16 November 2021

Ein Western-Klassiker sehr kompakt

Die Serie »Ringo« gehört zwar zu den Klassikern des Western-Comics, geht aber in jeglicher Betrachtung des Genres ziemlich unter. Kein Wunder: Veröffentlicht wurden die Geschichten in den 60er-Jahren, zu einer Zeit also, in der das Genre grundlegend umgekrempelt wurde. Erfolgreiche Serien wie »Blueberry« und »Comanche« begeisterten mit modernen Geschichten die Leser, und der konservativere »Ringo« geriet ein wenig in Vergessenheit. (Ich erinnerte mich auch nur sehr düster an dieser Serie.)

Das ist schade, wie die Gesamtausgabe beweist, die der Splitter-Verlag veröffentlicht hat. (Anfangs kam sie in zwei Bänden heraus; das ist die Version, die ich habe. Mittlerweile gibt es eine Gesamtausgabe in einem Buch.)

Dass William Vance einer der Großen des klassischen Abenteuer-Comics war, dürfte allgemein bekannt sein; mit »Bruno Brazil« oder »Bruce J. Hawker« schuf er Serien, die für ihre Zeit und auch danach stilbildend waren. »Ringo« wirkt ein wenig wie ein Nebenprodukt. Verschiedene Autoren schrieben über die Jahre hinweg die Texte, Vance machte daraus packende Geschichten. Der epische Charakter eines »Blueberry« fehlt, es handelt sich vor allem um normale Abenteuer, wie man sie auch im Kino zu sehen bekam.

Am Anfang sind es albenlange Geschichten. In »Der lange Weg nach Santa Fé« wird offenbar alles zusammengefasst, was man für westerntypisch hielt. Eine Postkutsche mit wertvoller Fracht, Banditen und Indianer ... dazwischen Ringo, der versucht, seinen Auftrag zu erfüllen. Und »Der Schwur von Gettysburg« fängt im Bürgerkrieg zwischen den Nord- und den Südstaaten an, wechselt aber danach in die von Spannungen erfüllte Nachkriegszeit.

Im weiteren Verlauf der Gesamtausgabe sind Comics enthalten, die in den 70er-Jahren entstanden sind. Man merkt den Geschichten an, dass unterschiedliche Autoren daran beteiligt waren; zeitweise wirken sie wie Stückwerk, und bei der einen fehlt eindeutig der Abschluss. Unbestritten ist aber das zeichnerische Genie von William Vance.

Die Darstellung eines Schneesturms, erbitterte Kämpfe zwischen dem Eis und der Wüste, beeindruckende Gesichter in Freud' und Leid – das alles zelebrierte dieser Comic-Künstler auf einem Niveau, das mich heute noch verblüfft und begeistert. Spannend sind die Geschichten allemal, ihre Wirkung erzielen sie aber wegen der Bilder, nicht wegen der Texte.

Mit der schönen Gesamtausgabe hat der Splitter-Verlag einen Western-Klassiker in einer tollen Version in den Handel gebracht. Wer sich für Western-Comics begeistern kann oder Klassiker des frankobelgischen Abenteuer-Comics mag, muss hier zugreifen.

15 November 2021

Langsame Mode

»Slow Fashion« sei der neueste Trend, plärrt es mir aus dem Radio entgegen. Es sei klimaschonender, wenn man seine Kleidung länger trage und sich nicht ständig neue Hosen und Hemden kaufe. Die Sprecherin verkündete das, als ob sie des Pudels Kern entdeckt hätte.

Ich wusste nicht, dass ich in einem derartigen Umfang zu einem Trendsetter geworden bin. Normalerweise trage ich meine Klamotten so lange, bis sie völlig zerlöchert sind oder auseinanderfallen. In meinem Schrank befinden sich T-Shirts, die ich mir in den 90er-Jahren gekauft habe und die ich immer noch trage.

Den entsetzten Ausruf »Das willst du doch nicht ernsthaft anziehen!« höre ich immer mal wieder. Aber solange ein Band-Shirt noch nicht zu sehr hinüber ist oder man bei einem Hemd den Hemdkragen noch angucken kann, trage ich die Klamotten. Das gleiche gilt für Hosen oder Jacken; meine Lederjacke ist älter als meine Kolleginnen im Büro.

Dass man ernsthaft die Tatsache, dass man Klamotten länger tragen kann, als neuen Trend verkündet, finde ich schon eher verwirrend. Aber in der »Schnelldreher«-Zeit war es zuletzt ja modern, einmal im Halbjahr den Kleiderschrank zu entrümpeln und sich neues Zeugs zu kaufen. Ich finde es deshalb aus verschiedenen Gründen gut, wenn ich mit meiner Art von »Slow Fashion« zum Trendsetter werde …

Nosebleeder und ihre 2021er-Platte

Einen sonderlich guten Zeitpunkt suchten sich die drei Männer von Nosebleeder nicht aus, als sie ihre Platte mit dem programmatischen Titel »No« veröffentlichten: Aufgenommen wurde sie 2020, heraus kam sie im Januar 2021, mitten in der zweiten Corona-Welle. Dabei wäre es dem Tonträger und der Band zu wünschen, stärker wahrgenommen zu werden, auch wenn die Band ihn kaum live präsentieren kann.

Zwölf Stücke sind auf der Platte vorhanden, alle im weitesten Sinn als Emopunk zu bezeichnen. Die Stimme des Sängers ist rau, die Musik rockt im mittleren Tempo, und die Vergleiche zu Leatherface und Samiam liegen da einfach auf der Hand. Trotzdem ist das, was die Band macht, eigenständig genug; die Melodien sind stimmig und gefallen, und ein leichter Hauch von Melancholie kann in diesen Zeiten ja nicht schaden.

Die Texte sind in englischer Sprache und eher komplex; sie lassen sich beim ersten Lesen nicht gleich kapieren und bedürfen einiger Interpretation. Das ist aber auch sehr in sich stimmig und passt zum Gesamtkunstwerk.

Ohne jegliche Ironie: Wer ein Herz für gut gespielten Emopunk hat, wird diese Band lieben.

13 November 2021

Fantasy-Manga mit Kochrezepten

Es ist zumindest ein originelles Konzept: ein Fantasy-Comic, der im Prinzip nach einem Rollenspiel erzählt wird und in dem es die ganze Zeit um Kochen und Essen geht. Ja, doch – ich war zuerst sehr verwundert, als ich damit anfing, »Delicious in Dungeon« zu lesen, zumindest das kostenlose Heft, das es beim Gratis-Comic-Tag 2020 gab.

Verantwortlich für die Manga-Serie ist Ryoko Kui, sie erscheint seit 2014 in Japan und seit 2019 auch in deutscher Sprache. Dass ich mit Mangas nicht viel anfangen kann, erzählte ich schon öfter, und das ist auch bei diesem Comic so. Ich finde die Idee, die dahintersteckt, auf jeden Fall originell; das gab’s so noch nie.

Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Gruppe von Abenteurern ist in einem unterirdischen Labyrinth unterwegs, ein klassisches Dungeon-Szenario, wie man es seit den frühen 80er-Jahren kennt (einige wenige kennen es schon seit den 70er-Jahren, ich weiß, aber das sind Ausnahmen). Nachdem die Abenteurer ein Monster umgebracht haben, verspeisen sie es – und dann zeigt der Comic eben, wie man aus Drachenfüßen oder irgendwelchem Schleim ein leckeres Gericht bereitet.

Gezeichnet ist das Ganze in einem sehr typischen Manga-Stil: mit weit aufgerissenen Mündern und extremen Speedlines. Wer diesen speziellen Stil mag, wird diesen Comic sicher mögen. Ich wurde damit trotz des originellen Fantasy-Charakters einfach nicht warm …

12 November 2021

Gesundheit als Schwerpunkt-Thema

Die Zeitschrift »Pogrom« heißt seit einiger Zeit »Für Vielfalt«, was tatsächlich viel netter klingt. Nach wie vor wird das Heft von der Gesellschaft für bedrohte Völker herausgegeben, und ich lese es seit gut vierzig Jahren. Am Inhalt hat sich nicht viel geändert; es ist vielleicht journalistischer geworden, die Texte sind besser lesbar, und die Bilder werden großzügiger und vor allem bunt präsentiert.

Zuletzt las ich die aktuelle Ausgabe 326. Das Thema des 60 Seiten starken Heftes: »Indigene und Minderheiten kämpfen um ihre Gesundheit«. Neben dem Schwerpunkt gibt es natürlich allerlei andere Beiträge, wie sie sich für eine Zeitschrift empfehlen, die sich den Menschenrechten verschrieben hat. Den gesundheitlichen und auch religiösen Aspekt des Heftes finde ich auf jeden Fall spannend.

Interessant ist beispielsweise das Interview mit dem Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche, also der christlichen Minderheit in Ägypten, der eigentlich »gelernter« Arzt ist. Ich mag auch die Einblicke, die einzelne Artikel in das Heilwissen indigener Völker geben. Was ich als esoterischen Unfug ansehen würde, wenn es mir Leute in Deutschland erzählen, hat bei Menschen im Amazonas-Becken eine andere Bedeutung.

Deshalb mag ich das Magazin: Es gibt mir Einblicke, auf die ich sonst nirgends komme, die ich sonst an keinem Fleck lesen oder sehen kann. Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehberichte über indigene Völker sind selten, da ist diese Zeitschrift eine wohltuende Ausnahme. Und die Ausgabe 326 mit ihrem speziellen Thema noch in besonderer Weise …

Wiktor Bukato ist gestorben

Als ab dem Sommer 1991 klarwurde, dass der FreuCon '92 auch der EuroCon werden würde – wegen des beginnenden Krieges in Noch-Jugoslawien schien Zagreb nicht sonderlich gut geeignet –, war Wiktor Bukato einer der Leute, die uns dazu ermunterten, unseren Con auszuweiten. Ich hatte nicht so viel mit dem polnischen Fan zu tun; wir kommunizierten aber auch einige Male. Kennenlernen konnte ich ihn erst, als er selbst in Freudenstadt eintraf.

Bukato war Jahrgang 1949 und seit den 70er-Jahren in der Science-Fiction-Szene seines Heimatlandes aktiv. Von 1991 bis 1993 war er »Chairman«, also eine Art Vorsitzender der European SF-Society und als solcher auch verantwortlich für die Verleihung von Preisen und Vergabe von Veranstaltungen. Selbst hatte er ein Jahr vor uns den EuroCon in Krakau veranstaltet, er kannte sich also aus.

In Polen arbeitete er als Übersetzer und Verlagsmensch, er war in der Szene seines Heimatlandes sehr aktiv und wirbelte ebenso in der internationalen Szene herum. Er starb bereits am 26. Juli 2021, und ich bekam es erst dieser Tage mit.

Wiktor Bukato war ein Funktionär, wie er im Buche steht: freundlich und immer ein wenig reserviert, sehr zurückhaltend und mit wunderbar altmodischen Umgangsformen. Für mich ist sein Name stets verbunden mit einer Zeit, in der ich mich in der internationalen Science-Fiction-Szene engagierte.

11 November 2021

SAGITTARIUS im Jahr 1986

Im Sommer 1986 wollten wir es endgültig wissen: Wir fünf Menschen, die nun die »edition bogenschütze« als eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet hatten, strebten danach, höhere Auflagen für die Zeitschrift SAGITTARIUS zu erreichen. Ein Mittel der Wahl war für uns der anstehende PERRY RHODAN-WeltCon, der im September in Saarbrücken stattfinden sollte. Dort wollten wir möglichst viele potenzielle Abonnenten abgreifen.

Die Ausgabe 2/86 – wir verzichteten auf die Nummer 13 auf dem Titelbild – sollte hierfür einen guten Start bieten. Wir setzten auf drei große Namen, die wir prominent aufs Titelbild setzten und zu denen wir entsprechende Inhalte boten. Damit wollten wir die entsprechenden Schwerpunkte setzen.

Klar bot sich PERRY RHODAN an; im Heft gab es eine Vorberichterstattung zum WeltCon, einen allgemeinen, aber durchaus kritischen Artikel zur Serie und ein umfangreiches mit Horst Hoffmann, dem damaligen Chefredakteur. George Lucas als Name, der jedem Science-Fiction-Fan etwas sagte, und sein neuer Film »Labyrinth« gehörten natürlich zum Reigen hinzu. (Und ich erkannte auf einem Bild nicht David Bowie, was mir heute noch peinlich ist … andere Geschichte!)

Der Autor Brian W. Aldiss, den wir alle schätzten, wurde mit einem Interview und einer Kurzgeschichte prominent im Heft platziert. Dazu kamen Comics, Cartoons, ein kleines Poster auf den Mittelseiten und viele andere Dinge, die für die damalige Zeit richtig stark waren. Das Heft war teilweise farbig, und wir hofften darauf, unsere Auflage zu verdoppeln …

Genepool und ihr Komplex

Soweit ich mich erinnere, habe ich Genepool nie gesehen. Die Band, von der ich einige Tonträger besitze, hat sich immer wieder verändert; irgendwie könnte ich die nicht in eine Stilrichtung zwängen. Eine richtig starke Platte ist allerdings die »Komplex«, weshalb ich sie an dieser Stelle kurz abfeiern möchte; es ist tatsächlich die sechste Platte der Band.

Okay, ich habe mir das Vinyl gekauft, und das sicher auch aus Gründen meines Wahns, bei Schallplatten auf Optik zu achten. Die Vinylscheibe ist auf 300 Exemplare limitiert worden, und jedes Cover ist handgefertigt und bemalt. (Meine Platte ist die Nummer 338 und wurde von Chris gestaltet. Das hat was, finde ich.) Dazu kommt ein stark gestaltetes Beiheft, das optisch wirklich überzeugt.

