07 April 2010

IndieRock von Appaloosa

Mit Punkrock und artverwandten Klängen kenne ich mich ja einigermaßen aus. Sobald ich jedoch die bekannten Gefilde verlasse, wird es schwierig, konkrete Begriffe zu finden. Da sage ich dann halt »gefällt mir« oder »gefällt mir nicht«.

Die italienische Band Appaloosa ist dafür ein gutes Beispiel: Was die vier Typen aus Livorno machen, ist im weitesten Sinn wohl Rockmusik, meinetwegen IndieRock, dazu einige Einsprengsel von Elektro-Sounds und tatsächlich ein Bassgewummer, wie man es in den frühen 80er Jahren bei irgendwelchen Wave-Bands gehört hat. In den letzten Wochen hörte ich die CD der Jungs recht oft.

Tatsächlich zirpt und blubbert es auf der Platte sehr oft, vor allem in solchen Fällen ist sie ganz gut als Hintergrundmusik im Frühjahr geeignet. Gesungen wird selten, dann eher in englischer Sprache – das ganze ist sehr geschmeidig, geht gut ins Ohr und nervt nicht. Irgendwie sogar ziemlich cool, wenn ich es mir richtig überlege ...

06 April 2010

Knalliger Debüt-Film

Ein Bankangestellter, der sich in seinem grundsoliden Dasein nur noch langweilt. Ein Lagerarbeiter, der seinen Traum von einer Kneipe verwirklichen möchte. Das sind die zwei Figuren, die in dem neuen Kinofilm »Schwerkraft« aufeinandertreffen.

Über Ostern haben wir uns den Streifen angeschaut, und ich war ziemlich begeistert. Das Ding ist tatsächlich eine Debüt-Arbeit, und das glaubt man kaum: Die Kameraführung, die Storygestaltung, die Führung der Schauspieler – das ist alles höchst professionell und besser als vieles, was ich in den letzten Jahren so gesehen habe.

Was sicher an der Story liegt: Der Bankangestellte (gespielt von Fabian Hinrichs, den ich vorher nie bewusst wahrnahm) rebelliert nach einem Schock gegen sein System, und sein alter Psychobilly-Kumpel (dargestellt von Jürgen Vogel) hilft ihm mit seinen Erfahrungen als Einbrecher. Das sieht superlustig aus, geht auf Dauer aber nicht gut.

Der Film hat mehrere Preise kassiert – und das zu Recht. Es handelt sich weder um einen stumpfen Action-Knaller noch um intellektuelle Langeweile. Wer mag, kann in dem Film einen Kommentar zur Bankenkrise sehen. Wer aber einfach nur einen klasse gemachten Unterhaltungsfilm mit einer Bande gut gelaunter Schauspieler gucken möchte, kommt im April um diesen Streifen wohl kaum rum.

02 April 2010

Die Aeronauten schmeicheln

Vom Namen her sind mir die Aeronauten schon lange bekannt; bewusst gehört habe ich die Band aus der Schweiz bislang nicht. Mit »Wir wollen immer dasselbe« gibt es eine EP auf Rookie Records, die neuerdings häufig im Auto läuft – kein Wunder, der lässige Sound schmeichelt sich mir geradezu ins Ohr.

Was die Band macht, ist weit weg vom Punkrock und könnte fast schon als »IndiePop« bezeichnet werden. Bei den Stücken ohne Texte passt die Bezeichnung ja; anders sieht es bei den echten »Songs« aus. Die sind dann nämlich entweder in lupenreinem Hochdeutsch oder eben im Schwyzerdütsch – beides ziemlich klasse, beides ziemlich intensiv.

»Wir wollen immer dasselbe« ist ein echter Hit, der theoretisch im Radio laufen könnte; die anderen Stücke auf der Platte sind schlau und klasse, vielleicht zu schlau für den Massengeschmack. Mir gefallen sie sehr gut, und ich werde mir dann doch irgendwann mal eine »richtige« Platte der Band kaufen müssen.

Der Horror vom Innern des Sarges

Eine der schrecklichsten Vorstellungen überhaupt ist, lebendig begraben zu werden. Wohl jeder Mensch verspürt allein beim Gedanken an eine solche Situation eine kreatürliche Angst. Von daher ist es nachvollziehbar, dass Horror-Schriftsteller ein solches Szenario gern heraufbeschwören.

So erging es wohl auch Kurt Luif alias Neal Davenport, als er in den 70er Jahren seine »Dämonenkiller«-Romane verfasste. Die werden bekanntlich jetzt von Zaubermond unter andere m als supergut gemachte »Dorian Hunter«-Hörspiele herausgegeben, und die aktuelle Nummer 9 hat das Lebendig-begraben-werden als ein Thema. Wobei der Titel »Im Labyrinth des Todes« nicht das wahre Ausmaß des Schreckens wiedergibt.

Dorian Hunter, der Titelheld der Story, muss diesmal nach Hongkong reisen, wo Coco Zamis – die Hexe, die sich mit ihm im Kampf gegen die Dämonen verbündet hat – angeblich gestorben ist. Hunter ermittelt auf eigene Faust, durchwühlt Friedhöfe, trifft leichenfressende Ghuls und andere Schrecknisse und wird zuletzt lebendig begraben.

Selbstverständlich geht die Story gut aus, wir haben es hier schließlich mit einer Serie zu tun. Aber bis es so weit ist, bekomme ich als Hörer in 76 Minuten voller Action und Spannung eine packende Handlung geboten. Regisseur Mario Göllner und Produzent Dennis Ehrhardt haben zum wiederholten Mal eine hervorragende Arbeit geleistet; es ist mir fast schon unangenehm, das Duo erneut zu loben.

Kein Schmarrn: Wer sich mal an Hörspielen versuchen mag, sollte »Dorian Hunter« hören. Die neunte Ausgabe der Reihe ist in punkto Technik mindestens so gut wie die vorherigen und setzt in punkto Horror noch eines drauf. Da stört es keine Sekunde lang, dass es keinerlei Lokalkolorit gibt und die asiatische Metropole Hongkong seltsam gesichtlos bleibt, als habe man es mit einem Vorort von London oder eben Wien zu tun.

Ein tolles Hörspiel – gibt's als haptische Version bei allen einschlägigen Händlern und ebenso als MP3-Download. Legal natürlich. Den Vertrieb hat jetzt Folgenreich übernommen.

01 April 2010

Endlich wieder Alpi!

Das erste Bier, das ich trank, war Alpirsbacher Klosterbräu, ein Exportbier der klassischen Sorte. Es war das Bier, das mein Vater mochte, und es wurde praktisch von allen im Dorf getrunken. Ich liebte es, aber es geriet buchstäblich in Geschmacksvergessenheit.

Am Wochenende kaufte ich mir jetzt zum erstenmal seit vielen Jahren wieder »Alpi«, natürlich die Halbliterflasche Export. »Ein Alte-Männer-Bier«, wurde ich verspottet.

Es wunderte mich nicht sonderlich – denn Exportbier hat tatsächlich einen antiquierten Anstrich. Wer etwas auf sich hält, trinkt Pils oder gleich die Exotenbiere im Club oder in der Disco. Wer Export trinkt, trägt auch altmodische Klamotten und hört Volksmusik.

Der erste Schluck war schon ein Genuss. Ich habe keine Ahnung, warum ich in den letzten Jahren auf mein Alpi verzichtet habe. Es schmeckte vollmundig und lief lecker den Hals hinunter, und schon nach einem halben Liter hatte ich das Gefühl, leicht angetrunken zu sein.

Großartig! Ich werde sicher nicht darauf verzichten, in der Kneipe ein Tannenzäpfle oder auch mal ein Hoepfner-Pils zu trinken. Aber künftig werde ich mir wohl für das Zuhause wieder immer ein Sixpack mit Alpi auf Vorrat zulegen.

31 März 2010

Mal wieder MEMENTO MORI

ausgekramt: »The Cultural Value of Fear, Distrust & Hypochondria«

Ab Mitte der 80er Jahre machten die Wehrkraftzersetzer (WKZ) in Ludwigshafen von sich reden – nach einer gewissen Deutschpunk-Phase wechselten dieselben Leute aber zum Hardcore über und nannten sich ab 1987 dann Memento Mori. Unter diesem Namen spielte man metallisch klingenden, schnellen Hardcore, wie er um diese Zeit überall in Deutschland boomte.

Eine der Platten der Band war »The Cultural Value of Fear, Distrust & Hypochondria«, die 1990 herauskam. Die Deutschpunk-Wurzeln werden nicht verleugnet, denn immerhin findet sich eine Hardcore-Version des WKZ-Klassikers »Gift & Galle« auf der Scheibe – ansonsten aber spielte man ruppigen Hardcore mit einer fiesen Metal-Kante und einem Gesang, der manchmal arg gekünstelt klang.

Live war die Band klasse, da gefiel sie mir besser als auf Platte. Ich sah sie mehrfach, unter anderem in Berlin, und veranstaltete im November 1989 ein denkwürdiges Konzert mit ihnen in Freudenstadt. Denkwürdig deshalb, weil haufenweise DDR-Bürger auftauchten – es war der Tag nach der Maueröffnung – und 280 Besucher das Gelände um das Jugendzentrum ziemlich zusammenrockten. (Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich auf der Platte auch gegrüßt werde ...)

Die Mitglieder der Band waren ausgesprochen sympathisch, man traf sich oft auf Konzerten und bei anderen Gelegenheiten. Die englischsprachigen Texte passen auch gut in die Zeit: »a fucking cop / ask for my name / send him a bullet / through his brain« ist nur ein Beispiel dafür.

Seien wir fair: Unter rein musikalischen Aspekten ist die Platte nicht weiter erwähnenswert. Sie war 1990 auf ihre Weise typisch und passt in den zeitlichen Zusammenhang; von daher höre ich sie auch heute noch gern an. Wer sie in einer Verkaufskiste findet, sollte sie mitnehmen – als Zeitdokument ist das bei Blasting Youth Records erschienene Werk ziemlich gut.

30 März 2010

Unwissenheit rules

Mittagspause in Karlsruhe: Ich entscheide mich für den Mittagstisch im »L'Incontro«, wo ich abends schon gelegentlich essen war und wo man im Sommer nett auf unbequemen Plastikstühlen im Freien sitzen kann, umgeben von Abgas und Straßenlärm. Ich bekomme überbackene Nudeln, die gut schmecken, zu einem sehr ordentlichen Preis, und dazu das laufende Radioprogramm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Unter anderem verrät man mir, dass ein Experiment im Large Hadron Collider in Genf wohl erfolgreich verlaufen ist. Als regelmäßiger Leser von »bild der wissenschaft« und des PERRY RHODAN-Journals bin ich einigermaßen im Bilde darüber, um was es da eigentlich geht. Ohne Vorkenntnisse hätte den Beitrag allerdings niemand verstanden - da bin ich mir sicher. Guter Journalismus sieht anders aus.

Das scheint auch den Damen am Nachbartisch ähnlich zu gehen. »Was die da schon wieder alles machen«, sagt die eine kopfschüttelnd im schlimmsten Badisch.

Die andere stimmt mit vollem Mund zu: »Die machen noch die ganze Welt kaputt mit ihrem Quatsch.«

Man sieht: Das öffentlich-rechtliche Radio kommt seinem Ziel immer näher, die Bevölkerung sachgerecht und wissenschaftlich-korrekt aufzuklären.

29 März 2010

Romanarbeiten nicht am Eigenwerk

Die letzten zwei Tage habe ich mich intensiv mit einem Roman beschäftigt, der nicht einmal von mir selbst ist, an dem mir aber sehr viel liegt: Er stammt von einem Kollegen, der ihn zwar fertigstellen, aber nicht mehr an einen Verlag schicken konnte.

Mir wurde das Manuskript im Sommer 2009 zur Verfügung gestellt, und erst jetzt habe ich Hirn und Herz und Zeit gefunden, mich damit auseinanderzusetzen. War nicht immer einfach.

Das Manuskript ist ziemlich genial: ein spannender Roman voller Leben, geschrieben in einer unmittelbaren Sprache, die mitreißt und die in eine packende Handlung hineinzieht. Der Roman thematisiert die große Liebe ebenso wie den Tod, das Leiden im Krankenhaus und den Tanz in der Diskothek, und er spart nicht an Sex, Drogen und ein wenig Gewalt.

Mit hochgejubeltem Kinderkram irgendwelcher angeblicher junggenialen Autorinnen hat das Werk dennoch nichts zu tun. Zu redigieren ist nicht viel - außer man möchte krampfhaft die gelungene Sprache kaputthauen.

Auf der Leipziger Buchmesse sprach ich mit einem Lektor, den ich seit Jahren kenne, und werde ihm als ersten das Manuskript anbieten. Ich möchte, dass es veröffentlicht wird, weil ich es stark finde. Und weil es in gewisser Weise das Vermächtnis eines Menschen ist, den ich sehr schätzte.

28 März 2010

Im historischen Ristorante

Mal wieder ein Rückblick auf die Italien-Reise im Juni 2009

Den Tipp hatten uns Freunde in Karlsruhe gegeben: »Wenn ihr schon mal an den Gardasee fahrt, müsst ihr unbedingt ins Tre Camini fahren und dort zu Abend essen. Das ist der Hammer!« Und so trugen wir uns ein Abendessen in diesem Restaurant als verbindlichen Termin für unsere Reise ein.

