09 Dezember 2011

Conmoto lassen's krachen

Die Band Conmoto ging aus der Asche von Bubonix hervor; ich sah die drei Männer und eine Frau im Herbst 2011 auf der Bühne der »Alten Hackerei« in Karlsruhe. Da zelebrierten die ein anständiges Brett aus Hardcore-Punk und Melodie, und ich kaufte mir prompt ihre Langspielplatte.

Die heißt »Cut Cut Cut«, und die ist richtig saugut! Und zwar so richtig! Zwischen wütendem Gebrüll und sauberem Gesinge pendelt die Stimme der Sängerin, dazu wird musikalisch mal drauflos geknüpppelt, aber eben auch mal mit Breaks und wuchtigen Melodien gebastelt. Das ist meist schnell, aber immer abwechslungsreich – und einige Stücke fressen sich erst nach dem dritten Anhören ins Ohr.

Conmoto haben mich jetzt zweimal überzeugt: einmal live, einmal auf Platte. Das ist ein sauguter Schnitt, und da bin ich mal gespannt, wie das weitergeht ...

08 Dezember 2011

Mich gibt es bei Apple

Mein Buch »Das Tier von Garoua« ist seit 2007 im Buchhandel erhältlich. Wie es sich für ein kleines Buch in einem eher kleinen Verlag gehört, verkauft es sich eher schleppend. Afrika-Geschichten sind nichts, womit man viel Geld verdienen kann.

Was ich aber gut finde: Das Buch ist jetzt auch über iTunes zu kaufen. Wie heißt es so schön? »Dieses Buch ist auf Ihrem iPhone, iPad oder iPod touch mit iBooks und auf Ihrem Computer mit iTunes zum Download verfügbar.«

Ich selbst verfüge über keines dieser Geräte und bin derzeit noch nicht so weit, dass ich mir eines davon zulegen werde. Aber irgendwie finde ich es ja trotzdem »très chic«, bei so einem modernen Zeugs mit so was altmodischem wie einem Buch vertreten zu sein ...

07 Dezember 2011

Glatzenheft aus Österreich

Endlich habe ich mal wieder eine Ausgabe von Oi! The Print gelesen, so richtig von vorne bis hinten. Es war die Nummer 33 des österreichischen Skinhead-Fanzines, das sich aus politischem Hickhack komplett raushält und dafür gelegentlich kritisiert wird. Ich lese das Heft gerne, stolpere allerdings gelegentlich über Bands, bei deren Aussagen ich mich doch sehr wundere.

In der Nummer 33 fand ich den Rückblick »War früher alles besser?« interssant. Musiker von den Ami-Bands Generators und Turbo ACs plauderten aus ihrer Jugend. So was lese ich stets lieber als irgendwelche Interviews.

Wobei ich die in diesem Heft ebenfalls meist lesenswert finde. Die alten Herren von Major Accident oder die auch nicht mehr taufrischen Herren von Supernichts kommen ebenso zu Wort wie die Schweden von Agent Bulldog oder Perkele.

Ein Fanzine, das über Skinheads in Sao Paolo, also in Braslien, ebenso berichtet wie über Falco oder Wolfgang Amadeus und Mozart – das finde ich von der Zusammenstellung her schon mal gut. Dazu kommt ein ansprechendes Layout, durchgehend lesbare Texte sowie ein hervorragender Druck.

Ach ja, eine CD ist ebenfalls dabei, die ich peinlicherweise noch nicht mal angehört habe. Mache ich noch. Mittlerweile ist eh schon die nächste Ausgabe da ... puha. Bestellen kann man die Hefte über die Homepage oder über diverse Versender.

06 Dezember 2011

Hassliebe zu McDoof

Meine ersten Hamburger aß ich im Café Achteck in Freudenstadt. Dabei handelte es sich um einen ehemaligen Kiosk, der in den 70er-Jahren von einem »Ausländer« geführt wurde, mutmaßlich einem Jugoslawen, und in dem wir Jungs nach der Schule gerne mal einen Hamburger oder Pommes futterten oder von ihm auch mal ein Bier kaufen durften. Das Wort Hamburger sprachen wir selbstverständlich deutsch aus und wunderten uns, was die Stadt Hamburg mit dem Fleischklops zu tun hatte.

