendlicher glaubt, mit dem Duftspray von Axe wirklich irgendwelche Mädels ins Bett zerren zu können, um mit ihnen dann »Bambusspalter« oder »Schlangenknoten« zu machen, ganz zu schweigen von »Tigergrass Oil« oder »Bali Seasalt«.
Tatsache ist, daß auf den Anzeigen jetzt irgendwelche »nackten« Puppen irgendwelche ach so lustigen Verrenkungen zeigen, die man im weitesten Sinne mit Sex assoziieren kann. Ich find’s albern, andere finden’s sicher sexistisch. Wahrscheinlich ist es einfach nur doof – und jeder Jungmann, der künftig Axe-Deo benutzt oder in meiner Nähe mit einem Axe-Duschgel angetroffen wird, kann künftig mit meinem Mitleid rechnen.
(Moment ... Ich glaub’, ich muß erst mal bei mir im Bad nachgucken.)
05 August 2006
Manche Dinge gehen nicht mehr ...

Ich werde alt. Menschen werden alt. Und Erinnerungen ... die sind auch nicht mehr so hundertprozentig zutreffend.
Die liebe Kollegin Bettina erzählte mir, sie habe für ihre Tochter die Doppel-DVD von »Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt« erstanden. Whow, ich war echt neidisch.
Robbi, der kleine Roboter, Tobbi, der kleine Junge, und das lustige Fliewatüüt, dieses unglaubliche Fluggerät - wenn ich in den frühen 70er Jahren bei meiner Tante das hatte angucken dürfen, war ich richtig glücklich gewesen. Die Suche nach der dreieckigen Burg, der geringelte Leuchtturm ... über dreißig Jahre später erinnerte ich mich noch an Details.
Also lieh ich mir die DVD-Box aus und freute mich gemeinsam mit meiner Freundin auf einen amüsanten DVD-Abend. Es wurde ein langweiliges Desaster: Die Bewegungen waren lahm, die Dialoge maximal kindgerecht, der Roboter einfach nur peinlich. Meine Freundin, die aufgrund ihrer relativen Jugend die Serie nie gesehen hatte, reagierte verwirrt: »Das gefällt dir?«
Es gefiel mir nicht. Keinen Millimeter. Ich saß vor der Glotze, versuchte die Sache gutzufinden, und es klappte nicht.
Manche Dinge gehen nicht mehr. Wirklich nicht. Ich bin jetzt über vierzig und nicht mehr unter zehn. Ein Blick in den Spiegel, und ich weiß es genau. Und irgendwelche Erinnerungen an die Kindheit sollten als Erinnerung bewahrt werden ... ich muss da nix auffrischen.
Aber ein bißchen traurig bin ich schon, weil ich den Robbi und den Tobbi und ihr Fliewatüüt so gern gehabt hatte ...
04 August 2006
In LebensFieber interviewt
Irgendwie cool, in einem echten Jugendheft interviewt zu werden – finde zumindest ich. Das geschah mir auf der Leipziger Buchmesse im März diesen Jahres. Bis ich den Beleg erhielt, vergingen Monate, aber jetzt ist das Ding da: die zweite Ausgabe der Zeitschrift »LebensFieber«.
Zwischen allerlei Artikeln über »kunst und kultur« oder »Schule und Ausbildung«, ganz zu schweigen von »Prosa und Lyrik«, gibt es auch ein Interview mit mir, das Herausgeber Dave Tijok (eigener Spitzname: Running Dave) geführt hat. War gar nicht so einfach für ihn, fürchte ich – aber er hat es gut gemeistert.
Im Anhang zu diesem Text könnt Ihr das Interview jetzt einfach nachlesen.
Zwischen allerlei Artikeln über »kunst und kultur« oder »Schule und Ausbildung«, ganz zu schweigen von »Prosa und Lyrik«, gibt es auch ein Interview mit mir, das Herausgeber Dave Tijok (eigener Spitzname: Running Dave) geführt hat. War gar nicht so einfach für ihn, fürchte ich – aber er hat es gut gemeistert.
Im Anhang zu diesem Text könnt Ihr das Interview jetzt einfach nachlesen.
03 August 2006
Lesung im Art Canrobert
Ich arbeite in Rastatt, einer mittleren Kreisstadt, zwischen Karlsruhe und Baden-Baden gelegen. Dort ist der Sitz meines Arbeitgebers, und dort gibt es aber auch ein ziemlich tolles Jugendzentrum. Toll deshalb, weil das Art Canrobert unabhängig ist: getragen von einem Verein, schon einigermaßen unterstützt von der Stadt, aber ohne nervende Sozialarbeiter.
Dort hatte ich am Mittwoch, 2. August 2006, eine Lesung. Offiziell angekündigt für 20 Uhr, kletterte ich irgendwann um viertel nach neun auf die Bühne des neu gestalteten Veranstaltungsraums. Schätzungsweise 30 Leute, Durchschnittsalter um die zwanzig, saßen auf Stühlen oder Sofas.
Wie es sich gehört, las ich aus »Chaos en France« einige Szenen vor, erzählte zwischendurch immer wieder irgendwelche Geschichten. Das brave Publikum kicherte leise an den richtigen Stellen, blieb ansonsten aber sehr ruhig. Später kam noch die Geschichte »In jenem Herbst« aus dem Buch »Zwei Whisky mit Neumann«, und als Zugabe lieferte ich das Gedicht »Maschinengewehr, sing!«, das immer einen guten Abschluß bildet.
Hinterher noch viele Gespräche und Diskussionen; ich verkaufte Bücher, die ich dadurch entwertete, indem ich meinen Namen hineinschrieb – und so weiter. Eine sehr gelungene Veranstaltung; sehr gut!
Dort hatte ich am Mittwoch, 2. August 2006, eine Lesung. Offiziell angekündigt für 20 Uhr, kletterte ich irgendwann um viertel nach neun auf die Bühne des neu gestalteten Veranstaltungsraums. Schätzungsweise 30 Leute, Durchschnittsalter um die zwanzig, saßen auf Stühlen oder Sofas.
Wie es sich gehört, las ich aus »Chaos en France« einige Szenen vor, erzählte zwischendurch immer wieder irgendwelche Geschichten. Das brave Publikum kicherte leise an den richtigen Stellen, blieb ansonsten aber sehr ruhig. Später kam noch die Geschichte »In jenem Herbst« aus dem Buch »Zwei Whisky mit Neumann«, und als Zugabe lieferte ich das Gedicht »Maschinengewehr, sing!«, das immer einen guten Abschluß bildet.
Hinterher noch viele Gespräche und Diskussionen; ich verkaufte Bücher, die ich dadurch entwertete, indem ich meinen Namen hineinschrieb – und so weiter. Eine sehr gelungene Veranstaltung; sehr gut!
Zweimal Radio hintereinander
Da habe ich mich so sehr an den gemütlichen Rhythmus gewöhnt, nur noch einmal im Monat Radio zu machen – und dann das: Der Juli hatte fünf Sonntage, also mußte ich am 30. Juli ins Studio, und am ersten August-Sonntag bin ich schon wieder im Einsatz.
Okay, gibt schlimmeres: Ich hätte mich ja am Sonntag abend, 30. Juli, auch auf dem großen Fest – umsonst und draußen – in Karlsruhe tot quetschen lassen können. Da fand ich es schon angenehmer, im schwülen Studio zu sitzen und Musik aufzulegen.
Punk aus England war angesagt. Sieht man von alten Kapellen wie The Oppressed oder Ripcord ab, gab es vor allem neues Zeugs auf die Ohren: Loony und Stokoe, aber auch Billy No Mates und Fat Cats, zum Abschluß noch die göttlichen Art Brut. Eine saugute Sendung auf Querfunk, wie ich finde.
Am Sonntag geht es dann im ENPUNKT-Radio weiter. Schwerpunkt ist diesmal Nordrhein-Westfalen. Vageenas und Nein Nein Nein stehen schon jetzt auf meiner Liste; mal schauen, was noch dazu kommt. Die Sendung ist übrigens im Internet im Live-Stream zu empfangen ...
Okay, gibt schlimmeres: Ich hätte mich ja am Sonntag abend, 30. Juli, auch auf dem großen Fest – umsonst und draußen – in Karlsruhe tot quetschen lassen können. Da fand ich es schon angenehmer, im schwülen Studio zu sitzen und Musik aufzulegen.
Punk aus England war angesagt. Sieht man von alten Kapellen wie The Oppressed oder Ripcord ab, gab es vor allem neues Zeugs auf die Ohren: Loony und Stokoe, aber auch Billy No Mates und Fat Cats, zum Abschluß noch die göttlichen Art Brut. Eine saugute Sendung auf Querfunk, wie ich finde.
Am Sonntag geht es dann im ENPUNKT-Radio weiter. Schwerpunkt ist diesmal Nordrhein-Westfalen. Vageenas und Nein Nein Nein stehen schon jetzt auf meiner Liste; mal schauen, was noch dazu kommt. Die Sendung ist übrigens im Internet im Live-Stream zu empfangen ...
01 August 2006
Coole Graffiti

Wenn ich mit dem Rad durch Karlsruhe fahre, sehe ich immer wieder gelungene Graffiti, die an Wänden und unter Brücken zu sehen sind. Manche sind düster, manche lustig, manchmal sind die Wände mit Buchstaben zugebombt, manchmal gibt es tolle Bilder zu sehen.
Deshalb zeige ich hier und heute mal eines dieser Bilder. Es ist unweit unserer Wohnung zu finden, vielleicht eineinhalb Kilometer entfernt. Direkt daneben ist ein ziemlich schmuddeliger Parkplatz, in der Nähe ist eine Wohnblock-Anlage – da paßt dieses Graffito wirklich sehr gut.
31 Juli 2006
Sechs Absätze zum Libanon-»Konflikt«
Nein, ich bin kein unpolitischer Oi!-Affe, der nichts gebacken bekommt. Aber ich bin auch nicht der große Polit-Theoretiker, der in der Lage ist, umfangreiche Vorträge zu allen möglichen Themen zu halten. Deshalb lasse ich das in meinem Blog sowie in meinem Fanzine. Normalerweise ...
Die aktuelle Krise im Nahen Osten geht mir aber derart auf den Sack, daß ich doch einige Sätze schreiben muß. Ich will da nicht grundsätzlich rumdiskutieren, keine Panik – aber das angebliche Massakker von Kana (oder Qana) ärgert mich komplett.
Seit fast drei Wochen werden und wurden aus diesem Dorf Hunderte von Raketen auf Israel abgefeuert. Die Raketenstellungen sind zwischen und auch in den Häusern untergebracht. Dabei wurden nach israelischen Angaben 18 Zivilisten getötet und einige hundert verletzt. Das interessiert die Weltpresse größtenteils nicht.
Nachdem die israelische Armee wochenlang die Bevölkerung des Dorfes gewarnt hat, kam es jetzt zu dem verheerenden Bombenangriff. Die hohe Zahl der Opfer schockiert die Weltöffentlichkeit. (Die sich keinen Millimeter rührt, wenn im Ostkongo tausend Zivilisten in einer Nacht zu Tode gehackt oder im West-Sudan einige Millionen Leute vertrieben werden. Hier sind die Täter aber Israelis, und dann ist es gleich ein Massakker.)
Nicht zu unrecht, dieses Töten von Zivilisten ist verabscheuungswürdig. Und ebenso unnötig wie die Bombardierung irgendwelcher Fabriken, in denen Milchprodukte hergestellt werden. (Das verstehe ich nicht.) Allerdings ist es vielleicht auch nicht sehr »klug« von den Milizen, Flüchtlinge in der Nähe ihrer Raketenstellungen übernachten zu lassen.
Es macht mich krank, wenn ich mitbekomme, wie einseitig berichtet wird. Aber ich schaffe es nicht, die Glotze auszulassen oder die Zeitungen ungelesen in den Müll zu werfen. Da lese ich lieber die Stellungnahme der israelischen Regierung oder den sehr guten Rungholt-Blog.
Die aktuelle Krise im Nahen Osten geht mir aber derart auf den Sack, daß ich doch einige Sätze schreiben muß. Ich will da nicht grundsätzlich rumdiskutieren, keine Panik – aber das angebliche Massakker von Kana (oder Qana) ärgert mich komplett.
Seit fast drei Wochen werden und wurden aus diesem Dorf Hunderte von Raketen auf Israel abgefeuert. Die Raketenstellungen sind zwischen und auch in den Häusern untergebracht. Dabei wurden nach israelischen Angaben 18 Zivilisten getötet und einige hundert verletzt. Das interessiert die Weltpresse größtenteils nicht.
Nachdem die israelische Armee wochenlang die Bevölkerung des Dorfes gewarnt hat, kam es jetzt zu dem verheerenden Bombenangriff. Die hohe Zahl der Opfer schockiert die Weltöffentlichkeit. (Die sich keinen Millimeter rührt, wenn im Ostkongo tausend Zivilisten in einer Nacht zu Tode gehackt oder im West-Sudan einige Millionen Leute vertrieben werden. Hier sind die Täter aber Israelis, und dann ist es gleich ein Massakker.)
Nicht zu unrecht, dieses Töten von Zivilisten ist verabscheuungswürdig. Und ebenso unnötig wie die Bombardierung irgendwelcher Fabriken, in denen Milchprodukte hergestellt werden. (Das verstehe ich nicht.) Allerdings ist es vielleicht auch nicht sehr »klug« von den Milizen, Flüchtlinge in der Nähe ihrer Raketenstellungen übernachten zu lassen.
Es macht mich krank, wenn ich mitbekomme, wie einseitig berichtet wird. Aber ich schaffe es nicht, die Glotze auszulassen oder die Zeitungen ungelesen in den Müll zu werfen. Da lese ich lieber die Stellungnahme der israelischen Regierung oder den sehr guten Rungholt-Blog.
29 Juli 2006
Das »Fest« tobt wieder mal in Karlsruhe – und wir gehen nicht hin
Schon seltsam, wie sich die Prioritäten entwickeln: Seit 1994 wohne ich in Karlsruhe, und schon im Jahr davor war es eine Pflicht und große Freude, das »Fest« zu besuchen, das riesige Open-Air-Festival in der Klotz-Anlage. Von meiner Wohnung aus bin ich in fünf Minuten mit dem Rad da.
Manchmal freuten wir uns Wochen davor schon. Weniger wegen der Bands, obwohl es da immer wieder tolle Überraschungen gab (ich sag’ nur Faithless, die saugute Elektropopband), als wegen der vielen Leute, die wir dort trafen.
Lars und ich standen immer an derselben Ecke, und dort trudelten im Lauf der drei Tage immer viele andere Leute ein: Punks und Grufties, Metaller und Hardcore-Kids, natürlich genügend normale Menschen. Ein lustiger Pulk aus manchmal vierzig, fünfzig Leuten, die sich untereinander nicht mal alle kannten.
Dieses Jahr interessiert mich das nicht. Das Gedränge der letzten Jahre. Die Tatsache, daß ein Zaun das größte »Umsonst und draußen« in Baden-Württemberg in ein großes Gefängnis verwandelt. Die hohen Bierpreise. Die Unmengen an Menschen.
Nein. Kein Bock. Sollen Kettcar vor 100.000 Leuten spielen, es sei ihnen gegönnt. Es wird ihnen nichts ausmachen, daß ich fehle.
Und lieber einen gemütlichen »Abend zu zweit« verbringe.
Manchmal freuten wir uns Wochen davor schon. Weniger wegen der Bands, obwohl es da immer wieder tolle Überraschungen gab (ich sag’ nur Faithless, die saugute Elektropopband), als wegen der vielen Leute, die wir dort trafen.
Lars und ich standen immer an derselben Ecke, und dort trudelten im Lauf der drei Tage immer viele andere Leute ein: Punks und Grufties, Metaller und Hardcore-Kids, natürlich genügend normale Menschen. Ein lustiger Pulk aus manchmal vierzig, fünfzig Leuten, die sich untereinander nicht mal alle kannten.
Dieses Jahr interessiert mich das nicht. Das Gedränge der letzten Jahre. Die Tatsache, daß ein Zaun das größte »Umsonst und draußen« in Baden-Württemberg in ein großes Gefängnis verwandelt. Die hohen Bierpreise. Die Unmengen an Menschen.
Nein. Kein Bock. Sollen Kettcar vor 100.000 Leuten spielen, es sei ihnen gegönnt. Es wird ihnen nichts ausmachen, daß ich fehle.
Und lieber einen gemütlichen »Abend zu zweit« verbringe.
27 Juli 2006
Ich und ein Literaturfestival
Da der Esel sich bekanntlich immer zuerst nennt, ist diese Überschrift hier völlig beabsichtigt. Es gibt nämlich ein Literaturfestival in Dortmund, bei dem ich als Dozent mitwirken darf. Hey, mal nicht in Sachen Punkrock unterwegs, sondern in Sachen Hochkultur – ich glaub' es nicht.
Das Festival heißt LesArt, und es läuft vom Freitag, 27. Oktober, bis zum Sonntag, 29. Oktober 2006. In der Ankündigung wird es so bezeichnet: »ein Literaturseminar für Schreibanfänger, die keine oder noch sehr wenig Erfahrung mit dem Schreiben, Vortragen und Publizieren ihrer Texte gemacht haben«.