Aber auch die Musik kann mich für sich einnehmen. Es ist kein Punkrock, sondern irgendwas zwischen Rock und Wave, zwischen wummernden Bässen und Keyboards, zwischen einer knalligen Gitarre und einem Sänger, der richtig singen kann. Wer hierfür die Schublade IndieRock aufziehen will, tut sicher nichts falsches, auch wenn das bei dieser abwechslungsreichen Band kaum die richtige Zuschreibung ist.

Jedes der zehn Stücke hat seine eigene Spannungskurve, jedes baut aufeinander auf und liefert eine gelungene Melodie. Das klingt manchmal nach den frühen 80er-Jahren, nach dem Gebräu, das auf Punk folgte und keine richtige Schublade fand, ist aber eigenständig genug. Die Band kann spielen, die Musiker lassen ihren Instrumenten freien Lauf, ohne in peinliches Muckertum zu verfallen.

Heraus kommt eine Platte, die mich überzeugt, die man sich – weil sie so abwechslungsreich ist – mehrfach anhören kann und die eigentlich hervorragend tanzbar wäre, wenn es Diskotheken gäbe, in denen solche Musik gespielt würde. (Und das meine ich an dieser Stelle absolut positiv!)

10 November 2021

Im schottischen Restaurant

»Sind Sie eigentlich geimpft?«, fragte die junge Frau.

Ich nickte und hielt mein Smartphone hoch, wollte ihr schon den QR-Code zeigen.

»Alles in Ordnung«, sagte sie, stellte mir mein Essen hin und ging. Sie sah sich mein Smartphone nicht einmal an.

Verwundert sah ich ihr nach. War ich ein Mensch, der so vertrauensvoll wirkte? Offensichtlich.

Es war das erste Mal seit Jahren, dass ich in dem »schottischen Spezialitätenrestaurant« war, wie es ein guter Bekannter von mir früher immer bezeichnet hatte. In der Nachbarschaft meiner Arbeitsstelle befand sich eine Filiale, und ich wollte endlich einem die angeblich leckeren Veggi-Burger dort probieren.

Das Essen war in Ordnung, und ich finde es auch in Ordnung, einmal pro Schaltjahr so ein Schnellrestaurant zu besuchen. Es reicht dann wieder für einige Jahre.

Mit der laxen Einstellung gegenüber dem Corona-Virus kam ich nicht unbedingt zurecht. »Man braucht sich nicht zu wundern, dass die Zahlen derzeit so in die Höhe schießen«, meinte meine Begleiterin, die erst gar nicht nach ihrem Impfstatus gefragt worden war ...

Ich liebe den Blick auf klassische SF

Man kann sich über den Sinn mancher Science-Fiction-Preise streiten, wie man sowieso bei Literaturpreisen sehr geteilter Meinung sein kann. Wer sich für Science Fiction interessiert, so wie ich das tu', kommt um den Hugo Award allerdings nicht herum.

Seit 1953 werden mit diesem Publikumspreis die jeweils beliebtesten – und oft sind es auch die besten – Romane, Kurzgeschichten, Zeitschriften, Titelbilder und so weiter für Science Fiction ausgezeichnet. Dabei liegt der Schwerpunkt allerdings auf dem amerikanischen Markt.

In seinem Sachbuch »Die Hugo Awards 1953 bis 1984« gibt Hardy Kettlitz einen wunderbaren Einblick in die Science Fiction vergangener Jahrzehnte. Für jedes Jahr aus dem genannten Zeitraum stellt er die Werke vor, die einen Preis erhalten haben: die besten Romane und Kurzgeschichten, die besten Fan-Autoren und Zeichner und so weiter. Zu jedem Werk gibt es eine Inhaltsangabe, gelegentlich auch mit einer Würdigung dazu, wie man sie qualitativ einstufen könnte.

Um es klar zu sagen: Es ist eine unfassbare Fleißarbeit, die Kettlitz hier vorlegt. Seine Inhaltsangaben sind informativ, teilweise auch detailliert, aber nicht überladen. Sie geben einen guten Eindruck in die Entwicklung der Science Fiction. Ich kannte viele der erwähnten Romane und Storys natürlich schon, werde mir aber einige andere noch besorgen – weil ich sie nun gern lesen möchte.

Besonders gut gefällt mir, dass Kettlitz sich bei eigenen Urteilen zwar nicht zurückhält, aber nie dogmatisch wirkt. Man bekommt ein Gefühl dafür, welche Geschichte und welcher Roman sich auch für heutige Leser lohnt. Vor allem zeigt er an, welche Romane zur gleichen Zeit erschienen oder welche Filme den Preis nicht erhielten.

Ich habe das Buch – und damit rechnete ich nicht – von vorne bis hinten gelesen, obwohl es ja eigentlich nur aus Inhaltsangaben besteht. Die sind aber so interessant, dass ich die Lektüre nicht langweilig fand. Aber natürlich kann man das Buch als Nachschlagewerk benutzen, in dem man immer mal wieder blättert, um sich Notizen zu machen oder sich neuen Klassiker-Lesestoff zu erschließen.

»Die Hugo Awards 1953 bis 1984« ist der erste Teil einer Trilogie. In zwei weiteren Sachbüchern hat Kettlitz die gesamte Geschichte dieses Science-Fiction-Preises abgearbeitet. Die Bände zwei und drei habe ich mir bereits gekauft, und ich freue mich schon auf die Lektüre.

09 November 2021

Der Eierwurf von Halle

Ich bin seit längerem ein Fan der Fernsehsendung »ZDF Magazin Royale«, die ich auch schon mochte, als sie noch »Neo Magazin Royale« hieß. Jan Böhmermann hat ein hervorragendes Team hinter sich, das ihm gute Texte schreibt, und der Mann hat zudem sichtlich Spaß daran, provokativ und intelligent spannende Themen aufzugreifen.

Mit »Der Eierwurf von Halle« ist ihm ein Höhepunkt der Fernsehunterhaltung gelungen, den ich gestern in der Mediathek zum ersten Mal gesehen habe. Mir stand über weite Strecken der Mund vor Staunen offen, und ich beneidete die Menschen glühend, die diese Sendung live im Studio hatten sehen können.

Es handelt sich nämlich um ein Musical. Männer küssen sich, es wird gesungen und getanzt, und ganz nebenbei wird ein historisches Element aus dem Jahr 1991 mit schmissigen Melodien in die heutige Zeit transportiert. Das ist extrem professionell gemacht, wirkt wie ein echtes Musical und hat nichts mit den üblichen Show-Programmen zu tun.

Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte sah ich einige Musicals: in London und Hamburg und Stuttgart. Wer noch nie ein Musical angeguckt hat, wird mit »Der Eierwurf von Halle« vielleicht nicht so viel anfangen können. Es ist künstlerisch auf jeden Fall vergleichbar – und der Beweis dafür, dass man auch ernsthafte Themen in einem unterhaltsamen Gewand präsentieren kann.

