19 Februar 2012

Mir fehlen die Worte

Mir wird ja neuerdings unterstellt, ich gehörte zur »Contentmafia«, was immer das heißen soll. Wahrscheinlich ist damit gemeint, dass ich für die Rechte von Urhebern streite - und damit meine ich in diesem Fall die Autoren und die Verlage. Während die einen ihre geistige Arbeit investieren, stecken die anderen ebenfalls eine Reihe von Arbeiten hinein, damit aus einem Manuskript ein Buch wird.

Aber heute platzte mir die Hutschnur. Auf einer dieser Seiten, wo man gestohlenes Material erhalten kann (was ja neuerdings als selbstverständlich betrachtet wird), bietet einer im Prinzip das gesamte PERRY-Programm plus haufenweise anderer Dinge an; auch Sachbücher von Hawking und dergleichen.

Das hätte mich nicht mal so gestört; an solche Auswüchse bin ich ja mittlerweile gewöhnt. Wer etwas dagegen sagt, wird dann bekanntlich von Aktivisten und Anhängern der Piratenpartei der sogenannten Contentmafia zugezählt.

Nur: Dieser Mensch schreibt auch noch stolz »Cover, Metadaten, nachgeschliffen und korrigiert.« Und er bedankt sich: »an die Vorarbeiter, Scanner und Kontrolleure!!!« Er bedankt sich nicht bei den Autoren, die können seiner Ansicht nach wohl verrecken.

Kommentare:

Frank Böhmert hat gesagt…

Ist doch keine Schande, Contentmafia zu sein. Vielleicht mache ich mir mal so ein T-Shirt.

Erik N. hat gesagt…

Das wirklich Schlimme ist ja, dass die Leute, die illegal kopieren, scannen, duplizieren und im Netz verbreiten, nicht einmal das geringste Schuldbewusstsein haben. Auf deutsch gesagt sind es Diebe und Kriminelle - nur nennen darf man sie so nicht, dann gehört man wie du eben gleich der "Contentmafia" an. Mit anderen Worten: Derjenige, der im Netz seine Rechte verteidigt, wird zum Bösen abgestempelt.

Jonas hat gesagt…

*lol*

Immer schön wenn Leute plötzlich farbenblind werden und es nur noch schwarz und weiss zu geben scheint.

Aber geschriehen ist halt schnell. Und natürlich sind immer die anderen die bösen.

Fakt ist doch folgender, durch diesen illegalen "Freecontent" weden doch eher Leute angefixt eventuell doch mal PR zu kaufen, als solche die den Content wirklich nur noch "frei" runterladen und dafür ihr Abo kündigen.

Der Fehler den die "Contentmafia" macht ist, dass sie sich schönrechnen, dass jeder "Downloader" ein echter wäre. Doch das ist Unsinn.

Oder habt ihr früher alle Platten gekauft von Songs die ihr von Radio auf Casette aufgenommen habt??

Ich nicht.

Des Weiteren, das mit der Piratenpartei schreit sich leicht, ist aber falsch.

http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Urheberrecht_und_nicht-kommerzielle_Vervielf.C3.A4ltigung

liest sich etwas differenzierter und durchaus sinnvoll.

Anonym hat gesagt…

Mich würde in dem Zusammenhang mal interessieren wie das mit der Vergütung der Autoren bei den "Neuveröffentlichungen" so ist.
Sprich es werden ja die "alten" PR-Hefte als ePubs veröffentlicht (was ich eine Supersache finde!). Bekommt der Autor davon auch eine Vergütung?
Oder wenn ein aktuelles Heft in ein paar Monaten wieder verkauft wird (bei ePubs erübrigt sich ja ein Nachdrucken....) ?

oli hat gesagt…

Autoren? Wieso, die werden doch von den Verlagen gut bezahlt, oder?

ralph hat gesagt…

meine güte, so eine reaktionäre scheisse, am besten gleich die inquisition auf den hals hetzen, was? mensch, so eine katholisch-moralinsaure argumentation habe ich schon lange nicht mehr gehört,diebe, kriminelle bla bla, hört euch doch mal selbst zu, bestes bzw. schlimmstes bild-niveau! was soll denn bitte ein "geistiges eigentum" sein? kann mensch gedanken (eben auch litaratur) auch noch in wertsysteme sprich euro fassen? dass autoren, verlage, künstler etc. auch (über-)leben müssen ist klar, dass der perry-rhodan-"dieb" den klaus erwähnt ziemlich unverschämt zu sein scheint, auch klar. aber solcher senf ist einfach nur fürn arsch...

Frank Böhmert hat gesagt…

Und drum gilt es, sich das Wort anzueignen! Freak, Punk, Schwuler, Lesbe - das waren alles mal Schmähworte. Wenn ich die Zeit finde, mache ich mir für die Leipziger Buchmesse ein T-Shirt, auf dem steht: "Autor, also Contentmafia"

Enpunkt hat gesagt…

An Anonym: Solange ich zu entscheiden habe, werden die Autorenrechte verteidigt. Sprich, die Autoren bekommen ihr Honorar für eine Lizenz, wie es sich auch gehört.