McDonald's kannten wir damals noch nicht. Dabei ist diese Kette seit 1971 in Deutschland vertreten. Das erste Mal futterte ich 1981 bei McDonald's; es war in der Filiale in Stuttgart, die mitten in der Fußgängerzone lag, und für mich, der ich aus einem Dorf im Schwarzwald kam, war das fast ein Paradies.

Später wurde es schick, McDonald's scheiße zu finden. Ein Buch von Günther Wallraff, in dem er die Arbeitsbedingungen unter anderem bei dieser Kette schilderte, trug dazu bei; zudem gehörte die Firma zur amerikanischen Massenkultur, und die hatte man in den 80er-Jahren zu hassen.

Wenn ich McDonald's aufsuchte, geschah das zu der Zeit aus einem einzigen Grund: Die Toiletten waren sauber. So war es vom Kaiserplatz in Bonn, damals Treffpunkt der Punk-Szene, ein Leichtes, sich beim »McDoof« aufs Klo zu setzen. Und bei Auslandsreisen bot die Firma stets ordentliche Klos – als ich anno 1983 in Avignon mit fürchterlichem Durchfall strandete, war McDonald's richtig wichtig.

Seit den frühen 90er-Jahren bin ich Vegetarier, dennoch besuchte ich immer wieder McDonald's. Ich bin nicht religiös, und mir ist der moralische Gehalt der Kette zumeist egal.

Nicht nur bei meinen Aufenthalten im Ausland – Frühstück in Chicago zum Sound von »Chattanooga Choochoo« –, sondern auch bei Reisen durch Deutschland war ich »drin«. Teilweise musste ich, weil die Reisebegleiter einen Anfall von »ich mag jetzt einen Burger« hatten, teilweise, weil ich nachts um zwei Uhr auf der Autobahn noch Lust auf Pommes mit Mayo bekam.

Langer Rede kurzer Sinn: Vierzig Jahre gibt's jetzt McDonald's in Deutschland. Dazu muss ich nicht gratulieren, aber ich nehme es ohne Groll zur Kenntnis.

05 Dezember 2011

Deutschpunk-Klassiker

Es war nicht unbedingt eine Radiosendung der künstlerisch hochwertigen Töne: Am gestrigen Sonntag abend, 4. Dezember 2011, standen bei mir Deutschpunk-Klassiker auf dem Programm im Freien Radio Querfunk. Wobei ich den Begriff Deutschpunk sehr großzügig auslegte – die Bands mussten nicht unbedingt in deutscher Sprache singen.

Mit den Neurotic Arseholes und Rotzkotz spielte ich immerhin zwei Bands, die ich schon vor über 25 Jahren gut fand. Den Ausgleich liefern dann Der Fluch, die ich 1982 schon doof fand, die aber einfach dazu gehören.

Bildstörung aus Frankfurt finde und fand ich gut, wenngleich Puristen einwenden dürften, das sei »kein echter Punk«. Das gilt erst recht für Xao Seffcheque: Am Tag davor schrieb ich noch, ich wüsste nicht, ob ich das dem Publikum zumuten kann – und jetzt brachte ich das Stück »Happy New Wave« dann doch.

Abgerundet wurde die Sendung durch Aheads, Daily Terror und Normahl. Und Normahl fand ich in den 80er-Jahren richtig klasse; dieses Gefühl ging dann aber schnell verloren. In so einer Sendung sind die Jungs aus Winnenden auf jeden Fall bestens vertreten.

04 Dezember 2011

Happy New Wave und der Punk-Supermarkt

Vor dreißig Jahren kam die Single »Happy New Wave« raus, heute habe ich sie mir endlich mal wieder angehört. Ich überlegte mir, sie im Radio zu spielen, entweder die eine oder die andere Seite – aber das ist völliger Unfug: Niemand versteht heutzutage mehr die zahlreichen Witze auf dieser Single.

Eingespielt wurde sie von Xao Seffcheque, der damals auf vielen Platten zugange war. Unter anderem brachte er auf dem Label Zick Zack den Sampler »Sehr gut kommt sehr gut« heraus, auf dem er allerlei Bands präsentierte – diese Bands gab's in der Form aber nicht. Und als Beilage gab's die Single, die als »Zwick Zwack 01« erschien.

