Irgendwann in den 70er-Jahren fielen mir – wie vielen anderen Jugendlichen im deutschsprachigen Raum – einzelne Ausgaben der Comic-Zeitschrift »primo« in die Hände. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ein Verwandter von uns recht viele Comic-Hefte, und dort saß ich dann stundenlang und las darin. So stieß ich auf die Comic-Serie »El Cid«, die mich durch ihre Bilder faszinierte.
Im Avant-Verlag erschien vor mehreren Jahren eine dickleibige Gesamtausgabe der Serie. Leider ist sie im Verlag bereits vergriffen, man bekommt sie aber noch gut im Secondhand-Bereich. Wer wuchtige Comics mit Bildern mag, die einen nicht so schnell nicht loslassen, sollte einen Blick riskieren.
Der Schöpfer der Serie, die es nur auf vier Bände brachte, aber auf weit mehr angelegt war, war Antonio Hernández Palacios, von dem auch die Serien »Manos Kelly« und »Mac Coy« stammen. Man erkennt seine Geschichten sofort, vor allem aufgrund der extrem stark charakterisierten Figuren und auch wegen der zeitweise grellen Farbgebung. Damit schuf er ein ganz eigenständiges Werk, das über all die Jahrzehnte hinweg im Gedächtnis der Leserinnen und Leser blieb.
Und worum geht’s eigentlich? »El Cid« spielt im elften Jahrhundert im heutigen Spanien. Nachdem islamische Kämpfer aus Nordafrika den größten Teil der iberischen Halbinsel erobert haben, versuchen die christlichen Königreiche nun, die Mauren – wie man sie nennt – Schritt für Schritt zurückzudrängen. Dabei sind sich die christlichen Herrscher selten einig: Bündnisse werden geschlossen und gebrochen, Verwandte treten einander in brutalen Kämpfen gegenüber.
El Cid ist für die spanische Geschichte so etwas wie ein Nationalheld. Der Comic richtet sich also vor allem an ein spanisches Publikum, dem die Städte und Burgen, um die ständig gekämpft wird, eher etwas sagen als einem deutschen Leser. Ich guckte mir ab und zu auf der Landkarte an, wo die Handlung eigentlich spielt … aber das ist natürlich nicht nötig.
Die Geschichten sind abenteuerlich und realistisch, streckenweise ganz schön brutal. Es werden keine expliziten Grausamkeiten gezeigt, aber es wird klar, dass es zu Folter, Mord und Vergewaltigung kommt – Städte, Dörfer und Burgen werden geplündert und niedergebrannt, es herrscht ein ununterbrochener Krieg.
»El Cid« ist nichts für Leute, die vor allem leichte Geschichten bevorzugen. Es ist ein Comic-Werk, das in Spanien großen Einfluss hatte; ich fand’s toll. Aber man muss sich auf diese Art von Geschichten schon einlassen können …

1 Kommentar:
Erschienen ist »El Cid« im Avant-Verlag. Auf der Website des Verlags gibt’s zu dem Comic noch einige Infos.
Hier:
https://www.avant-verlag.de/comics/el-cid/#cc-m-product-8774128720
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