Ansehen!

Wenn Voodoo auf das Traumland trifft

Als Ende der 80er-Jahre die Comic-Serie »Sandman« erstmals erschien, galt sie in meiner Wahrnehmung als ein absoluter Geheimtipp: Das waren Comics aus den USA, die sich den üblichen Regeln amerikanischer Comics verweigerten. In »Sandman« prügelten sich keine Superhelden, gab es keine endlosen Auseinandersetzungen mit monströsen Wesen, wurden nicht ständig dicke Oberarme oder leicht bekleidete Frauen gezeigt.

Die Geschichte wurde von Neil Gaiman entwickelt und zeigte eine phantastische Welt, wie man sie zuvor nicht im Comic gesehen hatte. »Sandman« erzählte von Träumern und ihren Schicksalen, von Menschen und Göttern, Dämonen und Wunderwesen, die sich trafen und bekämpften, die sich liebten und umarmten. Bis heute zählt die Serie zu den Klassikern des phantastischen Comics.

Seit damals wurden die »Sandman«-Comics im deutschen Sprachraum mehrfach veröffentlicht, und sie haben hierzulande ihre Leser gefunden. Es liegt deshalb nahe, auch die neuen »Sandman«-Serien in deutscher Sprache herauszubringen. Bei Panini wurde bereits 2020 der erste Band von »House Of Whispers« in den Handel gebracht, und ich habe diesen Band endlich durchgeschmökert.

Um es vorsichtig anzudeuten: Das ist ein Comic, der nicht leicht zu lesen ist, der aber viele phantastische Ideen enthält. Das liegt unter anderem daran, dass sich eigentlich drei Welten vermischen: die Götterwelt des Voodoo, die wirkliche Welt in New Orleans und die Traumwelt, wie man sie aus den »Sandman«-Geschichten kennt. Ich musste mehrfach zurückblättern, um die Zusammenhänge klarer zu erkennen.

Künstlerisch ist das alles ansprechend; die Zeichnungen sind gut, der Aufbau der Seiten oft originell. Aber es fiel mir schwer, dem Verlauf der Geschichte zu folgen – das war mir teilweise zu verworren. Sicher liegt es auch daran, dass ich nach all den Jahren nicht mehr die Details des »Sandman«-Kosmos kenne. Wer mit wem in welcher Beziehung steht, weiß ich einfach häufig nicht.

Um es klar zu sagen: Für echte »Sandman«-Fans ist »House Of Whispers« sicher eine Empfehlung. Wer diesen Kosmos nicht kennt oder nicht so richtig gut, der kann damit nicht viel anfangen. Für mich schien’s wie eine verpasste Chance.

08 November 2021

Frontkick und der Berliner Glam

Wenn ich mich düster erinnere, fing die Band Frontkick Ende der 90er-Jahre damit an, dass sich ein Spanier und zwei Berliner zusammentaten, um miteinander Oi!-Punk zu spielen: schwerst tätowierte Männer, die schmissigen Sound auf die Menschheit losließen, die sowohl auf Platte wie auch live überzeugten. Und dann gab es im Verlauf der Band eine Reihe von Aufs und Abs, die ich gar nicht mehr nachvollziehen kann und will.

Tatsache ist, dass die geschätzte dritte LP den schönen Titel »the cause of the rebel« trägt, im Sommer 2007 herauskam und überhaupt nichts mehr mit dem ruppigen Oi! der frühen Tage zu tun hat. Das ist vielmehr Punkrock, der sich an den späten 70er-Jahren oder am Breitwand-Punkrock kalifornischer Prägung der Nuller-Jahre orientiert: sehr viel Melodie, ein bisschen Glam in den Stücken und eher zum Schunkeln als zum Stiefelpogo anregend.

Die Musiker nennen sich auf der Platte Marti Neurotic oder Stephan B., was in gewisser Weise eine Verneigung vor den späten 70er-Jahren ist; aber sie alle ballern eine richtig gelungene Platte zusammen: Die Stücke sind durch die Band melodisch und rockig und schmissig, sie gehen in die Beine und in die Ohren. Schöne Platte!

06 November 2021

Aus Palandt wurde Grüneberg

Mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch musste ich mich während meiner Schulzeit nicht nur einmal herumschlagen. In Betriebswirtschaftslehre, was ich als Fach auf dem Gymnasium belegt hatte, war das BGB eine wichtige Grundlage für Arbeiten aller Art. Sogar bei den Abitursprüfungen lag das BGB auf meinem Tisch.

Dass der entsprechende Kommentar dazu, den wir nicht nutzten, ganz allgemein nur als »der Palandt« bezeichnet wurde, nahm ich nicht groß zur Kenntnis. Noch weniger interessierte mich damals, dass Otto Palandt, der offizielle Herausgeber dieses Kommentars, während des sogenannten Dritten Reiches ein strammer Nazi gewesen war.

Das störte auch sonst jahrzehntelang niemanden. Bis zur 80. Auflage des Grundlagenwerks galt es als »der Palandt«. Der Verlag C. H. Beck hat damit endlich ein Ende gemacht: Seit diesem Jahr ist das Grundlagenwerk nach Christian Grüneberg benannt, einem Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe und sicher unbelastet, was die Nazizeit angeht.

Gut, dass das endlich geändert wurde! Dann können sich künftige Generationen von Juristen und sonstigen Leuten, die sich für das Bürgerliche Gesetzbuch interessieren (müssen), ab sofort mit »dem Grüneberg« herumschlagen ...

05 November 2021

Züricher Preis für einen SF-Roman

Weil ich derzeit den Roman »Die Erinnerung an unbekannte Städte« lese, freut es mich besonders, dass die Autorin Simone Weinmann und ihr Werk mit einem Preis ausgezeichnet werden. Sie erhält eine der Literarischen Auszeichnungen der Stadt Zürich, und diese ist laut Pressebericht mit 10.000 Franken dotiert. Das nenne ich mal einen vernünftig dotierten Literaturpreis!

Mir gefällt das besonders, weil es sich bei »Die Erinnerung an unbekannte Städte« um einen Science-Fiction-Roman handelt. Weinmann siedelt ihr Werk in der nahen Zukunft an, irgendwann in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts. Nach einer Katastrophe, über die man nicht viel erfährt, leben nur noch wenige Menschen. Sie werden von religiösen Fanatikern drangsaliert und leben von einem Leben in Freiheit; als Vision gilt die Reise nach Italien, wo es angeblich – am Ende eines Tunnels – so etwas wie eine wichtige Bildungseinrichtung geben soll.

Bei der Lektüre des Romans mache ich übrigens immer mal wieder einen Vergleich; ich nehme mir »Wasteland« zur Hand. Der Roman von Judith C. und Christian Vogt spielt ebenfalls in einer Zeit nach der Katastrophe, ich las ihn im vergangenen Jahr.

