25 Juli 2013

Über die Jugend von heute

Das neue Aufreger-Thema wird vom »Spiegel« hochgekocht und vom halben Facebook nachgeplappert: Die Jugend von heute ist rüpelhaft, ungezogen, laut und faul. Als ob wir das nicht immer schon gewusst hätten ...

Vor zwanzig Jahren diskutierte ich mit zwei Autoren und einem sehr belesenen Science-Fictio-Fan über dasselbe Thema. Zwei der Anwesenden waren sich einig, dass die Jugendlichen nicht mehr in der Lage seien, komplexe Texte zu verstehen, und sowieso nur Scheißmusik hören würden. Es sei zudem schlimm, wie schlecht sich manche Jugendliche verhielten.

Angeblich hat sich schon Sokrates über die Jugendlichen zu seiner Zeit geärgert. Wahrscheinlich hörten die damals auch Scheißmusik, benutzten schmutzige Ausdrücke und furzten in aller Öffentlichkeit. Nichts neues also unter unserer Sonne.

Zu meiner Zeit machten sich die Erwachsenen nicht nur Sorge um mich und mein Lotterleben, sondern auch um die gesamte Jugend. Wir seien die »No-Future-Jugend«, hieß es in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren, und wir bekämen nichts auf die Reihe, seien nur auf Saufen und Party aus; gewalttätiger seien wir sowieso.

Wenn es nicht so erbärmlich wäre, müsste man nur darüber lachen. Die Klischees wiederholen sich. In den zwanziger Jahren hat man garantiert über die vergnügungssüchtige Jugend gelästert. Und die gewalttätigste Jugend des zwanzigsten Jahrhunderts war die Generation, die in den 40er-Jahren ganz Europa in einen Sumpf aus Blut und Gewalt verwandelt hat ...

Allerdings muss ich feststellen, dass heutzutage wirklich einiges im Argen liegt. Da ich einige Lehrer im Bekanntenkreis habe, höre ich immer wieder Geschichten, bei denen ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. (Die haben sich garantiert meine Lehrer damals auch untereinander erzählt ...)

Nur: Es ist meine Generation, die die heutige Jugend so »gemacht« hat, die Generation jener Männer und Frauen, die heute zwischen 35 und 55 Jahren alt ist. Und es ist dieselbe Generation, die über jene Jugend herzieht. Es ist erbärmlich und witzig zugleich ...

Kommentare:

Rainer Mauch hat gesagt…

Hallo Klaus,

in den Spiegel-Artikel wird aber nicht nur auf die Jugend geschumpfen. Das Problem sind nämlich nicht die Kinder und Jugendlichen, die dürfen und müssen meiner Ansicht auch mal über die Stränge schlagen (auch aus meiner Sicht als Vater einer 14 jährigen Tochter) um ihre Grenzen zu lernen.
Das wirkliche Problem sind die Eltern. Früher setzen uns unsere Eltern Grenzen und wenn wir diese überschritten hatten, mussten wir als Jugendliche die Konsequenzen tragen und wurden von unseren Eltern "bestraft".
Heute machen aus Sicht der Eltern ihre Kinder keine Fehler mehr - sie sind nicht frech, machen keinen groben Unfug oder ähnliches. Und wenn doch, dann sagen die Eltern ganz einfach: Mein Kind macht sowas nicht und nehmen ihr Kind in Schutz obwohl es nachweislich anders war. So begreifen die Kinder ganz schnell, dass Ihre Eltern sie nicht "bestrafen" wenn sie was falsch gemacht haben. Die Kinder müssen die Konsequenzen ihres Handelns nicht tragen und genau da liegt das Problem und leider sehe ich das in meinem Bekanntenkreis sehr oft. Die Kinder sollen die bestehen Freunde ihrer Eltern sein - das darf so nicht sein. Mein ist in erster Linie Vater oder Mutter und kein Freund. Das begreifen manche Eltern nicht und deren Kinder lernen nichts über Grenzen und Verantwortung.

Da hat sich im Gegensatz zu früher schon einiges geändert. Manche Eltern sind einfach zu faul ihre Kinder zu erziehen! Und erzähl mir nicht, dass Dir Deine Eltern nicht auch Grenzen gesetzt haben und Du die Konsequenzen Deines möglichen Fehlverhaltens tragen musstest.

Gruss

Rainer aka "RaMa"

Miriam hat gesagt…

ich habs da auch eher mit der taz: http://www.taz.de/!116485/