09 Juli 2026

Art Brut und ihr Bang

Im Herbst 2005 sah ich in Los Angeles in »The Echo« eine englische Band, von der ich mir kurz davor die erste Langspielplatte gekauft hatte. Art Brut spielten vor einem frenetisch feiernden Publikum – es waren vielleicht 200 Leute anwesend – und sorgten für eine grandiose Stimmung. Ich bekam während des ganzen Konzerts mein Grinsen nicht aus dem Gesicht, und so ging es wohl vielen der Anwesenden.

Dieser Tage hörte ich mir die Platte wieder an. »Bang Bang Rock & Roll« kam 2005 heraus und begeisterte mich vom ersten Ton an. Das war nicht unbedingt neu, aber es knallte gut. Ob man das in die IndieRock-Ecke steckte oder als Punk bezeichnete, war mir völlig egal. In Los Angeles traten Art Brut auf, als seien sie eine Punk-Band, obwohl sie allesamt eher unpunkig wirkten.

Zurück zur Platte, die ich mir immer noch mit Genuss anhören kann. Es gibt natürlich Stücke wie »My Little Brother« oder das »Formed A Banded«, die richtig zum Pogo einladen, aber es gibt auch ruhigere Stücke wie das Liebeslied »Emily Kane« – aber das ist natürlich kein einfaches Liebeslied, sondern die originelle Version davon. Die Band verarbeitet allerlei gewöhnlich wirkende Themen (in »Moving To L.A.« wird natürlich über das englische Wetter gejammert) zu schrägen Liedern, und das ist immer ironisch bis sarkastisch.

Der Sänger kann nicht singen, anders lässt sich das nicht sagen. Im Prinzip benutzt er eine Art Sprechgesang, die aber nichts mit HipHop oder dergleichen zu tun hat, sondern eben sehr rhythmisch ist; bei einem Konzert hüpft man dann mit dem Sänger mit … Seine Stimme ist gut, er kriegt die Stücke richtig gut rüber; wer aber einen Sangeskünstler erwartet, ist hier falsch.

Und die Band? Die ist richtig gut, man merkt den Herren die Spielfreude an. Klar wird hier weder die Rockmusik im Allgemeinen noch der Punk neu erfunden; der Sound ist ebenfalls sehr rhythmisch, hat aber auch ordentliche Melodien. Die Gitarren klingen angenehm, der Bass und das Schlagzeug poltern ordentlich durch die Stücke, und der Sänger muss dazu eigentlich nur noch ins Mikro schreien. Das alles ist meist schmissig und selbst in den langsamen Passagen immer auf den Punkt gebracht; weit entfernt von manch langweiligem IndieRock.

Ernsthaft: Art Brut waren live großartig. Und die »Bang Bang Rock & Roll« ist immer noch eine sehr gute Platte. Wer sie bisher nicht kennt: reinhören!

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