22 März 2013

Verteidiger der SF

Irgendwann im Sommer 1983 kam ein Bericht im Südwestfunk, in dem es über die Science Fiction im Allgemeinen und eine gewisse »Raketenheftserie« im Besonderen ging. Ich fühlte mich persönlich beleidigt, fand den Bericht vor allem unjournalistisch und schlampig recherchiert, glaubte mit meinen 19 Jahren zu der Zeit sowieso, alles besser zu wissen, und schrieb einen empörten Brief an den Rundfunk in Baden-Baden.

Dem Brief legte ich ein Exemplar meines Fanzines SAGITTARIUS bei. Ich fühlte mich wahrscheinlich wie ein wehrhafter Verteidiger der Science Fiction. Am 8. September 1983 kam die Antwort aus der Redaktion; der Redakteur bedankte sich für meinen »wirklich erschöpfenden Brief« und ging darauf ein.

Es habe sich um eine acht bis zehn Jahre alte Folge gehandelt, und viele Recherchen seien hinfällig; der Vorwurf der »schlampigen Recherche« sei damit wohl hoffentlich erledigt. Darüber hinaus äußerte er sich zu meinem Fanzine.

»Warum tut Ihr Jungs euch nicht zusammen und macht ein wirklich gutes Magazin?«, fragte er. »Es gibt ja doch eine ganze Reihe.« Würde da jeder seine »Highlights« hineinbringen, »wär's doch spitze«, so der Redakteur. Darüber hinaus äußerte er ein wenig Kritik an einem Cartoon und beendete seinen Brief mit »nix für ungut«.

Ich hatte mir selbstverständlich erhofft, er mache in seiner Sendung ein wenig auf mein Fanzine aufmerksam, und ich war nicht gerade erfreut davon, dass er mir vorschlug, mich mit anderen Fanzine-Herausgebern zusammenzutun. Das war zu jener Zeit in der Tat unüblich: Jeder kochte sein eigenes Süppchen, und ich war besonders gut darin, in der eigenen Suppe zu rühren.

Aber stolz war ich irgendwie dennoch, einen so ausführlichen Brief erhalten zu haben, wenngleich er einige Kritik enthielt. Und es dauerte nicht mehr sehr lange, bis ich das Heft nicht mehr allein machte, sondern mit einigen Freunden eine richtige Firma gründete ... das aber ist dann eine ganz andere Geschichte.

Kommentare:

Frank Böhmert hat gesagt…

Mich würde ja interessieren, wer dieser Redakteur war. Kennt man ihn heute noch?

Enpunkt hat gesagt…

Ich habe seinen Namen weggelassen, weil ich nicht glaube, dass er seinen Namen heute noch in so einem Zusammenhang haben möchte: Persönlichkeitsrechte und so ... Aber man kennt ihn tatsächlich heute nicht mehr, er ist kein »Promi« geworden.