Wer sich heute mit phantastischer Literatur im Allgemeinen und der Science Fiction im Besonderen beschäftigt, hat den Namen Willi Ley (1906 bis 1969) nicht unbedingt parat. Dabei zählte er zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschsprachigen und später amerikanischen Science Fiction, der als Konstrukteur von Raketen ebenso bekannt wurde wie als Schöpfer phantastischer Welten. Mit dem Buch »Die Invasion« liegt eine Sammlung der Erzählungen vor, die er zwischen 1931 und 1940 veröffentlichte.
»Am Perihel« zeigt beispielsweise seine meisterhafte Art, konkrete Wissenschaft mit einer spannenden und auch politischen Handlung zu verbinden. Die Erzählung erschien 1937 in »Astounding Stories«, zwei Jahr nach Leys Auswanderung in die Vereinigten Staaten, und erzählt vom Mars und den Konflikten der menschlichen Kolonien dort. Dabei verhehlt der Autor nicht, was er von der irdischen Politik jener Zeit hält: Die deutsche Kolonie auf dem Mars arbeitet mit rassistischen Kriterien – der Begriff »arisch« fällt –, während die sowjetische Kolonie in brutalem Stalinismus erstarrt ist.
Mit einem Raumschiff flüchten drei Menschen vom Mars; sie wollen zur Erde und müssen eine riesige Ellipse fliegen. Weil Flugbahnen im Sonnensystem nach festen Kriterien verlaufen, müssen sie dabei sogar dicht an der Sonne vorbei … eine dramatische Reise, die auch heute noch faszinierend zu lesen ist. Ley brachte das Kunststück fertig, die Geschehnisse wissenschaftlich korrekt und trotzdem spannend zu schildern. Heute würde man aus dieser Erzählung wohl einen Roman mit 500 Seiten zu machen.
Auch in »Orbit XXIII-H« – die Erzählung wurde 1938 in »Astounding Stories« veröffentlicht – geht es um die Bedeutung von Orbitalbahnen im Sonnensystem; das Thema faszinierte den Autor ganz offensichtlich, und er hatte Freude, es in Geschichten aufzubereiten. Bei diesem Text wird allerdings mehr geballert; Maschinengewehre und Handgranaten kommen zum Einsatz. Damals war das durchaus üblich, heute finde ich es schwach – trotzdem ist es sinnvoll, diese Erzählung in einem solchen Sammelband abzudrucken.
Viel geschossen wird ebenfalls in »Nebel«: In dieser Geschichte, die 1940 herauskam, also vor dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg, schildert der Autor den Versuch einer kommunistischen Revolution in naher Zukunft. Dabei zeigt er die Geschehnisse aus der Sicht eines »Zivilisten«, der die Ereignisse quasi aus der Nähe verfolgt, nicht aber in die Kämpfe verwickelt wird. Die Story hat nur einen winzigen Science-Fiction-Anteil, eine technische Erfindung quasi, überzeugte mich aber durch die dichte Art der Erzählweise.
Typisch für die damalige Zeit – ebenfalls 1940 – ist die Titelgeschichte des Buches: »Die Invasion« erzählt vom unwillkommenen Besuch seltsamer Außerirdischer und den vergeblichen Versuchen, sie zuerst mithilfe schwerer Artillerie abzuwehren. Am Ende siegt ein trickreicher Ingenieur …
Willi Ley verstand es in seinen Geschichten immer, gute Figuren mit technischen Entwicklungen zu verbinden. In der Science Fiction jener Tage verstand man unter »Science« vor allem Ingenieurswesen und Physik; davon hatte der Autor und Raketenforscher sehr viel Ahnung.
Die Erzählungen in diesem Band sind allesamt unterhaltsam geschrieben und auch heute noch sehr gut lesbar. Sie sind natürlich der damaligen Zeit verhaftet, was sich beispielsweise in der Darstellung der Frauen und »Mädchen« zeigt.
Ein kenntnisreiches Nachwort sowie einige andere Texte ergänzen das Buch, das ich all jenen empfehlen möchte, die sich für klassische Science Fiction interessieren. Veröffentlicht wurde »Die Invasion« im Memoranda-Verlag als hochwertiges Taschenbuch mit Klappbroschur; es umfasst 290 Seiten und kostet 24,00 Euro.
Mithilfe der ISBN 978-3-911391-02-3 kann man es überall im Buchhandel bestellen. Das E-Book gibt’s für 8,99 Euro. Weitere Informationen zum Buch und seinem Autor gibt es auf der Internet-Seite des Memoranda-Verlags.
(Die Rezension erschien im Juni auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie. Hier wiederhole ich sie aus dokumentarischen Gründen.)

1 Kommentar:
Weitere Informationen zu der Storysammlung »Die Invasion« gibt es auf der Internet-Seite des Memoranda-Verlags.
Hier:
https://www.memoranda.eu/?page_id=2267
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