Neben mir sind noch die Autorin Kathrin Lange, der Schriftsteller Dr. Hartmut Kasper sowie die Redakteurin Claudia E. Kraszkiewicz am Start, eine sehr bunte Mischung also. Wer mag, kann daran noch teilnehmen; das nur mal so vorsichtig angedeutet und in den Raum geworfen. Die Teilnehmerzahl ist auf zwanzig Personen beschränkt, und das ganze Schreibseminar kostet inklusive einer Übernachtung schlappe 98 Euro.
Das Festival heißt LesArt, und es läuft vom Freitag, 27. Oktober, bis zum Sonntag, 29. Oktober 2006. In der Ankündigung wird es so bezeichnet: »ein Literaturseminar für Schreibanfänger, die keine oder noch sehr wenig Erfahrung mit dem Schreiben, Vortragen und Publizieren ihrer Texte gemacht haben«.
Neben mir sind noch die Autorin Kathrin Lange, der Schriftsteller Dr. Hartmut Kasper sowie die Redakteurin Claudia E. Kraszkiewicz am Start, eine sehr bunte Mischung also. Wer mag, kann daran noch teilnehmen; das nur mal so vorsichtig angedeutet und in den Raum geworfen. Die Teilnehmerzahl ist auf zwanzig Personen beschränkt, und das ganze Schreibseminar kostet inklusive einer Übernachtung schlappe 98 Euro.
23 Juli 2006
Heißer Tag, harter Job
Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, als ich versprach, mich an der Vorbereitung des sogenannten Hausfestes zu beteiligen: Unser Wohnblock, in dem rund 20 Mietparteien und Eigentümer wohnen, feierte sich selbst, und ich sagte, »ich helfe gerne bei den grobmotorischen Tätigkeiten«.
Am Samstag, 22. Juli, ging es morgens um halb zehn Uhr los. Im Halbschlaf kroch ich durch das Haus und wurde erst richtig wach, als mir eine Wasserflasche im Treppenhaus zerplatzte. Es knallte enorm, und die ganze Mannschaft war in Aufregung.
Pervers fand ich die frühe Zeit trotzdem, aber da hielten sich die Temperaturen noch unter 30 Grad. Ich schleppte Bierbänke und Grillzeugs, baute Zelte auf und stellte mich gar nicht so blöd an.
Nachdem wir eingekauft hatten, ging es in der Wohnung weiter: Gemüse putzen und schneiden, was man als tapferer Hausmann eben so erledigt, wenn man sich mehr oder weniger freiwillig als Küchenhelfer verdingt. Der Couscous-Salat, den meine Lebensgefährtin zauberte, war allerdings dann auch spektakulär gut. Die bei 34 bis 36 Grad brodelnden Temperaturen in Karlsruhe leider ebenfalls.
Und »leider« war eine Reihe anderer Salate – jeder spendete irgendwas – ebenfalls sehr gut geworden. Von 18 Uhr bis etwa 20 Uhr futterte ich mich etwa vier mal quer durch das Salat-Büffet, bis ich mich kaum mehr rühren konnte. Fairerweise muß ich eingestehen, daß das viele Bier sicher auch zum Völlegefühl beitrug.
Mein »Ende« kam nach Mitternacht, als aus nicht genau geklärter Quelle (okay: wir waren’s selbst) eine Flasche Puschkin auf den Tisch hüpfte und von mir, meiner Freundin und dem Herrn Feurer vernichtet wurde. Damit wir hinterher immer wieder nüchtern wurden, tranken wir zwischen je zwei Schnäpslein stets ein Bier.
Als ich gegen halb vier Uhr morgens die Segel strich, sprach ich nur noch recht ... ähm ... unartikuliert. Die anderen Nachbarn, die sich um diese Zeit an Bierflaschen, Weingläsern oder anderem Zeugs festhielten, sprachen aber auch nicht mehr sehr fit. Also fiel ich kaum negativ auf.
Und heute? Heute mußte der ganze Mist bei tropischen Temperaturen aufgeräumt werden. Ich tat mir gründlich leid.
Am Samstag, 22. Juli, ging es morgens um halb zehn Uhr los. Im Halbschlaf kroch ich durch das Haus und wurde erst richtig wach, als mir eine Wasserflasche im Treppenhaus zerplatzte. Es knallte enorm, und die ganze Mannschaft war in Aufregung.
Pervers fand ich die frühe Zeit trotzdem, aber da hielten sich die Temperaturen noch unter 30 Grad. Ich schleppte Bierbänke und Grillzeugs, baute Zelte auf und stellte mich gar nicht so blöd an.
Nachdem wir eingekauft hatten, ging es in der Wohnung weiter: Gemüse putzen und schneiden, was man als tapferer Hausmann eben so erledigt, wenn man sich mehr oder weniger freiwillig als Küchenhelfer verdingt. Der Couscous-Salat, den meine Lebensgefährtin zauberte, war allerdings dann auch spektakulär gut. Die bei 34 bis 36 Grad brodelnden Temperaturen in Karlsruhe leider ebenfalls.
Und »leider« war eine Reihe anderer Salate – jeder spendete irgendwas – ebenfalls sehr gut geworden. Von 18 Uhr bis etwa 20 Uhr futterte ich mich etwa vier mal quer durch das Salat-Büffet, bis ich mich kaum mehr rühren konnte. Fairerweise muß ich eingestehen, daß das viele Bier sicher auch zum Völlegefühl beitrug.
Mein »Ende« kam nach Mitternacht, als aus nicht genau geklärter Quelle (okay: wir waren’s selbst) eine Flasche Puschkin auf den Tisch hüpfte und von mir, meiner Freundin und dem Herrn Feurer vernichtet wurde. Damit wir hinterher immer wieder nüchtern wurden, tranken wir zwischen je zwei Schnäpslein stets ein Bier.
Als ich gegen halb vier Uhr morgens die Segel strich, sprach ich nur noch recht ... ähm ... unartikuliert. Die anderen Nachbarn, die sich um diese Zeit an Bierflaschen, Weingläsern oder anderem Zeugs festhielten, sprachen aber auch nicht mehr sehr fit. Also fiel ich kaum negativ auf.
Und heute? Heute mußte der ganze Mist bei tropischen Temperaturen aufgeräumt werden. Ich tat mir gründlich leid.
21 Juli 2006
Imperial Leather

Der Sommer ist eher die Zeit für locker-flockige Klänge, für Ska und leichten Jazz meinetwegen, gerne für den schönen Pop-Punk von Bands wie Snuff oder Psychotic Youth. Normalerweise.
Aber ich höre seit Tagen zu Hause nur eine einzige Platte (Vinyl natürlich!): »Something Out Of Nothing« von Imperial Leather. Die schwedische Band macht Anarcho-Punk, aber von der schmissigen Sorte: Die Stücke strotzen vor knalligen Melodien und kämpferischen Texten, daß es eine wahre Freude ist.
Sängerin und Sänger sind abwechselnd an den Mikrofonen, wie man es von den »Klassikern« des Genres kennt – warum kommt mir hier wieder einmal Disaffect in den Sinn? Dazu ein gewisser Sarkasmus, der mir einfach gefällt: »This time I did / next time I won’t / I set the rules / I’ll break them too« heißt es im Lied »Rocket Science«. Nett.
Erschienen ist die Platte bei Profane Existence, der Institution in Sachen Anarcho-Punk schlechthin. Das paßt.
19 Juli 2006
Der Trash der eigenen Biografie
Sehr schlauer Blog-Eintrag von Frau Generator: Sie berichtet eigentlich über eine Fernsehsendung, in der es über Jörg Fauser geht. Aber in Wirklichkeit macht sie sich Gedanken über Männer und deren Geschwätz.
Trifft mich auf der Nasenspitze. Autsch! Pardauz!
»Literatur handelt sowieso meistens von Männerleiden. Man nimmt sich ernst.« Das trifft auf meine Texte ja auch zu – sie behandeln meist die Probleme von Männern, in irgendeiner Form zumindest. Mein lieber Peter Pank kotzt und kackt, prügelt und vögelt, schläft und schlampt. Alles Männerleiden. In irgendeiner Form zumindest.
Aber so richtig ernst nehme ich das nicht. Hoffe ich ...
Den »Trash der eigenen Biografie« feiere ich in meinen Schmierheften ebenfalls gerne ab. Meist aber »literarisch verfremdet«, was dann Leute irritiert, die ernsthaft glauben, PETER PANK habe etwas mit seriösem Journalismus zu tun. »Trash der eigenen Biografie« – ja gerne, aber bitte nur mit Eigenironie, sonst wird's eklig und lauterbachig.
Trifft mich auf der Nasenspitze. Autsch! Pardauz!
»Literatur handelt sowieso meistens von Männerleiden. Man nimmt sich ernst.« Das trifft auf meine Texte ja auch zu – sie behandeln meist die Probleme von Männern, in irgendeiner Form zumindest. Mein lieber Peter Pank kotzt und kackt, prügelt und vögelt, schläft und schlampt. Alles Männerleiden. In irgendeiner Form zumindest.
Aber so richtig ernst nehme ich das nicht. Hoffe ich ...
Den »Trash der eigenen Biografie« feiere ich in meinen Schmierheften ebenfalls gerne ab. Meist aber »literarisch verfremdet«, was dann Leute irritiert, die ernsthaft glauben, PETER PANK habe etwas mit seriösem Journalismus zu tun. »Trash der eigenen Biografie« – ja gerne, aber bitte nur mit Eigenironie, sonst wird's eklig und lauterbachig.
16 Juli 2006
Karlsruher Party-Radler
In Karlsruhe hat man abends die Qual der Wahl. Die steigert sich im Sommer noch. Am gestrigen Samstag abend, 15. Juli, merkte ich das besonders deutlich.
»Schloß in Flammen« ist im Prinzip eine Klassik-Aufführung vor dem Karlsruher Schloß. Die interessiert mich nicht so brennend – ha, was für ein Wortspiel! -, aber es gibt ein tolles Feuerwerk.
Wir radelten hin, ein faszinierender Anblick: Über die Moltkestraße strampelten wir, dem Feuerwerk entgegen, mitten hinein ins Krachen und Scheppern und Funkensprühen.
Danach von der einen Seite der Stadt zur anderen: in den »Tempel«, wo das alljährliche »Tempelfest« stattfand. Auch recht: Bekannte treffen, Bier trinken, labern.
Und Bands gucken: Aka Frontage machten HipHop-Crossover; mir war es im Konzertraum zu voll und zu schwitzig, weshalb ich nach einem Stück rausging. Klang aber nicht mal schlecht, und den Kids schien es zu gefallen.
M.I.K. danach boten einen sehr peinlichen Auftritt, so eine Art Hard-Rock mit Anspruch, mit zwar gut, aber sehr pathetisch singendem Typen am Mikro. Nun denn. Es war dann auch Zeit, heimzuradeln ...
»Schloß in Flammen« ist im Prinzip eine Klassik-Aufführung vor dem Karlsruher Schloß. Die interessiert mich nicht so brennend – ha, was für ein Wortspiel! -, aber es gibt ein tolles Feuerwerk.
Wir radelten hin, ein faszinierender Anblick: Über die Moltkestraße strampelten wir, dem Feuerwerk entgegen, mitten hinein ins Krachen und Scheppern und Funkensprühen.
Danach von der einen Seite der Stadt zur anderen: in den »Tempel«, wo das alljährliche »Tempelfest« stattfand. Auch recht: Bekannte treffen, Bier trinken, labern.
Und Bands gucken: Aka Frontage machten HipHop-Crossover; mir war es im Konzertraum zu voll und zu schwitzig, weshalb ich nach einem Stück rausging. Klang aber nicht mal schlecht, und den Kids schien es zu gefallen.
M.I.K. danach boten einen sehr peinlichen Auftritt, so eine Art Hard-Rock mit Anspruch, mit zwar gut, aber sehr pathetisch singendem Typen am Mikro. Nun denn. Es war dann auch Zeit, heimzuradeln ...
14 Juli 2006
Schlimme Kindheit im Netz
Vor schätzungsweise zwanzig Jahren sah ich eine Stuttgarter Punk-Band zum ersten Mal: Sie hieß Schlimme Kindheit, nach einem Stück der Hannoveraner Band Blut & Eisen benannt, und sie bot vor allem live ziemlich furiosen Deutschpunk, der mir echt gefiel. Sieht man von einigen verkratzten Kassetten aus jener Zeit ab, ist die Band praktisch verschwunden – wie so viele.
Das aber hat sich jetzt geändert. Die Schlimme Kindheit ist online. Oliver »Öli« Seibold, damals der Sänger der Band, hat die Seite ins Netz gestellt. Sehr schön, sehr interessant, auch einiges anzuhören. Empfehlenswert!
Vor allem die zahlreichen Fotos aus den Jahren 1985 bis 1987 zeigen, wie »Punk aus Stuttgart« damals aussah: lange Haare, struppige Haare, bunte Haare. Und jung sahen damals alle aus!, unglaublich.
Öli empfahl mir diese Seite mit einer Mail, in der sich als »etwas älteren Herrn mit schütterem Haar« bezeichnete. Gar so schlimm ist es ja noch nicht, aber ... Hey, es ist 20 Jahre später, und wir alle dürfen anders aussehen als damals.
Gefreut über den nostalgischen Blick in die Vergangenheit habe ich mich trotzdem.
Das aber hat sich jetzt geändert. Die Schlimme Kindheit ist online. Oliver »Öli« Seibold, damals der Sänger der Band, hat die Seite ins Netz gestellt. Sehr schön, sehr interessant, auch einiges anzuhören. Empfehlenswert!
Vor allem die zahlreichen Fotos aus den Jahren 1985 bis 1987 zeigen, wie »Punk aus Stuttgart« damals aussah: lange Haare, struppige Haare, bunte Haare. Und jung sahen damals alle aus!, unglaublich.
Öli empfahl mir diese Seite mit einer Mail, in der sich als »etwas älteren Herrn mit schütterem Haar« bezeichnete. Gar so schlimm ist es ja noch nicht, aber ... Hey, es ist 20 Jahre später, und wir alle dürfen anders aussehen als damals.
Gefreut über den nostalgischen Blick in die Vergangenheit habe ich mich trotzdem.
12 Juli 2006
Lesung in Rastatt
Wieder ein Termin für eine neue Lesung: in Rastatt (liegt südlich von Karlsruhe), in der Stadt also, in der ich auch arbeite.
Dort gibt es ein kleines, aber sehr feines Jugendzentrum, in dem ich vor zwei Jahren schon einmal gelesen habe: das Art Canrobert.
Die Lesung ist am Mittwoch, 2. August, und der offizielle Beginn ist um 20 Uhr. Sobald's einen offiziellen Flyer gibt, stelle ich ihn hier auch rein.
Dort gibt es ein kleines, aber sehr feines Jugendzentrum, in dem ich vor zwei Jahren schon einmal gelesen habe: das Art Canrobert.
Die Lesung ist am Mittwoch, 2. August, und der offizielle Beginn ist um 20 Uhr. Sobald's einen offiziellen Flyer gibt, stelle ich ihn hier auch rein.
11 Juli 2006
Das neue Schmierblatt ist da!
68 Seiten Umfang im coolen A5-Format, ein tolles Titelbild von Frans Stummer, ein ebenso tolles Bild hintendrauf: Der neue ENPUNKT ist endlich da! Ich glaube es selbst nicht ...
Mein neues Punkrock-Egozine ist dieser Tage erschienen. Anders gesagt: Ich habe ein Jahr gebraucht, bis die Nummer 43 jetzt vorliegt – und ich habe sie noch nicht einmal an die Abonnenten verschickt. (Bitte nicht gleich beschweren, ich liefere schon noch aus ...)
Der Fußball, das gute Wetter und die Arbeit sind schuld. Ich bitte um Verständnis.
Um was geht es in meinem neuen Heft? Um Puhnkrock und Reisen, um Bücher und Bier, um Ausflüge und Träume, um Erinnerungen und Zukünftiges – sprich um allerlei Dinge, die mich interessieren und berühren. ENPUNKT ist eben ein Egozine.
Wer die neue Ausgabe haben möchte, kann sie bei diversen Vertrieben (unter anderem bei Twisted Chords) bestellen, aber eben auch für einen Euro plus Porto bei mir: Klaus N. Frick, Postfach 24 68, 76012 Karlsruhe. Also zwei Euro beipacken oder noch besser gleich fünf Euro im Schein (Absender nicht vergessen), und ich schicke Euch fünf Hefte zu.
Mein neues Punkrock-Egozine ist dieser Tage erschienen. Anders gesagt: Ich habe ein Jahr gebraucht, bis die Nummer 43 jetzt vorliegt – und ich habe sie noch nicht einmal an die Abonnenten verschickt. (Bitte nicht gleich beschweren, ich liefere schon noch aus ...)
Der Fußball, das gute Wetter und die Arbeit sind schuld. Ich bitte um Verständnis.
Um was geht es in meinem neuen Heft? Um Puhnkrock und Reisen, um Bücher und Bier, um Ausflüge und Träume, um Erinnerungen und Zukünftiges – sprich um allerlei Dinge, die mich interessieren und berühren. ENPUNKT ist eben ein Egozine.