Dank Google-Maps und einigen Ratschlägen, die wir zu Hause erhalten hatten, fanden wir sowohl die kleine Gemeinde namens Albare di Costermano, gewissermaßen zwischen dem Gardasee und der Autobahn gelegen, als auch das Gasthaus. Es entpuppte sich als ein altes Gebäude, wunderschön zwischen den sanften Hügeln der Region gelegen und von Bäumen und Büschen umwachsen.

Auf dem Parkplatz standen auffallend viele Nobelkarossen mit deutschen Kennzeichen, und die Kellner in dem schicken Gebäude sprachen alle zumindest brauchbares Deutsch. Angesichts der Tatsache, dass sich mein Italienisch nach wie vor auf radebrechendes Gestotter beschränkte, war das eine absolute Erleichterung.

Bei den Getränken beschränkten wir uns auf Wein und Wasser; da ich der Fahrer war, musste ich mich schwer zurückhalten. Beim Essen ignorierte ich ausnahmsweise meinen Vegetarismus und probierte von den leckeren Gardasee-Fischen. Dazu gab es haufenweise Beilagen, anschließend noch Nachtisch, einen Espresso und Grappa – das dann nicht mehr für mich.

Alles in allem war es großartig, inklusive der aufmerksamen und freundlichen Bedienung. Der Mann trug Krawatte, sonst ein »Gehtgarnicht«-Kriterium, an diesem Abend aber passte das ebenso wie die Gartenlaubenstimmung, in der wir saßen. Ich hätte stundenlang weiterschmausen können.

Preiswert war der Spaß nicht, das sei vorsichtig angemerkt. Aber ich bereute keinen Cent des dreistelligen Euro-Betrages, den ich hinterher in bar auf den Tisch blätterte. Wenn ich derart lecker futtern kann, zahle ich dafür gern mehr als im Imbiss um die Ecke ...

27 März 2010

Wie ein Horror-Hörspiel entsteht

Man muss die Hörspielserie »Gordon Black« nicht kennen; ich tu's auch nicht. Sie wird vom kleinen Label Nocturna Entertainment verlegt, verantwortlich dafür ist Swen M. Schreivogel, und während der Produktion dieser Serie schrieb er Tagebuch. Auszüge daraus veröffentlichte er stets im Online-Fanzine »Zauberspiegel«.

Im Sommer 2009 kam das ganze als ein kleines Buch heraus: »Gordon Black Produktionsnotizen – Eine Hörspielserie entsteht« nennt sich das Büchlein, das keine 70 Seiten stark ist und von daher an ein Fanzine erinnert. Es ist sauber gesetzt, von daher schon professionell, und enthält auch haufenweise Fotos (auf einem bin ich sogar zu sehen, yep).

Auch wenn mich das Thema »Gordon Black« nicht sonderlich interessiert, las ich das Büchlein durch. Hörspiele berühren am Rand schließlich meine beruflichen Aufgaben, zudem finde ich es stets lesenswert, wenn Leute aus ihrem Alltag und aus ihren Berufen berichten – von daher ist Schreivogels Buch nichts anderes als ein besonders schick gestaltetes Egozine.

Man liest über gut laufende Ergebnisse, staunt über die zahlreichen Gespräche bis hin zum Erfolg und freut sich letztlich mit dem Macher darüber, dass die Hörspiele offensichtlich gut funktioniert haben. Da hat jemand sein Hobby zum Beruf gemacht und schreibt mit viel Begeisterung darüber – das lese ich dann sehr gern. Cooles Fanzine, ähm, Buch!

26 März 2010

Schickes Informationsheft

»Sie interessieren sich für Jugendkulturen?« So titelt der Katalog fürs Frühjahr 2010, den der Archiv der Jugendkulturen Verlag herausgegeben hat. Übersichtlich und schön werden in diesem Prospekt die Bücher des Verlages präsentiert – das ist mittlerweile ein richtig tolles Programm geworden.

Eine Seite widmet sich dem Phänomen Punk, der Titel dazu ist »Punk im Archiv der Jugendkulturen«. Davon wiederum die Hälfte nennt sich »Klaus N. Frick im Archiv der Jugendkulturen«.

Dort werden die drei Bücher präsentiert, die ich in diesem Verlag veröffentlicht habe. Es handelt sich um die Romane »Vielen Dank, Peter Pank« und »Chaos en France« sowie die Kurzgeschichtensammlung »Zwei Whisky mit Neumann«. Gefällt mir alles sehr gut, und ich bin ziemlich stolz darauf.

25 März 2010

Jellos neue Platte

Die Dead Kennedys gehören zu den besten und einflussreichsten Punk-Bands aller Zeiten; ich kann selbst nicht sagen, wie oft ich ihre Platten gehört und wie oft ich zu ihren Stücken gepogt habe. Ihr Frontmann hieß Jello Biafra, eine charismatische Figur ohnegleichen – und Biafra war auch der, der nach dem Ende der Band allein weitermachte, weil er dem Punk-Spirit einerseits und seinen politischen Ansichten anderseits weiterhin verhaftet war.

Kein Wunder, dass er immer wieder Solo-Platten rausbrachte oder gemeinsame Aktionen mit Bands wie den Melvins oder DOA startete. So ein Mann hört nicht einfach auf, und seit 2009 hat er eine neue Band am Start: Diese nennt sich Guantanamo School Of Medicine und besteht aus Leuten, die bei anderen Bands gespielt haben oder immer noch spielen.

Dass die Band aus alten Hasen besteht, merkt man der Platte »The Audacity of Hype«, die im Sommer 2009 rauskam, deutlich an: Das ist kein Hochgeschwindigkeitspunk wie 1980, aber das ist auch 30 Jahre her; es ist Punkrock im mittleren Tempo, immer mal wieder ein bisschen zurückgenommen, aber dennoch treibend und zum Hüpfen anregend. Davon konnte ich mich im Jahr 2009 ja auch überzeugen – ich fand das Konzert SO 36 in Berlin ja extrem klasse.

Natürlich ist Biafras Stimme das vorherrschende Element bei allen Stücken, aber ohne die Klasse-Musiker wäre die Platte nicht so klasse. Die Texte sind sehr politisch, was man so auch erwartet hat – und musikalisch ist das alles ziemlich gelungen. Eine der erfreulichsten amerikanischen Punk-Platten im Jahr 2009!

24 März 2010

Berichte aus dem Punkrockland

Wenn's eine Seite gibt, die ich nur wegen der Bilder anschaue, dann ist das sicher PUNKFOTO. Keine Ahnung, wie viele tausend Bilder sich da mittlerweile eingefunden haben, aber es werden ja auch ständig mehr. Ein Hammer, was Karl Nagel da schon wieder aufgebaut hat!

Viele Bilder stammen aus den 80er Jahren, es gibt also genug für Nostalgiker zu sehen. Schwerpunkte bilden immer wieder die Chaostage in Hannover. Aber auch Punk aus der DDR, die 90er Jahre oder auch ganz aktuelle Bilder wurden eingestellt – es kommt immer nur darauf an, wer etwas liefert.

Ich selbst habe bislang noch keine Bilder eingestellt, das muss ich noch tun. Bislang fehlten mir die Zeit und die Lust, an einen Scanner zu sitzen, obwohl im Nachbarbüro einer steht. Aber auch das sollte nur eine Frage der Zeit sein – dann sind so wichtige Städte wie Freudenstadt und Nagold endlich auch vertreten ...

23 März 2010

Seriös in Leipzig


Gewissermaßen nachgereicht: ein optischer Eindruck von der Leipziger Buchmesse. So sieht man also als Redakteur aus, wenn man vier Tage Messe hinter sich hat ...

Ich war um diese Zeit schon ziemlich durch den Wind und redete sehr viel Unfug. Und dabei amüsierte ich mich auch über diverse Bemühungen, PERRY RHODAN-Inhalte schräg umzuwandeln.

22 März 2010

Ich liebe die Nacht-Pizzeria

Sonntag abend, 19 Uhr: Wir verließen die Leipziger Buchmesse, schon recht erschöpft, aber in bester Stimmung; es nieselte leicht. Zwischen Erfurt und Eisenach regnete es in Strömen, im hessischen Bergland war es auch nicht sehr angenehm.

Dennoch kamen wir klasse voran, kurz vor Mitternacht landeten wir erfolgreich in Karlsruhe. Wenn man den ganzen Tag nur Kekse gegessen hat, sind Gummibärchen für die Rückfahrt zwar eine tolle Sache, sorgen aber unterm Strich dafür, dass man richtigen Hunger hat.

Wir gingen in genau den Laden, in dem man nach Mitternacht noch vernünftiges Essen zu guten Preisen kriegt: ins »La Strada« oder »Pasta Pasta« auf der Karlstraße. Der Laden hat bis morgens um fünf Uhr geöffnet, das Publikum ist zu vorgerückter Stunde gelegentlich seltsam.

Mir egal. Die Suppen waren spitze und möbelten uns auf, der Salat war ebenfalls super, und dazu ein Pizza-Brot und ein Bier. Ich war so müde, dass ich fast mit dem Gesicht voran in die Suppe gepurzelt wäre - aber ich war so glücklich, leckeres Essen zu erhalten!

21 März 2010

Fist On Demand

Es ist erstaunlich, dass man als Erwachsener geradezu Hassgefühle auf kleine Manga-Kids entwickeln kann. Wenn aber in einer Messehalle nichts mehr geht, wenn wirklich der komplette Verkehr zum Stocken gerät, weil Tausende von Jugendlichen in Kostümen alle Gänge versperren, dann wächst die schlechte Laune.

Ich versuchte mich gestern trotzdem zu amüsieren und lachte viel - aber als ich für den Gang zur Toilette gut eine halbe Stunde brauchte, um die gerade mal 20 Meter zurückzulegen, wurde ich ein wenig mieser gelaunt. Ein Kollege aus einem befreundeten Kleinverlag brachte es auf den Punkt: "Wir machen jetzt nur noch Fist On Demand und bahnen uns so den Weg frei."

20 März 2010

Moritzbastei nur halbvoll

Es ist eine Tradition, während der Leipziger Buchmesse am Freitag abend in die Moritzbastei zu gehen, um sich dort zu lauter Disco-Musik mit Buchhändlern, Verlagskollegen und Autoren zu betrinken. Dieses Jahr versuchten wir das auch zu schaffen, tranken aber vorher schon im Bayerischen Bahnhof das eine oder andere Bierlein und einen Korn. Himmel hilf.

Als wir in die Moritzbastei kamen, eilten uns bereits die ersten Menschen entgegen, die schon gingen. Die Stimmung war nicht besonders toll, vielleicht halb so viel Leute waren da wie letztes Jahr. Insgesamt aber machte es uns Spaß ...

Ich unterhielt mich dann doch mit dem einen oder anderen Autor, ebenso sprach ich mit Kollegen anderer Verlage. Wie das so ist. Wichtig ist in Leipzig aber, dass man sich mit Sätzen wie "wir telefonieren dann mal" trennt. Offensichtlich die Messe, bei der man Telefontermine vereinbart. Und das tut man auch nachts um drei Uhr nach sieben Bier im Kopf.

19 März 2010

Pauken und Trompeten

Am zweiten Tag auf der Leipziger Buchmesse ist die Luft zum Schneiden dick. Mir tun die sogenannten Autoren leid, die bei den Druckkostenzuschussverlagen um die Ecke lesen. Niemand interessiert sich für sie, und die Lautsprecher sind so eingestellt, dass man schon in zwei, drei Metern Entfernung nichts von dem versteht, was sie zu sagen haben.

Zum Ausgleich ist schräg hinter uns ein Stand, bei dem manchmal getrommelt und gesungen wird. Beides jeweils ohrenbetäubend und superlaut. Und ich frage mich, ob man da nicht das eine mit dem anderen tauschen könnte. Ob's schlimmer würde? Oder zumindest unterhaltsamer?

Therapeutischer Ansatz für die Leipziger Buchmesse ...

18 März 2010

Messetrubel reloaded

Wieder einmal die Leipziger Buchmesse, wieder mal bin ich erschöpft. Manche Dinge wiederholen sich in all den Jahren. Immerhin ist das Wetter gut, die Sonne scheint. Also kann ich mich geistig-moralisch auf stressig-unterhaltsame Tage einstellen.

Zwischen all den bunt gekleideten Manga-Mädels komme ich mir manchmal arg alt vor. Da hilft es auch nichts, wenn die manchmal bei uns am Stand stehen und sich die bunten Covers unserer Bücher angucken ...

17 März 2010

Krawattenträger

Irgendwann um 1980 herum beschloss ich, »anders zu sein« als andere Jugendliche. Ich band mir eine Krawatte um den Kopf, um meine struppigen Haare zu bändigen - das fand ich ganz toll. Noch heute bekomme ich das zu hören: »Du hast doch früher einen Schlips am Ohr gehabt.« Immerhin das blieb nach bald 30 Jahren hängen.

Schaue ich mir jetzt die Online-Werbung der Zeitschrift »Business Punk« an, die ich noch nicht gelesen habe, amüsiere ich mich sehr. Da gibt's das Bild eines normalen Schlipsträgers auf der einen Seite, und unter ihm steht »Business«. Neben ihm ein anderer Schlipsträger, und unter diesem steht »Punk«.

