30 April 2013

Dorfpunks verfolgen mich

Ich kannte sie »von früher« her, als wir beide im besetzten Haus in der Stephanienstraße zu lautem Punkrock unser Bier tranken. Als wir uns trafen, plauderten wir das übliche oberflächliche Zeugs, das man nach langer Zeit eben so redet. Bis sie irgendwann mit einem Kompliment herausrückte: »Dein Buch ist in den offiziellen Schulempfehlungen für die Lektüre.«

Ich benötigte eine Weile, bis ich kapierte, dass irgendwelche Schulbehörden offensichtlich einen Roman von mir auf eine Empfehlungsliste gesetzt hatten, und fragte nach. »Na klar«, sagte sie, »Du hast doch ›Dorfpunks‹ geschrieben.«

Es war einer der Momente, an denen ich am liebsten heulend zusammengebrochen wäre. Okay, nicht ganz so schlimm, aber ... Meine ganze Freude war natürlich futsch. »Das Buch ist von Rocko Schamoni, nicht von mir«, erläuterte ich, »mein Buch heißt ›Vielen Dank Peter Pank‹, und das kam einige Jahre davor raus.«

»Aber es steht nicht auf der Empfehlungsliste«, konterte sie. Und damit hatte sie natürlich recht; ich brauchte es nicht einmal nachzuprüfen. Wieder hatten mich die »Dorfpunks« geschlagen ...

Pogo auf dem Dancefloor

Ya-Ha! stammen aus München, und mir war die Band – oder das Projekt – bislang nicht bekannt; das liegt sicher daran, dass ich keine einschlägigen Musikzeitschriften lese. Es handelt sich im Prinzip um einen Mann und eine Frau, die sich bei Auftritten und so mit Leuten an den Instrumenten verstärken; er verdient sein Geld bei der Band Blumentopf, die kommerziell ja durchaus erfolgreich ist.


Mit Ya-Ha! machen die beiden eine Mischung aus dem Electroclash der Nullerjahre und der rotzig-elektronischen Neuen Deutschen Welle zu Beginn der 80er-Jahre; der Sound wechselt zwischen rotzig und melodisch, immer mal wieder wird ein Schuss Punk in die Mixtur geschmissen, und darüber knallt der stets ein wenig hektische und atemlose Gesang der deutsch-amerikanischen Sängerin.

Ich habe die Platte »Überdosis du« der Band erhalten, die bereits 2010 aufgenommen wurde. Die Texte sind teilweise sehr clever; es geht oft um die Einsamkeit und das Ausgehverhalten von Großstädtern, in »fake coco chanel« wird das Sich-Aneignen von falschen Statussymbolen thematisiert. Der Synthesizer blubbert und bollert, die Gitarre sägt, der Drumcomputer poltert im Hintergrund – das ergibt eine gelungene Mixtur.

Interessant.


29 April 2013

15mal wider den Weihnachtsmythos

Warum ich ausgerechnet im Frühjahr 2013 ein Buch mit Weihnachtsgeschichten las, das bereits 2010 erschienen ist, lässt sich kaum erklären. Höchstens damit, dass ich eben vorher nicht dazu kam – und bei Kurzgeschichtenbänden sowieso immer einige Zeit vergeht, bis ich alle Texte komplett gelesen habe. Das Buch, das ich meine, trägt den hübschen Titel »Weihnachten im StirnhirnhinterZimmer« und erschien in der kleinen, aber feinen Edition Medusenblut.

Das StirnhinterZimmer ist eine Autorengruppe, die aus Christian von Aster, Markolf Hoffmann und Boris Koch besteht. Die drei Berliner, die in den vergangenen Jahren zahlreiche phantastische Romane bei den unterschiedlichsten Verlagen veröffentlicht haben, präsentieren sich hier als Trio, das bei skurrilen Lesungen gemeinsam auftritt oder eben – wie im vorliegenden Fall – mal ein Buch gemeinsam schreibt.

In diesem Fall ist es »Weihnachten im StirnhirnhinterZimmer«, eine Sammlung von 15 Geschichten über ein gemeinsames Thema. Jeder der drei Autoren legt es allerdings völlig unterschiedlich aus.

Ein finsteres Weihnachtsmärchen oder eine Story über Bankräuber, die sich als Weihnachtsmänner verkleiden, eine gehässige Satire über angeblich grönländische Wintersitten oder eine fiese Geschichte über das gemeine Kündigen von Arbeitnehmern: Es ist eine bunte Ansammlung von schwarzhumorigen, garstigen und soweiso bitterbösen Geschichten.

Das beste daran: Die Lektüre macht durchgehend Spaß.

Selbstverständlich ist nicht jede der 15 Stories in diesem Buch brillant, aber es ist auch keine einzige davon mies. Ich habe mich bei der Lektüre, die sich über mehrere Wochen hinwegzog – immer mal wieder ein Text –, großartig unterhalten gefühlt.

»Dieses Buch wurde mit der Rute geschrieben!«, verspricht die Werbung des kleinen Verlages, und dies sollte man beherzigen. Ein Buch für Freunde der Phantastik und des groben Humors, eine gelungene Anthologie und einfach eine schöne Sammlung. Die 150 Seiten gibt's für 'nen Zehner bei der Edition Medusenblut.

28 April 2013

Lucy K und ich


Meine Bemühungen, als Autor von Gedichten anerkannt zu werden, gipfelten darin, dass ich zu Beginn des Jahres 1985 einen Gedichtsband zusammenstellte; offensichtlich hatte ich während meiner Bundeswehrzeit genügend Kapazität übrig. Grafiken von Anton Atzenhofer ergänzten das Manuskript, dem ich den Titel »Zerbrochene Gläser« verpasste.

Ich reichte es am 16. Februar 1985 beim Lucy Körner Verlag in Fellbach ein, der zu dieser Zeit mit den Gedichtsbänden von Kristiane Allert-Wybranietz sehr erfolgreich war. Am 25. März 1985 kam bereits die Absage.

Ich hatte Rückporto beigelegt, wie sich das gehörte, wofür sich die Verlagsleute bedankten: »Leider ist diese faire Geste durchaus nicht üblich.« Wie unüblich es war und ist, bei Einsendungen an kleine Verlage ein Rückporto beizulegen, hatte ich in jenen Jahren selbst oft gemerkt, als angehende Autoren ihre Manuskripte bei meiner Zeitschrift SAGITTARIUS einreichten.

Meine »faire Geste« nutzte bei Lucy Körner nicht so viel. »Ich bin jedoch der festen Ansicht, daß Sie mit Ihrem Manuskript, das mir persönlich recht gut gefallen hat«, so das im Brief enthaltene Lob, »bei einem speziellen Lyrik-Verlag oder bei einem Verlag, der ein breiteres Lyrikprogramm führt, sehr gut unterkommen werden.«

Dieses Lob machte mich sehr stolz, obwohl es ein bisschen so klang, als würde das der Verlagslektor und -herausgeber bei jedem Manuskript schreiben, das er unverlangt erhielt und dann ablehnte. Ich fühlte mich auf jeden Fall ermuntert und schrieb weitere Gedichte.

Mein Manuskript »Zerbrochene Gläser« reichte ich später bei einem anderen Verlag ein. Bei diesem versackte es, und ich erhielt weder das Manuskript noch die Grafiken zurück. Trotz Rückporto ... so viel zum Thema »faire Gester« ...

27 April 2013

Sonntagssommerradler

Kaum ist das Wetter schön, sind sie wieder unterwegs: das Äquivalent zum Sonntagsfahrer mit vier Räder, in diesem Fall die Sommerradler auf zwei Rädern. Sie trödeln mit blitzeblanksauber geputzten Fahrrädern auf den Radwegen herum, verstopfen sie, indem sie schön gemütlich nebeneinander fahren, oder sie eiern auf den Hauptstraßen herum und nerven damit nicht nur Autofahrer, sondern auch diejenigen, die mit dem Rad mal zackig irgendwohin müssen oder wollen – also Leute wie mich.

