13 Januar 2010

Nachdenklichkeits-Pop


Seit geschätzten zwanzig Jahren gehören die Boxhamsters zu meinen musikalischen Wegbegleitern; ich weiß nicht, wie oft ich sie live gesehen habe, und ich habe wahrscheinlich all ihre Platten. Von daher kann die aktuelle LP »Brut Imperial« eigentlich keine großen Überraschungen für mich bereit halten. Das geht letztlich schon beim geschmackvollen Cover los und endet nicht bei der schönen Gestaltung des Textblattes.

Textlich ist die Platte ganz groß. So singt Co im Stück »1982« mit nöliger, leicht depressiv klingender Stimme von der Zeit, in der er 17 Jahre alt war ... »im Jahr, als Alex Harvey starb« - und ich bin sicher, dass die meisten Leute heute nicht mehr wissen, wer das überhaupt war. Ziemlich traurig klingt es in »Der 3. Ton«, wenn die Band über ihre »verlor'nen Jahre« singt, »wir waren lang genug dabei« postuliert und »ein letzter Punkrocksong muss sein« verkündet.

Musikalisch ist das alles schon lange kein Punkrock mehr. Wer mag, darf immer noch die Emo-Schublade aufmachen, und kewle Indie-Kids dürfen die Band ebenso für sich vereinnahmen. Die Stücke sind meist ruhig, sieht man bei gelegentlichen Rock-Ausflügen etwa bei »Herzigel« ab, gehen aber unter die Haut. Wer wie die Herren aus Gießen schon so lange dabei ist, kriegt das hin, ohne dass es peinlich oder abgeschmackt wirken könnte.

»Brut Imperial« ist eine nachdenkliche Platte, die mich beim ersten Anhören nicht begeisterte, die sich dann aber in mein Ohr fraß. Klasse.

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