»Happy New Wave« ist eine Verarsche der damals üblichen Sampler von K-Tel und anderen Labels. Der Plan, Palais Schaumburg, ZK, Kosmonautentraum oder Östro 430 sind zu hören; das alles unter »der Knüller von K-Tel«. Schön sind veränderte Textzeilen wie »Wir sind die Hippies von morgen«.

Der »Punk-Supermarkt« auf der B-Seite stellt eine Szene nach, in der sich ein Kunde im Plattenladen über neue Punk- und Neue-Deutsche-Welle-Platten beraten lässt. Eine Mischung aus Hörspiel und eingebauten Song-Stücken. Besonders schön ist dann der letzte Satz, der sich mehrfach wiederholt: »Wieviel Platten wollt ihr denn noch kaufen?«

Die Single gefällt mir heute noch; ich fand es witzig, sie nach so langer Zeit wieder anzuhören, und ich erinnerte mich an viele Elemente daraus. Aber wollte ich das im Radio spielen, müsste ich unglaublich viel erläutern ... obwohl ... ich denke darüber nach.

03 Dezember 2011

Peter immer noch in Nagold

Das hundertste OX rückt mit riesigen Schritten näher – dieser Tage flatterte mir die Ausgabe 99 des Punkrock-/Hardcore-Fanzines ins Haus. Wieder ist mein Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!« mit einer aktuellen Folge enthalten, diesmal wieder mit der Standardlänge und nicht unter den Problemen beruflicher Überlastung leidend.

Nach wie vor geht es um die Abenteuer des mehr oder weniger verpeilten Helden namens Peter Pank. In der aktuellen Folge 35 ist er immer noch in Nagold, der kleinen Stadt im Nordschwarzwald, die 1987 so etwas wie eine Hardcore-Metropole war.

Es geht allerdings weniger um Hardcore. Stattdessen reden Peter Pank und eine junge Punkette namens Chris viel, und es kommt – um es schön verbrämt zu sagen – zu einem Austausch von Zärtlichkeiten. Wer mehr wissen will, muss wohl das OX lesen oder eben auf das irgendwann hoffentlich fertige Buch warten.

02 Dezember 2011

Ausflug in den Schmetterling-Park

Erinnerung an Malaysia im Jahr 1999

In Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysia, fühlte ich mich in diesem Januar 1999 richtig wohl. Ich unternahm mit Bahn und Bus viele Ausflüge, war auch zu Fuß unterwegs: In der Chinatown wohnte ich verkehrs- und preisgünstig.

So beschloss ich, mir auch mal Taman Rama Rama anzuschauen, den Kuala Lumpur Butterfly Park. Man sagte mir, ich sollte früh dort sein, weil man ab acht Uhr die Tiere am besten beobachten könnte; zudem sei dann noch nicht so viel los.

Ich schaffte es tatsächlich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln pünktlich dort zu sein. Es war ein Zoo, aber einer, in dem es praktisch nur Schmetterlinge und schöne Pflanzen zu gucken gab. Für zwei, drei Stunden war das ein richtig tolles Programm, bei dem ich mich wunderbar unterhielt. Es gab wunderbare Schmetterlinge zu sehen, viele mit grellen Farben, manche richtig groß.

Außer mir tummelten sich viele Malaysier in dem Zoo: Chinesen und Inder. Ein junger Mann trug ein T-Shirt mit einem riesigen Hakenkreuz auf dem Bauch – aber das hat in Malaysia bekanntlich eine andere Bedeutung als in Deutschland.

Ab elf Uhr kamen die Busse mit den europäischen und amerikanischen Reisegruppen, und der Zoo fühlte sich mit dem Kreischen von Kindern, dem hektischen Auftreten von Schritten und dem rasenden Klicken unzähliger Kameras. Ich machte, das ich wegkam – den Schmetterling-Park behielt ich aber in guter Erinnerung.

01 Dezember 2011

Im Rimelin zu Durlach

Manchmal hilft es, den spontanen Vorschlägen von Freunden zu folgen: »Es gibt da ein neues Restaurant in Durlach; wir waren da kürzlich, ohne vorher davon gehört zu haben. Wollt ihr heute abend nicht mitkommen?« Und so fuhren wir zu fünft nach Durlach, wo wir das »Rimelin« ansteuerten, das sich als »Restaurant Mediterran« bezeichnet. (Es gibt übrigens reichlich Parkplätze im Innenhof, und im Sommer lockt eine Dachterrasse!)