So einfach ist das heute, denke ich. Künftig binde ich mir auf der Buchmesse einfach die Krawatte um den Kopf, behaupte, das sei »Business Punk« und muss dabei nicht mal lügen. Cool.

16 März 2010

Pogo mit klarer Ansage

Irgendwann in der Mitte der 90er Jahre verlor ich größtenteils das Interesse an Hardcore: Das ganze war mir zu metallisch geworden, zu einer Ansammlung von »Styles« und »Moves«, wo mir persönlich jeder Inhalt verloren gegangen war. Die Zahl der von mir besuchten Hardcore-Konzerte schrumpfte stark.

Am Abend des Montags, 15. März 2010, erkannte ich wieder einmal, warum ich mit dieser Art von Hardcore nicht mehr viel anfangen kann. Ich war im »Crazy Kong« in Karlsruhe, jenem Musikschuppen, der sich das Gebäude mit dem Bordell teilen muss, das sich ein Stockwerk darüber befindet. Vielleicht 120 weitere Besucher hatten sich eingefunden.

Zuerst traten OSA189 auf, eine HipHop-Band aus Oberreut, einem Ortsteil von Karlsruhe. Die vier bis fünf kräftigen Männer auf der Bühne trugen einheitlich aussehende Klamotten mit Nummern, die insgesamt die Postleitzahl von Oberreut ergaben, und waren vom starken Drang erfüllt, das Publikum zum Mitmachen zu animieren: »Jetzt kommt doch nach vorne!« wurde die träge Masse aufgerufen, oder «Jetzt schreit alle mit!«

Textlich ging's um Lokalpatriotismus (»Karlsruuuuuu«), Fußball und Gewalt, zitiert wurden Punkrock-Themen wie »Schutt und Asche«, »Pöbel und Gesocks« und »ACAB«. Großes Kino, das mich ein wenig ratlos zurückließ.

Die mir persönlich bekannten Jungs von Warstreet bollerten danach ihren Hardcore-Sound in die Menge: musikalisch ein ziemlicher Kracher, von der Bühne herunter gut serviert. Auch hier immer wieder der Appell, doch bitteschön nach vorne zu kommen und mitzumachen.

Das machten Teile des Publikums auf Aufforderung dann stets, es gab in der Folge jeweils zwischen sieben und zwölf Sekunden Karate- und Kickbox-Pogo, und dann standen wieder alle herum. Das Tanz-Prinzip erschloss sich mir da nicht so ganz.

Nach längerer Umbau- und Gitarrenstimm-Pause kletterten endlich Skarhead auf die Bühne: insgesamt sechs Mann aus New York. Jemand erklärte mir, der Schlagzeuger habe früher bei Madball gespielt (die hat unsereins vor 15 Jahren im Jugendzentrum Eggenstein gesehen, auch lustig). Auf meinen Hinweis, dass mir so was völlig egal sei, kam ein entgeistertes »du kennst dich aber auch gar nicht aus«.

Musikalisch boten die Amis das volle Brett: Hardcore, wie man ihn aus New York kennt und auch gelegentlich mag, schnell und aggressiv gespielt, mit zwei Sängern, die sich die Lunge rausbrüllten. Optisch passte das: Stirnbänder um den Kopf, Halsketten, Kniestrümpfe und entsprechende Hosen.

(In New York scheint es Ausstattungsläden für die Bands zu geben, in denen es Kniestrümpfe gibt. Dafür keine Bordelle, wenn man bedenkt, wie oft die Sänger ihre Witzeleien über die »whores« im Stock über dem Konzertraum machten.)

Das Publikum ließ sich bereitwillig zum »Tanzen« animieren. Wenn der Sänger einen Circle Pit anordnete, rannte man zwanzig Sekunden im Kreis, und wenn der Sänger darum bat, »fucking crazy« zu sein, gab's fünfzehn Sekunden Karate-Pogo. Ansonsten stand man herum, ließ gelegentlich die Arme kreisen und schrie in das hingehaltene Mikro.

Alles in allem eher seltsam für mich. Hardcore finde ich musikalisch immer noch ziemlich klasse, aber mit dieser »Harte-Männer«-Nummer kann ich 2010 so wenig anfangen wie 1995. Und ich möchte mich nicht dafür anschreien lassen, dass ich nicht mitmache - meine Tanzschulzeit ist richtig lange her ...

15 März 2010

Schlechte Erinnerung

Im Jahr 2008 schaffte ich es noch regelmäßig, meine Kolumne »Der Redakteur erinnert sich« zu verfassen, und ich brachte in meinem ENPUNKT-Blog auch regelmäßig einen Hinweis auf die aktuellen Kolumnen und damit Links zur PERRY RHODAN-Homepage. Schon 2009 war ich da säumig und brachte es auf gerade mal eine Handvoll Kolumnen, und 2010 war ich noch mieser unterwegs: Gerade zweimal erinnerte ich öffentlich an diverse Jugendsünden.

Genug gejammert!, hier der Hinweis auf die letzten zwei Kolumnen, die ich jeweils selbst sehr amüsant fand. Darüber möge sich jeder selbst sein Urteil bilden.

Unter »Mein TERRA ASTRA-Versuch« berichte ich über meinen Versuch, im Jahr 1983 als Heftromanautor durchzustarten. Es klappte damals nicht, und es hat bis heute nicht geklappt.

Unter dem prosaischen Titel »Autorenkonferenz am 17. Mai 1994« geht es um genau das ... also um eine Autorenkonferenz, die vor 16 Jahren etwa veranstaltet wurde. Unter anderem ging es damals um die Planungen für den nächsten Handlungsabschnitt, die größtenteils so nicht verwirklicht wurden. Das liest sich heute alles ein wenig seltsam - aber so ist es wohl, wenn Ideen nicht umgesetzt werden ...

14 März 2010

Reise nach Musandam

Erinnerung an Fujairah im November 2009

Angesichts des lange anhaltenden Winters bietet es sich ja geradezu für mich an, noch einmal auf den letztjährigen Urlaub zurückzublicken, genauer auf die Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate. An einem Tag unternahmen wir einen Ausflug nach Musandam, zu der Halbinsel, die gewissermaßen die Straße von Hormus von unten abschirmt. (Seit Jahrhunderten leben die Leute in dieser Gegend übrigens davon, dass sie zwischen dem Iran und den arabischen Staaten einen eifrigen Schmuggelbetrieb aufrecht erhalten.)

Mit einem Minibus fuhren wir von Dadna, dem Ort unseres Hotels, nach Dibba, der Hafenstadt, die in drei Teile gegliedert ist. Einer gehört zum Emirat Fujairah, einer zum Emirat Sharjah, einer zum Bezirk Musandam des eigenständiges Staates Oman. Ganz schön kompliziert, aber sonderlich wichtig nahm keiner die Grenzen. Zwar hielten wir unsere Pässe in der Hand, aber es gab keine ernsthafte Kontrolle.

Im Hafen des omanischen Teils der Stadt wechselten wir auf eine Dau über, also ein arabisches Schiff, aus Holz gebaut, aber natürlich mit einem Motor ausgestattet. Und mit diesem schipperten wir dann hinaus aufs Meer und der Küste entlang.

Es war ein wunderbarer Tag: strahlender Sonnenschein, ein klares Wasser, links von uns die Steilküste von Musandam. Zweimal steuerten wir Buchten an, wo man über den Korallenriffen schnorcheln oder am Sandstrand faul in der Sonne liegen konnte, zwischendurch gab es leckeres Essen an Bord des Schiffes, und den Rest gammelten wir auf dem Sonnendeck und faulenzten.

Für die russischen Touristen an Bord des Schiffes gab's noch eine spezielle »Fishing-Einlage«, die Herren durften sich mit Angeln versuchen und irgendwelche Viecher aus dem Meer ziehen. Ziemlich unnötig, aber tolerant und vor allem faul, wie wir nun mal waren, dösten wir einfach weiter.

Am frühen Abend waren wir wieder zurück im Hotel, ohne Sonnenbrand, aber völlig erschöpft. Stundenlanges Nichtstun, abgewechselt mit ein bisschen schnorcheln, kann ganz schön anstrengend sein ...

12 März 2010

Wenn alte Punker rocken

Die »Alte Hackerei« ist nicht gerade als Jugendzentrum bekannt, sondern ist eher ein Treffpunkt der »Ü 40«-Generation. Am Donnerstag, 11. März 2010, schien das Durchschnittsalter sogar noch mal einen Schlag nach oben zu schnellen: Die U.K. Subs aus England gastierten in Karlsruhe.

Die Band, von deren Originalbesetzung eh nur noch der Sänger übrig ist, existiert seit 1977 und hat vor allem in den späten 70er Jahren einige unsterbliche Punkrock-Stücke herausgehauen. In den 80er Jahren sah ich sie bei einem grauenvoll schlechten Auftritt, in den 90er Jahren waren sie klasse. Von daher war ich gespannt auf den Auftritt.

Rund 150 Leute drängten sich in der »Alten Hackerei«, als ich ankam. Die Vorgruppe - die Bone Idles aus Karlsruhe - hatte ich leider bereits verpasst, und die Engländer hatten gerade zu spielen angefangen. Ich besorgte mir Bier und quetschte mich in den Mob.

Es war richtig klasse. Auf der Bühne schienen Charlie Harper und seine Begleiter richtig viel Spaß zu haben, und musikalisch war nichts von Altersschwäche zu spüren: Die Stücke kamen wuchtig und wurden schnell gespielt, der Bass wummerte manchmal eine Spur zu arg, aber sonst stimmte alles.

Vor allem bei den Klassikern wie »Warhead« oder »Stranglehold« tanzte der Saal, und gegen Ende musste ich auch ein wenig hüpfen und war hinterher schön verschwitzt. Ein wunderbarer Konzert-Abend, der mir bewiesen hat, dass es manche von den alten Punks immer noch können.

11 März 2010

Mom's Day machen Funpunk

»Quietschvergnügte Punkrocker von der Schwäbischen Alb« - so lässt sich die Band Mom's Day von der Presse nennen. Genauso sehen sie aus, genauso klingen sie: Die vier studentisch wirkenden, sehr »lustigen« Typen dieser Punk-Kapelle machen die Art von Punk-Musik, die niemanden schocken oder aufrütteln will, die ideal ist für Leute, die gerne »gut drauf« sind und sich auf »Indie«-Festivals aufhalten.

Dabei ist die CD »super sonnig« eigentlich schick gestaltet: schöner Papp-Karton mit Comic-Bildern, sogar mit eigenem Brettspiel für die Fans der Band. Legt man die CD allerdings ein, hört man belanglosen Melodie-Punk mit belanglosen deutschen Texten über Liebesleid, spätes Aufstehen und andere wichtige Themen. (Es gibt auch englische Texte, aber da benutzt die Band ein Schulenglisch, bei dem's mir die Schuhe auszieht.) Da ist Phil Collins noch mehr Punk.

Musikalisch ist das ganze okay, wenn man auf Funpunk steht. Die Burschen haben in den 90er Jahren sicher ihre Prise Wizo eingefangen und die einschlägigen Ami-Platten daheim stehen. Zwei-, dreimal gibt es in den Stücken ein wenig Emo-Gekreische, das positiv überrascht und das verrät, dass die Kerle wahrscheinlich was besseres hinbekämen.

Aber so? Diese Art Funpunk fand ich schon 1990 – in der Funpunk-Höchstzeit – grausig langweilig.

10 März 2010

Mit Alice unterwegs

Ich war in »Alice im Wunderland«, natürlich in der Drei-D-Version. Und ich war streckenweise sehr gut unterhalten und manchmal sogar beeindruckt: schöne Tricks, viele bunte Bilder, schnell erzählte Geschichte.

Unterm Strich war's ja eine Emanzipationsgeschichte: Junge Frau drückt sich vor der Zwangsheirat und entwickelt eigenes Ich. Schön, so was liest und sieht man immer noch viel zu selten.

Warum in der Werbung überall Johnny Depp in den Vordergrund gestellt wurde, hat seinen Sinn in der besseren Verkäuflichkeit seines Namens. Den Hutmacher spielte er auch sehr gut. Die Hauptdarstellerin war meiner Ansicht aber die junge Alice, die zeitweise sehr amüsant durch die schräge Handlung stolperte.

Im Nachhinein fragte ich mich nur eines: Hat es für diesen Film den 3-D-Effekt gebraucht? Nein, hat es nicht. Die Tricks hätten auch im konventionellen Bild gewirkt, und für die Story war die zusätzliche Dimension überhaupt nicht von Belang.

Gute Kino-Unterhaltung war's allemal. Wer Fantasy mag, hat an diesem Streifen seinen Spaß - und im Kino wirken die großen Bilder sicher besser als später in der Glotze. Also: angucken!

09 März 2010

Leuchttürme für intellektuelle Bürger

Es ist immer wieder schön, wer sich in diesem Land als »bürgerlich« bezeichnet und mit diesem Ausdruck ja immer alle anderen außerhalb der bürgerlichen Rechte und Pflichten verortet. (Das macht es der Oberschicht und denen, die sich dafür halten, viel einfacher, sich vom »Pöbel« zu distanzieren.) Gelegentlich hilft der Blick in sogenannte bürgerliche Medien immer wieder weiter.

