03 April 2025

Ein Blick auf dreißig Jahre

Es ist ein schmeichelhafter Text, der mich sehr gefreut hat: Auf der Internet-Seite der Bundesakademie für kulturelle Bildung ist ein Beitrag zu lesen, der mich und meine Arbeit als Dozent fast schon abfeiert. »30 phantastische Jahre« lautet die Überschrift, und der Untertitel macht es ein wenig klarer: »Dank an unseren Kapitän im Raumschiff Literatur«.

Olaf Kutzmutz, mit dem ich an der Akademie schon lange zusammenarbeite, verfasste diesen Text, der durch drei schöne Fotos ergänzt wird; das alles macht mich ein wenig wehmütig. Die Anfänge der Science-Fiction-Seminare verlieren sich allerdings in meinem Gedächtnis langsam in Anekdoten, aber das liegt wohl in der Natur der Sache.

1995 war ein Jahr, in dem sich viel veränderte: Ich begann mit meiner wöchentlichen Radiosendung im Freien Radio Querfunk. Ich fuhr zu den Chaostagen nach Hannover. Ich wurde mit einem Schlag Redaktionsleiter bei der Raketenheftchenserie, für die ich seit 1992 tätig war. Und ich fing damit an, als ein Dozent nach Wolfenbüttel zu fahren, um dort mit anderen Menschen über phantastische Literatur zu sprechen.

Das ist alles dreißig Jahre her; manchmal kann ich es selbst kaum fassen. Umso schöner fand ich deshalb diesen Text.

02 April 2025

Das »Zap« im Bundestag

Wann genau ich Michael Arndt kennenlernte, weiß ich nicht mehr. In den 80er-Jahren las ich das Fanzine »Trust«, bei dem er einer der Macher war; persönlich trafen wir uns Ende des Jahrzehnts bei einem Hardcore-Konzert in Homburg im Saarland. Er trug kurze Haare, lachte nur selten und wurde Moses genannt.

Später trafen wir uns öfter. In den 90er-Jahren waren wir oft miteinander unterwegs. Ich schrieb für das »Zap«, sein zeitweise wöchentlich erscheinendes Heft, wo unter anderem meine »Peter Pank«-Geschichten veröffentlicht wurden. Wir waren bei Chaostagen und Fußballturnieren, wir reisten zu Demonstrationen und sportlichen Veranstaltungen; wir trafen uns auf unzähligen Konzerten. Er pennte bei mir auf dem Fußboden, ich bei ihm, und ich könnte stundenlang Geschichten erzählen.

In den Nuller-Jahren verloren wir uns ein wenig aus den Augen. Und so bekam ich nicht mit, dass er sich neuerdings in der Linkspartei politisch betätigte. Ein soziales Gewissen hatte er schon immer, politische Analysen hatte er bereits früher drauf – was ich jetzt nicht abwertend oder ironisch meinte.

Vor allem bekam ich nicht mit, dass er in den Bundestag gewählt wurde. Tatsächlich wurde mir das auf der Leipziger Buchmesse erzählt, und ich wollte es zuerst nicht glauben.

Aber es ist wahr: Im neuen Bundestag vertritt Dr. Michael Arndt – dass er Arzt geworden war, hatte ich mitgekriegt – das Saarland. Ich bin sicher, dass er diese Aufgabe mit großem Engagement angehen wird. Respekt!

01 April 2025

Gegenspielerin der speziellen Art

Ich mag die Figur des blinden Superhelden Daredevil seit vielen Jahren. Im Marvel-Universum ist er eigentlich die einzige Figur, von der ich regelmäßig Comics lese. Ich kenne mich allerdings nicht aus, vor allem nicht mit den vielen Seitenlinien und anderen »Randprodukten«. Deshalb freute es mich, als in der Reihe »Marvel Must Have« der schöne Band »Daredevil & Echo: Teile der Leere« erschien.

Die Hefte, die diesem Band zugrunde liegen, wurden bereits im Jahr 2000 veröffentlicht; ich hatte sie aber nie gelesen. Mit ihnen wird eine neue Figur eingeführt: Echo ist eine junge Frau, die gehörlos ist und mithilfe von Echos, die sie empfängt, dann doch Geräusche wahrnehmen kann. Damit ähnelt sie dem Handicap des blinden Daredevil und spiegelt es in gewisser Weise.

Die beiden sind am Anfang erbitterte Gegner, und es dauert einige Zeit, bis aus der Gegnerschaft etwas ganz anderes wird. Entwickelt wurde die Figur von dem Autor David Mack, der auch die Texte in diesem Buch schrieb. Mack führt die Figur in starken Szenen ein und lässt sie als Gegnerin mit all ihrer Vergangenheit durchaus glaubhaft erscheinen. Wenn Echo und Daredevil kämpfen – entweder gegeneinander oder mit anderen Gegnern –, ist das aufgrund ihrer jeweiligen Einschränkungen und Gaben immer spannend angelegt.

Für die Grafik sind unterschiedliche Künstler zuständig; insgesamt ergibt sich eine Abfolge starker Superhelden-Szenen. Vor allem die Action-Szenen wissen aus den genannten Gründen immer zu überzeugen. Wer amerikanische Superhelden-Comics mag, wird auch »Daredevil & Echo: Teile der Leere« mögen.

(Ich weiß, dass die Figur der Echo in der Fernsehserie »Daredevil« auftaucht und längst ihre eigene Serie erhalten hat. Aber hier geht's nur um den Comic-Band, den ich mir als schicke Hardcover-Ausgabe gekauft habe.)