Damit meine ich nicht einmal die beleibten Herren in bunten Trikots, deren Klamotten, Helme und Räder zusammen ein durchschnittliches Monatseinkommen verschlingen: Die fahren erst im Hochsommer, und die sind dann mit ihren teuren Rennmaschinen auf den schnellen Wegen außerhalb der Stadt unterwegs. Denen kann man leicht entgehen, indem man in den Schwarzwald fährt, wo spätestens an der Hedwigsquelle und dem danach kommenden Anstieg viele aufgeben.

Am schlimmsten ist die Mixtur aus bekifften Studenten, tratschenden Hausfrauen, irre bemühten Beamten und todgelangweilten Rentnern, die Karlsruhe sowieso im Übermaß bevölkert. Kommt diese Mixtur auf zwei Rädern in die Stadt, droht der Verkehrsinfarkt – oder mir zumindest der Herzinfarkt, weil ich einen Wutanfall nach dem anderen habe.

Oder ich warte auf gelegentliche Regentage zwischendurch. Wie am Freitag: Es regnete in Strömen. Ich zog meinen Kapuzenpullover über, hüpfte auf mein Rad und fegte durch die Innenstadt, als gäbe es sonst niemanden. So kam ich entsprechend gut gelaunt ins Training und hinterher ebenso gut gelaunt nach Hause – zwar nass vom Regen, aber dafür ohne griesgrämigen Gesichtsausdruck.

Regenwetter hat einfach seine positiven Seiten.

26 April 2013

Journal für Literatur und Graphik

In den frühen 80er-Jahren kam aus Bonn die Zeitschrift »Dichtungsring«, die – wenn mich meine Erinnerung nicht trügt – über einige Science-Fiction-Fans mit der »normalen« Fanzine-Szene in Verbindung stand. Ich war »Dichtungsring«-Abonnent und mochte das lyriklastige Heft schon wegen seiner schönen Gestaltung, aber ebenso wegen der geglückten Textauswahl.

Das ist lange her, und mit »500 gramm« kommt aus der ehemaligen Bundeshauptstadt ein gelungenes neues Heft, das sich im Untertitel als »Journal für Literatur und Graphik« bezeichnet. Das Format ist ungewöhnlich: Zwischen A5 und A4 gelegen, orientiert es sich in punkto Größe am Comicheft-Format. Gedruckt ist es allerdings in schwarzweiß ...

Die 40 schön gestalteten Seiten haben einen starken Lyrik-Schwerpunkt; dazu kommen einige erzählende Texte. Die Gedichte treffen nicht immer meinen Geschmack, manche sind einfach banal: »dieser tage fiel mir wieder ein / was ich wohl gerade mache« ist ein schönes Beispiel für Facebook-Lyrik, für Textzeilen, die sich lesen, als habe man sie aus einer »Timeline« kopiert.

Mein Lieblingstext ist »Revolution
Dankgebet«, der in der original-arabischen Fassung und in einer deutschen Übersetzung abgedruckt worden ist: eine Kaskade von Sätzen und Fragmenten, die klingt, als sei sie atemlos in die Welt geschrien worden, zugleich ein beeindruckendes Porträt der Ereignisse auf dem Tahirplatz in Kairo.

Insgesamt ist »500 gramm« eine Wundertüte, bei der mir nicht alles gefallen kann: Brillante Texte stehen neben lahmen Sätzen – das ist aber Geschmackssache. Als Einblick in die deutschsprachige Lyrik-Szene finde ich es gelungen. Und jetzt muss ich mir nur überlegen, ob ich nach den zwei Probeheften, die ich gekauft habe, wieder einmal ein Abonnement für eine Literaturzeitschrift aus Bonn abschließe ...

25 April 2013

Begegnungen mit Giacometti


Ich verstehe nicht sonderlich viel von Kunst. Schaue ich mir Bilder oder Plastiken an, stehe ich oft ratlos davor. Gelegentlich aber sage ich »whow«, die Kinnlade fällt mir herunter, und ich bin fasziniert. Deshalb lasse ich mich ab und zu in eine Ausstellung mitschleppen.

Beim letzten Trip nach Hamburg kam ich so in die Ausstellung »Alberto Giacometti – Begegnungen«. Es war eine von zwei Ausstellungen in der Hansestadt, die sich dem Leben und Werk des großen Künstlers aus der italienischsprachigen Schweiz widmeten, die kleinere zudem. Das war mir recht, denn auch so war ich gut zwei Stunden damit beschäftigt, im Bucerius Kunstforum die Plastiken und Skizzen anzugucken.

Man kennt von dem Mann normalerweise diese schlanken Statuen, die immer so zerbrechlich und zugleich zerklüftet wirken; mehr wusste ich nicht über ihn. Die Ausstellung widmete sich seinen Porträts; sie zeigte beispielsweise, wie er Familienangehörige porträtierte und wie sich im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte seine Kunst veränderte.

Die Gesichter wurden teilweise immer abstrahierter, die Figuren immer länglicher, gleichzeitig wuchsen die »Füße«, auf denen die Statuen standen. Das fand sogar ich, der ich ja keinerlei Ahnung habe, sehr interessant. Den Besuch der Ausstellung bereute ich keine Sekunde lang.

(Übrigens: Zu sehen ist das ganze noch bis zum 20. Mai 2013. Also ... falls sich jemand dafür interessiert. Der Eintrittspreis ist nicht sonderlich hoch.)

Beyond Pink rotzen unglaublich


Was ist das denn? Da stehen und sitzen fünf junge Frauen vor einer Holzbude, wirken entspannt und locker, und erst auf den zweiten Blick sieht man, dass sie einen Punkrock- und Subkltur-Hintergrund haben. Die Rede ist von der Band Beyond Pink und ihrer Platte »The New Black«, die ich in den vergangenen Tagen oft angehört habe.

Die jungen Frauen sehen so harmlos und nett aus, machen aber wütenden HC-Punk mit knalligem Sound und heftigen Geschrei. Das ist schon auf Platte super, das stelle ich mir live zudem noch dynamischer und rotziger vor. Die zehn Stücke in schwedischer und englischer Sprache sind energiegeladen, halten so gut wie nie an, ha
ben trotzdem einen Melodie-Charakter und verzichten auf jegliche Metal-Einflüsse: So was ist einfach klasse, so was kann ich mir immer anhören.

Die Platte wurde übrigens 2010 aufgenommen und kam auf einem polnischen Label heraus. Und es gibt eigentlich nur eine Sache, die mich an »The New Black« stört: Das Ding ist so schnell herum, und wenn ich im Jahr 2013 vor Begeisterung durch die Wohnung hüpfe, wirkt das wie Gerontokraten-Pogo.

24 April 2013

Die Chronik und ich

Wahrscheinlich muss ich damit leben, dass ich aus rein beruflichen Gründen so langsam zum Bestandteil einer gewissen »Geschichtsschreibung« werde. Schaue ich mir Band drei von »PERRY RHODAN – Die Chronik« an, kommt es mir zumindest so vor. Das Buch ist offiziell noch nicht erschienen, ich habe aber mein Belegexemplar schon erhalten: ein 650 Seiten dickes Hardcover, das die Jahre 1981 bis 1995 der größten Science-Fiction-Serie der Welt zusammenfasst.

Geschrieben wurde das Buch von Hermann Urbanek, den ich seit vielen Jahren kenne; herausgegeben hat es Eckhard Schwettmann, mit dem ich in den 90er-Jahren im Verlag zusammengearbeitet habe. Gelesen habe ich es angesichts des Umfangs noch nicht, aber bereits interessiert geblättert. Neugierig, wie ich bin, schaute ich vor allem nach den Seiten, auf denen ich erwähnt werde.

Hermann Urbanek lässt mich gut wegkommen. Meine Entscheidungen werden nicht kritisiert – wobei ich in den Jahren bis 1995 auch nicht so viel falschmachen konnte. Dazu hatte ich in den Jahren danach wesentlich mehr Gelegenheit ...