Wer die neue Ausgabe haben möchte, kann sie bei diversen Vertrieben (unter anderem bei Twisted Chords) bestellen, aber eben auch für einen Euro plus Porto bei mir: Klaus N. Frick, Postfach 24 68, 76012 Karlsruhe. Also zwei Euro beipacken oder noch besser gleich fünf Euro im Schein (Absender nicht vergessen), und ich schicke Euch fünf Hefte zu.
10 Juli 2006
Ein Anruf im Zug
Es war ein typischer Geschäftsreisender: weißes Hemd und Krawatte, hellgrauer Anzug, die Haare sauber zurückgeschlonzt. Er saß schräg vor mir im Zug, und er war wichtig. Das merkte ich jeder Geste an, jeder Miene seines braun gebrannten Gesichts.
Bis er sein Handy zückte.
»Hallo, Herr Soundso. Hier ist der Herr Blabla. Ich bin unterwegs zu Ihnen, also nach Ellwangen, aber jetzt frage ich sicherheitshalber mal nach, ob ich überhaupt in das richtige Ellwangen fahre. Sie meinen doch Ellwangen bei Crailsheim, ja?«
Wie sagt man im Schwäbischen: »Herr, schmeiß Hirn raa!« Mann!
Bis er sein Handy zückte.
»Hallo, Herr Soundso. Hier ist der Herr Blabla. Ich bin unterwegs zu Ihnen, also nach Ellwangen, aber jetzt frage ich sicherheitshalber mal nach, ob ich überhaupt in das richtige Ellwangen fahre. Sie meinen doch Ellwangen bei Crailsheim, ja?«
Wie sagt man im Schwäbischen: »Herr, schmeiß Hirn raa!« Mann!
Italien feiert, die Südstadt kocht
»Deutschland, isch liebe euch!« rief die junge Frau uns aus dem Seitenfenster ihres Autos zu, während wir an ihr vorbeigingen. »Danke für die Gastfreundschaft.« Ich war einigermaßen verduzt angesichts des Kompliments, gab nur ein breites Grinsen zurück.
Karlsruhe in der Nacht von Sonntag auf Montag: Italien tanzte auf der Straße. Wir hatten das Spiel in der Nordstadt angeguckt, waren nach Hause gefahren und gingen zu Fuß durch den Trubel der Innenstadt.
Amalienstraße, Mühlburger Tor, Kaiserstraße – alles lahmgelegt. Vor dem »La Strada« ein jubelnder Mob, durch den sich die mit Flaggen geschmückten Fahrzeuge nur schrittweise und wild hupend den Weg bahnten. Sekt spritzte durch die Luft, »Bella Italia« dröhnte durch die Straßen.
Wir gingen in die Südstadt, wo eh das Südstadt-Fest lief. Unzählige Menschen auf der Straßen, Bier floß in Strömen, direkt vor dem »Milano« ein LKW-Anhänger mit Diskotheken-Pult.
Alex und Plüschi, vor zehn Jahren schon in der alten »Steffi« und vor einiger Zeit im »Schlachthof« superaktiv in diesen Dingen, schmissen einen Hit nach dem anderen ins tobende und tanzende Publikum, »Heart of Glass« von Blondie und »Blitzkrieg Bop« von Ramones inklusive. Und ein gemeinsames »Azurro«-Gegröle mit Bierspritzen; sehr nett.
Die Polizei erwies sich um halb ein Uhr nachts wieder einmal als Spielverderber – kein Kommentar dazu. Schweißgetränkt traten wir eine Stunde später den Rückweg durch die Innenstadt an, die fast leer war. Nur noch gelegentlich kreuzten feuchtfröhliche Fans und hupende Autos unseren Weg.
Später war's, laut war's, klasse war's. Was schert uns Montag?
Karlsruhe in der Nacht von Sonntag auf Montag: Italien tanzte auf der Straße. Wir hatten das Spiel in der Nordstadt angeguckt, waren nach Hause gefahren und gingen zu Fuß durch den Trubel der Innenstadt.
Amalienstraße, Mühlburger Tor, Kaiserstraße – alles lahmgelegt. Vor dem »La Strada« ein jubelnder Mob, durch den sich die mit Flaggen geschmückten Fahrzeuge nur schrittweise und wild hupend den Weg bahnten. Sekt spritzte durch die Luft, »Bella Italia« dröhnte durch die Straßen.
Wir gingen in die Südstadt, wo eh das Südstadt-Fest lief. Unzählige Menschen auf der Straßen, Bier floß in Strömen, direkt vor dem »Milano« ein LKW-Anhänger mit Diskotheken-Pult.
Alex und Plüschi, vor zehn Jahren schon in der alten »Steffi« und vor einiger Zeit im »Schlachthof« superaktiv in diesen Dingen, schmissen einen Hit nach dem anderen ins tobende und tanzende Publikum, »Heart of Glass« von Blondie und »Blitzkrieg Bop« von Ramones inklusive. Und ein gemeinsames »Azurro«-Gegröle mit Bierspritzen; sehr nett.
Die Polizei erwies sich um halb ein Uhr nachts wieder einmal als Spielverderber – kein Kommentar dazu. Schweißgetränkt traten wir eine Stunde später den Rückweg durch die Innenstadt an, die fast leer war. Nur noch gelegentlich kreuzten feuchtfröhliche Fans und hupende Autos unseren Weg.
Später war's, laut war's, klasse war's. Was schert uns Montag?
09 Juli 2006
Lesung, Punkrock, Fußball
Eigentlich hätte ich es mir denken können: Wenn das Spiel um den dritten Platz ausgetragen wird und Deutschland dabei ist, wird sich kaum jemand für eine Lesung interessieren. Aber wer hätte vor einem Monat überhaupt geglaubt, daß die deutsche Mannschaft so weit kommt?
Sei’s drum: Ich fand mich einigermaßen pünktlich am Samstag abend, 8. Juli 2006, vor dem Fatal, der Studentenkneipe in Landau, ein, wo ich vor etwa drei Jahren schon einmal gelesen. Außer den Veranstaltern und den Bands war niemand da; es gab in der schönen Abendsonne ein leckeres veganes Abendessen mit Würsten vom Grill.
Die erste Halbzeit des Spiels Deutschland gegen Portugal schauten wir uns im Fatal direkt an, eine Lesung wäre jetzt wirklich fatal gewesen. Da es bis zur Halbzeit unentschieden stand, konnte ich dann doch lesen: Eine Stunde Programm gab es etwa, vor den vielleicht zwanzig Leuten, die nach wie vor größtenteils Veranstalter und Bands waren.
Nach dem Sieg der deutschen Mannschaft änderte sich das. A Martinez aus Merzig im Saarland spielten vor etwa 30 Leuten ihren Emopunk, teilweise sehr gut, teilweise ein bißchen lahm – am Feintuning muß die Band noch arbeiten, aber ansonsten hat’s mir gut gefallen.
Um Mitternacht prügelten Antitainment aus Frankfurt ihre bizarre Mischung aus Punk, Metal, Techno (oder so) und Orgel-Gequieke auf das frenetisch johlende Publikum los. Die Temperaturen im Fatal stiegen auf sehr hohe Grade, und ich kam völlig verschwitzt raus – um dann leicht angetrunken über die Autobahn nach Karlsruhe zurückzueiern. Schön war’s.
Sei’s drum: Ich fand mich einigermaßen pünktlich am Samstag abend, 8. Juli 2006, vor dem Fatal, der Studentenkneipe in Landau, ein, wo ich vor etwa drei Jahren schon einmal gelesen. Außer den Veranstaltern und den Bands war niemand da; es gab in der schönen Abendsonne ein leckeres veganes Abendessen mit Würsten vom Grill.
Die erste Halbzeit des Spiels Deutschland gegen Portugal schauten wir uns im Fatal direkt an, eine Lesung wäre jetzt wirklich fatal gewesen. Da es bis zur Halbzeit unentschieden stand, konnte ich dann doch lesen: Eine Stunde Programm gab es etwa, vor den vielleicht zwanzig Leuten, die nach wie vor größtenteils Veranstalter und Bands waren.
Nach dem Sieg der deutschen Mannschaft änderte sich das. A Martinez aus Merzig im Saarland spielten vor etwa 30 Leuten ihren Emopunk, teilweise sehr gut, teilweise ein bißchen lahm – am Feintuning muß die Band noch arbeiten, aber ansonsten hat’s mir gut gefallen.
Um Mitternacht prügelten Antitainment aus Frankfurt ihre bizarre Mischung aus Punk, Metal, Techno (oder so) und Orgel-Gequieke auf das frenetisch johlende Publikum los. Die Temperaturen im Fatal stiegen auf sehr hohe Grade, und ich kam völlig verschwitzt raus – um dann leicht angetrunken über die Autobahn nach Karlsruhe zurückzueiern. Schön war’s.
07 Juli 2006
Die Aufgaben einer Uniformierten
Karlsruher Hauptbahnhof, abends: Ich bin ziemlich in Eile, will eigentlich nur noch heim. Deshalb wäre mir eigentlich auch nicht der schlanke, fast dürre Mann aufgefallen, der sich gerade über einen der Mülleimer beugt, die in der Unterführung aufgestellt sind.
Aber die dröhnend laute Stimme einer uniformierten Frau macht mich auf die kleine Szene aufmerksam: »Lassen Sie den Mülleimer in Ruhe!« schreit sie den Mann an. Eine korpulent wirkende Frau in einer hellblauen Uniform, anscheinend also eine Angestellte der Bahn, die für Sicherheit und Ordnung am Bahnhof zuständig ist. »Sie sollen den Mülleimer in Ruhe lassen!« brüllt sie erneut.
Verduzt bleibe ich für einige Augenblicke stehen, während an mir die Menschen weiter vorüberströmen. Der dünne Mann, sicher zwei Köpfe größer als die Frau, dessen gelbes Hemd und graubraune Stoffhose ihn nicht wie einen Penner erscheinen lassen, sagt etwas, das ich nicht stehe und dreht sich zur Seite.
Er begibt sich in Richtung Südausgang, weg von dem Mülleimer - und weg von mir. Die uniformierte Frau folgt im Abstand von etwa zwei Metern, beobachtet ihn mit Argusaugen.
Es gibt Jobs, die wollte ich nicht einmal in einem meiner Alpträume haben ...
Aber die dröhnend laute Stimme einer uniformierten Frau macht mich auf die kleine Szene aufmerksam: »Lassen Sie den Mülleimer in Ruhe!« schreit sie den Mann an. Eine korpulent wirkende Frau in einer hellblauen Uniform, anscheinend also eine Angestellte der Bahn, die für Sicherheit und Ordnung am Bahnhof zuständig ist. »Sie sollen den Mülleimer in Ruhe lassen!« brüllt sie erneut.
Verduzt bleibe ich für einige Augenblicke stehen, während an mir die Menschen weiter vorüberströmen. Der dünne Mann, sicher zwei Köpfe größer als die Frau, dessen gelbes Hemd und graubraune Stoffhose ihn nicht wie einen Penner erscheinen lassen, sagt etwas, das ich nicht stehe und dreht sich zur Seite.
Er begibt sich in Richtung Südausgang, weg von dem Mülleimer - und weg von mir. Die uniformierte Frau folgt im Abstand von etwa zwei Metern, beobachtet ihn mit Argusaugen.
Es gibt Jobs, die wollte ich nicht einmal in einem meiner Alpträume haben ...
06 Juli 2006
Junge Menschen in der Bahn
Die S-Bahn vom Hauptbahnhof zu mir nach Hause: Einigermaßen ermattet lese ich noch ein ATLAN-Manuskript und bekomme mit, wie eine Gruppe junger Leute die Bahn betritt.
Vorne weg so ein richtiger Fußball-Irokese, blonde Stacheln in der Mitte, akkurat gestellt, dazu rote Turnschuhe. Das Mädchen, das er anblökt, ist wohl seine Freundin, mit der er irgendwie Streit hat.
»Ich kann mir ja auch jemand anders ins Bett legen«, sagt sie und grinst dabei.
»Ich kann mir so viele Pussis holen wie ich will«, tönt der Jung-Germane zurück. »Nedd bloß zwei oder drei, auch vier und fünf. Und keine Deutsche, alles Ausländer, da kannsch Gift druff nehme.«
»Mir doch egal«, gibt sie zurück.
Und leider muss ich aussteigen ..
Vorne weg so ein richtiger Fußball-Irokese, blonde Stacheln in der Mitte, akkurat gestellt, dazu rote Turnschuhe. Das Mädchen, das er anblökt, ist wohl seine Freundin, mit der er irgendwie Streit hat.
»Ich kann mir ja auch jemand anders ins Bett legen«, sagt sie und grinst dabei.
»Ich kann mir so viele Pussis holen wie ich will«, tönt der Jung-Germane zurück. »Nedd bloß zwei oder drei, auch vier und fünf. Und keine Deutsche, alles Ausländer, da kannsch Gift druff nehme.«
»Mir doch egal«, gibt sie zurück.
Und leider muss ich aussteigen ..
05 Juli 2006
Karlsruhe kochte ab Mitternacht
Nach dem Abpfiff trank ich mein Bier aus und trielte ein wenig vor mich hin. Langsam trat ich hinaus in die kühle Nacht, einige Menschen rollten eben ihre Deutschlandfahnen ein. Das Spiel gegen Italien war 0:2 ausgegangen, das Halbfinale für die deutsche Nationalmannschaft verloren.
In sentimentaler Stimmung radelte ich aus der Nordstadt zurück in Richtung Stadtzentrum. Ein frischer Wind ging, der an der kurzen Hose und an dem »Chaostage«-T-Shirt zupfte.
Ab und zu fuhr ein hupendes Auto vorüber, eine italienische Flagge wehte aus dem Seitenfenster. Die deutschen Fans waren meist still, sie schlichen geradezu über die Straße.
Spontan fuhr ich in Richtung Innenstadt. Am Kaiserplatz tobte das Volk. Ein Hupkonzert ohnegleichen, italienische Fahnen und »Italia«-Rufe, gelegentlich aber auch fröhliche deutsche Fans. Eine aufgebrachte junge Frau schrie »Scheiß-Italiener«, das war alles, einige besoffene Jugendliche, die türkisch oder arabisch aussahen, grölten »Wir scheißen auf Berlin«.
Die Polizei versuchte den Verkehr zu regulieren, was ihr einigermaßen gelang. Nur nicht am Europaplatz. Dort hatte es schwer gerappelt, wie mir ein türkischer Fan erzählte, mit dem ich ins Gespräch kam. Bierflaschen, Stühle und Tische auf die jeweiligen Dumpfbacken der anderen Seite. Es wimmelte von Polizei und Krankenwagen, in denen liegende Jungmänner abtransportiert wurde.
Fünfhundert Meter weiter, direkt vor dem »La Strada« tobte die Italia-Party. Hunderte, nein, tausende von italienischen Fans feierten frenetisch, hupten und schrien durcheinander. Überall waren lachende Gesichter unterwegs.
Wir schoben unsere Räder durch die fröhliche Menge, immer auf der Hut vor Glasscherben. So kamen wir gut behütet nach Hause – das Hupkonzert dauerte mindestens bis drei Uhr nachts an.
In sentimentaler Stimmung radelte ich aus der Nordstadt zurück in Richtung Stadtzentrum. Ein frischer Wind ging, der an der kurzen Hose und an dem »Chaostage«-T-Shirt zupfte.
Ab und zu fuhr ein hupendes Auto vorüber, eine italienische Flagge wehte aus dem Seitenfenster. Die deutschen Fans waren meist still, sie schlichen geradezu über die Straße.
Spontan fuhr ich in Richtung Innenstadt. Am Kaiserplatz tobte das Volk. Ein Hupkonzert ohnegleichen, italienische Fahnen und »Italia«-Rufe, gelegentlich aber auch fröhliche deutsche Fans. Eine aufgebrachte junge Frau schrie »Scheiß-Italiener«, das war alles, einige besoffene Jugendliche, die türkisch oder arabisch aussahen, grölten »Wir scheißen auf Berlin«.
Die Polizei versuchte den Verkehr zu regulieren, was ihr einigermaßen gelang. Nur nicht am Europaplatz. Dort hatte es schwer gerappelt, wie mir ein türkischer Fan erzählte, mit dem ich ins Gespräch kam. Bierflaschen, Stühle und Tische auf die jeweiligen Dumpfbacken der anderen Seite. Es wimmelte von Polizei und Krankenwagen, in denen liegende Jungmänner abtransportiert wurde.
Fünfhundert Meter weiter, direkt vor dem »La Strada« tobte die Italia-Party. Hunderte, nein, tausende von italienischen Fans feierten frenetisch, hupten und schrien durcheinander. Überall waren lachende Gesichter unterwegs.
Wir schoben unsere Räder durch die fröhliche Menge, immer auf der Hut vor Glasscherben. So kamen wir gut behütet nach Hause – das Hupkonzert dauerte mindestens bis drei Uhr nachts an.
Hitzige Tage wie dieser
Der Dienstag, 4. Juli 2006, wird nicht unbedingt in die Geschichte eingehen. So wichtig war die Fußball-Niederlage dann doch nicht. Aber für mich war's ein kompletter Streß-Tag.