Der Innenraum des Restaurants war groß und - an diesem Abend - recht leer. Die Bedienung war freundlich und wirkte kompetent, der Service stimmte. Den Weintrinkern schmeckte der Wein, ich blieb bei einem Bier und stieg danach auf Antialkoholisches um (einer muss ja fahren ...).

Wir nahmen gemeinsam eine Vorspeisenplatte, die für fünf Leute ausreichend an Häppchen bereithält; für zwei Personen könnte das übrigens schon einen volle Mahlzeit sein. Danach gab's Hauptgerichte von Maronengnocchi über Schweinefilet bis hin zur Dorade; alles schmeckte lecker, und die Preise waren absolut im Rahmen.

Mit vollen Mägen und in bester Laune schieden wir. Das »Rimelin« kommt auf die Liste der Restaurants, die wir sicher wieder ansteuern werden. Ein echter Tipp!

30 November 2011

Der Kommissar als Antisemit

Die Romane um den vor allem in Paris, aber auch in ganz Frankreich ermittelnden Kommissar Maigret wurden vor allem in den dreißiger Jahren geschrieben. Antisemitische Vorurteile waren zu dieser Zeit nicht nur in Deutschland üblich; auch Georges Simenon, der Autor der Maigret-Romane, hielt nicht viel von Juden. Dem eigentlich spannenden Roman »Maigret und der Verrückte von Bergerac« verleiht das eine unangenehme Note.

Eigentlich will Maigret in diesem Roman einen gemütlichen Urlaub in der Dordogne verbringen, also in Südfrankreich. Doch dann wird er im Zug in einen seltsamen Fall verwickelt, in dessen Verlauf er angeschossen wird. Die nächsten Wochen verbringt er in einem Krankenbett der Kleinstadt Bergerac.

Dort treibt ein Mörder sein Unwesen, der Frauen überfällt und umbringt. Man glaubt, es handle sich bei ihm um einen Verrückten – und Maigret beginnt, sich in die Ermittlungen einzumischen. Das ist nicht einfach bei einem Mann, der sich nicht aus dem Bett bewegen kann und anfangs sogar selbst als Mörder verdächtigt wird ...

Der Roman ist wieder einmal ungewöhnlich von der Struktur her, zugleich spannend bei der Ermittlungsarbeit. Klischees über Juden, ihr Verhältnis zu Geld oder zu ihrer Familie nerven gelegentlich. Sie sind aber nicht handlungstragend und können getrost überlesen werden.

Ich finde es richtig, dass diese Klischees im Buch geblieben sind und nicht einer politischen Korrektheit zum Opfer gefallen sind: Simenon schrieb seine Romane zu einer Zeit, als derartige Klischees und Denkweisen weit verbreitet waren.

So bleibt unterm Strich: Die Maigret-Romane fesseln mich jedes Mal aufs neue – und ich verzeihe dem Kommissar sogar eine völlig unverzeihliche Denke.

29 November 2011

Mit Jan gegen die Welt


Ich war selten zuvor so pünktlich: Die Lesung im Regierungspräsidium Karlsruhe sollte um 20.15 Uhr beginnen, und ich war exakt zu dieser Zeit vor Ort. Bis ich mein Rad abgestellt und abgeschlossen hatte und im Innern des Gebäudes war, dürfte es maximal 20.16 Uhr gewesen sein. Und die Verantaltung fing genau zu dieser Minute an – whow!

Jan Brandt, der Autor von »Gegen die Welt«, präsentierte sein Buch, und der Raum war gut gefüllt. Einige Dutzend Leute waren anwesend, eine bunte Mischung aus Studenten, Rentnern und Menschen mittleren Alters. Nach einer kurzen Einleitung legte der Autor auch schon los.

Sein über 900 Seiten starker Roman wurde in den letzten Monaten landauf, landab besprochen; ich habe ihn noch nicht gelesen, möchte es aber unbedingt nachholen. Eine Science-Fiction-Serie, für die ich verantwortlich bin, spielt eine wichtige Rolle in den ersten Kapiteln; später gibt es auch Heavy Metal und verliebte Jungs ...