Ich gestehe es ein: Ich fühle mich geschmeichelt. Das Buch stellt die Serie und ihre Mitwirkenden schön dar, und das freut mich einfach; schließlich habe ich im Verlauf der langen Zeit genügend Hirn und Herzblut in die Arbeit gelegt.

23 April 2013

Polnischer Vertrag

Dass meine Erzählung »Im Käfig« in Polen erscheinen wird, habe ich an dieser Stelle schon verkündet. Seit einem Tag weiß ich es auch so richtig offiziell: Die polnischen Partner haben mir die entsprechend Zeitschrift zugeschickt. Jetzt weiß ich nicht nur, wie die Übersetzung aussieht, sondern ich kenne auch die durchaus passenden Illustrationen.

Schön ist auch der zugeschickte Vertrag. Ich bekomme tatsächlich ein Honorar. Glücklicherweise ist der Vertrag in englischer Sprache – mein polnisch ist ja nicht besonders gut, um es vorsichtig zu formulieren. Reich werde ich damit nicht, aber der eigene Stolz hat massiv zugelegt ...

22 April 2013

Gelungene Fantasy-Kurzgeschichten

Wer sich mit Comics und mit Fantasy beschäftigt, der kam in den vergangenen dreißig Jahren kaum um »Thorgal« herum, die phantastische Comic-Serie des polnischen Zeichners Grzegorz Rosinski. Die ersten Bände erschienen 1980, seit einiger Zeit gibt es eine wunderbare Gesamtausgabe im Splitter-Verlag.

Ich fand den aktuellen vierzehnten Band der Serie richtig schön: Er trägt den Titel »Aaricia« und erzählt Geschichten aus der Jugend Thorgals und seiner späteren Frau Aaricia. Dabei handelt es sich um Kurzgeschichten, in denen sich Wikinger-Abenteuer mit der nordischen Mythologie und einer lange währenden Liebesgeschichte verbinden.

Götter greifen in das Leben der Menschen ein, Kinder schließen einen Einzelhänger aus, ein junges Mädchen entschließt sich zur Liebe seines Lebens: Das Album versammelt ungewöhnliche Geschichten, die allesamt von Roszinski brillant gezeichnet und von dem Belgier Jean van Hamme unterhaltsam erzählt sind.

»Thorgal« zählt zu Recht zu den modernen Fantasy-Klassikern und darf eigentlich im Regal eines Comic-Freundes nicht fehlen. Wer die Serie bislang nicht kannte oder vor ihrem Umfang zurückschreckte, sollte diesen Band einfach mal ausprobieren. Mich bezauberte er auf jeden Fall.

21 April 2013

Tom Cruise als Techniker


Am Samstag abend schauten wir uns »Oblivion« an, den neuen Science-Fiction-Film mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Im Vorfeld zu dem Kinobesuch las ich eine Reihe von schlechten Kritiken zu dem Film; meine Erwartungen waren also nicht sonderlich groß. Aber ich wurde gut unterhalten.

Die Erde ist in diesem Film irgendwann von Außerirdischen überfallen worden. Die Menschheit siegte, aber die Erde wurde komplett verwüstet. Tom Cruise ist ein Techniker, der im Auftrat der auf dem Titan siedelnden Menschen auf der Erde tätig ist und die Drohnen repariert, die Jagd auf die Außerirdischen machen. Diese verbergen sich auf der Erde und sorgen immer wieder für Unruhe.

Das klingt seltsam, und als Zuschauer wird recht schnell klar, dass in der Welt des Technikers einiges nicht stimmen kann. Er hat seltsame Träume, seine Partnerin möchte nie auf die Erdoberfläche, und der Kontakt zur Leitzentrale ist nur über Funk möglich. Irgendwas stimmt da nicht ... und es kommt richtig Begegnung in die Geschichte, als ein Raumschiff abstürzt.

Der Film benötigt seine Zeit, um alles zu erzählen. Zwar gibt es viel Action, und es wird häufig geballert, trotzdem ist der Film eher langsam, kein moderner Action-Kracher. Die eine oder andere Szene war mir sogar zu lang, aber ich fand den Film unterm Strich unterhaltsam.

»Oblivion« hat tolle Bilder, die mich faszinierten: eine total verwüstete Erde, faszinierend gezeigte Technik, düstere Überreste der »alten Welt«. Allerdings hat »Oblivion« auch gedehnte Dialoge, die man sich kürzer und knapper gewünscht hätte. Anders gesagt: Kein Film, dem man gesehen haben muss, aber sicher ein Science-Fiction-Streifen, der wegen seiner Bildqualität im Kino gesehen werden sollte.

20 April 2013

Geburtstagserscheinungen

In den frühen 90er-Jahren, kurz nachdem ich in Karlsruhe wohnhaft geworden war, erwies sich der 20. April als durchaus sportlicher Tag. Örtliche Kameradschaftsdeppen wagten sich in die Innenstadt und bekamen gelegentlich einen körperlichen Verweis dafür, dass sie den Geburtstag des »Gröfaz« feiern wollten; im besetzten Haus herrschte ein gewisser Belagerungszustand – teilweise sicher aus Hysterie genährt.

Heutzutage weiß schon niemand mehr, was der zwanzigste April für ein Tag ist. Junge Leute denken bei diesem Tag nicht mehr unbedingt an das Dritte Reich; eine eigentlich sehr gute Reaktion.

Ich half an diesem Samstag bei einem Umzug. Eigentlich wurde den Umzugshelfer jeweils ein Nazi-Bärtchen versprochen, weil diese sich bestimmt gut im Straßenverkehr gemacht hätten. Aber nach einem Vormittag im Nieselregen waren wir alle recht froh, dass die Bärtchen vergessen worden waren ...

Und ganz ehrlich: Wahrscheinlich hätte davon niemand Notiz genommen, und so gut wie niemand hätte die passende Assoziation gehabt.

19 April 2013

Haarscharf zwischen Thriller und Science Fiction

Warum bei mir manche Romane über Jahre hinweg in Stapeln vergammeln, weiß ich manchmal selbst nicht. Und so stellte ich dieser Tage fest, dass ich den Roman »Der letzte seiner Art« von Andreas Eschbach seit sage und schreibe zehn Jahren besitze, ohne auch nur einmal reingeguckt zu haben.

Also nahm ich ihn mir vor, um ihn erstens an einem Wochenende durchzuschmökern, und mich zweitens zu fragen, weshalb ich diesen packenden Science-Fiction-Thriller so lange nicht beachtet hatte. Aber gute Bücher werden ja bekanntlich nicht schlecht.

Um was geht's in dem Roman? Eigentlich um einen ehemaligen amerikanischen Soldaten. Sein Name: Duane Fitzgerald. Sein Wohnort: ein Kaff in Irland. Dorthin hat er sich zurückgezogen, seit er aus dem Dienst geschieden ist.

Das Besondere an ihm: Fitzgerald ist ein Cyborg, ein Mensch also, der mit allerlei technischen Gimmicks komplett aufgerüstet wurde. Er hätte ein Supersoldat sein sollen, kam aber nie in den Einsatz, und nachdem er ausgemustert wurde, zog er sich nach Irland zurück. Dort muss er – weil man ihm auch den Magen umgestellt hat – eine ganz spezielle Nahrung zu sich nehmen, steht unter ärztlicher Aufsicht und weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll.

Dann taucht ein Anwalt in dem Ort auf, der nach ihm sucht, und alles verändert sich. Der Anwalt wird ermordet, die Geheimdienste treten auf den Plan, und Fitzgerald kapiert, dass er jetzt doch in einen Kampf ziehen muss.

»Der letzte seiner Art« ist ein »echter Eschbach«: spannend und durchdacht konzipiert, haarscharf an der Grenze zwischen allgemeinverständlichem Thriller und nachvollziehbarer Science Fiction, sauber recherchiert und bis zum Ende extrem unterhaltsam. Der Autor schildert die Sichtweise des ehemaligen Supersoldaten sehr glaubhaft; in fast jedem Kapitel vermittelt er weitere Erkenntnisse.