Es ging um sieben Uhr los – man sollte nicht so früh aufstehen, wenn man am Abend zuvor zum Biertrinken weg war. Auf der Autobahn pennte ich fast ein, obwohl Pascow ordentlich aus den Boxen rockte. Also raus an die Tanke und einen Kaffee getrunken.
Ich schüttete den Kaffee zur Hälfte übers Hemd. Na super. Ich sah aus wie Sau. Und das bei einer Dienstreise.
Die weitere Fahrt sah ich wohl ziemlich scheiße aus: Anzugshose, schwarze Halbschuhe, fies bekleckertes Unterhemd. Glücklicherweise trocknete das rote Hemd so, daß ich es hinterher wieder anziehen konnte.
Im Anzug, aber immerhin ohne Krawatte absolvierte ich bei geschätzten 32 Grad einen Arbeitstermin im Großraum Köln, besuchte hinterher – jetzt ohne Jackett und Hemd – einen Autor in der Nähe und fuhr dann zurück. Endlich konnte ich die kurze Hose, das »Chaostage«-Shirt und meine Chucks anziehen; so fühlte ich mich wohl.
Riot Brigade dröhnten aus den Boxen, und eigentlich ging es mir ganz gut. Dauernde Staus, viele Baustellen und die unglaubliche Hitze über Rheinland-Pfalz führten dazu, daß ich fast eingeschlafen wäre. Rechts raus auf einen Rastplatz, Sitz zurück gelegt – ich pennte sofort ein.
Kurz vor 19 Uhr wurde ich wieder wach. Danach ignorierte ich alle Geschwindigkeitsbegrenzungen, raste nach Hause, sprang aufs Rad und war pünktlich um halb neun Uhr im »Fünf«.
Zum Fußballspiel gibt's nicht viel zu sagen: Die Italiener waren einfach einen Tick besser. Betrübt war ich trotzdem, und so wäre der Tag fast zu Ende gegangen.
Es ging um sieben Uhr los – man sollte nicht so früh aufstehen, wenn man am Abend zuvor zum Biertrinken weg war. Auf der Autobahn pennte ich fast ein, obwohl Pascow ordentlich aus den Boxen rockte. Also raus an die Tanke und einen Kaffee getrunken.
Ich schüttete den Kaffee zur Hälfte übers Hemd. Na super. Ich sah aus wie Sau. Und das bei einer Dienstreise.
Die weitere Fahrt sah ich wohl ziemlich scheiße aus: Anzugshose, schwarze Halbschuhe, fies bekleckertes Unterhemd. Glücklicherweise trocknete das rote Hemd so, daß ich es hinterher wieder anziehen konnte.
Im Anzug, aber immerhin ohne Krawatte absolvierte ich bei geschätzten 32 Grad einen Arbeitstermin im Großraum Köln, besuchte hinterher – jetzt ohne Jackett und Hemd – einen Autor in der Nähe und fuhr dann zurück. Endlich konnte ich die kurze Hose, das »Chaostage«-Shirt und meine Chucks anziehen; so fühlte ich mich wohl.
Riot Brigade dröhnten aus den Boxen, und eigentlich ging es mir ganz gut. Dauernde Staus, viele Baustellen und die unglaubliche Hitze über Rheinland-Pfalz führten dazu, daß ich fast eingeschlafen wäre. Rechts raus auf einen Rastplatz, Sitz zurück gelegt – ich pennte sofort ein.
Kurz vor 19 Uhr wurde ich wieder wach. Danach ignorierte ich alle Geschwindigkeitsbegrenzungen, raste nach Hause, sprang aufs Rad und war pünktlich um halb neun Uhr im »Fünf«.
Zum Fußballspiel gibt's nicht viel zu sagen: Die Italiener waren einfach einen Tick besser. Betrübt war ich trotzdem, und so wäre der Tag fast zu Ende gegangen.
02 Juli 2006
Wahltag in Karlsruhe
Bei strahlendem Sonnenschein findet heute in Karlsruhe die Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe statt. Ich fand meinen Wahlbenachrichtigungsschein und ignorierte ihn gleich ebenso wie in den letzten Wochen.
Wenn mich etwas nicht interessiert, dann das. Mag ja sein, daß das jetzt faul klingt – ist es auch.
Der Amtsinhaber, ein CDU-Mann, wird eh gewinnen. Und die Konkurrenten von den anderen Parteien treten nicht in Erscheinung. Keine Ahnung, was die wollen. Meine Lebensgefährtin hat sogar Wahlprogramme und so Zeugs eingesammelt und mitgebracht – nach der Lektüre waren wir so schlau wie zuvor.
Die wollen anscheinend nicht mal irgendwelche Argumente bringen. Dann macht es ihnen auch nix aus, wenn die Leute nicht wählen. Zumindest wir zwei beide nicht.
Wo es doch heute auf dem Balkon (mit PERRY RHODAN-Manuskripten) und im Arbeitszimmer (mit PETER PANK) so schön ist ...
Wenn mich etwas nicht interessiert, dann das. Mag ja sein, daß das jetzt faul klingt – ist es auch.
Der Amtsinhaber, ein CDU-Mann, wird eh gewinnen. Und die Konkurrenten von den anderen Parteien treten nicht in Erscheinung. Keine Ahnung, was die wollen. Meine Lebensgefährtin hat sogar Wahlprogramme und so Zeugs eingesammelt und mitgebracht – nach der Lektüre waren wir so schlau wie zuvor.
Die wollen anscheinend nicht mal irgendwelche Argumente bringen. Dann macht es ihnen auch nix aus, wenn die Leute nicht wählen. Zumindest wir zwei beide nicht.
Wo es doch heute auf dem Balkon (mit PERRY RHODAN-Manuskripten) und im Arbeitszimmer (mit PETER PANK) so schön ist ...
01 Juli 2006
Sozialstudien beim Fußball
Beste Szene beim Spiel Deutschland gegen Argentinien war für mich (nein, nicht die Hauerei gegen Ende!), als Oliver Kahn vor dem Elfmeterschießen seinem Torwart-Konkurrenten Jens Lehmann die Hand drückte und alles Gute wünschte. Sehr gut. Hat auch geholfen, wie mir scheint – Lehmann war klasse.
Aber viel besser waren wieder einmal die Sozialstudien beim Publikum. Direkt vor mir stand eine Frau, die offensichtlich dem linksalternativen Milieu entstammte und für Argentinien schwärmte, wie es sich für eine anständige Linke anscheinend immer noch gehört.
»Für die Einstellung bin ich heute ja schon fast erschossen worden«, prahlte sie und nervte uns mit einem ununterbrochenen Redeschwall: Wie unfair der Schiedsrichter zu den Argentiniern sei, wie fürchterlich die FIFA sei, wie arrogant die deutschen Spieler seien, wie rassistisch die deutschen Fans seien, wie froh wir doch sein müßten, daß der von uns frenetisch bejubelte Odonkor »jetzt eben doch einen deutschen Paß hat« und was des Gesülzes noch mehr war.
Argentinien würde auf jeden Fall gewinnen, weil »die Deutschen das eh nicht können«. Und so weiter.
Ich überlegte mir schon, ihr einen körperlichen Verweis zu erteilen. Nicht, weil sie für Argentinien war (wäre ja in Ordnung), sondern weil sie ununterbrochen schwatzte, dabei das Spiel weitestgehend ignorierte, dafür aber ihre komplette Umwelt ihre Weltsicht aufdrückte. (Sie kam mir vor wie manche Diskussionsteilnehmer in manchen Diskussionsforen im Internet.) Unglaublich!
Ulf versuchte es im Guten: »Du, da vorne ist die Leinwand, da läuft das Spiel.« Sie warf ihm vor, er wolle ihr das Wort verbieten, und fing damit an, daß man »in Deutschland bald wieder für seine Meinung erschossen wird«. Angesichts solcher Dummheit wäre ich fast laut geworden, überließ den Part des bösen Mannes aber Ulf und lachte mich halb tot.
Nach dem Ausgleichstor durch Miroslav Klose war die Dame übrigens verschwunden, und später sah ich sie auch nicht mehr. War mir dann doch lieber.
Aber viel besser waren wieder einmal die Sozialstudien beim Publikum. Direkt vor mir stand eine Frau, die offensichtlich dem linksalternativen Milieu entstammte und für Argentinien schwärmte, wie es sich für eine anständige Linke anscheinend immer noch gehört.
»Für die Einstellung bin ich heute ja schon fast erschossen worden«, prahlte sie und nervte uns mit einem ununterbrochenen Redeschwall: Wie unfair der Schiedsrichter zu den Argentiniern sei, wie fürchterlich die FIFA sei, wie arrogant die deutschen Spieler seien, wie rassistisch die deutschen Fans seien, wie froh wir doch sein müßten, daß der von uns frenetisch bejubelte Odonkor »jetzt eben doch einen deutschen Paß hat« und was des Gesülzes noch mehr war.
Argentinien würde auf jeden Fall gewinnen, weil »die Deutschen das eh nicht können«. Und so weiter.
Ich überlegte mir schon, ihr einen körperlichen Verweis zu erteilen. Nicht, weil sie für Argentinien war (wäre ja in Ordnung), sondern weil sie ununterbrochen schwatzte, dabei das Spiel weitestgehend ignorierte, dafür aber ihre komplette Umwelt ihre Weltsicht aufdrückte. (Sie kam mir vor wie manche Diskussionsteilnehmer in manchen Diskussionsforen im Internet.) Unglaublich!
Ulf versuchte es im Guten: »Du, da vorne ist die Leinwand, da läuft das Spiel.« Sie warf ihm vor, er wolle ihr das Wort verbieten, und fing damit an, daß man »in Deutschland bald wieder für seine Meinung erschossen wird«. Angesichts solcher Dummheit wäre ich fast laut geworden, überließ den Part des bösen Mannes aber Ulf und lachte mich halb tot.
Nach dem Ausgleichstor durch Miroslav Klose war die Dame übrigens verschwunden, und später sah ich sie auch nicht mehr. War mir dann doch lieber.
Pläne, die klappen, und andere ...
Eigentlich war der Plan für den Freitag schlau: Bis 15 Uhr arbeiten, nach Hause fahren, um 17 Uhr Fußball gucken, dann eine Stunde radfahren, später noch mal Fußball gucken und spät in der Nacht noch aufs Punk-Konzert.
Die Realität war anders.
Ab 14 Uhr begann ich damit, Arbeit fürs Wochenende nach Hause zu mailen oder in die Tasche zu packen. Um 15 Uhr wurde ich nervös, und um 16.20 Uhr verließ ich nach einer letzten Besprechung das Büro.
Als ich um 16.30 Uhr die Autobahn bei Karlsruhe verließ (ich war also ganz schön gerast), kam der Verkehrsfunk: »Stau zwischen Rastatt und Karlsruhe, sechs Kilometer.« Ich hatte Glück gehabt: Weil ich keinen Verkehrsfunk gehört hatte, war ich in den nicht existierenden Stau hinein gefahren und hatte damit die Staus auf den Autobahn-Umgehungen vermieden. Sehr schön.
16.45 Uhr war ich zu Hause, nachdem ich mich durch alle möglichen Nebenstraßen gemogelt hatte. Büroklamotten in die Ecke, kurze Hose und T-Shirt an. Aufs Fahrrad und los.
Um 17.03 Uhr war ich im »Fünf«, wo ich meinen reservierten Platz vorfand. Zum Spiel muß ich wohl nichts schreiben, das Hupkonzert hielt in Karlsruhe ja noch bis lange nach Mitternacht an. Ulf und ich waren heiser geschrien, tranken sicherheitshalber noch ein bißchen Bier im Freien, wo wir uns festquatschten.
Aus dem Radfahren wurde nichts, weil wir quatschten, vom Spiel der Italiener gegen die Ukraine sah ich nur ab und zu etwas, und fürs Punk-Konzert war ich anschließend zu matt. So können Pläne schief gehen ...
Die Realität war anders.
Ab 14 Uhr begann ich damit, Arbeit fürs Wochenende nach Hause zu mailen oder in die Tasche zu packen. Um 15 Uhr wurde ich nervös, und um 16.20 Uhr verließ ich nach einer letzten Besprechung das Büro.
Als ich um 16.30 Uhr die Autobahn bei Karlsruhe verließ (ich war also ganz schön gerast), kam der Verkehrsfunk: »Stau zwischen Rastatt und Karlsruhe, sechs Kilometer.« Ich hatte Glück gehabt: Weil ich keinen Verkehrsfunk gehört hatte, war ich in den nicht existierenden Stau hinein gefahren und hatte damit die Staus auf den Autobahn-Umgehungen vermieden. Sehr schön.
16.45 Uhr war ich zu Hause, nachdem ich mich durch alle möglichen Nebenstraßen gemogelt hatte. Büroklamotten in die Ecke, kurze Hose und T-Shirt an. Aufs Fahrrad und los.
Um 17.03 Uhr war ich im »Fünf«, wo ich meinen reservierten Platz vorfand. Zum Spiel muß ich wohl nichts schreiben, das Hupkonzert hielt in Karlsruhe ja noch bis lange nach Mitternacht an. Ulf und ich waren heiser geschrien, tranken sicherheitshalber noch ein bißchen Bier im Freien, wo wir uns festquatschten.
Aus dem Radfahren wurde nichts, weil wir quatschten, vom Spiel der Italiener gegen die Ukraine sah ich nur ab und zu etwas, und fürs Punk-Konzert war ich anschließend zu matt. So können Pläne schief gehen ...
29 Juni 2006
Bach-Kunst in Karlsruhe

Was der Karlsruher so alles mag: Da gibt es Menschen, die hüpfen durch die Alb - das ist der Bach, der durch die Stadt fließt und irgendwann in den Rhein fließt - und basteln dann allerlei Kunst zusammen.
Was man so Kunst nennt.
Sie türmen Steine aufeinander, bauen »Männle«. Sieht manchmal ganz lustig aus, manchmal aber mega-albern.
Aber was soll man von den Bewohnern einer Stadt erwarten, die Kulturhauptstadt Europas werden wollte und gnadenlos scheiterte?
28 Juni 2006
Bielefeld: nachts ein Autokorso
Gestern abend, Bielefeld: Nachdem wir am Rand des Altstadt-Karrées Eis gefuttert und Kaffee getrunken haben, sind Dirk und ich - nachdem Frau und Kind verschwunden sind - aufs Fußballspiel gespannt. Ghana hat gegen Brasilien verloren, ich bin eh entttäuscht ...
Etwas später taucht Robert wieder auf, wir sitzen noch später in einer Kneipe mit direktem Blick auf den Fernseher, und gucken das Spiel Spanien gegen Frankreich. Der Moderator spricht von »Fußball der Extraklasse« und »Feinschmecker-Fußball«. Den Rest des Spiels verbringen wir damit, bei jedem Fehlpass und bei jedem Foul von »Feinschmecker-Fehlpass« und »Feinschmecker-Foul« zu sprechen.
»Besser wäre doch, man würde die zwei Gurkentruppen rauswerfen und man ließe Deutschland und Argentinien weiterkommen«, mosert Dirk, der von Fußball etwa vierzehneinhalb mal so viel versteht wie ich. Also stimme ich ihm zu.
Später zieht ein einsames Auto die Kreise durch Bielefelds Innenstadtstraßen: Der Fahrer hupt wie blöd, und der Beifahrer schwenkt die französische Fahne. Ein anderes Auto fährt ebenfalls durch die Straßen, hupend aber ohne Fahne. Kein sehr packender Autokorso.
So richtig gut wird es erst, als beide Autofahrer sich gefunden haben. Die nächste halbe Stunde kurvt der Bielefelder Fan-Block in zwei Autos durch die Straßen. Es ist bewundernswert, daß es Leute gibt, die sich für keinen Quatsch zu schade sind ...
Etwas später taucht Robert wieder auf, wir sitzen noch später in einer Kneipe mit direktem Blick auf den Fernseher, und gucken das Spiel Spanien gegen Frankreich. Der Moderator spricht von »Fußball der Extraklasse« und »Feinschmecker-Fußball«. Den Rest des Spiels verbringen wir damit, bei jedem Fehlpass und bei jedem Foul von »Feinschmecker-Fehlpass« und »Feinschmecker-Foul« zu sprechen.
»Besser wäre doch, man würde die zwei Gurkentruppen rauswerfen und man ließe Deutschland und Argentinien weiterkommen«, mosert Dirk, der von Fußball etwa vierzehneinhalb mal so viel versteht wie ich. Also stimme ich ihm zu.
Später zieht ein einsames Auto die Kreise durch Bielefelds Innenstadtstraßen: Der Fahrer hupt wie blöd, und der Beifahrer schwenkt die französische Fahne. Ein anderes Auto fährt ebenfalls durch die Straßen, hupend aber ohne Fahne. Kein sehr packender Autokorso.
So richtig gut wird es erst, als beide Autofahrer sich gefunden haben. Die nächste halbe Stunde kurvt der Bielefelder Fan-Block in zwei Autos durch die Straßen. Es ist bewundernswert, daß es Leute gibt, die sich für keinen Quatsch zu schade sind ...
26 Juni 2006
Bielefeld, windig und frisch
Es gibt Menschen, die behaupten, Bielefeld gäbe es nicht. Dabei zählt die Stadt zu den wichtigsten Metropolen in Ostwestfalen. Ich kann es bestätigen: Ich bin seit heute nachmittag in Bielefeld.
