28 März 2011

Entmappt

Der gestrige Sonntag abend brachte glatt einen spannenden Wahlkrimi ins Fernsehen: Immer wieder schaltete ich die Glotze an, um zu gucken, wie die Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ausgehen würden. In den beiden Ländern wird es wohl eine rot-grüne oder eben grün-rote Regierung geben, und diverse Menschen faselten bereits von »historisch« und anderem.

Ich gestehe: Ich habe mich gefreut. Ich gehöre nämlich zu den bisherige Nichtwählern oder Ungültigwählern, die ihr Kreuz nicht »für« eine Partei gemacht haben, sondern klar »gegen«. Mir ist fast egal, ob der trockene Grüne oder der faselnde Sozi das Land regieren, mir war wichtig, dass Mappus seinen Posten verliert. Und das hat geklappt, dafür mache ich gern mal ein Kreuz in der Wahlkabine.

Am meisten habe ich mich darüber gefreut, dass die Liberalen in Rheinland-Pfalz aus dem Parlament geflogen sind; schade, dass sie in Baden-Württemberg drin geblieben sind. Als ich mich anfangs der 80er Jahre ernsthaft für Politik interessierte, waren in der FDP noch honorige Menschen, die klare politische Ziele hatten. Davon ist nicht mehr viel übrig, und ausnahmsweise gab's dafür eine Quittung.

Lustig ist jetzt, wie sich der Widerstand entwickelt. Bei Facebook formiert sich bereits eine Gruppe namens »Wir wollen Mappus zurück«, bei der ich mir anfangs nicht sicher war, ob das nicht satirisch gemeint ist.

Lese ich aber Aussagen wie die folgenden, komme ich mir vor wie im falschen Film: »Wieder hat die linke Presse einen großen Politiker geschasst«, schreibt Siegfried. »Erst Guttenberg und jetzt werden schon Wahlen manipuliert.« Genau so solle »die Regierung gestürzt werden«, der Mann hat augenscheinlich Angst vor den »Wahnsinnigen von Grün/Rot«.

Auch gut: »mappus hatte niemals eine chance, vor allem, wenn man das geistig hohe diskussionsniveau von den grünen betrachtet.« Aha. Der Mann hatte also keine Chance, weil die Grünen so doof sind - auf so eine logische Wende muss man erst einmal kommen ... Manchmal macht es richtig Spaß, sich auf Facebook-Seiten zu tummeln.

Kommentare:

My. hat gesagt…

Ja, Mappus, der Vielgeliebte. Ach, war er nicht so ein Noname wie Ahlhaus in Hamburg? Der kurz da war, übernehmen mußte, weil jemand anderes ging, und dann in der Versenkung verschwand ... verschwinden wird, aus der er niemals zurückkehren wird? Mappus? Ahlhaus? Sch*** drauf?

(Und diese Facebooker - zu denen ich auch gehöre - ... Wenn du denen eine Gruppe "Ich will meinen Dünnschiß von gestern zurück" anbietest, kriegst du auch 2- bis 3stellige "Freundes"zahlen. Hundertpro. Bei zu Guttenberg war das aufgrund seiner medial hervorgehobenen und mitzuverantwortenden "Beliebtheit" noch nachvollziehbar. Bei "Mappus" nicht mehr. Und in Rheinland-Pfalz wäre sogar das gleiche mit "Skandal-Beck" passiert, wenn er nicht noch mal so eben die grün ausgekleidete Kurve gekriegt hätte.)

My.

Bernhard hat gesagt…

Sag mal, als Nicht-BW'ler gefragt: hat Dir dieser mir im Grunde unbekannte Mappus irgendwas persönlich getan?
Sorry, aber irgendwie höre ich überall nur ein "boah, der Mappus", "bäh, der schleimige Guttenberg", "der fette Gabriel" oder "Roth, die Jammertante".
Wenn wir unsere politische Landschaften zukünftig nur noch nach Sym- und Antipathien stricken wollen (anstatt nach so einer irrsinnigen Idee wie Inhalten) könnten wir die ganzen Wahlen doch einfach von einem Dreier-Gremium entscheiden lassen: Detlef Soost für Tanzen, Dieter Bohlen für den Gesang und Claudia Schiffer für's Aussehen. Würde uns vielleicht allen eine Menge ersparen...
Grüße, Bernhard.

Enpunkt hat gesagt…

An Bernhard: Mit Mappus habe ich persönlich keinerlei Probleme, ich kenne den Mann nicht. In der langen Reihe baden-württembergischer Ministerpräsidenten, die ich mitbekommen habe, erschien er mir aber als der unfähigste: ein Streithansel, der denkt, dass ihm die Welt gehört. Natürlich geht's da um persönliche Sympathie (die Herren Gabriel und Guttenberg sowie die Dame Roth finde ich im übrigen ebenfalls schrecklich) - aber nach Inhalten braucht man bei diesen Leuten eh nicht mehr zu fragen.