Wissenschaftliche Themen fließen gelegentlich ein, der Roman wirkt aber nicht kaputt-recherchiert, sondern schlicht kompetent. Und obwohl er zehn Jahre alt ist, wirkt er vor allem nicht veraltet, sondern immer noch sehr aktuell. Lesenswert, sehr sogar! (Gibt's in verschiedenen Versionen zu kaufen, einfach mal googeln!)

18 April 2013

Der Buzzcocks-Klassiker

Es gibt Musik, die verändert sich für mich im Verlauf von Jahren: Platten, die ich vor zehn Jahren noch toll fand, entlocken mir heutzutage nur noch ein Gähnen, während Platten, die vor zwanzig Jahren achtlos ins Regal gestellt wurde, von mir heute mit Begeisterung gehört werden. Geschmäcker ändern sich einfach – mal so, mal so. Aber es gibt Platten, die finde ich seit über dreißig Jahren klasse, und dazu zählt »Singles Going Steady« von den Buzzcocks.

Ich habe selbstverständlich keine Originalpressung, sondern »nur« eine x-beliebige englische Version, die von der EMI im Jahr 1979 veröffentlicht wurde. Mit »Orgasm Addict« oder »Ever Fallen In Love« sind Stücke enthalten, die ich seitdem mag und immer wieder gern höre: schwungvoller Melodie-Punk mit einem abgedreht klingenden Sänger, mal ruppig, mal melodisch, aber immer irgendwie nett.

»Harmony In My Head« und andere Stücke klingen heute schon gar nicht mehr nach Punkrock, sie könnten angesichts geänderter Hörgewohnheiten längst im öffentlich-rechtlichen Radio laufen und stören keine Großmutter mehr. Damals mochte ich sie, und wenn ich heute die Platte auflege, freue ich mich richtig darauf, die Klassiker erneut zu hören.

Ja, die Platte! Es gehört für mich zum Charme dieser Aufnahmen dazu, dass ich die von einer Billig-Plastikhülle vom Drogeriemarkt-Müller umhüllte Kartonverpackung nehme, das alte Vinyl heraushole und auf den Plattenteller lege. Manchmal knistert es, an einer Stelle hüpft die Platte sogar ein wenig – aber das gehört dazu, denn ich weiß, wie viele Erinnerungen sich damit verbinden, bei wie vielen Veranstaltungen ich die Platte aufgelegt habe.

Nennt mich meinetwegen nostalgisch ... bei den Buzzcocks bin ich das gern!

17 April 2013

Zwangsgeduzt

Früher fand ich den Unterschied zwischen duzen und siezen höchst spießig; duzen mochte ich viel lieber. In meinem sozialen Umfeld wurde schließlich allenthalben geduzt, und das Siezen schuf eine ständige Distanz. Die Differenzierung war irgendwie immer wieder nötig – aber wieso eigentlich?

Bei den Chaos-Tagen 1995 brachte ich es auf den Punkt. Ein Polizist, der mir im »Punkerlager« in Langenhagen meine persönlichen Gegenstände abnahm, bevor ich mit weit über tausend Leuten in dreckige Lagerhallen »bei Wasser und Brot« gesperrt wurde, duzte mich. Ich wehrte mich und sagte: »Für Sie bin ich der Herr Frick und möchte gesiezt werden.«

Er fragte, warum ich darauf beharrte. »Die anderen Punker duzen uns Polizisten ja einfach, dann duzen wir sie zurück.« Ich versuchte es ihm zu erklären: »Mit jedem Assi-Punk duze ich mich, mit Ihnen möchte ich mich nicht duzen. Wir stehen auf unterschiedlichen Seiten, wir sind keine Freunde.« Daraufhin wurde ich von dem Polizisten penetrant gesiezt, aber er hatte es kapiert.

Das ist alles lange her, und heute sehe ich vieles anders. Nur nicht beim Duzen und Siezen. Ich merke es immer dann, wenn ich mit den sogenannten Kollegen einer Firma spreche, mit der ich zusammenarbeiten muss. In dieser Firma ist das Duzen zwanghaft, man wird dazu quasi gezwungen, und ich fand das anfangs geradezu widerwärtig.

Mittlerweile bin ich also dazu gezwungen, mich mit Leuten zu duzen, mit denen ich nichts gemeinsam habe, die mich garantiert nicht leiden können und mit denen ich freiwillig kein Wort wechseln würde. Es ist nicht mit der Chaostage-Erfahrung von 1995 vergleichbar, aber ich fühle mich seltsam dabei.

Schon irritierend, welche Probleme man hat, wenn man mit großen Schritten auf das »halbe Hundert« zugeht ... Hätte mir das jemand vor zwanzig Jahren gesagt, hätte ich schallend gelacht.

16 April 2013

Terrorzellen und Nachdenken

Ich bin ja kein sonderlich politischer Mensch, vor allem bin ich nirgends aktiv, aber manchmal wundere ich mich doch sehr. Ein Verschwörungstheoretiker bin ich ebensowenig, aber dann wundere ich mich erst recht über manche Dinge.

Da zieht also eine zweiköpfige Killertruppe durch das Land und tötet offensichtlich recht willkürlich Männer, die einen »Migrationshintergrund« haben, während die Frau daheim das Haus hütet. Irgendwann haben die beiden Killer genug davon, setzen sich in ein Wohnmobil und bringen sich um, ohne dass es dafür einen Grund gibt. Die Frau bringt ihre Katze in Sicherheit, fackelt die gemeinsam genutzte Wohnung ab und stellt sich der Polizei.

Das soll ich glauben? Wäre das Thema in einem »Tatort«, würde jeder lauthals darüber lästern, wie unglaubwürdig ein solches Verhalten ist. Von den immer wieder auftauchenden Verbindungen zum Verfassungsschutz und ähnlichen Diensten einmal ganz zu schweigen.

Dazu kommt noch der Mord an der einzigen Frau, die in der Opferliste der »Terror-Zelle« auftaucht. Diese Frau wurde mit einer ganz anderen Waffe erschossen; nicht mit derjenigen, die für die Morde an den Türkisch- und Griechischstämmigen eingesetzt wurde. Wieso das denn?

Auf die Fragen komme ich jetzt nicht völlig allein, die Wochenzeitung »Kontext« und ihre Recherchen sind mir beim eigenen Denkprozess durchaus behilflich. Nur: Dass an diesem ganzen NSU-Fall alles nicht ganz korrekt wird, das muss doch auch anderen Leuten auffallen.

Wir sollen also glauben, dass zwei Nazi-Killer eine Polizistin, mit der sie in einer nachweisbaren privaten Beziehung standen, »einfach so« ermordet haben, wobei sie eine neue Waffe benutzt haben? Wir sollen glauben, dass die zwei Killer und ihre Helferin oder Mittäterin – genaueres klärt vielleicht ein Gericht, vielleicht auch nicht – ohne ein komplettes Netzwerk aktiv waren? Wir sollen glauben, dass die sich am Ende selbst aus dem Weg geräumt haben?

Ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Aber wahrscheinlich wird es in zwanzig Jahren einen Regisseur geben, der aus dem Thema einen großen aufklärerischen Kino-Thriller macht ...

15 April 2013

Bei Baldenhofers am Telefon


Die Folge 43 meines Fortsetzungsromans »Und: Hardcore!« ist erschienen, diesmal in der Ausgabe 107 des OX-Fanzines. Weiter geht es darin mit den Abenteuern des Punkrockers Peter Meißner, den alle nur Peter Pank nennen und der mit Dorfnazis am Rand der Schwäbischen Alb ebenso Ärger hat wie mit irgendwelchen Drogenhändlern, die ihr Netz von Stuttgart aus spannen.

Die aktuelle Folge ist nicht sonderlich action-betont, sondern markiert einen Übergang. Peter muss telefonieren, das macht er bei dem verschrobenen Ehepaar Baldenhofer, über das er den Nachbarn mit dem herrlichen Namen Bert der Säufer herangekommen ist. Und dann benötigt er das Auto eines örtlichen Journalisten, um in die Stadt zu fahren.

