12 August 2013

Deutsche Friedensfiktion

Die 80er-Jahren waren eine seltsame Zeit: Junge Leute wie ich lebten in der Angst vor dem Atomkrieg, befürchteten ein finales Waldsterben und gingen auf Friedensdemonstrationen, um sich gegen die Raketen-Aufrüstung der Nato-Staaten zu stellen. Schaue ich mir heute entsprechende Dokumentationen an, die ab und zu im Fernsehen kommen, kann ich mir kaum vorstellen, dass das »meine Zeit« war.

In diese Zeit passten entsprechende Bücher. Dieser Tage hielt ich »Tod durch Ertrinken« in meiner Hand. Das Buch wurde von einem Autor namens Gerhard Wagner verfasst und erschien 1984 im Vielangel-Verlag. Es bezieht sich im Vor- und im Nachwort auf die Friedensdemonstrationen jener Zeit, entsprechend ist der Inhalt: Deutsche Bundeswehr-Soldaten werden in einer recht nahen Zukunft in Gefechte an der innerdeutschen Grenze verwickelt.

Heutzutage muss man Jugendlichen womöglich die Begriffe erklären; wer nach 1989 geboren worden ist, wuchs ohne die DDR auf und lernte Erdkunde mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht anhand von Landkarten, auf denen Schlesien und Ostpreußen als »unter polnischer Verwaltung« oder »unter russischer Verwaltung« bezeichnet wurden. Die 70er-Jahre waren nämlich ebenso seltsam wie die 80er-Jahre.

Zurück zum Roman, den ich 1984 oder 1985 gern gelesen habe. Ich blätterte unschlüssig darin herum, brachte es aber nicht über mich, ihn mir noch einmal komplett vorzunehmen. Dann legte ich ihn zur Seite: Der Roman hat heute keinerlei Relevanz mehr, weder erzählerisch noch politisch, schon gar nicht als Science-Fiction-Titel.

Und jetzt? Was mache ich mit dem Buch? In meinem Bücherregal muss ich Platz schaffen, da ja ständig neues Material hinzukommt. Verkaufen oder wegwerfen kommen nicht in Frage. Eigentlich muss das Buch in ein Museum – als zeitgeschichtliches Dokument, wie man vor bald dreißig Jahren über das Thema »Krieg und Frieden in naher Zukunft« schrieb. Ich denke, in einem solchen Umfeld wäre es sogar »wichtig«. In meinem Regal aber nicht mehr ...

1 Kommentar:

Erik Nagel hat gesagt…

Warte noch mal 20 Jahre, und dann hat der Roman Kuriositätenwert :-D Aber klingt interessant!