Grund ist eine Mischung aus Interview - mit der Witwe eines schon lange verstorbenen Schriftstellers - und Arbeitsgespräch, in diesem Fall unter anderem mit dem PERRY RHODAN-Autor Robert Feldhoff und dem Zeichner Dirk Schulz.
Schlau, wie ich manchmal bin, habe ich unterschiedliche Klamotten eingepackt: kurze Hose, leichte Leinenhose, Jeans. Und wie es aussieht, habe ich das vergessen, was heute Abend wohl nötig sein wird: einen Pullover oder sonst etwas, das gegen den kühlen Wind schützt, der im Augenblick gerade durch die Altstadt Bielefelds bläst.
Schauen wir mal ...
Grund ist eine Mischung aus Interview - mit der Witwe eines schon lange verstorbenen Schriftstellers - und Arbeitsgespräch, in diesem Fall unter anderem mit dem PERRY RHODAN-Autor Robert Feldhoff und dem Zeichner Dirk Schulz.
Schlau, wie ich manchmal bin, habe ich unterschiedliche Klamotten eingepackt: kurze Hose, leichte Leinenhose, Jeans. Und wie es aussieht, habe ich das vergessen, was heute Abend wohl nötig sein wird: einen Pullover oder sonst etwas, das gegen den kühlen Wind schützt, der im Augenblick gerade durch die Altstadt Bielefelds bläst.
Schauen wir mal ...
25 Juni 2006
Drei T-Shirts und zwei Bier
Gestern schaffte ich es, drei T-Shirts durchzuschwitzen: zwei beim Radfahren, eins beim Fußballgucken. Heute lasse ich's lockerer angehen.
Irgendein Wahnwitz trieb mich am Nachmittag und bei 30 Grad im Schatten dazu, durch den Wald nördlich von Karlsruhe zu strampeln, hinaus auf die Dörfer, dort in der reizenden Gemeinde Spöck mein T-Shirt zu wechseln und ein Bier zu trinken (kleiner Fehler ...), um dann hinterher über andere Dörfer und erneut durch den Wald zurück nach Karlsruhe zu strampeln. Drei Stunden später war ich zu Hause - und am Arsch.
Bis ich abgeschwitzt hatte, war 17 Uhr, und das Spiel Deutschland gegen Schweden begann. Während des Spiels - ich bekam die beiden Traumtore mit - schaffte ich es, mich einigermaßen wiederherzustellen, und in der Halbzeitpause sprang ich erneut aufs Rad, um in die Nordstadt zu strampeln.
Dort gibt es eine Art Club oder Verein in der Nähe des Alten Flugplatzes, genannt Offside, kühles Bier, Lautsprecher und Fernseher inklusive. Vor und hinter der Theke sehr viele »szenige« Leute; ich kam mir vor wie bei einer »Kombe«-Revival-Party.
Drückende Hitze unter dem Zeltdach, kaum gemildert durch das kühle Bier, dazu eine hitzig-bombige Stimmung. Als ich nach dem Spiel das Offside-Gelände verließ, hatte ich mein drittes T-Shirt durchgeschwitzt und fühlte mich hackeblau.
Ein echt anstrengender Samstag. Und in meinem Arbeitsvertrag steht eindeutig, ich solle mich am Wochenende erholen ...
Irgendein Wahnwitz trieb mich am Nachmittag und bei 30 Grad im Schatten dazu, durch den Wald nördlich von Karlsruhe zu strampeln, hinaus auf die Dörfer, dort in der reizenden Gemeinde Spöck mein T-Shirt zu wechseln und ein Bier zu trinken (kleiner Fehler ...), um dann hinterher über andere Dörfer und erneut durch den Wald zurück nach Karlsruhe zu strampeln. Drei Stunden später war ich zu Hause - und am Arsch.
Bis ich abgeschwitzt hatte, war 17 Uhr, und das Spiel Deutschland gegen Schweden begann. Während des Spiels - ich bekam die beiden Traumtore mit - schaffte ich es, mich einigermaßen wiederherzustellen, und in der Halbzeitpause sprang ich erneut aufs Rad, um in die Nordstadt zu strampeln.
Dort gibt es eine Art Club oder Verein in der Nähe des Alten Flugplatzes, genannt Offside, kühles Bier, Lautsprecher und Fernseher inklusive. Vor und hinter der Theke sehr viele »szenige« Leute; ich kam mir vor wie bei einer »Kombe«-Revival-Party.
Drückende Hitze unter dem Zeltdach, kaum gemildert durch das kühle Bier, dazu eine hitzig-bombige Stimmung. Als ich nach dem Spiel das Offside-Gelände verließ, hatte ich mein drittes T-Shirt durchgeschwitzt und fühlte mich hackeblau.
Ein echt anstrengender Samstag. Und in meinem Arbeitsvertrag steht eindeutig, ich solle mich am Wochenende erholen ...
24 Juni 2006
Fahnenmeer und Hupkonzert
Ich war gerade eben noch in der Karlsruher Innenstadt: Hunderte von Autos kreisen, Tausende von Fahnen wehen, es herrscht ein unbeschreiblicher Lärm aus Grölen und Hupen. Zahlreiche Lautsprecher-Boxen spucken schlechte Fußballieder in die Luft – man könnte meinen, Deutschland sei jetzt schon Weltmeister.
Das Spiel war toll, keine Frage, und die deutsche Mannschaft hat verdient gewonnen. Nur: Was machen die Leute, wenn »wir« das Finale erreichen? Endgültig hohldrehen?
Ein Land im enthusiastischen Dauerrausch – auch eine interessante Vorstellung.
Das Spiel war toll, keine Frage, und die deutsche Mannschaft hat verdient gewonnen. Nur: Was machen die Leute, wenn »wir« das Finale erreichen? Endgültig hohldrehen?
Ein Land im enthusiastischen Dauerrausch – auch eine interessante Vorstellung.
23 Juni 2006
Heute ist fußballfrei ...
... und das hat seinen Grund: Ich kam verdammt spät aus dem Büro, ich muß übers Wochenende ein Taschenbuch-Manuskript lesen, und ich sollte vor allem die nächste Folge von »Und: Hardcore!« fürs OX schreiben.
Das alles sieht also nach viel Arbeit aus, und da hilft nicht, wenn im Hintergrund irgendwelcher Punkrock bratzelt. Zum Fußballgucken bleibt keine Zeit, auch wenn es weh tut. Sportliche Betätigung beschränkt sich heute aufs Radfahren, die Glotze bleibt aus.
Soweit der gute Vorsatz: Eben schaute ich zehn Minuten bei Frankreich gegen Togo zu. Nachdem die ehemalige Kolonialmacht ihr zweites Tor erzielte, schaltete ich wieder ab. Dann doch lieber drüber nachdenken, welche Dialoge Peter Pank führen muß ...
Das alles sieht also nach viel Arbeit aus, und da hilft nicht, wenn im Hintergrund irgendwelcher Punkrock bratzelt. Zum Fußballgucken bleibt keine Zeit, auch wenn es weh tut. Sportliche Betätigung beschränkt sich heute aufs Radfahren, die Glotze bleibt aus.
Soweit der gute Vorsatz: Eben schaute ich zehn Minuten bei Frankreich gegen Togo zu. Nachdem die ehemalige Kolonialmacht ihr zweites Tor erzielte, schaltete ich wieder ab. Dann doch lieber drüber nachdenken, welche Dialoge Peter Pank führen muß ...
Frick-Interview in der SOL
Sehr stolz habe ich das Interview gelesen, das Rainer Stache mit mir für die Zeitschrift SOL geführt hat. Titel des ganzen, das mit recht guten Fotos garniert ist: »Gewisse Fehler begehen wir hoffentlich nur einmal«.
Natürlich geht es vor allem um die PERRY RHODAN-Serie und meine Rolle, die ich dort spiele. Rainer Stache, der im Hauptberuf für den »Tagesspiegel« in Berlin schreibt und das Interview führte, fragt mich nicht nur zu meiner Vergangenheit aus, sondern auch zur aktuellen Situation der Serie. Er versucht zudem, herauszufinden, aus welchen Quellen die Redaktion und das Autorenteam letztlich die Ideen zieht - ich antworte zwar korrekt, aber ein wenig ausweichend, wie ich beim Nachlesen des Interviews feststellen muß.
Schmeichelhaft ist das ganze trotzdem, und ich freue mich sehr darüber. Die SOL-Ausgabe 43 ist die dritte im Jahr 2006 und sollte in den nächsten Tagen und Wochen an die Abonnenten verschickt werden - und an die Mitglieder der PERRY RHODAN-FanZentrale, die das Heft im Rahmen
ihres Mitgliedsbeitrags erhalten.
Natürlich geht es vor allem um die PERRY RHODAN-Serie und meine Rolle, die ich dort spiele. Rainer Stache, der im Hauptberuf für den »Tagesspiegel« in Berlin schreibt und das Interview führte, fragt mich nicht nur zu meiner Vergangenheit aus, sondern auch zur aktuellen Situation der Serie. Er versucht zudem, herauszufinden, aus welchen Quellen die Redaktion und das Autorenteam letztlich die Ideen zieht - ich antworte zwar korrekt, aber ein wenig ausweichend, wie ich beim Nachlesen des Interviews feststellen muß.
Schmeichelhaft ist das ganze trotzdem, und ich freue mich sehr darüber. Die SOL-Ausgabe 43 ist die dritte im Jahr 2006 und sollte in den nächsten Tagen und Wochen an die Abonnenten verschickt werden - und an die Mitglieder der PERRY RHODAN-FanZentrale, die das Heft im Rahmen
ihres Mitgliedsbeitrags erhalten.
22 Juni 2006
Der ZAP-Cup ist an allem schuld
Ich weiß nicht, wie oft ich »Nie – nie – nie – nie wieder Deutschland!« auf gewissen Demonstrationen brüllte. Gerne brüllte man das, bevor losgerannt wurde, ein Mob in schwarzen Lederjacken.
Mag sein, daß der Spruch blöd klingt: Ich fand ihn damals klasse, und ich stehe auch heute noch hinter dem Inhalt, der damit propagiert wurde. Wir waren gegen das Deutschland, das von Helmut Kohl und seinen Schergen durchgesetzt wurde, ein Deutschland der neuen Nazis und neuen Bonzen.
Doch dann kam der ZAP-Cup. Das ZAP, das damals führende und vor allem beste Hardcore-Punk-Fanzine, für das ich auch schrieb, veranstaltete ein Fußballturnier: ausgerechnet in Homburg, genauer auf einem Fußballplatz am Waldrand im finsteren Saarland. Es war 1992, im Juni, und das Turnier war am selben Wochenende wie das Finale der Fußball-Europameisterschaft.
Im Finale trafen Deutschland und Dänemark aufeinander – und Beppo (Sänger der Punk-Band Walter Elf) und ich auf 400 Punks und Hardcore-Leute, die Deutschland scheiße fanden. Kein Witz: In meiner Erinnerung waren Beppo und ich die einzigen, die im Festzelt für Deutschland waren, während der Rest fleißig besoffen »We are red – we are white – we are Danish Dynamite« grölte.
Zum Rest der Party habe ich anno dunnemals was geschrieben, aber: Mag sein, daß mein »Für-Deutschland-sein« ein reiner Reflex war – eben gegen die Masse sein, die in diesem Fall punkrockig korrekt für »die anderen« war.
Aber ... Weder fand ich Berti Vogts gut noch seine Mannen. Aber ich konnte ebensowenig für Dänemark sein, mit dem ich nichts verband. Also freute ich mich über gute Spielzüge der Deutschen und war hinterher betrübt.
Beppo sagte irgendwas von »ich bin Fußballdeutscher«, ich kombinierte das ganze zu »Fußballpatrioten«. Im Deutschland-Shirt bin ich dennoch nie rumgelaufen, ich besitze keine Deutschlandfahne und habe nach wie vor kein erhebendes Gefühl, wenn ich an »meine Nation« denke.
Aber beim Fußball bin ich für Deutschland. Und ein bißchen für Ghana – weil ich denen jeden Titel gönne!
Mag sein, daß der Spruch blöd klingt: Ich fand ihn damals klasse, und ich stehe auch heute noch hinter dem Inhalt, der damit propagiert wurde. Wir waren gegen das Deutschland, das von Helmut Kohl und seinen Schergen durchgesetzt wurde, ein Deutschland der neuen Nazis und neuen Bonzen.
Doch dann kam der ZAP-Cup. Das ZAP, das damals führende und vor allem beste Hardcore-Punk-Fanzine, für das ich auch schrieb, veranstaltete ein Fußballturnier: ausgerechnet in Homburg, genauer auf einem Fußballplatz am Waldrand im finsteren Saarland. Es war 1992, im Juni, und das Turnier war am selben Wochenende wie das Finale der Fußball-Europameisterschaft.
Im Finale trafen Deutschland und Dänemark aufeinander – und Beppo (Sänger der Punk-Band Walter Elf) und ich auf 400 Punks und Hardcore-Leute, die Deutschland scheiße fanden. Kein Witz: In meiner Erinnerung waren Beppo und ich die einzigen, die im Festzelt für Deutschland waren, während der Rest fleißig besoffen »We are red – we are white – we are Danish Dynamite« grölte.
Zum Rest der Party habe ich anno dunnemals was geschrieben, aber: Mag sein, daß mein »Für-Deutschland-sein« ein reiner Reflex war – eben gegen die Masse sein, die in diesem Fall punkrockig korrekt für »die anderen« war.
Aber ... Weder fand ich Berti Vogts gut noch seine Mannen. Aber ich konnte ebensowenig für Dänemark sein, mit dem ich nichts verband. Also freute ich mich über gute Spielzüge der Deutschen und war hinterher betrübt.
Beppo sagte irgendwas von »ich bin Fußballdeutscher«, ich kombinierte das ganze zu »Fußballpatrioten«. Im Deutschland-Shirt bin ich dennoch nie rumgelaufen, ich besitze keine Deutschlandfahne und habe nach wie vor kein erhebendes Gefühl, wenn ich an »meine Nation« denke.
Aber beim Fußball bin ich für Deutschland. Und ein bißchen für Ghana – weil ich denen jeden Titel gönne!
21 Juni 2006
Schwüler Fußball-Nachmittag
Um 15 Uhr kam ich tatsächlich aus dem Büro. Von meiner Arbeitsstelle nach Hause brauche ich normalerweise 20 Minuten, also alles kein Problem: Dem gemeinsamen Fußballgucken im »V« stand also nichts im Weg.
Nur ein Kieslaster, der auf der Autobahnauffahrt einen PKW rammte, direkt auf der Kreuzung: ein ziemliches Chaos aus zerknautschtem Blech und Bergen von Kies, hupenden Autos und genervten Fahrern. Ich eierte durch das Rastatter Industriegebiet, um über viele Umwege auf die Autobahn zu kommen.
Dort fuhr ich, so schnell es ging, eine alte Fluchtweg-CD aus dem Jahr 1995 am Ohr: »Arbeitsscheue Ostler« dröhnte aus den Boxen: »Von Kiel bis nach Saarbrücken / wir haben nur ein Ziel / ein Volk von faulen Säcken / das nur macht was es will.«
Kurz nach halb vier erreiche ich den Stadtrand von Karlsruhe. Und erkannte, dass Zigtausende von Autofahrern dieselbe geniale Idee wie ich hatten. Es herrschte Stau auf allen Straßen, in langsamstem Tempo rollte ich gen Innenstadt. Schleichwege sahen ebenso verstopft auf wie die Hauptstraße.
Zehn Minuten vor vier Uhr war ich rund 500 Meter von der Wohnung entfernt – und noch gut zweieinhalb Kilometer vom Ort, wo der Fernseher stand. Ich schlich über Schleichwege nach Hause, stellte das Auto ab, eilte in die Wohnung und schaltete die Glotze an: passend zum Anpfiff.
Während ich die verschwitzten Büroklamotten – Jeans und Kurzärmelhemd – ablegte, mich wusch und Radklamotten anzog (kurze Hose, Converse-Schuhe und T-Shirt), dröhnte die Glotze durch die Wohnung. So bekam ich Kloses großartigen Schuß zum 1:0 mit. Immerhin.
Und als ich endlich mit dem Rad durch Karlsruhe strampelte, waren die Straßen menschenleer. Nur wenige Autos waren unterwegs; sehr angenehm war die Fahrerei auf einmal.
Zum Fußballspiel selbst muß ich wohl nichts mehr schreiben. Die Stimmung im überfüllten »V« war überschäumend (nur eine Deutschland-Fahne, das ging ja noch), ich trank ein Weizenbier und war danach schon angeschlagen, eine Wolke von Schweiß und guter Laune hing in der Luft, und als das Spiel rum war, hupten überall irgendwelche Autos.
Sehr schön. So kann's meinetwegen weitergehen ...
Nur ein Kieslaster, der auf der Autobahnauffahrt einen PKW rammte, direkt auf der Kreuzung: ein ziemliches Chaos aus zerknautschtem Blech und Bergen von Kies, hupenden Autos und genervten Fahrern. Ich eierte durch das Rastatter Industriegebiet, um über viele Umwege auf die Autobahn zu kommen.
