11 Oktober 2009

Red Dust und Comanche


Wenn's ein Genre gibt, das hoffnungslos veraltet anmutet, dann ist es wohl der Western. Buchstäblich seit Jahrzehnten fristet dieses zeitweise sehr erfolgreiche Unterhaltungssegment ein Schattendasein. Zwar gibt es noch Romane, Filme und Comics, aber sie bewegen nicht mehr die Massen.

Dabei halte ich den Western für eine ziemlich coole Sache. Das ist meist abenteuerlich und spannend, er zeigt grandiose Natur und starke Emotionen - alles Dinge, die man in guter Science Fiction und Fantasy auch findet. Kein Wunder, daß man anno dunnemals aus der »Horse Opera« des Westerns irgendwann mal die »Soap Opera« der Science Fiction ableitete.

Zu meinen absoluten Western-Favoriten bei den Comics gehörte schon in den 70er Jahren die Serie »Comanche«: spannend geschrieben von Greg, faszinierend gezeichnet von Hermann - die Abenteuer des Cowboys Red Dust hatten stets auch eine literarische Qualität, die höchstens von »Blueberry« übertroffen wurde.

Nur schade, daß die Serie hierzulande nie ordentlich erschienen ist. Bei Ehapa gab's sogar echte Zensur, weil man den jugendlichen Lesern - so dachte man wohl - eben nicht einen Helden zumuten wollte, der in Selbstjustiz einen Unbewaffneten tötet, oder eben auch nicht zeigen wollte, wie ein gehenkter Mann aussieht.

Umso besser, daß mein Lieblings-Comicverlag, nämlich Splitter, jetzt auch wieder »Comanche« rausbringt. Natürlich in der Qualität, für die Splitter durch Science Fiction und Fantasy bekannt geworden ist: saugute Druckqualität, hervorragend gestaltete Hardcover, redaktionelle Ergänzungen und sogar beigelegte Kunstdrucke.

Raus ist jetzt »Red Dust« (Leseprobe gibt's im Netz), folgen werden neun weitere Alben. Ich freue mich schon jetzt; ein Platz im Regal ist freigeräumt!

Kommentare:

Andi hat gesagt…

"Soap Opera" oder doch besser "Space Opera"? :-D

Enpunkt hat gesagt…

Kreisch! Wie doof bin ich denn? Natürlich meine ich die "Space Opera" ... Ich bin auch schon völlig vom Fernsehen verblödet, fürchte ich.

tomorgel hat gesagt…

*gg*

wobei ich 2horse Opera" noch nie gehört hatte. Wofür wird der Ausdruck verwendet?

Es ist tatsächlich aber unfair, dass dieses Genre so stiefmütterlich behandelt wird (ich mag Western. Allerdings war ich in meiner Kindheit eher der "Lassiter"-Sammler, nachdem von Karl May und Jack London alles gelesen war). Am härtesten war der Kommentar, den ich letztens von (Horror-Autor) Dan Wells gehört habe. Die böseste Kritik auf eine seiner Arbeiten war bislang: "The only way to make it any more horrible would be to pair it up with western".
Verleitet glatt dazu, mal sowas zu schreiben.
Wie auch immer - die Empfehlung klingt gut. Herzlichen Dank.