Dem Helden meines Fortsetzungsromans ist klar, dass er nicht weitermachen kann wie bisher; aber noch weiß er nicht, wie er aus den Problemen herausfinden soll. Schauen wir mal, inwiefern ihm ein leicht untersetzter Journalist helfen kann ...

14 April 2013

Schwedenpunk trifft Über-30


Seit die Stadt Karlsruhe den sogenannten Kulturpark Ost ausbaut, verwandelt sich das ehemals ziemlich triste Gelände des Alten Schlachthofs in rasanter Geschwindigkeit. Das sah ich, als ich am späten Abend des Samstags, 13. April 2013, mal wieder mit dem Rad dorthin kam.

Saubere Autoparkplätze wurden jetzt da eingerichtet, wo früher die Container mit den übel riechenden Fleisch- und Knochenabfällen standen. Richtige Straßen führen durch das ehemals schlaglochübersäte Gelände. Und haufenweise »Party-People« hatten sich vor dem »Substage« eingefunden, um dort an einer »Ü-30-Party« teilzunehmen.

Die Party war so überfüllt, dass Dutzende oder gar Hunderte Menschen vor der Tür warten mussten. Zum Ausgleich war in der »Alten Hackerei«, wohin ich pilgerte, nicht viel los: Wenige Dutzend Leute verteilten sich gut auf den Konzertraum, saßen auf Barhockern, spielten am Tischkicker oder standen an der frischen Luft herum.

Von daher war es für die »Hackerei«-Abendbilanz gut, dass Leute von der »Ü-30-Party« aufs Punk-Konzert kamen. Das sorgte dann für eine witzige Mischung im Publikum, vor allem auch deshalb, weil die übergewechselten Konzertbesucher eine andere Auffassung davon hatten, wie man sich zu Punkrock zu bewegen hat.

Die erste Band des Abends profitierte davon. Boatsmen aus Schweden traten auf, als wollten sie die Nachfolger von Turbonegro werden, Lederwesten und Lederkappen inklusive. Musikalisch wurde sehr rotziger Rock'n'Roll mit gelegentlicher Motörhead-Kante und einem Schuss Punk geboten; die Texte und die Ansagen klangen nicht sonderlich klever. Aber ohne einige »Ü-30«-Gäste hätte die Band vor einem luschig an der Theke herumlungernden Publikum gespielt ...

Danach kam die Hauptband des Abends: Chuck Norris Experiment, ebenfalls aus Schweden, ein knalliger Sound, der schnellen Punk mit rotzigem Rock'n'Roll verband, eigentlich eine Musik, die in die Füße gehen sollte. Ich wippte auch ein wenig auf und ab, sah aber nicht so recht ein, als einziger den Seniorentanz zu eröffnen.

Nach einiger Zeit, in der die Band einen Kracher nach dem anderen rauspfefferte und überhaupt nicht ermüdet wirkte, bewegten sich doch immer mehr Leute. Irgendwann herrschte vor der Bühne gute Stimmung; die Schweden wurden von gut zwei Dutzend Zuschauern abgefeiert. Und als irgendwann eine Blondine in weißer Bluse und mit hochhackigen Schuhen und eine andere Blondine mit gestreiften Kleid tanzten, hatten sich die »Ü-30-Party« und der Punkrock an diesem Abend endgültig versöhnt ...

Danach kam Punkrock-Disco. Ich trank noch einige Biere, laberte mit Bekannten den üblichen Unfug, den man auf Konzerten labert, und sattelte zu sehr weit vorgerückter Stunde mein Rad. Alles gut!

13 April 2013

Zu Unrecht unbekannt


Dass die Band Virage Dangereux aus Freiburg seit vielen Jahren sträflich unterschätzt wird und deshalb größtenteils in Vergessenheit geraten ist, wurde mir dieser Tage erst richtig bewusst. Ich hörte die CD »... bringen die Welt in Ordnung« während der Autofahrten mehrfach an und fand sie von Mal zu Mal besser.

Die Band, die aus dem beschaulichen Freiburg stammt und in den späten 90er-Jahrern von altgedienten Szenegängern gegründet wurde, schafft es nämlich, einerseits Deutschpunk zu machen und andererseits eben nicht. Das heißt, dass beispielsweise mal Jazz-Elemente in einem Stück vorkommen können, dass mal die Hardrock-Gitarre zuschlägt, dass bei einem Stück das Drei-Männer-Trüppchen durch eine famose Sängerin ergänzt wird oder dass man aus dem wunderbaren »My Sharona« von The Knack kurzerhand die augenzwinkernde Ode an eine junge Dame namens »Maische Rona« wird.

Sprachlich bleibt man meist im Deutschen, gelegentlich wird Englisch dazwischen gehauen; Abwechslungsreichtum ist Trumpf. Ich finde die Platte, die 2003 aufgenommen und kurz darauf beim famosen Label Matula Records erschienen ist, richtig klasse. Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass die Band kaum in eine der ordentlichen Schubladen wie Deutschpunk, Emo oder Hardcore zu schieben ist, dass sie im Verlauf der Jahre ein wenig sehr unterging. Schade.

Frühjahrsmüder Informations-Mix


Erstaunlich dünn kommt die aktuelle Ausgabe des »Fandom Observer« daher, und das ist angesichts des Bauches, den auf dem Titelbild der Autor, Übersetzer und Herausgeber Dirk van den Boom in die Kamera hält, schon ein wenig verwunderlich. Aber irgendwie scheint der aktuellen Ausgabe 286 ein wenig der Dampf zu fehlen, der das Heft immer wieder auszeichnete.

Es gibt kritische sowie gut lesbare Buch- und Filmbesprechungen, dazu kommt ein launiger Bericht vom DortCon, der im März in Dortmund stattgefunden hatte. Aber damit ist der Inhalt des nach wie vor besten Informations-Fanzines für Science-Fiction-Freunde im deutschsprachigen Raum eigentlich schon komplett zusammengefasst.

Stellen sich die Redaktion und die Mitarbeiter bereits darauf ein, dass mit Nummer 300 eh das angekündigte Ende bereit steht? Oder herrscht allgemeine Frühjahrsermüdung? Gern gelesen habe ich das Heft dennoch, mein Jammern findet auf vergleichsweise hoher Ebene statt – aber ein wenig schlapp ist es eben dennoch.

Hin wie her: Der Download ist kostenlos, er geht auf der Internet-Seite am einfachsten. Und wer die letzten Hefte noch als Print-Objekt abonnieren möchte, kann dies dort ebenfalls erledigen.

12 April 2013

Einkaufen in Venedig

Erinnerung an den Venedig-Trip im April 2012

Recht schnell fanden wir heraus, dass es gar nicht so einfach ist, in einer Stadt wie Venedig die täglich benötigten Grundnahrungsmittel und Getränke zu kaufen: Die Gassen sind teilweise so eng, dass man nur hintereinander gehen kann, und ständig muss man über Treppen steigen. Zudem sind die Supermärkte so sehr über das Stadtgebiet verteilt, dass man recht lange im Zickzack gehen oder mit dem Vaporetto zu einer großen Station fahren muss.

Es gibt die Methode, alle Einkäufe in Rucksäcke zu stopfen und mit diesen durch die Gassen zu gehen. Oder man macht es wie viele Venezianer: Man nimmt eine Karre, wie sie hierzulande vor allem von alten Damen benutzt wird, und kümmert sich nicht darum, wie blöd die aussieht.

In eine solche Karre gehen haufenweise Flaschen hinein, dazu Gemüse, Brot und andere Nahrungsmittel. Man kann mit ihr durch enge Gassen rollen und auch über eine Treppe holpern; alles kein Problem.

Nach einem Tag in der Stadt wollte ich »meine« Karre, die uns in der Wohnung kostenlos zur Verfügung gestellt worden war, nicht mehr wissen. Und es kümmerte mich keinen Deut, dass ich mit dem blauen Plastiksack auf dem Metallgestänge nach bundesdeutschen Maßstäben eher albern wirkte.