Beide Romane sind inhaltlich ein wenig vergleichbar, gehen aber ganz unterschiedliche Wege: Während der Vogt-Roman ein knackiges Abenteuer ist, in dem ganz nebenbei eine gesellschaftliche Utopie verhandelt wird, ist der Weinmann-Roman eher düster, fast beklemmend, in einer zeitweise nüchternen Sprache, die wenig Raum für Action und packende Kämpfe lässt. Inhaltlich und stilistisch sind beide Werke kaum vergleichbar; ich fand interessant, wie unterschiedlich eine ähnliche Ausgangssituation weitergeführt werden kann.

Und gut finde ich, wenn ein solcher Roman auch mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wird, der von »außerhalb« kommt, also nicht von Science-Fiction-Lesenden verliehen wird. Ich hoffe, dass sich das positiv auf den Verkauf des Romans auswirken wird …

Fast 200 Seiten zur Markenbildung

Ob es sich bei der »turi2 edition« um eine Zeitschrift handelt oder ein Buch, das mögen klügere Leute entscheiden. Weil … Die Bücher im A4-Format haben das Layout einer großzügigen Zeitschrift und kommen regelmäßig heraus; gleichzeitig haben sie eine ISBN und können im Buchhandel gekauft werden. Ich habe die Reihe seit dem ersten Band abonniert und betrachte sie als fachliche Bereicherung meines Lebens, wobei es leider nicht immer klappt, die Bücher gleich und vor allem komplett zu lesen.

Die aktuelle Ausgabe 15 trägt den schönen Untertitel »Menschen, Medien und Marken in Bewegung«, und die schmökerte ich komplett durch. Den Titel löst das Magazin dabei komplett ein: Es stehen Menschen aus verschiedenen Bereichen im Zentrum, es geht immer um Medien im weitesten Sinn und vor allem um Marken. Das interessiert mich beruflich, aber ich finde es auch darüber hinaus spannend, Einsicht in die Gedanken und Überlegungen anderer Leute zu finden.

So geht es in ausführlichen Interviews – alles ist immer sehr gut bebildert – um die Zukunft der Automobile oder um das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Die Politikerin Sawsan Chebli wird porträtiert, dazu viele andere Menschen, deren Namen mir teilweise nichts sagen, bei denen aber die Marken bekannt sind, für die sie stehen.

In Fotogeschichten werden Menschen vorgestellt, »die was bewegen«, wie es bei der »turi2 edition« heißt: ein Weichensteller etwa, eine Mitarbeiterin im Discounter, eine Frachtpilotin oder ein angehender Lokführer. Das ist alles interessant und lesenswert und gut gemacht.

Und so entpuppt sich das Buch eben doch eher als ein Magazin, in dem man beim Blättern und Lesen auf Themen stößt, die einen vielleicht gar nicht interessieren, die man dann aber liest und genauer betrachtet, weil sie in der Reihenfolge der Lektüre praktisch auf einen warten. Es gibt Gründe, warum ich Magazine und Zeitungen liebe, und eine solche Reihenfolge ist ein wesentlicher Grund dafür.

Ausgabe 15 der »turi2 edition« lohnt sich auf jeden Fall. Zumindest für mich. Und sicher auch für andere Leute, die sich für die genannten Themen interessieren und Freude daran haben, bewusst über den Tellerrand zu gucken.

03 November 2021

Der zweite Teil der coolen Hawthorne-Serie

Anthony Horowitz ist Schriftsteller, der Romane verfasst, aber auch mit seinen Drehbüchern für allerlei Fernsehserien sorgt. Dass er daneben mit dem Detektiv Daniel Hawthrone zusammenarbeitet und mit diesem Mordfälle löst, ist eher unbekannt ... Das zumindest ist der Ausgangspunkt für die Krimi-Serie »Hawthorne ermittelt«, in der Horowitz sein wirkliches Leben nimmt und in einen Roman verwandelt.

Mir gefiel schon der erste Teil sehr gut, der hierzulande unter dem dämlichen deutschen Titel »Ein perfider Plan« veröffentlich worden ist. Der Originaltitel hieß damals »The Word Is Death«. Beim zweiten Buch machte man aus »The Sentence Is Death« das banale »Mord in Highgate«. Ich verstehe manche Verlagsentscheidungen nicht, habe aber lange genug in Verlagen gearbeitet, um zu wissen, dass sich nicht unbedingt die Intelligenz durchsetzt.

Glücklicherweise können weder ein dämlicher deutscher Titel noch eine schlecht geänderte Titelbildgestaltung den Inhalt eines Romans beschädigen. Horowitz kann schließlich erzählen, und das zeigt auch dieser zweite Teil der coolen Hawthorne-Serie.

Ein Scheidungsanwalt liegt tot in seinem Haus. Die Polizei ermittelt, kommt aber nicht weiter. Also wird Hawthorne eingeschaltet, und mit ihm im Gefolge kommt Horowitz. Die beiden beginnen mit ihrer eigenen Art der Ermittlung, was von der Polizei sehr kritisch gesehen wird. Die leitende Beamtin versucht sogar, Horowitz unter Druck zu setzen, um von ihm Informationen zu erhalten.

Zwischen seinem Privatleben, seinem eigentlichen Beruf als Drehbuchautor, dem Druck der Polizei und dem verwirrenden Mord versucht Horowitz, seinen Kurs zu halten. Das geht nicht nur einmal schief, aber langsam kommen die ungleichen Partner der Auflösung des Mordes näher.

Das alles wird in klassischer Manier erzählt. Informationen werden zusammengetragen, als Leser liegen einem irgendwann die Elemente des Falls vor – und man kann eifrig spekulieren, während der Schriftsteller versucht, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Horowitz lässt einen als Leser stets an der Entwicklung des Falles teilzuhaben; seine Figuren handeln nachvollziehbar, wenngleich nicht immer logisch.

Die Lektüre von »Mord in Highgate« hat mir große Freude bereitet. Ich freute mich über die Kniffe des Autors und die augenzwinkernden Einblicke in das Leben eines Schriftstellers. Dieser klassische Detektivroman, der ohne Brutalität auskommt, aber auch nie ins Alberne abgleitet, ist ein Stück wunderbarer Unterhaltung – empfohlen!

29 Oktober 2021

Neue Slogans braucht das Länd

Ich finde Selbstironie eigentlich gut. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, was ich von dem neuen Slogan »meines« Bundeslandes halten soll. Immerhin wohne ich seit meiner Geburt in Baden-Württemberg, das tu' ich sogar sehr gern, weil es sowohl landschaftlich als auch kulturell einiges zu bieten hat.

Früher warb das Land mit Sprüchen »Wir können alles außer Hochdeutsch«, was auch witzig sein sollte, aber meist zu Albernheiten über die Schwaben und Badenern Anlass bot. Ob »The Länd« und andere englisch klingende Begriffe wirklich dabei helfen, das Image des angeblichen Musterländles zu modernisieren? Ich weiß es nicht.