Ich finde bei der ganzen Diskussion bezeichnend (auch bei einigen der Aussagen hier), dass ich so ein Gerede von irgendwelchen Controllern schon gehört habe: »Die Autoren haben doch ihr Geld erhalten, die brauchen kein zweites Mal ihr Geld.«

Frank hat gesagt…

An Anonym: Solange ich zu entscheiden habe, werden die Autorenrechte verteidigt. Sprich, die Autoren bekommen ihr Honorar für eine Lizenz, wie es sich auch gehört.

Das beantwortet aber die Frage nicht. Ich komme nicht aus dem Verlagswesen und habe keine Vorstellung davon wie denn so eine "Lizenz" aussieht.
Daher war die Frage rein "informativ" gemeint.
Konkreter:
Wie ist das wenn jetzt, sagen wir mal, Heft 1000 als ePub neu erscheint. Bekommt W.Volz (bzw. seine Erben) dann nochmal ein Honorar?
Ist das gleich wie wenn ein aktuelles Heft (2635) neu erscheint (direkt gedruckt und als ePub) ?
Wie sieht die Lizenz denn aus (pro 1000 downloads, für alle Zeiten) ?

Erik N. hat gesagt…

Jan Weiler hat in seiner Kolumne "Mein Leben als Mensch" einmal die schöne Frage aufgeworfen, warum es dieses Anspruchsdenken gibt, geistiges Eigentum und geistige Leistung im Internet umsonst haben zu wollen. Er fragte ganz konkret: "(Verlangen Sie beschenkt zu werden) Von dem Anwalt, der Sie wegen der Raubkopien auf Ihrem Rechner vor Gericht verteidigen soll?"

Vielleicht bin ich ja wirklich naiv, aber wenn ich etwas herstelle, das sich ein anderer aneignet und dann für lau weiter verbreitet, dann ist das kriminell. Ganz abgesehen davon, dass es einfach respektlos ist und eine Missachtung für die Leistung des Erschaffers.

Enpunkt hat gesagt…

An Frank:

Bitte entschuldige, wenn ich die Frage nicht korrekt beantwortet habe. Um die Nachfrage jetzt hoffentlich konkreter zu beantworten:

Wenn wir Band 1000 von William Voltz in irgendeiner Weise »zweitverwerten«, fließt dafür ein Honorar an die Erben. Das ist so vertraglich geregelt. Dabei ist egal, ob dieser Roman im Silberband 119 nachgedruckt wird, ob er in den Niederlanden als Heftroman erscheint oder ob wir ihn als Epub anbieten.

Dieses Honorar errechnet sich dann nach den verkauften Stückzahlen: Je mehr verkauft wird, desto mehr Honorar erhält der Autor bzw. erhalten in diesem Fall seine Erben.

(Es gibt womöglich unterschiedliche Verrechnungsmodelle, aber das sind jetzt Interna, die ich hier nicht unbedingt diskutieren und preisgeben möchte. Aber grundsätzlich gilt: Jede Weiterverwertung des Originalstoffes, sprich des geistigen Eigentums des Autors, bringt diesem oder seinen Erben ein Honorar.)

oli hat gesagt…

Dass sich Verlage immer so schön als Verteidiger der Autoren gerieren, ist schon etwas penetrant. Primär gehts ihnen dabei um die eigenen Pfründe. Was kriegt der Autor schon vom Verkaufspreis?

Enpunkt hat gesagt…

Ach Oli, das ist auch so dämliches Piratenpartei-Gequatsche: Mit der Behauptung, die Verlage würden die Autoren ausbeuten, kann man bekanntlich immer den Diebstahl an den Inhalten legitimieren.

Das Gerede vom Verkaufspreis ist buchhalterischer Unfug. (Wieviel Prozent vom Verkaufspreis Deines Autos hat denn der Mechaniker erhalten? Wieviel der Konstrukteur?) Das weiß auch jeder, der die Grundrechenarten beherrscht.

Jonas hat gesagt…


Wenn wir Band 1000 von William Voltz in irgendeiner Weise »zweitverwerten«, fließt dafür ein Honorar an die Erben.

Das ist so ein Punkt. Weshalb müssen solche Werke 70 Jahre lang geschützt sein? Das ist schlicht nicht mehr zeitgemäß. In einer Zeit in der Texte schneller durchs Internetgetrieben werden und wieder Nirwana als sie früher gedruckt werden konnten?

Keiner will, dass der Urheber nicht mehr von dem leben kann für das er arbeitet. Es kann aber nicht sein, dass Zwischen"händler" sich ewig die Taschen vollstopfen.

Des Weiteren, was ACTA und den Protest dagegen betrifft, hast du gestern Stuckrad Late Night bei ZDF-Neo gesehen? Schau's dir mal an, vor allem was Fr. Weisband dazu sagt.