In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder »Cicero« geblättert und angelesen; auf Dienstreisen liegt es in Hotels oder wird einem sonstwie kostenlos untergeschoben. Das Magazin ist konservativ, aber nicht blöd; der Herausgeber Wolfram Weimer, den ich bei einer Veranstaltung in Heidelberg erlebte, weiß offensichtlich, wovon er redet.

Wer sich für Medien interessiert, hat vielleicht mitbekommen, dass Weimer im Sommer 2010 den »Focus« übernimmt, den rechtskonservativen Versuch des Burda-Konzerns, dem als »links« angesehenen »Spiegel« Konkurrenz zu machen. Seit 1993 gibt es den »Focus«, und ich finde das Heft völlig ungenießbar, lasse es bei Dienstreisen auch dann liegen, wenn ich es im Flugzeug gratis kriege: Im Gegensatz zur »Bild« ist der »Focus« kreuzlangweilig.

Weimer hat große Ziele. Die Medien zitieren ihn damit, dass er das Magazin für »intellektuelle Debatten öffnen« wolle, zu einem »Leuchtturm des bürgerlichen Deutschlands«. Das klingt nach intellektuellem Geschwurbel und vor allem erst mal superwichtig.

Und jetzt? Gibt's die übliche Verunglimpfung von Hartz-IV-Empfängern und Minderheiten jetzt mit mehr Fremdwörtern? Wird jetzt das »konservative« Herumtrampeln auf Schwächeren mit Schachtelsätzen garniert? Zitiert man jetzt einfach einige Lyriker aus dem 19. Jahrhundert, wenn man Frauen diskriminiert?

Interessante Gedankengang. Ich warte gespannt auf das Erscheinen des ersten »Leuchtturms«. Dann muss ich ja glatt mal »Focus« lesen.

08 März 2010

Aus den Neuenglandstaaten

Ziemlich knallig ging es in meiner Radiosendung am Sonntag, 7. März 2010, zu: Das Thema waren Bands aus den Neuenglandstaaten der USA, also aus dem Nordosten des Landes. Seltsame Regionen wie Delaware, New Hampshire oder Connecticut konnte ich ausgraben und den Leuten zu Gehör bringen, eine Single, die ich spielte, hatte zudem nur eine Presswerk-Auflage von 300 Exemplaren erreicht.

Wobei's musikalisch durchaus abwechslungsreich war, wie ich finde: The Queers mit albernem Funpunk oder Casting Out mit leichtem IndieRock und einem Schuss Punk bildeten den gelungenen Einstieg; X One Way X waren dann die total Verarsche auf den aktuellen Hardcore-Zirkus.

Nach dem ruppigen Irokesen-Punkrock der Bomb Squadron dann viel Hardcore: Government Warning und Strike Anywhere aus Richmond in Virginias sowie Let It Burn aus New Jersey. Und eine Band, die ich immer wieder gern spiele: die wunderbaren Anti-Flag aus Pittsburgh, deren Melodie-Punk mit schmissigen Polit-Texten mir stets gefällt.

Gelungene Mischung, wie ich finde. Und erstmals ein Versuch, parallel zur Sendung auch zu »twittern«. Da kann man gern sagen, dass das Unfug ist – Spaß gemacht hat's, und ein Experiment war's ebenfalls.

07 März 2010

Punkrock im Eiskeller

Die Fleischmarkthalle in Karlsruhe ist ein monumentales altes Gebäude, gut fünf, sechs Meter hoch und mit einem stabilen Boden aus Beton ausgestattet. Wenn außerhalb des Gebäudes Minusgrade herrschen, benötigt man innen eine anständige Heizung. Den plötzlichen Wintereinbruch am 5. und 6. März 2010 hatten die Veranstalter des »Freak'n'Art«-Festivals so dann doch nicht eingeplant.

Als ich am Freitag, 5. März, hinkam, hielten sich die Temperaturen noch im niedrigen Plus-Bereich. Im Saal hielten sich geschätzte 200 Punks auf, was die Temperatur zumindest ein wenig erhöhte; wären es 600 oder 700 gewesen, hätte man sicher geschwitzt. So aber schaffte es der Rumpel-Punk der Mannheimer Mari & The Krauts nicht, mehr als ein halbes bis ganzes Dutzend Punkrocker zum Pogen zu bringen.

Nach länger dauernden Umbaupause standen SS-Kaliert auf der Bühne: Irokesenpunk wie aus dem Fotoalbum, musikalisch im Prinzip ein heftiger Hardcore-Mix aus späten G.B.H. und frühen Rawside. Von den Texten und Aussagen der Band blieb im Soundmatsch leider nichts übrig; die Show fand ich trotzdem gelungen.

Ihnen folgte der Höhepunkt dieses Abends: Die Kassierer, vier gebildete Herren mittleren Alters, mit denen ich zuvor über Literatur, alte Romanhefte und gemeinsame Jugenderinnerungen geplaudert hatte. Auf der Bühne ließen sie – wie gehabt – die Sau raus und schafften es, die um diese Zeit gut 400 Besucher gut in Bewegung zu bringen.

Ich wankte danach noch in die »Alte Hackerei« um die Ecke, wo Hardcore-Disco lief und die Temperaturen aufgrund der beengten Räumlichkeiten deutlich höher waren. Gegen drei Uhr nachts, als ich mit dem Rad durch die Innenstadt nach Hause düste, tobte ein fieser, eiskalter Schneewind, so dass ich zeitweise kaum etwas sah. Fies.

Am Samstag stand ich selbst auf dem Programm: Ich las ab 17 Uhr auf der großen Bühne. Schnee lag überall in der Stadt, es war zwischenzeitlich noch kälter geworden, und in der Fleischmarkthalle herrschten Minus-Temperaturen. Ich fand mein bescheidenes Publikum ziemlich tapfer – und mich irgendwann auch, weshalb ich nach einer Stunde Sitzens und Lesens auch froh war, aufhören zu können.

Nach mir dann die Oralapostel, eine Band aus Karlsruhe; ich hatte von den Burschen noch nie zuvor einen gesehen, fand den Funpunk der Jungs aber gar nicht mal übel. Nicht viel anfangen konnte ich danach mit Spätzlesdreck: Deutschpunk in Verkleidung und auf Schwäbisch scheint nicht meine Sache zu sein.

Danach Kein Hass Da, die neue Band von Karl Nagel, deren Prinzip recht einfach war: Man nimmt die Stücke der klassischen Ami-Band Bad Brains, übersetzt sie ins Deutsche und macht daraus eine eigene Show. Das klappte ziemlich gut, und sogar einige frierende Punks tanzten dazu Pogo.

Ich gestehe, dass ich mir den Rest des Abends nicht mehr anschaute. Sehr unpunkig verzog ich mich nach Hause, wo es deutlich wärmer war und ich nicht mehr zu frieren brauchte ...

05 März 2010

Ganz okay mit Roxy Epoxy & The Rebound

Ich mochte – wie viele andere auch – die Epoxies. Die Band aus Portland machte seit anfang der Nuller-Jahre ziemlich coolen Wave-Punk, der ein wenig nach den alten B-52s klang, aber genug an eigener Note aufwies. Die ersten zwei Platten haben mir sehr gut gefallen, und ich habe bedauert, als sich die Band auflöste.

Die Sängerin, die sich Roxy Epoxy nennt, macht mit eigener Band weiter; die nennt sich jetzt The Rebound. Aber unterm Strich ist es eben Roxy mit einer neuen Begleitband, denn es ist vor allem die charakteristische Stimme und der leicht zickig-zackig klingende Wave-Punk, der die Stücke ausmacht.

Auf der ersten eigenen Platte, die unter dem Titel »Band-Aids On Bullet Holes« im Jahr 2009 herauskam, hört man das auf jeden Fall sehr gut. Wüsste man's nicht besser, könnte man die Platte einfach für ein neues Werk der Epoxies halten – so ähnlich klingt das ganze. Allein das Keyboard ist hier deutlich schwächer, fällt nicht so sehr ins Gewicht.

Die Platte ist gut, sie macht vor allem gute Laune, und sie geht beim dritten oder vierten Mal noch besser ins Ohr. Zu den besten Platten des Jahres 2009 wird sie von späteren Historikern sicher nicht gezählt werden; wer aber coole Frauenstimmen im Punkrock mag, ist hier sehr gut aufgehoben.

04 März 2010

Aufm Hörbuch


Schon jetzt freue ich mich auf den nächsten PANKERKNACKER. Die Nummer 23 des famosen Punkrock-Fanzines aus Berlin (ehemals Villingen-Schwenningen und Freiburg) wird nämlich nicht nur einen Beitrag von mir enthalten, sondern auch ein Hörbuch mit allerlei Texten. Und diese wiederum werden von allerlei Promimenten eingelesen.

So hat sich Axel, der Sänger der ehemals ultrabeliebten Punkrock-Band Wizo dazu bereit erklärt, eine Kurzgeschichte von mir einzulesen. Auf das Ergebnis bin ich natürlich schon jetzt sehr gespannt - wie kommt das dann rüber?

Nur noch wenige Tage, bis das Heft in meinem Briefkasten liegt. Wem es ähnlich wie mir gehen soll, bestelle es einfach ...

03 März 2010

Bewerber macht ernst

Gelegentlich bekomme ich Bewerbungen auf den Tisch, entweder in Papierform oder meist per Mail. Da möchten manche Leute eben bei der PERRY RHODAN-Serie mitschreiben oder ein Cover anfertigen, andere bieten uns gleich einen ganzen Roman an. Das ist meist recht vernünftig, aber manchmal eher skurril.

So bekam ich unlängst die »Initiativbewerbung« eines jungen Mannes, der offensichtlich in einem Seminar gelernt hatte, dass solche Initiativen in den Firmen ganz gern gesehen werden.

Er hatte sich zuvor eine eigene Homepage zugelegt, und von dieser aus schickte er seine Mail los. Selbstverständlich ohne korrekte oder konkrete Ansprechpartner, sondern einfach pauschal an die auf unserer Homepage angegebene Internet-Adresse.

Er sei durch eine "Internetrecherche" auf unser Unternehmen aufmerksam geworden. Und: »... und würde mich freuen meine Kreativität und Flexibilität für Ihren Unternehmenserfolg einsetzen zu können«, schrieb er weiter. Genau das Geblubber, was man wahrscheinlich heute in Seminaren lernt. Die Recherche möchte ich aber sehen, bei der man nicht die konkrete Adresse erfährt ...

Aus den weiteren Dokumenten, die er per Mail mitschickte, erfuhr ich gleich mehrfach, wie flexibel er sei. Er sei eigentlich für jede Stelle brauchbar, sollte das wohl heißen.

An Selbstbewusstsein fehlte es dem jungen Mann also nicht. Ich verzichtete dennoch darauf, ihm gleich ein Job-Angebot zu mailen, sondern schaltete das Ding ebenso unpersönlich ab, wie es mir unpersönlich in die Mailbox geflattert war ... Pech.

02 März 2010

Neues altes Braustüble

Seit bald zehn Jahren wohne ich nun in der Weststadt in Karlsruhe, und ich habe bislang keinen Fuß ins »Braustüble« gesetzt. Dabei ist es vielleicht 500 Meter von meiner Wohnungstür entfernt. Das mag am Namen liegen, der ein bisschen arg altbacken wirkt.

Jetzt aber gibt es neue Pächterinnen, und die Eröffnung wurde am Montag, 1. März, gefeiert. Kein Wunder, dass ich hinmusste. Ich war nicht der einzige, der diese Idee hatte: Die Kneipe war proppenvoll.

Neben Leuten, die unschwer als Nachbarn zu erkennen waren und die etwa die Hälfte des Publikums ausmachten, tummelten sich haufenweise Leute im Raum, die ich aus der »Alten Hackerei« und früheren Nächten in der »Steffi« seit vielen vielen Jahren kannte; manche waren dabei, die ich seit Jahren kaum mehr gesehen hatte. Von daher war die Mischung klasse, das Bier schmeckte, und die gute Stimmung kochte.

Begeistert war ich von der Kegelbahn; die ist so richtig altmodisch und nicht zu vergleichen mit den modernen Bowling-Bahnen, die sich überall breitgemacht haben. Wir versprachen uns gegenseitig, künftig im »Braustüble« zum Kegeln aufzuschlagen.

Den Biergarten konnte ich wegen des Wetters noch nicht testen, er sieht aber gut aus. Ich freue mich schon auf den Sommer: Dann kann ich auch mal in der Nachbarschaft die Fußball-Weltmeisterschaft gucken oder ein Weizenbier trinken, ohne mit dem Rad in die Nordstadt düsen zu müssen.

Das Essen probierte ich am ersten Abend nicht, weil ich schon mit gefülltem Magen hinkam. Diejenigen, die etwas futterten, lobten es aber: eher konventionell, aber gut vom Preis und von der Qualität her. Dafür genoss ich Bier - aus Mannheim importiert, aha! - und Grappa, während die Damenwelt dem Wein zusprach.

Gelungener Abend! Demnächst mehr in jenem Theater, würde ich sagen ...

01 März 2010

Mischung aus Zukunftswestern und SF-Satire

Ich mag Ronald M. Hahn: persönlich sowieso, als Herausgeber von NOVA erst recht und als Autor eigentlich auch. Seine Beiträge zur Bastei-Heftromanserie »Maddrax« und deren Hardcover-Ableger im Zaubermond fand ich teilweise recht unterhaltsam; leider publizierte er in den letzten Jahren viel zu selten eigenständiges Material.

