19 April 2016

Grimmelshausen und ich

Ich kann’s ja nicht anders sagen, aber ... Die Tatsache, dass ein Text von mir allen Ernstes im Unterricht behandelt wird, erfüllt mich gleichermaßen mit Stolz und Irritiation. Und ich war sehr verblüfft, als ich davon hörte, stellte dann aber gern Texte zur Verfügung. Der Reihe nach ...

Die Lehrerin Alexandra Trinley hat mein Buch und den klassischen Roman »Simplicius Simplicissimus« von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen gemeinsam im Unterrricht behandelt. Wer sich dafür interessiert, findet im Blog »blaetterfluggedankenschnuppendotcom« diverses Material.

Wer übrigens meint, dass der olle Grimmelshausen und ich nicht viel gemeinsam haben, der irrt sich sehr. Im »Simplicius« spielt der Schwarzwald eine Rolle, in dem ich aufgewachsen bin; der Held ist beispielsweise mal am Mummelsee zugange, an dem ich als Kind mit meinen Eltern oft spazieren »durfte«. Zudem ist Grimmelshausen im Schwarzwald gestorben – also alles in relativer Nähe zu mir.

Wenn’s also keinen ernsthaften literarischen Zusammenhang gäbe, wäre zumindest der geografische Zusammenhang gegeben. Da bin ich ja nicht kleinlich. Alexandra Trinley schafft es in ihrem Unterrichtsentwurf darüber hinaus aber, auch zwischen den zwei Romanen sinnvolle und glaubhaft klingende Zusammenhänge zu erstellen, mit denen die Schüler arbeiten können.

»Der Punker Peter Punk, der in den 80er Jahren lebt, und Grimmelshausens namenloser Bauernjunge Simplicius Simplicissimus haben entscheidende Grundzüge gemeinsam«, schreibt Alexandra in ihrem Blog. »Beides sind Antihelden, beide Außenseiter, die von Situation zu Situation schlittern und hierdurch Einblicke in ihre jeweilige Gesellschaft ermöglichen.« Na gut!

Wenn bei einem Text, den ich verfasst habe, Aufgaben wie »Unterstreichen Sie die Personifikationen und erläutern Sie ihre Wirkung« auftauchen, finde ich das irritierend. Oder auch: »Markieren Sie Verben und Adjektive, die zusätzliche Bildlichkeit einbringen.« Da kann ich nur hoffen, dass die Schüler nicht gar zu sehr abgeschreckt werden.

(Wer sich in das Thema ernsthaft einlesen möchte, findet auf ihrem Blog sowohl die Unterrichtsanalyse als auch die Arbeitsblätter.)

1 Kommentar:

Alexandra Trinley hat gesagt…

Das Zurückschrecken der Schriftsteller vor der Analyse! Die Stilmittel sind gar nicht schlimm. Sie werden nur zu oft falsch unterrichtet. So dass man ein Gedicht als ein Ding voll Stilmittel lernt, das man interpretieren muss, ehe überhaupt ein eigener Zugang zu Worten gefunden wurde.

Den Schülern erkläre ich meist, dass die Stilmittel Dosenöffner sind, durch die man unter die Oberfläche des Textes gelangt. Umgekehrt sind sie eine große Hilfe beim Schreiben: Paar Stilmittel an die Tafel und dann ein Frühlingsgedicht schreiben lassen oder eine kleine Geschichte, in der sie die selbst eingebauten Stilmittel unterstreichen – auf diese Weise ist es ziemlich leicht, eigene nette Texte zu schreiben, die auch was hermachen.

Wir haben uns übrigens inzwischen an paar Blogbeiträgen von dir vergriffen ... Komposition und Wortschatz analysiert und so, und imitiert. Die haben so was von interessanten Ergebnissen dabei. Durch aktives Nachahmen erfasst man immer noch am besten.