Ach Oli, das ist auch so dämliches Piratenpartei-Gequatsche

Klaus, welcher Priat ist dir denn nur über die Leber gelaufen? Du kannst doch schlechterdings behaupten VPM arbeite für den guten Zweck oder weil die Autoren dem Verlag am Herzen liege. *LOL* VPM arbeitet für die Dividende der Aktionäre, für nix sonst. Wenn deine Redaktion nimmer effizient ist dann wird sie entlassen. So ist die Welt mittlerweile.

Erik N. hat gesagt…

@ Jonas: Verzeihung, wenn ich dir damit auf den Schlips trete, aber dein letzter Absatz ist neo-kommunistisches Gesülze. Was wirfst du VPM vor? Dass sie Geld verdienen will? Na und? Wer will das nicht? Du übersiehst dabei nämlich etwas: Da leben nicht nur die Aktionäre und Anteilseigner wie die Maden im Speck, sondern auch die Autoren, die Redakteure, die Lektoren, die Setzer, Drucker, DTP-Mitarbeiter, Vertriebsmitarbeiter, ja sogar die Sekretärinnen, Putzfrauen und wer weiß wer alles noch. Vergisst du die etwa? Oder willst du behaupten, dass die Einnahmen einer Zweitverwertung ausschließlich in die Taschen der bösen Verlagschefs fließt?

Und eine Frage hätte ich: Wieso ist ein 70jähriger Urheberschutz nicht mehr zeitgemäß? (Vor allem: nicht MEHR?)

Christian Montillon hat gesagt…

Jonas schreibt: "Keiner will, dass der Urheber nicht mehr von dem leben kann für das er arbeitet."

Ein hochinteressantes Argument dafür, dass man Sachen illegal downloaded. Wirklich.

(Und ja, jetzt kann das Geschwalle losgehen, dass der Monti ein Jasager und Arschkriecher bei seinem Chefredakteur ist - mir egal. Ich seh mich tausendmal lieber von meinem Verlag zweitverwertet als illegal downgeloaded.)

Hallo, wer will, dass die Urheber leben können, der soll sich überlegen, was besser ist für den Urheber: entweder XX Prozent vom Verkaufspreis oder nix.
Ich persönlich wähle die XX Prozent.

Schließlich tue ich persönlich nix dafür, dass das ebook erstellt wird, vertrieben wird, eingestellt wird, abgerechnet wird. Oder das Hörbüch eingelesen, hergestellt, vertrieben, digitalisiert.

Diese ganzen Schritte (und es gibt sicher noch ein paar mehr) sollen auch bezahlt werden. Geht sicher nicht, wenn alle illegal downloaden.

Jeder Autor, ich auch, wird dir darüber hinaus sagen, dass der Verlag durchaus weniger kassieren könnte als es so ist, und dass der Autor gern ein paar Prozent mehr haben könnte. Aber wir wollen mal auf dem Teppich bleiben.

Und das ach so großkotzige Gehabe der Downloader, die damit sagen, welchen großen Gefallen sie doch den Autoren tun ... das kotzt mich an.

Anonym hat gesagt…

OK, wenn einer jetzt frisch einsteigt und über Nacht ALLE PR "braucht", dann muss er wohl mit seiner Bank reden. Vielleicht erliegt er auch der Versuchung. Vielleicht teilweise.
Habe da eine klarere Einstellung, was den Bereich Musik betrifft, hier haben wir ja auch historische Analogien, von wegen Kopien der LP auf Kassetten etc.. Hatte damals zwar nicht sooo viele MCs, aber andererseits waren als Schüler auch nicht mehr als 2, 3 Alben pro Jahr drin. Und da habe ich halt lange überlegt, ob ich etwas haben muss.
(Bücher kopieren war ja damals überhaupt kein Thema.) Was mich aber völlig anzipft, sind die Typen, die fleißig saugen, aber NIE auch nur ein Album oder einen Song kaufen. Und stolz drauf sind. Wxxxer.
Andererseits: "Angefixt": Vor Jahren sind mir digital die alten PR Cassetten zugelaufen. Schrecklich, nicht anhörbar, wieder gelöscht. Aber PR war wieder in meinem Schädel, und ich weigere mich, mir auszurechnen, wieviel ich seither auf für eBay, Heyne TB, ebooks (PR, PRA, Atlan, Neo...) ausgegeben habe. Für Sachen, die ich wohl nie alle lesen werde.

Ein "bisserl sharen" wird die Welt wohl nicht gleich umbringen, mal reinhören, reinlesen. (Und woher sollte man auch sonst die Bootlegs der zig Konzerte seiner Lieblingsbands bekommen, die verkauft uns doch keiner!)

Aber bei systematischem Kopieren/Verbreiten von Dingen, die ohnehin erhältlich sind, hört sich der Spaß auf. Vor allem, wenn dann noch zumindest indirekt Geld verdient wird mit der Werbung auf diesen Sites.

"2008"
PS.: Bei der Formulierung hier "Beweisen Sie, dass Sie kein Robot sind" fühlte ich mich kurz als Dick-Figur.