13 Juli 2011

Christdemokratische Probleme

Was für ein großer Spaß! Irgendwelche CDU-Wichtigtuer, die vom Internet noch weniger Ahnung haben als die Oma von nebenan, schlagen seit einiger Zeit Alarm, man möge doch bitte die sogenannten Facebook-Partys verbieten – und prompt gibt es Reaktionen im Internet: Aktivisten rufen dazu auf, zu Tausenden die Sommerfeste irgendwelcher örtlichen Christdemokraten zu besuchen.

Die Empörung ist groß. So was dürfe man nicht machen, das sei schließlich alles viel zu gefährlich. Der Ruf nach der Polizei, nach der Staatsgewalt also, wird lauter.

Aber wundern darf man sich da nicht. Moderne Kommunikation ist in den meisten Parteien noch unbekannt, wie ein Blick in die einschlägigen Foren und auf die ebenso einschlägigen Seiten belehrt. Die CDU-Granden wissen schlicht nicht, was sie mit Facebook anfangen sollen; ignorieren geht nun mal nicht, weil man modern sein will.

Also ruft man via Facebook zu Veranstaltungen auf, schreit aber andererseits gegen sogenannte Facebook-Partys. Die Irritation ist da, wenngleich nicht gewollt. Ich lehne mich behaglich zurück, halte das Popcorn bereit und warte auf die weiteren Ereignisse ...

Kommentare:

My. hat gesagt…

Es tut mir leid, Klaus, dir das sagen zu müssen - und ich hoffe inständig, deine eigene politische Linie damit nicht in unangemessener Weise zu verletzen -, aber die Unfähigkeit, mit der modernen Kommunikationstechnik das zu tun, was selbst der letzte Depp damit tun kann (kann!), ist kein alleiniges Credo von CDU-Politikern. Alle anderen Parteien, SPD, FDP, CSU, Grüne, Linke, irgendwelche freien Wähler, die alle sind genauso dumm (im Sinne des Wortes DUMM!). [Möglicherweise ist das eine Erklärung für den Zulauf bei den Piraten, aber da bin ich noch nicht so drin ... vielleicht sind die ja auch nicht wirklich intellent ...]

My.

Enpunkt hat gesagt…

Ähm ... keinerlei Widerspruch. Ich weiß, dass es in den meisten Parteien durchaus vernünftige Leute gibt; sogar bei der FDP soll es welche geben. Das Ausmaß an Blödheit, das teilweise in der Öffentlichkeit vermittelt wird, erschüttert mich dennoch immer.

Piratenpartei: Das ist ein ganz anderes Thema. Solange die zum Eigentumsdiebstahl so ein seltsames Verhältnis haben, mag ich die nicht ...

stefan hat gesagt…

Wie zeigt sich denn das angeblich "seltsame Verhältnis zum Eigentumsdiebstahl" genau?

Kann es sein, dass Du hier den Falschinformationen der etablierten Parteien und der Medien einfach mal geglaubt hast?

Schau Dir mal das Parteiprogramm genau an und sprich mit Piraten. Es geht Ihnen sogar um eine Verbesserung der Rechte der Urheber - aber natürlich auch um eine Lockerung von viel zu restriktiven Gesetzen, die ausschließlich den Verwertern nutzen, nicht aber den Urhebern.

Das Thema ist zu komplex, um es in einem Blogkommentar erschöpfend besprechen zu können, aber Deine letzte Anmerkung wollte ich so dann doch nicht stehen lassen...

Was die CDU angeht: klar gibt es auch in den anderen Parteien mehr als genug Deppen, die keine Ahnung vom Netz haben, aber dennoch groß herumtönen - und viel schlimmer: Gesetze dazu beschließen, die fernab jeglicher Realität sind. Die CDU zeigt hier aber insbesondere, wie dumm sie sind.

Enpunkt hat gesagt…

Das Thema Eigentumsdiebstahl ist zu komplex für eine Blog-Diskussion, das stimmt. Nur: Ich habe mit Mitgliedern der Piratenpartei gesprochen, ich habe Texte von denen gelesen - und das war für mich alles Mumpitz.

Da geht's nicht um die Rechte der Urheber, da geht's immer um die Rechte derjenigen, die »für umme« an die jeweiligen Inhalte heranwollen. Wenn ich diesen Quatsch von wegen Kultur-Flatrate und dergleichen lese, tobe ich schon.

Wobei ich - das betone ich ausdrücklich! - hier nicht die Position der Verlage einnehme, obwohl ich in einem Verlag arbeite. Meine Position ist die der Urheber, also der Künstler, Autoren und Musiker. Und die sollen für ihre Arbeit ein angemessenes Geld erhalten.