Der Autor las einige Kapitel vor, meist kürzere Sequenzen, immer wieder unterbrochen durch eigene Moderation. Das war sehr amüsant, und im Publikum wurde häufig gekichert. Zu Recht – die Szenen aus dem dörflichen Milieu Ostfrieslands sind scharf beobachtet und pointiert beschrieben. Klasse!

Hinterher gingen die Veranstalter, zwei Studenten, der Autor und ich noch ein Bier trinken. So kam ich in den Genuss, die »Hebelstube« zu besuchen; eine Kneipe, die ich bislang nur von außen kannte. Immerhin gab's Pils, und wir unterhielten uns die nächsten Stunden über Raketenhefte, ernsthafte Literatur, snobistische Buchhändler, Verlage und Redakteure – sehr abwechslungsreich.

28 November 2011

Nach der Abstimmung

Als wir am Sonntag mittag im Wahllokal waren, hatten wir den Eindruck, es sei richtig was los: Ich hatte sogar das Gefühl, dass in Karlsruhe mehr Leute zur Abstimmung gingen als sich an der Bundestagswahl beteiligt hatten. Zeitweise herrschte fast Volksfeststimmung, zumindest was die Zahl der Besucher anging.

Leider hat mein Kreuzle nichts genutzt: Die Befürworter von Stuttgart 21 haben die Mehrheit erlangt. Das jahrelange Trommeln in fast allen Medien hat den Leuten offensichtlich die Ohren derart zugekleistert, dass sie diesen irrsinnig teuren Bahnhof mit allem Drum und Dran wollen.

Gut finden kann ich das nicht. Ich ärgere mich aber auch nicht sonderlich darüber. Der kurze Aufstand der Wutbürger scheint vorüber zu sein, bei der nächsten Wahl wird dann wieder die CDU an die Spitze der Regierung kommen, und alles ist gut.

Und 2020 dürfen wir durch einen neuen Bahnhof in Stuttgart spazieren, in Karlsruhe mit ener sündhaft teuren U-Bahn fahren - und gleichzeitig ist unser Bildungs- und Krankenhaussystem endgültig marode geworden. Man muss halt Prioritäten setzen in diesem Land ...

27 November 2011

Jugendsünde in schwarzweiß


Es wird Zeit, dass ich dieses Foto endlich hier auch dokumentiere: Es wurde bereits 2008 auf den Seiten von sf-fan.de verbreitet, so dass es ja kein großes Geheimnis mehr ist. Das Internet vergisst angeblich nichts, also kann ich dazu beitragen, dass meine eigenen Jugendsünden noch ein wenig länger sichtbar sind.

Das Fanzine »Theren« erschien vom April 1979 bis zum Sommer 1980; in meiner Sammlung befinden sich vier Ausgaben, und ich vermute, dass nicht viel mehr erschienen sind. Es war eines der ersten Fanzines, die ich 1979 überhaupt bestellte und las; eines der typischen Fanzines jener Zeit, die aus Kurzgeschichten, Grafiken, wenigen Artikeln und Buchbesprechungen bestanden.

Ich war ziemlich begeistert von den ersten Ausgaben, hielt mich in meinem übersteigerten Selbstbewusstsein sowieso für einen richtig guten Autor und wollte unbedingt in einer »Theren«-Ausgabe erscheinen. Das gelang mir im Sommer 1980 – ich gewann bei einem kleinen Story-Wettbewerb.

Die Gebrüder Börnsen veröffentlichten meinen Text und wollten ein Foto von mir dazu packen. Ich suchte eine Weile und fand dann eines, das zu diesem Zeitpunkt bereits gut zwei Jahre alt war. Und so kam es, dass mein erstes Foto in einem Fanzine eher skurril wirkt ...

26 November 2011

Von einem alten Bild

Ich träumte, und ich wusste zugleich, dass ich träumte. Es war Sommer, und ich saß mit nacktem Oberkörper auf einem alten Holzdach, unter den Dachsparren; die Ziegel fehlte, und ich drückte den Rücken gegen eine Dachlatte, was ein wenig kratzte.

Zuerst las ich, dann schaute ich mir alte Bilder durch. Es waren Schwarzweiß-Aufnahmen, und ich ordnete sie beim Anschauen sofort zu.