Dort fuhr ich, so schnell es ging, eine alte Fluchtweg-CD aus dem Jahr 1995 am Ohr: »Arbeitsscheue Ostler« dröhnte aus den Boxen: »Von Kiel bis nach Saarbrücken / wir haben nur ein Ziel / ein Volk von faulen Säcken / das nur macht was es will.«
Kurz nach halb vier erreiche ich den Stadtrand von Karlsruhe. Und erkannte, dass Zigtausende von Autofahrern dieselbe geniale Idee wie ich hatten. Es herrschte Stau auf allen Straßen, in langsamstem Tempo rollte ich gen Innenstadt. Schleichwege sahen ebenso verstopft auf wie die Hauptstraße.
Zehn Minuten vor vier Uhr war ich rund 500 Meter von der Wohnung entfernt – und noch gut zweieinhalb Kilometer vom Ort, wo der Fernseher stand. Ich schlich über Schleichwege nach Hause, stellte das Auto ab, eilte in die Wohnung und schaltete die Glotze an: passend zum Anpfiff.
Während ich die verschwitzten Büroklamotten – Jeans und Kurzärmelhemd – ablegte, mich wusch und Radklamotten anzog (kurze Hose, Converse-Schuhe und T-Shirt), dröhnte die Glotze durch die Wohnung. So bekam ich Kloses großartigen Schuß zum 1:0 mit. Immerhin.
Und als ich endlich mit dem Rad durch Karlsruhe strampelte, waren die Straßen menschenleer. Nur wenige Autos waren unterwegs; sehr angenehm war die Fahrerei auf einmal.
Zum Fußballspiel selbst muß ich wohl nichts mehr schreiben. Die Stimmung im überfüllten »V« war überschäumend (nur eine Deutschland-Fahne, das ging ja noch), ich trank ein Weizenbier und war danach schon angeschlagen, eine Wolke von Schweiß und guter Laune hing in der Luft, und als das Spiel rum war, hupten überall irgendwelche Autos.
Sehr schön. So kann's meinetwegen weitergehen ...
20 Juni 2006
Der Beweis: keine Deutschlandfahne am Rad
19 Juni 2006
Nachtrag zu Erlangen

Hübsche Bilder hat die Autorin des Nullzeitgenerators in ihrem Blog – darunter auch mehr oder weniger hübsche Frick-Bilder. Wer ihre Erlangen-Texte lesen will, schaue generell im überhaupt empfehlenswerten Blog nach.
Bilder zu mir sind im Kommentar zu sehen, bitteschön nach unten scrollen. Man erkennt auch Leute wie Jens Balzer, Frans Stummer oder Anton Atzenhofer – sehr gut!
Ich kontere mit einem mehr oder weniger gelungenen Bild von mir: ich und der Mawil-Hase. Fragt sich, wer hier schlauer aussieht.
Eine andere Art von Fußball-Patriotismus
Kein großes Gerede, in erster Linie ein Link-Tip. Auf der Seite gibt es einen heftigen Bericht über Fußballdeutsche besonderer Art.
Ich betone, daß solche Schwachmaten, wie in dem Bericht geschildert, den Rahmen dessen, was ich als »fußballpatriotisch« bezeichne, meilenweit übertreffen. Ich wedle mit keinem Fähnchen, ich trage kein T-Shirt in irgendwelchen Nationalfarben (auch nicht, weil multikulti und locker-flockig, mit der brasilianischen Fahne), und ich schreie vor allem nicht »Deutschland!«
Wenn ich – wie gestern abend im »Pfannestiel« - den Brasilianern und den Australiern zusehe, wie sie verbissen um jeden Meter kämpfen und dabei spannender Fußball gespielt wird, freue ich mich für jeden guten Spielzug auf beiden Seiten. Da bin ich neutral im besten Sinne.
Wenn Deutschland gegen Polen spielt, freue ich mich tatsächlich, wenn die Deutschen ein Tor schießen. Ich fühle mich nicht schlecht dabei. Fahnenschwenken muß ich trotzdem nicht.
Ich betone, daß solche Schwachmaten, wie in dem Bericht geschildert, den Rahmen dessen, was ich als »fußballpatriotisch« bezeichne, meilenweit übertreffen. Ich wedle mit keinem Fähnchen, ich trage kein T-Shirt in irgendwelchen Nationalfarben (auch nicht, weil multikulti und locker-flockig, mit der brasilianischen Fahne), und ich schreie vor allem nicht »Deutschland!«
Wenn ich – wie gestern abend im »Pfannestiel« - den Brasilianern und den Australiern zusehe, wie sie verbissen um jeden Meter kämpfen und dabei spannender Fußball gespielt wird, freue ich mich für jeden guten Spielzug auf beiden Seiten. Da bin ich neutral im besten Sinne.
Wenn Deutschland gegen Polen spielt, freue ich mich tatsächlich, wenn die Deutschen ein Tor schießen. Ich fühle mich nicht schlecht dabei. Fahnenschwenken muß ich trotzdem nicht.
18 Juni 2006
Tropische Temperaturen, enthusiastische Punkrock-Jugend
Als ich am Samstag abend, 17. Juni 2006, im AKK in der Karlsruher Uni ankam, herrschten nach wie vor tropische Temperaturen. Trotzdem tummelten sich schätzungsweise 150 Leute in und um das Gelände; während des Konzertes waren nie mehr als 50 Leute in dem doppelt wohnzimmergroßen Raum, in dem eine fürchterliche Hitze herrschte.
Die erste Band hatte ich verpaßt, die zweite spielte gerade: Jacqueline Hide aus der Region, noch nie davor gehört. Die Sängerin war barfuß, trug einen geblümten Rock und ein Iron Maiden-T-Shirt. Trotzdem: Ich habe noch nie eine so kleine Frau erlebt, die einen so infernalischen Lärm verursacht. Großartiger Hardcore, Respekt!
Danach Nein Nein Nein aus Mönchengladbach: Der Sänger trug den schlechtest geschnittenen Iro, den ich seit langem gesehen habe, trotzdem ein gutes Konzert mit viel Bewegung im jungen, sehr enthusiastisch wirkenden Publikum. Leider verstand ich nichts von den Texten, der Sound war beschissen; die Musik enthielt mir zuviel Breaks. Ich mag es, wenn Stücke durchgeknallt werden und nicht zu viel gewechselt wird. Trotzdem: eigenständig und sympathisch.
Das trifft auf Duesenjaeger aus Osnabrück auch zu – und die sind zudem noch eingängig. Das rockt und kallt, da stimmen die Melodien und alles. Sehr schön.
Hinterher saß ich noch bis drei Uhr im Freien mit den Bands zusammen, bekam Freibier und zweifelhafte Komplimente (»Ach, du bist also der Frick? Dich hab ich mir ganz anders vorgestellt.«) Sehr schön.
Die erste Band hatte ich verpaßt, die zweite spielte gerade: Jacqueline Hide aus der Region, noch nie davor gehört. Die Sängerin war barfuß, trug einen geblümten Rock und ein Iron Maiden-T-Shirt. Trotzdem: Ich habe noch nie eine so kleine Frau erlebt, die einen so infernalischen Lärm verursacht. Großartiger Hardcore, Respekt!
Danach Nein Nein Nein aus Mönchengladbach: Der Sänger trug den schlechtest geschnittenen Iro, den ich seit langem gesehen habe, trotzdem ein gutes Konzert mit viel Bewegung im jungen, sehr enthusiastisch wirkenden Publikum. Leider verstand ich nichts von den Texten, der Sound war beschissen; die Musik enthielt mir zuviel Breaks. Ich mag es, wenn Stücke durchgeknallt werden und nicht zu viel gewechselt wird. Trotzdem: eigenständig und sympathisch.
Das trifft auf Duesenjaeger aus Osnabrück auch zu – und die sind zudem noch eingängig. Das rockt und kallt, da stimmen die Melodien und alles. Sehr schön.
Hinterher saß ich noch bis drei Uhr im Freien mit den Bands zusammen, bekam Freibier und zweifelhafte Komplimente (»Ach, du bist also der Frick? Dich hab ich mir ganz anders vorgestellt.«) Sehr schön.
17 Juni 2006
»Geh einfach nebenan!«
Mit Comic-Zeichnern, Redakteuren und anderem Volk nach dem Comic-Salon abends essen zu gehen, ist nicht einfach. Vor vier Jahren warteten Frau Hecke sowie einige andere in meiner Begleitung stundenlang auf das angeblich leckere Essen, um anschließend völlig verhungert bei McDonald’s einzufallen.
Das sollte dieses Mal nicht passieren, also folgten wir Frans Stummer – der immerhin bayerisch spricht – in eine Seitengasse. Hier sei ein Italiener, behauptete der Mann, der sich ansonsten stundenlang darüber lustig machte, daß ich mit kurzen Hosen, verwaschenem T-Shirt und ausgelatschten Converse-Turnschuhen unterwegs war: Dies sei mir doch nicht angemessen.
Seufz.
Seufzend ergaben wir uns alle beim Italiener unseres Schicksals, der in Wirklichkeit ein Döner-Imbiss mit Pizza-Bäckerei war. Der Mann, der uns bediente, war leicht konfus, aber irgendwann bekamen wir Bier und Pizzas: Meine vegetarische war ganz okay, wer allerdings »Döner-Pizza« bestellt oder so, also Pizza mit Döner-Fleisch drauf, der darf sich nicht wundern.
Würgreiz garantiert, aber echt.
Als ich irgendwann pinkeln mußte, suchte ich in der kleinen Kneipe verzweifelt nach einem Klo. Der Besitzer schickte mich zum Nachbarn, einem Café namens »Schauburg«. Das sei richtig so, meinte er, »geh einfach nebenan«.
Gutes Geschäftsmodell: Kunden pissen beim etwas schick wirkenden Nachbarn, der dann auch den Dreck der besoffenen Comic-Meute wegwischen darf. Entsprechend fröhlich wirkte die blonde Bedienung. »Na ja, wenn’s denn sein muß«, meinte sie beim ersten Pisser – also bei mir –, um sich irgendwann nur noch achselzuckend in ihr Schicksal zu ergeben.
So schön ist Erlangen beim Comic-Salon.
Das sollte dieses Mal nicht passieren, also folgten wir Frans Stummer – der immerhin bayerisch spricht – in eine Seitengasse. Hier sei ein Italiener, behauptete der Mann, der sich ansonsten stundenlang darüber lustig machte, daß ich mit kurzen Hosen, verwaschenem T-Shirt und ausgelatschten Converse-Turnschuhen unterwegs war: Dies sei mir doch nicht angemessen.
Seufz.
Seufzend ergaben wir uns alle beim Italiener unseres Schicksals, der in Wirklichkeit ein Döner-Imbiss mit Pizza-Bäckerei war. Der Mann, der uns bediente, war leicht konfus, aber irgendwann bekamen wir Bier und Pizzas: Meine vegetarische war ganz okay, wer allerdings »Döner-Pizza« bestellt oder so, also Pizza mit Döner-Fleisch drauf, der darf sich nicht wundern.
Würgreiz garantiert, aber echt.
Als ich irgendwann pinkeln mußte, suchte ich in der kleinen Kneipe verzweifelt nach einem Klo. Der Besitzer schickte mich zum Nachbarn, einem Café namens »Schauburg«. Das sei richtig so, meinte er, »geh einfach nebenan«.
Gutes Geschäftsmodell: Kunden pissen beim etwas schick wirkenden Nachbarn, der dann auch den Dreck der besoffenen Comic-Meute wegwischen darf. Entsprechend fröhlich wirkte die blonde Bedienung. »Na ja, wenn’s denn sein muß«, meinte sie beim ersten Pisser – also bei mir –, um sich irgendwann nur noch achselzuckend in ihr Schicksal zu ergeben.
So schön ist Erlangen beim Comic-Salon.
Comic-Salon in Erlangen
Gestern herrschte fürchterlich schwüles Wetter, und dennoch düsten meine Freundin und ich über die Autobahn gen Erlangen, wo der Comic-Salon stattfand: zum wiederholten Mal in der ein bißchen langweiligen, aber durchaus netten fränkischen Stadt.
Tropische Temperaturen herrschten auch in der Messehalle, wo sich heuer weniger Leute zu tummeln schienen als in den Vorjahren. Das lag möglicherweise am Wetter, möglicherweise am Fußball; ein Comic-Händler meinte mir gegenüber, das liege schlicht an der schlechten Konjunktur und am zusammenbrechenden Comic-Markt.
Immerhin konnte ich mich über die aktuellen Comic-Verlage informieren, schaute mir schöne Ausstellungen an – unter anderem mit Bildern von Ulf K., Isabel Kreitz und Uli Oesterle, alles sehr toll! – und kaufte auch ein wenig ein. Nicht so viel wie in den letzten Jahren, weil ich aufs Geld aufpassen wollte, aber dennoch so viel, daß ich es hinterher bereute, als ich die schwere Tasche mit den erstandenen Comics durch die erhitzte Fußgängerzone trug.
Die Zeit hat nicht gereicht, auch nur einen einzigen Vortrag anzuhören oder bei einer Podiumsdiskussion im Raum zu sitzen; die vielen Ausstellungen in anderen Räumlichkeiten bekam ich ebenso wenig mit. Aber ich amüsierte mich bombig, und das ist echt was wert.
Tropische Temperaturen herrschten auch in der Messehalle, wo sich heuer weniger Leute zu tummeln schienen als in den Vorjahren. Das lag möglicherweise am Wetter, möglicherweise am Fußball; ein Comic-Händler meinte mir gegenüber, das liege schlicht an der schlechten Konjunktur und am zusammenbrechenden Comic-Markt.
Immerhin konnte ich mich über die aktuellen Comic-Verlage informieren, schaute mir schöne Ausstellungen an – unter anderem mit Bildern von Ulf K., Isabel Kreitz und Uli Oesterle, alles sehr toll! – und kaufte auch ein wenig ein. Nicht so viel wie in den letzten Jahren, weil ich aufs Geld aufpassen wollte, aber dennoch so viel, daß ich es hinterher bereute, als ich die schwere Tasche mit den erstandenen Comics durch die erhitzte Fußgängerzone trug.
Die Zeit hat nicht gereicht, auch nur einen einzigen Vortrag anzuhören oder bei einer Podiumsdiskussion im Raum zu sitzen; die vielen Ausstellungen in anderen Räumlichkeiten bekam ich ebenso wenig mit. Aber ich amüsierte mich bombig, und das ist echt was wert.
15 Juni 2006
Bin ich jetzt ein Fußballpatriot?
Noch toben die Fans auf der Straße, noch höre ich das Hupkonzert: Es ist kurz vor ein Uhr nachts. Schon interessant, daß im Jahr 2006 ein Vorrundensieg so bejubelt wird wie anno 1990 der Finalsieg.
Allerdings war es ein tolles Spiel: Die Polen haben erbittert gekämpft, die deutsche Mannschaft rannte und rackerte und ballerte ständig aufs Tor der Polen – der Sieg war verdient. Es hätte auch fünf zu null ausgehen können.
Im »V« fühlte ich mich wohl beim Fußballgucken. Nicht so viel Deutschlandgebrüll, keine Fahnen, dafür nette und kompetente Bierversorgung und eine schöne Leinwand. Was will ich mehr?
Ich bin vielleicht Fußballpatriot, aber das ganze Fahnenschwenken und »Deutschland! Deutschland!«-Gebrülle ist nicht meine Baustelle. Nach wie vor nicht. Ich bin kein Anti-Deutscher, finde die Aussagen dieser Linkssektierer meist zum Brechen – aber Patriotismus in laut geäußerter Form ist einfach nicht meins.
Haben die vielen Antifa-Demos und Aktionen doch was in meinem Hirn bewirkt ...
Allerdings war es ein tolles Spiel: Die Polen haben erbittert gekämpft, die deutsche Mannschaft rannte und rackerte und ballerte ständig aufs Tor der Polen – der Sieg war verdient. Es hätte auch fünf zu null ausgehen können.
Im »V« fühlte ich mich wohl beim Fußballgucken. Nicht so viel Deutschlandgebrüll, keine Fahnen, dafür nette und kompetente Bierversorgung und eine schöne Leinwand. Was will ich mehr?
Ich bin vielleicht Fußballpatriot, aber das ganze Fahnenschwenken und »Deutschland! Deutschland!«-Gebrülle ist nicht meine Baustelle. Nach wie vor nicht. Ich bin kein Anti-Deutscher, finde die Aussagen dieser Linkssektierer meist zum Brechen – aber Patriotismus in laut geäußerter Form ist einfach nicht meins.
Haben die vielen Antifa-Demos und Aktionen doch was in meinem Hirn bewirkt ...
14 Juni 2006
Autorenbesprechung zum Sommerstart
Manchmal hat das Leben eines Redakteurs auch seine guten Seiten: Gestern machte ich um 18 Uhr Feierabend, düste nach Hause, wo ich mich in kurze Hosen und T-Shirt schmiß und meine alten Turnschuhe anzog.
Mein Besuch war pünktlich, und wir konnten flott losgehen. Der »Kaisergarten« in Karlsruhe mit seinen würdevollen Bäumen ist eine kühle Oase, in der ich die letzten Jahren oft genug gesessen bin, auch mit Besuchen aus anderen Städten.
