26 Juni 2014

Der Mann aus Stahl neu entdeckt

»Superman ist eine Ikone, seine Geschichte eine moderne Heldensage« – normalerweise finde ich solche werblichen Aussagen, die auf den Rücken eines Buches gedruckt werden, eher nervend, aber diesmal stimmt es. Die Geschichte des Superman, der als Kind von einem fremden Planeten auf die Erde kommt, dort als ganz normaler Junge in Smallville aufwächst, in Metropolis später als Reporter arbeitet und in seiner Verkleidung dann ständig die Welt rettet, gehört tatsächlich zu den großen Erzählungen des zwanzigsten Jahrhunderts.

Und immer wieder wird die Geschichte neu erzählt. Ich habe jetzt endlich den ersten Band von »Superman: Erde Eins« gelesen, der bereits Ende 2012 in deutscher Sprache erschienen ist. Die Geschichte ist von den Grundzügen her bekannt, sieht man davon ab, dass das letzte Drittel des Comic-Bandes aus einer Invasion bösartiger Außerirdischer besteht, die von Superman persönlich abgewehrt wird.

Ins Detail muss ich sicher nicht gehen, die Grund-Story ist bekannt. Nur so viel: J. Michael Straczynski, der den Comic-Band textete, ist als Autor für Comics und Fernsehserien wie »Babylon 5« bekannt geworden – er weiß also, wie man Geschichten erzählt. Er holt die psychologische Seite zum Vorschein, zeigt Clark Kent als Menschen mit Fehlern und Schwächen, mit Problemen und einer tief greifenden Moral, die er von seinen Zieheltern gelernt hat.

Das Ganze kommt nicht ohne eine gewisse amerikanisch-patriotische Note aus, der Zeigefinger wird aber nicht zu sehr erhoben. Zudem wird ganz nebenbei erklärt, warum Superman sich nicht um den Hunger auf der Erde oder den Weltfrieden kümmert: Er ist unpolitisch, möchte sich nicht zum Diener von irgendwelchen Regierungen machen und schützt deshalb lieber die einfachen Leute gegen die Gangster.

(Dass die schlimmsten Gangster heutzutage in Anzug und Krawatte herumlaufen, mit Milliarden jonglieren und die Regierungen der Erde quasi in Geiselhaft halten, kann in so einem Superhelden-Comic auch kaum thematisiert werden.)

Das klingt einigermaßen platt, ist aber packend und vielschichtig erzählt. Herausragend wird der Comic durch die beeindruckenden Grafiken von Shane Davis. Seine Action zeichnet der Mann brillant und knallig, aber auch Erzählszenen wirken glaubhaft. Am stärksten gelingen Davis vor allem die ruhigen Bilder: Superman, der in der Luft schwebt und nachdenkt, beispielsweise ...

Alles in allem ein packender Superhelden-Comic. Wer bisher glaubte, von Superman schon alles zu kennen oder die Figur an sich doof zu finden, schaue sich zumindest mal die kostenlose Leseprobe auf mycomics.de an.

1 Kommentar:

Andreas Schweitzer hat gesagt…

Ich fand das Comic auch große Klasse. Hat mir sowohl grafisch als auch storymäßig sehr zugesagt. Den zweiten Teil kann ich auch empfehlen. Ist auch sehr lesenswert.