Warum nicht gleich »The Ländle«? Das wäre wenigstens in sich schlüssig gewesen. Das hätten auch Menschen aus fernen Ländern verstehen können. So aber?

Fantasy mit allerschrägstem Charakter

Pimo und Rex sind zwei Helden, die auf ihren Reittieren durch eine phantastische Welt ziehen. Sie führen schräge Dialoge, sie treffen auf Monster und einen Erzmeister der Nekromantie – es ist also eine typische Fantasy-Welt, die in dem Comic »Pimo & Rex« vorgestellt wird. Zum Gratis-Comic-Tag 2020 gab es von dieser Serie ein kostenloses Heft, das ich endlich gelesen habe.

Thomas Wellmann ist der Autor und Zeichner dieses Comics, und seine Arbeit ist wirklich originell – ich kann damit nur nichts anfangen. Die Zeichnungen sind bewusst seltsam gehalten; allein schon die Stellung der Augen verwirrt mich. Alles in allem wirkt das Ganze sehr künstlerisch, wenig an den klassischen Comic-Richtungen orientiert.

Das gilt auch für die Geschichte, der man anmerkt, dass Wellmann bewusst gegen die Fantasy-Klischees verstößt. Ich merke in solchen Fällen wieder einmal, wie konventionell mein Geschmack letztlich ist: Ich mag klar gezeichnete und linear erzählte Comics nun einmal lieber.

Ganz eindeutig bin ich hier nicht die Zielgruppe; ich könnte mir aber vorstellen, dass viele Comic-Freunde mit dieser Art von Fantasy-Geschichte eher klarkommen.

28 Oktober 2021

Shayawaya verblüffte mich

Wann genau ich zum ersten Mal »Shayawaya« kaufte und las, lässt sich nicht mehr genau nachvollziehen. Es muss um 1980 herum gewesen sein; ich kaufte mir nämlich nicht nur ein Heft, sondern gleich mehrere. Ich bezog sie nicht beim Herausgeber direkt, sondern bei den Leuten des Ersten Deutschen Fantasy-Clubs, wo man nicht nur »Fantasia«, »Follow« und »Magira« erhalten konnte, sondern auch ein Fanzine zu Bob Dylan und dieses Comic-Fanzine.

»Shayaway« war Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre etwas ganz Neues. Ein Zeichner – es war Christoph Roos aus der Schweiz – gestaltete allein sein Heft. Der Comic selbst war eine Mischung aus Science Fiction und klassischer Fantasy; ein Raumschiff am Anfang, viel Schwertgefuchtel später. Gezeichnet war das Ganze in Schwarzweiß, und für die damalige Zeit war es richtig stark.

»Shayawaya« unterschied sich grundlegend von klassischen Comics wie »Sigurd« oder »Tibor«, die ich zu diesem Zeitpunkt aus dem deutschsprachigen Raum kannte. Das Heft orientierte sich eher an modernen »Conan«-Zeichnungen aus den USA oder eben dem frankobelgischen Abenteuer-Comic. Ich war völlig fasziniert davon und las jedes »Shayawaya«-Heft mehrfach.

Schaue ich mir die Hefte heute an, finde ich sie nicht mehr so stark. Man merkt auch einem guten Zeichner wie Roos die Unsicherheiten bei manchen Bildern an, und das Lettering kommt mir heute krakelig vor. Von der etwas kruden Geschichte einmal ganz abgesehen. Aber für die späten 70er-Jahre war es ein herausragendes Fanzine für Comic- und für Fantasy-Fans!

27 Oktober 2021

Radio hören im Jahr 2021

Seit ich ein neues Auto habe, verfüge ich in meinem Fahrzeug über keinen CD-Player mehr. Das schicke Auto ist mit einem DAB-Radio ausgestattet, was eigentlich ja toll ist – so viele Sender, die ich nicht kenne! –, gleichzeitig aber nervt: Ich höre halt lieber Punkrock oder Hörbücher als das, was mir von den Sendern vorgesetzt wird.

Und es ist ja meist wirklich eine Qual! Viele der konventionellen Sender bringen unfassbare Musik: Der aktuelle Jammerlappen-Pop deutschsprachiger Sänger ist für mich nicht zu ertragen, beim HipHop komme ich mit der Musik sowie den meisten Texten nicht klar, und wenn ich auf einen Sänger mit Schwerpunkt Oldies schalte, kommt auch nur die Art von altmodischer Musik, die ich grauenvoll finde.

Und so lande ich dann erstaunlich oft bei zwei Sendern im DAB-Bereich, die vor allem neue Bands spielen. Das ist manch auch quälend, häufig aber interessant. Bands wie Siamese Elephants, Rikas oder Little Dragon würde ich nicht kennen, wäre ich nicht öfter als Hörer bei diesen Sendern vertreten – und diese Art von IndiePop oder IndieRock oder Alternative oder was auch immer kann ich mir schon immer anhören.

Ich bin oft bei EgoFM. Das »Radio für Musikentdecker« richtet sich an jüngere Hörerinnen und Hörer, ich komme mir den Moderatoren schon sehr alt vor. Aber die Musik ist sehr abwechslungsreich, sehr poppig, und die meiste Zeit läuft Zeugs, das ich vorher nicht kannte. Klar, von Punkrock ist das weit entfernt, und ich juble ja fast schon, wenn mal Bad Religion oder die Ärzte gespielt wird – aber trotzdem ist der Ansatz brauchbar.

Lieber mag ich derzeit Deutschlandfunk Nova. Keine Ahnung, um wie viele Jahrzehnte ich da über der angepeilten Zielgruppe bin. Das Programm richtet sich an junge Leute, weshalb man vor allem aktuelle Musik spielt. Zwischendurch gibt es Wissenschafts-Nachrichten und einfach produzierte Nachrichtenbeiträge, die nicht sehr weit in die Tiefe gehen, aber Informationen vermitteln. Mit der Musik komme ich meist gut bis sehr gut zurecht – es ist halt aktuelles Indie-Zeugs.

Und so stelle ich fest, dass ich mit 57 Jahren meist Sender einschalte, die sich an Leute richten, die Jahrzehnte jünger sind. Ist das ein Zeichen von verspäteter Midlife-Crisis?

Komisch-phantastisches Kinderbuch

Bei Kindern gehört Fantasie zum Alltag, und sie haben keine Probleme damit, sich wundersame Wesen und Ereignisse vorzustellen. Deshalb finde ich es gut, dass es immer mehr Kinderbücher gibt, die phantastische Ideen auf unterhaltsame Weise vermitteln. Und manchmal gibt es Bücher, da kann ich mich auch als »alter Sack« wunderbar amüsieren.

Zuletzt freute ich mich über das Buch »Wir essen keine Mitschüler«, das für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird. Nun … ich bin unwesentlich älter und fand’s großartig. Ein Grund: Die Hauptfigur ist sehr schön dargestellt.

