17 Januar 2017

Sagittarius kam im Winter

In diesen Tagen beschäftige ich mich gelegentlich mit Sagittarius. Damit ist nicht das Sternbild Schütze gemeint – es geht um eine Zwerggalaxis, die unsere heimische Milchstraße umkreist. Und wie es der Zufall eben so will, wird es demnächst Romane geben, die dort spielen. Da fällt mir selbstverständlich sofort ein, wie das »damals« war.

Ende Januar 1980 kam die erste Ausgabe des Fanzines SAGITTARIUS heraus; es war mein erstes Science-Fiction-Fanzine. Ich war mächtig stolz auf das Heft, das einen Umfang von 48 Seiten und eine Auflage von 100 Exemplaren hatte.

Schaue ich mir das Heft heute an, erkenne ich die vielen Schwächen, die es hatte. Für einen Jungen, der gerade mal 17 Jahre alt geworden war und in einem Dorf im Schwarzwald wohnte, war es aber eine riesige Leistung, so ein Heft aus dem Boden zu stampfen. Dass ich damals unglaublich stolz darauf war, kann ich heute noch sehr gut verstehen.

Zuvor hatte ich an Schülerzeitungen mitgewirkt oder eine eigene Zeitung produziert, die eine Auflage von genau einem Exemplar hatte. SAGITTARIUS bedeutete den ersten Schritt zu all den Dingen, die mein Leben danach prägen sollten: Ich schloss mit allen möglichen Leuten meine ersten Kontakte, korrespondierte mit vielen Leuten in der ganzen Republik und traf auch bald die ersten Profis.

Über SAGITTARIUS kam ich zur Südwest-Presse und von dort aus weiter. Über SAGITTARIUS kam ich letzten Endes an den Verlag, in dem ich heute arbeite. Und ohne SAGITTARIUS und den Spaß, den ich damit hatte, wäre sicher auch kein ENPUNKT entstanden, keine Mitarbeit am »Zap«- und »Ox«-Fanzine und damit eben keine »Peter Pank«-Romane.

Dass ich mich in diesen Tagen wieder mit dem realen Sagittarius beschäftige, finde ich vor diesem Hintergrund sehr witzig. Ich schwöre, dass ich das den Autoren nicht eingeredet habe – die sind da selbst draufgekommen ...

Kommentare:

RoM hat gesagt…

Aloha, Klaus.
Um 1980 war dann wohl auch die erste Welle der hiesigen SF-Bearbeitung. Verlage stockten die Anzahl der Titel auf. Im Ersten kam es Samstag nächtens tatsächlich zu einer Filmreihe, in der man/frau all die klassischen Lücken schließen konnte. In etwa der Zeit dürfte mir als erstes PR an den Drehregalen der Kioske aufgefallen sein.
'Empire' kam in den Jahr heraus - und während sich mancher wieder elitär die Nase rümpfte, fanden die Fans Gefallen daran.
Sollte damals noch Jahre dauern bis mir Fandom & Sagittarius über den Weg stiefelten.

bonté

Enpunkt hat gesagt…

Stimmt. 1980 war eine gute Zeit für Comics, Science Fiction und Fantasy – all diese Dinge wurden erstmals ein wenig populärer. (Und Punkrock konnte man in deutschen Plattenläden kaufen. Auch in Süddeutschland ...)

RoM hat gesagt…

...stimmt. Quasi wieder einmal der bevorstehende "Sittenverfall" & "Untergang des christlichen Abendlandes!" damals.

bonte

Christina hat gesagt…

Für einen siebzehnjährigen hast Du bessere Texte geschrieben, als manch ein studierter Journalist von heute. Die Filmbesprechung von »Flashdance« zum Beispiel.

Enpunkt hat gesagt…

An Christina: Wobei ich bei »Flashdance« immerhin schon 19 war (oder so) und mich der damalige Lokalredakteur stramm redigiert und unterstützt hat. Das muss ich halt auch sagen: Bei der Südwest-Presse hatte ich einige echt knallharte Zuchtmeister ...