Zuletzt las ich »Der Klon« von ihm, erschienen als Band 15 der »Maddrax«-Buchreihe. Von der Handlung ist das kein so bestechender Roman: Er spielt in der fernen Zukunft des frühen 26. Jahrhunderts, in einer Welt, die nach einem Meteoriten-Eischlag langsam wieder zu einer neuen Zivilisation findet.

Der Roman ist immerhin unterhaltsam, er spielt in einem Nordamerika, das nicht mehr viel mit den heutigen USA zu tun hat. Es gibt allerlei Organisationen, die von heute noch übrig sind und die in der zerstörten Welt der Zukunft um Macht und Einfluss ringen. Dazu zählen Klone von Arnold Schwarzenegger, dem letzten US-Präsidenten – das ist einer der typischen Gags der Serie –, und diese Klone spielen natürlich eine Rolle.

Seien wir ehrlich: Ich habe den Roman ungefähr ein halbes Jahr nach der Lektüre komplett vergessen. Was mir im Gedächtnis blieb, waren Anspielungen – unter anderem auf Schwarzenegger-Filme.

So gibt sich eine Nebenfigur den Geheimnamen »Quaid« und erinnert sich an einen Traum, in dem er als Bauarbeiter den Mars befreite: eine Anspielung auf den Film »Total Recall«. Oder es gibt einen Traum von einem Jungen, der zuerst Sklave in einer Getreidemühle ist, um später ein Kämpfer zu werden: eine Anspielung auf »Conan«, den ersten Kinoerfolg Schwarzeneggers.

Weitere Anspielungen gehen auf Computersysteme ein (»Hape Deskjet« als Name) oder veräppeln den zuständigen Redakteur des Bastei-Verlages als »Mayk van Gladbach«. Die Helden kippen den nutzlosen Geist von George W. Bush in den Ausguss oder retten wichtige Gen-Behälter der wichtigsten Menschen der Vergangenheit, zu denen unter anderem eben Heidi Klum gehört.

Wer solche Gags mag, wird sich bei diesem Buch wunderbar unterhalten. Wer damit nichts anfangen kann, muss schon ein »Maddrax«-Fan sein. Aber davon gibt es gottseidank auch genügend.

28 Februar 2010

Balkan-Beats und Disco-Krach

Mein Feierabendbier nahm ich nach Mitternacht im »fünf« ein, dann fuhren wir in die »Alte Hackerei«. Diesmal ging's nicht auf ein Punk-Konzert, sondern es wurde eine »Balkan-Beats-Party« mit »Wodka-Specials« versprochen.

Ob's die Wodka-Spezialitäten gab, fand ich in dieser Nacht nicht heraus. Dafür war recht schnell klar, dass die eigentliche Balkan-Party so nicht stattfand; angeblich war der eigentlich geplante DJ nicht aufgetaucht.

Also musste der Chef höchstpersönlich ran: Plüschi machte den DJ und bollerte dem tanzlustigen und vor allem schon früh besoffenen Publikum allerlei 80er-Jahre-Kram um die Ohren. Er schreckte dabei nicht einmal vor dem Soundtrack von »La Boum« zurück, was morgens um vier Uhr auch niemanden mehr schockierte.

Damit es nicht so sehr auffiel, kam immer mal wieder ein bisschen Balkan-Geboller dazwischen. So war für gute Laune gesorgt, ich trank Bier und später Bionade und beobachtete mit viel Gestaune, wie sich einige Leute echt großartig abschossen. Sehr gelungen, das ganze!

27 Februar 2010

Bottrops machen glatt ein Konzept-Album

Ich weiß ja, daß es eigentlich ein Gegensatz ist: Punkrock und das »klassische« Album-Konzept. Und doch haben The Bottrops aus Berlin mit ihrer zweiten Platte ein echtes Konzept-Album vorgelegt – das bezieht sich bei »Entertainment Overkill« ja nicht nur auf die Gestaltung der Langspielplatte.

Wobei die schon mal ziemlich klasse ist: superschön gestaltetes Cover, innendrin ein großzügig gestaltetes »Poster«, auf dem nicht nur die Texte abgedruckt worden sind, sondern noch viel mehr. Zu jedem Stück gibt es nämlich beispielsweise Filme, Gedichte und Lieder, die inhaltlich dazu passen – da ich einige der angesprochenen Themen kenne, ziehe ich den Vergleich und stelle fest, daß der häufig auch paßt.

Dazu kommen Kürzestgeschichten diverser Autoren (ich bin ebenfalls vertreten; den Text schiebe ich zur Dokumentation in die Kommentarspalte dieses Blogs), die abgedruckt worden sind und die sich inhaltlich auf je ein Stück beziehen. Die Texte sind meist skurril und amüsant – tolle Idee.

Und die Musik? Ach so, die gibt's auch noch. Da gilt im wesentlichen das, was ich zu vorherigen Platten der Bottrops schon geäußert habe: flotter Punkrock mit Charme, mit einem Schuß 1977 und Mod-Sound, dazu Texte, die ziemlich schlau sind, ohne in intellektuellem Geseier zu versacken, ziemlich erwachsen also und dennoch Rotzlöffel-Punk.

Ganz ehrlich: »Entertainment Overkill« ist schon eine ziemlich starke Platte auf einem sehr guten Label!

SF-Gemetzel und Christenkram

Der Abend begann mit einem Sieg: Ich setzte mich gegen zwei Frauen durch, die eigentlich in den Frisörinnenfilm von Doris Dörrie gehen wollten, der in der »Schauburg« lief. Da ich weder auf das Studenten-Ambiente der »Schauburg« noch auf pseudo-lustige Komödien sonderlich viel Wert lege, wollte ich nicht mit – und die beiden schlossen sich meinem Kinowunsch an.

Wir gingen in »The Book of Eli« im »Filmpalast«. Ein Film mit Denzel Washington und Gary Oldman kann ja nicht schlecht sein, dachte ich. Und hatte unrecht. Die packend wirkende Vorschau verdeckte 80er-Jahre-Trash.

Eigentlich ist es ein Science-Fiction-Thema: Mal wieder ist die Welt nach einem Atomkrieg oder so ziemlich verwüstet, und die wenigen Überlebenden kämpfen erbittert gegeneinander um Wasser, Nahrungsmittel oder einen Rest von Shampoo, der die Katastrophe überstanden hat. Kennen wir alles aus »Mad Max«, und in »The Book Of Eli« wird das ganze auch optisch sehr gefällig präsentiert: zerfallene Häuser, zerfetzte Klamotten, eine wüstenartige Landschaft.

Mit Oldman und Washington gibt's zwei gute Charaktere. Das Duell der beiden Schauspieler ist überzeugend, die Motive sind zumindest teilweise nachvollziehbar. Dagegen stehen derbe Action mit vielen Toten, angedeutete Vergewaltigungen und eine christliche Botschaft, die gegen Ende ganz schön nervt. (Die Pointe am Ende, die ich nicht verraten will, taucht übrigens schon im PERRY RHODAN-Roman 700 auf ...)

Der Abend endete mit einer Niederlage: Ich gestand ein, dass der Frisörinnenfilm vielleicht die bessere Alternative gewesen wäre.

26 Februar 2010

Was war noch mal mit Social Beat?


In den neunziger Jahren war der Begriff »Social Beat« zumindest in der alternativen Literatur-Szene ein Schlagwort, das viele faszinierte; heutzutage kennt das kaum noch jemand. Die Reste des Social Beat fristen heute bei Slam-Poetry-Auftritten ihr Leben – aber es gibt immerhin einen kleinen Verlag aus Braunschweig, der die Tradition von anno dunnemals mit seiner Reihe »The Punchliner« fortsetzt.

Ich habe in den letzten Tagen endlich-endlich die Lektüre der Nummer 5 abgeschlossen. Das 128 Seiten starke Paperback ist kein Fanzine mehr, hat mit der ursprünglich aus fotokopierten Heften bestehenden Szene nicht mehr viel zu tun. Der »Punchliner« sieht aus wie ein Buch, wie eine Anthologie von Kurzgeschichten, wenigen Gedichten und einigen wenigen Buchbesprechungen.

Die Qualität ist entsprechend vielseitig und schwankt ganz schön. Wenig überrascht ist, dass die alten Kämpen wie Jaromir Kocnecky oder Jan Off das Schreiben nicht verlernt haben und die besten Texte liefern. Dazwischen gibt es Texte, die handwerklich erschütternd sind, aber auch gelungene Kürzest-Texte, die unter der Rubrik »Tinnef, Tand und Trödel« zusammengefasst werden.

Hin wie her: Ich empfehle die Lektüre des Büchleins, ach was, ich empfehle gleich ein Abonnement. Geschmäcklerisch wie ich bin, fand ich wahrscheinlich genau das langweilig, das andere toll finden. Die zehn Euro sind auf jeden Fall beim Verlag Andreas Reiffer gut investiert.

25 Februar 2010

Lesung in der Fleischmarkthalle

Am Wochenende des 5. und 6. März 2010 startet in Karlsruhe das sogenannte Freak'n'Art-Festival. Letztes Jahr kollidierte es ein wenig unglücklich mit der Leipziger Buchmesse, heuer kann ich tatsächlich dort erscheinen. Ich werde mir nicht nur die Bands anschauen - unter anderem treten die göttlichen Kassierer auf -, sondern auch selbst aus meinen Büchern öffentlich vorlesen.

Das Programm ist auf jeden Fall ziemlich vielfältig und lässt viel Raum für Überraschungen. Und die Vorberichterstattung in der örtlichen Presse kann sich ebenfalls sehen lassen ...

Verrückte Mönche oder Mad Monks

Wer auf die Idee kommt, sein Band-Info in Form eines kleinen, sauber gedruckten Heftes herauszubringen, das allerlei Quatsch enthält, hat schon mal meine Sympathien auf seiner Seite. Wenn er dann noch seine CD richtig schick gestaltet und ein kleines Comic-Heft als Booklet beifügt, erhöhen sich die Sympathiewerte noch weiter.

Verantwortlich für das ganze ist die Band Mad Monks aus Bremen, die Ska-Punk spielt. Das ist jetzt im Jahr 2009 keine besonders originelle Musikrichtung mehr, und es wäre gelogen, der Band herausstechende Bedeutung zu verleihen.

Was die vier Burschen aber auf ihrer CD »Flying Circus« machen, ist absolut gelungener und schmissiger Sound, der einen nicht ruhig stehen oder sitzen läßt und der gut in die Beine geht. Vor allem live stelle ich mir das ziemlich klasse vor.

Die Stücke werden mit verdammt viel Spielfreude durchgebollert, der Punkrock-Anteil ist recht hoch, und es klingt alles so, als habe man mit viel Pfeffer nachgewürzt: knallig und rasant also. Gefällt mir sehr gut!

24 Februar 2010

Saufen per Verordnung

Ein völlig absurdes Spektakel spielt sich derzeit in den deutschen Medien ab: Man empört sich über Saufereien bei der Bundeswehr und angeblich »entwürdigende Praktiken«. Man spricht von »Skandalen« und ist völlig entsetzt.

Ich frage mich nicht zum ersten Mal, wie hoch der Grad an Naivität in diesem Land eigentlich ist. Gibt es etwa ernsthaft Leute, die glauben, in einer von Männern dominierten Gruppierung wie der Bundeswehr, die bis vor wenigen Jahren ja praktisch nur aus Männern bestand, gäbe es keine dümmlichen »Exzesse«? Es handelt sich zumeist um Schwanzvergleich auf peinlichem Niveau.

Wenngleich es viele Leute nicht glauben wollen: Vom Oktober 1984 bis Dezember 1985 war ich ebenfalls bei der Bundeswehr. Als W-15, wie man das damals nannte, also ein Wehrpflichtiger für 15 Monate. Und ich soff weder davor noch danach jemals so viel Bier. Alle guten Vorsätze, die ich am Anfang gehabt hatte (»ich werde nie so sein wie die anderen«), verflogen in der stumpfsinnigen Kasernen-Atmosphäre rasch.

Es war zeitweise völlig normal, vor allem im letzten Vierteljahr, das erste Bier in der Frühstückspause um zehn Uhr zu trinken. Abends dann noch mal acht, neun »Halbe« drauf, und das tagtäglich. Schnaps beim Manöver und beim Schießtraining gehörten dazu, und die Vorgesetzten wussten das, amüsierten sich entweder darüber oder wirkten aktiv mit.

Stolz bin ich darauf heute nicht - aber ich kann beim besten Willen nicht behaupten, dass ich zum Saufen gezwungen worden wäre. Das war normal, und wer bei dem Verein dabei war, machte normalerweise mit.

Gekifft wurde ebenfalls, das war aber selten. Bier und Schnaps sind schließlich »männlicher« als irgendwelche Cannabis-Produkte.

Verallgemeinern will und kann ich nicht. Aber das allgemeine Gejammer derzeit, in das lustigerweise Leute einstimmen, die vor zwanzig Jahren saufen »mussten«, finde ich befremdlich. (Demnächst wird man erfahren, dass es in Fußballvereinen ähnliche Sitten und Gebräuche gibt. Ooops.)