Es handelt sich dabei um Penelope Rex, ein Mädchen, das nicht aussieht wie die anderen Schülerinnen und Schüler in der ersten Klasse, sondern ein kleiner T. Rex ist. Penelope freut sich sehr auf den ersten Schultag und beginnt diesen gleich damit, dass sie einen Mitschüler verspeist.

Man macht ihr klar, dass das nicht geht, und sie spuckt das Kind unbeschadet wieder aus. Aber weil Kinder so lecker schmecken, kommt es immer wieder vor, dass sie jemanden futtert. Das sorgt für die eine oder andere Spannung in der Klasse, und Penelope wundert sich, dass sie keine Freunde findet …

Die Geschichte ist kurzweilig und witzig. Klar, sie hat auch einen pädagogischen Aspekt, von wegen, Freunde findet man nicht so leicht und so – aber sie hat eine Reihe von witzigen Elementen, die wirklich Spaß machen. Gut gezeichnet ist das Ganze ohnehin: in einem kindlichen Stil, der aber sehr an Comics erinnert, die auch für Erwachsene gut tauglich sind.

Ein schönes Buch, ein phantastisches Buch. Gut geeignet auch als Geschenk!

26 Oktober 2021

Zwei Alben und eine Kurzgeschichten-Trilogie

Mit dem siebten Teil der »Rick Master«-Gesamtausgabe liegt ein Sammelband vor, der zwar auch gut unterhält, aber insgesamt kein Meisterwerk darstellt. Der Grund ist meiner Ansicht nach der, dass die Fälle zu vertrackt sind, unterm Strich zu überladen und damit zu unlogisch: Die Täter haben stets höchst komplizierte Motive und ebenso komplizierte Vorgehensweisen, für die es keine nachvollziehbare Begründung gibt.

Das fällt vor allem beim dritten Teil des Bandes auf; dabei handelt es sich um drei Kurzgeschichten, die zusammenhängen und als »Das teuflische Trio« eine Einheit bilden. Vier Drehbuchautoren bilden eine Bürogemeinschaft, drei von ihnen wollen Verbrechen begehen und kündigen sie an. In der Folge versucht der Detektiv Rick Master diese Verbrechen zu verhindern, scheitert jeweils am Anfang und kann am Ende den Verbrecher dingfest machen. Warum die drei Herren das alles anzetteln und wieso sie derart an die Öffentlichkeit drängen, ist für den Leser kaum erklärbar.

Aber so war das vielleicht zu Beginn der 70er-Jahre, als diese Geschichten erstmals veröffentlicht wurden. Krimis wurden komplizierter, die Freude des Publikums galt den abgedrehten Fällen, den ungewöhnlich geschilderten Morden und dem überirdisch klugen Detektiv. Warum sollte sich das bei einem Comic nicht auch auswirken?

Im ersten Fall – »Im Zeichen der Angst« – spielt die Handlung in Südfrankreich. In einem Ferienort geschehen seltsame Verbrechen, an den jeweiligen Schauplätzen findet man hinterher Horoskope. Dazu spielen örtliche Rocker eine Rolle, eine junge Frau reist per Anhalter und gerät in Probleme ... da beeinflust also der Zeitgeist den Comic.

Und im zweiten Fall steht ein alter Freund des Detektivs im Zentrum, der sich als Pechvogel erweist und vom Unglück geradezu verfolgt wird. »Der Pechvogel« ist auch der Titel der Geschichte. Aber in Wirklichkeit spielen irgendwelche finsteren Mächte im Hintergrund ihr Spiel, und am Ende wird klar, dass es einen sehr komplizierten Plan gibt, in dem der Pechvogel eigentlich eine wichtige Rolle hätte einnehmen sollen.

Gut gezeichnet sind die Geschichten wie immer, unterm Strich sind sie auch spannend erzählt. Es sind typische »Rick Master«-Geschichten, aber ihre übertriebene Komplexheit nervte mich bei der Lektüre tatsächlich ...

25 Oktober 2021

Punk möge bitteschön Punk bleiben

Ich sah die Band Kotzreiz im Jahr 2014 ein einziges Mal und war ziemlich von den drei Berlinern angetan: knalliger Pogo-Sound, kurze Texte, die sofort ins Ohr gehen, eine überzeugende Show auf der Bühne. Alles in allem eine Band, die mir in jenem Jahr bewies, dass es Deutschpunk eben immer noch gibt.

Dieser Tage hörte ich mir die zweite Platte der Band mal wieder an. »Punk bleibt Punk« wurde 2012 veröffentlicht; ich nenne eine zweite Auflage mein eigen. Und ich kann mir das Ding immer noch anhören: Es ist halt Deutschpunk, und der ist hier richtig gut gemacht und eben nicht nur eine pure Verneigung vor den stilprägenden 80er-Jahren.

Stücke wie »Punkerpolizei« oder »Pfandflaschenmessi« klingen entweder authentisch oder selbstironisch; es geht in ihnen um Szenen-Interna und Saufen, Themen also, die es auch schon 1982 gab. Das Titelstück der Platte ist zudem ein echter Hit, der sofort zum Mitsingen und Mitschreien anregt.

Das ist alles knallig und schnell, manchmal wird eine flotte Melodie draufgepackt (wie in »Der Klügere kippt nach«), dann knallt wieder Stakkato-Sound aus den Boxen. Die Band kann also, wenn sie will, durchaus vielseitig sein. Immerhin verzichtet man auf Metal-Soli oder unnötige Jammerei, sondern ballert die zwölf Stücke mit sichtlicher Spielfreude raus.

Starke Platte!

24 Oktober 2021

Dr. Dolittle in Neu

Als Kind las ich einige Romane um Dr. Dolittle, an die ich mir nur sehr düster erinere; ich mochte die phantastischen Geschichten des Arztes, der mit Tieren sprechen konnte. Als der Film »Die fantastische Reise des Dr. Dolittle« zu Beginn des Jahres 2020 im Kino kam, wollte ich dafür allerdings nicht ins Kino gehen; dafür fand ich mich dann doch zu alt.

Mittlerweile habe ich den Streifen gesehen; er wird bei diversen Streaming-Anbietern gezeigt. Wenn man davon ausgeht, dass der Film für Kinder gedacht ist, und wenn man dann entsprechende Abstriche macht, kann man sich über ihn gut amüsieren. Er ist ein wenig zu lang für meinen Geschmack, aber die phantastischen Einfälle und die schön gestalteten Tiere haben mir gefallen.

Robert Downey jr. als verdrehter Arzt spielt wie immer schräg und auf seine Art überzeugend. Die anderen Schauspieler fand ich ebenfalls ansprechend; ein gewisses »Overacting« ist bei einem Kinderfilm okay. Der Arzt, der mit Tieren sprechen kann, reist um die halbe Welt, um mit einer Frucht vom Baum des Lebens das Leben der Königin zu retten – und damit auch sein eigenes ungestörtes Dasein.