Seit einiger Zeit gibt es neue Besitzer. Das heißt: neue Bedienungen, die langsamer waren als gewohnt, und eine neue Speisekarte ohne ordentliches vegetarisches Essen. Ich bestellte sündhaft teuren Durchschnittssalat (4,90 Euro für so einen kleinen Labberteller) und eine Portion Pommes.
Beim Bezahlen konnte mir die Bedienung nicht mal eine »richtige Rechnung« geben. Na super – habe ich den Jungautor eben auf eigene Rechnung eingeladen. Auch recht.
Genug gemeckert: Die Getränke waren ordentlich – es dauerte halt immer – und unsere Gespräche sinnvoll. Der Fernseher, in dem die WM plärrte, störte nicht mehr als nötig. Irgendwie spielten in Stuttgart die Franzosen gegen die Schweizer, aber es schien nicht sehr spannend zu sein, und ich fand das Arbeitsgespräch dann doch interessanter. Um 21 Uhr waren wir fertig; als Redakteur hat man's halt manchmal richtig gut.
Mein Besuch war pünktlich, und wir konnten flott losgehen. Der »Kaisergarten« in Karlsruhe mit seinen würdevollen Bäumen ist eine kühle Oase, in der ich die letzten Jahren oft genug gesessen bin, auch mit Besuchen aus anderen Städten.
Seit einiger Zeit gibt es neue Besitzer. Das heißt: neue Bedienungen, die langsamer waren als gewohnt, und eine neue Speisekarte ohne ordentliches vegetarisches Essen. Ich bestellte sündhaft teuren Durchschnittssalat (4,90 Euro für so einen kleinen Labberteller) und eine Portion Pommes.
Beim Bezahlen konnte mir die Bedienung nicht mal eine »richtige Rechnung« geben. Na super – habe ich den Jungautor eben auf eigene Rechnung eingeladen. Auch recht.
Genug gemeckert: Die Getränke waren ordentlich – es dauerte halt immer – und unsere Gespräche sinnvoll. Der Fernseher, in dem die WM plärrte, störte nicht mehr als nötig. Irgendwie spielten in Stuttgart die Franzosen gegen die Schweizer, aber es schien nicht sehr spannend zu sein, und ich fand das Arbeitsgespräch dann doch interessanter. Um 21 Uhr waren wir fertig; als Redakteur hat man's halt manchmal richtig gut.
12 Juni 2006
Voll der Fußball-Streß
Eigentlich sollte der Sonntag ja zum Ausspannen da sein. So nicht bei mir. Er war komplett stressig, und das bei tollem Wetter.
Morgens gemeinsames Frühstücken im »Krokodil«. Brunchen heißt das neudeutsch, altdeutsch hieße es »Fressen bis die Wampe spannt«.
Ich düste nach Hause, um mir das Spiel der Niederlande gegen Serbien-Montenegro anzugucken; stellenweise recht spannend, aber nicht so, daß ich mich daran in zehn Jahren noch erinnern werde. Nicht einmal mehr in zehn Tagen.
Danach war genügend Zeit, um wie ein Blöder radzufahren. Völlig verschwitzt und verdreckt und von Insekten zerstochen (selbst schuld, durch die Rheinaue bei Wörth zu strampeln), kam ich nach Hause, las ein wenig auf dem Balkon, bevor ich mich wieder vor die Glotze setzte: Mexiko gegen Iran.
Da ich mein Lesepensum erfüllen mußte – Roman eines neuen PERRY RHODAN-Autors, hoppsa! -, las und guckte ich abwechselnd, genoß die Sonne auf dem Balkon. Zwischendrin gab's leckeres Abendessen.
Und hinterher düsten wir in die Nordstadt, wo wir im »V« das Spiel zwischen Portugal und Angola anschauten. War ich anfangs noch neutral, fieberte ich am Ende auf einen Ausgleich für die Afrikaner. Leider hat's nicht geklappt; enttäuschend fand ich die Portugiesen trotzdem.
Morgens gemeinsames Frühstücken im »Krokodil«. Brunchen heißt das neudeutsch, altdeutsch hieße es »Fressen bis die Wampe spannt«.
Ich düste nach Hause, um mir das Spiel der Niederlande gegen Serbien-Montenegro anzugucken; stellenweise recht spannend, aber nicht so, daß ich mich daran in zehn Jahren noch erinnern werde. Nicht einmal mehr in zehn Tagen.
Danach war genügend Zeit, um wie ein Blöder radzufahren. Völlig verschwitzt und verdreckt und von Insekten zerstochen (selbst schuld, durch die Rheinaue bei Wörth zu strampeln), kam ich nach Hause, las ein wenig auf dem Balkon, bevor ich mich wieder vor die Glotze setzte: Mexiko gegen Iran.
Da ich mein Lesepensum erfüllen mußte – Roman eines neuen PERRY RHODAN-Autors, hoppsa! -, las und guckte ich abwechselnd, genoß die Sonne auf dem Balkon. Zwischendrin gab's leckeres Abendessen.
Und hinterher düsten wir in die Nordstadt, wo wir im »V« das Spiel zwischen Portugal und Angola anschauten. War ich anfangs noch neutral, fieberte ich am Ende auf einen Ausgleich für die Afrikaner. Leider hat's nicht geklappt; enttäuschend fand ich die Portugiesen trotzdem.
10 Juni 2006
Fußball gemeinsam gucken ...
1974 war meine erste Fußball-Weltmeisterschaft. Unvergessen die Wasserschlacht Deutschland gegen Polen mit einem verbissenen Berti Vogts und einem souverän den Ball übers Feld schießenden Sepp Maier.
Jetzt haben wir 2006, ich bin ein seriöser erwachsener Mann. Und ich gucke Fußball. Eigentlich in der Kneipe.
Aber gestern abend war’s im »V« brechend voll, als wir dort einliefen. Deutschland gegen Costa Rico lief, ich sicherte mir einen Platz an der Theke, wo ich kühles Bier bekam und einen schönen Blick auf die Leinwand erhielt.
Dummerweise waren meine Begleiter/innen alle kleiner als ich. Was dazu führte, daß wir den Rest des Fußball-Abends bei Ulf und Kerstin zu Ende brachten und ich deren Kühlschrank leertrank – leckeres tschechisches Bier gab es.
Deutschland gewann verdient gegen Costa Rica, trotz der schlechten deutschen Abwehr, während Ecuador gegen Polen eine verkrampfte Partie war. Ebenso wie heute die Engländer gegen Paragugay – das war nicht besonders überzeugend.
Schauen wir mal, wie die WM weitergeht. Vor dem Fernseher bin ich dabei ...
Jetzt haben wir 2006, ich bin ein seriöser erwachsener Mann. Und ich gucke Fußball. Eigentlich in der Kneipe.
Aber gestern abend war’s im »V« brechend voll, als wir dort einliefen. Deutschland gegen Costa Rico lief, ich sicherte mir einen Platz an der Theke, wo ich kühles Bier bekam und einen schönen Blick auf die Leinwand erhielt.
Dummerweise waren meine Begleiter/innen alle kleiner als ich. Was dazu führte, daß wir den Rest des Fußball-Abends bei Ulf und Kerstin zu Ende brachten und ich deren Kühlschrank leertrank – leckeres tschechisches Bier gab es.
Deutschland gewann verdient gegen Costa Rica, trotz der schlechten deutschen Abwehr, während Ecuador gegen Polen eine verkrampfte Partie war. Ebenso wie heute die Engländer gegen Paragugay – das war nicht besonders überzeugend.
Schauen wir mal, wie die WM weitergeht. Vor dem Fernseher bin ich dabei ...
09 Juni 2006
Weitere Berichte vom ColoniaCon
Das Internet hat Vor- und Nachteile. Einer der Nachteile ist sicher die unglaubliche Informationsflut, ein Vorteil ist gleichzeitig aber auch, daß man extrem viele Informationen in sehr kurzer Zeit erhalten kann. Eins schönes Beispiel ist der ColoniaCon: Kaum ist er vorüber, gibt es schon wieder haufenweise Texte dazu.
Meinen eigenen Bericht im Blog hier könnt Ihr weiter unten lesen, ebenso einen weiteren Bericht über die Probleme mit Bordsteinen und anderem. Mittlerweile gibt es darüber hinaus einen Bericht von mir, den ich für die PERRY RHODAN-Homepage geschrieben habe ...
Ein riesiger Bericht auf der offiziellen Seite enthält haufenweise Fotos von allen möglichen Leuten und Gelegenheiten. Leider ist die Beschriftung nicht optimal ausgefallen, so daß man nicht unbedingt wissen kann, wer auf den Bildern denn nun wirklich zu sehen ist. Aber man kann ja nicht alles haben ...
Ein sehr seltsamer Bericht, der offensichtlich von einem ganz anderen Con kündet, als den, der von mir besucht wurde, stammt von Thorsten Küper. »Anscheinend fällt es den Lesern schwer, sich auf neue Universen, neue Hauptpersonen einzulassen und deswegen trägt man literarische Scheuklappen, begrenzt die Vorliebe auf einen engen Korridor aus Trivialfastfood.« Aha.
Thomas Rabenstein vom Nebular-Team schreibt seine persönlichen Eindrücke nieder, die auch mit meinen eigenen nicht viel zu tun haben. Schon lustig – ich könnte mir vorstellen, daß wir am selben Wochenende auf verschiedenen Veranstaltungen weilten.
Innerhalb des Diskussionsforums auf der PERRY RHODAN-Homepage, dem sogenannten Galaktischen Forum, gibt es einige Fotos zu sehen (schattenhaft am Rand gelegentlich: ich), dazu die Diskussion der Leser und Conbesucher. Dieser Bericht hat zumindest andeutungsweise mit meinen eigenen Erfahrungen zu tun.
Extrem viele Bilder zu Köln, dem Kölner Dom und den Blicken über den Rhein gibt es auf der österreichischen Seite Skywarn.at zu sehen. Vom Con selbst ist in diesem Thread nichts zu sehen, das aber ist auch nicht Sinn der Sache, wie mir scheint. Eine Seite also vor allem für Köln-Fans, die mal sehen wollen, was ein Wiener von ihrer Stadt so hält ...
Einige wenige Bilder, ein netter Artikel: Christian Spließ' Artikel hat ein bißchen mehr mit meinen persönlichen Empfindungen zu tun als die meisten anderen. Nett, sehr nett. Ich erinnere mich auch, den Kollegen Spließ getroffen zu haben; allerdings sprachen wir nichts miteinander außer einem »hallo«. Wird bei Gelegenheit nachgeholt, hoffe ich.
Mir persönlich war bisher nicht bekannt, dass es ein KayLog gibt. Zugang dazu bekam ich bei meiner Recherche nach ColoniaCon-Berichten – wieder eine neue interessante Facette zu diesem Con. Es scheinen mehr Berichterstatter als »echte« Fans anwesend gewesen zu sein. Das war früher in der Tat auch anders ...
Unglaublich viele Fotos präsentiert sf-fan.de, allerdings bislang noch keinen Bericht. Die kurzen Kommentare zu den Fotos reichen denjenigen aus, die alle betreffenden Personen kennen – es ist eine eher fannische Ansicht, sprich, es sind vor allem SF-Fans und Szene-Aktivisten zu erkennen.
Meinen eigenen Bericht im Blog hier könnt Ihr weiter unten lesen, ebenso einen weiteren Bericht über die Probleme mit Bordsteinen und anderem. Mittlerweile gibt es darüber hinaus einen Bericht von mir, den ich für die PERRY RHODAN-Homepage geschrieben habe ...
Ein riesiger Bericht auf der offiziellen Seite enthält haufenweise Fotos von allen möglichen Leuten und Gelegenheiten. Leider ist die Beschriftung nicht optimal ausgefallen, so daß man nicht unbedingt wissen kann, wer auf den Bildern denn nun wirklich zu sehen ist. Aber man kann ja nicht alles haben ...
Ein sehr seltsamer Bericht, der offensichtlich von einem ganz anderen Con kündet, als den, der von mir besucht wurde, stammt von Thorsten Küper. »Anscheinend fällt es den Lesern schwer, sich auf neue Universen, neue Hauptpersonen einzulassen und deswegen trägt man literarische Scheuklappen, begrenzt die Vorliebe auf einen engen Korridor aus Trivialfastfood.« Aha.
Thomas Rabenstein vom Nebular-Team schreibt seine persönlichen Eindrücke nieder, die auch mit meinen eigenen nicht viel zu tun haben. Schon lustig – ich könnte mir vorstellen, daß wir am selben Wochenende auf verschiedenen Veranstaltungen weilten.
Innerhalb des Diskussionsforums auf der PERRY RHODAN-Homepage, dem sogenannten Galaktischen Forum, gibt es einige Fotos zu sehen (schattenhaft am Rand gelegentlich: ich), dazu die Diskussion der Leser und Conbesucher. Dieser Bericht hat zumindest andeutungsweise mit meinen eigenen Erfahrungen zu tun.
Extrem viele Bilder zu Köln, dem Kölner Dom und den Blicken über den Rhein gibt es auf der österreichischen Seite Skywarn.at zu sehen. Vom Con selbst ist in diesem Thread nichts zu sehen, das aber ist auch nicht Sinn der Sache, wie mir scheint. Eine Seite also vor allem für Köln-Fans, die mal sehen wollen, was ein Wiener von ihrer Stadt so hält ...
Einige wenige Bilder, ein netter Artikel: Christian Spließ' Artikel hat ein bißchen mehr mit meinen persönlichen Empfindungen zu tun als die meisten anderen. Nett, sehr nett. Ich erinnere mich auch, den Kollegen Spließ getroffen zu haben; allerdings sprachen wir nichts miteinander außer einem »hallo«. Wird bei Gelegenheit nachgeholt, hoffe ich.
Mir persönlich war bisher nicht bekannt, dass es ein KayLog gibt. Zugang dazu bekam ich bei meiner Recherche nach ColoniaCon-Berichten – wieder eine neue interessante Facette zu diesem Con. Es scheinen mehr Berichterstatter als »echte« Fans anwesend gewesen zu sein. Das war früher in der Tat auch anders ...
Unglaublich viele Fotos präsentiert sf-fan.de, allerdings bislang noch keinen Bericht. Die kurzen Kommentare zu den Fotos reichen denjenigen aus, die alle betreffenden Personen kennen – es ist eine eher fannische Ansicht, sprich, es sind vor allem SF-Fans und Szene-Aktivisten zu erkennen.
08 Juni 2006
Moloko Plus bespricht ENPUNKT 42
»Klaus, so kann's nicht weiter gehen mit dir« schreibt Anke aus Mannheim in ihrer Besprechung zu meinem Fanzine ENPUNKT 42. Diese Besprechung erschien im Fanzine Moloko Plus – und sie wurde auch auf der entsprechenden Homepage veröffentlicht. Es lohnt sich ja, diesem Link zu folgen, ähm, weil die gute Frau es nicht an härterer Kritik mangeln läßt.
In der Tat machte ich mich in den letzten Monaten – im gesamten letzten Jahr – sehr rar in Städten wie Mannheim und Stuttgart, was Punkrock-Aktivitäten angeht. Die Kritik ist angebracht und zutreffend, wie ich peinlich berührt eingestehen muß.
Aber es läßt sich halt nicht mehr alles so leicht machen wie vor zehn Jahren.
Über die unterm Strich sehr positive Besprechung zu meinem Schmierheft habe ich mich trotzdem gefreut. Vor allem, wenn alsbald die Nummer 43 rauskommt ...
In der Tat machte ich mich in den letzten Monaten – im gesamten letzten Jahr – sehr rar in Städten wie Mannheim und Stuttgart, was Punkrock-Aktivitäten angeht. Die Kritik ist angebracht und zutreffend, wie ich peinlich berührt eingestehen muß.
Aber es läßt sich halt nicht mehr alles so leicht machen wie vor zehn Jahren.
Über die unterm Strich sehr positive Besprechung zu meinem Schmierheft habe ich mich trotzdem gefreut. Vor allem, wenn alsbald die Nummer 43 rauskommt ...
Geniale Platte von Bela B.

Seit Tagen dreht sich bei mir zu Hause die Doppel-LP »Bingo« auf dem Plattenteller. Vinyl natürlich, wie es sich gehört – dank dieser Gestaltung kommt auch das unglaubliche Plattencover viel besser zur Geltung.
Bela B., im wirklichen Leben der Schlagzeuger der Ärzte und nebenbei Comic-Verleger, hat endlich seine Solo-Platte herausgebracht. Ich bin kein riesiger Ärzte-Fan, habe die Band aber mehrfach gesehen und besitze schätzungsweise ein halbes Dutzend Platten der Band. Sieht man von der Stimme ab, hat Bela B. auf dieser Platte so viel nicht mit seiner Haupt-Band zu tun.
Sehr punkig ist das ganze nicht, eher ähnelt es einer Mischung aus intellektuellem Schlager, coolem Chanson und einigen Rock-Krachern. Getragen wird die Platte von der Stimme des Sängers, der hier wirklich »schön« singt und von einer Handvoll prominenter Gastsängerinnen – unter anderem Charlotte Roche – unterstützt wird.
Daneben gibt es haufenweise durchaus sinnvoller Texte, etwa eine kritische Deutschland-Sicht in »Wiehr thind sssuper«; dazu Liebeslieder sowie anderes schräges Zeugs. Ich tu’ mich schwer, die Platte so richtig sauber zu charakterisieren, und lasse es dabei: Bislang das beste Vinyl-Werk im Jahr 2006. Da muß noch viel kommen, um dieses Ding zu toppen.
