01 März 2018

Mein Diesel und ich

Die Passantin betrachtete mein Auto. »Schicker Wagen«, sagte sie, »fährt der gut?«

Ich nickte. »Ist ein Dienstwagen, gehört mir also nicht selbst«, sagte ich. »Und es ist ein Diesel.«

Sie trat einen Schritt zurück. »Echt jetzt?«

Ich nickte erneut und grinste. Offenbar läuft die Kehrtwende bereits: Wer ein Auto mit Dieselantrieb fährt, hat versagt und ist definitiv nicht mehr cool. Er kann also einpacken, man weicht vor ihm zurück.

Seien wir ehrlich: Ich könnte verstehen, wenn die großen Städte tatsächlich Verbote für Dieselfahrzeuge einführen würde. Es handelt sich durchaus um »Dreckschleudern«, dafür gibt es genügend Belege.

Dass sie stark subventioniert werden, verstehe ich sowieso nicht, erklärt aber, warum fast alle Dienstfahrzeuge einen Dieselmotor haben. Und wenn es darum geht, die Innenstädte vom Dreck zu befreien, ist das halt so. Mir wäre ein sauberes Fahrzeug im übrigen lieber.

Die Diskussion um Fahrverbote und Stickoxide, um den CO2-Ausstoß verschiedener Motoren oder den Reifenabrieb – die will ich nicht führen. Stadtverwaltungen haben sich darum zu kümmern, dass die Bürger von zu vielen krankmachenden Einflüssen bewahrt bleiben. Wenn Dieselfahrzeuge reduziert werden sollen, muss eben ich in den sauren Apfel beißen.

Wobei es sicher bessere Möglichkeiten gäbe. Eine City-Maut in Städten wie Stuttgart könnte helfen, ein kostenloser Nahverkehr wäre interessant, an Ideen mangelt es ja nicht. Sie werden nur nicht umgesetzt.

Es nutzt nur nichts, wenn ich mich – rein subjektiv gesehen – jetzt aufrege. Ich fahre Diesel und bin nicht stolz darauf. Ich habe übrigens auch keinen Grund gefunden, mich dafür zu schämen. Aber das ist ein anderes Thema ...

Kommentare:

My. hat gesagt…

Was bei der (Pseudo.) Diskussion gerne übersehen wird: Es sind nicht hauptsächlich die PKW, die hier als "Dreckschleudern" fungieren (Benziner schleudern freilich keinen Dreck, dafür Giftgase). Es sind - nicht zuletzt in Großstädten - die Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs, es sind LKWs und es sind - auch außerhalb der Großstädte - Landmaschinen (zumal die beiden letztgenannten Fahrzeugarten liebend gerne sinnlos mit laufendem Motor in der Landschaft herumstehen).

LG My.

RoM hat gesagt…

Hoi, Klaus.
Per se sucht sich der Mensch gern seine Sündenböcken; gern auch mit wechselnden Kandidaten. Je nach dem Stand des dörflichen Sau-Rennens.
Warum ein erwachsener Mensch gleich einen Schritt Abstand zum stehenden Diesel nimmt...gebissen wird der ja noch nicht haben!?

In Deiner Aufzählung der abgestellten Diskussionspunkte hast Du die Knalltüten in Nadelstreifen vergessen zu erwähnen.

Ich denke bei Deinem Dienstwagen würde Dein Biss in saure Äpfel eher geschmacksneutral ausfallen. :-)

bonté