Wer als Kind mit Dr. Dolittle zu tun hatte – so wie ich –, wird als Erwachsener eine kindliche Freude an diesem Film bewahren können. Wer Dr. Dolittle noch nicht kannte, wird vielleicht verwirrt sein oder das Ganze lahm finden. Aber wer einen phantastischen Film für Kinder sucht, sollte diese Neuverfilmung des Klassikers nicht voreilig zur Seite schieben ...

22 Oktober 2021

Zur Radfahr-Saison 2021

Warum ich 2020 so viel mit dem Rad unterwegs war, hat drei Gründe: Ich hatte ein neues Rad, das mir viel Freude machte. Wegen Corona gab es keine Möglichkeiten, abends auf Konzerte oder dergleichen zu gehen. Und das knallige Sommerwetter war für die Natur schlecht, ermöglichte aber viele Fahrten mit dem Rad bei hohen Temperaturen.

2021 aber bekam ich nicht so viel auf die Reihe. Hierfür gibt es die Gegengründe: Es regnete häufig, ich wurde bei einigen Fahrten echt patschnass. Die Arbeit wuchs mir zeitweise so über den Kopf, dass ich die Wochenenden komplett durchzuschuften hatte – da blieben weder Hirn noch Zeit frei, entspannt mit dem Rad durch die Gegend zu fahren.

Letztlich lief es auf wenige Touren hinaus. Ich fuhr ins Elsass, ich machte eine längere Tour durch die Pfalz, ich war an den Rändern des Pfinztals unterwegs. Aber das war’s dann fast, dazu kamen einige Fahrten, die eine Stunde oder so dauerten; mehr ging nicht.

Dabei hatte ich mir richtige Ziele im Schwarzwald, im Elsass, in der Pfalz, entlang des Rheins oder auch im Kraichgau vorgenommen und teilweise mithilfe von Landkarten herausgesucht. (Ich fahre ohne »Navi« und ohne Hilfe des Handys, weil es mir letztlich egal ist, wenn ich mich einmal verfahre.) Geklappt hat davon leider so gut wie nichts.

Aber ich hoffe auf 2022 – vielleicht klappt es da wieder besser. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben …

Agenten und Dialoge

Ganz klammheimlich konnte die Zeitschrift »Federwelt« ein Jubiläum feiern: Die Ausgabe 150 erschien vor einigen Wochen, und ich habe sie mittlerweile gelesen. Ich weiß nicht einmal, wie lange ich bereits die Zeitschrift abonniert habe – es sind auf jeden Fall schon viele Jahre. Nach wie vor halte ich das Heft für lesenswert: für Autorinnen und Autoren, für Menschen, aber auch für alle, die sich allgemein für Literatur und deren »Produktion« interessieren.

Das zeigt sich auch in der aktuellen Ausgabe. Den spannenden Schwerpunkt bilden Agenturen. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird gezeigt, welchen Sinn eigentlich eine Agentur haben kann. Wie gehen Autorinnen und Autoren damit um, welche Ziele können mit einer Agentur erreicht werden, und wie kommt man an so eine Agentur überhaupt heran?

Ich mochte auch den Artikel über den »Subtext in Dialogen«: In vielen Romanen und Geschichten wirken Dialoge ja gestelzt; ich weiß selbst, dass ich da meine Schwächen habe. Wie man Dialoge mithilfe eines klassischen Kommunikationsmodells besser schreiben kann, das belegt dieser Beitrag – es gibt Beispiele, die das Ganze schön darstellen.

Darüber hinaus zeigt die Zeitschrift verschiedene weitere Aspekte des Schreibens auf: Ein Beitrag über Lyrik findet sich neben einem Beitrag über das Drehbuchschreibens. Dazu kommen aktuelle Informationen und vieles mehr; das alles in einem professionellen Layout und in einer durchgehend professionellen Schreibe.

Die »Federwelt« ist immer lesenswert. Die aktuelle Ausgabe 150 ist dafür wieder ein gelungenes Beispiel.

21 Oktober 2021

Der springende Klabautermann

Offensichtlich hatte ich in der Phase zwischen der Schule und der Bundeswehr immer mal wieder kreative Höhenflüge, und ich dachte, ich könnte besonders originell sein. Am 17. August 1984 entstand so der Text »Der springende Klabautermann« – und ich weiß heute nicht mehr, welchen Zusammenhang es zwischen dem Titel und dem Inhalt gibt.

Ich hatte offensichtlich eine große Begeisterung für Wortspiele entwickelt. Und viele Begriffe mit »c« aneinanderzureihen, das erschien mir als sehr originell. Glücklicherweise muss man viele Jahre danach nicht mehr alles nachvollziehen, was man als junger Mensch gedacht und getan hat.

Der springende Klabautermann

Columbus‘ Colombo-Combo
construiert constituierend
complettes complott aus
comischen composthäufen.

Correcterweise müsste auch
Conan aus Cimmerien commen, aber
Corsica gehört Conny Adenauer –
colossal!

Within Range aus Oslo

Zu den vielen Bands, die Ende der 80er-Jahre den sogenannten Euro-Hardcore prägten, zählten Within Range aus der norwegischen Hauptstadt Oslo. Im Gegensatz zu einigen andere Bands aus dieser Stadt sah ich sie nie, sie wurden auch nie so populär innerhalb der Hardcore-Szene. Ihre Platte »Within Range« ist trotzdem ziemlich klasse.

Die Band existierte nur von 1988 bis 1992, es gab wohl Überschneidungen zu Kafka Proses und anderen Bands. Der Name bezieht sich auf die Aktion, mit der 1940 die Wehrmacht Norwegen überfallen und besetzt hatte; die Band verstand sich als politische Punkrock-Gruppe.

Das merkt man an den Texten. Der Konflikt zwischen der Sowjetunion und den USA wird thematisiert, Südafrika spielt eine Rolle, aber natürlich geht es auch um das zwischenmenschliche Zusammenleben und andere »normale« Themen.

Dazu passt die Musik. Wenngleich Within Range wesentlich »rockiger« klangen als viele andere Bands dieser Zeit, ist der ruppige Sound doch eindeutig Hardcore. Der Sänger brüllt, die Gitarre erzeugt so einen fiesen, zersplitterten Sound, die Stücke sind knapp und auf die Spitze getrieben, die Melodien eher knapp und abgehackt.

In einer Zeit, in der alle Bands versuchten, eigenständig zu klingen, waren Within Range dann doch typisch: rockig und rotzig, klar in der Attitüde und mit einer augenzwinkernden Begeisterung für klassische Hardrock-Riffs. Vergleiche fallen mir da maximal zu amerikanischen Bands wie Fear ein, die damals in Europa recht beliebt waren.

(Ach ja: Aufgenommen wurde die Band in Amsterdam, und der Vertrieb lief über ein niederländisches Label. Hardcore war international in jenen Tagen ...)