Kaufen, Leute!
»Und: Hardcore!« Teil 2 erschienen

Der zweite Teil meines neuen Fortsetzungsromans ist im OX erschienen, konkret in der Ausgabe 666, die mit entsprechendem Titelbild aufwartet. Zum Inhalt des Heftes kann ich noch nichts sagen, weil ich noch nichts gelesen habe – wird aber nachgeholt.
Im zweiten Teil von »Und: Hardcore!« ist Peter Meißner alias Peter Pank immer noch in einem kleinen Kaff im Randgebiet des Schwarzwaldes. Mit seinem Kumpel Jörg, bei dem er sich ganz unpunkig eingezeckt hat und mit dem er im Walt arbeitet, geht er in die Kneipe des fiktiven Dorfes Achterfingen, was nicht ohne Komplikationen abläuft.
Ein Hippie und ein Punk in einem schwäbischen Dorf, weitab jeglicher Stadt – das kann eigentlich nur schiefgehen. Und damit bahnt sich gleich der nächste Streß für meinen Romanhelden an. Wer mehr wissen will, muß halt das OX lesen ...
06 Juni 2006
Wo bekomme ich »Chaos en France«?

Ich habe jetzt schon einige Male gehört, daß es mein Buch »Chaos en France« nicht überall gibt oder daß es Schwierigkeiten gibt, es zu bestellen. Ich schlage vier verschiedene Möglichkeiten vor:
1.
Ihr notiert Euch die ISBN 3865460380, marschiert mit dieser in eine x-beliebige Buchhandlung und bestellt es dort. Müßte eigentlich immer gehen.
2.
Ihr bestellt direkt beim Verlag; das kostet zwar Porto, dafür haben die aber viele andere tolle Bücher, die sich oftmals sehr lohnen.
3.
Ihr bestellt bei einem Punk-Versand, etwa Nix Gut Records. Da gibt es das Buch auch, und es gibt haufenweise Punkrock-Kram drumrum.
4.
Ihr bestellt es direkt bei mir. Dann bekommt Ihr das Buch sogar mit einer Unterschrift, wenn es denn sein muss. Über Porto und so einen Kram können wir ja verhandeln ... Wer zu faul ist, meine Mail-Adresse zu suchen, dem nenne ich mal folgende (denkt Euch anstelle des &-Zeichens einfach ein »@«): enpunkt&gmx.de.
04 Juni 2006
René, EXODUS und ein Bordstein
Gefreut hat’s mich in Köln unter anderem, nach all den Jahren endlich mal René Moreau kennenzulernen, dessen Fanzine EXODUS mich anno 1979 wirklich »gekickt« hat: Das war damals ein SF-Heft voller politischer Radikalität, das auf den 15jährigen aus Dietersweiler wie eine kleine Bombe wirkte.
Ich erinnere mich an Texte eines Strafgefangenen, bei deren Lektüre mir der Mund vor Staunen offen stehen blieb, und ich erinnere mich an Gedichte unter anderem von Thomas Ziegler, die ich einfach unglaublich genial fand. Das war großartig!
1979 ist lange her, und wir haben über ein Vierteljahrhundert gebraucht, bis wir uns endlich mal unterhielten. Das fand ich jetzt richtig klasse; sehr schön. Und EXODUS gibt es auch wieder - hurra!
Ich hoffe aber, daß es nicht an mir lag, daß René sein Auto, das etwas unpraktisch geparkt war, so über einen Bordstein fuhr, daß es aufsetzte. Oh weh!, da stand er nun schräg unter der Kölner Zoobrücke, und sein Auto hing auf einem Bordstein fest.
Glücklicherweise waren neben mir auch zwei starke Männer anwesend: Werner Fuchs und Marc O. Szodruch vom Verlag Fantasy Productions, mit denen ich gerade feudal in dem nahe gelegenen Therme-Restaurant futtern gewesen war. Mit vereinten Kräften hievten wir die Karre vom Bordstein herunter.
Und als ich heute nacht durch den strömenden Regen auf der Autobahn A3 zwischen Siegburg und Wiesbaden durch die Dunkelheit schlidderte, dachte ich wieder an René und hoffte nur, daß er es noch gut heimgeschafft hatte.
Ich erinnere mich an Texte eines Strafgefangenen, bei deren Lektüre mir der Mund vor Staunen offen stehen blieb, und ich erinnere mich an Gedichte unter anderem von Thomas Ziegler, die ich einfach unglaublich genial fand. Das war großartig!
1979 ist lange her, und wir haben über ein Vierteljahrhundert gebraucht, bis wir uns endlich mal unterhielten. Das fand ich jetzt richtig klasse; sehr schön. Und EXODUS gibt es auch wieder - hurra!
Ich hoffe aber, daß es nicht an mir lag, daß René sein Auto, das etwas unpraktisch geparkt war, so über einen Bordstein fuhr, daß es aufsetzte. Oh weh!, da stand er nun schräg unter der Kölner Zoobrücke, und sein Auto hing auf einem Bordstein fest.
Glücklicherweise waren neben mir auch zwei starke Männer anwesend: Werner Fuchs und Marc O. Szodruch vom Verlag Fantasy Productions, mit denen ich gerade feudal in dem nahe gelegenen Therme-Restaurant futtern gewesen war. Mit vereinten Kräften hievten wir die Karre vom Bordstein herunter.
Und als ich heute nacht durch den strömenden Regen auf der Autobahn A3 zwischen Siegburg und Wiesbaden durch die Dunkelheit schlidderte, dachte ich wieder an René und hoffte nur, daß er es noch gut heimgeschafft hatte.
Mal wieder ColoniaCon
Es wird von Jahr zu Jahr seltsamer für mich, in den »Jugendpark« nach Köln-Deutz zu fahren. In den frühen 80er Jahren waren diese Ausflüge nach Köln ein prickelndes Abenteuer für den jugendlichen Klaus N. Frick aus dem Schwarzwalddorf – heute werden sie immer mehr zu einer Pflichterfüllung. So auch am Samstag, 3. Juni 2006.
Meine schlimmsten Erwartungen wurden glücklicherweise alle NICHT erfüllt: Was ich von dem ColoniaCon 2006 mitbekam, war sehr harmonisch. Ein sehr gut organisiertes Treffen von Science-Fiction-Fans, das teilweise dieselben Nasen veranstalteten (Achim Mehnert und Co.), bei denen ich schon anno 1983 auf dem Fußboden pennte – sehr schön. Wie ich mitbekam, klappte alles vorzüglich, und die Stimmung unter den gut 250 Besuchern war ausgesprochen gut.
Ich selbst tummelte mich bei einem Programmpunkt – die Jahreshauptversammlung der PERRY RHODAN-FanZentrale – im Saal, saß bei einem anderen Programmpunkt – die Zukunft der ATLAN-Romane – auf dem Podium und redete ansonsten in Zweier- bis Fünfer-Gesprächen mit Autoren und Zeichnern. Ein ausführlicher Bericht folgt hoffentlich noch im Lauf dieser Woche in meinem Logbuch der Redaktion auf der PERRY RHODAN-Homepage.
Unterm Strich machte mir der Aufenthalt in Köln wirklich Spaß; es war eine reine Arbeitsveranstaltung ohne jeglichen privaten Anteil, aber okay. Aus dem Fan Klaus, der die ColoniaCons in den 80er Jahren zur Selbstbeweihräucherung nutzte, ist eben der Chefredakteur Herr Frick geworden, der sich manchmal über sich selbst wundert.
Meine schlimmsten Erwartungen wurden glücklicherweise alle NICHT erfüllt: Was ich von dem ColoniaCon 2006 mitbekam, war sehr harmonisch. Ein sehr gut organisiertes Treffen von Science-Fiction-Fans, das teilweise dieselben Nasen veranstalteten (Achim Mehnert und Co.), bei denen ich schon anno 1983 auf dem Fußboden pennte – sehr schön. Wie ich mitbekam, klappte alles vorzüglich, und die Stimmung unter den gut 250 Besuchern war ausgesprochen gut.
Ich selbst tummelte mich bei einem Programmpunkt – die Jahreshauptversammlung der PERRY RHODAN-FanZentrale – im Saal, saß bei einem anderen Programmpunkt – die Zukunft der ATLAN-Romane – auf dem Podium und redete ansonsten in Zweier- bis Fünfer-Gesprächen mit Autoren und Zeichnern. Ein ausführlicher Bericht folgt hoffentlich noch im Lauf dieser Woche in meinem Logbuch der Redaktion auf der PERRY RHODAN-Homepage.
Unterm Strich machte mir der Aufenthalt in Köln wirklich Spaß; es war eine reine Arbeitsveranstaltung ohne jeglichen privaten Anteil, aber okay. Aus dem Fan Klaus, der die ColoniaCons in den 80er Jahren zur Selbstbeweihräucherung nutzte, ist eben der Chefredakteur Herr Frick geworden, der sich manchmal über sich selbst wundert.
02 Juni 2006
Wer ist Schuld an der Misere?
Man sollte es sich abgewöhnen, Nachrichten zu gucken oder Zeitung zu lesen. Der Brechreiz steigt mit jedem Tag.
Schuld daran sind häufig die Aussagen irgendwelcher Politiker, die neuerdings die Arbeitslosen und die Hartz-IV-Empfänger als Schuldige der wirtschaftlichen Schieflage ausfindig gemacht haben. Man könnte wirklich jeden Abend vor der Glotze schreien, toben und zum Bürgerkrieg aufrufen. Tut man aber nicht, wenn man auf dem Sofa sitzt: Ich zumindest stiere entsetzt vor mich hin, trinke Kräutertee und verstehe die Welt nicht mehr.
Auf der mir bislang unbekannten Seite curious-creatures findet sich ein sehr passender Artikel zum Thema, inklusive einer Grafik: Selbst wenn unsere glorreiche Regierung und der angeblich sozial-demokratische Arbeitsminister Münte es hinkriegen, alle faulen Arbeitslosen in die Arbeitswelt zu prügeln, bleiben immer noch locker vier Millionen Arbeitslose übrig.
Und was macht man mit denen dann? Das ist es, was mich an den hoch bezahlten und meist stinkereichen Politikern nervt: Über Arbeitslose herziehen und ihnen Faulheit vorwerfen, das können sie – ist auch kein Problem, könnte ich ebenfalls locker machen. Am eigentlichen Grundproblem was ändern, das können sie nicht.
Daß ich ebensowenig weiß, wie das Grundproblem anzugehen ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber ich fordere zumindest nicht den Großeinsatz der Polizei und irgendwelcher Detektive gegen arme Schweine, die mit Tricks versuchen, sich ein paar Krümel mehr vom Brottisch der Bonzen abzugrabschen.
Schuld daran sind häufig die Aussagen irgendwelcher Politiker, die neuerdings die Arbeitslosen und die Hartz-IV-Empfänger als Schuldige der wirtschaftlichen Schieflage ausfindig gemacht haben. Man könnte wirklich jeden Abend vor der Glotze schreien, toben und zum Bürgerkrieg aufrufen. Tut man aber nicht, wenn man auf dem Sofa sitzt: Ich zumindest stiere entsetzt vor mich hin, trinke Kräutertee und verstehe die Welt nicht mehr.
Auf der mir bislang unbekannten Seite curious-creatures findet sich ein sehr passender Artikel zum Thema, inklusive einer Grafik: Selbst wenn unsere glorreiche Regierung und der angeblich sozial-demokratische Arbeitsminister Münte es hinkriegen, alle faulen Arbeitslosen in die Arbeitswelt zu prügeln, bleiben immer noch locker vier Millionen Arbeitslose übrig.
Und was macht man mit denen dann? Das ist es, was mich an den hoch bezahlten und meist stinkereichen Politikern nervt: Über Arbeitslose herziehen und ihnen Faulheit vorwerfen, das können sie – ist auch kein Problem, könnte ich ebenfalls locker machen. Am eigentlichen Grundproblem was ändern, das können sie nicht.
Daß ich ebensowenig weiß, wie das Grundproblem anzugehen ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber ich fordere zumindest nicht den Großeinsatz der Polizei und irgendwelcher Detektive gegen arme Schweine, die mit Tricks versuchen, sich ein paar Krümel mehr vom Brottisch der Bonzen abzugrabschen.
01 Juni 2006
Im sonnigen Baden
Karlsruhe gilt als eine Stadt, die von der Sonne verwöhnt wird. Das gilt sogar an Tagen wie diesen, an denen jeder vernünftige Mensch an der Erderwärmung zweifelt.
8,5 Grad zeigte das Thermometer, als ich um 20 Uhr nach Hause fuhr. Fürchterlich. Solche Temperaturen hatten wir auch im Dezember.
Bis ich mit meiner Schwester telefonierte; sie wohnt in Freudenstadt im Schwarzwald. Da komme ich her.
»Heute mittag hat’s bei uns geschneit«, berichtete sie. Schnee im Juni. Na super!
Ich bin froh, daß wir in Karlsruhe tropische achteinhalb Grad haben. Da pack’ ich für morgen doch gleich die Badehose ein.
8,5 Grad zeigte das Thermometer, als ich um 20 Uhr nach Hause fuhr. Fürchterlich. Solche Temperaturen hatten wir auch im Dezember.
Bis ich mit meiner Schwester telefonierte; sie wohnt in Freudenstadt im Schwarzwald. Da komme ich her.
»Heute mittag hat’s bei uns geschneit«, berichtete sie. Schnee im Juni. Na super!
Ich bin froh, daß wir in Karlsruhe tropische achteinhalb Grad haben. Da pack’ ich für morgen doch gleich die Badehose ein.
Udo war leider nicht da
Geschäftlich verschlug es mich am Dienstag, 30. Mai, und Mittwoch, 31. Mai, nach Hamburg. Im Auftrag der Firma hatte ich einen extrem wichtigen Termin.
Extrem wichtig, das heißt: Ich trug meinen besten Anzug und eine Krawatte. Wobei der »beste Anzug« auch schon von 1998 ist und ich feststelle, wie eng die Hose unverschämterweise im Lauf der Jahre geworden ist.
Untergebracht war ich standesgemäß im Hotel »Atlantic«. Blick aus dem feudalen Frühstücksraum auf die Außenalster, die im fürchterlichen Dauerregen sehr grau und pissig wirkte. Aus dem Fenster meines wohnungsgroßen Zimmers – inklusive großem Badezimmer, Vorraum und Büroecke – sah ich auf einen weniger romantischen Innenhof. Aber was will ich da schon sagen?
Die Einrichtung wirkte sehr plüschig; aus den Rahmen riesiger Bilder in der Hotelhalle blickten Kaiser Wilhelm und irgendwelche Schiffe auf mich herunter. Immerhin war der Gimlet in der Bar sauber gemixt (und ich hinterher ein wenig arg lustig), und der Sänger, der zur Klavierbegleitung irgendwelche Elton-John-und-so-Stücke trällerte, klang ganz vernünftig.
Nur Udo Lindenberg war nirgends zu sehen. Dabei wohnt der alternde Rockstar, der seine besten Zeiten auch schon seit über einem Vierteljahrhundert hinter sich hat, im »Atlantic«. Das zumindest erzählte mir jeder, sogar der Taxi-Fahrer wußte das.
nscheinend hatte »unser Udo«, dessen Lied »wir sind Rocker« immerhin namensgebend für die Karlsruher Krach-Kapelle Luzifers Mob war, ausgerechnet an diesem Tag und an diesem Abend besseres zu tun ...
Extrem wichtig, das heißt: Ich trug meinen besten Anzug und eine Krawatte. Wobei der »beste Anzug« auch schon von 1998 ist und ich feststelle, wie eng die Hose unverschämterweise im Lauf der Jahre geworden ist.
Untergebracht war ich standesgemäß im Hotel »Atlantic«. Blick aus dem feudalen Frühstücksraum auf die Außenalster, die im fürchterlichen Dauerregen sehr grau und pissig wirkte. Aus dem Fenster meines wohnungsgroßen Zimmers – inklusive großem Badezimmer, Vorraum und Büroecke – sah ich auf einen weniger romantischen Innenhof. Aber was will ich da schon sagen?
Die Einrichtung wirkte sehr plüschig; aus den Rahmen riesiger Bilder in der Hotelhalle blickten Kaiser Wilhelm und irgendwelche Schiffe auf mich herunter. Immerhin war der Gimlet in der Bar sauber gemixt (und ich hinterher ein wenig arg lustig), und der Sänger, der zur Klavierbegleitung irgendwelche Elton-John-und-so-Stücke trällerte, klang ganz vernünftig.
Nur Udo Lindenberg war nirgends zu sehen. Dabei wohnt der alternde Rockstar, der seine besten Zeiten auch schon seit über einem Vierteljahrhundert hinter sich hat, im »Atlantic«. Das zumindest erzählte mir jeder, sogar der Taxi-Fahrer wußte das.
nscheinend hatte »unser Udo«, dessen Lied »wir sind Rocker« immerhin namensgebend für die Karlsruher Krach-Kapelle Luzifers Mob war, ausgerechnet an diesem Tag und an diesem Abend besseres zu tun ...
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