Unter anderem gab es ein Bild, auf dem meine Eltern zu sehen waren: lachend, fröhlich, in einer echten Party-Laune. Ebenso war der Großvater auf dem Bild zu sehen sowie Leute, die ich nicht kannte. Es war ein Bild aus der guten alten Zeit, wie man es sich vorstellte.

Ich wachte auf, als der Wecker klingelte. Im Reflex stellte ich ihn eine halbe Stunde vor und wollte weiterschlafen. Noch während ich wieder einschlief, dachte ich daran, dass es diese gute alte Zeit so nie gegeben hatte, dass dieses Bild einfach nicht richtig sein konnte.

Und als ich wieder aufwachte, plagte mich der Gedanke an dieses Bild. Wieso dachte ich an solche Bilder, wie kam das in mein Hirn? Ich benötigte einen Kaffee, eine Dusche und die halbe Fahrt bis zum Büro, bis es mir einfiel: In dieser Woche jährte sich der Todestag meiner Mutter.

Schon seltsam, welche Streiche einem das Hirn so spielt ...

25 November 2011

Parforce-Ritt durch Zeiten und Möglichkeiten

Der Schriftsteller Norbert Zähringer war mir bis vor einem halben Jahr völlig unbekannt. Wir kamen in Kontakt zueinander, weil er für die Tageszeitung »Die Welt« einen Artikel über PERRY RHODAN schrieb – den Artikel fand ich super, und ich bedankte mich hinterher dafür; eine kurze Korrespondenz schloss sich an.

Mittlerweile habe ich »Als ich schlief« gelesen, den 2006 bei Rowohlt veröffentlichten Roman des Schriftstellers, und ich habe tatsächlich Probleme damit, die Handlung des brillanten Werks zusammenzufassen. Es gibt einen Ich-Erzähler in diesem Roman, der aber – wie der Titel andeutet – einen großen Teil der Geschichte im Koma liegt; es gibt familiäre Beziehungen zwischen einem Nazi-Großvater, der nach dem Krieg in die USA gelangte, und einem iranischen Familienzweig.

Zwischen dem Leben in einer WG im Berlin der 80er-Jahre, dem Dritten Reich, dem Elend eines afrikanischen Kleinstaates, einem Irrenhaus am Aralsee oder einem Forschungszentrum in New Mexiko pendelt die Handlung hin und her, mit immer neuen, ungewöhnlichen Blickwinkeln und in einem Stil, bei dem sich knappe Dialoge mit präzisen Beschreibungen abwechseln.

Vielleicht hilft es, wenn ich den Roman als »Schnurre« bezeichne, als eine Ansammlung von ungewöhnlichen Geschichten und Themen, die teilweise mit irrwitzigen, aber stets passenden Sprüngen aufeinander folgen, die aber immer durch die jeweiligen Figuren und ein ganz bestimmtes Buch zusammengehalten werden.

Letztlich thematisiert der Roman immer eines: Was passiert eigentlich mit den vielen Möglichkeiten, die das Leben bereithält? Welche Zufälle gibt es, und was würde passieren, wenn an irgendeinem Punkt der Vergangenheit die Geschichte anders »abgebogen« wäre? Kein Wunder, dass der Autor gelegentlich das Gleichnis von "Schrödingers Katze" aufgreift.

»Als ich schlief« ist ein ungewöhnliches Buch, das sich Genre-Kategorien erfolgreich entzieht, das ich aber rundum unterhaltsam finde. Die 286 Seiten lasen sich superflott, und ich kann's nur jedem Leser empfehlen.

24 November 2011

Volksabstimmung am Sonntag

Ich bin ja immer gern bereit, Politiker für unfähige Trottel zu halten oder sie gar krimineller Machenschaften zu beschuldigen. Beispiele für diese Meinungen gibt es zu Hauf, jeder kennt selbst welche. Dabei vergesse ich gelegentlich, dass es Menschen in der Politik gibt, die das, was sie tun, einigermaßen ernsthaft betreiben.

Diese Woche werde ich zur Wahl gehen. Bewusst werde ich mein Kreuz setzen, an einer Stelle, deren Sinn mir hundertprozentig einleuchtet. Ich werde für »Ja« stimmen und damit einen Gesetzesentwurf der grün-roten Landesregierung unterstützen, die zumindest teilweise versucht, aus dem unsäglichen Konzept für Stuttgart 21 auszusteigen.