23 Februar 2010

Kreuzlangweiliger Verschwörungsroman

Es gibt Romane, die lese ich nicht zu Ende, nicht einmal im Urlaub, wo ich eigentlich ruhig bin und Zeit habe und mich gern auch auf trivialen Unsinn einlasse. Aber »Die letzte Reliquie«, der zuletzt erschienene Roman des spanischen Schriftstellers Gonzalo Giner, ist ein derart schlecht geschriebener Unsinn, dass ich es nicht schaffte, mehr als hundert Seiten – also etwa ein Fünftel – zu schaffen.

Dabei liest sich die Inhaltsangabe ganz gut: ein Verschwörungsroman, der mit dem Mittelalter, dem Kampf um Jerusalem, einer altjüdischen Reliquie und einem spanischen Juwelier zu tun hat. Da riecht man förmlich die Verbindung zu den Erfolgsschmökern des amerikanischen Schriftstellers Dan Brown, und man spürt geradezu, wie hier ein weiterer Erfolg geplant wurde.

Leider reicht das Ding nicht einmal andeutungsweise an einen »Pageturner« à la Dan Brown heran: Ständig wechselnde, völlig unmotivierte Perspektivwechsel, völlig eindeutig-peinliche Charakterisierungen und anderes lassen den Leser mit gequältem Blick auf die Seiten starren.

Nicht einmal als Liebesroman funktioniert das Ding ... Dabei machen einige der Vergangenheitsszenen durchaus Hoffnung, dass der Autor eigentlich eine spannende Geschichte zu erzählen hat.

Es geht aber nicht: langweilig, vorhersehbar, austauschbar. Ab in den Müll mit der Schwarte!

(Falls jemand doch mag: Das Ding erschien bei Blanvalet als Taschenbuch und sieht richtig gut aus.)

22 Februar 2010

Popkultur im Blick

Es gibt verschiedene Homepages, über die ich Inhalte verbreite. Normalerweise gebe ich mir auch Mühe, nicht zu viele »Dopplungen« zu publizieren. Dennoch möchte ich hier an dieser Stelle auf fünf Buchbesprechungen verweisen, die ich in der letzten Woche auf der PERRY RHODAN-Homepage veröffentlicht habe - die könnten auch den ENPUNKT-Leser interessieren. Immerhin geht es um Popkultur ...

Jeden Tag gab's ein Buch zum Thema: Romane und Sachbücher, mal mit Skinheads, mal mit »ganz normalen« DDR-Jugendlichen, mal zum Thema Sex, mal zum Thema Neue deutsche Welle, sogar zu den späten 60er Jahren. Mir hat das ja durchaus Spaß gemacht.

Unter dem Titel »Lesenswertes Buch über die 60er Jahre« schrieb ich über die Hippies von Woodstock und die Schwulen-Revolte in der Christopher Street. Es ging um das Buch »Taking Woodstock« des Amerikaners Elliot Tiber, geschrieben wie ein Roman, aber eher ein autobiografischer Bericht.

Das zweite Buch ist ein echter Sach-Titel; die Besprechung trägt den Titel »Der Mann, der mal Dr. Sommer war«. Das Buch stammt von Dr. Martin Goldstein, trägt den Titel »Teenagerliebe« und greift Diskussionen aus den 60er und 70er Jahren auf, die er in die heutige Zeit überträgt.

In meinem Beitrag »Liebes-Komödie zwischen Jugendszenen und Mauerfall« geht es um den Roman »Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand« von Jakob Hein, der in der ehemaligen DDR spielt und eine Sozialisation zwischen Punk und Pop schildert. Sehr amüsant.

Zwischen einem Kriminalroman und »echter« Popliteratur wechselt der Roman, den ich unter dem Titel »Ermittlungen unter Skinheads« vorstelle. Es handelt sich dabei um »Samstags, wenn Krieg ist«, einen Roman von Klaus Peter Wolf, der bereits in den 90er Jahren publiziert worden war und vom Pendragon Verlag neu aufgelegt wurde.

Den Abschluss der Reihe bietet ein Text unter dem Titel »Ein Rückblick auf die Neue Deutsche Welle«. Dabei beleuchte ich das von Hollow Skai stammende Buch »Alles nur geträumt - Flucht und Segen der Neuen Deutschen Welle«, das als Paperback im Hannibal-Verlag herauskam.

21 Februar 2010

Schleppend-wummernder Sound

Ein ganz neues Label aus Berlin liefert seine erste Platte aus: Andi's Friends Records wird von dem Exil-Stuttgarter Andi Kuttner betrieben und bringt – wie der Name schon nahelegt – eben Platten von Freunden heraus. Kleine Auflagen und schicke Gestaltung verstehen sich da schon von selbst.

Die erste EP kam im Februar 2010, und sie entzieht sich den üblichen Eingrenzungen: Punk ist das schon, aber mit den meisten anderen Punk-Bands hat das nicht viel zu tun. Eingängig ist das nicht, aber eigenständig. Cash For Your Stories machen einen wummernden, bassigen Sound, der manchmal an Noise-Rock oder andere Richtungen erinnert, und Melodien schälen sich darunter erst langsam hervor. Die vier Stücke sind mal langsam-schleppend, manchmal ruppig-schnell – wer's gedanklich auf die Reihe kriegt, möge sich eine Mischung aus alten Crass, schwerfälligem Blues und neuerem Hardcore vorstellen.

Textlich geht's um Politik und Gesellschaft, aber jenseits von Parolen. Die englischen Texte auf dem Beiblatt werden durch brauchbare Erläuterungen in deutscher Sprache ergänzt – das ist alles sehr gelungen.

Das ist definitiv eine Platte, die nicht »gewöhnlich« ist, sondern aufgrund ihres Sounds eine Weile braucht, bis sie ins Ohr geht. Guter Start für ein Label, dem es sicher nicht auf große Verkaufszahlen ankommt.

Wie ich vor der Tür stand

Freitag abend, »Alte Hackerei«: Da ich zu lange bei meiner Expedition in den »Deutschen Kaiser« gebraucht habe, komme ich definitiv zu spät. Zu spät für die erste Band auf jeden Fall. Der Laden ist brechend voll, aus dem Konzertraum dröhnt Punkrock, vor der Tür stehen Leute herum, und auch im Vorraum zwischen den Plattenkisten ist es eng.

Ich hole mir ein Bier, labere mit Leuten und kämpfe mich irgendwann in Richtung Kasse vor. Es sei ausverkauft, erklären mir die freundlichen Herren an der Kasse. Mehr als 150 Leute lässt man nicht in die »Hackerei« hinein.

Nachvollziehbar. Es ist eh schon brechend voll. Ich ärgere mich ein wenig über mich selbst und gucke der Band einige Minuten lang von außen zu: Durchs Fenster neben der Bühne kann man ja gut reingucken.

Aber sonderlich toll ist der Blick nicht, und im Februar-Wind macht das auch nicht so arg viel Spaß. Immerhin habe ich immer wieder den Schnauzbart des Dean Dirg-Sängers vor Augen; von daher hat sich das in gewisser Weise doch gelohnt.

Ich beschließe, das beste aus der Situation zu machen, rede mit Leuten, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe, trinke zuerst Bier und dann Bionade - muss ja fahren - und hab' viel Spaß. Dean Dirg hab' ich somit dann doch zumindest ein bisschen live gesehen.

20 Februar 2010

Expedition nach Neureut

Man sollte immer wieder neue Dinge ausprobieren. Bei mir heißt das, dass ich gelegentlich in Kneipen aufschlage, die sonst nicht so meine Tasse Bier sind. Am Freitag abend strandete ich so im »Deutschen Kaiser« in Karlsruhe-Neureut.

Geblümte Tischdecken. Eigene Hausschlachterei. Große Fleischportionen. Für Vegetarier immerhin Salat und Beilagen. Und eine Portion Kässpätzle, bei der ich mich nicht fürs richtig Vegetarische verbürgen wollte.

Lecker war's trotzdem, das Bier schmeckte, und die Begleiter waren sehr nett. So hatte ich auch schöne Blicke auf das Stammpublikum, bekam die wunderbare Schlagermusik mit und amüsierte mich bestens. Ich glaube nicht, dass ich Stammkunde werde, aber lustig war's im »Deutschen Kaiser« trotzdem.

19 Februar 2010

Fettes Lob für Peter

Ich kenne Johannes C. Zeller aus der österreichischen Stadt Weiz nicht persönlich, und auf seine Homepage bin ich erst dieser Tage erstmals gestoßen. Wer aber meinen Roman »Vielen Dank Peter Pank« als »eines meiner persönlichen Lieblingsbücher« bezeichnet, kann kein schlecher Mensch sein.

Über die Besprechung meines Erstlingswerks, das es immer noch in einer schicken Hardcover-Ausgabe im Archiv der Jugendkulturen gibt, habe ich mich sehr gefreut. Der Rezensent verweist noch mal auf die Fortsetzungsgeschichte im ZAP, und er erinnert sich an den Begriff »Bravo der Punkszene«, was ich gut finde.

Ihm gefällt die Story, die »aus Trinken, Trampen, Schnorren und Demos besteht« und meint, man verliebt sich schneller in meinen Stil, »als man glaubt«. Nun denn ... da bin ich natürlich sprachlos. Und begeistert.

18 Februar 2010

Blickwinkel auf Afrika

»Der Band kommt recht Episodenhaft daher«, heißt es in einer sehr schönen Besprechung, die Ralf König in seinem Blog mit dem Titel »Ralfs Webjournal« veröffentlicht hat. Ausführlich geht der Rezensent auf mein Buch »Das Tier von Garoua - Abenteuer Alltag in Afrika« ein; er nennt die Dinge, die ihm gefallen haben, und jene, die er nicht so gut fand.

Was mir an der Besprechung gut gefiel, war der sehr persönliche Blick auf das eh sehr subjektive Buch. Er empfindet meine Texte als »in nüchternem Stil erzählte Erlebnisse, die manchmal Wendungen annehmen, mit denen man nicht gerechnet hat und die einen da auch manchmal etwas hilflos zurücklassen«.

17 Februar 2010

Tote Schwanzlurche auch hier

Bisher hielt ich es nicht für nötig, in diesem Blog über den Roman »Axolotl Roadkill« der jungen Autorin Helene Hegemann zu schreiben. Das tun genug andere, und außerhalb des Literaturzirkus interessiert sich kein vernünftiger Mensch für das Thema. (In der Harald Schmidt Show fand ich die 17jährige ziemlich cool. Ich hätte mir in dem Alter in die Hosen gemacht, und ich wäre auch heute nicht so locker in einer Fernsehsendung von dieser Bekanntheit.)

Spricht man mit normalen Menschen, haben die weder von dem Buch noch der Autorin noch dem Plagiatsvorwurf gehört. Oder sie haben davon gehört und möchten von mir - dem man lustigerweise immer unterstellt, er hätte Ahnung - Aufschluss über die Geschehnisse.

Künftig werde ich sagen: »Geht ins Literatur-Café.« Der »literarische Treffpunkt im Internet«, wie sich die Seite im Untertitel nennt, wird von mir häufig besucht; viele Artikel sind gut, manche auch vermeidbar.

Aber es gibt einen herrlichen Artikel über das Thema, verfasst von Wolfgang Tischer. Die Lektüre empfehle ich all jenen, die sich darüber informieren wollen - und ich empfehle die Lektüre des Artikels wie der Kommentare auch jenen, die sich mal wieder schön über Journalisten ekeln wollen.

(Journalisten: Das ist doch dieses Gesindel, das die FDP so toll fand und jetzt eifrig zurückrudert, wo auch dem Dümmsten klar ist, für welche Politik diese Partei steht. Journalisten: Das sind die, die derzeit immer dem lautesten Brüllhals hinterherlaufen. Zumindest könnte man manchmal glauben, das so pauschalisieren zu müssen.)

16 Februar 2010

Von Filmen und Kindern


Dass ich die Zeitschrift »Federwelt« gut finde, erzähle ich bei jedem meiner Seminare an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Und ich werde nicht müde, auf diese »Zeitschrift für Autorinnen und Autoren« hinzuweisen – mir liegt jetzt die Ausgabe 80 vor, und die ist wieder einmal sehr empfehlenswert.

Diesmal ging es um Gebiete, von denen ich so gut wie nichts verstehe: Drehbücher habe ich noch keine geschrieben, Hörspiele ebensowenig, und an einen Film würde ich mich erst gar nicht wagen. Darüber informiert die Zeitschrift in ausführlichen Artikeln und Interviews. Aber auch Kinderbücher sind ein wichtiger Schwerpunkt.

Gut finde ich diesmal die Gedichte – in jedem Heft sind Texte von Autorinnen und Autoren enthalten. Manchmal kann ich damit nichts anfangen, manchmal mehr. In der jetzigen Ausgabe finde ich die Prosa-Texte schrecklich, die Gedichte dafür cool.

Mein Karlsruher Stadtnachbar Matthias Kehle, mir persönlich noch nie über den Weg gelaufen, aber vom Namen her seit über zwanzig Jahren bekannt, bringt beispielsweise ein trockenes Gedicht über seinen Großvater: »Nichts weiß ich vom / Großvater Scharfschütze / sei er im Krieg gewesen« - so geht es los.

Im aktuellen Heft gibt es Buchbesprechungen (diesmal zu Rockbüchern – cool!), Artikel über Schreib-Software und haufenweise kleinere Texte; alles in allem eine bunte Mischung, die ich von vorne bis hinten gelesen habe. Gibt's beim Uschtrin-Verlag; das 60 farbige Seiten umfassende Einzelheft kostet 6,50 Euro.

