08 November 2018

Ich erinnere mich an Achim Mehnert

Wann genau ich Achim Mehnert kennenlernte, kann ich nicht mehr genau sagen. Es muss in den ganz frühen 80er-Jahren gewesen sein, vermutlich schon 1981 beim StuCon in Stuttgart. Wir waren Science-Fiction-Fans, und wir waren immer wieder kreuz und quer durch die Republik unterwegs, per Anhalter und mit dem Gepäck auf dem Rücken.

Nicht nur einmal besuchte ich ihn in Köln, schlief nicht nur einmal im Schlafsack bei ihm auf dem Fußboden. Er besuchte mich in Dietersweiler, meinem Heimatdorf, wo er ebenfalls im Schlafsack übernachtete. So war das in den frühen 80er-Jahren. Wir waren jung, wir hatten kein Geld, aber viel Zeit und noch viel mehr Durst.

Er machte ein Fanzine namens »Denebola« und diverse Egozines, er veranstaltete Cons und schrieb Kurzgeschichten, er trank viel Bier und hörte laute Musik. Ich machte ein Fanzine namens »Sagittarius«, meine Musik klang ein wenig anders – sonst aber hatten wir erstaunlich viel gemeinsam. Er war ein wenig älter als ich, aber ich hätte uns immer als »gleichalt« betrachtet.

Wir waren gemeinsam auf Konzerten. Einmal fuhren wir nach Burglengenfeld bei Wackersdorf, wo wir das große »Anti-WAA-Festival« besuchten. Einmal schleppte er mich ins Müngersdorfer Stadion, wo wir uns U2 anschauten und er sich wunderte, warum ich die Vorgruppen allesamt besser fand. (Lou Reed oder die Pretenders oder Big Audio Dynamite waren um Längen cooler.)

Wir tranken viel Bier gemeinsam, er immer Kölsch, ich nur, wenn ich in Köln war. Er lästerte über das »Alpi« in Freudenstadt und trank es nur unter Protest. Wir saßen im »Milljöh« unzählige Male, wir saßen beim Jugendpark ums Grillfeuer, wir stromerten durch die Kneipen um den Barbarossaplatz, wie waren im »Blue Shell« und im »Rose Club«, im »Luxor« und in einem Laden, den ich nur als »Venuskeller« im Kopf habe, der aber sicher anders hieß. In Freudenstadt gingen wir ins »Nest« und hingen im Jugendzentrum an der Theke, wir waren in der »Schwarzwaldstube« und fuhren zu Partys, die irgendwo im Wald nur schwer zu finden waren.

Wir trafen uns überall in der Republik bei Cons, wo wir über Science Fiction und Musik sprachen, miteinander um die Häuser zogen und viel Spaß hatten. Kleinstädte wie Mettlach waren auf unserer Landkarte markiert wie Metropolen. Ich könnte tagelang Geschichten erzählen.

Ab den 90er-Jahren veränderte sich unser Verhältnis, es war berufsbedingt. Achim wurde freiberuflicher Autor – was ja mein Traumberuf gewesen war und seiner auch –, und ich wurde Redakteur. In den Serien, für die ich verantwortlich war, veröffentlichte er über ein Dutzend Romane. Meist arbeitete er für andere Verlage, und da waren wir nicht immer einer Meinung.

Zuletzt war unser Verhältnis nicht mehr so eng wie vor 30 oder 35 Jahren. Wir sahen uns auf Messen und Cons, und ich freute mich immer, wenn ich ihn sah. Als ich heute morgen las, dass er gestorben sei, verschlug es mir die Sprache. Von dem Schock habe ich mich noch nicht erholt; das wird so schnell auch nicht geschehen.

(Das Foto ist aus dem Jahr 2003 und stammt aus dem internen Server unserer Redaktion. Leider weiß ich nicht, wer der Urheber ist. Diese Angabe reiche ich nach, sobald ich sie weiß. Aber das Bild scheint von einer Präsentation zu stammen, in der es um die ATLAN-Miniserie ging.)

1 Kommentar:

J. hat gesagt…

Bin ebenfalls geschockt.

Ich kenne Achim ja erst seit knapp mehr als zehn Jahre, seit dem Garching Con 2005, denke ich. Was mir am stärksten in Erinnerung bleibt. Wenn mich jemand fragen würde wie ich mir eine Kölsche Frohnatur vorstelle, dann würde ich wohl Achim als einen Prototypen benennen. Er war eigentlich immer guter Laune und stets offen für einen Schwatz. Seinen Musikgeschmack teilte ich in weiten Teilen, seine Besprechungen auf seinem Blog las ich stets gerne.

Wir sahen uns auf einigen Cons, hatten immer gute Gespräche und Spass und gerne das ein oder andere Bier dabei. Beim ColoniaCon war er immer auf Achse aber man hatte nie das Gefühl es würde ihn belasten, sondern dass er das was er da tut richtig gerne macht. Am Lagerfeuer beim Jugendpark haben wir wohl einiges an Liedgut geschmettert.

Er wird fehlen. Wirklich traurig. Mein Beileid den Hinterblieben.