Mir ist dieser Bahnhofneubau nicht völlig gleichgültig, aber ich sehe ihn recht leidenschaftslos. Das Ding ist Geldverschwendung und wird ein unnötiger Protzbau werden. Jahre- und jahrzehntelange Gehirnwäsche sowie eine sogenannte Schlichtung haben dazu geführt, dass die Sicht der Befürworter als die einzig wahre gilt. Da muss ich einfach mein Kreuz dagegen setzen.

Was ich jetzt aber wirklich gut finde und woher mein Lob kommt: Die Landesregierung hat in jeden Haushalt eine Informationsbroschüre verschickt. In dieser wird ausführlich über das Gesetz informiert; zudem werden die Argumente und Gegenargumente zur Stuttgart-21-Diskussion aufgelistet.

Zwar weiß ich schon seit Monaten, wofür ich stimmen werde (auch wenn es mutmaßlich nichts bringen wird ...), aber ich habe die Broschüre dennoch durchgelesen. So eine Information finde ich dann echt gut – und ich hätte nie gedacht, dass ich mal öffentlich die Aktion einer Landesregierung loben würde!

Die Members und ihr zweiter Schlag

Eines der ersten Punkrock-Stücke, das ich jemals hörte, war »The Sound Of The Suburbs« von den Members; bis heute ist das ein richtig großartiger Song. Die Single war in den 70er-Jahren sogar so erfolgreich, dass sie in die offizielle Hitparade in England kam; ich kann sie mir bis heute anhören.

Nach ihrer hervorragenden ersten Langspielplatte, die 1979 herauskam, brachten sie 1980 die zweite in den Handel – diese kaufte ich mir unlängst bei meinem London-Trip. »1980 – the choice is yours« enthält sehr poppigen Punkrock, wie man ihn in den späten 70er-Jahren auf Platte presste. Ein Über-Hit wie der eingangs erwähnte ist nicht dabei, aber alle Stücke sind richtig gelungen.

Der Gesang ist ausdrucksstark und flott, musikalisch rotzt immer mal wieder der Punkrock zwischen den Pop- und Ska-Stücken hindurch. Heute würde das kein Mensch mehr unter Punk zusammenfassen; damals gehörte es offiziell dazu. Eine Klasse-Platte, die ich mir sicher noch oft anhören werde.

23 November 2011

Zeichen der Peinlichkeit

Der Bundestag schämt sich öffentlich, der Landtag von Baden-Württemberg legt eine Schweigeminute ein. Danach geht in beiden Parlamenten das übliche Gezänk zwischen profilierungssüchtigen Menschen weiter.

Man möchte »ein Zeichen gegen rechts« setzen, sich dafür entschuldigen, dass Nazis eine Mordserie laufen lassen konnten, ohne dass jemand ernsthaft gegen sie ermittelte. Und man möchte mal wieder die NPD verbieten.

Ui-ui, da zeigt die wehrhafte Demokratie aber mal ihre Zähne. Das sind fast noch härtere »Maßnahmen« als vor bald zwanzig Jahren, als landauf landab die Lichterketten ihre peinlichen Zeichen setzten (während die Polizei weiterhin die Antifa zusammenprügelte).

Ich bin sicher, wenn die Prügel- und Mord-Nazis das im Fernsehen mitbekommen, da werden die richtig Angst kriegen. Und garantiert ihre Meinung ändern. Ui-ui-ui.

22 November 2011

Polit-Zombie mit Buch unterwegs

Es bleibt einem als angeblich kritischem und mündigem Bürger ja nichts erspart. Nicht einmal Politiker, die man für die nächsten Jahre in der Versenkung glaubte, sind wirklich verschwunden. Und so kommt jetzt auch Karl-Theodor zu Guttenberg wieder zurück – ein Polit-Zombie, der offensichtlich nicht davon ablassen kann, sein Gesicht in jede Kamera zu halten.

Der Herder-Verlag, der unter dem Logo »Lesen ist Leben« im Buchhandel aktiv ist, bringt ein Buch des Adeligen heraus. Das Ding trägt den Titel »Vorerst gescheitert«, kommt diesen Monat noch in die Buchhandlungen und zeigt einen wichtig in die Kamera schauenden Guttenberg auf der Titelseite.