15 Februar 2010

Klare Feindbilder

Eigentlich müsste ich Guido Westerwelle so richtig dankbar sein. Im Alleingang rückt der Mann quasi die politische Landschaft wieder klar und macht jetzt wohl hoffentlich auch dem letzten klar, welche Art von Regierung dieses Land mittlerweile wieder hat.

Der FDP-Obermotz führt einen Klassenkampf von oben, das ist alles. Und er ist dabei weder blöd noch unüberlegt, sondern will »seine Leute« auf seine Seite ziehen, ebenso Leute wie mich, denen er wohl eine Angst vor den »Faulenzern« unterstellt und vor allem eine Angst, auch »nach unten« abzusacken. Das ist natürlich alles widerlich und ekelhaft und so weiter – aber es darf einen doch nicht ernsthaft überraschen.

Die Liberalen von heute wollen ihre Pfründe verteidigen, das ist ja sogar nachvollziehbar. Sie verdienen gut Geld (oder glauben zumindest, bald gut Geld zu verdienen ...), und um das zu sichern, treten sie zielgerichtet nach unten. Das funktioniert gut, weil die versaute Journalistenmeute in diesem Land bereitwillig in den liberalen Chor einstimmt, der von faulen Arbeitslosen und arbeitsscheuen Unterschichtlern singt.

Aber das ist okay, da weiß man wo man dran ist. Kein Gerede mehr vom »kleinen Übel«, das man im Zweifelsfall unterstützen müsste. Westerwelle und seine Bande haben klar die Ausplünderung des Staates und das Ausbeuten von Mittel- und Unterschicht zum Programm erhoben – das haben sie mehrfach gesagt, und sie sagen es jetzt noch. Jeder, der etwas anders glaubte, wird hoffentlich jetzt endlich kapieren, welche Absichten der peinlichste bundesrepublikanische Außenminister aller Zeiten hat.

(Wundere sich jetzt bitte keiner über mich: Die SPD, der das Land einen großen Teil des aktuellen Schlamassels zumindest mitzuverdanken hat, ist derart mit sich selbst beschäftigt, dass niemand in der Partei derzeit in der Lage sein dürfte, die politischen Koordinaten grundsätzlich zu ändern. Dieser Blog-Text soll also bitteschön nicht als Bejubelung der Sozialdemokratie oder gar des bürgerlich-grünen Spießertums verstanden werden.)

14 Februar 2010

Untergegangene Insel


Ich bin im Schwarzwald geboren, und ich habe die Nordsee zum ersten Mal gesehen, als ich weit über dreißig Jahre alt war (kein Witz). Von daher bin ich mit den Mythen und Märchen dieser Region nicht gerade vertraut – und von Rungholt habe ich bis vor einem halben Jahr nichts gehört. Immerhin war mir bewusst, dass die Küstenverläufe an der Nordseeküste vor einigen hundert Jahren völlig anders waren.

Cornelia Mertens ist mir aus der PERRY RHODAN-Szene bekannt. Zusammen mit Robert Brauer und André Wilckerling verfasste sie das Buch »Im Meer vergangen«, das letzten Sommer im kleinen Boyens-Verlag erschienen ist. Das 96 Seiten starke Werk ist mit vielen Fotos versehen, es präsentiert zudem alte Landkarten und die Ergebnisse archäologischer Forschungen.

»Rungholt und die Insel Strand« (praktischerweise ist das der Untertitel des Buches) sind sagenhafte Orte; man weiß, dass es die Stadt Rungholt gab, aber es sind praktisch keine Spuren zurückgeblieben. In gigantischen Sturmfluten gingen die Stadt und ihr Umland unter, zahlreiche Menschen kamen dabei um. Verschiedene Sagen berichten von Kirchenglocken, die unter dem Meer läuten ... so blieb über Jahrhunderte hinweg die Erinnerung an das Untergegangene erhalten.

Das Buch stellt Dokumente, Berichte und Fotos zusammen, so dass zumindest eine Ahnung von dem entsteht, was im heutigen Wattenmeer einst als große Siedlung existierte. Ich gestehe, dass ich bei der Lektüre das Verlangen verspürte, entweder einmal einen großen historischen Roman zu diesem Thema zu lesen oder gleich selbst einen zu verfassen – der Rungholt-Mythos ist ziemlich faszinierend.

Wer sich für das Buch interessiert, kriegt es überall im Handel; ich nenne mal die ISBN: 978-3-8042-1285-5. Es kostet 9,90 Euro.

13 Februar 2010

Knallende Basken

Freitag abend, 12. Februar: Nachdem ich es tatsächlich gebracht hatte, vor der Glotze zu sitzen, Arte einzuschalten und den restaurierten Science-Fiction-Klassiker »Metropolis« in kompletter Länge anzugucken (das Ding war richtig gut), war ich dann doch fit genug, aus dem Haus zu gehen. Ich nahm das Auto: Zum Radfahren oder Mit-der-Bahn-durch-die-Stadt-eiern war es schon zu knapp.

So kam ich einigermaßen zeitnah in die »Alte Hackerei«. Zu spät, um die erste Band noch mitzubekommen, zu früh, um einen verminderten Eintrittspreis zu erhalten. Aber ich freu' mich über jedes Konzert, das in dem Laden stattfindet.

Segismundo Toxicomano sind vier Typen aus dem baskischen Teil Spaniens, wenn ich es richtig mitbekam. Die meisten ihrer Ansagen waren auf Spanisch oder in einem extrem akzentbehafteten Englisch; mir war nie klar, um was es eigentlich ging.

Aber egal: Die Burschen auf der Bühne ließen es krachen. Im Prinzip heftiger Punk der 80er-Jahre-Schule, eher amerikanische Prägung, meist schnell und vor allem sehr druckvoll, mit knalligen Melodien und gelegentlichen Breaks in den Stücken - was mir nicht so gut gefiel - und dezent eingesetzten Offbeat-Passagen.

Alles in allem ein gelungenes Brett, das mir gut gefiel. Das Publikum war arg träge, so dass der Pogo-Mob zeitweise aus drei Jungmännern mit Bart und Fusselhaaren bestand, die Parkas trugen. Damit muss eine unbekannte Band im fremden Land wohl leben.

12 Februar 2010

Natural Born Schwarzwälder

Von Katzen, die im Winter geboren werden, sagte man auf dem Dorf: »Die taugen nichts.« Gemeint war: Das sind Stubenhocker-Katzen, die bleiben im Winter im Haus und trauen sich nicht ins Freie, sprich, sie jagen nicht genügend Mäuse.

Inwiefern das auch für Menschen gilt, mögen bitteschön andere Leute bewerten. Ich bin auf jeden Fall im Winter geboren worden, und das auch noch im Schwarzwald. Und ich freue mich, wenn Schnee fällt, wenn der Wind pfeift und alles unter einer weißen Decke verschwindet.

Da bricht in mir das Kind durch, das im Schwarzwalddorf durch veschneite Wälder stromerte oder sich mit Kumpels wilde Schneeballschlachten lieferte. (Im Winter wurde bei uns eine Dorfstraße gesperrt, damit wir Kinder rodeln konnte. Und untern stand ein Mann, der den Autofahrern sagte, dass sie nur im Schritttempo fahren durfte. Heute wäre so was doch undenkbar!)

Von daher genieße ich es, an Tagen wie dem heutigen durch den Schnee zur Arbeit zu fahren. Wenn das Auto ein bisschnen schmiert, grinse ich, und wenn rechts und links von mir alles in Weiß erstrahlt, freue ich mich wie ein kleines Kind. Ich höre schmissigen Punkrock und gleite durch die Schneelandschaft – Winter kann so schön sein.

11 Februar 2010

Pankerknacker zum zweiundzwanzigsten


Erschienen ist der aktuelle Pankerknacker bereits im Herbst 2009 – dass ich immer ewig brauche, bis ich aktuelle Fanzines lese, ist eine traurige Tatsache. Aber es schadet ja nix, denn letztlich kann man gute Sachen auch lange nach ihrem Erscheinungsdatum aufs Klo packen und durchschmökern.

Tatsache ist ebenfalls, dass sich das Fanzine ganz schön verändert hat, seit Opa Knack damit vor gefühlten 15 Jahren damit anfing. Damals ... ein Kleinstadtpunker aus Villingen-Schwenningen, der ein arschcooles, aber dennoch typisches Punkrock-A5-Heft herausbringt. Heute ... ein Großstadtpunker aus Berlin, der ein schickes, mit viel Farbe und anderen Gimmicks auftrumpfendes Punkrockheft in wechselnden Größen herausbringt und jetzt sogar auf die Kioske schielt.

Keine Ahnung, ob das klappt, aber die Ausgabe 22 beweist mal wieder, dass Knack und seine Mitstreiter – zu denen gelegentlich ich gehöre – mit ihrer Mischung aus Punkrock, Gossenjournalismus und einer Prise Sex offensichtlich ihre Leserschaft gefunden haben.

Okay, es gibt tatsächlich Interviews – wobei Wattie von Exploited doch eher blöd rüberkommt. Und es gibt Platten-, Bücher-, Fanzine- und DVD-Besprechungen sowie haufenweise Anzeigen. Von daher werden gewisse Fanzine-Standards eingehalten und übererfüllt.

Wo sich das Heft massiv unterscheidet, ist eben die Ansammlung von Erlebnisberichten und Kurzgeschichten. Jan Off, allgemein bekannt als Autor von Büchern und begnadeter Vorlese-Onkel, liefert einen ungewöhnlichen »Bericht« vom letzten Force-Attack-Festival, und Christoph Parkinson lässt sich über Rechtsaußen-Tendenzen in der schönen Schweiz aus.

Alle Texte haben eines gemeinsam: Sie sind unterhaltsam. Das scheint das wichtigste Credo des Herausgebers zu sein. Dazu kommen eine saucoole Optik – das ist in der Tat eine Illustrierte für Punkrocker und ihre Sympathisanten. Das Heft gibt's für drei Euro beim Fanzine-Händler eures Vertrauens oder auch direkt über die Homepage des Fanzines.

10 Februar 2010

Mappi-Schnappi regiert

Man merkt, dass man älter wird, wenn relevante Personen im Umfeld immer jünger erscheinen. Zuerst war ich älter als der durchschnittliche Fußballer, dann älter als der durchschnittliche Musiker auf irgendwelchen Bühnen. Mittlerweile bin ich älter als Ministerpräsidenten.

Älter als »mein« Ministerpräsident, um es genau zu sagen. Der neue ist ein 43 Jahre alter Familienvater, der von Spöttern als »Mappi-Schnappi, das kleine Krokodil« bezeichnet wird. Sein Name: Stefan Mappus.

Der neue Ministerpräsident kommt aus Pforzheim und damit dem nördlichen Schwarzwald – grob gesagt also aus einer Gegend, die ich auch sehr gut kenne, weil ich im Nordschwarzwald aufgewachsen bin. Dort sind viele Leute konservativ, ohne richtig rechts zu sein. Anders gesagt: Sie würden sich davon gern abgrenzen.

Mappus weiß aber gut, was beim ekligen Teil der CDU gut ankommt. Er schaffte es laut Zeitungsberichten immerhin mal, sich öffentlich über die sogenannte Orgasmuslüge der damaligen SPD-Chefin Ute Vogt lustig zu machen. Die Frau, nicht gerade mit übergroßen Geistesgaben gesegnet, kommt aus derselben Region.

Der Mann fing in der Jungen Union an, gleich mit 18, machte steile Karriere in der Partei – und genau diese Art Leute habe ich in den letzten dreißig Jahren meines Lebens bis zum Erbrechen mitbekommen und teilweise auch kennengelernt. Man darf hier also nichts erwarten.

Doch vielleicht das ... es wird in mancherlei Hinsicht zurück in die Vergangenheit marschiert: Mappus jammert gern öffentlich über den Werteverlust unserer Zeit; er hasst Schwule und Lesben und möchte die CDU gerne wieder konservativer einordnen.

»Bild« bringt übrigens online den einzigen Punkt nach vorne, der für den neuen Chef im Ländle spricht: »Er spricht besser Englisch als sein Vorgänger.« Na, dann ist ja alles gut.

09 Februar 2010

Sherlock und Bushido

Eigentlich wollten wir nur ins Kino gehen, aber selbstverständlich guckte vorhin keiner von uns in irgendeinen Terminplan. Am Dienstag, 9. Februar 2010, weilte der Rapper Bushido im Karlsruher Filmpalast, um dort den Film zu präsentieren, den man über sein Leben gedreht hat und in dem er die Hauptrolle spielt.

Der Filmpalast war auch prompt voll mit pickelgesichtigen Jungmännern, die sich als coole Gangsterrapper verkleidet hatten, sowie aufgepumpten Mädels – sehr lustig. Noch lustiger war, dass Security-Typen an der Treppe standen und uns »durchsuchten«. Bei mir dauerte das Abtasten rund zwei Sekunden, und ich hätte eine komplette Maschinenpistole einschmuggeln können.

Wir guckten uns lieber »Sherlock Holmes« an, und ich fand den Film großartig. Alles andere als ein intellektueller Film, stattdessen Popcorn-Kino vom feinsten: ein wunderbar schön nachgebautes London Mitte des 19. Jahrhunderts, zauberhafte Kulissen, in denen sich die Figuren bewegten. Mit dem klassischen »Sherlock Holmes« hatten Robert Downey jr., Jude Law und Co. nicht viel zu tun, aber das schadete nicht.