11 April 2013

Der Platz vor dem Fischmarkt


Erinnerung an den Venedig-Trip im April 2012

Zwischen unserer Wohnung und dem großen Fisch- und Gemüsemarkt, der sich direkt vor der Rialtobrücke erstreckte, liegt ein schöner Platz. Er wirkt großzügig zwischen den alten Bürgerhäusern, man ist mit wenigen Schritten am Kanal, und überall laden kleine Geschäfte dazu ein, das Geld auszugeben: eine Bäckerei, ein Käse- und Wurstverkäufer, Bars und Kneipen.

An diesem Vormittag schien die Sonne und verdampfte mit Wucht die Reste des Regens, der sich in der Nacht über Venedig ergossen hatte. Der Platz war voller Menschen, von denen die meisten wie Einheimische wirkten; es wurde italienisch mit einem Akzent gesprochen, den ich nicht verstand.

Mitten auf dem Platz hatte ein Mann einen winzigen Stand aufgebaut. Er verkaufte frittierte Tintenfische, die man direkt neben ihm auf Holzbänken verspeisen konnte. Von einem Restaurant aus konnte man sich mit Getränken versorgen und dazu setzen.

Wir kauften Brot und Käse, dann besorgen wir uns Kaffee und setzten uns auf eine Bank. Die Sonne schien, rings um uns brodelte das Leben. Kinder spielten zwischen den Beinen der Erwachsenen, blonde Italienerinnen schoben sich große Sonnenbrillen aufs Haar, Männer tranken Weißwein im Stehen.

Lebte ich in dieser Stadt, wäre das mein Stammplatz. Zumindest immer an einem sonnigen Vormittag am Wochenende, wenn die Cafés und Geschäfte offen haben.

10 April 2013

High Rise 8

Die Lektüre von manchem alten Fanzine ist für mich wie eine Zeitreise. So ging es mir heute, als ich in der Mittagspause die Ausgabe acht des Egozines »High Rise« durchlas: komplett, weil so viel war's ja dann doch nicht. Ich fand die Lektüre klasse, und das Ding ist jetzt ziemlich genau ein Vierteljahrhundert alt.

Wer nicht weiß, was ein Egozine ist: Das ist eine »Zeitschrift«, die jemand allein schreibt, drucken lässt und auch allein vertreibt. In den 70er- und 80er-Jahren wurden solche Egozines vor allem von Science-Fiction-Fans publiziert; ich nehme an, dass allein ich einige Dutzend veröffentlicht habe.

Bei »High Rise« handelt es sich um ein kleines Heft, das von Ulrich Bettermann hergestellt wurde; laut Impressum betrug die Auflage der achten Ausgabe ganze 50 Exemplare, und natürlich kostete das zwölf Seiten stake Heft nichts. Es erschien am 25. April 1988.

Ein großer Schwerpunkt des Heftes beschäfigte sich mit dem FreuCon VIII, also einer Veranstaltung, die ich im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt in ebendiesem April 1988 veranstaltete. Ich habe selbst nur verschwommene Erinnerungen an diese drei Tage.

Kein Wunder, denn geschlafen wurde wenig, Bier getrunken und ... ähm ... geraucht dafür umso mehr. Es lief ständig Krachmusik, und ein Höhepunkt war ein Auftritt der Band The Sound Of One Hand. Über all diese Dinge schrieb Ulrich in einer Art und Weise, die viel von seinem Staunen über die Sitten und Gebräuche im Schwarzwald verrät und über deren ironischen Grundton ich mich auch 2013 noch supergut amüsieren kann.

Darüber enthält das kleine Fanzine noch eine Fortsetzungsgeschichte und eine Reihe persönlicher Bemerkungen des Autors und Herausgebers, die heute geradezu dechiffriert werden müssen. Ich weiß, dass ich es damals sehr gern las – und ich stelle fest, dass ich »High Rise« im Jahr 2013 immer noch sehr lesbar finde.

Supersieger hüpfen zwischen Indie, Punk und NdW

Ist das jetzt eine Band oder »nur« ein Projekt? Ich höre seit einigen Tagen immer wieder die erste CD von Supersieger: Das sind zwei Männer mit Hang zu Bärten und posierendem Verhalten, mit einem Herz für knallige Melodien und überzogene Texte, mit einem Humor, den ich nicht immer nachvollziehen kann.

Die CD heißt tatsächlich »Der Tag, an dem der Haushaltsroboter mtin 200qm-Loft in Brand gesetzt hat«, und das freut mich als ollen Science-Fiction-Fan sehr gut. Auf so was Bescheuertes muss man erst einmal kommen!

Insofern ist die zweiköpfige Band sehr konsequent: Da wird teilweise super-originell gereimt, da wird mit ironischen Vergleichen geworfen, da erinnern die knappen Zeilen immer wieder an frühe Neue Deutsche Welle – und das meine ich hier absolut positiv.

Man singt über Stylomaten und die Freude, »Lärm in einer Indierockband« zu machen, man beschreibt sich selbst als »wir ham Murmeln im Arsch«; das ganze klingt oft kodiert, manchmal ein wenig platt, aber immer abwechslungsreich und witzig. Direkte Politik oder Emo-Gejammer fehlen ebenso wie Harte-Männer-Getue – insgesamt alles sehr positiv.

Bei der Musik hüpft die Band zwischen Funpunk, den coolen NdW-Sounds der frühen 80er-Jahren, rotzig-schnellem IndieRock und gelegentlichem Elektro-Zeugs hin und her. Das wirkt aber nicht wie geklaut und schnell zusammengerührt, sondern sehr eigenständig und – im besten Sinne – echt cool!

Eine überraschende »Band« oder meinetwegen ein Projekt, die/das mir gefällt. (Richtig nett ist übrigens die »Unterseite« bei Songpier, wo nacheinander einige Stücke mit schicken Bildern und guter Musik anzuhören und anzusehen sind.)

09 April 2013

Spaziergang in Dorsoduro

Rückblick auf den Venedig-Trip im April 2012

Nachdem wir die »Accademia« besucht hatten, bot es sich an, noch einige Hundert Meter durch das umliegende Stadtviertel zu spazieren. Dorsuduro ist innerhalb der venezianischen Altstadt gewissermaßen das südlichste Viertel; von hier aus kann man zur Insel La Giudecca schauen oder ebenso die Höhepunkte rings um den Markusplatz bewundern.

Wer sich aber auf das Gassengewirr einlässt, findet haufenweise nette Ecken: sonnige Sitzplätze vor einem winzigen Straßencafé entlang eines Kanals, eine wunderbare Buchhandlung, die sich auf drei verschiedene Gebäude verteilt, ein kleines Restaurant, in dem typisch italienische »Dolci« in schöner Auswahl angeboten werden.

Wir trödelten die Kanäle hoch und die Gassen hinunter, saßen irgendwann am Kai, ließen die Beine baumeln und schauten den Schiffen zu, die majestätisch vorbeizogen. Erst als es uns zu kühl wurde, bewegten wir uns in Richtung unseres Apartements. Der Tag in diesem Viertel war richtig schön: ziellos und gelassen und meilenweit entfernt vom Stress des Alltags.


Kurz-Interview im BA-Blog

Seit vielen Jahren bin ich als gelegentlicher Dozent an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel tätig; darüber habe ich immer mal wieder auch berichtet. Bei meinem letzten Besuch in dieser schönen Bildungseinrichtung, der im Februar 2013 stattfand, wurde ich interviewt: sehr knapp und sehr spontan.

Es ging natürlich unter anderem um meinen Job, aber abgebildet wurden zwei sehr nette Bilder von mir. Die Fragen stellte Dr. Olaf Kutzmutz, der »literarische Leiter« der Bundesakademie – oder wie auch immer der Titel exakt ist.

Hier geht's zum Interview ...

08 April 2013

Belgien und die Niederlande

Am Sonntag, 7. April 2013, ging es in der Enpunkt-Sendung im Querfunk, dem Freien Radio in Karlsruhe, um die Benelux-Staaten, wobei – sehr genau genommen – nur Musik aus Belgien und den Niederlanden gespielt und Luxemburg schamhaft ignoriert wurde. Abwechslungsreich war es hoffentlich trotzdem.

