19 Oktober 2011

Wenn Rentner reden

Gehe ich ins Training, ist es meist abends; da sind die Berufstätigen, die erst nach Feierabend können, fast unter sich. Ganz anders sieht es tagsüber aus: Morgens zwischen neun und zehn Uhr sind fast nur weißhaarige Herren anwesend. Auch nicht schlecht – so fühle ich mich auch mal wieder jung.

Die Gespräche sind auch nicht schlecht. »Ich gehe jetzt erst mal wieder in Urlaub«, erzählt einer frohgemut. »Bis Mitte Januar bin ich mindestens weg.« Er freut sich, und ich gönne es ihm irgendwie.

»Wir haben schließlich jahrelang eingezahlt«, sagt der andere und meint damit die Rentenkasse. Ich bin höflich oder feige genug, mich nicht ins Gespräch einzumischen.

Die Renten heute werden von uns bezahlt. Das, was die Rentner vor zwanzig oder dreißig Jahren einbezahlt haben, kam den damaligen Rentnern zugute. Da wurde kein Geld irgendwie auf die Seite gelegt, vermehrte sich auf wundersame Weise und wird jetzt ausgeschüttet. Die heutige Rente wird heute erarbeitet. Es ist ganz einfach.

Aber jahrelange Gehirnwäsche hat wohl ihre Ziele erreicht. Und ich kann den alten Herren keinen Vorwurf machen. Ärgern darf ich mich dennoch.

Kommentare:

Erik N. hat gesagt…

Na, sei doch mal ehrlich: Wenn du x-beliebige Leute auf der Straße fragen würdest, ob sie schon mal was vom "Solidarpakt" gehört haben, wie viele würden wohl ja sagen? Und wie viele von denen wüssten, was dahinter steckt?

Mit Gehirnwäsche hat das nix zu tun. Es ist doch ganz einfach: Ich zahle in die Rentenversicherung, und irgendwann kriege ich was raus. So lange das klappt, ist ja auch alles okay (komischerweise hat aber noch niemand gefragt, wo eigentlich die Überschussbeteiligung bleibt - dann klärt sich der Irrtum nämlich schnell auf...)

Max hat gesagt…

Ich kann aber verstehen was du meinst. Klar bekomme auch ich irgendwann etwas raus, aber mir kommt das alles auch spanisch vor. Da bist du nicht der einzige...