Viel Witz und Action, eine rasante Handlung, bei der ich keinerlei Lust hatte, nach Logikbrüchen zu gucken, coole Klamotten – da passte alles klasse zusammen. Ich fühlte mich bestens unterhalten, trank mein Bier, lachte und freute mich.

Bushido kam irgendwann wohl, denn als ich zwischendurch pinkeln war, hatte sich der Pulk vergrößert. Kreischende Teenager und Blitzlichtgewitter, da war echt was geboten. Ich machte, dass ich rasch zu Sherlock und Co. zurückkam. Und genoss dann den Rest des Abends.

08 Februar 2010

Hannover im Zentrum

Sehr handfest ging es am Sonntag abend, 7. Februar 2010, in meiner Radiosendung zur Sache: Hannover stand im Zentrum des Geschehens. Die Stadt war dreimal in gewisser Weise eine wichtige Szene-Stadt, und alle drei Zeiten fanden in meiner Sendung nicht statt.

Wieder spielten die ganz frühen Punk-Tage von No Fun Records (1979 bis 1981) eine Rolle noch die Zeit der Spirit Family und ihrem Hardcore (Ende der 80er Jahre), und ich ließ auch die Chaostage-Trilogie (1994-1996) weg. Man kann nicht alles haben.

Stattdessen gab es eine Bandbreite, die vom Deutschpunk à la Abfluss und Die Bilanz zum Emopunk à la Raum 101 reichte. Dazu Melodie-Zeugs von Gigantor und klassischer Punkrock von Crassfish oder Rat's Got The Babies.

Klassisch wurde es mit den Abstürzenden Brieftauben, modern mit Hammerhai, poppig mit Andthewinneris. Wieder mal sehr gemischt, wie ich finde.

07 Februar 2010

Fanzine Kurier 145

Zum ersten Mal habe ich etwa 1979 schriftlichen Kontakt zu Armin Möhle aufgenommen, persönlich kennengelernt haben wir uns anfangs der 80er Jahre. Und seit dem Juni 1983 gibt er ein Fanzine heraus, das 1982 noch von Michael Schneider unter dem Titel »SF-Kurier« gestartet worden war und ab 1988 als »Fanzine-Kurier« erscheint.
Einfacher gesagt: Armin Möhle ist seit den späten 70er Jahren in der Fanzine-Szene aktiv, er begleitet sie seitdem kritisch, und sein »Fanzine-Kurier« ist mir stets eine willkommene Lektüre.

Die Druckauflage beträgt laut Impressum schlappe dreißig Exemplare, was nicht verwunderlich ist: Die einzelnen Rezensionen sind online nachzulesen und werden von verschiedenen anderen Fanzines gedruckt – insgesamt ist die Bedeutung gedruckter Fanzines im Zeitalter des Internet leider ohnehin schwer rückläufig.

Mir liegt die Ausgabe 145 vor, die eine sehr typische Ausgabe ist: zwölf Seiten Umfang, die wie anfangs der 80er Jahre von A4 auf A5 verkleinert worden sind, und auf diesen Seiten ist mehr als ein Dutzend Fanzine-Besprechungen zu finden, allesamt kritisch und ausführlich, wie sich das gehört.

Die Lektüre der Online-Ausgabe empfehle ich jedem, der sich für Fanzines interessiert. Die gedruckte Ausgabe ist heutzutage eher was für Sammler wie mich – aber die muss es ja auch noch geben.

06 Februar 2010

Zurück auf die Alb

Die aktuelle Ausgabe des OX-Fanzines ist da; es ist schon die Ausgabe 88 – eine respektable Leistung. Und wieder ist mein Fortsetzungsroman »Peter Pank – Und: Hardcore!« mit einer neuen Folge enthalten.

Diesmal geht es sehr dörflich zur Sache, und die Geschichte klingt auf den ersten Blick vielleicht sehr banal: Peter Pank und sein Kumpel Jörg suchen eine entlaufene Katze, und das ist vor allem für Jörg eine ziemliche Katastrophe.

Bei der Suche nach der Katze stößt Peter Pank auf Bert den Säufer. Dieser wiederum erzählt ihm, dass neuerdings wieder nach ihm gesucht wird. Seltsam aussehende Menschen erkundigen sich Dorf nach einem »Punker« und einem ominösen Päckchen – es könnte mit den Geschehnissen zusammenhängen, die Peter Pank in Südfrankreich erlebte.

(Das ist übrigens alles in meinem Buch »Chaos en France« zu lesen. Ende der Werbeeinblendung.)

Es handelt sich bei der Folge übrigens um die vierundzwanzigste. Manchmal bin ich selbst erschüttert über mein Durchhaltevermögen. Das ist doch irgendwie ganz schön spießig ...

05 Februar 2010

Tanelorn und Ladendiebstahl

Ich freue mich ja immer, wenn Texte von mir irgendwo besprochen werden; natürlich muss das in diesem Blog hier erwähnen. Und so wurde ich unlängst auf das SF-Radio aufmerksam. Auf dieser Seite äußert sich Thomas Harbach zu »Magira 2008«, dem im Sommer 2008 bereits erschienenen Jahrbuch zur Fantasy; leider habe ich seine Rezension erst relativ spät gefunden.

Lustig ist, dass der Rezensent in meiner Besprechung glatt meine kriminelle Vergangenheit entdeckt. Die dort enthaltene Geschichte »Träume von Tanelorn« von mir sei doch »hoffentlich nicht unbedingt biographisch«, so Harbach. »Diebstahl oder Klaufen» seien zwar irgendwann verjährt, das geschilderte Geschehen hinterlasse »aber keinen guten Eindruck«.

Insgesamt ist die Besprechung positiv. Mein Tonfall treffe »die Zeit der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts relativ gut«, allerdings sei kein richtiger Plot vorhanden. Damit kann ich gut leben ...

Distemper rasen in die 14. Platte

Keine Ahnung, wie die Band aus Moskau es schafft: Distemper bringen's auch mit der aktuellen Platte fertig, dass mich die nicht langweilt, dass ich sie im Büro und im Auto hören kann und dass ich jetzt unbedingt die Band mal live sehen will. Man könnte kritisch einwenden, dass so viel dann doch nicht hängenbleibt, dass es also nicht unbedingt den Superhit auf der CD gibt – aber es sind einfach alle Stücke gut gelungen und definitiv tanzbar.

Problematisch für mich: Ich habe nicht immer gleich die richtige Ahnung, worum es geht. Die Band singt ihre Stücke auf russisch, was ja gut ist. Immerhin sind im Begleitheft zur schön gestalteten CD die Texte in kyrillischen Buchstaben mit englischer Übersetzung abgedruckt – aber man kapiert's halt nicht gleich ...

Sei's drum: Die Band wirkt sympathisch, die CD ist es – auch von der Gestaltung her –, und sie ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Da hat das Label auf jeden Fall ein richtig gutes Pferd im Stall!

04 Februar 2010

Streiks und Gejammer

Seit gestern wird in Deutschland gestreikt. Um es gleich zu sagen: Dieser Streik ist berechtigt. In einer Zeit, wo ohne Zögern ein unglaubliches Milliardenpaket zur Rettung von Banken verabschiedet wurde und wo das regierende Gesindel seine Klientel mit Milliardengeschenken unterstützt, ist es an der Zeit, dass die Gewerkschaften auf die Straße gehen und auch für die arbeitende Bevölkerung eine Erhöhung des Einkommens fordern.

Widerlich ist allerdings das Verhalten großer Teile der Presse. Im Radio werden Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes gefragt, was ihnen denn lieber sei: eine Lohnerhöhung oder ein sicherer Arbeitsplatz.

Die Antworten sind klar: Die meisten plädieren dafür, dass sie ihren Job behalten. Schlussfolgerung der Moderatoren: Die Beschäftigten lehnen somit die Lohnerhöhung ab. Aha - so was nennt man heute also Journalismus. Ich könnte manchmal kotzen.

In kürzester Zeit wird das Gejammer über die angeblich ungerechtfertigen Forderungen der Gewerkschaften aufflammen. Und man wird darüber klagen, dass die öffentlichen Arbeitgeber doch so gut wie pleite seien und diese Lohnerhöhungen nicht verkraften könnten. Das führe doch nur zu einer weiteren Entlassungswelle.

Das Schlimme ist: Diesen vordergründigen Behauptungen wird geglaubt. Solange aber Städte wie Karlsruhe offensichtlich genügend Geld für sinnlose Marketing-Gags verblasen können, kann eine Lohnerhöhung für Müllwerker oder Krankenschwestern nicht zu teuer sein. In diesem Land werden die Prioritäten allerdings seit langem falsch gesetzt ...

03 Februar 2010

Von Blutorks und anderen Gestalten

Für das Fanzine »Fandom Observer«, das ich unlängst erst in diesem Blog abgefeiert habe, schreibe ich gelegentlich Beiträge. Das wurde im Verlauf der Jahre weniger - aber ab und zu packt es mich doch. So auch in der aktuellen Ausgabe 248, die seit Anfang Februar 2010 zu kaufen ist.

Ich führte ein Interview mit dem Schriftsteller Bernd Frenz, den ich seit gefühlten zwanzig Jahren kenne - noch aus den Zeiten, als er Fanzines herausgab und für andere Fanzines schrieb. Derzeit ist er mit einer Fantasy-Trilogie ganz gut im Geschäft, die den Titel »Die Blutorks« trägt, aber nicht so viel mit Blut zu tun hat, sondern eher mit einer Religion ...

Klingt auf jeden Fall interessant. Und mir persönlich machen solche winzigen Ausrutscher in den sogenannten Journalismus glatt noch Spaß.

02 Februar 2010

Schrill und international

Wenn ich - was viel zu selten vorkommt - nachts durchs Fernsehprogramm zappe, liegt das gelegentlich daran, dass ich noch zu wach bin, um schlafen zu gehen. Vielleicht, weil noch irgendwelcher Alkohol im Kopf dazu führt, dass ich gedanklich Purzelbäume schlage. Dann bleibe ich durchaus auch mal an einem sogenannten Home-Shopping-Kanal hängen und amüsiere mich königlich.

Dabei fiel mir schon vor Jahren der Mode-Designer Harald Glööckler auf, der quasi ein Landsmann von mir ist: geboren in Pforzheim. Jetzt soll der Mann wohl ein internationaler Fernsehstar werden, glaubt man Fachzeitschriften wie dem Kress-Report.

Man will den Mann ernsthaft in den USA, in Großbritannien und in Schweden in internationale Projekte stecken. Das wäre eine »pompöse« Weiterführung von Glööcklers wunderbaren »Pompöös«-Auftritten, die mir schon viel Freude bereiten konnten.

Besonders hübsch ist dabei die Vorstellung, dass man den Designer ernsthaft als »Künstler« betrachtet und sich ihn in gewisser Weise als einen Botschafter Deutschlands vorstellt. (Okay, lieber als die Bundeswehr ist er mir allemal.) Ich glaube, ich werde angesichts dieser Entwicklung noch mehr Spaß haben ...

01 Februar 2010

Karlsruher Rutschpartien

Das schöne an freien Tagen ist nicht nur, dass man endlich daheim sitzen und an den eigenen Texten arbeiten kann, sondern dass man auch was vom schönen Wetter hat. So heute: Mit meinem ... ähm ... persönlichen Coach verabrede ich mich zum Mittagessen; sie arbeitet auf der anderen Seite der Innenstadt.

Mit dem Rad fahre ich durch frischen Neuschnee los. In der Bismarckstraße liegt der Schnee attraktiv und praktisch auf der Eisplatte, die sich dort seit gestern mittag erstreckt und wo es mich gestern schon fast auf die Schnauze gehauen hat. Autos schleichen im Schrittempo an mir vorbei oder werden von mir überholt.

Dafür sind die großen Straßen und der Zirkel sauber vom Eis befreit worden, und ich werde von den Autos im wahrsten Sinne des Wortes eingesalzen. Na super. Das Mittagessen im Café Palaver ist wohlschmeckend, und durch die Fenster sehen wir hinaus ins Schneegestöber, das über der Innenstadt windet und pustet.

Hinterher kann ich erst mal das Rad vom Schnee befreien. Den Sattel muss ich buchstäblich freikratzen: Weil ich den schön angewärmt hatte, schmolz die erste Schneeladung und wurde zu Eis. Auch die Gangschaltung und die Bremsen wirken nicht gerade verkehrssicher.

Aber das macht nichts. Eifrig rutsche und strample ich zurück, lieber durch Nebenstraßen. Dort eiern die Karlsruher Autofahrer, die schon im Sommer nicht auf die Straße gehören und im Winter die volle Panik schieben, noch schlimmer herum als sonst.

Für sich selbst reklamieren sie weite Bremswege. Aber irgend jemand scheint ihnen gesagt zu haben, dass man mit dem Rad auf Schnee noch schneller anhalten kann als bei trockener Straße. Fast hätte es mich über einen Wagen geschleudert, aber als guter Winterradfahrer habe ich die Füße immer in der Nähe des Asphalts.

Ich liebe es, im Winter durch den Schnee zu fahren. Kein Witz. Wenn nur die blöden Autofahrer nicht wären.