Diesmal gab es sogar Ska: Skarbone 14 aus Belgien und Jaya The Cat aus Amsterdam in Holland sorgten für beschwingte Sommer-Musik ... Dafür gab's von Sunpower ordentlichen Hardcore aus Belgien auf die Ohren, ebenso aktuell waren die Hardcore-Punks von Brat Pack aus den Niederlanden und die beliebten Melodie-Punks von Bambix aus demselben Land.

Ein bisschen Geschichtsunterricht verpasse ich meinen Hörerinnen und Hörern ja immer gern. In diesem Fall ging es in die 90er-Jahre, und ich spielte Bands, die wohl kein Mensch mehr kennt – vielleicht in den betreffenden Ländern.

Erinnert sich jemand an Unsure und ihren MelodyCore und Kosjer D mit ihrem schrägen Emo-Hardcore? Beide Bands kamen Mitte der 90er-Jahre in Belgien auf Genet Records heraus: musikalisch abwechslungsreich, textlich eher auf der Polit-Schiene.

Komplett unpolitisch waren dafür die holländischen Psychobillys von Bang Bang Bazooka ausm Jahr 1988 und die ebenfalls holländischen Bips, die ich schon in den späten 80er-Jahren mochte, von denen ich aber was von 2004 spielte. So ging's munter durch die Zeiten und Stile – so was mag ich dann auch. Hoffenlich gilt das ebenso für die Leute, die es hören ...

07 April 2013

Pandora's Bliss machen schlichtweg Grunge


Als Grunge-Rock vor bald einem Vierteljahrhundert das Licht der Welt erblickte, konnte ich nichts damit anfangen. Für meine Begriffe war das der Versuch einiger altgedienter Punks und Hardcore-Leute, endlich mal Gitarrensoli spielen und Musik à la Led Zeppelin machen zu dürfen. Ich hasste Grunge nicht gerade, fand das aber doof.

Das ist jetzt lange her, und erstaunlicherweise gibt es Grunge ebenso noch wie Punkrock oder Hardcore ... In diesem Fall handelt es sich um die Band Pandora's Bliss, die aus dem Grenzgebiet zwischen Deutschland und Belgien kommt: zwei Schwestern an Bass und Gitarre sowie ein Mann, der trommelt. Ich habe »Oh Glorious Serenity« angehört, die zweite Platte der Band.

Die Texte sind in englischer Sprache, die Musik klingt verdammt nach Nirvana – die Band bedient sich komplett beim berühmten Vorbild. Oftmals sind die Stücke zäh, dann wieder explodieren sie geradezu; die Gitarren klingen dunkel, das Schlagzeug und der Bass wummern dumpf vor sich hin.

Auffallend ist allerdings die Stimme der Sängerin: Die Frau brüllt und schreit, dass es eine wahre Pracht ist; unterdrückte Energie bricht hier geradezu aus ihr heraus – das ist echt eindrucksvoll. Und nachdem ich die CD anfangs eher zäh fand, hat mich die Sängerin gekriegt. Wer früher Nirvana und dergleichen mochte, sollte die CD hier auf jeden Fall mal antesten.

06 April 2013

Nachts am Markusplatz


Erinnerung an den Venedig-Trip zu Ostern 2012

Ich hatte den Markusplatz in Venedig einmal an einem sonnigen Frühsommertag gesehen: ein Alptraum aus Tauben und Touristen, als Lärm und Gestank, aus flatternden Flügeln, rennenden Füßen und dem Brummen Tausender von Stimmen.

An diesem Abend aber war es kurz vor Mitternacht und kühl: Nur einige wenige Paare oder kleine Gruppen schlenderten über den Platz, und wir waren ebenfalls unterwegs. Wir trugen dünne Jacken und lange Hosen, es war frisch in diesem April.

Das Wasser der Lagune schwappte gegen den Kai, Lichter glitzerten überall. Große Pfützen bedeckten weite Bereiche des Platzes, manche von ihnen einige Zentimeter tief. Es war keine Hochwassergefahr, aber in den Tagen zuvor hatte es einige Male geregnet, und in Venedig gab es häufig Überschwemmungen.

Wir kletterten über die Stege, die überall auf dem Platz errichtet worden waren, und genossen das Panorama. Unsere Schritte hallten auf dem metallischen Untergrund, wir klapperten und scharrten, und am Ende des Steges sprangen wir herunter und liefen über die feucht glänzenden Steinplatten.

Ein sehr blondes, langhaariges Mädchen tanzte durch die Pfützen, barfuß trotz der Kälte; es drehte sich im Kreis, eine Bewegung nach der anderen, ohne Pause und sichtliche Erschöpfung, einen Ausdruck von Freude im Gesicht. Der dünne Rock hob sich ein wenig, die nackten Beine schimmerten im Mondlicht, die Kameras klickten.

Dann war Mitternacht. Ein wuchtiger Gong schlug an dem großen Turm, der den Platz überragte, und jeder Schlag ließ die Oberfläche der Pfützen vibrieren. Jeder Schlag war voll und laut, jeder Schlag hallte zwischen den alten Palästen wieder.

Es war ein magischer Moment. Einige Sekunden nur dauerte es, aber in diesen Sekunden fühlte ich mich allein mit den Glockenschlägen und dem Markusplatz.

05 April 2013

Aktenzeichen Illegal

Wie habe ich mir eine Zukunft vorzustellen, in der die Menschheit zwar ins All vorgestoßen ist und eifrig die Planeten des Sonnensystems bereist, aber zwei Machtblöcke vorherrschen und mit ihrer Konfrontationspolitik für ständige Probleme sorgen? Das ist einer der Fragen, von denen die Science-Fiction-Serie »Marc Brandis« in den 70er-Jahren beherrscht wurde – damals waren das preiswerte Jugendbücher.

Längst kommen die klassischen Romane als hervorragend gemachte Hörspiele heraus, und ich habe mir endlich die Folge 15 angehört. Die trägt den Titel »Aktenzeichen: illegal« und kam schon im Sommer 2011 in den Handel – aber gute Hörspiele überaltern ja ebensowenig wie gute Romane.

Es geht um eine Liebesgeschichte, die kompliziert ist: Die junge Frau, in die sich ein Raumfahrer aus der Crew von Commander Mark Brandis verliebt, ist Chinesin und ein Opfer der strikten Ein-Kind-Politik. Sie kam als »zweites Kind« auf die Welt, gilt damit als »nicht lebend« und soll an die chinesische Regierung ausgeliefert werden – dann droht ihr wahrscheinlich der Tod.

Brandis und seine Kameraden sind natürlich dagegen und fangen eine Art Doppelspiel an. Das kennt man ja schon, denn Brandis muss sich immer wieder zwischen seinen Pflichten und seiner Moral entscheiden.

Wie bei den bisherigen »Brandis«-Hörspielen auch, hat die Mannschaft um Balthasar von Weymann astreine Arbeit abgeliefert: Die Dialoge sind spannend, die Handlung wird rasant erzählt, die Geräusche und Effekte sind stets passend. Dabei entsteht ein Hörspiel, das sich auch für Erwachsene sehr spannend gestaltet und recht weit von den Jugendbuch-Originalen der 70er-Jahre ist.

Klasse gemacht – ich bin echt ein Fan der Reihe geworden!



Hass-Chanson

Nicht unbedingt schreiend originell, was die Musik angeht, um es vorsichtig zu sagen: der sogenannte Chanson des Monats April 2013, der im zweiten Programm des Südwestrundfunks zu hören ist und den ein gewisser Thomas Pigor eingesungen hat. Textlich ist das Liedlein dafür umso eindrucksvoller, und das meint ich ernsthaft.

»Sie hassen uns wieder. Wir ham es geschafft.« So singt Pigor. »Sie hassen uns wieder.« Gemeint ist das Bild der angeblich so hässlichen Deutschen, das es im Ausland jetzt wieder gibt. Dank der Finanzkrise und ihrer Folgen, wie sich das gehört.

