26 September 2009

Politisch bedeutsam

»Die NSDAP hatte 1931 auch nur drei Prozent, und zwei Jahre später war Hitler an der Macht.« Der Mann, der das lauthals verkündete, saß in der Straßenbahn einige Sitzreihen vor mir, so ein Mann vom Öko-Typ, und er textete die schmächtige Frau neben sich ziemlich mit Polit-Kram zu.

Es hegte die Befürchtung, die Nazis in Deutschland würden immer stärker. »Die kriegen auch bald ihre drei, vier Prozent, dann sitzen sie auch bald im Bundestag. Da muss man aufpassen.«

Ich überlegte mir schon, mich ins Gespräch zu mischen und vor übertriebenem Alarmismus zu warnen. Aber er redete weiter, und ich fand's interessanter, ihm zuzuhören.

»Die CDU, die FDP und die SPD sind doch auch schon richtig weit rechts«, tönte er, »das sind doch schon die Nazis von heute.« Da müsste die NPD nicht mehr viel dazu tun.

Kopfschüttelnd hörte und sah ich zu. Und ich schüttelte den Kopf, als sie endlich ausstiegen. Antifa ohne Hirn, auch mal eine nette Kombination.

Kommentare:

MartinM hat gesagt…

Eine Kombination, die zwar nicht extrem häufig ist, deren Vertreter aber allzu oft mit einer vorlauten Klappe und einem Hang zum blinden Aktionismus ausgestattet sind.
Ich bin mal in in einem Blog als Jürgen-Rieger-Sympathisant "geoutet" worden, aufgrund einer echt verschwörungstheoretischen "Indizienkette". Jedenfalls kommen mir die paranoiden Gedankengänge des Typs in der Bahn unangenehm bekannt vor.

Diana Kennedy hat gesagt…

Ach so selten ist diese Kombination gar nicht.

Anonym hat gesagt…

Unreflektiertes Geschwurbel! Kommt links wie rechts vor - und kann deshalb nicht ganz ungefährlich sein.

Manfred hat gesagt…

Verstehe ich jetzt nicht so ganz. Abgesehen davon, dass der Typ "Nationalsozialisten" und "Faschisten" unzulässigerweise einfach gleichsetzte, hat er ja Recht! CDU, die FDP und die SPD sind doch so weit rechts, dass es die Nazis von der NPD gar nicht mehr braucht für ein faschistisches Deutschland! Für Götz Werner (Grundeinkommensbefürworter und im Nebenjob Chef der Drogeriemarktkette dm) ist Hartz IV "offener Strafvollzug". Ich nenne es "offenes KZ". Nichts anderes ist Hartz IV!

Enpunkt hat gesagt…

Hm. "Offenes KZ" halte ich für übertrieben. Daß Hartz IV in weiten Teilen eine Unverschämtheit, eine Frechheit und ein Skandal ist, bestreitet wohl niemand, der einen Funken von Gerechtigkeitsempfinden hat. Aber den Vergleich mag ich nicht; Du weißt schon, "Relativierung" und so.

Stefan Gaffory hat gesagt…

Wenn du es nicht tust, dann tu ich's: nämlich schreiben, daß Leute, denen relativ gedankenlos Juden- oder KZ- Vergleiche ohne Umweg über das Gehirn aus dem Gesicht fallen, bitte mal in sich gehen sollten, bevor sie solch einen Stiefel auf die Menschheit loslassen... egal, ob Hartz IV herhalten muß, ob PETA mit Hühner- KZ's hausieren geht, die Nichtraucher die Juden der Raucher sind oder Banker mit Juden verglichen werden.
Da mag der Zweck auch noch so gut gedacht sein, sowas halte ich echt im Kopf nicht aus.
Man sollte mal alte Juden fragen, die in Auschwitz unter den Augen von kettenrauchenden Aufsehern im Hühnerstall ihre Hartz- IV- Anträge ausfüllen mußten... ich bin mir sicher, das war die Hölle.