06 Oktober 2011

Duftes Aussteigen

Das finde ich ja schon wieder lustig: Der Verfassungsschutz, der in den letzten Jahren vor allem damit aufgefallen ist, dass seine Beamten sich »undercover« bei Antifa-Initiativen einschleusten oder – wie in Karlsruhe – einfach gleich mal eine örtliche Nazi-Kameradschaft mit aufbauten, hat jetzt ein »Aussteigerprogramm für Linksextremisten« ins Leben gerufen.

Zumindest gibt das heute die Presse bekannt, und dabei beziehen sich die Journalisten auf das Innenministerium. Dr. Hans-Peter Friedrich, der zuletzt vor allem als Super-Experte für Internet-Kriminalität aufgefallen ist, sieht sein Programm als »wichtiges Gegenmittel zu ideologischer Gewalt«.

Es gebe jetzt »ein offenes Angebot, aus der Spirale von linksextremistischer Ideologie und Gewalt auszusteigen.« So heißt es in den Pressemitteilungen, die bundesweit von allen möglichen Zeitungen und Radiostationen weiter verbreitet werden.

Also ... ich habe im Lauf der Jahre die eine oder andere Bekanntschaft mit sogenannten Linksextremisten gemacht. Das ließ sich wohl kaum vermeiden – und mir wäre in der Zeit nie aufgefallen, dass es schwer sei, diese Szene zu verlassen.

Man geht einfach nicht mehr zu so einem Plenum oder geht nicht mehr auf Aktionen – und ruckzuck ist man raus aus allem. So einfach ist das. Es gibt im Regelfall weder Gruppenzwang noch Vereinsstruktur.

Aber es ist auffallend, dass die Bundesregierung glaubt, Autonome mit solchen Mitteln zum »Ausstieg« zu bringen. Soll der kleine Autonome von nebenan so eine dämliche Telefonnummer anrufen, um sich von einem Beamten, der wahrscheinlich keine Ahnung hat, genauer beraten zu lassen?

Ohne Worte. In dieser Regierung scheint es noch mehr Blindgänger zu geben, als ich mir in meinen kühnsten Träumen vorstellen konnte.

Kommentare:

Erik N. hat gesagt…

Nimm mir das jetzt bitte nicht übel :-) Aber als jemand, der quasi auf der anderen Seite des Schreibtisches sitzt, amüsiert es mich immer wieder, wie schnell man mit der Meinung, "die da oben" haben nicht mehr alle Latten am Zaun, bei der Hand ist...

Enpunkt hat gesagt…

Harhar, Erik: Du hast ja recht - Politiker-Bashing ist einfach und sollte eigentlich unterlassen werden. Aber wenn ich den Herrn Dr. Friedrich sehe und höre, bin ich jedesmal entsetzt.

Erik N. hat gesagt…

Okay, ich geb's ja zu: Ich habe ja auch schon gemeckert :-)

Anonym hat gesagt…

Enpunkt hat gesagt...

"Ohne Worte. In dieser Regierung scheint es noch mehr Blindgänger zu geben, als ich mir in meinen kühnsten Träumen vorstellen konnte."

Wenn Du wüsstest.....es ist manschmal schlimmer als man denkt, und alles in der "nahen Umgebung" versa(e)mmelt..

Gruss vom Weinachstgucky
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