Für einen öffentlich-rechtlichen Sender sind Sätze wie dieser – und das ist ja schon sehr sarkastisch – sicher nicht üblich: »Der zweite Weltkrieg war, sagen wir mal / Vom Imageschaden her katastrophal ...« Unterm Strich finde ich das dann doch respektabel ...

Man kann sich das Lied auf der SWR2-Seite anhören. Das Gelaber am Anfang sollte man überspringen, dann kommt auch schon das Lied. Und der Refrain mit »Sie hassen uns wieder« geht dann doch wieder ins Hirn.

04 April 2013

Mein Käfig in Polen

Im vergangenen Jahr erschien meine Science-Fiction-Kurzgeschichte »Im Käfig« in der Zeitschrift »Exodus«, worüber ich mich sehr gefreut habe. Die Kritiken waren meist wohlwollend bis positiv; auch das freut. Wenn ich schon alle Schaltjahre eine eigene Kurzgeschichte veröffentlichte, soll die schließlich eine Resonanz finden.

Mittlerweile wurde die Kurzgeschichte für den Kurd-Lasswitz-Preis nominiert, und ich bin sehr gespannt, auf welchen Platz sie kommen wird. Diese Nominierung empfinde ich als eine Ehre, auch wenn ich jahrelang über den Preis gelästert habe. (Aber damit habe ich schon vor Jahren aufgehört, und wenn es geht, stimme ich jedes Jahr ab.)

Die schönste Resonanz erbrachte jetzt die polnische Science-Fiction- und Fantasy-Zeitschrift »Nowaq Fantastyka«, in deren April-Ausgabe meine Geschichte veröffentlicht worden ist. In der polnischen Übersetzung heißt sie jetzt »W Klatce«, und das finde ich super!

Bei Pavarotti zu Gast

Es gibt ein italienisches Restaurant in Durlach, dem netten »Vorort« von Karlsruhe, dessen Bewohner sich massiv gegen den Begriff »Vorort« wehren dürften – schließlich ist Durlach das eigentliche, das ursprüngliche Karlsruhe, also die eigentliche Residenz der Herrscher von Baden ... Aber darum geht es mir nicht, sondern es geht und ging um das Restaurant, das ich noch gar nicht kannte.

Es nennt sich »Pavarotti«, liegt verkehrstechnisch günstig – es gibt Parkplätze! – und ist vergleichsweise neu; das ist auch in der Situation begründet: mitten in der sogenannten Raumfabrik, wo es recht viele »Zeitgeist«- und Technologie-Firmen gibt und man sich gerne urban, schick, künstlerisch und modern gibt. Glücklicherweise setzt das Restaurant bei allem modernen Drumherum auf altmodische Werte wie gutes Essen und vernünftigen Service. Immerhin hängen einige Bilder des bekannten Sängers in der Gaststube; das muss dann wohl sein.

Die Fleischfraktion ließ sich die Fleischgerichte schmecken, die nicht auf der Karte standen, die man aber »vorgetragen« bekam, während ich eine sehr ordentliche Pizza futterte, davor eine ebenso ordentliche Suppe. Das ganze war nicht unglaublich beeindruckend und berauschend, sondern in jeglicher Hinsicht ordentlich und vernünftig und lecker: nichts aus dem Rahmen fallendes, sondern »einfach gut italienisch«. Machmal braucht man so etwas einfach.

Ich könnte mir vorstellen, dass ich nicht zum letzten Mal im »Pavarotti« wahr. Immerhin wurde nicht gesungen ...

03 April 2013

Faszinierender Blick auf eine Jugend-Szenerie

Das Bild des Berliner Stadtteils Neukölln wird häufig von Medien bestimmt, die auf Sensationen aus sind: Armut, Kriminalität und Jugendbanden – das sind die Schlagworte, die unweigerlich fallen, wenn es um den angeblichen Problembezirk geht. Wie die Jugendlichen in Neukölln wirklich leben und denken, das schildert der lesenswerte Band »Jugend in Neukölln«, den das Archiv der Jugendkulturen herausgegeben hat.

Das Buch ist unterhaltsam und informativ zugleich: Interviews mit Jugendlichen, Foto-Reportagen von Jugendlichen sowie eigene Berichte von Jugendlichen bilden wesentliche Schwerpunkte. Berichte von Erwachsenen oder »seriösen« Berichterstattern sind eher am Rand zu finden.

So entsteht eine bunte Darstellung des Bezirks; ein Streetworker hat logischerweise einen anderen Blick als ein Jugendlicher, der sich für HipHop begeist
ert, oder ein junges Mädchen, das als Flüchtling aus Bosnien gekommen ist und seit 1994 in Berlin lebt. Verharmlost und beschönigt wird nichts, aber es wird ein anderes Bild gezeichnet.

Was ich persönlich stark finde, ist zudem der historische Blick auf Neukölln: Der Bezirk war nach dem Zweiten Weltkrieg der Schauplatz ausgedehnter Fehden zwischen Jugendbanden. Dabei wurde nicht gefackelt, stattdessen wurde geprügelt, was das Zeug hielt. Weitere Texte beschäftigen sich mit der Vorgeschichte des Bezirks – auch das finde ich stets interessant.

Solche Bücher sollte man all denjenigen als Pflichtlektüre aufs Auge drücken, die bei jeder Gelegenheit über »die Jugend« lästern oder darüber schimpfen, dass früher alles besser gewesen sei als heute. Aber ich kann jetzt schon davon ausgehen, dass die nächste Neukölln-Reportage mit den üblichen Klischees aufwartet ...

Das Buch umfasst 204 Seiten im quadratisch-praktischen Format und ist als Hardcover erschienen. Es kostet 20 Euro und kann überall im Buchhandel bestellt werden; die ISBN 978-3-940212-64-8 ist dabei behilflich. Die üblichen Online-Versender führen es ebenfalls, und selbstverständlich kann man es auch im Shop des Archives der Jugendkulturen bestellen.

02 April 2013

Der tolle Die-Dschei

Wie ich dazu kam, zu einer Anzug-und-Krawatte-Party in Hamburg aufzuschlagen, ist ein Thema für sich. Es hat viel mit Arbeit und Wichtigsein und Wichtigtuerei zu tun und ist hier nicht weiter von Bedeutung. Auf jeden Fall gab es im Anschluss an »wichtige« Reden und ein halbwegs erträgliches Essen – für Vegetarier gab es immerhin Beilagen und Nachtisch, seufz – noch einen »Special Guest«, der entsprechend erwartet wurde.

Ich war selbst gespannt. Was kam auf mich zu? Immerhin waren wir im Emporio-Tower in Hamburg, einer der wirklich feinen »Destinationen« der Stadt, wie man das im gepflegten Neudeutsch nennt: Von den Räumlichkeiten aus bot sich ein phänomenaler Blick über die Stadt, sowohl bei Tageslicht als auch nachts – das fand ich schon sehr stark. Da konnte ich doch einen entsprechenden Höhepunkt des Abends erwarten, dachte ich.

Sogar die Moderatorin des Abends, deren Namen ich sofort wieder vergessen hatte, galt als prominent. Sie verdient ihr Geld normalerweise bei einem der großen Bezahlsender, die ich noch nie geguckt habe, und machte einen stets sehr munteren Eindruck. Entsprechend kündigte sie den Stargast an.

Es handle sich um »Noah Becker, den Sohn des weltberühmten Tennisstars Boris Becker«. Anders gesagt: Das einzige, was offensichtlich für den DJ sprach, war die Tatsache, dass sein Vater sehr berühmt war ...

Entsprechend war die Musik: Dumpfbacken-Techno vom Feinsten kam aus den Boxen. Es schüttelte mich vor Entsetzen. Ich machte, dass ich davon kam, und verließ die Veranstaltung fluchtartig. Die Cocktails, die ich später an der Bar des »East« in St. Pauli trank, schmeckten auf jeden Fall sehr gut, und die Musik dort war elektronisch, aber sehr angenehm.