24 Januar 2018

Erinnerung an Ursula K. Le Guin

Es ist lange her, seit ich zuletzt einen Roman von Ursula K. Le Guin gelesen habe; es war »Verlorene Paradiese«, das vor fast vier Jahren im Atlantis-Verlag erschienen ist. Ich erinnere mich aber sehr gut an ihre Science-Fiction- und Fantasy-Romane, die ich stets sehr mochte.

Heute steht's in allen Newsseiten im Internet: Die Autorin ist bereits am Montag in Portland verstorben, sie wurde 88 Jahre alt. Weil sie mich vor allem in den 80er-Jahren sehr beeindruckte und damit auch meine »Laufbahn« als Fan der Genres Fantasy und Science Fiction beeinflusste, traf mich die Nachricht heute morgen tatsächlich.

Alle Artikel verweisen auf ihre »Erdsee«-Trilogie, die offenbar das bekannteste Werk der Autorin geblieben ist. Ich vermute mal, das liegt schlichtweg daran, dass die Trilogie verfilmt worden ist. So bedeutsam war die Geschichte um einen jungen Magier in einer von Inseln übersäten Welt ja doch nicht.

Wichtiger war und ist das Werk, das die Autorin darüber hinaus hinterlassen hat. »Planet der Habenichtse« las ich zweimal, in verschiedenen Übersetzungen, und ich mochte es jedes Mal aufs Neue. Wie die Autorin es schaffte, eine anarchistische Kultur zu schildern und sie in einen spannenden Gegensatz zu einer kapitalistischen Kultur zu bringen, das war schon ziemlich klasse.

Toll fand ich auch den Roman »Das Wort für Welt ist Wald«, eigentlich ein Öko-Thriller, an den ich mich nach über dreißig Jahren noch gut erinnere. Und »Der Winterplanet«, in dem es eigentlich um wechselnde Geschlechterrollen ging, war ebenfalls ein Roman, der mir die Augen öffnete.

Die Autorin war auch als Schreiblehrerin aktiv; hierzulande wurde im Autorenhaus-Verlag sogar ein »Kleiner Autoren-Workshop« von ihr veröffentlicht. Leider habe ich sie nie auf einem WorldCon oder einer anderen Veranstaltung erleben oder gar kennenlernen dürfen.

Ursula K. Le Guin war eine wichtige Autorin für die phantastische Literatur. In den 70er- und 80er-Jahren bahnte sie anderen Autorinnen den Weg. Ich werde sie und ihre Werke immer in Ehren halten.

Kommentare:

Michael Schneiberg hat gesagt…

Ein treffender Kommentar. Tatsächlich bin ich durch deinen Post als erstes auf diese traurige Nachricht aufmerksam geworden. Auch mich hat sie getroffen.

Es gab eine Zeit, da stand meine noch junge Lesebiografie an einer Weggabelung. Ich hatte Mark Brandis gelesen und auch meine ersten Perry Rhodan Hefte. Ein Jack Vance war sicher schon dabei und das ein oder andere Jugendbuch mit Raketen und Außerirdischen ("Aliens" nannten wir sie damals noch nicht).

Trotzdem, ich hätte es dabei belassen können. Es waren schöne Geschichten, aber schöne Geschichten gab es viele. Mein Weg hätte wieder fortführen können von der SF. Die Pubertät schlug voll zu und meine Hormone und mein Geist stellten viele neue Fragen an mich. Lesen ... war das nicht ein bisschen Kinderkram? In dieser Zeit muss es gewesen sein, als ich (wie und warum weiß ich nicht mehr) etwa gleichzeitig zwei Bücher in die Finger bekam: "Die tausend Träume der Stellavista" von H.G.Ballard und "Winterplanet" (wie es damals noch hieß) von Ursula K. LeGuin. Und plötzlich öffnete sich eine Tür für mich. Das war es, was ich als junger Mensch wollte, als hätte mein Kopf nur darauf gewartet. Eine größere Welt, poetisch und tief und auf "erwachsene Weise" spannend und abenteuerlich.

Ich bin sicher, dass wirklich gute Bücher mehr sind als Unterhaltung, dass sie uns immer auch ein kleines bisschen verändern. Ich habe "The Left Hand of Darkness" seit meiner Jugend bestimmt drei oder viermal gelesen und es hört nicht auf, mich zu beeinflussen. LeGuin, Ballard, Aldiss, Tiptree, Butler, Smith, Silverberg, Moorcock, Zelazny ... bestimmten für viele Jahre mein Bild von der SF.

Es ist dieses Bild, das ich im Grunde bis heute habe. Einer nach dem anderen versterben diese Autoren nun und viele der "jungen SF-Fans", die ich so treffe, haben von keinem auch nur ein Buch gelesen. Das macht mich ein bisschen traurig, aber wahrscheinlich gehört es dazu, dass jede Zeit ihre eigenen Helden hat.

Manchmal kommt mir die damalige schriftstellerische SF-Epoche "rauer" vor, neugieriger, mutiger, weniger gestreamt und weniger kommerziell. Ich beneide die Autoren, die Fundamente legen konnten. Sie erkundeten und prägten das Neuland, in dem wir unsere Bücher-Einkaufszentren errichtet haben. LeGuin und Co waren literarische Prospektoren ... für uns dagegen gibt es kaum noch Neues zu entdecken.

Es gibt auch heute (und sicher mehr als jemals) großartige Autoren, die mich begeistern und bewegen, aber jeder von ihnen weiß, auf wessen Schultern er steht.

R.I.P. Ursula K. LeGuin.

Ulrike hat gesagt…

Ich musste jetzt glatt mal googeln, um herauszufinden, das "Der Winterplanet eigentlich "The Left Hand of Darkness" ist und erst eine spätere deutsche Neuauflage als "Die linke Hand der Dunkelheit" betitelt wurde.

Außer diesem Roman ist mir vor allem die Kurzgeschichte "The Ones Who Walk Away from Omelas" im Gedächtnis geblieben. Sehr, sehr empfehlenswert.