01 März 2021

Landtagswahl in Sicht

In wenigen Tagen wird in Baden-Württemberg zur Landtagswahl aufgerufen. Wegen der Pandemie werde ich mich als Briefwähler daran beteiligen. Meine Unterlagen liegen seit einigen Tagen daheim, aber ich habe noch keine Ahnung, wo ich mein Kreuz setzen soll.

Schon klar: Parteien wie die CDU oder die FDP kommen nicht in Frage. Irgendwelche Nazi-Gruppierungen sowieso nicht, und bei manchen Kleinparteien weiß ich nicht einmal, für welche Inhalte sie stehen.

Faktisch bleiben drei Parteien, die für mich einigermaßen wählbar sind. Es sind die Grünen, die ich bei den vergangenen zwei Landtagswahlen gewählt habe, es ist die SPD, deren Oberbürgermeister ich in Karlsruhe gewählt habe, und es ist die Linke, bei der ich bei der Bundestagswahl mein Kreuz gesetzt habe. Mit allen drei Parteien fremdle ich aus den unterschiedlichsten Gründen, bei den genannten drei Wahlgängen setzte ich mein Kreuz immer mit lautem Zähneknirschen.

Und nun?

Mir wäre – bei allem Jammern und Wehklagen – sehr recht, wenn die Grünen weiterhin an der Regierung blieben. Mir graust es davor, dass irgendwann die CDU wieder allein regieren könnte oder in Zusammenarbeit mit der FDP. Bei den Grünen habe ich zumindest das Gefühl, dass Umwelt- und Naturschutz ein wichtiges Thema seien, auch wenn ich die Karlsruher Lokalpolitik teilweise sehr albern finde. (Was hilft es dem Klima, wenn ich die Parkgebühren erhöhe und die sogenannte Brötchentaste abschaffe?)

Die Grünen sind halt eine Bürgerpartei, die sich zu wenig um soziale Themen kümmert. Ich weiß, das ist ein Vorurteil, aber ich halte an diesem Vorurteil seit vierzig Jahren fest. Es muss ein soziales Korrektiv in die Regierung.

Wähle ich die Linkspartei, ist die Stimme in Baden-Württemberg schlicht verschenkt. Zudem weiß ich nicht so recht, wofür die Linkspartei steht. Die örtliche Kandidatin hat sich mit einem Antifa-Anstecker ablichten lassen, was mir sehr gut gefällt. Aber reicht das aus?

Bei der SPD wurde ich in den vergangenen Jahren eigentlich immer enttäuscht. Die örtliche sozialdemokratische Kandidatin macht auf mich einen dynamisch-fitten Eindruck. Über ihre persönlichen Einstellungen weiß ich allerdings nicht viel – meine Schuld, nicht ihre.

Letztlich tendiere ich derzeit zu den Sozialdemokraten. Nicht weil ich die neuerdings gut fände, sondern aus rein strategischen Erwägungen: Die einzig halbwegs sinnvolle Koalition, die ich mir für Baden-Württemberg vorstellen kann, ist Grün-Rot. Grün steht dann für das Kuscheln mit der Autoindustrie, verbrämt mit Umweltpolitik, während Rot immerhin für ein wenig soziales Engagement steht.

Hm.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hey,
ich kann die Strategie gut nachvollziehen. Mir gehts mit den Abwägungen sehr ähnlich. Deshalb hab ich beschlossen, meine Stimme der Jugend zu "schenken". D. h., ich mache mein Kreuz da, wo mein 16jähriges Patenkind seins machen würde, wenn er denn dürfte. Nach seinen Überlegungen bleiben, wie bei mir, auch die drei im Post erwähnten übrig.
Grüße
Andreas