Giovanni di Lorenzo, der Chef der »Zeit«, war sein Interviewpartner; so steht es in der Ankündigung. Wir können getrost davon ausgehen, dass irgendein journalistischer Unterling die Texte zusammengestellt hat, weil di Lorenzo für die eigentliche Arbeit an so einem Interview-Buch wohl kaum die Zeit gefunen hat ...

Angeblich spricht Guttenberg in dem Buch unter anderem »über seinen Umgang mit den eigenen Fehlern, über die Zeit nach dem Rücktritt«; das würde mich ja schon mal interessieren. Viel spannender ist womöglich sein Gerede »über die Voraussetzungen für die Rückkehr eines immer noch enorm populären Politikers«.

Das Buch behandle zudem den schlechten »Zustand der deutschen Politik und Parteien und was dagegen getan werden müsste«. Das klingt überzeugend. Ich kann mir richtig gut vorstellen, was Guttenberg alles erzählt und wie eifrig ihm der Redakteur zuhört.

Ich will ja nicht gemein sein, aber mit dem »Zeit«-Chefredakteur und dem Ex-Minister haben sich zwei getroffen, die gut zusammenpassen. Beide Herren gelten als gutaussehend und eloquent, und das verspricht eine echt tolle Mischung. Der Journalismus ist in Deutschland längst nicht mehr viel wert, vor der Politik empfinde ich nur Ekel. Vielleicht sollte ich mir das Buch doch zulegen ...

21 November 2011

Sehr klassisch erzählter Krimi


Manchmal hilft es durchaus, klassische Romane zu lesen – wobei es eine Frage der Ansicht ist, ab welchem Alter und ab welcher Qualitätsebene ein Roman als »klassisch« zu bewerten ist. »The Dutch Shoe Mystery« ist ein klassischer Krimi, das steht fest, und er ist hierzulande in verschiedenen Übersetzungen und Auflagen erschienen.

Ich las zuletzt die Version von 1961, die im Rahmen der »Blau/Gelb-Kriminalromane« des Humanitas-Verlags Konstanz erschienen ist. In dieser Version trägt der Roman den Titel »Mörder im Hospital«; »1932« hieß der Roman, als er erstmals in deutscher Sprache publiziert wurde, noch »Das zerrissene Schuhband«, 1975 kam der Roman als »Würger im Hospital« heraus, und mittlerweile trägt der Roman den Titel »Das Geheimnis der Weißen Schuhe«.

Wahrscheinlich ist die aktuelle Übersetzung die beste. Denn wenn ich mir die manchmal gestelzten Formulierungen in dem Buch anschaue, wirkt das heute sehr gestelzt. Die Damen werden als »Fräulein« angesprochen, und es heißt nicht »Mr. Queen«, sondern »Herr Queen«.

Anderseits hat das auch seinen Reiz, und der gesamte Krimi ist ja nicht ohne Charme. Es gibt einen Mord im renommierten Dutch Memorial Hospital, und es ist davon auszugehen, dass der Täter zum Personal gehört. Ellery Queen, der Privatdetektiv, nimmt die Ermittlungen auf, die vor allem aus den intensiven Befragungen der Krankenhaus-Angestellten, Patienten und Verwandten des Mordopfers bestehen.

Das ist schön erzählt, kommt ohne jegliche Action aus und bleibt immer auf einer seriösen Ebene. Man spricht sich höflich an, man verhält sich korrekt, und sogar die Morde sind einigermaßen sauber. Und für Krimi-Fans, die gerne miträtseln, gibt es in diesem Roman sogar richtig viel Stoff – ich habe allerdings nicht selbst herausgekriegt, wer der Mörder ist.

Ellery Queen hat im Prinzip zur selben Zeit geschrieben wie der von mir ständig gelobte Georges Simenon. Doch wo Simenon seinen Kommissar tatkräftig und zugleich psychologisch geschickt ermitteln lässt, bleibt Ellery Queen recht brav; das finde ich im Jahr 2011 ein wenig zu ermüdend.

Nicht alle Klassiker sind automatisch dadurch besser als heutige Romane, weil sie so alt sind ...